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The Development of Human Consciousness
GA 228

15 September 1923, Dornach

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Der Mensch In Vergangenheit, Gegenwart Und Zukunft Vom Gesichtspunkt Der Bewusstseinsentwickelung II

Humanity in the Past, Present, and Future from the Perspective of the Development of Consciousness II

[ 1 ] Gestern wollte ich an der Entwickelung der unserer anthroposophischen Bewegung gerade im gegenwärtigen Augenblick naheliegenden Druidenkultur gewissermaßen die Seelenverfassung einer älteren Zeit in einer gewissen Gegend illustrieren. Wir können uns, wenn wir eben in der Entwickelung der Menschheit drei, vier, fünf Jahrtausende — es ist verschieden für die verschiedenen Gegenden der Erde — zurückgehen, immer hineinfinden in solche ganz andersartige Seelenverfassungen der Menschen, die natürlich als Seelenverfassungen wiederum bedingen, daß die ganze geistige und soziale Lenkung und Leitung des menschlichen Lebens sich nach den Voraussetzungen einer solchen Seelenverfassung einer Zeitepoche richtet.

[ 1 ] Yesterday, I wanted to use the development of the Druidic culture—which is particularly relevant to our anthroposophical movement at this very moment—to illustrate, in a sense, the spiritual disposition of an earlier time in a certain region. If we go back three, four, or five millennia in the development of humanity—it varies for different regions of the Earth—we can always find ourselves immersed in such entirely different states of mind among people, which, as states of mind, naturally in turn determine that the entire spiritual and social guidance and direction of human life is oriented toward the conditions of such a state of mind characteristic of a particular epoch.

[ 2 ] Es hängt die Entwickelung, die damit angedeutet ist, zusammen mit der allmählichen Entfaltung des menschlichen Bewußtseins. Die Menschen waren eben in älteren Zeiten ganz andere Wesen als in der Gegenwart, und sie werden in Zukunftszeiten wiederum andere Wesen sein. Die landläufige Geschichte verzeichnet wenig von diesen Dingen. Daher ist auch, wenn man ein paar Jahrhunderte über den historischen Gegenwartsmoment hinausgreift, dasjenige, was als gewöhnliche Geschichte vorliegt, zum großen Teil für eine wirkliche menschliche Auffassung von illusionärer Natur. Und ich habe ja gestern angedeutet, wie wir in der Hauptsache drei Etappen des menschlichen Bewußtseins — natürlich wiederum mit unerläßlich vielen Nuancen — beobachten werden müssen. Das, was wir heute unsere Bewußtseinszustände nennen, Wachen, Träumen, Schlafen, das ist ja eben Gegenwart, allerdings eine Gegenwart, die sich über Jahrhunderte, ja Jahrtausende ausbreitet, aber eben in historischem Sinne Gegenwart. Und wenn wir zurückgehen in ältere Zeiten der Menschheitsentwickelung, dann haben wir gar nicht den gestern geschilderten heutigen Wachzustand mit den in logischen Zusammenhängen verlaufenden Vorstellungen. Je weiter wir in der Menschheitsentwickelung zunächst zurückgehen, desto mehr finden wir nicht ein solches logisches Bewußtsein, das eigentlich mit aller Strenge erst heraufgekommen ist im 14., 15. nachchristlichen Jahrhundert, das seinen Anfang genommen hat in den späteren Zeiten des Griechentums; in den älteren Zeiten aber finden wir dafür ein viel lebendigeres, von Bildern, nicht von Vorstellungen erfülltes Bewußtsein, und zwar finden wir ein solches Bewußtsein bei der gesamten Menschheit.

[ 2 ] The development implied here is linked to the gradual unfolding of human consciousness. In earlier times, human beings were quite different creatures than they are today, and in the future they will be different creatures once again. Conventional history records little of these things. Therefore, if one looks a few centuries beyond the present historical moment, what is presented as ordinary history is, for the most part, illusory from the perspective of a true human understanding. And as I indicated yesterday, we must observe, in essence, three stages of human consciousness—naturally, with the inevitable many nuances. What we today call our states of consciousness—waking, dreaming, sleeping—is, after all, the present; albeit a present that spans centuries, even millennia, but nonetheless the present in the historical sense. And when we go back to earlier periods of human development, we do not find the modern waking state described yesterday, with its thoughts unfolding in logical connections. The further back we go in human development, the less we find this kind of logical consciousness—which actually emerged in all its rigor only in the 14th and 15th centuries A.D., having taken its first steps in the later periods of Greek civilization; in earlier times, however, we find instead a much more vivid consciousness, filled with images rather than concepts, and indeed we find such a consciousness among all of humanity.

[ 3 ] Was wir heute Naturkräfte nennen, das kannte ja die ältere Menschheit in der Form gar nicht. Die Zeit, die ich Ihnen gestern geschildert habe, sprach nicht von meteorologischen Gesetzen, die in Wind und Wetter walten, sie sprach, wie ich angedeutet habe, von Bildhaft-Wesenhaftem, von Elementargeistern, die an den Pflanzengrenzen walten, von Riesen, von geistigen Wesenheiten, die in Wind und Wetter, in Frost und Hagel, in Sturm und Donner und so weiter walten. Da war alles in der Naturanschauung lebendig. Da wurden keine logischen Schlüsse gemacht. Da sah man hin auf das Leben und Weben und Wogen und Wellen geistiger Wesenheiten in den Dingen und auch in den elementarischen Naturerscheinungen. Der Grund der inneren Seelenzustände dieser älteren Menschheit war eben ein durchaus anderer als der heutige. Dieser Seelenzustand war so, daß eigentlich der Mensch viel mehr als heute in sich eingeschlossen war. Aber dieses In-sich war eben wieder ein anderes, als wir es jetzt kennen. Dieses In-sich war zu gleicher Zeit ein in lebendigen Traumbildern webendes Bewußtsein, das aber hinausführte in die Weltenweiten. Man sah Bilder, aber man sah diese Bilder nicht so, wie man heute einen Gedanken hat und da draußen sind die Dinge. Nein, was man als Riesenwesen, Frostriesen, Sturmriesen, Feuerriesen empfand, was man als Wurzelgeister, Blattgeister, Blütengeister empfand, in dem fühlte man sich verbunden mit der Pflanze, mit Wurzeln, Blättern, Blüten, mit dem Blitz, mit dem Donner. Man trennte sich nicht, weil man Geistiges, Bildhaft-Geistiges im Innern erlebte, in seinem Seelenleben von der äußeren Natur.

[ 3 ] What we call natural forces today was something that ancient humanity did not know in that form at all. The era I described to you yesterday did not speak of meteorological laws governing wind and weather; as I indicated, it spoke of pictorial, essential realities—of elemental spirits ruling at the boundaries of plants, of giants, of spiritual beings ruling over wind and weather, frost and hail, storms and thunder, and so on. Back then, everything in the perception of nature was alive. No logical conclusions were drawn. People looked upon the life, the weaving, the surging, and the undulating of spiritual beings within things and also within the elemental phenomena of nature. The basis of the inner states of mind of this earlier humanity was, in fact, quite different from what it is today. This state of mind was such that human beings were actually much more inwardly focused than they are today. But this inward focus was, in turn, different from what we know now. This inward focus was at the same time a consciousness weaving within living dream images, yet one that led out into the vastness of the worlds. People saw images, but they did not see these images in the same way that we have a thought today and things exist out there. No, what they perceived as giant beings—frost giants, storm giants, fire giants—and what they perceived as root spirits, leaf spirits, and flower spirits—in these they felt connected to the plant, to roots, leaves, and flowers, to lightning, and to thunder. People did not separate themselves from external nature because they experienced the spiritual, the pictorial-spiritual, within themselves, in their inner life.

[ 4 ] Nicht gerade in den allerältesten Zeiten, die ich in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» geschildert habe, wohl aber in den Zeiten, die darauf folgten, da kann man geistig beobachten, wie diese Seelenverfassung eine ganz bestimmte Gemütsstimmung in den für die damalige Zeit maßgebenden zivilisierten Völkern hervorrief. Es gab schon eine Zeitepoche, in welcher die Menschen innerlich geistig noch viel wahrnahmen von dem, was eigentlich menschliche Wesenheit ist. Sie schauten in diesen Bildern, die ich eben beschrieben habe, nicht bloß die Gegenwart ihres Daseins, sie schauten das vorirdische Leben, sie schauten hin, wie man jetzt in eine Raumperspektive hineinschaut, in eine Zeitperspektive. Nicht Erinnerung war es, Schau war es. Sie schauten über ihre Geburt hinaus in eine geistige Welt hinein, aus der sie heruntergestiegen waren zum irdischen Menschenleben. Es war dieser älteren Menschheit natürlich, auf dieses vorirdische Dasein hinzuschauen und zu empfinden: Als Mensch bin ich ein geistiges Wesen, denn bevor ich einen irdischen Leib angenommen habe, ruhte ich im Schoße der Geistigkeit, verbrachte dort mein Dasein, erlebte dort mein Menschenschicksal noch nicht in einem physischen Leibe, sondern in einer — wenn ich mich so ausdrücken darf, trotzdem es paradox ist — geistigen Leiblichkeit.

[ 4 ] Not exactly in the very earliest times, which I have described in my Outline of Esoteric Science, but certainly in the times that followed, one can spiritually observe how this state of the soul evoked a very specific mood among the civilized peoples who were dominant at that time. There was indeed an epoch in which people still perceived much, inwardly and spiritually, of what human beinghood actually is. In these images I have just described, they did not merely see the present of their existence; they saw their pre-earthly life; they looked at it just as one now looks into a spatial perspective or a temporal perspective. It was not memory; it was vision. They looked beyond their birth into a spiritual world from which they had descended into earthly human life. It was natural for this earlier humanity to look toward this pre-earthly existence and to feel: As a human being, I am a spiritual being, for before I took on an earthly body, I rested in the bosom of the spiritual realm, spent my existence there, and experienced my human destiny not yet in a physical body, but in a—if I may put it this way, even though it is paradoxical—spiritual corporeality.

[ 5 ] Die Forderung, an den Geist zu glauben, wäre für diese ältere Menschheit ganz absurd gewesen, so wie es heute für den Menschen absurd ist, an Berge zu glauben. Denn Berge sieht man. Das geistige vorgeburtliche Leben sah man damals, allerdings innerlich in Seelenschau, aber man schaute es innerlich. Es kam eine Zeit, in der die Menschen zwar dieses innerlich Menschliche geistig erschauten als die Ereignisse des vorirdischen Daseins, in denen aber immer mehr und mehr die Natur selber, die draußen in ihrer Umgebung war, zu einer Art Rätsel wurde. Ich möchte sagen, es drängte sich allmählich in der Menschheitsentwickelung die reine Sinnesbeobachtung vor.

[ 5 ] The demand to believe in the spirit would have been completely absurd for that earlier humanity, just as it is absurd for people today to believe in mountains. For mountains can be seen. At that time, people could see their spiritual, prenatal life—albeit inwardly, through a vision of the soul—but they did see it inwardly. There came a time when people, while still spiritually perceiving this inner human aspect as the events of pre-earthly existence, found that nature itself—which was outside in their surroundings—became more and more of a mystery. I would say that, in the course of human development, pure sensory observation gradually came to the fore.

[ 6 ] In ganz alten Zeiten, in Zeiten des Urindertums, wie ich sie in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» geschildert habe, da sah der Mensch überhaupt alles noch geistig, auch die Natur. Aber ein Fortschritt bestand darin, daß die Schauung des Geistigen innerlich blieb, dagegen die Natur allmählich anfing — wenn ich mich so ausdrücken darf — entgeistigt zu werden. Der Mensch schaute dann hinaus. Während er innerlich fühlte, er ist Geist vom Geiste, schaute der Mensch hinaus auf die blühende Pflanzenflur, auf die Wolke, die den Blitz aus sich heraustreibt, auf Wind und Wetter, auf die zierlichen oder wunderbar gestalteten Kristalle, auf Berg und Tal, auf all das schaute der Mensch. Und da kam eine gewisse Stimmung, die man durch lange Zeitepochen hindurch geisteswissenschaftlich verfolgen kann, gerade über dasjenige, was damals zivilisierte Menschheit war, die Stimmung, die sich etwa ausdrücken läßt auf folgende Art: Wir Menschen sind Geist vom Geiste. Wir waren im vorirdischen Dasein mit der Geistigkeit als Menschenwesen verbunden. Jetzt sind wir in die natürliche Umgebung versetzt. Wir schauen die schönen Blumen, die gigantischen Berge, wir schauen das mächtige Walten der Natur in Wind und Wetter. Aber das ist entgeistigt. — Und immer mehr und mehr kam herauf die Vorstellung bloßer Natur in der Umgebung.

[ 6 ] In very ancient times, in the era of primordial spirit, as I have described it in my Outline of Esoteric Science, human beings still perceived everything—including nature—in a spiritual way. But one sign of progress was that the perception of the spiritual remained within, while nature gradually began—if I may put it that way—to become de-spiritualized. Humanity then looked outward. While inwardly feeling that it was spirit born of spirit, humanity looked out upon the blossoming meadows, upon the cloud from which lightning bursts forth, upon wind and weather, upon the delicate or wondrously shaped crystals, upon mountains and valleys—upon all of this, humanity gazed. And then a certain mood arose—one that can be traced through long epochs of history from a spiritual-scientific perspective—precisely over what was then civilized humanity; a mood that can be expressed, for example, in the following way: We human beings are spirit born of spirit. In our pre-earthly existence, we were connected to the spiritual realm as human beings. Now we have been placed within the natural environment. We look at the beautiful flowers, the gigantic mountains; we look at the mighty forces of nature in wind and weather. But this is devoid of spirit. — And more and more, the idea of mere nature in our surroundings began to take hold.

[ 7 ] Nun empfand, nun sah aber der Mensch — ich meine natürlich immer den vorgeschrittenen Menschen, den Menschen, den man dazumal einen zivilisieren in unserer Sprache nennen kann —, daß ihm sein Leib herausgebildet wird aus den Substanzen, aus den Stoffen dieser Natur, die entgeistigt, entgöttlicht ist. Wenn so etwas über den modernen Menschen, über den Menschen der Gegenwart kommen würde, dann würde er darüber spekulieren, philosophieren, würde er nachdenken darüber. Das war zunächst bei dem Menschen einer älteren Zeit nicht der Fall. Er dachte nicht nach, aber er empfand eine ungeheure Disharmonie zwischen dem, was er in seinem Inneren erlebte: Ich bin Geist aus Geistesland, meine eigentliche Menschenwesenheit stammt aus göttlichen Höhen, aber ich bin umkleidet mit etwas, was aus der entgeistigt erscheinenden Natur genommen ist, mein geistiges Dasein ist verwoben mit etwas, was mir nicht den Geist zeigt. Aus derselben Substanz, aus der die blühenden Pflanzen auf den Fluren genommen sind, aus derselben Substanz, aus der das Wasser aus den Wolken und Regengüssen ist, aus derselben Substanz ist mein Leib. Diese Substanz ist aber entgöttlicht. — Und der Mensch empfand das wie ein Verstoßensein aus der geistigen Welt, wie ein Herausgestoßensein in eine Welt, der er eigentlich mit seinem Wesen nicht angehört.

[ 7 ] Now, however, human beings—and by this I mean, of course, the advanced human being, the kind of person who, in our language, might be called a “civilized” person at that time—began to sense and to see that their bodies were being formed from the substances, from the materials of this nature, which had been stripped of spirit and divinity. If something like this were to occur to modern man, to the man of the present, he would speculate about it, philosophize about it, and reflect on it. At first, this was not the case for the man of an earlier time. They did not reflect on it, but they sensed an immense disharmony between what they experienced within themselves: “I am a spirit from the realm of the spirit; my true human being originates from divine heights, yet I am clothed in something taken from nature, which appears to be devoid of spirit; my spiritual existence is interwoven with something that does not reveal the spirit to me.” My body is made of the same substance as the flowering plants in the fields, the same substance as the water from the clouds and downpours. But this substance is devoid of the divine. — And human beings perceived this as an expulsion from the spiritual world, as being cast out into a world to which they do not truly belong by their very nature.

[ 8 ] Diese Stimmung könnte man, wie das heute mit sehr vielen Kulturstimmungen geschieht, ablehnen, verschlafen. Aber die wachen Leute der damaligen Zeit empfanden sie, und in Stimmungen, in Empfindungen entwickelt sich die Menschheit, nicht in Vorstellungen und Gedanken. Denn selbst unsere Gedankenentwickelung in unserer Zeit ist nur eine episodische Entwickelung — wie wir gerade in diesen Vorträgen sehen werden — und der Mensch, der in Gedanken bloß redet, er redet eigentlich in Unwirklichkeit. Gerade das heutige Reden der Menschen ist ein Reden der Menschen in Unwirklichkeit. Diejenigen, die sich am meisten als Praktiker dünken und in Hochmut vor ihrer Praxis geradezu platzen, diese Menschen sind im Grunde genommen die stärksten Theoretiker. Die Theoretiker sitzen heute in den Büros, natürlich auch auf den Lehrstühlen, da ist es, ich möchte sagen, selbstverständlich; aber sie sitzen auch in den Büros, gehen in der Handelswelt herum. Alles ist theoretisch eingestellt, alles ist in Gedanken aufgefangen. Das ist eine Episode. Die hat zunächst keine Wahrheit. Ihre Wahrheit wird sie erst haben, wenn diese Menschen über dieses Leben in Gedanken empfinden werden, fühlen werden, so wie einstmals die Menschheit gefühlt hat, als die Natur ihr entgeistigt erschien: Wir sind verstoßen, ein verstoßenes Geschlecht; wir sind heraus aus göttlich-geistigen Höhen, wo wir eigentlich hineingehören, sind versetzt in eine Welt, in die wir mit unserem innersten Menschenwesen nicht hineingehören.

[ 8 ] One could reject this mood—or let it pass one by—as is often the case with so many cultural moods today. But the alert people of that time sensed it, and humanity develops through moods and feelings, not through ideas and thoughts. For even the development of our thoughts in our own time is merely an episodic development—as we shall see in these very lectures—and the person who merely speaks in thoughts is, in fact, speaking in unreality. The very way people speak today is a way of speaking in unreality. Those who consider themselves the greatest practitioners and are positively bursting with pride over their practice—these people are, at heart, the strongest theorists. Today, the theorists sit in offices—and, of course, in university chairs as well; there, I might say, it goes without saying—but they also sit in offices and move about in the business world. Everything is framed theoretically; everything is captured in thought. This is an episode. It has no truth to begin with. It will only possess its truth when these people come to perceive and feel this life in their thoughts, just as humanity once felt when nature appeared to them as devoid of spirit: We are cast out, a cast-out race; we have been removed from the divine-spiritual heights, where we truly belong, and placed in a world to which our innermost human being does not belong.

[ 9 ] Ein Ergebnis dieser Stimmung ist erst dasjenige, was dann aufgekommen ist als Ausdruck, als Offenbarung dieser Stimmung: die Empfindung vom Sündenfall der Menschheit. Diese Vorstellung vom Sündenfall entstand aus einer Bewußtseinswandelung. Man sagte sich: Man ist verstoßen aus der geistigen Welt; das muß aus einer Urschuld kommen. — Und so dämmerte durch das Menschenbewußtsein in einer gewissen Epoche die Anschauung von einer Urschuld, von einem Sündenfall der Menschheit. Auch diese Anschauung von einer Urschuld, von einer vorzeitlichen Schuld, einem vorzeitlichen Sündenfall versteht man, wenn man versteht die Bewußtseinswandelung des Menschengeschlechtes aus der Vergangenheit durch die Gegenwart in die Zukunft. Und was der Mensch brauchte in jener Epoche, indem diese Stimmung über ihn kam, das war nicht eine graue Theorie, das war vor allen Dingen etwas, was so in Worte gekleidet werden konnte, daß die Worte Balsam sein konnten für Seelen, die Trost brauchen. Was wir oftmals als die Führung der Menschheit in den alten Kult- und Religionsstätten, in den Mysterien bezeichnet haben, das sehen wir auftauchen in einem gewissen Zeitalter, das etwa zusammenfällt mit der urpersischen, mit der urchaldäischen, vorderasiatischen Kultur. Wir sehen das Zusammenfallen mit dem, was in den Mysterienpriestern entstand als den großen Tröstern der Menschheit. Tröster wurden sie. Aus den Mysterien strahlte Trost aus. Denn jene Bewußtseinsentwickelung der damaligen Zeit brauchte Trost. Die Worte mußten von etwas Seelenhaftem durchströmt sein, das eben wie Balsam, wie tröstender Balsam zu den Herzen sprach. Es ist die Zeit, die in bezug auf Religions- und Kunstschöpfungen, wenn auch in einer gewissen Beziehung andersartig als die späteren Zeiten, dennoch von einer grandiosen Schöpferkraft war. Vieles von Einzelheiten in unserer Kunst, in unseren religiösen Vorstellungen stammt eben noch aus jener Zeit. Insbesondere Kultsymbole, Kultbilder, Kulthandlungen stammen vielfach aus jenen alten Zeiten.

[ 9 ] One result of this mood is precisely what then emerged as an expression, as a revelation of this mood: the sense of humanity’s Fall. This concept of the Fall arose from a transformation of consciousness. People told themselves: We have been cast out of the spiritual world; this must stem from an original sin. — And so, during a certain epoch, the notion of an original sin, of a Fall of humanity, dawned upon human consciousness. This notion of an original sin, of a prehistoric guilt, a prehistoric Fall, can also be understood when one comprehends the transformation of human consciousness from the past through the present into the future. And what humanity needed in that epoch, as this mood came over them, was not a dry theory; it was, above all, something that could be clothed in words in such a way that the words could be a balm for souls in need of comfort. What we have often referred to as the guidance of humanity in the ancient places of worship and religion, in the mysteries, we see emerging in a certain era that roughly coincides with the proto-Persian, proto-Chaldean, and Near Eastern cultures. We see this coinciding with what arose in the mystery priests as the great comforters of humanity. They became comforters. Comfort radiated from the mysteries. For the development of consciousness at that time needed comfort. The words had to be imbued with something soulful that spoke to the hearts just like balm—like comforting balm. It was an era that, in terms of religious and artistic creations—though in some respects different from later times—was nonetheless marked by a magnificent creative power. Many of the details in our art and in our religious concepts still stem from that very time. In particular, ritual symbols, ritual images, and ritual acts often originate from those ancient times.

[ 10 ] Woraus sprachen jene Mysterienlehrer, die diesen Trost zu geben hatten? Ja, wenn sozusagen das allgemeine Wachbewußtsein in einem solch lebendigen Bilderbewußtsein bestand, wie ich es beschrieben habe, so gab es doch auch in der damaligen Zeit drei Bewußtseinsstufen. Wie es heute Schlafen, Träumen, Wachen gibt, so gab es eben in der damaligen Zeit auch gegenüber dem Wachträumen, das eben allgemeines waches Menschheitsbewußtsein war, wie ich schon gestern angedeutet habe, das Schlafen nicht so, wie es heute vom gewöhnlichen Bewußtsein ausgeführt wird, daß der Schlaf eigentlich dasjenige ist, was das Bewußtsein vollständig ablähmt. Zwar während des Schlafes war das Bewußtsein sehr dumpf auch bei jener älteren Menschheit, aber beim Erwachen blieb etwas zurück. Ich bezeichnete es gestern damit, daß der Mensch gewissermaßen, wenn er aufwachte, innerlich den Nachgeschmack vom Schlafe hatte. Die meisten Menschen fühlten sich innerlich durchdrungen nicht etwa bloß auf der Zunge oder auf dem Gaumen —, sie fühlten sich innerlich durchdrungen als Nachgeschmack des Schlafes von einer gewissen Süßigkeit des Erlebens. Es strömte die Süßigkeit des Erlebens vom Schlafes- auf das Tagesleben aus. Man erkannte in dieser Süßigkeit gerade den gesunden Zustand des Lebens, während, wenn sich andere Geschmäcke hineinmischten, man dieses als Andeutung von Krankheit empfand. Es klingt dem heutigen Menschen paradox, wenn man ihm sagt, eine ältere Menschheit empfand die süße Nachwirkung des Schlafes in den Gliedern, in den Armen bis in die Fingerspitzen, in den andern Gliedern des Organismus. Aber es war eben so, geisteswissenschaftliche Forschung zeigt das. Der Sprachgenius hat davon manches erhalten, nur hat er es materialistisch vergröbert. Der Schlaftrunk war einstmals etwas Geistiges, nämlich der Schlaf selber. Er wurde erst nachher etwas Materialistisches, was man als Flüssigkeit trank. Der Schlaf selber war ein Trunk aus der Natur, ein Trunk, durch den die gewöhnliche Tageserinnerung hinschwand. Er war zugleich ein Vergessenheitstrunk.

[ 10 ] What were those teachers of the mysteries, who were tasked with offering this comfort, actually speaking about? Indeed, if—so to speak—general waking consciousness consisted of such a vivid, pictorial consciousness as I have described, there were nevertheless three levels of consciousness even in those days. Just as today there is sleeping, dreaming, and waking, so too in those days—in contrast to waking dreaming, which was, as I indicated yesterday, the general waking consciousness of humanity—there was a form of sleep that was not like the sleep experienced by ordinary consciousness today, in which sleep actually completely numbs consciousness. True, during sleep consciousness was very dull even among that earlier humanity, but upon awakening something remained. I described it yesterday by saying that, in a sense, when a person awoke, they had an inner aftertaste of sleep. Most people felt permeated inwardly—not merely on the tongue or the palate—but they felt permeated inwardly by a certain sweetness of experience as the aftertaste of sleep. The sweetness of the experience of sleep flowed over into daily life. People recognized in this sweetness the very healthy state of life, whereas when other tastes mingled with it, they perceived this as a sign of illness. It sounds paradoxical to people today when they are told that an earlier humanity felt the sweet aftereffect of sleep in their limbs, in their arms all the way to their fingertips, and in the other parts of the body. But that is precisely how it was; spiritual scientific research shows this. The linguistic genius has preserved much of this, though he has coarsened it with materialism. The sleep potion was once something spiritual—namely, sleep itself. Only later did it become something materialistic, something one drank as a liquid. Sleep itself was a potion from nature, a potion through which the ordinary memories of the day faded away. It was, at the same time, a potion of forgetfulness.

[ 11 ] Nun, es war ein unbestimmtes Nachgefühl, was der gewöhnliche Mensch hatte, aber die Einweihung, die Initiation gab dem Mysterienlehrer, dem Führer der Menschheit ein genaueres Bewußtsein von dem, was da der Mensch eigentlich während des Schlafes erlebte. Und so, wie wir heute in der modernen Initiation hinaufsteigen vom gewöhnlichen Vorstellen zum Geist-Erschauen, so stieg gewissermaßen die Menschheit der damaligen Zeit hinab vom Traumwachen in den Schlafzustand, für den sie sich aber Bewußtsein aneignete, so daß der gewöhnliche Mensch den Nachgeschmack hatte, der Mysterienpriester in einer bewußten Art hineinfühlte, hineinempfand in den Schlaf selber und sozusagen dasjenige kennenlernte, was dann im Nachgeschmack das ergab, was ich beschrieben habe. Er lernte kennen die Wasser jenseits des physischen Daseins, die Wasser, in die die Menschenseele eintaucht während des Schlafes, die Wasser, in die die Seele untertauchte, die Wasser, in die sie in jeder Nacht getaucht wird: die Wasser des astralischen Weltenwebens und Weltenwesens. Es war aber gegenüber dem Wachträumen eben nur der zweite Zustand.

[ 11 ] Well, it was a vague aftereffect that the ordinary person experienced, but the initiation gave the teacher of the mysteries—the guide of humanity—a more precise awareness of what a person actually experienced during sleep. And just as we today, in modern initiation, ascend from ordinary imagination to spiritual vision, so, in a sense, humanity in those days descended from the waking-dream state into the state of sleep, but acquired consciousness of it, so that the ordinary person had that lingering sensation, while the mystery priest consciously felt his way into, sensed his way into sleep itself, and, so to speak, came to know that which then, in the lingering sensation, yielded what I have described. He came to know the waters beyond physical existence—the waters into which the human soul plunges during sleep, the waters into which the soul dived, the waters into which it is plunged every night: the waters of the astral world-fabric and world-essence. But compared to waking dreams, this was merely the second state.

[ 12 ] Der dritte Zustand war dann der, von dem die heutige Menschheit überhaupt nichts mehr weiß, ein Zustand, tiefer als der traumlose Schlaf heute. Ich habe gestern gesagt, man möchte ihn die Erdenumfassung nennen. Darinnen war jeder Mensch in der Mitte des Tiefschlafes während der Nacht, aber nur der Mysterienpriester konnte durch seine Einweihung ein Bewußtsein erlangen von dem, was da war, konnte mitteilen die Ergebnisse dieses Bewußtseins als die damalige Wissenschaft. Dann sagte der Mensch nicht bloß: Ich bin von der Erde umfangen. — Ja, das sagte er auch, aber er sagte noch etwas anderes dazu. Er sagte sich: Ich bin von der Erde umfangen, — aber er empfand das schon so, wie wenn er im gewöhnlichen Tageslauf in einen Zustand gekommen wäre, der eigentlich schon dem "Tode immer sehr nahe ist, aber einem Tode, aus dem es doch ein Erwachen gibt. Es empfand sich der Mensch in diesem dritten Bewußtseinszustande so, wie wenn er eigentlich untergetaucht wäre in die Erde, wie wenn er schon in ein Grab gekommen wäre, aber in ein Grab, das eigentlich nicht ein Erdengrab war. Wie dieses Grab nicht nur vorgestellt wurde, sondern vorgestellt werden mußte, das werde ich Ihnen auf folgende Art anschaulich machen können.

[ 12 ] The third state was one of which humanity today knows absolutely nothing—a state deeper than the dreamless sleep of today. I said yesterday that one might call it “earth-envelopment.” Within it, every human being was in the midst of deep sleep during the night, but only the mystery priest, through his initiation, could attain an awareness of what was there and could communicate the findings of this awareness as the science of that time. Then the human being did not merely say: “I am embraced by the Earth.”—Yes, he said that too, but he added something else. He said to himself: “I am embraced by the Earth”—but he already experienced this as if, in the ordinary course of the day, he had entered a state that is actually very close to “death,” but a death from which there is still an awakening. In this third state of consciousness, the human being felt as if he had actually sunk into the earth, as if he had already entered a grave—but a grave that was not actually an earthly grave. I will be able to illustrate to you in the following way how this grave was not merely imagined, but had to be imagined.

[ 13 ] Sehen Sie, die Sonnenstrahlen fallen ja nicht bloß auf die Erde und erglänzen von den Blumen, erglänzen von den Sternen, der Bauer weiß das besser als der Städter, denn er benützt das Eindringen der Sonnenwärme in die Erde auch in der Winterszeit. Da hat man gerade dasjenige, was während des Sommers in die Erde hineingeströmt ist, im Erdboden drinnen. So strömt nicht nur die Wärme, so strömen andere Kräfte der Sonne in die Erde hinein. Aber das war von diesem Gesichtspunkte aus, von dem ich jetzt spreche, sogar das weniger Wichtige. Das Wichtigere war, daß auch die Mondenwirkungen in die Erde eindringen konnten, die Mondenwirkungen gewissermaßen untertauchten unter die Oberfläche der Erde. Ich möchte sagen, eine schöne Vorstellung der alten Zeit, die nicht bloß poetisch, die eher überpoetisch war, war diese, daß die Menschen sich wiederum im Bilde, nicht in einer logischen Anschauung, wie wir das heute tun, sondern im Bilde vorstellten, wie das silberne Sonnenlicht herniederströmte im Vollmondschein zur Erde, dann aber hineindringt in die Erde, wie dieses Mondensilber eine gewisse Strecke weit in die Erde hineindringt, und dann wiederum, gewissermaßen nachdem es von der Erde aufgenommen war, vom Innern der Erde — nicht von der Oberfläche — zurückstrahlt. Dieses Silberwogen und Silberwellen des Mondes empfand der Mensch als Ein- und Ausstrahlen, Ein- und Auswogen. Es war aber nicht bloß ein schönes Bild, sondern man wußte als Mysterienpriester über dieses wogende wellende Mondenlicht etwas ganz Bestimmtes.

[ 13 ] You see, the sun’s rays don’t just fall on the earth and shine off the flowers or the stars; the farmer knows this better than the city dweller, because he also makes use of the sun’s heat penetrating the earth even in winter. What has flowed into the earth during the summer is still there, deep within the soil. So it is not only warmth that flows in; other forces of the sun also flow into the earth. But from the perspective I am now discussing, that was actually the less important aspect. What was more important was that the moon’s influences could also penetrate the earth; the moon’s influences, so to speak, submerged beneath the earth’s surface. I would like to say that a beautiful conception from ancient times—one that was not merely poetic, but rather beyond the poetic—was this: people imagined, not through a logical conception as we do today, but through imagery, how the silvery sunlight streamed down to Earth in the light of the full moon, but then penetrates into the Earth—how this lunar silver penetrates a certain distance into the Earth—and then, in a sense, after being absorbed by the Earth, radiates back from the Earth’s interior—not from the surface. People perceived this silver surging and silver undulation of the Moon as a radiating in and out, a surging in and out. But this was not merely a beautiful image; as mystery priests, they knew something very specific about this undulating, wavering moonlight.

[ 14 ] Man wußte, daß der Mensch, wenn er auf der Erde steht, Schwere hat. Die Gravitation, die Schwere hält ihn an dem Erdboden, die Erde zieht gewissermaßen ihre Wesen an sich in der Schwere. Von den Mondenkräften wußte der Mensch, daß sie der Schwere entgegenwirken. Sie sind nur im allgemeinen schwächer als die grobrobuste Erdenschwere, aber sie sind das, was entgegenwirkt den Erdenschwerekräften. Das wußte man. Man wußte, daß der Mensch nicht bloß ein Klotz ist, der von der Erdenschwere festgehalten wird, sondern daß er sich in einer Art Gleichgewichtslage befindet, von der Erde angezogen, vom Mond hinweggezogen wird, nur daß die Erdenschwere für den Erdenmenschen die Oberhand behält. Aber für dasjenige, was im Haupt des Menschen tätig ist, macht sich diese, ich möchte sagen, negative Schwere, diese wegziehende Schwere geltend. Konnte man durch sie auch schon nicht fliegen, so konnte man doch den Geist hinauferheben in die Sternenräume. Und durch diese Initiation, also auf dem Umweg über die Mondenwirkungen, lernte die Menschheit der damaligen Zeit durch ihre Mysterienpriester die Wirkungen der Sternenumgebung auf den Menschen der Erde kennen.

[ 14 ] It was known that when a person stands on Earth, they have weight. Gravity, or weight, holds them to the ground; the Earth, so to speak, draws its beings toward itself through gravity. People knew that the forces of the Moon counteract gravity. They are generally weaker than the coarse, robust Earth’s gravity, but they are what counteracts the Earth’s gravitational forces. This was known. It was known that a human being is not merely a lump held fast by Earth’s gravity, but that he or she is in a kind of state of equilibrium, drawn toward the Earth and pulled away by the Moon, except that Earth’s gravity retains the upper hand for the human being on Earth. But for that which is active in the human head, this—I would say—negative gravity, this pulling-away force, makes itself felt. Even if one could not yet fly through it, one could still lift the spirit up into the starry realms. And through this initiation—that is, by way of the moon’s influence—the people of that time, through their mystery priests, came to understand the effects of the stellar environment on human beings on Earth.

[ 15 ] Das war die heute so viel mißbrauchte astrologische Initiation, die insbesondere in der chaldäischen Bevölkerung so ausgeprägt war. Man wußte auf diesem Umwege etwas, und zwar nicht bloß über die Mondenwirkungen, sondern auch über Sonnen-, Mars-, Saturnwirkungen und so weiter. Der Mensch ist ja heute — verzeihen Sie, wenn ich das auch in einem Bilde ausdrücke, aber solche Dinge lassen sich schwer logisch charakterisieren —, der Mensch ist ja heute ein Regenwurm geworden in bezug auf sein Wissen, nein, nicht einmal ein Regenwurm, etwas Schlimmeres, er ist ein Regenwurm geworden, für den es niemals regnet, der niemals herauskommt aus der Erde. Die Regenwürmer kommen ja zu gewissen Zeiten, wenn es regnet, heraus aus der Erde, und da genießen sie dasjenige, was über der Erdoberfläche vorgeht, und das ist zum Heil der Regenwürmer. Aber in geistig-seelischer Beziehung ist heute der Mensch ein Regenwurm, für den es niemals regnet. Er ist ganz eingekapselt in bezug auf das Irdische. Er denkt zum Beispiel: Was ich an mir habe als meine Leibesglieder, das wächst halt auf der Erde so, wie ungefähr die Steine auch sich bilden. — Daß zum Beispiel die Haare, die Haupteshaare, Ergebnisse von Sonnenwirkungen sind, das weiß natürlich der heutige Mensch nicht und so weiter, weil er eben ein Regenwurm ist, für den es niemals regnet, das heißt ein Wesen, das zwar innerlich die Wirkungen der Sonne in sich trägt, aber nicht an die Oberfläche kommt, um so etwas zu erforschen. Ja, der Mensch ist eben — das wußten diese alten Mysterienpriester — nicht wie ein Kohlkopf aus der Erde herausgewachsen, sondern er ist entstanden unter der Mitwirkung der gesamten kosmischen Sternenumgebung. Und so sehen Sie, wie der Mensch der Vergangenheit seinen initiierten Mysterienführern gegenüberstand, die in der Art, wie ich es eben angedeutet habe, initiiert wurden, so daß sie wußten, was für den Menschen die kosmische Erdenumgebung zu bedeuten hat.

[ 15 ] This was the astrological initiation that is so often misused today, and which was particularly pronounced among the Chaldean people. Through this indirect means, they knew certain things—not only about the effects of the moon, but also about the effects of the sun, Mars, Saturn, and so on. Human beings today—forgive me if I express this in a metaphor, but such things are difficult to characterize logically—human beings today have become earthworms in terms of their knowledge; no, not even earthworms—something worse: they have become earthworms for whom it never rains, who never emerge from the earth. Earthworms, after all, come out of the earth at certain times when it rains, and there they enjoy what is happening above the earth’s surface, and that is for the earthworms’ own good. But in spiritual and soul terms, modern man is an earthworm for whom it never rains. He is completely encapsulated in relation to the earthly realm. He thinks, for example: What I have in my physical body simply grows on the earth, much like stones form. — That, for example, the hair on one’s head is the result of the sun’s influence—modern human beings, of course, do not know this, and so on, because they are, after all, earthworms for whom it never rains; that is, beings who, though they carry the sun’s effects within themselves, do not come to the surface to explore such things. Yes, human beings—as those ancient mystery priests knew—did not simply grow out of the earth like a head of cabbage, but came into being through the interplay of the entire cosmic stellar environment. And so you can see how the human beings of the past stood before their initiated mystery guides, who had been initiated in the manner I have just described, so that they knew what the cosmic environment surrounding the Earth means for human beings.

[ 16 ] Dadurch aber konnten diese Mysterienpriester den Menschen etwas sagen, was ich in etwas triviale Worte kleiden will, weil wir ja heute zunächst nicht in der Lage sind, in derselben Form zu sprechen wie jene alten Mysterienpriester, die das gleichzeitig damals in wunderbare Poesien kleideten. Das gab der Genius der damaligen Sprache her, man kann heute nicht so sprechen, weil es die Sprache nicht hergibt. Heute könnte man das, was diese Mysterienpriester zu denjenigen sagten, die Trost bei ihnen suchten für die entgeistigte Natur, in die sich der Mensch verstoßen fühlte, so aussprechen: Ja, solange ihr im Leben verbleibt in den Zuständen des gewöhnlichen Wachbewußtseins, so lange erscheint euch eure Umgebung als entgeistigt. — Wenn man aber bewußt untertaucht in die Region der Erdenumfassung, wo man im silbernen Mondenglanze, der die Erde durchwellt und durchwogt, das Walten der Sternengötter erschaut, wenn man das kann, dann lernt man erkennen — allerdings jetzt nicht von selbst, wie es in älterer Zeit der Fall war, sondern durch menschliche Anstrengung —, daß doch auch diese äußere Natur überall von Geistwesen durchsetzt ist, Göttergaben als Geistwesenheiten, als Geistelementarwesen in sich trägt. Und so bestand der Trost, den in jenen alten Zeiten die Mysterienpriester den Menschen gaben, darinnen, daß sie sie aufmerksam machten: Die Pflanzen sind nicht nur schön, die Pflanzen sind auch wirklich vom geistigen Weben und Wesen durchzogen; die Wolken ziehen nicht nur majestätisch durch den Luftraum dahin, es walten in ihnen göttlich-geistige Elementarwesen und so weiter. — Zum Geist der Natur führten diese Eingeweihten durch ihre Initiation gerade die Menschheit, die sie zu führen hatten.

[ 16 ] This, however, enabled these mystery priests to convey something to people—which I will try to express in somewhat simple terms, since we today are not yet able to speak in the same way as those ancient mystery priests, who at the time clothed their words in wonderful poetry. That was made possible by the genius of the language of that time; we cannot speak that way today because the language does not allow it. Today, what those mystery priests said to those who sought comfort from them regarding the de-spiritualized nature into which human beings felt cast out could be expressed as follows: Yes, as long as you remain in the states of ordinary waking consciousness in life, your surroundings will appear de-spiritualized to you. — But if one consciously immerses oneself in the region surrounding the Earth, where, in the silvery moonlight that ripples and surges through the Earth, one beholds the reign of the star gods—if one is able to do this, then one learns to recognize—though not spontaneously, as was the case in earlier times, but through human effort — that this outer nature, too, is permeated everywhere by spiritual beings, that it bears within itself the gifts of the gods as spiritual beings, as elemental spirits. And so the comfort that the mystery priests gave to people in those ancient times consisted in drawing their attention to the fact that: Plants are not only beautiful; they are also truly permeated by spiritual weaving and being; the clouds do not merely drift majestically through the air—divine-spiritual elemental beings reign within them, and so on. — Through their initiation, these initiates led precisely the humanity they were charged to guide to the spirit of nature.

[ 17 ] In einer gewissen älteren Epoche der Menschheitsentwickelung bestand eben die Aufgabe der Mysterien darin, den Menschen zu sagen: Das Entgeistigtsein der Natur ist nur eine Illusion des gewöhnlichen Wachträumens. In Wahrheit ist überall in der Natur Geist zu finden.

[ 17 ] In a certain earlier epoch of human development, the very purpose of the mysteries was to tell people: The lack of spirit in nature is merely an illusion of ordinary waking dreams. In truth, spirit can be found everywhere in nature.

[ 18 ] So war einmal eine menschliche Vergangenheit vorhanden, in der in dieser Art der Mensch eigentlich in der Geistigkeit des Daseins darinnenlebte und, durch die Einrichtung der Mysterien, von der Geistigkeit des Daseins auch für dasjenige Gebiet erfuhr, das ihm zunächst entgeistigt vorkam. Alles, was so an den Menschen herankam, sei es durch den Instinkt, wie die Schauung des inneren Geistwesens, sei es durch Mysterienbelehrung, wie die Durchgeistigung des Naturdaseins, alles das machte den Menschen doch abhängig, abhängig von der Geistigkeit. Wäre es so geblieben in der Menschheitsentwickelung, es hätte niemals in das Bewußtsein eindringen können dasjenige, was wir heute als eines der größten Güter der Menschheit, ja vielleicht als das Zentralgut anerkennen müssen: die Empfindung des freien Willens, die Empfindung der Freiheit.

[ 18 ] There was once a time in human history when people actually lived within the spirituality of existence in this way and, through the structure of the mysteries, came to know the spirituality of existence even in those areas that initially seemed devoid of spirit to them. Everything that approached human beings in this way—whether through instinct, such as the vision of the inner spiritual being, or through the teaching of the Mysteries, such as the spiritualization of natural existence—all of this made human beings dependent, dependent on spirituality. Had human development remained in this state, what we must today recognize as one of humanity’s greatest assets—perhaps even its central asset—could never have entered consciousness: the sense of free will, the sense of freedom.

[ 19 ] Diese Art der Seelenverfassung mit einer instinktiv empfundenen Geistigkeit, sie mußte hinabdämmern. Der Mensch mußte zu drei anderen Bewußtseinszuständen geführt werden. Die Erdenumfangenheit, aus der die alten Initiierten ihre Sternenweisheit und damit die Geistigkeit von der Natur geschöpft haben, die kam vollständig in Verfall. In der menschlichen Seelenverfassung sind nur noch der traumlose Schlaf, das Träumen, das Wachen. Es setzte sich gewissermaßen an der andern Seite an jene Bewußtseinsregion, in der eben die Freiheit aufdämmern kann. Was wir heute unser Wachbewußtsein nennen, mit dem wir heute unser gewöhnliches Leben und die Wissenschaft betreiben, ist etwas, was eine ältere Menschheit gar nicht kannte. Aber in ihr erstand eben die Möglichkeit des reinen Denkens, an dessen Dasein wir verzweifeln können, aber aus dem wir einzig und allein herausholen können die Impulse der Freiheit. Denn wären wir als Menschheit niemals zu diesem reinen Denken, das nicht zugleich das Dasein verbürgt, aber reines Denken ist, gekommen, dann wären wir als Menschen auch niemals zum Bewußtsein der Freiheit gekommen.

[ 19 ] This state of the soul, characterized by an instinctively felt spirituality, was bound to fade away. Humanity had to be led to three other states of consciousness. The sense of being at one with the Earth—from which the ancient initiates drew their stellar wisdom and thus the spirituality of nature—fell completely into decay. In the human state of mind, there remain only dreamless sleep, dreaming, and waking. It took its place, so to speak, on the other side of that region of consciousness in which freedom can just begin to dawn. What we today call our waking consciousness—with which we conduct our ordinary lives and pursue science—is something that an earlier humanity did not know at all. But it was within this that the possibility of pure thought arose—a possibility whose existence may cause us to despair, yet from which we can draw, and from which alone we can draw, the impulses of freedom. For if we, as humanity, had never arrived at this pure thought—which does not simultaneously guarantee existence but is pure thought nonetheless—then we, as human beings, would never have arrived at the consciousness of freedom either.

[ 20 ] Man möchte sagen: Hinter der Menschheitsentwickelung schloß sich in Finsternis an dasjenige, was einmal die Verbindung des Menschen mit der Geistigkeit war. Dafür wurden ihm diese drei Bewußtseinszustände, die ihn eigentlich aus geistigen Höhen in Erdentiefen führten. Aber aus diesen Erdentiefen sollte er die ureigene Kraft der Freiheitsentfaltung gerade finden. Und es war die Morgenröte dieser Seelenverfassung des Wachens, Träumens und Schlafens schon im Grunde genommen ein Jahrtausend da. Die Menschheit war schon sehr weit in eine gewisse Finsternis hineingegangen, jene Finsternis, in der zwar der Impuls der Freiheit ist, in der aber nicht das Licht der Geistigkeit erglänzt. Empfinden Sie es nur einmal recht, wie das eigentlich war in der Menschheitsentwickelung. Wenn man da in eine alte Zeit hineinschaut, da blickte doch der Mensch hinauf in den Sternenhimmel, und er konnte sich sagen aus dem, was er wußte von diesem Sternenhimmel: Was in mir lebt, sind die Kräfte dieses Sternenhimmels, ich gehöre diesem Kosmos an. — Als Geist war der Mensch heruntergedrängt auf die Erde. Finster wurde es sozusagen am Himmel, denn das Licht, wenn es selbst das Sonnenlicht oder Sternenlicht war, was auf physische Weise herunterglänzte, das durchschaute ja der Mensch nicht. Es ist wie ein vorgeschobener Vorhang, bei dem der Mensch nicht irgendwie Stützen für sein Dasein finden kann. Zu dem, was hinter diesem Vorhang ist, kann er jetzt nicht mehr schauen.

[ 20 ] One might say: Following humanity’s evolution, what was once humanity’s connection to the spiritual realm was shrouded in darkness. In exchange, humanity was given these three states of consciousness, which actually led it from spiritual heights into the depths of the earth. But it was precisely from these depths of the earth that humanity was to find the innate power to unfold freedom. And the dawn of this state of soul—of waking, dreaming, and sleeping—had, in essence, already been present for a millennium. Humanity had already ventured very far into a certain darkness—that darkness in which the impulse toward freedom does exist, but in which the light of spirituality does not shine. Just try to truly grasp what this was actually like in the course of human development. If one looks back to ancient times, people would gaze up at the starry sky, and from what they knew of that sky, they could say to themselves: What lives within me are the forces of this starry sky; I belong to this cosmos. — As a spirit, the human being had been forced down onto the earth. It grew dark, so to speak, in the heavens, for the light—even if it was sunlight or starlight shining down in a physical sense—was something human beings could not see through. It is like a curtain drawn across the view, behind which human beings can find no support for their existence. They can no longer see what lies beyond this curtain.

[ 21 ] Nun werden wir morgen sehen, wie eben tatsächlich dieser Vorhang seit einem Jahrtausend schon da war, wie dieser Vorhang immer dichter und dichter wurde und sich diese Dichtigkeit des Vorhanges in der ganzen Menschenstimmung wiederum ausdrückte. Da kam ein Licht durch diesen Vorhang, der Vorhang fiel gewissermaßen auseinander. Und dieses Licht ist das Licht, das auf Golgatha aufgehellt war. So fällt in die Menschheitsentwickelung herein das Ereignis von Golgatha. In diesem Ereignis, das nun ein Ereignis auf der Erde war, sollte dem Menschen wiederum aufgehen dasjenige, was er einstmals in den Weiten des Kosmos als die Geistigkeit der Welt gesehen hatte. Christus sollte durch sein Durchgehen durch das Mysterium von Golgatha in das Erdenleben hereinbringen, was früher in den Himmeln gesehen worden ist. Heruntersteigen sollte das göttlich-geistige Wesen Christus und wohnen in einem Menschenleib, um der Menschheit, die jetzt nicht heraus konnte aus der Erde, auf eine andere, auf eine neue Art dieses Licht zu bringen.

[ 21 ] Tomorrow we will see how this veil has in fact been there for a millennium, how it has become ever thicker and thicker, and how this thickness of the veil was in turn reflected in the entire mood of humanity. Then a light shone through this veil; the veil, so to speak, fell apart. And this light is the light that shone forth on Golgotha. Thus the event of Golgotha enters into the development of humanity. In this event—which was now an event on Earth—humanity was to rediscover what it had once seen in the vastness of the cosmos as the spirituality of the world. Through his passage through the Mystery of Golgotha, Christ was to bring into earthly life what had formerly been seen in the heavens. The divine-spiritual being Christ was to descend and dwell in a human body in order to bring this light to humanity—which was now unable to rise above the Earth—in a different, new way.

[ 22 ] Wir sind als Menschheit heute erst im Anfange des Verstehens dieses Mysteriums von Golgatha, und die Zukunft der Erdenentwickelung wird darinnen zu bestehen haben, daß dieses Mysterium von Golgatha immer reifer und reifer von der Menschheit verstanden wird, daß dieser Glanz, der ausgeht von dem Mysterium von Golgatha, immer mehr und mehr aus einem inneren Glanze ein kosmischer Glanz wird und anfängt, alles zu überstrablen, in das der Mensch hineinschauen kann. Doch das genauer zu besprechen, wird erst möglich sein, wenn wir heute noch einige Bausteine dazu beitragen.

[ 22 ] As humanity, we are today only at the beginning of understanding this Mystery of Golgotha, and the future of Earth’s evolution will consist in humanity’s understanding of this Mystery of Golgotha becoming ever more mature, so that the radiance emanating from the Mystery of Golgotha may increasingly transform from an inner radiance into a cosmic radiance and begin to illuminate everything within the scope of human perception. But it will only be possible to discuss this in more detail once we have contributed a few more building blocks to it today.

[ 23 ] Was einmal lebendig war in der Erdenentwickelung der Menschheit, es kommt in einer gewissen Beziehung wieder. Und so war in den Mysterienpriestern lebendig, wie ich Ihnen gerade geschildert habe, dieses Hineinschauen in die Mondenwirkungen. Die Mondenwirkungen trugen sie hinauf zu ihrer astrologischen Initiation. Sie lernten, wie man durch die Mondenwirkungen in die Sternengeheimnisse des Kosmos eingeweiht werden konnte. Ein Wesentliches bestand bei dieser Initiation darinnen, daß den, der also initilert, der so eingeweiht werden sollte, daß den etwas überkam, wie wenn er in sich selbst plötzlich fühlte, die Schwere habe für ihn eine geringere Bedeutung als sonst. Er fühlte sein Gewicht weniger. Und er wurde wiederum durch die älteren Lehrer angewiesen, dem nicht nachzugeben, sondern wenn er so fühlte, wie er gewissermaßen leichter wurde, nun sich durch eine starke Willensanstrengung selber die Schwere zu geben. Das gehörte gewissermaßen in die Kunst der alten Einweihungen, das, was man durch den Einfluß der Mondenkräfte an naturhafter Schwere verlor, durch den Willen in sich einströmen zu lassen. Dadurch glänzte eben jene Sternenweisheit auf. Und so wurde jede Anlage in dem Menschen der damaligen Zeit zu einem solchen Überwinden der Schwere dazu benützt, in ihm den Willen zu entwickeln, nun seelisch sich an der Erde festzuhalten. Dadurch aber, daß dieses seelische Festhalten wirkte wie das Anzünden eines inneren Seelenlichtes, leuchtete es hinaus in die kosmischen Weiten, und der Mensch bekam die Kenntnis dieser kosmischen Weiten.

[ 23 ] Whatever was once alive in the earthly evolution of humanity returns, in a certain sense. And so, as I have just described to you, this insight into the effects of the moon was alive within the mystery priests. The effects of the moon carried them upward to their astrological initiation. They learned how one could be initiated into the stellar mysteries of the cosmos through the effects of the Moon. An essential aspect of this initiation was that the one being initiated—the one who was to be initiated in this way—would experience something as if he suddenly felt within himself that gravity had less significance for him than usual. He felt his weight less. And they were in turn instructed by the elder teachers not to give in to this, but rather, when they felt as if they were becoming lighter, so to speak, to impose heaviness upon themselves through a strong effort of will. This was, in a sense, part of the art of the ancient initiations: to allow what was lost in natural heaviness due to the influence of the lunar forces to flow into oneself through the will. Through this, that very stellar wisdom shone forth. And so every predisposition in the people of that time was used to overcome this heaviness, to develop within them the will to hold fast to the Earth in a soulful way. But because this soulful holding fast had the effect of kindling an inner soul light, it shone out into the cosmic expanses, and humanity gained knowledge of these cosmic expanses.

[ 24 ] Wenn Geisteswissenschaft in diese Dinge hineinleuchtet, kann man genau beschreiben, wie dieses alte Bewußtsein zustandekam. Aber das, was in solchen Menschen war, das kommt ja immer wiederum. Es gibt einen Atavismus, eine Vererbung des Alten. Es tritt wieder auf, weil ja die Menschen auch wiederkommen. Und indem gerade die Verwandtschaft mit den Mondenkräften in späteren Menschen, die in einer Zeit leben, in der das eigentlich nicht mehr da sein sollte, weil dieser tiefe Schlaf verschwunden ist, wiederum auftaucht, wird es zum Somnambulismus, insbesondere zur gewöhnlichen Mondsüchtigkeit. Und diese Menschen, die bekämpfen dann, wenn dieser Zustand über sie kommt, nicht durch die Seele das Leichterwerden, sondern sie spazieren auf den Dächern herum, oder gehen wenigstens aus dem Bette heraus. Sie machen mit ihrer Menschenwesenheit dasjenige, was eigentlich nur dem astralischen Leib zu machen gebührt. Was in einer solchen späteren Zeit gewissermaßen eine Abnormität ist, es war in früheren Zeiten ein Vorzug, den man benützen konnte, um zu Erkenntnissen zu kommen. Und daß man solche Menschen «mondsüchtig» im Volksmund nannte, das hat seinen guten Sinn, denn dieser Zustand der Menschheitsverfassung hängt mit der atavistischen Verwandtschaft mit den Mondenkräften zusammen, die aus alten Zeiten geblieben ist.

[ 24 ] When spiritual science sheds light on these matters, it is possible to describe precisely how this ancient consciousness came into being. But what was present in such people always returns. There is an atavism, an inheritance of the ancient. It reappears because human beings, too, return. And precisely because the connection to the lunar forces reemerges in later generations—who live in an age when it should no longer be present, since that deep sleep has vanished—it manifests as somnambulism, particularly as ordinary lunacy. And these people, when this state comes over them, do not combat the lightening of the soul; rather, they wander around on the rooftops, or at least get out of bed. They do with their human being what actually belongs only to the astral body. What is, in a sense, an abnormality in such later times was, in earlier times, an advantage that could be used to gain insights. And the fact that such people were popularly called “moonstruck” makes perfect sense, for this state of the human constitution is connected to the atavistic kinship with the lunar forces that has remained from ancient times.

[ 25 ] Geradeso aber, wie der Mensch in dem, was ich Ihnen geschildert habe, mit den Mondenkräften verwandt ist, so ist er ja auch verwandt mit den Sonnenkräften. Nur daß sie in einem verborgeneren Teil der Menschenwesenheit spielt, diese Verwandtschaft mit den Sonnenkräften, daß man erst sehr mittelbar daraufkommt. Diese Verwandtschaft mit den Sonnenkräften, aus ihr haben ganz gewiß die Druidenpriester der Blütezeit, nicht der Verfallszeit, ihre Sonneninitiation gesucht. Diese Sonneninitiation, die gibt einen Zustand, in dem man jetzt nicht nur gewissermaßen angeregt durch die Mondenkräfte hinaufschaut, um in der astrologischen Initiation etwas zu wissen von den Geheimnissen des Kosmos, sondern diese Sonneninitiation gibt schon etwas von einer Art Zwiegespräch mit den göttlich-geistigen Wesen des Weltenalls, gibt eine Art Inspiration, während die Mondeninitiation nur eine Art Imagination gibt. Es ist die Sonneninitiation eine Art Hören der Ratschläge der geistigen Wesenheiten des Kosmos, jedenfalls aber ein Hineinschauen in viel tiefere Geheimnisse des Weltendaseins, als sie sich ergeben der Mondeninitiation.

[ 25 ] Just as human beings are connected to the forces of the moon in the way I have described to you, so too are they connected to the forces of the sun. It is just that this connection with the forces of the Sun operates in a more hidden part of the human being, so that one only comes upon it very indirectly. It was certainly from this connection with the forces of the Sun that the Druid priests of the golden age—not the age of decline—sought their solar initiation. This solar initiation brings about a state in which one no longer merely looks upward—as it were, stimulated by the lunar forces—to gain some knowledge of the mysteries of the cosmos through astrological initiation; rather, this solar initiation offers something akin to a dialogue with the divine-spiritual beings of the universe, providing a kind of inspiration, whereas the lunar initiation offers only a kind of imagination. The solar initiation is a kind of listening to the counsel of the spiritual beings of the cosmos, or at any rate, a glimpse into much deeper mysteries of cosmic existence than those revealed by the lunar initiation.

[ 26 ] Auch das kann später atavistisch wieder auftauchen. Es ist in jedem Menschen ja doch vorhanden. Sonnenwirkungen sind da in jedem Menschen. Aber wie der Mensch jetzt ist in seiner Seelenverfassung, so ist er nicht mehr der Mensch der Vergangenheit, so ist er ja so, daß vor allen Dingen seine Augen daraufhin konstituiert sind, die physischen Sonnenstrahlen aufzunehmen. Ich habe es gestern angedeutet: In diesen physischen Sonnenstrahlen ist Geistig-Seelisches. Das sieht nur der Gegenwartsmensch nicht. Und so benimmt sich eigentlich der Gegenwartsmensch der Sonne gegenüber gerade so, wie sich einer benehmen würde, der einem anderen Menschen begegnete, und der andere Mensch machte den Anspruch, ein Innerlich-Seelisches zu haben, und der sagte ihm: Es ist nichts mit dem Seelischen. Wenn du deinen Arm bewegst, das ist ein Hebelvorgang, da sind Schnüre, die Muskeln daran, wenn die angezogen werden, dann wird der Hebel angezogen. Das ist ein Mechanismus. — So benimmt sich ja die heutige Menschheit gegenüber den Sonnenwirkungen. Sie sieht nur das äußere Physische, was in diesem Fall nur das physische Licht ist. Aber während das physische Licht der Sonnenwirkung in uns eindringt, dringt die Geistigkeit der Sonnenwesenheit zugleich in den Menschen ein. Der Mensch kann dann durch eine gewisse Art innerer Konzentration, die er jetzt nicht so, wie ich es im Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» schilderte, sondern die er durch Atavismus wie eine Elementarkraft hat, so kann der Mensch heute eben durch eine innere Konzentration seines Organismus aufhören — mit «heute» meine ich den historischen Zeitraum, der kann sich natürlich durch einige Jahrtausende erstrecken —, er kann aufhören, stark empfänglich zu werden für die physischen Sonnenwirkungen, dafür aber empfänglich werden für das Geistig-Sonnenhafte. Dann sieht der Mensch anders. Wo dieses Atavistische auftritt, sieht man anders, als man im gewöhnlichen Leben heute sieht. Wenn Sie in einen Spiegel schauen, dann wird Ihnen das, was vor dem Spiegel steht, zurückgeworfen. Gerade weil der Spiegel nach hinten undurchsichtig ist, wird das, was vor dem ‚Spiegel ist, zurückgeworfen. Wenn nun ein Mensch die Seelenkonstitution hat, daß er, trotzdem er bei vollen Sinnen ist, statt in die Sonne hineinzuschauen, das physische Sonnenlicht nicht sieht, sondern die Finsternis sieht, dann wird diese Finsternis zum Spiegel, und es erscheint ihm gespiegelt seine unmittelbare Umgebung, die Natur. Und er sagt dann nicht: Ich habe hier eine Pflanze, die hat eine Wurzel, da treibt sie die Blätter heraus, die Blüte, die Frucht, den Keim, — sondern er sagt: Ich sehe da hin, in dem unteren Teile der Pflanze, da sehe ich dasjenige, was Elementargeistigkeit der Weisheit ist, was etwas Konservierendes hat, was etwas Verfestigendes hat. Und dann schaue ich weiter in der Pflanze hinauf, da sehe ich, wie dieses Verfestigende, dieses Konservierende überwunden wird, und wie die Pflanze mehr strebt, sich nicht zu verfestigen, sondern abwechselnd sich zu verfestigen und aufzulösen in der Blattbildung, und endlich, wie ein Kochen durch die Feuerwirkung, sehe ich die Pflanze nach oben zu streben. Und dann wird gespiegelt das Pflanzenleben an der Finsternis, die aber geistige Helligkeit ist, so wie etwa atavistisch Jakob Böhme die Pflanze gesehen hat, indem er unten das Salzhafte, in der Mitte das Merkuriale und oben das Phosphorige geschaut hat. Und so sehen wir hereinspielen in einen solchen Geist wie Jakob Böhme, der ein naturhaft Sonneninitierter war, dasjenige, was in alten Zeiten zur menschlichen Zivilisation gehörte, zur Urzivilisation, in der man noch nicht lesen und schreiben konnte. Und kann man, wenn man so ein Werk von Jakob Böhme hernimmt — das «Mysterium magnum», «De Signatura rerum», «Aurora oder Morgenröte im Aufgang» und so weiter —, dieses Werk gewissermaßen nicht so lesen, daß man eigentlich aus diesem stammelnden Darstellen Jakob Böhmes etwas herausliest, was so ganz ähnlich war wie das, was ich Ihnen von den Druidenpriestern geschildert habe, dann liest man Jakob Böhme eben falsch. Er war nicht äußerlich initiiert, sondern so, daß in seinem inneren Wesen, wie eine Wiederholung eines früheren Erdendaseins, heraufquillt diese Sonneninitiation. Das ist bis in die Biographie Jakob Böhmes hinein zu verfolgen.

[ 26 ] This, too, can resurface later in an atavistic way. After all, it is present in every human being. The effects of the sun are present in every human being. But given the state of the human soul today—since we are no longer the people of the past—we are such that, above all, our eyes are constituted to receive the physical rays of the sun. I hinted at this yesterday: There is a spiritual-soul aspect to these physical sunbeams. It’s just that modern people don’t see it. And so, in fact, modern people behave toward the sun exactly as someone would behave if they encountered another person who claimed to possess an inner soul aspect, and that person told them: “There is nothing to this soul aspect.” When you move your arm, that is a lever mechanism; there are cords—the muscles—and when they are pulled, the lever is activated. That is a mechanism. — This is precisely how modern humanity behaves toward the effects of the sun. It sees only the outer physical aspect, which in this case is merely the physical light. But while the physical light of the sun’s influence penetrates us, the spirituality of the solar being simultaneously penetrates the human being. Through a certain kind of inner concentration—which the human being cannot yet achieve in the way I described in the book How to Attain Knowledge of the Higher Worlds? but which they possess through atavism like an elemental force—through a certain kind of inner concentration, human beings today can, through an inner concentration of their organism—by “today” I mean the historical period, which can of course extend over several millennia—cease to be strongly receptive to the physical effects of the sun, but instead become receptive to the spiritual-solar aspect. Then a person sees differently. Where this atavistic quality arises, one sees differently than one does in ordinary life today. When you look into a mirror, what stands before the mirror is reflected back to you. Precisely because the mirror is opaque on the back side, what is in front of the mirror is reflected back. Now, if a person has a soul constitution such that, even though they are in full possession of their senses, instead of looking into the sun, they do not see the physical sunlight but see darkness, then this darkness becomes a mirror, and their immediate surroundings—nature—appear reflected to them. And then he does not say: “Here I have a plant that has a root, from which it sprouts leaves, a flower, a fruit, and a seed”—but rather he says: “I look there, in the lower part of the plant, and I see what is the elemental spirit of wisdom, which has a conserving quality, which has a solidifying quality.” And then, as I look further up the plant, I see how this solidifying, this preserving force is overcome, and how the plant strives not to solidify, but rather to alternate between solidifying and dissolving in the formation of leaves; and finally, like boiling under the influence of fire, I see the plant striving upward. And then the life of the plant is reflected in the darkness, which is, however, spiritual brightness—much as Jakob Böhme, in an atavistic sense, viewed the plant, perceiving the salty element at the bottom, the mercurial element in the middle, and the phosphoric element at the top. And so we see reflected in a spirit such as Jakob Böhme’s—who was a natural, sun-initiated being—that which in ancient times belonged to human civilization, to the primordial civilization in which people could not yet read or write. And when one takes up a work by Jakob Böhme—the Mysterium magnum, De Signatura rerum, Aurora, or Dawn at Daybreak, and so on—and, in a sense, fail to read it in such a way that one actually discerns from Jakob Böhme’s stammering account something very similar to what I have described to you about the Druid priests, then one is simply misreading Jakob Böhme. He was not initiated externally, but rather in such a way that this solar initiation wells up within his inner being, as if it were a repetition of an earlier earthly existence. This can be traced right back into Jakob Böhme’s biography.

[ 27 ] Noch tiefere Kräfte, die dann im Menschen wirken können, sind die Kräfte des zunächst äußersten Planeten unseres Planetensystems. Für die heutige Astronomie ist es nicht der äußerste, weil ja zwei dazugekommen sind, die selbst der heutigen physischen Astronomie manche Sorgen machen, weil die Bewegungsgesetze der Monde nicht recht stimmen und so weiter. Aber da man die Hauptsache auf die räumliche Anordnung gibt, und da nun schon einmal zu dem Sonnensystem der Uranus und der Neptun sich dazugesellt haben, rechnet man sie dazu. Aber wie gesagt, sie machen manche Schmerzen, weil ihre Monde «verrückt» geworden sind gegenüber dem, was andere ordentliche Monde vom Jupiter und so weiter tun. In Wirklichkeit kann man eben doch sagen: Saturn ist schon für das lebendige konkrete Ergreifen des planetarischen Weltsystems der äußerste der Planeten. Und so wie der Mensch unter dem Einfluß der Ihnen genauer geschilderten Mondenwirkung stehen kann, oder der skizzenhaft geschilderten Sonnenwirkung stehen kann, kann er auch stehen unter dem Einfluß dieser Saturnwirkungen. Der Saturn wirkt durch dasjenige, was er geistig ausstrahlt in das Planetensystem und dadurch in den Menschen herein, wie das kosmisch historische Gedächtnis. Der Saturn ist wie das Gedächtnis, wie die Erinnerung unseres Planetensystems, und will man über das Geschehen des Planetensystems etwas wissen, kann man das eigentlich nicht durch eine astronomische Spekulation herauskriegen.

[ 27 ] Even deeper forces that can then take effect within human beings are the forces of what was originally the outermost planet in our solar system. For modern astronomy, it is no longer the outermost planet, since two others have been added—planets that even pose some challenges for modern physical astronomy, because the laws governing the moons’ motions do not quite add up, and so on. But since the main focus is on the spatial arrangement, and since Uranus and Neptune have now joined the solar system, they are included in the count. But as I said, they cause some headaches because their moons have “gone haywire” compared to what other well-behaved moons of Jupiter and so on do. In reality, one can indeed say: Saturn is, for the living, concrete grasp of the planetary world system, the outermost of the planets. And just as a human being can be under the influence of the lunar effects described to you in more detail, or under the influence of the solar effects outlined briefly, so too can they be under the influence of these Saturnian effects. Saturn acts through what it radiates spiritually into the planetary system and thereby into human beings—like a cosmic-historical memory. Saturn is like memory, like the recollection of our planetary system, and if one wants to know anything about the events of the planetary system, one cannot actually discover this through astronomical speculation.

[ 28 ] Diese Dinge fangen heute auch schon an, die äußere Wissenschaft desparat zu machen, weil eigentlich nichts mehr recht stimmt. Aber man faßt alles verkehrt an. Sehen Sie, wir haben ja auch schon in unseren Kreisen oftmals gesprochen von der sogenannten Relativitätstheorie, daß man in der physischen Welt eigentlich niemals von einer absoluten Bewegung sprechen kann, sondern eigentlich immer sprechen muß bloß von relativer Bewegung. So wie man davon sprechen kann: Die Sonne bewegt sich, die Erde steht still, so hat man später gesprochen: Die Erde bewegt sich, die Sonne steht still. Das alles ist eigentlich nur relativ, man kann das eine oder andere sagen. Wie hier einmal in Stuttgart bei einer Tagung der anthroposophischen Bewegung von der Relativitätstheorie gesprochen worden ist, da hat in sehr einfacher Weise ein Anhänger dieser Relativitätstheorie den Zuhörern klargemacht, wie es einerlei ist, ob man ein Zündholz nimmt und an einer Schachtel anstreift, indem man die Schachtel festhält und das Zündholz vorbeibewegt, oder ob man das Zündholz festhält und die Schachtel bewegt: Da fängt es auch zu brennen an. Das ist sehr ernsthaft wissenschaftlich gemeint und wurde selbstverständlich dazumal höchst ernsthaft vorgebracht, und es läßt sich dagegen nicht einmal etwas sagen. Es hätte sich ein naives Gemüt finden können und das Zündholzschächtelchen .annageln können, dann wäre schon ein Stück Absolutheit hineingekommen. Man hätte unter Umständen das ganze Haus — es war damals in der Landhausstraße 70 — zurückschieben können, dann wäre die Relativität doch wieder dagewesen. Es wäre nur etwas schwer gegangen. Aber wenn man das auf das ganze physische Weltenall ausdehnt, dann kann man mit Einstein sagen: Innerhalb der physischen Welt läßt sich nichts Absolutes finden, da ist schon alles relativ. — Nur bleibt man bei der Relativität stehen. Gerade die Relativität der physischen Welt muß dahin führen, das Absolute nicht in der physischen Welt zu suchen, sondern in der geistigen Welt. Überall bietet heute die Wissenschaft schon Einlaß in die geistige Welt, wenn sie nur richtig verstanden wird. Man braucht heute nicht Dilettant zu sein, sondern man kann exakter, echter Wissenschafter sein, dann wird man von der echten Wissenschaft, die nur nicht zu Ende gedacht wird, auch von ihren Koryphäen nicht, hinein in den Geist geführt. Und so kann man überhaupt innerhalb der physischen Forschung auch über so etwas, was der Saturn unseres Weltenalls ist, nichts sagen. Er ist gewissermaßen die Erinnerung, das Gedächtnis für unser Planetensystem. In ihm ist alles aufbewahrt, was schon geschehen ist im Planetensystem. Er erzählt demjenigen, der Saturninitiation hat, was in diesem planetarischen System geschehen ist.

[ 28 ] These things are already beginning to throw external science into disarray today, because nothing really adds up anymore. But people are approaching everything the wrong way. You see, we have often spoken in our circles about the so-called theory of relativity—that in the physical world one can never really speak of absolute motion, but must always speak only of relative motion. Just as one can say, “The sun moves, the Earth stands still,” so later people said, “The Earth moves, the sun stands still.” All of this is actually only relative; one can say one thing or the other. As was once discussed here in Stuttgart at a conference of the anthroposophical movement regarding the theory of relativity, a proponent of this theory of relativity explained to the audience in very simple terms how it makes no difference whether one takes a match and strikes it against a box by holding the box still and moving the match past it, or whether one holds the match still and moves the box: in either case, the match begins to burn. This is meant in a very serious scientific sense and was, of course, presented with the utmost seriousness at the time, and there’s not even anything to be said against it. One could have found a naive soul to nail down the little matchbox; then a bit of absoluteness would have crept in. Under certain circumstances, one could have pushed the entire house—it was located at Landhausstraße 70 at the time—backward; then relativity would have been present again. It would just have been a bit difficult. But if one extends this to the entire physical universe, then one can say with Einstein: Within the physical world, nothing absolute can be found; everything there is already relative. — Yet we stop at relativity. It is precisely the relativity of the physical world that must lead us not to seek the absolute in the physical world, but in the spiritual world. Today, science already offers access to the spiritual world everywhere, provided it is understood correctly. One need not be an amateur today; rather, one can be a precise, genuine scientist, and then one will be led into the spiritual realm by genuine science—which is simply not thought through to its conclusion, not even by its leading authorities. And so, within the realm of physical research, one cannot say anything at all about something like what Saturn is to our universe. It is, in a sense, the memory of our planetary system. Everything that has ever happened in the planetary system is preserved within it. It tells those who have undergone the Saturn initiation what has happened in this planetary system.

[ 29 ] Geradeso wie einseitig auftreten können im Menschen, wie ein Erbstück älterer menschlicher Entwickelung, wie ein Erbstück des Menschen der Vergangenheit, die Verwandtschaft mit dem Monde, und der Mensch da ein Nachtwandler wird, wie auftauchen können die geistigen Sonnenwirkungen, und der Mensch dann, statt wie sonst mit offenen Augen in das Licht, eigentlich in die Finsternis hineinschaut, in der sich die Natur spiegelt, daß er sie so sieht wie Jakob Böhme, so kann man auch die Verwandtschaft mit den Saturnwirkungen erleben, die insbesondere auf das menschliche Haupt wirken und im Menschen die vorübergehende Erinnerung im Erdenleben eigentlich einpflanzen. Diese Saturnwirkungen können besonders auftreten.

[ 29 ] Just as the connection to the moon can manifest one-sidedly in human beings—as a legacy of earlier human development, as a legacy of the human being of the past—and the human being thereby becomes a sleepwalker, so too can the spiritual effects of the sun emerge, and the human being then, instead of looking into the light with open eyes as usual, actually looks into the darkness in which nature is reflected, seeing it as Jacob Böhme did—just as one can also experience the connection with the effects of Saturn, which act particularly on the human head and actually implant temporary memory in the human being during earthly life. These effects of Saturn can occur in a special way.

[ 30 ] So daß man sprechen kann von Mondenmenschen, den gewöhnlichen Somnambulisten, und von Sonnenmenschen, wie Jakob Böhme, selbst Paracelsus, wenn auch in geringerem Grade. Man kann auch sprechen von Saturnmenschen. Und ein Saturnmensch war gerade Swedenborg. Swedenborg ist ja auch wiederum einer, der der gewöhnlichen Gelehrsamkeit, ja, man kann nicht einmal sagen, Kopfzerbrechen macht, sondern eigentlich Kopfzerbrechen machen sollte. Denn dieser Swedenborg war in der gewöhnlichen Wissenschaft auf der Höhe seiner Zeit, war wirklich eine Autorität. Bis in seine Vierzigerjahre war er auch leidlich anständig für unsere Wissenschaft, sagte nichts als das, worin die äußere Wissenschaft mitgehen konnte. Nur dann, dann wurde er allmählich benebelt. Wir müssen sagen, die Saturnkräfte wurden in ihm besonders rege. Die Menschen, die auf materialistischem Boden stehen, sagen, er sei verrückt geworden. Aber es ist halt doch etwas, was nachdenklich machen sollte, daß es so viele nachgelassene Werke von Swedenborg gibt, die jetzt sogar von einer schwedischen Gesellschaft herausgegeben werden und die anerkannt werden als wissenschaftliche Werke. Die bedeutendsten Gelehrten in Schweden befassen sich jetzt damit, den Swedenborg herauszugeben. Das sind aber die Werke, die er vor seiner Geistesschau wollen wir jetzt sagen — verfaßt hat. Es ist unangenehm, zu sprechen von einem Menschen, der sozusagen der gescheiteste Mensch seines Zeitalters war bis in die Vierzigerjahre, und dem gegenüber man in späteren Jahren eigentlich sagen muß: Das ist ein Tor, gelinde gesprochen. — Aber Swedenborg ist durchaus nicht dümmer geworden, sondern in einem gewissen Momente, gerade nachdem er auf die Höhe der gewöhnlichen Wissenschaft seiner Zeit hinaufgeklommen war, fing er an, hineinzuschauen in die geistige Welt. Und da sozusagen sein Hineinschauen seinen Kopf ergriff, dasjenige Organ, das er— er nun wirklich — ganz besonders ausgebildet hatte, da das nun ergriffen wurde von Geistigkeit, von saturnhafter Geistigkeit, konnte er auf seine Art hineinschauen — nicht wie Jakob Böhme, der gespiegelt bekam an der Finsternis die inneren Geheimnisse der Natur — in den unmittelbaren Äther, da, wo die Abbilder höherer Geistigkeit im Äther erscheinen. Und er beschrieb diese geistige Welt so, wie sie eben Swedenborg beschrieben hat. Es ist nicht dasjenige von ihm geschaut worden, was er sich vorgestellt hat. Die Geistwesen sind anders, auf die er anspielt. Er sah aber auch nicht bloß eine Erdenspiegelung von diesen Geistern, sondern er sah die Wirkungen der Geister im Äther, ersah Äthergestaltungen. Das waren die Taten der Geister — die allerdings selbst nicht geschaut wurden — im Erdenäther. Während Jakob Böhme Spiegelbilder der Natur sah, sah er dasjenige, was im Erdenäther bewirkt wurde von diesen Geistern, deren Wirkungen er nur sah. Wenn also Swedenborg Engel beschreibt, so sind das nicht Engel, sondern Äthergestalten. Aber das, was ihm als Engel erschien, als Äthergestaltungen, das ist von Engeln bewirkt, das ist ein Abbild dessen, was der Engel tut. Und so muß man eben auf die Realität solcher Dinge immer hinschauen. Es ist natürlich ein Fehler, wenn man sagt: Swedenborg schaute die geistige Welt als solche, denn das war ihm eben nicht eigen. Aber er schaute eine Wirklichkeit.

[ 30 ] So one can speak of “moon people”—the ordinary somnambulists—and of “sun people,” such as Jakob Böhme and even Paracelsus, albeit to a lesser degree. One can also speak of “Saturn people.” And Swedenborg was precisely such a “Saturn person.” Swedenborg, after all, is also someone who—to put it mildly—gives conventional scholarship a headache; indeed, one might even say he should give it a headache. For this Swedenborg was at the cutting edge of his time in conventional science; he was truly an authority. Until his forties, he was also reasonably acceptable to our science, saying nothing that external science could not accept. Only then—then—did he gradually become clouded. We must say that the Saturn forces became particularly active within him. People who stand on materialistic ground say he went mad. But it is still something that should give us pause to reflect: that there are so many posthumous works by Swedenborg, which are now even being published by a Swedish society and are recognized as scholarly works. The most eminent scholars in Sweden are now engaged in publishing Swedenborg’s works. But these are the works he composed—let us say—before his spiritual vision. It is unpleasant to speak of a man who was, so to speak, the most intelligent person of his age up until his forties, and to whom one must actually say in later years: “He is a fool, to put it mildly.”—But Swedenborg did not become any less intelligent; rather, at a certain moment, just after he had climbed to the pinnacle of the conventional science of his time, he began to look into the spiritual world. And since, so to speak, this looking into the spiritual world took hold of his head—the very organ that he — he had, in fact, developed quite specially — was now seized by spirituality, by Saturnian spirituality, he was able to look into it in his own way—not like Jakob Böhme, who saw the inner mysteries of nature reflected in darkness—but into the immediate ether, where the images of higher spirituality appear in the ether. And he described this spiritual world just as Swedenborg has described it. What he beheld was not what he had imagined. The spiritual beings to which he alludes are different. But he also did not merely see an earthly reflection of these spirits; rather, he saw the effects of the spirits in the ether and perceived etheric formations. These were the deeds of the spirits—which, admittedly, were not seen themselves—in the earthly ether. While Jakob Böhme saw reflections of nature, he saw what was brought about in the earthly ether by these spirits, whose effects he alone perceived. So when Swedenborg describes angels, these are not angels, but etheric forms. But what appeared to him as angels—as etheric forms—is brought about by angels; it is a reflection of what the angel does. And so one must always look to the reality of such things. It is, of course, a mistake to say that Swedenborg saw the spiritual world as such, for that was not his own experience. But he did perceive a reality.

[ 31 ] Der gewöhnliche Somnambule, der Mondsüchtige tut eine Wirklichkeit. Er tut so mit seinem physischen Leib, wie er nur mit seinem Astralleib tun sollte. Jakob Böhme erst sah mit seinem physischen Leib, vor allen Dingen mit der Einrichtung seiner Augen so, daß er das Physische ausschloß, in die Finsternis schaute, aber in der Finsternis das Licht schaute, die Spiegelung der Naturgeister. Swedenborg schaute nicht Spiegelbilder, sondern die Ätherbilder des übergeordneten geistigen Daseins. Das ist eine Stufenfolge: Vom nichtgeschauten automatischen geistig Durchdrungensein des Mondsüchtigen über das, ich möchte sagen naturhafte «second sight» von Jakob Böhme, der nicht die Außenseite der Natur sah, sondern die Spiegelung der Innenseite, bis hinauf zu Swedenborg, der nicht die Spiegelbilder, sondern die Realität im Äther sah, die Abbilder nicht Spiegelbilder —, Wirkungsbilder desjenigen, was oben in den höheren geistigen Regionen vor sich geht.

[ 31 ] The ordinary somnambulist, the sleepwalker, acts as if it were reality. He acts with his physical body in a way that he should only act with his astral body. Jakob Böhme, however, saw with his physical body—above all through the structure of his eyes—in such a way that he excluded the physical, looked into the darkness, yet saw the light within that darkness: the reflection of the spirits of nature. Swedenborg did not see reflections, but rather the etheric images of the higher spiritual existence. This is a progression: from the unobserved, automatic spiritual permeation of the somnambulist, through what I might call the natural “second sight” of Jakob Böhme, who saw not the outer side of nature but the reflection of its inner side, all the way up to Swedenborg, who saw not the mirror images but the reality in the ether—not mirror images but images of action—of what is taking place above in the higher spiritual regions.

[ 32 ] Und so sehen wir, wie wir sprechen können von Vergangenheit und Gegenwart der Menschen, wie aber die Vergangenheit im deutlichen Zeichen noch in der Gegenwart herinnen steht, wie eine Erbschaft da ist, in sogenannten abnormen Zuständen, die man begreifen muß. Und gerade wenn man so hinschauen kann auf die Vergangenheit und auf dasjenige, was aus der Vergangenheit noch in die Gegenwart hereinragt, wird man mit Hilfe eines durchgreifenden Verständnisses des Mysteriums von Golgatha auch auf die Menschenzukunft ahnend hinweisen können. Das soll dann im morgigen Vortrage noch geschehen.

[ 32 ] And so we see how we can speak of people’s past and present, but how the past still stands clearly within the present, how there is a legacy present in so-called abnormal states that must be understood. And it is precisely when one can look in this way at the past and at that which still extends from the past into the present that one will be able, with the help of a profound understanding of the Mystery of Golgotha, to point intuitively toward humanity’s future as well. This will be the subject of tomorrow’s lecture.