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An Anthroposophical Understanding
of the Psychic Human Being
GA 231

15 November 1923, The Hague

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Anthroposophie als Zeitforderung

Anthroposophie als Zeitforderung

[ 1 ] Es ist in der Gegenwart eine allgemeine Anschauung, daß die menschliche Erkenntnis gewisse Grenzen habe, nicht nur zeitliche Grenzen, die darin bestehen würden, daß man im Verlaufe der schon abgelaufenen Zeit nicht alles erreicht hat und noch manches der Zukunft überlassen muß, sondern in einem ganz allgemeinen Sinne spricht man heute von «Erkenntnisgrenzen», von Wissensgrenzen für die Menschheit. Man meint, es sei der Mensch nun einmal so veranlagt, daß er nur gewisse Dinge einsehen könne, nur über gewisse Dinge Bescheid wissen könne, während andere Dinge eben über seine Erkenntnisfähigkeit hinaus lägen. Und man bezeichnet wohl am meisten die Dinge der sogenannten übersinnlichen Welt als diejenigen, die der Mensch durch Erkenntnis nicht erreichen könne, für die er sich begnügen müsse mit dem, was man oftmals einen Glauben, eine Annahme aus dunklen Gefühlen und dergleichen heraus nennt. Gerade die Bestrebungen der letzten Jahrhunderte und der Gegenwart, welche in wissenschaftlicher Beziehung die größten Erfolge gebracht haben, die naturwissenschaftlichen, die auch den denkbar weitesten praktischen Nutzen gebracht haben, hält die heutige Menschheit dafür beweisend, daß man stehenbleiben müsse bei dem, was Sinne beobachten können, was durch Experimente festgestellt werden könnte und dergleichen, und das ist eben nur die sinnlich-wirkliche Welt. Das ist, wenn man vom Menschen spricht, nur diejenige Welt, die der Mensch im physischen Leibe zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod durchläuft.

[ 1 ] Es ist in der Gegenwart eine allgemeine Anschauung, daß die menschliche Erkenntnis gewisse Grenzen habe, nicht nur zeitliche Grenzen, die darin bestehen würden, daß man im Verlaufe der schon abgelaufenen Zeit nicht alles erreicht hat und noch manches der Zukunft überlassen muß, sondern in einem ganz allgemeinen Sinne spricht man heute von «Erkenntnisgrenzen», von Wissensgrenzen für die Menschheit. Man meint, es sei der Mensch nun einmal so veranlagt, daß er nur gewisse Dinge einsehen könne, nur über gewisse Dinge Bescheid wissen könne, während andere Dinge eben über seine Erkenntnisfähigkeit hinaus lägen. Und man bezeichnet wohl am meisten die Dinge der sogenannten übersinnlichen Welt als diejenigen, die der Mensch durch Erkenntnis nicht erreichen könne, für die er sich begnügen müsse mit dem, was man oftmals einen Glauben, eine Annahme aus dunklen Gefühlen und dergleichen heraus nennt. Gerade die Bestrebungen der letzten Jahrhunderte und der Gegenwart, welche in wissenschaftlicher Beziehung die größten Erfolge gebracht haben, die naturwissenschaftlichen, die auch den denkbar weitesten praktischen Nutzen gebracht haben, hält die heutige Menschheit dafür beweisend, daß man stehenbleiben müsse bei dem, was Sinne beobachten können, was durch Experimente festgestellt werden könnte und dergleichen, und das ist eben nur die sinnlich-wirkliche Welt. Das ist, wenn man vom Menschen spricht, nur diejenige Welt, die der Mensch im physischen Leibe zwischen Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod durchläuft.

[ 2 ] Nun soll ja nicht geleugnet werden, daß gerade die Naturwissenschaft ihre so großen Erfolge dem Umstande verdankt, daß sie sich in dieser Weise beschränkt hat, daß sie sich darauf beschränkt, die Sinneswelt nach allen Seiten zu durchforschen und nicht sich herbeiJäßt, in irgendeiner Weise von der Sinneswelt aus Schlüsse zu ziehen für eine übersinnliche Welt. Aber auf der anderen Seite ist für den sinnigen Menschen gerade mit dieser, wie man glaubt, voll bewiesenen Annahme von Erkenntnisgrenzen überhaupt etwas innerlich ungemein Tragisches verbunden, etwas Tragisches, das: heute\noch nicht zum Bewußtsein vieler Menschen kommt, das aber in unbestimmten Gefühlen, it allerlei unterbewußten Empfindungen in zahlreichen Menschenseelen spielt, sie unsicher im Leben, ja, sie oftmals unsicher und untüchtig im äußeren Handeln, im Verhältnis zu ihren Mitmenschen und so weiter macht. Denn es wird allmählich immer mehr und mehr gefühlt, daß die Grenzen, vor denen man in dieser Art haltmachen will, nicht bloß die einer äußeren übersinnlichen Welt sind, sondern daß mit diesen Erkenntnisgrenzen, wenn sie in richtiger Weise angenommen werden sollen, noch etwas ganz anderes verbunden ist. Der Mensch fühlt allmählich, daß ja sein wahres Wesen selber übersinnlicher Natur sein müsse, daß sein wahres Wesen, durch das er sich als Mensch seinen Wert und seine Würde zuerkennt, im Geistigen, also im Nicht-Sinnlichen liegen müsse. Wenn man mit aller Erkenntnis vor dem Übersinnlichen haltmacht, dann macht man ja vor der menschlichen Selbsterkenntnis halt. Dann verzichtet man darauf, das Wertvollste, das Würdigste im Menschen selbst zur Einsicht zu bringen.

[ 2 ] Nun soll ja nicht geleugnet werden, daß gerade die Naturwissenschaft ihre so großen Erfolge dem Umstande verdankt, daß sie sich in dieser Weise beschränkt hat, daß sie sich darauf beschränkt, die Sinneswelt nach allen Seiten zu durchforschen und nicht sich herbeiJäßt, in irgendeiner Weise von der Sinneswelt aus Schlüsse zu ziehen für eine übersinnliche Welt. Aber auf der anderen Seite ist für den sinnigen Menschen gerade mit dieser, wie man glaubt, voll bewiesenen Annahme von Erkenntnisgrenzen überhaupt etwas innerlich ungemein Tragisches verbunden, etwas Tragisches, das: heute\noch nicht zum Bewußtsein vieler Menschen kommt, das aber in unbestimmten Gefühlen, it allerlei unterbewußten Empfindungen in zahlreichen Menschenseelen spielt, sie unsicher im Leben, ja, sie oftmals unsicher und untüchtig im äußeren Handeln, im Verhältnis zu ihren Mitmenschen und so weiter macht. Denn es wird allmählich immer mehr und mehr gefühlt, daß die Grenzen, vor denen man in dieser Art haltmachen will, nicht bloß die einer äußeren übersinnlichen Welt sind, sondern daß mit diesen Erkenntnisgrenzen, wenn sie in richtiger Weise angenommen werden sollen, noch etwas ganz anderes verbunden ist. Der Mensch fühlt allmählich, daß ja sein wahres Wesen selber übersinnlicher Natur sein müsse, daß sein wahres Wesen, durch das er sich als Mensch seinen Wert und seine Würde zuerkennt, im Geistigen, also im Nicht-Sinnlichen liegen müsse. Wenn man mit aller Erkenntnis vor dem Übersinnlichen haltmacht, dann macht man ja vor der menschlichen Selbsterkenntnis halt. Dann verzichtet man darauf, das Wertvollste, das Würdigste im Menschen selbst zur Einsicht zu bringen.

[ 3 ] Damit aber untergräbt man sich auch das richtige innerliche Selbstvertrauen. Wodurch fühlt sich denn der Mensch als ein Angehöriger der heute mit so großen Erfolgen durchforschten Naturwelt? Nur dadurch, daß er diese Naturwelt in sich selber, zunächst in seinem äußeren physischen Leibe trägt. Alles was in unserer Umgebung an Naturstoffen und Naturgesetzen ist, tragen wir, wenigstens zum großen Teile, in uns. Wir können uns dadurch verbunden fühlen mit der sinnlichen Natur. Wir würden uns gar nicht als existierend fühlen in dieser sinnlichen Natur, wenn wir ihr nicht mit unserem eigenen Leibe angehörten, oder wenn wir uns selber nicht als Sinneswesen erforschen könnten. Ebenso aber, wenn auch die Menschen sich das noch nicht voll zum Bewußtsein bringen, ist es mit dem Übersinnlichen, mit dem als wahrhaftem Menschenwesen gefühlten mensch lichen geistigen Inneren. Können wir uns nicht fühlen als angehörig einer geistigen Natur, können wir uns nicht fühlen als Wesen, welche die Kräfte, die Substanzen des Geistigen in sich aufnehmen und an sich tragen, dann können wir uns nicht als geistige Menschenwesen überhaupt anerkennen. Dann aber muß in uns fehlen das Selbstvertrauen zu dem, was wir doch fühlen als unser Wertvollstes, als unser Würdigstes, als das, wodurch wir eigentlich Menschen sind, ja Menschen sein wollen.

[ 3 ] Damit aber untergräbt man sich auch das richtige innerliche Selbstvertrauen. Wodurch fühlt sich denn der Mensch als ein Angehöriger der heute mit so großen Erfolgen durchforschten Naturwelt? Nur dadurch, daß er diese Naturwelt in sich selber, zunächst in seinem äußeren physischen Leibe trägt. Alles was in unserer Umgebung an Naturstoffen und Naturgesetzen ist, tragen wir, wenigstens zum großen Teile, in uns. Wir können uns dadurch verbunden fühlen mit der sinnlichen Natur. Wir würden uns gar nicht als existierend fühlen in dieser sinnlichen Natur, wenn wir ihr nicht mit unserem eigenen Leibe angehörten, oder wenn wir uns selber nicht als Sinneswesen erforschen könnten. Ebenso aber, wenn auch die Menschen sich das noch nicht voll zum Bewußtsein bringen, ist es mit dem Übersinnlichen, mit dem als wahrhaftem Menschenwesen gefühlten mensch lichen geistigen Inneren. Können wir uns nicht fühlen als angehörig einer geistigen Natur, können wir uns nicht fühlen als Wesen, welche die Kräfte, die Substanzen des Geistigen in sich aufnehmen und an sich tragen, dann können wir uns nicht als geistige Menschenwesen überhaupt anerkennen. Dann aber muß in uns fehlen das Selbstvertrauen zu dem, was wir doch fühlen als unser Wertvollstes, als unser Würdigstes, als das, wodurch wir eigentlich Menschen sind, ja Menschen sein wollen.

[ 4 ] Das hat noch nach einer anderen Seite hin eine gewisse Verbindung. Wir fühlen, wie nicht aus dem Naturhaften heraus, ganz gewiß nicht aus den Vorgängen, die in Muskeln und Knochen oder im Blute vor sich gehen, dasjenige fließt, was wir die moralischen Impulse nennen, was wir den Inhalt unserer moralisch-geistigen Kräfte nennen. Wir fühlen sie hervorgehen aus einer geistigen Welt, wir kommen aber über diese ganze geistige Welt in Unsicherheit, wenn wir vor den Grenzen des Übersinnlichen mit der Erkenntnis haltmachen müssen.

[ 4 ] Das hat noch nach einer anderen Seite hin eine gewisse Verbindung. Wir fühlen, wie nicht aus dem Naturhaften heraus, ganz gewiß nicht aus den Vorgängen, die in Muskeln und Knochen oder im Blute vor sich gehen, dasjenige fließt, was wir die moralischen Impulse nennen, was wir den Inhalt unserer moralisch-geistigen Kräfte nennen. Wir fühlen sie hervorgehen aus einer geistigen Welt, wir kommen aber über diese ganze geistige Welt in Unsicherheit, wenn wir vor den Grenzen des Übersinnlichen mit der Erkenntnis haltmachen müssen.

[ 5 ] Und so kann die heutige Menschheit von dem aus, was ihr, ich möchte sagen, brutal feststeht im äußeren Naturdasein, keine rechte Brücke schlagen zu dem, was ihr aus dem intimsten geistigen Inneren fließt als der Inhalt der moralischen Weltordnung. Man hat gar nicht den Mut, sich das, was da für das menschliche Gemüt vorliegt, immer richtig klarzumachen. Die Naturwissenschaft hat gründlich danach hingearbeitet, wenigstens hypothetisch irgend etwas sagen zu können über die heutigen Lebewesen, aus denen sich der Mensch entwikkelt habe. Man schildert, wenigstens hypothetisch, wie sich einmal aus dem Weltennebel heraus unsere jetzige Welt gestaltet habe; man stellt auch Hypothesen auf über das Ende unseres Planetensystems oder des Systems, zu dem wir überhaupt gehören. Man denkt sich dieses ganze in der Zeit verlaufende System als aus Naturstoffen und durch Naturkräfte in irgendeiner Weise sich zusammenballend, sich konstituierend. Man denkt sich aus einem Teil dieser Kräfte dann in einer gewissen Zeit den physischen Menschen aufsteigend. Elektrizität, Magnetismus, Wärmekraft und so weiter, sie drängen sich der äußeren Beobachtung auf, in ihnen fühlt sich der denkende Mensch mit seinem Bewußtseinsinhalt sicher. Aber wenn dann in ihm das Bedürfnis entsteht, das, was nicht aus seiner physischen Natur kommt, die moralisch-geistigen Impulse, als wirksam in der Welt zu denken, wenn er wirksam denken soll, was er aus einer geistigelementaren Kraft verwirklicht, was nun auch da sein soll in der Welt, wenn er Erlebnisse haben soll in der Welt, die nicht vergehen sollen mit dem, was mit dem Physischen vergeht — dann hat der Mensch keinen Anhaltspunkt, um aus dem, was als Erkenntnisgrenzen anerkannt wird, sich zu sagen: Diese moralischen Kräfte sind ebenso wirksam wie das, was die brutalen physischen Naturkräfte als ihr Ergebnis haben.

[ 5 ] Und so kann die heutige Menschheit von dem aus, was ihr, ich möchte sagen, brutal feststeht im äußeren Naturdasein, keine rechte Brücke schlagen zu dem, was ihr aus dem intimsten geistigen Inneren fließt als der Inhalt der moralischen Weltordnung. Man hat gar nicht den Mut, sich das, was da für das menschliche Gemüt vorliegt, immer richtig klarzumachen. Die Naturwissenschaft hat gründlich danach hingearbeitet, wenigstens hypothetisch irgend etwas sagen zu können über die heutigen Lebewesen, aus denen sich der Mensch entwikkelt habe. Man schildert, wenigstens hypothetisch, wie sich einmal aus dem Weltennebel heraus unsere jetzige Welt gestaltet habe; man stellt auch Hypothesen auf über das Ende unseres Planetensystems oder des Systems, zu dem wir überhaupt gehören. Man denkt sich dieses ganze in der Zeit verlaufende System als aus Naturstoffen und durch Naturkräfte in irgendeiner Weise sich zusammenballend, sich konstituierend. Man denkt sich aus einem Teil dieser Kräfte dann in einer gewissen Zeit den physischen Menschen aufsteigend. Elektrizität, Magnetismus, Wärmekraft und so weiter, sie drängen sich der äußeren Beobachtung auf, in ihnen fühlt sich der denkende Mensch mit seinem Bewußtseinsinhalt sicher. Aber wenn dann in ihm das Bedürfnis entsteht, das, was nicht aus seiner physischen Natur kommt, die moralisch-geistigen Impulse, als wirksam in der Welt zu denken, wenn er wirksam denken soll, was er aus einer geistigelementaren Kraft verwirklicht, was nun auch da sein soll in der Welt, wenn er Erlebnisse haben soll in der Welt, die nicht vergehen sollen mit dem, was mit dem Physischen vergeht — dann hat der Mensch keinen Anhaltspunkt, um aus dem, was als Erkenntnisgrenzen anerkannt wird, sich zu sagen: Diese moralischen Kräfte sind ebenso wirksam wie das, was die brutalen physischen Naturkräfte als ihr Ergebnis haben.

[ 6 ] Daraus entspringen dem Menschen heute nicht bloß theoretische Zweifel, sondern Unsicherheit der ganzen Seele, Unsicherheit des Gemütes, die für den, der eine unbefangene Beobachtung unseres Zivilisationslebens hat, überall durchschaubar ist, wenn auch die Menschen sich darüber hinwegtäuschen. Denn das ist ja das Charakteristikon der heutigen Zivilisation, daß man sich gerade über die tiefsten Fragen der Zivilisation hinwegtäuscht. Aber im Unterbewußtsein sind diese Fragen doch tätig, da äußern sie sich — zwar nicht als Theorien, aber in der ganzen Seelenstimmung, in der Zuversichtlichkeit und Tüchtigkeit des Seelenlebens. Da liegt die innere Tragik, die eigentlich auf dem Grunde jeder Seele, selbst der oberflächlichsten, zu bemerken ist. Und da entspringt dann das, was uns in der Gegenwart paradox erscheinen kann, es entspringt die Sehnsucht vieler Menschen gerade nach einer übersinnlichen Erkenntnis! Man möchte sagen, auf geistigem Gebiete geht es damit ebenso, wie es mit Hunger und Durst geht. Man verlangt nicht nach Speise und Trank, wenn man gesättigt ist, sondern verlangt nach ihnen, wenn man eben ungesättigt ist. Und aus einem innersten Bedürfnis heraus verlangt die gegenwärtige Menschheit nach dem Übersinnlichen, weil sie das Übersinnliche nicht hat. Während auf der einen Seite Philosophen und Naturforscher heute immer mehr und mehr beweisen wollen, daß es gegenüber dem Übersinnlichen unübersteigbare Schranken und Grenzen gäbe, sehen wir gerade auf der anderen Seite einen unstillbaren Durst schon sehr vieler Menschenseelen nach über sinnlicher Erkenntnis, und die Zahl dieser Menschen wird immer größer werden.

[ 6 ] Daraus entspringen dem Menschen heute nicht bloß theoretische Zweifel, sondern Unsicherheit der ganzen Seele, Unsicherheit des Gemütes, die für den, der eine unbefangene Beobachtung unseres Zivilisationslebens hat, überall durchschaubar ist, wenn auch die Menschen sich darüber hinwegtäuschen. Denn das ist ja das Charakteristikon der heutigen Zivilisation, daß man sich gerade über die tiefsten Fragen der Zivilisation hinwegtäuscht. Aber im Unterbewußtsein sind diese Fragen doch tätig, da äußern sie sich — zwar nicht als Theorien, aber in der ganzen Seelenstimmung, in der Zuversichtlichkeit und Tüchtigkeit des Seelenlebens. Da liegt die innere Tragik, die eigentlich auf dem Grunde jeder Seele, selbst der oberflächlichsten, zu bemerken ist. Und da entspringt dann das, was uns in der Gegenwart paradox erscheinen kann, es entspringt die Sehnsucht vieler Menschen gerade nach einer übersinnlichen Erkenntnis! Man möchte sagen, auf geistigem Gebiete geht es damit ebenso, wie es mit Hunger und Durst geht. Man verlangt nicht nach Speise und Trank, wenn man gesättigt ist, sondern verlangt nach ihnen, wenn man eben ungesättigt ist. Und aus einem innersten Bedürfnis heraus verlangt die gegenwärtige Menschheit nach dem Übersinnlichen, weil sie das Übersinnliche nicht hat. Während auf der einen Seite Philosophen und Naturforscher heute immer mehr und mehr beweisen wollen, daß es gegenüber dem Übersinnlichen unübersteigbare Schranken und Grenzen gäbe, sehen wir gerade auf der anderen Seite einen unstillbaren Durst schon sehr vieler Menschenseelen nach über sinnlicher Erkenntnis, und die Zahl dieser Menschen wird immer größer werden.

[ 7 ] Dieser übersinnlichen Erkenntnis will entgegenkommen eine Anschauung, ich könnte besser sagen eine Forschungsart, von der ich Ihnen heute sprechen will. Aber ich will Ihnen nicht von einer solchen Forschungsart sprechen, wie man sie heute vielfach auf eine sehr leichte Weise für das Übersinnliche erlangen will, sondern ich werde Ihnen sprechen über eine Erkenntnisart, die zwar eine durchaus innere, intime Angelegenheit der Menschenseele ist, aber darin ebenso wissenschaftlich, ja so exakt sicher ist, nicht einmal wie ein äußeres naturwissenschaftliches Ergebnis nur, sondern wie die mathematischen oder geometrischen Ergebnisse der Wissenschaft selber. Aber indem man nach einer solchen Erkenntnis strebt und gerade an eine Erkenntnis desjenigen herantritt, was im Menschen das Übersinnliche ist, kommt man sogleich in etwas hinein, das von Anfang an alle möglichen Zweifel erregt, von Anfang an Unsicherheiten bewirkt.

[ 7 ] Dieser übersinnlichen Erkenntnis will entgegenkommen eine Anschauung, ich könnte besser sagen eine Forschungsart, von der ich Ihnen heute sprechen will. Aber ich will Ihnen nicht von einer solchen Forschungsart sprechen, wie man sie heute vielfach auf eine sehr leichte Weise für das Übersinnliche erlangen will, sondern ich werde Ihnen sprechen über eine Erkenntnisart, die zwar eine durchaus innere, intime Angelegenheit der Menschenseele ist, aber darin ebenso wissenschaftlich, ja so exakt sicher ist, nicht einmal wie ein äußeres naturwissenschaftliches Ergebnis nur, sondern wie die mathematischen oder geometrischen Ergebnisse der Wissenschaft selber. Aber indem man nach einer solchen Erkenntnis strebt und gerade an eine Erkenntnis desjenigen herantritt, was im Menschen das Übersinnliche ist, kommt man sogleich in etwas hinein, das von Anfang an alle möglichen Zweifel erregt, von Anfang an Unsicherheiten bewirkt.

[ 8 ] Wenn wir nach außen schauen, dann bemerken wir sehr bald, daß gegenüber der nächsten äußeren Anschauung die Naturwissenschafter und die Philosophen, die von Erkenntnisgrenzen reden, recht haben. Wir müssen also nach innen schauen. Wenn wir aber nach innen schauen, und wenn wir beim gewöhnlichen Bewußtsein bleiben, bei demjenigen, das wir im gewöhnlichen Leben und auch in der gebräuchlichen Wissenschaft haben, dann tritt uns da zunächst auch gar nichts anderes entgegen als in einer Art Gedankenbild wiederum die Außenwelt. Wenn man mit seiner erstrebten Selbsterkenntnis ganz ehrlich ist und sich fragt: Was ist da, wenn du, statt hinauszuschauen in die Welt, zurückschaust in dich, was ist da in dir eigentlich drinnen? — so wird man sich klar sein müssen, daß man die Welt, nur eben im Bilde, drinnen wiederfindet. Was man erlebt hat, das hat sich unserem Vorstellungsleben, unserem Empfindungsleben eingeprägt. Wir erleben sozusagen ein gedankliches und empfindungsgemäßes Bild von dem, was draußen auch ist. Wir haben nur den Blick nach rückwärts gewendet. Der bietet uns zunächst gar nichts Neues, sondern nur in einer abgeschwächten Weise bildhaft dasjenige, was draußen auch ist. Nur ein allgemeines Gefühl bemächtigt sich da des Menschen, daß er in diesen wogenden Gedanken, Ideen und Empfindungen als ein Ich, als ein Selbst da ist. Aber das ist so allgemein und unbestimmt, daß er damit zunächst nicht viel anfangen kann.

[ 8 ] Wenn wir nach außen schauen, dann bemerken wir sehr bald, daß gegenüber der nächsten äußeren Anschauung die Naturwissenschafter und die Philosophen, die von Erkenntnisgrenzen reden, recht haben. Wir müssen also nach innen schauen. Wenn wir aber nach innen schauen, und wenn wir beim gewöhnlichen Bewußtsein bleiben, bei demjenigen, das wir im gewöhnlichen Leben und auch in der gebräuchlichen Wissenschaft haben, dann tritt uns da zunächst auch gar nichts anderes entgegen als in einer Art Gedankenbild wiederum die Außenwelt. Wenn man mit seiner erstrebten Selbsterkenntnis ganz ehrlich ist und sich fragt: Was ist da, wenn du, statt hinauszuschauen in die Welt, zurückschaust in dich, was ist da in dir eigentlich drinnen? — so wird man sich klar sein müssen, daß man die Welt, nur eben im Bilde, drinnen wiederfindet. Was man erlebt hat, das hat sich unserem Vorstellungsleben, unserem Empfindungsleben eingeprägt. Wir erleben sozusagen ein gedankliches und empfindungsgemäßes Bild von dem, was draußen auch ist. Wir haben nur den Blick nach rückwärts gewendet. Der bietet uns zunächst gar nichts Neues, sondern nur in einer abgeschwächten Weise bildhaft dasjenige, was draußen auch ist. Nur ein allgemeines Gefühl bemächtigt sich da des Menschen, daß er in diesen wogenden Gedanken, Ideen und Empfindungen als ein Ich, als ein Selbst da ist. Aber das ist so allgemein und unbestimmt, daß er damit zunächst nicht viel anfangen kann.

[ 9 ] Daher hat man im Mittelalter in den Zeiten, in denen man in einer intensiveren Weise an die Selbsterkenntnis, an die menschliche Seelenerkenntnis herangegangen ist, zunächst nicht so sehr auf das geachtet, was man durch eine bloß nach rückwärts gewendete Selbstbeobachtung während des gewöhnlichen Bewußtseins gewinnen kann, sondern man hat vielmehr gesucht, die Seelenerkenntnis auf eine andere Art zu gewinnen. Diese andere Art ist immerhin interessant, und ich muß, damit wir uns über diejenige Seelenerkenntnis, die ich eigentlich meine, verständigen können, von dieser anderen, oftmals sehr begehrten Seelenerkenntnis ausgehen. Ich bemerke aber von vornherein, daß ich nur zur Verdeutlichung dessen, was ich darlegen will, von dieser anderen Seelenerkenntnis ausgehen, ihr aber nicht einen eigentlichen Wert beimessen will. Also, es darf niemand glauben, daß ich, weil ich vom Traume ausgehe, diesem schon einen Erkenntniswert beilege. Dieses Traumleben aber ist ungemein bedeutungsvoll. Diejenigen, welche einmal Seelenerkenntnis durch das Traumleben gesucht haben, sie haben schon bemerkt, daß in einer gewissen Beziehung das Seelische im Traume viel charakteristischer erscheint, als wenn man bloß in sich hineinbrütet und, wie man oftmals sagt, sich selber beobachten will. Sie haben die Träume verfolgt und haben zunächst zweierlei Art von Träumen gefunden. Es ist ja so, daß der Traum auf und ab wogende Bilder ausbildet von einer phantastischen Anschaulichkeit, die zunächst nicht so abstrakt ist wie die Gedanken, die wir beim Tagesbewußtsein haben. Aber der Traum bildet zunächst etwas, was rätselhaft erscheint, auf der einen Seite durch seine Zusammensetzung, auf der anderen Seite durch seinen Inhalt.

[ 9 ] Daher hat man im Mittelalter in den Zeiten, in denen man in einer intensiveren Weise an die Selbsterkenntnis, an die menschliche Seelenerkenntnis herangegangen ist, zunächst nicht so sehr auf das geachtet, was man durch eine bloß nach rückwärts gewendete Selbstbeobachtung während des gewöhnlichen Bewußtseins gewinnen kann, sondern man hat vielmehr gesucht, die Seelenerkenntnis auf eine andere Art zu gewinnen. Diese andere Art ist immerhin interessant, und ich muß, damit wir uns über diejenige Seelenerkenntnis, die ich eigentlich meine, verständigen können, von dieser anderen, oftmals sehr begehrten Seelenerkenntnis ausgehen. Ich bemerke aber von vornherein, daß ich nur zur Verdeutlichung dessen, was ich darlegen will, von dieser anderen Seelenerkenntnis ausgehen, ihr aber nicht einen eigentlichen Wert beimessen will. Also, es darf niemand glauben, daß ich, weil ich vom Traume ausgehe, diesem schon einen Erkenntniswert beilege. Dieses Traumleben aber ist ungemein bedeutungsvoll. Diejenigen, welche einmal Seelenerkenntnis durch das Traumleben gesucht haben, sie haben schon bemerkt, daß in einer gewissen Beziehung das Seelische im Traume viel charakteristischer erscheint, als wenn man bloß in sich hineinbrütet und, wie man oftmals sagt, sich selber beobachten will. Sie haben die Träume verfolgt und haben zunächst zweierlei Art von Träumen gefunden. Es ist ja so, daß der Traum auf und ab wogende Bilder ausbildet von einer phantastischen Anschaulichkeit, die zunächst nicht so abstrakt ist wie die Gedanken, die wir beim Tagesbewußtsein haben. Aber der Traum bildet zunächst etwas, was rätselhaft erscheint, auf der einen Seite durch seine Zusammensetzung, auf der anderen Seite durch seinen Inhalt.

[ 10 ] Zweierlei Dinge sind es, die dem Menschen im Traume als Bilder sich ergeben. Zunächst Bilder von Erlebnissen, die wir im Erdendasein durchgemacht haben, Reminiszenzen aus dem Leben. Das steigt herauf und zeigt dies oder jenes, was wir vor vielen Jahren erlebt haben. Aber was sich da geltend macht, das steigt herauf neben anderem, in einem Zusammenhange, den das Leben nicht dargeboten hat. Ereignisse, die vor zehn Jahren stattgefunden haben, werden zusammengeballt mit solchen, die sich vorgestern abgespielt haben. Das Entfernteste kommt zueinander. Dadurch, daß der Traum die Lebensfetzen zusammenstellt, bildet er unmögliche Bilder, chaotische Bilder. Alles, was das äußere Leben an Ereignissen, die wir durchgemacht haben, darbot, wird im Traume in einer chaotischen Weise uns vorgezaubert. Das ist die eine Form der Träume. Die andere Form ist die, wo wir in einer Art symbolischer Bilder unser eigenes Innere vom Traume vörgegaukelt erhalten. Wer hätte es nicht geträumt, daß er gelitten hat unter der Wärme eines kochenden Ofens? Er hat die Flammen flackern gesehen, er wacht auf und hat ein heftiges Herzklopfen. Oder wir träumen davon, wie wir an einem Zaune vorbeigehen; wir sehen die einzelnen Pfähle des Zaunes, wir sehen, wie zwei Pfähle oder ein Pfahl beschädigt sind, und dann wachen wir auf mit Zahnschmerzen. In dem einen Falle, wo wir von dem kochenden Ofen mit seiner Hitze geträumt haben, war es ein Bild unseres Herzens, das heftig gepocht hat. Im anderen Falle, wo wir vom Zaune geträumt haben, war es ein Bild unserer Zahnreihe, die uns irgendwie Schmerzen machte. Und wer genauer auf diese Dinge eingehen kann, der weiß, daß sich ein gewisses Gebiet der Träume dadurch charakterisiert, daß innere Organe oder Vorgänge sinnbildlich durch den Traum uns vorgestellt werden. Aber man muß schon ein wenig kundig auf alle die Verhältnisse, die darin walten, eingehen können, wenn man oftmals in den Sinnbildern des Traumes das wiedererkennen will, was sich eigentlich in ihnen ausdrückt vom Inneren des Menschenwesens. Dann wird man aber finden, wie es fast kein Organ oder keinen inneren Prozeß gibt, der nicht einmal in einer inneren Weise uns vom Traume vorgegaukelt werden kann.

[ 10 ] Zweierlei Dinge sind es, die dem Menschen im Traume als Bilder sich ergeben. Zunächst Bilder von Erlebnissen, die wir im Erdendasein durchgemacht haben, Reminiszenzen aus dem Leben. Das steigt herauf und zeigt dies oder jenes, was wir vor vielen Jahren erlebt haben. Aber was sich da geltend macht, das steigt herauf neben anderem, in einem Zusammenhange, den das Leben nicht dargeboten hat. Ereignisse, die vor zehn Jahren stattgefunden haben, werden zusammengeballt mit solchen, die sich vorgestern abgespielt haben. Das Entfernteste kommt zueinander. Dadurch, daß der Traum die Lebensfetzen zusammenstellt, bildet er unmögliche Bilder, chaotische Bilder. Alles, was das äußere Leben an Ereignissen, die wir durchgemacht haben, darbot, wird im Traume in einer chaotischen Weise uns vorgezaubert. Das ist die eine Form der Träume. Die andere Form ist die, wo wir in einer Art symbolischer Bilder unser eigenes Innere vom Traume vörgegaukelt erhalten. Wer hätte es nicht geträumt, daß er gelitten hat unter der Wärme eines kochenden Ofens? Er hat die Flammen flackern gesehen, er wacht auf und hat ein heftiges Herzklopfen. Oder wir träumen davon, wie wir an einem Zaune vorbeigehen; wir sehen die einzelnen Pfähle des Zaunes, wir sehen, wie zwei Pfähle oder ein Pfahl beschädigt sind, und dann wachen wir auf mit Zahnschmerzen. In dem einen Falle, wo wir von dem kochenden Ofen mit seiner Hitze geträumt haben, war es ein Bild unseres Herzens, das heftig gepocht hat. Im anderen Falle, wo wir vom Zaune geträumt haben, war es ein Bild unserer Zahnreihe, die uns irgendwie Schmerzen machte. Und wer genauer auf diese Dinge eingehen kann, der weiß, daß sich ein gewisses Gebiet der Träume dadurch charakterisiert, daß innere Organe oder Vorgänge sinnbildlich durch den Traum uns vorgestellt werden. Aber man muß schon ein wenig kundig auf alle die Verhältnisse, die darin walten, eingehen können, wenn man oftmals in den Sinnbildern des Traumes das wiedererkennen will, was sich eigentlich in ihnen ausdrückt vom Inneren des Menschenwesens. Dann wird man aber finden, wie es fast kein Organ oder keinen inneren Prozeß gibt, der nicht einmal in einer inneren Weise uns vom Traume vorgegaukelt werden kann.

[ 11 ] Nun haben ältere Seelenforscher, die sich an den Traum herangemacht haben, eine sehr richtige Anschauung entwickelt über das Verhältnis des Menschen zum Traum. Sie haben sich gesagt: was wir in uns tragen, das fühlen wir eigentlich höchstens nur, aber wir schauen es nicht an, wir haben es nicht wie einen äußeren Gegenstand vor uns. Wenn wir aber unser eigenes Herzklopfen in dem Bilde eines kochenden Ofens vor uns haben, so haben wir ein Bild wenigstens in unserem Bewußtsein, das so aussieht wie das Bild eines äußeren Gegenstandes, das wir uns machen. Wir müssen von dem äußeren Gegenstande getrennt sein, wenn von ihm ein Bild in uns entstehen soll. Das, was man selber ist, auch wenn es der eigene Körper ist, das fühlt man an sich, man fühlt es schmerzhaft zuweilen, wenn irgend etwas Organisches nicht in Ordnung ist, aber man schaut es nicht an. Wenn man etwas anschaut in bildhafter Form, dann muß man außerhalb desselben sein. Und so haben die älteren Seelenforscher, die aber durchaus noch solche des 19. Jahrhunderts waren, sich gesagt: Träume ich in Sinnbildern von meinem eigenen Körper und seinen Vorgängen, so kann ich nicht in meinem Körper sein, denn sonst würde ich ihn nicht erleben. Ich muß daher in einem solchen Falle außerhalb meines Körpers sein. Das Bild stellt mir jedenfalls etwas dar von einem unabhängigen seelisch-geistigen Leben gegenüber dem Körper. Und wiederum sagten sie sich: Wenn ich in irgendeiner, wenn auch noch so verborgenen Weise Reminiszenzen des Lebens träume, so müßte das äußere Naturdasein doch so, wie es ist, sich mir darbieten. Aber da wird fortwährend etwas verändert, da gaukelt mir der Traum die phantastischsten Zusammenhänge vor. Da muß ich wieder drinnen stecken, denn die Natur, die mich sonst umgibt, kann mir doch nicht die Ereignisse, die ich mit ihr erlebt habe, auch nicht die Ereignisse des Menschenlebens, die ich erlebt habe, in einer ganz anderen Ordnung zeigen.

[ 11 ] Nun haben ältere Seelenforscher, die sich an den Traum herangemacht haben, eine sehr richtige Anschauung entwickelt über das Verhältnis des Menschen zum Traum. Sie haben sich gesagt: was wir in uns tragen, das fühlen wir eigentlich höchstens nur, aber wir schauen es nicht an, wir haben es nicht wie einen äußeren Gegenstand vor uns. Wenn wir aber unser eigenes Herzklopfen in dem Bilde eines kochenden Ofens vor uns haben, so haben wir ein Bild wenigstens in unserem Bewußtsein, das so aussieht wie das Bild eines äußeren Gegenstandes, das wir uns machen. Wir müssen von dem äußeren Gegenstande getrennt sein, wenn von ihm ein Bild in uns entstehen soll. Das, was man selber ist, auch wenn es der eigene Körper ist, das fühlt man an sich, man fühlt es schmerzhaft zuweilen, wenn irgend etwas Organisches nicht in Ordnung ist, aber man schaut es nicht an. Wenn man etwas anschaut in bildhafter Form, dann muß man außerhalb desselben sein. Und so haben die älteren Seelenforscher, die aber durchaus noch solche des 19. Jahrhunderts waren, sich gesagt: Träume ich in Sinnbildern von meinem eigenen Körper und seinen Vorgängen, so kann ich nicht in meinem Körper sein, denn sonst würde ich ihn nicht erleben. Ich muß daher in einem solchen Falle außerhalb meines Körpers sein. Das Bild stellt mir jedenfalls etwas dar von einem unabhängigen seelisch-geistigen Leben gegenüber dem Körper. Und wiederum sagten sie sich: Wenn ich in irgendeiner, wenn auch noch so verborgenen Weise Reminiszenzen des Lebens träume, so müßte das äußere Naturdasein doch so, wie es ist, sich mir darbieten. Aber da wird fortwährend etwas verändert, da gaukelt mir der Traum die phantastischsten Zusammenhänge vor. Da muß ich wieder drinnen stecken, denn die Natur, die mich sonst umgibt, kann mir doch nicht die Ereignisse, die ich mit ihr erlebt habe, auch nicht die Ereignisse des Menschenlebens, die ich erlebt habe, in einer ganz anderen Ordnung zeigen.

[ 12 ] So stellte sich etwas zusammen, von dem man sagen konnte: Es war eine berechtigte Überzeugung für diese älteren Seelenforscher, daß sie da etwas erhaschten von der Seele in einem Zustande, wo sie getrennt ist von dem physischen Leib. Denn erstens kann der Mensch nicht mit seinem Leibe vereinigt sein, wenn ihm die Vorgänge des Leibes, wenn auch nur im Sinnbilde, im Traume getrennt erscheinen, er muß dann außerhalb seines Leibes sein. Aber wir müssen auch wiederum drinnen sein, zusammen sein mit den Erinnerungen an unsere Erlebnisse, wenn wir die zweite Art Träume haben; denn die Natur ändert nicht den Zusammenhang, in dem Erlebnisse stattgefunden haben. Den müssen wir selber ändern. Wir müssen daher draußen sein, außerhalb unseres Körpers, bei der ersten Art Träume, und wir müssen ebenso drinnen stecken in unseren Erlebnissen bei der zweiten Art. Das heißt, wir müssen tatsächlich außerhalb des physischen Leibes sein mit unseren seelischen Erlebnissen, wenn wir träumen. Insofern ist das, was sich ältere Seelenforscher gesagt haben, absolut unanfechtbar; es läßt sich gar nichts dagegen einwenden.

[ 12 ] So stellte sich etwas zusammen, von dem man sagen konnte: Es war eine berechtigte Überzeugung für diese älteren Seelenforscher, daß sie da etwas erhaschten von der Seele in einem Zustande, wo sie getrennt ist von dem physischen Leib. Denn erstens kann der Mensch nicht mit seinem Leibe vereinigt sein, wenn ihm die Vorgänge des Leibes, wenn auch nur im Sinnbilde, im Traume getrennt erscheinen, er muß dann außerhalb seines Leibes sein. Aber wir müssen auch wiederum drinnen sein, zusammen sein mit den Erinnerungen an unsere Erlebnisse, wenn wir die zweite Art Träume haben; denn die Natur ändert nicht den Zusammenhang, in dem Erlebnisse stattgefunden haben. Den müssen wir selber ändern. Wir müssen daher draußen sein, außerhalb unseres Körpers, bei der ersten Art Träume, und wir müssen ebenso drinnen stecken in unseren Erlebnissen bei der zweiten Art. Das heißt, wir müssen tatsächlich außerhalb des physischen Leibes sein mit unseren seelischen Erlebnissen, wenn wir träumen. Insofern ist das, was sich ältere Seelenforscher gesagt haben, absolut unanfechtbar; es läßt sich gar nichts dagegen einwenden.

[ 13 ] Aber etwas anderes muß gesagt werden. Irgendeine Erkenntnissicherheit über das Selbst kann mir der Traum nicht geben, er kann uns nur hinführen, wie man auf den Weg zu einer solchen Sicherheit kommt. Denn was wir innen sind, während der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wo wir außerhalb des Körpers sind: das, was uns der Traum da zeigt, das sind wir ja ganz gewiß nicht; denn das sind auf der einen Seite Bilder unseres körperlichen Inneren, noch dazu Sinnbilder dieses körperlichen Inneren, also das, was wiederum von unserem körperlichen Inneren genommen ist. Wir können doch nicht, wenn wir schlafend außerhalb unseres Körpers sind, sozusagen dasselbe sein, was wir im Inneren sind, im physischen Leibe sind. Es muß also etwas anderes vorliegen. Wir müssen da etwas sein außerhalb unseres Körpers, aber das macht sich nicht geltend. Dazu sind wir zunächst nicht fähig, das eigentliche Wesen des Seelischen im schlafenden Zustande zu erfassen. Das verbirgt sich und maskiert sich zunächst; es umhüllt sich mit Bildern der eigenen Körperlichkeit und zeigt sich in bezug auf sein Eigenleben in willkürlichen Zusammenstellungen des Erlebten. Daß wir außerhalb unseres Leibes sind, wenn wir träumen, das haben die älteren Seelenforscher gut geschlossen; aber daß uns der Traum etwas zeige über das außer unserem Körper befindliche Wesen, das haben sie zwar geglaubt, aber das ist nicht der Fall. Denn er zeigt uns gar nichts als das, was wir sonst erlebt haben im Leibe, und unseren eigenen Leib in Sinnbildern. Also, wenn wir außerhalb unseres Leibes etwas sind, so maskiert sich das im Traume, so trägt der Traum in bezug darauf eine Maske. Wollen wir hinter unser eigenes Wesen kommen, so müssen wir dem Traume, das heißt der Seele, diese Maske — denn der Traum ist diese Maske — herunternehmen können. — Bis hierher leitet uns auf einen Weg eine intimere Anschauung vom Traume. Indem ältere Seelenforscher durchaus bemerkt haben, daß der Traum schließlich nichts anderes zeigt als das, was er selbst wiederum aus der Sinneswelt nimmt, kamen ihnen natürlich auch darüber die Zweifel. Und ebensowenig wie man Sicherheit zu haben glaubte durch eine gewöhnliche, rückwärtsgewendete Selbstbeobachtung, ebensowenig war man befriedigt von dem, was die Beobachtung der Traumwelt geben konnte.

[ 13 ] Aber etwas anderes muß gesagt werden. Irgendeine Erkenntnissicherheit über das Selbst kann mir der Traum nicht geben, er kann uns nur hinführen, wie man auf den Weg zu einer solchen Sicherheit kommt. Denn was wir innen sind, während der Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen, wo wir außerhalb des Körpers sind: das, was uns der Traum da zeigt, das sind wir ja ganz gewiß nicht; denn das sind auf der einen Seite Bilder unseres körperlichen Inneren, noch dazu Sinnbilder dieses körperlichen Inneren, also das, was wiederum von unserem körperlichen Inneren genommen ist. Wir können doch nicht, wenn wir schlafend außerhalb unseres Körpers sind, sozusagen dasselbe sein, was wir im Inneren sind, im physischen Leibe sind. Es muß also etwas anderes vorliegen. Wir müssen da etwas sein außerhalb unseres Körpers, aber das macht sich nicht geltend. Dazu sind wir zunächst nicht fähig, das eigentliche Wesen des Seelischen im schlafenden Zustande zu erfassen. Das verbirgt sich und maskiert sich zunächst; es umhüllt sich mit Bildern der eigenen Körperlichkeit und zeigt sich in bezug auf sein Eigenleben in willkürlichen Zusammenstellungen des Erlebten. Daß wir außerhalb unseres Leibes sind, wenn wir träumen, das haben die älteren Seelenforscher gut geschlossen; aber daß uns der Traum etwas zeige über das außer unserem Körper befindliche Wesen, das haben sie zwar geglaubt, aber das ist nicht der Fall. Denn er zeigt uns gar nichts als das, was wir sonst erlebt haben im Leibe, und unseren eigenen Leib in Sinnbildern. Also, wenn wir außerhalb unseres Leibes etwas sind, so maskiert sich das im Traume, so trägt der Traum in bezug darauf eine Maske. Wollen wir hinter unser eigenes Wesen kommen, so müssen wir dem Traume, das heißt der Seele, diese Maske — denn der Traum ist diese Maske — herunternehmen können. — Bis hierher leitet uns auf einen Weg eine intimere Anschauung vom Traume. Indem ältere Seelenforscher durchaus bemerkt haben, daß der Traum schließlich nichts anderes zeigt als das, was er selbst wiederum aus der Sinneswelt nimmt, kamen ihnen natürlich auch darüber die Zweifel. Und ebensowenig wie man Sicherheit zu haben glaubte durch eine gewöhnliche, rückwärtsgewendete Selbstbeobachtung, ebensowenig war man befriedigt von dem, was die Beobachtung der Traumwelt geben konnte.

[ 14 ] Demgegenüber tritt nun das auf, was von mir immer genannt wird die anthroposophische Weltanschauung oder anthroposophische Forschungsart. Diese stellt sich zunächst auf den Standpunkt: Wenn uns der Traum zeigt, daß wir etwas außerhalb unseres Leibes sind, so erweist er sich ja für sich zu schwach, um sein eigenes Wesen zur Anschauung, zur Offenbarung zu bringen. Um sich zu offenbaren, bedient er sich der Erinnerungsfetzen des Lebens, der Sinnbilder der eigenen Körperlichkeit. Wir müssen daher das Seelenleben verstärken, erkraften, damit wir an das herankommen, was im Seelenleben maskiert im Traume vor uns steht. Das kann man. Man kann es dadurch, daß man, wie ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Schriften ausgeführt habe, mit vollem Bewußtsein durch ein systematisch-exaktes sogenanntes «meditatives» Leben den Traum nachahmt, aber ihn nicht etwa dadurch nachahmt, daß man künstlich Träume erzeugt, sondern daß man dasjenige, was aus dem Unterbewußtsein unwillkürlich im Traume heraufsteigt, mit vollem Bewußtsein in der Seele erweckt. Dazu kommt man dadurch, daß man sich gewöhnt, ebenso zu verfahren, wie der Traum unwillkürlich verfährt — so zu verfahren, daß man in innerer Meditation Dinge, die man gut kennt, sinnbildlich vorstellt. Der Traum gaukelt uns sinnbildlich unsere eigene Körperlichkeit vor. Man übt sich nun — da uns weder unser eigenes Inneres noch die Natur Sinnbilder gibt — streng systematisch, bildlich vorzustellen. So werden Vorstellungen von uns willkürlich in ein Sinnbild gebracht, wie der Traum es uns unwillkürlich vorgaukelt. Durch innere Aktivität muß es erzeugt werden, das heißt aber, es muß der Traum verstärkt werden.

[ 14 ] Demgegenüber tritt nun das auf, was von mir immer genannt wird die anthroposophische Weltanschauung oder anthroposophische Forschungsart. Diese stellt sich zunächst auf den Standpunkt: Wenn uns der Traum zeigt, daß wir etwas außerhalb unseres Leibes sind, so erweist er sich ja für sich zu schwach, um sein eigenes Wesen zur Anschauung, zur Offenbarung zu bringen. Um sich zu offenbaren, bedient er sich der Erinnerungsfetzen des Lebens, der Sinnbilder der eigenen Körperlichkeit. Wir müssen daher das Seelenleben verstärken, erkraften, damit wir an das herankommen, was im Seelenleben maskiert im Traume vor uns steht. Das kann man. Man kann es dadurch, daß man, wie ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und in anderen Schriften ausgeführt habe, mit vollem Bewußtsein durch ein systematisch-exaktes sogenanntes «meditatives» Leben den Traum nachahmt, aber ihn nicht etwa dadurch nachahmt, daß man künstlich Träume erzeugt, sondern daß man dasjenige, was aus dem Unterbewußtsein unwillkürlich im Traume heraufsteigt, mit vollem Bewußtsein in der Seele erweckt. Dazu kommt man dadurch, daß man sich gewöhnt, ebenso zu verfahren, wie der Traum unwillkürlich verfährt — so zu verfahren, daß man in innerer Meditation Dinge, die man gut kennt, sinnbildlich vorstellt. Der Traum gaukelt uns sinnbildlich unsere eigene Körperlichkeit vor. Man übt sich nun — da uns weder unser eigenes Inneres noch die Natur Sinnbilder gibt — streng systematisch, bildlich vorzustellen. So werden Vorstellungen von uns willkürlich in ein Sinnbild gebracht, wie der Traum es uns unwillkürlich vorgaukelt. Durch innere Aktivität muß es erzeugt werden, das heißt aber, es muß der Traum verstärkt werden.

[ 15 ] Wenn wir im äußeren Leben sind, geben wir uns passiv den äußeren Beobachtungen und Wahrnehmungen hin. Dann ist die innere Tätigkeit eine schattenhafte. Jeder empfindet eigentlich, wie schattenhaft das abstrakte Vorstellen ist, wie die Gedanken hingegeben sind an die Außenwelt und dann schattenhaft verlaufen. Jeder spricht von den schattenhaften Gedanken gegenüber der konkreten Wirklichkeit. Wenn man aber dazu aufsteigt, jetzt Sinnbildliches vorzustellen, so muß man diese Sinnbilder machen. Und wenn man nun ein vollbewußter Mensch ist und kein Narr, so weiß man, daß man sie selbst macht. Man ist dann durchaus kein Träumer, sondern ein gewöhnlich Wachender, ja noch mehr als ein gewöhnlich Wachender. Dem Träumer kommen die Sinnbilder unwillkürlich, dem Wachenden die Vorstellungsbilder durch äußere Anregung. Der Wachende, der selber sich rege macht, was die Träume geben, der Sinnbilder mit aller inneren Kraft sich vor die Seele hinstellt und in voller, bewußter Besonnenheit den Traum nachahmt, der erweckt sich sozusagen zu einer höheren Denk- und Vorstellungsaktivität und damit zu einer höheren Seelenaktivität überhaupt, als man sie im gewöhnlichen Bewußtsein hat. Das muß dann aber wirklich ganz systematisch durchgeführt werden.

[ 15 ] Wenn wir im äußeren Leben sind, geben wir uns passiv den äußeren Beobachtungen und Wahrnehmungen hin. Dann ist die innere Tätigkeit eine schattenhafte. Jeder empfindet eigentlich, wie schattenhaft das abstrakte Vorstellen ist, wie die Gedanken hingegeben sind an die Außenwelt und dann schattenhaft verlaufen. Jeder spricht von den schattenhaften Gedanken gegenüber der konkreten Wirklichkeit. Wenn man aber dazu aufsteigt, jetzt Sinnbildliches vorzustellen, so muß man diese Sinnbilder machen. Und wenn man nun ein vollbewußter Mensch ist und kein Narr, so weiß man, daß man sie selbst macht. Man ist dann durchaus kein Träumer, sondern ein gewöhnlich Wachender, ja noch mehr als ein gewöhnlich Wachender. Dem Träumer kommen die Sinnbilder unwillkürlich, dem Wachenden die Vorstellungsbilder durch äußere Anregung. Der Wachende, der selber sich rege macht, was die Träume geben, der Sinnbilder mit aller inneren Kraft sich vor die Seele hinstellt und in voller, bewußter Besonnenheit den Traum nachahmt, der erweckt sich sozusagen zu einer höheren Denk- und Vorstellungsaktivität und damit zu einer höheren Seelenaktivität überhaupt, als man sie im gewöhnlichen Bewußtsein hat. Das muß dann aber wirklich ganz systematisch durchgeführt werden.

[ 16 ] Und ebenso kann die andere Seite des Traumes imitiert werden. Wir nehmen Ereignisse aus unserem Leben, die jahrelang voneinander abstehen können. Wir stellen sie nach Gesichtspunkten zusammen, so daß das eine neben dem anderen steht, aber jetzt nicht chaotisch wie im Traume, sondern nach Gesichtspunkten, die vielleicht auch durchaus aus der Phantasie sind, die wir aber ganz bewußt überschauen, die nichts Inneres uns aufdrängt, sondern die wir selber innerlich machen. Und so schulen wir uns allmählich, in einem inneren Seelenleben zu verharren; stark zu verharren in einem Seelenleben, das ganz aus der inneren Tätigkeit, aus der inneren Aktivität hervorgeht.

[ 16 ] Und ebenso kann die andere Seite des Traumes imitiert werden. Wir nehmen Ereignisse aus unserem Leben, die jahrelang voneinander abstehen können. Wir stellen sie nach Gesichtspunkten zusammen, so daß das eine neben dem anderen steht, aber jetzt nicht chaotisch wie im Traume, sondern nach Gesichtspunkten, die vielleicht auch durchaus aus der Phantasie sind, die wir aber ganz bewußt überschauen, die nichts Inneres uns aufdrängt, sondern die wir selber innerlich machen. Und so schulen wir uns allmählich, in einem inneren Seelenleben zu verharren; stark zu verharren in einem Seelenleben, das ganz aus der inneren Tätigkeit, aus der inneren Aktivität hervorgeht.

[ 17 ] Was da eigentlich mit dem Menschen vorgeht, wenn er solche Übungen macht, unterschätzt man heute vielfach, weil man die innere Aktivität des Denkens nicht liebt, weil man es schon sehr aktiv findet, wenn man unter der Anleitung der äußeren Beobachtung in Gedanken lebt. Aber der, der im Ernste zu einem wirklichen Imitator des Traumes mit vollem Bewußtsein wird, der erlebt, daß er seine innere Seelenregsamkeit stark intensiviert, daß er sie durchaus erkraftet. Er ist aber, wenn er kein Narr, sondern ein vernünftiger Mensch ist, sich dessen voll bewußt, daß er sich selber alle diese Bilder und diese Lebenszusammenhänge macht, das heißt, daß er also in Illusion lebt. Beim Traume muß man erst aufwachen, um vom Gesichtspunkte des Wachlebens aus das Illusorische des Traumes zu durchschauen. Der Traum läßt sich nur vom Standpunkte des Wachens aus durchschauen, der Träumende hält den Trauminhalt für Wirklichkeit, obwohl sein Gefühl für Wirklichkeit kein so erdichtetes ist. Wer zum Imitator des Traumes wird, der wird gewahr, wie ein lebendiges Inneres, Aktives in ihm regsam erweckt wird, wie er aber einen Inhalt hat, der durchaus Selbstbild, Illusion ist. Daher kommt er dazu, gar nichts darauf zu geben, was als Inhalt in ihm anwesend ist, sondern das ins Auge zu fassen, was in ihm arbeitet, regsam ist. Kurz, was wir sonst nur als ein allgemeines Ich- oder Selbstgefühl haben, das wird eine stark gefühlte innere Tätigkeit. Will man ein Geistesforscher werden und kein verschwommener Mystiker, so muß man besonnen und exakt bleiben. Bleibt man das aber, so wird man immer mehr und mehr dazu kommen, auch die Natur des Illusorischen zu erleben. Man weiß: Du stellst nichts vor, aber du stellst vor. Dadurch kommt man auch zu der Möglichkeit, einmal die Seelenfähigkeit zu entwickeln, mit der man wirklich nichts vorstellt und dennoch so tätig ist, wie man es in der Nachahmung des Traumes gelernt hat.

[ 17 ] Was da eigentlich mit dem Menschen vorgeht, wenn er solche Übungen macht, unterschätzt man heute vielfach, weil man die innere Aktivität des Denkens nicht liebt, weil man es schon sehr aktiv findet, wenn man unter der Anleitung der äußeren Beobachtung in Gedanken lebt. Aber der, der im Ernste zu einem wirklichen Imitator des Traumes mit vollem Bewußtsein wird, der erlebt, daß er seine innere Seelenregsamkeit stark intensiviert, daß er sie durchaus erkraftet. Er ist aber, wenn er kein Narr, sondern ein vernünftiger Mensch ist, sich dessen voll bewußt, daß er sich selber alle diese Bilder und diese Lebenszusammenhänge macht, das heißt, daß er also in Illusion lebt. Beim Traume muß man erst aufwachen, um vom Gesichtspunkte des Wachlebens aus das Illusorische des Traumes zu durchschauen. Der Traum läßt sich nur vom Standpunkte des Wachens aus durchschauen, der Träumende hält den Trauminhalt für Wirklichkeit, obwohl sein Gefühl für Wirklichkeit kein so erdichtetes ist. Wer zum Imitator des Traumes wird, der wird gewahr, wie ein lebendiges Inneres, Aktives in ihm regsam erweckt wird, wie er aber einen Inhalt hat, der durchaus Selbstbild, Illusion ist. Daher kommt er dazu, gar nichts darauf zu geben, was als Inhalt in ihm anwesend ist, sondern das ins Auge zu fassen, was in ihm arbeitet, regsam ist. Kurz, was wir sonst nur als ein allgemeines Ich- oder Selbstgefühl haben, das wird eine stark gefühlte innere Tätigkeit. Will man ein Geistesforscher werden und kein verschwommener Mystiker, so muß man besonnen und exakt bleiben. Bleibt man das aber, so wird man immer mehr und mehr dazu kommen, auch die Natur des Illusorischen zu erleben. Man weiß: Du stellst nichts vor, aber du stellst vor. Dadurch kommt man auch zu der Möglichkeit, einmal die Seelenfähigkeit zu entwickeln, mit der man wirklich nichts vorstellt und dennoch so tätig ist, wie man es in der Nachahmung des Traumes gelernt hat.

[ 18 ] Ich verweise Sie hier auf eine Seelentätigkeit, die durchaus beim Geistesforscher ausgebildet werden muß. Man glaubt gewöhnlich, und diejenigen, die die Sachen oberflächlich beurteilen, sprechen es oft aus: Geistesforschung ist etwas, wobei der Mensch sich so seinen Gedanken hingibt und etwas ausphantasiert — das ist leicht, während im Laboratorium, in der Klinik und auf der Sternwarte zu forschen, etwas Schwieriges, Entsagungsvolles ist. — Aber so ist es nicht. Denn was der Mensch als eine solche innere Seelenfähigkeit ausarbeiten muß, das nimmt zum mindesten eine ebensolange, ja auch viel längere innere Arbeit in Anspruch als irgendeine äußerlich angeeignete Wissenschaftlichkeit, wie sie heute in der Naturwissenschaft etwa üblich ist. Es sollte von denjenigen, die sich bekannt machen wollen mit dem, was hier Geistesforschung genannt wird, überhaupt nicht der Einwand erhoben werden: In der Naturforschung darf man kein Dilettant sein, wenn man mitreden will, da muß man wirklich etwas verstehen. — Was der Geistesforscher vorbringt, wird gewöhnlich so betrachtet, als ob es nur so leicht erworben würde gegenüber dem, was in der Naturforschung mit vieler Mühe erreicht wird. Aber es ist nur der Weg ein anderer. Bei der Naturforschung handelt es sich um das Verarbeiten der äußeren Wahrnehmungen und Tatsachen. Der Geistesforscher dagegen muß zuerst daran gehen, seine eigene innere Anschauungsfähigkeit zu entwickeln. Er entwickelt sie als Imitator des Traumes, aber indem in der meditativen Tätigkeit von ihm überwunden wird, was uns im Traume vorgegaukelt wird. Einer Tätigkeit werden wir uns im Traume nicht bewußt, die Traumbilder gaukelt sie uns vor; auf der ersten Stufe einer übersinnlichen Erkenntnis aber wird die Illusion vollständig durchschaut. Man weiß: Du stellst nichts vor — aber man wird die innere verstärkte, ermächtigte Tätigkeit gewahr und gelangt am Schluß dazu, an vielem Üben zu lernen, wie man diese Tätigkeit hervorrufen kann, ohne daß man erst eine illusorische Tätigkeit dazu braucht, ohne daß man erst den Traum nachahmen muß.

[ 18 ] Ich verweise Sie hier auf eine Seelentätigkeit, die durchaus beim Geistesforscher ausgebildet werden muß. Man glaubt gewöhnlich, und diejenigen, die die Sachen oberflächlich beurteilen, sprechen es oft aus: Geistesforschung ist etwas, wobei der Mensch sich so seinen Gedanken hingibt und etwas ausphantasiert — das ist leicht, während im Laboratorium, in der Klinik und auf der Sternwarte zu forschen, etwas Schwieriges, Entsagungsvolles ist. — Aber so ist es nicht. Denn was der Mensch als eine solche innere Seelenfähigkeit ausarbeiten muß, das nimmt zum mindesten eine ebensolange, ja auch viel längere innere Arbeit in Anspruch als irgendeine äußerlich angeeignete Wissenschaftlichkeit, wie sie heute in der Naturwissenschaft etwa üblich ist. Es sollte von denjenigen, die sich bekannt machen wollen mit dem, was hier Geistesforschung genannt wird, überhaupt nicht der Einwand erhoben werden: In der Naturforschung darf man kein Dilettant sein, wenn man mitreden will, da muß man wirklich etwas verstehen. — Was der Geistesforscher vorbringt, wird gewöhnlich so betrachtet, als ob es nur so leicht erworben würde gegenüber dem, was in der Naturforschung mit vieler Mühe erreicht wird. Aber es ist nur der Weg ein anderer. Bei der Naturforschung handelt es sich um das Verarbeiten der äußeren Wahrnehmungen und Tatsachen. Der Geistesforscher dagegen muß zuerst daran gehen, seine eigene innere Anschauungsfähigkeit zu entwickeln. Er entwickelt sie als Imitator des Traumes, aber indem in der meditativen Tätigkeit von ihm überwunden wird, was uns im Traume vorgegaukelt wird. Einer Tätigkeit werden wir uns im Traume nicht bewußt, die Traumbilder gaukelt sie uns vor; auf der ersten Stufe einer übersinnlichen Erkenntnis aber wird die Illusion vollständig durchschaut. Man weiß: Du stellst nichts vor — aber man wird die innere verstärkte, ermächtigte Tätigkeit gewahr und gelangt am Schluß dazu, an vielem Üben zu lernen, wie man diese Tätigkeit hervorrufen kann, ohne daß man erst eine illusorische Tätigkeit dazu braucht, ohne daß man erst den Traum nachahmen muß.

[ 19 ] In der Nachahmung also entwickelt man diese Seelenfähigkeit. Wenn die Fähigkeit da ist, weiß man, was man mit ihr anfangen kann. Denn dann ist man in einem Zustande, wo man leeres aber durchaus waches Bewußtsein hat, aber auch innere Tätigkeit. Nachdem man das Illusorische dieser Tätigkeit abgeworfen hat, hat man zunächst keinen Inhalt. Doch der Zustand, den man durchlebt, gerade wenn man dazu kommt, die Fähigkeit der inneren Aktivität zu entwickeln, ohne zunächst auch einen Inhalt zu haben, dieser Zustand erfordert eine starke Überwindung. Und eigentlich ist diese Überwindung, die man dabei nötig hat, der Probier- und Prüfstein dafür, ob diese Geistesforschung eine ehrliche und echte ist. Denn in dem Moment, wo man sich dazu nur anschickt, mit leerem Bewußtsein, mit einfachem Wachbewußtsein, ohne daß dieses Wachbewußtsein einen Inhalt hat, zu leben, in diesem Moment breitet sich über das ganze Seelenleben ein unsäglicher Schmerz, eine unbegrenzte Entbehrung aus. Alles, was man sonst als Schmerzen in der Welt erleben kann, ist eigentlich gering gegenüber diesem geistig-seelischen Schmerz, den man in diesem Augenblicke der Erkenntnis erlebt. Und über diesen Schmerz muß man hinwegkommen. Denn dieser Schmerz ist eben der Ausdruck einer Kraft, die ihr physisches Abbild in allen möglichen Formen der Entbehrung hat: im Hunger, der uns zum Essen anleitet, im Durst, der uns zum Trinken zwingt und so weiter. Jetzt fühlen wir in der Seele etwas, was an uns herankommen muß, und wir fühlen es als einen unsäglichen Schmerz. Aber leben wir in dem Schmerz eine Weile, fühlen wir so recht unser Inneres selbst als ein schmerzerfülltes, das heißt, sind wir eine Weile Schmerz, ist unser eigenes Menschenwesen für unser Bewußtsein eine Weile nichts anderes als ein Zusammenhang von Schmerz, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht länger leer, dann erfüllt sich dieses Bewußtsein, und es erfüllt sich nun nicht mit sinnlichem Inhalt, wie wir ihn durch Augen, Ohren und so weiter erhalten, sondern es erfüllt sich das Bewußtsein jetzt mit geistigem Inhalt. Und wir erhalten als das erste, was sich uns als geistiger Inhalt auf diese Art ergibt, unser eigenes geistiges Wesen, wie es als eine einheitliche Geistorganisation — aber in der Zeit, nicht im Raume lebend — sich ausdehnt zwischen der Geburt oder der Empfängnis und dem gegenwärtigen Augenblick, bis zu dem wir das Erdenleben durchlebt haben. Wie wir sonst in eine Perspektive des Raumes hineinschauen, unter der Perspektive Gegenstände, die fern sind, wieder sehen, so lernen wir von unserem gegenwärtigen Lebensaugenblicke aus hineinschauen in unsere eigene Vergangenheit. Das Körperliche schauen wir nicht in diesem Augenblicke, wir erinnern uns nur daran, wir müssen uns jedoch daran erinnern, denn sonst sind wir in unserem Bewußtsein zerstört. Der aber, der ein Geistesforscher werden will, darf kein Phantast werden, auch kein verworrener Mystiker, er muß sein Bewußtsein und seine Besonnenheit ganz so anwenden wie ein Mathematiker bei einem mathematischen Problem. Aber so, wie wir sonst die Dinge des Raumes in der Perspektive sehen, so schauen wir jetzt hinein in eine Zeitperspektive. Alles, was wir in unserem Dasein erlebt haben, steht jetzt vor uns in einem Zeittableau, aber in einem lebendigen Zeittableau. Doch nicht nur dasjenige, was wir selbst durchlebt haben, steht so vor uns, sondern auch dasjenige, was uns zeigt, wie wir geworden sind, wie innere geistig-seelische Kräfte von der Geburt oder Konzeption an unseren Körper aufgebaut haben, wie die plastischen Kräfte sind, die an unserem Leibe gearbeitet haben. Wir schauen uns äußerlich. Aber das, was wir da schauen, wodurch unser eigenes Seelenleben vor unserer Seele dasteht, das unterscheidet sich jetzt auch qualitativ von dem Erleben dieses Zeittableaus. Wenn man sonst auf sein Leben zurückblickt, dann erlebt man die Ereignisse, die an einen herankommen. Man erlebt zum Beispiel, wie ein Mensch an einen herangekommen ist, wie er einem entgegengetreten ist, liebevoll oder mit Haß, wie er dieses oder jenes vollbracht hat, indem er an einen herangekommen ist. Man erlebt sich in diesem Erinnerungsbilde so, wie die Außenwelt an einen herangetreten ist. In diesem anderen Erinnerungstableau dagegen, das aber jetzt in wirklichen Bildern dasteht, von denen man weiß, daß sie die eigene geistige Natur des Menschen wiedergeben, so wie sonst die gewöhnlichen Erinnerungsbilder die äußere Natur wiedergeben, in diesem anderen Erinnerungstableau blickt uns entgegen, wie wir uns der Außenwelt genähert haben. Da steht drinnen, wie man selber war, als man sich zum Beispiel einer anderen Persönlichkeit genähert hat, wie sich in unserem Gemüte Kräfte entfaltet haben, die gerade durch diese Persönlichkeit ihre Befriedigung, ihr Genüge, ihr Entzücken, ihre Froheit gefunden haben. Man schaut wirklich auf sich hin, wie man als Erdenmensch war. Und man sieht dann, wie jetzt in der Wirklichkeit die beiden Seiten, in denen der Traum maskiert war, zusammenfließen.

[ 19 ] In der Nachahmung also entwickelt man diese Seelenfähigkeit. Wenn die Fähigkeit da ist, weiß man, was man mit ihr anfangen kann. Denn dann ist man in einem Zustande, wo man leeres aber durchaus waches Bewußtsein hat, aber auch innere Tätigkeit. Nachdem man das Illusorische dieser Tätigkeit abgeworfen hat, hat man zunächst keinen Inhalt. Doch der Zustand, den man durchlebt, gerade wenn man dazu kommt, die Fähigkeit der inneren Aktivität zu entwickeln, ohne zunächst auch einen Inhalt zu haben, dieser Zustand erfordert eine starke Überwindung. Und eigentlich ist diese Überwindung, die man dabei nötig hat, der Probier- und Prüfstein dafür, ob diese Geistesforschung eine ehrliche und echte ist. Denn in dem Moment, wo man sich dazu nur anschickt, mit leerem Bewußtsein, mit einfachem Wachbewußtsein, ohne daß dieses Wachbewußtsein einen Inhalt hat, zu leben, in diesem Moment breitet sich über das ganze Seelenleben ein unsäglicher Schmerz, eine unbegrenzte Entbehrung aus. Alles, was man sonst als Schmerzen in der Welt erleben kann, ist eigentlich gering gegenüber diesem geistig-seelischen Schmerz, den man in diesem Augenblicke der Erkenntnis erlebt. Und über diesen Schmerz muß man hinwegkommen. Denn dieser Schmerz ist eben der Ausdruck einer Kraft, die ihr physisches Abbild in allen möglichen Formen der Entbehrung hat: im Hunger, der uns zum Essen anleitet, im Durst, der uns zum Trinken zwingt und so weiter. Jetzt fühlen wir in der Seele etwas, was an uns herankommen muß, und wir fühlen es als einen unsäglichen Schmerz. Aber leben wir in dem Schmerz eine Weile, fühlen wir so recht unser Inneres selbst als ein schmerzerfülltes, das heißt, sind wir eine Weile Schmerz, ist unser eigenes Menschenwesen für unser Bewußtsein eine Weile nichts anderes als ein Zusammenhang von Schmerz, dann bleibt dieses Bewußtsein nicht länger leer, dann erfüllt sich dieses Bewußtsein, und es erfüllt sich nun nicht mit sinnlichem Inhalt, wie wir ihn durch Augen, Ohren und so weiter erhalten, sondern es erfüllt sich das Bewußtsein jetzt mit geistigem Inhalt. Und wir erhalten als das erste, was sich uns als geistiger Inhalt auf diese Art ergibt, unser eigenes geistiges Wesen, wie es als eine einheitliche Geistorganisation — aber in der Zeit, nicht im Raume lebend — sich ausdehnt zwischen der Geburt oder der Empfängnis und dem gegenwärtigen Augenblick, bis zu dem wir das Erdenleben durchlebt haben. Wie wir sonst in eine Perspektive des Raumes hineinschauen, unter der Perspektive Gegenstände, die fern sind, wieder sehen, so lernen wir von unserem gegenwärtigen Lebensaugenblicke aus hineinschauen in unsere eigene Vergangenheit. Das Körperliche schauen wir nicht in diesem Augenblicke, wir erinnern uns nur daran, wir müssen uns jedoch daran erinnern, denn sonst sind wir in unserem Bewußtsein zerstört. Der aber, der ein Geistesforscher werden will, darf kein Phantast werden, auch kein verworrener Mystiker, er muß sein Bewußtsein und seine Besonnenheit ganz so anwenden wie ein Mathematiker bei einem mathematischen Problem. Aber so, wie wir sonst die Dinge des Raumes in der Perspektive sehen, so schauen wir jetzt hinein in eine Zeitperspektive. Alles, was wir in unserem Dasein erlebt haben, steht jetzt vor uns in einem Zeittableau, aber in einem lebendigen Zeittableau. Doch nicht nur dasjenige, was wir selbst durchlebt haben, steht so vor uns, sondern auch dasjenige, was uns zeigt, wie wir geworden sind, wie innere geistig-seelische Kräfte von der Geburt oder Konzeption an unseren Körper aufgebaut haben, wie die plastischen Kräfte sind, die an unserem Leibe gearbeitet haben. Wir schauen uns äußerlich. Aber das, was wir da schauen, wodurch unser eigenes Seelenleben vor unserer Seele dasteht, das unterscheidet sich jetzt auch qualitativ von dem Erleben dieses Zeittableaus. Wenn man sonst auf sein Leben zurückblickt, dann erlebt man die Ereignisse, die an einen herankommen. Man erlebt zum Beispiel, wie ein Mensch an einen herangekommen ist, wie er einem entgegengetreten ist, liebevoll oder mit Haß, wie er dieses oder jenes vollbracht hat, indem er an einen herangekommen ist. Man erlebt sich in diesem Erinnerungsbilde so, wie die Außenwelt an einen herangetreten ist. In diesem anderen Erinnerungstableau dagegen, das aber jetzt in wirklichen Bildern dasteht, von denen man weiß, daß sie die eigene geistige Natur des Menschen wiedergeben, so wie sonst die gewöhnlichen Erinnerungsbilder die äußere Natur wiedergeben, in diesem anderen Erinnerungstableau blickt uns entgegen, wie wir uns der Außenwelt genähert haben. Da steht drinnen, wie man selber war, als man sich zum Beispiel einer anderen Persönlichkeit genähert hat, wie sich in unserem Gemüte Kräfte entfaltet haben, die gerade durch diese Persönlichkeit ihre Befriedigung, ihr Genüge, ihr Entzücken, ihre Froheit gefunden haben. Man schaut wirklich auf sich hin, wie man als Erdenmensch war. Und man sieht dann, wie jetzt in der Wirklichkeit die beiden Seiten, in denen der Traum maskiert war, zusammenfließen.

[ 20 ] Jetzt wird der Traum zu einer vollbewußten Wirklichkeit. Er wird sogar mehr, als das gewöhnliche Bewußtsein sieht. Man schaut zunächst das geistige Dasein, das im Körper drinnen lebt, das im Schlafe von ihm unabhängig ist, ja, das der Schöpfer des Körperlichen ist. Das schaut man. Und da merkt man schon, dieses geistige Dasein enthält auch noch, aber auf geistige Art, metamorphosiert, etwas wie die Naturgesetze, aber — Sie protestieren schon dagegen — in einem geistigen Dasein. In das, was man da erlebt, spielt schon die moralische Welt hinein. Da drinnen stecken schon die moralischen Gesetze, und sie stecken so darinnen, daß man jetzt weiß: so wie die eigene Geistigkeit wirkt, so sind die moralischen Gesetze wirksam. Da fangen die moralischen Gesetze an, sich ebenbürtig neben die Naturgesetze hinzustellen.

[ 20 ] Jetzt wird der Traum zu einer vollbewußten Wirklichkeit. Er wird sogar mehr, als das gewöhnliche Bewußtsein sieht. Man schaut zunächst das geistige Dasein, das im Körper drinnen lebt, das im Schlafe von ihm unabhängig ist, ja, das der Schöpfer des Körperlichen ist. Das schaut man. Und da merkt man schon, dieses geistige Dasein enthält auch noch, aber auf geistige Art, metamorphosiert, etwas wie die Naturgesetze, aber — Sie protestieren schon dagegen — in einem geistigen Dasein. In das, was man da erlebt, spielt schon die moralische Welt hinein. Da drinnen stecken schon die moralischen Gesetze, und sie stecken so darinnen, daß man jetzt weiß: so wie die eigene Geistigkeit wirkt, so sind die moralischen Gesetze wirksam. Da fangen die moralischen Gesetze an, sich ebenbürtig neben die Naturgesetze hinzustellen.

[ 21 ] Aber man kommt damit nur bis zum Erleben des eigenen geistigen Daseins des Menschen im Erdendasein. Will man weiterkommen, so muß man noch andere Fähigkeiten in der Seele entwickeln. — Das Genauere darüber können Sie in den schon angeführten Büchern nachlesen, denn das Genauere ist nur durch das Üben vieler Einzelheiten zu erreichen. Hier soll nur das Prinzipielle erörtert werden. — Denken Sie sich, Sie erinnern sich an einen Zeitpunkt des Tages bis zum Morgen, wo Sie aufstanden, ja aufgewacht sind. Wenn Sie sich Mühe geben, kann der Tagesverlauf bis zu diesem Zeitpunkte vor Ihrer Seele stehen. Wenn Sie nun nicht in der Weise den Tagesverlauf sich vor die Seele stellen, daß Sie beim Morgen anfangen, dann zu den Erlebnissen des Vormittags und so weiter gehen, sondern wenn Sie den Tagesverlauf in rückwärtigem Ablauf vor die Seele stellen, so daß Sie bei dem bestimmten Zeitpunkte anfangen und ihn nun weiter rückwärts verfolgen, dann können Sie auch sagen, Sie kommen dann bis zu der Nacht, wo Sie geschlafen haben. Aber da stückeln Sie dann nichts an, da bleibt etwas unausgefüllt, und was sich dann an die rückwärts vorgestellten Ereignisse wieder anschließt, ist das letzte Erlebnis vor dem Einschlafen, und dann können Sie wieder den Tagesverlauf des vorigen Tages sich vor die Seele rücken. Kurz, wenn der Mensch in dieser Weise im gewöhnlichen Leben erinnert, so bleiben immer Abgründe zwischen dem bewußten Erleben — die Abgründe, die wir im bewußtlosen Zustande während des Schlafens durchgemacht haben.

[ 21 ] Aber man kommt damit nur bis zum Erleben des eigenen geistigen Daseins des Menschen im Erdendasein. Will man weiterkommen, so muß man noch andere Fähigkeiten in der Seele entwickeln. — Das Genauere darüber können Sie in den schon angeführten Büchern nachlesen, denn das Genauere ist nur durch das Üben vieler Einzelheiten zu erreichen. Hier soll nur das Prinzipielle erörtert werden. — Denken Sie sich, Sie erinnern sich an einen Zeitpunkt des Tages bis zum Morgen, wo Sie aufstanden, ja aufgewacht sind. Wenn Sie sich Mühe geben, kann der Tagesverlauf bis zu diesem Zeitpunkte vor Ihrer Seele stehen. Wenn Sie nun nicht in der Weise den Tagesverlauf sich vor die Seele stellen, daß Sie beim Morgen anfangen, dann zu den Erlebnissen des Vormittags und so weiter gehen, sondern wenn Sie den Tagesverlauf in rückwärtigem Ablauf vor die Seele stellen, so daß Sie bei dem bestimmten Zeitpunkte anfangen und ihn nun weiter rückwärts verfolgen, dann können Sie auch sagen, Sie kommen dann bis zu der Nacht, wo Sie geschlafen haben. Aber da stückeln Sie dann nichts an, da bleibt etwas unausgefüllt, und was sich dann an die rückwärts vorgestellten Ereignisse wieder anschließt, ist das letzte Erlebnis vor dem Einschlafen, und dann können Sie wieder den Tagesverlauf des vorigen Tages sich vor die Seele rücken. Kurz, wenn der Mensch in dieser Weise im gewöhnlichen Leben erinnert, so bleiben immer Abgründe zwischen dem bewußten Erleben — die Abgründe, die wir im bewußtlosen Zustande während des Schlafens durchgemacht haben.

[ 22 ] Um nun weiterzukommen mit den Übungen, die sich an dieses Rückwärts-Erleben anknüpfen können, handelt es sich darum, daß man einen recht starken Wirklichkeitssinn sich aneignet. Ein solcher Wirklichkeitssinn ist zunächst nicht das, was die Menschen der Gegenwart stark auszeichnet. Es ist sogar etwas, was nicht ganz leicht zu erringen ist, denn mit Bezug auf das Erinnern bleiben die Menschen zumeist bei dem stehen, was im engsten Sinne irgendwie an ihrer Persönlichkeit haftet. Sie ziehen in ihren Gedanken nicht so stark die Fäden nach der Außenwelt, daß sich diese Fäden nach der Außenwelt mit ihren Erinnerungen verknüpfen. Der Mensch hat zumeist überhaupt nicht die Neigung, mit seinen Erinnerungen in der Außenwelt zu leben, real in der Außenwelt zu leben. Wie sehr das der Fall ist, davon kann man sich im alltäglichen Leben überzeugen. Ich habe schon Menschen kennengelernt, die zum Beispiel am Vormittag eines Tages eine Dame gesehen haben, die sie sehr interessiert hat, und wenn man sie fragt: Wie war die Farbe des Kleides der Dame? — wissen sie es nicht. Also ist es so, als wenn sie überhaupt die Dame nicht gesehen hätten, denn wenn sie sie gesehen haben, so haben sie doch damit auch die Farbe des Kleides gesehen. Wie locker ist man also mit der Außenwelt verbunden, wenn man am Nachmittage nicht einmal weiß, welche Farbe das Kleid eines Menschen hatte, den man am Vormittag gesehen hat! Ja, ich habe schon Leute kennengelernt, die haben sich in einem Raume aufgehalten und wußten nachher nicht, ob Bilder oder keine Bilder in dem Raume waren. Die unglaublichsten Erfahrungen kann man da machen. So muß daher der, der sich einen Wirklichkeitssinn aneignen will, sich erst darauf trainieren, auch in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit voll zu leben, so daß das, an dem er vorübergeht, so vor ihm steht, wie es da draußen in der Wirklichkeit ist. Der Geistesforscher wird wahrhaftig kein Phantast; er muß sich Wirklichkeitssinn bis zu dem Grade aneignen, daß es ihm nicht passieren kann, am Nachmittage nicht zu wissen, was für ein Kleid die Dame trug, die er am Vormittag gesprochen hat. Er muß wirklich schon in der Sinneswelt mit Wirklichkeitssinn leben können.

[ 22 ] Um nun weiterzukommen mit den Übungen, die sich an dieses Rückwärts-Erleben anknüpfen können, handelt es sich darum, daß man einen recht starken Wirklichkeitssinn sich aneignet. Ein solcher Wirklichkeitssinn ist zunächst nicht das, was die Menschen der Gegenwart stark auszeichnet. Es ist sogar etwas, was nicht ganz leicht zu erringen ist, denn mit Bezug auf das Erinnern bleiben die Menschen zumeist bei dem stehen, was im engsten Sinne irgendwie an ihrer Persönlichkeit haftet. Sie ziehen in ihren Gedanken nicht so stark die Fäden nach der Außenwelt, daß sich diese Fäden nach der Außenwelt mit ihren Erinnerungen verknüpfen. Der Mensch hat zumeist überhaupt nicht die Neigung, mit seinen Erinnerungen in der Außenwelt zu leben, real in der Außenwelt zu leben. Wie sehr das der Fall ist, davon kann man sich im alltäglichen Leben überzeugen. Ich habe schon Menschen kennengelernt, die zum Beispiel am Vormittag eines Tages eine Dame gesehen haben, die sie sehr interessiert hat, und wenn man sie fragt: Wie war die Farbe des Kleides der Dame? — wissen sie es nicht. Also ist es so, als wenn sie überhaupt die Dame nicht gesehen hätten, denn wenn sie sie gesehen haben, so haben sie doch damit auch die Farbe des Kleides gesehen. Wie locker ist man also mit der Außenwelt verbunden, wenn man am Nachmittage nicht einmal weiß, welche Farbe das Kleid eines Menschen hatte, den man am Vormittag gesehen hat! Ja, ich habe schon Leute kennengelernt, die haben sich in einem Raume aufgehalten und wußten nachher nicht, ob Bilder oder keine Bilder in dem Raume waren. Die unglaublichsten Erfahrungen kann man da machen. So muß daher der, der sich einen Wirklichkeitssinn aneignen will, sich erst darauf trainieren, auch in der äußeren sinnlichen Wirklichkeit voll zu leben, so daß das, an dem er vorübergeht, so vor ihm steht, wie es da draußen in der Wirklichkeit ist. Der Geistesforscher wird wahrhaftig kein Phantast; er muß sich Wirklichkeitssinn bis zu dem Grade aneignen, daß es ihm nicht passieren kann, am Nachmittage nicht zu wissen, was für ein Kleid die Dame trug, die er am Vormittag gesprochen hat. Er muß wirklich schon in der Sinneswelt mit Wirklichkeitssinn leben können.

[ 23 ] Nur wenn man sich darauf trainiert, dasjenige, was einem von den Dingen in der Erinnerung bleibt, anzuknüpfen an die äußere Welt der Wirklichkeit, dann entwickelt man den Sinn, für eine solche Geist-Erkenntnis eine fruchtbare Rückschau zustande zu bringen. Denn für das gewöhnliche Erinnerungsvermögen der Menschen schließt sich sehr leicht das Erinnerungsbild vor dem letzten Einschlafen an dasjenige nach dem letzten Aufwachen an. Ganz ohne Schwierigkeiten lassen die Menschen einfach das, was als Nachtabgrund zwischen diesen beiden Bildern liegt, weg, sie stükkeln das Bild des ersten Ereignisses nach dem Aufwachen unmittelbar an dasjenige des letzten Ereignisses vor dem Einschlafen an. Sie bemerken es meistens gar nicht mit einem lebhaften Bewußtsein, daß etwas dazwischen liegt. Will man sich aber ein solches Bewußtsein aneignen, daß man das, was man im Inneren erlebt hat, verknüpft mit dem Bilde, das von der Außenwelt da ist, dann muß man sich klarmachen, daß ja das, was man am Morgen nach dem Aufwachen erlebt, verbunden ist mit der ganzen Natur, die auf uns einen Eindruck macht, verbunden mit der aufgehenden Sonne, mit all den Eindrücken, die man durch die aufgehende Sonne hat, und so weiter — und was man als die letzten Ereignisse vor dem letzten Einschlafen hat, ist verbunden mit etwas, was in der Natur nicht zusammengehört, nämlich mit dem, was man nach dem letzten Aufwachen erlebte. Da wird man an den Bildern, die da nebeneinander stehen, gewahr werden: Da fehlt ja etwas! — Aber indem man so übt, indem man wiederum Seelenfähigkeiten erweckt, die im gewöhnlichen Leben nicht da sind, erlangt man die Kraft, daß man beim Rückwärtsschauen, wo man jetzt das erste Bild nach dem letzten Aufwachen hat und vordringen will zu dem letzten Bilde vor dem letzten Einschlafen, nun nicht eine Strecke Finsternis dazwischen erblickt, sondern daß diese Finsternis anfängt, sich geistig aufzuhellen, daß etwas sich hineinstellt in diese Finsternis. Wie man sonst für die tagwachen Zustände nur das verfolgt, was man erlebt hat, so tritt da plötzlich zwischen dem ersten Erlebnis nach dem letzten Aufwachen und dem letzten Erlebnis vor dem letzten Einschlafen etwas dazwischen, wovon man sich jetzt sagt: Du erinnerst dich ja an etwas — nur an etwas —, was du bisher nicht gewußt hast. — Es ist genau so wie im gewöhnlichen Erinnern sonst, nur daß man von dem, was nun herauftaucht, vorher nichts wußte. Jetzt fängt man an, zu erinnern, was man sonst verschlafen hat, selbst im traumerfüllten Schlafe verschlafen hat. Die leere Zeit, die man sonst im Bewußtsein hat zwischen dem letzten Erlebnis vor dem Einschlafen und dem ersten nach dem Aufwachen, sie füllt sich aus. Und wie sich unser gewöhnliches Bewußtsein ausfüllt mit den Erlebnissen des Naturdaseins, so füllt sich jetzt unser Bewußtsein aus mit dem, was wie eine Erinnerung heraufsteigt, aber wie eine, von der man jetzt weiß, du hast es im Unbewußten erlebt. Unser Bewußtsein füllt sich jetzt aus mit dem Seeleninhalt, der die äußeren Erlebnisse nicht mitgemacht, sondern sich vor den äußeren Erlebnissen zurückgezogen hat, schlafend geworden ist. Jetzt lernt man erkennen, wie die schlafende Seele wirklich ist, wenn sie nicht die Kraft hat, ihre Erlebnisse, die sie während des Schlafes in der geistigen Welt hat, so sich bewußt zu machen, wie der Mensch im Tagesleben sich die Ereignisse des physischen Lebens bewußt macht. Jetzt lernt man die menschliche Innerlichkeit als Geist und Seele wirklich kennen, und in diesem Augenblicke blickt man über das Erdenleben hinaus. Und man wird jetzt dasjenige, was man auf die geschilderte Weise wie ein großes aber konkretes Erinnerungstableau seines bisherigen Erdenlebens erblickt, nun angliedern können an das, was man war als seelisch-geistiger Mensch in einer rein geistigen Welt, bevor man durch die Geburt oder Konzeption in diese physische Welt heruntergestiegen ist.

[ 23 ] Nur wenn man sich darauf trainiert, dasjenige, was einem von den Dingen in der Erinnerung bleibt, anzuknüpfen an die äußere Welt der Wirklichkeit, dann entwickelt man den Sinn, für eine solche Geist-Erkenntnis eine fruchtbare Rückschau zustande zu bringen. Denn für das gewöhnliche Erinnerungsvermögen der Menschen schließt sich sehr leicht das Erinnerungsbild vor dem letzten Einschlafen an dasjenige nach dem letzten Aufwachen an. Ganz ohne Schwierigkeiten lassen die Menschen einfach das, was als Nachtabgrund zwischen diesen beiden Bildern liegt, weg, sie stükkeln das Bild des ersten Ereignisses nach dem Aufwachen unmittelbar an dasjenige des letzten Ereignisses vor dem Einschlafen an. Sie bemerken es meistens gar nicht mit einem lebhaften Bewußtsein, daß etwas dazwischen liegt. Will man sich aber ein solches Bewußtsein aneignen, daß man das, was man im Inneren erlebt hat, verknüpft mit dem Bilde, das von der Außenwelt da ist, dann muß man sich klarmachen, daß ja das, was man am Morgen nach dem Aufwachen erlebt, verbunden ist mit der ganzen Natur, die auf uns einen Eindruck macht, verbunden mit der aufgehenden Sonne, mit all den Eindrücken, die man durch die aufgehende Sonne hat, und so weiter — und was man als die letzten Ereignisse vor dem letzten Einschlafen hat, ist verbunden mit etwas, was in der Natur nicht zusammengehört, nämlich mit dem, was man nach dem letzten Aufwachen erlebte. Da wird man an den Bildern, die da nebeneinander stehen, gewahr werden: Da fehlt ja etwas! — Aber indem man so übt, indem man wiederum Seelenfähigkeiten erweckt, die im gewöhnlichen Leben nicht da sind, erlangt man die Kraft, daß man beim Rückwärtsschauen, wo man jetzt das erste Bild nach dem letzten Aufwachen hat und vordringen will zu dem letzten Bilde vor dem letzten Einschlafen, nun nicht eine Strecke Finsternis dazwischen erblickt, sondern daß diese Finsternis anfängt, sich geistig aufzuhellen, daß etwas sich hineinstellt in diese Finsternis. Wie man sonst für die tagwachen Zustände nur das verfolgt, was man erlebt hat, so tritt da plötzlich zwischen dem ersten Erlebnis nach dem letzten Aufwachen und dem letzten Erlebnis vor dem letzten Einschlafen etwas dazwischen, wovon man sich jetzt sagt: Du erinnerst dich ja an etwas — nur an etwas —, was du bisher nicht gewußt hast. — Es ist genau so wie im gewöhnlichen Erinnern sonst, nur daß man von dem, was nun herauftaucht, vorher nichts wußte. Jetzt fängt man an, zu erinnern, was man sonst verschlafen hat, selbst im traumerfüllten Schlafe verschlafen hat. Die leere Zeit, die man sonst im Bewußtsein hat zwischen dem letzten Erlebnis vor dem Einschlafen und dem ersten nach dem Aufwachen, sie füllt sich aus. Und wie sich unser gewöhnliches Bewußtsein ausfüllt mit den Erlebnissen des Naturdaseins, so füllt sich jetzt unser Bewußtsein aus mit dem, was wie eine Erinnerung heraufsteigt, aber wie eine, von der man jetzt weiß, du hast es im Unbewußten erlebt. Unser Bewußtsein füllt sich jetzt aus mit dem Seeleninhalt, der die äußeren Erlebnisse nicht mitgemacht, sondern sich vor den äußeren Erlebnissen zurückgezogen hat, schlafend geworden ist. Jetzt lernt man erkennen, wie die schlafende Seele wirklich ist, wenn sie nicht die Kraft hat, ihre Erlebnisse, die sie während des Schlafes in der geistigen Welt hat, so sich bewußt zu machen, wie der Mensch im Tagesleben sich die Ereignisse des physischen Lebens bewußt macht. Jetzt lernt man die menschliche Innerlichkeit als Geist und Seele wirklich kennen, und in diesem Augenblicke blickt man über das Erdenleben hinaus. Und man wird jetzt dasjenige, was man auf die geschilderte Weise wie ein großes aber konkretes Erinnerungstableau seines bisherigen Erdenlebens erblickt, nun angliedern können an das, was man war als seelisch-geistiger Mensch in einer rein geistigen Welt, bevor man durch die Geburt oder Konzeption in diese physische Welt heruntergestiegen ist.

[ 24 ] Und ebenso gliedert sich an dieses Erleben ein anderes. Wenn man während des ganzen Übens zu alledem hinzuentwickelt eine Fähigkeit, die gewöhnlich nicht als eine Erkenntnisfähigkeit angesehen wird, die aber doch eine solche auch ist — wenn man das entwickelt, was Liebe der Seele ist, volle Hingabe an das, was einem entgegentritt, so stark, daß einem diese Liebe bleibt, wenn man auch auf das eigene Selbst jetzt sieht, daß man das, was als Neues in der Seele auftritt, lieben kann mit einer wirklich hingebungsvollen Liebe —, dann entwickelt sich die Möglichkeit, mit vollem Bewußtsein im Wachzustande sich freizumachen im innerlichen Erleben von dem Körperlichen. In dem Augenblick aber, wo man sich im inneren Erleben frei gemacht hat von dem Körperlichen, da weiß man, wie es mit dem Menschen ist, wenn er ohne seine Körperlichkeit sein Leben durchlebt. Und im Bilde tritt einem vor die Seele die Tatsache des Durchgehens durch die Todespforte, des Sterbens. Hat man einmal erkannt, was es heißt, unabhängig vom Leibe in seinen geistigen Kräften sich zu erfassen, dann weiß man auch, was man ist im geistigen Dasein, wenn man den Leib abgelegt hat und durch die Todespforte geschritten ist. Und man lernt auch die Umgebung kennen, die dann für den Menschen vorhanden ist. Man lernt erkennen, wie mit dem Leibe, wenn er abgelegt ist, dasjenige von uns abfällt, was uns mit der Sinneswelt verbindet. Es bleibt aber das, was uns erst selbst gestaltet hat als Mensch, das Seelisch-Geistige des Menschen. So lernt man erkennen die Erlebnisse, die man mit anderen Menschen gehabt hat. Das aber, was in diesen Sinneserlebnissen gesteckt hat, wie sich Seele zu Seele gefunden hat, was sich ausgelebt hat in den Beziehungen zu anderen Menschen, zu näher und ferner stehenden, was sich im Raume und in der Zeit abspielte, das Ewig-Geistige lernt man erkennen, wie es die irdische Form des Erlebens abstreift. Und um so mehr erlebt dann die Seele das, was geistig in ihr gesteckt hat an Beziehungen zu anderen Menschen. Und es wird das, was sonst nur Gegenstand des Glaubens ist, Erkenntnisgewißheit.

[ 24 ] Und ebenso gliedert sich an dieses Erleben ein anderes. Wenn man während des ganzen Übens zu alledem hinzuentwickelt eine Fähigkeit, die gewöhnlich nicht als eine Erkenntnisfähigkeit angesehen wird, die aber doch eine solche auch ist — wenn man das entwickelt, was Liebe der Seele ist, volle Hingabe an das, was einem entgegentritt, so stark, daß einem diese Liebe bleibt, wenn man auch auf das eigene Selbst jetzt sieht, daß man das, was als Neues in der Seele auftritt, lieben kann mit einer wirklich hingebungsvollen Liebe —, dann entwickelt sich die Möglichkeit, mit vollem Bewußtsein im Wachzustande sich freizumachen im innerlichen Erleben von dem Körperlichen. In dem Augenblick aber, wo man sich im inneren Erleben frei gemacht hat von dem Körperlichen, da weiß man, wie es mit dem Menschen ist, wenn er ohne seine Körperlichkeit sein Leben durchlebt. Und im Bilde tritt einem vor die Seele die Tatsache des Durchgehens durch die Todespforte, des Sterbens. Hat man einmal erkannt, was es heißt, unabhängig vom Leibe in seinen geistigen Kräften sich zu erfassen, dann weiß man auch, was man ist im geistigen Dasein, wenn man den Leib abgelegt hat und durch die Todespforte geschritten ist. Und man lernt auch die Umgebung kennen, die dann für den Menschen vorhanden ist. Man lernt erkennen, wie mit dem Leibe, wenn er abgelegt ist, dasjenige von uns abfällt, was uns mit der Sinneswelt verbindet. Es bleibt aber das, was uns erst selbst gestaltet hat als Mensch, das Seelisch-Geistige des Menschen. So lernt man erkennen die Erlebnisse, die man mit anderen Menschen gehabt hat. Das aber, was in diesen Sinneserlebnissen gesteckt hat, wie sich Seele zu Seele gefunden hat, was sich ausgelebt hat in den Beziehungen zu anderen Menschen, zu näher und ferner stehenden, was sich im Raume und in der Zeit abspielte, das Ewig-Geistige lernt man erkennen, wie es die irdische Form des Erlebens abstreift. Und um so mehr erlebt dann die Seele das, was geistig in ihr gesteckt hat an Beziehungen zu anderen Menschen. Und es wird das, was sonst nur Gegenstand des Glaubens ist, Erkenntnisgewißheit.

[ 25 ] Das erleben die Menschen, wenn sie selber durch die Todespforte gegangen sind. Was von der Menschenseele gewöhnlich als Unsterblichkeit ersehnt wird, das tritt nur auf diese Weise in die wirkliche Menschenerkenntnis herein. Aber nur indem wir das wirklich Ewige im Menschen erkennen, dadurch, daß wir unsere Kräfte so weit anspannen, dieses Ewige in unserem Dasein im vorirdischen, geistig-seelischen Sein zu erkennen, erringen wir uns auch das, was uns das Fortleben nach dem Tode zur Gewißheit werden läßt. Das [Vorirdische] hat selbst als Ewiges in der Menschenseele in der heutigen Zivilisation kein Wort mehr, denn wir kennen nur die eine Hälfte der Ewigkeit, wir sprechen von Unsterblichkeit. Ältere Sprachen haben die andere Seite gehabt, die Ungeborenheit, das heißt unser Dasein, ehe wir ins Erdenleben eintreten. Aber erst die beiden Seiten — Ungeborenheit und Unsterblichkeit — machen die Ewigkeit aus. Und es ist so, daß der Mensch seine Sehnsucht nach der Unsterblichkeit damit bezahlen muß, daß sie ein bloßer Glaube wird, wenn er in der Erkenntnis verzichten will auf die Ungeborenheit, denn die Ewigkeit wird ihm nur klar, wenn er die beiden Seiten der Ewigkeit, die Ungeborenheit sowie die Unsterblichkeit seines Wesens in einer Einheit erkennt. Damit ist dann der Mensch vorgeschritten zu einem wirklichen Ergreifen desjenigen, was er ist, zu einer wirklichen Selbsterkenntnis.

[ 25 ] Das erleben die Menschen, wenn sie selber durch die Todespforte gegangen sind. Was von der Menschenseele gewöhnlich als Unsterblichkeit ersehnt wird, das tritt nur auf diese Weise in die wirkliche Menschenerkenntnis herein. Aber nur indem wir das wirklich Ewige im Menschen erkennen, dadurch, daß wir unsere Kräfte so weit anspannen, dieses Ewige in unserem Dasein im vorirdischen, geistig-seelischen Sein zu erkennen, erringen wir uns auch das, was uns das Fortleben nach dem Tode zur Gewißheit werden läßt. Das [Vorirdische] hat selbst als Ewiges in der Menschenseele in der heutigen Zivilisation kein Wort mehr, denn wir kennen nur die eine Hälfte der Ewigkeit, wir sprechen von Unsterblichkeit. Ältere Sprachen haben die andere Seite gehabt, die Ungeborenheit, das heißt unser Dasein, ehe wir ins Erdenleben eintreten. Aber erst die beiden Seiten — Ungeborenheit und Unsterblichkeit — machen die Ewigkeit aus. Und es ist so, daß der Mensch seine Sehnsucht nach der Unsterblichkeit damit bezahlen muß, daß sie ein bloßer Glaube wird, wenn er in der Erkenntnis verzichten will auf die Ungeborenheit, denn die Ewigkeit wird ihm nur klar, wenn er die beiden Seiten der Ewigkeit, die Ungeborenheit sowie die Unsterblichkeit seines Wesens in einer Einheit erkennt. Damit ist dann der Mensch vorgeschritten zu einem wirklichen Ergreifen desjenigen, was er ist, zu einer wirklichen Selbsterkenntnis.

[ 26 ] Immer wieder muß ich bei solchen Gelegenheiten betonen, gewiß, eine solche Geistesforschung kann nur der ausüben, der die entsprechenden Fähigkeiten durch Übung oder sonst irgendwie durch das Schicksal sich angeeignet hat, aber wenn die Ergebnisse einer solchen Forschung ausgesprochen werden, dann können sie eigentlich von jedem ebenso plausibel gefunden werden wie zum Beispiel die Ergebnisse der Astronomie. Und so, wie man kein Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu erleben — denn wenn das nötig wäre, könnten es nur die Maler —, ebensowenig braucht man, um die Erkenntnisse der Geistesforschung aufzunehmen, selbst unbedingt ein Geistesforscher zu werden, obwohl man es bis zu einem gewissen Grade werden kann, denn der Mensch ist auf die Wahrheit und nicht auf die Verworrenheit und auf den Irrtum hin angelegt. Wie man mit seinem gesunden Erleben einem Bilde gegenüberstehen und seine Schönheiten bewundern kann, so kann man, wenn man sich nur nicht selber Steine in den Weg legt als Vorurteile und dergleichen, dasjenige erleben, was von der Geistesforschung dargestellt wird. Man kann es einsehen, wenn man sich nur tatsächlich mit seinem Wahrheitssinn der Sache hingibt, und durchaus unberechtigt ist der Vorwurf derjenigen, die von den Bekennern der Geisteswissenschaft sagen, sie huldigten nur einem blinden Glauben. Gerade in der heutigen Zeit wird die Anthroposophie, wenn die Menschen durch Anwendung ihres Wahrheitssinnes oder durch Forschung in der geschilderten Weise zu einer Selbsterkenntnis des Menschenwesens kommen, den Menschenseelen dasjenige bringen können, wonach, wie ich in der Einleitung des heutigen Vortrages gesagt habe, diese Seelen in der jetzigen Zeit hungern. Wenn sich auch diese Zeitforderung noch gar nicht vielen Menschen zum Bewußtsein bringt, wenn sie auch nur unbestimmt oder auch nur in der Untüchtigkeit im Leben sich zeigt — da ist sie in dem, was sich in der Zivilisation der Gegenwart so deutlich ausdrückt.

[ 26 ] Immer wieder muß ich bei solchen Gelegenheiten betonen, gewiß, eine solche Geistesforschung kann nur der ausüben, der die entsprechenden Fähigkeiten durch Übung oder sonst irgendwie durch das Schicksal sich angeeignet hat, aber wenn die Ergebnisse einer solchen Forschung ausgesprochen werden, dann können sie eigentlich von jedem ebenso plausibel gefunden werden wie zum Beispiel die Ergebnisse der Astronomie. Und so, wie man kein Maler zu sein braucht, um die Schönheit eines Bildes zu erleben — denn wenn das nötig wäre, könnten es nur die Maler —, ebensowenig braucht man, um die Erkenntnisse der Geistesforschung aufzunehmen, selbst unbedingt ein Geistesforscher zu werden, obwohl man es bis zu einem gewissen Grade werden kann, denn der Mensch ist auf die Wahrheit und nicht auf die Verworrenheit und auf den Irrtum hin angelegt. Wie man mit seinem gesunden Erleben einem Bilde gegenüberstehen und seine Schönheiten bewundern kann, so kann man, wenn man sich nur nicht selber Steine in den Weg legt als Vorurteile und dergleichen, dasjenige erleben, was von der Geistesforschung dargestellt wird. Man kann es einsehen, wenn man sich nur tatsächlich mit seinem Wahrheitssinn der Sache hingibt, und durchaus unberechtigt ist der Vorwurf derjenigen, die von den Bekennern der Geisteswissenschaft sagen, sie huldigten nur einem blinden Glauben. Gerade in der heutigen Zeit wird die Anthroposophie, wenn die Menschen durch Anwendung ihres Wahrheitssinnes oder durch Forschung in der geschilderten Weise zu einer Selbsterkenntnis des Menschenwesens kommen, den Menschenseelen dasjenige bringen können, wonach, wie ich in der Einleitung des heutigen Vortrages gesagt habe, diese Seelen in der jetzigen Zeit hungern. Wenn sich auch diese Zeitforderung noch gar nicht vielen Menschen zum Bewußtsein bringt, wenn sie auch nur unbestimmt oder auch nur in der Untüchtigkeit im Leben sich zeigt — da ist sie in dem, was sich in der Zivilisation der Gegenwart so deutlich ausdrückt.

[ 27 ] Die Naturwissenschaft und viele philosophische Weltanschauungen sprechen von unübersteiglichen Erkenntnisgrenzen. Damit ist ihnen unübersteigbar die Grenze, die zum Menschen selber führt. Der Mensch aber kann der wirklichen Selbsterkenntnis für die Dauer nicht entbehren.

[ 27 ] Die Naturwissenschaft und viele philosophische Weltanschauungen sprechen von unübersteiglichen Erkenntnisgrenzen. Damit ist ihnen unübersteigbar die Grenze, die zum Menschen selber führt. Der Mensch aber kann der wirklichen Selbsterkenntnis für die Dauer nicht entbehren.

[ 28 ] Ich werde im morgigen Vortrage dort anknüpfen, wo ich heute aufgehört habe, und das sittlich-religiöse Leben schildern, wie es sich im Menschen bereichert und verinnerlicht. Ich werde damit die Anwendung auf das unmittelbar praktische Leben dann morgen zu geben haben. Im heutigen Vortrage wollte ich zunächst zeigen, wie dieser Zeitforderung, die als eine Gemüts- und Seelenforderung bei immer mehr und mehr Menschen gegenüber der gegenwärtigen Zivilisation mit ihren Erkenntnisgrenzen auftaucht, Genüge getan werden kann durch eine wirkliche Geisteserkenntnis; durch eine Erkenntnis dessen, was der Mensch über seine eigene Unsterblichkeit und das, was mit ihr zusamrnenhängt, wissen will, ja, wissen muß, weil nur auf diese Art eine wahre Selbsterkenntnis erlangt wird und nur mit dieser wahren Selbsterkenntnis ein sich selbst Erfassen und sich selbst Erfühlen verbunden sein kann. Denn nur dadurch wird der Mensch vor der eigenen Seele mit ihrer Ewigkeitsnatur stehen können, daß er sich eine Erkenntnis dessen verschafft, wie er als geistig-seelisches Wesen eingewoben ist in die geistig-seelische Sphäre der Welt, so wie er als körperhaftes Wesen in der Welt des Körperhaften sein Dasein hat. Nur dann, wenn er sich von sich selbst eine Erkenntnis als Geist unter Geistern verschafft, wird er sich auch eine wirkliche innere Sicherheit verschaffen können. Weiß der Mensch, wessen er in der Welt wert und würdig ist, erst dann steht er mit dem Bewußtsein von sich als Mensch in der Welt, das er aus unbestimmtem Gefühl heraus als das einzig richtige Menschenbewußtsein anerkennen kann. Und erst dadurch, daß die Menschen wiederum nach einem solchen Licht der Selbsterkenntnis und der geistigen Welterkenntnis suchen werden, erst dadurch wird der Hunger der Gegenwart nach einem wirklichen Durchdringen der eigenen Menschennatur gestillt werden können. Denn die Menschheit wird gegenüber allen Anforderungen der fortschreitenden Zivilisation nicht anders zurechtkommen können, als wenn sie begreift: Selbst-Erkenntnis des Menschen kann nicht etwas anderes sein als Geist- Erkenntnis, denn der Mensch kann sich als wahrer Mensch nur erfühlen, wenn er sich als Geist unter Geistern erkennt, wie er sich in seinem vorübergehenden Erdendasein nur empfinden kann als körperliches Wesen unter körperlichen Wesen.

[ 28 ] Ich werde im morgigen Vortrage dort anknüpfen, wo ich heute aufgehört habe, und das sittlich-religiöse Leben schildern, wie es sich im Menschen bereichert und verinnerlicht. Ich werde damit die Anwendung auf das unmittelbar praktische Leben dann morgen zu geben haben. Im heutigen Vortrage wollte ich zunächst zeigen, wie dieser Zeitforderung, die als eine Gemüts- und Seelenforderung bei immer mehr und mehr Menschen gegenüber der gegenwärtigen Zivilisation mit ihren Erkenntnisgrenzen auftaucht, Genüge getan werden kann durch eine wirkliche Geisteserkenntnis; durch eine Erkenntnis dessen, was der Mensch über seine eigene Unsterblichkeit und das, was mit ihr zusamrnenhängt, wissen will, ja, wissen muß, weil nur auf diese Art eine wahre Selbsterkenntnis erlangt wird und nur mit dieser wahren Selbsterkenntnis ein sich selbst Erfassen und sich selbst Erfühlen verbunden sein kann. Denn nur dadurch wird der Mensch vor der eigenen Seele mit ihrer Ewigkeitsnatur stehen können, daß er sich eine Erkenntnis dessen verschafft, wie er als geistig-seelisches Wesen eingewoben ist in die geistig-seelische Sphäre der Welt, so wie er als körperhaftes Wesen in der Welt des Körperhaften sein Dasein hat. Nur dann, wenn er sich von sich selbst eine Erkenntnis als Geist unter Geistern verschafft, wird er sich auch eine wirkliche innere Sicherheit verschaffen können. Weiß der Mensch, wessen er in der Welt wert und würdig ist, erst dann steht er mit dem Bewußtsein von sich als Mensch in der Welt, das er aus unbestimmtem Gefühl heraus als das einzig richtige Menschenbewußtsein anerkennen kann. Und erst dadurch, daß die Menschen wiederum nach einem solchen Licht der Selbsterkenntnis und der geistigen Welterkenntnis suchen werden, erst dadurch wird der Hunger der Gegenwart nach einem wirklichen Durchdringen der eigenen Menschennatur gestillt werden können. Denn die Menschheit wird gegenüber allen Anforderungen der fortschreitenden Zivilisation nicht anders zurechtkommen können, als wenn sie begreift: Selbst-Erkenntnis des Menschen kann nicht etwas anderes sein als Geist- Erkenntnis, denn der Mensch kann sich als wahrer Mensch nur erfühlen, wenn er sich als Geist unter Geistern erkennt, wie er sich in seinem vorübergehenden Erdendasein nur empfinden kann als körperliches Wesen unter körperlichen Wesen.