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The Rudolf Steiner Archive

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Der übersinnliche Mensch anthroposophisch erfasst
GA 231

17 November 1923, The Hague

Dritter Vortrag

[ 1 ] In der ersten Vortragsstunde haben wir versucht, uns eine Vorstellung darüber zu bilden, wie der Mensch, wenn er auf der Erde steht, Beziehungen hat zu den außerirdischen Wesenheiten und Kräften. Wir haben dann in der zweiten Stunde versucht, uns eine Vorstellung davon zu bilden, wie der Durchgang des Menschen durch die übersinnliche Welt, von einem gewissen Gesichtspunkte aus angesehen, in der Zeit zwischen dem Tode und der nächsten Geburt ist. Ich möchte jetzt in diesem Vortrage einiges hinzufügen zu dem, was schon gesagt worden ist, gewissermaßen die Dinge weiter ausführen. Wir werden dann dazu kommen, die ganze Sache abzurunden, und ein in sich harmonisches Bild im Laufe der Vorträge erhalten.

[ 2 ] Wir haben gesehen, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes durchgegangen ist, wenn er also in der übersinnlichen Welt angekommen ist, so ist es zunächst so, daß er der imaginativen Anschauung sich noch immer offenbart wie in einer Geistgestalt. Natürlich müssen Sie sich darüber klar sein, daß dieses Anschauen des Geistigen doch etwas anderes ist als das Anschauen des Sinnenhaften. Es wird Ihnen zum Beispiel jeder, der eine Anschauung des Geistigen hat, sagen: Ja, ich habe dies geschaut, aber ich könnte nicht sagen, wie «groß» die Erscheinung war — und dergleichen. Also ganz so räumlich wie ein sinnliches Augenbild sind die Dinge natürlich nicht. Dennoch aber, wenn Sie sie beschreiben wollen, müssen Sie sie so beschreiben, daß die Sache ganz aussieht wie ein sinnliches Augenbild oder wie das, was man sonst zu dessen Beschreibung verwendet. In diesem Sinne bitte ich auch die Darstellungen aufzufassen, die ich von diesen Dingen geben werde.

[ 3 ] Wenn der Mensch nun durch die Todespforte durchgegangen ist, so verblaßt allmählich in diesem Bilde der Geistgestalt das Haupt, die Kopfgestalt verblaßt. Dagegen wird die ganze übrige Gestalt des Menschen Physiognomie, und zwar, wie ich schon dargestellt habe, so Physiognomie, daß diese Physiognomie der Ausdruck dafür ist, inwiefern der Mensch in dem Erdenleben, das sich bis zum Durchgange durch die Pforte des Todes abgespielt hat, ein mehr oder weniger guter oder böser Mensch oder ein weiser Mann oder ein Tor war und dergleichen. Das alles, was der Mensch in der sinnlichen Welt verbergen kann, wo man mit dem unschuldigsten Gesicht ein Bösewicht sein kann, das ist nicht möglich, wenn man durch die Todespforte gegangen ist. Mit dem Gesicht läßt es sich nicht machen, weil dieses Gesicht verblaßt; und durch die übrige Gestalt, die immer mehr und mehr einen physiognomischen Ausdruck bekommt, läßt es sich nicht verleugnen. Aber es handelt sich darum, daß, wenn der Mensch in die geistige Welt eintritt, sein ganzes Verhältnis zur Welt ein anderes ist. Sie müssen schon auffassen, daß das auf der Erde am höchsten Geschätzte, das Denken, namentlich das abstrakte Denken, drüben in der geistigen Welt gar nicht geschätzt wird. Das, wofür der Kopf das Instrument ist, wird in der geistigen Welt gar nicht geschätzt, man kann es gar nicht anwenden. Dieses stolze Denken, durch das wir uns Vorstellungen verschaffen über die sinnlichen Dinge auf Erden, müssen wir zurücklassen. Philosophen gibt es nur auf Erden, denn gerade die Philosophie, die im abstrakten Denken besteht, muß auf der Erde zurückgelassen werden. Alles Seelenleben wird immer mehr und mehr, je weiter wir in die geistige, übersinnliche Welt hineinkommen, ein bildhaftes Vorstellen, ein Anschauen, und zwar ein solches Anschauen, daß die Gedanken, die in den Dingen sind, mit dem Anschauen kommen. Hier auf der Erde bilden wir uns die Gedanken, da drüben werden uns die Gedanken durch die Sachen selber geoffenbart, sie kommen an einen heran. Also, der Gedanke wird dort durch Anschauung errungen. Da handelt es sich darum, daß auch in der Anschauung alles, was der Mensch nun durchmachen soll, in der geistigen Welt an ihn herankomme.

[ 4 ] Nun haben wir schon auch für die Sinnesanschauung gewisse Anhaltspunkte, an die wir anknüpfen können, wenn wir die geistige Welt, durch die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt durchgeht, schildern wollen. Wir sehen in der Sinneswelt die Sterne. Die Sterne, auch die Planeten unseres Planetensystems, zeigen uns, ich möchte sagen, für das sinnliche Anschauen auf die Erde herunter, im Grunde genommen nur ihre Außenseite. Innen sind sie etwas ganz anderes. Innen sind sie die Versammlung von geistigen Wesenheiten, von solchen geistigen Wesenheiten, die in der verschiedensten Weise an den Orten sich angesammelt haben, wo diese Sterne sind. Und wenn wir irgendwo nach einem Sterne mit dem bloßen physischen Auge hinsehen, so bedeutet das: In dieser Richtung ist eine Kolonie von geistigen Wesenheiten im Weltenall, und was ich als physischen Stern dort sehe, das gibt mir gewissermaßen nur die Richtung, das ist ein Merkzeichen, eine Tafel. Was die physische Wissenschaft von den Sternen beschreibt, ist alles nur von ganz geringer Bedeutung, denn das handelt von nichts anderem als von Merkzeichen, von Merktafeln, von Richtungs-, Orientierungstafeln. Daß wir irgendwo einen Stern sehen bedeutet nichts anderes, als daß in dieser Richtung die Wohnung geistiger Wesenheiten ist.

[ 5 ] Das erste Gebiet nun, in das der Mensch hineinkommt, wenn er die Todespforte durchschritten hat, ist das Gebiet des Mondes, das heißt, er kommt in das Gebiet derjenigen Wesenheiten, welche im Monde ihren Aufenthaltsort haben. Was sind das für Wesenheiten?

[ 6 ] Aus meiner Darstellung in der «Geheimwissenschaft» wissen Sie, daß der Mond nicht immer dort war, wo er jetzt ist. Mit diesem Monde hat es überhaupt eine merkwürdige Eigentümlichkeit. Es ist zum Beispiel ganz sonderbar, daß von diesem Monde in den gebräuchlichen Lehrbüchern, in den Schul- und Handbüchern ganz verschwiegen wird, daß er jetzt in einem Zustande ist, wo er uns jedes Jahr etwas näher kommt. Das merken die meisten Menschen nicht, weil sie es in diesen Handbüchern nicht finden, aber wahr ist es doch. Es ist aber mit diesem Monde so, daß er nicht immer so wie jetzt draußen im Weltenall war, sondern er war einmal sogar — Sie können es in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen — mit seiner Substanz in der Erde drinnen, hat sich aus der Erde herausgespalten und ist dann heraufgegangen ins Weltenall, so daß er erst im Laufe der Erdenentwickelung sich selber zu einem Wohnhaus für geistige Wesenheiten gebildet hat. Welches sind nun diese geistigen Wesenheiten?

[ 7 ] In meinen Büchern und Vorträgen habe ich oft beschrieben, wie der Mensch in sehr alten Zeiten der Erdenentwickelung den großen Urlehrern des Erdendaseins gegenübergestanden hat. Wir werden ja, wenn wir wirklich verständnisvoll zurückblicken in die Erdenentwieckelung, mit einer ungeheuren Ehrfurcht innerlich durchtränkt vor jener ungeheuren Weisheit, die einmal durch große, übermenschliche Lehrer den Menschen auf der Erde gegeben worden ist. Die ersten Lehrer des Menschengeschlechtes auf Erden waren eben nicht Menschen, sondern Wesenheiten, die höher stehen als der Mensch, die überhaupt nicht in einem physischen Leibe in den Mysterien erschienen, sondern in einem ätherischen Leibe, den sie seither zum großen Teile sogar abgelegt haben, so daß sie in einem astralischen Leibe sind. Diese Urlehrer haben dann den Auszug aus der Erde durchgemacht und sind ihrerseits nach dem Monde in den Kosmos hinausgegangen; so daß heute dieser Weltenkörper, den wir als Mond ansprechen, im Kosmos draußen die Kolonie der Urlehrer der Menschheit ist. Da sind sie drinnen. Wenn wir die Außenseite des Mondes ansehen, so spiegelt sie uns für das grobe Betrachten eigentlich nur das Licht der Sonne, für das feinere Betrachten aber spiegelt sie uns eine ungeheuer große Summe von Kräften des Weltenalls überhaupt. Aber was wir da von den Kräften des Weltenalls vom Monde auf die Erde hineingespiegelt erhalten, das hängt zusammen mit all dem, was im Menschen eigentlich untermenschlich ist, was der Mensch heute mit der animalischen Natur gemeinschaftlich hat. So daß der Mond merkwürdigerweise in sich vereinigt diese geistigen hohen Wesenheiten, die einmal die Urlehrer der Menschheit waren, mit den animalischen Kräften der Menschennatur.

[ 8 ] In diesen Bereich kommt zunächst der Mensch, wenn er durch die Pforte des Todes hindurchgeschritten ist. Da macht er seine ersten Erfahrungen. Stellen Sie sich also ganz lebendig vor, wie der Mensch mit seiner moralischen oder auch unmoralischen Physiognomie in den Bereich der Mondenstrahlung, der physischen und der geistigen Mondenstrahlung kommt, und stellen Sie sich vor, wie der Mensch zunächst sich und die anderen Menschen mit dieser Physiognomie sieht. Aber es sind ja nicht physisch-sinnliche Augen, mit denen er schaut, sondern es ist ein Empfinden, gewissermaßen ein Betasten, aber ein Betasten auf Entfernung hin, wie der Mensch diejenigen Wesen wahrnimmt, die da in seinen Bereich kommen. Wenn ich Ihnen beschreiben soll, wie das ist, so möchte ich es in der folgenden Weise beschreiben. Nehmen Sie an, der Mensch kommt in diesem Gebiete nun wirklich an ein anderes Wesen heran. Er hat nun seine Physiognomie, die aber in sich beweglich ist, gewissermaßen weich ist. Er versucht nun, wenn er ein anderes Wesen in seiner Nähe hat, sich selber eine ähnliche Physiognomie zu geben, wie sie das andere Wesen zeigt. Wenn aber ein Mensch, der ein richtiger Bösewicht im Erdenleben war, durch die Pforte des Todes gegangen ist, drüben ankommt und nun versuchen würde, gegenüber einem sehr guten Menschen diese Prozedur zu machen, damit er empfände, was der gute Mensch in seiner Physiognomie ist, so würde er das nicht können. Er kann sich nur wieder die Physiognomie von Bösewichtern geben. Das andere gelingt ihm nicht. — Daraus sehen Sie, daß der Mensch eine gewisse Zeit nach dem Tode nur diejenigen anderen menschlichen Wesen sehen kann, die schon durch die Pforte des Todes durchgegangen sind, und die in moralischer Beziehung so waren wie er hier auf der Erde. Das ist der erste, ich möchte sagen, richtende Eindruck, den der Mensch erlebt. Dieser Eindruck übt eine scharfe Justiz, denn der Mensch steht da fortwährend unter dem Eindruck: So wie diese, so bist du auch! Du kannst dich überhaupt nur bewegen unter solchen Menschen, die so sind wie du! — Die anderen sieht man nicht, man nimmt sie zunächst nicht wahr.

[ 9 ] Diese Umgebung des Mondes sendet aber nun durch die besonderen Kräfte, die sie hat, nicht gleich die Angeloi in ihrer schönen Form in die Nähe des Menschen, sondern der Mond ist ja dasjenige, dessen sich die Erde entledigt hat, der Mond ist derjenige Weltenkörper, den die Erde aus sich herausgesetzt hat in den Kosmos — allerdings sind dann mit ihm gegangen die großen, heiligen Urlehrer und Weisen der Menschheit —, so aber, wie der Mond jetzt allein draußen im Weltenall ist, so sind da in seiner Nähe durchaus die ahrimanischen Gestalten. Ahrimanische Gestalten sind dort zu sehen. Und da ist es so: Wenn der Mensch andere Menschen sieht in nicht guten Physiognomien, so hat er den eigentümlichen Eindruck, daß er sich sieht mit denjenigen, die er so sehen kann — und das sieht dann zum Verzweifeln ähnlich all den ahrimanischen Gestalten, die da erscheinen. Die Angeloi kann er noch nicht sehen, weil diese Gestalten haben, in die er sich wieder nicht hineinfinden kann. So sieht also der Mensch die anderen Menschen in gewissen Gestaltungen des Bösen, und er kann dann den Vergleich anstellen, wie dies ähnlich ist den ahrimanischen Gestalten. Das ist der zweite Eindruck, den der Mensch in der Mondensphäre bekommt: Du bist ja so ähnlich den ahrimanischen Gestalten! — Wiederum eine sehr wirksame Justiz nach dem Tode.

[ 10 ] Und das dritte ist, daß der Mensch nun nicht entkommt dem deutlichen Eindruck: Da sind in der ersten Region, die ich zu durchwandern habe, die weisen, die guten Urlehrer der Menschheit. — Diesen Eindruck muß er bekommen, denn es besteht ein eigentümliches Verhältnis zwischen den ahrimanischen Wesenheiten, die einem in der geschilderten Weise entgegenkommen, und diesen Urlehrern der Menschheit.

[ 11 ] Es ist ja vom menschlichen Standpunkte aus ganz begreiflich, daß die Menschen in bezug auf diese Dinge so ähnlich urteilen werden wie jener bekannte König von Spanien, dem man einmal eine Zeichnung von den Bewegungen der Sterne- und von dem ganzen Stande des Sonnensystems vorgelegt hat. Das war für ihn schwer zu begreifen, und da hat er denn gesagt: Wenn Gott ihm die Weltenschöpfung übertragen hätte, so hätte er es viel einfacher gemacht. — Er fand das zu kompliziert. Es ist nicht zu verwundern, daß viele Menschen etwas Ähnliches in ihren Urteilen ausdrücken; sie möchten immer gerne den göttlichen Weltenplan etwas korrigieren. Die Menschen trauen sich überhaupt in ihrer Einsicht ungeheuer viel zu. Es hat sogar einen Philosophen gegeben, der den Ausspruch getan hat: Gebt mir Materie, und ich forme ein Weltall daraus! — Kant nämlich. Es ist nur gut, daß man ihm keine Materie gegeben hat, denn er hätte etwas Schauderhaftes daraus gemacht.

[ 12 ] So ist es auch, daß die Menschen, wenn sie von ahrimanischen Wesenheiten und Gestalten hören, dann nicht begreifen können, wie diese ahrimanischen Gestalten nicht längst alle Hoffnung verloren haben, daß sie in ihrem Sinne einen Sieg über die Erdengeister erringen werden. Denn die Menschen wissen das so gut, daß die ahrimanischen Wesenheiten nicht siegen werden. Aber Ahriman weiß es nicht. Er strebt immerfort den Sieg an. Und aus diesem Anstreben des Sieges entsteht ein eigentümliches Verhältnis zwischen denjenigen ahrimanischen Wesenheiten, die vorzugsweise zur Mondensphäre gehören, und den weisen Urlehrern der Menschheit, ich möchte sagen, es ist ein furchtbares Schmeicheln von seiten dieser ahrimanischen Wesenheiten gegenüber diesen Urlehrern der Menschheit, sie möchten sie für sich gewinnen. Denn was streben diese ahrimanischen Wesenheiten an? Sie möchten die Erde auf einem bestimmten Punkte ihrer Entwickelung festhalten, möchten sie nicht weiterkommen lassen. Es ist immer Ahriman, der da sagt: Die Menschen haben es bis hierher in ihrer Entwickelung gebracht, nun sollen sie auf diesem Standpunkte stehen bleiben, sich nicht weiterentwickeln. Ich will, daß sie sich auf diesem Standpunkte verhärten und dann ihre weitere Weltenreise antreten als verhärtete, nicht als solche Menschen, die sich weiterentwickeln. — Das ist es, was jede Nacht den Menschen von den ahrimanischen Wesenheiten in die Ohren geträufelt wird. Und das ist ja auch das, was die ahrimanischen Wesenheiten mit der Erde überhaupt wollen, sie wollen sie auf einem bestimmten Punkte ihrer Entwickelung festhalten.

[ 13 ] Nun denken Sie in diesem Punkte an die großen Urlehrer der Menschheit. Diese Urlehrer haben ja auf der Erde das zurückgelassen, was wir als die alte Urweisheit kennen, die im Laufe der Zeit verglommen ist, die die Menschen heute nicht mehr verstehen, aber die einstmals in den alten Mysterienstätten den Menschen gelehrt worden ist. Diese alte Weisheit konnte nicht weiter gelehrt werden. Denn hätten die Menschen fortwährend diese Weisheit empfangen, so wären sie nicht weitergekommen, vor allen Dingen wären sie nicht zur Freiheit aufgerückt, sie hätten nicht ihren freien Willen bekommen können. Diese Weisheit war eine solche, die nur zu den Instinkten der Menschen sprechen konnte, nicht zur vollen selbstbewußten Besonnenheit. Daher haben sich diese Lehrer zum Heile der Menschheit in einem bestimmten Zeitpunkte von ihr zurückgezogen. Der Mensch hätte nicht für seine Entwickelung einen Ausgangspunkt, einen Anfang finden können, wenn diese Urlehrer nicht dagewesen wären. Nachdem sie aber einmal einen Anstoß gegeben haben, so daß der Mensch diesen Anstoß benützen kann, um sich selbständig weiterzuentwickeln, haben sie sich von der Erde zurückgezogen, sind eben in die Mondenkolonie gegangen. Und nachdem die ahrimanischen Wesenheiten dazumal, als diese Urlehrer noch auf der Erde waren, sich alle Mühe gegeben haben, diese Urlehrer auf der Erde zu erhalten und es bei der instinktiven Weisheit zu belassen, glauben sie heute noch immer, sie könnten, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen und bei der Mondensphäre angelangt ist, wenigstens noch da etwas machen, und so versuchen sie durch ihre Schmeicheleien immerzu, diese Urlehrer der Menschheit dazu zu bewegen, jetzt an die eben verstorbenen Menschen heranzutreten. Doch das kann nicht erreicht werden, insbesondere nicht bei den Menschen, die die Physiognomie des Bösen an sich tragen. Aber es ist so, daß die ahrimanischen Wesenheiten sich auch fortwährend an die Menschen heranmachen und sie damit aufstacheln, daß sie ihnen sagen: Das war einmal da! — Und so entsteht jetzt als ein drittes für diese bösen Menschen, daß die ahrimanischen Gestalten ihnen die Urlehrer beschreiben, aber sie können sie mit ihrem Wesen nicht sehen, sie sehen ins Leere hinein.

[ 14 ] Das ist wieder ein sehr bedeutender, richtender Eindruck, den die Menschen dadurch bekommen. Und da lastet sich dann auf die Seele des Menschen die Empfindung: Ich sehe diejenigen nicht, von denen die Menschheit den Ausgangspunkt genommen hat, ich bin verworfen worden! — Das ist eine sehr starke, lebensvolle Empfindung, die diejenigen Menschen haben, die nicht die Physiognomie des Guten zeigen.

[ 15 ] Das sind also die drei Eindrücke, die der Mensch dann haben muß, wenn er mit der Physiognomie des Bösen hinüberrückt in die Welt, die er betritt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist.

[ 16 ] Nun muß man schon sagen: In einer gewissen Beziehung ist ja im Menschen nicht lauter Gutes, sondern selbst in dem besten Erdenmenschen ist viel Böses, so daß viele Menschen wenigstens teilweise diese Eindrücke empfangen, von denen ich gesprochen habe. Aber je mehr der Mensch selber die Physiognomie des Guten annehmen kann, um so mehr wird er auch drüben nach dem Tode diejenigen sehen, denen er durch das Gute ähnlich geworden ist, und er wird um so eher, je mehr er mit der Physiognomie des Guten hinüberkommt, weniger Sinn für die ahrimanischen Gestalten haben. Damit wird alles das, was ich erzählt habe, was von den ahrimanischen Gestalten ausgeht, wegfallen, und damit wird der Mensch dann mehr Sinn haben für die Angeloigestalten, die dann in seinen Bereich treten. Und das gibt dann in den Menschen hinein dasjenige, mit dem er sich jetzt durchdringt als mit Kräften, und zunächst sind es Kräfte des Wollens. Es ist so, daß man überhaupt nach dem Tode in der Hauptsache nicht das Nachdenken hat, sondern das Wollen. Das Wollen wird zur Empfindung, wird zur ganzen Lebenswelt. Sie sehen: Man muß wollen, wenn man überhaupt wahrnehmen will. Wenn man so etwas sehen will, muß man sich selbst entsprechend gestalten. Man muß also wollen. Dem muß man ähnlich werden, das man wahrnehmen will. Der Wille vorzugsweise ist es, der da ausgebildet wird, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, und auf den Willen wirken auch die Eindrücke im Guten und Bösen, die ich für den Mondenbereich geschildert habe.

[ 17 ] Das nächste nun, wo hinein der Mensch kommt, ist dann der Merkurbereich. In diesem Merkurbereich hat der Mensch seine Physiognomie schon so weit den Mächten und Kräften der übersinnlichen Welt angepaßt, daß er, zuweilen unter starken Schmerzen, abgelegt hat seine Physiognomie des Bösen, daß er allmählich ähnlich geworden ist — obwohl es bei vielen Menschen mit diesem Ähnlichwerden nicht sehr rasch geht — den Gestalten der Angeloi, Archangeloi, Archai. Aber jedenfalls kommt der Mensch jetzt in den Bereich des Merkur und damit in den Bereich der Wesen der dritten Hierarchie, muß unter ihnen leben und muß das durchmachen, was ich schon beschrieben habe. Es ist dies derjenige Bereich, wo man sich allmählich das Verständnis erwirbt für das, was vorher eine bloße mehr oder weniger blinde Anschauung war, aber eine blinde Anschauung, die sehr stark gerade auf die menschliche Willenssphäre gewirkt hat. Im Merkurbereiche erwirbt man sich dafür nach und nach das Verständnis. — Heute, in diesem unserem Zeitalter ist es so, daß wirklich derjenige, der mit imaginativer Anschauung nach diesen Dingen hinsieht, recht tragische Empfindungen hat. Denn wie man sich gerade in diese Merkursphäre hineinfindet als Toter, das hängt schon etwas davon ab, ob man hier auf der Erde als Materialist alles Übersinnliche in Denken und Tun abgewiesen, oder ob man sich hier Verständnis für das Übersinnliche erworben hat. Man steht schon ziemlich verständnislos den Wesenheiten in der Merkursphäre gegenüber, wenn man hier auf der Erde alles, was über das Materielle hinausgeht, abgewiesen hat. Und man steht ebenfalls verständnislos den Wesenheiten gegenüber, die im nächsten Bereiche sind, die auch noch zur Kategorie der Angeloi, Archangeloi und Archai gehören, nur etwas weiter entwickelt sind, wenn man im Erdenleben Materialist war, und man nun in den Venusbereich kommt, denn da wird man gerade überstrahlt von den Kräften der kosmischen Liebe. Hat man auf der Erde sich nicht erworben die Kraft des Liebenkönnens, so kommt man da in einen fremdesten Bereich. Und das, was einen sonst, wenn man sich auf der Erde Liebefähigkeit erworben hat, im Venusbereich dann überstrahlt mit Liebeskräften, das verwandelt sich in einem Menschen, der auf der Erde viel oder unbewußt gehaßt hat, in Zorneskräfte. Es ist das Geheimnis des Venusaufenthaltes, daß der, welcher sich von der Erde viele Reste von Hassenskräften mitbringt, die in ihm gewaltet haben, sich dann im Bereich der Venus so finden wird, wie wenn ihm aus seinem Willen heraus aufsteigen würden die umgewandelten Liebeskräfte, die Zorn- und Wutkräfte sind. Er schaut sich da in demjenigen, von dem er sich sagen muß, das alles muß gemildert, muß in Einklang mit dem Weltenall gebracht werden. Und es ist im Grunde genommen immer das Wollen, das in diesem Gebiete, ich möchte sagen, eine besondere Pflege erhält, das Wollen, das ja auch beim Erdenmenschen an dem StoffwechselGliedmaßen-Menschen sitzt, an dem unteren Menschen. Der wird aber gerade nach dem Tode zur Gesamtphysiognomie, und so ist es auch schon das Wollen, das da zum Ausdruck kommt.

[ 18 ] Aber mittlerweile entwickelt sich der Mensch in der Weise weiter — alles übrige, was ich schon beschrieben habe, kommt dann dazu, aber das gibt wieder neue Gesichtspunkte, die danach erörtert werden müssen —, daß er allmählich ähnlich wird den Wesenheiten, die im geistigen Kosmos vorhanden sind, und er kommt allmählich in den Sonnenbereich. In diesem Sonnenbereiche wirken die Kräfte vorzugsweise dann auf das alles, was wir auf der Erde im Abglanz des Fühlens haben. Die Sonne ist nun wiederum nur ihrer Außenseite nach das, was sie uns zeigt, wenn wir mit physischen Augen zu ihr hinaufschauen. Die Sonne ist innerlich der große Weltversammlungsort aller derjenigen geistigen Wesenheiten, die eben von diesem Zentrum aus die Geschicke der Erde und der Erdenmenschen und alles, was dazu gehört, lenken und leiten. Die Sonne ist vor allen Dingen die Kolonie der Wesenheiten der zweiten Hierarchie, der Exusiai, Kyriotetes, Dynameis. Indem der Mensch in den Sonnenbereich tritt, kommt alles das an ihn heran, was ich das letzte Mal beschrieben habe. Während er vorher nur zusammen war mit denjenigen Wesen, die mit ihm schicksalsmäßig verknüpft sind, treten jetzt auch andere an ihn heran. Sein «übersinnlicher Bekanntenkreis», wenn man so sagen darf, wird größer und größer. Das alles geschieht jetzt im Sonnenbereiche.

[ 19 ] In diesem Sonnenbereiche ist es nun auch, wo ein besonders starkes inneres Erleben beim Menschen auftritt. Da unten ist eine andere Welt, die Erde, die er verlassen hat, die er aber wieder betreten muß. In diesem Sonnenbereiche kommt nun das zustande, was ich beschrieben habe als die Umarbeitung des Menschen: Die untere Natur des Menschen wird für das nächste Erdenleben in die obere Natur umgearbeitet, so daß die Beine umgearbeitet werden in die Geistgestalt des Unterkiefers, die Arme in die Gestalt des Oberkiefers mit den Jochbeinen und so weiter. Das alles bedeutet in dem Bereich des Geistigen eine wunderbare Arbeit, gegen die alles, was die Menschen auf den verschiedensten Gebieten auf der Erde arbeiten, etwas höchst Unbedeutendes ist. Eine große, majestätische Arbeit an dem Geheimnis des Menschen wird die Arbeit, die da vom Menschen im Verein mit den höheren geistigen Wesenheiten geleistet wird. Das alles geschieht innerhalb des Sonnenbereiches im weiteren Sinne des Wortes.

[ 20 ] Aber der Mensch bekommt gerade in diesem Sonnenbereich noch ein anderes inneres Erlebnis. Wenn wir hier auf der Erde leben, muß eigentlich, wenn wir innerlich seelisch und geistig vollkommen gesunde Menschen sind, in uns die Empfindung auftauchen: Es gibt noch eine andere, eine geistige Welt, wenn wir auch erkenntnismäßig nicht in sie eindringen können. Wir setzen die geistige Welt sozusagen voraus, wir sprechen davon, daß außer derjenigen Welt, die wir im Sinnlichen erleben, eine übersinnliche Welt da ist. Jetzt, während des Sonnendaseins zwischen Tod und neuer Geburt, ist das Umgekehrte der Fall. Da kommt gerade während des Sonnendaseins über den Menschen so etwas, daß er sprechen lernt von einer jenseitigen Welt. Das ist aber die Erde. Und da tritt erst die allerlebendigste Empfindung, jetzt nicht so sehr für sein eigenes Schicksal, sondern für die ganze Eigentümlichkeit des Irdischen hervor. Da gibt es eine gewisse Eigentümlichkeit, auf die Sie kommen können. Sie müssen es nur einmal probieren — aus sich selbst heraus kann das der heutige Mensch in der Regel noch nicht.

[ 21 ] Wenn Sie Geschichte lesen, sie studiert haben, so können Sie, indem Sie die Geschichte zurückverfolgen, immer auf folgendes Erlebnis kommen. Ich will also sagen, Sie leben jetzt im Jahre 1923. Sie gehen nun durch die Geschichte hindurch, gehen durch den Weltkrieg und alles, was früher war, zurück: Sie können dann irgendwo, wenn Sie Geschichte studieren, einen geschichtlichen Bereich finden, sagen wir meinetwillen das Jahr 1500 oder 1550 oder so etwas, dem gegenüber Sie die Empfindung haben können, das kommt Ihnen bekannt vor.

[ 22 ] sehen Sie nur einmal hin auf solche intime menschliche Erkenntnis. Es kommt Ihnen irgend etwas bekannt vor in der Vergangenheit, das vor einigen oder vor mehreren Jahrhunderten da war. Sie sagen sich, das müssen Sie erlebt haben. Oberflächlinge reden dann gleich davon, daß sie gerade in diesem Jahr in einem vorherigen Erdenleben waren. Das ist meistens nicht der Fall, sondern es ist meistens dasjenige Jahr, in welchem der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in dem Sonnendasein den lebhaftesten Zusammenhang mit dem Erdendasein hatte, wo das irdische Leben nun jenseits so an den Menschen herantritt, wie auf der Erde umgekehrt das übersinnliche Leben als jenseitiges an den Menschen heranrritt.

[ 23 ] Bleiben wir nun zunächst einmal einen Augenblick bei dieser Entwickelung stehen, so können wir sagen, der Mensch absolviert das Mondendasein, wenn er von der Erde weggegangen ist, er kommt in das Merkurdasein, kommt in das Venusdasein, kommt in das Sonnendasein, dann geht es weiter. — Davon wollen wir noch später sprechen. — Alle diese Dinge sind im Grunde genommen in der geistigen Welt nicht bloß isolierte Dinge und Vorgänge, sondern das steht wieder alles im Zusammenhange mit dem, was auf der physischen Erde geschieht, und da ergibt sich ein ganz besonderer Zusammenhang. Dies, was Mondendasein ist, das ist ja ganz durchdrungen von jenen Ihnen heute öfter erwähnten großen Urlehrern der Menschheit. Die sind in einem Zeitpunkte, der sehr weit zurückliegt, aus dem Erdendasein hinausgegangen in die kosmischen Welten, in die kosmische Kolonie des Mondes. Aber einzelne Menschen, Initiierte in den Mysterien, hatten auch nachher noch ein recht lebhaftes inneres Hören und Schauen für das, was bei diesen Ur-Initiierten einmal auf der Erde da war. So war in der urindischen Zeit noch ein ganz lebendiges Wissen in den Mysterien vorhanden von den Weisheiten der Monden-Initiierten. Gerade das, was heute noch bewundert werden kann in den Nachklängen der urindischen Weisheit, ist auf diese Art zustande gekommen.

[ 24 ] Dann trat ein Zweifaches ein. Auch für die verschiedenen Zeitalter bestehen noch Einflüsse von diesem Überirdischen, das der Mensch durchwandelt zwischen Tod und neuer Geburt, nur kommen diese Einflüsse immer weniger durch, das heißt, der Mensch wird sich immer weniger dieser Einflüsse bewußt. Die Merkureinflüsse zum Beispiel sind besonders stark gewesen während der urpersischen Zeit, aber die Menschen waren sich weniger dessen bewußt, und sie haben dann dafür die Mythe von dem Ahura Mazdao ausgestaltet, die noch ein dunkles Wissen war von dem, was Einfluß ist vom Merkur auf die Erde. Während der ägyptisch-chaldäischen Kultur waren vorzugsweise die Venuseinflüsse wirksam. Und dann kam die wunderbare griechische Kultur, die sich dann weiter fortgesetzt hat in der lateinischen; die griechisch-lateinische Kultur, wo am stärksten ist, aber am wenigsten von den Menschen bemerkt, der Sonneneinfluß von der übersinnlichen Welt her auf die Erde. Und in dieser Zeit war es auch, wo zweierlei zusammenfiel: das eine, daß der Mensch, wenn er durchgeht durch das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt und gerade in die Sonnensphäre kommt, den größten Hang dazu hat, die Erde von dem Sonnendasein aus zu empfinden —, auf der anderen Seite kam bei den Griechen das dazu, daß alles, was Sonnenmäßiges ist, auf sie einen großen Eindruck gemacht hat. Das, was die Kräfte des Sonnenmäßigen der Erde geben, das hat auch für die Griechen ungemein viel bedeutet, insbesondere für diejenigen Griechen, die man gewöhnlich als die athenischen Griechen bezeichnet — Athener im Gegensatz zu Spartanern —, aber überhaupt übte in Griechenland vom Kosmos aus das Sonnenmäßige, auch als Geistiges, auf die ganze Konfiguration der griechischen Zivilisation einen außerordentlich tiefgehenden Einfluß aus. Während dieser ganzen Entwickelung war auf der Erde besonders stark die Begabung dafür, das Geistige, das rein Geistige des Sternenhimmels zu empfinden. Es beginnt eigentlich erst in unserem fünften nachatlantischen Kulturzeitalter mehr die Empfindung des Materiellen des Sternenhimmels.

[ 25 ] Unser fünftes nachatlantisches Zeitalter beginnt ja mit dem 15. nachchristlichen Jahrhundert, ist also erst ein paar Jahrhunderte alt. Wir sind aber schon mit diesen Einflüssen aus derjenigen Region herausgekommen, wo die Menschen sich auf der Erde verwandt fühlen diesem Fühlen innerhalb des Sonnendaseins zwischen Tod und neuer Geburt. Wir fühlen heute vielmehr das, was nun darauf folgt. Und in der Tat kommt der Mensch, wenn er eine Zeitlang das Sonnendasein durchlebt hat, in den Bereich des Marsdaseins. Was vom Weltenall auf die heutige Menschheit den größten Einfluß hat, das sind die Impulse des Marsdaseins. Und wir können diese Marseinflüsse kennenlernen, schon wenn wir, nachdem wir die Mittagshöhe des Daseins zwischen Tod und neuer Geburt überschritten haben, uns wiederum dem Erdendasein nähern. Aber die Sache ist ja nicht so, daß das Sonnendasein mit seinen Wirkungen nun für den Menschen aufhört, wenn der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in das Marsdasein eintritt. Die Sonne dehnt die Sphäre ihrer Wirksamkeit auch über die folgenden planetarischen Zustände hinüber aus. Das bleibt, aber eine Bedeutung gewinnt für das, was auf der Erde nun vorgeht, das Marsdasein.

[ 26 ] Ich werde den Durchgang des Menschen durch das Marsdasein weiter schildern, aber ich möchte jetzt fortschreiten von dem, was wir so von der geistigen Welt kennenlernen, zu dem, was da gerade in unserem fünften nachatlantischen Zeitalter wirkt.

[ 27 ] Man lernt erkennen, was ein Weltenkampf ist. Man spürt es. Die meisten Menschen können es sich nicht enträtseln, aber im Weltendasein wirkt ein Weltenkampf zwischen allerlei guten und allerlei bösen Geistern. Und was wir als das Sonnendasein bezeichnet haben, gewinnt für dieses Zeitalter eine besondere Bedeutung. Es ist ja heute so schwer, mit geistigen Einsichten aufzukommen gegen das, was äußere materialistische Wissenschaft ist. Die Leute sind so stolz darauf, daß sie physikalisch die Sonne erforscht haben. Sie beschreiben in ihren wissenschaftlichen Handbüchern das Sonnendasein, aber diese Beschreibungen sind nicht dazu angetan, daß man eine richtige Vorstellung bekommt von dem, was die Sonne ist, sondern daß man von den richtigen Vorstellungen abgelenkt wird. Wie wirkt denn heute ganz besonders die Sonne mit Bezug auf das Erdendasein? — Nun will ich nur eine dieser Wirkungsweisen Ihnen andeuten. Ich komme damit scheinbar jetzt in sehr materielle Bereiche hinein, die sich sonderbar ausnehmen innerhalb des Spirituell-Geistigen, das ich geschildert habe, aber diese Dinge werden uns wichtig sein im weiteren Fortgang der Betrachtungen, denen wir uns dann widmen wollen.

[ 28 ] Es ist Ihnen ja bekannt die Erscheinung der Sonnenflecken, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit auf der Sonne auftreten. Die Sonne bekommt dunkle Flecken. Es wird in der äußeren materiellen Wissenschaft viel gestritten über diese Sonnenflecken und was sie für eine Bedeutung haben. Wenn man aber genauer verfolgen würde, was die Bedeutung dieser Sonnenflecken ist, so würde man finden: Da wird vom Inneren der Sonne fortwährend die Anregung gegeben, daß Sonnensubstanz durch diese dunklen Tore ausgeworfen wird ins Weltenall. Und was so von der Sonne als Sonnensubstanz in den Kosmos hinausgeworfen wird, das erscheint dann innerhalb unseres Sonnensystems als Kometen und Meteore, auch als die bekannten Sternschnuppen. Diejenigen Wesenheiten, die innerhalb der Sonne die Welt verwalten, sie werfen, insbesondere in unserem Zeitalter, diese Dinge in unser Zeitalter hinein. Sie haben es schon früher getan, die Dinge sind nicht erst heute aufgetreten, aber sie bekommen nun eine andere Bedeutung, als sie früher gehabt haben. Deshalb sagte ich: In den früheren Zeitaltern haben vorzugsweise die geistigen Impulse gewirkt, die im Sternensystem da sind. Nun beginnen diese Impulse, die da im ausgeworfenen Eisen liegen, eine besondere Bedeutung zu haben für den Menschen. Diese Impulse sind es, die nun ein besonderer Geist, der hier wieder seine besondere Bedeutung gewinnt und den wir den Michael-Geist nennen, im Kosmos anwendet — im Dienste des Geistigen im Kosmos. So daß für unser Zeitalter dasjenige im Kosmos eingetreten ist, was in den früheren Zeitaltern nicht in demselben Grade vorhanden war: daß das kosmische Eisen in seiner geistigen Bedeutung dem Michael-Geist die Möglichkeit gibt, zu vermitteln zwischen dem Übersinnlichen und dem Sinnlichen der Erde. Und so haben wir auf der einen Seite eine Art kriegerischen Geistes in der Welt, die man betritt, wenn man in unserem Zeitalter hinter das sinnliche Dasein kommt. Wenn in unserem Zeitalter der Mensch zum übersinnlichen Schauen kommt, wenn er die Schwelle übertritt und nun nicht den Blick auf die Dinge richtet, die ihn zunächst menschlich-persönlich angehen, sondern auf die Dinge, welche die großen Weltangelegenheiten sind und unserer ganzen Zivilisation zugrunde liegen, dann dringt sein Blick in diese Welt hinein, und er erschaut dort Kampf, Streit, geistigen Kampf. Es streitet, es kriegt hinter den Kulissen des Daseins im Geistigen. Und das, was bis zur physischen Deutlichkeit von den Sonnengeistern als Eisen hineingeworfen wird in den Kosmos, das wird dann im umfassendsten Sinne kosmische Rüstung des Michael, der nun seine Aufgabe in diesem kosmischen Kampfe hat, um gegenüber diesen Mächten des Kampfes und Krieges hinter den Kulissen der Zivilisation der Menschheit im rechten Sinne vorwärtszuhelfen. So daß einem auf der einen Seite entgegentritt Streit und Kampf, auf der anderen Seite die Bemühungen des Michael.

[ 29 ] Das alles hängt aber wieder zusammen mit der Entwickelung der menschlichen Freiheit. Denn sehen Sie, wir haben als Erdenmenschen Eisen in unserem Blut. Wären wir Wesen, die kein Eisen in ihrem Blute hätten, so könnte in unseren Seelen ganz gut auch das Freiheitsgefühl, der Freiheitsimpuls auftauchen, aber wir hätten nie einen Körper, den wir benutzen könnten, um diesen Freiheitsimpuls zur Ausführung zu bringen. Daß wir die Freiheitsidee, den Freiheitsimpuls nicht nur fassen können, sondern daß wir in unserem Körper auch die Kraft fühlen, diesen Körper zu einem Träger des Freiheitsimpulses zu machen, das rührt davon her, daß wir in unserem Zeitalter lernen können, wie Michael das kosmische Eisen, das auch früher ausgeworfen worden ist, in seinen Dienst zu stellen vermag, und daß wir lernen können, wenn wir immer mehr und mehr den Michael-Impuls verstehen, das innere Eisen in uns in den Dienst des Freiheitsimpulses zu stellen. Das äußere Materielle bekommt immer erst dann einen Sinn, wenn wir es als Ausdruck des Geistigen in der Welt verstehen lernen. Und das Eisen in unserem Blute müssen wir in diesem Zeitalter in der richtigen Weise zu gebrauchen lernen, denn überall da, wo das Eisen auftritt, ist der Impuls gegeben aus dem Kosmos heraus, aus dem Menschen heraus, daß sich die Freiheit entwickele. Aus einem tiefen Instinkt heraus haben daher die alten Initiierten dem Mars das Eisen zugeschrieben, das mit seiner Wichtigkeit im Blut zugleich die Wichtigkeit im Kosmos bekommt.

[ 30 ] Man kann heute durch die wiedergewonnene Geisteswissenschaft diese Dinge einsehen. Das ist nicht ein Erneuern alter Traditionen, sondern ein Wiederfinden der Dinge aus der Geisteswissenschaft selber heraus. Und durch ein Zusammenstimmen mit den alten Zeiten wird mit der Anthroposophie nicht etwas Altes nur historisch erneuert, sondern es werden die Dinge aus ihrem Wesen heraus gesucht. Dann bekommen sie wieder ihre Bedeutung, wenn man sieht, wie die Menschen das schon einmal gewußt haben unter dem Einfluß der uralten göttlichen Weisheit, die jene Wesen besessen haben, die dann ihren Auszug in den Mond bewirkt haben, und die heute die kosmische Kolonie des Mondes bevölkern. Und so hängt auch unser Zeitalter eben zusammen mit dem, was der Mensch durchlebt zwischen Tod und neuer Geburt. Daher ist die Empfindung von dem, was auf der Erde ist, am stärksten während des Durchganges durch die Sonnensphäre, aber sie ist eigentlich mehr oder weniger immer vorhanden. Immerdar schaut der Mensch auch von seinem überirdischen Bereich, den er durchmacht im Dasein zwischen Tod und neuer Geburt, auf das Irdische herab. Denn würde er nicht auf das Irdische herabschauen, so würde es ihm fremd werden während seines Durchganges durch die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt, der ja immerhin lange währt.

[ 31 ] So kann man in der verschiedensten Weise schildern, was der Mensch in der übersinnlichen Welt durchlebt. Im vorigen Vortrag habe ich es Ihnen in einer anderen Weise geschildert, jetzt schildere ich es Ihnen im Zusammenhange mit der Sternenwelt, schildere es auch im Zusammenhange mit dem, was in den aufeinanderfolgenden Zeitaltern auf der Erde vorgeht. Alle diese Dinge müssen nach und nach zusammengefaßt werden. Es darf nicht jemand kommen und sagen: Ja, er hat uns ja den Durchgang des Menschen durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt das eine Mal so, das andere Mal so geschildert! — Wenn jemand in eine Stadt reist, einmal, ein zweites Mal und so weiter, so beschreibt er auch, je nachdem er die Stadt kennenlernt, die Dinge verschieden. Man muß dann die Einzelheiten zusammenfassen. So handelt es sich auch darum, daß die verschiedenen Schilderungen der Erlebnisse des Menschen in der übersinnlichen Welt eben zusammengefaßt, zusammengeschaut, zusammengedacht werden. Dann erst bekommt man einen Eindruck von dem, was die übersinnliche Welt ist, und was der Mensch in dieser übersinnlichen Welt erlebt.

[ 32 ] So weit wollte ich die Sache jetzt schildern. Ich werde dann im zweiten heutigen Vortrag daran anknüpfen und darstellen, was der Mensch weiter durchlebt, wenn er durchgeht durch das Dasein zwischen Tod und neuer Geburt.