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Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a

11 January 1924, Dornach

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Vierter Vortrag

Vierter Vortrag

[ 1 ] Es obliegt mir, noch einiges Ergänzendes hinzuzufügen zu den Auseinandersetzungen, die ich in den letzten Zeiten hier gemacht habe. Ich habe versucht darzustellen, wie der Gang der geistigen Erkenntnis durch die Jahrhunderte war und welche Gestalt er dann gerade in den neuesten Zeiten angenommen hat, und ich konnte darstellen, wie etwa vom 15. Jahrhundert ab bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, ja bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, der Verlauf der war, daß dasjenige, was früher in einer konkreten, wenn auch instinktiven Erkenntnis da war, sich eigentlich in dieser Zeit mehr ausgelebt hat in einem gefühlsmäßigen Hingegebensein an das Geistige der Welt überhaupt.

[ 1 ] Es obliegt mir, noch einiges Ergänzendes hinzuzufügen zu den Auseinandersetzungen, die ich in den letzten Zeiten hier gemacht habe. Ich habe versucht darzustellen, wie der Gang der geistigen Erkenntnis durch die Jahrhunderte war und welche Gestalt er dann gerade in den neuesten Zeiten angenommen hat, und ich konnte darstellen, wie etwa vom 15. Jahrhundert ab bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, ja bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, der Verlauf der war, daß dasjenige, was früher in einer konkreten, wenn auch instinktiven Erkenntnis da war, sich eigentlich in dieser Zeit mehr ausgelebt hat in einem gefühlsmäßigen Hingegebensein an das Geistige der Welt überhaupt.

[ 2 ] Wir sehen ja, wie die realen Erkenntnisse der Menschen in bezug auf die Natur, in bezug auf das Wirken der geistigen Welt in der Natur im 11., 12., 13. Jahrhundert durchaus noch da sind. Wir können es selbst bei einer solchen Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim, den ich ja dargestellt habe in meinem Buche über die Mystik, sehen, wie er durchaus noch eine Erkenntnis davon hat, daß zum Beispiel in den Planeten unseres Planetensystems in ganz bestimmter Weise geartete geistige Wesenheiten vorhanden sind. Agrippa von Nettesheim führt in seinen Schriften für jeden einzelnen Planeten dasjenige an, was er die Intelligenz des Planeten nennt, und dann dasjenige, was er den Dämon des Planeten nennt. Das weist hin auf Traditionen, die aus alten Zeiten damals noch durchaus vorhanden waren, die aber eben auch in dieser Zeit nicht bloße Traditionen waren. Das Hinaufschauen zu einem Planeten in dem Sinne, wie es die spätere Astronomie getan hat und noch heute tut, das wäre einem solchen Geiste wie Agrippa von Nettesheim noch ganz und gar unmöglich gewesen. Der äußere Planet, überhaupt der äußere Stern war nur etwas wie eine Ankündigung für geistige Wesenheiten, auf die der Seelenblick fiel, wenn man in der Richtung des Sternes sah. Und er wußte, daß die Wesenheiten, die mit den einzelnen Gestirnen verbunden sind, solche sind, welche das innere Dasein des Planeten regeln, aber auch die Bewegungen des Planeten im Weltenall regeln, welche die ganze Tätigkeit eines Gestirnes regeln und so weiter. Und solche Wesenheiten faßte er zusammen unter dem Namen Intelligenz des Gestirnes.

[ 2 ] Wir sehen ja, wie die realen Erkenntnisse der Menschen in bezug auf die Natur, in bezug auf das Wirken der geistigen Welt in der Natur im 11., 12., 13. Jahrhundert durchaus noch da sind. Wir können es selbst bei einer solchen Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim, den ich ja dargestellt habe in meinem Buche über die Mystik, sehen, wie er durchaus noch eine Erkenntnis davon hat, daß zum Beispiel in den Planeten unseres Planetensystems in ganz bestimmter Weise geartete geistige Wesenheiten vorhanden sind. Agrippa von Nettesheim führt in seinen Schriften für jeden einzelnen Planeten dasjenige an, was er die Intelligenz des Planeten nennt, und dann dasjenige, was er den Dämon des Planeten nennt. Das weist hin auf Traditionen, die aus alten Zeiten damals noch durchaus vorhanden waren, die aber eben auch in dieser Zeit nicht bloße Traditionen waren. Das Hinaufschauen zu einem Planeten in dem Sinne, wie es die spätere Astronomie getan hat und noch heute tut, das wäre einem solchen Geiste wie Agrippa von Nettesheim noch ganz und gar unmöglich gewesen. Der äußere Planet, überhaupt der äußere Stern war nur etwas wie eine Ankündigung für geistige Wesenheiten, auf die der Seelenblick fiel, wenn man in der Richtung des Sternes sah. Und er wußte, daß die Wesenheiten, die mit den einzelnen Gestirnen verbunden sind, solche sind, welche das innere Dasein des Planeten regeln, aber auch die Bewegungen des Planeten im Weltenall regeln, welche die ganze Tätigkeit eines Gestirnes regeln und so weiter. Und solche Wesenheiten faßte er zusammen unter dem Namen Intelligenz des Gestirnes.

[ 3 ] Aber er wußte auch, wie aus dem Gestirn heraus und in dasselbe hineinwirken hemmende, man möchte sagen, die guten Taten des Gestirnes untergrabende Wesenheiten. Die faßte er zusammen unter dem Namen des Dämons des Gestirnes. Solch eine Erkenntnis war aber durchaus in der damaligen Zeit damit verbunden, daß auch die Erde als ein solcher Weltenkörper aufgefaßt worden ist, der seine Intelligenz und der seinen Dämon hat. Aber gerade das Wesentliche, das mit dieser Auffassung von der Gestirn-Intelligenz und von der Gestirn-Dämonologie verbunden war, ging ja ganz und gar verloren, denn es drückte sich dieses Wesentliche gerade in dem Folgenden aus.

[ 3 ] Aber er wußte auch, wie aus dem Gestirn heraus und in dasselbe hineinwirken hemmende, man möchte sagen, die guten Taten des Gestirnes untergrabende Wesenheiten. Die faßte er zusammen unter dem Namen des Dämons des Gestirnes. Solch eine Erkenntnis war aber durchaus in der damaligen Zeit damit verbunden, daß auch die Erde als ein solcher Weltenkörper aufgefaßt worden ist, der seine Intelligenz und der seinen Dämon hat. Aber gerade das Wesentliche, das mit dieser Auffassung von der Gestirn-Intelligenz und von der Gestirn-Dämonologie verbunden war, ging ja ganz und gar verloren, denn es drückte sich dieses Wesentliche gerade in dem Folgenden aus.

[ 4 ] Die Erde betrachtete man natürlich auch als in ihrer inneren Tätigkeit, in ihrer Bewegung im Kosmos geregelt durch eine Summe von Intelligenzen, die man zusammenfassen konnte unter der Intelligenz des Erdengestirns. Aber was war für diese Persönlichkeiten noch die Intelligenz des Erdengestirns? Es ist heute ja außerordentlich schwer, überhaupt von diesen Dingen noch zu reden, weil die Vorstellungen der Menschen so weit weggegangen sind von dem, was in der damaligen Zeit wie etwas Selbstverständliches galt für die einsichtigen Menschen. Die Intelligenz des Erdengestirns war der Mensch als solcher. Man sah den Menschen an als dasjenige Wesen, welches von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, nicht etwa bloß, wie der heutige Mensch meint, auf der Erde herumzugehen oder mit der Eisenbahn herumzufahren, Waren einzukaufen und zu verkaufen, Bücher zu schreiben und dergleichen, sondern man faßte den Menschen so auf, daß er von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, in alles das, was sich bezieht auf die Stellung der Erde im Kosmos, regelnd, ordnend, gesetzmäßig einzugreifen. Den Menschen faßte man so auf, daß man sagte: Er gibt der Erde durch dasjenige, was er ist, durch die Kräfte, die er innerhalb seines Wesens birgt, den Impuls zu ihrer Bewegung um die Sonne, zu ihrer Bewegung weiter im Weltenraume.

[ 4 ] Die Erde betrachtete man natürlich auch als in ihrer inneren Tätigkeit, in ihrer Bewegung im Kosmos geregelt durch eine Summe von Intelligenzen, die man zusammenfassen konnte unter der Intelligenz des Erdengestirns. Aber was war für diese Persönlichkeiten noch die Intelligenz des Erdengestirns? Es ist heute ja außerordentlich schwer, überhaupt von diesen Dingen noch zu reden, weil die Vorstellungen der Menschen so weit weggegangen sind von dem, was in der damaligen Zeit wie etwas Selbstverständliches galt für die einsichtigen Menschen. Die Intelligenz des Erdengestirns war der Mensch als solcher. Man sah den Menschen an als dasjenige Wesen, welches von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, nicht etwa bloß, wie der heutige Mensch meint, auf der Erde herumzugehen oder mit der Eisenbahn herumzufahren, Waren einzukaufen und zu verkaufen, Bücher zu schreiben und dergleichen, sondern man faßte den Menschen so auf, daß er von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, in alles das, was sich bezieht auf die Stellung der Erde im Kosmos, regelnd, ordnend, gesetzmäßig einzugreifen. Den Menschen faßte man so auf, daß man sagte: Er gibt der Erde durch dasjenige, was er ist, durch die Kräfte, die er innerhalb seines Wesens birgt, den Impuls zu ihrer Bewegung um die Sonne, zu ihrer Bewegung weiter im Weltenraume.

[ 5 ] Man hatte damals noch ein Gefühl dafür, daß das dem Menschen einstmals zugeteilt war, daß der Mensch wirklich zu dem Herrn der Erde von der Weltengeistigkeit gemacht war, daß er aber dieser Aufgabe sich nicht gewachsen gezeigt hat im Verlaufe seiner Entwickelung, daß er von seiner Höhe heruntergestürzt sei. Man trifft heute nur noch sehr selten die Nachklänge dieser Ansicht da, wo von Erkenntnis die Rede ist. Alles, was in religiöser Auffassung von dem Sündenfall gedacht wird, geht ja schließlich auch auf diese Vorstellung zurück. Das handelt ja davon, daß der Mensch ursprünglich eine ganz andere Stellung auf der Erde und im Weltenall hatte, als er sie heute einnimmt, daß er von seiner Höhe herabgestürzt sei. Aber außer dieser religiösen Auffassung, da, wo man glaubt, Erkenntnisse, die methodisch erworben werden, zu haben, da gibt es heute eigentlich nur noch Nachklänge an jene alte, aus instinktivem Hellsehen hervorgegangene Erkenntnis von der einstigen Aufgabe des Menschen und von seinem Herunterstürzen in seine heutige Eingeschlossenheit in so enge Grenzen.

[ 5 ] Man hatte damals noch ein Gefühl dafür, daß das dem Menschen einstmals zugeteilt war, daß der Mensch wirklich zu dem Herrn der Erde von der Weltengeistigkeit gemacht war, daß er aber dieser Aufgabe sich nicht gewachsen gezeigt hat im Verlaufe seiner Entwickelung, daß er von seiner Höhe heruntergestürzt sei. Man trifft heute nur noch sehr selten die Nachklänge dieser Ansicht da, wo von Erkenntnis die Rede ist. Alles, was in religiöser Auffassung von dem Sündenfall gedacht wird, geht ja schließlich auch auf diese Vorstellung zurück. Das handelt ja davon, daß der Mensch ursprünglich eine ganz andere Stellung auf der Erde und im Weltenall hatte, als er sie heute einnimmt, daß er von seiner Höhe herabgestürzt sei. Aber außer dieser religiösen Auffassung, da, wo man glaubt, Erkenntnisse, die methodisch erworben werden, zu haben, da gibt es heute eigentlich nur noch Nachklänge an jene alte, aus instinktivem Hellsehen hervorgegangene Erkenntnis von der einstigen Aufgabe des Menschen und von seinem Herunterstürzen in seine heutige Eingeschlossenheit in so enge Grenzen.

[ 6 ] Es kommt zum Beispiel heute noch vor, daß man diese oder jene Persönlichkeit einmal zum Sprechen bekommt, sagen wir — ich erzähle Tatsachen —, man kommt in ein Gespräch mit dieser oder jener Persönlichkeit, die tiefer nachgedacht, nachgesonnen hat, auch sich tiefere Erkenntnisse erworben hat über das oder jenes auf geistigem Felde; man kommt ins Gespräch, ob denn der Mensch heute, so wie er auf der Erde steht, eigentlich ein in sich geschlossenes, sein Wesen in sich tragendes Geschöpf sei. Und da sagen einem dann solche Persönlichkeiten: Das kann er nicht sein. Der Mensch müsse eigentlich — sonst könne er nicht das Streben in sich haben, das er nun einmal hat, sonst könne er in seinen höchsten Exemplaren nicht den großen Idealismus entfalten, den er oftmals entfaltet-, der Mensch müsse eigentlich seiner Natur nach ein umfassendes Wesen sein, das aber irgendwie eine kosmische Sünde auf sich geladen hat, durch die er beschränkt worden ist in das heutige irdische Dasein herein, so daß er heute eigentlich wie in einem Käfig sitzt.

[ 6 ] Es kommt zum Beispiel heute noch vor, daß man diese oder jene Persönlichkeit einmal zum Sprechen bekommt, sagen wir — ich erzähle Tatsachen —, man kommt in ein Gespräch mit dieser oder jener Persönlichkeit, die tiefer nachgedacht, nachgesonnen hat, auch sich tiefere Erkenntnisse erworben hat über das oder jenes auf geistigem Felde; man kommt ins Gespräch, ob denn der Mensch heute, so wie er auf der Erde steht, eigentlich ein in sich geschlossenes, sein Wesen in sich tragendes Geschöpf sei. Und da sagen einem dann solche Persönlichkeiten: Das kann er nicht sein. Der Mensch müsse eigentlich — sonst könne er nicht das Streben in sich haben, das er nun einmal hat, sonst könne er in seinen höchsten Exemplaren nicht den großen Idealismus entfalten, den er oftmals entfaltet-, der Mensch müsse eigentlich seiner Natur nach ein umfassendes Wesen sein, das aber irgendwie eine kosmische Sünde auf sich geladen hat, durch die er beschränkt worden ist in das heutige irdische Dasein herein, so daß er heute eigentlich wie in einem Käfig sitzt.

[ 7 ] Gewiß, diese Anschauung trifft man noch da oder dort als Nachzügler jener alten Anschauung. Aber im ganzen und großen, wo ist es denn, daß sich diejenigen, die sich heute für Wissenschafter halten, überhaupt im Ernste mit diesen umfassenden Fragen beschäftigen, die aber doch schließlich das einzige sind, was den Menschen wirklich zu einem menschenwürdigen Dasein bringen kann?

[ 7 ] Gewiß, diese Anschauung trifft man noch da oder dort als Nachzügler jener alten Anschauung. Aber im ganzen und großen, wo ist es denn, daß sich diejenigen, die sich heute für Wissenschafter halten, überhaupt im Ernste mit diesen umfassenden Fragen beschäftigen, die aber doch schließlich das einzige sind, was den Menschen wirklich zu einem menschenwürdigen Dasein bringen kann?

[ 8 ] Und so war es schon so, daß der Mensch einst als der Träger der Intelligenz der Erde angesehen wurde. Aber auch der Erde schrieb eine solche Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim einen Dämon zu. Nun, dieser Dämon des Irdischen, er ist eigentlich, wenn wir in das 12., 13. Jahrhundert noch zurückgehen, ein Wesen, das so, wie es geworden ist, auf der Erde hat nur werden können, weil es eben in den Menschen die Werkzeuge gefunden hat zu seinem Wirken.

[ 8 ] Und so war es schon so, daß der Mensch einst als der Träger der Intelligenz der Erde angesehen wurde. Aber auch der Erde schrieb eine solche Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim einen Dämon zu. Nun, dieser Dämon des Irdischen, er ist eigentlich, wenn wir in das 12., 13. Jahrhundert noch zurückgehen, ein Wesen, das so, wie es geworden ist, auf der Erde hat nur werden können, weil es eben in den Menschen die Werkzeuge gefunden hat zu seinem Wirken.

[ 9 ] Wenn man dies verstehen will, muß man sich eigentlich mit der Art und Weise bekanntmachen, wie in jener Zeit über das Verhältnis der Erde zur Sonne beziehungsweise des irdischen Menschen zur Sonne gedacht wurde. Und wenn ich Ihnen die Anschauung über dieses Verhältnis charakterisieren soll, so muß ich im Grunde wiederum in Imaginationen reden, denn diese Dinge lassen sich nicht in abstrakte Begriffe bannen. Das eigentliche Zeitalter der abstrakten Begriffe hat ja erst später begonnen, und die abstrakten Begriffe sind weit davon entfernt, die Wirklichkeit zu umspannen, und so muß schon in Imaginationen dargestellt werden.

[ 9 ] Wenn man dies verstehen will, muß man sich eigentlich mit der Art und Weise bekanntmachen, wie in jener Zeit über das Verhältnis der Erde zur Sonne beziehungsweise des irdischen Menschen zur Sonne gedacht wurde. Und wenn ich Ihnen die Anschauung über dieses Verhältnis charakterisieren soll, so muß ich im Grunde wiederum in Imaginationen reden, denn diese Dinge lassen sich nicht in abstrakte Begriffe bannen. Das eigentliche Zeitalter der abstrakten Begriffe hat ja erst später begonnen, und die abstrakten Begriffe sind weit davon entfernt, die Wirklichkeit zu umspannen, und so muß schon in Imaginationen dargestellt werden.

[ 10 ] Die Sonne, sie ist eigentlich — nachdem sie sich in der Art, wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, von der Erde getrennt hat oder die Erde von sich abgetrennt hat —, sie ist eigentlich doch, da der Mensch seit dem Saturndasein mit dem gesamten Planetensystem einschließlich der Sonne verbunden war, die Ursprungsstätte des Menschen. Der Mensch hat nicht seine Heimat auf der Erde, sondern der Mensch hat einen vorübergehenden Aufenthalt auf der Erde. Er ist in Wirklichkeit nach jener alten Anschauung ein Sonnenwesen. Er ist in seinem ganzen Sein mit der Sonne verbunden. Da er dieses ist, sollte er eigentlich als Sonnenwesen anders auf der Erde dastehen, als wie er ist. Er sollte so auf der Erde dastehen, daß die Erde ihrem Drange genügen könnte, aus dem mineralischen und dem pflanzlichen Reiche heraus den Samen des Menschen in ätherischer Form hervorzubringen, und der Sonnenstrahl sollte dann diesen von der Erde hervorgebrachten Samen befruchten. Und daraus sollte die ätherische Menschengestalt erscheinen, die erst durch dasjenige, was sie als eigenes, von sich selbst aus begründetes Verhältnis zu den physischen Erdenstoffen macht, die physische Erdenstofflichkeit annehmen sollte. Also es war etwa von den Zeitgenossen des Agrippa von Nettesheim — Agrippa hatte leider schon etwas von Trübung in seiner Erkenntnis —, aber von seinen besseren Zeitgenossen war eigentlich gedacht worden, daß der Mensch nicht so, wie es nun einmal ist auf der Erde, irdisch geboren werden sollte, sondern daß der Mensch in seinem ätherischen Leibe durch das Zusammenwirken von Sonne und Erde zustande kommen sollte und sich seine irdische Gestalt, wandelnd als ätherische Wesenheit auf der Erde, erst geben sollte. Gewissermaßen in pflanzlicher Reinheit sollten erwachsen auf der Erde die Menschensamen, ätherisch da und dort auftretend als dunkel funkelnde Erdenfrüchte, dann überglänzt werden von dem Lichte der Sonne in bestimmter Jahreszeit, und durch jenes Überglänzen ätherisch Gestalt annehmend in menschlicher Art. Denn nicht aus dem Leibe der Mutter, sondern aus der Erde und dem, was auf ihr ist, sollte der Mensch selber heranziehen dasjenige, was er an physischer Substanz aus dem Erdenbereiche sich einverleiben sollte. So dachte man, wäre es eigentlich im Sinne der Weltengeistigkeit gewesen, daß der Mensch die Erde betritt.

[ 10 ] Die Sonne, sie ist eigentlich — nachdem sie sich in der Art, wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, von der Erde getrennt hat oder die Erde von sich abgetrennt hat —, sie ist eigentlich doch, da der Mensch seit dem Saturndasein mit dem gesamten Planetensystem einschließlich der Sonne verbunden war, die Ursprungsstätte des Menschen. Der Mensch hat nicht seine Heimat auf der Erde, sondern der Mensch hat einen vorübergehenden Aufenthalt auf der Erde. Er ist in Wirklichkeit nach jener alten Anschauung ein Sonnenwesen. Er ist in seinem ganzen Sein mit der Sonne verbunden. Da er dieses ist, sollte er eigentlich als Sonnenwesen anders auf der Erde dastehen, als wie er ist. Er sollte so auf der Erde dastehen, daß die Erde ihrem Drange genügen könnte, aus dem mineralischen und dem pflanzlichen Reiche heraus den Samen des Menschen in ätherischer Form hervorzubringen, und der Sonnenstrahl sollte dann diesen von der Erde hervorgebrachten Samen befruchten. Und daraus sollte die ätherische Menschengestalt erscheinen, die erst durch dasjenige, was sie als eigenes, von sich selbst aus begründetes Verhältnis zu den physischen Erdenstoffen macht, die physische Erdenstofflichkeit annehmen sollte. Also es war etwa von den Zeitgenossen des Agrippa von Nettesheim — Agrippa hatte leider schon etwas von Trübung in seiner Erkenntnis —, aber von seinen besseren Zeitgenossen war eigentlich gedacht worden, daß der Mensch nicht so, wie es nun einmal ist auf der Erde, irdisch geboren werden sollte, sondern daß der Mensch in seinem ätherischen Leibe durch das Zusammenwirken von Sonne und Erde zustande kommen sollte und sich seine irdische Gestalt, wandelnd als ätherische Wesenheit auf der Erde, erst geben sollte. Gewissermaßen in pflanzlicher Reinheit sollten erwachsen auf der Erde die Menschensamen, ätherisch da und dort auftretend als dunkel funkelnde Erdenfrüchte, dann überglänzt werden von dem Lichte der Sonne in bestimmter Jahreszeit, und durch jenes Überglänzen ätherisch Gestalt annehmend in menschlicher Art. Denn nicht aus dem Leibe der Mutter, sondern aus der Erde und dem, was auf ihr ist, sollte der Mensch selber heranziehen dasjenige, was er an physischer Substanz aus dem Erdenbereiche sich einverleiben sollte. So dachte man, wäre es eigentlich im Sinne der Weltengeistigkeit gewesen, daß der Mensch die Erde betritt.

[ 11 ] Und dasjenige, was später gekommen ist, ist dadurchgekommen, daß der Mensch einen zu tiefen Drang, eine zu intensive Begierde in sich hat erwachen lassen zu dem Irdisch-Stofflichen. Dadurch ist er verlustig geworden seines Zusammenhanges mit Sonne und Kosmos, und er konnte auf der Erde nur in Form der Vererbungsströmung sein Dasein finden. Dadurch aber hat gewissermaßen der Dämon der Erde seine Arbeit begonnen, denn mit Menschen, die sonnengeboren wären, hätte sich der Dämon des Irdischen nicht beschäftigen können. Dann aber, wenn der Mensch also die Erde betreten hätte, dann wäre er wirklich die vierte Hierarchie. Da würde stets, wenn über den Menschen geredet würde, so geredet werden müssen, daß man sagte: Erste Hierarchie — Seraphim, Cherubim, Throne; dann zweite Hierarchie — Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; dritte Hierarchie — Angeloi, Archangeloi, Archai; vierte Hierarchie — der Mensch, in drei Abstufungen des Menschlichen, aber eben eine vierte Hierarchie. Dadurch aber, daß der Mensch nach dem Physischen hin seinen starken Drang geltend gemacht hat, dadurch wurde er nicht das Wesen auf der untersten Sprosse der Hierarchien, sondern das Wesen an der Spitze, auf der höchsten Sprosse der irdischen Naturreiche: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, Menschenreich. So hat man die Stellung des Menschen damals angesehen.

[ 11 ] Und dasjenige, was später gekommen ist, ist dadurchgekommen, daß der Mensch einen zu tiefen Drang, eine zu intensive Begierde in sich hat erwachen lassen zu dem Irdisch-Stofflichen. Dadurch ist er verlustig geworden seines Zusammenhanges mit Sonne und Kosmos, und er konnte auf der Erde nur in Form der Vererbungsströmung sein Dasein finden. Dadurch aber hat gewissermaßen der Dämon der Erde seine Arbeit begonnen, denn mit Menschen, die sonnengeboren wären, hätte sich der Dämon des Irdischen nicht beschäftigen können. Dann aber, wenn der Mensch also die Erde betreten hätte, dann wäre er wirklich die vierte Hierarchie. Da würde stets, wenn über den Menschen geredet würde, so geredet werden müssen, daß man sagte: Erste Hierarchie — Seraphim, Cherubim, Throne; dann zweite Hierarchie — Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; dritte Hierarchie — Angeloi, Archangeloi, Archai; vierte Hierarchie — der Mensch, in drei Abstufungen des Menschlichen, aber eben eine vierte Hierarchie. Dadurch aber, daß der Mensch nach dem Physischen hin seinen starken Drang geltend gemacht hat, dadurch wurde er nicht das Wesen auf der untersten Sprosse der Hierarchien, sondern das Wesen an der Spitze, auf der höchsten Sprosse der irdischen Naturreiche: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, Menschenreich. So hat man die Stellung des Menschen damals angesehen.

[ 12 ] Dadurch aber, daß der Mensch seine Aufgabe auf der Erde nicht gefunden hat, dadurch hat die Erde auch nicht ihre würdige Stellung im Kosmos. Denn es ist ja eigentlich dadurch, daß der Mensch gefallen ist, der eigentliche Regent der Erde nicht da. Was ist nun gekommen? Der eigentliche Regent der Erde fehlt, und notwendig wurde, daß die Erde in ihrer Stellung im Kosmos nicht von sich aus regiert wurde, sondern regiert wurde von der Sonne aus, so daß der Sonne die Aufgaben zugefallen sind, die eigentlich auf Erden verrichtet werden sollen. Also es sah der mittelalterliche Mensch zur Sonne hinauf und sagte: In der Sonne sind gewisse Intelligenzen. Sie bestimmen die Bewegung der Erde im Kosmos, sie regeln, was auf der Erde selber geschieht. Der Mensch sollte es tun. Die Sonnenkräfte sollten auf der Erde durch den Menschen für das Dasein der Erde wirken. — Dadurch entstand jene bedeutsame Vorstellung des mittelalterlichen Menschen, die eingeschlossen ist in die Worte: Die Sonne, der unrechtmäßige Fürst dieser Welt.

[ 12 ] Dadurch aber, daß der Mensch seine Aufgabe auf der Erde nicht gefunden hat, dadurch hat die Erde auch nicht ihre würdige Stellung im Kosmos. Denn es ist ja eigentlich dadurch, daß der Mensch gefallen ist, der eigentliche Regent der Erde nicht da. Was ist nun gekommen? Der eigentliche Regent der Erde fehlt, und notwendig wurde, daß die Erde in ihrer Stellung im Kosmos nicht von sich aus regiert wurde, sondern regiert wurde von der Sonne aus, so daß der Sonne die Aufgaben zugefallen sind, die eigentlich auf Erden verrichtet werden sollen. Also es sah der mittelalterliche Mensch zur Sonne hinauf und sagte: In der Sonne sind gewisse Intelligenzen. Sie bestimmen die Bewegung der Erde im Kosmos, sie regeln, was auf der Erde selber geschieht. Der Mensch sollte es tun. Die Sonnenkräfte sollten auf der Erde durch den Menschen für das Dasein der Erde wirken. — Dadurch entstand jene bedeutsame Vorstellung des mittelalterlichen Menschen, die eingeschlossen ist in die Worte: Die Sonne, der unrechtmäßige Fürst dieser Welt.

[ 13 ] Und jetzt bedenken Sie, meine lieben Freunde, wie unendlich vertieft für diesen mittelalterlichen Menschen gerade durch solche Vorstellungen der Christus-Impuls wurde. Der Christus wurde zu dem Geiste, der auf der Sonne seine weitere Aufgabe nicht finden wollte, der nicht bleiben wollte unter denjenigen, die von außen her unrechtmäßig die Erde dirigieren. Er wollte seinen Weg von der Sonne zur Erde finden, einziehen in Menschengeschick und Erdengeschick, wandeln durch die Erdenereignisse und durch die Erdenentwickelung in Menschengeschick und Erdengeschick. Damit war für den mittelalterlichen Menschen der Christus die einzige Wesenheit, die im Kosmos die Aufgabe des Menschen auf Erden gerettet hat. Und nun haben Sie den Zusammenhang. Denn nun können Sie wissen, warum in der Rosenkreuzerzeit dem Schüler immer wieder eingeschärft wurde: O Mensch, du bist ja nicht das, was du bist. Der Christus mußte kommen, um dir deine Aufgabe abzunehmen, um für dich deine Aufgabe zu verrichten.

[ 13 ] Und jetzt bedenken Sie, meine lieben Freunde, wie unendlich vertieft für diesen mittelalterlichen Menschen gerade durch solche Vorstellungen der Christus-Impuls wurde. Der Christus wurde zu dem Geiste, der auf der Sonne seine weitere Aufgabe nicht finden wollte, der nicht bleiben wollte unter denjenigen, die von außen her unrechtmäßig die Erde dirigieren. Er wollte seinen Weg von der Sonne zur Erde finden, einziehen in Menschengeschick und Erdengeschick, wandeln durch die Erdenereignisse und durch die Erdenentwickelung in Menschengeschick und Erdengeschick. Damit war für den mittelalterlichen Menschen der Christus die einzige Wesenheit, die im Kosmos die Aufgabe des Menschen auf Erden gerettet hat. Und nun haben Sie den Zusammenhang. Denn nun können Sie wissen, warum in der Rosenkreuzerzeit dem Schüler immer wieder eingeschärft wurde: O Mensch, du bist ja nicht das, was du bist. Der Christus mußte kommen, um dir deine Aufgabe abzunehmen, um für dich deine Aufgabe zu verrichten.

[ 14 ] Im Goetheschen «Faust» ist so manches auf eine Art, die Goethe selber nicht verstanden hat, herübergekommen aus tief mittelalterlichen Vorstellungen. Erinnern Sie sich an Fausts Beschwörung des Erdgeistes. Hat man diese mittelalterlichen Vorstellungen in sich, dann empfindet man recht tief, wie dieser Erdgeist, den Faust beschwört, davon redet, daß er im Tatensturm auf und ab wallt, Geburt und Grab, ein ewiges Weben, ein glühend Leben, daß er schafft am sausenden Webstuhl der Zeit und wirkt der Gottheit lebendiges Kleid. Denn wen beschwört Faust eigentlich? Goethe hat es ganz sicher, als er den «Faust» schrieb, nicht in voller Tiefe gewußt. Aber gehen wir vom Goetheschen Faust zum mittelalterlichen Faust zurück, belauschen wir diesen mittelalterlichen Faust, in dem rosenkreuzerische Weisheit lebte, dann lehrt uns dieses Lauschen, wie dieser mittelalterliche Faust auch eine Beschwörung vollführen wollte. Aber wen wollte er im Erdgeist beschwören? Er sprach gar nicht vom Erdgeist, er sprach vom Menschen. Das war der Drang des mittelalterlichen Menschen, Mensch zu sein, denn er empfand es tief, daß er als Erdenmensch eben nicht Mensch ist. Wie kann man die Menschheit wieder erringen? Die Art und Weise, wie Faust hinweggestoßen wird von dem Erdgeist, das ist die Nachbildung, wie der Mensch in seiner irdischen Gestalt von seiner eigenen Wesenheit zurückgestoßen wird. Und deshalb, weil das so aufgefaßt wurde, tragen manche im Mittelalter vorkommende — ja, wie soll man es nennen — Bekehrungsgeschichten zum Christentum einen außerordentlich tiefen Charakter, den Charakter, daß gewisse Menschen nach der verlorenen Menschlichkeit strebten, aber verzweifeln mußten, mit Recht verzweifeln mußten, innerhalb des irdisch-physischen Lebens diese echte Menschlichkeit in sich erleben zu können, und dann von diesem Gesichtspunkte aus einsahen: Also muß menschliches Streben zum Menschtum aufgegeben werden, und der irdische Mensch muß es dem Christus überlassen, die Aufgabe der Erde zu vollziehen.

[ 14 ] Im Goetheschen «Faust» ist so manches auf eine Art, die Goethe selber nicht verstanden hat, herübergekommen aus tief mittelalterlichen Vorstellungen. Erinnern Sie sich an Fausts Beschwörung des Erdgeistes. Hat man diese mittelalterlichen Vorstellungen in sich, dann empfindet man recht tief, wie dieser Erdgeist, den Faust beschwört, davon redet, daß er im Tatensturm auf und ab wallt, Geburt und Grab, ein ewiges Weben, ein glühend Leben, daß er schafft am sausenden Webstuhl der Zeit und wirkt der Gottheit lebendiges Kleid. Denn wen beschwört Faust eigentlich? Goethe hat es ganz sicher, als er den «Faust» schrieb, nicht in voller Tiefe gewußt. Aber gehen wir vom Goetheschen Faust zum mittelalterlichen Faust zurück, belauschen wir diesen mittelalterlichen Faust, in dem rosenkreuzerische Weisheit lebte, dann lehrt uns dieses Lauschen, wie dieser mittelalterliche Faust auch eine Beschwörung vollführen wollte. Aber wen wollte er im Erdgeist beschwören? Er sprach gar nicht vom Erdgeist, er sprach vom Menschen. Das war der Drang des mittelalterlichen Menschen, Mensch zu sein, denn er empfand es tief, daß er als Erdenmensch eben nicht Mensch ist. Wie kann man die Menschheit wieder erringen? Die Art und Weise, wie Faust hinweggestoßen wird von dem Erdgeist, das ist die Nachbildung, wie der Mensch in seiner irdischen Gestalt von seiner eigenen Wesenheit zurückgestoßen wird. Und deshalb, weil das so aufgefaßt wurde, tragen manche im Mittelalter vorkommende — ja, wie soll man es nennen — Bekehrungsgeschichten zum Christentum einen außerordentlich tiefen Charakter, den Charakter, daß gewisse Menschen nach der verlorenen Menschlichkeit strebten, aber verzweifeln mußten, mit Recht verzweifeln mußten, innerhalb des irdisch-physischen Lebens diese echte Menschlichkeit in sich erleben zu können, und dann von diesem Gesichtspunkte aus einsahen: Also muß menschliches Streben zum Menschtum aufgegeben werden, und der irdische Mensch muß es dem Christus überlassen, die Aufgabe der Erde zu vollziehen.

[ 15 ] In der Zeit, in der also noch, ich möchte sagen, in einer überpersönlich-persönlichen Art vom Menschen sowohl das Verhältnis zur Menschheit selber wie das Verhältnis zum Christus aufgefaßt wurde, in dieser Zeit war Geist-Erkenntnis, Geistesschau eben noch real. Da war sie noch Erlebnisinhalt. Das hörte mit dem 15. Jahrhundert fast ganz auf. Und da vollzog sich denn jener Umschwung, über den sich eigentlich niemand mehr aufklärte.

[ 15 ] In der Zeit, in der also noch, ich möchte sagen, in einer überpersönlich-persönlichen Art vom Menschen sowohl das Verhältnis zur Menschheit selber wie das Verhältnis zum Christus aufgefaßt wurde, in dieser Zeit war Geist-Erkenntnis, Geistesschau eben noch real. Da war sie noch Erlebnisinhalt. Das hörte mit dem 15. Jahrhundert fast ganz auf. Und da vollzog sich denn jener Umschwung, über den sich eigentlich niemand mehr aufklärte.

[ 16 ] Aber für den, der solche Dinge weiß, gibt es im 15., im 16. Jahrhundert, ja auch noch später, eine einsame, der Welt kaum bekannt gewordene Rosenkreuzerschule, wo immer wieder und wiederum wenige Zöglinge erzogen wurden und wo vor allen Dingen darauf gesehen wurde, daß eines als eine heilige Tradition bewahrt worden ist. Diese heilige Tradition war die folgende. Ich will Ihnen das Ganze in Form einer Erzählung geben.

[ 16 ] Aber für den, der solche Dinge weiß, gibt es im 15., im 16. Jahrhundert, ja auch noch später, eine einsame, der Welt kaum bekannt gewordene Rosenkreuzerschule, wo immer wieder und wiederum wenige Zöglinge erzogen wurden und wo vor allen Dingen darauf gesehen wurde, daß eines als eine heilige Tradition bewahrt worden ist. Diese heilige Tradition war die folgende. Ich will Ihnen das Ganze in Form einer Erzählung geben.

[ 17 ] Sagen wir, wiederum kam ein neuer Zögling zur Vorbereitung in diese einsame Stätte. Da wurde ihm zunächst in der wirklichen Gestalt, wie das von alten Zeiten überliefert war, das sogenannte Ptolemäische Weltensystem beigebracht, nicht so trivial, wie es heute als etwas Überwundenes vor die Leute hingestellt wird, sondern anders. Es wurde ihm gezeigt, wie die Erde die Kräfte tatsächlich in sich trägt, ihren Gang durch die Welt von sich aus zu bestimmen. So daß in der richtigen Weise das Weltensystem vorgestellt, es eben im alten Ptolemäischen Sinne gezeichnet werden muß: die Erde für den Menschen im Mittelpunkt des Weltenalls, die anderen Gestirne in einer entsprechenden Umkreisung durch die Erde dirigiert. Dann wurde dem Schüler gesagt: Wenn man dasjenige, was der Erde beste Kräfte sind, wirklich studiert, so kommt man zu keinem anderen Weltensystem als diesem. Aber so ist es eben nicht. Es ist nicht so durch die Schuld des Menschen. Durch die Schuld des Menschen ist die Erde unberechtigterweise in den Sonnenbereich übergegangen, und die Sonne ist der Regent der irdischen Betätigungen geworden. Und so kann man einem Weltensystem, das von den Göttern den Menschen gegeben werden sollte im Sinne des alten Ptolemäischen Weltensystems mit der Erde im Mittelpunkte, ein solches entgegenstellen, das die Sonne im Mittelpunkte hat, die Erde sich drehend um die Sonne, das Kopernikanische Weltensystem.

[ 17 ] Sagen wir, wiederum kam ein neuer Zögling zur Vorbereitung in diese einsame Stätte. Da wurde ihm zunächst in der wirklichen Gestalt, wie das von alten Zeiten überliefert war, das sogenannte Ptolemäische Weltensystem beigebracht, nicht so trivial, wie es heute als etwas Überwundenes vor die Leute hingestellt wird, sondern anders. Es wurde ihm gezeigt, wie die Erde die Kräfte tatsächlich in sich trägt, ihren Gang durch die Welt von sich aus zu bestimmen. So daß in der richtigen Weise das Weltensystem vorgestellt, es eben im alten Ptolemäischen Sinne gezeichnet werden muß: die Erde für den Menschen im Mittelpunkt des Weltenalls, die anderen Gestirne in einer entsprechenden Umkreisung durch die Erde dirigiert. Dann wurde dem Schüler gesagt: Wenn man dasjenige, was der Erde beste Kräfte sind, wirklich studiert, so kommt man zu keinem anderen Weltensystem als diesem. Aber so ist es eben nicht. Es ist nicht so durch die Schuld des Menschen. Durch die Schuld des Menschen ist die Erde unberechtigterweise in den Sonnenbereich übergegangen, und die Sonne ist der Regent der irdischen Betätigungen geworden. Und so kann man einem Weltensystem, das von den Göttern den Menschen gegeben werden sollte im Sinne des alten Ptolemäischen Weltensystems mit der Erde im Mittelpunkte, ein solches entgegenstellen, das die Sonne im Mittelpunkte hat, die Erde sich drehend um die Sonne, das Kopernikanische Weltensystem.

[ 18 ] Und es wurde dem Schüler anvertraut, daß hier ein Weltenirrtum vorliegt, ein durch menschliche Schuld bewirkter Weltenirrtum. Und dann wurde zusammengefaßt für diesen Schüler dasjenige, was er sich tief in die Seele und tief ins Herz schreiben sollte: Da haben nun die Menschen das alte Weltensystem überwunden und ein anderes an die Stelle gesetzt und wissen nicht einmal, daß dieses andere, das sie für richtig ansehen, das Ergebnis der eigenen Menschenschuld ist. Was nur der Ausdruck, was nur die Offenbarung der Menschenschuld ist, sieht man einfach als das Richtige gegenüber dem Falschen an. — Was ist geschehen in der neueren Zeit?, so sagten dann die Lehrer diesem Schüler. Die Wissenschaft ist gestürzt worden durch die Schuld des Menschen. Die Wissenschaft ist eine Wissenschaft des Dämonischen geworden. — Bis dann am Ende des 18. Jahrhunderts auch solche Dinge unmöglich geworden sind, hat es immer wenigstens einzelne Schüler gegeben, welche mit dieser Gemütserkenntnis, mit dieser Gemütsanschauung aus einer einsamen Rosenkreuzer-Schulstätte ihre geistige Nahrung bezogen haben. Es ist zum Beispiel noch so gewesen, daß der große Leibniz, der Philosoph, aus seinen Gedankenerwägungen heraus den Antrieb in sich erhalten hat, irgendwo zu finden diejenige Lehrstätte, in der man in der richtigen Weise formulieren kann, wie es sich eigentlich verhält mit dem Kopernikanischen und Ptolemäischen Weltsystem. Er hat sie nicht finden können.

[ 18 ] Und es wurde dem Schüler anvertraut, daß hier ein Weltenirrtum vorliegt, ein durch menschliche Schuld bewirkter Weltenirrtum. Und dann wurde zusammengefaßt für diesen Schüler dasjenige, was er sich tief in die Seele und tief ins Herz schreiben sollte: Da haben nun die Menschen das alte Weltensystem überwunden und ein anderes an die Stelle gesetzt und wissen nicht einmal, daß dieses andere, das sie für richtig ansehen, das Ergebnis der eigenen Menschenschuld ist. Was nur der Ausdruck, was nur die Offenbarung der Menschenschuld ist, sieht man einfach als das Richtige gegenüber dem Falschen an. — Was ist geschehen in der neueren Zeit?, so sagten dann die Lehrer diesem Schüler. Die Wissenschaft ist gestürzt worden durch die Schuld des Menschen. Die Wissenschaft ist eine Wissenschaft des Dämonischen geworden. — Bis dann am Ende des 18. Jahrhunderts auch solche Dinge unmöglich geworden sind, hat es immer wenigstens einzelne Schüler gegeben, welche mit dieser Gemütserkenntnis, mit dieser Gemütsanschauung aus einer einsamen Rosenkreuzer-Schulstätte ihre geistige Nahrung bezogen haben. Es ist zum Beispiel noch so gewesen, daß der große Leibniz, der Philosoph, aus seinen Gedankenerwägungen heraus den Antrieb in sich erhalten hat, irgendwo zu finden diejenige Lehrstätte, in der man in der richtigen Weise formulieren kann, wie es sich eigentlich verhält mit dem Kopernikanischen und Ptolemäischen Weltsystem. Er hat sie nicht finden können.

[ 19 ] Solche Dinge muß man kennen, um die richtige Nuance herauszubekommen für den Umschwung, der in den letzten Jahrhunderten in bezug auf des Menschen Anschauung über sich selbst und über das Weltenall stattgefunden hat. Und mit dem Hinuntersinken dieses lebendigen Zusammenhanges des Menschen mit sich selbst, mit diesem Entfremden des Menschen von sich selbst, kam dann das Anklammern des Menschen an den äußeren Verstand, der heute alles beherrscht. Denn dieser äußere Verstand, ist er denn menschliches Erlebnis? Er ist nicht menschliches Erlebnis. Denn wäre er menschliches Erlebnis, so könnte er nicht in so äußerlicher Weise innerhalb der Menschheit leben, in der er lebt. Der Verstand ist ja im Grunde genommen gar nicht verbunden mit dem einzelnen Persönlichen, mit dem einzelnen individuellen Menschen, der Verstand ist ja fast etwas Konventionelles. Er sprudelt nicht hervor aus innerem menschlichem Erlebnis. Er tritt eigentlich als etwas Äußerliches an den Menschen heran.

[ 19 ] Solche Dinge muß man kennen, um die richtige Nuance herauszubekommen für den Umschwung, der in den letzten Jahrhunderten in bezug auf des Menschen Anschauung über sich selbst und über das Weltenall stattgefunden hat. Und mit dem Hinuntersinken dieses lebendigen Zusammenhanges des Menschen mit sich selbst, mit diesem Entfremden des Menschen von sich selbst, kam dann das Anklammern des Menschen an den äußeren Verstand, der heute alles beherrscht. Denn dieser äußere Verstand, ist er denn menschliches Erlebnis? Er ist nicht menschliches Erlebnis. Denn wäre er menschliches Erlebnis, so könnte er nicht in so äußerlicher Weise innerhalb der Menschheit leben, in der er lebt. Der Verstand ist ja im Grunde genommen gar nicht verbunden mit dem einzelnen Persönlichen, mit dem einzelnen individuellen Menschen, der Verstand ist ja fast etwas Konventionelles. Er sprudelt nicht hervor aus innerem menschlichem Erlebnis. Er tritt eigentlich als etwas Äußerliches an den Menschen heran.

[ 20 ] Und wie er etwas Äußerliches geworden ist, man empfindet es, wenn man vergleicht, wie etwa Aristoteles selber seine Logik, die ja nach Kants Ausdruck seit Aristoteles nicht fortgeschritten ist, seinen Schülern beigebracht hat, und wie dann etwa im 17. nachchristlichen Jahrhundert Logik gelehrt worden ist. Es war in der Aristoteles-Zeit Logik etwas recht Menschliches noch. Denn indem der Mensch darauf hingewiesen wurde, logisch zu denken, hatte er ja damals noch eine Empfindung, die Empfindung, als ob er, wenn ich mich eben wiederum imaginativ ausdrücken darf, seinen Kopf, sein Haupt in kaltes Wasser stecken würde und dadurch sich selber für einen Moment entfremdet würde, oder auch eine andere Empfindung, diejenige Empfindung, die Alexander dem Aristoteles entgegengehalten hat, als er ihm die Logik beibringen wollte: Du drückst mir ja alle Kopfknochen zusammen — wie etwas Äußerliches. Im 17. Jahrhundert empfand man diese Äußerlichkeit als etwas Selbstverständliches. Man lernte, wie man aus dem Obersatz, aus dem Untersatz den Schlußsatz finden müsse. Man lernte dasjenige, was Sie noch im Goetheschen «Faust» ironisch behandelt finden: Das erst’ war so, das zweite so, und drum das dritt’ und vierte so, und wenn das erst’ und zweit’ nicht war’, das dritt’ und viert’ war” nimmermehr. Und so wird der Geist Euch wohl dressiert, in spanische Stiefeln eingeschnürt. — Ob man nun, wie Alexander es empfunden hat, den Kopf in seinen Knochen zusammengedrückt empfindet, oder ob man in spanische Stiefel eingeschnürt wird durch das erst’ und zweit’ und dritt’ und viert’, es ist ja schon dieses ein Bild für dasselbe, was der Mensch empfindet.

[ 20 ] Und wie er etwas Äußerliches geworden ist, man empfindet es, wenn man vergleicht, wie etwa Aristoteles selber seine Logik, die ja nach Kants Ausdruck seit Aristoteles nicht fortgeschritten ist, seinen Schülern beigebracht hat, und wie dann etwa im 17. nachchristlichen Jahrhundert Logik gelehrt worden ist. Es war in der Aristoteles-Zeit Logik etwas recht Menschliches noch. Denn indem der Mensch darauf hingewiesen wurde, logisch zu denken, hatte er ja damals noch eine Empfindung, die Empfindung, als ob er, wenn ich mich eben wiederum imaginativ ausdrücken darf, seinen Kopf, sein Haupt in kaltes Wasser stecken würde und dadurch sich selber für einen Moment entfremdet würde, oder auch eine andere Empfindung, diejenige Empfindung, die Alexander dem Aristoteles entgegengehalten hat, als er ihm die Logik beibringen wollte: Du drückst mir ja alle Kopfknochen zusammen — wie etwas Äußerliches. Im 17. Jahrhundert empfand man diese Äußerlichkeit als etwas Selbstverständliches. Man lernte, wie man aus dem Obersatz, aus dem Untersatz den Schlußsatz finden müsse. Man lernte dasjenige, was Sie noch im Goetheschen «Faust» ironisch behandelt finden: Das erst’ war so, das zweite so, und drum das dritt’ und vierte so, und wenn das erst’ und zweit’ nicht war’, das dritt’ und viert’ war” nimmermehr. Und so wird der Geist Euch wohl dressiert, in spanische Stiefeln eingeschnürt. — Ob man nun, wie Alexander es empfunden hat, den Kopf in seinen Knochen zusammengedrückt empfindet, oder ob man in spanische Stiefel eingeschnürt wird durch das erst’ und zweit’ und dritt’ und viert’, es ist ja schon dieses ein Bild für dasselbe, was der Mensch empfindet.

[ 21 ] Diese Äußerlichkeit des abstrakten Denkens, sie empfand man in der Zeit nicht mehr, als man Logik bewußt lernte in den Schulen. Heute hat das mehr oder weniger aufgehört. Es wird auch Logik nicht mehr bewußt gelernt auf den Schulen. Nun, das ist ja ungefähr so, als wenn es irgendwo eine Zeit gegeben hätte, wo die Leute mit Enthusiasmus nach Hunderten und Hunderten sich die gleiche Uniform nach der Vorschrift angezogen hätten, und nachher eine Zeit gefolgt wäre, in der sie, ohne erst darüber nachzudenken, das freiwillig getan haben. Aber in dieser Zeit, in der die Logik des Abstrakten immer mehr und mehr überhandnahm, in dieser Zeit konnte die alte geistige Erkenntnis ja nicht mehr fortschreiten. Daher sehen wir sie äußerlich werden und jene Gestalt annehmen, die in solchen Erscheinungen auftritt wie zum Beispiel in den Schriften des Eliphas Levi oder in den Veröffentlichungen von Saint-Martin. Man hat schon in diesen Veröffentlichungen die letzten Ausläufer alter Geist-Erkenntnis und -Geistesschau.

[ 21 ] Diese Äußerlichkeit des abstrakten Denkens, sie empfand man in der Zeit nicht mehr, als man Logik bewußt lernte in den Schulen. Heute hat das mehr oder weniger aufgehört. Es wird auch Logik nicht mehr bewußt gelernt auf den Schulen. Nun, das ist ja ungefähr so, als wenn es irgendwo eine Zeit gegeben hätte, wo die Leute mit Enthusiasmus nach Hunderten und Hunderten sich die gleiche Uniform nach der Vorschrift angezogen hätten, und nachher eine Zeit gefolgt wäre, in der sie, ohne erst darüber nachzudenken, das freiwillig getan haben. Aber in dieser Zeit, in der die Logik des Abstrakten immer mehr und mehr überhandnahm, in dieser Zeit konnte die alte geistige Erkenntnis ja nicht mehr fortschreiten. Daher sehen wir sie äußerlich werden und jene Gestalt annehmen, die in solchen Erscheinungen auftritt wie zum Beispiel in den Schriften des Eliphas Levi oder in den Veröffentlichungen von Saint-Martin. Man hat schon in diesen Veröffentlichungen die letzten Ausläufer alter Geist-Erkenntnis und -Geistesschau.

[ 22 ] Aber was ist in einer solchen Schrift enthalten wie etwa in Eliphas Levis «Dogma und Ritual der hohen Magie»? Da sind zum Beispiel zunächst zu finden allerlei Zeichen, Triangel, Pentagramme und so weiter, da finden Sie wieder heraufgeholt aus alten Zeiten gewisse Worte aus früher herrschenden Sprachen, namentlich aus der hebräischen, und da finden Sie dasjenige, was früher Leben war, aber auch Erkenntnis, was in die Tat des Menschen übergehen konnte, aber auch in die Ideen des Menschen übergehen konnte, das finden Sie ideenlos auf der einen Seite und in äußerliche Zauberei auf der anderen Seite ausgeartet; Spekulationen über die symbolische Bedeutung dieses oder jenes Zeichens, denen gegenüber der moderne Mensch, wenn er ehrlich sein will, sich gestehen müßte, daß gar nichts Besonderes darinnen enthalten ist, schauderhafte Verrichtungen, anknüpfend an allerlei Riten, deren geistiger Zusammenhang denjenigen, die von solchen Riten sprechen und sie auch oftmals übten, nicht im entferntesten klar war. Überall wiesen solche Bücher hin auf dasjenige, was einmal verstanden wurde in alten Zeiten, innerlich erkenntnismäßig erlebt wurde, aber in der Zeit, wo zum Beispiel Eliphas Levi seine Bücher schrieb, eben nicht mehr verstanden wurde. Und über Saint-Martin habe ich mich ja in der Wochenschrift «Goetheanum» selber einmal ausgesprochen. Und so sehen wir denn, man möchte sagen, mit vollem Unverständnis dasjenige behandelt, was einmal in das seelisch-geistige Menschenleben einverwoben war, was aber in diesem seelisch-geistigen Menschenwesen nicht erhalten werden konnte.

[ 22 ] Aber was ist in einer solchen Schrift enthalten wie etwa in Eliphas Levis «Dogma und Ritual der hohen Magie»? Da sind zum Beispiel zunächst zu finden allerlei Zeichen, Triangel, Pentagramme und so weiter, da finden Sie wieder heraufgeholt aus alten Zeiten gewisse Worte aus früher herrschenden Sprachen, namentlich aus der hebräischen, und da finden Sie dasjenige, was früher Leben war, aber auch Erkenntnis, was in die Tat des Menschen übergehen konnte, aber auch in die Ideen des Menschen übergehen konnte, das finden Sie ideenlos auf der einen Seite und in äußerliche Zauberei auf der anderen Seite ausgeartet; Spekulationen über die symbolische Bedeutung dieses oder jenes Zeichens, denen gegenüber der moderne Mensch, wenn er ehrlich sein will, sich gestehen müßte, daß gar nichts Besonderes darinnen enthalten ist, schauderhafte Verrichtungen, anknüpfend an allerlei Riten, deren geistiger Zusammenhang denjenigen, die von solchen Riten sprechen und sie auch oftmals übten, nicht im entferntesten klar war. Überall wiesen solche Bücher hin auf dasjenige, was einmal verstanden wurde in alten Zeiten, innerlich erkenntnismäßig erlebt wurde, aber in der Zeit, wo zum Beispiel Eliphas Levi seine Bücher schrieb, eben nicht mehr verstanden wurde. Und über Saint-Martin habe ich mich ja in der Wochenschrift «Goetheanum» selber einmal ausgesprochen. Und so sehen wir denn, man möchte sagen, mit vollem Unverständnis dasjenige behandelt, was einmal in das seelisch-geistige Menschenleben einverwoben war, was aber in diesem seelisch-geistigen Menschenwesen nicht erhalten werden konnte.

[ 23 ] Echt und wahr ist vom 15. bis ins 18., 19. Jahrhundert herein dasjenige, was als ein allgemeiner Drang nach dem Göttlichen sich dem Gemüte ergeben hat. Da ist Schönes, Wunderschönes und Herrliches zu finden. Und da ist über manchem, was heute viel zu wenig beachtet wird, ein wirklicher Zauberhauch des Spirituellen. Aber neben alledem geht eine sich verknöchernde Saat auf des Unverstandes alter spiritueller Wahrheiten, und einher geht damit das Unvermögen, in einer der Zeit entsprechenden Weise an das Geistige heranzukommen. Man kann Menschen kennenlernen aus dem 18. Jahrhundert, die geradezu von einer Zerstörung alles Menschlichen sprechen und von einem Heraufkommen eines furchtbaren Materialismus. Manchmal ist es einem so, als ob dasjenige, was diese Menschen des 18. Jahrhunderts sagen, auch auf unsere Zeit passen würde. Dennoch paßt es nicht, paßt auf die letzten zwei Drittel des 19. Jahrhunderts nicht. Denn in diesem 19. Jahrhundert ist das, was man noch mit einem gewissen, ich möchte sagen, Abscheu vor seinem dämonischen Charakter im 18. Jahrhundert angesehen hat, etwas Selbstverständliches geworden. Man hatte nicht die Kraft, sich zu sagen: Kopernikus — sehr schön, aber eine Anschauung, die nur dadurch hat kommen können, daß der Mensch eben nicht das geworden ist auf der Erde, was er auf der Erde hätte werden sollen, daß die Erde regentenlos dastand und das Erdenregiment an den widerrechtlichen Fürsten der Welt — das Wort kommt im Mittelalter immer wieder vor — übergegangen ist, weshalb der Christus die Sonne verlassen hat und sich mit dem Erdengeschick vereinigt hat.

[ 23 ] Echt und wahr ist vom 15. bis ins 18., 19. Jahrhundert herein dasjenige, was als ein allgemeiner Drang nach dem Göttlichen sich dem Gemüte ergeben hat. Da ist Schönes, Wunderschönes und Herrliches zu finden. Und da ist über manchem, was heute viel zu wenig beachtet wird, ein wirklicher Zauberhauch des Spirituellen. Aber neben alledem geht eine sich verknöchernde Saat auf des Unverstandes alter spiritueller Wahrheiten, und einher geht damit das Unvermögen, in einer der Zeit entsprechenden Weise an das Geistige heranzukommen. Man kann Menschen kennenlernen aus dem 18. Jahrhundert, die geradezu von einer Zerstörung alles Menschlichen sprechen und von einem Heraufkommen eines furchtbaren Materialismus. Manchmal ist es einem so, als ob dasjenige, was diese Menschen des 18. Jahrhunderts sagen, auch auf unsere Zeit passen würde. Dennoch paßt es nicht, paßt auf die letzten zwei Drittel des 19. Jahrhunderts nicht. Denn in diesem 19. Jahrhundert ist das, was man noch mit einem gewissen, ich möchte sagen, Abscheu vor seinem dämonischen Charakter im 18. Jahrhundert angesehen hat, etwas Selbstverständliches geworden. Man hatte nicht die Kraft, sich zu sagen: Kopernikus — sehr schön, aber eine Anschauung, die nur dadurch hat kommen können, daß der Mensch eben nicht das geworden ist auf der Erde, was er auf der Erde hätte werden sollen, daß die Erde regentenlos dastand und das Erdenregiment an den widerrechtlichen Fürsten der Welt — das Wort kommt im Mittelalter immer wieder vor — übergegangen ist, weshalb der Christus die Sonne verlassen hat und sich mit dem Erdengeschick vereinigt hat.

[ 24 ] Und es ist ja in der Tat erst wiederum am Ende des 19. Jahrhunderts möglich geworden, in diese Dinge mit ursprünglicher menschlicher Klarheit hineinzusehen. Es ist erst wiederum möglich geworden in der Michael-Zeit. Von dem Anbruche und dem Charakter dieser Michael-Zeit haben wir ja wiederholt gesprochen. Aber es gibt Aufgaben, welche verbunden sind mit dieser Michael-Zeit und auf die nun auch jetzt hier hingedeutet werden kann, nachdem dasjenige, was über die Entwickelung der Geistesschau in den verschiedenen Jahrhunderten in der Weihnachtszeit und nachher hier gesprochen worden ist, vorangegangen ist.

[ 24 ] Und es ist ja in der Tat erst wiederum am Ende des 19. Jahrhunderts möglich geworden, in diese Dinge mit ursprünglicher menschlicher Klarheit hineinzusehen. Es ist erst wiederum möglich geworden in der Michael-Zeit. Von dem Anbruche und dem Charakter dieser Michael-Zeit haben wir ja wiederholt gesprochen. Aber es gibt Aufgaben, welche verbunden sind mit dieser Michael-Zeit und auf die nun auch jetzt hier hingedeutet werden kann, nachdem dasjenige, was über die Entwickelung der Geistesschau in den verschiedenen Jahrhunderten in der Weihnachtszeit und nachher hier gesprochen worden ist, vorangegangen ist.