Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a
11 January 1924, Dornach
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Mystery Sites of the Middle Ages, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Es obliegt mir, noch einiges Ergänzendes hinzuzufügen zu den Auseinandersetzungen, die ich in den letzten Zeiten hier gemacht habe. Ich habe versucht darzustellen, wie der Gang der geistigen Erkenntnis durch die Jahrhunderte war und welche Gestalt er dann gerade in den neuesten Zeiten angenommen hat, und ich konnte darstellen, wie etwa vom 15. Jahrhundert ab bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, ja bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, der Verlauf der war, daß dasjenige, was früher in einer konkreten, wenn auch instinktiven Erkenntnis da war, sich eigentlich in dieser Zeit mehr ausgelebt hat in einem gefühlsmäßigen Hingegebensein an das Geistige der Welt überhaupt.
[ 1 ] It falls to me to add a few further remarks regarding the discussions I have had here recently. I have attempted to describe the course of spiritual knowledge through the centuries and the form it has taken in recent times, and I was able to show how, from about the 15th century through the end of the 18th century—indeed, up to the beginning of the 19th century—the trend was such that what had previously existed as a concrete, if instinctive, form of knowledge actually found greater expression during this period in an emotional devotion to the spiritual nature of the world as a whole.
[ 2 ] Wir sehen ja, wie die realen Erkenntnisse der Menschen in bezug auf die Natur, in bezug auf das Wirken der geistigen Welt in der Natur im 11., 12., 13. Jahrhundert durchaus noch da sind. Wir können es selbst bei einer solchen Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim, den ich ja dargestellt habe in meinem Buche über die Mystik, sehen, wie er durchaus noch eine Erkenntnis davon hat, daß zum Beispiel in den Planeten unseres Planetensystems in ganz bestimmter Weise geartete geistige Wesenheiten vorhanden sind. Agrippa von Nettesheim führt in seinen Schriften für jeden einzelnen Planeten dasjenige an, was er die Intelligenz des Planeten nennt, und dann dasjenige, was er den Dämon des Planeten nennt. Das weist hin auf Traditionen, die aus alten Zeiten damals noch durchaus vorhanden waren, die aber eben auch in dieser Zeit nicht bloße Traditionen waren. Das Hinaufschauen zu einem Planeten in dem Sinne, wie es die spätere Astronomie getan hat und noch heute tut, das wäre einem solchen Geiste wie Agrippa von Nettesheim noch ganz und gar unmöglich gewesen. Der äußere Planet, überhaupt der äußere Stern war nur etwas wie eine Ankündigung für geistige Wesenheiten, auf die der Seelenblick fiel, wenn man in der Richtung des Sternes sah. Und er wußte, daß die Wesenheiten, die mit den einzelnen Gestirnen verbunden sind, solche sind, welche das innere Dasein des Planeten regeln, aber auch die Bewegungen des Planeten im Weltenall regeln, welche die ganze Tätigkeit eines Gestirnes regeln und so weiter. Und solche Wesenheiten faßte er zusammen unter dem Namen Intelligenz des Gestirnes.
[ 2 ] We can see, after all, that people’s genuine insights into nature—and into the workings of the spiritual world within nature—were certainly still present in the 11th, 12th, and 13th centuries. We can see this even in a figure such as Agrippa von Nettesheim—whom I have discussed in my book on mysticism—and how he still possesses a clear understanding that, for example, spiritual beings of a very specific nature are present in the planets of our solar system. In his writings, Agrippa von Nettesheim describes for each individual planet what he calls the “intelligence of the planet” and then what he calls the “demon of the planet.” This points to traditions that were still very much alive in those ancient times, but which were not merely traditions even in that era. Looking up at a planet in the sense that later astronomy did—and still does today—would have been entirely impossible for a mind such as Agrippa von Nettesheim. The outer planet—indeed, the outer star in general—was merely a kind of announcement of spiritual beings upon whom the soul’s gaze fell when one looked in the direction of the star. And he knew that the beings associated with the individual celestial bodies are those who govern the inner existence of the planet, but also govern the planet’s movements through the cosmos, which in turn govern the entire activity of a celestial body, and so on. And he summarized such beings under the name “Intelligence of the Celestial Body.”
[ 3 ] Aber er wußte auch, wie aus dem Gestirn heraus und in dasselbe hineinwirken hemmende, man möchte sagen, die guten Taten des Gestirnes untergrabende Wesenheiten. Die faßte er zusammen unter dem Namen des Dämons des Gestirnes. Solch eine Erkenntnis war aber durchaus in der damaligen Zeit damit verbunden, daß auch die Erde als ein solcher Weltenkörper aufgefaßt worden ist, der seine Intelligenz und der seinen Dämon hat. Aber gerade das Wesentliche, das mit dieser Auffassung von der Gestirn-Intelligenz und von der Gestirn-Dämonologie verbunden war, ging ja ganz und gar verloren, denn es drückte sich dieses Wesentliche gerade in dem Folgenden aus.
[ 3 ] But he also knew of entities that exerted a restraining influence—one might say, undermining the benevolent effects of the celestial body—both from within and from without. He summarized these under the name “the demon of the celestial body.” Such an understanding, however, was entirely connected in that era with the view that the Earth, too, was conceived as a celestial body possessing its own intelligence and its own demon. But precisely the essential aspect associated with this conception of celestial intelligence and celestial demonology was lost entirely, for this essential aspect was expressed precisely in the following:
[ 4 ] Die Erde betrachtete man natürlich auch als in ihrer inneren Tätigkeit, in ihrer Bewegung im Kosmos geregelt durch eine Summe von Intelligenzen, die man zusammenfassen konnte unter der Intelligenz des Erdengestirns. Aber was war für diese Persönlichkeiten noch die Intelligenz des Erdengestirns? Es ist heute ja außerordentlich schwer, überhaupt von diesen Dingen noch zu reden, weil die Vorstellungen der Menschen so weit weggegangen sind von dem, was in der damaligen Zeit wie etwas Selbstverständliches galt für die einsichtigen Menschen. Die Intelligenz des Erdengestirns war der Mensch als solcher. Man sah den Menschen an als dasjenige Wesen, welches von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, nicht etwa bloß, wie der heutige Mensch meint, auf der Erde herumzugehen oder mit der Eisenbahn herumzufahren, Waren einzukaufen und zu verkaufen, Bücher zu schreiben und dergleichen, sondern man faßte den Menschen so auf, daß er von der Weltengeistigkeit die Aufgabe erhalten hat, in alles das, was sich bezieht auf die Stellung der Erde im Kosmos, regelnd, ordnend, gesetzmäßig einzugreifen. Den Menschen faßte man so auf, daß man sagte: Er gibt der Erde durch dasjenige, was er ist, durch die Kräfte, die er innerhalb seines Wesens birgt, den Impuls zu ihrer Bewegung um die Sonne, zu ihrer Bewegung weiter im Weltenraume.
[ 4 ] Of course, the Earth was also regarded as governed in its inner activity and in its movement within the cosmos by a collective of intelligences that could be summarized under the term “the intelligence of the Earth.” But what, for these individuals, was the intelligence of the Earth as a celestial body? It is, of course, extremely difficult today to even speak of these things, because people’s conceptions have strayed so far from what was taken for granted at that time by discerning individuals. The intelligence of the Earth as a celestial body was the human being as such. Human beings were regarded as the beings who had received from the world spirit the task—not merely, as people today suppose, of walking around on Earth or traveling by train, buying and selling goods, writing books, and the like—but rather, human beings were understood as having received from the world spirit the task of intervening in everything related to the Earth’s position in the cosmos in a regulating, ordering, and law-abiding manner. Human beings were understood in such a way that it was said: Through what they are—through the forces they harbor within their being—they give the Earth the impulse for its movement around the Sun and for its movement further out into space.
[ 5 ] Man hatte damals noch ein Gefühl dafür, daß das dem Menschen einstmals zugeteilt war, daß der Mensch wirklich zu dem Herrn der Erde von der Weltengeistigkeit gemacht war, daß er aber dieser Aufgabe sich nicht gewachsen gezeigt hat im Verlaufe seiner Entwickelung, daß er von seiner Höhe heruntergestürzt sei. Man trifft heute nur noch sehr selten die Nachklänge dieser Ansicht da, wo von Erkenntnis die Rede ist. Alles, was in religiöser Auffassung von dem Sündenfall gedacht wird, geht ja schließlich auch auf diese Vorstellung zurück. Das handelt ja davon, daß der Mensch ursprünglich eine ganz andere Stellung auf der Erde und im Weltenall hatte, als er sie heute einnimmt, daß er von seiner Höhe herabgestürzt sei. Aber außer dieser religiösen Auffassung, da, wo man glaubt, Erkenntnisse, die methodisch erworben werden, zu haben, da gibt es heute eigentlich nur noch Nachklänge an jene alte, aus instinktivem Hellsehen hervorgegangene Erkenntnis von der einstigen Aufgabe des Menschen und von seinem Herunterstürzen in seine heutige Eingeschlossenheit in so enge Grenzen.
[ 5 ] At that time, people still had a sense that this had once been bestowed upon humankind—that humankind had truly been made the lord of the earth by the spiritual forces of the universe—but that, in the course of its evolution, it had proved unequal to this task and had fallen from its lofty station. Today, one encounters only very rare echoes of this view in discussions of knowledge. After all, everything conceived of in religious terms regarding the Fall ultimately traces back to this idea. It concerns the notion that humanity originally held a completely different position on Earth and in the universe than it does today—that it had fallen from its former heights. But apart from this religious view—in contexts where one believes one possesses knowledge acquired methodically—there are today, in fact, only echoes of that ancient insight, born of instinctive clairvoyance, regarding humanity’s former mission and its fall into its present confinement within such narrow boundaries.
[ 6 ] Es kommt zum Beispiel heute noch vor, daß man diese oder jene Persönlichkeit einmal zum Sprechen bekommt, sagen wir — ich erzähle Tatsachen —, man kommt in ein Gespräch mit dieser oder jener Persönlichkeit, die tiefer nachgedacht, nachgesonnen hat, auch sich tiefere Erkenntnisse erworben hat über das oder jenes auf geistigem Felde; man kommt ins Gespräch, ob denn der Mensch heute, so wie er auf der Erde steht, eigentlich ein in sich geschlossenes, sein Wesen in sich tragendes Geschöpf sei. Und da sagen einem dann solche Persönlichkeiten: Das kann er nicht sein. Der Mensch müsse eigentlich — sonst könne er nicht das Streben in sich haben, das er nun einmal hat, sonst könne er in seinen höchsten Exemplaren nicht den großen Idealismus entfalten, den er oftmals entfaltet-, der Mensch müsse eigentlich seiner Natur nach ein umfassendes Wesen sein, das aber irgendwie eine kosmische Sünde auf sich geladen hat, durch die er beschränkt worden ist in das heutige irdische Dasein herein, so daß er heute eigentlich wie in einem Käfig sitzt.
[ 6 ] For example, it still happens today that one manages to get this or that person to speak—let’s say, and I’m stating facts here—one strikes up a conversation with this or that person who has thought deeply, reflected, and even gained deeper insights into this or that topic in the spiritual realm; one finds oneself discussing whether human beings today, as they stand on Earth, are actually self-contained creatures who carry their very essence within themselves. And then such individuals tell you: That cannot be the case. Human beings must actually—otherwise they could not possess the striving that they do possess— otherwise, in his highest forms, he could not develop the great idealism that he so often does—human beings must, in fact, by their very nature be all-encompassing beings who have, however, somehow incurred a cosmic sin, through which they have been confined to their present earthly existence, so that today they are, in effect, sitting as if in a cage.
[ 7 ] Gewiß, diese Anschauung trifft man noch da oder dort als Nachzügler jener alten Anschauung. Aber im ganzen und großen, wo ist es denn, daß sich diejenigen, die sich heute für Wissenschafter halten, überhaupt im Ernste mit diesen umfassenden Fragen beschäftigen, die aber doch schließlich das einzige sind, was den Menschen wirklich zu einem menschenwürdigen Dasein bringen kann?
[ 7 ] Certainly, this view can still be found here and there as a remnant of that old way of thinking. But on the whole, where is it that those who consider themselves scientists today are seriously engaged at all with these far-reaching questions—questions that are, after all, the only thing that can truly lead human beings to a life worthy of their dignity?
[ 8 ] Und so war es schon so, daß der Mensch einst als der Träger der Intelligenz der Erde angesehen wurde. Aber auch der Erde schrieb eine solche Persönlichkeit wie Agrippa von Nettesheim einen Dämon zu. Nun, dieser Dämon des Irdischen, er ist eigentlich, wenn wir in das 12., 13. Jahrhundert noch zurückgehen, ein Wesen, das so, wie es geworden ist, auf der Erde hat nur werden können, weil es eben in den Menschen die Werkzeuge gefunden hat zu seinem Wirken.
[ 8 ] And so it was once the case that human beings were regarded as the bearers of the Earth’s intelligence. But even the Earth was attributed a demon by a figure such as Agrippa von Nettesheim. Now, this demon of the earthly realm—if we go back to the 12th and 13th centuries—is actually a being that, as it has become, could only have come into being on Earth because it found in human beings the tools for its work.
[ 9 ] Wenn man dies verstehen will, muß man sich eigentlich mit der Art und Weise bekanntmachen, wie in jener Zeit über das Verhältnis der Erde zur Sonne beziehungsweise des irdischen Menschen zur Sonne gedacht wurde. Und wenn ich Ihnen die Anschauung über dieses Verhältnis charakterisieren soll, so muß ich im Grunde wiederum in Imaginationen reden, denn diese Dinge lassen sich nicht in abstrakte Begriffe bannen. Das eigentliche Zeitalter der abstrakten Begriffe hat ja erst später begonnen, und die abstrakten Begriffe sind weit davon entfernt, die Wirklichkeit zu umspannen, und so muß schon in Imaginationen dargestellt werden.
[ 9 ] To understand this, one must really familiarize oneself with the way people at that time thought about the relationship between the Earth and the Sun, or between human beings on Earth and the Sun. And if I am to characterize the conception of this relationship, I must, in essence, speak in terms of imaginations, for these things cannot be captured in abstract concepts. The true age of abstract concepts did not begin until later, and abstract concepts are far from encompassing reality; thus, they must be presented through imaginations.
[ 10 ] Die Sonne, sie ist eigentlich — nachdem sie sich in der Art, wie ich das in meiner «Geheimwissenschaft» dargestellt habe, von der Erde getrennt hat oder die Erde von sich abgetrennt hat —, sie ist eigentlich doch, da der Mensch seit dem Saturndasein mit dem gesamten Planetensystem einschließlich der Sonne verbunden war, die Ursprungsstätte des Menschen. Der Mensch hat nicht seine Heimat auf der Erde, sondern der Mensch hat einen vorübergehenden Aufenthalt auf der Erde. Er ist in Wirklichkeit nach jener alten Anschauung ein Sonnenwesen. Er ist in seinem ganzen Sein mit der Sonne verbunden. Da er dieses ist, sollte er eigentlich als Sonnenwesen anders auf der Erde dastehen, als wie er ist. Er sollte so auf der Erde dastehen, daß die Erde ihrem Drange genügen könnte, aus dem mineralischen und dem pflanzlichen Reiche heraus den Samen des Menschen in ätherischer Form hervorzubringen, und der Sonnenstrahl sollte dann diesen von der Erde hervorgebrachten Samen befruchten. Und daraus sollte die ätherische Menschengestalt erscheinen, die erst durch dasjenige, was sie als eigenes, von sich selbst aus begründetes Verhältnis zu den physischen Erdenstoffen macht, die physische Erdenstofflichkeit annehmen sollte. Also es war etwa von den Zeitgenossen des Agrippa von Nettesheim — Agrippa hatte leider schon etwas von Trübung in seiner Erkenntnis —, aber von seinen besseren Zeitgenossen war eigentlich gedacht worden, daß der Mensch nicht so, wie es nun einmal ist auf der Erde, irdisch geboren werden sollte, sondern daß der Mensch in seinem ätherischen Leibe durch das Zusammenwirken von Sonne und Erde zustande kommen sollte und sich seine irdische Gestalt, wandelnd als ätherische Wesenheit auf der Erde, erst geben sollte. Gewissermaßen in pflanzlicher Reinheit sollten erwachsen auf der Erde die Menschensamen, ätherisch da und dort auftretend als dunkel funkelnde Erdenfrüchte, dann überglänzt werden von dem Lichte der Sonne in bestimmter Jahreszeit, und durch jenes Überglänzen ätherisch Gestalt annehmend in menschlicher Art. Denn nicht aus dem Leibe der Mutter, sondern aus der Erde und dem, was auf ihr ist, sollte der Mensch selber heranziehen dasjenige, was er an physischer Substanz aus dem Erdenbereiche sich einverleiben sollte. So dachte man, wäre es eigentlich im Sinne der Weltengeistigkeit gewesen, daß der Mensch die Erde betritt.
[ 10 ] The Sun—after it has separated from the Earth, or the Earth has separated from it, in the manner I described in my *Secret Science*—is, in fact, the place of origin of humankind, since humankind has been connected to the entire planetary system, including the Sun, ever since the Saturn era. Humanity does not have its home on Earth; rather, humanity has a temporary sojourn on Earth. According to that ancient view, humanity is in reality a solar being. He is connected to the Sun in his entire being. Since he is this, he should actually stand on Earth as a solar being in a different way than he does. He should stand on Earth in such a way that the Earth could satisfy its urge to bring forth the seed of humanity in ethereal form from the mineral and plant kingdoms, and the sunbeam should then fertilize this seed brought forth by the Earth. And from this, the etheric human form should emerge, which would only assume physical earthly substance through that which it establishes as its own, self-generated relationship to the physical substances of the Earth. Thus, it was roughly thought by the contemporaries of Agrippa von Nettesheim—Agrippa, unfortunately, already had a certain cloudiness in his insight— but his more enlightened contemporaries had actually believed that human beings were not meant to be born on Earth in the way that is now the case, but rather that they were to come into being in their etheric bodies through the interaction of the Sun and the Earth, and only then, as they wandered the Earth as etheric beings, were they to assume their earthly form. In a sense, the seeds of humanity were to grow on Earth in plant-like purity, appearing here and there in the ether as darkly sparkling fruits of the Earth, then to be illuminated by the light of the sun at a certain time of year, and through that illumination to take on an ethereal form in the human likeness. For it was not from the mother’s body, but from the earth and what is upon it, that human beings themselves were to draw forth that which they were to incorporate as physical substance from the earthly realm. It was thought that this would actually have been in keeping with the spirit of the worlds when human beings first set foot on the earth.
[ 11 ] Und dasjenige, was später gekommen ist, ist dadurchgekommen, daß der Mensch einen zu tiefen Drang, eine zu intensive Begierde in sich hat erwachen lassen zu dem Irdisch-Stofflichen. Dadurch ist er verlustig geworden seines Zusammenhanges mit Sonne und Kosmos, und er konnte auf der Erde nur in Form der Vererbungsströmung sein Dasein finden. Dadurch aber hat gewissermaßen der Dämon der Erde seine Arbeit begonnen, denn mit Menschen, die sonnengeboren wären, hätte sich der Dämon des Irdischen nicht beschäftigen können. Dann aber, wenn der Mensch also die Erde betreten hätte, dann wäre er wirklich die vierte Hierarchie. Da würde stets, wenn über den Menschen geredet würde, so geredet werden müssen, daß man sagte: Erste Hierarchie — Seraphim, Cherubim, Throne; dann zweite Hierarchie — Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; dritte Hierarchie — Angeloi, Archangeloi, Archai; vierte Hierarchie — der Mensch, in drei Abstufungen des Menschlichen, aber eben eine vierte Hierarchie. Dadurch aber, daß der Mensch nach dem Physischen hin seinen starken Drang geltend gemacht hat, dadurch wurde er nicht das Wesen auf der untersten Sprosse der Hierarchien, sondern das Wesen an der Spitze, auf der höchsten Sprosse der irdischen Naturreiche: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich, Menschenreich. So hat man die Stellung des Menschen damals angesehen.
[ 11 ] And what came later arose because human beings allowed an impulse that was too deep, a desire that was too intense, to awaken within themselves toward the earthly and material. As a result, humanity lost its connection to the Sun and the cosmos, and could find its existence on Earth only in the form of the current of heredity. But through this, the demon of the Earth, so to speak, began its work; for the demon of the earthly realm could not have occupied itself with human beings who were born of the Sun. But then, if humankind had thus set foot on Earth, it would truly be the fourth hierarchy. Then, whenever people spoke of humanity, they would have to say: First Hierarchy—Seraphim, Cherubim, Thrones; then Second Hierarchy—Exusiai, Dynamis, Kyriotetes; Third Hierarchy—Angeloi, Archangeloi, Archai; Fourth Hierarchy—humanity, in three stages of human development, but indeed a fourth hierarchy. However, because human beings asserted their strong physical impulses, they did not become the beings at the lowest rung of the hierarchies, but rather the beings at the pinnacle, on the highest rung of the earthly kingdoms of nature: the mineral kingdom, the plant kingdom, the animal kingdom, and the human kingdom. This is how the position of human beings was viewed at that time.
[ 12 ] Dadurch aber, daß der Mensch seine Aufgabe auf der Erde nicht gefunden hat, dadurch hat die Erde auch nicht ihre würdige Stellung im Kosmos. Denn es ist ja eigentlich dadurch, daß der Mensch gefallen ist, der eigentliche Regent der Erde nicht da. Was ist nun gekommen? Der eigentliche Regent der Erde fehlt, und notwendig wurde, daß die Erde in ihrer Stellung im Kosmos nicht von sich aus regiert wurde, sondern regiert wurde von der Sonne aus, so daß der Sonne die Aufgaben zugefallen sind, die eigentlich auf Erden verrichtet werden sollen. Also es sah der mittelalterliche Mensch zur Sonne hinauf und sagte: In der Sonne sind gewisse Intelligenzen. Sie bestimmen die Bewegung der Erde im Kosmos, sie regeln, was auf der Erde selber geschieht. Der Mensch sollte es tun. Die Sonnenkräfte sollten auf der Erde durch den Menschen für das Dasein der Erde wirken. — Dadurch entstand jene bedeutsame Vorstellung des mittelalterlichen Menschen, die eingeschlossen ist in die Worte: Die Sonne, der unrechtmäßige Fürst dieser Welt.
[ 12 ] But because humankind has not found its purpose on Earth, the Earth, too, does not occupy its rightful place in the cosmos. For it is, in fact, because humankind has fallen that the true ruler of the Earth is absent. What has come in its place? The true ruler of the Earth is missing, and it became necessary for the Earth not to govern its position in the cosmos on its own, but to be governed by the Sun, so that the tasks that should actually be performed on Earth have fallen to the Sun. Thus, people in the Middle Ages looked up at the Sun and said: There are certain intelligences in the Sun. They determine the Earth’s movement within the cosmos; they regulate what happens on Earth itself. Human beings were supposed to do this. The forces of the Sun were supposed to work on Earth through human beings for the sake of the Earth’s existence. — This gave rise to that significant concept of medieval people, which is encapsulated in the words: “The Sun, the illegitimate prince of this world.”
[ 13 ] Und jetzt bedenken Sie, meine lieben Freunde, wie unendlich vertieft für diesen mittelalterlichen Menschen gerade durch solche Vorstellungen der Christus-Impuls wurde. Der Christus wurde zu dem Geiste, der auf der Sonne seine weitere Aufgabe nicht finden wollte, der nicht bleiben wollte unter denjenigen, die von außen her unrechtmäßig die Erde dirigieren. Er wollte seinen Weg von der Sonne zur Erde finden, einziehen in Menschengeschick und Erdengeschick, wandeln durch die Erdenereignisse und durch die Erdenentwickelung in Menschengeschick und Erdengeschick. Damit war für den mittelalterlichen Menschen der Christus die einzige Wesenheit, die im Kosmos die Aufgabe des Menschen auf Erden gerettet hat. Und nun haben Sie den Zusammenhang. Denn nun können Sie wissen, warum in der Rosenkreuzerzeit dem Schüler immer wieder eingeschärft wurde: O Mensch, du bist ja nicht das, was du bist. Der Christus mußte kommen, um dir deine Aufgabe abzunehmen, um für dich deine Aufgabe zu verrichten.
[ 13 ] And now consider, my dear friends, how infinitely deepened the Christ impulse became for these medieval people precisely through such ideas. Christ became the Spirit who did not wish to find his further mission on the Sun, who did not wish to remain among those who unlawfully direct the Earth from without. He wanted to find his way from the Sun to the Earth, to enter into human destiny and the destiny of the Earth, to walk through earthly events and through earthly evolution into human destiny and the destiny of the Earth. Thus, for medieval people, Christ was the only being in the cosmos who saved humanity’s mission on Earth. And now you see the connection. For now you can understand why, during the Rosicrucian era, the student was repeatedly reminded: “O human being, you are not what you are.” Christ had to come to take your task from you, to carry out your task on your behalf.
[ 14 ] Im Goetheschen «Faust» ist so manches auf eine Art, die Goethe selber nicht verstanden hat, herübergekommen aus tief mittelalterlichen Vorstellungen. Erinnern Sie sich an Fausts Beschwörung des Erdgeistes. Hat man diese mittelalterlichen Vorstellungen in sich, dann empfindet man recht tief, wie dieser Erdgeist, den Faust beschwört, davon redet, daß er im Tatensturm auf und ab wallt, Geburt und Grab, ein ewiges Weben, ein glühend Leben, daß er schafft am sausenden Webstuhl der Zeit und wirkt der Gottheit lebendiges Kleid. Denn wen beschwört Faust eigentlich? Goethe hat es ganz sicher, als er den «Faust» schrieb, nicht in voller Tiefe gewußt. Aber gehen wir vom Goetheschen Faust zum mittelalterlichen Faust zurück, belauschen wir diesen mittelalterlichen Faust, in dem rosenkreuzerische Weisheit lebte, dann lehrt uns dieses Lauschen, wie dieser mittelalterliche Faust auch eine Beschwörung vollführen wollte. Aber wen wollte er im Erdgeist beschwören? Er sprach gar nicht vom Erdgeist, er sprach vom Menschen. Das war der Drang des mittelalterlichen Menschen, Mensch zu sein, denn er empfand es tief, daß er als Erdenmensch eben nicht Mensch ist. Wie kann man die Menschheit wieder erringen? Die Art und Weise, wie Faust hinweggestoßen wird von dem Erdgeist, das ist die Nachbildung, wie der Mensch in seiner irdischen Gestalt von seiner eigenen Wesenheit zurückgestoßen wird. Und deshalb, weil das so aufgefaßt wurde, tragen manche im Mittelalter vorkommende — ja, wie soll man es nennen — Bekehrungsgeschichten zum Christentum einen außerordentlich tiefen Charakter, den Charakter, daß gewisse Menschen nach der verlorenen Menschlichkeit strebten, aber verzweifeln mußten, mit Recht verzweifeln mußten, innerhalb des irdisch-physischen Lebens diese echte Menschlichkeit in sich erleben zu können, und dann von diesem Gesichtspunkte aus einsahen: Also muß menschliches Streben zum Menschtum aufgegeben werden, und der irdische Mensch muß es dem Christus überlassen, die Aufgabe der Erde zu vollziehen.
[ 14 ] In Goethe’s *Faust*, many elements have been passed down from deeply medieval conceptions in a way that Goethe himself did not understand. Recall Faust’s invocation of the Earth Spirit. If one carries these medieval ideas within oneself, then one feels quite deeply how this Earth Spirit, whom Faust summons, speaks of surging up and down in the storm of deeds—birth and grave, an eternal weaving, a glowing life—how he creates at the whirring loom of time and weaves a living garment for the deity. For whom, exactly, is Faust summoning? Goethe certainly did not know this in its full depth when he wrote *Faust*. But if we go back from Goethe’s Faust to the medieval Faust, if we listen in on this medieval Faust, in whom Rosicrucian wisdom lived, then this listening teaches us how this medieval Faust, too, wanted to perform a summoning. But whom did he wish to conjure in the Earth Spirit? He did not speak of the Earth Spirit at all; he spoke of the human being. That was the longing of the medieval human being to be human, for he felt deeply that, as an earthly human being, he was not truly human. How can one regain humanity? The way in which Faust is cast aside by the Earth Spirit is a representation of how human beings, in their earthly form, are cast aside by their own true nature. And because this was understood in this way, some of the — well, how should one call them — stories of conversion to Christianity possess an extraordinarily profound character: the character of certain people who strove for their lost humanity but were forced to despair—and rightly so—at the prospect of being able to experience this genuine humanity within themselves during their earthly, physical lives, and who then realized from this perspective: Thus, the human striving for humanity must be abandoned, and earthly humanity must leave it to Christ to fulfill the task of the earth.
[ 15 ] In der Zeit, in der also noch, ich möchte sagen, in einer überpersönlich-persönlichen Art vom Menschen sowohl das Verhältnis zur Menschheit selber wie das Verhältnis zum Christus aufgefaßt wurde, in dieser Zeit war Geist-Erkenntnis, Geistesschau eben noch real. Da war sie noch Erlebnisinhalt. Das hörte mit dem 15. Jahrhundert fast ganz auf. Und da vollzog sich denn jener Umschwung, über den sich eigentlich niemand mehr aufklärte.
[ 15 ] In the era when, I would say, both the relationship to humanity itself and the relationship to Christ were still conceived of in a transpersonal-personal way, in that era, spiritual knowledge and spiritual vision were still very much a reality. It was still the substance of experience. That came to an almost complete end with the 15th century. And that was when the shift took place—a shift that, in fact, no one really understood.
[ 16 ] Aber für den, der solche Dinge weiß, gibt es im 15., im 16. Jahrhundert, ja auch noch später, eine einsame, der Welt kaum bekannt gewordene Rosenkreuzerschule, wo immer wieder und wiederum wenige Zöglinge erzogen wurden und wo vor allen Dingen darauf gesehen wurde, daß eines als eine heilige Tradition bewahrt worden ist. Diese heilige Tradition war die folgende. Ich will Ihnen das Ganze in Form einer Erzählung geben.
[ 16 ] But for those who know such things, there existed in the 15th and 16th centuries—and even later—a solitary Rosicrucian school, scarcely known to the world, where, time and again, a small number of students were educated, and where, above all, care was taken to ensure that a certain sacred tradition was preserved. This sacred tradition was as follows. I will present the whole story to you in the form of a narrative.
[ 17 ] Sagen wir, wiederum kam ein neuer Zögling zur Vorbereitung in diese einsame Stätte. Da wurde ihm zunächst in der wirklichen Gestalt, wie das von alten Zeiten überliefert war, das sogenannte Ptolemäische Weltensystem beigebracht, nicht so trivial, wie es heute als etwas Überwundenes vor die Leute hingestellt wird, sondern anders. Es wurde ihm gezeigt, wie die Erde die Kräfte tatsächlich in sich trägt, ihren Gang durch die Welt von sich aus zu bestimmen. So daß in der richtigen Weise das Weltensystem vorgestellt, es eben im alten Ptolemäischen Sinne gezeichnet werden muß: die Erde für den Menschen im Mittelpunkt des Weltenalls, die anderen Gestirne in einer entsprechenden Umkreisung durch die Erde dirigiert. Dann wurde dem Schüler gesagt: Wenn man dasjenige, was der Erde beste Kräfte sind, wirklich studiert, so kommt man zu keinem anderen Weltensystem als diesem. Aber so ist es eben nicht. Es ist nicht so durch die Schuld des Menschen. Durch die Schuld des Menschen ist die Erde unberechtigterweise in den Sonnenbereich übergegangen, und die Sonne ist der Regent der irdischen Betätigungen geworden. Und so kann man einem Weltensystem, das von den Göttern den Menschen gegeben werden sollte im Sinne des alten Ptolemäischen Weltensystems mit der Erde im Mittelpunkte, ein solches entgegenstellen, das die Sonne im Mittelpunkte hat, die Erde sich drehend um die Sonne, das Kopernikanische Weltensystem.
[ 17 ] Let us say, once again, that a new student arrived at this secluded place for preparation. There, he was first taught the so-called Ptolemaic system of the world in its true form, as it had been handed down from ancient times—not in the trivial way it is presented to people today as something that has been superseded, but differently. He was shown how the Earth actually possesses the forces within itself to determine its course through the universe of its own accord. Thus, the world system must be presented correctly—that is, depicted in the old Ptolemaic sense: the Earth at the center of the universe for humankind, with the other celestial bodies directed in a corresponding orbit around the Earth. Then the student was told: If one truly studies what the Earth’s greatest forces are, one arrives at no other world system than this one. But that is simply not the case. It is not so through humanity’s fault. Through humanity’s fault, the Earth has unjustifiably passed into the realm of the Sun, and the Sun has become the ruler of earthly activities. And so one can contrast a world system—which was to be given to humanity by the gods in the sense of the ancient Ptolemaic world system with the Earth at its center—with one that has the Sun at its center, with the Earth revolving around the Sun: the Copernican world system.
[ 18 ] Und es wurde dem Schüler anvertraut, daß hier ein Weltenirrtum vorliegt, ein durch menschliche Schuld bewirkter Weltenirrtum. Und dann wurde zusammengefaßt für diesen Schüler dasjenige, was er sich tief in die Seele und tief ins Herz schreiben sollte: Da haben nun die Menschen das alte Weltensystem überwunden und ein anderes an die Stelle gesetzt und wissen nicht einmal, daß dieses andere, das sie für richtig ansehen, das Ergebnis der eigenen Menschenschuld ist. Was nur der Ausdruck, was nur die Offenbarung der Menschenschuld ist, sieht man einfach als das Richtige gegenüber dem Falschen an. — Was ist geschehen in der neueren Zeit?, so sagten dann die Lehrer diesem Schüler. Die Wissenschaft ist gestürzt worden durch die Schuld des Menschen. Die Wissenschaft ist eine Wissenschaft des Dämonischen geworden. — Bis dann am Ende des 18. Jahrhunderts auch solche Dinge unmöglich geworden sind, hat es immer wenigstens einzelne Schüler gegeben, welche mit dieser Gemütserkenntnis, mit dieser Gemütsanschauung aus einer einsamen Rosenkreuzer-Schulstätte ihre geistige Nahrung bezogen haben. Es ist zum Beispiel noch so gewesen, daß der große Leibniz, der Philosoph, aus seinen Gedankenerwägungen heraus den Antrieb in sich erhalten hat, irgendwo zu finden diejenige Lehrstätte, in der man in der richtigen Weise formulieren kann, wie es sich eigentlich verhält mit dem Kopernikanischen und Ptolemäischen Weltsystem. Er hat sie nicht finden können.
[ 18 ] And it was revealed to the student that this is a case of a world error—a world error brought about by human fault. And then, for this student, the following was summarized—what he should engrave deeply in his soul and deep in his heart: People have now overcome the old world system and replaced it with another, yet they do not even realize that this other system, which they regard as correct, is the result of their own human guilt. What is merely the expression, what is merely the manifestation of human guilt, is simply regarded as the right thing as opposed to the wrong. — “What has happened in recent times?” the teachers then asked this student. Science has been overthrown through human guilt. Science has become a science of the demonic. — Until such things became impossible at the end of the 18th century, there were always at least a few individual students who drew their spiritual nourishment from a solitary Rosicrucian school, guided by this insight into the soul and this spiritual perspective. For example, it was still the case that the great Leibniz, the philosopher, drew from his own reflections the impetus to seek out somewhere a place of learning where one could correctly articulate the true nature of the Copernican and Ptolemaic world systems. He was unable to find it.
[ 19 ] Solche Dinge muß man kennen, um die richtige Nuance herauszubekommen für den Umschwung, der in den letzten Jahrhunderten in bezug auf des Menschen Anschauung über sich selbst und über das Weltenall stattgefunden hat. Und mit dem Hinuntersinken dieses lebendigen Zusammenhanges des Menschen mit sich selbst, mit diesem Entfremden des Menschen von sich selbst, kam dann das Anklammern des Menschen an den äußeren Verstand, der heute alles beherrscht. Denn dieser äußere Verstand, ist er denn menschliches Erlebnis? Er ist nicht menschliches Erlebnis. Denn wäre er menschliches Erlebnis, so könnte er nicht in so äußerlicher Weise innerhalb der Menschheit leben, in der er lebt. Der Verstand ist ja im Grunde genommen gar nicht verbunden mit dem einzelnen Persönlichen, mit dem einzelnen individuellen Menschen, der Verstand ist ja fast etwas Konventionelles. Er sprudelt nicht hervor aus innerem menschlichem Erlebnis. Er tritt eigentlich als etwas Äußerliches an den Menschen heran.
[ 19 ] One must be aware of such things in order to grasp the precise nuance of the shift that has taken place over the last few centuries in humanity’s view of itself and of the universe. And with the decline of this living connection between human beings and themselves—with this alienation of human beings from themselves—came humanity’s clinging to external intellect, which today dominates everything. For is this external intellect human experience? It is not human experience. For if it were human experience, it could not exist within humanity in such an external manner as it does. After all, reason is fundamentally not connected to the individual person, to the individual human being; reason is, in fact, almost a conventional construct. It does not spring forth from inner human experience. It actually approaches human beings as something external.
[ 20 ] Und wie er etwas Äußerliches geworden ist, man empfindet es, wenn man vergleicht, wie etwa Aristoteles selber seine Logik, die ja nach Kants Ausdruck seit Aristoteles nicht fortgeschritten ist, seinen Schülern beigebracht hat, und wie dann etwa im 17. nachchristlichen Jahrhundert Logik gelehrt worden ist. Es war in der Aristoteles-Zeit Logik etwas recht Menschliches noch. Denn indem der Mensch darauf hingewiesen wurde, logisch zu denken, hatte er ja damals noch eine Empfindung, die Empfindung, als ob er, wenn ich mich eben wiederum imaginativ ausdrücken darf, seinen Kopf, sein Haupt in kaltes Wasser stecken würde und dadurch sich selber für einen Moment entfremdet würde, oder auch eine andere Empfindung, diejenige Empfindung, die Alexander dem Aristoteles entgegengehalten hat, als er ihm die Logik beibringen wollte: Du drückst mir ja alle Kopfknochen zusammen — wie etwas Äußerliches. Im 17. Jahrhundert empfand man diese Äußerlichkeit als etwas Selbstverständliches. Man lernte, wie man aus dem Obersatz, aus dem Untersatz den Schlußsatz finden müsse. Man lernte dasjenige, was Sie noch im Goetheschen «Faust» ironisch behandelt finden: Das erst’ war so, das zweite so, und drum das dritt’ und vierte so, und wenn das erst’ und zweit’ nicht war’, das dritt’ und viert’ war” nimmermehr. Und so wird der Geist Euch wohl dressiert, in spanische Stiefeln eingeschnürt. — Ob man nun, wie Alexander es empfunden hat, den Kopf in seinen Knochen zusammengedrückt empfindet, oder ob man in spanische Stiefel eingeschnürt wird durch das erst’ und zweit’ und dritt’ und viert’, es ist ja schon dieses ein Bild für dasselbe, was der Mensch empfindet.
[ 20 ] And just how it has become something external—one can sense this when one compares, for example, how Aristotle himself taught his logic—which, in Kant’s words, has not advanced since Aristotle—to his students, and how logic was then taught in the 17th century A.D. In Aristotle’s time, logic was still something quite human. For when people were urged to think logically, they still had a sensation—the sensation, if I may once again express myself imaginatively, of dipping their heads into cold water and thereby became estranged from themselves for a moment—or another sensation, the very one that Alexander held up to Aristotle when he wanted to teach him logic: “You’re squeezing all the bones in my head together”—as if it were something external. In the 17th century, this external nature was taken for granted. One learned how to derive the conclusion from the major premise and the minor premise. One learned precisely what you still find treated ironically in Goethe’s *Faust*: “The first was thus, the second thus, and therefore the third and fourth thus; and if the first and second had not been, the third and fourth would never have been.” And so the mind is trained, laced into Spanish boots. — Whether one feels, as Alexander did, that one’s head is squeezed into one’s skull, or whether one is laced into Spanish boots by the first, second, third, and fourth—this is already a metaphor for the very same thing that human beings feel.
[ 21 ] Diese Äußerlichkeit des abstrakten Denkens, sie empfand man in der Zeit nicht mehr, als man Logik bewußt lernte in den Schulen. Heute hat das mehr oder weniger aufgehört. Es wird auch Logik nicht mehr bewußt gelernt auf den Schulen. Nun, das ist ja ungefähr so, als wenn es irgendwo eine Zeit gegeben hätte, wo die Leute mit Enthusiasmus nach Hunderten und Hunderten sich die gleiche Uniform nach der Vorschrift angezogen hätten, und nachher eine Zeit gefolgt wäre, in der sie, ohne erst darüber nachzudenken, das freiwillig getan haben. Aber in dieser Zeit, in der die Logik des Abstrakten immer mehr und mehr überhandnahm, in dieser Zeit konnte die alte geistige Erkenntnis ja nicht mehr fortschreiten. Daher sehen wir sie äußerlich werden und jene Gestalt annehmen, die in solchen Erscheinungen auftritt wie zum Beispiel in den Schriften des Eliphas Levi oder in den Veröffentlichungen von Saint-Martin. Man hat schon in diesen Veröffentlichungen die letzten Ausläufer alter Geist-Erkenntnis und -Geistesschau.
[ 21 ] This outward aspect of abstract thinking was no longer perceived at the time when logic was consciously taught in schools. Today, that has more or less ceased. Logic is also no longer consciously taught in schools. Well, that’s roughly as if there had been a time when people enthusiastically donned the same uniform according to the rules by the hundreds and hundreds, and this was followed by a time when they did so voluntarily, without even thinking about it first. But in this era, in which the logic of the abstract was gaining more and more the upper hand, in this era, the old spiritual knowledge could no longer progress. That is why we see it becoming externalized and taking on the form that appears in such works as, for example, the writings of Eliphas Levi or the publications of Saint-Martin. Even in these publications, one can already discern the final vestiges of ancient spiritual insight and spiritual vision.
[ 22 ] Aber was ist in einer solchen Schrift enthalten wie etwa in Eliphas Levis «Dogma und Ritual der hohen Magie»? Da sind zum Beispiel zunächst zu finden allerlei Zeichen, Triangel, Pentagramme und so weiter, da finden Sie wieder heraufgeholt aus alten Zeiten gewisse Worte aus früher herrschenden Sprachen, namentlich aus der hebräischen, und da finden Sie dasjenige, was früher Leben war, aber auch Erkenntnis, was in die Tat des Menschen übergehen konnte, aber auch in die Ideen des Menschen übergehen konnte, das finden Sie ideenlos auf der einen Seite und in äußerliche Zauberei auf der anderen Seite ausgeartet; Spekulationen über die symbolische Bedeutung dieses oder jenes Zeichens, denen gegenüber der moderne Mensch, wenn er ehrlich sein will, sich gestehen müßte, daß gar nichts Besonderes darinnen enthalten ist, schauderhafte Verrichtungen, anknüpfend an allerlei Riten, deren geistiger Zusammenhang denjenigen, die von solchen Riten sprechen und sie auch oftmals übten, nicht im entferntesten klar war. Überall wiesen solche Bücher hin auf dasjenige, was einmal verstanden wurde in alten Zeiten, innerlich erkenntnismäßig erlebt wurde, aber in der Zeit, wo zum Beispiel Eliphas Levi seine Bücher schrieb, eben nicht mehr verstanden wurde. Und über Saint-Martin habe ich mich ja in der Wochenschrift «Goetheanum» selber einmal ausgesprochen. Und so sehen wir denn, man möchte sagen, mit vollem Unverständnis dasjenige behandelt, was einmal in das seelisch-geistige Menschenleben einverwoben war, was aber in diesem seelisch-geistigen Menschenwesen nicht erhalten werden konnte.
[ 22 ] But what is contained in a text such as Eliphas Levi’s *Dogma and Ritual of High Magic*? For example, one first finds all sorts of symbols—triangles, pentagrams, and so on; you’ll find certain words dredged up from ancient times, from languages that once prevailed—namely Hebrew—and you’ll find that which was once life, but also knowledge—that which could be transformed into human action, but also into human ideas—you’ll find this degenerated into mindlessness on the one hand and into external sorcery on the other; Speculations about the symbolic meaning of this or that sign—in the face of which modern man, if he wishes to be honest, would have to admit that there is nothing special contained within them—and horrifying rituals linked to all manner of rites, the spiritual context of which was not in the least clear to those who spoke of such rites and often performed them. Everywhere, such books pointed to that which was once understood in ancient times, experienced inwardly through knowledge, but which, by the time Eliphas Levi, for example, wrote his books, was no longer understood. And I myself have already spoken about Saint-Martin in the weekly journal *Goetheanum*. And so we see—one might say—that what was once woven into the soul-spiritual life of the human being, but which could not be preserved within this soul-spiritual human being, is treated with complete incomprehension.
[ 23 ] Echt und wahr ist vom 15. bis ins 18., 19. Jahrhundert herein dasjenige, was als ein allgemeiner Drang nach dem Göttlichen sich dem Gemüte ergeben hat. Da ist Schönes, Wunderschönes und Herrliches zu finden. Und da ist über manchem, was heute viel zu wenig beachtet wird, ein wirklicher Zauberhauch des Spirituellen. Aber neben alledem geht eine sich verknöchernde Saat auf des Unverstandes alter spiritueller Wahrheiten, und einher geht damit das Unvermögen, in einer der Zeit entsprechenden Weise an das Geistige heranzukommen. Man kann Menschen kennenlernen aus dem 18. Jahrhundert, die geradezu von einer Zerstörung alles Menschlichen sprechen und von einem Heraufkommen eines furchtbaren Materialismus. Manchmal ist es einem so, als ob dasjenige, was diese Menschen des 18. Jahrhunderts sagen, auch auf unsere Zeit passen würde. Dennoch paßt es nicht, paßt auf die letzten zwei Drittel des 19. Jahrhunderts nicht. Denn in diesem 19. Jahrhundert ist das, was man noch mit einem gewissen, ich möchte sagen, Abscheu vor seinem dämonischen Charakter im 18. Jahrhundert angesehen hat, etwas Selbstverständliches geworden. Man hatte nicht die Kraft, sich zu sagen: Kopernikus — sehr schön, aber eine Anschauung, die nur dadurch hat kommen können, daß der Mensch eben nicht das geworden ist auf der Erde, was er auf der Erde hätte werden sollen, daß die Erde regentenlos dastand und das Erdenregiment an den widerrechtlichen Fürsten der Welt — das Wort kommt im Mittelalter immer wieder vor — übergegangen ist, weshalb der Christus die Sonne verlassen hat und sich mit dem Erdengeschick vereinigt hat.
[ 23 ] What is genuine and true from the 15th through the 18th and into the 19th century is that which has presented itself to the mind as a universal yearning for the divine. There is beauty, splendor, and magnificence to be found there. And there is a genuine, enchanting touch of the spiritual in many things that are given far too little attention today. But alongside all this, a fossilized seed of the old spiritual truths is taking root, accompanied by an inability to approach the spiritual in a way appropriate to the times. One can encounter people from the 18th century who speak of nothing less than the destruction of everything human and the rise of a terrible materialism. Sometimes it seems as though what these 18th-century people say might also apply to our own time. Yet it does not apply—it does not apply to the last two-thirds of the 19th century. For in the 19th century, what was still viewed in the 18th century with a certain—I would say—loathing for its demonic character has become a matter of course. People lacked the strength to say to themselves: Copernicus—very well, but a view that could only have arisen because humanity had not become on Earth what it should have become, because the Earth stood without a ruler and dominion over the Earth had passed to the unlawful princes of the world—a term that recurs repeatedly in the Middle Ages—which is why Christ abandoned the Sun and united himself with the fate of the Earth.
[ 24 ] Und es ist ja in der Tat erst wiederum am Ende des 19. Jahrhunderts möglich geworden, in diese Dinge mit ursprünglicher menschlicher Klarheit hineinzusehen. Es ist erst wiederum möglich geworden in der Michael-Zeit. Von dem Anbruche und dem Charakter dieser Michael-Zeit haben wir ja wiederholt gesprochen. Aber es gibt Aufgaben, welche verbunden sind mit dieser Michael-Zeit und auf die nun auch jetzt hier hingedeutet werden kann, nachdem dasjenige, was über die Entwickelung der Geistesschau in den verschiedenen Jahrhunderten in der Weihnachtszeit und nachher hier gesprochen worden ist, vorangegangen ist.
[ 24 ] And indeed, it was not until the end of the 19th century that it once again became possible to look into these matters with a primal human clarity. It has only become possible again in the Michael era. We have, of course, spoken repeatedly about the dawn and the character of this Michael era. But there are tasks connected with this Michael era that can now be alluded to here, following what has been said previously about the development of spiritual vision over the various centuries during the Christmas season and thereafter.
