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Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a

6 January 1924, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Ich sprach Ihnen gestern von der besonderen Form, die die Mitteilung geisteswissenschaftlicher Ergebnisse in dem Mittelalter angenommen hat. Und diese Form, sie war im Grunde genommen ein Letztes, das sich abspielte, bevor für die menschliche Geistesentwickelung ein Tor geschlossen worden ist, das ja durch Jahrhunderte geöffnet war: das Tor eines gewissen, durch natürliche Begabung kommenden Eintrittes in die geistige Welt. Dieses Tor ist ja geschlossen worden zu der Zeit, in der die Menschen gewissermaßen mit ihren unwillkürlichen Fähigkeiten herausgestellt werden sollten aus dem Bereiche des sie beherrschenden göttlich-geistigen Willens und in ihrem Innersten, in dem eigenen Willen finden sollten die Möglichkeit, Freiheit in der Seele zu entwickeln, bewußte Freiheit. Alle Entwickelungsbewegungen geschehen aber langsam und allmählich, nach und nach. Und so ist es denn auch gekommen, daß dasjenige, was zwar nicht mehr in der Form der alten Mysterien, aber in der Form des Hinaufführens in Ätherhöhen, des Hinunterführens in Erdenklüfte unmittelbar im Zusammenhange mit dem menschlichen Erleben der Natur, wenn auch nicht auf der Erdoberfläche selber, erreicht werden konnte, nun in der Folgezeit in einer mehr unbewußten Form an die Menschen herangetreten ist. Denken Sie sich nur einmal, wie es jenen Persönlichkeiten gegangen ist, die nach Erkenntnis gestrebt haben, um das Jahr 1200 und in dem folgenden 13. Jahrhundert, die ja natürlich Nachricht gehabt haben davon, daß Schüler noch solche Lehrer wie den, von dem ich gestern gesprochen habe, vor kurzer Zeit hatten finden können, denken Sie nur, wie es denen ergangen ist, die diese Nachricht gehabt haben und die nunmehr eigentlich darauf angewiesen waren, Erkenntnis nur mehr durch das menschliche Denken zu finden.

[ 1 ] Yesterday I spoke to you about the unique form that the communication of spiritual-scientific findings took in the Middle Ages. And this form was, in essence, a final stage that took place before a gate was closed to human spiritual development—a gate that had, after all, been open for centuries: the gate of a certain entry into the spiritual world through natural endowment. This gateway was closed at the time when human beings were, so to speak, to be brought out of the realm of the divine-spiritual will that governed them through their involuntary faculties, and were to find within their innermost being—in their own will—the possibility of developing freedom in the soul, conscious freedom. But all evolutionary processes occur slowly and gradually, step by step. And so it came to pass that what could be attained—not in the form of the ancient mysteries, but in the form of ascending to etheric heights or descending into earthly chasms, directly in connection with the human experience of nature, even if not on the Earth’s surface itself—has now, in the subsequent era, approached humanity in a more unconscious form. Just imagine for a moment what it was like for those individuals who strove for knowledge around the year 1200 and in the following 13th century—who, of course, had heard that students had, until recently, been able to find teachers such as the one I spoke of yesterday— just imagine how those who had this knowledge—and who were now, in a sense, dependent on finding insight solely through human thought—must have fared.

[ 2 ] Wir sehen ja dann in der Folgezeit des Mittelalters mehr in größetem Kreise dieses menschliche Denken in einer wirklich imponierenden Weise ausgebildet. Wir sehen dieses menschliche Denken Wege nehmen, die aus innerstem Eifer, aus einer wirklichen Hingabe der ganzen Seele der Menschen gegangen worden sind. Das waren so mehr die Wege der größeren Kreise von erkenntnissuchenden Menschen. Aber das eigentlich Geisteswissenschaftliche setzte sich doch auch fort. Und wir kommen dann, indem wir wenige Jahrhunderte weitergehen, in die Zeit hinein, in der das eigentliche Rosenkreuzertum begründet worden ist. Aber dieses Rosenkreuzertum hängt eben mit einer Umänderung in der ganzen geistigen Welt in bezug auf den Menschen zusammen. Und ich werde Ihnen diese Umänderung wiederum am besten schildern, wenn ich auch hier Ihnen ein Bild gebe.

[ 2 ] In the period following the Middle Ages, we see this human way of thinking develop on a much larger scale in a truly impressive manner. We see this human thinking taking paths that sprang from the innermost zeal, from a genuine devotion of the whole human soul. These were, for the most part, the paths taken by the larger circles of people seeking knowledge. But the actual work of spiritual science also continued. And as we move forward a few centuries, we enter the era in which Rosicrucianism itself was founded. But this Rosicrucianism is connected precisely to a transformation in the entire spiritual world as it relates to human beings. And I will best describe this transformation to you by presenting another image here as well.

[ 3 ] Mysterien im alten Sinne des Wortes waren nicht mehr möglich seit jenem Zeitpunkte, von dem ich Ihnen gesprochen habe; aber Menschen, die nach Erkenntnis lechzten im Sinne dieser alten Mysterien und die schwere Seelenkämpfe erlebten, wenn sie hörten von der Führung auf den Berg, von der Führung in Erdenklüfte, diese Menschen, sie entwickelten in ihren Seelen alle möglichen inneren Methoden, Anstrengungen, um die Seele aufzurufen, nun dennoch den Weg zu finden. Und derjenige, der solche Sachen sehen kann, sieht hinein, wie gesagt, nicht in Mysterienstätten, aber in von einer Atmosphäre von Frömmigkeit durchwärmte Versammlungsstätte von Erkenntnis suchenden Menschen. Und eigentlich ist dasjenige, was dann später sowohl die gute Rosenkreuzerei war wie auch die entartete, die scharlatanhafte, ausgegangen von solchen Menschen, die im Zusammensein, in anspruchslosem Zusammensein versuchten, ihre Seelen so zu arten, daß nun wirklich geistige Erkenntnisse noch hätten zustande kommen können. Und bei einer solchen Versammlung, die wirklich in recht anspruchsloser Umgebung, in dem einfachen Wohnraum eines schloßartigen Hauses stattgefunden hat, in einer solchen Versammlung von wenigen Menschen begab es sich einmal, daß diese Menschen durch gemeinsame Exerzitien, die halb denkerisch-meditativ, halb gebetartig waren, in Gemeinsamkeit eine Art mystischer Stimmung entwickelten, jene mystische Stimmung, die dann viel gepflegt worden ist von den sogenannten «Brüdern des gemeinsamen Lebens», gepflegt worden ist später von den Anhängern des Comenius und vielen anderen Bruderschaften, die sich aber ganz besonders intensiv einmal in einem solchen kleineren Kreise ausgeprägt hat. Und während mit einer wirklichen Hingabe des gewöhnlichen Bewußtseins, mit einer Hingabe des ganzen Intellektes in intensiv mystischer Stimmung diese wenigen Menschen beisammen waren, geschah es, daß zu ihnen ein Wesen trat, aber jetzt ein Wesen, das nicht Fleisch und Blut hatte wie jener Lehrer, dem der Schüler begegnete zu der Führung nach dem Berge, nach den Erdenklüften, sondern ein Wesen, das eigentlich nur im ätherischen Leibe in dieser kleinen Gemeinschaft erscheinen konnte. Und dieses Wesen enthüllte sich als dasselbe, das jenen Schüler um das Jahr 1200 geführt hatte. Aber es war im post mortem-Zustande. Es war aus der geistigen Welt zu diesen Menschen herniedergestiegen, die es angezogen hatten durch ihre fromm-mystisch, meditativdenkerische Stimmung.

[ 3 ] Mysteries in the ancient sense of the word were no longer possible from the point in time I have spoken to you about; but people who yearned for knowledge in the spirit of these ancient mysteries—and who experienced profound inner struggles when they heard of the ascent to the mountain or the descent into the earth’s caverns—these people developed within their souls all manner of inner methods and efforts to summon the soul to find the path nonetheless. And the one who can see such things looks, as I said, not into places of mystery, but into gathering places—warmed by an atmosphere of piety—where people seeking knowledge come together. And in fact, what later became both the true Rosicrucian movement and its degenerate, charlatanic offshoot originated with such people who, in their gatherings—in unpretentious gatherings—sought to cultivate their souls in such a way that genuine spiritual insights might still have come to pass. And at one such gathering—which took place in a truly unpretentious setting, in the simple living quarters of a castle-like house—among this small group of people, it happened once that, through shared spiritual exercises that were half contemplative and meditative, and partly prayer-like, they collectively developed a kind of mystical atmosphere—that mystical atmosphere which was later widely cultivated by the so-called “Brothers of the Common Life,” and later still by the followers of Comenius and many other brotherhoods, but which once manifested itself with particular intensity in such a small circle. And while these few people were gathered together with a genuine surrender of their ordinary consciousness—a surrender of their entire intellect in an intensely mystical mood—it came to pass that a being approached them, but this time a being that was not of flesh and blood like that teacher whom the disciple had encountered on the way to the mountain and into the earth’s caverns, but rather a being that could appear in this small community only in its etheric body. And this being revealed itself to be the very same one who had guided that disciple around the year 1200. But it was in a postmortem state. It had descended from the spiritual world to these people, whom it had been drawn to by their devout, mystical, and meditative-contemplative disposition.

[ 4 ] Damit ja kein Mißverständnis entsteht, betone ich ausdrücklich: Irgendwelche medialen Kräfte waren dabei nicht im Spiele, denn gerade jene kleine Gemeinschaft, die da versammelt war, hätte aus gewissen Voraussetzungen, die altehrwürdiger Tradition angehörten, jede Verwendung medialer Kräfte, auch jeden Anklang an mediale Kräfte als etwas tief Sündhaftes betrachtet. Gerade in jenen Gesellschaften, von denen ich da spreche, wurde Mediumschaft und alles, was damit verwandt war, nicht nur als etwas Schädliches angesehen, sondern als etwas tief, tief Sündhaftes, aus dem Grunde sündhaft, weil ja gewußt wurde von jenen Menschen, daß Mediumschaft zusammenhängt mit einer besonderen Konstitution auch des physischen Leibes, daß dem Medium der physische Leib seine Kräfte, seine geistigen Kräfte gibt. Der physische Leib wurde aber von jenen Menschen als der Sünde verfallen betrachtet, und man hätte unter allen Umständen Kundgebungen mit Hilfe von medialen Kräften als ahrimanische oder luziferische Kräfte angesehen. Diese Dinge wurden in jener Zeit eben noch genau gewußt, und so war nichts irgendwie Mediumhaftes verwendet worden. Dagegen war es rein die mystisch-meditative Stimmung; und jene Verstärkung der mystisch-meditativen Stimmung, die durch die Gemeinsamkeit der Seelen erzeugt wird, die war es, welche hereinzauberte durch die eigene Willkür jenen entkörperten Menschen, jenes rein geistige, aber menschliche Wesen in diesen Kreis.

[ 4 ] To avoid any misunderstanding, I wish to emphasize explicitly: No mediumistic powers were at play here, for precisely that small community that was gathered there would have regarded any use of mediumistic powers—or even any hint of such powers—as something deeply sinful, based on certain principles that were part of a time-honored tradition. Precisely in the societies of which I am speaking, mediumship and everything related to it was regarded not only as something harmful, but as something deeply, deeply sinful—sinful for the reason that these people knew that mediumship is connected to a particular constitution of the physical body as well, and that the physical body provides the medium with its powers, its spiritual powers. However, those people regarded the physical body as having fallen into sin, and under any circumstances they would have viewed manifestations brought about by mediumistic forces as Ahrimanic or Luciferic forces. These things were still precisely understood at that time, and so nothing of a mediumistic nature had been employed in any way. Instead, it was purely the mystical-meditative mood; and it was that intensification of the mystical-meditative mood—brought about by the unity of souls—that, through its own volition, conjured up that disembodied human being, that purely spiritual yet human being, into this circle.

[ 5 ] Und dieses Wesen sagte in einer sehr feierlichen Art: Ihr seid ja gerade auf mein Erscheinen nicht vorbereitet, aber ich bin unter euch, entkörpert, ohne physischen Leib, weil die Zeit gekommen ist, in der Eingeweihte der alten Art eine kurze Periode des Erdendaseins im physischen Leibe nicht erscheinen können. Diese Zeit wird wieder kommen, wenn die Michael-Periode anbrechen wird. Ich bin zu euch gekommen, um euch zu offenbaren, daß das Menscheninnere unverwandelt geblieben ist, daß das Menscheninnere, wenn es sich in der richtigen Weise verhält, den Weg zum göttlich-geistigen Dasein finden kann. Aber es wird eine Zeitlang der menschliche Verstand so beschaffen sein, daß er unterdrückt werden muß, damit Geistiges zur Menschenseele wird sprechen können. Darum bleibet in eurer mystisch-frommen Stimmung. Ich konnte euch, indem ihr von mir das gemeinsame Bild, die gemeinsame Imagination empfanget, auf dasjenige, was sich mit euch vollziehen wird, nur hinweisen, aber ihr werdet die Fortsetzung desjenigen, was ihr erlebt habt, weiter erfahren.

[ 5 ] And this being said in a very solemn manner: “You are not yet prepared for my appearance, but I am among you, disembodied, without a physical body, because the time has come when initiates of the old order cannot appear for a brief period of earthly existence in a physical body.” That time will come again when the Michael period dawns. I have come to you to reveal that the inner being of humanity has remained unchanged, that the inner being of humanity, if it behaves in the right way, can find the path to divine-spiritual existence. But for a time, the human mind will be such that it must be suppressed so that the spiritual may speak to the human soul. Therefore, remain in your mystical and devout state of mind. By giving you this shared image, this shared vision, I could only point you toward what is to take place within you, but you will continue to experience the continuation of what you have already experienced.

[ 6 ] Und siehe da, drei aus dem Kreise, der da versammelt war, waren wirklich dazu ausersehen, nunmehr eine besondere Verbindung mit der geistigen Welt herzustellen, wiederum niemals durch irgendwelche medialen Kräfte, sondern durch Fortführung jener mystisch-meditativ-frommen Stimmung. Und bei diesen dreien, die dann besonders behütet wurden von den andern dieses Kreises, wirklich innig gepflegt wurden, bei diesen dreien stellte sich heraus, daß sie von Zeit zu Zeit eine Art Geistesabwesenheit erlebten. Sie wurden in bezug auf ihre äußerliche Körperlichkeit wunderschön, erlangten etwas wie ein glänzendes Antlitz, sonnenleuchtende Augen, und während dieser Zeit schrieben sie symbolische Offenbarungen, die sie aus der geistigen Welt heraus erhielten, auf. Diese symbolischen Offenbarungen waren die ersten Bilder, in denen den Rosenkreuzern geoffenbart worden ist, was sie wissen sollten über die geistige Welt. In diesen symbolischen Offenbarungen war enthalten eine Art Philosophie, eine Art Theologie, eine Art Medizin.

[ 6 ] And lo and behold, three members of the circle that had gathered there were indeed chosen to establish a special connection with the spiritual world—not through any mediumistic powers, but through the continuation of that mystical, meditative, and devout atmosphere. And with these three, who were then especially protected by the others in this circle and truly cherished, it turned out that from time to time they experienced a kind of mental absence. In terms of their outward physical appearance, they became radiant, taking on something like a glowing countenance and sunlit eyes, and during this time they wrote down symbolic revelations they received from the spiritual world. These symbolic revelations were the first images through which the Rosicrucians were revealed what they were to know about the spiritual world. These symbolic revelations contained a kind of philosophy, a kind of theology, and a kind of medicine.

[ 7 ] Und dieses Merkwürdige stellte sich heraus: Die anderen — es scheint mir, als ob die anderen viere gewesen wären, so daß das Ganze eine Gemeinschaft von sieben gewesen war —, die anderen, sie konnten durch dasjenige, was sie erlebt hatten an den sonnenglänzenden Augen, an dem strahlenden Antlitz ihrer drei Brüder, in der gewöhnlichen Sprache dasjenige wiedergeben, was in den Symbolen lag. Die zum Herausholen dieser Symbole aus der geistigen Welt bestimmten Brüder, sie konnten nur diese Symbole hinschreiben, und sie konnten nur sagen, als sie wiederum in ihren gewöhnlichen Bewußtseinszustand zurückkehrten: Wir sind gewandelt unter Sternen und Sternengeistern und haben da die alten Lehrer des Geheimwissens gefunden. — Sie konnten selbst nicht in gewöhnliche Menschensprache diese symbolischen Bilder umsetzen, die sie aufzeichneten. Die anderen konnten es und taten es. Und vieles von dem, was dann übergegangen ist zum Teil in die philosophischtheologische — aber nicht mehr in die kirchlich-theologische, sondern in die profan-theologische — und in die medizinische Literatur, ist ursprünglich diesem eben gekennzeichneten Quell entsprossen. Und in kleineren Kreisen, die durch die ersten Rosenkreuzer organisiert worden sind, ist dann dasjenige verbreitet worden, was an solchen Symbolen aus der geistigen Welt erhalten worden ist.

[ 7 ] And this remarkable thing turned out to be true: The others—it seems to me that there were four of them, so that the group as a whole consisted of seven—the others were able, through what they had experienced in the sun-drenched eyes and the radiant countenance of their three brothers, to express in ordinary language what was contained in the symbols. The brothers who were destined to bring these symbols out of the spiritual world could only write down these symbols, and when they returned to their ordinary state of consciousness, they could only say: “We have walked among the stars and the star spirits and have found there the ancient teachers of the secret knowledge.” — They themselves could not translate the symbolic images they recorded into ordinary human language. The others could, and did so. And much of what then found its way, in part, into philosophical-theological—but no longer ecclesiastical-theological, rather secular-theological—and into medical literature, originally sprang from the very source just described. And in smaller circles organized by the first Rosicrucians, what had been preserved from the spiritual world in the form of such symbols was then disseminated.

[ 8 ] Und immer wieder und wiederum kamen Möglichkeiten, in kleinsten Kreisen solches zu erleben zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert. Es ist viel aus der geistigen Welt auf eine solche oder ähnliche Art zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert den Menschen geoffenbart worden. Nicht immer waren diejenigen, die dann das in Bildern Geoffenbarte übersetzen sollten, in der Lage, es wirklich treu wiederzugeben. Daher hat manches, was Sie ja heute noch aus der Philosophie dieser Zeit überliefert finden können, einen in sich nicht ganz klaren Charakter, und man muß dann das, was es eigentlich bedeutet, selbst wiederum aus der Welt des Geistes heraus suchen. Aber immerhin war die Möglichkeit vorhanden bei denjenigen, die um diese Art der Offenbarung von seiten der geistigen Welt wußten, anzuknüpfen an solche Offenbarungen.

[ 8 ] Time and again, between the 13th and 15th centuries, opportunities arose to experience such things within very small circles. Much from the spiritual world was revealed to people in this or a similar way between the 13th and 15th centuries. Those who were then tasked with interpreting what was revealed in images were not always able to render it truly faithfully. Consequently, some of what you can still find today in the philosophy of that era has a character that is not entirely clear in itself, and one must then seek out its true meaning for oneself from within the spiritual world. But at least the possibility existed for those who were aware of this kind of revelation from the spiritual world to build upon such revelations.

[ 9 ] Aber Sie müssen sich ja denken, wie sonderbar allmählich die Stimmung der Menschen werden mußte, die diese höchsten Erkenntnisse — denn als solche wurde dasjenige, was ihnen gegeben wurde, anerkannt —, die solche höchsten Erkenntnisse von einer Seite her bekommen mußten, die ihnen eigentlich allmählich unheimlich wurde, weil sie ja nicht hineinschauten in die Welt, aus der ihnen diese Geheimnisse kamen, weil das gewöhnliche Bewußtsein nicht hineinreichte. Daher war es auch so naheliegend, daß solche Dinge sehr leicht zum Scharlatanhaften, ja zum Schwindelhaften führen konnten. Und in keiner Zeit der menschlichen Entwickelung ist eigentlich Scharlatanhaftes und Höchstes in der Offenbarung so nahe beieinander gewesen wie in dieser Zeit. Und schwierig ist für diese Zeit, das Echte von dem Falschen zu unterscheiden, daher auch von vielen die ganze Rosenkreuzerei als eine Scharlatanerie angesehen wird. Man kann es begreifen, daß es so geschieht, denn die wahren Rosenkreuzer sind unter den Scharlatanen außerordentlich schwer zu finden, und die ganze Sache wird dadurch besonders fragwürdig, daß man eben immer die Voraussetzung machen mußte, die geistige Offenbarung stamme aus Quellen heraus, die zunächst ihrer eigentlichen Beschaffenheit nach eben verborgen blieben.

[ 9 ] But you can imagine how strange the mood of these people must have gradually become—those who received these highest insights — for that is how what was given to them was recognized —, who had to receive such supreme insights from a source that was actually becoming increasingly unsettling to them, because they did not look into the world from which these mysteries came, since ordinary consciousness did not extend that far. That is why it was so obvious that such things could very easily lead to charlatanism, indeed to fraud. And at no other time in human development have charlatanism and the highest truths in revelation been so close to one another as in this era. It is difficult in this era to distinguish the genuine from the false, which is why many regard the entire Rosicrucian movement as a form of charlatanism. One can understand why this happens, for the true Rosicrucians are exceedingly difficult to find among the charlatans, and the whole matter becomes particularly questionable because one has always had to assume that spiritual revelation originates from sources that, by their very nature, remain hidden at first.

[ 10 ] Und es war so, daß diejenigen, die allmählich sozusagen gesammelt wurden von den ersten Rosenkreuzern zu einer größeren Brüderschaft, immer eigentlich als Unbekannte in der Weise auftraten, daß sie in der Welt da und dort erschienen, zumeist in der damaligen Zeit im Arztberuf, Kranke heilten, und bei dieser Gelegenheit, indem sie den Arztberuf ausübten, zu gleicher Zeit Erkenntnisse verbreiteten. Es war schon so, daß vieles, vieles an Erkenntnissen damals verbreitet worden ist, von dem man sagen muß: Es hat die Verbreitung einen etwas peinlichen Charakter, weil ja die Menschen, die diese Verbreitung betrieben, gar nicht sagen konnten, wie der Zusammenhang mit der geistigen Welt ist, in dem sie standen.

[ 10 ] And it was the case that those who were gradually, so to speak, gathered by the first Rosicrucians into a larger brotherhood always appeared, in a sense, as unknown figures, showing up here and there in the world—mostly, at that time, as physicians— healed the sick, and on these occasions, while practicing medicine, simultaneously disseminated insights. It was indeed the case that a great deal of knowledge was disseminated at that time, about which one must say: Its dissemination had a somewhat awkward character, because the people who carried it out could not at all explain the connection they had with the spiritual world.

[ 11 ] Aber es bildete sich ein anderes aus innerhalb dieses Betriebes geistiger Forschung, geistiger Erkenntnis. Es ist ja etwas ungeheuer Schönes, wenn man so sieht: Da sind drei Brüder und vier andere, drei Brüder, die eigentlich in dem, was sie der Welt bieten können, nur ein Zweckvolles erreichen können, wenn die andern viere mit ihnen zusammenarbeiten. Sie sind unbedingt aufeinander angewiesen. Die dreie bekommen ihre Offenbarungen aus der geistigen Welt, die viere können es in die gewöhnliche Menschensprache übersetzen. Das, was die dreie geben, wären ganz unverständliche Bilder, wenn die vier anderen sie nicht übersetzen könnten. Und wiederum, die vier anderen würden gar nichts haben zum Übersetzen, wenn die dreie nicht ihre Offenbarungen in Bildform aus der geistigen Welt empfingen.

[ 11 ] But something else took shape within this endeavor of spiritual research and spiritual insight. It is, after all, something incredibly beautiful when you look at it this way: There are three brothers and four others—three brothers who, in what they can offer the world, can only achieve their purpose if the other four work together with them. They are absolutely dependent on one another. The three receive their revelations from the spiritual world; the four are able to translate them into ordinary human language. What the three provide would be completely incomprehensible images if the other four were unable to translate them. And conversely, the other four would have nothing at all to translate if the three did not receive their revelations in the form of images from the spiritual world.

[ 12 ] Dadurch bildete sich innerhalb solcher Gemeinschaften dasjenige aus, was gerade in diesen Jahrhunderten in gewissen Kreisen als etwas angesehen wurde, das ein Höchstmenschliches ist: innerliche seelische Bruderschaft, Bruderschaft in der Erkenntnis, Bruderschaft im geistigen Leben. Solche kleinen Kreise lernten gerade durch ihr Streben den realen Wert der Bruderschaft kennen. Und sie empfanden allmählich immer mehr und mehr, daß die Entwickelung der Menschheit zu der Freiheit hin so ist, daß das Band zwischen den Menschen und den Göttern ganz zerreißen würde, wenn es nicht aufrechterhalten würde durch solche Bruderschaft, wo wirklich einer auf den andern angewiesen ist.

[ 12 ] As a result, what emerged within such communities was precisely what, during these centuries, was regarded in certain circles as the very essence of humanity: inner spiritual brotherhood, brotherhood in knowledge, and brotherhood in spiritual life. It was precisely through their striving that these small circles came to know the true value of brotherhood. And they gradually felt more and more that humanity’s development toward freedom is such that the bond between human beings and the gods would be completely severed if it were not sustained by such brotherhood, in which people are truly dependent on one another.

[ 13 ] Was man da zu schildern hat, ist etwas seelisch außerordentlich Schönes. Und über manchem, was damals geschrieben worden ist, liegt ein Zauber, der erst verständlich wird, wenn man weiß, daß diese Atmosphäre von Menschenbruderschaft, die in dieser Zeit durch das geistige Leben vieler Kreise Europas ging, in dieses Schrifttum herrlich hineingeleuchtet hat. Aber das Ganze war eben — und immer mehr und mehr zeigte sich das — bei denjenigen, die so nach Erkenntnis strebten, in eine Stimmung getaucht, die die Leute ängstlich machte. Weil man nicht an die Quellen der geistigen Offenbarung herankam, so konnte man zuletzt gar nicht mehr wissen, ob diese Offenbarungen guter Art oder böser Art sind. Und eine gewisse Ängstlichkeit vor gewissen Einflüssen machte sich neben allem Guten in diesen Strömungen in dieser Zeit ganz besonders geltend. Diese Ängstlichkeit ging dann ja auf große Kreise des Volkes über, die Furcht hatten, starke Furcht hatten vor aller Erkenntnis.

[ 13 ] What is to be described here is something of extraordinary spiritual beauty. And there is a certain magic about much of what was written back then that can only be understood once one realizes that this atmosphere of human brotherhood—which permeated the spiritual life of many circles in Europe at that time—shone brilliantly through in these writings. But the whole thing was—and this became increasingly apparent—immersed, among those who strove for knowledge in this way, in a mood that made people anxious. Because one could not access the sources of spiritual revelation, in the end one could no longer know at all whether these revelations were of a good or evil nature. And alongside all the good in these movements of that time, a certain anxiety about certain influences made itself particularly felt. This anxiety then spread to large segments of the population, who were afraid—deeply afraid—of all knowledge.

[ 14 ] Man kann diese Stimmung besonders gut studieren bei zwei Menschen. Der eine ist der im 15. Jahrhundert lebende, etwa 1430 geborene Raimund von Sabunda. Raimund von Sabunda ist ein merkwürdiger Mensch. Wenn man sich in dasjenige, was er gedacht hat, was er hinterlassen hat, vertieft, so hat man das Gefühl: Es ist fast dieselbe Offenbarung, die jener Berg- und Erdenklüftelehrer seinem Schüler um das Jahr 1200 übermacht hat, in vollem Bewußtsein übermacht hat. — Und doch wiederum, das Ganze ist in unbestimmtere und unpersönlichere Redensarten getaucht — philosophischer, theologischer, medizinischer Art — bei Raimund von Sabunda im 15. Jahrhundert. Das aber rührt davon her, daß Raimund von Sabunda eben auch seine Offenbarungen empfangen hatte auf dem Umweg durch die wahre Rosenkreuzerei, also auf jenem Wege, der dadurch eröffnet war, daß der große Eingeweihte vom 12. Jahrhundert, dessen Wirkungen ich Ihnen geschildert habe, weiter inspirierend wirkte für all das, was ich heute gekennzeichnet habe, aus der geistigen Welt her. Denn im Grunde genommen ging von ihm und denjenigen, die mit ihm in der geistigen Welt waren, all jene Offenbarung aus, die dann durch die Rosenkreuzerei so zog, wie ich es für die Rosenkreuzerei öfters beschrieben habe. Die Stimmung gab er. Aber Ängstlichkeit bemächtigte sich doch nun solcher Geister. Raimund von Sabunda war ein mutiger, ein kühner Geist, einer von jenen Menschen, die Ideen zu würdigen vermögen, die in Ideen zu leben verstehen. Daher merkt man bei ihm zwar etwas von dem Unbestimmten, das davon herrührt, daß ja die Offenbarungen eben aus der geistigen Welt heraus sind, aber man merkt nichts bei ihm von irgendeiner Ängstlichkeit, von einer Erkenntnis-Ängstlichkeit. Um so mehr tritt einem dasjenige, was aus jener Geistesströmung in dieser Art hervorging, besonders charakteristisch entgegen bei einem anderen Geist, bei Pico de Mirandola im 15. Jahrhundert.

[ 14 ] This mindset can be studied particularly well in the lives of two individuals. One is Raimund von Sabunda, who lived in the 15th century and was born around 1430. Raimund von Sabunda is a remarkable figure. When one delves into his thoughts and the legacy he left behind, one gets the feeling that it is almost the same revelation that the teacher of the mountains and the earth’s fissures imparted to his student around the year 1200—imparted with full awareness. — And yet, at the same time, the whole is steeped in more vague and impersonal expressions—of a philosophical, theological, and medical nature—in the work of Raimund von Sabunda in the 15th century. But this stems from the fact that Raimund von Sabunda, too, had received his revelations indirectly through the true Rosicrucianism—that is, along the path opened up by the great initiate of the 12th century, whose influence I have described to you, who continued to exert an inspiring influence from the spiritual world on everything I have outlined today. For, in essence, it was from him and those who were with him in the spiritual world that all those revelations emanated, which then flowed through the Rosicrucian movement in the way I have often described for the Rosicrucian movement. He set the tone. But fear now took hold of such spirits. Raimund von Sabunda was a courageous, bold spirit—one of those people who are capable of appreciating ideas and who know how to live within them. Therefore, while one does sense in him something of the vagueness that stems from the fact that the revelations do indeed originate from the spiritual world, one detects in him no trace of any anxiety, no fear of knowledge. All the more, what emerged in this way from that spiritual current appears particularly characteristic in another thinker, Pico de Mirandola in the 15th century.

[ 15 ] Der frühverstorbene Pico de Mirandola ist ein sehr merkwürdiger Geist. Vertieft man sich in dasjenige, was er erdacht und ersonnen hat, so sieht man in seinem Denken, in seinem Sinnen überall dieselbe Inspiration wirksam, die ich eben charakterisiert habe: die Fortsetzung der Weisheit jenes alten Eingeweihten auf dem Umwege durch die Rosenkreuzerströmung. Aber man sieht wie eine Art Zurückweichen bei Pico de Mirandola, ein Zurückweichen vor dieser Erkenntnis. Er versichert zum Beispiel: Alles, was auf Erden geschieht, daß auf Erden Steine entstehen, daß auf Erden Pflanzen leben, wachsen, Früchte tragen, daß auf Erden Tiere leben, das alles rührt nicht von den Kräften der Erde her. — Wenn jemand glauben würde, da sei die Erde, und die Kräfte der Erde bewirken dasjenige, was auf der Erde ist, so habe er eine falsche Anschauung. Die richtige Anschauung nach Pico de Mirandola ist, daß es die Sterne sind, und dasjenige, was auf der Erde geschieht, alles abhängt von den Sternen. Das Kleinste, was auf Erden geschieht, ist nach Pico de Mirandola abhängig von den Sternen. Man muß zum Himmel hinaufschauen, wenn man begreifen will, was auf der Erde geschieht. Und es ist schon im Sinne von Pico de Mirandola geredet, wenn man sagt: Du gibst mir die Hand, mein Menschenbruder, aber es ist nicht nur dein Gefühl die Ursache davon, daß du die Hand gibst, sondern es ist der Stern, der über dir steht, der dir den Impuls gibt, mir die Hand zu geben. — Zuletzt ist alles bewirkt von demjenigen, was im Himmlischen, im Kosmischen begründet ist, und der Abglanz davon allein geschieht auf Erden.

[ 15 ] Pico de Mirandola, who died young, was a truly remarkable mind. If one delves into what he conceived and devised, one sees at work throughout his thinking and his reflections the very same inspiration I have just characterized: the continuation of the wisdom of that ancient initiate, via the detour through the Rosicrucian movement. But one observes a kind of retreat in Pico de Mirandola, a retreat from this insight. He asserts, for example: Everything that happens on Earth—that stones are formed on Earth, that plants live, grow, and bear fruit on Earth, that animals live on Earth—none of this stems from the forces of the Earth. — If anyone were to believe that the Earth exists and that the forces of the Earth bring about what is on Earth, they would hold a false view. The correct view, according to Pico de Mirandola, is that it is the stars, and that everything that happens on Earth depends on the stars. According to Pico de Mirandola, even the smallest thing that happens on Earth depends on the stars. One must look up to the heavens if one wishes to understand what happens on Earth. And it is already in the spirit of Pico de Mirandola to say: “You shake my hand, my fellow human being, but it is not merely your own feeling that causes you to shake my hand; rather, it is the star above you that gives you the impulse to shake my hand.” — Ultimately, everything is brought about by that which is rooted in the heavenly and the cosmic, and only its reflection occurs on Earth.

[ 16 ] Als bestimmte Überzeugung spricht das Pico de Mirandola aus, und zugleich sagt er: Aber die Menschen sind verpflichtet, nicht auf diese Sternenursachen zu sehen, sondern allein die nächste Ursache auf Erden zu berücksichtigen. — Von diesem Gesichtspunkte aus bekämpft Pico de Mirandola — das ist außerordentlich charakteristisch — die ihm überkommene Astrologie. Er weiß, daß die alte, wirkliche, echte Astrologie in den Schicksalen der Menschen sich ausspricht. Das weiß er, das hält er für eine Wahrheit. Allein er sagt, man solle nicht Astrologie treiben, man solle nur die nächsten Ursachen suchen.

[ 16 ] Pico de Mirandola expresses this as a firm conviction, and at the same time he says: But human beings are obligated not to look to these celestial causes, but to consider only the immediate cause on earth. — From this perspective, Pico de Mirandola—and this is exceptionally characteristic—opposes the astrology he inherited. He knows that ancient, true, authentic astrology finds expression in human destinies. He knows this; he regards it as a truth. Yet he says that one should not practice astrology; one should seek only the proximate causes.

[ 17 ] Merken Sie, was da eigentlich vorliegt? Da liegt zum erstenmal in einer ganz eigentümlichen Art die Idee von den Grenzen der Erkenntnis vor, aber, ich möchte sagen, in der Form, in der sie ganz menschlich ist. Wenn Sie später bei Kart, bei Du Bois-Reymond nachschauen, da wird Ihnen gesagt: Der Mensch kann nicht die Grenzen der Erkenntnis überschreiten, es beruhe auf einer inneren Notwendigkeit. — Das ist bei Pico de Mirandola im 15.Jahrhundert nicht der Fall, sondern der sagt: Ja, dasjenige, was hier auf der Erde ist, ist von kosmischen Ursachen bewirkt, aber der Mensch soll verzichten, diese kosmischen Ursachen zu erkennen. Der Mensch soll sich auf die Erde beschränken. — Und so tritt uns im 15. Jahrhundert der freiwillige Verzicht auf die höchste Erkenntnis bei einer so charakteristischen Persönlichkeit wie Pico de Mirandola entgegen. Das ist eine kulturhistorische Geistestatsache von der denkbar weittragendsten Bedeutung. Dazumal vollzog es sich eben, daß Menschen sich gesagt haben: Wir wollen verzichten auf Erkenntnis. — Und in der Tat, dasjenige, was sich in solch einer Persönlichkeit, wie Pico de Mirandola ist, äußerlich abspielt, das hat wieder sein Gegenbild im Spirituellen.

[ 17 ] Do you see what is actually at work here? For the first time, we encounter—in a very peculiar way—the idea of the limits of knowledge, but, I would say, in a form that is entirely human. If you later look at Kart or Du Bois-Reymond, you’ll be told: Human beings cannot transcend the limits of knowledge; this is based on an inner necessity. — That is not the case with Pico della Mirandola in the 15th century; rather, he says: Yes, what exists here on Earth is brought about by cosmic causes, but human beings should refrain from seeking to understand these cosmic causes. Human beings should confine themselves to the Earth.—And so, in the 15th century, we encounter the voluntary renunciation of the highest knowledge in a figure as distinctive as Pico de Mirandola. This is a cultural-historical spiritual fact of the most far-reaching significance imaginable. At that time, it simply came to pass that people said to themselves: We want to renounce knowledge. — And indeed, what unfolds outwardly in a personality such as Pico de Mirandola has its counterpart in the spiritual realm.

[ 18 ] Wiederum war es in einer jener anspruchslosen Versammlungswohnungen der Rosenkreuzer, wo bei einer Kultushandlung, die eigens zu diesem Zwecke angestellt worden ist, in allerfeierlichster Form im 15. Jahrhunderte, in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, das Opfer dargebracht worden ist der Sternenerkenntnis. Und man möchte sagen: Dasjenige, was sich bei jener einmal vollzogenen, in besonderer Feierlichkeit vollzogenen Kultushandlung zugetragen hat, das ist dieses. Menschen standen vor einer Art von Altar und sagten: Wir wollen uns jetzt verantwortlich fühlen nicht allein für uns oder unsere Gemeinschaft oder unser Volk oder die Menschheit der Gegenwart, wir wollen uns verantwortlich fühlen für alle Menschen, die jemals auf Erden gelebt haben. Wir wollen uns als Angehörige der ganzen Menschheit fühlen. Und wir fühlen, daß die Menschheit etwas durchgemacht hat, was ein Verlassen des Ranges der vierten Hierarchie ist, ein zu tiefes Hinuntersteigen in die Materie — so wurde der Sündenfall aufgefaßt. Deshalb, damit die Menschheit wiederum zurückkommen kann zu ihrem Range der vierten Hierarchie und im freien Willen dasjenige finden könne, was früher Götter für sie und mit ihr versucht haben, sei geopfert die höhere Erkenntnis für eine gewisse Zeit. — Und gewisse Wesenheiten der geistigen Welt, die nicht menschlicher Art sind, nicht in menschlicher Inkarnation zur Erde herabkommen, haben das Opfer entgegengenommen, um gewisse Ziele in der geistigen Welt zu erreichen, von denen hier zu sprechen zu weit führen würde, was ein anderes Mal geschehen soll. Den Menschen aber wurde dafür der Impuls zur Freiheit aus der geistigen Welt möglich.

[ 18 ] Once again, it was in one of those unassuming meeting places of the Rosicrucians where, during a ritual performed specifically for this purpose, the sacrifice was offered in the most solemn manner in the 15th century—in the second half of the 15th century—to the knowledge of the stars. And one might say: What took place during that ritual—performed once, with special solemnity—was this. People stood before a kind of altar and said: We now wish to feel responsible not only for ourselves, or our community, or our people, or the humanity of the present, but we wish to feel responsible for all human beings who have ever lived on Earth. We want to feel that we belong to all of humanity. And we feel that humanity has undergone something that constitutes a departure from the rank of the fourth hierarchy, a descent too deep into matter—this is how the Fall was understood. Therefore, so that humanity may return once more to its rank within the fourth hierarchy and, through free will, may find what the gods once sought for it and with it, let higher knowledge be sacrificed for a certain time. — And certain beings of the spiritual world, who are not of the human kind and do not descend to Earth in human incarnation, have accepted this sacrifice in order to achieve certain goals in the spiritual world—goals that would take us too far afield to discuss here, a topic to be addressed another time. In return, however, the impulse toward freedom from the spiritual world was made possible for human beings.

[ 19 ] Ich führe diese Kultusszene aus dem Grunde an, weil ich durch sie Ihnen sagen möchte, daß eigentlich alles, was im äußeren physisch-sinnlichen Leben geschieht, geistige Gegenbilder hat, die wir nur suchen müssen da, wo sie sind. Denn zuweilen bedeutet irgendeine einzelne Kultushandlung, die von, ich will jetzt in diesem Zusammenhange nicht sagen Wissenden, sondern die von solchen Persönlichkeiten vollzogen wird, die mit der geistigen Welt im Zusammenhang stehen, bisweilen bedeutet sie etwas, wovon die Impulse für eine ganze Kultur oder Zivilisationsströmung ausstrahlen. Derjenige, der wissen will das Grundkolorit einer Zeitepoche, der muß den entsprechenden geistigen Ausstrahlungspunkt für die Kräfte suchen, die diese Zeitperiode durchströmten.

[ 19 ] I cite this ritual scene because I want to use it to tell you that, in fact, everything that happens in external, physical, and sensory life has spiritual counterparts—we simply have to look for them where they are. For sometimes a single ritual act—performed not by what I would call “those in the know” in this context, but by individuals who are connected to the spiritual world—sometimes such an act carries significance from which impulses radiate out to an entire culture or civilizational movement. Anyone who wishes to understand the fundamental character of an epoch must seek the corresponding spiritual source of the forces that permeated that period.

[ 20 ] Das Folgende dann, was an Geistigem, an wirklich Geistig-Spirituellem produziert wurde, war ein Nachklang eines solchen Schaffens aus unbekannten geistigen Welten heraus. Und man hat bis ins 19. Jahrhundert herein neben dem, was sich an äußerem Materialismus entwickelte, immer einzelne Geister kennenlernen können, die unter der Nachwirkung jenes Verzichtes auf die höhere Erkenntnis gelebt haben.

[ 20 ] What followed—that which was produced in the spiritual realm, in the truly spiritual-spiritual sense—was an echo of such creative activity emanating from unknown spiritual worlds. And well into the 19th century, alongside the development of external materialism, it was always possible to encounter individual spirits who lived under the aftereffects of that renunciation of higher knowledge.

[ 21 ] Einen Menschentypus, der vom 15. Jahrhundert durch das 16., 17., 18. lebte, den möchte ich Ihnen wenigstens mit ein paar Strichen charakterisieren. Einen Menschentypus, den man irgendwo auf dem Dorfe draußen fand als Sammler von Kräutern für Apotheken, als irgendwie anders in einem anspruchslosen Berufe drinnen. Irgend solch eine Persönlichkeit müssen wir uns vorstellen. Man trifft sie, wenn man selber Interesse hat an besonderen Gestaltungen des Menschenwesens in dieser oder jener Individualität, man trifft sie, diese Persönlichkeit. Zunächst ist sie außerordentlich zugeknöpft, redet wenig oder lenkt die Aufmerksamkeit von dem, was man in ihr suchen möchte, dadurch ab, daß sie unbedeutende, absichtlich ganz triviale Redensarten führt, durch die sie den Glauben erwecken will, es sei nicht der Mühe wert, sich mit ihr zu unterhalten. Wenn man aber versteht, nicht immer auf den Inhalt der Worte zu sehen, die ein Mensch sagt, sondern auf den Klang seiner Worte, auf die Art und Weise, wie sie von ihm kommen, dann hörte man einem solchen Menschen dennoch weiter zu. Und wenn er dann aus irgendeinem karmischen Zusammenhang heraus den Eindruck bekam, er solle reden, dann fing er an, vorsichtig zu sprechen, und man entdeckte, daß man eine Art von Weisen in ihm hatte. Aber dasjenige, was er sagte, war nun nicht Sternenweisheit. Das, was er sagte, war auch nicht irdische Weisheit. Es war überhaupt nicht viel von dem in ihm enthalten, was man jetzt Geisteswissenschaft nennt, aber es waren warme Herzensworte, Moralanweisungen weittragender Art, die aber unsentimental vorgebracht wurden, sprichwörtliche Redensarten.

[ 21 ] I’d like to sketch out, at least in a few broad strokes, a type of person who lived from the 15th century through the 16th, 17th, and 18th centuries. A type of person whom one might have found somewhere out in the village gathering herbs for pharmacies, or engaged in some other unassuming occupation. We must imagine a personality of this sort. One encounters her when one has an interest in the unique manifestations of the human being in this or that individual; one encounters her, this personality. At first, they are extremely reserved, speak little, or divert one’s attention from what one might be seeking in them by using insignificant, deliberately trivial phrases, through which they seek to create the impression that it is not worth the trouble to converse with them. But if one understands not to focus always on the content of the words a person speaks, but rather on the sound of their words, on the way they come from them, then one would continue to listen to such a person nonetheless. And when, out of some karmic connection, they gained the impression that they should speak, they began to speak cautiously, and one discovered that one was in the presence of a kind of sage. But what he said was not, however, stellar wisdom. Nor was what he said earthly wisdom. There was not much in him at all of what is now called spiritual science, but there were warm, heartfelt words—moral instructions of a far-reaching nature—which were, however, presented unsentimentally, in the form of proverbial sayings.

[ 22 ] Man konnte hören so etwas wie: Gehen wir zu jenem Baume. Meine Seele kann in die Nadeln hineinkriechen, in die Tannenzapfen hineinkriechen, denn meine Seele ist überall. Wenn sie in die Tannenzapfen und in die Nadeln hineinkriecht, dann schaut sie durch die Tannenzapfen und Nadeln hinaus in die Weltentiefen und Weltenfernen, und dann wird man eins mit der ganzen Welt. Und das ist wahre Frömmigkeit, wenn man so eins wird mit der ganzen Welt. Wo ist Gott? In jedem Tannenzapfen ist Gott. Und wer nicht Gott in jedem Tannenzapfen anerkennt, wer Gott irgendwo anders sucht als in jedem Tannenzapfen, der erkennt den wirklichen Gott nicht. — Ich will nur charakterisieren, wie etwa solche Menschen sprachen, die man auf diese Weise fand, wie ich es geschildert habe. So sprachen solche Menschen. Sie sagten etwa auch: Ja, und dann, wenn man in die Tannenzapfen und in die Nadeln hineinkriecht, dann findet man, wie der Gott sich freut über die Menschen in der Welt. Wenn man aber in das eigene Herz ganz tief hinuntersteigt, in die Abgründe der Innerlichkeit der Menschennatur tief hinuntersteigt, dann findet man auch den Gott, aber dann lernt man ihn erkennen, wie er traurig wird über die Sünden der Menschen. In solcher Art sprachen diese anspruchslosen Weisen. Eine große Zahl dieser anspruchslosen Weisen hatte gewisse — ich möchte in der heutigen Sprache sagen — Ausgaben der alten Rosenkreuzerfiguren. Sie zeigten sie ebensolchen Menschen, die ihnen so entgegentraten, daß sie sich aussprachen. Aber gerade, wenn über diese Figuren, die in anspruchslosen, recht schlechten Drucken unter diesen Leuten lebten, gesprochen wurde, da entwickelten sich die Gespräche auf eine merkwürdige Art. Manche Menschen waren dann, trotzdem sie Interesse faßten an dem anspruchslosen Weisen, von einer gewissen Neugierde befallen, was diese merkwürdigen Rosenkreuzerbilder eigentlich bedeuteten, fragten, und man bekam dann von diesen als Sonderlinge angesehenen einzelnen Weisen keine rechte, genaue Antwort, sondern nur den Hinweis: Wenn man sich so recht vertieft, dann kann man wie durch ein Fenster durch diese Figuren in die geistige Welt hineinschauen. — Sie beschrieben mehr, was sie an ihnen gefühlsmäßig erleben konnten, als daß sie irgendwelche Deutungen oder Interpretationen der Figuren gaben. Und manchmal konnte man, wenn man solche Aussprüche des Fühlens der Personen bei diesen Figuren schildern gehört hatte, nicht recht zurechtkommen mit Gedanken, denn es waren keine Gedanken, die sie gaben. Aber es hatte eine ungeheuer bedeutende Nachwirkung. Man ging nicht nur mit einer warmen Seele davon, sondern man ging davon mit der Empfindung: Du hast eine Erkenntnis bekommen, die in dir lebt, die du gar nicht in Begriffe bringen kannst.

[ 22 ] You could hear something like: “Let’s go to that tree. My soul can creep into the needles, creep into the pinecones, for my soul is everywhere.” When it creeps into the pine cones and the needles, it looks out through the pine cones and needles into the depths and distances of the world, and then one becomes one with the whole world. And that is true piety—when one becomes one with the whole world in this way. Where is God? God is in every pine cone. And whoever does not recognize God in every pine cone, whoever seeks God anywhere other than in every pine cone, does not recognize the true God. — I simply want to describe how people like those I have described spoke. That is how such people spoke. They also said, for example: “Yes, and then, when you crawl into the pinecones and the needles, you discover how God rejoices over the people of the world.” But if one descends very deeply into one’s own heart, into the abysses of the innermost being of human nature, then one also finds God—but then one learns to recognize how He grieves over the sins of humankind. This is the sort of language these unassuming sages spoke. A large number of these unassuming sages possessed certain—I would say in today’s language—editions of the old Rosicrucian illustrations. They showed them to precisely those people who approached them in such a way that they opened up. But precisely when these illustrations—which circulated among these people in unpretentious, rather poor-quality prints—were discussed, the conversations took a curious turn. Some people, even though they took an interest in the unassuming sages, were seized by a certain curiosity about what these strange Rosicrucian images actually meant; they asked questions, and they received no real, precise answer from these individual sages—who were regarded as eccentrics—but only the hint: “If you really immerse yourself in them, you can look into the spiritual world through these figures, as if through a window.” — They described more what they could experience emotionally through them than they offered any interpretations or explanations of the figures. And sometimes, after hearing such expressions of the individuals’ emotional responses to these figures, one could not quite make sense of it with thoughts, for they were not offering thoughts. But it had an immensely significant aftereffect. One did not merely walk away with a warm heart, but with the feeling: You have gained an insight that lives within you, one that you cannot even put into words.

[ 23 ] Und das war einer der Wege neben den andern, die ich Ihnen geschildert habe, wie auf gefühlsmäßige Weise in diesem Zeitalter vom 14., 15. Jahrhundert bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Menschlichkeit, Göttlichkeit in weiten Kreisen verkündet und verbreitet worden ist. Man kann nicht ganz sagen, wortlos, man kann aber sagen, ideenlos, jedoch deshalb nicht inhaltlos. Es ist in diesem Zeitalter viel durch Gedankenstummheit zwischen den Menschen verhandelt worden. Und niemand bekommt eigentlich einen rechten Begriff von dem Charakter dieses Zeitalters, der nicht weiß, wieviel in diesem Zeitalter durch Gedankenstummheit, indem die Menschen ihre Seelen gewechselt haben, nicht bloß ihre Worte, bewirkt worden ist.

[ 23 ] And that was one of the ways—alongside the others I have described to you—in which, in an emotional sense, humanity and divinity were proclaimed and spread far and wide during this era, from the 14th and 15th centuries through the end of the 18th century. One cannot quite say it was wordless, but one can say it was without ideas—though not, for that reason, without substance. Much was accomplished in this era through the silence of thought among people. And no one can truly grasp the character of this era without realizing how much was achieved through the silence of thought—as people exchanged their souls, not merely their words.

[ 24 ] Damit wollte ich Ihnen noch einen der Züge jenes Übergangszeitalters, in dem die Freiheit unter den Menschen gediehen ist, schildern. Ich werde ja in der nächsten Zeit auf die verschiedenste Art mehreres aus diesem Gebiete heraus zu schildern haben. Hier wollte ich nur eben anknüpfen noch, ergänzend einiges auch, anknüpfen an dasjenige, was während der Tagung geschehen ist, und ergänzend einiges Weitere sagen.

[ 24 ] With this, I wanted to describe to you yet another aspect of that transitional era in which freedom flourished among people. In the near future, I will have the opportunity to discuss various aspects of this topic in a variety of ways. Here, I simply wanted to follow up—and add a few additional points—on what took place during the conference, and to elaborate on a few other matters.