Mystery Sites of the Middle Ages
Rosicrucianism and the Modern Principle of Initiation
GA 233a
22 April 1924, Dornach
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The Easter Festival in the Evolution of the Mysteries, tr. Kelly
Das Osterfest als Stück Mysteriengeschichte der Menschheit IV
Lecture IV
[ 1 ] Wir haben gesehen, wie aus den Mysterien herausgewachsen ist dasjenige, was im Bewußtsein die Menschen mit der Welt so verbindet, daß diese Verbindung zur Darstellung kommen kann in dem festlichen Jahreslaufe, und wir haben ja insbesondere gesehen, wie das Osterfest herausgewachsen ist aus dem Initiationsprinzip. Aus der ganzen Darstellung wird Ihnen hervorgegangen sein, welche bedeutsame Rolle das Mysterienwesen in der ganzen Entwickelung der Menschheit gespielt hat.
[ 1 ] We have seen how the Mysteries provided human beings with a conscious connection to the world in such a way that this connection could be portrayed in the yearly cycle of festivals. In particular we have seen how Easter developed out of the principle of initiation. It should be obvious from all that has been said that the Mysteries played a highly significant role in humanity's development.
[ 2 ] Es ist ja mit diesem Mysterienwesen so, daß im Grunde genommen alles, was geistig durch die Welt ging, durch die Menschheit sich entwickelte, daß das in alten Zeiten alles hervorgegangen ist aus den Mysterien. Wenn man ein heutiges Wort anwenden möchte, so müßte man sagen: Die Mysterien waren sehr mächtig in bezug auf die ganze Lenkung des geistigen Lebens.
[ 2 ] Indeed, in ancient times essentially all of humanity's spiritual life and development originated within the Mysteries. To put it in modern terms, the Mysteries wielded great power in the overall guidance of spiritual life.
[ 3 ] Nun war die Menschheit von vornherein dazu bestimmt, die Freiheit zu entwickeln. Zur Entwickelung der Freiheit war es notwendig, daß das alte Mysterienwesen zurückgegangen ist und eine Zeitlang die Menschen weniger im Zusammenhang standen mit einer solchen mächtigen Lenkung, wie sie von den Mysterien ausging, und gewissermaßen mehr sich selbst überlassen waren. Man kann ganz gewiß nicht sagen, daß heute der Zeitpunkt bereits herangerückt sei, in dem die Menschen sich ihre wahre innere Freiheit schon erobert haben und nun reif wären, zum Nächsten überzugehen, was auf das Zeitalter der Freiheit folgen soll. Gewiß, das kann man nicht sagen. Aber immerhin, es sind genügend viele Menschen durchgegangen durch Inkarnationen, in denen weniger die Macht der Mysterien gespürt worden ist als in früheren Zeiten. Und wenn auch die Saat des Durchgehens durch diese Inkarnationen heute noch nicht aufgegangen ist, sie ist in den Menschen. Sie steckt in den Menschenseelen drinnen.
[ 3 ] Human beings, however, were destined to achieve freedom, which meant that the Mysteries' powerful influence had to diminish and for a time leave human beings more or less to their own devices. Although today it can hardly be said that we have already achieved true inner freedom and are ready to proceed with the next evolutionary step, still a significant number of people have gone through incarnations in which the power of the Mysteries has been less palpable than it was in earlier times. The fruit of these incarnations, although not yet ripe, is alive in peoples' souls. And when an age finally dawns that is once again more spiritual, the current ignorance will be overcome. People will then freely greet with esteem and reverence the spiritual knowledge and experience that can be achieved through modern initiation. For without esteem and reverence, neither knowledge nor humanity's spiritual life would be possible.
[ 4 ] Wenn nun ein Zeitalter heranrückt, welches wieder geistiger ist, so werden schon die Menschen das entwickeln, was sie heute in der Dumpfheit noch nicht entwickelt haben. Aber es wird vor allen Dingen notwendig sein, daß dem Erkennen, dem Schauen, dem Erleben des Geistigen, die aus der heutigen Initiation geholt werden können, entgegengebracht werde auch aus der Freiheit heraus Schätzung, Ehrfurcht. Denn ohne Schätzung, ohne Ehrfurcht ist eine wirkliche Erkenntnis, ist ein geistiges Leben der Menschheit eigentlich nicht möglich. Es ist doch so, daß wir die Festeszeiten richtig anwenden, wenn wir gerade sie dazu gebrauchen, diese Schätzung, diese Ehrfurcht vor dem Geistigen, wie es sich entwickelt hat im Laufe der Menschheitsgeschichte, ein wenig versuchen, in unsere Seele einzupflanzen, wenn wir möglichst intim hinzuschauen lernen auf die Art und Weise, wie die äußeren geschichtlichen Ereignisse Geistiges bedeuten, Geistiges von einem Zeitalter in das andere tragen. Zunächst ist es ja so, daß die Menschen in wiederholten Erdenleben immer wiederum ins Erdendasein kommen. Dadurch tragen sie dasjenige, was sie in früheren Epochen erlebt haben, in spätere Epochen herüber. Die Menschen sind das wichtigste Glied in bezug auf das Weiterentwickeln dessen, was innerhalb der Menschheitsgeschichte geschieht. Aber die Menschen leben doch zu allen Zeiten in einer bestimmten Umgebung. Und eine wichtigste Umgebung ist schon die Mysterienumgebung. Ein Wichtigstes im Menschheitsfortschritt ist das Herübertragen dessen, was Menschen in Mysterien erlebt haben und wiedererleben, sei es wiederum in Mysterien, wo es hinauswirkt in die Menschheit, sei es sonst irgendwie im Erkennen. Heute muß es ja sonst irgendwie im Erkennen sein, denn das eigentliche Mysterienwesen ist mehr oder weniger für die heutige Außenwelt zurückgegangen, muß erst wiederum auftreten.
[ 4 ] One of the purposes of the festivals is to try to cultivate this reverence in ourselves by understanding how the spiritual has developed throughout human history. Through the festivals we can learn to look very intimately at how historical events pass spiritual contents on from one age to another. For even though human beings are the most fundamental link in the chain of historical development, in that they reincarnate and thereby carry experiences of earlier epochs into later ones, nevertheless each life is lived in a particular milieu, of which the Mysteries are of course a highly significant part. A most important factor for the progress of humanity is the carrying of the contents of Mystery experiences into later incarnations, where they are encountered again, either in new Mysteries, which in turn have their effect upon humanity as a whole, or in some other form of knowledge. It is in some other form of knowledge that past Mystery wisdom must be experienced in our time, for the actual Mysteries have all but disappeared from outer life, and must rise again.
[ 5 ] Wir müssen ja sagen: Es ist schon so, daß, wenn jener Impuls, der durch die Weihnachtstagung von hier, vom Goetheanum, ausgegangen ist, wirklich sich einlebt in der Anthroposophischen Gesellschaft, dann wird die Anthroposophische Gesellschaft, indem sie weiter hinführt zu den Klassen, die einzurichten sind — zum Teil hat diese Einrichtung ja schon begonnen —, die Grundlage sein für das weitere Mysterienwesen. Es muß das weitere Mysterienwesen bewußt gepflanzt werden durch diese Anthroposophische Gesellschaft. Diese Anthroposophische Gesellschaft hat ja vor sich ein Ereignis, das ebenso in der Entwickelung verwertet werden kann, wie einstmals verwertet worden ist ein ähnliches Ereignis: der Brand des Tempels von Ephesus. Da und dort lag ein bedeutsames Unrecht zugrunde. Allein die Dinge nehmen sich ja auf den verschiedenen Niveaus eben verschieden aus, und es kann dasjenige, was auf einem Niveau ein furchtbares Unrecht ist, in der Freiheit der Menschen dann verwendet werden in dem Sinne, daß gerade durch solche schauderhaften Ereignisse ein wirklicher Menschheitsfortschritt hervorgerufen werde.
[ 5 ] I might say that if the impulse originating from the Christmas Conference that was held here at the Goetheanum truly takes hold within the Anthroposophical Society, then the Society, inasmuch as it leads to the Classes, which have already begun to be established, will become the basis for a renewal of the Mysteries. The Anthroposophical Society must consciously cultivate this renewal. The Society was, after all, witness to an event that, like the burning of the Temple at Ephesus, can be turned to good historical account. In both cases a grievous wrong was perpetrated. However, what is a terrible wrong on one level can turn out to be useful for human freedom on another level. Such harrowing events can indeed call forth a true step forward in human evolution.
[ 6 ] Nun muß man aber, wenn man auf solche Dinge verständnisvoll eingehen will, möglichst intim, wie ich schon sagte, die Dinge fassen. Man muß hineinschauen in die besondere Art, wie in den Mysterien das Geistige der Welt gelebt hat. Ich habe gestern darauf hingedeutet, wie aus Sonnen- und Mondenkonstellation, wenn man sie geistig nimmt, herauswächst die Festsetzung des jährlichen Osterfestes, und ich habe darauf hingedeutet, daß vom Mondengesichtspunkte aus die anderen Planeten geschaut werden. Und nach dem, was man erfährt im Schauen der anderen Planeten, wird der Mensch angeleitet beim Heruntersteigen aus dem vorirdischen Dasein in das irdische Dasein, wie er sich seinen Lichtätherleib bildet.
[ 6 ] To understand such matters we must examine them, as I mentioned before, on as intimate a level as possible. We must look at the particular way in which the world's spirituality lived within the Mysteries. As I indicated yesterday, the fixing of Easter's date grew out of a spiritual appreciation of the constellation of the sun and the moon. I also indicated that moon-beings observe the planets, and that these observations guide human beings in their descent from pre-earthly into earthly life, guide them in the formation of their etheric bodies.
[ 7 ] Nun, wenn man die Anschauung gewinnen will, wie dieser Lichtätherleib durch die Mondenkräfte, durch die Mondenbeobachtungen, ich möchte sagen durch das geistige Mondenobservatorium, wie diese Ätherkräfte dem Menschen überliefert werden, wenn man das recht verstehen will, so kann man es so beobachten, wie wir es nun versucht haben, aus dem Kosmos heraus, wo es eingeschrieben ist, wo es als ein Faktum existiert. Aber es ist auch wichtig, den menschlichen Anteil, der in den verschiedenen Zeiten an einer solchen Wahrheit da ist, auf das Gemüt wirken zu lassen.
[ 7 ] Now in order to understand how the lunar forces or, one might say, the spiritual observatory on the moon makes etheric forces available to human beings, we can look to the cosmos; for, as we have had occasion to see, it is inscribed there, it exists there as a fact. However, it is also important to appreciate the interest human beings have taken in these matters throughout history. And that interest was nowhere more sincere than in the Mysteries at Ephesus.
[ 8 ] Und in der Tat, niemals war der Anteil, den menschliche Gemüter genommen haben an diesem Heruntersteigen vom vorirdischen Dasein in das irdische in bezug auf die letzte Etappe, die Umkleidung des Menschen mit dem Ätherleib, niemals war ein so intimer, inniger Anteil an dieser Tatsache genommen worden als gerade in den Mysterien von Ephesus. In den Mysterien von Ephesus war es so, daß der ganze Dienst, welcher der exoterisch Artemis genannten Göttin von Ephesus dargebracht wurde, eigentlich darauf gerichtet war, das geistige Weben und Leben innerhalb des Äthers der Welt, innerhalb des Äthers des Kosmos, mitzuerleben. Man kann schon sagen, wenn die Angehörigen des Mysteriums von Ephesus sich dem Götterbilde nahten, dann war es eine Empfindung, die sich aber steigerte bis zum Anhören und die etwa so auszudrücken ist, wie wenn es die Sprache der Göttin wäre: Ich freue mich über alles Fruchttragende im weiten Weltenäther.
[ 8 ] Every aspect of the service to the goddess of Ephesus, known exoterically as Artemis, was designed to give an experience of the creative spiritual forces pervading the cosmic ether. When the participants in the Mysteries approached the statue of the goddess, they had the sensation of hearing her speak, in words such as this: “I delight in all that bears fruit within the vast cosmic ether.”
[ 9 ] Es war ein tiefer Eindruck, der ausgeübt wurde durch dieses Aussprechen inniger Freude der Tempelgött in über alles Wachsende, Sprießende, Sprossende im weiten Weltenäther. Und innig verwandtes Fühlen mit dem Sprießen und Sprossen war ja insbesondere etwas, was wie ein Zauberhauch die Atmosphäre, die geistige Atmosphäre von dem ephesischen Heiligtum durchströmte. Es war dieses Mysterium schon so angeordnet, so eingerichtet, daß man sagen kann, nirgends ist eigentlich so mitgelebt worden mit dem Wachsen des Pflanzenwesens, mit dem Sprießen und Sprossen der Erde in das Pflanzenwesen hinein, als in Ephesus.
[ 9 ] To hear the goddess thus express her heartfelt delight in everything that grows, buds, and sprouts within the cosmic ether was a truly profound experience. Indeed, the spiritual atmosphere of Ephesus was aglow with heartfelt sympathy for all budding and sprouting things. The Mysteries there were instituted in such a way that nowhere else could one find such sympathy with vegetative growth, with the budding and sprouting of the earth into the plant world.
[ 10 ] Das führte denn auch dazu, daß gerade in diesem ephesischen Mysterium mit besonderer Deutlichkeit der Unterricht gegeben werden konnte, wenn ich es so nennen darf, der darauf hinausging, besonders dieses Mondengeheimnis, von dem ich gestern sprach, an das Gemüt der zu Ephesus Gehörigen heranzubringen.
[ 10 ] One consequence of this was that the lessons, if I may call them that, that dealt with the mystery of the moon, of which I spoke yesterday, could be given at Ephesus with particular force and clarity.
[ 11 ] Es war etwas, was jeder wie sein eigenes Erlebnis hatte, sich zu fühlen als Lichtgestalt, weil das so lebendig gemacht wurde vor den ephesischen Schülern und Initiierten: dieses Durch-den-Mond-seine-Licht-gestalt-Bekommen. Und es war eine Einrichtung in Ephesus, die etwa so war: Derjenige, der diese Einrichtung in der Weihestätte auf sich wirken lassen konnte, der wurde wirklich ganz hineinversetzt in dieses Sichherausbilden aus dem den Mond umwandelnden Sonnenlichte. Dann tönte es an ihn heran, wie wenn es von der Sonne herübertönte: \(J O A\).
[ 11 ] As a result of such instruction, each student was able to experience himself as a figure of light formed by the moon. One exercise in particular directly placed a person capable of performing it into a process of building himself up out of sunlight transformed by the moon. In the midst of this the sounds I, O, A rang forth, as if emanating from the sun.
[ 12 ] Dieses \(J O A\), von dem wußte er, daß es regsam macht sein Ich, seinen astralischen Leib. \(J O\) — Ich, astralischer Leib, und das Herankommen des Lichtätherleibes in dem \(A\) — \(J O A\). Jetzt fühlte er sich, indem vibrierte in ihm das \(J O A\), jetzt fühlte er sich als Ich, als astralischen Leib, als ätherischen Leib.
[ 12 ] These sounds, the Mystery student knew, enlivened his ego and astral body. I, O: ego, astral body, and with A, the approach of the luminous etheric body: I, O, A. As these sounds vibrated within him, he experienced himself as ego, as astral body, and as etheric body.
[ 13 ] Und dann war es, wie wenn von der Erde heraufklänge, denn der Mensch war versetzt in das Kosmische, wie wenn von der Erde heraufklänge dasjenige, was das \(J O A\) durchsetzte, \(eh-v\). Das waren die Kräfte der Erde, die heraufkamen in dem \(eh-v\).
[ 13 ] Then, as if resounding from the earth, for the student was now outside the earth, came the sounds eh-v, which mingled with the I, O, A.


[ 14 ] Und nun fühlte er, in dem JehOvA fühlte er den ganzen Menschen. Das Vorgefühl des physischen Leibes, den er erst auf der Erde hatte, fühlte er angedeutet in den Konsonanten, die hinzugehörten zu dem Vokalischen, was in dem \(J O A\) andeutet Ich, astralischen Leib, ätherischen Leib. Dieses Sicheinleben in dem \(Jeh\) \(Ov\) \(A\), das war es, was den ephesischen Schüler erfühlen ließ die letzten Schritte für das Heruntersteigen aus der geistigen Welt.
[ 14 ] In this word, IehOvA, the Mystery student experienced himself as a complete human being. Through the consonants, he felt a premonition of his earthly physical body. These consonants are bound up with the vowels, I O A, which express the ego, astral body, and etheric body.
[ 15 ] Aber es war zu gleicher Zeit dieses Erfühlen des \(J O A\) so, daß man sich fühlte im Lichte drinnen als dieser Klang \(J O A\). Dann war man Mensch: klingendes Ich, klingender astralischer Leib, in licht-glänzendem Ätherleib. Dann war man Klang im Licht. So ist man als kosmischer Mensch.
[ 15 ] It was through such immersion in the word IehOvA that the Ephesian apprentice was able to experience the final stages of his descent out of the spiritual world. As he did so, however, he felt himself living within the light. Now truly human, he was a sounding ego and sounding astral body within a light-filled etheric body. Sound within light—such is the cosmic human being.
[ 16 ] Und so ist man fähig, aufzunehmen dasjenige, was man im Kosmos draußen sieht, wie man durch sein Auge hier auf der Erde fähig ist, aufzunehmen, was im physischen Umkreise der Erde geschieht.
[ 16 ] In this way it was possible to take in what is visible in the cosmos, just as what happens in the earth's physical surroundings can be taken in through the eyes.
[ 17 ] Dann fühlte sich der ephesische Schüler wirklich, wenn er in sich trug dieses \(J O A\), wie versetzt in die Mondensphäre. Er nahm teil an demjenigen, was beobachtet werden konnte vom Gesichtspunkte des Mondes aus.
[ 17 ] While carrying I O A within himself, the Ephesian student felt himself transported to the sphere of the moon, where he shared in the observations that could be made from there. In this condition he was still a human being in general, undifferentiated; only upon descending to earth did he become man or woman.
[ 18 ] Da war der Mensch noch Mensch im allgemeinen. Er wurde erst Mann und Weib beim Heruntersteigen auf die Erde. Da aber fühlte der Mensch sich hinaufversetzt in diese Region des vorirdischen Daseins, aber eben des Herankommens an das Irdische. Den ephesischen Schülern wurde dieses Sichhinaufversetzen in die Mondensphäre eben ganz besonders intim möglich. Dann trugen sie in ihrem Herzen, in ihrer Seele dasjenige, was sie miterlebt haben und was etwa in der folgenden Weise dem ephesischen Schüler erklang:
[ 18 ] It was a pre-earthly state into which the student was transported, a state preparatory to the descent to Earth. In the Ephesian Mysteries this self-elevation into the sphere of the moon was an especially vivid experience, which the initiates inwardly cherished, and whose content might be expressed in the following words:
Weltentsprossenes Wesen, du in Lichtgestalt,
Von der Sonne erkraftet in der Mondgewalt,Dich beschenket des Mars erschaffendes Klingen
Und Merkurs gliedbewegende Schwingen,Dich erleuchtet Jupiters erstrahlende Weisheit
Und der Venus liebetragende Schönheit —Daß Saturns weltenalte Geist-Innigkeit
Dich dem Raumessein und Zeitenwerden weihe!
Cosmic-born being, thou clothed in light,
Strengthened by sun in the realm of moon's might,Blessed art thou by Mars' creative ringing
And Mercury's swiftness, mobility bringing,Illumined by wisdom from Jupiter raying
And by Venus's beauty, love portraying—So that Saturn's venerable spirit-ways
Might consecrate thee to the world of space and time.
[ 19 ] Das war dasjenige, von dem jeder Epheser durchdrungen war. Das rechnete er zum Wichtigsten, was seinen Menschen durchpulste (der Text wurde an die Tafel geschrieben):
[ 19 ] Every Ephesian bore this reality within himself, counting it among the most important things that permeated his being.


[ 20 ] Man kann schon sagen: Es war für den zu den ephesischen Mysterien Gehörigen etwas wie sich so recht als Mensch fühlen, wenn ihm — ich will mich etwas trivial ausdrücken —, wenn ihm in den Ohren klang das, was in diesen Sprüchen liegt. Denn er fühlte ja: damit ist ihm das Bewußtsein von dem aufgegangen, wie er mit dem Planetensystem zusammenhängt in den Kräften seines Ätherleibes. Und prägnant kam das zum Ausdruck. Das ist zum Ätherleib vom Weltenall gesprochen:
[ 20 ] Indeed, he felt himself to be truly human when these verses sounded in his ears, to use a somewhat trivial expression. For he associated them with a newly-awakened consciousness of his connection with all the planets through his etheric body's forces. The verses, pregnant with meaning, were addressed by the cosmos to the etheric body:
Weltentsprossenes Wesen, du in Lichtgestalt,
Von der Sonne erkraftet in der Mondgewalt.
Cosmic-born being, thou clothed in light,
Strengthened by sun in the realm of moon's might,
[ 21 ] Nun ist der Mensch sich fühlend in der Gewalt des Mondenlichtes:
[ 21 ] The human being is experiencing himself here within the power of the shining moon.
Dich beschenket des Mars erschaffendes Klingen.
Blessed art thou by Mars' creative ringing.
[ 22 ] Das Klingen, das etwas Erschaffendes, etwas Schöpferisches hatte, klang herüber vom Mars. Und dasjenige, was dem Menschen die Glieder erkraftet, daß er ein bewegliches Wesen wurde:
[ 22 ] Creative tones resonate forth from Mars. Then comes the force that animates our limbs, makes us into beings of movement:
Und Merkurs gliedbewegende Schwingen.
And by Mercury's swiftness, mobility bringing.
[ 23 ] Vom Jupiter leuchtet es herüber:
[ 23 ] Jupiter sends forth its rays:
Dich erleuchtet Jupiters erstrahlende Weisheit.
Illumined by wisdom from Jupiter raying.
[ 24 ] Von der Venus leuchtet es herüber:
[ 24 ] As does Venus:
Und der Venus liebetragende Schönheit.
And by Venus's beauty, love portraying.
[ 25 ] Damit dann Saturn alles zusammenfassen kann, was den Menschen abrundet innerlich und äußerlich und ihn bereitet, daß er heruntersteigen kann auf die Erde, sich mit einem physischen Leibe umkleidet und als dieses physisch umkleidete Wesen, das den Gott in sich trägt, auf der Erde weiterleben kann:
[ 25 ] So that Saturn may gather all together and complete our inner and outer development, preparing us to descend to Earth and to clothe ourselves in a physical body, so that we might live on Earth as physical beings who carry the god within us:
Daß Saturns weltenalte Geist-Innigkeit
Dich dem Raumessein und Zeitenwerden weihe!
So that Saturn's venerable spirit-ways
Might consecrate thee to the world of space and time.
[ 26 ] Nun, aus dem, was ich da beschreibe, können Sie ja entnehmen, daß das Leben, das geistige Leben in Ephesus ein innerlich helles war, ein farbiges war. In diesem innerlich hellen, farbigen Leben war ja tatsächlich dasjenige enthalten, was im Ostergedanken zusammenfaßte alles, was man je gewußt hat über des Menschen wahre Würde im ganzen Kosmos, im ganzen Weltenall. Und mannigfache von denjenigen Wanderern — ich habe sie gestern erwähnt —, die von Mysterium zu Mysterium gingen, um das Ganze des Mysterienwesens auf sich wirken zu lassen, mannigfache von diesen Wanderern haben doch immer wieder versichert: So hell, so innig, wie ihnen in Ephesus erklungen ist die Sphärenharmonie aus diesem Wahrnehmen vom Mondesgesichtspunkte aus, wo ihnen erschienen ist das leuchtendste Astrallicht der Welt, indem sie es verspürt haben in dem den Mond umglimmenden Sonnenlichte, das durchgeistigt ist, so wie der Mensch beseelt ist, durchgeistigt ist vom Astrallichte, so haben sie an anderen Orten das nicht, wenigstens nicht mit jener Freudigkeit, mit jener inneren Künstlerauffassung wahrnehmen können.
[ 26 ] From these descriptions you may gather that a brilliant inner light permeated the spiritual life of Ephesus. In fact, all that had ever been known about humanity's true stature within the cosmos was gathered and preserved there in the concept of Easter. Yesterday I mentioned that certain people wandered from place to place in order to experience the totality of Mystery wisdom. Of these, many expressed wonder at the richness of the spiritual life at Ephesus. They assure us repeatedly that nowhere but there could they perceive so clearly and richly the harmony of the spheres as heard from the standpoint of the moon. The most brilliant astral light of the cosmos appeared to them there: they sensed it in the sunlight glimmering around the moon, pervading that light with spirit in the same way that the human soul pervades the physical body. Nowhere else than in Ephesus could they experience this, at least not with the same sense of joy or artistic vision.
[ 27 ] Das alles war ja gebunden an diejenige Tempelstätte, die dann durch Verbrecherhand oder Wahnsinnigenhand in Flammen aufging. Aber Eingeweihte der ephesischen Mysterien waren ja, wie ich während der Weihnachtstagung erwähnte, wiederverkörpert in Aristoteles und Alexander. Und diese Individualitäten sind dann nahegekommen dem, was in jener Zeit noch zu verspüren war an den Mysterien von Samothrake.
[ 27 ] Such was the Mystery center that went up in flames through the deed of a criminal or a madman. Ephesian initiates later reincarnated in Aristotle and Alexander, as I mentioned at the Christmas Conference. These individualities then came into contact with what remained of the Mysteries of Samothrace.
[ 28 ] Nun ist ja ein scheinbar äußerlich zufälliges Ereignis von einer großen geistigen Bedeutung in der Weltentwickelung. Es ist schon erwähnt worden unter uns, sogar seit vielen Jahren erwähnt worden: Als der Tempel von Ephesus brannte, war das die Geburtsstunde Alexanders des Großen. Aber indem dieser Tempel brannte, spielte sich ja etwas ab.
[ 28 ] As an example of how a seemingly meaningless outer coincidence can actually be of great significance in the world's spiritual evolution, I may mention, as I have before, indeed for many years now, that the temple at Ephesus was burning at the very moment as Alexander the Great was born. As it burned, however, something else happened as well.
[ 29 ] Oh, wie ungeheuer viel war für diejenigen, die zu diesem Tempel gehörten, im Laufe von Jahrhunderten geschehen! Wie viel Geistiges an Licht und Weisheit ist durch diese Tempelräume gegangen. Und alles, was da durch diese Tempelräume ging, ist ja mitgeteilt worden, während die Flammen herausschlugen aus dem Tempel zu Ephesus, ist ja mitgeteilt worden dem Weltenäther. So daß man sagen kann: Das kontinuierliche Osterfest zu Ephesus, das in den Tempelräumen eingeschlossen war, ist seither eingeschrieben, wenn auch mit weniger deutlich wahrnehmbaren Lettern, in den ganzen Weltendom, insofern der Weltendom ätherisch ist.
[ 29 ] Consider for a moment how much the devotees of the temple had experienced throughout the centuries, how much spiritual light and wisdom had passed through its halls. All that was passed on to the cosmic ether by the flames. One might indeed say that the temple's continuous, concealed celebration of Easter was henceforth inscribed, although in somewhat less legible characters, into the vault of the heavens, to the extent that that vault is etheric.
[ 30 ] Und so ist es überhaupt mit vielem. Vieles von dem, was menschliche Weisheit ist, war in alten Zeiten umschlossen von Tempelwänden. Es ist den Tempelwänden entflohen, ist in den Weltenäther eingeschrieben und wird da sofort sichtbar, wenn der Mensch zur wirklichen Imagination aufsteigt. Diese Imagination ist gewissermaßen die Interpretin der Sternengeheimnisse. Man kann so sagen: In den Weltenäther ist eingeschrieben dasjenige, was einstmals Tempelgeheimnis war, und man kann es mit der Imagination daraus lesen.
[ 30 ] This is also true of much other human wisdom as well. Surrounded in ancient times by temple walls, it later escaped and was written into the cosmic ether, where those who have risen to true Imagination may perceive it directly. Because of this, Imagination may be said to be an interpreter of the secrets of the stars. It is the key to former temple secrets now inscribed into the cosmic ether.
[ 31 ] Man kann aber auch anders sagen, und es ist dasselbe, wenn man anders sagt. Man kann auch sagen: Ich stelle mich in sternheller Nacht auf, beschaue mir den Sternenhimmel, lasse seinen Eindruck auf mich wirken. Und es verwandelt sich, wenn der Mensch dazu die Fähigkeit hat, das, was in den Formen der Sternbilder ist, was in den Bewegungen der Wandelsterne ist, es verwandelt sich wie in eine große Weltenschrift. Und liest man diese Weltenschrift, so kommt etwas heraus von der Art, wie ich es gestern auseinandergesetzt habe für das Mondengeheimnis. Diese Dinge sind durchaus zu lesen in der Weltenschrift, wenn einem die Sterne nicht mehr bloß sind das mathematisch und mechanisch Errechenbare, sondern wenn sie einem sind die Lettern der kosmischen Schrift.
[ 31 ] The same thought may be expressed in another way. Imagine that you are looking at a crystal clear night sky, allowing your perceptions to sink deep into your soul. Provided you are properly prepared, the forms of the constellations, the movements of the planets will all begin to transform themselves into something like a cosmic script. And by reading this script you will grasp the outlines of the mystery of the moon, which I set forth yesterday. Such things can be read in the cosmic script, provided the stars are no longer seen merely as objects of mathematical and mechanical calculation, but as letters of a cosmic alphabet.
[ 32 ] Nun aber möchte ich noch das Folgende für die Weiterentwickelung der Sache sagen. Gerade beim Herantreten an die kabirischen Geheimnisse in Samothrake in der Zeit, als nun schon die alten Mysterien zurückgingen — Samothrake war ja noch als Erinnerungsstätte und auch noch als Pflegestätte, als Arbeitsstätte da, aber im allgemeinen ging das Mysterienwesen schon zurück in der Alexanderzeit —, da war eben ein Moment, wo für Alexander und Aristoteles durch den Einfluß der Kabirenmysterien etwas entstand wie eine Erinnerung an die alte ephesische Zeit, die ja von beiden mitgemacht war in einem bestimmten Jahrhundert. Wieder erklang da das \(J O A\)-Wort, und wieder erklang das:
[ 32 ] To continue with the Ephesian Mysteries: as I mentioned, Aristotle and Alexander came into contact with the Cabeirian Mysteries in Samothrace at a time when all the ancient Mysteries were in decline. At Samothrace, however, these Mysteries were remembered and preserved, even practiced. Under their influence, Alexander and Aristotle experienced something akin to a memory of Ephesus, in whose spiritual life both had of course participated in an earlier incarnation. Once more the I O A sounded forth for them, as well as the verses:
Weltentsprossenes Wesen, du in Lichtgestalt,
Von der Sonne erkraftet in der Mondgewalt,Dich beschenket des Mars erschaffendes Klingen
Und Merkurs gliedbewegende Schwingen,Dich erleuchtet Jupiters erstrahlende Weisheit
Und der Venus liebetragende SchönheitDaß Saturns weltenalte Geist-Innigkeit
Dich dem Raumessein und Zeitenwerden weihe!
Cosmic-born being, thou clothed in light,
Strengthened by sun in the realm of moon's might,Blessed art thou by Mars' creative ringing
And Mercury's swiftness, mobility bringing,Illumined by wisdom from Jupiter raying
And by Venus's beauty, love portraying—So that Saturn's venerable spirit-ways
Might consecrate thee to the world of space and time.
[ 33 ] Aber in dieser Erinnerung, in dieser historischen Erinnerung an Altes lag eine gewisse Kraft, Kraft, ein Neues zu schaffen. Und von jenem Moment ging die Kraft aus, ein Neues zu schaffen, aber ein merkwürdiges Neues, das die Menschheit wenig beachtet hat. Denn Sie müssen eigentlich erst verstehen, wie dieses Neue-Schaffen, das aus dem Zusammenwirken von Alexander und Aristoteles ausging, nun seiner Art nach beschaffen war.
[ 33 ] But this was more than just a memory of times past. Rather, it gave them the strength to create something new, something unusual and hence little regarded by humankind. Before I reveal it, you must understand just what kind of creation it was.
[ 34 ] Nehmen Sie irgendein bedeutendes Dichtwerk oder anderes Werk — und Sie können die schönsten Werke nehmen —, nehmen Sie meinetwillen eine deutsch übersetzte Bhagavad Gita, nehmen Sie Goethes «Faust», nehmen Sie die Iphigenie oder irgend etwas, was Sie hochschätzen, und denken Sie an den reichen, gewaltigen Inhalt, sagen wir, an den reichen, gewaltigen Inhalt von Goethes «Faust». Und jetzt, wodurch wird denn Ihnen, meine lieben Freunde, dieser reiche Inhalt vermittelt? Nehmen wir an, er würde Ihnen so vermittelt, wie er für die meisten Menschen ja vermittelt wird. Sie lesen den «Faust» irgendeinmal in Ihrem Leben. Was tritt Ihnen denn da auf dem physischen Plane entgegen? Was ist denn auf dem Papiere? Nichts anderes ist auf dem Papiere als Kombinationen von \(a b c d e\) fund so weiter. Alles, wodurch einem der große, gewaltige Inhalt des «Faust» aufgeht, sind ja nur Kombinationen von \(a b c d e f\) und so weiter. Wenn Sie das Alphabet kennen, so gibt es nichts auf dem Papier, was dasteht, was nicht zusammenfällt mit einem der etlichen zwanzig Buchstaben. Aus diesen etlichen zwanzig Buchstaben ist etwas hervorgezaubert auf dem Papier, was Ihnen hervorruft, wenn Sie eben lesen können, den ganzen reichen Inhalt des «Faust». Und es steht Ihnen sogar etwas frei. Es steht Ihnen frei, das Hersagen von \(a b c d e\) fund so weiter furchtbar langweilig zu finden, zu sagen, das ist ja eigentlich das Aller-Allerabstrakteste. Und dennoch, dieses Aller-Allerabstrakteste, in richtiger Weise kombiniert, gibt den ganzen «Faust»!
[ 34 ] Take any significant work of literature, for example, the Bhagavad Gita, or Goethe's Faust, or Iphigenia, in short, any work that you admire, and think about its richness and powerful content. Now, how is that content transmitted to you? Let us assume that it was transmitted in the usual way, that is, that at some point in your life, you read it. Physically speaking, what precisely did you have before you? Nothing but combinations of letters of the alphabet on paper. The entire magnificent content comes to you through mere combinations of the twenty odd letters of the alphabet. But provided you can read, something comes to life through these twenty odd letters that enables you to experience the entire rich content of Goethe's Faust. On the other hand, you may decide that the alphabet is a frightfully boring thing, that such a concatenation of letters is the most abstract thing imaginable. And yet these little abstract letters, properly combined, can give you all of Goethe's Faust!
[ 35 ] Und nun entstand, als jenes Monden-Weltenerklingen wieder da war, in dem erkannt wurde von Aristoteles und Alexander, was das Feuer von Ephesus bedeutete, wie dieses Feuer hinausgetragen hat in Welten-Ätherfernen dasjenige, was das Geheimnis von Ephesus war, da war es, daß in diesen beiden entstand die Inspiration, die Weltenschrift zu begründen. Nur, die Weltenschrift wird nicht begründet mit \(a b c d e f\), sondern die Weltenschrift wird begründet, wie die Buchschrift mit Buchstaben, so diese mit Gedanken. Und es entstanden die Lettern der Weltenschrift.
[ 35 ] When Aristotle and Alexander heard the celestial harmonies once again at Samothrace, they realized what the burning of the temple at Ephesus had meant. They perceived that the Ephesian Mysteries had been carried out by the flames into the vast cosmic ether. At that moment they became inspired to found the cosmic script, which is composed not of letters of the alphabet, but of thoughts.
[ 36 ] Wenn ich es Ihnen aufschreibe, sind sie ebenso abstrakt wie \(a b c e d\):
[ 36 ] Thus the letters of the cosmic script were discovered, which in their own way are as abstract as the alphabet:
Quantität, also Menge
Qualität, Eigenschaft
Relation
Raum
Zeit
Lage
Tun
Leiden
Quantity (amount)
Quality (trait)
Relation
Space
Time
Position
Action
Passion


[ 37 ] Da haben Sie eine Anzahl von Begriffen. Lernen Sie mit diesen Begriffen, die zuerst Aristoteles dem Alexander vorgeführt hat, lernen Sie mit diesen Begriffen dasselbe vollführen, was Sie gelernt haben mit \(a b c d\), dann lernen Sie aus Qualität, Quantität, Relation, Raum, Zeit, Lage, Tun, Leiden —, aus dem lernen Sie lesen im Kosmos.
[ 37 ] What we have here is a collection of concepts, first introduced by Aristotle to his pupil Alexander. One can learn to use them in much the same way that one learns to use the letters of the alphabet and read the cosmic script with them.
[ 38 ] In der Schullogik ist in der Zeit der Abstraktivität etwas Besonderes geschehen. Denken Sie nur einmal, wenn in irgendeiner Schule die Gepflogenheit wäre, die Leute nicht lesen zu lehren, sondern meinetwillen nur Bücher zu fabrizieren, in denen sie immer \(a b c d\) lernen müßten in allen möglichen Kombinationen: \(a c, a b, b e\) und so weiter — aber nicht dazu kämen, diese Buchstaben zu verwenden, um reiche Inhalte sich vor die Seele zu stellen, dann wäre das dasselbe, was die Welt mit Aristoteles’ Logik gemacht hat. In den Logiken ist es so, daß ja diese, man nennt es Kategorien, aufgeführt werden. Man lernt sie auswendig, aber man weiß mit ihnen nichts anzufangen. Das würde entsprechen dem, daßmanabcde auswendig lernte und nichts mit ihnen anzufangen wüßte. Zurück auf etwas so Einfaches, wie der Inhalt des «Faust» in \(a b c d\) — was man nur lernen muß — geht dasjenige, was Lesen in der Weltenschrift ist. Und im Grunde genommen ist das, was Anthroposophie hervorgebracht hat und jemals hervorbringen kann, aus diesen Begriffen so erlebt, wie das Gelesene des «Faust» erlebt wird aus den Buchstaben. Denn alle Geheimnisse der physischen und geistigen Welt sind in diesen einfachen Begriffen als dem Weltenalphabet enthalten.
[ 38 ] In later times, particularly in the abstract phase of scholastic logic, a very unusual thing occurred. Imagine a school in which the students are taught not to read, but rather only to learn the various letters of the alphabet in every imaginable combination—ac, ab, ae, and so on. In essence, this is what happened to Aristotelian logic. Works on logic would enumerate the above concepts, called categories. Students would learn them by heart, but not know what else to do with them next. It was as if they learned the alphabet but never learned to spell. In a way, the concepts of quantity, quality, relation, and so on, are as simple as the letters of the alphabet, but knowledge of them is required in order to read in the cosmic script, just as to read Faust one must know the alphabet. And in essence, all past and future achievements of anthroposophy are experienced in terms of these concepts. For all the secrets of the physical and spiritual worlds are contained in them. These simple concepts, in other words, constitute the alphabet of the cosmos.
[ 39 ] Es ist in der Weltentwickelung das geschehen, daß gegenüber dem früheren unmittelbaren Wahrnehmen, für das die Tatsachen von Ephesus noch etwas Allercharakteristischstes sind, etwas getreten ist, was von der Alexanderzeit aus den Anfang nimmt, was sich dann später erst besonders entwickelt durch das Mittelalter hindurch, was tief verborgen ist, was tief esoterisch ist. Tief esoterisch ist der Sinn, der lebt in diesen acht, oder man kann sie auch auf zehn erweitern, in diesen acht oder zehn einfachen Begriffen. Und wir lernen eigentlich immer mehr in diesen einfachen Begriffen leben, aber wir müssen streben, sie so lebendig in der Seele zu erleben, wie man in der Seele lebendig erlebt das Abc, wenn man eben einen reichgegliederten, geisterfüllten Inhalt hat.
[ 39 ] Starting in the time of Alexander, the earlier, direct perceptions characteristic of practices at Ephesus were replaced by something deeply hidden, something esoteric, that really began to develop only during the Middle Ages and that is embodied in the above-mentioned eight concepts (they may actually be expanded to ten). We are learning to live more and more with these, but we must strive to keep them as alive in our souls as the letters of the alphabet are when we read any rich and spiritual work of literature.
[ 40 ] So sehen Sie, wie in zehn Begriffe, deren innere Leuchte- und Wirkekraft erst wiederum enthüllt werden muß, hineinlief dasjenige, was eine gewaltige, instinktive Weisheitsoffenbarung durch Jahrtausende war. Und es wird schon einstmals dahin kommen, daß man dasjenige, was eigentlich wie im Grabe ruht, die Weltenweisheit, das Weltenlicht, wiederum finden wird, wenn man wieder lesen lernen wird im Weltenall, wenn man erleben wird die Auferstehung dessen, was in der Zwischenzeit der Menschheitsentwickelung zwischen den zwei geistigen Epochen verborgen worden ist.
[ 40 ] And so you see how ten concepts, whose illuminating and effective power has yet to be rediscovered, came to embody an enormous wisdom known instinctively for thousands of years. And although this light-filled wisdom lies, as it were, in the grave, someday it will rise again. People will then be able to read once again in the cosmic script, and to experience the resurrection of what has been hidden in the time between the two spiritual epochs.
[ 41 ] Wir sind ja da, meine lieben Freunde, um das, was verborgen worden ist, wieder offenbar zu machen. Wir sind ja da, um Ostern als Menschheitserlebnis zu gestalten. Und so, wie bei anderen Gelegenheiten gesagt werden konnte: Anthroposophie ist ein Weihnachtserlebnis, so ist Anthroposophie selber in ihrem ganzen Wirken ein Ostererlebnis, ein Auferstehungserlebnis, verbunden mit dem Grabeserlebnis. Es ist wichtig, daß wir gerade bei diesem Osterzusammensein empfinden — wenn ich mich so ausdrücken darf — die Feierlichkeit des anthroposophischen Strebens, indem wir etwas empfinden davon, daß wir gehen können heute zu einem geistigen Wesen, das uns vielleicht nahestehen kann, unmittelbar hinter der Schwelle nahestehen kann, und dem gegenüber wir sprechen: Ach, da war einmal die Menschheit gesegnet mit göttlich-geistiger Offenbarung, die besonders noch geleuchtet hat in Ephesus. Aber nun ist das alles begraben. Wie grabe ich aus das, was so begraben ist! Denn man möchte doch glauben, daß dasjenige, was war, irgendwie geschichtlich gefunden werden kann, gefunden werden kann in seinem Grabe.
[ 41 ] It is of course our mission, my dear friends, to bring to light what has been hidden. We are here, after all, to find the human meaning of Easter. On another occasion I said that anthroposophy is a Christmas experience, but in all its endeavors it is also an Easter experience, a resurrection experience, bound up with the experience of the grave. It is essential, particularly at an Easter gathering such as this, to experience something of the solemnity, if I may put it that way, of our anthroposophical striving. We should sense the presence of a spiritual being just beyond the threshold to whom we can go and say: “How blessed mankind once was by divine-spiritual revelation! How glorious that revelation was in the temple at Ephesus! Now all that is buried; where must I dig for it?”
[ 42 ] Da wird uns das Wesen erwidern, wie einstmals im ähnlichen Fall das entsprechende Wesen erwidert hatte: Das, was ihr suchet, ist nicht mehr hie, das ist in euren Herzen, wenn ihr eure Herzen nur in der richtigen Weise erschließet.
[ 42 ] To which the being beyond the threshold will reply, just as another did on a similar occasion, “What you seek is no longer here; it is in your hearts, if only you know how to open them.”
[ 43 ] Es ruht schon Anthroposophie in den Menschenherzen. Diese Menschenherzen müssen nur sich selber richtig erschließen können. Und das sollen wir empfinden, dann werden wir in voller Besonnenheit, nicht wie es in alten Zeiten instinktiv war, zurückgeführt zu jener Weisheit, welche in den Mysterien leuchtete und lebte.
[ 43 ] Anthroposophy is indeed in people's hearts, and these hearts need only be opened in the right way. That should be our conviction, and if it is, we shall be led back, not instinctively as in ancient times but in full awareness, to the wisdom that lived and shone in the Mysteries.
[ 44 ] Das ist dasjenige, was ich gerne gerade um diese Osterzeit an Ihre Herzen heranbringen möchte. Denn sich durchdringen mit dem, was wie eine feierliche Stimmung aus Anthroposophie heraus in jedem Menschenherzen, das zur Anthroposophie gehört, sich entflammen kann, darin liegt durchaus etwas, was auch hinaufträgt in die geistige Welt und was verbunden sein muß mit dem Weihnachtsimpuls, der zu Dornach gegeben worden ist. Denn dieser Impuls darf kein bloß erdachter, kein intellektualistischer bleiben, dieser Impuls muß ein Herzensimpuls sein; dieser Impuls darf kein trocken-nüchterner sein, dieser Impuls muß, nicht in Sentimentalität, sondern aus der Sache selber heraus, ein feierlicher sein können. Ebenso wie durch Aristoteles und Alexander das Feuer von Ephesus benutzt worden ist, als es in ihren Herzen neu aufflammte, aber zunächst aufflammte im Äther draußen, von dem es ihnen erneut entgegentrug die Geheimnisse, die dann gefaßt werden konnten in Allereinfachstes, wie da benutzt werden konnte das Feuer von Ephesus, so obliegt es uns, und werden wir auch schon imstande sein können, zu benutzen dasjenige, was — man darf es in aller Bescheidenheit sagen — auch in den Äther als die Flammen des Goetheanum das hinausgetragen hat, was durch Anthroposophie gewollt worden ist, weiter gewollt werden soll.
[ 44 ] I offer you these Easter words in the hope that they might reach your hearts, for by devotedly cultivating the solemn mood that anthroposophy can enkindle within our souls, we reach up into the spiritual world. At the same time, this solemn mood is connected with the Christmas impulse given at Dornach, which must not be allowed to remain abstract or intellectual, but must issue from the heart. Avoiding both joylessness and sentimentality, it must be a natural expression of the solemn facts. Just as the fire of Ephesus flared anew within the hearts of Aristotle and Alexander, after scorching the cosmic ether and revealing to them the secrets that they compressed into the simplest of forms, just as they used the burning of Ephesus, so too must we—and this may be said in all modesty—be able to make use of what the flames of the Goetheanum carried out into the ether as the substance of our anthroposophical aims, both past and to come.
[ 45 ] Aber was geht denn daraus hervor, meine lieben Freunde? Es geht daraus hervor, daß wir durften als Jahrestrauerfeier um die Weihnachts-Neujahrszeit, welche dieselbe ist, in der uns das Unglück hier getroffen hat, daß wir da durften einen neuen Impuls ausgehen lassen vom Goetheanum. Warum? Weil wir fühlen dürfen: Was mehr oder weniger Erdensache vorher war, erarbeitet, begründet wurde als Erdensache, das ist mit den Flammen hinausgetragen in die Weltenweiten. Wir dürfen, gerade weil uns dieses Unglück getroffen hat, in dem Erkennen der Folgen dieses Unglückes sagen: Nunmehr verstehen wir es, daß wir nicht bloß eine Erdensache vertreten dürfen, sondern eine Sache der weiten ätherischen Welt, in der der Geist lebt. Denn es ist die Sache vom Goetheanum eine Sache des weiten Äthers, in dem geisterfüllte Weisheit der Welt lebt. Es ist hinausgetragen worden, und wir dürfen uns von den Goetheanum-Impulsen als aus dem Kosmos hereinkommend durchdringen.
[ 45 ] It was in keeping with this, my dear friends, that at Christmas time, at the beginning of the new year, the very time of year in which our misfortune occurred, we were permitted to let issue forth a new impulse from the Goetheanum. Why? Because we could feel that a previously earthly concern had been carried out by the flames into the vastness of the cosmos, and that because of this misfortune, what we represent is no longer a merely earthly concern, but rather of significance for the whole cosmic-etheric world. This world, filled with spiritual wisdom, has adopted the Goetheanum's cause, which was carried out by the flames. The Goetheanum impulses with which we imbue ourselves now stream in from the cosmos.
[ 46 ] Nehmen wir das, wie wir wollen, nehmen wir es als Bild. Das Bild bedeutet aber eine tiefe Wahrheit. Und diese tiefe Wahrheit wird eben in einfachen Worten dadurch ausgedrückt, daß man sagt: Das anthroposophische Wirken soll seit dem Weihnachtsimpuls mit einem esoterischen Zug durchdrungen sein. Dieser esoterische Zug ist deshalb da, weil das, was irdisch war, durch das, was mitgewirkt hat im physischen Feuer, aber als Astrallicht, welches hinausstrahlt in den Weltenraum — weil das wiederum zurückwirkt hinein in die Impulse der anthroposophischen Bewegung, wenn wir nur in der Lage sind, diese Impulse aufzunehmen.
[ 46 ] Take this any way you like; take it as a picture. But as a picture it points to a profound reality. To put it simply, since the impulse at Christmas all anthroposophical endeavor must be infused with esotericism. This is because impulses are now working their way in from the cosmos as a result of the astral light that streamed up from the burning Goetheanum. These impulses can strengthen the anthroposophical movement, provided we are in a position to receive them.
[ 47 ] Dann, wenn wir das vermögen, dann empfinden wir in alledem, was in Anthroposophie lebt, ein wichtiges Glied darinnen. Und dieses eine wichtige Glied darinnen, das ist die anthroposophische Osterstimmung, jene anthroposophische Osterstimmung, die da niemals der Überzeugung sein kann, daß der Geist stirbt, sondern daß, wenn er stirbt durch die Welt, er immer wieder aufersteht. Und an den aus ewigen Gründen immer wieder auferstehenden Geist muß sich Anthroposophie halten.
[ 47 ] If we are, then everything anthroposophical, including the Easter mood, will be sensed as an essential part of the whole that is anthroposophy. The anthroposophical Easter mood convinces us that the spirit never dies, that though it may die to the world, it always rises again. Anthroposophy must base itself upon this spirit that rises ever anew from its eternal foundations.
[ 48 ] Das nehmen wir auf, nehmen wir auf als Ostergedanke und Osterempfindung in unsere Herzen. Und wir werden, meine lieben Freunde, von diesem Zusammensein Gefühle wegtragen, die uns Arbeitsmut, Arbeitskraft geben, wenn wir wiederum an anderer Stätte stehen.
[ 48 ] Such is the feeling and concept of Easter that we may take into our hearts. And from this gathering, my dear friends, we shall carry away courage and strength for our work in other places.
