Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235
1 March 1924, Dornach
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Fünfter Vortrag
V. The Single Factor of Karma
[ 1 ] Wenn man über das Karma im einzelnen spricht, so muß man ja zunächst natürlich zwischen den karmischen Ereignissen, die im Menschenleben mehr von außen an den Menschen herantreten, und denjenigen, die von innen im Menschen gewissermaßen aufsteigen, unterscheiden.
[ 1 ] If we speak in detail about karma, we naturally must distinguish, in the first place, between those karmic events of life which come to a human being from outside and those which arise, as it were, within his inner being.
[ 2 ] Das Schicksal des Menschen setzt sich ja aus den allerverschiedensten Faktoren zusammen. Das Schicksal des Menschen ist von seiner physischen und ätherischen Konstitution abhängig, das Schicksal des Menschen ist abhängig von dem, was der Mensch nach seiner astralischen und Ich-Beschaffenheit an Sympathie und Antipathie der Außenwelt entgegenbringen kann, was man ihm wiederum nach seiner Beschaffenheit an Sympathie und Antipathie entgegenbringen kann; das Schicksal des Menschen ist wiederum abhängig von den allerallermannigfaltigsten Verwicklungen, Verstrickungen, in die der Mensch auf seinem Lebenswege verwoben wird. Das alles ergibt für irgendeinen Zeitpunkt oder in Summa für das ganze Leben eben die Schicksalslage des Menschen.
[ 2 ] A human being's destiny is composed of many and diverse factors. His destiny is dependent on his physical and etheric constitution. It is dependent on what the human being, according to his astral and ego constitution, can bring of sympathy and antipathy toward the outer world, what others, again, according to his constitution can bring to him as sympathy and antipathy. Moreover, the destiny of the human being depends on the most manifold complications and entanglements in which he finds himself involved on the path of life. All of this determines the human being's karmic situation for any given moment of time or as a totality for his whole life.
[ 3 ] Nun werde ich versuchen, das Gesamtschicksal des Menschen aus den einzelnen Faktoren zusammenzusetzen. Dazu wollen wir heute einmal den Ausgangspunkt von gewissen inneren Faktoren im Menschen nehmen, wollen einmal auf jenen Faktor sehen, der da wirklich in vieler Beziehung in erster Linie ausschlaggebend ist, die Gesundheits- oder Krankheitslage des Menschen, und dasjenige, was als Unterlage für die Gesundheits- und Krankheitslage des Menschen dann zur Wirkung kommt in seiner physischen, in seiner seelischen Stärke, mit der er seine Aufgaben erfüllen kann und so weiter.
[ 3 ] I shall now try to put together the total destiny of man out of these various factors. For that purpose we intend today to take our point of departure from certain inner factors in the human being; we intend to look at that factor which, in many respects, is really of cardinal and decisive importance,—that is to say, his inherent tendency toward health and illness, and that which then becomes effective as the basis for this tendency in his strength of body and soul with which he is able to fulfill his tasks.
[ 4 ] Will man aber diese Faktoren in der rechten Weise beurteilen, dann muß man ja über vieles, was in den heutigen Zivilisationsvorurteilen enthalten ist, hinwegsehen können. Man muß mehr auf die ursprüngliche Wesenheit des Menschen eingehen können, muß wirklich Einsicht gewinnen, was es denn eigentlich heißt, daß der Mensch seiner tieferen Wesenheit nach aus geistigen Welten zum physischen Erdendasein heruntersteigt.
[ 4 ] If we wish, however, to judge these factors correctly, we must be able to see beyond many a prejudice that is contained in modern civilization. We must be able to enter more into the original nature of the human being; we must gain real insight into what it signifies that the human being, as far as his deeper nature is concerned, descends from spiritual worlds into physical earth existence.
[ 5 ] Nun wissen Sie, daß heute auch schon in die Kunst, in die Dichtung zum Beispiel dasjenige eingezogen ist, was man unter den Begriff der Vererbung zuammenfaßt. Und wenn irgend jemand mit bestimmten Eigenschaften in der Welt auftritt, frägt man ja zuerst nach der Vererbung. Wenn jemand mit Krankheitsanlagen auftritt, frägt man: Wie steht es mit den Vererbungsverhältnissen?
[ 5 ] Now, you know that what is summed up in the concept of heredity has today found its way, for example, even into the realm of art, of poetry. If anyone appears in the world with certain qualities, people inquire first about heredity. Or if, for example, someone appears with a pre-disposition to illness, they ask: “What about the hereditary relationships?”
[ 6 ] Es ist gewiß zunächst eine durchaus berechtigte Frage. Aber so, wie man sich heute zu diesen Dingen verhält, so sieht man eigentlich an dem Menschen vorbei. Man sieht völlig an dem Menschen vorbei. Man sieht nicht auf dasjenige, was eigentlich des Menschen wahre Wesenheit ist, und wie sich diese Wesenheit entfaltet. Man sagt natürlich, der Mensch ist zunächst das Kind seiner Eltern, ist der Nachkomme seiner Vorfahren. Gewiß, man sieht das auch. Man sieht es auftreten schon in der äußeren Physiognomie, noch mehr in den Gebärden vielleicht, man sieht die Ähnlichkeit mit den Vorfahren auftreten. Aber nicht nur das. Man sieht ja auch, wie der Mensch seinen physischen Organismus eben als Produkt dessen hat, was ihm die Vorfahren geben. Er trägt diesen physischen Organismus an sich. Und man weist heute stark, sehr stark darauf hin, daß der Mensch diesen physischen Organismus an sich trägt.
[ 6 ] This question is, indeed, at the outset quite justifiable, but in their whole attitude toward these things, people today ignore the real human being; they completely ignore him. They do not observe what his true being is, how his true being unfolds. Naturally, they say in the first place that he is the child of his parents, the descendant of his forebears. Certainly, this can be seen. Even in his outer physiognomy; and still more, perhaps, in his gestures do we see the likeness to his ancestors emerging. But not only this; we see also how the human being has his whole physical organism as a product of what is given to him by his forebears. He carries this physical organism about with him, a fact which is pointed out very forcefully today.
[ 7 ] Man beachtet dabei das Folgende nicht. Wenn der Mensch geboren wird, so hat er gewiß zunächst seinen physischen Organismus von seinen Eltern. Aber was ist dieser physische Organismus, den er von seinen Eltern hat? Darüber denkt man in der heutigen Zivilisation im Grunde genommen ganz falsch.
[ 7 ] People fail, however, to observe the following: When he is born, the human being has most assuredly, at the outset, his physical organism from his parents. But what is this physical organism which he receives from his parents? In that regard the man of modern civilization thinks fundamentally quite falsely.
[ 8 ] Wenn der Mensch im Zahnwechsel steht, tauscht er ja nicht nur seine zuerst bekommenen Zähne gegen andere aus, sondern es ist das der Zeitpunkt im menschlichen Leben, in dem sich zum erstenmal die ganze menschliche Wesenheit als Organisation erneuert.
[ 8 ] When the human being has reached the time of change of teeth, he not only exchanges his first teeth for others, but this is also the moment in life when the entire human being—as an organization—is renewed for the first time.
[ 9 ] Nun ist es wirklich ein durchgreifender Unterschied zwischen dem, was dann der Mensch in seinem achten, neunten Jahre wird, und demjenigen, was er zum Beispiel im dritten, vierten Jahre war. Es ist ein durchgreifender Unterschied. Dasjenige, was er im dritten, vierten Jahre als Organisation war, hat er vererbt bekommen, das haben ihm die Eltern gegeben. Dasjenige, was da wird und zuerst auftritt im achten, neunten Lebensjahre, das geht im höchsten Grade hervor aus dem, was der Mensch heruntergetragen hat aus der geistigen Welt.
[ 9 ] There is a thorough-going difference between what the human being becomes in his eighth and ninth year of life, and what he was in his third or fourth year. It is a decisive difference. What he was—as an organism—in his third or fourth year, he received through heredity. His parents gave him that. What comes into being in his eighth or ninth year is the result, in the highest degree, of what he himself has brought down from the spiritual world.
[ 10 ] Will man das, was da eigentlich zugrunde liegt, schematisch zeichnen, so muß man es in der folgenden, die heutige Menschheit gewiß schockierenden Art tun. Man muß sagen: Der Mensch bekommt, indem er geboren wird, etwas mit wie ein Modell zu seiner Menschenform (siehe Zeichnung Seite 87, grün). Dieses Modell, das bekommt er von seinen Vorfahren. Sie geben ihm ein Modell mit. Und an diesem Modell entwickelt der Mensch dasjenige, was er später wird (rot). Das aber, was er da entwickelt, ist das Ergebnis dessen, was er aus geistigen Welten herunterträgt.
[ 10 ] If we wish to indicate in outline the really fundamental facts, we must do it in the following way—shocking though it may be to modern mankind. We must say, the human being receives as he is being born something like a model of his human form. He receives this model from his forbears; they bestow upon him a model. Then, aided by this model, he develops what he becomes later. What he then develops, however, is the result of what he brings down with him from the spiritual worlds.
[ 11 ] So schockierend es für einen heutigen Menschen auch sein kann, wenn er ganz in der Bildung der Gegenwart drinnensteckt, so muß man doch sagen: Die ersten Zähne, die der Mensch bekommt, sind ganz und gar vererbt, sind Vererbungsprodukte. Sie dienen ihm als Modell, nach dem er ausarbeitet — aber jetzt nach Maßgabe der Kräfte, die er sich herunterträgt aus der geistigen Welt — die zweiten Zähne; die arbeitet er sich aus.
[ 11 ] Shocking as it may be to human beings of today, if they are completely immersed in modern culture, we must, nevertheless, make the following assertion: The first teeth which the human being receives are entirely inherited; they are the products of heredity. They serve him as a model according to which he fashions his second teeth in conformity to the forces he brings with him from the spiritual world. These he elaborates.
[ 12 ] So wie es mit den Zähnen ist, so ist es mit dem ganzen Organismus. Und die Frage könnte nur entstehen: Ja, warum brauchen wir als Menschen ein Modell? Warum können wir nicht einfach, wie es in älteren Phasen der Erdenentwickelung auch der Fall war, warum können wir nicht einfach, indem wir heruntersteigen und unseren Ätherleib an uns heranziehen — den ziehen wir ja durch unsere eigenen Kräfte heran, die wir heruntertragen aus der geistigen Welt —, warum können wir so nicht auch die physische Materie heranziehen und ohne physische Abstammung unseren physischen Leib formen?
[ 12 ] And as it is with the teeth, so is it with the body as a whole. Only, this question might arise: Why do we human beings need a model? Why can we not do just what we did in earlier phases of earth evolution? Why is it not possible as we descend and draw toward ourselves our ether body—which we do, as you know, with our own forces brought with us from the spiritual world,—why is it not possible likewise simply to gather to ourselves physical matter, and without the help of physical forbears form our own physical body?
[ 13 ] Das ist natürlich für das Denken eines heutigen Menschen eine kolossal törichte Frage, eine verrückte Frage selbstverständlich. Aber nicht wahr, da muß man schon sagen: In bezug auf die Verrücktheit gilt schon einmal die Relativitätstheorie, wenn man auch die Relativitätstheorie zunächst heute nur auf Bewegungen anwendet und sagt, man kann für den Anblick nicht unterscheiden, ob man sich selber mit dem Körper, auf dem man sich befindet, bewegt, oder ob der Körper sich bewegt, der in der Nähe ist. Das ist deutlich hervorgetreten bei dem Übergang von der alten Welttheorie zur Kopernikanischen. Aber wenn man heute auch nur die Relativitätstheorie auf Bewegungen anwendet, so gilt sie — sie hat ja einen gewissen Geltungsbereich —, sie gilt schon in bezug auf diese angedeutete Verrücktheit: nämlich, da stehen zwei voneinander ab, der eine ist gegen den anderen verrückt. Es kommt nur darauf an, nicht wahr, wer absolut verrückt ist.
[ 13 ] To the modern human being's way of thinking, this question is obviously an example of monumental stupidity, an example of insanity. But then, we must indeed say that with respect to the insanity of the above statement, the Theory of Relativity holds good, although it is applied today only to movement, postulating, as it does, that we cannot tell from observation whether we are moving together with the body on which we find ourselves or whether it is the nearby body which is moving. (This fact became clearly evident in the exchange of the ancient cosmic theory for the Copernican.) But, although at present the Theory of Relativity is applied only to movement, it holds good—for it has a certain sphere of validity—it holds good also in regard to the aforesaid insanity: namely, here are two people who differ greatly; each one thinks the other crazy; the only question is,—which of the two is actually crazy.
[ 14 ] Nun, die Frage muß aber trotzdem aufgeworfen werden gegenüber den Tatsachen der geistigen Welt: Warum braucht der Mensch ein Modell? — Ältere Weltanschauungen haben in ihrer Art die Antwort darauf gegeben. Nur in der heutigen Zeit, wo man überhaupt die Moralität nicht mehr in die Weltenordnung einbezieht, sondern nur als menschliche Konvention gelten lassen will, da stellt man solche Fragen nicht. Ältere Weltanschauungen haben wohl diese Fragen gestellt und haben sie für sich sogar beantwortet. Ältere Weltanschauungen haben gesagt: Ursprünglich war der Mensch dazu veranlagt, sich in der Weise auf die Erde hereinzustellen, daß er ebenso wie er seinen Ätherleib aus der allgemeinen kosmischen Äthersubstanz heranzieht, so auch seinen physischen Leib sich bildet aus den Substanzen der Erde. Nur ist der Mensch den luziferischen und ahrimanischen Einflüssen verfallen, und dadurch hat er die Fähigkeit verloren, sich aus seiner Wesenheit heraus seinen physischen Leib aufzubauen, und muß ihn aus der Abstammung entnehmen.
[ 14 ] Well, in relation to the facts of the spiritual world this question must, nevertheless, be raised: Why does the human being need a model? Older world conceptions have given the answer in their own way. Only in modern times, when morality is no longer included in the cosmic order, but is admitted solely as a human convention, are such questions no longer asked. More ancient world conceptions have not only asked these questions; they have even answered them. Originally, they said, the human being was so constituted that he was able to establish himself on the earth in the following manner: Just as he now draws to himself his ether body out of the general cosmic ether substance, so did he draw to himself the substances of the earth to form his physical body. But he fell a prey to the Luciferic and Ahrimanic influences, and as a result, he lost the faculty of building his physical body out of his own essential being. He must now receive it through heredity.
[ 15 ] Diese Art, zu einem physischen Leib zu kommen, ist für den Menschen das Ergebnis der Erbsünde. Das haben ältere Weltanschauungen gesagt, das ist die eigentliche Grundbedeutung der Erbsünde: hinein sich versetzen zu müssen in die Erbverhältnisse.
[ 15 ] This way of obtaining the physical body is, for the human being, the result of “original sin,” hereditary sin. This is what ancient world conceptions said. This is the fundamental meaning of “original sin,” hereditary in the necessity of inserting oneself into the relationships of heredity.
[ 16 ] Für unsere Zeit müssen ja erst wieder die Begriffe herbeigeschafft werden, um erstens solche Fragen ernst zu nehmen, zweitens, um Antworten darauf zu finden. Es ist eben tatsächlich der Mensch innerhalb seiner Erdenentwickelung nicht so stark geblieben, als er veranlagt war, bevor die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse da waren. Und so ist der Mensch darauf angewiesen, nicht sogleich beim Hereintreten in die Erdenverhältnisse sich seinen physischen Leib von sich aus zu bilden, sondern er braucht eben ein Modell, jenes Modell, welches heranwächst in den ersten sieben Lebensjahren. Da er sich nach diesem Modell richtet, so ist es natürlich, daß von diesem Modell auch im späteren Leben etwas an ihm bleibt, mehr oder weniger. Derjenige, der als Mensch, welcher an sich selber wirkt, ganz und gar vom Modell abhängig ist, der wird, wenn ich so sagen darf, vergessen, was er eigentlich heruntergebracht hat, und wird sich ganz nach dem Modell richten. Derjenige, der stärkere innere Kraft hat, durch seine früheren Erdenleben erworben, er wird sich weniger nach dem Modell richten, und man wird dann sehen können, wie er sich sehr bedeutend verändert gerade im zweiten Lebensalter zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife.
[ 16 ] In our age, the concepts must be provided again in order, first, to take such questions seriously, and secondly, in order to find the answers. It is a fact that the human being in his earthly evolution has not remained is strong as was his predisposition before the Luciferic and Ahrimanic influences were present. Therefore, he cannot form his physical body through his own capacities as soon as he enters the earthly conditions, but he needs a model, that model which grows during the first seven years of human life. Since he conforms to this model, it is but natural that something of the model, more or less, remains with him in his later life. The human being who, working on himself, is completely dependent on the model will forget—if I may put it so—what he actually brought down with him and will entirely conform to the model. Another human being who has acquired stronger inner force through his former earth lives will conform less to the model, and it will be possible to see how significantly he changes in the second phase of life, between the change of teeth and puberty.
[ 17 ] Die Schule wird sogar die Aufgabe haben, wenn sie eine rechte Schule ist, dasjenige im Menschen zur Entfaltung zu bringen, was er heruntergetragen hat aus den geistigen Welten in das physische Erdendasein. So daß also dasjenige, was der Mensch dann weiter im Leben mit sich trägt, mehr oder weniger die Vererbungsmerkmale enthält, je nachdem er sie überwinden kann oder nicht überwinden kann.
[ 17 ] The school will even have the task, if it is a true school, to bring about in the human being the unfoldment of what he has brought into physical earth existence out of the spiritual worlds. Hence, what the human being carries further with him in life contains the inherited characteristics in greater or lesser degree, according as he is able or is not able to overcome them.
[ 18 ] Nun, sehen Sie, meine lieben Freunde, alle Dinge habe ihre geistige Seite. Was der Mensch da hat als seinen Körper in den ersten sieben Lebensjahren, das ist eben einfach ein Modell, nach dem er sich richtet. Entweder es gehen seine geistigen Kräfte in einem gewissen Grade in dem unter, was ihm da durch das Modell aufgedrängt wird, und er bleibt ganz vom Modell abhängig, oder er arbeitet in den ersten sieben Lebensjahren durch das Modell dasjenige durch, was das Modell verändern will. Dieses Arbeiten, dieses Durcharbeiten findet seinen äußeren Ausdruck. Denn es handelt sich ja nicht bloß darum, daß da gearbeitet wird und daß dieses hier das ursprüngliche Modell ist; sondern das ursprüngliche Modell löst sich ja los, schuppt sich ab sozusagen, fällt ab, wie die ersten Zähne abfallen; alles fällt ab. (Siehe Zeichnung, hell.) Es handelt sich da wirklich darum, daß von der einen Seite die Formen, die Kräfte das Modell drücken; auf der anderen Seite will der Mensch ausprägen, was er heruntergebracht hat. Das gibt einen Kampf in den ersten sieben Lebensjahren. Vom geistigen Gesichtspunkte aus gesehen, bedeutet dieser Kampf dasjenige, was dann äußerlich symptomatisch in den Kinderkrankheiten zum Ausdrucke kommt. Kinderkrankheiten sind der Ausdruck dieses inneren Kampfes.
[ 18 ] Now, just remember, my dear friends, that all things have their spiritual aspect. What the human being possesses as his body in the first seven years of life is simply a model to which he conforms. Either his spiritual forces are to some extent submerged in what is forced upon him by the model and he remains quite dependent on the model, or he works into the model during the first seven years of life that which will transform the model. This work, this elaboration, finds expression outwardly. For it is not merely a question that work is done and that this here (see Figure) is the original model; but the original model gradually detaches itself, peels off, so to speak, falls away, just as the first teeth fall out. Everything falls away. The matter is as follows: From one side, the forms and forces press upon the model; on the other, the human being wills to express what he has brought down to the earth. That causes a battle during the first seven years of life. Seen from the spiritual standpoint, this battle signifies what comes to outward symptomatic expression in the illnesses of childhood. The diseases of childhood arc the expression of this inward struggle.


[ 19 ] Es treten natürlich bei den Menschen ähnliche Formen des Erkranktseins auch später auf. Das ist dann der Fall, wenn die Sache zum Beispiel so ist, daß jemand in den ersten sieben Lebensjahren es nicht sehr gut dazu gebracht hat, das Modell zu überwinden. Dann kann in einem späteren Lebensalter ein innerer Drang auftauchen, nun doch das, was da karmisch in ihm geblieben ist, herauszubekommen. Er kann in seinem achtundzwanzigsten, neunundzwanzigsten Lebensjahre plötzlich innerlich aufgerüttelt werden, gegen das Modell nun erst recht anstoßen, und bekommt dann eine Kinderkrankheit.
[ 19 ] Needless to say, similar forms of illness occur in human beings later in life. That is the case if, for example, someone did not succeed very well in overcoming the model during the first seven years of life. Then the impulse may emerge later in life to get rid of what has thus karmically remained in him. Thus, in his twenty-eighth or twenty-ninth year of life, the human being may suddenly feel inwardly aroused against the model; he will only then collide with it and, as a result, fall prey to some illness of childhood.
[ 20 ] Nun kann man schon, wenn man einen Blick dafür hat, sehen, wie bei manchen Menschenkindern das stark auftritt, daß sie sich nach dem siebenten, achten Jahre wesentlich ändern, ändern in der Physiognomie, ändern in den Gesten. Man weiß nicht, woher gewisse Dinge kommen. Heute, wo man in der allgemeinen Zivilisationsansicht so außerordentlich an der Vererbung hängt, ist das schon sogar in die Redensarten übergegangen. Plötzlich tritt im achten, neunten LebensJahre bei einem Kinde etwas auf, was sehr organisch begründet ist. Der Vater sagt: Na, von mir hat er das nicht. — Die Mutter sagt: Nun, von mir erst recht nicht! — Das rührt natürlich von dem allgemeinen Glauben heute her, der in das elterliche Bewußtsein übergegangen ist, daß die Kinder alles von den Eitern haben müßten.
[ 20 ] If one has an eye for it, one can observe how strongly the following appears in many children: they change essentially in physiognomy and gesture after the seventh or eighth year of life. No one knows whence certain things come. Today, when the prevailing view of civilization adheres so strongly to heredity, this has even passed over into our way of speaking. If, in the eighth or ninth year, some feature suddenly emerges in a child which is deeply rooted in the organism, the father may say: “Anyhow, he did not get that from me,” while the mother may say: “Well, most certainly not from me.” All this is due to the common belief which has found its way into the parental consciousness that the children must have inherited everything from their parents.
[ 21 ] Auf der anderen Seite ist ja auch das, daß dann auch gesehen werden kann, wie Kinder unter Umständen in diesem zweiten Lebensalter sogar ähnlicher werden ihren Eltern, als sie früher waren. Ja, aber da müssen Sie nur in ganz vollem Ernste nehmen, wie der Mensch herunterkommt in die physische Welt.
[ 21 ] On the other hand, it may often be observed how children grow even more like their parents in this second phase of life than they were previously. Here we must take in full seriousness the way the human being descends into the physical world.
[ 22 ] Sehen Sie, die Psychoanalyse hat manche wirklich schreckliche Sumpfblüte getrieben; unter anderem zum Beispiel auch das — Sie können es ja heute überall lesen —, daß im Geheimen, im Unterbewußten jeder Sohn in seine Mutter verliebt ist, oder jede Tochter in den Vater verliebt ist, und daß das Lebenskonflikte gäbe in den unterbewußten Provinzen der Seele.
[ 22 ] Please note that Psycho-Analysis has, indeed, produced many really horrible swamp flowers; among them, for example, is the following—this may be read today everywhere—namely, that in the hidden, subconscious mind, every son is in love with his mother and every daughter with her father, and that this condition causes life conflicts in the subconscious provinces of the soul. [Cf. Rudolf Steiner: Psycho-Analysis in the Light of Anthroposophy (in preparation). {It's prepared! - e.Ed}]
[ 23 ] Nun, das alles sind natürlich dilettantische Lebensinterpretationen. Was aber wahr ist, das ist, daß der Mensch, schon bevor er heruntersteigt zum irdischen Dasein, in seine Eltern verliebt ist, daß er heruntersteigt, weil sie ihm gefallen. Nur muß man natürlich das Urteil, das die Menschen hier auf Erden haben über das Leben, unterscheiden von dem Urteil, das die Menschen haben außer dem irdischen Leben, zwischen dem Tod und einer neuer Geburt, über das Leben.
[ 23 ] All these are amateurish interpretations of life. The truth, however, is that the human being is in love with his parents already before he descends into earthly existence, that he descends because they please him. Only, we must naturally distinguish the judgment which people have here on earth about life from the judgment they have about it outside the earthly life between death and a new birth.
[ 24 ] Im Anfange des anthroposophischen Wirkens kam es einmal vor, daß eine Dame auftrat, die hörte von den wiederholten Erdenleben und erklärte: Nein, das andere an der Anthroposophie gefiele ihr zwar, aber die wiederholten Erdenleben wollte sie nicht mitmachen, sie habe genug an dem einen; die wiederholten Erdenleben, die wolle sie nicht mitmachen. — Nun, es waren ja dazumal auch schon sehr wohlmeinende Anhänger da, die haben sich auf alle mögliche Weise bemüht, der Dame klarzumachen, daß das doch eine richtige Idee ist, und daß jeder Mensch die wiederholten Erdenleben eben mitmachen muß. Sie konnte sich nicht dazu bereitfinden. Der eine hat links, der andere rechts in sie hineingeredet. Sie ist dann abgereist. Mir aber hat sie eine Postkarte geschrieben nach zwei Tagen, sie wolle nun doch nicht noch einmal auf der Erde geboren werden!
[ 24 ] On one occasion, in the early stages of our anthroposophical activity, a lady appeared among us who had heard of reincarnation. She liked other things in Anthroposophy very much indeed, but in repeated earth lives she would not participate; one earth life was quite enough for her—with others she would have nothing to do. Now, at that time there were already very well-meaning adherents among us who tried in every possible way to convince the good lady that the idea was, after all, a correct one, and that every human being must participate in repeated earth lives. One friend belabored her from the left, and another from the right. She then departed, but two days later she wrote me a post card to the effect that, after all, she did not intend to be born again on earth!
[ 25 ] In einem solchen Falle muß derjenige, der eben einfach die Wahrheit aus der geistigen Erkenntnis heraus sagen will, das Folgende zu den Leuten sagen: Gewiß, es mag sein, daß Sie, während Sie hier auf Erden sind, gar keinen Geschmack daran finden, wiederum zur Erde herunterzusteigen in einem zukünftigen Leben. Aber das ist ja nicht maßgebend. Hier auf Erden gehen Sie zunächst durch die Pforte des Todes in die geistige Welt hinein. Das wollen Sie. Ob Sie wieder heruntersteigen wollen, das hängt von Ihrem Urteile dann ab, wenn Sie keinen Leib mehr an sich tragen. Da werden Sie schon ein anderes Urteil dann sich bilden. — Die Urteile sind eben durchaus verschieden, die der Mensch hier im physischen Dasein hat, und diejenigen, die er hat zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ändert sich da jeder Gesichtspunkt.
[ 25 ] In such a case, the one who wishes simply to tell the truth out of spiritual knowledge must say to people: “Certainly, it may be that, while you are here on earth, it is not at all to your liking that you should come down again to earth in some future life. But that is by no means decisive. Here on earth, you go through the gate of death into the spiritual world. You are willing to do this. Whether or not you wish to descend again depends on the judgment which will be yours when you no longer carry your body about with you. Then you will form quite a different judgment.” The judgments a human being has in physical life on earth are different in every way from those he has between death and a new birth. For there every point of view changes.
[ 26 ] Und so ist es auch. Wenn Sie jetzt einem Menschen, einem jungen Menschen hier auf der Erde sagen, er habe sich seinen Vater gewählt, so könnte er ja unter Umständen immerhin einwenden: Wie aber, einen Vater, der mich so geprügelt hat, den soll ich mir gewählt haben? — Er hat sich ihn wirklich gewählt, weil er einen anderen Gesichtspunkt hatte, bevor er zur Erde heruntergestiegen ist. Da hatte er nämlich den Gesichtspunkt, daß die Prügel ihm sehr gut tun werden. Es ist das tatsächlich gar keine lächerliche Sache, es ist absolut tiefernst gemeint. Und so wählt sich der Mensch auch seine Eltern nach der Gestalt. Er hat das Bild für sich selbst vor sich, seinen Eltern ähnlich zu werden. Er wird dann nicht durch Vererbung ähnlich, sondern durch seine inneren geistig-seelischen Kräfte, die er sich gerade aus der geistigen Welt herunterbringt. Deshalb sind in dem Augenblicke, wo man allseitig, aus der geistigen und aus der physischen Wissenschaft heraus urteilt, solche Urteile in Bausch und Bogen nicht mehr möglich, daß man sagt: Ich habe auch schon Kinder gesehen, die wurden erst in ihrem zweiten Lebensalter ihren Eltern ähnlicher. Gewiß, da liegt eben dann der andere Fall vor, daß diese Kinder sich als Ideal vorgesetzt haben, die Gestalt ihrer Eltern anzunehmen.
[ 26 ] These are the facts. If you tell a human being here on earth—a young human being, perhaps—that he has chosen his father, he might object under certain circumstances and say: “Do you mean that I chose the father who has beaten me so badly?” Yes, certainly, he chose him; for the youth had quite another point of view before he came down to earth. He then had the point of view that the thrashings would do him much good ... This is, indeed, no laughing matter, it is meant in the deepest earnestness. In the same way a man also chooses his parents according to their form and figure. He has a picture of himself before him—the picture that he will resemble his parents. He does not become like them through heredity, but through his own inner soul and spirit forces, the forces he brings down with him from the spirit world. The moment, therefore, that we come to an all-inclusive opinion out of spiritual science as well as physical science, such wholesale statements are without exception no longer valid, for instance, the assertion: “I have seen children who became more like their parents only in the second phase of their life.” Certainly, that is then just the other case, where these children intended to take on for this earth life the form of their parents.
[ 27 ] Nun handelt es sich darum, daß der Mensch im Grunde genommen die ganze Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt im Vereine mit anderen verstorbenen Seelen und im Vereine mit den Wesenheiten der höheren Welten an demjenigen arbeitet, was ihm die Möglichkeit bringt, sich seinen Körper aufzubauen.
[ 27 ] Now it is a fact that the human being, during the whole time between death and a new birth, works in union with other departed souls and with the beings of the higher worlds upon that which makes it possible for him to build his body.
[ 28 ] Sehen Sie, man unterschätzt das, was der Mensch im Unterbewußten trägt, gar sehr. Man ist im Unterbewußten viel weiser als im Oberbewußten als Erdenmensch. Man arbeitet schon aus einer weitgehenden universellen Weltenweisheit dasjenige aus, was sich innerhalb des Modells dann im zweiten Lebensalter zu dem ausgestaltet, was man nun als seinen eigentlichen, einem zugehörigen Menschen an sich trägt. Wird man einmal wissen, wie wenig der Mensch eigentlich in bezug auf seine Körpersubstanz aufnimmt aus dem, was er ißt — wie er viel mehr entnimmt dem, was er aus Luft und Licht und so weiter aufnimmt in außerordentlich fein verteiltem Zustande —, dann wird man auch eher glauben können, daß der Mensch sich ganz unabhängig von allen Vererbungsverhältnissen seinen zweiten Körper für das zweite Lebensalter ganz und gar aus der Umgebung aufbaut. Der erste Körper ist tatsächlich nur ein Modell, und dasjenige, was den Eltern entstammt, substantiell und auch den äußeren körperlichen Kräften nach, das ist nicht mehr da im zweiten Lebensalter.
[ 28 ] You see, we generally underestimate greatly the importance of what a man carries in his subconscious nature. As earth men, we are far wiser in the subconscious than in the conscious nature. It is, indeed, out of a far-reaching, universal, cosmic wisdom that we elaborate that which becomes within the model during the second phase of life the form that we then bear as our own human nature, the one that belongs to us. If, at some future time, we become aware of how little we really absorb, as far as the substance of the body is concerned, from the food we eat, how we take in far more from all that we absorb in a very finely diluted condition from the air and light, then we shall more readily be able to believe that the human being builds up his second body for the second life period quite independently of all hereditary conditions; he builds it entirely out of his environment. The first body is, actually, only a model. That which comes from the parents—as substance as well as the outer bodily forces—is no longer there in the second phase of life.
[ 29 ] Das Verhältnis zu den Eltern wird ein moralisch-seelisches im zweiten Lebensalter, und es ist ein physisches Vererbungsverhältnis nur im ersten Lebensalter bis zum siebenten Lebensjahre.
[ 29 ] In the second life period the child's relationship to his parents becomes an ethical, a soul relationship. Only in the first period of life, that is, up to the seventh year, is it a physical, hereditary relationship.
[ 30 ] Nun, es gibt ja auch noch in diesem Erdenleben Menschen, die haben ein ganz reges Interesse für alles, was im sichtbaren Kosmos um sie herum ist. Es sind Menschen, die beobachten Pflanzen, beobachten die Tierwelt, sie haben Anteil, Interesse an dem und jenem, was in der sichtbaren Umwelt ist. Sie haben Interesse für die Erhabenheit des gestirnten Himmels. Sie sind sozusagen mit ihrer Seele beim ganzen physischen Kosmos dabei. Das Innere eines Menschen, der ein solches warmes Interesse für den physischen Kosmos hat, ist ja anders als das Innere eines Menschen, der mit einer gewissen Gleichgültigkeit, mit einem seelischen Phlegma an der Welt vorbeigeht.
[ 30 ] Now, there are human beings in this earthly life who take a keen interest in all that surrounds them in the visible cosmos. There are men who observe the plants, observe the animal world; they enter with interest into this or that thing in the visible world around them. They take an interest in the majesty of the star-studded heavens. They take part, so to speak, with their souls in the entire physical cosmos. The inner life of a human being who has this warm interest in the physical cosmos differs from the inner life of one who passes the world by with a certain indifference, with a phlegmatic attitude of soul.
[ 31 ] Es gibt wirklich in dieser Beziehung die ganze Skala von Menschencharakteren. Auf der einen Seite, nicht wahr, hat einer eine ganz kurze Reise gemacht. Man redet nachher mit ihm. Er beschreibt einem die Stadt, in der er gewesen ist, mit einer unendlichen Liebe bis in die Kleinigkeiten hinein. Man bekommt unter Umständen deshalb, weil er so starkes Interesse gehabt hat, eine völlige Vorstellung von dem, wie es in der Stadt, wo er war, ausgesehen hat. Von diesem Extrem geht es bis zu dem anderen herunter, wie zum Beispiel jenem, wo ich einmal zwei ältere Damen getroffen habe, die von Wien nach Preßburg gereist waren. Preßburg ist eine schöne Stadt. Sie waren wiederum zurückgekommen. Ich fragte sie, wie es in Preßburg ausschaut, wie es ihnen gefallen hat. Nichts wußten sie zu erzählen, als daß sie am Strande zwei schöne Dackerln gesehen hätten! — Die hätten sie in Wien auch sehen können, sie hätten dazu nicht gebraucht nach Preßburg zu fahren. Aber sie haben eben nichts anderes gesehen.
[ 31 ] In this respect, we have a whole scale of human characters. On the one side, for example, there is a man who has taken a very short journey. When we talk to him afterwards, he describes with infinite love the city in which he has been, down to the minutest detail. Through his keen interest we may thus gain a complete picture of the city he had visited. Prom this extreme we can pass to the opposite,—to such as the instance, when I encountered two elderly ladies who had just travelled from Vienna to Pressburg. Pressburg is a beautiful city. They had returned, and I asked them what it was like in Pressburg, how they had liked it. They could tell me nothing except that they had seen two pretty little dachshunds down by the riverside. These they could have seen just as well in Vienna, they need not have gone to Pressburg for that purpose. But they had seen nothing else.
[ 32 ] So gehen manche Menschen durch die Welt. Zwischen diesen beiden äußersten Vertretern der Skala liegt ja jede Art von Interesse, die der Mensch für dasjenige haben kann, was die physisch sichtbare Welt ist.
[ 32 ] Thus do many people go through the world. Between these two extremes of the scale, there lies, indeed, every kind and degree of interest which the human being can have for what is in the physically visible world.
[ 33 ] Nehmen wir an, ein Mensch hat wenig Interesse für die umliegende physische Welt. Er interessiert sich meinetwillen gerade noch für das, was unmittelbar seine Körperlichkeit angeht, für die Art und Weise meinetwillen, ob man in irgendeiner Gegend gut oder schlecht ißt oder dergleichen, aber darüber hinaus gehen seine Interessen nicht. Seine Seele bleibt arm. Er trägt die Welt nicht in sich. Und er trägt wenig von dem, was die Erscheinungen der Welt ihm entgegengeleuchtet haben, durch die Pforte des Todes mit seinem Inneren hinüber in die geistige Welt. Dadurch wird ihm das Arbeiten drüben mit den geistigen Wesenheiten, mit denen er jetzt zusammen ist, schwer. Dadurch bringt er aber auch nicht Stärke, nicht Energie, sondern Schwäche, eine Art von Ohnmacht in seiner Seele mit für den Aufbau seines physischen Leibes. Das Modell wirkt schon stark auf ihn ein. Der Kampf mit dem Modell drückt sich in allerlei Kinderkrankheiten aus, aber dieSchwäche bleibt ihm. Er bildet gewissermaßen einen zerbrechlichen Leib, der allen möglichen Krankheiten ausgesetzt ist. So verwandelt sich karmisch seelisch-geistiges Interesse aus dem einen Erdenleben in die Gesundheitslage eines nächsten Erdenlebens. Diejenigen Menschen, die vor Gesundheit strotzen, die haben zunächst in einem früheren Erdenleben ein reges Interesse für die sichtbare Welt gehabt. Und in dieser Beziehung wirken wirklich die Einzeltatsachen des Lebens außerordentlich stark.
[ 33 ] Let us suppose someone has little interest for the surrounding physical world. It may be that he just manages to interest himself in the things that immediately concern his bodily life—whether, for instance, one can eat more or less well in this or that district. Beyond that his interests do not go. His soul remains poor. He does not imprint the world on himself. And he carries in his inner life very little of what has radiated toward him from the phenomena of the world through the gate of death over into the spiritual realms. Because of this he finds the work with the spiritual beings, with whom he now comes into contact, very difficult. And, in consequence, he brings back in his soul not strength, not energy, but feebleness, a kind of powerlessness for the upbuilding of his physical body. The model, to be sure, works strongly upon him. The fight with the model finds expression in the manifold illnesses of childhood; but the weakness persists. He forms, so to speak, a frail or sickly body, subject to all manner of illnesses. Thus, our soul-spirit interest from one earth life is transformed karmically into the state of health in the next life. Human beings who are “bursting with health” had a keen interest in the visible world in a former incarnation. And in this regard, the details of life act very powerfully.
[ 34 ] Gewiß, es ist ja, ich möchte sagen, mehr oder weniger riskiert heute, über diese Dinge zu sprechen; aber verstehen wird man die Zusammenhänge des Karma doch nur, wenn man geneigt ist, Einzelheiten über das Karma aufzunehmen. Es hat ja auch in der Zeit zum Beispiel, in der die Menschenseelen, die heute da sind, in einem früheren Erdenleben gelebt haben, schon Malerei gegeben, und es hat Menschen gegeben, welche an dieser Malerei kein Interesse hatten. Es gibt ja heute auch Menschen, denen es ganz gleichgültig ist, ob sie irgendeine malerische Scheußlichkeit an der Wand hängen haben oder irgendein sehr gut gemaltes Bild. So hat es auch in der Zeit, in der die Seelen, die heute leben, in früheren Erdenleben vorhanden waren, solche Menschen gegeben. Ja, sehen Sie, meine lieben Freunde, ich habe niemals einen Menschen gefunden, der ein sympathisches Gesicht hat, einen sympathischen Gesichtsausdruck hat, der nicht seine Freude an der Malerei in einem früheren Erdenleben gehabt hat. Menschen mit unsympathischem Gesichtsausdrucke — was ja auch im Karma des Menschen eine Rolle spielt, was für das Schicksal eine Bedeutung hat waren immer solche, die stumpf und gleichgültig, phlegmatisch an Bildwerken vorbeigegangen sind.
[ 34 ] It is certainly more or less risky nowadays to speak of these things. But we shall understand the relationships of karma only if we are ready to occupy ourselves with the details about it. The art of painting, for example, already existed at a time when human souls, now living, were living in a former earth life; and there were human beings who had no interest at all in painting. Even today there are people who are quite indifferent whether they have some atrocity hanging on the walls of their room, or a well-painted picture. And there were also such people at the time when the souls who are living today were present in former earth lives. Indeed, my dear friends, I have never found a human being with a pleasing face, a sympathetic expression, who did not take delight in the art of painting in a former earth life. The people with an unpleasing expression (which, after all, also plays its part in karma and has its significance for destiny) were always those who had passed by the works of the art of painting with obtuse and phlegmatic indifference.
[ 35 ] Aber es gehen die Dinge viel weiter. Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben hindurch — und das war auch schon in früheren Erdenaltern der Fall — niemals zu den Sternen aufsahen, die nicht wissen, wo der Löwe oder der Widder oder der Stier ist, die sich für gar nichts in dieser Richtung interessieren. Diese Menschen werden in einem nächsten Erdenleben mit einem irgendwie schlaffen Körper geboren, beziehungsweise wenn sie durch die Stärke ihrer Eltern noch das Modell bekommen, das sie darüber hinwegführt, werden sie an dem Körper, den sie sich dann selber aufbauen, schlaff, kraftlos.
[ 35 ] But these things go much farther. There are human beings (and there were also such in former epochs of the earth) who never look up at the stars, who do not know where Leo is, or Aries, or Taurus, who have no interest in anything in this connection. Such people will be born, in a subsequent earth life, with a body that is somehow indolent; or, if through the vigor of their parents they receive a model which carries them beyond this, they become flabby, lacking in energy and vigor in the body which they then build for themselves.
[ 36 ] Und so könnte man den ganzen Gesundheitszustand des Menschen, den er in irgendeinem Erdenleben trägt, zurückführen auf die Interessen, die er im früheren Erdenleben an der sichtbaren Welt in ihrem weitesten Umfange genommen hat.
[ 36 ] And thus, it is possible to trace back the state of health which the human being bears with him in a given earth life to the interest he had taken in the visible world to the widest extent during his former earth life.
[ 37 ] Menschen, welche in unserer heutigen Zeit zum Beispiel absolut kein Interesse für Musikalisches haben, denen das Musikalische gleichgültig ist, die werden ganz sicher in einem nächsten Erdenleben entweder asthmatisch oder mit Lungenkrankheiten wiedergeboren werden, beziehungsweise für Lungenkrankheiten oder Asthma geeignet geboren werden. Es ist tatsächlich so, daß sich dasjenige Seelische, das sich ausbildet in einem Erdenleben durch das Interesse an der sichtbaren Welt, in der Gesundheits- oder Krankheitsstimmung des Körpers im nächsten Erdenleben zum Ausdrucke bringt.
[ 37 ] People, for instance, who in our time take absolutely no interest in music—people to whom music is a matter of indifference—will certainly be born again in a next earth life with asthmatic trouble, or with some disease of the lungs; or, they will be born with a susceptibility to asthma or lung disease. It is an actual fact that the quality of soul which develops in one earth life through the interest we take in the visible world comes to expression in our next earth life in our general bodily disposition in regard to health or illness.
[ 38 ] Vielleicht könnte jetzt jemand sagen: Das zu wissen, könnte einem schon den Geschmack an dem folgenden Erdenleben nehmen. — Aber das ist wiederum solch ein Urteil, das man vom Erdenstandpunkte aus fällt, der ja wirklich nicht der einzige ist, denn das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt dauert länger als das Erdenleben. Wenn jemand stumpf ist für irgend etwas Sichtbares in seiner Umgebung, dann bleibt er in der Unfähigkeit, auf gewissen Gebieten zu arbeiten zwischen Tod und einer neuen Geburt, und er ist nun durch die Pforte des Todes gegangen, sagen wir, mit den Folgen der Interesselosigkeit. Er geht weiter nach dem Tode. Er kommt nicht heran an gewisse Wesenheiten. Gewisse Wesenheiten halten sich von ihm zurück, weil er nicht an sie heran kann. Andere Menschenseelen, mit denen er auf der Erde zusammen war, bleiben ihm fremd. Das würde ewig dauern, es würde eine Art Ewigkeit der Höllenstrafen geben, wenn es nicht abgeändert werden könnte. Daß der Mensch nun beschließt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, ins irdische Leben herunterzusteigen und das, was ein Unvermögen ist in der geistigen Welt, nun auch zu fühlen an dem erkrankten Leibe, das ist der einzige Ausgleich, das ist die einzige Kur. Diese Kur wünscht man zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, denn zwischen dem Tod und einer neuen Geburt hat man nur das: Man kann etwas nicht; aber man fühlt es nicht. So daß dann im weiteren Verlauf, wenn man wieder stirbt und wiederum geht durch die Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, das, was irdischer Schmerz war, der Antrieb ist, nun hereinzukommen in dasjenige, was man versäumt hat. So kann man sagen, der Mensch trägt sich im wesentlichen Gesundheit und Krankheit mit seinem Karma aus der geistigen Welt in die physische Welt herunter.
[ 38 ] Perhaps, someone might now say: “To know of such things may well take away one's taste for the next earth life.” That, again, is a judgment pronounced from the earthly standpoint, my dear friends, which is certainly not the only one; for the life between death and a new birth lasts longer than the earth life. If a man is obtuse to something visible in his environment, he remains incapable of working in certain realms between death and a new birth, and he has passed, let us say, through the gate of death with the consequences of this lack of interest. After death, he proceeds on his way. He cannot get near certain beings; certain beings hold themselves apart from him, for he cannot approach them. Other human souls with whom he was associated on earth remain strangers to him. This would go on forever; there would be something like a punishment in Hell for eternity, if this could not be modified. The only cure, the only compensation, lies in his resolving—between death and a new birth—to come down again into earthly life and feel in a sick body that which is an incapacity in the spiritual world. Between death and new birth he desires this cure, for he lives with awareness of but one thing, namely, that there is something he cannot do; but he feels this in such a way that in the further course of events, when he dies again, and again passes through the time between death and a new birth, that which was earthly pain becomes the impulse to enter into what he missed the last time. Thus, we may say that in all essentials, we carry with our karma health and disease out of the spiritual world down into the physical.
[ 39 ] Und wenn man dabei berücksichtigt, daß es nicht immer ein sich erfüllendes, sondern auch ein werdendes Karma gibt, daß gewisse Dinge auch zum ersten Mal auftreten können, dann wird man natürlich nicht alles, was der Mensch, sagen wir, von gesundheitlicher oder Krankheitsseite zu erleiden hat im physischen Leben, auf die früheren Erdenleben beziehen. Aber man wird wissen, daß durchaus dasjenige, was namentlich von innen heraus veranlagt auftritt in bezug auf Gesundheits- und Krankheitsverhältnisse, auf dem Umwege, den ich eben charakterisiert habe, karmisch bestimmt ist. Die Welt wird eben erst erklärlich, wenn man über das Erdenleben hinaus zu sehen vermag. Vorher ist sie nicht erklärlich. Aus dem Erdenleben ist die Welt nicht erklärlich.
[ 39 ] And if we bear in mind in this connection that it is not always a karma in course of fulfillment, but also a karma in process of becoming, so that certain things may also appear for the first time, then we shall naturally not relate to the former earth lives of a human being everything he experiences in his physical life as regards health and illness. That which, with its roots in the inner nature, appears in regard to the conditions of health and illness, is, we shall know, karmically determined in the roundabout way I have just characterized. The world becomes explicable only when we are able to look beyond this earthly life. Without this the world is inexplicable; it cannot be explained by means of the earth life.
[ 40 ] Und wenn wir von diesen inneren Bedingungen des Karma, die aus der Organisation folgen, mehr nach dem Äußerlichen, nach dem Äußeren gehen, so können wir wiederum, ich möchte sagen, nur um zunächst das Thema anzuschlagen, ausgehen von einem den Menschen nahe berührenden Tatsachengebiet. Nehmen wir zum Beispiel dasjenige, was nun seelisch sehr stark mit der allgemeinen seelischen Gesundheits- und Krankheitsstimmung zusammenhängen kann im Verhältnis zu anderen Menschen.
[ 40 ] If from the inner conditions of karma, which ensue from the organism, we now pass on to what is external, toward the outer, we may once more—only in order, at the outset, to come in contact with karma, as it were—we may once more proceed from a realm of facts which touches the human being closely. Let us take, for example, that which can be very strongly connected with the general mood of soul health and illness in our relationship with other human beings.
[ 41 ] Ich will den Fall setzen, jemand findet einen Jugendfreund. Es bildet sich eine innige Jugendfreundschaft heraus. Die Menschen hängen sehr aneinander. Das Leben führt sie auseinander, so daß vielleicht bei beiden, vielleicht bei einem besonders, mit einer gewissen Wehmut zurückgesehen wird auf die Jugendfreundschaft. Aber sie läßt sich nicht wieder herstellen, so oft man sich im Leben auch trifft, die Jugendfreundschaft stellt sich nicht wieder her. Wenn Sie bedenken, wieviel unter Umständen von solch einer zerbrochenen Jugendfreundschaft schicksalsmäßig abhängen kann, dann werden Sie doch sich sagen, das Schicksal des Menschen kann tiefgehend beeinflußt sein von solch einer zerbrochenen Jugendfreundschaft.
[ 41 ] I should like to offer the following case: Some one finds a friend in his youth. An intimate friendship of youth is formed; the two friends are very devoted to one another. Life separates them, so that both of them, perhaps—or, perhaps, one especially—look back with a certain sadness to this youthful friendship. But it does not permit of renewal. However often they meet in life, their friendship of youth is not again renewed. If you consider how much in destiny can sometimes depend on such a broken friendship of youth, then you will admit that this sort of thing can profoundly affect a person's karma.
[ 42 ] Man sollte eigentlich möglichst wenig über solche Dinge aus der Theorie heraus reden. Das aus der Theorie heraus Reden hat eigentlich keinen besonderen Wert. Man sollte über diese Dinge im Grunde genommen nur reden entweder aus der unmittelbaren Anschauung heraus oder auf Grundlage dessen, was man mündlich oder schriftlich vernommen hat von demjenigen, der eine solche unmittelbare Anschauung haben kann, und was einem plausibel erscheint, begreiflich ist. Das Theoretisieren über diese Dinge hat keinen Wert. Deshalb will ich sagen, wo man sich bemüht, mit geistiger Anschauung hinter so etwas zu kommen wie eine zerbrochene Jugendfreundschaft, da stellt sich das Folgende heraus.
[ 42 ] We should speak as little as possible about such things out of mere theory. To speak out of theory has very little value. In truth, we should speak of such things only from direct perception or else on the basis of that which we have heard or read in the communications of those who are able to have direct perception, and which appears plausible to us and is comprehensible. There is no value in theorizing about these things. Therefore I say, when you endeavor with spiritual perception to get behind such an event as a broken friendship of youth, the following results:
[ 43 ] Geht man in ein früheres Erdenleben zurück, so findet man in der Regel, daß die beiden Menschen, die Jugendfreundschaft in einem Leben hatten, welche dann zerbrochen ist, daß diese in einem früheren Erdenleben eine Freundschaft im späteren Leben hatten.
[ 43 ] If we go back into a former earth life, we usually find that both individuals who in one life had a friendship in their youth which was afterwards broken, were in an earlier incarnation friends in the later part of their life.
[ 44 ] Also nehmen wir an, zwei Menschen sind Jugendfreunde oder Jugendfreundinnen bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahre, dann zerbricht die Jugendfreundschaft. Geht man nun mit Geisteserkenntnis zurück in ein früheres Erdenleben, so findet man, da war eine Freundschaft zwischen den beiden Leuten auch vorhanden, aber die hat etwa im zwanzigsten Jahre begonnen und ging ins spätere Leben hinauf. Das ist ein sehr interessanter Fall, den man oftmals findet, wenn man den Dingen geisteswissenschaftlich nachgeht.
[ 44 ] Let us assume, for instance, two young people—boys or girls—are friends until their twentieth year. Then the friendship of their youth breaks. If we go back with spiritual cognition into a former earth life, we find there that a friendship also existed, but it had begun around the twentieth year and continued on into later life. That is a very interesting case, which we often find when we follow up things with spiritual science.
[ 45 ] Zunächst stellt sich dann, wenn man die Fälle genauer prüft, dieses ein, daß der Drang, den Menschen, mit dem man eine Freundschaft in älteren Jahren hatte, nun auch so kennenzulernen, wie er in der Jugend sein kann, einen im nächsten Leben dazu führt, ihn wirklich als Jugendfreund kennenzulernen. Man hat ihn als älteren Menschen in einem vorigen Erdenleben gekannt; das hat den Drang in die Seele gebracht, ihn nun auch in der Jugend kennenzulernen. Das kann man nicht mehr in diesem Leben, so macht man es im nächsten Leben.
[ 45 ] In the first place, when we examine the case more exactly, it appears that the urge to know a person also as he was in youth with whom we had a friendship in our mature years leads us in the next life to a youthful friendship with him. In a former life we knew him as a mature human being. That brought into our soul the urge to become acquainted with him also in youth. This we could no longer do in that life, so we carry it out in the next life.
[ 46 ] Aber das hat einen großen Einfluß, wenn in einem von den beiden oder in den beiden dieser Drang entsteht, durch den Tod geht und dann zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sich auslebt in der geistigen Welt. Denn dann ist in der geistigen Welt etwas da wie ein Hinstarren auf die Jugend. Man hat diese ganz besondere Sehnsucht, auf die Jugend hinzustarren, und man bildet nicht den Drang aus, den Menschen auch wiederum im Alter kennenzulernen. Und so zerbricht die Jugendfreundschaft, die vorbestimmt war aus dem Leben, das man durchlebt hat, bevor man auf die Erde herabgestiegen ist.
[ 46 ] But that has a great influence if in one or both of these individuals this urge arises, passes through death, and then lives itself out in the spiritual world between death and a new birth. For there is then something present in the spiritual world like a fixed staring at the period of youth. We have this quite special longing to fix our gaze on the time of youth, and we do not develop the urge to become acquainted with our friend once more in his maturity. Thus, the youthful friendship is broken which was predetermined between us by the life we had lived through before we came down to earth.
[ 47 ] Nun, es ist das durchaus ein Fall, den ich Ihnen aus dem Leben erzähle. Das, was ich Ihnen erzähle, ist durchaus etwas, was real ist. Es entsteht nur jetzt die Frage: Ja, wie war denn eigentlich im vorigen Leben die ältere Freundschaft, so daß sie nun diesen Drang entstehen ließ, den Menschen in der Jugend wiederum zu haben in einem neuen Erdenleben?
[ 47 ] This is decidedly a case which I recount to you out of real life, for what I am now relating is absolutely real. The question, however, arises here: What was the mature friendship really like in the former life, so that it caused this urge to arise to have the human being as a friend again in youth in a new earth life?
[ 48 ] Nun, damit sich dieser Trieb, den Menschen in der Jugend zu haben, nicht dennoch dazu auswächst, dann den Jugendfreund im Alter weiter zu haben, muß irgend etwas anderes im Leben eintreten. In all den Fällen, die mir bewußt sind, ist es dann immer so gewesen, daß, wären diese Menschen in einem späteren Leben vereinigt geblieben, wäre die Jugendfreundschaft nicht zerbrochen, so würden sie einander überdrüssig geworden sein, weil sie die Freundschaft in einem früheren Leben, die eine Altersfreundschaft war, zu egoistisch ausgebildet haben. Der Egoismus von Freundschaften in einem Erdenleben rächt sich karmisch in dem Verlust dieser Freundschaften in anderen Erdenleben. So sind die Dinge kompliziert. Aber man bekommt immer einen Leitfaden, wenn man eben sieht: Es ist in vielen Fällen dies vorhanden, daß zwei Menschen in einem Erdenleben, sagen wir, bis zu ihrem zwanzigsten Lebensjahr ihr Leben für sich und dann weiter in Freundschaft gehen (siehe Zeichnung I). In einem nächsten Erdenleben entspricht gewöhnlich diesem Bilde dann das andere (II), es entspricht diesem anderen die Jugendfreundschaft, und dann geht das Leben auseinander. Das ist sehr häufig der Fall. Wie denn überhaupt das gefunden wird, daß sich die einzelnen Erdenleben, ich möchte sagen, ihrer Konfiguration nach angesehen, gegenseitg ergänzen.
[ 48 ] Now, in order that the impulse to experience this youthful friendship does not, however, increase into a wish to have the friend also in later life, something else must occur. In all the instances of which I am aware, the following has invariably been the case: If these two human beings had remained united in their later life, if their youthful friendship had not been broken, they would have grown tired of each other, bored with one another, because their friendship which occurred in maturity in a former life developed too egotistically. The egotism of friendships in one earth life avenges itself karmically by the loss of these friendships in other earth lives. Thus, things are complicated; but we can always find a guiding line if we see the following: It is a fact in many cases that two human beings in one earth life—let us say—go each his own way until their twentieth year, and thenceforward continue on together in friendship (see Figure VII, No. I). In a subsequent earth life, this picture (I) corresponds to another (Figure, No. II), the picture of the youthful friendship after which their lives separate.


[ 49 ] Besonders das wird häufig gefunden: Trifft man einen Menschen, der auf das Schicksal einen starken Einfluß hat — die Dinge gelten natürlich nur in der Regel, sind nicht für alle Fälle gültig —, aber trifft man einen Menschen im mittleren Lebensalter in einer Inkarnation, so hat man ihn unter Umständen am Anfange und am Ende des Lebens in einer vorigen Inkarnation schicksalsmäßig neben sich gehabt. Dann ist das Bild so: Man durchlebt Anfang und Ende in der einen Inkarnation mit dem anderen Menschen zusammen, und in einer anderen Inkarnation durchlebt man Anfang und Ende nicht, aber man trifft ihn gerade in der Mitte des Lebens.
[ 49 ] This is very frequently the case. Indeed, it will generally be found that the various earth lives—seen, as it were, according to their configuration—mutually supplement each other. Especially is the following frequently found to be true. If we encounter a human being who has a strong effect upon our destiny—this applies, naturally, only as a general rule; it is not applicable in all cases—but if we meet an individual in the middle period of life in one incarnation, we have had him beside us perhaps at the beginning and at the end of life in a prior incarnation in accordance with destiny. The picture is then as follows: We live through the beginning and the end of one incarnation together with the other human being, and in another incarnation, we live with him neither at the beginning nor at the end, but we only encounter him in the middle period of life.
[ 50 ] Oder aber es stellt sich so heraus, daß man als Kind an irgendeinen Menschen gebunden ist schicksalsmäßig. In einem vorigen Erdenleben war man gerade, bevor man zu Tode ging, mit demselben Menschen verbunden. Solche Spiegelungen finden in den schicksalsmäßigen Zusammenhängen außerordentlich häufig statt.
[ 50 ] Or again, it may be that as a child we are bound by destiny to another human being; in a former life we were linked to the same individual just before we experienced death. Such reflections occur with extreme frequency in karmic relationships.
