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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235

2 March 1924, Dornach

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Sechster Vortrag

Lecture VI

[ 1 ] Indem wir in unseren Betrachtungen über das Karma weiterschreiten, haben wir zunächst nötig, einen Blick auf die Art und Weise zu werfen, wie in der Menschenentwickelung das Karma eingreift; wie das Schicksal, das sich verwebt mit den freien Menschentaten, eigentlich aus der geistigen Welt heraus im physischen Abglanz gestaltet wird.

[ 1 ] If we now continue our studies of karma, it is necessary for us in the first place to perceive how karma enters into man's development. We must perceive, that is to say, how destiny, interwoven as it is with the free deeds of man, is really shaped and moulded in its physical reflection out of the spiritual world.

[ 2 ] Da werde ich Ihnen heute einiges zu sagen haben über dasjenige, was mit dem Menschen, insofern er auf der Erde lebt, zusammenhängt. Dieser irdische Mensch, wir haben ihn ja in bezug auf seine Gliederung in diesen Vorträgen betrachtet. Wir haben an ihm den physischen Leib, den ätherischen Leib, den astralischen Leib, die Ich-Organisation unterschieden. Wir können aber, indem wir unseren Blick auf den Menschen, einfach wie er vor uns steht in der physischen Welt, wenden, die Gliederung des Menschen noch anders einsehen.

[ 2 ] To begin with, I shall have to say a few things concerning the human being as he lives on earth. During these lectures we have been studying earthly man in relation to the various members of his being. We have distinguished in him the physical body, the etheric body, the astral body and the organisation of the Ego. But there is yet another way of perceiving his several members, namely when we direct our gaze upon him, simply as he stands before us in the physical world.

[ 3 ] Wir wollen heute unabhängig von dem, was wir schon besprochen haben, an eine Gliederung des Menschen herantreten und dann versuchen, eine Verbindung zu schlagen zwischen dem, was wir heute besprechen, und dem, was wir schon kennen.

[ 3 ] In today's lecture—independently of what we have already been discussing—we shall therefore approach a different distinction of the members of the human being. Then we shall try to build a bridge between what we discuss today and that which is already known to us.

[ 4 ] Wenn wir den Menschen, so wie er auf der Erde vor uns steht, einfach seiner physischen Gestalt nach betrachten, so hat ja diese physische Gestaltung drei deutlich voneinander unterschiedene Glieder. Man unterscheidet nur gewöhnlich diese Gliederung des Menschen nicht, weil alles dasjenige, was heute als Wissenschaft sich geltend macht, eigentlich nur oberflächlich auf die Dinge und Tatsachen hinschaut, keinen Sinn hat für dasjenige, was sich offenbart, wenn man mit innerlich aufgehelltem Blicke Dinge und Tatsachen betrachtet.

[ 4 ] Observing the human being as he stands before us on the earth—simply according to his physical form—we can recognise in this physical form and configuration three clearly distinct members. If they are not generally distinguished, it is only because that which counts as science nowadays looks at the facts in a merely superficial way. It has no feeling for what reveals itself when these things are observed with a perception that is illumined from within.

[ 5 ] Da haben wir am Menschen zunächst das Haupt. Dieses Haupt des Menschen, schon äußerlich betrachtet, kann sich uns zeigen als von der übrigen menschlichen Gestalt ganz verschieden. Man braucht nur den Blick auf die Entstehung des Menschen aus dem Menschenkeim heraus zu wenden. Man wird als erstes, was sich im Leibe der Mutter bildet als Menschenkeim, eigentlich nur die Hauptes-, die Kopfesorganisation sehen können.

[ 5 ] There, to begin with, is the head of man. Even outwardly considered, we can perceive that this human head appears quite different from the remainder of the human form. We need but observe the origin of man out of the embryo. The first thing we can see developing as human embryo is the head organisation. That is practically all that we can see to begin with. The whole human organisation takes its start from the head.

[ 6 ] Die ganze menschliche Organisation geht vom Kopfe aus, und alles übrige, was am Menschen später in die Gestaltung einfließt, ist eigentlich Anhangsorgan am Menschenkeim. Erst ist der Mensch im Grunde genommen als physische Gestalt der Kopf; das andere ist Anhangsorgan. Und dasjenige, was dann diese Anhangsorgane im späteren Leben übernehmen, Ernährung, Atmung und so weiter, das wird in der ersten Embryonalzeit des Menschen gar nicht als Atmungs- oder Zirkulationsprozeß und so weiter von dem Inneren des Menschenkeimes aus besorgt, sondern von außen herein aus dem Leibe der Mutter durch Organe, die später abfallen, die später am Menschen gar nicht mehr vorhanden sind.

[ 6 ] All that afterwards flows into man's form and figure and configuration, is, in the embryo, a mere system of appendages. As physical form, man to begin with is head, and head alone. The other organs are there as mere appendages. In the first period of embryo existence, the functions these organs assume in later life—as breathing, circulation, nutrition and so on—are not undertaken as such from within the embryo. The corresponding functions are supplied from without inward, so to speak: provided for by the mother-organism, through organs that afterwards fall away—organs that are no longer attached to the human being later on.

[ 7 ] Dasjenige, was der Mensch zunächst ist, ist eben durchaus Haupt, ist durchaus Kopf. Das andere ist Anhangsorgan. Man übertreibt nicht, wenn man geradezu den Satz ausspricht: Der Mensch ist anfangs Kopf, das andere ist im Grunde genommen Anhangsorgan. Und da später dasjenige, was zuerst Anhangsorgan ist, heranwächst, Wichtigkeit gewinnt für den Menschen, unterscheidet man im späteren Leben das Haupt, den Kopf, nicht strenge von dem übrigen Organismus.

[ 7 ] Man, to begin with, is simply a head. He is altogether “head,” and the remaining organs are only appendages. It is no exaggeration to say that man, to begin with, is a head. The remainder is merely an appendage. Then, at a later stage, the organs which to begin with were mere appendages, grow and gain in importance. Therefore, in later life, the head is not strictly distinguished from the rest of the body.

[ 8 ] Aber damit ist nur eine oberflächliche Charakteristik des Menschen gegeben. In Wirklichkeit ist eben der Mensch auch als physische Gestalt ein dreigliedriges Wesen. Und alles dasjenige, was eigentlich seine erste Gestalt ist, das Haupt, das bleibt ein mehr oder weniger individuelles Glied am Menschen durch das ganze Erdenleben hindurch. Man beachtet das nur nicht, es ist aber so.

[ 8 ] But that is only a superficial characterisation of the human being. For in reality, even as physical form, he is a threefold being. All that constitutes his original form—namely the head-remains throughout his earthly life as a more or less individual member. People only fail to recognise the fact,—but it is so.

[ 9 ] Sie werden sagen: Ja, man sollte den Menschen nicht so einteilen, daß man ihn gewissermaßen köpft, ihm das Haupt abschneidet. — Daß in der Anthroposophie dies geschehe, das war nur der Glaube von dem Professor, der der Anthroposophie vorgeworfen hat, daß sie den Menschen einteilt in Kopf, Brustorgane, Gliedmaßenorgane. Aber das ist nicht wahr, so ist es nicht; sondern in dem, was äußerlich Hauptesgestaltung ist, liegt nur der hauptsächlichste Ausdruck für die Kopfgestaltung. Der Mensch bleibt auch sein ganzes Leben hindurch ganz Kopf. Die wichtigsten Sinnesorgane, Augen, Ohren, Geruchsorgane, Geschmacksorgane, sind allerdings am Kopfe; aber zum Beispiel der Wärmesinn, der Drucksinn, der Tastsinn, sind über den ganzen Menschen ausgebreitet. Das ist deshalb, weil man nicht räumlich die drei Glieder voneinander unterscheiden soll, sondern nur so, daß die Kopfbildung hauptsächlich im äußerlich gestalteten Kopfe erscheint, aber eigentlich den Menschen ganz durchdringt. Und so ist es auch für die übrigen Glieder. Der Kopf ist während des ganzen Erdenlebens auch in der großen Zehe, insofern die große Zehe eine Tastempfindung hat oder eine Wärmeempfindung hat.

[ 9 ] You will say: Surely one ought not to divide the human being in this way—beheading him, so to speak, chopping his head off from the rest of his body. That such is the anthroposophical practice was only the fond belief of the Professor, who reproached us for dividing man into head-, chest-organs and limb-organs. But it is not so at all. The fact is rather this: that which appears outwardly as the formation of the head is only the main expression of the human head-formation. Man remains “head” throughout his whole earthly life. The most important sense-organs, it is true—the eyes and ears, the organs of smell and organs of taste—are in the actual head. But the sense of warmth, for example, the sense of pressure, the sense of touch, are spread over the whole human being. That is precisely because the three members cannot in fact be separated spatially. They can at most be separated in the sense that the head-formative principle is mainly apparent in the outward form of the head, while in reality it permeates the whole human being. And so it is too, for the other members. The “head” is also there in the big toe throughout man's earthly life, inasmuch as the big toe possesses a sense of touch or a sense of warmth.

[ 10 ] Sehen Sie, damit haben wir das eine Glied der menschlichen Wesenheit, jener menschlichen Wesenheit, die als sinnliche vor uns steht, zunächst charakterisiert. Diese Organisation habe ich in meinen Schriften auch die Nerven-Sinnesorganisation genannt, um sie mehr innerlich zu charakterisieren. Das ist das eine Glied der menschlichen Wesenheit, die Nerven-Sinnesorganisation.

[ 10 ] Thus we have characterised, to begin with, the one member of the human being as he stands before us in the sense-world. In my books I have also described this one organisation as the system of nerves and senses; for that is to characterise it more inwardly. This, then, is the one member of the human being, the organisation of nerves and senses.

[ 11 ] Das zweite Glied der menschlichen Wesenheit ist alles dasjenige, was in rhythmischer Tätigkeit sich auslebt. Sie werden von der NervenSinnesorganisation nicht sagen können, daß sie in rhythmischer Tätigkeit sich auslebt, sonst müßten Sie zum Beispiel in der Augenwahrnehmung in einem bestimmten Augenblicke das eine wahrnehmen, dann das andere, dann das dritte, dann das vierte, dann wiederum auf das erste zurückkommen und so weiter. Es müßte ein Rhythmus in Ihrer Sinneswahrnehmung drinnen sein. Das ist nicht darinnen. Dagegen: gehen Sie auf das Hauptsächlichste Ihrer Brustorganisation, dann finden Sie da den Atmungsrhythmus, den Zirkulationsrhythmus, den Verdauungsrhythmus und so weiter. Das ist alles Rhythmus.

[ 11 ] The second member is all that lives and finds expression in rhythmical activity. You cannot say of the nerves-and-senses system that it finds expression in rhythmic activity. For if it did, in the perception of the eye, for instance, you would have to perceive one thing at one moment and then another, and a third and a fourth; and then return again to the first, and so on. In other words, there would have to be a rhythm in your sense-perceptions; and it is not so. Observe on the other hand the main features of your chest-organisation. There you will find the rhythm of the breathing, the rhythm of circulation, the rhythm of digestion and so forth ... There, everything is rhythmical.

[ 12 ] Und der Rhythmus mit seinen Rhythmusorganen ist das zweite, was sich in der menschlichen Wesenheit ausbildet, was sich nun wiederum verbreitet über den ganzen Menschen, aber hauptsächlich seine äußere Offenbarung in den Brustorganen hat. Der ganze Mensch ist wiederum Herz, ist wiederum Lunge; aber Lunge und Herz sind eben lokalisiert sozusagen in den Organen, die man gewöhnlich so nennt. Es atmet ja auch der ganze Mensch. Sie atmen an jeder Stelle Ihres Organismus. Man spricht von der Hautatmung. Nur hauptsächlich ist die Atmung konzentriert auf die Tätigkeit der Lunge.

[ 12 ] This rhythm, with the corresponding organs of rhythm, is the second thing to develop in the human being; and it extends once more over the whole human being, though its chief external manifestation is in the organs of the chest. The whole human being is heart, is lung; yet lung and heart are localised, so to speak, in the organs, so-called. It is well known that the whole human being breathes; you breathe at every place in your organism. People speak of a skin-breathing. Only here, once more, the breathing function is mainly concentrated in the activity of the lung.

[ 13 ] Und das dritte ist dann dasjenige, was Gliedmaßenorganismus des Menschen ist. Die Gliedmaßen endigen in dem Brustorganismus. Sie treten im Embryonalstadium als Anhangsorgane auf. Sie bilden sich am spätesten aus. Sie sind aber diejenigen Organe, welche mit dem Stoffwechsel am meisten zusammenhängen. Dadurch, daß diese Organe in Bewegung kommen, dadurch, daß diese Organe vorzugsweise die Arbeit am Menschen verrichten, findet der Stoffwechsel die meiste Anregung. Dadurch haben wir die drei Glieder, die uns an der menschlichen Gestalt erscheinen, charakterisiert.

[ 13 ] The third thing in man is the limb-organism. The limbs come to an end in the trunk or chest-organism. In the embryo-stage of existence they appear as mere appendages. They are the latest to develop. They however are the organs mainly concerned in our metabolism. For by their movement—and inasmuch as they do most of the work in the human being—the metabolic process finds its chief stimulus.

[ 14 ] Aber diese drei Glieder hängen innig zusammen mit dem seelischen Leben des Menschen. Das seelische Leben des Menschen zerfällt in das Denken, in das Fühlen, in das Wollen. Das Denken findet seine physische Organisation vorzugsweise in der Hauptesorganisation. Es findet schon aber auch im ganzen Menschen seine physische Organisation, weil das Haupt in der Weise, wie ich es Ihnen eben erzählt habe, im ganzen Menschen eben ist.

[ 14 ] Therewith we have characterised the three members that appear to us in the human form. But these three members are intimately connected with the soul-life of man. The life of the human soul falls into Thinking, Feeling and Willing. Thinking finds its corresponding physical organisation chiefly in the organisation of the head. It has its physical organisation, it is true, throughout the human being; but that is only because the head itself, as I said just now, is there throughout the human being.

[ 15 ] Das Fühlen hängt mit der rhythmischen Organisation zusammen. Es ist ein Vorurteil, ja geradezu ein Aberglaube unserer heutigen Wissenschaft, daß das Nervensystem direkt mit dem Fühlen etwas zu tun hätte. Das Nervensystem hat direkt nichts mit dem Fühlen zu tun. Das Fühlen hat zu seinen Organen Atmungs- und Zirkulationsrhythmus, und die Nerven, die vermitteln nur das, daß wir vorstellen, daß wir unsere Gefühle haben. Die Gefühle haben ihre Organisation im rhythmischen Organismus, aber wir wüßten nichts von unseren Gefühlen, wenn nicht die Nerven uns Vorstellungen verschaffen würden von unseren Gefühlen. Und weil die Nerven uns Vorstellungen verschaffen von unseren Gefühlen, bildet sich der heutige Intellektualismus den Aberglauben, daß die Nerven auch die Organe für die Gefühle wären. Das ist nicht der Fall.

[ 15 ] Feeling is connected with the rhythmic organisation. It is a prejudice—even a superstition on the part of modern science to suppose that the nervous system has anything directly to do with feeling. The nervous system has nothing directly to do with feeling at all. The true organs of feeling are the rhythms of the breathing, of the circulation ... All that the nerves do is to enable us to form the concept that we have our feelings. Feelings, once more, have their own proper organisation in the rhythmic organism. But we should know nothing of our feelings if the nerves did not provide for our having ideas about them. Because the nerves provide us with all the ideas of our own feelings, modern intellectualism conceives the superstitious notion that the nerves themselves are the organs of our feeling. That is not the case.

[ 16 ] Aber wenn wir die Gefühle, wie sie aus unserem rhythmischen Organismus heraufkommen, in unserem Bewußtsein uns anschauen und sie vergleichen mit unseren Gedanken, die an unsere Hauptes-, an unsere Nerven-Sinnesorganisation gebunden sind, dann werden wir zwischen unseren Gedanken und unseren Gefühlen ganz den gleichen Unterschied wahrnehmen — wenn wir nur überhaupt beobachten können — wie zwischen unseren Tagesgedanken, die wir im Wachleben haben, und dem Träumen. Gefühle haben keine stärkere Intensität im Bewußtsein als die Träume. Sie haben nur eine andere Form. Sie kommen nur auf eine andere Weise zum Vorschein. Wenn Sie träumen in Bildern, lebt Ihr Bewußtsein eben in Bildern. Aber diese Bilder bedeuten in ihrer Bildform ganz dasselbe, was in einer anderen Form die Gefühle bedeuten. So daß wir sagen können: das hellste Bewußtsein, das durchleuchtetste Bewußtsein haben wir in unseren Vorstellungen, in unseren Gedanken. Eine Art Traumbewußtsein haben wir in bezug auf unser Fühlen. Wir glauben nur, wir hätten ein helles Bewußtsein von unserem Gefühl. Wir haben kein helleres Bewußtsein von unseren Gefühlen, als wir von unseren Träumen haben. Wenn wir, wachwerdend, uns erinnern und von den Träumen wache Vorstellungen bilden, da haben wir nicht den Traum erhascht. Der Traum ist viel reicher als dasjenige, was wir dann von ihm vorstellen. Ebenso ist die Gefühlswelt in sich unendlich viel reicher als dasjenige, was wir an Vorstellungen von dieser Gefühlswelt in uns präsent, gegenwärtig machen.

[ 16 ] But when we consciously observe our feelings—such as they arise out of our rhythmic organism—and compare them with the thoughts which are bound to our head, our nerves-and-senses organisation, then, if we have the faculty to observe such things at all, we perceive just the same difference between our thoughts and our feelings as between the thoughts which we have in our day-waking life, and our dreams. Our feelings have no greater intensity in consciousness than dreams. They only have a different form; they only make their appearance in a different way. When you dream, in pictures, your consciousness is living in the pictures of the dream. These pictures, however, in their picture-form, have the same significance as in another form our feelings have. Thus we may say: We have the clearest and most light-filled consciousness in our ideas and thoughts. We have a kind of dream-consciousness in our feelings. We only imagine that we have a clear consciousness of our feelings; in reality we have no clearer consciousness of our feelings than of our dreams. When, on awaking from sleep, we recollect ourselves and form wide-awake ideas about our dreams, we do not by any means catch at the actual dream. The dream is far richer in content than what we afterwards conceive of it. Likewise is the world of feeling infinitely richer than the ideas, the mental pictures of it, which we make present to our conscious mind.

[ 17 ] Und vollends in Schlaf getaucht ist das Wollen. Dieses Wollen ist an den Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus, an den Bewegungsorganismus gebunden. Von diesem Wollen kennen wir ja nur die Gedanken. Ich bilde mir die Vorstellung: Diese Uhr werde ich ergreifen. Versuchen Sie einmal sich ehrlich zu gestehen, Sie bilden sich die Vorstellung «diese Uhr werde ich ergreifen», und dann ergreifen Sie sie: Was da vorgeht von Ihrer Vorstellung hinunter in die Muskeln und zuletzt dazu führt, daß wiederum eine Vorstellung auftritt, das Ergreifen der Uhr, die die erste Vorstellung fortsetzt, dasjenige, was zwischen der Absichtsvorstellung und der Verwirklichungsvorstellung liegt, was in Ihrem Organismus vor sich geht, das bleibt so unbewußt, wie nur das Leben im tiefsten Schlaf, im traumlosen Schlaf unbewußt bleibt.

[ 17 ] And when we come to our willing—that is completely immersed in sleep. Willing is bound to the limbs—and metabolic and motor organism. All that we really know of our willing are the thoughts. I form the idea: I will pick up this watch. Think of it quite sincerely, and you will have to admit: You form the idea: “I will take hold of the watch.” Then you take hold of it. As to what takes place, starting from the idea and going right down into the muscles, until at length you have an idea once more (namely, that you are actually taking hold of the watch) following on your original idea—all this that goes on in your bodily nature between the mental picture of the intention and the mental picture of its realisation, remains utterly unconscious. So much so that you can only compare it with the unconsciousness of deep, dreamless sleep.

[ 18 ] Von unseren Gefühlen träumen wir wenigstens. Von unseren Willensimpulsen haben wir nichts anderes, als was wir von unserem Schlafe haben. Sie können sagen: Vom Schlafe habe ich gar nichts. — Nun, ich rede jetzt nicht vom physischen Gesichtspunkte aus. Da ist es natürlich von vornherein schon ein Unsinn, zu sagen, vom Schlafe habe ich gar nichts; aber Sie haben auch seelisch sehr viel vom Schlafe. Wenn Sie nie schlafen würden, so kämen Sie nie zu Ihrem Ich-Bewußtsein.

[ 18 ] We do at least dream of our feelings, but of our impulses of will we have no more than we have from our sleep. You may say: I have nothing at all from sleep. Needless to say, we are not speaking from the physical standpoint; from a physical standpoint it would of course be absurd to say that you had nothing from sleep. But in your soul too, in reality, you have a great deal from your sleep. If you never slept, you would never rise to the Ego-consciousness.

[ 19 ] Sie müssen sich nur das Folgende vergegenwärtigen. Wenn Sie sich erinnern an die Erlebnisse, die Sie gehabt haben, dann gehen Sie also zurück, von dem Jetzt weiter zurück. Ja, Sie meinen, das ist so: Sie gehen weiter zurück. — Aber so ist es ja nicht. Sie gehen nur zurück bis zu dem Momente, wo Sie das letzte Mal aufgewacht sind (siehe Zeichnung). Dann haben Sie geschlafen — was da dazwischenliegt, das schaltet sich aus —, und dann gliedert sich vom letzten Einschlafen bis zum vorletzten Aufwachen wirklich wiederum die Erinnerung an. Und so geht es zurück. Und indem Sie zurückschauen, müssen Sie eigentlich immer die Bewußtseinslosigkeit einschalten. Indem wir da zurückschauen, müssen wir ein Drittel unseres Lebens hindurch die Bewußtseinslosigkeit einschalten. Das beachten wir nicht. Aber das ist gerade so, wie wenn Sie eine weiße Fläche haben und in der Mitte ein schwarzes Loch. Sie sehen doch das schwarze Loch, trotzdem nichts dort ist von Kräften. So sehen Sie bei der Rückerinnerung, trotzdem nichts Inks drinnen ist von Lebensreminiszenzen, dennoch das Schwarze, die Nächte, die Sie verschlafen haben. Da stößt sich immer Ihr Bewußtsein. Das macht, daß Sie sich ein Ich nennen.

[ 19 ] Here it is necessary to realise the following. When you remember the experiences you have had, you go backward—as along this line (see diagram). Beginning from now, you go backward. You generally imagine that it is so—that you go farther and farther backward along the line. But it is not so at all. In reality you only go back until the last time you awakened from sleep. Before that moment you were sleeping. All that lies in this intervening part of the line (see diagram) is blotted out; then from the last time you fell asleep until the last time but one when you awakened, memory follows once more. So it goes on. In reality, as you look back along the line, you must always interpose the periods of unconsciousness. For a whole third of our life, we must insert unconsciousness. We do not observe this fact. But it is just as though you had a white surface, with a black hole in the centre of it. You see the black hole, in spite of the fact that none of the forces are there. Likewise it is when you remember. Although no reminiscences of life are there (for the intervals of sleep), nevertheless you see the black nothingness—that is, the nights you have slept through. Your consciousness impinges on them every time, and that is what really makes you call yourself: “I.” If it went on and on, and nowhere impinged on anything, you would never rise to a consciousness of “I.”

[ 20 ] Wenn das wirklich immer fortginge und sich an nichts stoßen würde, kämen Sie gar nicht zu einem Ich-Bewußtsein. Also man kann schon sagen: Man hat etwas von dem Schlafe. Und geradeso wie man im gewöhnlichen Erdenleben etwas vom Schlafe hat, so hat man etwas von jenem Schlafe, der da in unserem Wollen waltet.

[ 20 ] Thus we can certainly say that we have something from sleep. And just as we have something from our sleep in the ordinary sense of earthly life, so do we have something from that sleep which always prevails in our willing.

[ 21 ] Man verschläft das, was eigentlich in einem vorgeht beim Willensakt. Aber darinnen liegt gerade das wahre Ich wiederum. So wie man das Ich-Bewußtsein durch das Schwarze erhält (siehe Zeichnung), so liegt in dem, was da schläft in uns während des Willensaktes, das Ich, aber das Ich durch die vorigen Erdenleben hindurch.

[ 21 ] We pass asleep through that which is really going on in us in every act of will. And just as we get our Ego-consciousness from the black void in this case (referring to the diagram), so likewise our Ego is inherent in that which is sleeping in us during the act of will. It is, however, that Ego which goes throughout our former lives on earth.

[ 22 ] Ja, sehen Sie, da waltet das Karma. Im Wollen waltet das Karma. Im Wollen walten alle Impulse aus dem vorigen Erdenleben. Nur sind sie auch beim wachenden Menschen in Schlaf getaucht.

[ 22 ] That is where karma holds sway, my dear friends. Karma holds sway in our willing. Therein are working and wielding all the impulses from our preceding life on earth; only they too, even in waking life, are veiled in sleep.

[ 23 ] Wenn wir uns also den Menschen, so wie er uns im Erdenleben entgegentritt, vorstellen, dann tritt uns an ihm eine dreifache Gliederung entgegen: Die Hauptesorganisation, die rhythmische Organisation, die Bewegungsorganisation. Das ist schematisch abgeteilt; jedes Glied gehört wieder dem ganzen Menschen an. Gebunden an die Hauptesorganisation ist das Vorstellen, gebunden an die rhythmische Organisation ist das Fühlen, gebunden an die Bewegungsorganisation ist das Wollen. Der Zustand, in dem die Vorstellungen sind, ist die Wachheit. Der Zustand, in dem die Gefühle sind, ist das Träumen. Der Zustand, in dem das Wollen ist, die Willensimpulse, ist das Schlafen auch während des Wachens.

[ 23 ] Once more, therefore: when we conceive man as he stands before us in earthly life, he appears to us in a threefold form: the head-organisation, the rhythmic and the motor-organisation. The three are diagrammatically divided here, but we will always bear in mind that each of the members belongs in its turn to the whole man. Moreover, Thought is bound to the head-organisation, Feeling to the rhythmic organisation, Willing to the motor-organisation. Wide awake consciousness is the condition in which our ideas, our mental presentations, are. Dreaming is the condition in which our feelings are. Deep sleep (even in waking life) is the condition in which our volition is. We are asleep in our impulses of will, even in waking life.

[ 24 ] Nun müssen wir am Haupte, beziehungsweise am Vorstellen, zweierlei unterscheiden. Wir müssen noch einmal, ich möchte sagen, intimer das Haupt gliedern. Diese intimere Gliederung, die führt uns dazu, zu unterscheiden zwischen demjenigen, was wir als augenblickliche Vorstellung haben, indem wir mit der Welt umgehen, und dem, was wir als Erinnerung haben.

[ 24 ] Now we must learn to distinguish two things about the head, that is, about our life of ideation. We must divide the head, so to speak, more intimately. We shall thus be led to distinguish between what we have as momentary ideas or mental pictures in our intercourse with the world and what we have as memory.

[ 25 ] Sie gehen durch die Welt. Fortdauernd bilden Sie sich Vorstellungen nach Maßgabe der Eindrücke, die Sie von der Welt empfangen. Aber es bleibt Ihnen die Möglichkeit, diese Eindrücke später wiederum aus der Erinnerung heraufzuholen. Innerlich unterscheiden sich die Vorstellungen, die Sie sich gegenwärtig im Umgange mit der Welt bilden, nicht von den Vorstellungen, die dann erregt werden, wenn die Erinnerung spielt. Das eine Mal kommen die Vorstellungen von außen, das andere Mal kommen sie von innen. Es ist eben durchaus eine naive Vorstellung, wenn man sich denkt, daß das Gedächtnis so wirkt: Ich trete jetzt einem Ding oder Ereignis gegenüber, bilde mir eine Vorstellung, diese Vorstellung, die geht dann in mich irgendwie hinunter, in irgendeinen Kastenschrank, und wenn man sich erinnert, nimmt man sie aus dem Schrank wieder heraus. Es gibt ganze Philosophien, die beschreiben, wie die Vorstellungen, die hinuntergehen unter die Schwelle des Bewußtseins, dann wieder herausgefischt werden bei der Erinnerung. Es sind naive Vorstellungen.

[ 25 ] As you go about in the world, you are constantly forming ideas according to the impressions you receive. But it also remains possible for you subsequently to draw the ideas forth again out of your memory. Moreover, the ideas you form in your intercourse with the world in the given moment are not inherently different from the ideas that are kindled in you when memory comes into play. The difference is that in the one case they come from outside, and in the other from within. It is indeed a naïve conception to imagine that memory works in this way: that I now confront a thing or event, and form an idea or mental presentation of it; that the idea goes, down into me somewhere or other, as if into some cupboard or chest, and that when I afterwards remember it, I fetch it out again. Why, there are whole philosophies describing how the ideas go down beneath the threshold of consciousness, to be fished out again in the act of recollection. These theories are utterly naïve.

[ 26 ] Es ist natürlich gar kein solcher Kasten da, in dem die Vorstellungen darinnen liegen, wenn wir uns an sie erinnern. Es ist auch nichts in uns, wo sie spazierengehen und wieder heraufspazieren in den Kopf, wenn wir uns erinnern. Das alles gibt es nicht. Das alles hat ja aber auch gar keine Erklärung für sich. Der Tatbestand ist vielmehr der folgende.

[ 26 ] There is of course no such chest where the ideas are lying in wait. Nor is there anywhere in us where they are moving about, or whence they might walk out again into our head, when we remember them. All these things are utterly non-existent, nor is there any explanation in their favour. The fact is rather as follows:

[ 27 ] Denken Sie nur, wenn Sie für Ihre Erinnerungen arbeiten wollen, dann arbeiten Sie oftmals nicht bloß mit dem Vorstellen, sondern Sie kommen sich mit ganz anderem zu Hilfe. Ich habe schon Leute memorieren sehen, die haben sich möglichst wenig vorgestellt, aber sie haben äußerlich vehemente Sprechbewegungen immer und immer wieder ausgeführt [Bewegungen mit den Armen]: «und es wallet und woget und brauset und zischt.» So memorieren ja viele, und dabei wird möglichst wenig gedacht. Und damit noch eine andere Anregung da ist: «und es wallet und woget und brauset und zischt», haben sie mit den Fäusten vor die Stirne gehämmert. Das gibt es auch. Es ist eben durchaus so: Die Vorstellungen, die wir uns bilden, wenn wir mit der Welt umgehen, verfliegen wie die Träume. Dagegen, was aus der Erinnerung herauftaucht, das sind nicht Vorstellungen, die hinuntergehen, sondern das ist etwas anderes. Wenn ich Ihnen davon eine Vorstellung bilden will, so müßte ich es so machen (siehe Zeichnung Seite 106). Das ist natürlich nur eine Art sinnbildlicher Zeichnung. Stellen Sie sich einmal den Menschen als sehendes Wesen vor. Er sieht etwas. Nun, ich will den Vorgang nicht genauer beschreiben, das könnte ja auch sein, aber das brauchen wir jetzt nicht. Er sieht etwas. Das geht durch sein Auge, durch den Sehnerv in die Organe, in die der Sehnerv dann übergeht.

[ 27 ] You need only think of this. When you want to memorise something, you generally work not merely with the activity of forming ideas. You help yourself by quite other means. I have sometimes seen people in the act of memorising; they formed ideas, they thought as little as possible. They performed outward movements of speech—pretty vehement movements, repeated again and again, like this (with the arms), “und es wallet und woget und brauset und zischt” (a line of Schiller's poem: The Diver). Many people memorise in this way, and in so doing, they think as little as possible. And to add a further stimulus, they sometimes hammer the forehead with their fist. That, too, is not unknown. The fact is that the ideas we form as we go about the world are evanescent, like dreams. It is not the ideas which have gone down into us, but something quite different that emerges out of our memory. To give you an idea of it, I should have to draw it thus— Of course it is only a kind of symbolic diagram. Imagine the human being in the act of sight. He sees something. (I will not describe the process in any greater detail; we might do so, but for the moment we do not need it.) He sees something. It goes in through his eye, through the optic nerve into the organs into which the optic nerve then merges.

[ 28 ] Wir haben zwei deutlich unterschiedene Glieder unseres Gehirnes: das mehr äußere Gehirn, die graue Masse, darunterliegend die mehr weiße Masse. Die weiße Masse geht dann in die Sinnesorgane hinein; die graue Masse liegt darinnen, sie ist viel weniger entwickelt als die weiße Masse. Annähernd grau und weiß ist sie ja nur. Aber schon so grob anatomisch betrachtet, ist die Sache so: Da machen die Gegenstände auf uns einen Eindruck, gehen durch das Auge, gehen weiter zu Vorgängen in der weißen Masse des Gehirnes.

[ 28 ] We have two clearly distinct members of our brain—the more outer peripheric brain, the grey matter; and beneath it, the white matter. Then the white matter merges into the sense-organs. Here is the grey matter (see the diagram); it is far less evolved than the white. The terms “grey” and “white” are, of course, only approximate. Thus, even crudely, anatomically considered it is so: The objects make an impression on us, passing through the eye and on into the processes that take place in the white matter of the brain.

[ 29 ] Dagegen unsere Vorstellungen haben ihr Organ in der grauen Masse (siehe Zeichnung), die dann eine ganz andere Zellenbildung hat. Da drinnen flimmern die Vorstellungen, die verschwinden wie die Träume. Sie flimmern, weil da unten dasjenige vor sich geht, was die Eindrücke sind.

[ 29 ] Our ideas or mental presentations, on the other hand, have their organ in the grey matter, which, incidentally, has quite a different cell-structure, and there the ideas are lighting up and vanishing like dreams. There the ideas are flickering up, because beneath this region (compare the diagram once more) the process of the impressions is taking place.

[ 30 ] Wenn Sie darauf angewiesen wären, daß die Vorstellungen hinuntergehen, und Sie in der Erinnerung sie wieder heraufholen sollen, dann würden Sie sich an gar nichts erinnern, dann hätten Sie überhaupt kein Gedächtnis. Die Sache ist so: In diesem Augenblicke, sagen wir, sehe ich irgend etwas. Der Eindruck von diesem Irgendetwas geht in mich hinein, vermittelt durch die weiße Gehirnmasse. Die graue Gehirnmasse wirkt, indem sie da ihrerseits träumt von den Eindrücken, Bilder entwirft von den Eindrücken. Die gehen vorüber. Dasjenige, was bleibt, das stellen wir gar nicht vor in diesem Augenblick, sondern das geht da unten in unsere Organisation hinein. Und wenn wir uns erinnern, so schauen wir hinein: da unten bleibt der Eindruck.

[ 30 ] If it depended on the ideas going down into you somewhere, and you then had to fetch them out again in memory, you would remember nothing at all. You would have no memory. It is really like this: In the present moment, let us say, I see something. The impression of it (whatever it may be) goes into me, mediated by the white matter of the brain. The grey matter works in its turn, dreaming of the impressions, making pictures of them. The mental pictures come and go; they are quite evanescent. As to what really remains, we do not conceive it at all in this moment, but it goes down into our organisation, and when we remember, we look within; down there the impression remains permanent.

[ 31 ] Wenn Sie also Blau gesehen haben, so geht von dem Blau ein Eindruck in Sie hinein (siehe Zeichnung, unten); hier (oben) bilden Sie sich die Vorstellung von Blau. Die geht vorüber. Nach drei Tagen beobachten Sie in Ihrem Gehirn den Eindruck, der geblieben ist. Und Sie stellen sich jetzt, indem Sie nach innen schauen, das Blau vor. Das erste Mal, wenn Sie das Blau von außen sehen, werden Sie von außen angeregt durch den Gegenstand, der blau ist. Das zweite Mal, wenn Sie sich erinnern, werden Sie von innen angeregt, weil die Blauheit in Ihnen sich abgebildet hat. Der Vorgang ist in beiden Fällen derselbe. Es ist immer ein Wahrnehmen, die Erinnerung ist auch ein Wahrnehmen. So daß eigentlich unser Tagesbewußtsein im Vorstellen sitzt; aber unter dem Vorstellen, da sind gewisse Vorgänge, die uns auch nur durch das Vorstellen heraufkommen, nämlich durch die Erinnerungsvorstellungen. Unter diesem Vorstellen liegt das Vernehmen, das eigentliche Wahrnehmen, und unter diesem erst das Fühlen. So daß wir intimer an der Hauptesorganisation, an der Denkorganisation das Vorstellen und das Wahrnehmen unterscheiden können. Das haben wir dann, was wir vernommen haben, an das können wir uns dann erinnern. Aber es bleibt eigentlich schon stark unbewußt. Es kommt nur herauf ins Bewußtsein in der Erinnerung. Was da eigentlich vorgeht im Menschen, das schon erlebt der Mensch eigentlich nicht mehr. Wenn er wahrnimmt, erlebt er die Vorstellung. Die Wirkung der Wahrnehmung geht in ihn hinein. Er kann aus dieser Wirkung die Erinnerung wachrufen. Aber da beginnt schon das Unbewußte.

[ 31 ] Thus when you see something blue, an impression goes into you from the blue (below, in the diagram), while here (above, in the diagram) you yourself form an idea, a mental presentation of the blue. The idea is transient. Then, after three days perhaps, you observe in your brain the impression that has remained. Once more you form the idea of blue. This time, however, you do so as you look inward. The first time, when you saw the blue from without, you were stimulated from outside by a blue object. The second time—namely now, when you remember it—you are stimulated from within, because in effect the blueness has reproduced itself within you. In both cases it is the same process, namely a process of perception. Memory too is perception. In effect, our day-waking consciousness consists in ideation, in the forming of ideas; but there—beneath the ideation—certain processes are going on. They too, rise into our consciousness by an act of ideation, namely by our forming of ideas in the act of memory. Underneath this activity of ideation is the perceiving, the pure process of perception. And, underneath this in turn, is Feeling. Thus we can distinguish more intimately, in our head-organisation or thought-organisation—the perceiving and the activity of ideation. What we have perceived, we can then remember. But it actually remains very largely unconscious; it is only in memory that it rises into consciousness. What really takes place in man is no longer experienced in consciousness by man himself. When he perceives, he experiences in consciousness the idea, the mental presentation of it. The real effect of the perception goes into him. Out of this real effect, he is then able to awaken the memory. But at this place the unconscious already begins.

[ 32 ] Nun, sehen Sie: Wo wir im wachen Tagesbewußtsein vorstellen, nur da sind wir eigentlich selbst als Mensch, da haben wir uns als Mensch. (Siehe Zeichnung Seite 109.) Wo wir mit unserem Bewußtsein nicht hinreichen — nicht einmal zu den Ursachen der Erinnerungen reichen wir —, da haben wir uns nicht als Mensch, da sind wir in die Welt eingegliedert. Genau wie es im physischen Leben ist: Sie atmen ein, die Luft, die Sie jetzt in sich haben, war kurz vorher draußen, war Weltenluft; jetzt ist sie Ihre Luft. Nach kurzer Zeit übergeben Sie sie wieder der Welt: Sie sind mit der Welt eins. Die Luft ist bald draußen, bald drinnen, bald draußen, bald drinnen. Sie wären nicht Mensch, wenn Sie nicht so mit der Welt verbunden wären, daß Sie nicht nur das haben, was innerhalb Ihrer Haut ist, sondern dasjenige, womit Sie zusammenhängen mit der ganzen Atmosphäre. Ebenso wie Sie nach dem Physischen zusammenhängen, so hängen Sie in bezug auf Ihr Geistiges — in dem Augenblick, wo Sie ins nächste Unterbewußte herunterkommen, in diejenige Region, aus der die Erinnerung aufsteigt —, so hängen Sie da zusammen mit dem, was man die dritte Hierarchie nennt: Angeloi, Archangeloi, Archai. So wie Sie durch Ihr Atmen mit der Luft zusammenhängen, hängen Sie durch Ihre Hauptesorganisation, das heißt die untere Hauptesorganisation, die nur mit den äußeren Gehirnlappen bedeckt ist — die gehört einzig und allein der Erde an —, mit demjenigen, was darunter ist, mit der dritten Hierarchie zusammen, mit Angeloi, Archangeloi, Archai.

[ 32 ] In reality it is only here, in this region (see the diagram)—where, in our waking-day consciousness we form ideas—it is only here that we ourselves are, as Man. Only here do we really have ourselves as Man. Where we do not reach down with our consciousness (for we do not even reach to the causes of our memories), where we do not reach down, there we do not have ourselves as Man, but are incorporated in the world. It is just as it is in the physical life—you breathe in; the air you now have in yourself was outside you a short while ago, it was the-air-of-the-world; now it is your air. After a short time you give it back again to the world. You are one with the world. The air is now outside you, now within you. You would not be Man at all, if you were not so united with the world as to have not only that which is within your skin, but that with which you are connected in the whole surrounding atmosphere. And as you are thus connected on the physical side, so it is as to your spiritual part: the moment you get down into the next subconscious region—the region out of which memory arises—you are connected with that which we call the Third Hierarchy: Angeloi, Archangeloi, Archai. Just as you are connected through your breathing with the air, so are you connected with the Third Hierarchy through your head-organisation, namely the lower head-organisation. This, which is only covered over by the outermost lobes of the brain, belongs solely to the earth. What is immediately beneath is connected with the Third Hierarchy: Angeloi, Archangeloi, Archai.

[ 33 ] Gehen wir nun hinunter in die Region, seelisch gesprochen des Fühlens, körperlich gesprochen der rhythmischen Organisation, aus der ja nur die Träume des Gefühles heraufkommen, da haben wir uns erst recht nicht als Mensch. Da hängen wir mit dem, was die zweite Hierarchie ist, zusammen: geistige Wesenheiten, die nicht sich in irgendeinem Erdenleibe verkörpern, sondern die in der geistigen Welt bleiben, die aber ihre Strömungen, ihre Impulse, dasjenige, was von ihnen als Kräfte ausgeht, in die rhythmische Organisation des Menschen unaufhörlich hineinsenden. Exusiai, Dynamis, Kyriotetes, das sind die Wesenheiten, die wir in unserer Brust tragen.

[ 33 ] Now let us go down into the region, psychologically speaking, of feeling: corporeally speaking, of the rhythmic organisation, out of which the dreams of our Feeling life arise. There, less than ever do we have ourselves as Man. There we are connected with what constitutes the Second Hierarchy—spiritual Beings who do not incarnate in any earthly body, for they remain in the spiritual world. But they are continually sending their currents, their impulses, the forces that go out from them., into the rhythmic organisation of man. Exusiai, Dynamis, Kyriotetes—they are the Beings whom we bear within our breast.

[ 34 ] Geradeso wie wir unser Menschen-Ich eigentlich nur in den äußeren Lappen unseres Gehirns tragen, tragen wir Angeloi, Archangeloi und so weiter unmittelbar darunter noch in unserer Hauptesorganisation. Da ist der Schauplatz ihres Wirkens auf Erden. Da sind die Angriffspunkte ihrer Tätigkeit.

[ 34 ] Just as we bear our own human Ego actually only in the outermost lobes of the brain, so do we bear the Angeloi, Archangeloi, etc. immediately beneath this region; yet still within the organisation of the head. There is the scene of their activities on earth; there are the starting-points of their activity.

[ 35 ] In unserer Brust tragen wir die zweite Hierarchie, Exusiai und so weiter. Da in unserer Brust sind die Angriffspunkte ihrer Tätigkeit. Und gehen wir in unsere motorische Sphäre, gehen wir in unseren Bewegungsorganismus, so wirken in diesem die Wesenheiten der ersten Hierarchie: Seraphim, Cherubim, Throne.

[ 35 ] And in our breast we carry the Second Hierarchy—Exusiai and the rest. In our breast are the starting points of their activity. And as we now go down into our motor-organism, the organism of movement, in this the Beings of the First Hierarchy are active: Seraphim, Cherubim and Thrones.

[ 36 ] In unseren Gliedmaßen zirkulieren die umgewandelten Nahrungsstoffe, die wir essen, machen dort einen Prozeß durch, der ein lebendiger Verbrennungsprozeß ist. Denn wenn wir einen Schritt machen, so entsteht in uns eine lebendige Verbrennung. Dasjenige, was außen ist, ist in uns. Wir stehen damit in Verbindung. Mit dem Niedrigsten stehen wir in Verbindung durch unseren Gliedmaßen-Stoffwechselorganismus als physischer Mensch. Mit dem Höchsten stehen wir gerade durch unseren Gliedmaßenorganismus in Verbindung. Mit der ersten Hierarchie, mit Seraphim, Cherubim, Thronen stehen wir in Verbindung durch dasjenige, was uns durchgeistet.

[ 36 ] The transmuted food-stuffs, the food-stuffs we have eaten, circulate in our limbs. There in our limbs, they undergo a process. It is really a living process of combustion. For if we take only a single step, there arises in us a living process of combustion, a burning-up of that which is, or was, outside us. We ourselves, as Man, are connected with this combustion process. As physical human beings with our limbs and metabolic-organism, we are connected with the lowest. And yet it is precisely through the limb-organisation that we are connected with the highest. With the First Hierarchy—Seraphim, Cherubim, and Thrones—we are connected by virtue of what imbues us there with spirit.

[ 37 ] Nun entsteht die große Frage — es sieht trivial aus, indem ich diese Frage in Erdenworte kleide, aber ich muß es ja tun —, die Frage: Womit beschäftigen sich, indem sie unter uns sind, diese Wesenheiten der drei aufeinanderfolgenden Hierarchien, womit beschäftigen sie sich?

[ 37 ] Now the great question arises (it may sound trivial when I clothe it in earthly words, but I can do no other), the question arises: What are they doing—these Beings of the three successive Hierarchies, who are in us—what are they doing?

[ 38 ] Nun, die dritte Hierarchie, Angeloi, Archangeloi und so weiter, sie beschäftigt sich mit dem, was seine physische Organisation im Haupte hat, beschäftigt sich mit unserem Denken. Würde sie nicht sich mit unserem Denken beschäftigen, mit demjenigen, was in unserem Haupte vor sich geht, wir hätten keine Erinnerung im gewöhnlichen Erdenleben. Die Wesenheiten dieser Hierarchie halten die Impulse, die wir mit den Wahrnehmungen empfangen, in uns; sie liegen der Tätigkeit zugrunde, die in unserem Erinnern sich offenbart, im Gedächtnisse sich offenbart. Sie führen uns das Erdenleben hindurch, im ersten Gebiete, das wir haben als unterbewußtes, unbewußtes Gebiet.

[ 38 ] The answer is: the Third Hierarchy, Angeloi, Archangeloi, etc.—concern themselves with that which has its physical organisation in the human head, i.e. with our thinking. If they were not concerning themselves with our thinking—with that which is going on in our head—we should have no memory in ordinary earthly life. For it is the Beings of this Hierarchy who preserve in us the impulses which we receive with our perceptions. They are underlying the activity which reveals itself in our memory; they lead us through our earthly life in this first sub-conscious, or unconscious, region.

[ 39 ] Gehen wir zu den Wesenheiten der zweiten Hierarchie, Exusiai und so weiter. Sie treffen wir, diese Wesenheiten, wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Da treffen wir die Seelen der abgeschiedenen Menschen, die mit uns auf der Erde gelebt haben, da treffen wir aber vor allen Dingen die geistigen Wesenheiten dieser zweiten Hierarchie; allerdings auch die dritte Hierarchie, aber wichtiger ist die zweite Hierarchie. Mit ihnen zusammen arbeiten wir in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt an allem dem, was wir im Erdenleben gefühlt haben, was wir da in unsere Organisation hineinverserzt haben. Wir arbeiten im Vereine mit den Wesenheiten dieser zweiten Hierarchie das nächste Erdenleben aus.

[ 39 ] Now let us go on to the Beings of the Second Hierarchy—Exusiai, etc. They are the Beings we encounter when we have passed through the gate of death, that is, in the life between death and a new birth. There we encounter the souls of the departed, who lived with us on earth; but we encounter, above all, the spiritual Beings of this Second Hierarchy—the Third Hierarchy together with them, it is true, but the Second Hierarchy are the most important there. With them we work in our time between death and a new birth—we work upon all that we felt in our earthly life, all that we brought about in our organisation. Thus, in union with these Beings of the Second Hierarchy, we elaborate our coming earthly life.

[ 40 ] Wenn wir hier auf der Erde stehen, haben wir das Gefühl, die geistigen Wesenheiten der göttlichen Welt sind über uns. Wenn wir drüben sind in der Sphäre zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, hat man die umgekehrte Vorstellung. Die Angeloi, Archangeloi und so weiter, die uns durch das Erdenleben auf die angedeutete Art führen, die leben mit uns gewissermaßen in demselben Niveau nach dem Tode; darunter unmittelbar sind die Wesenheiten der zweiten Hierarchie. Mit denen arbeiten wir an der Formierung, der Gestaltung unseres inneren Karmas. Und was ich Ihnen gestern über das Karma der Gesundheit und Krankheit gesagt habe, das arbeiten wir mit diesen Wesenheiten aus, mit diesen Wesenheiten der zweiten Hierarchie.

[ 40 ] When we stand here on the earth, we have the feeling that the spiritual Beings of the Divine World are above us. When we are in yonder sphere, between death and a new birth, we have the opposite idea—the Angeloi, Archangeloi, etc., who guide us through our earthly life, as above described, live, after our death, on the same level with us—so to speak. And immediately beneath us are the Beings of the Second Hierarchy. With them we work out the forming of our inner karma. All that I told you yesterday of the karma of health and illness—we work it out with these Beings, the Beings of the Second Hierarchy.

[ 41 ] Und wenn wir noch tiefer schauen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, also wenn wir gewissermaßen durch die Wesenheiten der zweiten Hierarchie durchschauen, dann entdecken wir unten die Wesenheiten der ersten Hierarchie, Seraphim, Cherubim und Throne. Die höchsten Götter sucht man als Erdenmensch droben. Das höchste Göttliche, das uns zunächst erreichbar ist, sucht man als Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zutiefst unten. Und während man mit den Wesenheiten der zweiten Hierarchie das innere Karma ausarbeitet zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, das dann im Abbilde erscheint im gesunden oder kranken Zustande des nächsten Erdenlebens, während man in dieser Arbeit steckt, während man also mit sich und den anderen Menschen arbeitet an den Leibern, die dann erscheinen im nächsten Erdenleben, betätigen sich die Wesenheiten der ersten Hierarchie unten in einer eigentümlichen Weise. Das sieht man. Sie stehen in bezug auf ihre Tätigkeit, in bezug auf einen Teil, einen kleinen Teil ihrer Tätigkeit in einer Notwendigkeit drinnen. Sie müssen nachbilden — denn sie sind die Schöpfer des Irdischen — dasjenige, was der Mensch im Erdenleben ausgestaltet hat, aber nachbilden in einer ganz bestimmten Weise.

[ 41 ] And when, in that time between death and new birth, we look still further down—as it were, looking through the Beings of the Second Hierarchy—then we discover, far below, the Beings of the First Hierarchy, Cherubim, Seraphim, and Thrones. As earthly man, we look for the highest Gods above us. As man between death and a new birth, we look for the highest Divinity (attainable for us human beings, to begin with) in the farthest depths beneath us. We, all the time, are working with the Beings of the Second Hierarchy, elaborating our inner karma between death and a new birth: that inner karma which afterwards comes forth, imaged in the health or illness of our next life on earth. While we ourselves are engaged in this work—working alone, and with other human beings, upon the bodies that will come forth in our next life on earth—the Beings of the First Hierarchy are active far below us, and in a strange way. That one beholds. For with respect to their activity—a portion, a small portion of their activity—they are actually involved in a Necessity. They, as the creators of the earthly realm, are obliged to follow and reproduce what the human being has fashioned and done during his life on earth. They are obliged to reproduce it—though in a peculiar way.

[ 42 ] Denken Sie sich, der Mensch vollbringt im Erdenleben in seinem Wollen — das gehört der ersten Hierarchie an — bestimmte Taten. Diese Taten sind gut oder böse, weise oder töricht. Die Wesenheiten der ersten Hierarchie, Seraphim, Cherubim und Throne, die müssen die Gegenbilder ausgestalten in ihrer eigenen Sphäre.

[ 42 ] Think of a man in his earthly life: in his Willing (which belongs to the First Hierarchy), he accomplishes certain deeds. The deeds are good or evil, wise or foolish. The Beings of the First Hierarchy—Seraphim, Cherubim, Thrones—are under necessity to form and mould the counter-images thereto in their own sphere.

[ 43 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, wir leben miteinander. Ob das nun gut oder böse ist, was wir miteinander treiben: Für alles Gute, für alles Böse müssen Gegenbilder ausgestalten die Wesenheiten der ersten Hierarchie. Alles wird unter der ersten Hierarchie beurteilt, aber auch ausgestaltet. Und während man an dem inneren Karma arbeitet mit der zweiten Hierarchie und mit den abgeschiedenen Menschenseelen, schaut man zwischen dem Tod und einer neuen Geburt dasjenige, was Seraphim, Cherubim und "Throne an unseren Erdentaten erlebt haben.

[ 43 ] You see, my dear friends, we live together. Whether the things we do with one another are good or evil; for all that is good, for all that is evil, the Beings of the First Hierarchy must shape the corresponding counterparts. Among the First Hierarchy, all things are judged; yet not only judged, but shaped and fashioned. Thus between death and a new birth, while we ourselves are working at our inner karma with the Second Hierarchy and with other departed souls, meanwhile we behold what Seraphim, and Cherubim and Thrones have experienced through our deeds on earth.

[ 44 ] Ja, meine lieben Freunde, hier auf Erden wölbt sich über uns der blaue Himmel mit seinen Wolkengebilden, mit dem Sonnenschein und so weiter, wölbt sich als Sternenhimmel in nächtlicher Zeit über uns. Zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wölbt sich unter uns das Tun der Seraphim, Cherubim und Throne. Und auf diese Seraphim, Cherubim und Throne schauen wir hin, wie wir hier hinaufschauen zu den Wolken, zum blauen Himmel, zum sternenbesäten Himmel. Wir sehen unter uns den Himmel, gebildet aus der Seraphim-, Cherubim- und Thronen-Tätigkeit. Aber in was für einer Tätigkeit? Indem wir zwischen dem Tod und einer neuen Geburt sind, sehen wir an den Seraphim, Cherubim und Thronen diejenige Tätigkeit, die sich als die gerechte ausgleichende Tätigkeit aus unseren eigenen und mit anderen Menschen verlebten Erdentaten ergibt. Die Götter müssen die ausgleichende Tätigkeit üben, und wir schauen sie als unseren Himmel, der jetzt unten ist. Wir schauen die Folgen unserer Erdentaten, ob irgend etwas gut oder böse ist, weise oder töricht ist, in den Taten der Götter. Wir verhalten uns zu dem Spiegelbilde unserer Taten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, indem wir hinunterschauen, so, wie wir uns hier im Erdenleben zu dem über uns sich wölbenden Himmel verhalten. Unser inneres Karma tragen wir in unsere innere Organisation herein. Wir bringen es auf die Erde mit als unsere Fähigkeiten, unsere Talente, unser Genie, unsere Torheit. Das, was da unten die Götter formen, was sie erleben müssen infolge unserer Erdenleben, das tritt uns im nächsten Erdenleben als die Schicksalstatsachen entgegen, die an uns herankommen. Und wir können sagen: Dasjenige, was wir eigentlich verschlafen, das trägt uns in unserem Erdenleben in unser Schicksal. Aber in dem lebt dasjenige drinnen, was die entsprechenden Götter der ersten Hierarchie als die Folgen unserer Taten bei sich erleben mußten in der Zeit zwischen unserem 'Tode und einer neuen Geburt.

[ 44 ] Yes, here upon earth the blue vault of the sky arches over us, with its cloud-forms and sunshine and so forth; and in the night, the star-lit sky. Between death and a new birth the living activity of Seraphim, Cherubim and Thrones extends like a vault beneath us. And we gaze down upon them—Seraphim, Cherubim and Thrones—even as we here look up to the clouds, and the blue, and the star-strewn sky. Beneath us, there, we see the Heavens, formed of the activity of Seraphim, Cherubim and Thrones. But what kind of activity? We behold among the Seraphim, Cherubim, Thrones, the activity which results as the just and compensating activity from our own deeds on earth—our own, and the deeds through which we lived with other men. The Gods themselves are obliged to carry out the compensating action, and we behold them as our Heavens, only the Heavens are there beneath us. In the deeds of the Gods we see and recognise the consequences of our earthly deeds—whether this deed or that be good or evil, wise or foolish. And, as we thus look downward, between death and a new birth, we relate ourselves to the mirrored image of our deeds, just as in earthly life we relate ourselves to the vault of heaven above us. As to our own inner karma, we ourselves bring it into our inner organism. We bring it with us on to the earth as our faculties and talents, our genius and our stupidity. Not so what the Gods are fashioning there beneath us; what they have to experience in consequence of our earthly lives comes to us in our next life on earth as the facts of Destiny which meet us from without. We may truly say, the very thing we pass through asleep carries us in our earthly life into our Fate. But in this is living what the corresponding Gods, those of the First Hierarchy, had to experience in their domain as the consequences of our deeds during the time between our death and a new birth.

[ 45 ] Man hat immer das Bedürfnis, solche Dinge in Bildern auszusprechen. Wir stehen irgendwo auf der physische Welt. Der Himmel ist bedeckt. Wir sehen den bedeckten Himmel. Gleich darauf rieselt Regen herunter. Regen fällt herunter. Was da noch über uns geschwebt hat, wir sehen es in den berieselten Feldern, in den berieselten Bäumen gleich nachher. Schaut man mit dem Blicke des Eingeweihten vom menschlichen Leben aus zurück in die Zeit, die man durchgemacht hat, bevor man herunterstieg ins Erdenleben, in die Zeit, die man durchgemacht hat zwischen dem letzten Tode und der letzten Geburt, so sieht man darinnen zunächst das Formen von Göttertaten, die Folge unserer Taten im letzten Erdenleben; dann sieht man, wie das geistig hereinrieselt und unser Schicksal wird.

[ 45 ] One always feels a need to express these things in pictures. Suppose we are standing somewhere or other in the physical world. The sky is overcast; we see the clouded sky. Soon afterwards, fine rain begins to trickle down; the rain is falling. What hitherto was hovering above us, we see it now in the wet fields and the trees, sprinkled with fine rain. So it is when we look back with the eye of the Initiate, from human life on earth into the time we underwent, before we came down to this earth, that is to say, the time we underwent between our last death and our last birth. For there we see the forming of the deeds of the Gods in consequence of our own deeds in our last life on earth. And then we see it, spiritually raining down, so to become our destiny.

[ 46 ] Ob ich einen Menschen treffe, der für mich Bedeutung hat im Erdenleben, der für mich schicksalbestimmend ist: Dasjenige, was mit diesem Treffen des anderen Menschen geschieht, die Götter haben es vorgelebt als das Ergebnis dessen, was wir mit diesem Menschen in einem vorigen Erdenleben gehabt haben. Ob ich während meines Erdenlebens in eine Gegend versetzt werde, die für mich wichtig ist, in einen Beruf, der für mich wichtig ist, alles das, was da als äußeres Schicksal an mich herantritt, ist das Abbild desjenigen, was Götter erlebt haben, Götter der ersten Hierarchie, als Folgen meines früheren Erdenlebens in der Zeit, in der ich selber zwischen dem Tode und einer neuen Geburt gestanden habe,

[ 46 ] Do I meet a human being whose significance for me in this life enters essentially into my destiny? That which takes place in our meeting was lived in advance by the Gods as a result of what he and I had in common in a former earthly life. Am I transplanted during my earthly life into a district—or a vocation—which is important for me? All that approaches me there as outer destiny is the image of what was experienced by Gods—Gods of the First Hierarchy—in consequence of my former life on earth, during the time when I was myself between death and a new birth.

[ 47 ] Ja, sehen Sie, wenn man abstrakt denkt, so denkt man: Da sind die früheren Erdenleben, die Taten der früheren Erdenleben wirken herüber; damals waren die Ursachen, jetzt sind die Wirkungen. Man kann sich dabei nicht viel denken; man hat eigentlich nicht viel mehr als Worte, wenn man das ausspricht. Aber hinter dem, was man so als das Gesetz des Karmas schildert, liegen Göttertaten, Göttererlebnisse. Und hinter all dem liegt das andere.

[ 47 ] One who thinks abstractly will think: “There are the former lives on earth; the deeds of the former lives work across into the present. Then they were the causes, now they are the effects.” But you cannot think far along these lines; you have little more than words when you enunciate this proposition. But behind what you thus describe as the Law of Karma, are deeds and experiences of the Gods; and only behind all that is the other ...

[ 48 ] Wenn wir Menschen nur der Empfindung nach an unser Schicksal herantreten, so schauen wir, je nach unserem Bekenntnis, zu Göttern hinauf oder zu irgendeiner Vorsehung, und fühlen davon den Verlauf unseres Erdenlebens abhängig. Aber die Götter, gerade diejenigen, die wir als die Wesenheiten der ersten Hierarchie anerkennen, Seraphim, Cherubim und Throne, sie haben gewissermaßen ein umgekehrtes religiöses Bekenntnis. Sie empfinden ihre Notwendigkeit bei den Menschen auf Erden, deren Schöpfer sie ja sind. Die Verirrungen und die Fördernisse, in die diese Menschen kommen, sie müssen von den Göttern ausgeglichen werden. Und was die Götter dann wiederum im späteren Leben für uns zubereiten als unser Schicksal, das haben sie zunächst uns vorgelebt.

[ 48 ] When we human beings confront our destiny only by way of feeling, then we look up, according to our faith, to the Divine Beings or to some Providence on which we feel the course of our earthly life depends. But the Gods—namely those Gods whom we know as belonging to the First Hierarchy, Seraphim, Cherubim and Thrones—have, as it were, an inverse religious faith. They feel their Necessity among men on earth—men, whose creators they are. The aberrations human beings suffer, and the progressions they enjoy, must be balanced and compensated by the Gods. Whatever the Gods prepare for us as our destiny in a subsequent life, they have lived it before us.

[ 49 ] Diese Dinge müssen wiederum durch Anthroposophie gefunden werden. Aus einem nicht voll entwickelten Bewußtsein heraus war das in einstigem instinktivem Hellsehen der Menschheit offenbar. Die alte Weisheit hatte solche Dinge in sich. Dann blieb nur ein dunkles Fühlen. Und in manchem, was uns im Geistesleben der Menschheit entgegentritt, ist noch ein dunkles Fühlen von diesen Dingen da. Erinnern Sie sich nur an den Vers des Angelus Silesins, den Sie ja auch in meinen Schriften finden, der für ein eingeschränktes religiöses Bewußtsein wie eine Frechheit aussieht:

[ 49 ] These truths must be found again through Anthroposophy. Out of a consciousness not fully developed, they were perceived by mankind in a former, instinctive clairvoyance. The Ancient Wisdom did indeed contain such truths. Afterwards only a dim feeling remained of them. In many things that meet us in the spiritual history of mankind, the dim feeling of these things is still in evidence. You need but remember the verse by Angelus Silesius which you will also find quoted in my writings. To a narrow religious creed, it sounds impertinent:

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,
Werd’ ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.

I know that without me God can no moment live;
If I come to naught, He needs must give up the Ghost.1From The Cherubinic Wanderer. Book I. 8.

[ 50 ] Und Angelus Silesius ist zum Katholizismus übergetreten und hat als Katholik solche Sprüche geschrieben. Er war sich noch klar darüber, daß die Götter von der Welt abhängig sind, wie die Welt von den Göttern, daß die Abhängigkeit eine wechselweise ist, und daß die Götter ihr Leben nach dem Leben der Menschen richten müssen. Aber das göttliche Leben wirkt schöpferisch, wirkt sich wiederum aus im Schicksale der Menschen. Dunkel fühlend, nicht das Genaue wissend, hat Angelus Silesius gesagt:

[ 50 ] Angelus Silesius went over to Roman Catholicism; it was as a Catholic that he wrote such verses. He was still aware that the Gods are dependent on the world, even as the world is dependent on them. He knew that the dependence is mutual; and that the Gods must direct their life according to the life of men. But the Divine Life works creatively, and works itself out in turn in the destinies of men. Angelus Silesius, dimly feeling the truth, though he knew it not in its exactitude, exclaimed:

Ich weiß, daß ohne mich Gott nicht ein Nu kann leben,
Werd’ ich zunicht, er muß von Not den Geist aufgeben.

I know that without me God can no moment live;
If I come to naught, He needs must give up the Ghost.

[ 51 ] Welt und Göttlichkeit sind voneinander abhängig, wirken ineinander.

[ 51 ] The Universe and the Divine depend on one another, and work into one another.

[ 52 ] Heute haben wir dieses Ineinanderwirken an dem Beispiel des menschlichen Schicksals, Karmas, gesehen. Ich mußte diese Betrachtungen einfügen in die Karmabetrachtungen.

[ 52 ] Today we have recognised this living interdependence in the example of human destiny or karma.