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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235

8 March 1924, Dornach

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Siebenter Vortrag

Siebenter Vortrag

[ 1 ] In den Betrachtungen über das Karma möchte ich heute, nachdem ich das letzte Mal mehr die Bildung der karmischen Kräfte geschildert habe, gewissermaßen den Grund legen, um das Verständnis für das Karma dadurch hervorzurufen, daß man hinschaut auf einzelne Schicksale im Leben von Menschen, um die karmische Bestimmtheit, Bestimmung, sagen wir, dieser einzelnen menschlichen Schicksale ins Auge zu fassen.

[ 1 ] In den Betrachtungen über das Karma möchte ich heute, nachdem ich das letzte Mal mehr die Bildung der karmischen Kräfte geschildert habe, gewissermaßen den Grund legen, um das Verständnis für das Karma dadurch hervorzurufen, daß man hinschaut auf einzelne Schicksale im Leben von Menschen, um die karmische Bestimmtheit, Bestimmung, sagen wir, dieser einzelnen menschlichen Schicksale ins Auge zu fassen.

[ 2 ] Solche Schicksale können natürlich nur als Beispiele dienen; aber man kann schon, wenn man an konkrete menschliche Schicksale anknüpft und das Karma dabei ins Auge faßt, man kann schon, von da ausgehend, Einblicke dann gewinnen in die Art, wie Karma überhaupt bei den Menschen wirkt.

[ 2 ] Solche Schicksale können natürlich nur als Beispiele dienen; aber man kann schon, wenn man an konkrete menschliche Schicksale anknüpft und das Karma dabei ins Auge faßt, man kann schon, von da ausgehend, Einblicke dann gewinnen in die Art, wie Karma überhaupt bei den Menschen wirkt.

[ 3 ] Es wirkt ja natürlich so vielfältig, als es Menschen auf Erden gibt. Die karmische Gestaltung ist durchaus individuell. Man kann also nur, wenn man auf das einzelne eingeht, eben in Beispielen sprechen.

[ 3 ] Es wirkt ja natürlich so vielfältig, als es Menschen auf Erden gibt. Die karmische Gestaltung ist durchaus individuell. Man kann also nur, wenn man auf das einzelne eingeht, eben in Beispielen sprechen.

[ 4 ] Nun möchte ich heute Beispiele anführen, die ich untersucht habe, die mir durchsichtig geworden sind in ihrem karmischen Verlaufe. Es ist allerdings schon ein gewagtes Unternehmen, über, wenn auch fernerliegende, karmische Zusammenhänge im einzelnen zu sprechen, denn eigentlich ist es ja üblich, wenn von Karma gesprochen wird, in allgemeinen Redensarten zu sprechen: Dies oder jenes wird auf diese oder jene Weise verursacht —, oder: Man muß den oder jenen Schicksalsschlag auf irgend etwas zurückführen, wie ihn der Mensch verdient hat — und dergleichen. Nun, so einfach sind die Dinge nicht! Gerade wenn von Karma gesprochen wird, wird sehr viel trivialisiert.

[ 4 ] Nun möchte ich heute Beispiele anführen, die ich untersucht habe, die mir durchsichtig geworden sind in ihrem karmischen Verlaufe. Es ist allerdings schon ein gewagtes Unternehmen, über, wenn auch fernerliegende, karmische Zusammenhänge im einzelnen zu sprechen, denn eigentlich ist es ja üblich, wenn von Karma gesprochen wird, in allgemeinen Redensarten zu sprechen: Dies oder jenes wird auf diese oder jene Weise verursacht —, oder: Man muß den oder jenen Schicksalsschlag auf irgend etwas zurückführen, wie ihn der Mensch verdient hat — und dergleichen. Nun, so einfach sind die Dinge nicht! Gerade wenn von Karma gesprochen wird, wird sehr viel trivialisiert.

[ 5 ] Nun wollen wir heute einmal auf bestimmte, wenn auch fernerliegende karmische Beispiele eingehen, ganz, ich möchte sagen, dieses gewagte Unternehmen wirklich vollführen, über einzelne Karmas zu sprechen, soweit das eben nach den Untersuchungen, die mir obgelegen haben, geschehen kann. Beispiele sollen es also sein.

[ 5 ] Nun wollen wir heute einmal auf bestimmte, wenn auch fernerliegende karmische Beispiele eingehen, ganz, ich möchte sagen, dieses gewagte Unternehmen wirklich vollführen, über einzelne Karmas zu sprechen, soweit das eben nach den Untersuchungen, die mir obgelegen haben, geschehen kann. Beispiele sollen es also sein.

[ 6 ] Da möchte ich zunächst über einen berühmten Ästhetiker und Philosophen, über Friedrich Theodor Vischer — ich habe ihn öfter erwähnt im Verlaufe meiner Vorträge —, sprechen. Ich möchte heute gerade diejenigen Eigentümlichkeiten seines Lebenslaufes herausheben, die ich dann zur Grundlage einer karmischen Besprechung wählen kann.

[ 6 ] Da möchte ich zunächst über einen berühmten Ästhetiker und Philosophen, über Friedrich Theodor Vischer — ich habe ihn öfter erwähnt im Verlaufe meiner Vorträge —, sprechen. Ich möchte heute gerade diejenigen Eigentümlichkeiten seines Lebenslaufes herausheben, die ich dann zur Grundlage einer karmischen Besprechung wählen kann.

[ 7 ] Friedrich Theodor Vischer wuchs hinein mit seiner Bildung in das Zeitalter, in dem innerhalb Deutschlands die sogenannte idealistische deutsche Philosophie blühte: das Hegeltum. Und Friedrich Theodor Vischer, der jung war, seine Studien durchmachte, während überall die Köpfe voll waren von Hegelscher Denkweise, er hat diese Denkweise angenommen. Er war empfänglich für dieses hohe Hegelsche Verweilen in Gedanken. Ihm war es einleuchtend, daß der Gedanke wie das ja bei Hegel behauptet wird — tatsächlich das göttliche Wesen der Welt sei; daß also, wenn wir als Menschen denken, wir, indem wir in Gedanken leben, in der göttlichen Substanz leben.

[ 7 ] Friedrich Theodor Vischer wuchs hinein mit seiner Bildung in das Zeitalter, in dem innerhalb Deutschlands die sogenannte idealistische deutsche Philosophie blühte: das Hegeltum. Und Friedrich Theodor Vischer, der jung war, seine Studien durchmachte, während überall die Köpfe voll waren von Hegelscher Denkweise, er hat diese Denkweise angenommen. Er war empfänglich für dieses hohe Hegelsche Verweilen in Gedanken. Ihm war es einleuchtend, daß der Gedanke wie das ja bei Hegel behauptet wird — tatsächlich das göttliche Wesen der Welt sei; daß also, wenn wir als Menschen denken, wir, indem wir in Gedanken leben, in der göttlichen Substanz leben.

[ 8 ] Hegel war in der Tat durchaus davon überzeugt, daß von dem Leben in Gedanken eigentlich alle Erdenentwickelung abhängt. Das andere schließt sich daran. Die Weltenpläne werden gemacht, indem die Denker über die Welt nachdenken. — Gewiß, darin liegt viel Wahres. Aber bei Hegel hat das alles einen sehr abstrakten Charakter.

[ 8 ] Hegel war in der Tat durchaus davon überzeugt, daß von dem Leben in Gedanken eigentlich alle Erdenentwickelung abhängt. Das andere schließt sich daran. Die Weltenpläne werden gemacht, indem die Denker über die Welt nachdenken. — Gewiß, darin liegt viel Wahres. Aber bei Hegel hat das alles einen sehr abstrakten Charakter.

[ 9 ] Aber Friedrich Theodor Vischer hat sich in diese Hegelsche Philosophie eingelebt. Dabei war er aber zugleich auch eine aus einem Volksstamme heraus entstandene Persönlichkeit, die die Eigentümlichkeiten dieses Volksstammes mit großer Deutlichkeit an sich trug. Er hatte alle Eigenschaften eines Schwaben, allen Eigensinn, alle Rechthaberei, auch allen Unabhängigkeitssinn des Schwaben! Er hatte auch das Kurzangebundene des Schwaben. Und indem er diesen Schwabencharakter an sich trug, hatte er wiederum starke persönliche Eigentümlichkeiten: Ein, wenn man das Äußere nimmt, schönes blaues Auge, einen etwas struppigen, aber immerhin von ihm mit einem gewissen ästhetischen Enthusiasmus getragenen rötlichbraunen Vollbart. Ich sage, er hat ihn mit einem gewissen ästhetischen Enthusiasmus getragen, weil er sich ja in seinen Schriften genügend ausspricht über die Ungezogenheit jener Männer, die keinen Vollbart tragen. Er nennt sie «bartlose Affengesichter»; er war also durchaus nicht zurückhaltend. Das alles tat er mit der eigentümlichen, kurzangebundenen Bestimmtheit eben des Schwaben.

[ 9 ] Aber Friedrich Theodor Vischer hat sich in diese Hegelsche Philosophie eingelebt. Dabei war er aber zugleich auch eine aus einem Volksstamme heraus entstandene Persönlichkeit, die die Eigentümlichkeiten dieses Volksstammes mit großer Deutlichkeit an sich trug. Er hatte alle Eigenschaften eines Schwaben, allen Eigensinn, alle Rechthaberei, auch allen Unabhängigkeitssinn des Schwaben! Er hatte auch das Kurzangebundene des Schwaben. Und indem er diesen Schwabencharakter an sich trug, hatte er wiederum starke persönliche Eigentümlichkeiten: Ein, wenn man das Äußere nimmt, schönes blaues Auge, einen etwas struppigen, aber immerhin von ihm mit einem gewissen ästhetischen Enthusiasmus getragenen rötlichbraunen Vollbart. Ich sage, er hat ihn mit einem gewissen ästhetischen Enthusiasmus getragen, weil er sich ja in seinen Schriften genügend ausspricht über die Ungezogenheit jener Männer, die keinen Vollbart tragen. Er nennt sie «bartlose Affengesichter»; er war also durchaus nicht zurückhaltend. Das alles tat er mit der eigentümlichen, kurzangebundenen Bestimmtheit eben des Schwaben.

[ 10 ] Er war mäßig groß, nicht dick, sondern eher schmächtig; aber er ging durch die Straßen, indem er die Arme so hielt, als ob er sich mit den Ellbogen immer den Weg frei machte. Das hat er ja auch als geistige Individualität durchaus getan! — So war das Äußere.

[ 10 ] Er war mäßig groß, nicht dick, sondern eher schmächtig; aber er ging durch die Straßen, indem er die Arme so hielt, als ob er sich mit den Ellbogen immer den Weg frei machte. Das hat er ja auch als geistige Individualität durchaus getan! — So war das Äußere.

[ 11 ] Er war von einem sehr starken, auch persönlichen Unabhängigkeitsdrang, hielt nicht zurück mit dem, was er gern sagen wollte. So traf es einmal zufällig zusammen, daß, nachdem er von «Freunden» — das geschieht ja sehr häufig von Freunden — bei der Stuttgarter Regierung angeschwärzt worden war, einen argen Verweis von der Stuttgarter Regierung bekommen hat — an demselben Tag, wo ihm sein Sohn geboren worden ist, der Robert, der dann ja auch als Ästhetiker einen Namen sich erworben hat —, daß er dann im Auditorium dies ankündigte, indem er sagte: Meine Herren, ich habe heute einen großen Wischer und einen kleinen Vischer bekommen!

[ 11 ] Er war von einem sehr starken, auch persönlichen Unabhängigkeitsdrang, hielt nicht zurück mit dem, was er gern sagen wollte. So traf es einmal zufällig zusammen, daß, nachdem er von «Freunden» — das geschieht ja sehr häufig von Freunden — bei der Stuttgarter Regierung angeschwärzt worden war, einen argen Verweis von der Stuttgarter Regierung bekommen hat — an demselben Tag, wo ihm sein Sohn geboren worden ist, der Robert, der dann ja auch als Ästhetiker einen Namen sich erworben hat —, daß er dann im Auditorium dies ankündigte, indem er sagte: Meine Herren, ich habe heute einen großen Wischer und einen kleinen Vischer bekommen!

[ 12 ] Es war ihm durchaus eigen, über die Dinge sehr bestimmt zu sprechen. So ist ein entzückender Aufsatz von ihm: «Über Fußflegelei auf der Eisenbahn.» Er hat mit großem Mißfallen beobachtet, wie manchmal Passagiere, die im Coup& auf der einen Seite sitzen, ihre Füße nach der anderen Seite hinüber auf die Bank legen. Das konnte er gar nicht leiden! Da ist ein entzückender Aufsatz von ihm über Fußflegel auf den Eisenbahnen vorhanden.

[ 12 ] Es war ihm durchaus eigen, über die Dinge sehr bestimmt zu sprechen. So ist ein entzückender Aufsatz von ihm: «Über Fußflegelei auf der Eisenbahn.» Er hat mit großem Mißfallen beobachtet, wie manchmal Passagiere, die im Coup& auf der einen Seite sitzen, ihre Füße nach der anderen Seite hinüber auf die Bank legen. Das konnte er gar nicht leiden! Da ist ein entzückender Aufsatz von ihm über Fußflegel auf den Eisenbahnen vorhanden.

[ 13 ] Was er alles in seinem Buche «Mode und Zynismus» über allerlei Ungezogenheiten und Unangezogenheiten auf Bällen und anderen Unterhaltungen geschrieben hat, darüber will ich heute lieber schweigen. Er war schon eine starke Individualität.

[ 13 ] Was er alles in seinem Buche «Mode und Zynismus» über allerlei Ungezogenheiten und Unangezogenheiten auf Bällen und anderen Unterhaltungen geschrieben hat, darüber will ich heute lieber schweigen. Er war schon eine starke Individualität.

[ 14 ] Ein Freund von mir besuchte ihn einmal, klopfte ganz artig an der Tür. Ich weiß nicht, ob das sonst in Schwaben üblich ist, aber er sagte nicht «Herein!», oder wie man sonst sagt in einem solchen Fall, sondern er schmetterte: «Glei!» — Gleich oder sogleich würde er bereit sein.

[ 14 ] Ein Freund von mir besuchte ihn einmal, klopfte ganz artig an der Tür. Ich weiß nicht, ob das sonst in Schwaben üblich ist, aber er sagte nicht «Herein!», oder wie man sonst sagt in einem solchen Fall, sondern er schmetterte: «Glei!» — Gleich oder sogleich würde er bereit sein.

[ 15 ] Nun, Friedrich Theodor Vischer machte sich verhältnismäßig in jungen Jahren an eine große Aufgabe: die Ästhetik im Sinne der Hegelschen Philosophie zu schreiben. Und diese fünf Bände, die er da geschrieben hat, die sind in der Tat ein merkwürdiges Werk. Da ist eine strenge Paragrapheneinteilung, wie es bei Hegel üblich war; da sind die üblichen Definitionen. Wenn ich Ihnen ein Stück vorlesen würde, würden Sie sogleich alle gähnen, denn es ist durchaus in eben nicht gerade populärem Hegelismus geschrieben, sondern es sind schon Definitionen wie diese: Das Schöne ist die Erscheinung der Idee in sinnlicher Form. Das Erhabene ist die Erscheinung der Idee in sinnlicher Form so, daß die Idee die sinnliche Form überwiegt. Das Komische ist die Erscheinung der Idee in der sinnlichen Form so, daß die sinnliche Form überwiegt — und so weiter. Das sind Dinge, die noch verhältnismäßig interessant sind, aber es geht noch viel weiter! Dann aber stehen gegenüber diesen «Definitionen», «Deklarationen», das sogenannte Kleingedruckte. Die meisten lesen dieses Buch «Ästhetik» von Friedrich Theodor Vischer so, daß sie das Großgedruckte weglassen und nur das Kleingedruckte lesen. Und dieses Kleingedruckte enthält in der Tat das Geistreichste der Ästhetik, das auf den verschiedensten Gebieten vorgebracht worden ist. Da ist kein Pedantismus, kein Hegeltum drinnen, sondern da ist der Schwaben-Vischer mit all seiner geistreichen Gewissenhaftigkeit, aber auch mit seiner feinen Empfindung für alles Schöne, Großartige und Erhabene drinnen. Da ist zugleich das Naturgeschehen in einer unvergleichlichen Weise, in einem freien Stil, der geradezu musterhaft ist, geschildert. Da hat er wirklich in vielen Jahren mit einer eisernen Konsequenz dieses Werk zu Ende gebracht.

[ 15 ] Nun, Friedrich Theodor Vischer machte sich verhältnismäßig in jungen Jahren an eine große Aufgabe: die Ästhetik im Sinne der Hegelschen Philosophie zu schreiben. Und diese fünf Bände, die er da geschrieben hat, die sind in der Tat ein merkwürdiges Werk. Da ist eine strenge Paragrapheneinteilung, wie es bei Hegel üblich war; da sind die üblichen Definitionen. Wenn ich Ihnen ein Stück vorlesen würde, würden Sie sogleich alle gähnen, denn es ist durchaus in eben nicht gerade populärem Hegelismus geschrieben, sondern es sind schon Definitionen wie diese: Das Schöne ist die Erscheinung der Idee in sinnlicher Form. Das Erhabene ist die Erscheinung der Idee in sinnlicher Form so, daß die Idee die sinnliche Form überwiegt. Das Komische ist die Erscheinung der Idee in der sinnlichen Form so, daß die sinnliche Form überwiegt — und so weiter. Das sind Dinge, die noch verhältnismäßig interessant sind, aber es geht noch viel weiter! Dann aber stehen gegenüber diesen «Definitionen», «Deklarationen», das sogenannte Kleingedruckte. Die meisten lesen dieses Buch «Ästhetik» von Friedrich Theodor Vischer so, daß sie das Großgedruckte weglassen und nur das Kleingedruckte lesen. Und dieses Kleingedruckte enthält in der Tat das Geistreichste der Ästhetik, das auf den verschiedensten Gebieten vorgebracht worden ist. Da ist kein Pedantismus, kein Hegeltum drinnen, sondern da ist der Schwaben-Vischer mit all seiner geistreichen Gewissenhaftigkeit, aber auch mit seiner feinen Empfindung für alles Schöne, Großartige und Erhabene drinnen. Da ist zugleich das Naturgeschehen in einer unvergleichlichen Weise, in einem freien Stil, der geradezu musterhaft ist, geschildert. Da hat er wirklich in vielen Jahren mit einer eisernen Konsequenz dieses Werk zu Ende gebracht.

[ 16 ] Nun gab es in der Zeit, als dieses Werk erschienen war und das Hegeltum noch in einem gewissen Sinne herrschend war, eigentlich viel Anerkennung für dieses Werk; natürlich auch Gegner, aber doch viel Anerkennung. Nun erwuchs aber im Laufe der Zeit diesem Werke ein großer Gegner, ein Gegner, der es vernichtend kritisiert hat, der eigentlich «kein gutes Haar» daran gelassen hat, der es in einer großen, geistreichen Weise kritisiert hat, musterhaft kritisiert hat: das war Friedrich Theodor Vischer selbst in seinen späteren Jahren!

[ 16 ] Nun gab es in der Zeit, als dieses Werk erschienen war und das Hegeltum noch in einem gewissen Sinne herrschend war, eigentlich viel Anerkennung für dieses Werk; natürlich auch Gegner, aber doch viel Anerkennung. Nun erwuchs aber im Laufe der Zeit diesem Werke ein großer Gegner, ein Gegner, der es vernichtend kritisiert hat, der eigentlich «kein gutes Haar» daran gelassen hat, der es in einer großen, geistreichen Weise kritisiert hat, musterhaft kritisiert hat: das war Friedrich Theodor Vischer selbst in seinen späteren Jahren!

[ 17 ] Und wiederum ist es, ich möchte sagen, entzückend, etwas Entzükkendes, diese Selbstkritik in den «Kritischen Gängen» zu lesen. Dabei gibt es so vieles, was Friedrich Theodor Vischer als Ästhetiker, als Philosoph, als allgemeiner Belletrist in seinen «Kritischen Gängen» oder später in der schönen Sammlung «Altes und Neues» hat erscheinen lassen. — Als er noch Student war, schrieb er Lyrisch-Ironisches. Bei all der großen Verehrung, die ich für Friedrich Theodor Vischer immer hatte, ich konnte nie anders, als das, was er da als Student geleistet hat, eigentlich gar nicht einmal für studentisch, sondern für urphiliströs zu halten! Das aber lebte wieder auf, als er in seinen Siebzigerjahren, nach siebzig seine Gedichtsammlung unter dem Pseudonym «Schartenmayer» schrieb — philiströses Zeug!

[ 17 ] Und wiederum ist es, ich möchte sagen, entzückend, etwas Entzükkendes, diese Selbstkritik in den «Kritischen Gängen» zu lesen. Dabei gibt es so vieles, was Friedrich Theodor Vischer als Ästhetiker, als Philosoph, als allgemeiner Belletrist in seinen «Kritischen Gängen» oder später in der schönen Sammlung «Altes und Neues» hat erscheinen lassen. — Als er noch Student war, schrieb er Lyrisch-Ironisches. Bei all der großen Verehrung, die ich für Friedrich Theodor Vischer immer hatte, ich konnte nie anders, als das, was er da als Student geleistet hat, eigentlich gar nicht einmal für studentisch, sondern für urphiliströs zu halten! Das aber lebte wieder auf, als er in seinen Siebzigerjahren, nach siebzig seine Gedichtsammlung unter dem Pseudonym «Schartenmayer» schrieb — philiströses Zeug!

[ 18 ] Ein Urphilister wurde er in bezug auf den Goetheschen «Faust». Vom Goetheschen «Faust» im ersten Teil, nun, da gab er noch einiges zu. Aber jedenfalls war er der Ansicht: Der zweite Teil ist ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Alters, denn der zweite Teil des «Faust», der hätte ganz anders sein müssen! — Und er hat ja dann nicht nur seinen «Faust, der Tragödie dritter Teil» geschrieben, in dem er den zweiten Teil des Goetheschen «Faust» ironisiert hat, sondern er hat auch tatsächlich einen Plan verfaßt, wie der Goethesche «Faust» hätte werden sollen. Es ist ein philiströses Zeug. Es ist ungefähr so philiströs wie das, was Du Bois-Reymond, der große Naturforscher, in seiner Rede: «Goethe und kein Ende» gesagt hat: Der «Faust» ist eigentlich verfehlt; richtig wäre er, wenn Faust nicht allerlei solchen Schnack machen würde, wie Geisterbeschwörungen und den Erdgeist beschwören, sondern wenn er einfach in ehrlicher Weise hätte die Elektrisiermaschine und die Luftpumpe erfunden und Gretchen ehrlich gemacht. — In ganz ähnlicher Weise philiströs ist eigentlich alles das, was nun Friedrich Theodor Vischer in Anknüpfung an den Goetheschen «Faust» von sich gegeben hat.

[ 18 ] Ein Urphilister wurde er in bezug auf den Goetheschen «Faust». Vom Goetheschen «Faust» im ersten Teil, nun, da gab er noch einiges zu. Aber jedenfalls war er der Ansicht: Der zweite Teil ist ein zusammengeschustertes, zusammengeleimtes Machwerk des Alters, denn der zweite Teil des «Faust», der hätte ganz anders sein müssen! — Und er hat ja dann nicht nur seinen «Faust, der Tragödie dritter Teil» geschrieben, in dem er den zweiten Teil des Goetheschen «Faust» ironisiert hat, sondern er hat auch tatsächlich einen Plan verfaßt, wie der Goethesche «Faust» hätte werden sollen. Es ist ein philiströses Zeug. Es ist ungefähr so philiströs wie das, was Du Bois-Reymond, der große Naturforscher, in seiner Rede: «Goethe und kein Ende» gesagt hat: Der «Faust» ist eigentlich verfehlt; richtig wäre er, wenn Faust nicht allerlei solchen Schnack machen würde, wie Geisterbeschwörungen und den Erdgeist beschwören, sondern wenn er einfach in ehrlicher Weise hätte die Elektrisiermaschine und die Luftpumpe erfunden und Gretchen ehrlich gemacht. — In ganz ähnlicher Weise philiströs ist eigentlich alles das, was nun Friedrich Theodor Vischer in Anknüpfung an den Goetheschen «Faust» von sich gegeben hat.

[ 19 ] Es war so, wie man, vielleicht nicht in Württemberg, aber in meiner Heimat Österreich sagt: es war ein «Schwabenstreich», was er in bezug auf den Goetheschen «Faust» getan hat! Solche Worte haben ja immer eine andere Bedeutung, jenach den Gegenden, wo sie gebraucht werden.

[ 19 ] Es war so, wie man, vielleicht nicht in Württemberg, aber in meiner Heimat Österreich sagt: es war ein «Schwabenstreich», was er in bezug auf den Goetheschen «Faust» getan hat! Solche Worte haben ja immer eine andere Bedeutung, jenach den Gegenden, wo sie gebraucht werden.

[ 20 ] Nun, sehen Sie, das Bedeutsame an diesem Mann sind diese einzelnen Züge. Sie machen ungefähr sein Leben aus. Man könnte allerdings auch einzelne Tatsachen erzählen, aber das will ich nicht. Ich möchte ihn als Persönlichkeit so vor Sie hingestellt haben, und ich möchte dann auf dieser Grundlage eine karmische Betrachtung über ihn anstellen. Ich möchte Ihnen heute nur die Materialien zunächst liefern.

[ 20 ] Nun, sehen Sie, das Bedeutsame an diesem Mann sind diese einzelnen Züge. Sie machen ungefähr sein Leben aus. Man könnte allerdings auch einzelne Tatsachen erzählen, aber das will ich nicht. Ich möchte ihn als Persönlichkeit so vor Sie hingestellt haben, und ich möchte dann auf dieser Grundlage eine karmische Betrachtung über ihn anstellen. Ich möchte Ihnen heute nur die Materialien zunächst liefern.



[ 21 ] Eine zweite Persönlichkeit, die ich karmisch betrachten möchte wie gesagt, es ist dies ein Wagnis, solche einzelnen Beispiele zu geben, aber sie sollen eben gegeben werden, und ich möchte Grundlagen dazu schaffen —, eine zweite Persönlichkeit ist Franz Schubert, der Liederkomponist, der Komponist überhaupt.

[ 21 ] Eine zweite Persönlichkeit, die ich karmisch betrachten möchte wie gesagt, es ist dies ein Wagnis, solche einzelnen Beispiele zu geben, aber sie sollen eben gegeben werden, und ich möchte Grundlagen dazu schaffen —, eine zweite Persönlichkeit ist Franz Schubert, der Liederkomponist, der Komponist überhaupt.

[ 22 ] Ich will auch da diejenigen Züge, die ich zur karmischen Schilderung brauchen werde, herausheben. Franz Schubert war eigentlich so ziemlich sein Leben lang arm. Als Schubert eine Zeitlang gestorben war, gab es in Wien wirklich sehr viele nicht nur «gute Bekannte», sondern «Freunde» von Franz Schubert. Eine ganze Menge Leute wollten ihm Geld geborgt haben, redeten von ihm als von dem Schubert-Franzl und so weiter. Ja, aber während seiner Lebzeiten war das nicht so!

[ 22 ] Ich will auch da diejenigen Züge, die ich zur karmischen Schilderung brauchen werde, herausheben. Franz Schubert war eigentlich so ziemlich sein Leben lang arm. Als Schubert eine Zeitlang gestorben war, gab es in Wien wirklich sehr viele nicht nur «gute Bekannte», sondern «Freunde» von Franz Schubert. Eine ganze Menge Leute wollten ihm Geld geborgt haben, redeten von ihm als von dem Schubert-Franzl und so weiter. Ja, aber während seiner Lebzeiten war das nicht so!

[ 23 ] Aber er hatte einen wirklichen Freund gefunden. Dieser Freund, ein Freiherr von Spaun, war eine außerordentlich edle Persönlichkeit. Er sorgte eigentlich von frühester Jugend an in einer zarten Weise für Schubert. Sie waren Schulkollegen schon. Damals hatte er für ihn zu sorgen, und dann setzte sich das so fort. Und in karmischer Beziehung scheint mir es von ganz besonderer Wichtigkeit zu sein — wir werden das dann bei der karmischen Betrachtung sehen —, daß Spaun in einem Berufe drinnen war, der ihm eigentlich ganz fremd war. Spaun war ein feingebildeter Mensch, der jede Art von Kunst liebte, der außer mit Schubert noch mit Moritz von Schwind eng befreundet war, ein Mensch, auf den wirklich in einer zarten Weise alles Künstlerische einen großen Eindruck machte. In Österreich kommt zwar manches vor — auch Grillparzer war ja Finanzbeamter —, aber eben auch Spaun war, trotzdem er nicht die geringste Ader dafür hatte, sein Leben lang in Finanzämtern. Er war Finanzbeamter, hatte Geld zu verwalten, eigentlich Zahlen zu verwalten, und als er in ein bestimmtes Alter gekommen war, wurde er sogar Lotto-Direktor, Lotterie-Direktor. Er hatte also die Lotterie in Österreich zu versorgen. Es war ihm außerordentlich antipathisch. Aber denken Sie doch nur einmal, was eigentlich der Realität nach ein Lotterie-Direktor verwaltet! Sie müssen nur bedenken: ein Lotterie-Direktor verwaltet Leidenschaften, Hoffnungen, zerstörte Hoffnungen, Enttäuschungen von unzähligen Menschen. Ein Lotterie-Direktor verwaltet in allergrößtem Stil den Aberglauben der Menschen, ein Lotterie-Direktor verwaltet in allergrößtem Stil die Träume der Menschen! Denken Sie nur, was alles eigentlich da in Betracht kommt, wenn ein Lotterie-Direktor, ein oberster Lotterie-Direktor seine administrativen Maßregeln trifft! Gewiß, wenn man ins Büro hereintritt und wieder heraustritt, bemerkt man das nicht so; aber die Realität ist da. Und derjenige, der die Welt als real betrachtet, der muß eben durchaus so etwas in Betracht ziehen.

[ 23 ] Aber er hatte einen wirklichen Freund gefunden. Dieser Freund, ein Freiherr von Spaun, war eine außerordentlich edle Persönlichkeit. Er sorgte eigentlich von frühester Jugend an in einer zarten Weise für Schubert. Sie waren Schulkollegen schon. Damals hatte er für ihn zu sorgen, und dann setzte sich das so fort. Und in karmischer Beziehung scheint mir es von ganz besonderer Wichtigkeit zu sein — wir werden das dann bei der karmischen Betrachtung sehen —, daß Spaun in einem Berufe drinnen war, der ihm eigentlich ganz fremd war. Spaun war ein feingebildeter Mensch, der jede Art von Kunst liebte, der außer mit Schubert noch mit Moritz von Schwind eng befreundet war, ein Mensch, auf den wirklich in einer zarten Weise alles Künstlerische einen großen Eindruck machte. In Österreich kommt zwar manches vor — auch Grillparzer war ja Finanzbeamter —, aber eben auch Spaun war, trotzdem er nicht die geringste Ader dafür hatte, sein Leben lang in Finanzämtern. Er war Finanzbeamter, hatte Geld zu verwalten, eigentlich Zahlen zu verwalten, und als er in ein bestimmtes Alter gekommen war, wurde er sogar Lotto-Direktor, Lotterie-Direktor. Er hatte also die Lotterie in Österreich zu versorgen. Es war ihm außerordentlich antipathisch. Aber denken Sie doch nur einmal, was eigentlich der Realität nach ein Lotterie-Direktor verwaltet! Sie müssen nur bedenken: ein Lotterie-Direktor verwaltet Leidenschaften, Hoffnungen, zerstörte Hoffnungen, Enttäuschungen von unzähligen Menschen. Ein Lotterie-Direktor verwaltet in allergrößtem Stil den Aberglauben der Menschen, ein Lotterie-Direktor verwaltet in allergrößtem Stil die Träume der Menschen! Denken Sie nur, was alles eigentlich da in Betracht kommt, wenn ein Lotterie-Direktor, ein oberster Lotterie-Direktor seine administrativen Maßregeln trifft! Gewiß, wenn man ins Büro hereintritt und wieder heraustritt, bemerkt man das nicht so; aber die Realität ist da. Und derjenige, der die Welt als real betrachtet, der muß eben durchaus so etwas in Betracht ziehen.

[ 24 ] Nun, dieser Mann, der gar nichts zu tun hatte mit jenem Aberglauben, der da von ihm verwaltet wurde, mit jenen Enttäuschungen, Sehnsuchten, Hoffnungen, der war der intime Freund von Schubert, nahm teil an seinem materiellen und an seinem geistigen Wohlergehen im höchsten Maße. Man kann eigentlich äußerlich manchmal erstaunt sein, wozu die Welt alles imstande ist. Es gibt eine Biographie von Schubert, die schildert das Exterieur von Schubert so, wie wenn Schubert ungefähr wie ein Neger ausgesehen hätte. Es ist gar keine Rede davon gewesen! Er hat sogar ein sehr sympathisches Gesicht gehabt! Aber er war eben arm. Schon das Abendbrot, das er zumeist mit dem Freiherrn von Spaun zusammen einnahm, wurde meistens in zarter Weise von Spaun eben bezahlt. Und er hatte nicht Geld, um etwa ein Klavier zu mieten für seine musikalischen Bedürfnisse. Er war in seinem äußerlichen Auftreten — das schildert auch der Freiherr von Spaun sehr getreulich — eigentlich gemessen, fast phlegmatisch. Aber in einer merkwürdigen Weise konnte ein innerlich Vulkanisches aus seiner Natur hervorbrechen.

[ 24 ] Nun, dieser Mann, der gar nichts zu tun hatte mit jenem Aberglauben, der da von ihm verwaltet wurde, mit jenen Enttäuschungen, Sehnsuchten, Hoffnungen, der war der intime Freund von Schubert, nahm teil an seinem materiellen und an seinem geistigen Wohlergehen im höchsten Maße. Man kann eigentlich äußerlich manchmal erstaunt sein, wozu die Welt alles imstande ist. Es gibt eine Biographie von Schubert, die schildert das Exterieur von Schubert so, wie wenn Schubert ungefähr wie ein Neger ausgesehen hätte. Es ist gar keine Rede davon gewesen! Er hat sogar ein sehr sympathisches Gesicht gehabt! Aber er war eben arm. Schon das Abendbrot, das er zumeist mit dem Freiherrn von Spaun zusammen einnahm, wurde meistens in zarter Weise von Spaun eben bezahlt. Und er hatte nicht Geld, um etwa ein Klavier zu mieten für seine musikalischen Bedürfnisse. Er war in seinem äußerlichen Auftreten — das schildert auch der Freiherr von Spaun sehr getreulich — eigentlich gemessen, fast phlegmatisch. Aber in einer merkwürdigen Weise konnte ein innerlich Vulkanisches aus seiner Natur hervorbrechen.

[ 25 ] Interessant ist schon das, daß er seine schönsten musikalischen Motive in der Regel am Morgen hinschrieb, nachdem er aufgestanden war. Aus dem Schlafe heraus setzte er sich hin und schrieb seine schönsten musikalischen Motive in dieser Weise auf. Das hat der Freiherr von Spaun selber oftmals mitgemacht. Denn wie das ja gerade bei dem geistigen Wien so der Fall ist: die beiden Herren, Schubert und Spaun, liebten schon auch des Abends einen guten Tropfen, und dann wurde es spät, spät. Dann konnte Schubert, der weit wohnte, nicht mehr nach Hause gelassen werden. Dann blieb er in einem sehr bescheidenen Bette bei Spaun. Und da war Freiherr von Spaun oftmals wirklich Zeuge, wie, aufstehend, Schubert sich einfach hinsetzte und seine schönsten musikalischen Motive aus dem Aufwachen heraus hinschrieb.

[ 25 ] Interessant ist schon das, daß er seine schönsten musikalischen Motive in der Regel am Morgen hinschrieb, nachdem er aufgestanden war. Aus dem Schlafe heraus setzte er sich hin und schrieb seine schönsten musikalischen Motive in dieser Weise auf. Das hat der Freiherr von Spaun selber oftmals mitgemacht. Denn wie das ja gerade bei dem geistigen Wien so der Fall ist: die beiden Herren, Schubert und Spaun, liebten schon auch des Abends einen guten Tropfen, und dann wurde es spät, spät. Dann konnte Schubert, der weit wohnte, nicht mehr nach Hause gelassen werden. Dann blieb er in einem sehr bescheidenen Bette bei Spaun. Und da war Freiherr von Spaun oftmals wirklich Zeuge, wie, aufstehend, Schubert sich einfach hinsetzte und seine schönsten musikalischen Motive aus dem Aufwachen heraus hinschrieb.

[ 26 ] Aus den verhältnismäßig ruhigen Gesichtszügen geht nicht hervor, wie vulkanisch es eigentlich in den Untergründen dieser Schubert-Seele aussah. Aber es war vulkanisch, und gerade diese besondere Art der Persönlichkeit muß ich Ihnen schildern als Grundlage der Karmabetrachtung. Denn, sehen Sie, da war es einmal so: Schubert konnte in die Oper gehen. Er sah Glucks «Iphigenie» und war im höchsten Grade hingerissen von der «Iphigenie». Sein Enthusiasmus entlud sich seinem Freunde Spaun gegenüber während und nach der Vorstellung stark, großartig, aber eben doch in gemessener Art. Er wurde sozusagen zart emotionell, nicht vulkanisch emotionell — ich wähle gerade diejenige Züge, die wir brauchen werden. Da war es so, daß er in dem Augenblicke, wo er Glucks «Iphigenie» kennenlernte, sie für das wunderbarste musikalische Kunstwerk hielt. Entzückend war für ihn die Darstellung der Sängerin Milder. Und in bezug auf den Sänger Vogl sagte er, er wolle ihn nur kennenlernen, um ihm zu Füßen fallen zu können, so entzückt war er von seiner Darstellung. Nun, da ging die Iphigenien-Darstellung zu Ende. Schubert und Spaun gingen in das sogenannte Bürgerstübl in Wien. Ich glaube, es war noch ein dritter dabei, den ich jetzt nicht vor mir habe. Sie saßen ganz ruhig, aber sie sprachen zuweilen enthusiastisch über dasjenige, was sie am Abend in der Oper erlebt hatten. — Ein Nachbartisch war da; da saß unter anderem auch ein dieser Gesellschaft bekannter Professor, ein Hochschulprofessor. Der wurde zunächst etwas rot gefärbt, als er hinhorchte auf dieses enthusiastische Gespräch. Die Röte wurde immer stärker. Dann fing er an zu brummen. Nachdem er eine Zeitlang gebrummt hatte, und die sich nicht hatten stören lassen, fing er aber an, füchterlich zu toben und zu schimpfen und erklärte über den Tisch hinüber auf diese Gesellschaft hin: Und überhaupt, die ganze «Iphigenie» ist ein Dreck, das ist keine wirkliche Musik, und die Milder ist überhaupt keine Sängerin, die hat weder Läufe noch Triller, die kann gar nicht singen. Und der Vogl, der geht überhaupt, wie wenn er mit Elefantenfüßen auf dem Boden dahinginge!

[ 26 ] Aus den verhältnismäßig ruhigen Gesichtszügen geht nicht hervor, wie vulkanisch es eigentlich in den Untergründen dieser Schubert-Seele aussah. Aber es war vulkanisch, und gerade diese besondere Art der Persönlichkeit muß ich Ihnen schildern als Grundlage der Karmabetrachtung. Denn, sehen Sie, da war es einmal so: Schubert konnte in die Oper gehen. Er sah Glucks «Iphigenie» und war im höchsten Grade hingerissen von der «Iphigenie». Sein Enthusiasmus entlud sich seinem Freunde Spaun gegenüber während und nach der Vorstellung stark, großartig, aber eben doch in gemessener Art. Er wurde sozusagen zart emotionell, nicht vulkanisch emotionell — ich wähle gerade diejenige Züge, die wir brauchen werden. Da war es so, daß er in dem Augenblicke, wo er Glucks «Iphigenie» kennenlernte, sie für das wunderbarste musikalische Kunstwerk hielt. Entzückend war für ihn die Darstellung der Sängerin Milder. Und in bezug auf den Sänger Vogl sagte er, er wolle ihn nur kennenlernen, um ihm zu Füßen fallen zu können, so entzückt war er von seiner Darstellung. Nun, da ging die Iphigenien-Darstellung zu Ende. Schubert und Spaun gingen in das sogenannte Bürgerstübl in Wien. Ich glaube, es war noch ein dritter dabei, den ich jetzt nicht vor mir habe. Sie saßen ganz ruhig, aber sie sprachen zuweilen enthusiastisch über dasjenige, was sie am Abend in der Oper erlebt hatten. — Ein Nachbartisch war da; da saß unter anderem auch ein dieser Gesellschaft bekannter Professor, ein Hochschulprofessor. Der wurde zunächst etwas rot gefärbt, als er hinhorchte auf dieses enthusiastische Gespräch. Die Röte wurde immer stärker. Dann fing er an zu brummen. Nachdem er eine Zeitlang gebrummt hatte, und die sich nicht hatten stören lassen, fing er aber an, füchterlich zu toben und zu schimpfen und erklärte über den Tisch hinüber auf diese Gesellschaft hin: Und überhaupt, die ganze «Iphigenie» ist ein Dreck, das ist keine wirkliche Musik, und die Milder ist überhaupt keine Sängerin, die hat weder Läufe noch Triller, die kann gar nicht singen. Und der Vogl, der geht überhaupt, wie wenn er mit Elefantenfüßen auf dem Boden dahinginge!

[ 27 ] Nun war Schubert nicht mehr zu halten. Es drohte in jedem Moment die schlimmste Konsequenz der Handgreiflichkeit. Schubert, der sonst völlig ruhig war, ließ alle seine Vulkanität los, und die anderen hatten tatsächlich alle Mühe, ihn nur zu beruhigen.

[ 27 ] Nun war Schubert nicht mehr zu halten. Es drohte in jedem Moment die schlimmste Konsequenz der Handgreiflichkeit. Schubert, der sonst völlig ruhig war, ließ alle seine Vulkanität los, und die anderen hatten tatsächlich alle Mühe, ihn nur zu beruhigen.

[ 28 ] Ja, sehen Sie, wichtig ist für dieses Leben, daß wir es zu tun haben mit einem Mann, dessen Freund Finanzbeamter, sogar Lotterie-Direktor ist, daß er mit diesem im Leben karmisch zusammengeführt wird. Wichtig ist im karmischen Zusammenhang, daß Schubert so arm war, wie es eben aus diesen Verhältnissen hervorging, wichtig ist, daß Schubert sonst sich nicht rühren konnte. Er lebte natürlich dadurch, daß er arm war, auch in eingeschränkten gesellschaftlichen Verhältnissen; er hatte nicht Gelegenheit, immer solch einen Tischnachbarn zu haben, so daß sich die Vulkanität nicht immer ausleben konnte.

[ 28 ] Ja, sehen Sie, wichtig ist für dieses Leben, daß wir es zu tun haben mit einem Mann, dessen Freund Finanzbeamter, sogar Lotterie-Direktor ist, daß er mit diesem im Leben karmisch zusammengeführt wird. Wichtig ist im karmischen Zusammenhang, daß Schubert so arm war, wie es eben aus diesen Verhältnissen hervorging, wichtig ist, daß Schubert sonst sich nicht rühren konnte. Er lebte natürlich dadurch, daß er arm war, auch in eingeschränkten gesellschaftlichen Verhältnissen; er hatte nicht Gelegenheit, immer solch einen Tischnachbarn zu haben, so daß sich die Vulkanität nicht immer ausleben konnte.

[ 29 ] Aber wenn man sich das, was da eigentlich geschah, richtig vorstellt, und doch wiederum die Stammeseigentümlichkeit kennt, aus der Schubert hervorgewachsen ist, so kann man sich schon die Frage vorlegen — solche negativen Dinge sind ja natürlich bedeutungslos, aber sie klären manchmal auf —, so kann man sich doch eben die Frage vorlegen: Wenn die Verhältnisse anders gewesen wären — natürlich konnten sie nicht anders gewesen sein, aber ich meine, man kann sich zur Klärung die Sache so vorlegen —, wenn Schubert nicht Gelegenheit gehabt hätte, dasjenige, was an musikalischer Begabung in ihm war, aus sich herauszutreiben, wenn er nicht diesen hingebungsvollen Spaun als Freund gefunden hätte, hätte er nicht auch ein Raufbold werden können in einer untergeordneten Stellung? Man kann schon die Frage aufwerfen: Lag das nicht als Anlage in ihm, was da in einer so vulkanischen Weise an jenem Abend im Bürgerstübl zum Ausdruck gekommen ist? Und das menschliche Leben ist nicht durchsichtig, wenn man sich nicht die Frage beantworten kann: Wie geschieht da eigentlich die Metamorphose, daß man in einem Leben karmisch die Rauflust nicht auslebt, sondern ein feiner Musiker wird und sich die Rauflust in feine musikalische Phantasie verwandelt?

[ 29 ] Aber wenn man sich das, was da eigentlich geschah, richtig vorstellt, und doch wiederum die Stammeseigentümlichkeit kennt, aus der Schubert hervorgewachsen ist, so kann man sich schon die Frage vorlegen — solche negativen Dinge sind ja natürlich bedeutungslos, aber sie klären manchmal auf —, so kann man sich doch eben die Frage vorlegen: Wenn die Verhältnisse anders gewesen wären — natürlich konnten sie nicht anders gewesen sein, aber ich meine, man kann sich zur Klärung die Sache so vorlegen —, wenn Schubert nicht Gelegenheit gehabt hätte, dasjenige, was an musikalischer Begabung in ihm war, aus sich herauszutreiben, wenn er nicht diesen hingebungsvollen Spaun als Freund gefunden hätte, hätte er nicht auch ein Raufbold werden können in einer untergeordneten Stellung? Man kann schon die Frage aufwerfen: Lag das nicht als Anlage in ihm, was da in einer so vulkanischen Weise an jenem Abend im Bürgerstübl zum Ausdruck gekommen ist? Und das menschliche Leben ist nicht durchsichtig, wenn man sich nicht die Frage beantworten kann: Wie geschieht da eigentlich die Metamorphose, daß man in einem Leben karmisch die Rauflust nicht auslebt, sondern ein feiner Musiker wird und sich die Rauflust in feine musikalische Phantasie verwandelt?

[ 30 ] Es klingt paradox, es klingt grotesk, aber es ist eine Frage, die, wenn man das Leben in größerem Maße betrachtet, durchaus aufgeworfen werden muß, denn aus der Betrachtung von solchen Dingen entstehen eigentlich erst die tieferen Karma-Fragen.

[ 30 ] Es klingt paradox, es klingt grotesk, aber es ist eine Frage, die, wenn man das Leben in größerem Maße betrachtet, durchaus aufgeworfen werden muß, denn aus der Betrachtung von solchen Dingen entstehen eigentlich erst die tieferen Karma-Fragen.



[ 31 ] Eine dritte Persönlichkeit, die ich betrachten will, ist der vielgehaßte und von einer kleinen Gemeinde auch geliebte Eugen Dühring. Auch mit diesem Charakter habe ich mich karmagemäß beschäftigt und möchte auch da zunächst sozusagen die biographischen Materialien geben.

[ 31 ] Eine dritte Persönlichkeit, die ich betrachten will, ist der vielgehaßte und von einer kleinen Gemeinde auch geliebte Eugen Dühring. Auch mit diesem Charakter habe ich mich karmagemäß beschäftigt und möchte auch da zunächst sozusagen die biographischen Materialien geben.

[ 32 ] Eugen Dühring war ein außerordentlich begabter Mensch, der in seiner Jugend eine ganze Reihe von Wissenschaften aufnahm, namentlich von der mathematischen Seite her, aber auch sonst eine ganze Reihe von Wissenschaften, Nationalökonomie, Philosophie, Mechanik, Physik und so weiter.

[ 32 ] Eugen Dühring war ein außerordentlich begabter Mensch, der in seiner Jugend eine ganze Reihe von Wissenschaften aufnahm, namentlich von der mathematischen Seite her, aber auch sonst eine ganze Reihe von Wissenschaften, Nationalökonomie, Philosophie, Mechanik, Physik und so weiter.

[ 33 ] Eugen Dühring hat mit einer interessanten Abhandlung schon seinen Doktor gemacht und dann in einem Buch, das längst vergriffen ist, auch über diesen Gegenstand eigentlich recht klar, vor allen Dingen eindringlich geschrieben. Ich möchte, trotzdem die Sache fast schon so schwierig ist wie die Relativitätstheorie — aber schließlich, über die Relativitätstheorie haben ja auch eine Zeitlang alle Leute geredet, die nichts davon verstanden haben, und sie haben sie doch großartig gefunden und finden sie heute noch so —, ich möchte, trotzdem es schwierig ist, in einer Weise, wie man es vielleicht verstehen kann, über diese Gedanken der Erstlingswerke von Dühring einiges sagen.

[ 33 ] Eugen Dühring hat mit einer interessanten Abhandlung schon seinen Doktor gemacht und dann in einem Buch, das längst vergriffen ist, auch über diesen Gegenstand eigentlich recht klar, vor allen Dingen eindringlich geschrieben. Ich möchte, trotzdem die Sache fast schon so schwierig ist wie die Relativitätstheorie — aber schließlich, über die Relativitätstheorie haben ja auch eine Zeitlang alle Leute geredet, die nichts davon verstanden haben, und sie haben sie doch großartig gefunden und finden sie heute noch so —, ich möchte, trotzdem es schwierig ist, in einer Weise, wie man es vielleicht verstehen kann, über diese Gedanken der Erstlingswerke von Dühring einiges sagen.

[ 34 ] Sehen Sie, da handelt es sich darum, daß gewöhnlich die Leute sich vorstellen: Da ist der Raum, der ist unendlich, und der Raum ist angefüllt mit Materie. Die Materie hat kleinste Teile. Ihre Zahl ist auch unendlich groß. Unendlich viele kleinste Teile der Materie sind im Weltenraum geballt, irgendwie zusammenkristallisiert und dergleichen. Da ist die unendliche Zeit. Die Welt hat gar nicht einen Anfang genommen; man kann auch nicht sagen, daß sie ein Ende nehmen werde.

[ 34 ] Sehen Sie, da handelt es sich darum, daß gewöhnlich die Leute sich vorstellen: Da ist der Raum, der ist unendlich, und der Raum ist angefüllt mit Materie. Die Materie hat kleinste Teile. Ihre Zahl ist auch unendlich groß. Unendlich viele kleinste Teile der Materie sind im Weltenraum geballt, irgendwie zusammenkristallisiert und dergleichen. Da ist die unendliche Zeit. Die Welt hat gar nicht einen Anfang genommen; man kann auch nicht sagen, daß sie ein Ende nehmen werde.

[ 35 ] Diese unbestimmten Unendlichkeitsbegriffe, die hatten es dem jungen Dühring angetan, und er sprach wirklich recht scharfsinnig darüber, daß dieses Reden über Unendlichkeitsbegriffe eigentlich gar keine Bedeutung habe, daß, wenn man auch von einer noch so großen Anzahl zum Beispiel von Weltenatomen oder Weltenmolekülen sprechen müsse, es aber doch eine abzählbare bestimmte Zahl sein müsse. Wenn der Weltenraum noch so groß vorgestellt wird, so muß er eine abmeßbare Größe sein, ebenso muß die Weltenzeit eine abmeßbare Größe sein, was, wie gesagt, mit großem Scharfsinn dargestellt wurde.

[ 35 ] Diese unbestimmten Unendlichkeitsbegriffe, die hatten es dem jungen Dühring angetan, und er sprach wirklich recht scharfsinnig darüber, daß dieses Reden über Unendlichkeitsbegriffe eigentlich gar keine Bedeutung habe, daß, wenn man auch von einer noch so großen Anzahl zum Beispiel von Weltenatomen oder Weltenmolekülen sprechen müsse, es aber doch eine abzählbare bestimmte Zahl sein müsse. Wenn der Weltenraum noch so groß vorgestellt wird, so muß er eine abmeßbare Größe sein, ebenso muß die Weltenzeit eine abmeßbare Größe sein, was, wie gesagt, mit großem Scharfsinn dargestellt wurde.

[ 36 ] Dem liegt etwas Psychologisches zugrunde. Dühring wollte überall klares Denken haben, und in den Unendlichkeitsbegriffen steckt ja im Grunde genommen heute noch nirgends klares Denken drinnen. Dann hat Dühring das ausgedehnt auf andere Betrachtungen, zum Beispiel auf die sogenannten negativen Größen, zum Beispiel wenn man Vermögen hat, von negativen Größen, die man mit einem Minuszeichen belegt. Man unterscheidet dann die Zahlenreihen: Null, nach der einen Richtung plus eins usw., nach der anderen Richtung minus eins usw.

[ 36 ] Dem liegt etwas Psychologisches zugrunde. Dühring wollte überall klares Denken haben, und in den Unendlichkeitsbegriffen steckt ja im Grunde genommen heute noch nirgends klares Denken drinnen. Dann hat Dühring das ausgedehnt auf andere Betrachtungen, zum Beispiel auf die sogenannten negativen Größen, zum Beispiel wenn man Vermögen hat, von negativen Größen, die man mit einem Minuszeichen belegt. Man unterscheidet dann die Zahlenreihen: Null, nach der einen Richtung plus eins usw., nach der anderen Richtung minus eins usw.

[ 37 ] Dühring hat nun die Anschauung vertreten: Das ganze Schwätzen von Minuszahlen ist eigentlich ein Unsinn. Was bedeutet ein Negativ, eine Minuszahl? Er sagt: Habe ich fünf und ziehe eins ab, so bekomme ich vier; habe ich fünf und ziehe zwei ab, so bekomme ich drei; habe ich fünf und ziehe drei ab, so bekomme ich zwei; habe ich fünf und ziehe vier ab, so bekomme ich eins; habe ich fünf und ziehe fünf ab, so bekomme ich null. Nun sagen die Anhänger der negativen Größe: Habe ich fünf und ziehe sechs ab, habe ich minus eins; habe ich fünf und ziehe sieben ab, habe ich minus zwei.

[ 37 ] Dühring hat nun die Anschauung vertreten: Das ganze Schwätzen von Minuszahlen ist eigentlich ein Unsinn. Was bedeutet ein Negativ, eine Minuszahl? Er sagt: Habe ich fünf und ziehe eins ab, so bekomme ich vier; habe ich fünf und ziehe zwei ab, so bekomme ich drei; habe ich fünf und ziehe drei ab, so bekomme ich zwei; habe ich fünf und ziehe vier ab, so bekomme ich eins; habe ich fünf und ziehe fünf ab, so bekomme ich null. Nun sagen die Anhänger der negativen Größe: Habe ich fünf und ziehe sechs ab, habe ich minus eins; habe ich fünf und ziehe sieben ab, habe ich minus zwei.

[ 38 ] Dühring sagt: Das ist eine unklare Denkungsweise, da liegt kein klarer Gedanke drinnen! Was bedeutet «minus eins»? Das bedeutet, ich soll sechs von fünf abziehen; aber da habe ich um eins zu wenig. Was bedeutet minus zwei? Ich soll von fünf sieben abziehen; da habe ich um zwei zu wenig. Was bedeutet minus drei? Ich soll acht von fünf abziehen; da habe ich um drei zu wenig. Die negativen Zahlen sind also gar nicht andere Zahlen als die positiven Zahlen. Sie bedeuten nur immer, daß ich beim Subtrahieren um eine bestimmte Zahl zu wenig habe. — Das hat dann Dühring auf die mannigfaltigsten mathematischen Begriffe ausgedehnt.

[ 38 ] Dühring sagt: Das ist eine unklare Denkungsweise, da liegt kein klarer Gedanke drinnen! Was bedeutet «minus eins»? Das bedeutet, ich soll sechs von fünf abziehen; aber da habe ich um eins zu wenig. Was bedeutet minus zwei? Ich soll von fünf sieben abziehen; da habe ich um zwei zu wenig. Was bedeutet minus drei? Ich soll acht von fünf abziehen; da habe ich um drei zu wenig. Die negativen Zahlen sind also gar nicht andere Zahlen als die positiven Zahlen. Sie bedeuten nur immer, daß ich beim Subtrahieren um eine bestimmte Zahl zu wenig habe. — Das hat dann Dühring auf die mannigfaltigsten mathematischen Begriffe ausgedehnt.

[ 39 ] Ich weiß selbst, daß als junger Mann dieses auf mich einen ungeheuer starken Eindruck gemacht hat, weil wirklich verstandesmäßige Klarheit über diese Dinge bei Dühring ausgegossen war.

[ 39 ] Ich weiß selbst, daß als junger Mann dieses auf mich einen ungeheuer starken Eindruck gemacht hat, weil wirklich verstandesmäßige Klarheit über diese Dinge bei Dühring ausgegossen war.

[ 40 ] In einer ebensolchen verstandesmäßigen Schärfe ging er in der Nationalökonomie vor, ging er in der Philosophiegeschichte zum Beispiel vor. Und er wurde Dozent an der Berliner Universität; da hielt er Vorlesungen im besuchtesten Hörsal und über die mannigfaltigsten Gegenstände, über Nationalökonomie, Philosophie, Mathematik.

[ 40 ] In einer ebensolchen verstandesmäßigen Schärfe ging er in der Nationalökonomie vor, ging er in der Philosophiegeschichte zum Beispiel vor. Und er wurde Dozent an der Berliner Universität; da hielt er Vorlesungen im besuchtesten Hörsal und über die mannigfaltigsten Gegenstände, über Nationalökonomie, Philosophie, Mathematik.

[ 41 ] Nun trat der Fall ein, daß von der Göttinger Akademie der Wissenschaften ein Preis ausgeschrieben war auf das beste Buch über die Geschichte der Mechanik. — Bei einem solchen Preisausschreiben ist es üblich, daß die Werke derer, die sich um den Preis bewerben, eingeschickt werden so, daß man den Verfasser nicht kennt, sondern daß ein Motto gewählt wird, das auf dem Kuvert steht. Der Name des Verfassers ist darin verschlossen; dann wird ein Motto draufgeschrieben. Das steht dann oben und die Preisrichter kennen nicht den Verfasser.

[ 41 ] Nun trat der Fall ein, daß von der Göttinger Akademie der Wissenschaften ein Preis ausgeschrieben war auf das beste Buch über die Geschichte der Mechanik. — Bei einem solchen Preisausschreiben ist es üblich, daß die Werke derer, die sich um den Preis bewerben, eingeschickt werden so, daß man den Verfasser nicht kennt, sondern daß ein Motto gewählt wird, das auf dem Kuvert steht. Der Name des Verfassers ist darin verschlossen; dann wird ein Motto draufgeschrieben. Das steht dann oben und die Preisrichter kennen nicht den Verfasser.

[ 42 ] Nun, die Göttinger Akademie der Wissenschaften hat den Preis für die Geschichte der Mechanik von Eugen Dühring erteilt, hat sogar ein außerordentlich anerkennendes Schreiben dem Verfasser zugehen lassen. Damit also war Eugen Dühring nicht nur vor seiner Zuhörerschaft als ein tüchtiger Dozent erklärt, sondern er war auch von einer im eminentesten Sinne gelehrten Körperschaft anerkannt.

[ 42 ] Nun, die Göttinger Akademie der Wissenschaften hat den Preis für die Geschichte der Mechanik von Eugen Dühring erteilt, hat sogar ein außerordentlich anerkennendes Schreiben dem Verfasser zugehen lassen. Damit also war Eugen Dühring nicht nur vor seiner Zuhörerschaft als ein tüchtiger Dozent erklärt, sondern er war auch von einer im eminentesten Sinne gelehrten Körperschaft anerkannt.

[ 43 ] Dieser selbe Dühring hat neben all den Talenten, die Ihnen ja schon anschaulich sind aus dem, was ich Ihnen nun erzählt habe, auch — man kann schon nicht anders sagen — eine böse Zunge gehabt. Er hatte etwas von bösartigem Kritikaster auf alle Dinge der Welt in sich. In dieser Beziehung hat er sich dann eigentlich immer weniger und weniger Zurückhaltung auferlegt. Und als er von einer so gelehrten Körperschaft wie der Göttinger Akademie der Wissenschaften preisgekrönt war, da stachelte ihn das doch sehr. Es war ja eine natürliche Anlage, aber es stachelte. Und da fing er an, wirklich zwei Dinge miteinander zu verbinden: einen außerordentlich starken Gerechtigkeitssinn, der ist ihm nicht abzusprechen, aber auf der anderen Seite — man bekommt so die Neigung dann, in den Wortbildungen der Leute zu reden, die man schildert — bekam er einen außerordentlich starken schimpfiererischen Sinn. Er schimpfte schrecklich. Er wurde ein «Schimpfierer».

[ 43 ] Dieser selbe Dühring hat neben all den Talenten, die Ihnen ja schon anschaulich sind aus dem, was ich Ihnen nun erzählt habe, auch — man kann schon nicht anders sagen — eine böse Zunge gehabt. Er hatte etwas von bösartigem Kritikaster auf alle Dinge der Welt in sich. In dieser Beziehung hat er sich dann eigentlich immer weniger und weniger Zurückhaltung auferlegt. Und als er von einer so gelehrten Körperschaft wie der Göttinger Akademie der Wissenschaften preisgekrönt war, da stachelte ihn das doch sehr. Es war ja eine natürliche Anlage, aber es stachelte. Und da fing er an, wirklich zwei Dinge miteinander zu verbinden: einen außerordentlich starken Gerechtigkeitssinn, der ist ihm nicht abzusprechen, aber auf der anderen Seite — man bekommt so die Neigung dann, in den Wortbildungen der Leute zu reden, die man schildert — bekam er einen außerordentlich starken schimpfiererischen Sinn. Er schimpfte schrecklich. Er wurde ein «Schimpfierer».

[ 44 ] Nun hatte er auch das Unglück, gerade in der Zeit, als es ihn so stachelte im Schimpfieren, blind zu werden. Er hat noch als blinder Dozent in Berlin vorgetragen. Er erblindete vollständig. Das hat ihn niemals irgendwie abgehalten, seinen ganzen Mann zu stellen. Er fuhr in seiner Tätigkeit als Schriftsteller fort und konnte sich seine Dinge immer selbst besorgen — bis zu einem gewissen Grade natürlich —, trotzdem er vollständig erblindet war. Aber zunächst machte er da die Bekanntschaft mit einem wirklich tragischen Schicksal in der Gelehrtengeschichte des 19. Jahrhunderts: mit dem Schicksal von Julius Robert Mayer, dem eigentlichen Entdecker des mechanischen Wärme-Äquivalents, der ja, wie man durchaus behaupten kann, unschuldigerweise ins Irrenhaus gesperrt, in die Zwangsjacke gesteckt worden ist, schrecklich behandelt worden ist von Familie, Kollegen und «Freunden». Dühring schrieb dann seine Schrift: «Robert Mayer, der Galilei des neunzehnten Jahrhunderts.» Es war wirklich eine Art Galilei-Schicksal in diesem Julius Robert Mayer.

[ 44 ] Nun hatte er auch das Unglück, gerade in der Zeit, als es ihn so stachelte im Schimpfieren, blind zu werden. Er hat noch als blinder Dozent in Berlin vorgetragen. Er erblindete vollständig. Das hat ihn niemals irgendwie abgehalten, seinen ganzen Mann zu stellen. Er fuhr in seiner Tätigkeit als Schriftsteller fort und konnte sich seine Dinge immer selbst besorgen — bis zu einem gewissen Grade natürlich —, trotzdem er vollständig erblindet war. Aber zunächst machte er da die Bekanntschaft mit einem wirklich tragischen Schicksal in der Gelehrtengeschichte des 19. Jahrhunderts: mit dem Schicksal von Julius Robert Mayer, dem eigentlichen Entdecker des mechanischen Wärme-Äquivalents, der ja, wie man durchaus behaupten kann, unschuldigerweise ins Irrenhaus gesperrt, in die Zwangsjacke gesteckt worden ist, schrecklich behandelt worden ist von Familie, Kollegen und «Freunden». Dühring schrieb dann seine Schrift: «Robert Mayer, der Galilei des neunzehnten Jahrhunderts.» Es war wirklich eine Art Galilei-Schicksal in diesem Julius Robert Mayer.

[ 45 ] Das schrieb Dühring auf der einen Seite mit einer außerordentlich großen Sachkenntnis, mit einem wirklich tiefgehenden Gerechtigkeitssinn, aber auch mit einem Dreinhauen wie mit Dreschflegeln in alles dasjenige, was da an Schäden auftrat. Die Zunge ging immer mit ihm durch. So zum Beispiel, als er hörte und las von der Errichtung des ja vielen von Ihnen bekannten Julius Robert Mayer-Denkmals in Heilbronn, von der Enthüllungsfeier: Dieses Puppenbild, das da auf dem Heilbronner Marktplatz steht, das ist etwas, was man als eine letzte Schmach diesem Galilei des 19. Jahrhunderts angetan hat. Da sitzt der große Mann mit übergeschlagenen Beinen. Wenn man ihn wirklich darstellen wollte in der Verfassung, wie er wahrscheinlich gewesen wäre, wenn er hätte hinschauen können auf den Festredner und auf all die guten Freunde, die da unten ihm dieses Denkmal errichtet haben, so müßte man ihn darstellen nicht mit übergeschlagenen Beinen, sondern mit den Händen über dem Kopf zusammengeschlagen!

[ 45 ] Das schrieb Dühring auf der einen Seite mit einer außerordentlich großen Sachkenntnis, mit einem wirklich tiefgehenden Gerechtigkeitssinn, aber auch mit einem Dreinhauen wie mit Dreschflegeln in alles dasjenige, was da an Schäden auftrat. Die Zunge ging immer mit ihm durch. So zum Beispiel, als er hörte und las von der Errichtung des ja vielen von Ihnen bekannten Julius Robert Mayer-Denkmals in Heilbronn, von der Enthüllungsfeier: Dieses Puppenbild, das da auf dem Heilbronner Marktplatz steht, das ist etwas, was man als eine letzte Schmach diesem Galilei des 19. Jahrhunderts angetan hat. Da sitzt der große Mann mit übergeschlagenen Beinen. Wenn man ihn wirklich darstellen wollte in der Verfassung, wie er wahrscheinlich gewesen wäre, wenn er hätte hinschauen können auf den Festredner und auf all die guten Freunde, die da unten ihm dieses Denkmal errichtet haben, so müßte man ihn darstellen nicht mit übergeschlagenen Beinen, sondern mit den Händen über dem Kopf zusammengeschlagen!

[ 46 ] Da er sehr viel Leid durch Zeitungen erfahren hatte, wurde er auch wütender Antisemit. Und da war er auch wieder konsequent. Er hat zum Beispiel das Schriftchen geschrieben: «Die Überschätzung Lessings und dessen Anwaltschaft für die Juden», in dem über Lessing mordsmäßig geschimpft wird! Aber davon ist dann überhaupt seine besondere Art von Literaturbetrachtung ausgegangen.

[ 46 ] Da er sehr viel Leid durch Zeitungen erfahren hatte, wurde er auch wütender Antisemit. Und da war er auch wieder konsequent. Er hat zum Beispiel das Schriftchen geschrieben: «Die Überschätzung Lessings und dessen Anwaltschaft für die Juden», in dem über Lessing mordsmäßig geschimpft wird! Aber davon ist dann überhaupt seine besondere Art von Literaturbetrachtung ausgegangen.

[ 47 ] Wenn Sie sich einmal die Güte antun wollen, meine lieben Freunde, etwas über deutsche Literatur zu lesen, das Sie sonst nicht lesen können, das ganz anders ist als die sonstigen Abhandlungen über deutsche Literatur, dann lesen Sie die Dühringschen zwei Bände: «Die Größen der modernen Literatur.» Da ist dasjenige, was in Dühring war, diese streng mathematische Denkweise, diese Verstandesschärfe auf die schöne Literatur angewendet. Und da hat er nötig, um die Art zu zeigen, wie er anders denkt als andere Leute, da hat er nötig, sogar umzutaufen die Größen des deutschen Geisteslebens. Er spricht zum Beispiel in einem Kapitel von Kothe und Schillerer, was in der Dühtingschen Sprache heißt: Goethe und Schiller. Dühring schreibt Kothe und Schillerer und hält das fest durch die ganzen Abhandlungen durch. Er ist manchmal in seinen Erfindungen in Wortbildungen grotesk. Intellektuaille — so zum Beispiel schreibt er immer von Leuten, die intellektualistisch sind. Die Intellektuaille — Verwandtschaft zu Kanaille — ähnliche Wortbildungen hat er immer. Nun, manches ist außerordentlich interessant.

[ 47 ] Wenn Sie sich einmal die Güte antun wollen, meine lieben Freunde, etwas über deutsche Literatur zu lesen, das Sie sonst nicht lesen können, das ganz anders ist als die sonstigen Abhandlungen über deutsche Literatur, dann lesen Sie die Dühringschen zwei Bände: «Die Größen der modernen Literatur.» Da ist dasjenige, was in Dühring war, diese streng mathematische Denkweise, diese Verstandesschärfe auf die schöne Literatur angewendet. Und da hat er nötig, um die Art zu zeigen, wie er anders denkt als andere Leute, da hat er nötig, sogar umzutaufen die Größen des deutschen Geisteslebens. Er spricht zum Beispiel in einem Kapitel von Kothe und Schillerer, was in der Dühtingschen Sprache heißt: Goethe und Schiller. Dühring schreibt Kothe und Schillerer und hält das fest durch die ganzen Abhandlungen durch. Er ist manchmal in seinen Erfindungen in Wortbildungen grotesk. Intellektuaille — so zum Beispiel schreibt er immer von Leuten, die intellektualistisch sind. Die Intellektuaille — Verwandtschaft zu Kanaille — ähnliche Wortbildungen hat er immer. Nun, manches ist außerordentlich interessant.

[ 48 ] Sehen Sie, mir passierte zum Beispiel einmal folgendes. Ich hatte mit noch ungedruckten Schriften von Nietzsche zu tun, bekam da in die Hand die ja jetzt längst gedruckte Schrift über die Wiederkehr des Gleichen. Die Nietzscheschen Manuskripte sind nicht sehr deutlich zu lesen, da kam ich denn an so eine Stelle, und sagte mir: Diese Wiederkunft des Gleichen bei Nietzsche hat eine merkwürdige Abstammung! Nun, gehen wir jetzt vom Nietzsche-Archiv, wo seine Hefte drinnen liegen — ich war dazumal befreundet mit Frau Elisabeth Förster-Nietzsche —, gehen wir jetzt einmal mit dieser Handschrift und suchen wir in der Bibliothek, schlagen wir die Wirklichkeitsphilosophie des Dühring auf, da werden wir die Wiederkehr des Gleichen finden! Denn Nietzsche hat sehr viele Ideen als «Gegenideen» geprägt. Ich konnte es sehr rasch nachschlagen. Ich nahm die Wirklichkeitsphilosophie heraus, die in der Nietzsche-Bibliothek vorhanden war, schlug auf: Auf der betreffenden Seite fand sich die Stelle — ich kannte sie, fand sie daher gleich —: daß es unmöglich sei, aus einer wirklichen, sachgemäßen Erkenntnis der materiellen Tatsachen der Welt von einer Wiederkehr der Dinge, der Konstellationen, die schon einmal da waren, zu sprechen!

[ 48 ] Sehen Sie, mir passierte zum Beispiel einmal folgendes. Ich hatte mit noch ungedruckten Schriften von Nietzsche zu tun, bekam da in die Hand die ja jetzt längst gedruckte Schrift über die Wiederkehr des Gleichen. Die Nietzscheschen Manuskripte sind nicht sehr deutlich zu lesen, da kam ich denn an so eine Stelle, und sagte mir: Diese Wiederkunft des Gleichen bei Nietzsche hat eine merkwürdige Abstammung! Nun, gehen wir jetzt vom Nietzsche-Archiv, wo seine Hefte drinnen liegen — ich war dazumal befreundet mit Frau Elisabeth Förster-Nietzsche —, gehen wir jetzt einmal mit dieser Handschrift und suchen wir in der Bibliothek, schlagen wir die Wirklichkeitsphilosophie des Dühring auf, da werden wir die Wiederkehr des Gleichen finden! Denn Nietzsche hat sehr viele Ideen als «Gegenideen» geprägt. Ich konnte es sehr rasch nachschlagen. Ich nahm die Wirklichkeitsphilosophie heraus, die in der Nietzsche-Bibliothek vorhanden war, schlug auf: Auf der betreffenden Seite fand sich die Stelle — ich kannte sie, fand sie daher gleich —: daß es unmöglich sei, aus einer wirklichen, sachgemäßen Erkenntnis der materiellen Tatsachen der Welt von einer Wiederkehr der Dinge, der Konstellationen, die schon einmal da waren, zu sprechen!

[ 49 ] Dühring versuchte die Unmöglichkeit der Wiederkehr des Gleichen zu beweisen. An der Stelle, wo Dühring das ausführt, da steht auf der Seite ein Wort, das Nietzsche oftmals an den Rand der Schriften hingeschrieben hat, die er so benutzt hat, daß er die Gegenidee gebildet hat: Esel.

[ 49 ] Dühring versuchte die Unmöglichkeit der Wiederkehr des Gleichen zu beweisen. An der Stelle, wo Dühring das ausführt, da steht auf der Seite ein Wort, das Nietzsche oftmals an den Rand der Schriften hingeschrieben hat, die er so benutzt hat, daß er die Gegenidee gebildet hat: Esel.

[ 50 ] Diese Einzeichnung fand sich auch auf dieser Seite. Und man kann eben tatsächlich gerade bei Dühring manches finden, was dann in Nietzsches Ideen übergegangen ist, allerdings in genialer Weise. Ich werde damit nicht irgend etwas gegen Nietzsche einwenden, aber die Dinge liegen eben so.

[ 50 ] Diese Einzeichnung fand sich auch auf dieser Seite. Und man kann eben tatsächlich gerade bei Dühring manches finden, was dann in Nietzsches Ideen übergegangen ist, allerdings in genialer Weise. Ich werde damit nicht irgend etwas gegen Nietzsche einwenden, aber die Dinge liegen eben so.

[ 51 ] Nun ist das Auffällige bei Dühring in karmischer Beziehung, daß er eigentlich nur mathematisch zu denken vermag. Er denkt in der Philosophie, in der Nationalökonomie, er denkt in der Mathematik selber mathematisch, aber mathematisch scharf und klar. Er denkt auch in der Naturwissenschaft scharf und klar, aber mathematisch. Er ist nicht Materialist, aber er ist mechanistischer Denker, er denkt die Welt unter dem Schema des Mechanismus. Und er hatte den Mut, das, was ehrlich ist bei einem solchen Denken, wirklich auch in seinen Konsequenzen zu verfolgen. Denn eigentlich ist es richtig: Wer so denkt, der kann über Goethe und Schiller nicht anders schreiben, wenn man von der Schimpfiererei absieht und das Sachliche nimmt.

[ 51 ] Nun ist das Auffällige bei Dühring in karmischer Beziehung, daß er eigentlich nur mathematisch zu denken vermag. Er denkt in der Philosophie, in der Nationalökonomie, er denkt in der Mathematik selber mathematisch, aber mathematisch scharf und klar. Er denkt auch in der Naturwissenschaft scharf und klar, aber mathematisch. Er ist nicht Materialist, aber er ist mechanistischer Denker, er denkt die Welt unter dem Schema des Mechanismus. Und er hatte den Mut, das, was ehrlich ist bei einem solchen Denken, wirklich auch in seinen Konsequenzen zu verfolgen. Denn eigentlich ist es richtig: Wer so denkt, der kann über Goethe und Schiller nicht anders schreiben, wenn man von der Schimpfiererei absieht und das Sachliche nimmt.

[ 52 ] Das ist also die besondere Anlage seines Denkens. Dabei frühzeitig erblindet, auch persönlich ziemlich ungerecht behandelt. Er ist ja von der Berliner Universität entfernt worden. Nun, Gründe gab es natürlich. Zum Beispiel als die zweite Auflage seiner «Kritischen Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik» erschienen ist, da hat er sich nicht mehr zurückgehalten. Die erste Auflage war ja ganz zahm in der Behandlung der Größen der Mechanik, so daß jemand sagte: Er hat eben da so geschrieben, wie er sich denken konnte, daß es von einer gelehrten Körperschaft doch prämiiert werden kann! Aber als die zweite Auflage erschien, da hat er sich nicht mehr zurückgehalten, da war es ja schon prämiiert: da hat er ergänzt! Nun hat jemand gesagt — Dühring hat das oftmals wiederholt —: die Göttinger Akademie hätte die Klauen prämiiert, ohne den zugehörigen Löwen zu kennen! Aber der Löwe ist dann eben zum Vorschein gekommen, als die zweite Auflage erschien.

[ 52 ] Das ist also die besondere Anlage seines Denkens. Dabei frühzeitig erblindet, auch persönlich ziemlich ungerecht behandelt. Er ist ja von der Berliner Universität entfernt worden. Nun, Gründe gab es natürlich. Zum Beispiel als die zweite Auflage seiner «Kritischen Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik» erschienen ist, da hat er sich nicht mehr zurückgehalten. Die erste Auflage war ja ganz zahm in der Behandlung der Größen der Mechanik, so daß jemand sagte: Er hat eben da so geschrieben, wie er sich denken konnte, daß es von einer gelehrten Körperschaft doch prämiiert werden kann! Aber als die zweite Auflage erschien, da hat er sich nicht mehr zurückgehalten, da war es ja schon prämiiert: da hat er ergänzt! Nun hat jemand gesagt — Dühring hat das oftmals wiederholt —: die Göttinger Akademie hätte die Klauen prämiiert, ohne den zugehörigen Löwen zu kennen! Aber der Löwe ist dann eben zum Vorschein gekommen, als die zweite Auflage erschien.

[ 53 ] Da waren schon merkwürdige Sachen drinnen. Gerade zum Beispiel in Anknüpfung an Julius Robert Mayer, sein Galilei-Schicksal im 19. Jahrhundert, über das er so recht entrüstet war, nannte er jemand, den er für einen Plagiator von Julius Robert Mayer hielt — nämlich Hermann Helmholtz —, ein Universitätsgestell, ein hölzernes Universitätsgestell! Er hat dann später das noch erweitert, eine Zeitung herausgegeben: «Der Personalist.» Da waren die Dinge sehr stark persönlich gefärbt. So zum Beispiel findet sich da eine Erweiterung der Stelle über Helmholtz. Da redet er nicht nur über das «Universitätsgestell»; sondern, da sich herausgestellt hatte, als die Leiche seziert worden ist, daß Helmholtz Wasser im Kopfe hatte, da sagte er: Aber der Hohlkopf war schon bemerkbar, als der Mann noch gelebt hat; das brauchte nicht erst nach dem Tode konstatiert zu werden.

[ 53 ] Da waren schon merkwürdige Sachen drinnen. Gerade zum Beispiel in Anknüpfung an Julius Robert Mayer, sein Galilei-Schicksal im 19. Jahrhundert, über das er so recht entrüstet war, nannte er jemand, den er für einen Plagiator von Julius Robert Mayer hielt — nämlich Hermann Helmholtz —, ein Universitätsgestell, ein hölzernes Universitätsgestell! Er hat dann später das noch erweitert, eine Zeitung herausgegeben: «Der Personalist.» Da waren die Dinge sehr stark persönlich gefärbt. So zum Beispiel findet sich da eine Erweiterung der Stelle über Helmholtz. Da redet er nicht nur über das «Universitätsgestell»; sondern, da sich herausgestellt hatte, als die Leiche seziert worden ist, daß Helmholtz Wasser im Kopfe hatte, da sagte er: Aber der Hohlkopf war schon bemerkbar, als der Mann noch gelebt hat; das brauchte nicht erst nach dem Tode konstatiert zu werden.

[ 54 ] Fein war Dühring ja nicht. Man kann nicht sagen, er schimpfte wie ein Waschweib, denn es hat nichts Philiströses, wie er schimpft, genial ist es schon auch nicht; aber es ist halt nicht mehr geschimpft: es ist schimpfiert. Es ist etwas ganz Eigenartiges.

[ 54 ] Fein war Dühring ja nicht. Man kann nicht sagen, er schimpfte wie ein Waschweib, denn es hat nichts Philiströses, wie er schimpft, genial ist es schon auch nicht; aber es ist halt nicht mehr geschimpft: es ist schimpfiert. Es ist etwas ganz Eigenartiges.

[ 55 ] Nun, die Blindheit, diese ganze mechanistische Denkanlage, das Verfolgtwerden — denn er wurde ja verfolgt, er wurde aus der Universität verwiesen, und dabei kamen schon Ungerechtigkeiten vor, wie überhaupt unzählige Ungerechtigkeiten in seinem Leben an ihm verübt worden sind —, das alles sind Schicksalszusammenhänge bei einem Menschen, die erst recht interessant werden, wenn man sie karmisch betrachtet.

[ 55 ] Nun, die Blindheit, diese ganze mechanistische Denkanlage, das Verfolgtwerden — denn er wurde ja verfolgt, er wurde aus der Universität verwiesen, und dabei kamen schon Ungerechtigkeiten vor, wie überhaupt unzählige Ungerechtigkeiten in seinem Leben an ihm verübt worden sind —, das alles sind Schicksalszusammenhänge bei einem Menschen, die erst recht interessant werden, wenn man sie karmisch betrachtet.

[ 56 ] Nun habe ich Ihnen diese drei Persönlichkeiten hingestellt: Friedrich Theodor Vischer; den Liederkomponisten Schubert und Eugen Dühring, und werde dann morgen Ihnen dasjenige, wofür ich Ihnen heute die Materialien geben wollte, karmisch schildern, das heißt, darauf zurückführen, wie die Dinge eigentlich in ihrem karmischen Zusammenhange liegen.

[ 56 ] Nun habe ich Ihnen diese drei Persönlichkeiten hingestellt: Friedrich Theodor Vischer; den Liederkomponisten Schubert und Eugen Dühring, und werde dann morgen Ihnen dasjenige, wofür ich Ihnen heute die Materialien geben wollte, karmisch schildern, das heißt, darauf zurückführen, wie die Dinge eigentlich in ihrem karmischen Zusammenhange liegen.