Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume I
GA 235
23 March 1924, Dornach
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Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge
Zwölfter Vortrag
Zwölfter Vortrag
[ 1 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen gestern eine Anzahl von Persönlichkeiten geschildert, und man muß ja bei einer solchen Schilderung, damit die Dinge wenigstens ihren Äußerlichkeiten nach überprüft werden können, bekanntere Persönlichkeiten nehmen. Ich habe deshalb eine Anzahl bekannterer Persönlichkeiten geschildert, gerade nach denjenigen Charaktereigenschaften hin, die dem geisteswissenschaftlichen Untersucher die Möglichkeit bieten, Anhaltspunkte zu geben, um die karmischen Zusammenhänge zu verfolgen. Und ich habe diesmal — wir werden ja über diese Dinge ausführlich in den verschiedensten Varianten immer wieder sprechen — solche Persönlichkeiten gewählt, an denen ich ein ganz bestimmtes Problem erörtern kann, ein Problem, das mir innerhalb der Gesellschaft entgegengetreten ist. Ich möchte dieses Problem, das, wie gesagt, andere gestellt haben, aus dem Schoße der Gesellschaft heraus, ganz trocken formulieren.
[ 1 ] Nun, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen gestern eine Anzahl von Persönlichkeiten geschildert, und man muß ja bei einer solchen Schilderung, damit die Dinge wenigstens ihren Äußerlichkeiten nach überprüft werden können, bekanntere Persönlichkeiten nehmen. Ich habe deshalb eine Anzahl bekannterer Persönlichkeiten geschildert, gerade nach denjenigen Charaktereigenschaften hin, die dem geisteswissenschaftlichen Untersucher die Möglichkeit bieten, Anhaltspunkte zu geben, um die karmischen Zusammenhänge zu verfolgen. Und ich habe diesmal — wir werden ja über diese Dinge ausführlich in den verschiedensten Varianten immer wieder sprechen — solche Persönlichkeiten gewählt, an denen ich ein ganz bestimmtes Problem erörtern kann, ein Problem, das mir innerhalb der Gesellschaft entgegengetreten ist. Ich möchte dieses Problem, das, wie gesagt, andere gestellt haben, aus dem Schoße der Gesellschaft heraus, ganz trocken formulieren.
[ 2 ] Es ist dies, daß ja bei jeder Gelegenheit hingewiesen wird darauf — mit Recht selbstverständlich —, daß es in der Vorzeit eingeweihte Persönlichkeiten gegeben hat, eingeweihte Persönlichkeiten mit einer hohen Weisheit, auf einer hohen Entwickelungsstufe und so weiter, und daß dann doch die Frage entsteht: Ja, wenn das Leben der Menschen immer wiederkehrt, wo sind denn jetzt in der Gegenwart diese einmal initiierten Persönlichkeiten? Sind die nicht aufzufinden im Umkreise der Menschen der Gegenwart unter denen, die es sozusagen gerade trifft, ihre Wiederverkörperung in dieser Zeit erleben zu sollen?
[ 2 ] Es ist dies, daß ja bei jeder Gelegenheit hingewiesen wird darauf — mit Recht selbstverständlich —, daß es in der Vorzeit eingeweihte Persönlichkeiten gegeben hat, eingeweihte Persönlichkeiten mit einer hohen Weisheit, auf einer hohen Entwickelungsstufe und so weiter, und daß dann doch die Frage entsteht: Ja, wenn das Leben der Menschen immer wiederkehrt, wo sind denn jetzt in der Gegenwart diese einmal initiierten Persönlichkeiten? Sind die nicht aufzufinden im Umkreise der Menschen der Gegenwart unter denen, die es sozusagen gerade trifft, ihre Wiederverkörperung in dieser Zeit erleben zu sollen?
[ 3 ] Deshalb habe ich solche Beispiele gewählt, an denen ich zugleich diese Frage erörtern kann. Sehen Sie, ich habe Ihnen das Bild, soweit wir es zunächst brauchen, des italienischen Freiheitshelden Garibaldi vorgeführt, und ich glaube, daß Sie, wenn Sie das nehmen, was ich gestern besprochen habe, und alles das hinzufügen, was Ihnen ja in reichlichem Ausmaße über diese Persönlichkeit bekannt sein wird, Sie schon gerade an dieser Persönlichkeit außerordentlich viel Rätselhaftes finden werden, vieles, das große, bedeutungsvolle Fragen aufwirft.
[ 3 ] Deshalb habe ich solche Beispiele gewählt, an denen ich zugleich diese Frage erörtern kann. Sehen Sie, ich habe Ihnen das Bild, soweit wir es zunächst brauchen, des italienischen Freiheitshelden Garibaldi vorgeführt, und ich glaube, daß Sie, wenn Sie das nehmen, was ich gestern besprochen habe, und alles das hinzufügen, was Ihnen ja in reichlichem Ausmaße über diese Persönlichkeit bekannt sein wird, Sie schon gerade an dieser Persönlichkeit außerordentlich viel Rätselhaftes finden werden, vieles, das große, bedeutungsvolle Fragen aufwirft.
[ 4 ] Nehmen wir nur einmal die paar Züge, über die Sie gestern sich zuweilen sogar ergötzt haben, die ich angeführt habe, das Bekanntschaftmachen durch das Fernglas mit einer Lebensgefährtin für viele Jahre, das Bekanntwerden mit dem Todesurteil durch den zum ersten Mal gedruckten Namen. Auch etwas anderes Frappierendes ist bei Garibaldi noch da: Die Lebensgefährtin, die er auf die geschilderte Weise gefunden hat, und die in einer so heldenhaften Weise, wie ich es gestern geschildert habe, an seiner Seite gestanden hat, sie war eben seine Lebensgefährtin viele Jahre hindurch. Also durch das Fernglas konnte er etwas sehr Gutes sehen. Später starb sie ihm weg, und er hat sich ja ein zweites Mal verheiratet, diesmal nicht durch ein Fernglas, denn solch eine Sache macht man ja, selbst wenn man Garibaldi ist, wohl nur einmal im Leben, aber diesmal auf eine ganz gewöhnlich bürgerliche Art, so wie es eben, nicht wahr, unter guten Bürgern zugeht. Aber da dauerte die Ehe nur einen Tag für Garibaldi! Also Sie sehen, es gibt auch noch dieses zweite Frappierende an dem Verhältnis Garibaldis zu den gewöhnlichen bürgerlichen Verhältnissen in dieser Welt.
[ 4 ] Nehmen wir nur einmal die paar Züge, über die Sie gestern sich zuweilen sogar ergötzt haben, die ich angeführt habe, das Bekanntschaftmachen durch das Fernglas mit einer Lebensgefährtin für viele Jahre, das Bekanntwerden mit dem Todesurteil durch den zum ersten Mal gedruckten Namen. Auch etwas anderes Frappierendes ist bei Garibaldi noch da: Die Lebensgefährtin, die er auf die geschilderte Weise gefunden hat, und die in einer so heldenhaften Weise, wie ich es gestern geschildert habe, an seiner Seite gestanden hat, sie war eben seine Lebensgefährtin viele Jahre hindurch. Also durch das Fernglas konnte er etwas sehr Gutes sehen. Später starb sie ihm weg, und er hat sich ja ein zweites Mal verheiratet, diesmal nicht durch ein Fernglas, denn solch eine Sache macht man ja, selbst wenn man Garibaldi ist, wohl nur einmal im Leben, aber diesmal auf eine ganz gewöhnlich bürgerliche Art, so wie es eben, nicht wahr, unter guten Bürgern zugeht. Aber da dauerte die Ehe nur einen Tag für Garibaldi! Also Sie sehen, es gibt auch noch dieses zweite Frappierende an dem Verhältnis Garibaldis zu den gewöhnlichen bürgerlichen Verhältnissen in dieser Welt.
[ 5 ] Dann gibt es aber etwas anderes. Diese Dinge, die ich Ihnen da schildere, die sind schon so, daß sie durchaus den, der an dergleichen okkulte Untersuchungen gewöhnt ist, ich möchte sagen, dazu stoßen, daß er sie gebrauchen kann, um so starke Anhaltspunkte zu haben, daß er dann mit dem Schauen wirklich in ein früheres Leben oder in eine Anzahl früherer Leben zurückdringt. Aber es gibt noch etwas anderes, was vor allen Dingen als ein starkes Problem auftritt.
[ 5 ] Dann gibt es aber etwas anderes. Diese Dinge, die ich Ihnen da schildere, die sind schon so, daß sie durchaus den, der an dergleichen okkulte Untersuchungen gewöhnt ist, ich möchte sagen, dazu stoßen, daß er sie gebrauchen kann, um so starke Anhaltspunkte zu haben, daß er dann mit dem Schauen wirklich in ein früheres Leben oder in eine Anzahl früherer Leben zurückdringt. Aber es gibt noch etwas anderes, was vor allen Dingen als ein starkes Problem auftritt.
[ 6 ] Sehen Sie, Garibaldi war eigentlich seiner Gesinnung nach — ich habe es gestern schon durchleuchten lassen — Republikaner, durch und durch Republikaner. Aber er hat sich für die Befreiung Italiens so eingesetzt, daß er sich eigentlich gar nicht darauf eingelassen hat, Italien zu einer Republik zu machen, sondern Italien zu einem Königreich unter Viktor Emanuel zu machen. Das hat etwas außerordentlich Frappierendes. Wenn man den ganzen Garibaldi anschaut und dies nimmt, so hat es etwas außerordentlich Frappierendes. Da war auf der einen Seite Viktor Emanuel, der als König natürlich nur an der Spitze des italienischen, befreiten Staates stehen konnte.
[ 6 ] Sehen Sie, Garibaldi war eigentlich seiner Gesinnung nach — ich habe es gestern schon durchleuchten lassen — Republikaner, durch und durch Republikaner. Aber er hat sich für die Befreiung Italiens so eingesetzt, daß er sich eigentlich gar nicht darauf eingelassen hat, Italien zu einer Republik zu machen, sondern Italien zu einem Königreich unter Viktor Emanuel zu machen. Das hat etwas außerordentlich Frappierendes. Wenn man den ganzen Garibaldi anschaut und dies nimmt, so hat es etwas außerordentlich Frappierendes. Da war auf der einen Seite Viktor Emanuel, der als König natürlich nur an der Spitze des italienischen, befreiten Staates stehen konnte.
[ 7 ] Da war auf der anderen Seite Mazzini, der auch durchaus mit Garibaldi verbunden war, befreundet war, der eine Zeitlang ganz an der Spitze einer italienischen Republik gestanden hat, die da hätte eingerichtet werden sollen; der von sich aus nur dafür eintreten wollte, eine italienische Republik zu begründen.
[ 7 ] Da war auf der anderen Seite Mazzini, der auch durchaus mit Garibaldi verbunden war, befreundet war, der eine Zeitlang ganz an der Spitze einer italienischen Republik gestanden hat, die da hätte eingerichtet werden sollen; der von sich aus nur dafür eintreten wollte, eine italienische Republik zu begründen.
[ 8 ] Und die karmischen Verhältnisse bei Garibaldi lösen sich einem gar nicht, wenn man nicht auf einen gewissen Zusammenhang zunächst kommt. Und dieser Zusammenhang besteht in folgendem. Im Laufe von wenigen Jahren — Garibaldi, wissen Sie, ist 1807 in Nizza geboren — werden eigentlich im Umkreise von ein paar Quadratmeilen, könnte man sagen, vier Männer geboren, die dann einen deutlichen Lebenszusammenhang im weiteren Verlaufe der europäischen Verhältnisse hatten. In Nizza wird im Beginne des 19. Jahrhunderts also Garibaldi geboren. In Genua, also nicht weit davon entfernt, Mazzini. Wiederum in Turin, nicht weit davon entfernt, Cavour, und aus dem Savoyischen Hause, also wiederum nicht weit davon entfernt, Viktor Emanuel. Sie sind an Jahren und an der Lokalität der Geburtsorte durchaus einander nahegerückt. Und sie sind es alle viere, die zusammen, wenn auch nicht mit zusammenstimmender Gesinnung, ja, auch nicht mit zusammenstimmender gegenseitiger Behandlung, die aber zusammen dasjenige begründen, was dann das moderne Italien geworden ist.
[ 8 ] Und die karmischen Verhältnisse bei Garibaldi lösen sich einem gar nicht, wenn man nicht auf einen gewissen Zusammenhang zunächst kommt. Und dieser Zusammenhang besteht in folgendem. Im Laufe von wenigen Jahren — Garibaldi, wissen Sie, ist 1807 in Nizza geboren — werden eigentlich im Umkreise von ein paar Quadratmeilen, könnte man sagen, vier Männer geboren, die dann einen deutlichen Lebenszusammenhang im weiteren Verlaufe der europäischen Verhältnisse hatten. In Nizza wird im Beginne des 19. Jahrhunderts also Garibaldi geboren. In Genua, also nicht weit davon entfernt, Mazzini. Wiederum in Turin, nicht weit davon entfernt, Cavour, und aus dem Savoyischen Hause, also wiederum nicht weit davon entfernt, Viktor Emanuel. Sie sind an Jahren und an der Lokalität der Geburtsorte durchaus einander nahegerückt. Und sie sind es alle viere, die zusammen, wenn auch nicht mit zusammenstimmender Gesinnung, ja, auch nicht mit zusammenstimmender gegenseitiger Behandlung, die aber zusammen dasjenige begründen, was dann das moderne Italien geworden ist.
[ 9 ] Da weist einen schon gewissermaßen der äußere Verlauf der Geschichte einfach darauf hin, sich zu sagen: Diese vier Persönlichkeiten, die werden zusammengetragen, in deutlicher Weise zusammengetragen, um nicht nur für sich, sondern für die Welt ein gemeinsames Schicksal darzustellen.
[ 9 ] Da weist einen schon gewissermaßen der äußere Verlauf der Geschichte einfach darauf hin, sich zu sagen: Diese vier Persönlichkeiten, die werden zusammengetragen, in deutlicher Weise zusammengetragen, um nicht nur für sich, sondern für die Welt ein gemeinsames Schicksal darzustellen.
[ 10 ] Der Bedeutendste unter ihnen ist ohne Zweifel eben Garibaldi selber. Wenn man alle menschlichen Verhältnisse nimmt, ist der Bedeutendste von ihnen Garibaldi. Aber Garibaldis Geistigkeit tritt in einer elementarischen Art zutage. Mazzinis Geistigkeit ist eine philosophisch-erstudierte, Cavours Geistigkeit ist eine juristisch-erstudierte, und Viktor Emanuels Geistigkeit — nun ja... Also der Bedeutendste unter ihnen ist eben Garibaldi, alle menschlichen Verhältnisse genommen, und bei ihm ist etwas vorhanden, das mit elementarer Gewalt auftritt, so daß man nicht leicht gegenüber einer solchen Geistigkeit Psychologe sein kann. Man kann es nicht sein, wenn man eigentlich nicht weiß: Woher kommen die Dinge, wenn man sie so vom Standpunkte der persönlichen Psychologie eines Erdenlebens nimmt?
[ 10 ] Der Bedeutendste unter ihnen ist ohne Zweifel eben Garibaldi selber. Wenn man alle menschlichen Verhältnisse nimmt, ist der Bedeutendste von ihnen Garibaldi. Aber Garibaldis Geistigkeit tritt in einer elementarischen Art zutage. Mazzinis Geistigkeit ist eine philosophisch-erstudierte, Cavours Geistigkeit ist eine juristisch-erstudierte, und Viktor Emanuels Geistigkeit — nun ja... Also der Bedeutendste unter ihnen ist eben Garibaldi, alle menschlichen Verhältnisse genommen, und bei ihm ist etwas vorhanden, das mit elementarer Gewalt auftritt, so daß man nicht leicht gegenüber einer solchen Geistigkeit Psychologe sein kann. Man kann es nicht sein, wenn man eigentlich nicht weiß: Woher kommen die Dinge, wenn man sie so vom Standpunkte der persönlichen Psychologie eines Erdenlebens nimmt?
[ 11 ] Nun komme ich auf die Frage zurück: Wo sind die früheren Eingeweihten? Denn man wird ja sagen, die seien nicht da. Ja, meine lieben Freunde, wenn in ausgiebigerem Maße heute die Möglichkeit gegeben wäre, daß die Menschen — ich muß in dieser Beziehung schon etwas paradox sprechen — entweder gleich mit siebzehn, achtzehn Jahren geboren würden, so daß sie also schon gleich siebzehn, achtzehn Jahre alt wären, aus der geistigen Welt herunterstiegen und siebzehn-, achtzehnjährige Körper vorfinden würden auf irgendeine Weise — ich sage natürlich etwas Paradoxes —, oder wenn wenigstens den Menschen erspart würde, die in heutiger Art konstituierte Schule durchzumachen, dann würden Sie finden, daß in heutigen Menschen die ehemaligen Eingeweihten auftreten könnten. Aber geradesowenig wie es den Eingeweihten möglich ist, unter den gewöhnlichen Erdenverhältnissen, wenn sie Brot brauchen, sich mit einem Stück Eis zu nähren, ebensowenig ist es möglich, die Weisheitsverhältnisse der alten Zeit unmittelbar in der Form, wie man es erwartet, in einem Körper zu manifestieren, der in dem Sinne, wie es die heutige Zivilisation mit sich bringt, bis zum siebzehnten, achtzehnten Lebensjahre erzogen wird. Das ist auf der ganzen Welt nicht möglich; wenigstens da, wo eben Zivilisation herrscht, ist es nicht möglich. Da kommen ja Dinge in Betracht, die überhaupt durchaus außer dem Gesichtskreise des heutigen Gebildeten liegen.
[ 11 ] Nun komme ich auf die Frage zurück: Wo sind die früheren Eingeweihten? Denn man wird ja sagen, die seien nicht da. Ja, meine lieben Freunde, wenn in ausgiebigerem Maße heute die Möglichkeit gegeben wäre, daß die Menschen — ich muß in dieser Beziehung schon etwas paradox sprechen — entweder gleich mit siebzehn, achtzehn Jahren geboren würden, so daß sie also schon gleich siebzehn, achtzehn Jahre alt wären, aus der geistigen Welt herunterstiegen und siebzehn-, achtzehnjährige Körper vorfinden würden auf irgendeine Weise — ich sage natürlich etwas Paradoxes —, oder wenn wenigstens den Menschen erspart würde, die in heutiger Art konstituierte Schule durchzumachen, dann würden Sie finden, daß in heutigen Menschen die ehemaligen Eingeweihten auftreten könnten. Aber geradesowenig wie es den Eingeweihten möglich ist, unter den gewöhnlichen Erdenverhältnissen, wenn sie Brot brauchen, sich mit einem Stück Eis zu nähren, ebensowenig ist es möglich, die Weisheitsverhältnisse der alten Zeit unmittelbar in der Form, wie man es erwartet, in einem Körper zu manifestieren, der in dem Sinne, wie es die heutige Zivilisation mit sich bringt, bis zum siebzehnten, achtzehnten Lebensjahre erzogen wird. Das ist auf der ganzen Welt nicht möglich; wenigstens da, wo eben Zivilisation herrscht, ist es nicht möglich. Da kommen ja Dinge in Betracht, die überhaupt durchaus außer dem Gesichtskreise des heutigen Gebildeten liegen.
[ 12 ] Wenn man, wie es heute üblich ist, unsere gegenwärtigen Lese- und Schreibkenntnisse vom sechsten, siebenten Lebensjahre an sich aneignen muß, so ist das eine solche Tortur für die Seele, die sich ihrer besonderen Eigenart nach entwickeln will, daß — ja, ich kann nur sagen, was ich schon in meiner Lebensbeschreibung gesagt habe: Ich verdanke das Hinwegräumen manches Hindernisses dem Umstande, daß ich mit zwölf Jahren nicht orthographisch schreiben konnte, überhaupt noch nicht ordentlich schreiben konnte. Ich habe es erwähnt in meiner Lebensbeschreibung, denn das so Schreibenkönnen, wie man es heute verlangt, ertötet gewisse Eigentümlichkeiten des Menschen.
[ 12 ] Wenn man, wie es heute üblich ist, unsere gegenwärtigen Lese- und Schreibkenntnisse vom sechsten, siebenten Lebensjahre an sich aneignen muß, so ist das eine solche Tortur für die Seele, die sich ihrer besonderen Eigenart nach entwickeln will, daß — ja, ich kann nur sagen, was ich schon in meiner Lebensbeschreibung gesagt habe: Ich verdanke das Hinwegräumen manches Hindernisses dem Umstande, daß ich mit zwölf Jahren nicht orthographisch schreiben konnte, überhaupt noch nicht ordentlich schreiben konnte. Ich habe es erwähnt in meiner Lebensbeschreibung, denn das so Schreibenkönnen, wie man es heute verlangt, ertötet gewisse Eigentümlichkeiten des Menschen.
[ 13 ] Man muß schon so paradox sprechen. Es ist einmal eine Wahrheit. Es ist nichts zu machen dagegen, es ist eine Wahrheit. Und so kommt es eben, daß gerade hoch entwickelte Individualitäten der Vergangenheit eigentlich in ihrer Wiedergeburt nur zu erkennen sind von dem, der da auf diejenigen Manifestationen der Menschennatur schaut, die sich durch die heutige Zivilisationsbildung mehr hinter dem Menschen als in dem Menschen offenbaren.
[ 13 ] Man muß schon so paradox sprechen. Es ist einmal eine Wahrheit. Es ist nichts zu machen dagegen, es ist eine Wahrheit. Und so kommt es eben, daß gerade hoch entwickelte Individualitäten der Vergangenheit eigentlich in ihrer Wiedergeburt nur zu erkennen sind von dem, der da auf diejenigen Manifestationen der Menschennatur schaut, die sich durch die heutige Zivilisationsbildung mehr hinter dem Menschen als in dem Menschen offenbaren.
[ 14 ] Und in dieser Beziehung ist gerade Garibaldi ein außerordentlich schlagendes Beispiel. Die zivilisierten Menschen, einschließlich Cavours oder wenigstens der Anhänger von Cavour, für was haben sie denn Garibaldi gehalten? Für einen verdrehten Zwickel, für einen verdrehten Kerl, mit dem vernünftigerweise gar nicht zu diskutieren ist. Das ist es ja, was man auch berücksichtigen muß, denn es war eben vieles in seinen Schlußfolgerungen in der Art und Weise, wie er vor Leuten sprach, die auf die heutige Zivilisation versessen sind, sagen wir, zum mindesten unlogisch. Es war eigentlich an dieser Persönlichkeit schon im Exterieur vieles unlogisch. Es paßten viele Dinge nicht zusammen.
[ 14 ] Und in dieser Beziehung ist gerade Garibaldi ein außerordentlich schlagendes Beispiel. Die zivilisierten Menschen, einschließlich Cavours oder wenigstens der Anhänger von Cavour, für was haben sie denn Garibaldi gehalten? Für einen verdrehten Zwickel, für einen verdrehten Kerl, mit dem vernünftigerweise gar nicht zu diskutieren ist. Das ist es ja, was man auch berücksichtigen muß, denn es war eben vieles in seinen Schlußfolgerungen in der Art und Weise, wie er vor Leuten sprach, die auf die heutige Zivilisation versessen sind, sagen wir, zum mindesten unlogisch. Es war eigentlich an dieser Persönlichkeit schon im Exterieur vieles unlogisch. Es paßten viele Dinge nicht zusammen.
[ 15 ] Und nur derjenige, der gewissermaßen hinter eine Persönlichkeit sieht, der auf das sieht, was in früheren Erdenleben in den Körper hinein konnte und was in diesem Erdenleben, weil die gegenwärtige Zivilisation die Körper ungeeignet macht, nicht in den Körper hinein konnte, wer auf das sehen kann, der kann sich eine Vorstellung machen, was eine solche Persönlichkeit eigentlich ist. Ein anderer kommt gar nicht darauf, denn das Allerwichtigste bei einer solchen Persönlichkeit liegt eigentlich hinter den Äußerungen, die auf äußerliche Art eben gemacht werden können. Ein wackerer — die Anwesenden sind ja immer ausgenommen —, ein wackerer Philister, sagen wir, der einfach sich so ausdrückt, wie er es gelernt hat, bei dem man also einen Abglanz seines schulmäßigen und sonstigen Lernens und Erziehens sieht, den kann man eben seiner moralisch-geistigen Art nach photographieren. Er ist da. Aber einen Menschen, der mit einer umfänglichen Weisheitsseele aus alten Zeiten herüberkommt, so daß diese Seele in dem Körper sich nicht ausdrücken kann, den kann man nicht darnach beurteilen, was von ihm mit den Mitteln der heutigen Zivilisation aus dem Körper herauskommt. Das kann man vor allen Dingen bei Garibaldi nicht. Da muß man gewissermaßen — ich meine das nur als Bild die Sache so aufnehmen, wie gewisse Spiritistenbilder sind, hinter denen ein Phantom sichtbar wird; so erscheint einem solch eine Persönlichkeit: Erstens ihrem bürgerlichen Wert nach, und dahinter dann — wie etwas Spirituelles, wie eine Geistaufnahme — dasjenige, was nun nicht herein kann in den Körper. |
[ 15 ] Und nur derjenige, der gewissermaßen hinter eine Persönlichkeit sieht, der auf das sieht, was in früheren Erdenleben in den Körper hinein konnte und was in diesem Erdenleben, weil die gegenwärtige Zivilisation die Körper ungeeignet macht, nicht in den Körper hinein konnte, wer auf das sehen kann, der kann sich eine Vorstellung machen, was eine solche Persönlichkeit eigentlich ist. Ein anderer kommt gar nicht darauf, denn das Allerwichtigste bei einer solchen Persönlichkeit liegt eigentlich hinter den Äußerungen, die auf äußerliche Art eben gemacht werden können. Ein wackerer — die Anwesenden sind ja immer ausgenommen —, ein wackerer Philister, sagen wir, der einfach sich so ausdrückt, wie er es gelernt hat, bei dem man also einen Abglanz seines schulmäßigen und sonstigen Lernens und Erziehens sieht, den kann man eben seiner moralisch-geistigen Art nach photographieren. Er ist da. Aber einen Menschen, der mit einer umfänglichen Weisheitsseele aus alten Zeiten herüberkommt, so daß diese Seele in dem Körper sich nicht ausdrücken kann, den kann man nicht darnach beurteilen, was von ihm mit den Mitteln der heutigen Zivilisation aus dem Körper herauskommt. Das kann man vor allen Dingen bei Garibaldi nicht. Da muß man gewissermaßen — ich meine das nur als Bild die Sache so aufnehmen, wie gewisse Spiritistenbilder sind, hinter denen ein Phantom sichtbar wird; so erscheint einem solch eine Persönlichkeit: Erstens ihrem bürgerlichen Wert nach, und dahinter dann — wie etwas Spirituelles, wie eine Geistaufnahme — dasjenige, was nun nicht herein kann in den Körper. |
[ 16 ] Wenn man das alles berücksichtigt, namentlich wenn man sich tragen läßt im Schauen von den Dingen, die ich Ihnen besonders angeführt habe, dann fällt tatsächlich der Blick zu Garibaldi hin auf das Leben eines wirklich Eingeweihten zurück, der nur in einer ganz anderen Weise sich äußerlich auslebt, weil er eben in den Körper nicht ganz hinein kann. Und schließlich werden Ihnen doch die Dinge nicht ganz so erstaunlich erscheinen, wenn eben diese Eigenschaften, die ich hervorgehoben habe, berücksichtigt werden. Man muß schon etwas fremd sein dem, was einem heute anerzogen ist, man muß schon etwas «erdenentrückt» sein, wenn man durch ein Fernrohr sich in die bürgerlichen Verhältnisse hineinstellt, was ja sonst nicht üblich ist, und ähnliche Dinge. Es ist etwas, was in diesen Eigenschaften herausweist aus dem gewöhnlichen Drinnenstehen in diesen bürgerlichen Verhältnissen.
[ 16 ] Wenn man das alles berücksichtigt, namentlich wenn man sich tragen läßt im Schauen von den Dingen, die ich Ihnen besonders angeführt habe, dann fällt tatsächlich der Blick zu Garibaldi hin auf das Leben eines wirklich Eingeweihten zurück, der nur in einer ganz anderen Weise sich äußerlich auslebt, weil er eben in den Körper nicht ganz hinein kann. Und schließlich werden Ihnen doch die Dinge nicht ganz so erstaunlich erscheinen, wenn eben diese Eigenschaften, die ich hervorgehoben habe, berücksichtigt werden. Man muß schon etwas fremd sein dem, was einem heute anerzogen ist, man muß schon etwas «erdenentrückt» sein, wenn man durch ein Fernrohr sich in die bürgerlichen Verhältnisse hineinstellt, was ja sonst nicht üblich ist, und ähnliche Dinge. Es ist etwas, was in diesen Eigenschaften herausweist aus dem gewöhnlichen Drinnenstehen in diesen bürgerlichen Verhältnissen.
[ 17 ] So werden wir denn bei Garibaldi zurückgeführt in ein Eingeweihtenleben, und gerade in ein Eingeweihtenleben, meine lieben Freunde, in einem solchen Mysterium, wie ich es hier vor einigen Monaten geschildert habe als ausgehend von Irland. Ich habe Ihnen die irischen Mysterien geschildert, ausgehend von Irland, aber zu suchen ist er in einer Zweigniederlassung nicht einmal gar sehr weit von hier, nämlich im Elsaß, im heutigen Elsaß; da finden wir in einem gewissen Grade eingeweiht gerade Garibaldi. Und zwar ist es ziemlich sicher, daß zwischen dieser Inkarnation, die wir etwa im 9. nachchristlichen Jahrhundert zu suchen haben, und der letzten im 19. Jahrhundert keine weitere dazwischen liegt, daß da ein langer Aufenthalt in der geistigen Welt dazwischen ist. Das ist dasjenige, was sich einem als das Geheimnis dieser Persönlichkeit gibt.
[ 17 ] So werden wir denn bei Garibaldi zurückgeführt in ein Eingeweihtenleben, und gerade in ein Eingeweihtenleben, meine lieben Freunde, in einem solchen Mysterium, wie ich es hier vor einigen Monaten geschildert habe als ausgehend von Irland. Ich habe Ihnen die irischen Mysterien geschildert, ausgehend von Irland, aber zu suchen ist er in einer Zweigniederlassung nicht einmal gar sehr weit von hier, nämlich im Elsaß, im heutigen Elsaß; da finden wir in einem gewissen Grade eingeweiht gerade Garibaldi. Und zwar ist es ziemlich sicher, daß zwischen dieser Inkarnation, die wir etwa im 9. nachchristlichen Jahrhundert zu suchen haben, und der letzten im 19. Jahrhundert keine weitere dazwischen liegt, daß da ein langer Aufenthalt in der geistigen Welt dazwischen ist. Das ist dasjenige, was sich einem als das Geheimnis dieser Persönlichkeit gibt.
[ 18 ] Aufgenommen hat diese Persönlichkeit das, was ich Ihnen als die Weisheitsgüter Hybernias geschildert habe, und zwar in einem sehr hohen Grade. Er war noch innerhalb der irischen Insel, der dortigen Mysterienstätte, und hat selbst die Kolonie geleitet, die dann später nach Europa hereingekommen ist.
[ 18 ] Aufgenommen hat diese Persönlichkeit das, was ich Ihnen als die Weisheitsgüter Hybernias geschildert habe, und zwar in einem sehr hohen Grade. Er war noch innerhalb der irischen Insel, der dortigen Mysterienstätte, und hat selbst die Kolonie geleitet, die dann später nach Europa hereingekommen ist.
[ 19 ] Natürlich, geradeso wie, sagen wir, durch irgendein Spiegelglas der Spiegelform gemäß dasjenige anders wird, was sich abspiegelt, so kam das, was dazumal auf einem Gebiete vorhanden war, das die physische Welt und die darüberstehende geistige Welt umfaßte und worinnen ein solcher Eingeweihter tätig war in der Art, wie ich es damals vor Monaten geschildert habe, so kam das auf die Weise zum Ausdrucke, wie es sich im 19. Jahrhundert eben auf einem gewissen Standpunkte der Zivilisation entwickeln konnte. Und man muß sich schon daran gewöhnen, in einem Philosophen, in einem Dichter oder Künstler, den man in einem verflossenen Zeitalter findet, nicht etwa wiederum einen Philosophen oder Dichter oder Künstler im gegenwärtigen Zeitalter zu suchen. Die Verhältnisse ändern zwar nicht die Individualität des Menschen. Diese Individualität geht von Erdenleben zu Erdenleben. Aber die Art, wie sich diese Individualitäten ausleben können, die hängt ab von dem, was eben in einem Zeitalter möglich ist. Lassen Sie mich ein Beispiel einflechten, das Ihnen dies veranschaulichen könnte.
[ 19 ] Natürlich, geradeso wie, sagen wir, durch irgendein Spiegelglas der Spiegelform gemäß dasjenige anders wird, was sich abspiegelt, so kam das, was dazumal auf einem Gebiete vorhanden war, das die physische Welt und die darüberstehende geistige Welt umfaßte und worinnen ein solcher Eingeweihter tätig war in der Art, wie ich es damals vor Monaten geschildert habe, so kam das auf die Weise zum Ausdrucke, wie es sich im 19. Jahrhundert eben auf einem gewissen Standpunkte der Zivilisation entwickeln konnte. Und man muß sich schon daran gewöhnen, in einem Philosophen, in einem Dichter oder Künstler, den man in einem verflossenen Zeitalter findet, nicht etwa wiederum einen Philosophen oder Dichter oder Künstler im gegenwärtigen Zeitalter zu suchen. Die Verhältnisse ändern zwar nicht die Individualität des Menschen. Diese Individualität geht von Erdenleben zu Erdenleben. Aber die Art, wie sich diese Individualitäten ausleben können, die hängt ab von dem, was eben in einem Zeitalter möglich ist. Lassen Sie mich ein Beispiel einflechten, das Ihnen dies veranschaulichen könnte.
[ 20 ] Auch eine weithin bekannte Persönlichkeit ist ja Ernst Haeckel. Ernst Haeckel ist bekannt als ein enthusiastischer Vertreter eines gewissen materialistischen Monismus, enthusiastisch, man könnte schon sagen bis zum Fanatismus. Ich brauche auch für ihn nicht, denn er ist ja hinlänglich bekannt, irgendwelche Charakteristiken hier vorzuführen. Wird man aber von dieser Persönlichkeit zurückgetrieben in die vorige Inkarnation, dann findet man jenen Papst, der aus dem Mönch Hildebrand geworden ist als Gregor VII.
[ 20 ] Auch eine weithin bekannte Persönlichkeit ist ja Ernst Haeckel. Ernst Haeckel ist bekannt als ein enthusiastischer Vertreter eines gewissen materialistischen Monismus, enthusiastisch, man könnte schon sagen bis zum Fanatismus. Ich brauche auch für ihn nicht, denn er ist ja hinlänglich bekannt, irgendwelche Charakteristiken hier vorzuführen. Wird man aber von dieser Persönlichkeit zurückgetrieben in die vorige Inkarnation, dann findet man jenen Papst, der aus dem Mönch Hildebrand geworden ist als Gregor VII.
[ 21 ] Das Beispiel führe ich Ihnen aus dem Grunde vor, damit Sie sehen, wie verschieden nach den Kulturverhältnissen eines bestimmten Zeitalters ein und dieselbe Individualität nach außen sich äußern kann. Man würde nicht leicht darauf kommen, in dem Vertreter des materialistischen Monismus im 19. Jahrhundert den wiederverkörperten Papst Gregor VII. zu suchen. Aber auf diese Dinge, wie man mit den äußeren Zivilisationsmitteln des physischen Planes sich darlebt, kommt es ja der geistigen Welt in viel geringerem Grade an, als man denkt. Hinter der Persönlichkeit Haeckels und hinter der Persönlichkeit des Mönches Hildebrand liegt etwas, was viel gleicher, viel ähnlicher ist als das, worinnen sie verschieden sind, wenn der eine den Katholizismus in extremster Art zur Macht bringen will, der andere den Katholizismus in extremster Art bekämpft. Das ist für die geistige Welt keine so große Verschiedenheit. Bei der geistigen Welt kommt es auf ganz andere menschliche Hintergründe an als auf diese Dinge, die im Grunde genommen doch nur eine Bedeutung in der physischen Welt haben. Also Sie brauchen nicht deshalb sich zu verwundern, meine lieben Freunde, wenn in Garibaldi ein wirklicher Eingeweihter aus einem früheren Zeitalter, wie gesagt, aus dem 9. Jahrhundert zu sehen ist, und wenn das im 19. Jahrhundert in einer Weise zum Ausdrucke kam, wie es eben im 19, Jahrhundert nur zum Ausdruck kommen konnte. Denn wichtig für die Art und Weise, wie ein Mensch sich in die Welt hineinstellt, ist es, welches Temperament er hat, wie er mit seinen Charaktereigenschaften auftritt.
[ 21 ] Das Beispiel führe ich Ihnen aus dem Grunde vor, damit Sie sehen, wie verschieden nach den Kulturverhältnissen eines bestimmten Zeitalters ein und dieselbe Individualität nach außen sich äußern kann. Man würde nicht leicht darauf kommen, in dem Vertreter des materialistischen Monismus im 19. Jahrhundert den wiederverkörperten Papst Gregor VII. zu suchen. Aber auf diese Dinge, wie man mit den äußeren Zivilisationsmitteln des physischen Planes sich darlebt, kommt es ja der geistigen Welt in viel geringerem Grade an, als man denkt. Hinter der Persönlichkeit Haeckels und hinter der Persönlichkeit des Mönches Hildebrand liegt etwas, was viel gleicher, viel ähnlicher ist als das, worinnen sie verschieden sind, wenn der eine den Katholizismus in extremster Art zur Macht bringen will, der andere den Katholizismus in extremster Art bekämpft. Das ist für die geistige Welt keine so große Verschiedenheit. Bei der geistigen Welt kommt es auf ganz andere menschliche Hintergründe an als auf diese Dinge, die im Grunde genommen doch nur eine Bedeutung in der physischen Welt haben. Also Sie brauchen nicht deshalb sich zu verwundern, meine lieben Freunde, wenn in Garibaldi ein wirklicher Eingeweihter aus einem früheren Zeitalter, wie gesagt, aus dem 9. Jahrhundert zu sehen ist, und wenn das im 19. Jahrhundert in einer Weise zum Ausdrucke kam, wie es eben im 19, Jahrhundert nur zum Ausdruck kommen konnte. Denn wichtig für die Art und Weise, wie ein Mensch sich in die Welt hineinstellt, ist es, welches Temperament er hat, wie er mit seinen Charaktereigenschaften auftritt.
[ 22 ] Ja, würde dasjenige, was Inhalt der Seele Garibaldis war in einer früheren Inkarnation, im 19. Jahrhundert mit dem Temperament Garibaldis aufgetreten sein, dann wäre er halt ein Irrsinniger gewesen für die Menschen des 19. Jahrhunderts. Er wäre als ein Irrsinniger betrachtet worden, als wahnsinnig. Das, als was er hat auftreten können, das ist er eben geworden im äußeren Leben.
[ 22 ] Ja, würde dasjenige, was Inhalt der Seele Garibaldis war in einer früheren Inkarnation, im 19. Jahrhundert mit dem Temperament Garibaldis aufgetreten sein, dann wäre er halt ein Irrsinniger gewesen für die Menschen des 19. Jahrhunderts. Er wäre als ein Irrsinniger betrachtet worden, als wahnsinnig. Das, als was er hat auftreten können, das ist er eben geworden im äußeren Leben.
[ 23 ] Nun aber, sofort treten einem lichtvolle Erklärungen für andere karmische Zusammenhänge auf, wenn man die Direktion nach einer gewissen Richtung hin hat. Die anderen drei, von denen ich Ihnen gesprochen habe, die ungefähr in demselben Jahrzehnt mit ihm wieder zusammengetragen werden auf einen Erdenfleck, diese anderen drei waren seine Schüler dazumal, notabene seine Schüler, aus allen Windrichtungen zusammengeholt, der eine weit aus dem Norden, der andere weit aus dem Osten, der dritte weit aus dem Westen; aus allen Erdwinkeln zusammengeholt, waren sie seine Schüler.
[ 23 ] Nun aber, sofort treten einem lichtvolle Erklärungen für andere karmische Zusammenhänge auf, wenn man die Direktion nach einer gewissen Richtung hin hat. Die anderen drei, von denen ich Ihnen gesprochen habe, die ungefähr in demselben Jahrzehnt mit ihm wieder zusammengetragen werden auf einen Erdenfleck, diese anderen drei waren seine Schüler dazumal, notabene seine Schüler, aus allen Windrichtungen zusammengeholt, der eine weit aus dem Norden, der andere weit aus dem Osten, der dritte weit aus dem Westen; aus allen Erdwinkeln zusammengeholt, waren sie seine Schüler.
[ 24 ] Nun bestand gerade in den irischen Mysterien eine ganz bestimmte Verpflichtung für einen gewissen Einweihungsgrad. Diese Verpflichtung besagte, daß der Eingeweihte in allen ferneren Erdenleben seine Schüler weiter fördern muß, sie nicht verlassen darf. Wenn sie also durch ihre besonderen karmischen Verhältnisse mit ihm wiederum gleichzeitig im Erdenleben auftreten, so bedeutet das, daß er mit ihnen zusammen das Schicksal erleben muß, daß ihre Art des Karmas mit dem seinigen in Rechnung gesetzt werden muß. Wäre nicht mit der Individualität, die in Viktor Emanuel war, Garibaldi verbunden gewesen als der Lehrer Viktor Emanuels, dieses einstmaligen Schülers, dann wäre Garibaldi eben Republikaner geworden, der auch die italienische Republik begründet hätte. Aber da liegt hinter diesen rein abstrakten, prinzipiellen Dingen das lebendige Menschenleben, das von Erdendasein zu Erdendasein geht. Dahinter liegt diese Verpflichtung des alten Eingeweihten gegenüber seinen Schülern. Und deshalb dieser Widerspruch. Nach den Begriffen, nach den Ideen, die Garibaldi im 19. Jahrhundert fand, wurde er natürlich Republikaner. Was hätte er anders werden sollen? Ich habe ja so viele Republikaner gekannt, die treue Diener irgendeines Fürsten waren. Sie waren in ihrem Inneren Republikaner, weil einfach in einer gewissen Zeit des 19. Jahrhunderts — jetzt ist sie lange versunken, aber in der Zeit, in der ich ein Knabe war — eigentlich alle Leute, die sich für vernünftig hielten, Republikaner waren. Sie sagten, wir sind selbstverständlich Republikaner, man kann es nur nicht in der Außenwelt zeigen. Aber innerlich waren sie alle Republikaner. Nur war Garibaldi selbstverständlich ein solcher, der das auch in der Außenwelt zeigte, aber er hielt es nicht durch. Und alle diejenigen, die von ihm sogar begeistert waren, konnten es nicht begreifen, daß er es nicht durchhielt. Warum nicht? Weil er den Viktor Emanuel, der mit ihm karmisch verbunden war, in der Weise, wie ich es gekennzeichnet habe, nicht von sich lassen konnte. Er mußte ihn eben fördern. Und das war die einzige Art, wie er ihn fördern konnte,
[ 24 ] Nun bestand gerade in den irischen Mysterien eine ganz bestimmte Verpflichtung für einen gewissen Einweihungsgrad. Diese Verpflichtung besagte, daß der Eingeweihte in allen ferneren Erdenleben seine Schüler weiter fördern muß, sie nicht verlassen darf. Wenn sie also durch ihre besonderen karmischen Verhältnisse mit ihm wiederum gleichzeitig im Erdenleben auftreten, so bedeutet das, daß er mit ihnen zusammen das Schicksal erleben muß, daß ihre Art des Karmas mit dem seinigen in Rechnung gesetzt werden muß. Wäre nicht mit der Individualität, die in Viktor Emanuel war, Garibaldi verbunden gewesen als der Lehrer Viktor Emanuels, dieses einstmaligen Schülers, dann wäre Garibaldi eben Republikaner geworden, der auch die italienische Republik begründet hätte. Aber da liegt hinter diesen rein abstrakten, prinzipiellen Dingen das lebendige Menschenleben, das von Erdendasein zu Erdendasein geht. Dahinter liegt diese Verpflichtung des alten Eingeweihten gegenüber seinen Schülern. Und deshalb dieser Widerspruch. Nach den Begriffen, nach den Ideen, die Garibaldi im 19. Jahrhundert fand, wurde er natürlich Republikaner. Was hätte er anders werden sollen? Ich habe ja so viele Republikaner gekannt, die treue Diener irgendeines Fürsten waren. Sie waren in ihrem Inneren Republikaner, weil einfach in einer gewissen Zeit des 19. Jahrhunderts — jetzt ist sie lange versunken, aber in der Zeit, in der ich ein Knabe war — eigentlich alle Leute, die sich für vernünftig hielten, Republikaner waren. Sie sagten, wir sind selbstverständlich Republikaner, man kann es nur nicht in der Außenwelt zeigen. Aber innerlich waren sie alle Republikaner. Nur war Garibaldi selbstverständlich ein solcher, der das auch in der Außenwelt zeigte, aber er hielt es nicht durch. Und alle diejenigen, die von ihm sogar begeistert waren, konnten es nicht begreifen, daß er es nicht durchhielt. Warum nicht? Weil er den Viktor Emanuel, der mit ihm karmisch verbunden war, in der Weise, wie ich es gekennzeichnet habe, nicht von sich lassen konnte. Er mußte ihn eben fördern. Und das war die einzige Art, wie er ihn fördern konnte,
[ 25 ] Und ebenso waren die beiden anderen, Cavour und Mazzini, mit ihm karmisch verbunden, und er konnte nur eben das tun, was sie zu vollbringen imstande waren. Was also aus allen vieren hervorgehen konnte, das nur konnte er vollbringen. Er konnte nicht einseitig seiner Richtung folgen.
[ 25 ] Und ebenso waren die beiden anderen, Cavour und Mazzini, mit ihm karmisch verbunden, und er konnte nur eben das tun, was sie zu vollbringen imstande waren. Was also aus allen vieren hervorgehen konnte, das nur konnte er vollbringen. Er konnte nicht einseitig seiner Richtung folgen.
[ 26 ] Und gerade aus solch einer tief bedeutsamen Tatsache, meine lieben Freunde, können Sie ersehen, wie manches, was einem im Leben entgegentritt, eigentlich erst aus den okkulten Hintergründen heraus erklärlich wird.
[ 26 ] Und gerade aus solch einer tief bedeutsamen Tatsache, meine lieben Freunde, können Sie ersehen, wie manches, was einem im Leben entgegentritt, eigentlich erst aus den okkulten Hintergründen heraus erklärlich wird.
[ 27 ] Haben Sie nicht auch schon manchen Menschen kennengelernt, der in irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens irgend etwas tut, das Ihnen eigentlich unerklärlich ist? Sie hätten das nicht von ihm erwartet. Sie können es sich gar nicht aus seinem Charakter erklären. Es ist auch nicht aus seinem Charakter zu erklären. Würde er seinem persönlichen Charakter folgen, so würde er eben etwas anderes tun. Darinnen können Sie ganz recht haben. Aber ein anderer Mensch lebt noch neben ihm da, mit dem er in einer solchen Art, wie ich es für Garibaldi geschildert habe, karmisch verbunden ist. Weshalb tut er das, was er tut? Das Leben wird nur aus diesen seinen okkulten Untergründen heraus in Wirklichkeit erklärlich. So daß wir also gerade an dieser Persönlichkeit zurückgeführt werden, man kann schon sagen, in die hybernischen Mysterien. Das erscheint paradox, aber es ist eben so, daß wenn man auf das Geistige schaut, dasjenige, was im äußeren Erdenleben einem entgegentritt, vielfach eine Maja ist.
[ 27 ] Haben Sie nicht auch schon manchen Menschen kennengelernt, der in irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens irgend etwas tut, das Ihnen eigentlich unerklärlich ist? Sie hätten das nicht von ihm erwartet. Sie können es sich gar nicht aus seinem Charakter erklären. Es ist auch nicht aus seinem Charakter zu erklären. Würde er seinem persönlichen Charakter folgen, so würde er eben etwas anderes tun. Darinnen können Sie ganz recht haben. Aber ein anderer Mensch lebt noch neben ihm da, mit dem er in einer solchen Art, wie ich es für Garibaldi geschildert habe, karmisch verbunden ist. Weshalb tut er das, was er tut? Das Leben wird nur aus diesen seinen okkulten Untergründen heraus in Wirklichkeit erklärlich. So daß wir also gerade an dieser Persönlichkeit zurückgeführt werden, man kann schon sagen, in die hybernischen Mysterien. Das erscheint paradox, aber es ist eben so, daß wenn man auf das Geistige schaut, dasjenige, was im äußeren Erdenleben einem entgegentritt, vielfach eine Maja ist.
[ 28 ] Und mancher Mensch, den man so im gewöhnlichen Leben öfter sieht, mit dem man so im gewöhnlichen Leben öfter zusammen ist: Wenn man ihm sagen könnte, was man alles an ihm lernen kann, wenn man durch ihn hindurch auf seine Individualität schaut, dann würde er äußerst verwundert sein; er würde wirklich äußerst verwundert sein. Denn dasjenige, was ein Mensch äußert, ist ja, besonders im gegenwärtigen Zeitalter, aus den Gründen, die ich angegeben habe, nur das Allerwenigste von dem, was ein Mensch eigentlich nach seinem vorigen Erdenleben ist. Da stecken viele Geheimnisse in den Dingen drinnen, von denen ich jetzt spreche.
[ 28 ] Und mancher Mensch, den man so im gewöhnlichen Leben öfter sieht, mit dem man so im gewöhnlichen Leben öfter zusammen ist: Wenn man ihm sagen könnte, was man alles an ihm lernen kann, wenn man durch ihn hindurch auf seine Individualität schaut, dann würde er äußerst verwundert sein; er würde wirklich äußerst verwundert sein. Denn dasjenige, was ein Mensch äußert, ist ja, besonders im gegenwärtigen Zeitalter, aus den Gründen, die ich angegeben habe, nur das Allerwenigste von dem, was ein Mensch eigentlich nach seinem vorigen Erdenleben ist. Da stecken viele Geheimnisse in den Dingen drinnen, von denen ich jetzt spreche.
[ 29 ] Und nehmen Sie die zweite Persönlichkeit, von der ich gestern eine kurze Charakteristik gegeben habe: Lessing, der am Ende seines Lebens mit der Verkündigung der wiederholten Erdenleben selber auftritt. Bei ihm ist es so, daß man weit, weit zurückgeführt wird, und zwar bis in jenes griechische Altertum, in dem noch die alten griechischen Mysterien in voller Blüte waren. Da war Lessing ein Eingeweihter. Wiederum war es so, daß er im 18. Jahrhundert nicht völlig in den Körper untertauchen konnte. Dann war er, in Wiederholung dieses früheren Erdenlebens in der alten Griechenzeit, im 13. Jahrhundert ein Mitglied des Ordens der Dominikaner, ein ausgezeichneter Scholastiker, der Begriffsschärfe in sich aufgenommen hatte; und dann wurde er im 18. Jahrhundert eigentlich der erste Journalist Mitteleuropas.
[ 29 ] Und nehmen Sie die zweite Persönlichkeit, von der ich gestern eine kurze Charakteristik gegeben habe: Lessing, der am Ende seines Lebens mit der Verkündigung der wiederholten Erdenleben selber auftritt. Bei ihm ist es so, daß man weit, weit zurückgeführt wird, und zwar bis in jenes griechische Altertum, in dem noch die alten griechischen Mysterien in voller Blüte waren. Da war Lessing ein Eingeweihter. Wiederum war es so, daß er im 18. Jahrhundert nicht völlig in den Körper untertauchen konnte. Dann war er, in Wiederholung dieses früheren Erdenlebens in der alten Griechenzeit, im 13. Jahrhundert ein Mitglied des Ordens der Dominikaner, ein ausgezeichneter Scholastiker, der Begriffsschärfe in sich aufgenommen hatte; und dann wurde er im 18. Jahrhundert eigentlich der erste Journalist Mitteleuropas.
[ 30 ] Aber wirklich, sowohl das Toleranzdrama «Nathan der Weise», wie namentlich so etwas wie die «Hamburgische Dramaturgie» — lesen Sie nur gewisse Kapitel — und dann die «Erziehung des Menschengeschlechts», sie sind ja nur verständlich, wenn man die Voraussetzung macht, daß alle drei Inkarnationen dieser Persönlichkeit daran gearbeitet haben: Der alte griechische Eingeweihte — bitte lesen Sie die schöne Lessingsche Abhandlung «Wie die Alten den Tod gebildet» —, dann der in einem mittelalterlichen Aristotelismus erzogene Scholastiker, und derjenige, der eigentlich, indem das alles auf seiner Seele lag, nun hineingewachsen ist in die Zivilisation des 18. Jahrhunderts. Und sogar eine gewisse Tatsache, die außerordentlich auffällig ist, tritt einem klar entgegen, wenn man das, was ich gesagt habe, ins Auge faßt.
[ 30 ] Aber wirklich, sowohl das Toleranzdrama «Nathan der Weise», wie namentlich so etwas wie die «Hamburgische Dramaturgie» — lesen Sie nur gewisse Kapitel — und dann die «Erziehung des Menschengeschlechts», sie sind ja nur verständlich, wenn man die Voraussetzung macht, daß alle drei Inkarnationen dieser Persönlichkeit daran gearbeitet haben: Der alte griechische Eingeweihte — bitte lesen Sie die schöne Lessingsche Abhandlung «Wie die Alten den Tod gebildet» —, dann der in einem mittelalterlichen Aristotelismus erzogene Scholastiker, und derjenige, der eigentlich, indem das alles auf seiner Seele lag, nun hineingewachsen ist in die Zivilisation des 18. Jahrhunderts. Und sogar eine gewisse Tatsache, die außerordentlich auffällig ist, tritt einem klar entgegen, wenn man das, was ich gesagt habe, ins Auge faßt.
[ 31 ] Es ist doch merkwürdig, daß das ganze Lessingsche Leben einem so erscheint, als ob es ein Suchen wäre. Er hat ja selbst diesen Charakter seines Wesens, seines geistigen Wesens dadurch zum Ausdrucke gebracht, daß er den berühmten Ausspruch getan hat, der immer wieder und wieder zitiert wird — allerdings in einer philiströsen Auffassung, denn alle Philister, die nicht gern etwas Bestimmtes erstreben möchten, sagen es ihm nach —: Und wenn Gott in seiner Rechten die ganze volle Wahrheit hielte, und in seiner Linken das ewige Streben nach Wahrheit, ich fiele vor ihm nieder und sagte: Vater, gib mir, was du in deiner Linken hast. — Das konnte ein Lessing sagen; wenn es ihm aber ein Philister nachsagt, so ist es natürlich etwas Entsetzliches. Aber dieses ist wichtig, daß sein ganzes Leben eben ein Suchen war, ein intensives Suchen, was man, wenn man ehrlich ist, dadurch zum Ausdrucke bringen muß, daß man sagt: Man stolpert eigentlich über viele Lessingsche Sätze, gerade über die genialsten stolpert man, die Leute getrauen sich nur nicht zu stolpern, weil eben Lessing in den Geschichts- und Literaturbüchern als eine Größe dasteht. In Wahrheit stolpert man schon, oder vielmehr man spießt sich auf. Das gestehen sich eben die Leute nicht. Natürlich muß man dann Lessing selber kennenlernen. Denn wenn man etwa das zweibändige Lessing-Buch von Erich Schmidt in die Hand nimmt, dann wird man von den Sätzen, auch wenn Erich Schmidt sie wörtlich zitiert, nicht aufgespießt. Sie sind noch immer dem Wortlaute nach die Lessingschen Sätze, aber was davor oder danach steht, das nimmt ihnen die Spitze weg.
[ 31 ] Es ist doch merkwürdig, daß das ganze Lessingsche Leben einem so erscheint, als ob es ein Suchen wäre. Er hat ja selbst diesen Charakter seines Wesens, seines geistigen Wesens dadurch zum Ausdrucke gebracht, daß er den berühmten Ausspruch getan hat, der immer wieder und wieder zitiert wird — allerdings in einer philiströsen Auffassung, denn alle Philister, die nicht gern etwas Bestimmtes erstreben möchten, sagen es ihm nach —: Und wenn Gott in seiner Rechten die ganze volle Wahrheit hielte, und in seiner Linken das ewige Streben nach Wahrheit, ich fiele vor ihm nieder und sagte: Vater, gib mir, was du in deiner Linken hast. — Das konnte ein Lessing sagen; wenn es ihm aber ein Philister nachsagt, so ist es natürlich etwas Entsetzliches. Aber dieses ist wichtig, daß sein ganzes Leben eben ein Suchen war, ein intensives Suchen, was man, wenn man ehrlich ist, dadurch zum Ausdrucke bringen muß, daß man sagt: Man stolpert eigentlich über viele Lessingsche Sätze, gerade über die genialsten stolpert man, die Leute getrauen sich nur nicht zu stolpern, weil eben Lessing in den Geschichts- und Literaturbüchern als eine Größe dasteht. In Wahrheit stolpert man schon, oder vielmehr man spießt sich auf. Das gestehen sich eben die Leute nicht. Natürlich muß man dann Lessing selber kennenlernen. Denn wenn man etwa das zweibändige Lessing-Buch von Erich Schmidt in die Hand nimmt, dann wird man von den Sätzen, auch wenn Erich Schmidt sie wörtlich zitiert, nicht aufgespießt. Sie sind noch immer dem Wortlaute nach die Lessingschen Sätze, aber was davor oder danach steht, das nimmt ihnen die Spitze weg.
[ 32 ] Und dieser Sucher kommt eigentlich erst am Ende seines Erdenlebens dazu, die «Erziehung des Menschengeschlechts» mit dem Ausklingen in die Idee von den wiederholten Erdenleben zu schreiben. Warum dieses?
[ 32 ] Und dieser Sucher kommt eigentlich erst am Ende seines Erdenlebens dazu, die «Erziehung des Menschengeschlechts» mit dem Ausklingen in die Idee von den wiederholten Erdenleben zu schreiben. Warum dieses?
[ 33 ] Ja, sehen Sie, so etwas müssen Sie sich verständlich machen durch eine andere Tatsache, die ich auch einmal behandelt habe. Ich habe ja in der ehemaligen, von unserem Freunde Bernus herausgegebenen Zeitschrift «Das Reich» die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» behandelt, habe darauf aufmerksam gemacht, daß ein siebzehn-, achtzehnjähriger Knabe diese «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» niedergeschrieben hat. Verstanden hat der Knabe nichts, aber auch gar nichts davon. Dafür gibt es einen äußerlichen Beweis. Er hat diese Chymische Hochzeit niedergeschrieben bis auf die letzte Seite, die ja überhaupt nicht dasteht. Sie steht auch heute nicht da, aber er hat die Chymische Hochzeit niedergeschrieben — und hat nichts davon verstanden. Wenn er etwas davon verstanden hätte, so hätte er doch das Verständnis noch in späteren Jahren haben müssen. Aber aus dem Knaben ist ein wackerer württembergischer Schwabenpfarrer geworden, der, man kann sogar sagen, unter dem Durchschnitt Erbauungs- und theologische Schriften geschrieben hat, Schriften, die weit davon entfernt sind, irgend etwas zu haben von dem Inhalte der «Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz». Daß da also nicht der spätere Schwabenpfarrer mit seiner Seele diese Chymische Hochzeit aufgeschrieben hat, dafür liefert ja das Leben den Beweis. Denn das ist eine durch und durch inspirierte Schrift.
[ 33 ] Ja, sehen Sie, so etwas müssen Sie sich verständlich machen durch eine andere Tatsache, die ich auch einmal behandelt habe. Ich habe ja in der ehemaligen, von unserem Freunde Bernus herausgegebenen Zeitschrift «Das Reich» die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» behandelt, habe darauf aufmerksam gemacht, daß ein siebzehn-, achtzehnjähriger Knabe diese «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» niedergeschrieben hat. Verstanden hat der Knabe nichts, aber auch gar nichts davon. Dafür gibt es einen äußerlichen Beweis. Er hat diese Chymische Hochzeit niedergeschrieben bis auf die letzte Seite, die ja überhaupt nicht dasteht. Sie steht auch heute nicht da, aber er hat die Chymische Hochzeit niedergeschrieben — und hat nichts davon verstanden. Wenn er etwas davon verstanden hätte, so hätte er doch das Verständnis noch in späteren Jahren haben müssen. Aber aus dem Knaben ist ein wackerer württembergischer Schwabenpfarrer geworden, der, man kann sogar sagen, unter dem Durchschnitt Erbauungs- und theologische Schriften geschrieben hat, Schriften, die weit davon entfernt sind, irgend etwas zu haben von dem Inhalte der «Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreutz». Daß da also nicht der spätere Schwabenpfarrer mit seiner Seele diese Chymische Hochzeit aufgeschrieben hat, dafür liefert ja das Leben den Beweis. Denn das ist eine durch und durch inspirierte Schrift.
[ 34 ] Also man hat es nicht immer mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun, wenn sich ein Geist durch einen Menschen äußert. Nur ist ein gewisser Unterschied zwischen dem wackeren Schwabenpfarrer Valentin Andreae, der die philiströsen theologischen Schriften geschrieben hat, und Lessing. Wäre Lessing, nur ins 18. Jahrhundert versetzt, Valentin Andreae gewesen, so hätte er vielleicht auch in seiner Jugend einen schönen Traktat geschrieben über die Erziehung des Menschengeschlechtes mit der Idee der wiederholten Erdenleben. Aber er war eben nicht Valentin Andreae, er war Lessing, jener Lessing, der keine Visionen, sogar, wie man sagt, keine Träume gehabt hat. Er hat den Inspirator fortgeschickt, natürlich im Unbewußten. Wenn der hätte in seiner Jugend über ihn kommen wollen, so hätte er gesagt: Geh weg, ich habe mit dir nichts zu tun. — Er nahm seinen gewöhnlichen menschlichen Erziehungsweg im 18. Jahrhundert. Und dadurch wurde er erst im höchsten Alter reif, dasjenige zu verstehen, was immer in ihm war während seines Lessing-Lebens. Es war bei ihm so, wie wenn Valentin Andreae auch weggeschickt hätte den Inspirator und keine trivialen theologischen Erbauungsschriften geschrieben hätte, sondern bis ins Greisenalter gewartet und dann bewußt die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» geschrieben hätte.
[ 34 ] Also man hat es nicht immer mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun, wenn sich ein Geist durch einen Menschen äußert. Nur ist ein gewisser Unterschied zwischen dem wackeren Schwabenpfarrer Valentin Andreae, der die philiströsen theologischen Schriften geschrieben hat, und Lessing. Wäre Lessing, nur ins 18. Jahrhundert versetzt, Valentin Andreae gewesen, so hätte er vielleicht auch in seiner Jugend einen schönen Traktat geschrieben über die Erziehung des Menschengeschlechtes mit der Idee der wiederholten Erdenleben. Aber er war eben nicht Valentin Andreae, er war Lessing, jener Lessing, der keine Visionen, sogar, wie man sagt, keine Träume gehabt hat. Er hat den Inspirator fortgeschickt, natürlich im Unbewußten. Wenn der hätte in seiner Jugend über ihn kommen wollen, so hätte er gesagt: Geh weg, ich habe mit dir nichts zu tun. — Er nahm seinen gewöhnlichen menschlichen Erziehungsweg im 18. Jahrhundert. Und dadurch wurde er erst im höchsten Alter reif, dasjenige zu verstehen, was immer in ihm war während seines Lessing-Lebens. Es war bei ihm so, wie wenn Valentin Andreae auch weggeschickt hätte den Inspirator und keine trivialen theologischen Erbauungsschriften geschrieben hätte, sondern bis ins Greisenalter gewartet und dann bewußt die «Chymische Hochzeit des Christian Rosenkreutz» geschrieben hätte.
[ 35 ] So verkettet sind die einzelnen Erdenleben. Und es muß einmal dahin kommen, daß man sich voll bewußt wird: es ist wirklich so. Wenn man ein einzelnes Menschenleben — sei es das Goethesche, Lessingsche, Spencersche, Shakespearesche, Darwinsche Leben — nimmt und das ins Auge faßt, was aus diesem Menschenleben hervorgetreten ist, so ist es, wie wenn man eine Blume abreißt vom Blumenstock und glaubt, die kann für sich bestehen. So ein einzelnes Erdenleben ist nicht für sich erklärlich, man muß die Erklärung eben auf dem Grunde der wiederholten Erdenleben finden.
[ 35 ] So verkettet sind die einzelnen Erdenleben. Und es muß einmal dahin kommen, daß man sich voll bewußt wird: es ist wirklich so. Wenn man ein einzelnes Menschenleben — sei es das Goethesche, Lessingsche, Spencersche, Shakespearesche, Darwinsche Leben — nimmt und das ins Auge faßt, was aus diesem Menschenleben hervorgetreten ist, so ist es, wie wenn man eine Blume abreißt vom Blumenstock und glaubt, die kann für sich bestehen. So ein einzelnes Erdenleben ist nicht für sich erklärlich, man muß die Erklärung eben auf dem Grunde der wiederholten Erdenleben finden.
[ 36 ] Interessant ist das Leben bei den zwei Persönlichkeiten, von denen ich dann gestern zuletzt gesprochen habe, Lord Byron auf der einen Seite und — verzeihen Sie, daß ich da persönlich werde — mein Geometrielehrer auf der anderen Seite. Sie hatten eben nur die Fußkonstruktion gemeinschaftlich, aber diese Fußkonstruktion ist doch außerordentlich beachtenswert. Wenn man diese Fußkonstruktion in okkulter Art verfolgt, führt sie einen darauf, daß sie in ähnlicher Weise, wie ich das für Eduard von Hartmann auseinandergesetzt habe, auf die besondere Beschaffenheit des Kopfes in einem früheren Erdenleben führt. Und gewiß, man kann solche Dinge nicht anders als eben erzählen, wie sie sich einem für das Schauen ergeben, ich habe das schon bei anderer Gelegenheit gesagt. Es kann ja nicht im gewöhnlichen Sinne äußere logische Beweise für diese Dinge geben. Wenn man nun das Leben dieser beiden Menschen verfolgt, so erscheint einem in der Tat wie verschoben das Erdenleben, das die beiden im 19. Jahrhundert gehabt haben. Denn da ist zunächst ein Widerspruch gegen etwas, was ich vor einigen Wochen hier angeführt habe: daß sich in gewissen Zyklen diejenigen, die einmal Zeitgenossen waren, wiederum als Zeitgenossen verkörpern. Es erleidet natürlich alles Ausnahmen. Daß man die Dinge nach dem «Schema F» behandeln kann, das geht schon auf dem physischen Plane nicht, wenn man nicht selber eben zum F im Schema werden will. Aber der geistigen Welt gegenüber, meine lieben Freunde, geht es schon gar nicht. Da gibt es zwar Regeln, aber nicht starre Schemen. Da ist alles individuell.
[ 36 ] Interessant ist das Leben bei den zwei Persönlichkeiten, von denen ich dann gestern zuletzt gesprochen habe, Lord Byron auf der einen Seite und — verzeihen Sie, daß ich da persönlich werde — mein Geometrielehrer auf der anderen Seite. Sie hatten eben nur die Fußkonstruktion gemeinschaftlich, aber diese Fußkonstruktion ist doch außerordentlich beachtenswert. Wenn man diese Fußkonstruktion in okkulter Art verfolgt, führt sie einen darauf, daß sie in ähnlicher Weise, wie ich das für Eduard von Hartmann auseinandergesetzt habe, auf die besondere Beschaffenheit des Kopfes in einem früheren Erdenleben führt. Und gewiß, man kann solche Dinge nicht anders als eben erzählen, wie sie sich einem für das Schauen ergeben, ich habe das schon bei anderer Gelegenheit gesagt. Es kann ja nicht im gewöhnlichen Sinne äußere logische Beweise für diese Dinge geben. Wenn man nun das Leben dieser beiden Menschen verfolgt, so erscheint einem in der Tat wie verschoben das Erdenleben, das die beiden im 19. Jahrhundert gehabt haben. Denn da ist zunächst ein Widerspruch gegen etwas, was ich vor einigen Wochen hier angeführt habe: daß sich in gewissen Zyklen diejenigen, die einmal Zeitgenossen waren, wiederum als Zeitgenossen verkörpern. Es erleidet natürlich alles Ausnahmen. Daß man die Dinge nach dem «Schema F» behandeln kann, das geht schon auf dem physischen Plane nicht, wenn man nicht selber eben zum F im Schema werden will. Aber der geistigen Welt gegenüber, meine lieben Freunde, geht es schon gar nicht. Da gibt es zwar Regeln, aber nicht starre Schemen. Da ist alles individuell.
[ 37 ] Und so wird man gerade bei diesen beiden Persönlichkeiten auf ein gemeinsames Erdenleben, das sie miteinander geführt haben, zurückversetzt. Byron hätte ich gar nicht in diesem früheren Erdenleben gefunden, wenn ich nicht diesen meinen Geometrielehrer an seiner Seite gefunden hätte. Byron war genial; dieser Geometrielehrer war nicht einmal in seiner Art genial. Er war gar nicht genial, aber er war ein ausgezeichneter Geometer, der beste, den ich in meinem Leben überhaupt kennengelernt habe, weil er ein echter Geometer war.
[ 37 ] Und so wird man gerade bei diesen beiden Persönlichkeiten auf ein gemeinsames Erdenleben, das sie miteinander geführt haben, zurückversetzt. Byron hätte ich gar nicht in diesem früheren Erdenleben gefunden, wenn ich nicht diesen meinen Geometrielehrer an seiner Seite gefunden hätte. Byron war genial; dieser Geometrielehrer war nicht einmal in seiner Art genial. Er war gar nicht genial, aber er war ein ausgezeichneter Geometer, der beste, den ich in meinem Leben überhaupt kennengelernt habe, weil er ein echter Geometer war.
[ 38 ] Wirklich — nicht wahr, bei einem Maler weiß man: da ist etwas Einseitiges; bei einem Musiker weiß man: er ist einseitig. Denn die Leute sind eigentlich nur bedeutend, wenn sie einseitig sind; aber ein Geometer in unserer Zeit ist in der Regel ja nicht einseitig. Ein Geometer kennt die ganze Mathematik und weiß, wenn er irgend etwas Geometrisches konstruiert, immer, wie man auch die Gleichungen aufstellt von diesen Dingen. Er weiß das Mathematische davon, das Rechnerische.
[ 38 ] Wirklich — nicht wahr, bei einem Maler weiß man: da ist etwas Einseitiges; bei einem Musiker weiß man: er ist einseitig. Denn die Leute sind eigentlich nur bedeutend, wenn sie einseitig sind; aber ein Geometer in unserer Zeit ist in der Regel ja nicht einseitig. Ein Geometer kennt die ganze Mathematik und weiß, wenn er irgend etwas Geometrisches konstruiert, immer, wie man auch die Gleichungen aufstellt von diesen Dingen. Er weiß das Mathematische davon, das Rechnerische.
[ 39 ] Dieser Geometrielehrer, von dem ich Ihnen jetzt erzähle, der war ein ausgezeichneter Geometer, aber gar kein Mathematiker. Er verstand gar nichts von analytischer Geometrie zum Beispiel. Von analytischer Geometrie, von der rechnerischen Geometrie, die mit Gleichungen zu tun hat, wußte er gar nichts; da hat er die kindlichsten Sachen gemacht.
[ 39 ] Dieser Geometrielehrer, von dem ich Ihnen jetzt erzähle, der war ein ausgezeichneter Geometer, aber gar kein Mathematiker. Er verstand gar nichts von analytischer Geometrie zum Beispiel. Von analytischer Geometrie, von der rechnerischen Geometrie, die mit Gleichungen zu tun hat, wußte er gar nichts; da hat er die kindlichsten Sachen gemacht.
[ 40 ] Es war sogar einmal sehr spaßig. Der Mann war so sehr nur Konstrukteur, daß er durch konstruktive Methode darauf gekommen ist, daß der Kreis der geometrische Ort der konstanten Quotienten ist. Das hat er auf konstruktive Weise gefunden, und weil es auf konstruktive Weise niemand vor ihm gefunden hatte, hielt er sich für den Entdecker der Sache. Und wir Buben, die natürlich, insofern sie nicht gerade Philister waren, schon auch ein gut Stück Ausgelassenheit hatten, wir Buben wußten: in unserem analytischen Buch stand ja das drinnen, daß man eine solche Gleichung aufstellt und der Kreis kommt. Und wir haben da natürlich den Anlaß genommen, den Kreis nicht mehr Kreis zu nennen, sondern auf den Namen unseres Geometrielehrers zu benennen: die N.-N.-Linie haben wir gesagt — ich will den Namen nicht nennen. Wirklich, er hatte die geniale Einseitigkeit des konstruktiven Geometers. Das war auch das so Bedeutsame, so Prägnante an ihm. Die Menschen des gegenwärtigen Zeitalters sind ja nicht zu fassen; sie sind nicht so prägnant, es sind so viele Aale darunter. Aber das war kein Aal, das war ein Mensch mit Ecken, sogar in der äußeren Konfiguration. Er hatte ein Gesicht, das ungefähr viereckig geformt war, einen sehr interessanten Kopf, ganz viereckig, gar nichts Abgerundetes. Wirklich, das Rechteck konnte man in seinen Eigenschaften, in seinen konstruktiven Eigenschaften an dem Gesichte dieses Mannes studieren. Sehr interessant war das.
[ 40 ] Es war sogar einmal sehr spaßig. Der Mann war so sehr nur Konstrukteur, daß er durch konstruktive Methode darauf gekommen ist, daß der Kreis der geometrische Ort der konstanten Quotienten ist. Das hat er auf konstruktive Weise gefunden, und weil es auf konstruktive Weise niemand vor ihm gefunden hatte, hielt er sich für den Entdecker der Sache. Und wir Buben, die natürlich, insofern sie nicht gerade Philister waren, schon auch ein gut Stück Ausgelassenheit hatten, wir Buben wußten: in unserem analytischen Buch stand ja das drinnen, daß man eine solche Gleichung aufstellt und der Kreis kommt. Und wir haben da natürlich den Anlaß genommen, den Kreis nicht mehr Kreis zu nennen, sondern auf den Namen unseres Geometrielehrers zu benennen: die N.-N.-Linie haben wir gesagt — ich will den Namen nicht nennen. Wirklich, er hatte die geniale Einseitigkeit des konstruktiven Geometers. Das war auch das so Bedeutsame, so Prägnante an ihm. Die Menschen des gegenwärtigen Zeitalters sind ja nicht zu fassen; sie sind nicht so prägnant, es sind so viele Aale darunter. Aber das war kein Aal, das war ein Mensch mit Ecken, sogar in der äußeren Konfiguration. Er hatte ein Gesicht, das ungefähr viereckig geformt war, einen sehr interessanten Kopf, ganz viereckig, gar nichts Abgerundetes. Wirklich, das Rechteck konnte man in seinen Eigenschaften, in seinen konstruktiven Eigenschaften an dem Gesichte dieses Mannes studieren. Sehr interessant war das.
[ 41 ] Es stellt sich nun in der Anschauung diese Persönlichkeit direkt neben Byron hin, und man wird zurückgeführt in sehr alte Zeiten Osteuropas, die etwa ein oder zwei Jahrhunderte vor den Kreuzzügen liegen.
[ 41 ] Es stellt sich nun in der Anschauung diese Persönlichkeit direkt neben Byron hin, und man wird zurückgeführt in sehr alte Zeiten Osteuropas, die etwa ein oder zwei Jahrhunderte vor den Kreuzzügen liegen.
[ 42 ] Nun habe ich Ihnen einmal eine Geschichte erzählt — diejenigen, die dagewesen sind, werden sich erinnern —, daß, als der römische Kaiser Konstantin Konstantinopel begründet hatte, er das von Asien, von 'Troja nach Rom gebrachte Palladium von Rom aus nach Konstantinopel verpflanzen ließ. Das wurde mit einem ungeheuren Gepränge gemacht. Denn dieses Palladium wurde als ein besonderes Heiligtum angesehen, als etwas, das Kraft verleiht demjenigen, der es hat. Und so war man in Rom tatsächlich überzeugt, daß, so lange das Palladium unter einer Säule in Rom auf einem wichtigen Platze lag, darinnen eigentlich die Kraft Roms beruhe; man war überzeugt, daß man diese Kraft von dem einstmals mächtigen, nur eben von den Griechen zerstörten Troja herübergebracht hatte.
[ 42 ] Nun habe ich Ihnen einmal eine Geschichte erzählt — diejenigen, die dagewesen sind, werden sich erinnern —, daß, als der römische Kaiser Konstantin Konstantinopel begründet hatte, er das von Asien, von 'Troja nach Rom gebrachte Palladium von Rom aus nach Konstantinopel verpflanzen ließ. Das wurde mit einem ungeheuren Gepränge gemacht. Denn dieses Palladium wurde als ein besonderes Heiligtum angesehen, als etwas, das Kraft verleiht demjenigen, der es hat. Und so war man in Rom tatsächlich überzeugt, daß, so lange das Palladium unter einer Säule in Rom auf einem wichtigen Platze lag, darinnen eigentlich die Kraft Roms beruhe; man war überzeugt, daß man diese Kraft von dem einstmals mächtigen, nur eben von den Griechen zerstörten Troja herübergebracht hatte.
[ 43 ] Konstantin, dem daran lag, die römische Macht nach Konstantinopel herüberzuverpflanzen, hat ja mit einem ungeheuren Gepränge dieses Palladium hinüber nach Konstantinopel bringen lassen, natürlich ganz im geheimen zunächst, es versenken lassen, darüber vermauert, und mit einer Säule, die von Ägypten stammte, den Platz bedecken lassen, darunter das Palladium lag. Dann hatte er diese alte Säule herrichten lassen, oben darauf eine alte Apollo-Statue gestellt, die aber so hergerichtet war, daß sie dem Kaiser Konstantin ähnlich sah in der damaligen Zeit. Dann ließ er Nägel aus dem Kreuz Christi kommen. Von denen machte er eine Strahlenkrone der Statue, die eine alte Apollo-Statue war, die aber ihn darstellen sollte. Und da war denn das Palladium nach Konstantinopel verlegt worden.
[ 43 ] Konstantin, dem daran lag, die römische Macht nach Konstantinopel herüberzuverpflanzen, hat ja mit einem ungeheuren Gepränge dieses Palladium hinüber nach Konstantinopel bringen lassen, natürlich ganz im geheimen zunächst, es versenken lassen, darüber vermauert, und mit einer Säule, die von Ägypten stammte, den Platz bedecken lassen, darunter das Palladium lag. Dann hatte er diese alte Säule herrichten lassen, oben darauf eine alte Apollo-Statue gestellt, die aber so hergerichtet war, daß sie dem Kaiser Konstantin ähnlich sah in der damaligen Zeit. Dann ließ er Nägel aus dem Kreuz Christi kommen. Von denen machte er eine Strahlenkrone der Statue, die eine alte Apollo-Statue war, die aber ihn darstellen sollte. Und da war denn das Palladium nach Konstantinopel verlegt worden.
[ 44 ] Nun gibt es eine Sage, die sich in einer merkwürdigen Weise später gebildet hat, die aber eigentlich sehr, sehr alt ist. Sie wurde nur später in Anlehnung an das Testament Peters des Großen wieder erneuert und umgestaltet, aber sie geht in sehr alte Zeiten zurück: daß nämlich einmal von Konstantinopel weiter nach Nordosten hinauf das Palladium kommen würde. Daraus ist im späteren Rußland eben die Anschauung entstanden, daß man das Palladium von der Hauptstadt Konstantinopel nach Rußland verpflanzen müsse. Dann gehe dasjenige, was damit verknüpft ist, was nur unter der Türkenherrschaft korrumpiert worden ist, über an die Herrschaft Osteuropas.
[ 44 ] Nun gibt es eine Sage, die sich in einer merkwürdigen Weise später gebildet hat, die aber eigentlich sehr, sehr alt ist. Sie wurde nur später in Anlehnung an das Testament Peters des Großen wieder erneuert und umgestaltet, aber sie geht in sehr alte Zeiten zurück: daß nämlich einmal von Konstantinopel weiter nach Nordosten hinauf das Palladium kommen würde. Daraus ist im späteren Rußland eben die Anschauung entstanden, daß man das Palladium von der Hauptstadt Konstantinopel nach Rußland verpflanzen müsse. Dann gehe dasjenige, was damit verknüpft ist, was nur unter der Türkenherrschaft korrumpiert worden ist, über an die Herrschaft Osteuropas.
[ 45 ] Nun, diese beiden Persönlichkeiten, diese beiden Individualitäten, die lernten in alten Zeiten diese Sage kennen — wie gesagt, ein oder zwei Jahrhunderte vor den Kreuzzügen, genau konnte ich das nicht feststellen —, und sie waren diejenigen, die sich darangemacht haben, aus dem heutigen Rußland heraus nach Konstantinopel zu gehen, um dort das Palladium in irgendeiner Weise zu erwerben und es nach dem Osten Europas zu bringen.
[ 45 ] Nun, diese beiden Persönlichkeiten, diese beiden Individualitäten, die lernten in alten Zeiten diese Sage kennen — wie gesagt, ein oder zwei Jahrhunderte vor den Kreuzzügen, genau konnte ich das nicht feststellen —, und sie waren diejenigen, die sich darangemacht haben, aus dem heutigen Rußland heraus nach Konstantinopel zu gehen, um dort das Palladium in irgendeiner Weise zu erwerben und es nach dem Osten Europas zu bringen.
[ 46 ] Dazu kam es nicht. Es konnte ja nicht dazu kommen, denn das Palladium war gut verwahrt, und die Persönlichkeiten, die wußten, wie es verwahrt ist, denen war es nicht abzugewinnen. Aber ein ungeheurer Schmerz bemächtigte sich dieser beiden Menschen. Und was da wie ein Strahl hineingegangen ist in den einen und in den anderen, das paralysierte geradezu ihre Köpfe in der damaligen Zeit, und das kam bei dem einen, bei Lord Byron, so zum Vorschein, daß er gewissermaßen wie Achilles, der an der Ferse verwundbar war, einen schadhaften Fuß hatte, dafür aber die Genialität des Hauptes, die einfach der Ausgleich war für die Paralysierung in dem früheren Erdenleben; und daß der andere nun auch wegen des paralysierten Hauptes den schadhaften Fuß, den Klumpfuß hatte. Aber, sehen Sie, man weiß es halt gewöhnlich nicht, daß der Mensch die Geometrie, die Mathematik nicht aus dem Kopfe hat. Wenn Sie nicht den Winkel abschreiten würden mit ihren Füßen, so hätte der Kopf nicht die Anschauung. Sie hätten überhaupt nichts von Geometrie, wenn Sie nicht mit der Geometrie gehen und greifen würden. Das alles schlägt sich aus dem Kopfe heraus und kommt in den Vorstellungen hervor. Und derjenige, der einen solchen Fuß hat wie mein Geometrielehrer, bei dem ist eine starke Aufmerksamkeitsmöglichkeit vorhanden, die geometrische Konstitution des motorischen Organismus, des Gliedmaßenorganismus in seinem Kopfe wiederzugeben.
[ 46 ] Dazu kam es nicht. Es konnte ja nicht dazu kommen, denn das Palladium war gut verwahrt, und die Persönlichkeiten, die wußten, wie es verwahrt ist, denen war es nicht abzugewinnen. Aber ein ungeheurer Schmerz bemächtigte sich dieser beiden Menschen. Und was da wie ein Strahl hineingegangen ist in den einen und in den anderen, das paralysierte geradezu ihre Köpfe in der damaligen Zeit, und das kam bei dem einen, bei Lord Byron, so zum Vorschein, daß er gewissermaßen wie Achilles, der an der Ferse verwundbar war, einen schadhaften Fuß hatte, dafür aber die Genialität des Hauptes, die einfach der Ausgleich war für die Paralysierung in dem früheren Erdenleben; und daß der andere nun auch wegen des paralysierten Hauptes den schadhaften Fuß, den Klumpfuß hatte. Aber, sehen Sie, man weiß es halt gewöhnlich nicht, daß der Mensch die Geometrie, die Mathematik nicht aus dem Kopfe hat. Wenn Sie nicht den Winkel abschreiten würden mit ihren Füßen, so hätte der Kopf nicht die Anschauung. Sie hätten überhaupt nichts von Geometrie, wenn Sie nicht mit der Geometrie gehen und greifen würden. Das alles schlägt sich aus dem Kopfe heraus und kommt in den Vorstellungen hervor. Und derjenige, der einen solchen Fuß hat wie mein Geometrielehrer, bei dem ist eine starke Aufmerksamkeitsmöglichkeit vorhanden, die geometrische Konstitution des motorischen Organismus, des Gliedmaßenorganismus in seinem Kopfe wiederzugeben.
[ 47 ] Und wenn man sich in diesen Geometrielehrer vertiefte, in seine ganze geistige Konfiguration, dann hatte man noch einen bedeutsamen menschlichen Eindruck. Und wirklich, es war etwas Entzückendes in ihm, wenn er im Grunde genommen alles so tat als geometrischer Konstrukteur, wie wenn die ganze übrige Welt nicht da wäre. Er war ein ungeheuer freier Mensch, und es kam einem schon bei ihm — man mußte nur genau zusehen — etwas in den Sinn, wie wenn eine innere Zaubermacht einmal auf ihm gewaltet hätte und ihn zu dieser besagten Einseitigkeit gebracht hätte.
[ 47 ] Und wenn man sich in diesen Geometrielehrer vertiefte, in seine ganze geistige Konfiguration, dann hatte man noch einen bedeutsamen menschlichen Eindruck. Und wirklich, es war etwas Entzückendes in ihm, wenn er im Grunde genommen alles so tat als geometrischer Konstrukteur, wie wenn die ganze übrige Welt nicht da wäre. Er war ein ungeheuer freier Mensch, und es kam einem schon bei ihm — man mußte nur genau zusehen — etwas in den Sinn, wie wenn eine innere Zaubermacht einmal auf ihm gewaltet hätte und ihn zu dieser besagten Einseitigkeit gebracht hätte.
[ 48 ] Nun, bei Lord Byron — ich erwähnte ja den zweiten nur, weil ich Lord Byron sonst nicht hätte kennenlernen können, wenn der mich nicht auf den Weg geführt hätte —, da sehen Sie aber das Karma sich auswirken. Von Osten herüber geht er einstmals, das Palladium zu holen. Als er im Westen geboren wird, geht er, um die Freiheit, das geistige Palladium im 19. Jahrhundert verwirklichen zu helfen. Und er geht, indem er von derselben Erdgegend angezogen wird, von derselben Richtung wenigstens, der er einstmals von der anderen Seite her gefolgt ist. Es hat etwas wirklich Erschütterndes, zu sehen, wie ein und dieselbe Individualität nach derselben Lokalität der Erde in einem Erdenleben von der einen, im anderen Erdenleben von der anderen Seite kommt; im einen Erdenleben berufen von dem, was tief in den Mythos nach den Anschauungen der damaligen Zeit getaucht ist, in dem anderen Erdenleben von demjenigen angezogen, was das Aufklärungszeitalter als das große Ideal hervorgebracht hatte. Es hat das etwas ungeheuer Erschütterndes.
[ 48 ] Nun, bei Lord Byron — ich erwähnte ja den zweiten nur, weil ich Lord Byron sonst nicht hätte kennenlernen können, wenn der mich nicht auf den Weg geführt hätte —, da sehen Sie aber das Karma sich auswirken. Von Osten herüber geht er einstmals, das Palladium zu holen. Als er im Westen geboren wird, geht er, um die Freiheit, das geistige Palladium im 19. Jahrhundert verwirklichen zu helfen. Und er geht, indem er von derselben Erdgegend angezogen wird, von derselben Richtung wenigstens, der er einstmals von der anderen Seite her gefolgt ist. Es hat etwas wirklich Erschütterndes, zu sehen, wie ein und dieselbe Individualität nach derselben Lokalität der Erde in einem Erdenleben von der einen, im anderen Erdenleben von der anderen Seite kommt; im einen Erdenleben berufen von dem, was tief in den Mythos nach den Anschauungen der damaligen Zeit getaucht ist, in dem anderen Erdenleben von demjenigen angezogen, was das Aufklärungszeitalter als das große Ideal hervorgebracht hatte. Es hat das etwas ungeheuer Erschütterndes.
[ 49 ] Und erschütternd sind eigentlich die Dinge, die sich einem aus den karmischen Zusammenhängen heraus ergeben. Sie sind immer erschütternd. Und wir werden noch mancherlei Erschütterndes, Frappierendes, Paradoxes auf diesem Gebiete kennenlernen. Für heute wollte ich Ihnen eben das vorlegen, was Ihnen wirklich ganz begreiflich machen kann, wie merkwürdig die Zusammenhänge zwischen früheren und späteren Erdenleben sich im Menschentum einstellen können.
[ 49 ] Und erschütternd sind eigentlich die Dinge, die sich einem aus den karmischen Zusammenhängen heraus ergeben. Sie sind immer erschütternd. Und wir werden noch mancherlei Erschütterndes, Frappierendes, Paradoxes auf diesem Gebiete kennenlernen. Für heute wollte ich Ihnen eben das vorlegen, was Ihnen wirklich ganz begreiflich machen kann, wie merkwürdig die Zusammenhänge zwischen früheren und späteren Erdenleben sich im Menschentum einstellen können.

