Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236

23 April 1924, Dornach

Translate the original German text into any language:

Dritter Vortrag

Dritter Vortrag

[ 1 ] Ich möchte zu dem in diesen Tagen Gesagten einiges hinzufügen für die Freunde, die gelegentlich des Osterkursus hierhergekommen sind und die manches von dem in der letzten Zeit hier Gesagten nicht gehört haben, hinzufügen aus den Gebieten karmischer Zusammenhänge. Für diejenigen Freunde, die in den vorigen Stunden vor der Östertagung hier gewesen sind, wird vielleicht einiges eine Wiederholung sein, allein das ist eben aus der Natur unserer jetzigen Veranstaltung hier doch wohl notwendig.

[ 1 ] Ich möchte zu dem in diesen Tagen Gesagten einiges hinzufügen für die Freunde, die gelegentlich des Osterkursus hierhergekommen sind und die manches von dem in der letzten Zeit hier Gesagten nicht gehört haben, hinzufügen aus den Gebieten karmischer Zusammenhänge. Für diejenigen Freunde, die in den vorigen Stunden vor der Östertagung hier gewesen sind, wird vielleicht einiges eine Wiederholung sein, allein das ist eben aus der Natur unserer jetzigen Veranstaltung hier doch wohl notwendig.

[ 2 ] Ich habe ja in der letzten Zeit ganz besonders betont, wie das geschichtliche Leben der Menschheit herangebracht werden muß an die Betrachtung des Menschen selbst. All unser Streben geht ja darauf hin, den Menschen überhaupt wiederum in den Mittelpunkt der Weltbetrachtungen zu stellen. Es wird dadurch ein Doppeltes erreicht: Erstens, es wird überhaupt dadurch erst eine Weltbetrachtung möglich, weil dasjenige, was um den Menschen herum in der außermenschlichen Natur ausgebreitet ist, doch nur einen Teil, ein gewisses Gebiet der Welt darstellt. Etwa so nimmt sich eine Weltbetrachtung aus, welche sich auf dieses Naturgebiet beschränkt, wie eine Pflanzenbetrachtung, die immer stehenbleibt bei der Anschauung von Wurzeln, grünen Blättern und Stengeln, und niemals dazu kommt, Blüte und Frucht zu sehen. Eine solche Betrachtung liefert einfach nicht die ganze Pflanze. Könnten Sie sich ein Wesen vorstellen, das stets nur zu einer Zeit geboren wird und zu einer Zeit lebt, in der die Pflanze nur bis zu den grünen Blättern wächst, das niemals eine Blüte sieht, das zu der Zeit, wenn die Blüte kommen soll, stirbt, und erst wieder hervorkommt, wenn nur Wurzeln und grüne Blätter da sind? Ein solches Wesen würde die volle, die ganze Pflanze niemals kennenlernen, würde von der Pflanze als einem Wesen reden, das nur Wurzel und Blätter hat.

[ 2 ] Ich habe ja in der letzten Zeit ganz besonders betont, wie das geschichtliche Leben der Menschheit herangebracht werden muß an die Betrachtung des Menschen selbst. All unser Streben geht ja darauf hin, den Menschen überhaupt wiederum in den Mittelpunkt der Weltbetrachtungen zu stellen. Es wird dadurch ein Doppeltes erreicht: Erstens, es wird überhaupt dadurch erst eine Weltbetrachtung möglich, weil dasjenige, was um den Menschen herum in der außermenschlichen Natur ausgebreitet ist, doch nur einen Teil, ein gewisses Gebiet der Welt darstellt. Etwa so nimmt sich eine Weltbetrachtung aus, welche sich auf dieses Naturgebiet beschränkt, wie eine Pflanzenbetrachtung, die immer stehenbleibt bei der Anschauung von Wurzeln, grünen Blättern und Stengeln, und niemals dazu kommt, Blüte und Frucht zu sehen. Eine solche Betrachtung liefert einfach nicht die ganze Pflanze. Könnten Sie sich ein Wesen vorstellen, das stets nur zu einer Zeit geboren wird und zu einer Zeit lebt, in der die Pflanze nur bis zu den grünen Blättern wächst, das niemals eine Blüte sieht, das zu der Zeit, wenn die Blüte kommen soll, stirbt, und erst wieder hervorkommt, wenn nur Wurzeln und grüne Blätter da sind? Ein solches Wesen würde die volle, die ganze Pflanze niemals kennenlernen, würde von der Pflanze als einem Wesen reden, das nur Wurzel und Blätter hat.

[ 3 ] In eine ähnliche Lage gegenüber der ganzen Weltbetrachtung hat sich die moderne materialistische Gesinnung gebracht. Sie betrachtet nur die breitere Unterlage des Lebens, nicht das, was aus der Gesamtheit des irdischen Werdens und Seins hervorsprießt: den Menschen selber. Unsere Naturbetrachtung muß durchaus so sein, daß die Natur in ihren Weiten betrachtet wird, aber uns gleich in der Betrachtung so vorkommt, als ob sie aus sich heraus den Menschen schaffen müßte. Dadurch erscheint der Mensch wirklich als ein Mikrokosmos, als eine Konzentrierung alles dessen, was sich in den Weiten des Kosmos findet.

[ 3 ] In eine ähnliche Lage gegenüber der ganzen Weltbetrachtung hat sich die moderne materialistische Gesinnung gebracht. Sie betrachtet nur die breitere Unterlage des Lebens, nicht das, was aus der Gesamtheit des irdischen Werdens und Seins hervorsprießt: den Menschen selber. Unsere Naturbetrachtung muß durchaus so sein, daß die Natur in ihren Weiten betrachtet wird, aber uns gleich in der Betrachtung so vorkommt, als ob sie aus sich heraus den Menschen schaffen müßte. Dadurch erscheint der Mensch wirklich als ein Mikrokosmos, als eine Konzentrierung alles dessen, was sich in den Weiten des Kosmos findet.

[ 4 ] Sobald man diese Art der Betrachtung auf die Geschichte anwendet, ist man nicht mehr in der Lage, den Menschen bloß so zu betrachten, daß man die Kräfte der Geschichte auf den Menschen konzentriert und ein einheitlich zusammengehaltenes Wesen im Menschen sieht, sondern da muß man den Menschen betrachten, wie er durch verschiedene Erdenleben geht, denn er ist mit dem einen Erdenleben in einer älteren Zeit, mit dem anderen Erdenleben in einer späteren Zeit verbunden. Und der Umstand, daß es so ist, stellt wiederum den Menschen, aber jetzt die Totalität des Menschen, die Individualität des Menschen, in den Mittelpunkt der Betrachtung. Das ist das eine, was durch eine solche Anschauung von Natur und Geschichte erreicht wird.

[ 4 ] Sobald man diese Art der Betrachtung auf die Geschichte anwendet, ist man nicht mehr in der Lage, den Menschen bloß so zu betrachten, daß man die Kräfte der Geschichte auf den Menschen konzentriert und ein einheitlich zusammengehaltenes Wesen im Menschen sieht, sondern da muß man den Menschen betrachten, wie er durch verschiedene Erdenleben geht, denn er ist mit dem einen Erdenleben in einer älteren Zeit, mit dem anderen Erdenleben in einer späteren Zeit verbunden. Und der Umstand, daß es so ist, stellt wiederum den Menschen, aber jetzt die Totalität des Menschen, die Individualität des Menschen, in den Mittelpunkt der Betrachtung. Das ist das eine, was durch eine solche Anschauung von Natur und Geschichte erreicht wird.

[ 5 ] Das andere ist, daß gerade dann, wenn man den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, ethisch das erreicht werden wird, daß in dem menschlichen Charakter eine gewisse Bescheidenheit eintreten wird. Unbescheidenheit kommt eigentlich nur aus mangelnder Menschenerkenntnis. Es wird ganz gewiß nicht aus einer eindringlichen, umfassenden Menschenerkenntnis im Zusammenhange mit den Welt- und Geschichtsereignissen das folgen, daß der Mensch sich überschätzt, sondern es wird zur Folge haben, daß der Mensch sich objektiver nimmt. Gerade wenn der Mensch sich nicht kennt, so sprießen in ihm diejenigen Gefühle auf, die eben aus dem Unbekannten seiner eigenen Wesenheit kommen. Instinktive emotionelle Regungen ziehen aus ihm auf, und diese im Unterbewußten wurzelnden instinktiven emotionellen Regungen, die machen den Menschen eigentlich unbescheiden, hochmütig und so weiter. Dagegen wenn das Bewußtsein immer mehr und mehr hinuntersteigt in diejenigen Regionen, in denen sich der Mensch erkennt, wie er den Weiten des Weltenalls und dem Leben der aufeinanderfolgenden geschichtlichen Ereignisse angehört, wird sich im Menschen einem innerlichen Gesetze nach Bescheidenheit entwickeln. Denn die Anpassung an das Weltendasein ruft immer Bescheidenheit hervor, nicht Überhebung. Alles, was als eine reale, wahre Betrachtung in der Anthroposophie gepflogen werden kann, hat durchaus auch seine ethische Seite, zeitigt seine ethischen Impulse. Anthroposophie wird nicht eine Lebensauffassung hervorbringen so wie die neuere materialistische Zeit, welche die Ethik, die Moral als etwas Äußerliches hat, sondern die Ethik, die Moral wird ihr etwas sein, was innerlich hervorgetrieben wird aus alledem, was man betrachtet.

[ 5 ] Das andere ist, daß gerade dann, wenn man den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, ethisch das erreicht werden wird, daß in dem menschlichen Charakter eine gewisse Bescheidenheit eintreten wird. Unbescheidenheit kommt eigentlich nur aus mangelnder Menschenerkenntnis. Es wird ganz gewiß nicht aus einer eindringlichen, umfassenden Menschenerkenntnis im Zusammenhange mit den Welt- und Geschichtsereignissen das folgen, daß der Mensch sich überschätzt, sondern es wird zur Folge haben, daß der Mensch sich objektiver nimmt. Gerade wenn der Mensch sich nicht kennt, so sprießen in ihm diejenigen Gefühle auf, die eben aus dem Unbekannten seiner eigenen Wesenheit kommen. Instinktive emotionelle Regungen ziehen aus ihm auf, und diese im Unterbewußten wurzelnden instinktiven emotionellen Regungen, die machen den Menschen eigentlich unbescheiden, hochmütig und so weiter. Dagegen wenn das Bewußtsein immer mehr und mehr hinuntersteigt in diejenigen Regionen, in denen sich der Mensch erkennt, wie er den Weiten des Weltenalls und dem Leben der aufeinanderfolgenden geschichtlichen Ereignisse angehört, wird sich im Menschen einem innerlichen Gesetze nach Bescheidenheit entwickeln. Denn die Anpassung an das Weltendasein ruft immer Bescheidenheit hervor, nicht Überhebung. Alles, was als eine reale, wahre Betrachtung in der Anthroposophie gepflogen werden kann, hat durchaus auch seine ethische Seite, zeitigt seine ethischen Impulse. Anthroposophie wird nicht eine Lebensauffassung hervorbringen so wie die neuere materialistische Zeit, welche die Ethik, die Moral als etwas Äußerliches hat, sondern die Ethik, die Moral wird ihr etwas sein, was innerlich hervorgetrieben wird aus alledem, was man betrachtet.

[ 6 ] Nun möchte ich zeigen, wie in gewissen Menschenwesenheiten frühere Epochen herübergetragen werden durch den Menschen selber in spätere Epochen. Ich möchte das an einzelnen Beispielen auch heute zeigen. Da haben wir ein, ich möchte sagen, sehr fesselndes Beispiel, das uns in der Betrachtung in diese schweizerischen Gegenden führen kann.

[ 6 ] Nun möchte ich zeigen, wie in gewissen Menschenwesenheiten frühere Epochen herübergetragen werden durch den Menschen selber in spätere Epochen. Ich möchte das an einzelnen Beispielen auch heute zeigen. Da haben wir ein, ich möchte sagen, sehr fesselndes Beispiel, das uns in der Betrachtung in diese schweizerischen Gegenden führen kann.

[ 7 ] Wir wenden den Blick hin auf einen Menschen der vorchristlichen Zeit, etwa ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums, und finden da — ich erzähle, was in einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung gefunden werden konnte — eine Persönlichkeit, die eine Art Sklavenaufseher ist, die, wie gesagt, ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums in südlichen Gegenden Europas eine Art Sklavenaufseher ist.

[ 7 ] Wir wenden den Blick hin auf einen Menschen der vorchristlichen Zeit, etwa ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums, und finden da — ich erzähle, was in einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung gefunden werden konnte — eine Persönlichkeit, die eine Art Sklavenaufseher ist, die, wie gesagt, ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums in südlichen Gegenden Europas eine Art Sklavenaufseher ist.

[ 8 ] Man darf sich unter einem Sklavenaufseher der damaligen Zeit nicht dasjenige vorstellen, was sogleich bei diesen Worten in uns an Gefühlen und Empfindungen erregt wird. Die Sklaverei war ja im Altertum etwas, was durchaus als gang und gäbe angesehen worden ist, und sie war in der Zeit, von der ich hier spreche, eigentlich im wesentlichen schon gemildert, und die Sklavenaufseher waren gebildete Leute. In dieser Zeit waren ja sogar oftmals die Lehrer von sehr bedeutenden Leuten Sklaven, weil unter den Sklaven auch die Bildung, die literarische Bildung, die wissenschaftliche Bildung der damaligen Zeit vielfach herrschte. Also man muß sich schon gesündere Ansichten über das Sklaventum verschaffen, ohne es selbstverständlich auch nur im geringsten zu verteidigen, wenn man auf das Altertum in dieser Beziehung hinsieht.

[ 8 ] Man darf sich unter einem Sklavenaufseher der damaligen Zeit nicht dasjenige vorstellen, was sogleich bei diesen Worten in uns an Gefühlen und Empfindungen erregt wird. Die Sklaverei war ja im Altertum etwas, was durchaus als gang und gäbe angesehen worden ist, und sie war in der Zeit, von der ich hier spreche, eigentlich im wesentlichen schon gemildert, und die Sklavenaufseher waren gebildete Leute. In dieser Zeit waren ja sogar oftmals die Lehrer von sehr bedeutenden Leuten Sklaven, weil unter den Sklaven auch die Bildung, die literarische Bildung, die wissenschaftliche Bildung der damaligen Zeit vielfach herrschte. Also man muß sich schon gesündere Ansichten über das Sklaventum verschaffen, ohne es selbstverständlich auch nur im geringsten zu verteidigen, wenn man auf das Altertum in dieser Beziehung hinsieht.

[ 9 ] Wir haben also eine solche Persönlichkeit, deren Beruf es ist, sich mit der Austeilung der Arbeit, mit der Behandlung einer Reihe von Sklaven zu beschäftigen. Aber diese Persönlichkeit, die eine außerordentlich liebenswürdige ist, eine milde Persönlichkeit, die alles tut, wenn sie sich selber folgen kann, um den Sklaven das Leben angenehm zu machen, untersteht nun einer rauhen, etwas brutalen Persönlichkeit. Wir würden nach unseren heutigen Benennungen jene Persönlichkeit den Vorgesetzten nennen. Dem muß sie folgen, diese Persönlichkeit. Dadurch kommt manches, was Groll erzeugt bei den Geführten. Und es stellt sich dann heraus, daß, als die Persönlichkeit, von der ich rede, der Sklavenaufseher, durch die Pforte des Todes geht, sie umringt ist in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt von all den Seelen die mit ihr dadurch verbunden waren, daß sie ihr Sklavenaufseher war. Aber insbesondere stark verbunden war die Individualität dieser Persönlichkeit mit jenem Vorgesetzten, und zwar dadurch, daß sie, als sie Sklavenführer war, diesem Vorgesetzten folgen mußte, daß sie oftmals widerwillig, aber doch immer nach der Sitte der damaligen Zeit für ein solches soziales Verhältnis, ihm folgte. Das begründete einen tieferen karmischen Zusammenhang. Es begründete auch einen tieferen karmischen Zusammenhang das Verhältnis, das da war in der physischen Welt zwischen dem Sklavenführer, man könnte auch sagen in vieler Beziehung Sklavenlehrer, und der Schar der Sklaven.

[ 9 ] Wir haben also eine solche Persönlichkeit, deren Beruf es ist, sich mit der Austeilung der Arbeit, mit der Behandlung einer Reihe von Sklaven zu beschäftigen. Aber diese Persönlichkeit, die eine außerordentlich liebenswürdige ist, eine milde Persönlichkeit, die alles tut, wenn sie sich selber folgen kann, um den Sklaven das Leben angenehm zu machen, untersteht nun einer rauhen, etwas brutalen Persönlichkeit. Wir würden nach unseren heutigen Benennungen jene Persönlichkeit den Vorgesetzten nennen. Dem muß sie folgen, diese Persönlichkeit. Dadurch kommt manches, was Groll erzeugt bei den Geführten. Und es stellt sich dann heraus, daß, als die Persönlichkeit, von der ich rede, der Sklavenaufseher, durch die Pforte des Todes geht, sie umringt ist in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt von all den Seelen die mit ihr dadurch verbunden waren, daß sie ihr Sklavenaufseher war. Aber insbesondere stark verbunden war die Individualität dieser Persönlichkeit mit jenem Vorgesetzten, und zwar dadurch, daß sie, als sie Sklavenführer war, diesem Vorgesetzten folgen mußte, daß sie oftmals widerwillig, aber doch immer nach der Sitte der damaligen Zeit für ein solches soziales Verhältnis, ihm folgte. Das begründete einen tieferen karmischen Zusammenhang. Es begründete auch einen tieferen karmischen Zusammenhang das Verhältnis, das da war in der physischen Welt zwischen dem Sklavenführer, man könnte auch sagen in vieler Beziehung Sklavenlehrer, und der Schar der Sklaven.

[ 10 ] So müssen wir uns also vorstellen, daß sich nun ein weiteres Leben entwickelt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zwischen all diesen Menschenindividualitäten, von denen ich jetzt gesprochen habe.

[ 10 ] So müssen wir uns also vorstellen, daß sich nun ein weiteres Leben entwickelt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zwischen all diesen Menschenindividualitäten, von denen ich jetzt gesprochen habe.

[ 11 ] Dann wird etwa im 9. nachchristlichen Jahrhundert die Individualität dieses Sklavenführers wiederum geboren, in Mitteleuropa, aber jetzt als Frau. Wir haben es also jetzt zu tun mit einer Wiederverkörperung jenes Sklavenführers als Frau, und zwar, weil die karmischen Verbindungen so sind, als Frau gerade jenes Vorgesetzten, der als Mann wiedergeboren wird. Und es entwickelt sich ein nicht gerade glänzendes Eheverhältnis zwischen den beiden, ein Eheverhältnis, das aber karmisch durchaus dasjenige ausgleicht, was sich karmisch gegründet hat in der Zeit des Untertanen-Vorgesetztenverhältnisses während der alten Zeit im Beginne des ersten Jahrhunderts vor der christlichen Zeitrechnung. Dieser Vorgesetzte lebt jetzt, etwa im 9. Jahrhundert, in Mitteleuropa innerhalb einer Gemeinde, deren Bürger in einem außerordentlich familiären Verhältnis miteinander stehen. Er ist da als eine Art Gemeindebeamter tätig, der aber eigentlich aller Diener ist und außerordentlich starkt gepufft wird.

[ 11 ] Dann wird etwa im 9. nachchristlichen Jahrhundert die Individualität dieses Sklavenführers wiederum geboren, in Mitteleuropa, aber jetzt als Frau. Wir haben es also jetzt zu tun mit einer Wiederverkörperung jenes Sklavenführers als Frau, und zwar, weil die karmischen Verbindungen so sind, als Frau gerade jenes Vorgesetzten, der als Mann wiedergeboren wird. Und es entwickelt sich ein nicht gerade glänzendes Eheverhältnis zwischen den beiden, ein Eheverhältnis, das aber karmisch durchaus dasjenige ausgleicht, was sich karmisch gegründet hat in der Zeit des Untertanen-Vorgesetztenverhältnisses während der alten Zeit im Beginne des ersten Jahrhunderts vor der christlichen Zeitrechnung. Dieser Vorgesetzte lebt jetzt, etwa im 9. Jahrhundert, in Mitteleuropa innerhalb einer Gemeinde, deren Bürger in einem außerordentlich familiären Verhältnis miteinander stehen. Er ist da als eine Art Gemeindebeamter tätig, der aber eigentlich aller Diener ist und außerordentlich starkt gepufft wird.

[ 12 ] Wir kommen darauf, wenn wir die ganze Sache untersuchen, daß die Mitglieder dieser etwas ausgebreiteten Gemeinde alle die Sklaven sind, die einstmals in der von mir erwähnten Weise geführt worden sind, behandelt worden sind, denen ihre Arbeit angewiesen worden ist. Also der Vorgesetzte ist sozusagen aller Diener geworden und muß außerordentlich viel karmisch in Erfüllung gehen sehen von dem, was durch seine Brutalität auf dem Umwege über den Sklavenführer an diesen Menschen getan worden ist.

[ 12 ] Wir kommen darauf, wenn wir die ganze Sache untersuchen, daß die Mitglieder dieser etwas ausgebreiteten Gemeinde alle die Sklaven sind, die einstmals in der von mir erwähnten Weise geführt worden sind, behandelt worden sind, denen ihre Arbeit angewiesen worden ist. Also der Vorgesetzte ist sozusagen aller Diener geworden und muß außerordentlich viel karmisch in Erfüllung gehen sehen von dem, was durch seine Brutalität auf dem Umwege über den Sklavenführer an diesen Menschen getan worden ist.

[ 13 ] Seine Frau, die ist nun aber der wiedergeborene Sklavenführer, der, ich möchte sagen, in einer gewissen stilleren, zurückgezogeneren Lebensweise unter den Eindrücken leidet, die jetzt von dem stets unzufriedenen früheren Vorgesetzten in seiner Wiederverkörperung kommen, und man kann im einzelnen durchaus verfolgen, wie sich das karmische Schicksal hier erfüllt.

[ 13 ] Seine Frau, die ist nun aber der wiedergeborene Sklavenführer, der, ich möchte sagen, in einer gewissen stilleren, zurückgezogeneren Lebensweise unter den Eindrücken leidet, die jetzt von dem stets unzufriedenen früheren Vorgesetzten in seiner Wiederverkörperung kommen, und man kann im einzelnen durchaus verfolgen, wie sich das karmische Schicksal hier erfüllt.

[ 14 ] Aber auf der anderen Seite sehen wir auch, wie dieses Karma durchaus nicht erfüllt ist, in seiner Totalität nicht erfüllt ist. Es ist nur ein Teil dieses Karma erfüllt. Nur was sich zwischen diesen beiden Menschen abgespielt hat, dem Sklavenführer und seinem Vorgesetzten, dieses karmische Verhältnis ist mit der mittelalterlichen Inkarnation im 9. Jahrhundert im wesentlichen erschöpft; denn da hat tatsächlich die Frau dasjenige abgedient, was sie durch die Brutalität ihres ehemaligen Vorgesetzten, der jetzt ihr Gemahl war, an der eigenen Seele erfahren hat.

[ 14 ] Aber auf der anderen Seite sehen wir auch, wie dieses Karma durchaus nicht erfüllt ist, in seiner Totalität nicht erfüllt ist. Es ist nur ein Teil dieses Karma erfüllt. Nur was sich zwischen diesen beiden Menschen abgespielt hat, dem Sklavenführer und seinem Vorgesetzten, dieses karmische Verhältnis ist mit der mittelalterlichen Inkarnation im 9. Jahrhundert im wesentlichen erschöpft; denn da hat tatsächlich die Frau dasjenige abgedient, was sie durch die Brutalität ihres ehemaligen Vorgesetzten, der jetzt ihr Gemahl war, an der eigenen Seele erfahren hat.

[ 15 ] Aber diese Frau, die Inkarnation des ehemaligen Sklavenführers, wird wiederum geboren, geboren nun auch so, daß die Mehrzahl derjenigen Seelen, die einstmals Sklaven waren und dann in der ausgebreiteten Gemeinde vereinigt waren, deren Schicksal also diese Individualität zweimal im Erdenleben mitgemacht hat, daß diese Gemeinde für den wiedergeborenen Sklavenführer jene Kinder liefert, deren Erziehung er sich jetzt in der neuen Verkörperung besonders annimmt. Denn diese Wiederverkörperung ist die des Pestalozzi. Und wir sehen, daß alles das, was jetzt an ungeheurer Milde, an Erzieherbegeisterung in Pestalozzi im 18. und 19. Jahrhundert lebt, die karmische Erfüllung ist gegenüber den Menschen, mit denen er zweimal in der geschilderten Weise verbunden war, die karmische Erfüllung dessen, was in früheren Inkarnationen erlebt, erlitten und erfahren worden ist.

[ 15 ] Aber diese Frau, die Inkarnation des ehemaligen Sklavenführers, wird wiederum geboren, geboren nun auch so, daß die Mehrzahl derjenigen Seelen, die einstmals Sklaven waren und dann in der ausgebreiteten Gemeinde vereinigt waren, deren Schicksal also diese Individualität zweimal im Erdenleben mitgemacht hat, daß diese Gemeinde für den wiedergeborenen Sklavenführer jene Kinder liefert, deren Erziehung er sich jetzt in der neuen Verkörperung besonders annimmt. Denn diese Wiederverkörperung ist die des Pestalozzi. Und wir sehen, daß alles das, was jetzt an ungeheurer Milde, an Erzieherbegeisterung in Pestalozzi im 18. und 19. Jahrhundert lebt, die karmische Erfüllung ist gegenüber den Menschen, mit denen er zweimal in der geschilderten Weise verbunden war, die karmische Erfüllung dessen, was in früheren Inkarnationen erlebt, erlitten und erfahren worden ist.

[ 16 ] Es wird das, was in einzelnen Persönlichkeiten auftritt, eben durchaus erst durchsichtig, stellt sich vor die Seele in seiner begreiflichen Gegenständlichkeit hin, wenn man beobachtet, wie auf dem Hintergrunde eines gegenwärtigen Erdenlebens die früheren Erdenleben erscheinen. Und zuweilen treten in irgendeinem Erdenleben Züge eines Menschen auf, die nicht etwa bloß auf die vorhergehende Inkarnation zurückgehen, sondern oftmals auf die vorvorige und noch auf weiter zurückgelegene. Das ist so, daß man sieht, wie mit einer gewissen inneren geistigen Konsequenz hindurchwirkt, was in den einzelnen Inkarnationen sich veranlagt hat und sein Dasein weiterführt, indem der Mensch lebt durch Erdenleben hindurch, aber auch durch Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 16 ] Es wird das, was in einzelnen Persönlichkeiten auftritt, eben durchaus erst durchsichtig, stellt sich vor die Seele in seiner begreiflichen Gegenständlichkeit hin, wenn man beobachtet, wie auf dem Hintergrunde eines gegenwärtigen Erdenlebens die früheren Erdenleben erscheinen. Und zuweilen treten in irgendeinem Erdenleben Züge eines Menschen auf, die nicht etwa bloß auf die vorhergehende Inkarnation zurückgehen, sondern oftmals auf die vorvorige und noch auf weiter zurückgelegene. Das ist so, daß man sieht, wie mit einer gewissen inneren geistigen Konsequenz hindurchwirkt, was in den einzelnen Inkarnationen sich veranlagt hat und sein Dasein weiterführt, indem der Mensch lebt durch Erdenleben hindurch, aber auch durch Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 17 ] In dieser Beziehung ist besonders fesselnd die Betrachtung eines Erdenlebens, das ich schon vor denjenigen, die vor der Ostertagung hier in Dornach waren, entwickelt habe, das Leben des Conrad Ferdinand Meyer.

[ 17 ] In dieser Beziehung ist besonders fesselnd die Betrachtung eines Erdenlebens, das ich schon vor denjenigen, die vor der Ostertagung hier in Dornach waren, entwickelt habe, das Leben des Conrad Ferdinand Meyer.

[ 18 ] Conrad Ferdinand Meyer gibt ja dem, der sein Leben innerlich betrachtet und zu gleicher Zeit in einem hohen Grade seine Dichtungen bewundern kann, ganz besondere Rätsel auf. Conrad Ferdinand Meyers Dichtungen haben ja einen in der Form wunderbar harmonischen Stil, so daß man sagen kann: Was in Conrad Ferdinand Meyer lebt, das schwebt eigentlich immer ein wenig über dem Irdischen in bezug auf den Stil, auch in bezug auf die ganze Denkungs-, Empfindungs- und Gefühlsart. Und man merkt schon, wenn man sich auf die Schöpfungen Conrad Ferdinand Meyers einläßt, wie er in einem Geistig-Seelischen drinnensteckt, das fortwährend auf dem Sprunge ist, sich etwas loszulösen von dem Physisch-Leiblichen. Man sagt sich, wenn man die edleren Dichtungen Conrad Ferdinand Meyers, auch seine Prosadichtungen, vor sich hinlegt und betrachtet: Da ist etwas Schöpferisches, was immer hinauswachsen will über den Zusammenhang mit dem physischen Leibe. — Das hat sich ja dann dadurch ausgesprochen, daß Conrad Ferdinand Meyer in der Tat in seiner Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation in krankhaften Zuständen leben mußte, in denen sich in einem sehr starken Grade das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen loslöste, so daß Wahnzustände auftraten oder wenigstens Zustände, die Wahnzuständen ähnlich waren. Wiederum ist das Merkwürdige daran, daß zum Schönsten bei ihm gerade das gehört, was er in einer solchen Loslösung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen geschaffen hat.

[ 18 ] Conrad Ferdinand Meyer gibt ja dem, der sein Leben innerlich betrachtet und zu gleicher Zeit in einem hohen Grade seine Dichtungen bewundern kann, ganz besondere Rätsel auf. Conrad Ferdinand Meyers Dichtungen haben ja einen in der Form wunderbar harmonischen Stil, so daß man sagen kann: Was in Conrad Ferdinand Meyer lebt, das schwebt eigentlich immer ein wenig über dem Irdischen in bezug auf den Stil, auch in bezug auf die ganze Denkungs-, Empfindungs- und Gefühlsart. Und man merkt schon, wenn man sich auf die Schöpfungen Conrad Ferdinand Meyers einläßt, wie er in einem Geistig-Seelischen drinnensteckt, das fortwährend auf dem Sprunge ist, sich etwas loszulösen von dem Physisch-Leiblichen. Man sagt sich, wenn man die edleren Dichtungen Conrad Ferdinand Meyers, auch seine Prosadichtungen, vor sich hinlegt und betrachtet: Da ist etwas Schöpferisches, was immer hinauswachsen will über den Zusammenhang mit dem physischen Leibe. — Das hat sich ja dann dadurch ausgesprochen, daß Conrad Ferdinand Meyer in der Tat in seiner Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation in krankhaften Zuständen leben mußte, in denen sich in einem sehr starken Grade das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen loslöste, so daß Wahnzustände auftraten oder wenigstens Zustände, die Wahnzuständen ähnlich waren. Wiederum ist das Merkwürdige daran, daß zum Schönsten bei ihm gerade das gehört, was er in einer solchen Loslösung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen geschaffen hat.

[ 19 ] Nun wird man gerade bei Conrad Ferdinand Meyer, wenn man versucht, die karmischen Zusammenhänge durch seine Erdenleben hindurch zu erforschen, in eine Art Verwirrung hineingetrieben. Man findet sich nicht sogleich zurecht, wenn man den Faden ziehen will von der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation zu den früheren Inkarnationen. Man wird zunächst in das 6. nachchristliche Jahrhundert versetzt, aber dann wiederum zurückgeworfen in das 19. Jahrhundert, in die Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, weil man bei der Beobachtung auch durch die Sache selbst dazu verleitet wird, verführt wird, in die Irre zu gehen. Sie müssen sich nur das richtig vorstellen, wie ein wirkliches Ringen um Erkenntnis auf diesem Felde es außerordentlich schwer hat. Wer sich mit Phantastik begnügt, der hat es natürlich leicht, der kann irgendwie irgend etwas sich zurechtlegen. Wer aber auf diesem Gebiete sich nicht mit Phantastik begnügt, sondern tatsächlich bis zu jenem Punkte in seinem Forschen weiterrückt, wo er das Gefüge seiner Seele beim Forschen verläßlich findet, der hat es eigentlich schwer, wenn er solche Sachen verfolgt, insbesondere bei einer so komplizierten Individualität, wie sie sich in Conrad Ferdinand Meyer dargelebt hat. Und es ist ja beim Untersuchen von karmischen Zusammenhängen durch eine Anzahl von Erdenleben hindurch einem keine große Hilfe, auf die besonders signifikanten Dinge hinzuschauen. Das, was am meisten auffällt an dem Menschen, was man wahrnimmt, wenn man dem Menschen begegnet oder durch die Geschichte etwas von ihm erfährt, das hat er eigentlich zumeist aus der irdischen Umgebung. Man ist ja als Mensch viel mehr, als man denkt, ein Produkt seiner irdischen Umgebung. Man nimmt durch die Erziehung dasjenige auf, was in der irdischen Umgebung lebt. Erst die feineren, intimeren Züge eines Menschen, recht konkret aufgefaßt, führen durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt zurück in vorige Erdenleben.

[ 19 ] Nun wird man gerade bei Conrad Ferdinand Meyer, wenn man versucht, die karmischen Zusammenhänge durch seine Erdenleben hindurch zu erforschen, in eine Art Verwirrung hineingetrieben. Man findet sich nicht sogleich zurecht, wenn man den Faden ziehen will von der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation zu den früheren Inkarnationen. Man wird zunächst in das 6. nachchristliche Jahrhundert versetzt, aber dann wiederum zurückgeworfen in das 19. Jahrhundert, in die Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, weil man bei der Beobachtung auch durch die Sache selbst dazu verleitet wird, verführt wird, in die Irre zu gehen. Sie müssen sich nur das richtig vorstellen, wie ein wirkliches Ringen um Erkenntnis auf diesem Felde es außerordentlich schwer hat. Wer sich mit Phantastik begnügt, der hat es natürlich leicht, der kann irgendwie irgend etwas sich zurechtlegen. Wer aber auf diesem Gebiete sich nicht mit Phantastik begnügt, sondern tatsächlich bis zu jenem Punkte in seinem Forschen weiterrückt, wo er das Gefüge seiner Seele beim Forschen verläßlich findet, der hat es eigentlich schwer, wenn er solche Sachen verfolgt, insbesondere bei einer so komplizierten Individualität, wie sie sich in Conrad Ferdinand Meyer dargelebt hat. Und es ist ja beim Untersuchen von karmischen Zusammenhängen durch eine Anzahl von Erdenleben hindurch einem keine große Hilfe, auf die besonders signifikanten Dinge hinzuschauen. Das, was am meisten auffällt an dem Menschen, was man wahrnimmt, wenn man dem Menschen begegnet oder durch die Geschichte etwas von ihm erfährt, das hat er eigentlich zumeist aus der irdischen Umgebung. Man ist ja als Mensch viel mehr, als man denkt, ein Produkt seiner irdischen Umgebung. Man nimmt durch die Erziehung dasjenige auf, was in der irdischen Umgebung lebt. Erst die feineren, intimeren Züge eines Menschen, recht konkret aufgefaßt, führen durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt zurück in vorige Erdenleben.

[ 20 ] Und für eine solche Betrachtung kann wichtiger sein, die Art und Weise anzuschauen, wie ein Mensch seine Gesten macht, wie ein Mensch als eine ständige Gewohnheit irgend etwas hält, als die Betrachtung dessen, was er vielleicht als eine berühmte Persönlichkeit leistet. Die Art und Weise, wie jemand etwas hält, oder wie er immer gewohnheitsmäßig auf Dinge antwortet — nicht was er antwortet, aber wie er antwortet, daß er zum Beispiel zunächst immer abweist und erst, wenn er nicht mehr anders kann, zugibt, oder daß er in aller Gutmütigkeit etwas renommiert und so weiter —, solche Züge, die sind es, die wichtig sind, und wenn man die besonders anschaut, so stellen sie sich in den Mittelpunkt der Betrachtungen, und es wächst viel aus ihnen heraus. Man betrachtet die Art, wie jemand etwas angreift, macht sich es ganz gegenständlich, arbeitet es künstlerisch aus; dann bleibt es nicht bei der Betrachtung der Geste, sondern da gliedert sich um die Geste die Gestalt eines anderen Menschen herum.

[ 20 ] Und für eine solche Betrachtung kann wichtiger sein, die Art und Weise anzuschauen, wie ein Mensch seine Gesten macht, wie ein Mensch als eine ständige Gewohnheit irgend etwas hält, als die Betrachtung dessen, was er vielleicht als eine berühmte Persönlichkeit leistet. Die Art und Weise, wie jemand etwas hält, oder wie er immer gewohnheitsmäßig auf Dinge antwortet — nicht was er antwortet, aber wie er antwortet, daß er zum Beispiel zunächst immer abweist und erst, wenn er nicht mehr anders kann, zugibt, oder daß er in aller Gutmütigkeit etwas renommiert und so weiter —, solche Züge, die sind es, die wichtig sind, und wenn man die besonders anschaut, so stellen sie sich in den Mittelpunkt der Betrachtungen, und es wächst viel aus ihnen heraus. Man betrachtet die Art, wie jemand etwas angreift, macht sich es ganz gegenständlich, arbeitet es künstlerisch aus; dann bleibt es nicht bei der Betrachtung der Geste, sondern da gliedert sich um die Geste die Gestalt eines anderen Menschen herum.

[ 21 ] Es kann durchaus das Folgende geschehen. Es gibt Menschen, die haben kleine Gewohnheiten, sagen wir die Gewohnheit, bevor sie irgend etwas beginnen, die Arme in einer bestimmten Weise zu bewegen. Ich habe Menschen kennengelernt, die konnten keine Arbeit tun, ohne zuerst die Arme zusammenzulegen. Macht man sich solch eine Geste ganz gegenständlich, aber mit innerem künstlerischem Sinn, so daß sie plastisch vor einem steht, dann lenkt man die Aufmerksamkeit ab von dem Menschen, der zu dieser Geste dazugehört. Aber diese Geste bleibt nicht allein. Sie wächst sich aus zu einer anderen Gestalt. Und kommt man nun an diese Gestalt heran, dann ist diese Gestalt etwas, was wenigstens hindeutet auf etwas in der vorigen Inkarnation oder in der vorvorigen Inkarnation. Es kann dabei durchaus so sein, daß diese Geste auf irgend etwas angewendet wird, was in der vorigen Inkarnation noch gar nicht vorhanden war, sagen wir auf das In-die-Hand-Nehmen eines Buches und dergleichen. Aber eine solche Art von Geste oder solche Art von Lebensgewohnheit muß es eigentlich sein, wofür man Sinn haben muß, um zurückzukommen.

[ 21 ] Es kann durchaus das Folgende geschehen. Es gibt Menschen, die haben kleine Gewohnheiten, sagen wir die Gewohnheit, bevor sie irgend etwas beginnen, die Arme in einer bestimmten Weise zu bewegen. Ich habe Menschen kennengelernt, die konnten keine Arbeit tun, ohne zuerst die Arme zusammenzulegen. Macht man sich solch eine Geste ganz gegenständlich, aber mit innerem künstlerischem Sinn, so daß sie plastisch vor einem steht, dann lenkt man die Aufmerksamkeit ab von dem Menschen, der zu dieser Geste dazugehört. Aber diese Geste bleibt nicht allein. Sie wächst sich aus zu einer anderen Gestalt. Und kommt man nun an diese Gestalt heran, dann ist diese Gestalt etwas, was wenigstens hindeutet auf etwas in der vorigen Inkarnation oder in der vorvorigen Inkarnation. Es kann dabei durchaus so sein, daß diese Geste auf irgend etwas angewendet wird, was in der vorigen Inkarnation noch gar nicht vorhanden war, sagen wir auf das In-die-Hand-Nehmen eines Buches und dergleichen. Aber eine solche Art von Geste oder solche Art von Lebensgewohnheit muß es eigentlich sein, wofür man Sinn haben muß, um zurückzukommen.

[ 22 ] Nun, bei solch einer Individualität wie die des Conrad Ferdinand Meyer ist aber eben dieses das Bedeutsame, daß sie schafft mit einer gewissen Neigung — so will ich es genau ausdrücken — zur Lockerung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen. Das ist ein Anhaltspunkt, aber auf der anderen Seite auch wiederum ein Moment der leichten Verirrung.

[ 22 ] Nun, bei solch einer Individualität wie die des Conrad Ferdinand Meyer ist aber eben dieses das Bedeutsame, daß sie schafft mit einer gewissen Neigung — so will ich es genau ausdrücken — zur Lockerung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen. Das ist ein Anhaltspunkt, aber auf der anderen Seite auch wiederum ein Moment der leichten Verirrung.

[ 23 ] Nun wird man also hingetrieben ins 6. Jahrhundert. Man hat zunächst das Gefühl: da muß er sein. Man findet auch eine Persönlichkeit, die in Italien gelebt hat, die in Italien verschiedene Schicksale in jener Inkarnation durchgemacht hat und die da in einer Art Doppelnatur gelebt hat, auf der einen Seite mit außerordentlicher Begeisterung hingegeben an das, was für uns Spätere in der äußeren Welt ziemlich verlorengegangen ist, was aber vorhanden war in großartiger Kunstentfaltung und was wir nur noch aus der Mosaiken-Kunstentfaltung sehen. In dieser Kunstentfaltung Italiens, Ende des 5., Anfang des 6. Jahrhunderts, hat nun diese Individualität, auf die man zunächst gestoßen wird, gelebt. So stellt es sich zunächst dar.

[ 23 ] Nun wird man also hingetrieben ins 6. Jahrhundert. Man hat zunächst das Gefühl: da muß er sein. Man findet auch eine Persönlichkeit, die in Italien gelebt hat, die in Italien verschiedene Schicksale in jener Inkarnation durchgemacht hat und die da in einer Art Doppelnatur gelebt hat, auf der einen Seite mit außerordentlicher Begeisterung hingegeben an das, was für uns Spätere in der äußeren Welt ziemlich verlorengegangen ist, was aber vorhanden war in großartiger Kunstentfaltung und was wir nur noch aus der Mosaiken-Kunstentfaltung sehen. In dieser Kunstentfaltung Italiens, Ende des 5., Anfang des 6. Jahrhunderts, hat nun diese Individualität, auf die man zunächst gestoßen wird, gelebt. So stellt es sich zunächst dar.

[ 24 ] Aber nun verfinstert sich wiederum dieses ganze Bild, und man wird zurückgeworfen auf Conrad Ferdinand Meyer. Und die Finsternis, die man für die Anschauung empfangen hat an dem Menschen des 6. Jahrhunderts, die überstrahlt einem nun das Bild des Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert. Und man ist genötigt, wiederum auf dasjenige hinzuschauen, was nun Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert tut.

[ 24 ] Aber nun verfinstert sich wiederum dieses ganze Bild, und man wird zurückgeworfen auf Conrad Ferdinand Meyer. Und die Finsternis, die man für die Anschauung empfangen hat an dem Menschen des 6. Jahrhunderts, die überstrahlt einem nun das Bild des Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert. Und man ist genötigt, wiederum auf dasjenige hinzuschauen, was nun Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert tut.

[ 25 ] Man wird hingelenkt darauf, daß er in seiner Erzählung «Der Heilige» den Kanzler Heinrichs II. von England behandelt hat, Thomas Becket. Man hat das Gefühl, daß das außerordentlich wichtig ist. Man hat auch das Gefühl, daß man durch die Empfindung von dieser früheren Inkarnation hingestoßen ist gerade zu dieser Tat des Conrad Ferdinand Meyer. Jetzt aber wird man wiederum zurückgestoßen ins 6. Jahrhundert, und da gibt diese Tatsache keine Aufklärung. Und so wird man oftmals hin- und hergestoßen zwischen diesen zwei Inkarnationen, der fragwürdigen Inkarnation zunächst im 6. Jahrhundert und der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, bis man darauf kommt, daß in Conrad Ferdinand Meyer einfach aus der Geschichte heraus die Erzählung von Thomas Becket dadurch entstanden ist, daß die ganze Geschichte etwas Ähnlichkeit hat mit dem, was er selbst im 6. Jahrhundert erlebt hat, wo er als Mitglied einer katholischen Mission, die von dem Papst Gregor von Italien nach England geschickt worden war, auch von Italien nach England gegangen ist. Da ist die zweite Wesenheit der Doppelnatur Conrad Ferdinand Meyers in der vorigen Inkarnation drinnenliegend. Auf der einen Seite war er in der vorigen Inkarnation im 6. Jahrhundert begeisterter Verehrer alles dessen, was in solcher Kunst lag, was dann ins Mosaikwesen übergegangen ist — daher sein ganz umfassendes Formentalent. Auf der anderen Seite aber war er eben ein begeisterter Vertreter des Katholizismus, der aus diesem Grunde bei dieser Mission mitgegangen ist. Die Mitglieder dieser Mission haben Canterbury begründet, den Ort, wo dann das Bistum Canterbury entstanden ist.

[ 25 ] Man wird hingelenkt darauf, daß er in seiner Erzählung «Der Heilige» den Kanzler Heinrichs II. von England behandelt hat, Thomas Becket. Man hat das Gefühl, daß das außerordentlich wichtig ist. Man hat auch das Gefühl, daß man durch die Empfindung von dieser früheren Inkarnation hingestoßen ist gerade zu dieser Tat des Conrad Ferdinand Meyer. Jetzt aber wird man wiederum zurückgestoßen ins 6. Jahrhundert, und da gibt diese Tatsache keine Aufklärung. Und so wird man oftmals hin- und hergestoßen zwischen diesen zwei Inkarnationen, der fragwürdigen Inkarnation zunächst im 6. Jahrhundert und der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, bis man darauf kommt, daß in Conrad Ferdinand Meyer einfach aus der Geschichte heraus die Erzählung von Thomas Becket dadurch entstanden ist, daß die ganze Geschichte etwas Ähnlichkeit hat mit dem, was er selbst im 6. Jahrhundert erlebt hat, wo er als Mitglied einer katholischen Mission, die von dem Papst Gregor von Italien nach England geschickt worden war, auch von Italien nach England gegangen ist. Da ist die zweite Wesenheit der Doppelnatur Conrad Ferdinand Meyers in der vorigen Inkarnation drinnenliegend. Auf der einen Seite war er in der vorigen Inkarnation im 6. Jahrhundert begeisterter Verehrer alles dessen, was in solcher Kunst lag, was dann ins Mosaikwesen übergegangen ist — daher sein ganz umfassendes Formentalent. Auf der anderen Seite aber war er eben ein begeisterter Vertreter des Katholizismus, der aus diesem Grunde bei dieser Mission mitgegangen ist. Die Mitglieder dieser Mission haben Canterbury begründet, den Ort, wo dann das Bistum Canterbury entstanden ist.

[ 26 ] Die Individualität, die dann als Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert gelebt hat, die wurde damals von einem angelsächsischen Häuptling ermordet, unter Umständen, die außerordentlich interessant sind. Es lag etwas Juristisch-Verleumderisches und Spitzfindiges, allerdings in grober Art, in dem, was dazumal bei der Ermordung dieser Individualität sich abgespielt hat.

[ 26 ] Die Individualität, die dann als Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert gelebt hat, die wurde damals von einem angelsächsischen Häuptling ermordet, unter Umständen, die außerordentlich interessant sind. Es lag etwas Juristisch-Verleumderisches und Spitzfindiges, allerdings in grober Art, in dem, was dazumal bei der Ermordung dieser Individualität sich abgespielt hat.

[ 27 ] Nun, Sie wissen ja, meine lieben Freunde, wenn irgend etwas auch im gewöhnlichen Erdenleben in unseren Gesichtskreis getreten ist, was, ich möchte sagen, den Ton von etwas besonders hervorruft — ich habe einmal einen Namen gehört, ich habe ihn vielleicht nicht so stark beachtet —, so kann später im Zusammenhang mit diesem Namen eine ganze Summe von Ideenassoziationen auftreten. Aber durch die besonderen Umstände, wie dieses Mitglied einer katholischen Mission in England verbunden war mit dem, was später Erzbistum von Canterbury war, weil die Stadt Canterbury von dieser Mission begründet worden ist, lebte das alles fort, lebte eigentlich im Klange des Namens Canterbury weiter. Und so lebte wieder auf der innere Klang dieses Namens Canterbury in der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation.

[ 27 ] Nun, Sie wissen ja, meine lieben Freunde, wenn irgend etwas auch im gewöhnlichen Erdenleben in unseren Gesichtskreis getreten ist, was, ich möchte sagen, den Ton von etwas besonders hervorruft — ich habe einmal einen Namen gehört, ich habe ihn vielleicht nicht so stark beachtet —, so kann später im Zusammenhang mit diesem Namen eine ganze Summe von Ideenassoziationen auftreten. Aber durch die besonderen Umstände, wie dieses Mitglied einer katholischen Mission in England verbunden war mit dem, was später Erzbistum von Canterbury war, weil die Stadt Canterbury von dieser Mission begründet worden ist, lebte das alles fort, lebte eigentlich im Klange des Namens Canterbury weiter. Und so lebte wieder auf der innere Klang dieses Namens Canterbury in der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation.

[ 28 ] Dadurch wurde Conrad Ferdinand Meyer in der Ideenassoziation zu Thomas Becket geführt, dem Lordkanzler von Canterbury, der der Kanzler Heinrichs II. aus dem Hause Plantagenet war und der in einer spitzfindigen Weise ermordet wurde. Nachdem er zunächst Günstling war, wurde er nachher, weil er auf gewisse Propositionen von Heinrich II. nicht einging, von Heinrich II. ermordet. Diese ähnlich-unähnlichen Schicksale führten dazu, daß dasjenige, was Conrad Ferdinand Meyer in einer früheren Inkarnation im 6. Jahrhundert am eigenen Leibe, fern von seinem damaligen Vaterlande, erlebt hatte, von ihm aus der Geschichte heraus wiedergegeben worden ist an ganz anderen Gestalten.

[ 28 ] Dadurch wurde Conrad Ferdinand Meyer in der Ideenassoziation zu Thomas Becket geführt, dem Lordkanzler von Canterbury, der der Kanzler Heinrichs II. aus dem Hause Plantagenet war und der in einer spitzfindigen Weise ermordet wurde. Nachdem er zunächst Günstling war, wurde er nachher, weil er auf gewisse Propositionen von Heinrich II. nicht einging, von Heinrich II. ermordet. Diese ähnlich-unähnlichen Schicksale führten dazu, daß dasjenige, was Conrad Ferdinand Meyer in einer früheren Inkarnation im 6. Jahrhundert am eigenen Leibe, fern von seinem damaligen Vaterlande, erlebt hatte, von ihm aus der Geschichte heraus wiedergegeben worden ist an ganz anderen Gestalten.

[ 29 ] Aber denken Sie, wie interessant das ist! Hat man es einmal, dann wird man nicht mehr hin- und hergeworfen. Dann aber schaut man, wie gerade deshalb, weil in Conrad Ferdinand Meyer auch im 19. Jahrhundert eine Art Doppelnatur lebt, leicht sich loslöst sein Geistig-Seelisches von dem Physisch-Leiblichen. Weil in ihm eine Art Doppelnatur lebt, stellt sich an die Stelle dessen, was im Realen erlebt war, ein anderes, das dem nur ähnlich ist, so wie sich oftmals in der Phantasie des Menschen die Bilder verändern. In der gewöhnlichen Phantasie eines Menschen im Laufe eines Erdenlebens verändern sich die Bilder in der Phantasie so, daß die Phantasie frei schafft. Im Laufe durch die Erdenleben hindurch verändert sich die Sache so, daß ein anderes historisches Ereignis, das mit dem betreffenden nur seiner Bildnatur nach zu tun hat, sich an die Stelle des wahren Ereignisses setzt.

[ 29 ] Aber denken Sie, wie interessant das ist! Hat man es einmal, dann wird man nicht mehr hin- und hergeworfen. Dann aber schaut man, wie gerade deshalb, weil in Conrad Ferdinand Meyer auch im 19. Jahrhundert eine Art Doppelnatur lebt, leicht sich loslöst sein Geistig-Seelisches von dem Physisch-Leiblichen. Weil in ihm eine Art Doppelnatur lebt, stellt sich an die Stelle dessen, was im Realen erlebt war, ein anderes, das dem nur ähnlich ist, so wie sich oftmals in der Phantasie des Menschen die Bilder verändern. In der gewöhnlichen Phantasie eines Menschen im Laufe eines Erdenlebens verändern sich die Bilder in der Phantasie so, daß die Phantasie frei schafft. Im Laufe durch die Erdenleben hindurch verändert sich die Sache so, daß ein anderes historisches Ereignis, das mit dem betreffenden nur seiner Bildnatur nach zu tun hat, sich an die Stelle des wahren Ereignisses setzt.

[ 30 ] Nun wird diese Individualität, die das erfahren hat und bei der stehengeblieben ist, fortwirkend durch zwei Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurch, was dann zum Vorschein gekommen ist in der Erzählung «Der Heilige», nun wird diese Individualität später, und zwar in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wiedergeboren, jetzt als Frau. Wir brauchen uns nur zu erinnern, welche chaotischen Zustände zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Mitteleuropa überall vorhanden waren, um auf unsere Seelen wirken zu lassen, wie es im Gemüte einer fein empfindenden Frau zugehen konnte, die im Miterleben der chaotischen Zustände während des Dreißigjährigen Krieges einen philiströsen, pedantischen, spießbürgerlichen Mann heiratet, der es im späteren Deutschland nicht aushalten konnte, auswanderte und in der Schweiz, in Graubünden, eine Heimat fand. Er überließ da seiner Frau eigentlich die Besorgung des Heimes. Er selber beschäftigte sich mehr mit einer ziemlich brutalen Bummelei. Aber die Frau hatte Gelegenheit, viel, viel zu beobachten; sowohl weiter historisch Ausgreifendes, wie die merkwürdigen Graubündner Verhältnisse, wirkten auf die Seele ein. Und das, was da an tatsächlichen Erfahrungen in dieser Frauenseele sich abspielte, gefärbt, nuanciert von den Erlebnissen mit dem philiströsen, spießbürgerlichen Mann, das zieht nun wiederum in die Untergründe der Individualität und lebt fort durch ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Wir haben es mit einer auf die im 6. Jahrhundert folgenden Inkarnation desjenigen, der später Conrad Ferdinand Meyer wurde, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Frau zu tun. Diese Individualität lebte in Conrad Ferdinand Meyer wieder auf. Und was damals von der Frau erlebt worden ist, das wird in phantasievoller Weise umgestaltet in der Erzählung «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer.

[ 30 ] Nun wird diese Individualität, die das erfahren hat und bei der stehengeblieben ist, fortwirkend durch zwei Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurch, was dann zum Vorschein gekommen ist in der Erzählung «Der Heilige», nun wird diese Individualität später, und zwar in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wiedergeboren, jetzt als Frau. Wir brauchen uns nur zu erinnern, welche chaotischen Zustände zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Mitteleuropa überall vorhanden waren, um auf unsere Seelen wirken zu lassen, wie es im Gemüte einer fein empfindenden Frau zugehen konnte, die im Miterleben der chaotischen Zustände während des Dreißigjährigen Krieges einen philiströsen, pedantischen, spießbürgerlichen Mann heiratet, der es im späteren Deutschland nicht aushalten konnte, auswanderte und in der Schweiz, in Graubünden, eine Heimat fand. Er überließ da seiner Frau eigentlich die Besorgung des Heimes. Er selber beschäftigte sich mehr mit einer ziemlich brutalen Bummelei. Aber die Frau hatte Gelegenheit, viel, viel zu beobachten; sowohl weiter historisch Ausgreifendes, wie die merkwürdigen Graubündner Verhältnisse, wirkten auf die Seele ein. Und das, was da an tatsächlichen Erfahrungen in dieser Frauenseele sich abspielte, gefärbt, nuanciert von den Erlebnissen mit dem philiströsen, spießbürgerlichen Mann, das zieht nun wiederum in die Untergründe der Individualität und lebt fort durch ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Wir haben es mit einer auf die im 6. Jahrhundert folgenden Inkarnation desjenigen, der später Conrad Ferdinand Meyer wurde, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Frau zu tun. Diese Individualität lebte in Conrad Ferdinand Meyer wieder auf. Und was damals von der Frau erlebt worden ist, das wird in phantasievoller Weise umgestaltet in der Erzählung «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer.

[ 31 ] So haben wir in dem Seelischen gerade dieser Persönlichkeit Conrad Ferdinand Meyers ein Fortwirkendes, das wir aus Einzelheiten der vorigen Inkarnationen bei ihm zusammensetzen. Aber was als eine so in sich geschlossene Individualität erscheint wie der literarischen Betrachtung Conrad Ferdinand Meyer — denn da erscheint er ja gerade in festen Formen, als ein Künstler, den man sehr scharf charakterisieren kann, weil er eben feste Formen hat —, gerade das verwirrt einen, weil man von diesen festen Formen sofort hingelenkt wird auf die labile, doppelwesenhafte Menschlichkeit.

[ 31 ] So haben wir in dem Seelischen gerade dieser Persönlichkeit Conrad Ferdinand Meyers ein Fortwirkendes, das wir aus Einzelheiten der vorigen Inkarnationen bei ihm zusammensetzen. Aber was als eine so in sich geschlossene Individualität erscheint wie der literarischen Betrachtung Conrad Ferdinand Meyer — denn da erscheint er ja gerade in festen Formen, als ein Künstler, den man sehr scharf charakterisieren kann, weil er eben feste Formen hat —, gerade das verwirrt einen, weil man von diesen festen Formen sofort hingelenkt wird auf die labile, doppelwesenhafte Menschlichkeit.

[ 32 ] Wer bloß auf den Dichter Conrad Ferdinand Meyer schaut, auf die berühmte Persönlichkeit, die Werke geschaffen hat, der kommt ganz sicher nicht dazu, irgend etwas über die früheren Inkarnationen dieser Persönlichkeit zu wissen. Da muß man von seinem Dichterischen auf das Menschliche hindurchschauen; dann erscheint eben auf dem Hintergrunde des Bildes dasjenige, was die Gestaltungen der vorigen Inkarnationen darstellt.

[ 32 ] Wer bloß auf den Dichter Conrad Ferdinand Meyer schaut, auf die berühmte Persönlichkeit, die Werke geschaffen hat, der kommt ganz sicher nicht dazu, irgend etwas über die früheren Inkarnationen dieser Persönlichkeit zu wissen. Da muß man von seinem Dichterischen auf das Menschliche hindurchschauen; dann erscheint eben auf dem Hintergrunde des Bildes dasjenige, was die Gestaltungen der vorigen Inkarnationen darstellt.

[ 33 ] Nun, sehen Sie, so paradox es dem heutigen Menschen noch erscheint, es wird vertieft werden können das Menschenleben nur, wenn man es in dieser Weise vertieft, daß man das Geschichtliche, dieses äußerlich Geschichtliche, was man eben oftmals heute Geschichte nennt, hinlenkt zu der Betrachtung des Menschen in der Geschichte. Der läßt sich aber nicht als bloß einem Zeitalter angehörig betrachten, als bloß in einem Erdenleben lebend, sondern der läßt sich nur so betrachten, daß man schaut, wie die Individualität von Erdenleben zu Erdenleben geht, und wie dann wirkt in der Zwischenzeit das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, gerade dasjenige umgestaltend, was mehr im Unterbewußten des Erdenlebens sich abspielt, was aber durchaus gerade mit der wirklichen Schicksalsbildung des Menschen zusammenhängt. Denn diese Schicksalsbildung des Menschen verläuft ja nicht in dem, was im Intellektuellen klar ist, sondern verläuft in dem, was im Unterbewußten webt und west.

[ 33 ] Nun, sehen Sie, so paradox es dem heutigen Menschen noch erscheint, es wird vertieft werden können das Menschenleben nur, wenn man es in dieser Weise vertieft, daß man das Geschichtliche, dieses äußerlich Geschichtliche, was man eben oftmals heute Geschichte nennt, hinlenkt zu der Betrachtung des Menschen in der Geschichte. Der läßt sich aber nicht als bloß einem Zeitalter angehörig betrachten, als bloß in einem Erdenleben lebend, sondern der läßt sich nur so betrachten, daß man schaut, wie die Individualität von Erdenleben zu Erdenleben geht, und wie dann wirkt in der Zwischenzeit das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, gerade dasjenige umgestaltend, was mehr im Unterbewußten des Erdenlebens sich abspielt, was aber durchaus gerade mit der wirklichen Schicksalsbildung des Menschen zusammenhängt. Denn diese Schicksalsbildung des Menschen verläuft ja nicht in dem, was im Intellektuellen klar ist, sondern verläuft in dem, was im Unterbewußten webt und west.

[ 34 ] Ich möchte noch auf ein Beispiel eines solchen Herüberwirkens in der Geschichte durch Menschenindividualiäten hinweisen. Wir haben in dem ersten Jahrhundert, oder etwa hundert Jahre nach der Entstehung des Christentums, einen außerordentlich bedeutenden römischen Schriftsteller in Tacitus.

[ 34 ] Ich möchte noch auf ein Beispiel eines solchen Herüberwirkens in der Geschichte durch Menschenindividualiäten hinweisen. Wir haben in dem ersten Jahrhundert, oder etwa hundert Jahre nach der Entstehung des Christentums, einen außerordentlich bedeutenden römischen Schriftsteller in Tacitus.

[ 35 ] Tacitus hat, außer in anderen Werken, insbesondere auch in seiner «Germania» gezeigt, wie er einen außerordentlich präzisen, kurzen Stil zu schreiben verstand, wie er die historischen Tatsachen, die geographischen Schilderungen in wunderbar gerundete Sätze bringt, die epigrammatisch wirken, richtig epigrammatisch wirken. Wir können da auch daran erinnert werden, daß er, der große Weltmann, der eigentlich alles weiß, was man dazumal für wissenswert gehalten hat, der ein Jahrhundert nach der Begründung des Christentums lebte, Christus überhaupt nur ganz vorübergehend erwähnt als jemanden, den die Juden gekreuzigt haben, was aber keine besondere Bedeutung eigentlich hat. Und doch ist Tacitus tatsächlich einer der größten Römer.

[ 35 ] Tacitus hat, außer in anderen Werken, insbesondere auch in seiner «Germania» gezeigt, wie er einen außerordentlich präzisen, kurzen Stil zu schreiben verstand, wie er die historischen Tatsachen, die geographischen Schilderungen in wunderbar gerundete Sätze bringt, die epigrammatisch wirken, richtig epigrammatisch wirken. Wir können da auch daran erinnert werden, daß er, der große Weltmann, der eigentlich alles weiß, was man dazumal für wissenswert gehalten hat, der ein Jahrhundert nach der Begründung des Christentums lebte, Christus überhaupt nur ganz vorübergehend erwähnt als jemanden, den die Juden gekreuzigt haben, was aber keine besondere Bedeutung eigentlich hat. Und doch ist Tacitus tatsächlich einer der größten Römer.

[ 36 ] Nun ist mit Tacitus befreundet gewesen diejenige Persönlichkeit, die in der Geschichte als der jüngere Plinius bekannt ist, der viele Briefe geschrieben hat und der ein großer Bewunderer des tacitischen Stiles war, so daß eigentlich dieser jüngere Plinius, der selber Schrifsteller war, ganz aufging in der Bewunderung des Tacitus.

[ 36 ] Nun ist mit Tacitus befreundet gewesen diejenige Persönlichkeit, die in der Geschichte als der jüngere Plinius bekannt ist, der viele Briefe geschrieben hat und der ein großer Bewunderer des tacitischen Stiles war, so daß eigentlich dieser jüngere Plinius, der selber Schrifsteller war, ganz aufging in der Bewunderung des Tacitus.

[ 37 ] Nun, betrachten wir zunächst diesen jüngeren Plinius. Dieser jüngere Plinius, er geht natürlich durch die Pforte des Todes, geht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, und er wird wiedergeboren im 11. nachchristlichen Jahrhundert als eine Prinzessin von Tuscien in Italien, die sich vermählt mit einem mitteleuropäischen Fürsten, der seiner Länder von Heinrich dem Schwarzen aus dem fränkisch-salischen Kaisergeschlecht beraubt worden ist und der in Italien wieder festen Boden fassen will. Diese Beatrix besitzt das Schloß Canossa, bei dem dann Heinrich IV., der Nachfolger Heinrichs III., des Schwarzen, seine berühmte Canossa-Buße gegenüber dem Papst Gregor zu vollziehen hatte.

[ 37 ] Nun, betrachten wir zunächst diesen jüngeren Plinius. Dieser jüngere Plinius, er geht natürlich durch die Pforte des Todes, geht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, und er wird wiedergeboren im 11. nachchristlichen Jahrhundert als eine Prinzessin von Tuscien in Italien, die sich vermählt mit einem mitteleuropäischen Fürsten, der seiner Länder von Heinrich dem Schwarzen aus dem fränkisch-salischen Kaisergeschlecht beraubt worden ist und der in Italien wieder festen Boden fassen will. Diese Beatrix besitzt das Schloß Canossa, bei dem dann Heinrich IV., der Nachfolger Heinrichs III., des Schwarzen, seine berühmte Canossa-Buße gegenüber dem Papst Gregor zu vollziehen hatte.

[ 38 ] Nun, diese Markgräfin Beatrix, die ist eine außerordentlich regsame Persönlichkeit, interessiert für all die Verhältnisse, die sich da abspielen. Und sie muß sich ja für alles interessieren, denn ihr Mann, Gottfried, der zuerst, als er noch nicht mit ihr verheiratet war, von Heinrich dem Schwarzen aus dem elsässischen Gebiete vertrieben wurde, nach Italien hin, wo er dann sich mit dieser Beatrix vermählt hatte, der wird weiterverfolgt von Heinrich III, dem Schwarzen. Heinrich ist nämlich ein ganz energischer Herr, der einfach seine Fürsten und die Häuptlinge seiner Nachbarschaft einen nach dem anderen absetzt, der in ausgiebigem Maße macht, was er will, der sich auch nicht damit zufrieden gibt, einen einmal vertrieben zu haben, der es auch ein zweites Mal tut, wenn der andere sich wieder irgendwo festsetzt. Also das ist, wie gesagt, ein ganz energischer Herr, ein Herr in großem Format des Mittelalters. Und er hat ja auch, als der Gottfried sich in Tuscien festgesetzt hat, erstens ihn vertrieben, dann aber auch die Markgräfin mit nach Deutschland genommen.

[ 38 ] Nun, diese Markgräfin Beatrix, die ist eine außerordentlich regsame Persönlichkeit, interessiert für all die Verhältnisse, die sich da abspielen. Und sie muß sich ja für alles interessieren, denn ihr Mann, Gottfried, der zuerst, als er noch nicht mit ihr verheiratet war, von Heinrich dem Schwarzen aus dem elsässischen Gebiete vertrieben wurde, nach Italien hin, wo er dann sich mit dieser Beatrix vermählt hatte, der wird weiterverfolgt von Heinrich III, dem Schwarzen. Heinrich ist nämlich ein ganz energischer Herr, der einfach seine Fürsten und die Häuptlinge seiner Nachbarschaft einen nach dem anderen absetzt, der in ausgiebigem Maße macht, was er will, der sich auch nicht damit zufrieden gibt, einen einmal vertrieben zu haben, der es auch ein zweites Mal tut, wenn der andere sich wieder irgendwo festsetzt. Also das ist, wie gesagt, ein ganz energischer Herr, ein Herr in großem Format des Mittelalters. Und er hat ja auch, als der Gottfried sich in Tuscien festgesetzt hat, erstens ihn vertrieben, dann aber auch die Markgräfin mit nach Deutschland genommen.

[ 39 ] Dadurch gliederte sich in ihrem Kopfe eine feinsinnige Betrachtung der italienischen Verhältnisse zusammen mit den deutschen Verhältnissen. So daß wir schon in dieser Persönlichkeit eine stark repräsentative Persönlichkeit der damaligen Zeit haben, eine scharf beobachtende, außerordentlich regsame, energische Frau, die aber zugleich etwas durchaus Weitherziges, weit Ausschauendes hatte.

[ 39 ] Dadurch gliederte sich in ihrem Kopfe eine feinsinnige Betrachtung der italienischen Verhältnisse zusammen mit den deutschen Verhältnissen. So daß wir schon in dieser Persönlichkeit eine stark repräsentative Persönlichkeit der damaligen Zeit haben, eine scharf beobachtende, außerordentlich regsame, energische Frau, die aber zugleich etwas durchaus Weitherziges, weit Ausschauendes hatte.

[ 40 ] Als nun Heinrich IV. gerade seinen Bußgang nach Canossa unternehmen mußte, da war die Tochter der Beatrix, Mathilde, die Besitzerin von Canossa, und sie, die sehr gut mit ihrer Mutter stand, sie hatte eigentlich alle die Eigenschaften der Mutter auch auf sich vereinigt, war eigentlich eine noch vorzüglichere Frau. Es sind zwei ganz außerordentlich sympathische Frauen, die gerade durch alles das, was sich da abgespielt hat unter Heinrich III. und Heinrich IV., tief historisch interessiert worden sind.

[ 40 ] Als nun Heinrich IV. gerade seinen Bußgang nach Canossa unternehmen mußte, da war die Tochter der Beatrix, Mathilde, die Besitzerin von Canossa, und sie, die sehr gut mit ihrer Mutter stand, sie hatte eigentlich alle die Eigenschaften der Mutter auch auf sich vereinigt, war eigentlich eine noch vorzüglichere Frau. Es sind zwei ganz außerordentlich sympathische Frauen, die gerade durch alles das, was sich da abgespielt hat unter Heinrich III. und Heinrich IV., tief historisch interessiert worden sind.

[ 41 ] Vertieft man sich in das, so bekommt man das Merkwürdige: Die Markgräfin Beatrix ist der wiederverkörperte Plinius der Jüngere, und die Tochter Mathilde ist der wiederverkörperte Tacitus. Man findet also Tacitus, der Geschichte geschrieben hat in alten Zeiten, man findet ihn — es ist der Frau ja, wenn sie groß ist, gerade das Betrachten so eigen — als einen Geschichtsbetrachter im Großen, als den Teilnehmer, als den unmittelbaren Teilnehmer an der Geschichte; denn Mathilde ist eben die Besitzerin von Canossa, und da spielt sich die ganze Szene ab, etwas, wodurch sich ungeheur viel im Mittelalter entscheidet. Wir finden ihn als Geschichtsbetrachter.

[ 41 ] Vertieft man sich in das, so bekommt man das Merkwürdige: Die Markgräfin Beatrix ist der wiederverkörperte Plinius der Jüngere, und die Tochter Mathilde ist der wiederverkörperte Tacitus. Man findet also Tacitus, der Geschichte geschrieben hat in alten Zeiten, man findet ihn — es ist der Frau ja, wenn sie groß ist, gerade das Betrachten so eigen — als einen Geschichtsbetrachter im Großen, als den Teilnehmer, als den unmittelbaren Teilnehmer an der Geschichte; denn Mathilde ist eben die Besitzerin von Canossa, und da spielt sich die ganze Szene ab, etwas, wodurch sich ungeheur viel im Mittelalter entscheidet. Wir finden ihn als Geschichtsbetrachter.

[ 42 ] Diese zwei Persönlichkeiten wachsen recht innig ineinander, Mutter und Tochter, und ihre alte Schriftstellerei befähigt sie in ihrem Unbewußten, die historischen Ereignisse in aller Intensität aufzufassen und dadurch instinktiv sehr verbunden zu werden mit dem Weltengang sowohl in der Natur wie auch im geschichtlichen Leben.

[ 42 ] Diese zwei Persönlichkeiten wachsen recht innig ineinander, Mutter und Tochter, und ihre alte Schriftstellerei befähigt sie in ihrem Unbewußten, die historischen Ereignisse in aller Intensität aufzufassen und dadurch instinktiv sehr verbunden zu werden mit dem Weltengang sowohl in der Natur wie auch im geschichtlichen Leben.

[ 43 ] Nun spielt sich in späterer Zeit das Folgende ab. Wir sehen, wie der jüngere Plinius, der im Mittelalter die Markgräfin Beatrix ist, im 19. Jahrhundert wiedergeboren wird in romantischem Milieu, in romantischer Umgebung, alles Romantische mit großer, man kann nicht sagen Begeisterung, aber mit großem ästhetischem Genuß aufnimmt, sich hineinfindet zunächst in alles Romantische, indem er auf der einen Seite eben diese Romantik, auf der anderen Seite durch die Verwandtschaft einen etwas gelehrten Stil hat. Er lebt sich in einen gelehrten Stil hinein — einen gelehrten Schreibstil meine ich, nicht einen Lebensstil —, aber der paßt nicht zu seiner Natur. Er will immer heraus, will immer diesen Stil wegwerfen.

[ 43 ] Nun spielt sich in späterer Zeit das Folgende ab. Wir sehen, wie der jüngere Plinius, der im Mittelalter die Markgräfin Beatrix ist, im 19. Jahrhundert wiedergeboren wird in romantischem Milieu, in romantischer Umgebung, alles Romantische mit großer, man kann nicht sagen Begeisterung, aber mit großem ästhetischem Genuß aufnimmt, sich hineinfindet zunächst in alles Romantische, indem er auf der einen Seite eben diese Romantik, auf der anderen Seite durch die Verwandtschaft einen etwas gelehrten Stil hat. Er lebt sich in einen gelehrten Stil hinein — einen gelehrten Schreibstil meine ich, nicht einen Lebensstil —, aber der paßt nicht zu seiner Natur. Er will immer heraus, will immer diesen Stil wegwerfen.

[ 44 ] Diese Persönlichkeit, die also der wiederverkörperte jüngere Plinius und die wiederverkörperte Markgräfin Beatrix, Beatrice ist, diese Persönlichkeit ist einmal, wie das Schicksal es eben fügt, bei jemandem zu Besuch, blättert in einem auf dem Tische liegenden englisch geschriebenen Buche und wird ungeheuer gefesselt von dem Stil, bekommt in diesem Augenblicke den Eindruck: Der andere Stil, den ich von meinen physischen Verwandten erworben habe, der paßt mir nicht. Dieses ist mein Stil, der Stil, den ich brauche, dies muß ich bewundern, muß ich mir aneignen!

[ 44 ] Diese Persönlichkeit, die also der wiederverkörperte jüngere Plinius und die wiederverkörperte Markgräfin Beatrix, Beatrice ist, diese Persönlichkeit ist einmal, wie das Schicksal es eben fügt, bei jemandem zu Besuch, blättert in einem auf dem Tische liegenden englisch geschriebenen Buche und wird ungeheuer gefesselt von dem Stil, bekommt in diesem Augenblicke den Eindruck: Der andere Stil, den ich von meinen physischen Verwandten erworben habe, der paßt mir nicht. Dieses ist mein Stil, der Stil, den ich brauche, dies muß ich bewundern, muß ich mir aneignen!

[ 45 ] Er wird Schriftsteller, wird Imitator dieses Stiles, natürlich künstlerischer Imitator, nicht pedantischer Imitator, im allerbesten Sinne, im ästhetisch-künstlerischen Sinne der Imitator dieses Stiles.

[ 45 ] Er wird Schriftsteller, wird Imitator dieses Stiles, natürlich künstlerischer Imitator, nicht pedantischer Imitator, im allerbesten Sinne, im ästhetisch-künstlerischen Sinne der Imitator dieses Stiles.

[ 46 ] Und sehen Sie, das Buch, das da aufgeschlagen lag, das dann die Persönlichkeit dazu brachte, so schnell wie möglich alles zu lesen, was von diesem Schriftsteller zu haben war, dieses Buch war Emersons «Representative Men». Und der Betreffende eignete sich den Stil daraus an, übersetzte auch zwei Stücke daraus sofort, wurde ein ungeheurer Verehrer von Emerson und ließ nicht nach, bis er dieser Persönlichkeit auch im Leben begegnen konnte.

[ 46 ] Und sehen Sie, das Buch, das da aufgeschlagen lag, das dann die Persönlichkeit dazu brachte, so schnell wie möglich alles zu lesen, was von diesem Schriftsteller zu haben war, dieses Buch war Emersons «Representative Men». Und der Betreffende eignete sich den Stil daraus an, übersetzte auch zwei Stücke daraus sofort, wurde ein ungeheurer Verehrer von Emerson und ließ nicht nach, bis er dieser Persönlichkeit auch im Leben begegnen konnte.

[ 47 ] Und wir haben es zu tun bei der einen Persönlichkeit, die durch die Bewunderung zu der anderen Persönlichkeit wiederum erst sich selber fand, ihren eigenen Stil fand, wir haben es bei der Wiederverkörperung des jüngeren Plinius und der Markgräfin Beatrix zu tun mit Herman Grimm, und bei Emerson haben wir es zu tun mit dem wiederverkörperten Tacitus, der wiederverkörperten Markgräfin Mathilde.

[ 47 ] Und wir haben es zu tun bei der einen Persönlichkeit, die durch die Bewunderung zu der anderen Persönlichkeit wiederum erst sich selber fand, ihren eigenen Stil fand, wir haben es bei der Wiederverkörperung des jüngeren Plinius und der Markgräfin Beatrix zu tun mit Herman Grimm, und bei Emerson haben wir es zu tun mit dem wiederverkörperten Tacitus, der wiederverkörperten Markgräfin Mathilde.

[ 48 ] Und wiederum: In seiner Bewunderung für den Schriftsteller Emerson und in der ganzen Art, wie Herman Grimm Emerson begegnet, finden wir die Beziehung des jüngeren Plinius gegenüber dem Tacitus wieder. Wir können aus jedem Satze, möchte ich sagen, den dann Herman Grimm schreibt, wieder auferstehen sehen dieses alte Verhältnis zwischen dem jüngeren Plinius und Tacitus. Und wir sehen die Bewunderung, die der jüngere Plinius dem Tacitus entgegenbringt, man kann sagen, in völliger Übereinstimmung wieder auftauchen in der Bewunderung, die Herman Grimm dem Emerson entgegenbringt.

[ 48 ] Und wiederum: In seiner Bewunderung für den Schriftsteller Emerson und in der ganzen Art, wie Herman Grimm Emerson begegnet, finden wir die Beziehung des jüngeren Plinius gegenüber dem Tacitus wieder. Wir können aus jedem Satze, möchte ich sagen, den dann Herman Grimm schreibt, wieder auferstehen sehen dieses alte Verhältnis zwischen dem jüngeren Plinius und Tacitus. Und wir sehen die Bewunderung, die der jüngere Plinius dem Tacitus entgegenbringt, man kann sagen, in völliger Übereinstimmung wieder auftauchen in der Bewunderung, die Herman Grimm dem Emerson entgegenbringt.

[ 49 ] Und nun wird man erst begreifen, worinnen der große Stil Emersons beruht, wie Emerson in einer besonderen Weise wieder darlebt dasjenige, was Tacitus in seiner Art darlebte. Wie arbeitet Emerson? Diejenigen Menschen, die Emerson besuchten, fanden es ja heraus, wie er arbeitet. Da war er in einem Zimmer, da waren viele Stühle, da waren mehrere Tische. Überall lagen aufgeschlagene Bücher, zwischen diesen ging Emerson spazieren. Er las manchmal einen Satz, nahm ihn auf: daraus bildete er dann seine, möchte man sagen, so großen, ausgreifenden, epigrammatischen Sätze, daraus bildete er dann seine Bücher. Und man hat genau das im Bild, was Tacitus im Leben hatte: Was Tacitus im Leben hatte, wie er überall hinkam, das betrachtete Emerson wiederum in Büchern. Es lebt alles wiederum auf.

[ 49 ] Und nun wird man erst begreifen, worinnen der große Stil Emersons beruht, wie Emerson in einer besonderen Weise wieder darlebt dasjenige, was Tacitus in seiner Art darlebte. Wie arbeitet Emerson? Diejenigen Menschen, die Emerson besuchten, fanden es ja heraus, wie er arbeitet. Da war er in einem Zimmer, da waren viele Stühle, da waren mehrere Tische. Überall lagen aufgeschlagene Bücher, zwischen diesen ging Emerson spazieren. Er las manchmal einen Satz, nahm ihn auf: daraus bildete er dann seine, möchte man sagen, so großen, ausgreifenden, epigrammatischen Sätze, daraus bildete er dann seine Bücher. Und man hat genau das im Bild, was Tacitus im Leben hatte: Was Tacitus im Leben hatte, wie er überall hinkam, das betrachtete Emerson wiederum in Büchern. Es lebt alles wiederum auf.

[ 50 ] Und wir haben diesen unbesieglichen Drang in Herman Grimm, an Emerson heranzukommen. Er wird durch das Schicksal hingeführt auf «Representative Men». Er sieht darinnen sogleich: So mußt du schreiben, das ist dein Stil. — Er hatte, wie gesagt, einen Gelehrtenstil von seinem Onkel Jakob Grimm, von seinem Vater Wilhelm Grimm. Den verläßt er. Er wird durch das Schicksal in einen ganz anderen Stil hineingeschlagen.

[ 50 ] Und wir haben diesen unbesieglichen Drang in Herman Grimm, an Emerson heranzukommen. Er wird durch das Schicksal hingeführt auf «Representative Men». Er sieht darinnen sogleich: So mußt du schreiben, das ist dein Stil. — Er hatte, wie gesagt, einen Gelehrtenstil von seinem Onkel Jakob Grimm, von seinem Vater Wilhelm Grimm. Den verläßt er. Er wird durch das Schicksal in einen ganz anderen Stil hineingeschlagen.

[ 51 ] Und wir sehen endlich die historischen Interessen des Herman Grimm, der eine gewisse innere seelische Beziehung zu Deutschland mit einem tiefen Interesse zu Italien verknüpft, auftauchen in dem Inhalt der Werke von Herman Grimm.

[ 51 ] Und wir sehen endlich die historischen Interessen des Herman Grimm, der eine gewisse innere seelische Beziehung zu Deutschland mit einem tiefen Interesse zu Italien verknüpft, auftauchen in dem Inhalt der Werke von Herman Grimm.

[ 52 ] Das sind die Sachen, die einem zeigen, wie solche Dinge sich abspielen. Und was führt zu solchen Dingen? Ja, sehen Sie, es handelte sich darum, einen Eindruck zu bekommen, um den sich die Sache herumkristallisiert. Da wurde zunächst die Vorstellung dieses Herman Grimm gebildet, der den Emerson aufschlägt, «Representative Men» aufschlägt. Nun, Herman Grimm las auf eine merkwürdige Weise. Herman Grimm las und trat sogleich von dem Gelesenen zurück. Das hat er sicher dazumal auch gemacht, denn diese Geste ergibt sich, wie wenn er das Gelesene satzweise verschlucken würde. Diese innere Geste des satzweisen Verschluckens, das ist dasjenige, was von Herman Grimm zu seinen früheren Inkarnationen führen konnte. Und das Herumspazieren vor den aufgeschlagenen Büchern und die etwas steife römische Haltung, in der er Herman Grimm zuerst begegnet, als sie sich in Italien treffen, das ist, was nun wiederum von Emerson zurückführt bis zu Tacitus. Man muß plastische Anschauung haben, um diese Dinge zu verfolgen,

[ 52 ] Das sind die Sachen, die einem zeigen, wie solche Dinge sich abspielen. Und was führt zu solchen Dingen? Ja, sehen Sie, es handelte sich darum, einen Eindruck zu bekommen, um den sich die Sache herumkristallisiert. Da wurde zunächst die Vorstellung dieses Herman Grimm gebildet, der den Emerson aufschlägt, «Representative Men» aufschlägt. Nun, Herman Grimm las auf eine merkwürdige Weise. Herman Grimm las und trat sogleich von dem Gelesenen zurück. Das hat er sicher dazumal auch gemacht, denn diese Geste ergibt sich, wie wenn er das Gelesene satzweise verschlucken würde. Diese innere Geste des satzweisen Verschluckens, das ist dasjenige, was von Herman Grimm zu seinen früheren Inkarnationen führen konnte. Und das Herumspazieren vor den aufgeschlagenen Büchern und die etwas steife römische Haltung, in der er Herman Grimm zuerst begegnet, als sie sich in Italien treffen, das ist, was nun wiederum von Emerson zurückführt bis zu Tacitus. Man muß plastische Anschauung haben, um diese Dinge zu verfolgen,

[ 53 ] Und sehen Sie, meine lieben Freunde, das sollte Ihnen wiederum an einem Beispiele skizzieren, wie geschichtliche Betrachtungen vertieft werden müssen. Und solche Vertiefung muß schon auftauchen unter uns. Denn diese Dinge müssen ein Ergebnis jenes Zuges sein, der durch die Weihnachtstagung in unsere Anthroposophischen Gesellschaft hineinkommen muß. Wir müssen in der Zukunft mutig und kühn nach der Betrachtung der großen geistigen Verhältnisse hingehen, müssen uns hinstellen da, wo die geistigen Zusammenhänge wirklich betrachtet werden. Dazu brauchen wir vor allen Dingen Ernst, Ernst in unserem Zusammenleben mit der anthroposophischen Sache.

[ 53 ] Und sehen Sie, meine lieben Freunde, das sollte Ihnen wiederum an einem Beispiele skizzieren, wie geschichtliche Betrachtungen vertieft werden müssen. Und solche Vertiefung muß schon auftauchen unter uns. Denn diese Dinge müssen ein Ergebnis jenes Zuges sein, der durch die Weihnachtstagung in unsere Anthroposophischen Gesellschaft hineinkommen muß. Wir müssen in der Zukunft mutig und kühn nach der Betrachtung der großen geistigen Verhältnisse hingehen, müssen uns hinstellen da, wo die geistigen Zusammenhänge wirklich betrachtet werden. Dazu brauchen wir vor allen Dingen Ernst, Ernst in unserem Zusammenleben mit der anthroposophischen Sache.

[ 54 ] Und dieser Ernst wird in die Anthroposophische Gesellschaft einziehen, wenn von denen, die in ihr etwas tun wollen, immer mehr und mehr berücksichtigt werden wird, was ja jetzt jede Woche hinausgeht in die Kreise aller unserer Anthroposophen, was die dem «Goetheanum» beigelegten «Mitteilungen» enthalten. Die schildern ja, wie man sich im Sinne der Weihnachtstagung vorstellen möchte, daß in den Zweigen, in den Mitgliederversammlungen gearbeitet, gelehrt, getan werde, und die bringen auch dasjenige zur Darstellung, was geschieht. Sie heißen ja: «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht.» Und diese Mitteilungen wollen ein gemeinsames Denken über die ganze Anthroposophische Gesellschaft ausgießen, eine gemeinsame Atmosphäre über die Tausende von Anthroposophen hinwehen. Wenn man in einer solchen gemeinsamen Atmosphäre leben wird, wenn man verstehen wird, was das heißt, daß die «Leitsätze» Gedankenanreger sein sollen, und wenn man versteht, daß dadurch in der Tat real, konkret das Goetheanum in den Mittelpunkt gestellt werden soll durch die Initiative des esoterischen Vorstandes — das ist ja von mir immer wieder zu betonen, daß wir es jetzt mit einem Vorstand zu tun haben, der sein Wirken als ein Inaugurieren von Esoterischem auffaßt —, wenn wir das richtig verstehen werden, dann wird schon das, was nun durch die anthroposophische Bewegung fließen soll, in der richtigen Weise durch sie weitergetragen werden. Denn anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft müssen eins werden. Die Anthroposophische Gesellschaft muß ganz und gar die anthroposophische Sache zu der ihrigen machen.

[ 54 ] Und dieser Ernst wird in die Anthroposophische Gesellschaft einziehen, wenn von denen, die in ihr etwas tun wollen, immer mehr und mehr berücksichtigt werden wird, was ja jetzt jede Woche hinausgeht in die Kreise aller unserer Anthroposophen, was die dem «Goetheanum» beigelegten «Mitteilungen» enthalten. Die schildern ja, wie man sich im Sinne der Weihnachtstagung vorstellen möchte, daß in den Zweigen, in den Mitgliederversammlungen gearbeitet, gelehrt, getan werde, und die bringen auch dasjenige zur Darstellung, was geschieht. Sie heißen ja: «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht.» Und diese Mitteilungen wollen ein gemeinsames Denken über die ganze Anthroposophische Gesellschaft ausgießen, eine gemeinsame Atmosphäre über die Tausende von Anthroposophen hinwehen. Wenn man in einer solchen gemeinsamen Atmosphäre leben wird, wenn man verstehen wird, was das heißt, daß die «Leitsätze» Gedankenanreger sein sollen, und wenn man versteht, daß dadurch in der Tat real, konkret das Goetheanum in den Mittelpunkt gestellt werden soll durch die Initiative des esoterischen Vorstandes — das ist ja von mir immer wieder zu betonen, daß wir es jetzt mit einem Vorstand zu tun haben, der sein Wirken als ein Inaugurieren von Esoterischem auffaßt —, wenn wir das richtig verstehen werden, dann wird schon das, was nun durch die anthroposophische Bewegung fließen soll, in der richtigen Weise durch sie weitergetragen werden. Denn anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft müssen eins werden. Die Anthroposophische Gesellschaft muß ganz und gar die anthroposophische Sache zu der ihrigen machen.

[ 55 ] Und man kann schon sagen: Wenn nun dieses Gemeinsame da sein soll, was als gemeinsames Denken wirkt, dann kann das imstande sein, auch wirklich geistig umfassende und umspannende Erkenntnisse zu tragen. Dann aber wird in der Anthroposophischen Gesellschaft eine Kraft leben, die eigentlich in ihr leben sollte, weil die neuere Zivilisationsentwickelung, wenn sie nicht vollständig dem Niedergang verfallen will, einen mächtigen Aufschwung braucht.

[ 55 ] Und man kann schon sagen: Wenn nun dieses Gemeinsame da sein soll, was als gemeinsames Denken wirkt, dann kann das imstande sein, auch wirklich geistig umfassende und umspannende Erkenntnisse zu tragen. Dann aber wird in der Anthroposophischen Gesellschaft eine Kraft leben, die eigentlich in ihr leben sollte, weil die neuere Zivilisationsentwickelung, wenn sie nicht vollständig dem Niedergang verfallen will, einen mächtigen Aufschwung braucht.

[ 56 ] Erscheine es immerhin paradox, was gesagt werden muß über aufeinanderfolgende Erdenleben von dem oder jenem, wer genauer zusieht, wer hinsieht bis auf die Schritte, die die Menschen machen, von denen in bezug auf solche wiederholte Erdenleben gesprochen wird, der wird schon sehen, wie real begründet es ist, was in dieser Beziehung vorgebracht wird, und wie man in die Wirklichkeit des Lebens und Webens von Göttern und Menschen hineinschauen kann, wenn man versucht, in dieser Weise die Geisteskräfte mit einem geistigen Blicke zu umspannen.

[ 56 ] Erscheine es immerhin paradox, was gesagt werden muß über aufeinanderfolgende Erdenleben von dem oder jenem, wer genauer zusieht, wer hinsieht bis auf die Schritte, die die Menschen machen, von denen in bezug auf solche wiederholte Erdenleben gesprochen wird, der wird schon sehen, wie real begründet es ist, was in dieser Beziehung vorgebracht wird, und wie man in die Wirklichkeit des Lebens und Webens von Göttern und Menschen hineinschauen kann, wenn man versucht, in dieser Weise die Geisteskräfte mit einem geistigen Blicke zu umspannen.

[ 57 ] Das, meine lieben Freunde, möchte ich auf Ihre Seele legen, möchte ich in Ihr Herz versenken und möchte, daß Sie es als eine Empfindung mitnehmen auch von dieser Ostertagung hier. Dann wird diese Ostertagung etwas wie eine Auffrischung der Weihnachtstagung werden. Wenn diese Weihnachtstagung in der richtigen Weise wirken soll, so muß sie immer wiederum, als ob sie gegenwärtig wäre, aufgefrischt werden durch alles das, was sich aus ihr herausentwickelt.

[ 57 ] Das, meine lieben Freunde, möchte ich auf Ihre Seele legen, möchte ich in Ihr Herz versenken und möchte, daß Sie es als eine Empfindung mitnehmen auch von dieser Ostertagung hier. Dann wird diese Ostertagung etwas wie eine Auffrischung der Weihnachtstagung werden. Wenn diese Weihnachtstagung in der richtigen Weise wirken soll, so muß sie immer wiederum, als ob sie gegenwärtig wäre, aufgefrischt werden durch alles das, was sich aus ihr herausentwickelt.

[ 58 ] Möge sich vieles aus dieser Weihnachtstagung in immer weiterer Erneuerung herausentwickeln. Und möge es sich vor allem herausentwickeln durch richtige, herzhafte, im Leben mit der Vertretung der anthroposophischen Sache stehende mutige Seelen, mutige Anthroposophenseelen. Wenn immer mehr und mehr durch unsere Veranstaltungen der Mut in den Seelen, in den Herzen unserer anthroposophischen Freunde wächst, dann wird endlich auch das heranwachsen, was man in der Anthroposophischen Gesellschaft — als dem Leib — braucht für die anthroposophische Seele: ein mutiges Hineintragen desjenigen in die Welt, was aus den Offenbarungen des Geistes im angebrochenen lichten Zeitalter, das auf den Ablauf des Kali Yuga folgt, für die weitere Entwickelung der Menschen notwendig ist. Fühlt man sich in diesem Bewußtsein, so wird man aus ihm heraus auch mutig wirken. Und möge jede unserer Veranstaltungen eine Energisierung eines solchen Mutes sein. Möge sie es sein dadurch, daß wir wirklich im Ernste aufzufassen vermögen, was paradox, töricht denjenigen erscheint, die heute vielfach noch den Ton angeben. Aber was in einer Zeit den Ton angegeben hat, das wurde vielfach bald ersetzt durch das, was unterdrückt war. Möge aus einer Anerkenntnis der Geschichte, verbunden mit dem Fortwirken der menschlichen Leben, eben der Mut des anthroposophischen Wirkens sich ergeben, der notwendig ist für den weiteren Fortschritt der Menschheitszivilisation.

[ 58 ] Möge sich vieles aus dieser Weihnachtstagung in immer weiterer Erneuerung herausentwickeln. Und möge es sich vor allem herausentwickeln durch richtige, herzhafte, im Leben mit der Vertretung der anthroposophischen Sache stehende mutige Seelen, mutige Anthroposophenseelen. Wenn immer mehr und mehr durch unsere Veranstaltungen der Mut in den Seelen, in den Herzen unserer anthroposophischen Freunde wächst, dann wird endlich auch das heranwachsen, was man in der Anthroposophischen Gesellschaft — als dem Leib — braucht für die anthroposophische Seele: ein mutiges Hineintragen desjenigen in die Welt, was aus den Offenbarungen des Geistes im angebrochenen lichten Zeitalter, das auf den Ablauf des Kali Yuga folgt, für die weitere Entwickelung der Menschen notwendig ist. Fühlt man sich in diesem Bewußtsein, so wird man aus ihm heraus auch mutig wirken. Und möge jede unserer Veranstaltungen eine Energisierung eines solchen Mutes sein. Möge sie es sein dadurch, daß wir wirklich im Ernste aufzufassen vermögen, was paradox, töricht denjenigen erscheint, die heute vielfach noch den Ton angeben. Aber was in einer Zeit den Ton angegeben hat, das wurde vielfach bald ersetzt durch das, was unterdrückt war. Möge aus einer Anerkenntnis der Geschichte, verbunden mit dem Fortwirken der menschlichen Leben, eben der Mut des anthroposophischen Wirkens sich ergeben, der notwendig ist für den weiteren Fortschritt der Menschheitszivilisation.