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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236

23 April 1924, Dornach

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Dritter Vortrag

Lecture III

[ 1 ] Ich möchte zu dem in diesen Tagen Gesagten einiges hinzufügen für die Freunde, die gelegentlich des Osterkursus hierhergekommen sind und die manches von dem in der letzten Zeit hier Gesagten nicht gehört haben, hinzufügen aus den Gebieten karmischer Zusammenhänge. Für diejenigen Freunde, die in den vorigen Stunden vor der Östertagung hier gewesen sind, wird vielleicht einiges eine Wiederholung sein, allein das ist eben aus der Natur unserer jetzigen Veranstaltung hier doch wohl notwendig.

[ 1 ] I should like during these few days to say something rather especially for the friends who have come here to attend the Easter Course,1Easter as a Chapter in the Mystery-Wisdom of Man. (on-line as: The Easter Festival in Relation to the Mysteries) Dornach, 19th–22nd April, 1924. and who have not heard much of what has connections. Those who were present at the lectures before Easter may find some repetitions but the circumstances make this inevitable.

[ 2 ] Ich habe ja in der letzten Zeit ganz besonders betont, wie das geschichtliche Leben der Menschheit herangebracht werden muß an die Betrachtung des Menschen selbst. All unser Streben geht ja darauf hin, den Menschen überhaupt wiederum in den Mittelpunkt der Weltbetrachtungen zu stellen. Es wird dadurch ein Doppeltes erreicht: Erstens, es wird überhaupt dadurch erst eine Weltbetrachtung möglich, weil dasjenige, was um den Menschen herum in der außermenschlichen Natur ausgebreitet ist, doch nur einen Teil, ein gewisses Gebiet der Welt darstellt. Etwa so nimmt sich eine Weltbetrachtung aus, welche sich auf dieses Naturgebiet beschränkt, wie eine Pflanzenbetrachtung, die immer stehenbleibt bei der Anschauung von Wurzeln, grünen Blättern und Stengeln, und niemals dazu kommt, Blüte und Frucht zu sehen. Eine solche Betrachtung liefert einfach nicht die ganze Pflanze. Könnten Sie sich ein Wesen vorstellen, das stets nur zu einer Zeit geboren wird und zu einer Zeit lebt, in der die Pflanze nur bis zu den grünen Blättern wächst, das niemals eine Blüte sieht, das zu der Zeit, wenn die Blüte kommen soll, stirbt, und erst wieder hervorkommt, wenn nur Wurzeln und grüne Blätter da sind? Ein solches Wesen würde die volle, die ganze Pflanze niemals kennenlernen, würde von der Pflanze als einem Wesen reden, das nur Wurzel und Blätter hat.

[ 2 ] I have been laying particular emphasis on the fact that study of the historical development of the life of mankind must lead on to study of the human being himself. All our endeavours aim in the direction of placing man at the centre of our study of the world. Two ends are attained thereby. Firstly, it is only in this way that the world can be studied as it truly is. For all that man sees spread around him in nature is only a part—gives as it were one picture of the world only: and to limit study of the world to this realm of nature is like studying a plant without looking beyond root, green leaf and stem, and ignoring flower and fruit. This kind of study can never reveal the whole plant. Imagine a creature that is always born at a particular time of the year, lives out its life during a period when the plant grows as far as the green leaves and no further, dies before the plant is in blossom and appears again only when roots and green leaves are there.—Such a creature would never have knowledge of the whole plant; it would regard the plant as something that has roots and leaves only.

[ 3 ] In eine ähnliche Lage gegenüber der ganzen Weltbetrachtung hat sich die moderne materialistische Gesinnung gebracht. Sie betrachtet nur die breitere Unterlage des Lebens, nicht das, was aus der Gesamtheit des irdischen Werdens und Seins hervorsprießt: den Menschen selber. Unsere Naturbetrachtung muß durchaus so sein, daß die Natur in ihren Weiten betrachtet wird, aber uns gleich in der Betrachtung so vorkommt, als ob sie aus sich heraus den Menschen schaffen müßte. Dadurch erscheint der Mensch wirklich als ein Mikrokosmos, als eine Konzentrierung alles dessen, was sich in den Weiten des Kosmos findet.

[ 3 ] The materialistic mind of to-day has got itself into a similar position as regards its approach to the world. It considers only the broad foundations of life, not what blossoms forth from the totality of earthly evolution and earthly existence—namely, man himself. The real way of approach must be to study nature in her full extent, but in such a way as all the time to realise that she must needs create man out of herself. We shall then see man as the microcosm he truly is, as the concentration of all that is to be found outspread in the far spaces of the cosmos.

[ 4 ] Sobald man diese Art der Betrachtung auf die Geschichte anwendet, ist man nicht mehr in der Lage, den Menschen bloß so zu betrachten, daß man die Kräfte der Geschichte auf den Menschen konzentriert und ein einheitlich zusammengehaltenes Wesen im Menschen sieht, sondern da muß man den Menschen betrachten, wie er durch verschiedene Erdenleben geht, denn er ist mit dem einen Erdenleben in einer älteren Zeit, mit dem anderen Erdenleben in einer späteren Zeit verbunden. Und der Umstand, daß es so ist, stellt wiederum den Menschen, aber jetzt die Totalität des Menschen, die Individualität des Menschen, in den Mittelpunkt der Betrachtung. Das ist das eine, was durch eine solche Anschauung von Natur und Geschichte erreicht wird.

[ 4 ] As soon, however, as we study history from this point of view, we are no longer able to regard the human being as a resultant of the forces of history, as a single, self-contained being. We must take account of the fact that he passes through different earthly lives: one such life occurs at an earlier time and another at a later. This very fact places man at the centre of our studies, but now in his whole being, as an individuality. This is the one end that is attained when we look in this way at nature and at history.

[ 5 ] Das andere ist, daß gerade dann, wenn man den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellt, ethisch das erreicht werden wird, daß in dem menschlichen Charakter eine gewisse Bescheidenheit eintreten wird. Unbescheidenheit kommt eigentlich nur aus mangelnder Menschenerkenntnis. Es wird ganz gewiß nicht aus einer eindringlichen, umfassenden Menschenerkenntnis im Zusammenhange mit den Welt- und Geschichtsereignissen das folgen, daß der Mensch sich überschätzt, sondern es wird zur Folge haben, daß der Mensch sich objektiver nimmt. Gerade wenn der Mensch sich nicht kennt, so sprießen in ihm diejenigen Gefühle auf, die eben aus dem Unbekannten seiner eigenen Wesenheit kommen. Instinktive emotionelle Regungen ziehen aus ihm auf, und diese im Unterbewußten wurzelnden instinktiven emotionellen Regungen, die machen den Menschen eigentlich unbescheiden, hochmütig und so weiter. Dagegen wenn das Bewußtsein immer mehr und mehr hinuntersteigt in diejenigen Regionen, in denen sich der Mensch erkennt, wie er den Weiten des Weltenalls und dem Leben der aufeinanderfolgenden geschichtlichen Ereignisse angehört, wird sich im Menschen einem innerlichen Gesetze nach Bescheidenheit entwickeln. Denn die Anpassung an das Weltendasein ruft immer Bescheidenheit hervor, nicht Überhebung. Alles, was als eine reale, wahre Betrachtung in der Anthroposophie gepflogen werden kann, hat durchaus auch seine ethische Seite, zeitigt seine ethischen Impulse. Anthroposophie wird nicht eine Lebensauffassung hervorbringen so wie die neuere materialistische Zeit, welche die Ethik, die Moral als etwas Äußerliches hat, sondern die Ethik, die Moral wird ihr etwas sein, was innerlich hervorgetrieben wird aus alledem, was man betrachtet.

[ 5 ] The other is this.—The very fact of placing man at the centre of study, makes for humility. Lack of humility is due to nothing else than lack of knowledge. A penetrating, comprehensive knowledge of man in his connection with the events of the world and of history will certainly not lead to excessive self-esteem; far rather it will lead the human being to look at himself objectively. It is precisely when a man does not know himself that there rise up in him those feelings which have their source in the unknown regions of his being. Instinctive, emotional impulses make themselves felt. And it is these instinctive, emotional impulses, rooted as they are in the subconscious, that make for arrogance and pride. On the other hand, when consciousness penetrates farther and farther into those regions where man comes to know himself and to recognise how in the sequence of historical events he belongs to the whole wide universe—then, simply by virtue of an inner law, humility will unfold in him. The recognition of his place in universal existence invariably calls forth humility, never arrogance. All genuine study pursued in Anthroposophy has its ethical side, carries with it an ethical impulse. Unlike modern materialism, Anthroposophy will not lead to a conception of life in which ethics and morality are a mere adjunct; ethics and morality emerge, as if inwardly impelled, from all genuine anthroposophical study.

[ 6 ] Nun möchte ich zeigen, wie in gewissen Menschenwesenheiten frühere Epochen herübergetragen werden durch den Menschen selber in spätere Epochen. Ich möchte das an einzelnen Beispielen auch heute zeigen. Da haben wir ein, ich möchte sagen, sehr fesselndes Beispiel, das uns in der Betrachtung in diese schweizerischen Gegenden führen kann.

[ 6 ] I want now to show you by concrete examples, how the fruits of earlier epochs of history are carried over into later epochs through human beings themselves. A certain very striking example now to be given, is associated with Switzerland.

[ 7 ] Wir wenden den Blick hin auf einen Menschen der vorchristlichen Zeit, etwa ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums, und finden da — ich erzähle, was in einer geisteswissenschaftlichen Betrachtung gefunden werden konnte — eine Persönlichkeit, die eine Art Sklavenaufseher ist, die, wie gesagt, ein Jahrhundert vor der Begründung des Christentums in südlichen Gegenden Europas eine Art Sklavenaufseher ist.

[ 7 ] Our gaze falls upon a man who lived about a hundred years before the founding of Christianity.—I am relating to you what can be discovered through spiritual scientific investigation.—At this period in history we find a personality who is a kind of slave overseer in southern Europe.

[ 8 ] Man darf sich unter einem Sklavenaufseher der damaligen Zeit nicht dasjenige vorstellen, was sogleich bei diesen Worten in uns an Gefühlen und Empfindungen erregt wird. Die Sklaverei war ja im Altertum etwas, was durchaus als gang und gäbe angesehen worden ist, und sie war in der Zeit, von der ich hier spreche, eigentlich im wesentlichen schon gemildert, und die Sklavenaufseher waren gebildete Leute. In dieser Zeit waren ja sogar oftmals die Lehrer von sehr bedeutenden Leuten Sklaven, weil unter den Sklaven auch die Bildung, die literarische Bildung, die wissenschaftliche Bildung der damaligen Zeit vielfach herrschte. Also man muß sich schon gesündere Ansichten über das Sklaventum verschaffen, ohne es selbstverständlich auch nur im geringsten zu verteidigen, wenn man auf das Altertum in dieser Beziehung hinsieht.

[ 8 ] We must not associate with a slave overseer of those times the feelings that the word immediately calls up in us now. Slavery was the general custom in days of antiquity, and at the time of which I am speaking it was essentially mild in form; the overseers were usually educated men. Indeed the teachers of important personages might well be slaves, who were often versed in the literary and scientific culture of the time. So you see, we must acquire sounder ideas about slavery—needless to say, without defending it in the least degree—when we are considering this aspect of the life of antiquity.

[ 9 ] Wir haben also eine solche Persönlichkeit, deren Beruf es ist, sich mit der Austeilung der Arbeit, mit der Behandlung einer Reihe von Sklaven zu beschäftigen. Aber diese Persönlichkeit, die eine außerordentlich liebenswürdige ist, eine milde Persönlichkeit, die alles tut, wenn sie sich selber folgen kann, um den Sklaven das Leben angenehm zu machen, untersteht nun einer rauhen, etwas brutalen Persönlichkeit. Wir würden nach unseren heutigen Benennungen jene Persönlichkeit den Vorgesetzten nennen. Dem muß sie folgen, diese Persönlichkeit. Dadurch kommt manches, was Groll erzeugt bei den Geführten. Und es stellt sich dann heraus, daß, als die Persönlichkeit, von der ich rede, der Sklavenaufseher, durch die Pforte des Todes geht, sie umringt ist in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt von all den Seelen die mit ihr dadurch verbunden waren, daß sie ihr Sklavenaufseher war. Aber insbesondere stark verbunden war die Individualität dieser Persönlichkeit mit jenem Vorgesetzten, und zwar dadurch, daß sie, als sie Sklavenführer war, diesem Vorgesetzten folgen mußte, daß sie oftmals widerwillig, aber doch immer nach der Sitte der damaligen Zeit für ein solches soziales Verhältnis, ihm folgte. Das begründete einen tieferen karmischen Zusammenhang. Es begründete auch einen tieferen karmischen Zusammenhang das Verhältnis, das da war in der physischen Welt zwischen dem Sklavenführer, man könnte auch sagen in vieler Beziehung Sklavenlehrer, und der Schar der Sklaven.

[ 9 ] We find, then, a personality whose calling it is to be in charge of a number of slaves and to apportion their tasks. He is an extraordinarily lovable man, gentle and kind-hearted and when he is able to have his own way he does everything to make life easier for the slaves. In authority over him, however, is a rough, somewhat brutal personality. This man is, as we should say nowadays, his superior officer. And this superior officer is responsible for many things that arouse resentment and animosity in the slaves. When the personality of whom I am speaking—the slave overseer—passes through the gate of death, he is surrounded in the time between death and a new birth by all the souls who were thus united with him on earth, the souls of the slaves who had been in his charge. But as an individuality he is very strongly connected with the one who was his superior officer. The fact that he, as the slave overseer, was obliged to obey this superior officer—for in accordance with the prevailing customs of the time he always did obey him, though often very unwillingly—this fact established a strong karmic tie between them. But a deep karmic tie was also established by the relationship that had existed in the physical world between the overseer and the slaves, for in many respects he had been their teacher as well.

[ 10 ] So müssen wir uns also vorstellen, daß sich nun ein weiteres Leben entwickelt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt zwischen all diesen Menschenindividualitäten, von denen ich jetzt gesprochen habe.

[ 10 ] We must thus picture a further life unfolding between death and rebirth among all these individualities of whom I have spoken.

[ 11 ] Dann wird etwa im 9. nachchristlichen Jahrhundert die Individualität dieses Sklavenführers wiederum geboren, in Mitteleuropa, aber jetzt als Frau. Wir haben es also jetzt zu tun mit einer Wiederverkörperung jenes Sklavenführers als Frau, und zwar, weil die karmischen Verbindungen so sind, als Frau gerade jenes Vorgesetzten, der als Mann wiedergeboren wird. Und es entwickelt sich ein nicht gerade glänzendes Eheverhältnis zwischen den beiden, ein Eheverhältnis, das aber karmisch durchaus dasjenige ausgleicht, was sich karmisch gegründet hat in der Zeit des Untertanen-Vorgesetztenverhältnisses während der alten Zeit im Beginne des ersten Jahrhunderts vor der christlichen Zeitrechnung. Dieser Vorgesetzte lebt jetzt, etwa im 9. Jahrhundert, in Mitteleuropa innerhalb einer Gemeinde, deren Bürger in einem außerordentlich familiären Verhältnis miteinander stehen. Er ist da als eine Art Gemeindebeamter tätig, der aber eigentlich aller Diener ist und außerordentlich starkt gepufft wird.

[ 11 ] Afterwards, somewhere about the 9th century A.D., the individuality of the slave overseer is born again, in Central Europe, but now as a woman, and moreover, because of the prevailing karmic connection, as the wife of the former superior officer who reincarnated as a man. The two of them live together in a marital relationship that makes karmic compensation for the tie that had been established away back in the first century before the founding of Christianity, when they had lived as subordinate and superior officers respectively. The superior officer is now, in the 9th century A.D., in a commune in Central Europe where the inhabitants live on very intimate terms with one another; he holds some kind of official position in the commune, but he is everyone's servant and comes in for plenty of knocks and abuse.

[ 12 ] Wir kommen darauf, wenn wir die ganze Sache untersuchen, daß die Mitglieder dieser etwas ausgebreiteten Gemeinde alle die Sklaven sind, die einstmals in der von mir erwähnten Weise geführt worden sind, behandelt worden sind, denen ihre Arbeit angewiesen worden ist. Also der Vorgesetzte ist sozusagen aller Diener geworden und muß außerordentlich viel karmisch in Erfüllung gehen sehen von dem, was durch seine Brutalität auf dem Umwege über den Sklavenführer an diesen Menschen getan worden ist.

[ 12 ] Investigating the whole matter further, we find that the members of this rather extensive commune are the slaves who once had their tasks allotted to them in the way I told you. The superior officer has now become as it were the servant of them all, and has to experience the karmic fulfilment of many things which, through the instrumentality of the overseer, his brutality inflicted upon these people.

[ 13 ] Seine Frau, die ist nun aber der wiedergeborene Sklavenführer, der, ich möchte sagen, in einer gewissen stilleren, zurückgezogeneren Lebensweise unter den Eindrücken leidet, die jetzt von dem stets unzufriedenen früheren Vorgesetzten in seiner Wiederverkörperung kommen, und man kann im einzelnen durchaus verfolgen, wie sich das karmische Schicksal hier erfüllt.

[ 13 ] The wife of this man (she is the reincarnated overseer), suffers with a kind of silent resignation under all the impressions made by the ever-discontented superior officer in his new incarnation, and one can follow in detail how karmic destiny is here being fulfilled.

[ 14 ] Aber auf der anderen Seite sehen wir auch, wie dieses Karma durchaus nicht erfüllt ist, in seiner Totalität nicht erfüllt ist. Es ist nur ein Teil dieses Karma erfüllt. Nur was sich zwischen diesen beiden Menschen abgespielt hat, dem Sklavenführer und seinem Vorgesetzten, dieses karmische Verhältnis ist mit der mittelalterlichen Inkarnation im 9. Jahrhundert im wesentlichen erschöpft; denn da hat tatsächlich die Frau dasjenige abgedient, was sie durch die Brutalität ihres ehemaligen Vorgesetzten, der jetzt ihr Gemahl war, an der eigenen Seele erfahren hat.

[ 14 ] But we see, too, that this karma is by no means completely adjusted. A part only is adjusted, namely the karmic relationship between the slave overseer and his superior officer. This has been lived out and is essentially finished in the medieval incarnation in the 9th century; for the wife has paid off what her soul had experienced owing to the brutality of the man who had once been the superior officer and is now her husband.

[ 15 ] Aber diese Frau, die Inkarnation des ehemaligen Sklavenführers, wird wiederum geboren, geboren nun auch so, daß die Mehrzahl derjenigen Seelen, die einstmals Sklaven waren und dann in der ausgebreiteten Gemeinde vereinigt waren, deren Schicksal also diese Individualität zweimal im Erdenleben mitgemacht hat, daß diese Gemeinde für den wiedergeborenen Sklavenführer jene Kinder liefert, deren Erziehung er sich jetzt in der neuen Verkörperung besonders annimmt. Denn diese Wiederverkörperung ist die des Pestalozzi. Und wir sehen, daß alles das, was jetzt an ungeheurer Milde, an Erzieherbegeisterung in Pestalozzi im 18. und 19. Jahrhundert lebt, die karmische Erfüllung ist gegenüber den Menschen, mit denen er zweimal in der geschilderten Weise verbunden war, die karmische Erfüllung dessen, was in früheren Inkarnationen erlebt, erlitten und erfahren worden ist.

[ 15 ] This woman, the reincarnation of the former slave overseer, is born again, and what happens now is that the greater number of the souls who had once been slaves and had then come together again in the large commune—souls in whose destiny this individuality had twice played a part—came again as the children whose education this same individuality in his new incarnation has deeply at heart. For in this incarnation he comes as Pestalozzi. And we see how Pestalozzi's infinite humanitarianism, his enthusiasm for education in the 18th century, is the karmic fulfilment in relation to human beings with whom he had already twice been connected—the karmic fulfilment of the experiences and the sufferings of earlier incarnations.

[ 16 ] Es wird das, was in einzelnen Persönlichkeiten auftritt, eben durchaus erst durchsichtig, stellt sich vor die Seele in seiner begreiflichen Gegenständlichkeit hin, wenn man beobachtet, wie auf dem Hintergrunde eines gegenwärtigen Erdenlebens die früheren Erdenleben erscheinen. Und zuweilen treten in irgendeinem Erdenleben Züge eines Menschen auf, die nicht etwa bloß auf die vorhergehende Inkarnation zurückgehen, sondern oftmals auf die vorvorige und noch auf weiter zurückgelegene. Das ist so, daß man sieht, wie mit einer gewissen inneren geistigen Konsequenz hindurchwirkt, was in den einzelnen Inkarnationen sich veranlagt hat und sein Dasein weiterführt, indem der Mensch lebt durch Erdenleben hindurch, aber auch durch Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt.

[ 16 ] What comes to view in single personalities can be clear and objectively intelligible to us only when we are able to see the present earthly life against the background of earlier earthly lives. Traits that go back not merely to the previous incarnation, but often to the one before that, and even earlier, sometimes show themselves in a man. We see how what has been planted, as it were, in the single incarnations, works its way through with a certain inner, spiritual necessity, inasmuch as the human being lives not only through earthly lives but also through lives between death and a new birth.

[ 17 ] In dieser Beziehung ist besonders fesselnd die Betrachtung eines Erdenlebens, das ich schon vor denjenigen, die vor der Ostertagung hier in Dornach waren, entwickelt habe, das Leben des Conrad Ferdinand Meyer.

[ 17 ] In this connection, the study of a life of which I spoke to those of you who were in Dornach before Easter, is particularly striking and interesting—the life of Conrad Ferdinand Meyer.

[ 18 ] Conrad Ferdinand Meyer gibt ja dem, der sein Leben innerlich betrachtet und zu gleicher Zeit in einem hohen Grade seine Dichtungen bewundern kann, ganz besondere Rätsel auf. Conrad Ferdinand Meyers Dichtungen haben ja einen in der Form wunderbar harmonischen Stil, so daß man sagen kann: Was in Conrad Ferdinand Meyer lebt, das schwebt eigentlich immer ein wenig über dem Irdischen in bezug auf den Stil, auch in bezug auf die ganze Denkungs-, Empfindungs- und Gefühlsart. Und man merkt schon, wenn man sich auf die Schöpfungen Conrad Ferdinand Meyers einläßt, wie er in einem Geistig-Seelischen drinnensteckt, das fortwährend auf dem Sprunge ist, sich etwas loszulösen von dem Physisch-Leiblichen. Man sagt sich, wenn man die edleren Dichtungen Conrad Ferdinand Meyers, auch seine Prosadichtungen, vor sich hinlegt und betrachtet: Da ist etwas Schöpferisches, was immer hinauswachsen will über den Zusammenhang mit dem physischen Leibe. — Das hat sich ja dann dadurch ausgesprochen, daß Conrad Ferdinand Meyer in der Tat in seiner Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation in krankhaften Zuständen leben mußte, in denen sich in einem sehr starken Grade das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen loslöste, so daß Wahnzustände auftraten oder wenigstens Zustände, die Wahnzuständen ähnlich waren. Wiederum ist das Merkwürdige daran, daß zum Schönsten bei ihm gerade das gehört, was er in einer solchen Loslösung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen geschaffen hat.

[ 18 ] Conrad Ferdinand Meyer presents a very special enigma to those who study the inner aspect of his life and at the same time greatly admire him as a poet. There is such wonderful harmony of form and style in his poems that we cannot help saying: what lives in Conrad Ferdinand Meyer always hovers a little above the earthly—in respect of the style and also in respect of the whole way of thinking and feeling. And if we steep ourselves in his writings we shall perceive how he is immersed in an element of spirit-and-soul that is always on the point of breaking away from the physical body. Study the nobler poems, also the prose-poems, of Conrad Ferdinand Meyer and you will say to yourselves: There is evidence of a perpetual urge to get right away from connection with the physical body. As you know, in his incarnation as Conrad Ferdinand Meyer, it was his lot to fall into pathological states, when the soul-and-spirit separated from the physical body to a high degree, so much so that insanity ensued, or at any rate conditions resembling insanity. And the strange thing is that his most beautiful works were produced during periods when the soul-and-spirit had loosened from the physical body.

[ 19 ] Nun wird man gerade bei Conrad Ferdinand Meyer, wenn man versucht, die karmischen Zusammenhänge durch seine Erdenleben hindurch zu erforschen, in eine Art Verwirrung hineingetrieben. Man findet sich nicht sogleich zurecht, wenn man den Faden ziehen will von der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation zu den früheren Inkarnationen. Man wird zunächst in das 6. nachchristliche Jahrhundert versetzt, aber dann wiederum zurückgeworfen in das 19. Jahrhundert, in die Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, weil man bei der Beobachtung auch durch die Sache selbst dazu verleitet wird, verführt wird, in die Irre zu gehen. Sie müssen sich nur das richtig vorstellen, wie ein wirkliches Ringen um Erkenntnis auf diesem Felde es außerordentlich schwer hat. Wer sich mit Phantastik begnügt, der hat es natürlich leicht, der kann irgendwie irgend etwas sich zurechtlegen. Wer aber auf diesem Gebiete sich nicht mit Phantastik begnügt, sondern tatsächlich bis zu jenem Punkte in seinem Forschen weiterrückt, wo er das Gefüge seiner Seele beim Forschen verläßlich findet, der hat es eigentlich schwer, wenn er solche Sachen verfolgt, insbesondere bei einer so komplizierten Individualität, wie sie sich in Conrad Ferdinand Meyer dargelebt hat. Und es ist ja beim Untersuchen von karmischen Zusammenhängen durch eine Anzahl von Erdenleben hindurch einem keine große Hilfe, auf die besonders signifikanten Dinge hinzuschauen. Das, was am meisten auffällt an dem Menschen, was man wahrnimmt, wenn man dem Menschen begegnet oder durch die Geschichte etwas von ihm erfährt, das hat er eigentlich zumeist aus der irdischen Umgebung. Man ist ja als Mensch viel mehr, als man denkt, ein Produkt seiner irdischen Umgebung. Man nimmt durch die Erziehung dasjenige auf, was in der irdischen Umgebung lebt. Erst die feineren, intimeren Züge eines Menschen, recht konkret aufgefaßt, führen durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt zurück in vorige Erdenleben.

[ 19 ] Now when we try to investigate the karmic connections running through the life of Conrad Ferdinand Meyer, we are driven into a kind of confusion. We cannot immediately find our bearings. We are led, first, to the 6th century A.D., and then again we are thrown back into the 19th, into the Conrad Ferdinand Meyer incarnation. The very circumstances we are observing, mislead us. I want you to realise the extraordinary difficulty of a genuine search for knowledge in this domain. If you are satisfied with phantasy, then it is naturally easy, for you can make things fit in as you like. For one who is not satisfied with phantasy but carries his investigation to the point where he can rely upon the faculties of his own soul not to play him false—for him it is no easy matter, especially when he is investigating these things in connection with an individuality as complex as that of Conrad Ferdinand Meyer. In investigating karmic connections through a number of earthly lives it is no great help to look at the particularly outstanding characteristics. What strikes you most forcibly in a man, what you see at once when you meet him or learn of him in history—these characteristics are, for the most part, the outcome of his earthly environment. A man as he confronts us is a product of his earthly environment to a far greater extent than is generally believed. He takes in through education what is present in his earthly environment. It is the more intangible, more intimate traits of a man which taken quite concretely, lead back through the life between death and a new birth into former earthly lives.

[ 20 ] Und für eine solche Betrachtung kann wichtiger sein, die Art und Weise anzuschauen, wie ein Mensch seine Gesten macht, wie ein Mensch als eine ständige Gewohnheit irgend etwas hält, als die Betrachtung dessen, was er vielleicht als eine berühmte Persönlichkeit leistet. Die Art und Weise, wie jemand etwas hält, oder wie er immer gewohnheitsmäßig auf Dinge antwortet — nicht was er antwortet, aber wie er antwortet, daß er zum Beispiel zunächst immer abweist und erst, wenn er nicht mehr anders kann, zugibt, oder daß er in aller Gutmütigkeit etwas renommiert und so weiter —, solche Züge, die sind es, die wichtig sind, und wenn man die besonders anschaut, so stellen sie sich in den Mittelpunkt der Betrachtungen, und es wächst viel aus ihnen heraus. Man betrachtet die Art, wie jemand etwas angreift, macht sich es ganz gegenständlich, arbeitet es künstlerisch aus; dann bleibt es nicht bei der Betrachtung der Geste, sondern da gliedert sich um die Geste die Gestalt eines anderen Menschen herum.

[ 20 ] In these investigations it may be more important to observe a man's gestures or some habitual mannerism than to consider what he has achieved perhaps as a figure of renown. The mannerisms of a person, or the way he will invariably answer you—not so much what he answers but how he answers—whether, for example, his first tendency is always to be negative and only when he has no other alternative, to agree, or whether again in quite a good-humoured way he is rather boastful ... these are the kind of traits that are important and if we pay special attention to them they become the centre of our observations and disclose a great deal. One observes, for instance, how a man stretches out his hand to take hold of things; one makes an objective picture of it and then works upon it in the manner of an artist; and at length one finds that it is no longer the mere gesture that one is contemplating, but around the gesture the figure of another human being takes shape.

[ 21 ] Es kann durchaus das Folgende geschehen. Es gibt Menschen, die haben kleine Gewohnheiten, sagen wir die Gewohnheit, bevor sie irgend etwas beginnen, die Arme in einer bestimmten Weise zu bewegen. Ich habe Menschen kennengelernt, die konnten keine Arbeit tun, ohne zuerst die Arme zusammenzulegen. Macht man sich solch eine Geste ganz gegenständlich, aber mit innerem künstlerischem Sinn, so daß sie plastisch vor einem steht, dann lenkt man die Aufmerksamkeit ab von dem Menschen, der zu dieser Geste dazugehört. Aber diese Geste bleibt nicht allein. Sie wächst sich aus zu einer anderen Gestalt. Und kommt man nun an diese Gestalt heran, dann ist diese Gestalt etwas, was wenigstens hindeutet auf etwas in der vorigen Inkarnation oder in der vorvorigen Inkarnation. Es kann dabei durchaus so sein, daß diese Geste auf irgend etwas angewendet wird, was in der vorigen Inkarnation noch gar nicht vorhanden war, sagen wir auf das In-die-Hand-Nehmen eines Buches und dergleichen. Aber eine solche Art von Geste oder solche Art von Lebensgewohnheit muß es eigentlich sein, wofür man Sinn haben muß, um zurückzukommen.

[ 21 ] The following may happen.—There are men who have a habit, let us say, of making a certain movement of the arms. I have known men who simply could not begin to do anything without first folding their arms. If one visualises such a gesture quite objectively, but with inner, artistic feeling, so that it stands before one as a plastic, pliable form, then one's attention is directed away from the man who is actually making the gesture. But the gesture does not remain as it is; it grows into another figure which is an indication, at least, of something in the previous incarnation or in the one before that. It may well be that the gesture is now used in connection with something that was not present at all in the previous incarnation—let us say it is a gesture used in picking up a book, or some similar action. Nevertheless, it is for gestures and habits of this kind that we must have an eye if we are to keep on the right track.

[ 22 ] Nun, bei solch einer Individualität wie die des Conrad Ferdinand Meyer ist aber eben dieses das Bedeutsame, daß sie schafft mit einer gewissen Neigung — so will ich es genau ausdrücken — zur Lockerung des Geistig-Seelischen von dem Physisch-Leiblichen. Das ist ein Anhaltspunkt, aber auf der anderen Seite auch wiederum ein Moment der leichten Verirrung.

[ 22 ] Now in the case of an individuality like Conrad Ferdinand Meyer, the point of significance is that while he is creating his poems there is always a tendency to a loosening of the soul-and-spirit from the physical body. There we have a starting-point but at the same time a point where we may easily go astray.

[ 23 ] Nun wird man also hingetrieben ins 6. Jahrhundert. Man hat zunächst das Gefühl: da muß er sein. Man findet auch eine Persönlichkeit, die in Italien gelebt hat, die in Italien verschiedene Schicksale in jener Inkarnation durchgemacht hat und die da in einer Art Doppelnatur gelebt hat, auf der einen Seite mit außerordentlicher Begeisterung hingegeben an das, was für uns Spätere in der äußeren Welt ziemlich verlorengegangen ist, was aber vorhanden war in großartiger Kunstentfaltung und was wir nur noch aus der Mosaiken-Kunstentfaltung sehen. In dieser Kunstentfaltung Italiens, Ende des 5., Anfang des 6. Jahrhunderts, hat nun diese Individualität, auf die man zunächst gestoßen wird, gelebt. So stellt es sich zunächst dar.

[ 23 ] We are led, as I told you, to the 6th century A.D. We have the feeling: that is where he belongs. And moreover we find a personality who lived in Italy, who experienced a very varied destiny in that incarnation in Italy, who indeed lived a kind of double existence. On the one side he was devoted with the greatest enthusiasm to an art that has almost disappeared in this later age, but was then in its prime; it is only in the remaining examples of mosaics that we are still able to glimpse this highly developed art. And the individuality to whom we are first impelled, lived in this milieu of art in Italy at the end of the 5th and the beginning of the 6th century A.D.—That is what presents itself, to begin with.

[ 24 ] Aber nun verfinstert sich wiederum dieses ganze Bild, und man wird zurückgeworfen auf Conrad Ferdinand Meyer. Und die Finsternis, die man für die Anschauung empfangen hat an dem Menschen des 6. Jahrhunderts, die überstrahlt einem nun das Bild des Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert. Und man ist genötigt, wiederum auf dasjenige hinzuschauen, was nun Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert tut.

[ 24 ] But now this whole picture is obscured, and again we are thrown back to Conrad Ferdinand Meyer. The darkness that obscures vision of the man of the 6th century now overshadows the picture of Conrad Ferdinand Meyer in the 19th; and we are compelled to look very closely into what Conrad Ferdinand Meyer does in the 19th century.

[ 25 ] Man wird hingelenkt darauf, daß er in seiner Erzählung «Der Heilige» den Kanzler Heinrichs II. von England behandelt hat, Thomas Becket. Man hat das Gefühl, daß das außerordentlich wichtig ist. Man hat auch das Gefühl, daß man durch die Empfindung von dieser früheren Inkarnation hingestoßen ist gerade zu dieser Tat des Conrad Ferdinand Meyer. Jetzt aber wird man wiederum zurückgestoßen ins 6. Jahrhundert, und da gibt diese Tatsache keine Aufklärung. Und so wird man oftmals hin- und hergestoßen zwischen diesen zwei Inkarnationen, der fragwürdigen Inkarnation zunächst im 6. Jahrhundert und der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation, bis man darauf kommt, daß in Conrad Ferdinand Meyer einfach aus der Geschichte heraus die Erzählung von Thomas Becket dadurch entstanden ist, daß die ganze Geschichte etwas Ähnlichkeit hat mit dem, was er selbst im 6. Jahrhundert erlebt hat, wo er als Mitglied einer katholischen Mission, die von dem Papst Gregor von Italien nach England geschickt worden war, auch von Italien nach England gegangen ist. Da ist die zweite Wesenheit der Doppelnatur Conrad Ferdinand Meyers in der vorigen Inkarnation drinnenliegend. Auf der einen Seite war er in der vorigen Inkarnation im 6. Jahrhundert begeisterter Verehrer alles dessen, was in solcher Kunst lag, was dann ins Mosaikwesen übergegangen ist — daher sein ganz umfassendes Formentalent. Auf der anderen Seite aber war er eben ein begeisterter Vertreter des Katholizismus, der aus diesem Grunde bei dieser Mission mitgegangen ist. Die Mitglieder dieser Mission haben Canterbury begründet, den Ort, wo dann das Bistum Canterbury entstanden ist.

[ 25 ] Our attention is then drawn to the fact that his tale Der Heilige (The Saint), deals with Thomas à Becket, the Chancellor of Henry II of England. We feel that here is something of peculiar importance. And we also have the feeling that the impression received from the earlier incarnation has driven us up against this particular deed of Conrad Ferdinand Meyer. But now again we are driven back into the 6th century, and can find there no explanation of this. And so we are thrown to and fro between the two incarnations, the problematic one in the 6th century and the Conrad Ferdinand Meyer incarnation—until it dawns upon us that the story of Thomas à Becket as told in history, came up in Conrad Ferdinand Meyer's mind owing to a certain similarity with an experience he had himself undergone in the 6th century, when he went to England from Italy as a member of a Catholic mission sent by Pope Gregory. There we have the second aspect of Conrad Ferdinand Meyer in his previous incarnation. On the one side he was an enthusiastic devotee of the art that subsequently took the form of mosaic.—Hence his talent for form, in all its aspects. On the other side, however, he was an impassioned advocate of Catholicism, and for this reason accompanied the mission. The members of this mission founded Canterbury, where the bishopric was then established.

[ 26 ] Die Individualität, die dann als Conrad Ferdinand Meyer im 19. Jahrhundert gelebt hat, die wurde damals von einem angelsächsischen Häuptling ermordet, unter Umständen, die außerordentlich interessant sind. Es lag etwas Juristisch-Verleumderisches und Spitzfindiges, allerdings in grober Art, in dem, was dazumal bei der Ermordung dieser Individualität sich abgespielt hat.

[ 26 ] The individuality who afterwards lived in the 19th century as Conrad Ferdinand Meyer was murdered by an Anglo-Saxon courtier, in circumstances that are extraordinarily interesting. There was something of legal subtlety and craftiness, albeit still in the rough, about the events connected at that time with the murder.

[ 27 ] Nun, Sie wissen ja, meine lieben Freunde, wenn irgend etwas auch im gewöhnlichen Erdenleben in unseren Gesichtskreis getreten ist, was, ich möchte sagen, den Ton von etwas besonders hervorruft — ich habe einmal einen Namen gehört, ich habe ihn vielleicht nicht so stark beachtet —, so kann später im Zusammenhang mit diesem Namen eine ganze Summe von Ideenassoziationen auftreten. Aber durch die besonderen Umstände, wie dieses Mitglied einer katholischen Mission in England verbunden war mit dem, was später Erzbistum von Canterbury war, weil die Stadt Canterbury von dieser Mission begründet worden ist, lebte das alles fort, lebte eigentlich im Klange des Namens Canterbury weiter. Und so lebte wieder auf der innere Klang dieses Namens Canterbury in der Conrad Ferdinand Meyer-Inkarnation.

[ 27 ] You know very well, my dear friends, how even in ordinary life the sound of something remains with you. You may once have heard a name without paying any particular attention to it ... but later on a whole association of ideas is called up in your mind when this name is mentioned. In a similar way, through the peculiar circumstances of this man's connection with what later became the archbishopric of Canterbury—the town of Canterbury, as I said, was founded by the mission of which he was a member—these experiences lived on, lived on, actually, in the sound of the name Canterbury.

[ 28 ] Dadurch wurde Conrad Ferdinand Meyer in der Ideenassoziation zu Thomas Becket geführt, dem Lordkanzler von Canterbury, der der Kanzler Heinrichs II. aus dem Hause Plantagenet war und der in einer spitzfindigen Weise ermordet wurde. Nachdem er zunächst Günstling war, wurde er nachher, weil er auf gewisse Propositionen von Heinrich II. nicht einging, von Heinrich II. ermordet. Diese ähnlich-unähnlichen Schicksale führten dazu, daß dasjenige, was Conrad Ferdinand Meyer in einer früheren Inkarnation im 6. Jahrhundert am eigenen Leibe, fern von seinem damaligen Vaterlande, erlebt hatte, von ihm aus der Geschichte heraus wiedergegeben worden ist an ganz anderen Gestalten.

[ 28 ] In the Conrad Ferdinand Meyer incarnation the sound of this name—Canterbury—came to life again, and by association of ideas his attention was called to Thomas à Becket, (the Lord Chancellor of Canterbury under Henry Plantagenet) who was treacherously murdered. At first, Thomas à Becket was a favourite of Henry II, but was afterwards murdered, virtually through the instigation of the King, because he would not agree to certain measures. These two destinies, alike in some respects and unlike in others, brought it about that Conrad Ferdinand Meyer transposed, as it were, into quite different figures taken from history, what he had himself experienced in an earlier incarnation in the 6th century—experienced in his own body, far from what was at that time his native land.

[ 29 ] Aber denken Sie, wie interessant das ist! Hat man es einmal, dann wird man nicht mehr hin- und hergeworfen. Dann aber schaut man, wie gerade deshalb, weil in Conrad Ferdinand Meyer auch im 19. Jahrhundert eine Art Doppelnatur lebt, leicht sich loslöst sein Geistig-Seelisches von dem Physisch-Leiblichen. Weil in ihm eine Art Doppelnatur lebt, stellt sich an die Stelle dessen, was im Realen erlebt war, ein anderes, das dem nur ähnlich ist, so wie sich oftmals in der Phantasie des Menschen die Bilder verändern. In der gewöhnlichen Phantasie eines Menschen im Laufe eines Erdenlebens verändern sich die Bilder in der Phantasie so, daß die Phantasie frei schafft. Im Laufe durch die Erdenleben hindurch verändert sich die Sache so, daß ein anderes historisches Ereignis, das mit dem betreffenden nur seiner Bildnatur nach zu tun hat, sich an die Stelle des wahren Ereignisses setzt.

[ 29 ] Just think how interesting this is! Once we have grasped it, we are no longer driven hither and thither between the two incarnations. And then, because again in the 19th century, Conrad Ferdinand Meyer has a kind of double nature, we see how his soul-and-spirit easily separates from the physical. Because he has this double nature, the place of his own, actual experiences is taken by another experience in some respects similar to it ... just as pictures often change in the play of human imagination. In a man's ordinary imagination during an earthly life, the picture changes in such a way that imagination weaves in freedom; in the course of many earthly lives it may be that some historical event which is connected with the person in question as a picture only, takes the place of the actual event.

[ 30 ] Nun wird diese Individualität, die das erfahren hat und bei der stehengeblieben ist, fortwirkend durch zwei Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurch, was dann zum Vorschein gekommen ist in der Erzählung «Der Heilige», nun wird diese Individualität später, und zwar in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wiedergeboren, jetzt als Frau. Wir brauchen uns nur zu erinnern, welche chaotischen Zustände zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Mitteleuropa überall vorhanden waren, um auf unsere Seelen wirken zu lassen, wie es im Gemüte einer fein empfindenden Frau zugehen konnte, die im Miterleben der chaotischen Zustände während des Dreißigjährigen Krieges einen philiströsen, pedantischen, spießbürgerlichen Mann heiratet, der es im späteren Deutschland nicht aushalten konnte, auswanderte und in der Schweiz, in Graubünden, eine Heimat fand. Er überließ da seiner Frau eigentlich die Besorgung des Heimes. Er selber beschäftigte sich mehr mit einer ziemlich brutalen Bummelei. Aber die Frau hatte Gelegenheit, viel, viel zu beobachten; sowohl weiter historisch Ausgreifendes, wie die merkwürdigen Graubündner Verhältnisse, wirkten auf die Seele ein. Und das, was da an tatsächlichen Erfahrungen in dieser Frauenseele sich abspielte, gefärbt, nuanciert von den Erlebnissen mit dem philiströsen, spießbürgerlichen Mann, das zieht nun wiederum in die Untergründe der Individualität und lebt fort durch ein Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Wir haben es mit einer auf die im 6. Jahrhundert folgenden Inkarnation desjenigen, der später Conrad Ferdinand Meyer wurde, in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Frau zu tun. Diese Individualität lebte in Conrad Ferdinand Meyer wieder auf. Und was damals von der Frau erlebt worden ist, das wird in phantasievoller Weise umgestaltet in der Erzählung «Jürg Jenatsch» von Conrad Ferdinand Meyer.

[ 30 ] Now this individuality whose experience in an earlier life worked on through two lives between death and rebirth and then came to expression in the story Thomas à Becket, the Saint,—this individuality had had another intermediate earthly life as a woman at the time of the Thirty Years' War. We have only to envisage the chaos prevailing all over Central Europe during the Thirty Years' War and it will not be difficult to understand the feelings and emotions of an impressionable, sensitive woman living in the midst of the chaos as the wife of a pedantic, narrow-minded man. Wearying of life in the country that was afterwards Germany, he emigrated to Graubünden in Switzerland, where he left the care of house and home to his wife, while he spent his time sullenly loafing about. His wife, however, had opportunity to observe many, many things. The wider historical perspective, no less than the curious local conditions at Graubünden, worked upon her; the experiences she underwent, experiences that were always coloured by her life with the bourgeois, commonplace husband, again sank down into the foundations of the individuality, and lived on through the life between death and a new birth. And the experiences of the wife at the time of the Thirty Years' War are imaginatively transformed in Conrad Ferdinand Meyer's tale, Jürg Jenatsch.

[ 31 ] So haben wir in dem Seelischen gerade dieser Persönlichkeit Conrad Ferdinand Meyers ein Fortwirkendes, das wir aus Einzelheiten der vorigen Inkarnationen bei ihm zusammensetzen. Aber was als eine so in sich geschlossene Individualität erscheint wie der literarischen Betrachtung Conrad Ferdinand Meyer — denn da erscheint er ja gerade in festen Formen, als ein Künstler, den man sehr scharf charakterisieren kann, weil er eben feste Formen hat —, gerade das verwirrt einen, weil man von diesen festen Formen sofort hingelenkt wird auf die labile, doppelwesenhafte Menschlichkeit.

[ 31 ] Thus in the soul of Conrad Ferdinand Meyer we have something that has gathered together out of the details of former incarnations. As a man of letters, Conrad Ferdinand Meyer seems to be an individuality complete in itself, for he is an artist with very definite and fixed characteristics. But in point of fact it is this that actually causes confusion, because one's attention is immediately directed away from these very definite characteristics to the elusive, double nature of the man.

[ 32 ] Wer bloß auf den Dichter Conrad Ferdinand Meyer schaut, auf die berühmte Persönlichkeit, die Werke geschaffen hat, der kommt ganz sicher nicht dazu, irgend etwas über die früheren Inkarnationen dieser Persönlichkeit zu wissen. Da muß man von seinem Dichterischen auf das Menschliche hindurchschauen; dann erscheint eben auf dem Hintergrunde des Bildes dasjenige, was die Gestaltungen der vorigen Inkarnationen darstellt.

[ 32 ] Those who have eyes only for Conrad Ferdinand Meyer the poet, the famous author of all these works, will never come to know anything of his earlier lives. We have to look through the poet to the man; and then, in the background of the picture, there appear the figures of the earlier incarnations.

[ 33 ] Nun, sehen Sie, so paradox es dem heutigen Menschen noch erscheint, es wird vertieft werden können das Menschenleben nur, wenn man es in dieser Weise vertieft, daß man das Geschichtliche, dieses äußerlich Geschichtliche, was man eben oftmals heute Geschichte nennt, hinlenkt zu der Betrachtung des Menschen in der Geschichte. Der läßt sich aber nicht als bloß einem Zeitalter angehörig betrachten, als bloß in einem Erdenleben lebend, sondern der läßt sich nur so betrachten, daß man schaut, wie die Individualität von Erdenleben zu Erdenleben geht, und wie dann wirkt in der Zwischenzeit das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, gerade dasjenige umgestaltend, was mehr im Unterbewußten des Erdenlebens sich abspielt, was aber durchaus gerade mit der wirklichen Schicksalsbildung des Menschen zusammenhängt. Denn diese Schicksalsbildung des Menschen verläuft ja nicht in dem, was im Intellektuellen klar ist, sondern verläuft in dem, was im Unterbewußten webt und west.

[ 33 ] Paradoxical as it will seem to the modern mind, the only way in which human life can be understood in its deeper aspect is to centre our study of the course of world-events around observation of man himself in history. And man cannot be taken as belonging to one age of time only, as living in one earthly life only. In considering man, we must realise how the individuality passes from one earthly life to another, and how in the interval between death and a new birth he works upon and transforms that which has taken its course more in the subconscious realm of earthly life but for all that is connected with the actual shaping of the destiny. For the shaping of destiny takes place, not in the clear consciousness of the intellect, but in what weaves in the subconscious.

[ 34 ] Ich möchte noch auf ein Beispiel eines solchen Herüberwirkens in der Geschichte durch Menschenindividualiäten hinweisen. Wir haben in dem ersten Jahrhundert, oder etwa hundert Jahre nach der Entstehung des Christentums, einen außerordentlich bedeutenden römischen Schriftsteller in Tacitus.

[ 34 ] Let me now give you another example of how things work over in history through human individualities themselves. In the first century A.D., about a hundred years after the founding of Christianity, we have an exceedingly significant Roman writer in the person of Tacitus.

[ 35 ] Tacitus hat, außer in anderen Werken, insbesondere auch in seiner «Germania» gezeigt, wie er einen außerordentlich präzisen, kurzen Stil zu schreiben verstand, wie er die historischen Tatsachen, die geographischen Schilderungen in wunderbar gerundete Sätze bringt, die epigrammatisch wirken, richtig epigrammatisch wirken. Wir können da auch daran erinnert werden, daß er, der große Weltmann, der eigentlich alles weiß, was man dazumal für wissenswert gehalten hat, der ein Jahrhundert nach der Begründung des Christentums lebte, Christus überhaupt nur ganz vorübergehend erwähnt als jemanden, den die Juden gekreuzigt haben, was aber keine besondere Bedeutung eigentlich hat. Und doch ist Tacitus tatsächlich einer der größten Römer.

[ 35 ] In all his work, and very particularly in his ‘Germania’, Tacitus proves himself a master of a concise, clear-cut style; he arrays the facts of history and geographical details in wonderfully rounded sentences with a genuinely epigrammatic ring. We may also remember how he, a man of wide culture, who knew everything considered worth knowing at that time—a hundred years after the founding of Christianity—makes no more than a passing allusion to Christ, mentioning Him as someone whom the Jews crucified but saying that this was of no great importance. Yet in point of fact, Tacitus is one of the greatest Romans.

[ 36 ] Nun ist mit Tacitus befreundet gewesen diejenige Persönlichkeit, die in der Geschichte als der jüngere Plinius bekannt ist, der viele Briefe geschrieben hat und der ein großer Bewunderer des tacitischen Stiles war, so daß eigentlich dieser jüngere Plinius, der selber Schrifsteller war, ganz aufging in der Bewunderung des Tacitus.

[ 36 ] Tacitus had a friend, the personality known in history as Pliny the Younger, himself the author of a number of letters and an ardent admirer of Tacitus.

[ 37 ] Nun, betrachten wir zunächst diesen jüngeren Plinius. Dieser jüngere Plinius, er geht natürlich durch die Pforte des Todes, geht durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt, und er wird wiedergeboren im 11. nachchristlichen Jahrhundert als eine Prinzessin von Tuscien in Italien, die sich vermählt mit einem mitteleuropäischen Fürsten, der seiner Länder von Heinrich dem Schwarzen aus dem fränkisch-salischen Kaisergeschlecht beraubt worden ist und der in Italien wieder festen Boden fassen will. Diese Beatrix besitzt das Schloß Canossa, bei dem dann Heinrich IV., der Nachfolger Heinrichs III., des Schwarzen, seine berühmte Canossa-Buße gegenüber dem Papst Gregor zu vollziehen hatte.

[ 37 ] To begin with, let us consider Pliny the Younger. He passes through the gate of death, through the life between death and a new birth, and is born again in the 11th century as a Countess of Tuscany in Italy, who is married to a Prince of Central Europe. The Prince has been robbed of his lands by Henry the Black of the Frankish-Salic dynasty and wants to secure for himself an estate in Italy. This Countess Beatrix owns the Castle of Canossa where, later on, Henry IV, the successor of Henry III the Black, was forced to make his famous penance to Pope Gregory.

[ 38 ] Nun, diese Markgräfin Beatrix, die ist eine außerordentlich regsame Persönlichkeit, interessiert für all die Verhältnisse, die sich da abspielen. Und sie muß sich ja für alles interessieren, denn ihr Mann, Gottfried, der zuerst, als er noch nicht mit ihr verheiratet war, von Heinrich dem Schwarzen aus dem elsässischen Gebiete vertrieben wurde, nach Italien hin, wo er dann sich mit dieser Beatrix vermählt hatte, der wird weiterverfolgt von Heinrich III, dem Schwarzen. Heinrich ist nämlich ein ganz energischer Herr, der einfach seine Fürsten und die Häuptlinge seiner Nachbarschaft einen nach dem anderen absetzt, der in ausgiebigem Maße macht, was er will, der sich auch nicht damit zufrieden gibt, einen einmal vertrieben zu haben, der es auch ein zweites Mal tut, wenn der andere sich wieder irgendwo festsetzt. Also das ist, wie gesagt, ein ganz energischer Herr, ein Herr in großem Format des Mittelalters. Und er hat ja auch, als der Gottfried sich in Tuscien festgesetzt hat, erstens ihn vertrieben, dann aber auch die Markgräfin mit nach Deutschland genommen.

[ 38 ] Now this Countess Beatrix is an extraordinarily alert and active personality, taking keen interest in all the conditions and circumstances of the time. Indeed she cannot help being interested, for Henry III who had driven her husband, Gottfried, out of Alsace into Italy before his marriage to her, continued his persecution. Henry is a man of ruthless energy, who overthrows the Princes and Chieftains in his neighbourhood one after the other, does whatever he has a mind to do, and is not content when he has persecuted someone once, but does it a second time, when the victim has established himself somewhere else.—As I said, he was a man of ruthless vigour, a ‘great’ man in the medieval style of greatness. And when Gottfried had established himself in Tuscany, Henry was not content with having driven him out but proceeded to take the Countess back with him to Germany.

[ 39 ] Dadurch gliederte sich in ihrem Kopfe eine feinsinnige Betrachtung der italienischen Verhältnisse zusammen mit den deutschen Verhältnissen. So daß wir schon in dieser Persönlichkeit eine stark repräsentative Persönlichkeit der damaligen Zeit haben, eine scharf beobachtende, außerordentlich regsame, energische Frau, die aber zugleich etwas durchaus Weitherziges, weit Ausschauendes hatte.

[ 39 ] All these happenings gave the Countess an opportunity of forming a penetrating view of conditions in Italy, as well as of those in Germany. In her we have a person who is strongly representative of the time in which she lives, a woman of keen observation, vitality and energy, combined with largeness of heart and breadth of vision.

[ 40 ] Als nun Heinrich IV. gerade seinen Bußgang nach Canossa unternehmen mußte, da war die Tochter der Beatrix, Mathilde, die Besitzerin von Canossa, und sie, die sehr gut mit ihrer Mutter stand, sie hatte eigentlich alle die Eigenschaften der Mutter auch auf sich vereinigt, war eigentlich eine noch vorzüglichere Frau. Es sind zwei ganz außerordentlich sympathische Frauen, die gerade durch alles das, was sich da abgespielt hat unter Heinrich III. und Heinrich IV., tief historisch interessiert worden sind.

[ 40 ] When, later on, Henry IV was forced to go on his journey of penance to Canossa, Beatrix's daughter Mathilde had become the owner of the Castle. Mathilde was on excellent terms with her mother whose qualities she had inherited, and was, in fact, the more gifted of the two. They were splendid women who because of all that had happened under Henry III and Henry IV, took a profound interest in the history of the times.

[ 41 ] Vertieft man sich in das, so bekommt man das Merkwürdige: Die Markgräfin Beatrix ist der wiederverkörperte Plinius der Jüngere, und die Tochter Mathilde ist der wiederverkörperte Tacitus. Man findet also Tacitus, der Geschichte geschrieben hat in alten Zeiten, man findet ihn — es ist der Frau ja, wenn sie groß ist, gerade das Betrachten so eigen — als einen Geschichtsbetrachter im Großen, als den Teilnehmer, als den unmittelbaren Teilnehmer an der Geschichte; denn Mathilde ist eben die Besitzerin von Canossa, und da spielt sich die ganze Szene ab, etwas, wodurch sich ungeheur viel im Mittelalter entscheidet. Wir finden ihn als Geschichtsbetrachter.

[ 41 ] Investigation of these personalities leads to this remarkable result: the Countess Beatrix is the reincarnated Pliny the Younger, and her daughter Mathilde is the reincarnated Tacitus. Thus Tacitus, a writer of history in olden times, is now an observer of history on a wide scale—(when a woman has greatness in her she is often wonderfully gifted as an observer)—and not only an observer but a direct participant in historical events. For Mathilde is actually the owner of Canossa, the scene of issues that were immensely decisive in the Middle Ages. We find the former Tacitus now as an observer of history.

[ 42 ] Diese zwei Persönlichkeiten wachsen recht innig ineinander, Mutter und Tochter, und ihre alte Schriftstellerei befähigt sie in ihrem Unbewußten, die historischen Ereignisse in aller Intensität aufzufassen und dadurch instinktiv sehr verbunden zu werden mit dem Weltengang sowohl in der Natur wie auch im geschichtlichen Leben.

[ 42 ] A deep intimacy develops between these two—mother and daughter—and their former work in the field of authorship enables them to grasp historical events with great perspicacity; subconsciously and instinctively they become closely linked with the world-process, as it takes its course in nature as well as in history.

[ 43 ] Nun spielt sich in späterer Zeit das Folgende ab. Wir sehen, wie der jüngere Plinius, der im Mittelalter die Markgräfin Beatrix ist, im 19. Jahrhundert wiedergeboren wird in romantischem Milieu, in romantischer Umgebung, alles Romantische mit großer, man kann nicht sagen Begeisterung, aber mit großem ästhetischem Genuß aufnimmt, sich hineinfindet zunächst in alles Romantische, indem er auf der einen Seite eben diese Romantik, auf der anderen Seite durch die Verwandtschaft einen etwas gelehrten Stil hat. Er lebt sich in einen gelehrten Stil hinein — einen gelehrten Schreibstil meine ich, nicht einen Lebensstil —, aber der paßt nicht zu seiner Natur. Er will immer heraus, will immer diesen Stil wegwerfen.

[ 43 ] And now, still later on, the following takes place.—Pliny the Younger, who in the Middle Ages was the Countess Beatrix, is born again in the 19th century, in a milieu of romanticism. He absorbs this romanticism—one cannot exactly say with enthusiasm, but with aesthetic pleasure. He has on the one hand this love for the romantic, and on the other—due to his family connections—a rather academic style; he finds his way into an academic style of writing. It is not, however, in line with his character. He is always wanting to get out of it, always wanting to discard this style.

[ 44 ] Diese Persönlichkeit, die also der wiederverkörperte jüngere Plinius und die wiederverkörperte Markgräfin Beatrix, Beatrice ist, diese Persönlichkeit ist einmal, wie das Schicksal es eben fügt, bei jemandem zu Besuch, blättert in einem auf dem Tische liegenden englisch geschriebenen Buche und wird ungeheuer gefesselt von dem Stil, bekommt in diesem Augenblicke den Eindruck: Der andere Stil, den ich von meinen physischen Verwandten erworben habe, der paßt mir nicht. Dieses ist mein Stil, der Stil, den ich brauche, dies muß ich bewundern, muß ich mir aneignen!

[ 44 ] This personality (the reincarnated Pliny the Younger and the Countess Beatrix) happens on one occasion brought about by destiny, to be visiting a friend, and takes up a book lying on the table, an English book. He is fascinated by its style and at once feels: The style I have had up till now and that I owe to my family relationships, does not really belong to me. This is my style, this is the style I need. It is wonderful; I must acquire it at all costs.

[ 45 ] Er wird Schriftsteller, wird Imitator dieses Stiles, natürlich künstlerischer Imitator, nicht pedantischer Imitator, im allerbesten Sinne, im ästhetisch-künstlerischen Sinne der Imitator dieses Stiles.

[ 45 ] As a writer he becomes an imitator of this style—I mean, of course, an artistic imitator in the best sense, not a pedantic one—an imitator of this style in the artistic, aesthetic sense of the word.

[ 46 ] Und sehen Sie, das Buch, das da aufgeschlagen lag, das dann die Persönlichkeit dazu brachte, so schnell wie möglich alles zu lesen, was von diesem Schriftsteller zu haben war, dieses Buch war Emersons «Representative Men». Und der Betreffende eignete sich den Stil daraus an, übersetzte auch zwei Stücke daraus sofort, wurde ein ungeheurer Verehrer von Emerson und ließ nicht nach, bis er dieser Persönlichkeit auch im Leben begegnen konnte.

[ 46 ] And do you know, the book he opened at that moment, reading it right through as quickly as he possibly could and then afterwards reading everything he could find of the author's writings—this book was Emerson's Representative Men. And the person in question adopted its style, immediately translated two essays from it, conceived a deep veneration for the author, and was never content until he was able to meet him in real life.

[ 47 ] Und wir haben es zu tun bei der einen Persönlichkeit, die durch die Bewunderung zu der anderen Persönlichkeit wiederum erst sich selber fand, ihren eigenen Stil fand, wir haben es bei der Wiederverkörperung des jüngeren Plinius und der Markgräfin Beatrix zu tun mit Herman Grimm, und bei Emerson haben wir es zu tun mit dem wiederverkörperten Tacitus, der wiederverkörperten Markgräfin Mathilde.

[ 47 ] This man, who really only now found himself, who for the first time found the style that belonged to him in his admiration for the other—this reincarnation of Pliny the Younger and of the Countess Beatrix, is none other than Herman Grimm. And in Emerson we have to do with the reincarnated Tacitus, the reincarnated Countess Mathilde.

[ 48 ] Und wiederum: In seiner Bewunderung für den Schriftsteller Emerson und in der ganzen Art, wie Herman Grimm Emerson begegnet, finden wir die Beziehung des jüngeren Plinius gegenüber dem Tacitus wieder. Wir können aus jedem Satze, möchte ich sagen, den dann Herman Grimm schreibt, wieder auferstehen sehen dieses alte Verhältnis zwischen dem jüngeren Plinius und Tacitus. Und wir sehen die Bewunderung, die der jüngere Plinius dem Tacitus entgegenbringt, man kann sagen, in völliger Übereinstimmung wieder auftauchen in der Bewunderung, die Herman Grimm dem Emerson entgegenbringt.

[ 48 ] When we observe Herman Grimm's admiration for Emerson, when we remember the way in which Herman Grimm encounters Emerson, we can find again the relationship of Pliny the Younger to Tacitus. In every sentence that Herman Grimm writes after this time, we can see the old relationship between Pliny the Younger and Tacitus emerging. And we see the admiration that Pliny the Younger had for Tacitus, nay more, the complete accord and understanding between them, coming out again in the admiration with which Herman Grimm looks up to Emerson.

[ 49 ] Und nun wird man erst begreifen, worinnen der große Stil Emersons beruht, wie Emerson in einer besonderen Weise wieder darlebt dasjenige, was Tacitus in seiner Art darlebte. Wie arbeitet Emerson? Diejenigen Menschen, die Emerson besuchten, fanden es ja heraus, wie er arbeitet. Da war er in einem Zimmer, da waren viele Stühle, da waren mehrere Tische. Überall lagen aufgeschlagene Bücher, zwischen diesen ging Emerson spazieren. Er las manchmal einen Satz, nahm ihn auf: daraus bildete er dann seine, möchte man sagen, so großen, ausgreifenden, epigrammatischen Sätze, daraus bildete er dann seine Bücher. Und man hat genau das im Bild, was Tacitus im Leben hatte: Was Tacitus im Leben hatte, wie er überall hinkam, das betrachtete Emerson wiederum in Büchern. Es lebt alles wiederum auf.

[ 49 ] And now for the first time we shall grasp wherein the essential greatness of Emerson's style consists, we shall perceive that what Tacitus displayed in his own way, Emerson again displays in his own special way. How does Emerson work? Those who visited Emerson discovered his way of working. There he was in a room; around him were several chairs, several tables. Books lay open everywhere and Emerson walked about among them. He would often read a sentence, imbibe it thoroughly and from it form his own magnificent, free-moving, epigrammatic sentences. That was how he worked. There you have an exact picture of Tacitus in life! Tacitus travels, takes hold of life everywhere; Emerson observes life in books. It all lives again!

[ 50 ] Und wir haben diesen unbesieglichen Drang in Herman Grimm, an Emerson heranzukommen. Er wird durch das Schicksal hingeführt auf «Representative Men». Er sieht darinnen sogleich: So mußt du schreiben, das ist dein Stil. — Er hatte, wie gesagt, einen Gelehrtenstil von seinem Onkel Jakob Grimm, von seinem Vater Wilhelm Grimm. Den verläßt er. Er wird durch das Schicksal in einen ganz anderen Stil hineingeschlagen.

[ 50 ] And then there is this unconquerable desire in Herman Grimm to meet Emerson. Destiny leads him to Representative Men and he sees at once: this is how I must write, this is my true style. As I said, he had already acquired an academic style of writing from his uncle Jacob Grimm and his father Wilhelm Grimm, and he then abandons it. He is impelled by destiny to adopt a completely different style.

[ 51 ] Und wir sehen endlich die historischen Interessen des Herman Grimm, der eine gewisse innere seelische Beziehung zu Deutschland mit einem tiefen Interesse zu Italien verknüpft, auftauchen in dem Inhalt der Werke von Herman Grimm.

[ 51 ] In Herman Grimm's writings we see how wide were his historical interests. He has an inner relationship of soul with Germany, combined with a deep interest in Italy. All this comes out in his writings.

[ 52 ] Das sind die Sachen, die einem zeigen, wie solche Dinge sich abspielen. Und was führt zu solchen Dingen? Ja, sehen Sie, es handelte sich darum, einen Eindruck zu bekommen, um den sich die Sache herumkristallisiert. Da wurde zunächst die Vorstellung dieses Herman Grimm gebildet, der den Emerson aufschlägt, «Representative Men» aufschlägt. Nun, Herman Grimm las auf eine merkwürdige Weise. Herman Grimm las und trat sogleich von dem Gelesenen zurück. Das hat er sicher dazumal auch gemacht, denn diese Geste ergibt sich, wie wenn er das Gelesene satzweise verschlucken würde. Diese innere Geste des satzweisen Verschluckens, das ist dasjenige, was von Herman Grimm zu seinen früheren Inkarnationen führen konnte. Und das Herumspazieren vor den aufgeschlagenen Büchern und die etwas steife römische Haltung, in der er Herman Grimm zuerst begegnet, als sie sich in Italien treffen, das ist, was nun wiederum von Emerson zurückführt bis zu Tacitus. Man muß plastische Anschauung haben, um diese Dinge zu verfolgen,

[ 52 ] These are things that go to show how the affairs of destiny work themselves out. And how is one led to perceive such things? One must first have an impression and then everything crystallizes around it. Thus we had first to envisage the picture of Herman Grimm opening Emerson's Representative Men. Now Herman Grimm used to read in a peculiar manner. He read a passage and then immediately drew back from what he had read: it was a gesture as though he were swallowing what he had read, sentence by sentence. And it was this inner gesture of swallowing sentence by sentence that made it possible to trace Herman Grimm to his earlier incarnation. In the case of Emerson it was the walking to and fro in front of the open books, as well as the rather stiff, half-Roman carriage of the man, as Herman Grimm saw him when they first met in Italy—it was these impressions that led one back from Emerson to Tacitus. Plasticity of vision is needed to follow up things of this kind.

[ 53 ] Und sehen Sie, meine lieben Freunde, das sollte Ihnen wiederum an einem Beispiele skizzieren, wie geschichtliche Betrachtungen vertieft werden müssen. Und solche Vertiefung muß schon auftauchen unter uns. Denn diese Dinge müssen ein Ergebnis jenes Zuges sein, der durch die Weihnachtstagung in unsere Anthroposophischen Gesellschaft hineinkommen muß. Wir müssen in der Zukunft mutig und kühn nach der Betrachtung der großen geistigen Verhältnisse hingehen, müssen uns hinstellen da, wo die geistigen Zusammenhänge wirklich betrachtet werden. Dazu brauchen wir vor allen Dingen Ernst, Ernst in unserem Zusammenleben mit der anthroposophischen Sache.

[ 53 ] My dear friends, I have given you here another example which should indicate how our study of history needs to be deepened. This deepening must really be evident among us as one of the fruits of the new impulse that should take effect in the Anthroposophical Society through the Christmas Foundation Meeting. We must in future go bravely and boldly forward to the study of far-reaching spiritual connections; we must have courage to reach a vantage-point for observation of these great spiritual connections. For this we shall need, above all, deep earnestness. Our life in Anthroposophy must be filled with earnestness.

[ 54 ] Und dieser Ernst wird in die Anthroposophische Gesellschaft einziehen, wenn von denen, die in ihr etwas tun wollen, immer mehr und mehr berücksichtigt werden wird, was ja jetzt jede Woche hinausgeht in die Kreise aller unserer Anthroposophen, was die dem «Goetheanum» beigelegten «Mitteilungen» enthalten. Die schildern ja, wie man sich im Sinne der Weihnachtstagung vorstellen möchte, daß in den Zweigen, in den Mitgliederversammlungen gearbeitet, gelehrt, getan werde, und die bringen auch dasjenige zur Darstellung, was geschieht. Sie heißen ja: «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht.» Und diese Mitteilungen wollen ein gemeinsames Denken über die ganze Anthroposophische Gesellschaft ausgießen, eine gemeinsame Atmosphäre über die Tausende von Anthroposophen hinwehen. Wenn man in einer solchen gemeinsamen Atmosphäre leben wird, wenn man verstehen wird, was das heißt, daß die «Leitsätze» Gedankenanreger sein sollen, und wenn man versteht, daß dadurch in der Tat real, konkret das Goetheanum in den Mittelpunkt gestellt werden soll durch die Initiative des esoterischen Vorstandes — das ist ja von mir immer wieder zu betonen, daß wir es jetzt mit einem Vorstand zu tun haben, der sein Wirken als ein Inaugurieren von Esoterischem auffaßt —, wenn wir das richtig verstehen werden, dann wird schon das, was nun durch die anthroposophische Bewegung fließen soll, in der richtigen Weise durch sie weitergetragen werden. Denn anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft müssen eins werden. Die Anthroposophische Gesellschaft muß ganz und gar die anthroposophische Sache zu der ihrigen machen.

[ 54 ] And this earnestness will grow in the Anthroposophical Society if those who really want to do something in the Society give more and more thought to the contents of the News Sheet that is sent out every week into all circles of Anthroposophists as a supplement to the weekly periodical, Das Goetheanum. A picture is given there of how one may shape the life in the Groups in the sense and meaning of the Christmas Meeting, of what should be done in the members' meetings, how the teaching should be given and studied. The News Sheet is also intended to give a picture of what is happening among us. Its title is: ‘What is going on in the Anthroposophical Society’, and its aim is to bring into the whole Society a unity of thought, to spread a common atmosphere of thought over the thousands of Anthroposophists everywhere. When we live in such an atmosphere, when we understand what it means for all our thinking to be stimulated and directed by the ‘Leading Thoughts’, and when we understand how the Goetheanum will thus be placed in the centre as a concrete reality through the initiative of the esoteric Vorstand—I have emphasised again and again that we now have to do with a Vorstand which conceives its task to be the inauguration of an esoteric impulse—when we understand this truly, then that which has now to flow through the Anthroposophical Movement will be carried forward in the right way. For Anthroposophical Movement and Anthroposophical Society must become one. The Anthroposophical Society must make the whole cause of Anthroposophy its own.

[ 55 ] Und man kann schon sagen: Wenn nun dieses Gemeinsame da sein soll, was als gemeinsames Denken wirkt, dann kann das imstande sein, auch wirklich geistig umfassende und umspannende Erkenntnisse zu tragen. Dann aber wird in der Anthroposophischen Gesellschaft eine Kraft leben, die eigentlich in ihr leben sollte, weil die neuere Zivilisationsentwickelung, wenn sie nicht vollständig dem Niedergang verfallen will, einen mächtigen Aufschwung braucht.

[ 55 ] And it is true to say that if once this ‘thinking in common’ is an active reality, then it can also become the bearer of comprehensive, far-reaching spiritual knowledge. A power will come to life in the Anthroposophical Society that really ought to be in it, for the recent developments of civilisation need to be given a tremendous turn if they are not to lead to a complete decline.

[ 56 ] Erscheine es immerhin paradox, was gesagt werden muß über aufeinanderfolgende Erdenleben von dem oder jenem, wer genauer zusieht, wer hinsieht bis auf die Schritte, die die Menschen machen, von denen in bezug auf solche wiederholte Erdenleben gesprochen wird, der wird schon sehen, wie real begründet es ist, was in dieser Beziehung vorgebracht wird, und wie man in die Wirklichkeit des Lebens und Webens von Göttern und Menschen hineinschauen kann, wenn man versucht, in dieser Weise die Geisteskräfte mit einem geistigen Blicke zu umspannen.

[ 56 ] What is said concerning successive earthly lives of this or that individual may at first seem paradoxical, but if you look more closely, if you look into the progress made by the human beings of whom we have spoken in this connection, you will see that what is said is founded on reality; you will see that we are able to look into the weaving life of gods and men when with the eye of spirit we try in this way to apprehend the spiritual forces.

[ 57 ] Das, meine lieben Freunde, möchte ich auf Ihre Seele legen, möchte ich in Ihr Herz versenken und möchte, daß Sie es als eine Empfindung mitnehmen auch von dieser Ostertagung hier. Dann wird diese Ostertagung etwas wie eine Auffrischung der Weihnachtstagung werden. Wenn diese Weihnachtstagung in der richtigen Weise wirken soll, so muß sie immer wiederum, als ob sie gegenwärtig wäre, aufgefrischt werden durch alles das, was sich aus ihr herausentwickelt.

[ 57 ] This, my dear friends, is what I would lay upon your hearts and souls. If you take with you this feeling, then this Easter Meeting will be like a revitalising of the Christmas Meeting; for if the Christmas Meeting is to work as it should, then all that has developed out of it must be the means of revitalising it, of bringing it to new life just as if it were present with us.

[ 58 ] Möge sich vieles aus dieser Weihnachtstagung in immer weiterer Erneuerung herausentwickeln. Und möge es sich vor allem herausentwickeln durch richtige, herzhafte, im Leben mit der Vertretung der anthroposophischen Sache stehende mutige Seelen, mutige Anthroposophenseelen. Wenn immer mehr und mehr durch unsere Veranstaltungen der Mut in den Seelen, in den Herzen unserer anthroposophischen Freunde wächst, dann wird endlich auch das heranwachsen, was man in der Anthroposophischen Gesellschaft — als dem Leib — braucht für die anthroposophische Seele: ein mutiges Hineintragen desjenigen in die Welt, was aus den Offenbarungen des Geistes im angebrochenen lichten Zeitalter, das auf den Ablauf des Kali Yuga folgt, für die weitere Entwickelung der Menschen notwendig ist. Fühlt man sich in diesem Bewußtsein, so wird man aus ihm heraus auch mutig wirken. Und möge jede unserer Veranstaltungen eine Energisierung eines solchen Mutes sein. Möge sie es sein dadurch, daß wir wirklich im Ernste aufzufassen vermögen, was paradox, töricht denjenigen erscheint, die heute vielfach noch den Ton angeben. Aber was in einer Zeit den Ton angegeben hat, das wurde vielfach bald ersetzt durch das, was unterdrückt war. Möge aus einer Anerkenntnis der Geschichte, verbunden mit dem Fortwirken der menschlichen Leben, eben der Mut des anthroposophischen Wirkens sich ergeben, der notwendig ist für den weiteren Fortschritt der Menschheitszivilisation.

[ 58 ] May many things grow out of the Christmas Meeting, in constant renewal! May many things grow out of it through the activity of courageous souls, souls who are fearless representatives of Anthroposophy. If our meetings result in strengthening courage in the souls of Anthroposophists, then there will grow what is needed in the Society as the body for the Anthroposophical soul: a courageous presentation to the world of the revelations of the Spirit vouchsafed in the age of Light that has now dawned after the end of Kali-Yuga; for these revelations are necessary for the further evolution of man. If we live in the consciousness of this we shall be inspired to work courageously. May this courage be strengthened by every meeting we hold. It can be so if we are able to take in all earnestness things that seem paradoxical and foolish to those who set the tone of thought in our day. But after all, it has often happened that the dominant tone of thought in one period was soon afterwards replaced by the very thing that was formerly suppressed. May a recognition of the true nature of history, and of how it is bound up with the onward flow of the lives of men, give courage for anthroposophical activity—the courage that is essential for the further progress of human civilisation.