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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236

26 April 1924, Dornach

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Betrachtungen, welche in das menschliche Karma eingreifen — natürlich betrachtend eben eingreifen —, müssen mit ernster Stimmung aufgenommen und seelisch verarbeitet werden. Denn im Grunde genommen ist es doch so, daß nicht etwa bloß das Wissen um irgendwelche karmische Zusammenhänge von Bedeutung ist, sondern dasjenige, was für die Belebung des menschlichen Wesens, für das ganze Sich-Hineinstellen in das Leben aus solchen Betrachtungen hervorgeht. Solche Betrachtungen können nur dann fruchtbar sein, wenn sie nicht zur größeren Gleichgültigkeit gegenüber dem Menschen werden, als das sonst der Fall ist, sondern im Gegenteil, wenn sie das, was Menschenliebe und Menschenverständnis ist, in einem höheren Grade anfachen, als es der Fall ist, wenn man, auf den Menschen hinsehend, bloß sich überläßt den Eindrücken des einen Erdenlebens.

[ 1 ] Reflections that touch upon human karma—and, of course, by their very nature do touch upon it—must be received with a serious attitude and processed spiritually. For, when all is said and done, it is not merely the knowledge of certain karmic connections that is significant, but rather what emerges from such reflections for the enlivening of the human being and for a full engagement with life. Such reflections can only be fruitful if they do not lead to greater indifference toward humanity than is otherwise the case, but rather, on the contrary, if they kindle love and understanding for humanity to a greater degree than is the case when, looking at human beings, one merely surrenders to the impressions of a single earthly life.

[ 2 ] Wer den Blick auf die aufeinanderfolgenden Epochen der Menschheitsentwickelung richtet, der wird ja einen hinreichenden Eindruck davon bekommen, daß sich in der Denkweise, in der Empfindungsweise, in allen Lebensanschauungen und Lebensauffassungen im Laufe der Menschheitsgeschichte viel geändert hat. Gewiß, das Vergangene macht auf den Menschen nicht jenen tiefgehenden Eindruck wie das, was da kommen soll, was im Grunde genommen erst begründet werden soll. Aber wer mit der nötigen Tiefe erfaßt, wie sich die Menschenseelen im Laufe der Entwickelung der Erde verändert haben, der wird auch nicht davor zurückschrecken, jene Änderung in sein Gemüt als etwas Notwendiges aufzunehmen, die dahin geht, daß nun wirklich nicht bloß das eine Erdenleben für die Betrachtung des einen oder des anderen Menschen genommen werde, sondern die Aufeinanderfolge der Erdenleben, soweit sie durchschaubar sind.

[ 2 ] Anyone who looks at the successive epochs of human development will certainly gain a clear impression that much has changed in the way people think, in their sensibilities, and in all their views and conceptions of life over the course of human history. Certainly, the past does not make as profound an impression on people as that which is yet to come—that which, in essence, has yet to be established. But anyone who grasps with the necessary depth how human souls have changed in the course of the Earth’s evolution will not shy away from accepting as necessary that change in their own mind which entails considering not merely a single earthly life for the sake of one person or another, but rather the succession of earthly lives, insofar as they can be comprehended.

[ 3 ] Und ich denke, an solchen Beispielen, wie diejenigen sind, die wir das letzte Mal ins Auge gefaßt haben, Conrad Ferdinand Meyer, Pestalozzi und so fort, kann sich zeigen, wie das rein menschliche Verständnis einer Persönlichkeit und die Liebe zu dieser Persönlichkeit wachsen können, wenn man das letzte Erdenleben auf dem Hintergrunde dessen betrachtet, aus dem sich dieses letzte Erdenleben eben ergeben hat.

[ 3 ] And I think that examples such as those we considered last time—Conrad Ferdinand Meyer, Pestalozzi, and so on—can show how a purely human understanding of a personality and love for that personality can grow when one views the person’s last earthly life against the backdrop from which that life actually arose.

[ 4 ] Nun möchte ich noch einmal, um auf die eigentliche Fruchtbarkeit dieser Dinge zu kommen, zurückgehen zu der Frage, die ich für viele derjenigen, die hier sitzen, schon berührt habe. Es ist die Frage, die daraus entsteht, daß ja gerade bei geisteswissenschaftlichen Betrachtungen oftmals davon gesprochen werden muß, wie in alten Zeiten hellsichtige, eingeweihte Persönlichkeiten da waren, Persönlichkeiten, die die Geheimnisse der geistigen Welt mitteilen konnten, Initiierte also. Es ist naheliegend, daß daraus die Frage entsteht: Wo leben in unserem Zeitalter diese Eingeweihten? Wie steht es mit ihrer Wiederverkörperung?

[ 4 ] Now, in order to get to the heart of the matter—the true fruitfulness of these things—I would like to return to the question I have already touched upon for many of those sitting here. It is the question that arises from the fact that, particularly in the context of spiritual scientific considerations, we often have to speak of how, in ancient times, there were clairvoyant, initiated individuals—individuals who were able to communicate the mysteries of the spiritual world, that is, initiates. It stands to reason that this gives rise to the question: Where do these initiates live in our age? What is the situation regarding their reincarnation?

[ 5 ] Um diese Frage zu beantworten, ist es durchaus notwendig, darauf hinzuweisen, wie verschieden ein folgendes Erdenleben von einem vorangehenden in bezug auf Wissen, in bezug auf Erkenntnis sein kann, auch in bezug auf andere aus der Seele des Menschen hervorgehende Betätigungen; wie verschieden also aufeinanderfolgende Erdenleben in dieser Beziehung sein können. Denn wenn sich in der Zeit, die der Mensch zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durchlebt, derjenige Zeitpunkt naht, in dem der Mensch auf die Erde heruntersteigen soll, sich vereinigen soll mit der physisch-ätherischen Organisation, da geht ja eigentlich recht viel im Menschen vor. Da ist zwar die Richtung nach Familie, Volk und so weiter lange bestimmt; aber der Entschluß, diese ungeheure Änderung des Daseins zu vollziehen, die da besteht in dem Übergange aus der geistig-seelischen Welt in die physische Welt, dieser Entschluß, er macht Ungeheures notwendig. Denn Sie müssen nur bedenken, meine lieben Freunde: Es ist ja nicht so, wie es hier auf Erden ist, wo der Mensch eigentlich, wenn er sein normales Leben absolviert, nach und nach schwach wird, wenig mehr, nach den Erfahrungen, die auf Erden gemacht werden, selbst zu dem Entschluß beiträgt, beim Durchgang durch die Todespforte eine andere Lebensform anzunehmen. Das kommt sozusagen über den Menschen, das bricht herein über ihn.

[ 5 ] To answer this question, it is absolutely necessary to point out how different a subsequent earthly life can be from a preceding one in terms of knowledge and insight, as well as in terms of other activities arising from the human soul; in other words, how different successive earthly lives can be in this regard. For when, during the time a person spends between death and a new birth, the moment approaches when the person is to descend to Earth and unite with the physical-etheric organization, a great deal is actually taking place within the person. True, the direction toward family, nation, and so on has long been determined; but the decision to carry out this immense change in existence—which consists in the transition from the spiritual-soul world to the physical world—this decision requires an immense effort. For you need only consider, my dear friends: It is not like it is here on Earth, where a person, as they go about their normal life, gradually grows weak and, based on the experiences gained on Earth, contributes little more to the decision to assume a different form of life upon passing through the gate of death. This, so to speak, comes upon the person; it breaks in upon them.

[ 6 ] Hier auf dieser Erde ist der Tod etwas Hereinbrechendes. Das ist ganz anders beim Heruntersteigen aus der geistigen Welt. Da handelt es sich um ein hell-vollbewußtes Tun, um ein durchaus aus allen möglichen Untergründen der Seele hervorgehendes Überlegen. Da handelt es sich darum, darauf hinzuschauen, welche ungeheure Veränderung mit dem Menschen eintritt, wenn er die geistig-seelischen Lebensformen des vorirdischen Daseins mit dem irdischen Dasein vertauschen soll. Und da sieht ja der Mensch bei diesem Heruntersteigen, wie er einfach den Kultur- und Zivilisationsverhältnissen sich anbequemen muß, aber auch den Leibesverhältnissen, die ihm geboten werden können in einem bestimmten Zeitalter. Unser Zeitalter gibt, abgesehen von den Kultur- und Zivilisationsverhältnissen, nicht leicht Körper her, in denen auf die alte Art, wie Initiierte gelebt haben, das Leben wieder absolviert werden kann. Und wenn die Zeit heranrückt, wo die Menschenseele, auch die eines alten Initiierten, einen Menschenleib benützen muß, da handelt es sich dann darum, diesen Menschenleib zu nehmen, wie er ist, und hineinzuwachsen in diejenige Erziehungsform, in dasjenige umgebende Leben, das eben da sein kann. Dann geht aber für das Seelische nicht etwa verloren, was einmal da war in diesem Seelischen. Es drückt sich nur auf eine andere Weise aus. Die Grundkonfiguration des Seelischen bleibt, aber es kommt auf eine andere Weise heraus.

[ 6 ] Here on Earth, death is something that suddenly descends upon us. It is quite different when one descends from the spiritual world. There, it is a bright, fully conscious act, a deliberation arising entirely from all the possible depths of the soul. It involves observing the immense transformation that takes place within a human being when he is to exchange the spiritual and soul-life forms of pre-earthly existence for earthly existence. And in this descent, the human being sees how he must simply adapt to the cultural and civilizational conditions, but also to the physical conditions that may be offered to him in a particular age. Our age, apart from cultural and civilizational conditions, does not readily provide bodies in which life can be lived again in the old way, as initiates once did. And when the time approaches when the human soul—even that of an ancient initiate—must make use of a human body, the task then is to accept this human body as it is and to grow into the form of upbringing and the surrounding life that happens to be present at that moment. Yet what once existed within the soul is not lost to the soul. It simply expresses itself in a different way. The basic configuration of the soul remains, but it manifests itself differently.

[ 7 ] Sehen Sie, es war noch im 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert so, daß die Seele des Menschen durch das Wissen um die Initiationswahrheiten sich sehr vertiefen konnte, weil die Leiber im 3., 4. nachchristlichen Jahrhundert, namentlich in südlicheren europäischen und in vorderasiatischen Gegenden, der Seele folgten, weil die Leiber innerlich so ihre organischen Funktionen vollzogen, daß sie der Seele folgen konnten. Heute muß derjenige, der mit sehr verinnerlichter, sehr weiser Seele vielleicht noch als ein Eingeweihter in den ersten christlichen Jahrhunderten gelebt hat, in menschliche Leiber untertauchten, die vor allen Dingen durch die seitherige Entwickelung auf die Außenwelt gerichtet sind, in der Außenwelt leben. Körperlich wird es bewirkt, daß nicht jene große Sammlung, jene große innere Konzentration der Seelenkräfte möglich ist, die noch im 3., 4. Jahrhundert nach der Entstehung des Christentums möglich war. Und so konnte sich folgendes in der Entwickelung der Erde vollziehen. Ich erzähle eben Dinge, die sich dem Schauen ergeben.

[ 7 ] You see, even in the 3rd and 4th centuries A.D., the human soul was able to deepen itself greatly through knowledge of the truths of initiation, because in the 3rd, 4th centuries A.D., particularly in southern European and Near Eastern regions, followed the soul, since the bodies performed their organic functions in such a way that they could follow the soul. Today, someone who—with a deeply internalized, very wise soul—may have lived as an initiate in the early Christian centuries must now incarnate in human bodies that, above all, as a result of developments since then, are oriented toward the external world and live in that external world. Physically, this means that the great gathering of the soul’s powers—that great inner concentration—which was still possible in the 3rd and 4th centuries after the emergence of Christianity, is no longer possible. And so the following could take place in the development of the Earth. I am simply recounting things that reveal themselves to the beholder.

[ 8 ] Denken Sie sich, meine lieben Freunde, ein vorderasiatisches Mysterium, eine Mysterienstätte mit all den Eigenschaften, die eine vorderasiatische Mysterienstätte eben in den ersten Jahrhunderten nach der Begründung des Christentums hatte. Überall waren da noch Traditionen vorhanden in jenen alten Zeiten, wo die Teilnehmer tief in diese Mysterien eingeweiht wurden. Überall war aber auch noch mehr oder weniger Bewußtsein von den Regeln vorhanden, die man anwenden mußte auf die Seele, um gewisse Erkenntnisse zu gewinnen, die namentlich tief in den Grund der Menschenseele hineinführten und hinausführten in das Weltenall. Und gerade in diesen vorderasiatischen Mysterien war es in den ersten Jahrhunderten nach der Entstehung des Christentums so, daß eine große Frage diese Mysterien beschäftigte.

[ 8 ] Imagine, my dear friends, a Near Eastern mystery, a mystery site with all the characteristics that a Near Eastern mystery site would have had in the first centuries after the founding of Christianity. In those ancient times, traditions still existed everywhere in which participants were deeply initiated into these mysteries. But everywhere there was also, to a greater or lesser extent, an awareness of the rules that had to be applied to the soul in order to gain certain insights—insights that led, in particular, deep into the very core of the human soul and out into the universe. And it was precisely in these Near Eastern mysteries, in the first centuries after the emergence of Christianity, that a major question preoccupied them.

[ 9 ] Diese Mysterien hatten ja eine unendliche Weisheit durch ihre Opferstätten strömen sehen. Und Sie brauchen nur nachzulesen, was in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» geschildert ist, soweit das dazumal charakterisiert werden konnte in einem öffentlichen Buche, so werden Sie sehen, daß all diese Mysterienweisheiten doch schließlich dahin tendierten, das Mysterium von Golgatha zu verstehen. Und da war denn die große Frage in diesen vorderasiatischen Mysterien: Wie wird sich die ungeheure Größe des Inhaltes, des Wirklichkeitsinhaltes, der durch das Mysterium von Golgatha der Erde zugeströmt ist, durch die Menschengemüter weiterentwickeln? Wie wird man die alte, die uralte Weisheit, die hinaufging zu den Bewohnern der Sterne, die in sich schloß die Erkenntnis göttlich-geistiger Wesenheiten der verschiedensten Art, welche das Weltenall und das Menschenleben lenken, wie wird sich diese uralte Weisheit vereinigen mit dem, was sich da konzentriert hat, zusammengezogen hat in dem Mysterium von Golgatha, und was als Impulse, die von einem hohen Sonnenwesen ausgehen, von dem Christus, nun in die Menschheit einströmen soll? — Das war die brennende Frage dieser vorderasiatischen Mysterien.

[ 9 ] These mysteries had, after all, witnessed infinite wisdom flowing through their places of sacrifice. And you need only read what is described in my book Christianity as a Mystical Fact—to the extent that it could be characterized in a public book at that time—and you will see that all this wisdom of the mysteries ultimately tended toward an understanding of the Mystery of Golgotha. And there was, then, the great question in these Near Eastern mysteries: How will the immense magnitude of the content—the content of reality—that has flowed to Earth through the Mystery of Golgotha continue to develop within human minds? How will the ancient, the primeval wisdom—which ascended to the inhabitants of the stars and encompassed the knowledge of divine-spiritual beings of the most diverse kinds who guide the universe and human life—how will this primeval wisdom unite with that which has concentrated and coalesced in the Mystery of Golgotha, and with what is now to flow into humanity as impulses emanating from a high solar being—Christ? —That was the burning question of these Near Eastern mysteries.

[ 10 ] Da gab es einen Eingeweihten, auf dessen Mysterienweisheit und auf dessen Mysterienempfindungen diese Frage ganz besonders tiefen Eindruck machte. Ich darf sagen, daß es einen ungeheuer erschütternden Eindruck macht, wenn man im Suchen nach karmischen Zusammenhängen an diesen einen, wirklich in ein solches vorderasiatisches Mysterium in den ersten christlichen Jahrhunderten Eingeweihten herankommt. Es hat etwas Erschütterndes, weil er ganz erfüllt war davon, mir allem, was er in seiner Initiationswissenschaft damals hatte, nun zu begreifen den ganzen Einschlag des Mysteriums von Golgatha: Was wird nun? Wie werden diese schwachen Menschenseelen das aufnehmen können?

[ 10 ] There was an initiate upon whose mystical wisdom and mystical experiences this question made a particularly deep impression. I may say that it makes an immensely profound impression when, in the search for karmic connections, one encounters this one individual—truly initiated into such a Near Eastern mystery during the first centuries of Christianity. There is something deeply moving about it because he was completely filled with the desire—despite all the knowledge of initiation science he possessed at the time—to now comprehend the full significance of the Mystery of Golgotha: What will happen now? How will these weak human souls be able to take this in?

[ 11 ] Und sehen Sie, dieser Eingeweihte, mit der brennenden Frage nach dem Schicksal des Christentums in seiner Seele behaftet, er erging sich eines Tages im weiteren Umkreise von seiner Mysterienstätte, und er erlebte etwas mit, was einen ungeheuer erschütternden Eindruck auf ihn machte. Er erlebt mit, als Eingeweihter sozusagen sehend, wie Julian Apostata von einem Menschen meuchlings ermordet wurde, Mit Eingeweihtenwissen machte er es mit.

[ 11 ] And you see, this initiate, with the burning question of Christianity’s fate weighing on his soul, ventured one day beyond the immediate vicinity of his place of mystery, and he witnessed something that made an immensely shocking impression on him. As an initiate, he witnessed—seeing, so to speak—how Julian the Apostate was treacherously murdered by a man; he processed this through the knowledge of an initiate.

[ 12 ] Er wußte, daß Julian Apostata bis zu einem gewissen Grade in die alten Mysterien eingeweiht war, daß er dasjenige, was man in alten Mysterien pflegte und was dort lebte, auf geistige Art der Menschheit forterhalten wollte, fortpflanzen wollte, daß er das Christentum vereinigen wollte mit der alten Mysterienweisheit, daß er verkündete im Sinne der alten Mysterienweisheit: Es gibt neben der physischen Sonne eine geistige Sonne, und wer die geistige Sonne kennt, kennt Christus. Aber das war etwas, was nun schon als etwas sehr Schlimmes betrachtet wurde in der Zeit, als Julian Apostata lebte, und was dazu führte, daß eben bei seinem Perserzug Julian Apostata meuchlings ermordet wurde. Das machte jener Eingeweihte mit: dieses bedeutungsvolle Symptom der Weltgeschichte.

[ 12 ] He knew that Julian the Apostate had been initiated, to a certain extent, into the ancient mysteries; that he wanted to preserve and pass on to humanity, in a spiritual sense, what was practiced and lived within those ancient mysteries; that he wanted to unite Christianity with the wisdom of the ancient mysteries; and that he proclaimed, in the spirit of that wisdom: “Alongside the physical sun there is a spiritual sun, and whoever knows the spiritual sun knows Christ.” But this was something that was already regarded as very dangerous during Julian the Apostate’s lifetime, and it led to his treacherous assassination during his campaign against the Persians. That initiate was a part of this: this significant episode in world history.

[ 13 ] Diejenigen, die seit längeren Jahren verschiedenes von dem mitmachen, was sich auf karmische Zusammenhänge in der Weltgeschichte bezieht, werden sich erinnern, daß ich in Stuttgart einmal vorgetragen habe — ich habe es auch bei der Weihnachtstagung hier erwähnt über einige Kapitel okkulter Geschichte und daß ich da die ganze Tragik, das ganze tragische Eingreifen Julian Apostatas in die Menschheitsgeschichte erwähnt habe.

[ 13 ] Those who have been involved for many years in various aspects of what relates to karmic connections in world history will recall that I once gave a lecture in Stuttgart—I also mentioned it here at the Christmas Conference—on several chapters of occult history, and that I spoke there of the full tragedy, the full tragic intervention of Julian the Apostate in human history.

[ 14 ] Das erlebte nun dieser Eingeweihte, bei dem, ich möchte sagen, die ganze Einweihungswissenschaft, die er in sich aufgenommen hatte in einer vorderasiatischen Mysterienstätte, überstrahlt und übertönt war von der Frage: Was wird aus dem Christentum? — Und durch dieses Symptom stand nun vor seiner Seele ganz hell und klar: Es wird eine Zeit kommen, da wird das Christentum zunächst mißverstanden werden, da wird das Christentum nur in Traditionen leben, man wird nichts wissen von der Erhabenheit des Sonnengeistes Christus, der in dem Jesus von Nazareth gelebt hat.

[ 14 ] This is what this initiate experienced: I would say that the entire body of initiatory knowledge he had absorbed at a Near Eastern mystery site was overshadowed and drowned out by the question: What will become of Christianity? — And through this sign, it now stood before his soul quite clearly and distinctly: A time will come when Christianity will initially be misunderstood; when Christianity will live on only in traditions; and people will know nothing of the sublimity of the Solar Spirit Christ, who lived in Jesus of Nazareth.

[ 15 ] Das alles lud sich ab auf die Seele dieses Menschen. Und er bekam für den Rest seines damaligen Lebens etwas wie eine Gemütslage, die traurig und elegisch wurde mit Hinsicht auf die Entwickelung des Christentums. Mit jener Bestürzung, mit der so etwas auf einen Eingeweihten wirkt, wirkte dieses Symptom bestürzend auf ihn. Es ist schon etwas ungeheuer Erschütterndes, dies gewahr zu werden. Und dann geht man weiter. Es war ein Eindruck, den der betreffende Initiierte bekam, der durchaus nur zuließ, daß er bald wiederum inkarniert wurde, auch zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges; wie ja denn viele außerordentliche, viele interessante Inkarnationen, die in der historischen Menschheitsentwickelung eine große Rolle spielen, in dieser Zeit liegen.

[ 15 ] All of this weighed heavily on this person’s soul. And for the rest of his life at that time, he developed a state of mind that became sad and elegiac with regard to the development of Christianity. With the same dismay that such a thing would cause in an initiate, this symptom had a deeply unsettling effect on him. It is indeed something tremendously unsettling to become aware of this. And then one moves on. It was an impression that the initiate in question received, one that made it entirely possible for him to incarnate again soon afterward, even during the Thirty Years’ War; for many extraordinary and interesting incarnations that play a major role in the historical development of humanity occurred during that period.

[ 16 ] Er wurde als Frau wiederum verkörpert, eigentlich noch vor der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Beginn des 17. Jahrhunderts, lebte dann nur hinein in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, erlebte mit einiges von dem, was von seiten des Rosenkreuzertums das Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges korrigieren wollte, ich möchte sagen, auf geistige, spirituelle Art vorbereiten wollte, was aber dann übertönt worden ist von alldem, was roh und brutal im Dreißigjährigen Kriege lebte. Sie brauchen ja nur zu bedenken, wie kurze Zeit vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges die «Chymische Hochzeit Christiani Rosenkreuz» entstanden ist. Neben diesem bestanden noch viel bedeutsamere Impulse, die dazumal, bevor der Dreißigjährige Krieg alles ausgelöscht und brutalisiert hat, in die Menschheit hineingekommen sind.

[ 16 ] He was reincarnated as a woman—actually even before the Thirty Years’ War, at the beginning of the 17th century—and lived only into the period of the Thirty Years’ War, experiencing some of what the Rosicrucians sought to correct during that era, I would say, in a spiritual sense—but this was then drowned out by all that was crude and brutal during the Thirty Years’ War. You need only consider how shortly before the outbreak of the Thirty Years’ War The Chemical Wedding of Christian Rosenkreutz was written. Alongside this, there were even more significant impulses that had entered humanity at that time, before the Thirty Years’ War had wiped everything out and brutalized it.

[ 17 ] Und dann kam das 19. Jahrhundert. Diese Persönlichkeit, die einmal mit Initiation dieses bedeutsame Julian Apostata-Symptom aufgenommen hatte, diese Persönlichkeit, die dann durch die weibliche Inkarnation im 17. Jahrhundert gegangen war, wurde wiedergeboren. Und jetzt ergoß sie alles das, was auch noch verinnerlicht war durch die weibliche Inkarnation, ergoß alles das, was sie dazumal, nicht an Initiationsweisheit, aber an erschütterndem Gemütsinhalt in sich hatte, über dieses Symptom, das auf die initiierte Seele gewirkt hatte. Das alles ergoß sie nun im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts in eine eigentümliche Art der Weltenbetrachtung, in eine tief in die Diskrepanzen des Menschendaseins hineingehende Weltenbetrachtung.

[ 17 ] And then came the 19th century. This personality, who had once taken on this significant Julian Apostata symptom through initiation—this personality, who had then passed through the female incarnation in the 17th century—was reborn. And now she poured out everything that had also been internalized through the female incarnation—everything she had held within herself at that time, not in the form of initiatory wisdom, but as a deeply moving emotional content—regarding this symptom that had affected the initiated soul. She now poured all of this, in the last third of the 19th century, into a unique way of viewing the world—a worldview that delved deeply into the discrepancies of human existence.

[ 18 ] Nun neigt gerade dieses Zeitalter der unmittelbaren Gegenwart dazu, daß nicht auf solche wirksame Art, durch Taten derjenige wirken kann, der alte Initiationsweisheit aus früheren Erdenleben in das Leben des 19., des 20. Jahrhunderts trägt. Daher drängt, ich möchte sagen, alles das, was sich stark metamorphosiert, scheinbar veräußerlicht, aber doch innerlich wird, was sich von dem Herzen des Menschen, wo die alte Initiationsweisheit gelebt hat, nach den Sinnen und ihrer Beobachtung hin schiebt, stark metamorphosiert dahin schiebt, das alles drängt nun dazu, dichterisch, schriftstellerisch sich zu äußern.

[ 18 ] Now, this very age of the immediate present tends to make it impossible for those who carry ancient initiatory wisdom from earlier earthly lives into the life of the 19th and 20th centuries to work in such an effective way through their deeds. Therefore, I would say, everything that is undergoing a profound metamorphosis—that appears to become externalized but is in fact becoming internal, that is shifting from the human heart, where the ancient wisdom of initiation once lived, toward the senses and their observations—all of this, undergoing a profound metamorphosis, is now urging itself to express itself through poetry and literature.

[ 19 ] Daher haben wir doch immerhin in der letzten Zeit wirklich großartige Proben — die nur inkohärent sind, die in dem, wie sie sind, gar nicht von der Zeit verstanden werden —, an denen nicht bloß gearbeitet hat dasjenige von der Persönlichkeit, was da am Ende des 19. Jahrhunderts oder Anfang des 20. Jahrhunderts da war, sondern an dem gerade mitgearbeitet hat so etwas wie ein Erschütterung, die über einen Initiierten kommt, einen Initiierten allerdings in schon degenerierten Mysterien, in Mysterien, die schon in der Dekadenz sind. Diese Gemütserschütterung wirkt weiter, strömt sich aus in dichterisch-künstlerischem Schaffen, und dasjenige, was da herüberwirkt in einer solch eigentümlichen Weise, das lebt sich aus in der Persönlichkeit Ibsens.

[ 19 ] That is why, after all, we have recently seen truly magnificent examples—which are merely incoherent, which, as they are, are not understood at all by the times in which they exist— on which not only did that aspect of the personality that existed at the end of the 19th century or the beginning of the 20th century work, but on which something like a shock—one that comes over an initiate, albeit an initiate in already degenerate mysteries, in mysteries that are already in a state of decadence—has also been at work. This emotional upheaval continues to have an effect, pouring forth into poetic and artistic creation, and that which radiates from it in such a peculiar way finds its full expression in Ibsen’s personality.

[ 20 ] Und wenn man nun diese Schauung hat, dann lebt eigentlich die Menschheitsentwickelung in ihren Geheimnissen selber auf in dem, was ganz besonders am Ende des 19. Jahrhunderts nicht das Werk eines Menschen sein kann, sondern wo der Mensch so dasteht, daß durch ihn frühere Erdenzeitalter mitwirken.

[ 20 ] And once one has this insight, the development of humanity—in all its mysteries—actually comes to life in what, especially at the end of the 19th century, cannot be the work of a single human being, but rather a situation in which the human being stands in such a way that earlier earthly ages are at work through him.

[ 21 ] Man braucht ein solches Thema nur anzuschlagen und man wird tatsächlich den Respekt nicht verlieren, weder vor der weltgeschichtlichen Entwickelung noch von der einzelnen Persönlichkeit, die mit Größe vor der Menschheit dasteht. Man erlebt eben schon Erschütterndes auf diesem Gebiete, wenn die Dinge mit dem nötigen Ernst getrieben werden.

[ 21 ] One need only broach such a topic to ensure that one will not lose respect—neither for the course of world history nor for the individual who stands before humanity with greatness. One indeed experiences profound emotions in this realm when matters are approached with the necessary seriousness.

[ 22 ] Und sehen Sie, da haben Sie öfter doch schon gehört, daß es in einer ziemlichen Frühzeit des Mittelalters eine Art Alchimisten gegeben hat, Basilius Valentinus. Bei der auf die weltgeschichtlichen karmischen Zusammenhänge hingehenden Betrachtung, die sich anschließen kann an Basilius Valentinus, den Benediktinermönch, der ungeheuer beteutende medizinisch-alchimistische Arbeiten machte, ergibt sich nun etwas ganz Merkwürdiges, was so recht zeigt, wie schwierig eigentlich das Verständnis unserer Zeit ist.

[ 22 ] And you see, you’ve probably heard before that there was a kind of alchemist in the early Middle Ages named Basilius Valentinus. When considering the karmic connections in world history—a perspective that can be linked to Basilius Valentinus, the Benedictine monk who produced immensely significant works in medicine and alchemy—something quite remarkable emerges, which truly shows just how difficult it actually is to understand our own time.

[ 23 ] Man erlebt ja in unserer Zeit so vieles, was oftmals nicht nur unverständlich, was abstoßend, häßlich, in gewisser Beziehung greulich ist, und worüber derjenige, der nur das unmittelbar sinnlich-gegenwärtige Leben betrachtet, nicht anders als meinetwillen entrüstet, ekelhaft und so weiter berührt sein kann.

[ 23 ] In our time, we experience so many things that are often not only incomprehensible, but also repulsive, ugly, and, in a certain sense, horrifying—and those who consider only the immediate, sensory, and present reality cannot help but be moved by them—as I am—with indignation, disgust, and so on.

[ 24 ] Aber so stehen die Dinge nicht für denjenigen, der die menschlichgeschichtlichen Zusammenhänge sieht. Sie stehen einmal nicht so, die Dinge! Und manchmal tritt heute auf irgendeinem Gebiete des Lebens etwas auf, über das die Menschen, die es sehen, in vollständig begreiflicher Weise nur schimpfen, es nur ekelhaft, greulich finden, und trotzdem hat das Ekelhafte, Greuliche etwas an sich, daß man doch furchtbar fasziniert davor stehenbleiben muß. Das wird immer mehr und mehr der Fall sein.

[ 24 ] But that is not how things stand for those who see the connections within human history. Things simply aren’t like that! And sometimes today, in some area of life, something occurs that people who see it—quite understandably—can only rail against, finding it repulsive and hideous; and yet there is something about the repulsive and hideous that compels one to stop and stare, terribly fascinated. This will be the case more and more often.

[ 25 ] Nun, da gibt es also im frühen Mittelalter diesen medizinischen, alchimistischen Basilius Valentinus, den Benediktinermönch, der sehr viel arbeitet in seinen Klosterkellern in Laboratorien, der eine Reihe von wichtigen Untersuchungen macht. Dann sind gewisse Menschen da, die sind seine Schüler, die schreiben bald nach ihm dasjenige nieder, was Basilius Valentinus ihnen gesagt hat. Und so gibt es eigentlich kaum echte Schriften von Basilius Valentinus; aber es gibt Schriften von Schülern, die sehr viel des Echten von seiner Weisheit, von seiner alchimistischen Weisheit bringen.

[ 25 ] Well, in the early Middle Ages there was this medical alchemist, Basilius Valentinus, a Benedictine monk who worked extensively in the laboratories of his monastery’s cellars and conducted a series of important investigations. Then there were certain people—his students—who, shortly after his death, wrote down what Basilius Valentinus had told them. And so there are actually hardly any genuine writings by Basilius Valentinus himself; but there are writings by his students that convey much of the true essence of his wisdom, of his alchemical wisdom.

[ 26 ] Als ich einen der Schüler des Basilius Valentinus, der mir besonders auffiel, in einer bestimmten Zeit meines Lebens sah, da ergab sich mir: Der ist — auf eine merkwürdige Weise metamorphosiert in bezug auf sein Geistiges — ja wieder da! — Auch der ist im 19. Jahrhundert, Anfang des 20. Jahrhundert wieder gekommen.

[ 26 ] When I saw one of Basilius Valentinus’s students—who had particularly caught my attention—at a certain time in my life, it dawned on me: He is—in a remarkable way, transformed in terms of his spiritual nature—indeed back again! — He, too, returned in the 19th century and at the beginning of the 20th century.

[ 27 ] Aber das, was in alchimistischen Elementen gelebt hat, trat eben ungeordnet, auf die Sinne hingelenkt, äußerlich hervor in einer Weltbetrachtung, die sozusagen alchimistische Begriffe fortwährend hineinschmilzt in die Sinnesbeobachtung, so daß die Sinnesbeobachtung dieser Persönlichkeit eine Gruppierung der äußeren Tatsachen dessen gibt, was die Menschen tun, wie es unter den Menschen zugeht, wie die Menschen miteinander reden, die in vieler Beziehung abstoßend ist. Aber sie ist eben abstoßend, weil der Betreffende in einer früheren Inkarnation alchimistisch gearbeitet hat in Anlehnung an Basilius Valentinus und das nun in das Leben hineinschmeißt. Wie die Menschen sich zueinander verhalten im Leben, was sie sich sagen, was sie tun, das sieht er nun nicht an wie ein gewöhnlicher Philister heute — er ist weit entfernt, das wie ein gewöhnlicher Philister anzuschauen —, sondern er schaut es an mit dem, was sein seelisches Auge geworden ist dadurch, daß es die Impulse aus seiner alchimistischen Zeit in sich hatte. Und da schmeißt er die Ereignisse, die sich unter den Menschen abspielen, untereinander, macht Dramen daraus und wird Frank Wedekind.

[ 27 ] But what lived within alchemical elements emerged in a disorderly manner, directed toward the senses, outwardly manifesting itself in a worldview that, so to speak, continually fuses alchemical concepts into sensory observation, so that this individual’s sensory observation yields a grouping of external facts regarding what people do, how things unfold among them, and how they speak to one another—a grouping that is repulsive in many respects. But it is repulsive precisely because the person in question engaged in alchemical work in a previous incarnation, following the teachings of Basilius Valentinus, and is now projecting that into his life. The way people relate to one another in life, what they say to one another, what they do—he does not view this like an ordinary philistine today—he is far from viewing it like an ordinary philistine—but rather he views it through what his soul’s eye has become by having absorbed the impulses from his alchemical past. And so he interweaves the events unfolding among people, turns them into dramas, and becomes Frank Wedekind.

[ 28 ] Nicht wahr, diese Dinge dürfen durchaus nur vom Standpunkt einer Sehnsucht nach echter Menschenerkenntnis genommen werden, dann wird das Leben dadurch nicht ärmer, sondern es wird das Leben wahrhaftig reicher. Nehmen Sie sein «Hidalla» oder irgendein anderes Frank Wedekindsches Drama, bei dem man ein sich drehendes Gehirn kriegt, wenn man das Frühere mit dem Späteren verbinden will. Man kann aber auch in einer eigentümlichen Weise davon fasziniert sein, so daß man ganz sicher ist: Da handelt es sich nicht darum, daß die Philister im Parterre sitzen und ihre Urteile abgeben. Die sind ja ganz berechtigt, vom philiströsen Standpunkt aus selbstverständlich, aber um das handelt es sich gar nicht. Sondern darum handelt es sich, daß die Weltgeschichte etwas Merkwürdiges bewirkt hat: daß alchimistische Denkweise, herübergeworfen durch Jahrhunderte, auf das Menschenleben angewendet wird und die menschlichen Taten und die menschlichen Reden zusammengebraut werden, wie man einstmals in alchimistischen Küchen, in einem Zeitalter, in dem die Alchimie schon im Untergange war, in Retorten probierend, die Stoffe und Kräfte mischte und auf ihre Wirkungen prüfte.

[ 28 ] Isn’t it true that these things may well be viewed solely from the perspective of a longing for genuine insight into human nature? If so, life is not made any poorer by it; on the contrary, it is truly enriched. Take his Hidalla or any other Frank Wedekind play—the kind that makes your head spin when you try to connect the earlier parts with the later ones. But one can also be fascinated by it in a peculiar way, so that one is quite certain: This is not about the philistines sitting in the stalls and passing judgment. They are, of course, entirely justified in doing so from a philistine standpoint, but that is not the point at all. Rather, the point is that world history has brought about something remarkable: that alchemical thinking, carried over through the centuries, is being applied to human life, and human deeds and human speech are being concocted, just as one once did in alchemical laboratories—in an age when alchemy was already in decline—experimenting in retorts, mixing substances and forces, and testing their effects.

[ 29 ] Und es sind ja eigentlich auch die Menschenleben bestimmt, sogar in bezug auf den Zeitpunkt, in dem sie hier auf der Erde erscheinen, durch schicksalsmäßige, karmische Zusammenhänge. Um Ihnen dafür auch ein erhärtendes Beispiel zu zeigen, möchte ich auf das Folgende hinweisen.

[ 29 ] And human lives are, in fact, determined—even as far as the exact moment of their appearance here on Earth is concerned—by fateful, karmic connections. To provide you with a concrete example of this, I would like to point out the following.

[ 30 ] Wenden wir unseren Blick zurück in die Zeit, in der es in Griechenland die Platonische Schule gegeben hat: Plato, umgeben von einer Anzahl von Schülern. Diese Schüler Platos waren wahrhaftig von den verschiedensten Charakteren, und das, was Plato selber schildert in den Dialogen, wo ja die verschiedensten Charaktere auftreten als die sich miteinander besprechenden Persönlichkeiten, das ist schon vielfach ein Bild der Platonischen Schule. Es waren die mannigfaltigsten Charaktere in dieser Schule zu verschiedensten Zeiten.

[ 30 ] Let us turn our attention back to the time when the Platonic School existed in Greece: Plato, surrounded by a number of students. These students of Plato were truly a diverse group of characters, and what Plato himself describes in the dialogues—where, after all, a wide variety of characters appear as the personalities engaged in discussion with one another—is in many ways a portrait of the Platonic School. There were the most diverse characters in this school at various times.

[ 31 ] Nun waren zwei Persönlichkeiten da in dieser Platonischen Schule, die in sehr voneinander verschiedener Art aufnahmen, was in einer so grandiosen Weise weltdurchleuchtend vom Munde Platos zu seinen Schülern kam und sich auch in Gesprächen mit den Schülern entwickelte.

[ 31 ] Now there were two figures at this Platonic school who, in very different ways, took in what came from Plato’s lips to his students in such a magnificent, world-illuminating manner, and what also developed in conversations with the students.

[ 32 ] Die eine dieser zwei Persönlichkeiten, die eben dem Schülerkreise angehörten, war eine, ich möchte sagen, fein ziselierte Persönlichkeit damals im Griechenzeitalter, eine Persönlichkeit, die insbesondere für alles zugänglich war, was Plato durch seine Lehre von den Ideen dazu veranlaßte, das Menschengemüt von der Erde wegzuheben. Wir brauchen uns nur vorzustellen, wie ja Plato überall sagte: Gegenüber dem Vergänglichen, das uns in den einzelnen Ereignissen, die in der menschlichen Umgebung sind, entgegentritt, stehen die ewigen Ideen. Das Stoffliche ist vergänglich, es ist nur ein Bild der ewigen Idee, die in immer aufeinanderfolgenden Metamorphosen als Ewiges durch die zeitlich vergänglichen Erscheinungen durchgeht. So hob Plato seine Schüler hinauf von der Betrachtung der vergänglichen äußeren sinnlichen Dinge zu den ewigen Ideen, die gewissermaßen als das Himmlische über dem Irdischen schwebten.

[ 32 ] One of these two figures, who belonged to the circle of students, was—I would say—a finely chiseled personality during the Greek era, a personality who was particularly open to everything that led Plato, through his theory of ideas, to lift the human spirit away from the earth. We need only imagine, as Plato said everywhere: Opposite the transitory, which confronts us in the individual events of the human environment, stand the eternal Ideas. The material is transitory; it is merely an image of the eternal Idea, which, in ever-successive metamorphoses, passes through the transitory phenomena as the eternal. Thus Plato lifted his students up from the contemplation of transitory, external, sensory things to the eternal Ideas, which, in a sense, hovered as the heavenly above the earthly.

[ 33 ] Zu kurz kam bei dieser platonischen Betrachtung der Mensch selber. Denn im Menschen, in dem die Idee unmittelbar lebendig und gegenständlich wird, kann man die platonische Denkweise nicht recht anwenden: er ist zu individuell. Bei Plato sind die Ideen sozusagen etwas über den Dingen Schwebendes. Die Mineralien, Kristalle, Quarzkristalle entsprechen ja dieser Idee, auch die anderen äußeren Dinge der leblosen Sinneswelt. Bei Goethe ist es auch so, daß er die Urpflanze verfolgt, die Typen betrachtet. Bei den Tieren kann man auch so verfahren. Aber bei dem Menschen ist es so, daß in jeder einzelnen Menschenindividualität die lebendige Ideenindividualität auch verfolgt werden muß. Das hat erst Aristoteles bewirkt, nicht Plato, daß die Idee als «Entelechie» im Menschen wirksam gesehen wurde.

[ 33 ] In this Platonic perspective, human beings themselves were neglected. For in human beings—in whom the Idea becomes immediately alive and concrete—the Platonic way of thinking cannot really be applied: they are too individual. For Plato, the Ideas are, so to speak, something hovering above things. Minerals, crystals, and quartz crystals correspond to this Idea, as do the other external things of the inanimate sensory world. With Goethe, too, he traces the archetypal plant and considers the types. One can proceed in the same way with animals. But with human beings, the living individuality of the Idea must also be traced within each individual human being. It was Aristotle, not Plato, who first brought about the view that the Idea is active in human beings as “entelechy.”

[ 34 ] Aber da war nun einer der Schüler, der mit ganzer Inbrunst und Hingabe eigentlich immer diesem Himmelsfluge im Platonismus folgte, der in bezug auf seine geistigen Anschauungen eigentlich nur mitkonnte in diesem Himmelsfluge, in diesem Hinaufgehen, in diesem SichErheben über die Erde, und der wirklich, ich möchte sagen, in süßreifen Worten in der Platonischen Schule sprach von der Erhabenheit der über den einzelnen Dingen lebenden und schwebenden Idee. Dieser Schüler, der eigentlich mit seiner Seele immer heraufstieg zu diesen Ideen, hatte nun aber doch, wenn er nicht im Schauen lebte, sondern mit dem Herzen, mit dem Gemüte wiederum, wie er es unendlich gerne tat, unter Griechen herumging, er hatte für jeden einzelnen Menschen, der ihm begegnete, das wärmste Interesse. Er konnte den Menschen, die er so gerne hatte, nur sein Gefühl zuwenden. Wenn er wiederum im Leben war, so konzentrierte sich sein Gefühl auf die Menschen, von denen er zahlreiche liebte; denn sein Schauen riß ihn immer wieder hinweg von der Erde, Viele hatte er, die er liebte. Und so war bei dieser einen Persönlichkeit unter den Schülern des Plato ein gewisser Zwiespalt vorhanden zwischen dem Gemütsleben den lebendigen Menschen gegenüber und dem Aufschauen der Seele zu den ewigen Ideen im platonischen Sinne, wenn dieser Schüler in der Akademie den Worten Platos lauschte, oder wenn er mit seinen süß-reifen Worten selber formulierte, was der Platonismus ihm im Aufschauen gab. Es war etwas merkwürdig Sensitives in diese Persönlichkeit hereingekommen.

[ 34 ] But there was one of the students who, with complete fervor and devotion, had in fact always followed this “flight to heaven” in Platonism; who, in terms of his spiritual views, could in fact only go along on this flight to heaven, this ascent, this rising above the earth; and who truly, I might say, spoke in sweet, mature words at the Platonic Academy of the sublimity of the Idea that lives and hovers above individual things. This student, who in truth always ascended with his soul toward these Ideas, nevertheless—when he was not living in contemplation but rather, as he so dearly loved to do, moving among the Greeks with his heart and spirit—had the warmest interest in every single person he encountered. He could only turn his affection toward the people he loved so dearly. When he was back in the midst of life, however, his feelings centered on the people—many of whom he loved—for his contemplation kept drawing him away from the earth time and again. He had many whom he loved. And so, in this one personality among Plato’s students, there existed a certain conflict between his emotional life toward living human beings and the soul’s aspiration toward the eternal Ideas in the Platonic sense—whether this student was listening to Plato’s words in the Academy or formulating, in his own sweet and mature words, what Platonism gave him in that aspiration. Something strangely sensitive had entered this personality.

[ 35 ] Und nun war diese Persönlichkeit mit einer anderen aus dem Schülerkreise der Platonischen Schule befreundet, innig befreundet. Zunächst aber, indem sich das immer mehr und mehr entwickelte, und eine andere Eigenschaft, die ich gleich charakterisieren werde, sich bei jenem Freunde entwickelte, kamen die beiden auseinander. Nicht etwa, weil die Liebe erkaltete, sondern weil sie mit ihrer ganzen Geistesart auseinanderwuchsen, brachte sie das Leben auseinander. Sie konnten sich anfangs gut verstehen, nachher nicht mehr verstehen. So daß der eine, den ich eben beschrieben habe, wir würden heute sagen, nervös wurde, schon wenn der andere in seiner Art sprach.

[ 35 ] And now this person was friends with another from the circle of students at the Platonic School—close friends, in fact. But as their friendship developed more and more, and another trait—which I will describe shortly—began to emerge in that friend, the two drifted apart. Not because their love had grown cold, but because they grew apart in their entire way of thinking; life drove them apart. At first they got along well, but later they could no longer understand one another. So that the one I just described—as we would say today—became nervous even when the other spoke in his own way.

[ 36 ] Und bei jenem war es ebenso. Er war nicht weniger geneigt, zu den ewigen Ideen aufzuschauen, von denen aus so lebendig in der Platonischen Schule gehandelt worden ist. Er konnte sich auch ganz erheben, aber jenes intensive Gemütsinteresse an zahlreichen Menschen, das der eine hatte, das hatte der andere nicht. Dagegen interessierte sich der andere in der allerintensivsten Weise für die alten Göttermythen, Göttersagen, die im Volke lebten, die ihm bekannt wurden. Für das, was wir heute die griechische Mythologie nennen, für die Gestalten von Zeus, Athene und so weiter interessierte er sich tief. Er ging sozusagen an den lebenden Menschen mehr oder weniger vorbei, aber interessierte sich tief, unendlich tief für die Götter, die ehemals auf der Erde gelebt hatten nach seiner Anschauung und die man als die Stammeltern der jetzt lebenden Menschen ansehen mußte. So wollte er das, was er in seiner Seele im Aufschwung erlebte, anwenden namentlich auf das Begreifen der tiefsinnigen Götter- und Heldensagen. Das Verhältnis zu den Götter- und Heldensagen war in Griechenland, wo das noch alles lebte, wo es nicht bloß in Büchern und durch Tradition vorhanden war, natürlich ein ganz anderes, als es heute ist.

[ 36 ] And it was the same with the other man. He was no less inclined to look up to the eternal ideas that had been discussed so vividly in the Platonic school. He, too, was capable of rising above it all, but he lacked the intense emotional interest in the lives of many people that the first man possessed. In contrast, the other took the most intense interest in the ancient myths and legends of the gods that lived on among the people and with which he had become acquainted. He was deeply interested in what we today call Greek mythology—in the figures of Zeus, Athena, and so on. He, so to speak, more or less passed by living human beings, but was deeply, infinitely deeply interested in the gods who, in his view, had once lived on earth and who had to be regarded as the progenitors of the people living today. Thus, he wanted to apply what he was experiencing in the upsurge of his soul specifically to the understanding of the profound myths of the gods and heroes. The relationship to the myths of the gods and heroes was, of course, quite different in Greece—where all of this was still alive, where it existed not merely in books and through tradition—than it is today.

[ 37 ] Diese Persönlichkeit, die mit der anderen innig befreundet war, sie entwuchs auch dieser Freundschaft. Beide entwuchsen dieser Freundschaft. Aber nun gehörten sie schon zusammen als Mitglieder der Platonischen Schule. Und diese Platonische Schule hatte ein Eigentümliches. Ihre Schüler bildeten in sich solche, sie etwas voneinander wegschiebende Kräfte aus, Kräfte, die sie, nachdem sie in der Platonischen Schule in einem Zeitraume zusammengedrängt gewesen waren, dann etwas auseinanderdrängen wollten. Und dadurch bildeten sich auch solche verschiedene Individualitäten, die gemüthaft-innig zusammenhingen, die aber dann sich auseinanderentwickelten.

[ 37 ] This individual, who had been a close friend of the other, also outgrew that friendship. Both outgrew that friendship. But now they already belonged together as members of the Platonic School. And this Platonic School had a peculiar characteristic. Its students developed within themselves certain forces that pushed them somewhat apart—forces that, after they had been pressed together for a time in the Platonic School, then sought to push them somewhat apart. And as a result, distinct individualities emerged that were initially closely and intimately connected but then developed in different directions.

[ 38 ] Diese beiden Persönlichkeiten, sie wurden in der Zeit der Renaissance in Italien als Frauen geboren und kamen in der jetzigen Zeit so wieder, daß der eine, der erste, den ich beschrieben habe, eigentlich zu früh, und der zweite, den ich beschrieben habe, etwas zu spät auf die Erde herunterkam. Es hängt das eben mit dem starken Entschluß zusammen, den man dazu braucht.

[ 38 ] These two figures were born as women during the Renaissance in Italy and returned in the present era in such a way that the first one I described actually came down to Earth too early, and the second one I described came down a little too late. This is precisely related to the strong resolve that is required for such a thing.

[ 39 ] Bei dem einen, nämlich bei dem ersten, den ich beschrieben habe, war es so, daß er, als er durch die Pforte des Todes gegangen war weil er mit seinem Geiste immer ins Überirdische hinaufging, aber ohne den ganzen, vollen Menschen, den er nur im Gemüte erfaßte —, deshalb zwischen dem Tod und einer neuen Geburt wohl alles das erfassen konnte, was da lebte, sagen wir, in der ersten Hierarchie: Seraphim, Cherubim und Throne —, auch noch einiges von der zweiten Hierarchie, aber nicht die dem Menschen nächste Hierarchie, durch die man begreift, wie der menschliche Körper hier auf der Erde organisiert wird.

[ 39 ] In the case of the first one I described, when he had passed through the gate of death—because his spirit always ascended into the supernatural realm, but without the whole, complete human being, whom he perceived only in his mind— he was therefore able, between death and a new birth, to perceive everything that lived—let us say—in the first hierarchy: Seraphim, Cherubim, and Thrones—as well as some aspects of the second hierarchy, but not the hierarchy closest to human beings, through which one understands how the human body is organized here on Earth.

[ 40 ] Eine Persönlichkeit entwickelte sich, die wenig Einsicht, vorirdische Einsicht in den menschlichen Körper entwickelte, die daher, als sie wieder geboren wurde, sogar die letzten Impulse nicht mehr aufnahm, unvollständig herunterstieg in den menschlichen Körper, nicht vollständig untertauchte, sondern eigentlich immer etwas heraußen schweben blieb.

[ 40 ] A personality developed that had little insight—pre-earthly insight—into the human body; consequently, when it was reborn, it no longer absorbed even the final impulses, descended incompletely into the human body, did not fully immerse itself, but actually always remained floating somewhat outside it.

[ 41 ] Der Freund aus der Platonischen Schule wartete mit der Inkarnation. Das Warten geschah aus dem Grunde, weil beide eigentlich, wenn sie zusammengekommen wären, wenn sie unmittelbare Zeitgenossen geworden wären, sich nicht ertragen hätten. Aber dennoch, es mußte derjenige, der unendlich viel von seinen Zusammenkünften mit Menschen dem anderen erzählt hatte, welcher nicht unter Menschen gegangen war, sondern sich nur mit Mythen und Göttersagen beschäftigt hatte, der, der so lebendig mit reifsüßer Stimme dem anderen erzählte, der mußte dennoch einen bedeutenden Eindruck auf den anderen machen, mußte ihm vorangehen, der andere ihm nachfolgen.

[ 41 ] The friend from the Platonic School had to wait for the incarnation. The reason for this wait was that, had they actually met—had they been contemporaries—they would not have been able to stand each other. And yet, the one who had told the other so much about his encounters with people—the one who had not mingled with people but had occupied himself only with myths and tales of the gods—the one who had recounted these stories so vividly to the other in a mature, sweet voice—that one was bound to make a significant impression on the other, to lead the way, while the other followed in his footsteps.

[ 42 ] Der andere nun, weil er schon auf Erden in Imaginationen, in den Götterimaginationen lebte, hatte es zu einem zu starken Erfassen, ich möchte sagen dessen, was am Menschen und im Menschen ist, gebracht. Deshalb wollte er, über seine Zeit hinausgehend, Impulse sammeln, um den menschlichen Leib ganz tief zu ergreifen. Da passierte es ihm, daß er ihn zu tief ergriff, zu tief hinein sich versenkte.

[ 42 ] The other, however, because he had already lived on earth in imaginations—in the imaginations of the gods—had come to grasp too intensely, I might say, that which is in and of the human being. For this reason, going beyond his own time, he sought to gather impulses in order to grasp the human body very deeply. Then it happened that he grasped it too deeply, immersing himself too deeply within it.

[ 43 ] Und so sehen wir, daß bei zwei verschiedenen Schicksalsgestaltungen von zwei Angehörigen der Platonischen Schule der eine zu wenig seinen Körper ergreift bei der zweiten Wiederverkörperung, der andere ihn zu stark ergreift. Der eine kann nicht in seinen Körper vollständig hinein, wird nur in seiner Jugend hineingetrieben, wird dann bald hinausgetrieben und muß draußen bleiben: Hölderlin.

[ 43 ] And so we see that, in two different fates of two members of the Platonic School, one does not fully embrace his body during his second reincarnation, while the other embraces it too strongly. One cannot fully enter his body; he is driven into it only in his youth, is then soon driven out, and must remain outside: Hölderlin.

[ 44 ] Der andere wird so tief in seinen Körper hineingetragen, hineingetaucht durch die besondere Art, wie er damals war, daß er zu stark untertauchte in seine Organe und fast lebenslänglich krank wird: Hamerling.

[ 44 ] The other is drawn so deeply into his body—submerged by the particular way he was back then—that he becomes too deeply immersed in his organs and falls ill for almost his entire life: Hamerling.

[ 45 ] Und so haben wir große menschliche Schicksale aus der Zeitenwende heraus und ihre Impulse vor uns und können eine Ahnung bekommen, wie nun eigentlich die geistigen Impulse wirken. Denn das müssen wir uns ja klar vor die Seele stellen: Eine solche Individualität wie Hölderlin, der, aus der Platonischen Schule hervorgehend, nicht in seinen Leib hinein kann, sich draußen halten muß, er erlebt in der Dumpfheit seines Wahnsinns vorbereitende Impulse für kommende Erdenleben, die ihn zu Großem bestimmen. Ebenso der andere, Robert Hamerling, durch die Krankheit seines Körpers.

[ 45 ] And so we have before us the great human destinies of the turn of the era and their impulses, and we can gain a sense of how these spiritual impulses actually work. For we must clearly hold this before our souls: An individual such as Hölderlin, who, emerging from the Platonic school, cannot enter his own body but must remain outside it—he experiences, in the dullness of his madness, preparatory impulses for future earthly lives that predestine him for greatness. Likewise the other, Robert Hamerling, through the illness of his body.

[ 46 ] Krankheit und Gesundheit nehmen sich ja natürlich, wenn sie im schicksalsmäßigen Zusammenhang betrachtet werden, noch ganz anders aus, als sie sich ausnehmen, wenn man sie nur in den Grenzen des einen Erdenlebens betrachtet.

[ 46 ] When viewed in the context of destiny, illness and health naturally appear quite different from how they appear when considered solely within the confines of a single earthly life.

[ 47 ] Ich denke, meine lieben Freunde, es kann schon so sein, daß eine heilige Scheu vor dem geheimnisvollen Geschehen, das durch die geistige Welt bewirkt wird, durch die Menschengemüter hindurch gerade durch eine solche Betrachtungsweise entsteht. Wahrhaftig, ich muß es immer wieder sagen: Nicht um ein Sensationsbedürfnis zu befriedigen, sondern um immer tiefer und tiefer hineinzuführen in die Erkenntnis des geistigen Lebens, werden jetzt diese Betrachtungen angestellt. Und nur durch dieses tiefere Hineindringen in das geistige Leben kann das äußere sinnliche Leben, das Leben der Menschen erklärt werden.

[ 47 ] I think, my dear friends, that it may well be that a holy reverence for the mysterious events brought about by the spiritual world arises in the human mind precisely through such a way of looking at things. Truly, I must say it again and again: these reflections are being presented not to satisfy a craving for sensation, but to lead us ever deeper and deeper into the understanding of spiritual life. And it is only through this deeper penetration into spiritual life that external, sensory life—the life of human beings—can be explained.

[ 48 ] Diese Betrachtungen werde ich morgen fortsetzen.

[ 48 ] I will continue these reflections tomorrow.