Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236
27 April 1924, Dornach
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Esoteric Considerations of Karmic Connections, tr. SOL
Fünfter Vortrag
Fifth Lecture
[ 1 ] Wir haben nun eine Reihe zusammenhängender Schicksalsentwickelungen betrachtet, welche aufklärend und erhellend für die Erfassung des geschichtlichen Lebens der Menschheit sein können. Die Betrachtungen, die wir gepflogen haben, sollten zeigen, wie aus vorhergehenden Erdenperioden das, was die Menschen in diesen vorhergehenden Erdenperioden erleben, erarbeiten, aufnehmen, hinübergetragen wird durch die Menschen selbst in spätere Erdenepochen. Und Zusammenhänge haben sich uns ergeben, so daß wir dasjenige, was durch Menschen, ich möchte sagen, tonangebend getan wird, begreifen aus im moralischen Sinne gemeinten Ursachen, die durch die Menschen selber gelegt worden sind im Laufe der Zeiten.
[ 1 ] We have now examined a series of interconnected developments in destiny that can shed light on and clarify our understanding of the historical life of humanity. The reflections we have undertaken were intended to show how, from previous Earth periods, what people experience, develop, and assimilate in those earlier periods is carried forward by the people themselves into later Earth epochs. And connections have become apparent to us, so that we can understand what is done by human beings—I would say, in a leading role—as stemming from causes in the moral sense that have been laid down by human beings themselves over the course of time.
[ 2 ] Aber nicht nur dieser, ich möchte sagen, ursächliche Zusammenhang kann uns durch solche auf das Karma gerichtete Betrachtungen vor die Seele treten, sondern auch manches kann sich lichtvoll aufklären, was eigentlich zunächst für eine äußerliche Weltenbetrachtung unklar, unbegreiflich erscheint.
[ 2 ] But it is not only this—I would say—causal connection that can come to the forefront of our consciousness through such reflections focused on karma; rather, many things that initially appear unclear or incomprehensible to an external view of the world can also be illuminated.
[ 3 ] Will man aber in dieser Beziehung mit der großen Umwandlung mitgehen, die in bezug auf die Empfindung und das Denken des Menschengemütes in der nächsten Zukunft notwendig ist, wenn die Zivilisation aufwärts-, nicht abwärtsgehen soll, dann ist es eben notwendig, daß man zunächst sozusagen einen Sinn für dasjenige entwickelt, was unter gewöhnlichen Umständen unbegreiflich ist und zu dessen Begreifen eben ein Einblick in tiefere menschliche und weltgesetzmäRige Verhältnisse gehört. Wer alles begreiflich findet, der braucht natürlich nichts zu begreifen von den oder jenen tieferen Ursachen. Aber dieses Begreiflichfinden ist ja nur scheinbar, denn alles begreiflich finden in der Welt, heißt eigentlich nur, allem gegenüber oberflächlich sein. Denn für das gewöhnliche Bewußtsein sind in der Tat die meisten Dinge in Wirklichkeit unbegreiflich. Und verwundert stehenbleiben können vor den Unbegreiflichkeiten selbst des alleralltäglichsten Daseins, das ist im Grunde genommen erst der Anfang für wirkliches Erkenntnisstreben.
[ 3 ] But if one wishes to keep pace with the great transformation that will be necessary in the near future with regard to the feelings and thoughts of the human mind—if civilization is to move upward rather than downward— then it is precisely necessary to first develop, so to speak, a sense for that which is incomprehensible under ordinary circumstances—and whose comprehension requires insight into deeper human and cosmic relationships. Anyone who finds everything comprehensible naturally has no need to understand these or those deeper causes. But this sense of everything being comprehensible is only apparent, for to find everything in the world comprehensible actually means nothing more than being superficial in one’s approach to everything. For to the ordinary consciousness, most things are, in fact, incomprehensible in reality. And to pause in wonder before the incomprehensibilities of even the most mundane existence—that is, in essence, only the beginning of a genuine quest for knowledge.
[ 4 ] Das ist es ja, wonach von diesem Rednerpulte aus so oft der Seufzer ertönt ist: Man möge innerhalb anthroposophischer Kreise Enthusiasmus haben für das Suchen, Enthusiasmus haben für das, was eben in anthroposophischem Streben drinnenliegt. Und dieser Enthusiasmus muß wirklich damit beginnen, das Wunderbare in der Alltäglichkeit wirklich als etwas Wunderbares zu ergreifen. Dann wird man eben, wie gesagt, erst versucht sein, zu den Ursachen, zu den tiefer liegenden Kräften zu greifen, die dem uns umgebenden Dasein zugrunde liegen. Es können für den Menschen diese Verwunderungszustände gegenüber der alltäglichen Umgebung aus geschichtlichen Betrachtungen hervorgehen, aber auch aus dem, was in der Gegenwart beobachtet werden kann. Bei geschichtlichen Betrachtungen müssen wir ja oftmals stehenbleiben vor geschichtlichen Ereignissen, die uns aus der Vergangenheit berichtet werden und die erscheinen, als wenn da oder dort das Menschenleben wirklich in das Unsinnige ausliefe.
[ 4 ] That is precisely what has so often been the subject of sighs from this lectern: that within anthroposophical circles there might be enthusiasm for the search, enthusiasm for what is inherent in the anthroposophical endeavor. And this enthusiasm must truly begin with perceiving the marvelous in everyday life as something truly marvelous. Then, as I said, one will be tempted to delve into the causes, into the deeper forces that underlie the existence surrounding us. For human beings, these states of wonder at the everyday environment can arise from historical reflections, but also from what can be observed in the present. In historical reflections, we must often pause before historical events that are reported to us from the past and that appear as if, here and there, human life truly descended into absurdity.
[ 5 ] Nun, es bleibt das Menschenleben sinnlos, wenn wir es nur so betrachten, daß wir den Blick auf ein geschichtliches Ereignis lenken und nicht fragen: Wie gehen aus diesem geschichtlichen Ereignisgewisse Menschencharaktere hervor, wie nehmen sie sich aus, wenn sie in ihrer späteren Wiederverkörperung auftreten? — Wenn wir darnach nicht fragen, so erscheinen auch gewisse geschichtliche Ereignisse völlig sinnlos, deshalb sinnlos, weil sie sich nicht erfüllen, weil sie ihren Sinn verlieren, wenn sie nicht ausgelebt werden können, wenn sie nicht weitere Seelenimpulse in einem folgenden Erdenleben werden, wenn sie nicht Ausgleich finden und dann weiterwirken in weiter folgenden Erdenleben.
[ 5 ] Well, human life remains meaningless if we view it solely by focusing on a historical event without asking: How do certain human characters emerge from this historical event, and how do they manifest themselves when they appear in their later reincarnations? — If we do not ask this, then certain historical events also appear completely meaningless—meaningless because they are not fulfilled, because they lose their meaning if they cannot be lived out, if they do not become further soul impulses in a subsequent earthly life, if they do not find balance and then continue to have an effect in subsequent earthly lives.
[ 6 ] So ist ganz gewiß eine historische Sinnlosigkeit gelegen in dem Auftreten einer solchen Persönlichkeit, wie sie der Nero war, der römische Cäsar Nero. Von ihm ist innerhalb der anthroposophischen Bewegung ja noch nicht gesprochen worden.
[ 6 ] There is certainly a historical absurdity inherent in the emergence of a figure such as Nero, the Roman Caesar Nero. He has not yet been discussed within the anthroposophical movement.
[ 7 ] Nehmen Sie nur alles das in die Seele auf, was von dem römischen Cäsar Nero historisch berichtet wird. Gegenüber einer Persönlichkeit, wie es der Nero war, erscheint das Leben wie etwas, dem man ganz ungestraft einfach Hohn sprechen könnte, wie wenn man es verhöhnen könnte, wie wenn das gar keine Folgen hätte, wenn jemand mit einer restlosen Frivolität in einer an sich autoritativen Stellung auftritt.
[ 7 ] Just take to heart everything that is historically reported about the Roman emperor Nero. In the face of a figure such as Nero, life seems like something one could simply mock with complete impunity—as if one could deride it, as if there were no consequences whatsoever when someone acts with utter frivolity while occupying a position of authority.
[ 8 ] Nicht wahr, man müßte eigentlich stumpf sein, wenn man so sieht, was der Nero macht, und wenn man gar nicht irgendwie dazu kommen könnte, sich zu fragen: Was wird denn nun eigentlich aus einer solchen Seele, die, wie der Nero, der ganzen Welt Hohn spricht, das Leben anderer Menschen, das Dasein fast einer ganzen Stadt als etwas betrachtet, womit er spielen kann? — Welch ein Künstler geht mit mir verloren! — Das ist ja bekanntlich der Ausspruch, der Nero in den Mund gelegt wird, und der wenigstens seiner Gesinnung entspricht. Also bis in ein Selbstbekenntnis hinein die alleräußerste Frivolität, der alleräußerste Zerstörungswille und Zerstörungstrieb, aber so, daß dieser Seele diese Sache gefällt.
[ 8 ] Isn’t it true that one would have to be utterly callous to witness what Nero is doing and still fail to ask oneself: What will actually become of such a soul that, like Nero, mocks the entire world and regards the lives of other people—the very existence of nearly an entire city—as something with which he can play? —What an artist is lost to me! — As is well known, this is the saying attributed to Nero, and it at least corresponds to his mindset. Thus, even in a self-confession, the utmost frivolity, the utmost will to destroy and destructive impulse—but in such a way that this soul takes pleasure in it.
[ 9 ] Nun, da wird ja alles zurückgestoßen, was Eindruck auf den Menschen machen kann. Da gehen nur sozusagen weltzerstörende Strahlen von der Persönlichkeit aus. Und wir fragen uns: Was wird aus einer solchen Seele?
[ 9 ] Well, everything that could make an impression on people is simply pushed aside. Only, so to speak, world-destroying rays emanate from the personality. And we ask ourselves: What will become of such a soul?
[ 10 ] Man muß sich klar darüber sein: Alles das, was da sozusagen auf die Welt abgeladen wird, das strahlt ja nun zurück in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Das muß gewissermaßen auf die Seele selber wiederum sich abladen; denn alles dasjenige, was zerstört worden ist durch eine solche Seele, das ist nun da in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Nun kam Nero zunächst wenige Jahrhunderte oder verhältnismäßig kurze Zeit darnach in unbedeutetem Dasein wiederum auf die Welt, wo sich zunächst nur dasjenige ausgeglichen hat, was Zerstörungswut war, die er auf die Souveränität hin ausgeübt hatte, ausgeübt aus sich heraus, weil er es so wollte; dabei wirkte die Rage, man möchte sagen, der Enthusiasmus für die Zerstörungswut. In einem nächsten Erdenleben erfüllte sich ausgleichend schon etwas von dieser Sache und dieselbe Seelenindividualität war jetzt in einer Stellung, wo sie auch zerstören mußte, aber zerstören mußte in untergeordneter Stellung, wo sie Befehlen unterlag. Und da hatte diese Seele die Notwendigkeit, nun zu fühlen, wie das ist, wenn man es nicht aus freiem Willen heraus tut, nicht in Souveränität vollbringt.
[ 10 ] One must be clear about this: Everything that is, so to speak, dumped onto the world radiates back into the life between death and a new birth. This must, in a sense, be unloaded back onto the soul itself; for everything that has been destroyed by such a soul is now present in the life between death and a new birth. Now, a few centuries—or a relatively short time—later, Nero returned to the world in an insignificant existence, where at first only that which had been his destructive fury—which he had unleashed against the sovereignty, acting out of his own will because he so desired—was balanced out; and in this, the rage—one might say, the enthusiasm—for that destructive fury was at work. In a subsequent earthly life, some aspect of this matter was already being balanced out, and the same soul-individuality now found itself in a position where it also had to destroy, but had to do so in a subordinate position, subject to orders. And there, this soul had to experience what it is like to act not out of free will, not in a state of sovereignty.
[ 11 ] Nun handelt es sich bei solchen Dingen wirklich darum, sie ohne Emotionen zu betrachten, sie ganz objektiv zu betrachten. Solch ein Schicksal, möchte ich sagen — denn auch so grausam zu sein wie Nero, so zerstörungswütig wie Nero zu sein, ist ja ein Schicksal —, ist im Grunde genommen ein erbarmungswürdiges Schicksal nach einer gewissen Seite hin. Man braucht gar nicht Rankünen zu haben, nicht irgendwie scharfe Kritik zu üben; dann würde man ohnedies nicht diejenigen Dinge erleben, die notwendig sind, um die Sache im weiteren Verlauf zu begreifen, denn in all die Dinge, von denen hier gesprochen worden ist, ist ja nur möglich hineinzuschauen, wenn man objektiv hineinschaut, wenn man nicht anklagt, sondern wenn man eben Menschenschicksale versteht. Aber die Dinge sprechen sich doch, wenn man nur den Sinn hat, sie zu verstehen, in einer deutlichen Weise aus. Und daß mir das Nero-Schicksal vor die Seele getreten ist, das war wirklich einem scheinbaren Zufall zuzuschreiben. Aber eben nur ein scheinbarer Zufall war es, daß mir dieses Nero-Schicksal einmal ganz besonders stark vor die Seele getreten ist.
[ 11 ] Now, when it comes to such matters, it is truly a matter of viewing them without emotion, of viewing them entirely objectively. Such a fate, I would say—for even being as cruel as Nero, as destructive as Nero, is indeed a fate—is, in a sense, a pitiful fate. There’s no need to harbor resentment or to level harsh criticism; if one did, one wouldn’t experience the things necessary to understand the matter as it unfolds, for it’s only possible to gain insight into all the things discussed here by looking at them objectively—not by accusing, but by simply understanding human fates. But these things do speak for themselves quite clearly, if one only has the insight to understand them. And the fact that Nero’s fate came to the forefront of my mind was truly attributable to an apparent coincidence. But it was just an apparent coincidence that this fate of Nero once came to the forefront of my mind with such particular intensity.
[ 12 ] Denn sehen Sie, als sich einmal ein erschütterndes Ereignis vollzogen hatte, ein Ereignis, von dem ich gleich sprechen werde, das in der Gegend, um die es sich handelt, weithin erschütternd wirkte, da kam ich gerade zu Besuch zu der in meinem Lebensabriß öfters genannten Persönlichkeit Karl Julius Schröer. Und als ich dahin kam, war auch er, wie viele Leute, ungeheuer erschüttert durch das, was geschehen war. Und er sprach — eigentlich so, daß es zunächst unmotiviert war — wie aus dunklen Geistestiefen heraus das Wort «Nero». Man hätte glauben können, es wäre ganz unmotiviert gewesen. Es war aber später durchaus zu sehen, daß da eigentlich nur durch einen Menschenmund etwas wie aus der Akasha-Chronik heraus gesprochen worden war. Es handelte sich um folgendes.
[ 12 ] You see, once a deeply shocking event had taken place—an event I will speak of shortly, one that had a profoundly shocking effect throughout the region in question—I happened to be visiting Karl Julius Schröer, a figure I have mentioned frequently in my autobiography. And when I arrived there, he, like many people, was deeply shaken by what had happened. And he spoke—in a way that at first seemed unprompted—as if from the dark depths of his soul, the word “Nero.” One might have thought it was entirely unprompted. But it later became quite clear that what had actually been spoken through a human mouth was something drawn from the Akashic Records. The matter was as follows:
[ 13 ] Der österreichische Kronprinz Rudolf war ja als eine glänzende Persönlichkeit gefeiert worden und galt als eine Persönlichkeit, die große Hoffnungen erregte für die Zeit, wenn er einmal auf den Thron kommen sollte. Wenn man auch allerlei über jenen Kronprinzen Rudolf wußte, so war alles das, was man wußte, doch so, daß man es eben als Dinge auffaßte, nun ja, die sich eigentlich fast so gehörten für einen «Grandseigneur». Jedenfalls dachte niemand daran, daß das zu bedeutsamen, tragischen Konflikten führen könnte. Und es war daher eine ungeheuer große Überraschung, eine furchtbar große Überraschung, als in Wien bekannt wurde: der Kronprinz Rudolf ist in den Tod gegangen auf eine ganz mysteriöse Weise, in der Nähe des Stiftes Heiligenkreuz, in der Nähe von Baden bei Wien. Immer mehr und mehr Details kamen da zutage, und zunächst sprach man von einem Unglücksfall; ja, der «Unglücksfall» wurde sogar offiziell berichtet.
[ 13 ] The Austrian Crown Prince Rudolf had, after all, been celebrated as a brilliant figure and was regarded as someone who inspired great hopes for the time when he would eventually ascend to the throne. Even though people knew all sorts of things about Crown Prince Rudolf, everything they knew was viewed as—well, things that were actually almost to be expected of a “grand seigneur.” In any case, no one thought that this could lead to significant, tragic conflicts. And so it came as an immense surprise—a terrible surprise—when word spread in Vienna that Crown Prince Rudolf had died under very mysterious circumstances near Heiligenkreuz Abbey, close to Baden near Vienna. More and more details came to light, and at first people spoke of an accident; indeed, the “accident” was even officially reported.
[ 14 ] Dann, als der Unglücksfall schon ganz offiziell berichtet war, wurde bekannt, daß der Kronprinz Rudolf in Begleitung der Baronesse Vetsera hinausgefahren war zu seinem Jagdgute dort, und daß er mit ihr gemeinsam dann den Tod gefunden hatte.
[ 14 ] Then, after the accident had already been officially reported, it became known that Crown Prince Rudolf had gone out to his hunting estate there accompanied by Baroness Vetsera, and that he had met his death together with her.
[ 15 ] Die Details sind so bekanntgeworden, daß sie wohl hier nicht erzählt zu werden brauchen. Alles Folgende hat sich so vollzogen, daß kein Mensch, der die Verhältnisse kannte, daran zweifeln konnte, als die Dinge bekannt wurden, daß ein Selbstmord des Kronprinzen Rudolf vorlag. Denn erstens waren die Umstände so, daß ja in der Tat, nachdem das offizielle Bulletin herausgegeben war, daß ein Unglücksfall vorläge, sich zunächst der ungarische Ministerpräsident Koloman Tisza gegen diese Version wendete und von dem damaligen österreichischen Kaiser selbst die Zusage erlangte, daß man nicht stehenbleiben werde bei einer unrichtigen Angabe. Denn dieser Koloman Tisza wollte vor seiner ungarischen Nation diese Angabe nicht vertreten und machte das energisch geltend. Dann aber fand sich in dem Ärztekollegium ein Mann, der damals eigentlich zu den mutigsten Wiener Ärzten gehörte und der auch mit die Leichenbeschau führen sollte, und der sagte, er unterschriebe nichts, was nicht durch die objektiven Tatsachen belegt wäre.
[ 15 ] The details have become so well known that there is probably no need to recount them here. Everything that followed unfolded in such a way that no one familiar with the circumstances could have doubted, once the facts became known, that Crown Prince Rudolf had committed suicide. For one thing, the circumstances were such that, after the official bulletin had been issued stating that an accident had occurred, Hungarian Prime Minister Koloman Tisza was the first to challenge this version and obtained a promise from the Austrian Emperor himself that they would not stand by an incorrect statement. Koloman Tisza did not want to present this account to the Hungarian people and made this point forcefully. But then a man emerged from the medical board—who was actually one of the bravest Viennese doctors at the time and who was also supposed to conduct the postmortem examination—and he said he would not sign anything that was not substantiated by objective facts.
[ 16 ] Nun, die objektiven Tatsachen wiesen eben auf den Selbstmord hin. Der Selbstmord wurde ja dann auch offiziell, das Frühere verifizierend, zugegeben, und wenn nichts anderes vorläge als die Tatsache, daß in einer so außerordentlich katholisch gesinnten Familie, wie es die österreichische Kaiserfamilie war, der Selbstmord zugegeben worden ist, so würde schon einzig und allein diese Tatsache bedeuten, daß man eigentlich nicht daran zweifeln kann. Also jeder, der die Tatsache da objektiv beurteilen kann, wird nicht daran zweifeln.
[ 16 ] Well, the objective facts did indeed point to suicide. The suicide was then officially acknowledged, confirming what had been said earlier, and if there were nothing else to go on but the fact that in a family as deeply Catholic as the Austrian imperial family, the suicide had been acknowledged, then this fact alone would mean that one really cannot doubt it. So anyone who can objectively assess the facts will not doubt it.
[ 17 ] Aber das muß man fragen: Wie ist es möglich gewesen, daß überhaupt jemand, dem so Glänzendes in Aussicht stand, zum Selbstmord griff, gegenüber Verhältnissen, die sich ja zweifellos mit leichter Hand in solcher Lebenslage hätten kaschieren lassen? — Es ist ja gar kein Zweifel, daß ein objektiver Grund, daß ein Kronprinz wegen einer Liebesaffäre sich erschießt —, ich meine, ein objektiver Grund, für die äußeren Verhältnisse objektiv notwendiger Grund, natürlich nicht vorliegt.
[ 17 ] But one must ask: How is it possible that anyone with such a brilliant future ahead of him would resort to suicide, given circumstances that could undoubtedly have been easily concealed in such a situation? — There is, of course, no doubt that there is no objective reason—I mean, no objective reason, no reason objectively necessitated by external circumstances—for a crown prince to shoot himself over a love affair.
[ 18 ] Es lag auch kein äußerer objektiver Grund vor, sondern es war die Tatsache vorliegend, daß hier einmal eine Persönlichkeit, welcher der Thron unmittelbar in Aussicht stand, das Leben ganz wertlos fand, und das bereitete sich natürlich auf psychopathologische Weise vor. Aber die Psychopathologie muß ja auch in diesem Falle erst begriffen werden; denn die Psychopathologie ist schließlich auch etwas, was mit dem Schicksalsmäßigen zusammenhängt. Und die Grundtatsache, die da in der Seele wirkte, ist dennoch die, daß jemand, dem also das Allerglänzendste scheinbar winkte, das Leben ganz wertlos fand.
[ 18 ] There was also no external, objective reason; rather, the fact was that here was a person who stood in direct line of succession to the throne yet considered life to be utterly worthless, and this naturally manifested itself in a psychopathological manner. But psychopathology must first be understood in this case as well; for psychopathology is, after all, something connected to fate. And the fundamental fact at work in the soul is nevertheless that someone for whom the very brightest prospects seemed to beckon found life completely worthless.
[ 19 ] Das ist etwas, meine lieben Freunde, das einfach unter diejenigen Tatsachen gehört, die man unbegreiflich finden muß im Leben. Und soviel auch geschrieben worden ist, soviel auch über diese Dinge gesprochen worden ist, nur der kann eigentlich vernünftig urteilen über eine solche Sache, der sich sagt: Aus diesem einzelnen Menschenleben, aus diesem Leben des Kronprinzen Rudolf von Österreich ist der Selbstmord, und auch die vorhergehende Psychopathologie in ihrer Ursächlichkeit für den Selbstmord, nicht erklärlich. Da muß, wenn man verstehen will, etwas anderes zugrunde liegen.
[ 19 ] This, my dear friends, is simply one of those facts in life that one must find incomprehensible. And no matter how much has been written or spoken about these matters, only those who say to themselves: “From the perspective of this single human life—the life of Crown Prince Rudolf of Austria—neither the suicide nor the preceding psychopathology, as a cause of the suicide, can be explained.” If one wishes to understand, there must be something else underlying it.
[ 20 ] Und nun denken Sie sich die Nero-Seele — nachdem sie noch durch das andere durchgegangen ist, wovon ich gesprochen habe — herübergekommen gerade in diesen sich selbst vernichtenden Thronfolger, der die Konsequenz zieht durch seinen Selbstmord: dann kehren sich die Verhältnisse einfach um. Dann haben Sie in der Seele die Tendenz liegend, die aus früheren Erdenleben stammt, die beim Durchgang durch die Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt im unmittelbaren Anblicke sieht, daß von ihr eigentlich nur zerstörende Kräfte ausgegangen sind, und die auch auf eine splendide Weise, möchte ich sagen, die Umkehrung erleben muß.
[ 20 ] And now imagine the soul of Nero—after it has passed through the other process I spoke of—coming over into this very self-destructive heir to the throne, who draws the logical conclusion through his suicide: then the circumstances are simply reversed. Then you have within the soul a tendency—originating from earlier earthly lives—that, during the passage through the time between death and a new birth, sees in direct vision that it has actually emitted only destructive forces, and that must also experience this reversal in a splendid way, I would say.
[ 21 ] Diese Umkehrung, wie wird sie erlebt? Sie wird eben dadurch erlebt, daß ein Leben, das äußerlich alles, was wertvoll ist, enthält, nach innen sich so spiegelt, daß der Träger dieses Lebens es für so wertlos hält, daß er sich selber entleibt. Dazu wird die Seele krank, wird halb wahnsinnig. Dazu sucht sich die Seele die äußere Verwickelung mit der entsprechenden Liebesaffäre und so weiter. Aber das alles sind ja nur die Folgen des Strebens der Seele, ich möchte sagen, alle die Pfeile auf sich selbst zu richten, die früher diese Seele nach der Welt hin gewandt hat. Und wir sehen dann, wenn wir in das Innere solcher Verhältnisse hineinsehen, eine ungeheure Tragik sich entwickeln, aber eine gerechte Tragik, eine außerordentlich gerechte Tragik. Und die beiden Bilder ordnen sich uns zusammen.
[ 21 ] How is this reversal experienced? It is experienced precisely because a life that outwardly contains everything of value is reflected inwardly in such a way that the bearer of this life considers it so worthless that he takes his own life. In addition, the soul becomes ill, half-mad. Furthermore, the soul seeks external entanglements through a corresponding love affair and so on. But all of this is merely the consequence of the soul’s striving—I would say, to direct toward itself all the arrows that this soul had previously turned toward the world. And when we look into the inner workings of such circumstances, we see an immense tragedy unfolding—but a just tragedy, an extraordinarily just tragedy. And the two images come together for us.
[ 22 ] Ich sagte oftmals: Kleinigkeiten sind es, welche den Dingen zugrunde liegen, die in Wahrheit, im vollen Ernste Untersuchungen auf solchen Gebieten möglich machen. Da muß mancherlei im Leben mitwirken.
[ 22 ] I have often said: It is the little things that underlie the matters which, in truth and in all seriousness, make research in such fields possible. Many factors in life must come into play.
[ 23 ] Wie gesagt, als dieses Ereignis, das so erschütternd dazumal gewirkt hat, sich eben vollzogen hatte, war ich auf dem Wege zu Schröer. Ich bin nicht wegen dieses Ereignisses hingegangen, sondern ich war auf dem Wege zu Schröer. Es war sozusagen der nächste Mensch, mit dem ich über diese Sache sprach. Der sprach ganz unmotiviert: «Nero» — so daß ich mich eigentlich fragen mußte: Warum denkt der jetzt gerade an Nero? — Er leitete das Gespräch gleich ein mit «Nero». Es erschütterte mich das Wort «Nero» dazumal. Aber es erschütterte mich um so mehr, als dieses Wort «Nero» unter einem besonderen Eindrucke gesprochen war, denn zwei Tage vorher war ja, das ist auch öffentlich ganz bekannt geworden, eine Soiree bei dem damaligen deutschen Botschafter in Wien, bei dem Prinzen Reuß. Da war der österreichische Kronprinz auch anwesend. und Schröer auch, und er hatte dazumal gesehen, wie der Kronprinz sich verhalten hat, zwei Tage vor der Katastrophe. Und dieses merkwürdige Verhalten zwei Tage vor der Katastrophe bei jener Soir&e, was Schröer sehr dramatisch schilderte, und dann der nachfolgende Selbstmord zwei Tage darnach: dieses im Zusammenhange damit, daß da das Wort «Nero» ausgesprochen wurde, das war etwas, was schon so wirkte, daß man sich sagen konnte: Jetzt liegt eine Veranlassung vor, den Dingen nachzugehen. — Aber warum bin ich denn überhaupt vielen Dingen nachgegangen, die aus Schröers Mund kamen? Nicht als ob irgend etwas von Schröer, der ja solche Dinge natürlich nicht wissen konnte, einfach von mir aufgenommen worden wäre wie ein Omen oder so etwas. Aber manche Dinge, gerade die, welche scheinbar unmotiviert kamen, waren mir wichtig, wichtig durch etwas, was einmal merkwürdig zutage trat.
[ 23 ] As I said, just as this event—which had such a shocking effect at the time—was unfolding, I was on my way to Schröer’s. I didn’t go there because of this event; I was simply on my way to Schröer’s. He was, so to speak, the first person I spoke to about this matter. He said, completely out of the blue, “Nero”—so that I actually had to ask myself: Why is he thinking of Nero right now?—He immediately began the conversation with “Nero.” The word “Nero” shook me at the time. But it shook me all the more because the word “Nero” was spoken under a particular impression, for two days earlier—as has also become widely known—there had been a soirée at the home of the then German ambassador in Vienna, Prince Reuss. The Austrian Crown Prince was also present there, as was Schröer, and Schröer had observed how the Crown Prince behaved at that time, two days before the catastrophe. And this peculiar behavior two days before the catastrophe at that soirée—which Schröer described in very dramatic terms—and then the subsequent suicide two days later: this, in connection with the fact that the word “Nero” had been uttered, was something that had such an effect that one could say to oneself: Now there is a reason to look into these matters. — But why did I even look into so many things that came from Schröer’s mouth? It’s not as if anything Schröer said—who, of course, couldn’t have known such things—was simply taken by me as an omen or something like that. But some things, especially those that seemed to come out of the blue, were important to me—important because of something that once came to light in a strange way.
[ 24 ] Ich kam mit Schröer in ein Gespräch über Phrenologie, und Schröer erzählte, nicht eigentlich humoristisch, sondern mit einem gewissen inneren Ernst, mit dem er solche Dinge aussprach — man erkannte den Ernst eben an der gehobenen Sprache, die er auch in dem täglichen Umgang sprach, wenn er etwas mit vollem Ernst sagen wollte —, Schröer sagte: Mich hat auch einmal ein Phrenologe untersucht, hat mir den Kopf abgegriffen und hat da oben jene Erhöhung gefunden, von der er dann gesagt hat: Da sitzt ja in Ihnen der Theosoph! — Von Anthroposophie sprach man dazumal nicht, denn das war in den achtziger Jahren; es bezieht sich also nicht auf mich, es bezieht sich auf Schröer. Den hat er untersucht und gesagt: Da sitzt der Theosoph.
[ 24 ] I got into a conversation with Schröer about phrenology, and Schröer said—not in a humorous way, but with a certain inner seriousness with which he spoke about such things—one could tell how serious he was by the elevated language he used even in everyday conversation when he wanted to say something with complete seriousness—Schröer said: I was once examined by a phrenologist; he felt my head and found that protrusion up there, about which he then said: ‘There, right there, is the theosophist within you!’ — People didn’t talk about anthroposophy back then, since this was in the 1880s; so this doesn’t refer to me, it refers to Schröer. He examined him and said: “There sits the theosophist.”
[ 25 ] Nun, es war in der Tat so: Schröer war äußerlich alles eher als Theosoph; das geht ja aus meiner Lebensbeschreibung wohl hervor. Aber gerade da, wo er von Dingen sprach, welche eigentlich herausfielen aus dem Motivierten, das er sagte, gerade da waren seine Aussprüche manchmal außerordentlich tief bedeutend. So daß sich einem schon diese zwei Dinge zusammensetzen konnten: daß er da das Wort «Nero» aussprach und daß er auch durch dieses äußerliche Konstatieren seiner Theosophie einem gelten mußte als jemand, auf den man hinhorcht, bei dessen unmotivierten Dingen man sozusagen nachschaut.
[ 25 ] Well, it was indeed the case that, outwardly, Schröer was anything but a theosophist; that is quite clear from my biography of him. But precisely when he spoke of things that actually fell outside the context of what he was saying, it was precisely then that his remarks were sometimes extraordinarily profound. So that these two things could indeed come together: that he uttered the word “Nero,” and that, through this outward affirmation of his theosophy, he had to be regarded as someone to whom one listens, whose unmotivated remarks one examines, so to speak.
[ 26 ] Und so kam es denn wirklich, daß die Untersuchung in bezug auf das Nero-Schicksal dann aufklärend gewirkt hat für das weitere Schicksal, für das Mayerling-Schicksal, und gefunden werden konnte, daß man es wirklich mit der Nero-Seele in dem österreichischen Kronprinzen Rudolf zu tun hatte.
[ 26 ] And so it really did come to pass that the investigation into Nero’s fate shed light on what was to come—on the fate of Mayerling—and it was discovered that the Austrian Crown Prince Rudolf was indeed the reincarnation of Nero.
[ 27 ] Es war mir diese Untersuchung, die lange gedauert hat — denn in solchen Dingen ist man sehr vorsichtig —, ganz besonders schwierig, weil ich ja natürlich immer beirrt worden bin durch alle möglichen Leute — ob Sie es nun glauben oder nicht, es ist so —, die den Nero für sich in Anspruch nahmen und die das mit viel Fanatismus vertraten. So daß also, was an subjektiver Kraft ausging von solchen wiedergeborenen Neronen, natürlich zunächst bekämpft werden mußte. Man mußte durch das Gestrüpp da durch.
[ 27 ] This investigation, which took a long time—because one has to be very careful in such matters—was particularly difficult for me, because I was, of course, constantly misled by all sorts of people—believe it or not, it’s true—who claimed Nero for themselves and defended this view with great fanaticism. So, naturally, the subjective power emanating from such “reborn Nerons” had to be countered first. One had to fight one’s way through the thicket.
[ 28 ] Aber man kann finden, meine lieben Freunde, daß das, was ich Ihnen jetzt hier sage, ja viel wichtiger ist, weil es eine historische Tatsache begreift — eben den Nero —, und daß das in dem weiteren Verlaufe viel wichtiger ist, als etwa die Katastrophe von Mayerling zu begreifen. Denn nun sieht man, wie solche Dinge, die eigentlich zunächst, man möchte sagen, empörend auftreten, wie das Dasein des Nero, sich mit voller Weltgerechtigkeit ausleben, wie sich die Weltgerechtigkeit wirklich erfüllt und wie zurückkommt das Unrecht, aber so, daß die Individualität hineingestellt ist in die Ausgleichung des Unrechtes. Und das ist das Ungeheure an dem Karma.
[ 28 ] But you may find, my dear friends, that what I am telling you here now is in fact much more important, because it encompasses a historical fact—namely, Nero—and that, as things unfold, this is far more important to understand than, say, the disaster at Mayerling. For now one sees how such things—which at first, one might say, appear outrageous, such as the existence of Nero—play out with complete cosmic justice, how cosmic justice is truly fulfilled, and how injustice returns—but in such a way that the individual is placed within the process of redressing that injustice. And that is the immense power of karma.
[ 29 ] Und dann kann sich noch etwas anderes zeigen, wenn ein solches Unrecht ausgeglichen ist durch einzelne Erdenleben hindurch, wie es hier wohl fast schon ausgeglichen sein wird. Denn man muß nun wissen, daß ja zum Ausgleich dazugehört die ganze Erfüllung — denken Sie sich —, hervorgehend aus einem Leben, das sich wertlos hält, das so sehr sich wertlos hält, daß dieses Leben zunächst ein großes Reich und Österreich war ja dazumal noch ein großes Reich — und seine Herrschaft über ein großes Reich hingibt! Dieses Handanlegen an sich selbst in solchen Umständen, und hinterher, nachdem man durch die Pforte des Todes gegangen ist, weiterzuleben in der unmittelbar geistigen Anschauung, das erfüllt allerdings in einer furchtbaren Weise, was man Gerechtigkeit des Schicksals nennen kann: also Ausgleich des Unrechts.
[ 29 ] And then something else may become apparent when such an injustice has been balanced out through individual earthly lives, as it will likely already have been balanced out here. For one must now understand that part of this atonement involves—just imagine—the complete fulfillment arising from a life that considers itself worthless—so very worthless that this life initially relinquished a great empire (and Austria was, after all, still a great empire at that time)—and surrendered its rule over a great empire! This act of self-sacrifice under such circumstances, and afterward—after passing through the gate of death—to continue living in immediate spiritual perception, certainly fulfills in a profound way what one might call the justice of fate: that is, the redress of injustice.
[ 30 ] Aber auf der anderen Seite, wenn wir jetzt von diesem Inhalte absehen, so ist ja wiederum eine ungeheure Kraft in diesem Nero gewesen. Diese Kraft darf nun auch nicht verlorengehen für die Menschheit; diese Kraft muß geläutert werden. Die Läuterung haben wir besprochen.
[ 30 ] But on the other hand, if we set aside this aspect for now, there was indeed an immense power within Nero. This power must not be lost to humanity; it must be purified. We have already discussed this purification.
[ 31 ] Ist nun eine solche Seele geläutert, dann wird sie die Kraft, die geläutert ist, eben auch in der Folgezeit in spätere Erdenepochen in einer heilsamen Weise hinübertragen. Und gerade dann, wenn wir das Karma als einen gerechten Ausgleich empfinden, werden wir auch niemals verfehlen können, zu sehen, wie das Karma prüfend auf den Menschen wirkt, prüfend wirkt selbst dann, wenn er sich in irgendeiner empörenden Weise in das Leben hereinstellt. Der gerechte Ausgleich geschieht, aber die Menschenkräfte gehen doch nicht verloren. Sondern es wird dann, wenn es durchlebt wird nach dem gerechten Ausgleich, dasjenige, was ein Menschenleben verübt hat, unter Umständen umgewandelt auch in Kraft zum Guten. Daher ist solch ein Schicksal, wie das heute geschilderte, schon auch durchaus erschütternd,
[ 31 ] Once such a soul has been purified, it will carry that purified power forward in a healing way into subsequent earthly epochs. And precisely when we perceive karma as a just balance, we will never fail to see how karma acts as a test upon human beings—acting as a test even when they approach life in some outrageous manner. Just compensation does occur, but human forces are not lost. Rather, when what a human life has wrought is lived through in accordance with just compensation, it may, under certain circumstances, be transformed into a force for good. Therefore, a fate such as the one described today is indeed deeply moving,
[ 32 ] Damit aber sind wir unmittelbar herangelangt, meine lieben Freunde, an die Betrachtung dessen, was man Gut und Böse im Lichte des Karma nennen kann: Gut und Böse, Glück und Unglück, Freude und Leid, wie sie der Mensch in sein einzelnes individuelles Leben hereinblicken und hereinleuchten sieht.
[ 32 ] And with that, my dear friends, we have arrived directly at a consideration of what can be called good and evil in the light of karma: good and evil, happiness and misfortune, joy and suffering, as human beings see them entering and illuminating their own individual lives.
[ 33 ] In bezug auf die Empfindung der moralischen Lage eines Menschen waren frühere Erdenepochen, frühere geschichtliche Epochen viel empfänglicher als die heutige Menschheit. Die heutige Menschheit ist eigentlich gar nicht empfänglich für die Schicksalsfrage. Gewiß, man trifft ab und zu auf einen Menschen, der das Hereinspielen des Schicksals verspürt; aber das eigentliche Verständnis für die großen Schicksalsfragen, das ist für die heutige Zivilisation, welche das einzelne Erdenleben wie etwas Abgeschlossenes für sich betrachtet, doch etwas außerordentlich Dunkles und Unverständliches. Die Dinge geschehen halt. Es trifft einen ein Unglück, und man bespricht es, daß einen ein Unglück getroffen hat, aber man denkt nicht weiter nach. Man denkt namentlich auch darüber nicht weiter nach, wenn irgendein äußerlich scheinbar ganz guter Mensch, der gar nichts irgendwie verbrochen hat, durch irgend etwas, was von außen hereinwirkt wie ein Zufall, zugrunde geht, oder vielleicht nicht einmal zugrunde geht, sondern furchtbar viel leiden muß durch eine schreckliche Verletzung und dergleichen. Man denkt nicht nach, wie sich in ein sogenanntes unschuldiges Menschenleben so etwas hereinstellen kann.
[ 33 ] When it comes to perceiving a person’s moral situation, earlier epochs on Earth—earlier historical epochs—were far more receptive than humanity today. Humanity today is, in fact, not at all receptive to the question of destiny. Certainly, one occasionally encounters a person who senses the influence of fate; but a true understanding of the great questions of fate remains, for today’s civilization—which regards individual earthly life as something self-contained—something extraordinarily obscure and incomprehensible. Things just happen. A misfortune befalls you, and people talk about the fact that a misfortune has befallen you, but they don’t think any further about it. In particular, one does not give it further thought when some outwardly seemingly quite good person, who has done nothing wrong whatsoever, is ruined by something that seems to come from outside—like a coincidence—or perhaps is not even ruined, but must suffer terribly from a horrific injury or the like. One does not reflect on how something like this can happen to a so-called innocent human life.
[ 34 ] Nun, so unempfänglich und unempfindlich für die Schicksalsfrage war die Menschheit nicht immer, Man braucht gar nicht sehr weit in der Zeitenwende zurückzugehen, dann finder man, daß die Menschen empfanden, daß die Schicksalsschläge aus anderen Welten hereinkommen, daß auch das, was man sich selber als Schicksal macht, aus anderen Welten hereinkommt.
[ 34 ] Well, humanity was not always so unresponsive and insensitive to the question of fate. One need not go very far back in time to find that people sensed that the blows of fate came from other worlds, and that even what one creates for oneself as fate comes from other worlds.
[ 35 ] Woher rührte denn das? Das rührte davon her, daß in früheren Epochen die Menschen nicht nur ein instinktives Hellsehen gehabt haben, und als das instinktive Hellsehen nicht mehr da war, Traditionen hatten über die Ergebnisse des instinktiven Hellsehens, nein, es waren auch die äußeren Einrichtungen so, daß die Menschen eigentlich die Welt nicht so oberflächlich, so banal anzusehen brauchten, wie heute im materialistischen Zeitalter die Welt angesehen wird. Man redet ja heute vielfach von der Schädlichkeit der bloßen äußerlich-materialistisch-naturalistischen Naturauffassung, die alle Kreise schließlich ergriffen hat, die auch die verschiedensten Bekenntnisse des religiösen Lebens ergriffen hat. Denn die Religionen sind ja auch materialistisch geworden. Von einer geistigen Welt will die äußere Zivilisation auf keinem Gebiete eigentlich mehr etwas wissen, und man redet davon, daß man so etwas theoretisch bekämpfen soll. Aber das ist nicht das Wichtigste; die theoretische Bekämpfung materialistischer Ansichten macht gar nicht so viel aus. Sondern das Wichtigste ist, daß durch die Anschauung, die allerdings den Menschen zur Freiheit gebracht hat und weiter zur Freiheit bringen will und die ja eine Durchgangsperiode bildet in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, auch das, was in früheren Epochen für die äußerliche sinnliche Anschauung des Menschen als ein Heilmittel da war, verloren worden ist.
[ 35 ] Where did that come from? It stemmed from the fact that in earlier eras, people not only possessed instinctive clairvoyance, and when that instinctive clairvoyance was no longer present, traditions had been passed down regarding the findings of that instinctive clairvoyance—no, but the external structures were also such that people did not actually need to view the world as superficially and banally as it is viewed today in this materialistic age. After all, there is much talk today about the harmfulness of the purely external, materialistic, and naturalistic view of nature, which has ultimately taken hold in all circles, including the most diverse expressions of religious life. For religions, too, have become materialistic. External civilization no longer really wants to know anything about a spiritual world in any field, and people speak of the need to combat such ideas theoretically. But that is not the most important thing; the theoretical refutation of materialistic views does not matter all that much. Rather, the most important thing is that, through this worldview—which has indeed brought freedom to humanity and seeks to continue bringing freedom, and which constitutes a transitional period in the history of human development—even that which in earlier epochs served as a remedy for humanity’s external, sensory perception has been lost.
[ 36 ] Natürlich hat auch der Grieche in den ersten griechischen Jahrhunderten — es dauerte ja ziemlich lange — in der Natur ringsherum die äußere Erscheinungswelt gesehen. Er hat so wie die heutigen Menschen auf die Natur hingeschaut. Er hat die Natur etwas anders gesehen, denn auch die Sinne haben eine Entwickelung durchgemacht, aber darauf kommt es jetzt nicht an. Der Grieche hatte jedoch ein Heilmittel gegen die Schäden, die organisch in dem Menschen durch das bloße Hinausschauen in die Natur entstehen.
[ 36 ] Of course, during the early centuries of Greek history—it did take quite a long time—the Greeks, too, saw the external world of appearances in the nature around them. They looked at nature just as people do today. They saw nature somewhat differently, since the senses, too, had undergone a process of development, but that is not the point here. The Greeks, however, had a remedy for the harm that arises organically within a person simply from looking out at nature.
[ 37 ] Wir werden ja wirklich nicht bloß physiologisch weitsichtig im Alter, wenn wir viel in die Natur hinausschauen, sondern durch das bloße Hinausschauen in die Natur bekommt unsere Seele eine gewisse Konfiguration. Sie schaut eigentlich in die Natur hinein und sieht in der Natur so, daß nicht alle Bedürfnisse des Sehens befriedigt werden. Es bleiben unbefriedigte Bedürfnisse des Sehens übrig. Und eigentlich gilt das überhaupt für das gesamte Wahrnehmen, Hören, Fühlen und so weiter; für die ist es dasselbe: es bleiben gewisse Reste unbefriedigt vom Wahrnehmen, wenn man bloß in die Natur hinausschaut. Und das Sehen bloß in die Natur hinaus ist ungefähr so, wie wenn ein Mensch im Physischen sein ganzes Leben hindurch leben wollte, ohne genügend zu essen. Wenn der Mensch leben wollte, ohne genügend zu essen, so würde er natürlich immer mehr und mehr herunterkommen im physischen Sinne. Aber wenn der Mensch immer nur in die Natur hinausschaut, kommt er seelisch in bezug auf das Wahrnehmen herunter. Er bekommt die Auszehrung, die seelische Auszehrung für seine Sinnenwelt. Das wußte man in früheren Mysterienweisheiten, daß man die Auszehrung für die Sinnenwelt bekommt.
[ 37 ] We don’t just become physiologically farsighted in old age when we spend a lot of time looking out into nature; rather, simply by looking out into nature, our soul takes on a certain configuration. It actually looks into nature and perceives it in such a way that not all of our visual needs are satisfied. Unsatisfied visual needs remain. And in fact, this applies to all of our senses—seeing, hearing, feeling, and so on; it is the same for them: certain aspects of perception remain unsatisfied when one merely looks out into nature. And merely looking out into nature is roughly like a person wanting to live their entire physical life without eating enough. If a person wanted to live without eating enough, they would naturally deteriorate more and more in the physical sense. But if a person only ever looks out at nature, they deteriorate spiritually in terms of perception. They suffer spiritual emaciation in their sensory world. This was known in the ancient mystery teachings: that one suffers spiritual emaciation in one’s sensory world.
[ 38 ] Aber man wußte auch, wodurch diese Auszehrung ausgeglichen wird. Man wußte, wenn man hinschaute bei der Tempelarchitektur auf das Ebenmaß des Tragenden und Lastenden oder wie im Orient auf die Formen, die eigentlich in äußerer Plastik Moralisches darstellten, wenn man hinschaute auf das, was in den Formen der Architektur sich dem Auge, dem Wahrnehmen überhaupt darbot, oder was dann eben wirklich an Architektur wiederum musikalisch sich darbot, daß darinnen das Heilmittel liegt gegen die Auszehrung der Sinne, wenn diese bloß in die Natur hinausschauen. Und wenn noch der Grieche in seinen Tempel geführt wurde, wo er das Tragende und Lastende sah, die Säulen, darüber den Architrav und so weiter, wenn er das wahrnahm, was da an innerer Mechanik und Dynamik ihm entgegentrat, dann wurde der Blick abgeschlossen. In der Natur dagegen stiert der Mensch hinaus, der Blick geht eigentlich ins Unendliche, und man kommt nie zu Ende. Man kann ja eigentlich Naturwissenschaft für jedes Problem ohne Ende treiben: es geht immer weiter, weiter. Aber es schließt sich der Blick ab, wenn man irgendeine wirkliche Archtitekturarbeit vor sich hat, die darauf ausgeht, diesen Blick zu fangen, zu entnaturalisieren. Sehen Sie, da haben Sie das eine, was da war in alten Zeiten: dieses Fangen des Blickes nach außen.
[ 38 ] But people also knew what compensated for this depletion. One knew that if one looked at temple architecture—at the balance between the supporting and the supported elements—or, as in the Orient, at the forms that actually represented moral concepts in external sculpture; if one looked at what the forms of architecture presented to the eye, to perception in general, or what architecture itself then truly presented in a musical way—that therein lies the remedy for the wasting away of the senses when they look out merely into nature. And when the Greek was led into his temple, where he saw the supporting and the supported—the columns, the architrave above them, and so on—when he perceived the inner mechanics and dynamics that confronted him there, then his gaze was brought to a close. In nature, on the other hand, the human being stares out; the gaze actually extends into infinity, and one never reaches an end. After all, one can pursue the natural sciences endlessly for any problem: it just goes on and on. But the gaze comes to a close when one is faced with any genuine work of architecture that aims to capture this gaze, to denaturalize it. You see, there you have the one thing that existed in ancient times: this capturing of the outward gaze.
[ 39 ] Und wiederum, die gegenwärtige Innenbeobachtung des Menschen, die kommt ja nicht dazu, wirklich in das menschliche Innere hineinzusteigen. Eigentlich sieht der Mensch, wenn er heute Selbsterkenntnis üben will, so ein Gebrodel von allen möglichen Empfindungen und äußeren Eindrücken. Es ist nichts irgendwie Klares da. Der Mensch kann sich im Inneren gewissermaßen nicht erfangen. Er kommt nicht an sein Inneres heran, weil er nicht die Kraft hat, so geistig bildhaft innerlich zu greifen, wie er greifen müßte, wenn er wirklich real an sein Inneres herankommen wollte.
[ 39 ] And again, a person’s current introspection does not actually manage to penetrate deep into the human inner being. In fact, when a person today tries to practice self-knowledge, what they see is a seething mass of all kinds of sensations and external impressions. There is nothing clear there at all. In a sense, a person cannot grasp their inner self. They cannot reach their inner self because they lack the power to grasp it inwardly in a spiritual, imagery-filled way—as they would need to do if they truly wanted to reach their inner self.
[ 40 ] Da wirkt der wirklich mit Inbrunst an den Menschen herankommende Kultus. Alles Kultusartige aber, nicht nur das äußerlich Kultusartige, sondern das Verstehen der Welt in Bildern, das wirkt so, daß der Mensch in sein Inneres hereinkommt. Solange man mit abstrakten Begriffen und Vorstellungen in sein Inneres zur Selbsterkenntnis kommen will, geht es nicht. Sobald man mit Bildern, die einem konkret machen die Seelenerlebnisse, in sein Inneres hinein sich versenkt, da kommt man in dieses Innere. Da erfängt man sich im Inneren.
[ 40 ] This is where the cult, which truly approaches people with fervor, has an effect. But everything of a cult-like nature—not just what is outwardly cult-like, but the understanding of the world through images—has the effect of leading a person into their inner self. As long as one tries to attain self-knowledge by turning inward with abstract concepts and ideas, it will not work. As soon as one immerses oneself inwardly with images that make one’s soul experiences concrete, one enters this inner realm. There, one finds oneself within.
[ 41 ] Wie oft mußte ich daher sagen: Der Mensch muß meditieren in Bildern, damit er in sein Inneres wirklich hineinkommt. Das ist ja etwas, was sogar schon in öffentlichen Vorträgen jetzt hinlänglich besprochen wird.
[ 41 ] How often, then, have I had to say: A person must meditate through images in order to truly enter into their inner self. This is, after all, something that is now discussed at length even in public lectures.
[ 42 ] Und so hat man, wenn man auf den früheren Menschen zurückblickt, in diesem früheren Menschen dieses: Auf der einen Seite wird sein Blick und seine Empfindung nach außen durch das Architektonische gewissermaßen abgeschlossen, in sich abgefangen (siehe Zeichnung); nach innen wird der Blick dadurch abgefangen, daß der Mensch sich sein Seelenleben innerlich vorstellt, wie es ihm dann äußerlich in den Bildern des Kultus vorgestellt werden kann (blau).
[ 42 ] And so, when we look back at early humanity, we see this in those early humans: On the one hand, his gaze and his perception of the outside world are, in a sense, enclosed and contained by architecture (see drawing); inwardly, his gaze is contained by the fact that he imagines his inner life as it can then be presented to him externally in the images of religious ritual (blue).




[ 43 ] Auf der einen Seite kommt man in sein Inneres hinunter, auf der anderen Seite trifft man auf mit dem Blick nach außen auf das, was in der Architektur da ist, in der Tempelarchitektur, in der Kirchenarchitektur. Es schließt sich das merkwürdig zusammen. Zwischen dem, was im Inneren lebt, und dem, auf was der Blick hier zurückgeworfen wird, da ist ein Mittelfeld (orange), das ja der Mensch im gewöhnlichen Bewußtsein gar nicht sieht, weil er seinen äußeren Blick heute nicht abfangen läßt von einer wirklichen, verinnerlichten Architektur, und weil er seine Innenschau nicht abfangen läßt von Imaginativem, von Bildhaftem. Aber was dazwischenliegt: Gehen Sie mit dem im Leben herum, gehen Sie herum mit einer durch Imagination vertieften Innenerkenntnis und mit einem durch äußere architektonische Formen, die nun wirklich aus dem Menschlichen heraus erbaut sind, geheilten Sinnesempfinden, dann bekommen Sie die Empfindung, wie sie die älteren Menschen gehabt haben für die Schicksalsschläge. Wenn man das ausbildet, was zwischen diesen beiden liegt, zwischen Empfindung des wahrhaft Architektonischen und Empfindung des wahrhaft symbolisch nach innen Gehenden, dann findet man die Empfänglichkeit für die Schicksalsschläge. Man empfindet das, was geschieht, als herüberkommend aus früheren Erdenleben Das ist nun wieder die Einleitung zu weiteren Karmabetrachtungen, die in der nächsten Zeit angestellt werden sollen und die dann auch das «Gut und Böse» in die Karmabetrachtungen einschließen. Aber sehen Sie, es handelt sich ja wirklich darum, daß in der anthroposophischen Bewegung real gedacht wird. Die dem heutigen modernen Menschen angemessene Architektur, die seinen Blick in der richtigen Weise abfangen könnte und die sein naturalistisches Schauen, das ihm das Karma verdeckt und verfinstert, allmählich in die Anschauung hätte hereinbringen können, die stand da draußen in einer gewissen Form da. Und daß innerhalb dieser Formen wiederum gesprochen wurde in anthroposophischen Auseinandersetzungen, das gab die Innenschau. Und unter allem anderen, was schon hervorgehoben worden ist, war gerade dieses Goetheanum, dieser Goetheanumbau mit der Art und Weise, wie in ihm immer mehr und mehr Anthroposophie getrieben worden wäre, die Erziehung zum karmischen Schauen. Diese Erziehung zum karmischen Schauen, sie muß in die moderne Zivilisation herein.
[ 43 ] On the one hand, one descends into one’s inner self; on the other hand, by looking outward, one encounters what is present in architecture—in temple architecture, in church architecture. These two aspects come together in a remarkable way. Between what lives within and what the gaze is drawn back to here, there is a middle ground (orange) that people in their ordinary consciousness do not see at all, because today they do not allow their outward gaze to be captured by a genuine, internalized architecture, and because they do not allow their inner vision to be captured by the imaginative or the pictorial. But what lies in between: Walk through life with this—walk with an inner insight deepened by imagination and with a sensibility healed by external architectural forms that are truly built from the human—then you will gain the sense that older people once had for the blows of fate. If one cultivates what lies between these two—between the sense of what is truly architectural and the sense of what is truly symbolic and inward-turning—then one finds the receptivity to the blows of fate. One perceives what happens as coming from previous earthly lives. This, in turn, serves as an introduction to further reflections on karma that are to be undertaken in the near future and that will then also include “good and evil” in these reflections on karma. But you see, the point is really that thinking within the anthroposophical movement must be grounded in reality. The architecture appropriate for modern people today—the kind that could properly capture their gaze and gradually guide their naturalistic way of seeing, which obscures and darkens their perception of karma, into a more contemplative perspective—existed out there in a certain form. And the fact that, within these forms, anthroposophical discussions were once again taking place provided the inner insight. And among all the other things that have already been emphasized, it was precisely this Goetheanum—this Goetheanum building, with the way in which anthroposophy would have been cultivated more and more within it—that represented the education in karmic vision. This education in karmic vision must find its way into modern civilization.
[ 44 ] Aber den Feinden dessen, was herein muß in diese moderne Zivilisation, denen liegt natürlich daran, daß dasjenige, was im echten, wahren Sinne den Menschen heranerzieht, was notwendig ist für die Zivilisation, abbrennt. Und so ist es möglich, auch da in die tieferen Zusammenhänge hineinzuschauen. Aber hoffen wir, daß in Bälde an derselben Stelle wiederum Karmaschauen erweckende Formen vor uns stehen!
[ 44 ] But the enemies of what must find its way into this modern civilization naturally want to see what, in the genuine, true sense, nurtures human beings—what is necessary for civilization—burned to the ground. And so it is possible to gain insight into the deeper connections there as well. But let us hope that soon, in the very same place, forms that awaken karmic insights will once again stand before us!
[ 45 ] Das ist es, was ich heute, wo noch viele fremde, auswärtige Freunde zurückgeblieben sind von unserer Österveranstaltung her, was ich gerade heute als ein Schlußwort aussprechen wollte. Karmische Betrachtungen des individuellen menschlichen Lebens
[ 45 ] That is what I wanted to say today—especially today, when so many friends from abroad are still here following our Easter event—as my closing remarks. Karmic Reflections on Individual Human Life
