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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume II
GA 236

4 May 1924, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Nachdem wir eine Reihe von karmischen Zusammenhängen betrachtet haben, die sich abspielten im geschichtlichen Werden der Menschheit, und nachdem wir durch diese Betrachtungen gesehen haben, wie das eine oder das andere aus einem Erdenleben in die nächsten Erdenleben hinüberfließt, werden wir nunmehr dazu übergehen, die karmischen Zusammenhänge noch von einem anderen Gesichtspunkte aus zu betrachten, von dem Gesichtspunkte, der, ich möchte sagen, noch mehr in das unmittelbare menschliche Leben hineinführt. Denn Karmabetrachtung hat ja eigentlich nur dadurch einen wirklichen Wert, daß diese Betrachtung in unser lebendiges Ethos, in unsere ganze Lebensund Seelenverfassung hineinfließen kann, so daß wir, indem wir uns als Mensch in die Welt hineinstellen, durch die karmische Betrachtung eine Durchkraftung und zugleich Vertiefung des Lebens erfahren können. Das Leben hat ja viele Rätsel, und nicht alle Rätsel des Lebens können so betrachtet werden, daß sie ungelöst bleiben. Denn dadurch würde der Mensch allmählich aus seiner eigenen Wesenheit herausgerissen werden. Er würde ohne Bekanntschaft mit den Rätseln des Menschenwesens selbst wie ein unbewußtes Wesen sein Dasein verbringen. Aber es ist die Aufgabe des Menschen, immer bewußter und bewußter zu werden. Das kann er nur, wenn er alles dasjenige, was eigentlich an ihm, seiner Seele und seinem Geiste hängt, wirklich bis zu einem gewissen Grade durchschauen kann. Und da nun ein Bestandteil unseres ganzen Lebens und Daseins das Karma ist, so ist es selbstverständlich, daß karmische Betrachtungen unmittelbare Betrachtungen für die Grundlage unseres Menschenlebens sind.

[ 1 ] Now that we have examined a series of karmic connections that took place in the historical development of humanity, and now that we have seen through these observations how one thing or another flows from one earthly life into the next, we will now proceed to examine these karmic connections from yet another perspective—a perspective that, I would say, leads even more directly into human life itself. For the contemplation of karma actually has real value only insofar as it can flow into our living ethos, into our entire life and soul constitution, so that as we place ourselves in the world as human beings, we can experience, through karmic contemplation, both a strengthening and a deepening of life. Life, after all, holds many mysteries, and not all of life’s mysteries can be viewed in such a way that they remain unsolved. For this would gradually tear the human being away from his own essence. Without familiarity with the mysteries of the human being himself, he would spend his existence like an unconscious being. But it is the task of human beings to become ever more conscious. They can do this only if they are truly able, to a certain degree, to see through everything that is actually connected to them, their soul, and their spirit. And since karma is an integral part of our entire life and existence, it goes without saying that karmic reflections are direct reflections on the foundation of our human life.

[ 2 ] Nun sind aber karmische Betrachtungen in unmittelbarer Anwendung auf das Leben gerade für das gegenwärtige Menschheitsbewußtsein eigentlich außerordentlich schwer anzustellen. Denn es erfordert jede auch nur einigermaßen taugliche Betrachtung des Karma in dem Leben, das uns umgibt, in dem Leben, in dem wir selber drinnenstehen, daß wir viel, viel objektiver dem Leben gegenüberstehen können, als das für ein Bewußtsein möglich ist, das aus den gegenwärtigen Bedingungen des Lebens, aus den gegenwärtigen Bedingungen der Erziehung herauswächst.

[ 2 ] However, it is actually extremely difficult for the current state of human consciousness to apply karmic considerations directly to life. For any even moderately valid consideration of karma in the life that surrounds us—in the life in which we ourselves are immersed—requires that we be able to view life much, much more objectively than is possible for a consciousness that arises from the current conditions of life and the current conditions of education.

[ 3 ] Es ist eben so vieles in den gegenwärtigen Lebensbedingungen, in die der Mensch hineinkommt, was die karmischen Zusammenhänge verdeckt, sie unsichtbar macht, so daß es außerordentlich schwierig ist, auch nur einigermaßen auf das hinzuschauen, was das Leben karmisch, schicksalsgemäß begreiflich macht.

[ 3 ] There are simply so many aspects of the current conditions of life into which human beings are born that obscure karmic connections, rendering them invisible, so that it is extremely difficult to even begin to grasp what makes life comprehensible in terms of karma and destiny.

[ 4 ] Der Mensch der Gegenwart ist ja so wenig eigentlich dazu geeignet, sich von sich selber loszulösen und an anderes hinzugeben. Der Mensch der Gegenwart lebt außerordentlich stark in sich selbst. Und das Eigentümliche ist ja, daß der Mensch heute, gerade wenn er nach dem Geiste hinstrebt, wenn er Geistiges aufnimmt, sehr stark in die Gefahr hineinkommt, dadurch noch mehr in sich selber zu leben. Bedenken wir nur einmal, meine lieben Freunde, wie es gerade mit dem Sich-Vertiefen in das anthroposophische Leben oftmals steht. Da wird mancher sich sagen können, der im Verlaufe seines Lebens in die anthroposophische Bewegung hereingekommen ist: Als ich noch draußen stand, da hatte ich diese oder jene Beziehungen zum Leben, in denen ich aufging, die ich als etwas hinnahm, was mit mir innig zusammenhing. Ich schätzte dies oder jenes, ich glaubte, daß dies oder jenes für das Leben notwendig ist. Ich hatte auch Freunde, denen ich nahestehen konnte aus den Lebensgewohnheiten heraus, aus dem, was das alltägliche Leben gebracht hat. Nun bin ich in die Anthroposophie hineingekommen. Da hat vieles von dem eigentlich gänzlich aufgehört. Da bin ich herausgekommen aus den alten Zusammenhängen, da sind mir wenigstens diese alten Zusammenhänge nicht mehr so wertvoll geblieben, wie sie früher waren. Da wurde mir manches auch von dem, was ich früher gern getan habe, zuwider. Da betrachtete ich es nicht mehr als etwas, mit dem ich eigentlich zusammenhängen möchte.

[ 4 ] People today are, in fact, so ill-suited to detaching themselves from their own selves and devoting themselves to something else. People today live to an extraordinary degree within themselves. And the peculiar thing is that today, precisely when people strive toward the spiritual, when they take in spiritual matters, they run a very high risk of thereby living even more within themselves. Let us just consider for a moment, my dear friends, how this often applies to immersing oneself in anthroposophical life. Many who have joined the anthroposophical movement in the course of their lives may say to themselves: When I was still on the outside, I had this or that relationship to life in which I was absorbed, which I accepted as something intimately connected to me. I valued this or that; I believed that this or that was necessary for life. I also had friends with whom I could form close bonds through our shared ways of life, through what everyday life brought. Now I have entered into anthroposophy. With that, much of that has actually ceased entirely. I have stepped out of those old contexts; at least, those old contexts are no longer as valuable to me as they used to be. Some of the things I used to enjoy doing have even become repulsive to me. I no longer regard them as something with which I actually wish to be connected.

[ 5 ] Aber wenn dann der Mensch, nachdem er eine solche Betrachtung angestellt hat, weiter darüber nachdenkt, was denn nun für ihn an die Stelle davon getreten ist, dann findet er sehr leicht: Eigentlich hat sein Egoismus nicht abgenommen. Ich will jetzt das gar nicht in einem tadelnden, irgendwie auch nur mit einer Nuance von tadelndem Sinne aussprechen, sondern eben einfach als eine Tatsache hinstellen, die ja der Mensch sehr gut an sich selber beobachten kann: Eigentlich hat sein Egoismus zugenommen! Eigentlich gibt er jetzt viel mehr acht auf die Art und Weise, wie sein Inneres, sein Gemüt beschaffen ist. Eigentlich frägt er jetzt viel mehr, als er früher darnach gefragt hat: Was macht der andere Mensch auf mich für einen Eindruck?

[ 5 ] But when a person, after engaging in such reflection, thinks further about what has actually taken its place for him, he finds very easily that his selfishness has not actually diminished. I do not mean to say this in a reproachful tone—or even with the slightest hint of reproach—but simply to state it as a fact that a person can easily observe in themselves: In fact, their selfishness has increased! In fact, they now pay much more attention to the nature of their inner self, their disposition. In fact, they now ask themselves this question much more often than they did before: What kind of impression does the other person make on me?

[ 6 ] Früher hat er das, was der andere Mensch neben ihm getan hat, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit hingenommen. Jetzt tut er es nicht mehr. Jetzt frägt er nach dem Eindruck, den es auf ihn macht. Oder aber, er stand früher in irgendeinem Lebenszusammenhang drinnen, der ihm ganz plausibel war. Er hat seine Pflichten getan und so weiter. Jetzt werden ihm diese Pflichten zuwider, jetzt möchte er heraus aus diesen Pflichten, weil er meint, sie seien nicht geistig genug und so fort. So führt gerade das geistige Streben innerhalb der Anthroposophie sehr leicht in eine Art von Egoismus hinein, in ein sich viel, viel ernster nehmen, als man sich vorher genommen hat.

[ 6 ] In the past, he accepted what the person next to him was doing as a matter of course. Now he no longer does so. Now he asks himself what impression it makes on him. Or, he used to be part of a certain context in life that made perfect sense to him. He fulfilled his duties and so on. Now these duties repulse him; now he wants to break free from them because he believes they are not intellectual enough, and so on. Thus, the very pursuit of intellectual growth within anthroposophy can very easily lead to a kind of egoism—to taking oneself much, much more seriously than one did before.

[ 7 ] Die ganze Sache beruht aber darauf, daß eben in einem solchen Falle nicht die Erweiterung der Lebensinteressen nach außen eingetreten ist, sondern daß sich die Lebensinteressen in das Innere zurückgeschlagen haben. Ich habe es ja oftmals erwähnt, daß derjenige, der nun wirklich hineinwächst, ganz wahrhaftig hineinwächst in das anthroposophische Leben, nicht weniger Interesse an dem äußeren Leben nimmt, sondern gerade durch die Anthroposophie viel mehr Interesse an diesem äußeren Leben nimmt, daß alle anderen Wesen anfangen, ihm unendlich viel interessanter zu werden, viel mehr wert zu werden. Aber dazu ist notwendig, daß man sich nicht von dem äußeren Leben zurückzieht, sondern daß man in dem äußeren Leben drinnen die Geistigkeit sieht.

[ 7 ] The whole matter, however, rests on the fact that in such a case, the interests of life have not expanded outward, but rather have turned inward. I have often mentioned that the person who truly grows into—who truly grows into—anthroposophical life does not take any less interest in external life, but rather, precisely through anthroposophy, takes much more interest in this external life, so that all other beings begin to become infinitely more interesting to him and to take on much greater value. But for this to happen, it is necessary not to withdraw from external life, but to see the spiritual within external life.

[ 8 ] Gewiß, da treten dann Dinge auf, die man früher nicht bemerkt hat. Aber man muß dann auch den Mut haben, sie zu bemerken und nicht über sie hinwegzuschauen. Zur karmischen Lebensbetrachtung ist eben durchaus nötig, sich ein gewisses Maß von der Gabe anzueignen, aus sich herauszugehen, in den anderen hineinzugehen. Das ist natürlich ganz besonders schwierig, wenn der andere ein Werkzeug wird zu karmischen Ausgleichen im Leben, die einem unangenehm oder vielleicht sogar schmerzlich sind. Aber ohne daß man auch bei den Dingen, die einem unangenehm und schmerzlich sind, aus sich herausgehen kann, ist eigentlich eine karmische, eine wahrhaft geltende karmische Lebensbetrachtung nicht möglich. Denn bedenken Sie nur, welche Bedingungen da sind in der Welt, damit Karma entsteht.

[ 8 ] Certainly, things then come to light that one hadn’t noticed before. But one must also have the courage to notice them and not overlook them. For a karmic view of life, it is absolutely necessary to acquire a certain ability to step outside of oneself and enter into the other person. This is, of course, particularly difficult when the other person becomes an instrument for karmic balances in life that are unpleasant or perhaps even painful. But unless one can step outside of oneself even in the face of things that are unpleasant and painful, a karmic—a truly valid karmic—view of life is actually impossible. For just consider the conditions that exist in the world for karma to arise.

[ 9 ] Wir stehen in einem gewissen Menschenleben drinnen. In diesem Menschenleben tun wir, denken wir und fühlen wir das eine oder das andere. Wir treten in Beziehungen zu Menschen, und innerhalb dieser Beziehungen spielt sich das eine oder das andere ab. Wir denken, fühlen, wollen, tun solche Dinge, die einen karmischen Ausgleich fordern. Wir gehen Beziehungen zu Menschen ein, in deren Folgen Dinge geschehen, die wiederum einen karmischen Ausgleich fordern. Überblicken Sie nur einmal von diesem Gesichtspunkte aus ein menschliches Erdenleben, und sehen Sie dann darauf hin, daß am Ende dieses Erdenlebens der Mensch durch die Pforte des Todes eingeht in die geistige Welt.

[ 9 ] We are living out a particular human life. In this human life, we do, think, and feel various things. We form relationships with people, and within these relationships, various events unfold. We think, feel, desire, and do things that require karmic balance. We enter into relationships with people, the consequences of which lead to events that, in turn, require karmic balance. Just consider a human life on Earth from this perspective, and then realize that at the end of this earthly life, the human being passes through the gate of death into the spiritual world.

[ 10 ] Er lebt jetzt in der geistigen Welt drinnen. In der geistigen Welt ist es nicht so wie in der physischen Welt. In der physischen Welt, da stehen Sie außerhalb der anderen Menschen. Auch denen gegenüber stehen Sie außerhalb, denen Sie schon menschlich nahetraten. Es ist ja immerhin zwischen zwei Menschen in der physischen Welt mindestens Luft und bei jedem seine Haut. Also Menschen in der physischen Welt, wenn sie sich noch so nahetreten, können in einem gewissen Sinn sich in sich selber zurückhalten.

[ 10 ] He now lives within the spiritual world. The spiritual world is not like the physical world. In the physical world, you stand apart from other people. You stand apart even from those to whom you have already drawn close as human beings. After all, in the physical world, there is at least air between two people, and each has their own skin. So people in the physical world, no matter how close they get to one another, can, in a certain sense, maintain a sense of distance within themselves.

[ 11 ] Das ist aber nicht möglich, wenn man durch die Pforte des Todes gegangen ist und in der geistigen Welt lebt. Nehmen Sie einen eklatanten Fall. Sie haben irgendeinem Menschen etwas zugefügt, was einen karmischen Ausgleich fordert. Sie leben mit ihm weiter, nachdem Sie beide durch die Pforte des Todes gegangen sind. Sie leben ja dann nicht durch Ihren guten Willen oder durch Ihre innere Vollkommenheit in dem anderen Menschen - also nicht bloß in sich, sondern wirklich in dem anderen Menschen -, sondern Sie leben zwangsweise, wenn ich mich so ausdrücken darf, in dem anderen Menschen.

[ 11 ] But that is not possible once you have passed through the gate of death and are living in the spiritual world. Consider a striking example. You have done something to another person that requires karmic compensation. You continue to live within that person after both of you have passed through the gate of death. You do not, after all, live within the other person through your own good will or inner perfection—that is, not merely within yourself, but truly within the other person—but rather, you live, if I may put it that way, by necessity within the other person.

[ 12 ] Nehmen Sie an, der Mensch A und der Mensch B gehen durch die Pforte des Todes. Sie sind nachher in der geistigen Welt. B und A stehen einander gegenüber in der geistigen Welt. Ja, dann lebt, während hier B in sich und A in sich gelebt hat, A ebensogut wie in sich inB und B ebensogut wie in sich in A. Die Menschen leben ja in der geistigen Welt ganz ineinander, und zwar getragen gerade durch diejenigen Kräfte, die sich in den Erdenleben aufgespeichert haben. Wir kommen nach dem Tode nicht zu beliebigen Menschen in Beziehung, sondern eben zu denjenigen Menschen, zu denen sich in Gutem und Bösem Beziehungen ergeben haben. Aber diese Beziehungen machen es, daß wir nicht nur in uns, sondern auch in dem anderen leben.

[ 12 ] Suppose Person A and Person B pass through the gate of death. They then find themselves in the spiritual world. B and A stand facing each other in the spiritual world. Yes, then—just as here B lived within himself and A lived within himself—A lives just as much within B as within himself, and B lives just as much within A as within himself. After all, in the spiritual world, people live entirely within one another, sustained precisely by those forces that have been stored up during their earthly lives. After death, we do not enter into relationships with just any people, but precisely with those with whom relationships—whether good or evil—have developed. But it is these relationships that enable us to live not only within ourselves but also within the other.

[ 13 ] Nun denken Sie sich, Sie haben irgendeinem Menschen etwas zugefügt, oder sagen wir, der B hat dem A etwas zugefügt, was einen karmischen Ausgleich fordert. Indem nun der B durch die Pforte des Todes schreitet, lebt er nach dem Tode, beim Durchgang durch die Welt zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, in dem A. Er erlebt dasjenige, was er dem A zugefügt hat, in dem A darinnen. Und er verursacht in diesem Außer-sich-Leben, daß der karmische Ausgleich geschieht. Also dasjenige, was im karmischen Ausgleich in einem nächsten Erdenleben durch den Menschen A geschehen soll, das verursachen Sie selber durch Ihr Hinüberleben in den Menschen A. Nur dadurch, daß dann der Mensch A wiederum heruntersteigt in die physische Erdenwelt, macht er das, was Sie eigentlich in ihn gelegt haben, zu seiner eigenen Tat. Und er kommt Ihnen dann im nächsten Erdenleben mit dem entgegen, was Sie eigentlich durch ihn sich selber zufügen wollen.

[ 13 ] Now imagine that you have wronged someone, or let’s say that B has wronged A, which calls for karmic balance. As B now passes through the gate of death, he lives on after death—during his passage through the world between death and a new birth—within A. He experiences within A exactly what he inflicted upon A. And in this life outside of himself, he brings about the karmic compensation. So what is to happen in karmic balance in a future earthly life through Person A—you yourself bring that about through your continued existence within Person A. Only by Person A then descending once more into the physical earthly world does he make what you have actually placed within him his own deed. And in the next earthly life, he will then confront you with what you actually intend to inflict upon yourself through him.

[ 14 ] Wenn ich also in einem nächsten Erdenleben von einem anderen Menschen etwas zugefügt erhalte als karmischen Ausgleich, so ist es so, daß, während ich in ihm in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt steckte, ich das Stück für Stück selber in ihn gelegt habe. Da war es gar nicht seine Tat, sondern zu seiner Tat wird es erst wiederum, indem er heruntersteigt ins irdische Leben. So daß also die Bedingungen des Karma im Weltenlaufe diejenigen sind, welche durch das Ineinanderleben der karmisch verbundenen Menschen in der Zeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt da sind.

[ 14 ] So if, in a future earthly life, I suffer harm at the hands of another person as karmic compensation, it is because, while I was within that person during the time between death and a new birth, I myself placed that harm within him, bit by bit. It was not his deed at all; rather, it only becomes his deed again when he descends into earthly life. Thus, the conditions of karma in the course of the world are those that exist through the intertwined lives of karmically connected people in the time between death and a new birth.

[ 15 ] Nun, wenn wir das gewöhnliche Erdenleben betrachten, dann sehen wir eigentlich in diesem gewöhnlichen Erdenleben nicht außerordentlich tief. Wir nehmen von dem anderen Menschen im Grunde genommen außerordentlich wenig bewußt wahr. Wir merken zum Beispiel einen gewissen Unterschied im Verhalten des anderen Menschen zu uns außerordentlich wenig. Uns tritt irgendein Mensch im Leben entgegen; sagen wir, er verhält sich in einer gewissen Weise. Nun werden wir es ja kaum bemerken, daß ein Mensch wirklich sich in einer gewissen Weise zu uns verhalten kann und daß ganz verschiedene Motive und Impulse zu diesem Verhalten in ihm stecken können. Es kann sich ein Mensch feindlich zu mir verhalten. Dieses feindliche Verhalten kann so liegen, daß ich einfach durch mein Dasein aufreizend auf ihn wirke, daß er auf etwas ganz anderes im Menschen gestimmt ist als auf das, was ich ihm entgegenbringe. Dadurch werde ich von ihm in einer gewissen Weise behandelt. Aber diese Behandlung, die kann so liegen, daß sie sich karmisch erst im nächsten Leben irgendwie ausgleicht. Die kann etwas ganz Ursprüngliches sein, etwas, was gar nicht durch vorige Erdenleben bedingt ist.

[ 15 ] Well, when we consider ordinary earthly life, we don’t actually see very deeply into it. Basically, we are consciously aware of very little about other people. For example, we hardly notice any difference in how others behave toward us. We encounter someone in life; let’s say they behave in a certain way. Now, we’ll hardly notice that a person can actually behave toward us in a certain way and that there may be very different motives and impulses behind this behavior within them. A person may behave hostilely toward me. This hostile behavior may stem from the fact that my very presence irritates them, that they are attuned to something entirely different in human nature than what I offer them. As a result, I am treated by them in a certain way. But this treatment may be such that it is only somehow balanced out karmically in the next life. It may be something entirely primordial, something not at all conditioned by previous earthly lives.

[ 16 ] Dagegen kann mir eine ganz ähnliche, vielleicht die gleiche Behandlung werden von einem Menschen, in den ich Stück für Stück das, was aus dieser Behandlung folgt, in dem Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt hineingepflanzt habe.

[ 16 ] On the other hand, I may receive a very similar—perhaps even the same—treatment from a person in whom I have, bit by bit, planted the consequences of that treatment during the life between death and a new birth.

[ 17 ] Das Gefühl, das unterscheiden kann zwischen zwei solchen Behandlungsweisen, die äußerlich gleich sind, dieses Gefühl ist bei den Menschen der Gegenwart außerordentlich wenig entwickelt. Sonst würde viel mehr etwas auftauchen im Leben, was heute im Grunde genommen kaum auftaucht, was aber wiederum auftauchen muß, damit das Ethos des Lebens viel reiner werden kann, damit das moralische Empfinden viel kräftiger werden kann. Es muß einfach wiederum auftauchen im Leben etwas, was in früheren Zeitläuften, in gar nicht so weit zurückliegenden Zeitläuften in der menschlichen Empfindung lag, daß man nämlich dem einen Menschen gegenüber das Gefühl hat: der haßt dich und vollbringt aus Haß gegen dich diese oder jene Dinge; daß man bei dem anderen Menschen aber das Gefühl hat: der muß etwas gegen dich tun, weil er einfach nicht anders kann. Der erste, der könnte auch anders; der zweite kann einfach nicht anders, der ist innerlich prädestiniert, sich so zu verhalten.

[ 17 ] The ability to distinguish between two such approaches that appear identical on the surface is extremely underdeveloped in people today. Otherwise, something would emerge in life that today, in essence, hardly ever appears, but which must emerge again so that the ethos of life can become much purer and moral sensibility can become much stronger. Something simply must reemerge in life that was part of human sensibility in earlier times—times not so long ago—namely, the feeling toward one person that “he hates you and does this or that out of hatred for you,” and the feeling toward another person that “he must do something against you because he simply cannot help himself.” The first person could act differently; the second simply cannot—he is inwardly predestined to behave this way.

[ 18 ] Dieses Gefühl, das in feiner Weise in den Tatsachen des Lebens unterschieden werden kann, muß wiederum allgemeiner werden. Dieses Gefühl wird dem Leben viele Nuancen geben, die außerordentlich wichtig sind im Leben.

[ 18 ] This feeling, which can be subtly discerned in the realities of life, must in turn become more universal. This feeling will add many nuances to life that are extraordinarily important.

[ 19 ] Und dazu kommt ein anderes. Sie werden ja leicht zugeben können, daß der Mensch mit anderen Menschen in Beziehungen kommt und daß an diesen Beziehungen mancherlei hängt, was ihn nicht in der gleichen Weise interessiert wie diese Beziehungen selber. Ich will einen ganz eklatanten Fall konstruieren. Nehmen Sie an, Sie treten in eine Gesellschaft ein — ich meine jetzt nicht die Anthroposophische, die schließe ich aus davon, aus Gründen, die schon noch in dem Verlauf dieser Karmavorträge herauskommen werden -, aber in eine Gesellschaft treten Sie ein. Es kann der Grund, warum Sie in diese Gesellschaft eintreten, darinnen liegen, daß Sie eine karmische Verbindung mit einem oder zwei Menschen, vielleicht nur mit einem einzigen Menschen in dieser Gesellschaft haben. Aber Sie müssen, indem Sie in diese Gesellschaft eintreten, um dem Menschen, um den es sich handelt, so nahezukommen, als es Ihre karmischen Beziehungen notwendig machen, alles übrige der Gesellschaft mitnehmen. Während karmisch wichtig nur die Beziehung zu diesem einen Menschen ist, nehmen Sie alles mit, was sonst in dieser Gesellschaft durch Menschen, die Sie da treffen und so weiter, an Sie herankommt.

[ 19 ] And there is another point to consider. You will readily admit that human beings enter into relationships with other people, and that these relationships involve various factors that do not interest them in the same way as the relationships themselves. I want to construct a very striking example. Suppose you join a society—I don’t mean the Anthroposophical Society; I’m excluding that for reasons that will become clear in the course of these lectures on karma—but suppose you join a society. The reason you join this society may lie in the fact that you have a karmic connection with one or two people, perhaps even just a single person in this society. But by joining this society, in order to come as close to the person in question as your karmic relationships require, you must take on everything else the society has to offer. While only the relationship to this one person is karmically significant, you take on everything else that comes your way in this society through the people you meet there and so on.

[ 20 ] Da handelt es sich darum, daß wir auch wissen müssen: Das Leben steht uns so gegenüber, daß es in der verschiedensten Weise nuancierte Beziehungen zu uns hat, von den gleichgültigsten Beziehungen zu den im tiefsten Sinne bedeutendsten Beziehungen, die unmittelbar nebeneinanderstehen.

[ 20 ] The point is that we must also realize: Life presents itself to us in such a way that it has relationships with us that are nuanced in the most diverse ways—ranging from the most indifferent relationships to the most significant ones in the deepest sense, which exist side by side.

[ 21 ] Aber dazu kommt nun wiederum etwas anderes. Dazu kommt, daß das äußere Leben eben vielfach Maja, die große Illusion ist. So daß es sein kann - ich konstruiere wiederum einen Fall -, daß Sie in eine Gesellschaft eintreten, aber die Beziehung zu dem einen Menschen, die karmisch gut vorbedingt ist, die stellt sich sehr schwer heraus. Sie müssen erst mit den verschiedensten anderen Menschen Beziehungen anknüpfen, um an den einen heranzukommen. Sie gehen also durch die verschiedensten anderen Menschen, um an den einen heranzukommen. Sie gehen dadurch Beziehungen ein mit den anderen Menschen, die, ich möchte sagen, vor der robusten Lebensbetrachtung sich außerordentlich wirksam erweisen, ja, die sich stark geltend machen, die stark da sind, während vielleicht diejenige Beziehung, an die Sie dann zuletzt herankommen, die karmisch bedeutsam sein kann, sanft, leise, unvermerkt oder fast unvermerkt sich abspielt.

[ 21 ] But there is another factor to consider here. The fact is that external life is, in many ways, Maya—the great illusion. So it may be—and I’m again constructing a hypothetical scenario—that you enter a social circle, but the relationship with that one person, which is karmically well-founded, turns out to be very difficult. You must first establish relationships with all sorts of other people in order to get close to that one person. So you pass through all sorts of other people in order to get close to that one person. In doing so, you enter into relationships with other people who—I would say—prove to be extraordinarily influential from a robust perspective on life; indeed, they assert themselves strongly and are very present, whereas perhaps the relationship you ultimately reach—the one that may be karmically significant—unfolds gently, quietly, unnoticed, or almost unnoticed.

[ 22 ] So daß es wirklich so sein kann, daß das karmisch Bedeutende in irgendeinem Lebenszusammenhang wie ein kleiner Hügel neben Riesenbergen erscheint, die aber eine geringe Bedeutung haben. Allerdings erscheint dann erst vor einer durchgeistigten Betrachtung der kleine Hügel in seiner wahren Bedeutung. Es ist ja wirklich so, daß die Ereignisse, die in unser Leben eintreten, uns viel, viel Täuschungen verursachen. Wir wissen sie in der Regel, wenn wir nur das eine Erdenleben in Betracht ziehen, nicht zu werten. Schaut man andere Erdenleben auf dem Hintergrunde, dann kann man das eine Erdenleben erst in seinen Ereignissen richtig werten.

[ 22 ] So it may indeed be the case that, in the context of a particular life, what is karmically significant appears like a small hill next to giant mountains that, however, are of little significance. Yet it is only through a spiritually enlightened perspective that the small hill reveals its true significance. It is indeed true that the events that occur in our lives cause us many, many deceptions. As a rule, we do not know how to evaluate them properly if we consider only this one earthly life. Only when we view other earthly lives against this backdrop can we correctly assess the events of this one earthly life.

[ 23 ] Beispielsweise möchte ich nur etwas anführen. Nicht wahr, in unserer Zeit sind ja merkwürdige Persönlichkeiten aufgetreten. Abgesehen von denen, die ich schon karmisch vor Sie, hingestellt habe, sind mancherlei höchst merkwürdige Persönlichkeiten da oder dort gewesen. Und eine äußerliche Betrachtung führt oftmals durchaus nicht in die karmischen Zusammenhänge hinein, sondern erst eine Betrachtung, die auf markante Punkte des Lebens eingehen kann. Und da ergeben sich eben dann, ich möchte sagen, mit vollster Klarheit jene Tatsachen, die uns darauf aufmerksam machen, wie eigentlich das äußere Leben illusionär ist in vieler Beziehung, wenn wir es nicht auf der Grundlage des Geistigen betrachten. Ich habe vor kurzem hier ein Beispiel angeführt, das Ihnen vielleicht sehr merkwürdig vorgekommen ist, das Beispiel eines Alchimisten, eines alten Alchimisten aus der Schule des Basilius Valentinus, der wieder aufgetreten ist als Frank Wedekind.

[ 23 ] For example, I’d just like to mention one thing. Isn’t it true that some strange personalities have appeared in our time? Aside from those I’ve already presented to you in terms of karma, there have been all sorts of highly unusual personalities here and there. And an external observation often does not lead us into the karmic connections at all; rather, it is only an observation that can address the defining moments of a life that does so. And then, I would say, those facts emerge with the utmost clarity—facts that draw our attention to how illusory external life actually is in many respects when we do not view it from a spiritual perspective. I recently cited an example here that may have struck you as very strange—the example of an alchemist, an old alchemist from the school of Basilius Valentinus, who reappeared as Frank Wedekind.

[ 24 ] Mich hat zu der Beobachtung dieses merkwürdigen Karma - der Ausgangspunkt ist nicht immer bedeutsam, wenn dann der Ausgangspunkt zu der inneren Klarheit geführt hat, dann natürlich wird die Sache anders - der Umstand geführt, daß ich kaum jemals solche Hände gesehen habe, wie sie Frank Wedekind hatte, und daß ich dann mit diesen Händen Frank Wedekind einmal in München habe agieren gesehen, selber schauspielerisch agieren gesehen in seinem «Hidalla». Das ganze scheinbare Chaos dieses Stückes, das natürlich ein Horror für ein philiströses Gemüt ist, wie ich schon neulich sagte, im Zusammenhange mit dem Eindruck, den ich von früher von seinen Händen hatte, das ließ eben die alchimistischen Verrichtungen, die er getan hat, erscheinen. Und auf der Grundlage gerade des «Hidalla» im Zusammenhange mit diesen merkwürdigen Händen erschien diese frühere Inkarnation, die man dann weiterverfolgen konnte.

[ 24 ] What led me to observe this strange karma—the starting point isn’t always significant; but if that starting point has led to inner clarity, then of course things turn out differently —the fact that I have hardly ever seen hands like those of Frank Wedekind, and that I then once saw Frank Wedekind perform with those hands in Munich, saw him act in his own play Hidalla. The whole apparent chaos of this play—which is, of course, a horror for a philistine mind, as I mentioned recently—in connection with the impression I had of his hands from earlier times, this is precisely what brought to light the alchemical work he had performed. And it was precisely on the basis of Hidalla, in connection with these remarkable hands, that this earlier incarnation emerged—one that could then be traced further.

[ 25 ] Da sehen Sie, daß man ein Auge für dasjenige entwickeln muß, was außerordentlich bedeutsam an einem Wesen, an einem Menschen namentlich, sein kann. Es gibt Menschen, bei denen ist das Gesicht das Charakteristische. Es gibt aber auch Menschen, bei denen ist es ganz und gar nicht das Gesicht, sondern da sind es zum Beispiel die Hände; und aus dem Gesicht kann man gar nichts entnehmen, lediglich etwas aus den Händen. Wenn man von dem Individuellen ins Allgemeine geht, gerade an dem Beispiele, das ich eben angeführt habe, dann wird man, ich möchte sagen, mit Händen greifen können, wie die Sache ist. Gerade bei so gearteten Alchimisten des Mittelalters war es ja so, daß sie sich eine außerordentliche Geschicklichkeit der Hände aneignen mußten.

[ 25 ] There you see that one must develop an eye for what can be extraordinarily significant about a being—a human being, in particular. There are people for whom the face is the defining feature. But there are also people for whom it is not the face at all, but rather, for example, the hands; and one cannot discern anything from the face, only something from the hands. If one moves from the individual to the general, using precisely the example I just gave, then one will, I would say, be able to grasp the matter with one’s own hands. This was particularly true of alchemists of this sort in the Middle Ages, who had to acquire extraordinary dexterity with their hands.

[ 26 ] Ich habe in früheren Vorträgen hier ausgeführt, wie von dem, was der Mensch als Haupt hat, nichts übrigbleibt. Aber das, was er in seinem übrigen Organismus hat, das prägt sich dann im Haupte aus. Wenn aber der Mensch Kind ist, geht ja die ganze Bildung des Menschen vom Haupte aus. Namentlich so ausdrucksvolle Organe wie die Hände bilden sich nach den intimsten Impulsen des Hauptes. So kann man geradezu erwarten, daß bei jemandem, der gearbeitet hat, wie eben Alchimisten arbeiten, etwas besonders Charakteristisches entweder in den Händen oder in den Füßen auftritt. Aber das alles soll ja nur darstellen, wie wichtig es ist, gerade dies oder jenes als bedeutsam zu nehmen, und als unbedeutsam etwas zu nehmen, was oftmals in der Sinneswelt als das Anschaulichste, als das Wesenslichste, als das Größte und so weiter auftritt.

[ 26 ] In previous lectures here, I have explained how nothing remains of what a person has as a head. But what a person has in the rest of their organism is then expressed in the head. But when a person is a child, the entire development of the human being proceeds from the head. In particular, such expressive organs as the hands are formed according to the most intimate impulses of the head. Thus, one can almost expect that in someone who has worked in the manner of alchemists, something particularly characteristic will appear either in the hands or in the feet. But all of this is meant only to illustrate how important it is to regard this or that as significant, and to regard as insignificant something that often appears in the sensory world as the most vivid, the most essential, the greatest, and so on.

[ 27 ] In unserer Zeit, sagte ich, sind ja mancherlei merkwürdige Persönlichkeiten aufgetreten, die dastehen, ohne daß man den Zusammenhang voll überblicken kann. Da handelt es sich dann darum, gerade bei solchen Persönlichkeiten auf dasjenige hinschauen zu können, was bei ihnen eklatant, bedeutsam ist. Daß einer ein großer Künstler wird zum Beispiel, das ist etwas, was zum kleinsten Teile bedingt zu sein braucht in seinem Karma. Aber was er gerade in dieser Kunst treibt, wie er in dieser Kunst sich benimmt, das ist etwas, was im Karma besonders bedingt ist. So zum Beispiel Dinge, die, ich möchte sagen, das Leben eigentlich poetisch machen, die enthüllen sich gerade vor einer karmischen Betrachtung.

[ 27 ] In our time, I said, all sorts of remarkable personalities have emerged who stand out without one being able to fully grasp the context. The challenge, then, is to be able to focus—especially with such personalities—on what is striking and significant about them. For example, the fact that someone becomes a great artist is something that need not be determined even in the slightest by their karma. But what they actually do in this art, how they conduct themselves in this art—that is something that is specifically determined by karma. Thus, for example, things that—I would say—actually make life poetic reveal themselves precisely when viewed from a karmic perspective.

[ 28 ] Sehen Sie, man kann da auf eines Menschen frühere Erdenleben zurückschauen. Dem jetzigen gegenüber stehen sie in gewissen Momenten ganz merkwürdig illustrierend da. Aber man versteht es nicht, sich in diese Dinge hereinzufinden, wenn man die gewöhnlichen Bedingungen des Verstehens, des Auffassens des Lebens nimmt. Denn in einem ganz anderen Sinne wird das Leben eine Realität, wenn man sich auf karmische Betrachtungen im Ernste einläßt.

[ 28 ] You see, one can look back on a person’s past earthly lives. At certain moments, they stand in stark contrast to the present life, serving as a most remarkable illustration. But one cannot come to terms with these things if one relies on the usual conditions of understanding and perceiving life. For life becomes a reality in an entirely different sense when one seriously engages with karmic considerations.

[ 29 ] Ein Beispiel. Ich will es zunächst ganz einfach erzählen. Ich ging auf der Straße, hatte ein Bild vor mir,.das Bild eines Schiffbrüchigen. Das Schiff, von dem er gekommen war, war weit weg, aber im Untergehen. Er war in einem Rettungsboote, zueilend auf ein mäßig großes Eiland. Während er doch noch im Zweifel schwebte, ob er mit seinem Boote anlangt, um sich retten zu können, hielt er den Blick merkwürdig gerichtet - ich beschreibe ein Bild - auf die sprudelnden, schäumenden Wellen, so daß ein Gefühl da war: der hat noch Sinn, die Wellen anzuschauen, trotzdem er eigentlich davor steht, jeden Augenblick untergehen zu können, Eine durchrüttelte, aber in der Durchrüttelung, also in der leibfreien Art, mit der Natur tief verbundene Seele.

[ 29 ] Here’s an example. I’ll start by telling it in very simple terms. I was walking down the street, and an image came to mind—the image of a shipwrecked man. The ship he had come from was far away, but sinking. He was in a lifeboat, heading toward a moderately sized island. While he was still in doubt as to whether he would reach the island in time to save himself, he kept his gaze strangely fixed—I am describing a scene—on the bubbling, foaming waves, so that one got the feeling: he still finds meaning in looking at the waves, even though he is actually on the verge of going under at any moment, A soul that has been shaken to its core, yet—in that very shaking, that is, in a disembodied way—remains deeply connected to nature.

[ 30 ] Derselbe Weg, auf dem ich dieses Bild vor mir hatte, das mit der Umgebung gar keinen Zusammenhang hatte, der führte mich dann in jene Kunstausstellung hinein, in der ich zum allerersten Mal Böcklins «Toteninsel» sah.

[ 30 ] The very same path—on which I had this image before my eyes, one that had absolutely no connection to its surroundings—led me into that art exhibition, where I saw Böcklin’s “Isle of the Dead” for the very first time.

[ 31 ] Ich möchte das nur aus dem Grunde erwähnen, damit Sie sehen, das Dem-Leben-Gegenüberstehen muß sich erweitern, wenn man an diese Dinge herankommt. Es handelt sich nicht etwa darum, bloß auf das hinzuschauen, was man nun empfinden oder vorstellen könnte in bezug auf Böcklin, wenn man die Möglichkeit hat, in der Beobachtung seines Karma von seiner «Toteninsel» auszugehen, während man schon davorsteht. Das muß gar nicht so sein, sondern man muß unter Umständen, wenn man wissen will, wovon man da auszugehen hat, zurückgehen auf das, was man vorher wie prophetisch gesehen hat, und muß das damit verbinden.

[ 31 ] I mention this simply so that you can see that one’s approach to life must broaden when one grapples with these matters. It is not a matter of merely looking at what one might now feel or imagine with regard to Böcklin when one has the opportunity to begin observing his karma from his “Island of the Dead” while standing right in front of it. It doesn’t have to be that way at all; rather, under certain circumstances, if one wants to know what one is dealing with, one must go back to what one previously saw as if prophetically and connect it to that.

[ 32 ] Und so ist es auch wiederum wichtig, wenn man einem Menschen im Leben begegnet, um karmische Zusammenhänge zu finden, nicht allein dasjenige zu betrachten, was man just erlebt, wenn man ihm nun begegnet ist, sondern es kann aufklärend sein, wie das, was man im intimsten Seeleninneren vorher erlebt hat und wovon einem nachher erst das Licht aufgeht, mit dem zusammenhängt, was man nachher sieht an ihm, oder wahrnimmt von ihm oder durch ihn.

[ 32 ] And so, when you encounter someone in life, it is also important to identify karmic connections, not merely to consider what one is experiencing at that very moment upon encountering them, but it can be enlightening to see how what one has previously experienced in the innermost depths of one’s soul—and which only later becomes clear—is connected to what one subsequently sees in them, or perceives from them or through them.

[ 33 ] Gerade das, was für das Karma aufhellend ist, das wirft seine Schatten voraus oder auch seine Lichter. Wenn man nicht einen Sinn für diese Intimitäten des Lebens hat, die zuweilen notwendig machen, daß man nicht nur das Zukünftige mit dem Vergangenen verbindet, sondern umgekehrt das Vergangene als etwas ansieht, was Aufschluß gibt über das Zukünftige, wenn man nicht in dieser Intimität das Leben betrachtet, wird man nicht leicht jene innere Regsamkeit der Seele entwickeln, die notwendig ist, um sich in karmische Zusammenhänge hineinzuleben.

[ 33 ] It is precisely that which brings light to karma that casts its shadows—or its lights—ahead. If one does not have a sense of these intimate aspects of life—which sometimes require not only connecting the future with the past, but conversely viewing the past as something that sheds light on the future—if one does not view life through this intimacy, one will not easily develop that inner vitality of the soul that is necessary to immerse oneself in karmic connections.

[ 34 ] Man kann sogar sagen: Wenn besonders bedeutsame karmische Ereignisse in das Leben eines Menschen eintreten, so sind diese so, wenn sie äußerliche Ereignisse sind, daß sie mit irgendwelchen innerlichen Ereignissen zusammenhängen, die vielleicht jahrelang vorangegangen sind. Man muß sich schon eine solche erweiterte Lebensbetrachtung aneignen. Denn bedenken Sie doch das Folgende: Wenn Sie auf den menschlichen Verstand sehen, so wie er im gewöhnlichen Bewußtsein ist, so hat er ja nur seine Beziehung zur Vergangenheit. Er ist wirklich ein Epimetheus, der Verstand, er hat nur Beziehung zur Vergangenheit. Wenn Sie aber auf das menschliche Fühlen hinsehen, wie es aus den Tiefen des Gemütes herauf seine Nuancierungen erhält, so kommen Sie zu merkwürdigen Lebensgeheimnissen. Man kann sagen, an dem, was der Mensch denkt, kann man sehr wenig ermessen, wie sein Leben verläuft; an dem, was er fühlt, sehr stark. Und wenn Sie solch ein Leben betrachten, sagen wir dasjenige Goethes, und Sie stellen sich einmal die Frage: Wie kann Goethe, sagen wir 1790, gefühlt haben —, dann bekommen Sie durch die besondere Physiognomie des Goethe-Fühlens im Jahr 1790 die ganze spätere Nuancierung seines Lebens, denn die liegt im Keime da drinnen in dem Fühlen vom Jahre 1790. Sobald wir in die Tiefe der Menschenseele hinuntergehen, nehmen wir im Grunde genommen — nicht in den Einzelheiten natürlich, aber in der Nuancierung — das spätere Leben des Menschen durchaus wahr. Und der Mensch selber würde viel Aufschluß über sein Leben gewinnen können, wenn er auf die unerklärlichen Gefühlsnuancen, die nicht von außen bewirkt sind, sondern die aufsteigen, mehr achten würde.

[ 34 ] One might even say: When particularly significant karmic events occur in a person’s life, if they are external events, they are such that they are connected to certain internal events that may have preceded them by years. One really must adopt such a broader perspective on life. For consider the following: When you look at the human mind as it exists in ordinary consciousness, it relates only to the past. The mind is truly an Epimetheus; it relates only to the past. But when you look at human feeling—how it derives its nuances from the depths of the soul—you come upon remarkable mysteries of life. One might say that from what a person thinks, one can gauge very little about the course of their life; from what they feel, one can gauge a great deal. And when you consider such a life—let’s say Goethe’s—and ask yourself: How might Goethe have felt, say, in 1790?—then, through the distinctive character of Goethe’s feelings in 1790, you gain insight into all the later nuances of his life, for they lie there in embryonic form within the feelings of that year. As soon as we descend into the depths of the human soul, we essentially perceive—not in the details, of course, but in the nuances—the person’s later life in its entirety. And the person himself could gain much insight into his own life if he paid more attention to the inexplicable nuances of feeling that are not caused by external factors but arise from within.

[ 35 ] Solch ein Achten wird sich aber der Mensch ganz besonders angewöhnen, wenn er auf alle die Dinge eingeht, die ich heute erwähnt habe und die ich weiter erwähnen werde als wichtig für die Lebensbetrachtung, die auf karmische Zusammenhänge aufmerksam werden will, sei es auf karmische Zusammenhänge im eigenen Leben, sei es auf karmische Zusammenhänge, die ja ebenso wichtig sind, bei Menschen, die einem nahestehen. Sehen Sie, da handelt es sich dann darum, nun wirklich, wenn man das Karma betrachten will, durch den Menschen in einer gewissen Weise durchzuschauen. Solange im Gesichtsfelde, möchte ich sagen, der gewöhnliche physische Mensch steht, undurchsichtig dasteht, solange man zunächst nur auf seine Physiognomie sieht, auf die Art und Weise, wie er sich gebärdet, auf die Art und Weise, wie er spricht, oder gar auf die Art und Weise, wie er denkt — was ja zumeist überhaupt nur ein schablonenmäßiger Abglanz dessen ist, wie er erzogen ist und was er erlebt hat —, solange man nur auf das alles sieht, so lange erscheint eben im Hinschauen durchaus nicht die karmische Motivierung. Diese karmische Motivierung erscheint erst, wenn der Mensch in einem gewissen Sinne durchsichtig wird.

[ 35 ] However, people will become particularly accustomed to this kind of awareness when they engage with all the things I have mentioned today—and will continue to mention—as important for a view of life that seeks to become attuned to karmic connections, whether these are karmic connections in one’s own life or, just as importantly, in the lives of those close to us. You see, when one wishes to consider karma, it really comes down to seeing through a person in a certain way. As long as the ordinary physical human being remains in one’s field of vision—standing there opaque—and as long as one initially looks only at their physiognomy, at the way they carry themselves, at the way they speak, or even at the way they think —which, after all, is usually just a stereotypical reflection of how they were raised and what they have experienced—as long as one looks only at all of that, the karmic motivation simply does not appear when one observes them. This karmic motivation only appears when the person becomes, in a certain sense, transparent.

[ 36 ] Aber wenn der Mensch durchsichtig wird, so wird er es zunächst so, daß man eigentlich das Gefühl hat, er schwebt in der Luft. Man gewöhnt sich zunächst ab, zu glauben, der Mensch gehe oder bewege die Arme und Hände: die verliert man sozusagen zuerst. Verstehen Sie mich richtig, meine lieben Freunde: Im gewöhnlichen Leben ist einem das außerordentlich wichtig, was der Mensch mit den Armen und Beinen tut. Aber das verliert seine Bedeutung, wenn man das Tiefere im Menschen betrachten will. Nehmen Sie das im alleräußersten Umfange. Können Sie absehen von dem, was ein Mensch mit seinen Armen und Händen vollbringt, sehen Sie ihn gewissermaßen schwebend - ich bitte Sie, sich das nicht zu räumlich-bildlich vorzustellen, sondern mehr lebensgemäß -, sehen Sie ihn also gewissermaßen schwebend, das heißt, legen Sie keinen Wert auf die Reisen, die er gemacht hat, auf die Gänge, die er gemacht hat, auf das, was er durch seine Beine tut, legen Sie keinen Wert auf die äußere Arbeit, die er mit seinen Armen verrichtet, sondern sehen Sie darauf, wie er gestimmt ist, wie sein Temperament ist, wie alles das ist, woran Arme und Beine keinen Anteil haben: dann ist das die erste Durchsichtigkeit, die Sie für den Menschen gewinnen können. Stellen Sie sich vor, Sie haben hier irgendeinen Gegenstand, Sie sehen zunächst nichts als diesen Gegenstand. (Es wird gezeichnet.) Schön. Dann aber wird hier etwas darauf gezeichnet. Nun löschen wir das wieder aus. So ist es beim Menschen auch, wenn Sie zur ersten Durchsichtigkeit kommen, wenn Sie absehen vom Menschen im Leben, wenn Sie absehen von seinen Armen und Beinen. Also Sie müssen ihn herausreißen aus den Zusammenhängen, in die er durch die Verrichtung seiner Arme und Beine gekommen ist. Wenn Sie ihn dann betrachten, dann wird etwas von ihm durchsichtig. Das, was früher durch die Tätigkeit der Arme und Beine verdeckt worden ist, das sehen Sie dann durch ihn durch.

[ 36 ] But when a person becomes transparent, it happens at first in such a way that one actually has the feeling they are floating in the air. At first, one stops believing that the person is walking or moving their arms and hands: one loses sight of those, so to speak, first. Please understand me correctly, my dear friends: in everyday life, what a person does with their arms and legs is extraordinarily important. But that loses its significance when one wishes to look at what lies deeper within a person. Take this to its very extreme. If you can look beyond what a person accomplishes with his arms and hands, you will see him, as it were, floating—I ask you not to imagine this in a purely spatial or figurative sense, but rather in a way that is true to life—so you will see him, as it were, floating, that is, do not attach any importance to the journeys they have made, to the paths they have taken, to what they do with their legs; do not attach any importance to the external work they perform with their arms, but look instead at their disposition, at their temperament, at everything in which arms and legs play no part: that is the first insight you can gain into a person. Imagine you have some object here; at first you see nothing but this object. (A drawing is made.) Good. But then something is drawn on it. Now let’s erase that again. It is the same with a person: when you attain this first level of insight, when you look beyond the person in their daily life, when you look beyond their arms and legs. So you must tear them away from the contexts into which they have been drawn through the movements of their arms and legs. When you then look at them, something about them becomes transparent. What was previously obscured by the activity of the arms and legs—you can then see right through them.

[ 37 ] Aber was sehen Sie dann? Dann fangen Sie nämlich an zu begreifen, daß hinter dem Menschen der Mond erscheint. Ich werde den dreigeteilten Menschen schematisch zeichnen; nehmen wir an, das hier (siehe Zeichnung, elliptischer Umriß, dreigeteilt) wird zunächst durchsichtig; Arme und Beine übersehen wir. Dann erscheint uns der Mensch nicht mehr so abgegrenzt von dem Weltenall, wie er uns sonst erscheint, sondern da beginnt er hinter sich den Mond zu zeigen mit all den Impulsen, die vom Monde aus auf den Menschen wirken. Wir fangen an zu sagen: Ja, der Mensch hat eine gewisse Phantasie, entwickelte oder unentwickelte Phantasie, Dafür kann er nichts. Da stehen die Mondenkräfte dahinter. Die werden uns nur durch das verdeckt, was aus der Tätigkeit seiner Arme und Beine hervorgeht. (Die untere Partie wird durchgekreuzt.) Jetzt ist das weg, und auf dem Hintergrunde erscheint uns der schöpferische Mond. (Der Mond wird gezeichnet.)

[ 37 ] But what do you see then? Then you begin to realize that the moon appears behind the human being. I will draw a schematic diagram of the threefold human being; let’s assume that this part here (see drawing, elliptical outline, divided into three parts) first becomes transparent; we’ll ignore the arms and legs. Then the human being no longer appears to us as so separated from the universe as he otherwise does, but rather he begins to reveal the Moon behind him, along with all the impulses that act upon the human being from the Moon. We begin to say: Yes, the human being has a certain imagination—developed or undeveloped—but he can’t help that. The forces of the Moon are at work behind it. They are merely obscured from us by what arises from the activity of his arms and legs. (The lower part is crossed out.) Now that is gone, and against this background the creative Moon appears to us. (The Moon is drawn.)

[ 38 ] Wir gehen weiter. Wir versuchen den Menschen weiter durchsichtig zu machen, und denken uns auch das weg. Sagen wir, wir suggerieren uns das weg, was den Menschen emotionell macht, was ihn mit einem gewissen Temperament begabt macht, was eben die mehr seelischen Äußerungen des alltäglichen Lebens sind. Da verschwindet vom Menschen noch mehr, der Mensch wird mehr durchsichtig. Und wir können weitergehen, wir können absehen von alledem, was im Menschen dadurch ist, daß er Sinne hat. Also früher haben Sie abgesehen von alledem, was im Menschen ist dadurch, daß er Arme und Beine hat. Jetzt fragen Sie sich, was bieibt von dem Menschen noch übrig, wenn ich absehe davon, daß er durch seine Sinne etwas wahrgenommen hat? Da bleibt noch eine gewisse Denkrichtung übrig, eine gewisse Impulsivität seines Denkens, eine gewisse Richtung seines Lebens. Aber dafür wird Ihnen das ganze rhythmische System, die Brust des Menschen durchsichtig. Jetzt ist auch dieses weg, und im Hintergrunde erscheint Ihnen alles das, was an Sonnenimpulsen da ist (siehe Zeichnung, Mitte). Sie schauen durch den Menschen durch und schauen eigentlich auf die Sonne, wenn Sie von alledem absehen, was der Mensch durch seine Sinne wahrgenommen hat. Das können Sie bei sich selber machen. Sie können sich fragen: Was habe ich durch meine Sinne? — Wenn Sie davon absehen, sehen Sie durch sich selber durch und sehen sich als ein Sonnengeschöpf. Und wenn Sie jetzt auch noch absehen von seinen Gedanken, seiner Denkrichtung, dann verschwindet der Kopf auch noch. Der ganze Mensch ist fort. Sie sehen durch und sehen zuletzt Saturn im Hintergrunde. Aber in diesem Augenblicke liegt Ihnen das Karma des Menschen, oder Ihr eigenes Karma, bloß da. Denn in dem Augenblicke, wo Sie die Saturnwirkungen im Menschen beobachten, wo Ihnen der Mensch ganz durchsichtig geworden ist und Sie ihn soweit betrachten, daß Sie ihn auf dem Hintergrunde des ganzen Planetensystems schauen, auf dem Hintergrunde von Mond, Sonne, Saturn, in diesem Augenblicke liegt Ihnen das Karma des Menschen da. Und wenn man von praktischen Karmaübungen spricht - ich habe ja erzählt, daß ich es schon im Beginne der Errichtung der Anthroposophischen Gesellschaft tun wollte, daß es dazumal nur noch nicht geglückt ist —, so muß man eigentlich so anfangen, man muß sagen: Es handelt sich darum, daß wir bei uns oder bei anderen zunächst absehen von allem, was wir im Leben dadurch sind, daß wir arm- und beinbegabte Wesen sind. Das müssen wir fortdenken.

[ 38 ] We move on. We try to make human beings even more transparent, and we also set aside those aspects. Let’s say we set aside—or rather, we suggest to ourselves that we set aside—what makes a person emotional, what endows them with a certain temperament, what are, in fact, the more spiritual expressions of everyday life. Then even more disappears from the human being; the human being becomes even more transparent. And we can go further; we can disregard everything that is in the human being by virtue of having senses. So earlier, you disregarded everything that is in the human being by virtue of having arms and legs. Now you ask yourself, what remains of the human being when I disregard the fact that he has perceived something through his senses? What remains is a certain way of thinking, a certain impulsiveness in his thinking, a certain direction in his life. But in return, the entire rhythmic system—the human chest—becomes transparent to you. Now even this is gone, and in the background you see everything that consists of solar impulses (see drawing, center). You look right through the human being and are actually looking at the sun when you disregard everything that the human being has perceived through their senses. You can do this for yourself. You can ask yourself: What do I have through my senses? — If you disregard these, you see right through yourself and perceive yourself as a solar being. And if you now also disregard their thoughts and their way of thinking, then the head disappears as well. The entire human being is gone. You see right through and ultimately see Saturn in the background. But at that very moment, the human being’s karma—or your own karma—lies before you. For at the moment when you observe the effects of Saturn in the human being, when the human being has become completely transparent to you, and you view them to such an extent that you see them against the backdrop of the entire planetary system—against the backdrop of the Moon, the Sun, and Saturn—at that very moment, the human being’s karma lies before you. And when we speak of practical karma exercises—I have already mentioned that I wanted to do this right at the beginning of the founding of the Anthroposophical Society, though it did not succeed at that time—we must actually begin this way; we must say: The point is that, in ourselves or in others, we must first set aside everything that defines us in life simply because we are beings endowed with arms and legs. We must think beyond that.

[ 39 ] Also, was Sie jemals dadurch erlangt haben, daß Sie arm- und beinbegabte Wesen sind, das müssen Sie sich wegdenken. Nun werden Sie sagen: Ja, aber unser Karma erfüllen wir gerade dadurch, daß wir Arme und Beine haben! Das ist es eben! Solange Sie auf die Arme und Beine hinsehen, sehen Sie das nicht, was Sie dadurch erfüllen, daß Sie Arme und Beine haben. Sie sehen erst das, was Sie dadurch erfüllen, daß Sie Arme und Beine haben, wenn Sie auf die Arme und Beine nicht mehr hinsehen. Wenn Sie aber in der Arm- und Beintätigkeit dasjenige wirksam finden, was von Mondenimpulsen ausgeht, dann handelt es sich darum, daß wir weitergehen und absehen von dem, was der Mensch in sich aufnimmt durch seine Sinne, was er in seiner Seele hat durch seine Sinne, sei es bei uns oder bei anderen. Wir sehen ihn als Sonnenwesen, wir sehen den Sonnenimpuls in ihm. Und dann handelt es sich darum, daß wir absehen davon, daß er eine gewisse Denkrichtung hat, eine gewisse Seelenrichtung hat und so weiter. Dann sehen wir, wie er ein Saturnwesen ist.

[ 39 ] So, whatever you have ever gained from being beings endowed with arms and legs—you must set that aside. Now you will say: Yes, but we fulfill our karma precisely by having arms and legs! That is exactly the point! As long as you focus on your arms and legs, you do not see what you fulfill by having them. You will only see what you fulfill by having arms and legs when you stop focusing on them. But when you recognize in the activity of the arms and legs that which emanates from lunar impulses, then the point is that we must go further and look beyond what a person takes in through their senses—what they hold in their soul through their senses, whether in ourselves or in others. We see him as a solar being; we see the solar impulse within him. And then it is a matter of looking beyond the fact that he has a certain way of thinking, a certain orientation of the soul, and so on. Then we see how he is a Saturnian being.

[ 40 ] Kommen wir so weit, dann haben wir den Menschen noch einmal vor uns, aber jetzt als Geist. Jetzt gehen auch die Beine, jetzt arbeiten auch die Arme, aber geistig, und zeigen uns wieder das, was sie tun; aber sie zeigen es uns nach den Kräften, die in ihnen walten. Und das muß man ja erfahren.

[ 40 ] When we reach that point, we will once again have the human being before us, but now as a spirit. Now the legs move, now the arms work—but spiritually—and they show us once more what they are doing; yet they show it to us according to the powers that govern them. And that is something one must indeed experience.

[ 41 ] Wenn ich das geringste tue, wenn ich hier die Kreide aufhebe — solange ich bloß dieses Faktum sehe: «die Kreide-Aufnehmen», so lange weiß ich nichts von Karma. Ich muß das alles wegschaffen. Ich muß es dahin bringen, daß es sich mir noch einmal im Bilde nachschaffen kann, daß es im Bilde drinnen erscheint. Nicht durch die Kraft, die jetzt in meinen Muskeln liegt — aus der wird nichts erklärlich -, aber in dem Bilde, das dann an die Stelle tritt, erscheint dasjenige, was aus vorigen Inkarnationen heraus die Hand bewegen läßt, um die Kreide aufzunehmen.

[ 41 ] If I do even the slightest thing—if I pick up the chalk here—as long as I merely perceive this fact: “picking up the chalk,” I know nothing of karma. I must do away with all of that. I must bring it to the point where it can recreate itself for me once more in the image, where it appears within the image. Not through the strength that now lies in my muscles—nothing can be explained by that—but in the image that then takes its place, what emerges is that which, from previous incarnations, causes the hand to move to pick up the chalk.

[ 42 ] Und so ist es, wenn ich auf die geschilderte Weise nach und nach den sichtbaren Menschen wegschaffe und hinter ihm seine Mondenimpulse, seine Sonnenimpulse, seine Saturnimpulse sehe. Dann kommt mir aus dem Weltenall das Bild des Menschen wieder entgegen. Aber das ist jetzt nicht der Mensch in seiner gegenwärtigen Inkarnation, das ist der Mensch in irgendeiner seiner vorigen Inkarnationen oder in ein paar vorigen Inkarnationen. Ich muß erst dazu kommen, daß der Mensch, den ich hier neben mir herumwandeln sehe, durchsichtig für mich wird, immer durchsichtiger und durchsichtiger, indem ich von seinem ganzen Leben absehe. Dann tritt an denselben Ort, aber hervorkommend aus Weltenfernen, der Mensch, wie er einmal war in früheren Erdenleben.

[ 42 ] And this is what happens when, in the manner described, I gradually strip away the visible human being and see behind him his lunar impulses, his solar impulses, and his Saturnian impulses. Then the image of the human being comes back to me from the cosmos. But this is not the human being in his present incarnation; it is the human being in one of his previous incarnations—or in a few previous incarnations. I must first reach the point where the human being I see walking around here beside me becomes transparent to me—increasingly transparent—as I look beyond his entire life. Then, in the same place, but emerging from the far reaches of the cosmos, the human being appears as he once was in earlier earthly lives.

[ 43 ] Es wird Ihnen heute vielleicht noch nicht ganz durchsichtig und verständlich sein, was über diese Zusammenhänge gesagt worden ist. Ich wollte heute auch erst fadenschlagend hinweisen auf das, was nun in der nächsten Zeit von uns berührt werden soll, wo wir eben eintreten wollen in immer genauere und genauere Betrachtungen des Wesens von Karma, wie es im Menschenleben von Erdendasein zu Erdendasein fließt.

[ 43 ] What has been said about these connections may not yet be entirely clear or understandable to you today. Today, I also wanted to begin by outlining what we will be addressing in the near future, as we are about to embark on an increasingly detailed examination of the nature of karma as it flows through human life from one earthly existence to the next.