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Esoteric Considerations of Karmic Connections
Volume VI
GA 240

25 January 1924, Bern

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Die Bedeutung der die Erde umgebenden Himmelskörper für das Leben des Menschen I

The Significance of the Celestial Bodies Surrounding the Earth for Human Life I

[ 1 ] Der Mensch verdankt sein gegenwärtiges Erdenleben — wir wissen ja, daß er wiederholte Erdenleben durchmacht — zum Teil der äußeren Welt, und zwar der äußeren Welt im weiteren Sinne; nicht nur dem, was unmittelbar auf der Erde in den verschiedenen Reichen der Natur um ihn ist, sondern auch demjenigen, was ihm aus den Gestirnen, aus den Weiten des Kosmos zukommt. Das aber ist nur der eine Teil der Welt, dem der Mensch sein gegenwärtiges Erdenleben verdankt; vor allen Dingen verdankt er es auch dem anderen Teile, von dem er sich aber in dieses Erdenleben nur innerlich die Ergebnisse, die Wirkungen mitbringt: er verdankt es seinen früheren Erdenleben selber. Wir gliedern ja den Menschen, wie Sie aus der anthroposophischen Literatur wissen, zunächst in vier Glieder. Von seinem physischen Leib und von seinem Ätherleib, von diesen beiden trennt sich der Mensch jedesmal, wenn er in Schlaf übergeht; er trennt sich von seinem physischen und Ätherleib mit seinem astralischen Leib und mit seinem Ich. Nur unser physischer Leib und unser Ätherleib verdanken ihre ganze Wesenheit der äußeren Welt, die sichtbar — oder wohl auch als Ätherwelt unsichtbar — um uns ist. Dagegen, was der Mensch in sich trägt in seinem astralischen Leib und in seinem Ich, das verdankt er im gegenwärtigen Erdendasein eigentlich durchaus der Vorzeit, verdankt er dem, was er in früheren Erdenleben mit der Welt durchgemacht hat.

[ 1 ] Human beings owe their present earthly life—for we know that they undergo repeated earthly lives—in part to the external world, and specifically to the external world in the broader sense; not only to what is immediately present on Earth in the various kingdoms of nature around them, but also to what comes to them from the stars and from the vastness of the cosmos. But that is only one part of the world to which human beings owe their present earthly life; above all, they also owe it to the other part, from which, however, they bring into this earthly life only the inner results and effects: they owe it to their own previous earthly lives. As you know from anthroposophical literature, we divide the human being, first of all, into four parts. The human being separates from his physical body and his etheric body—from these two—every time he falls asleep; he separates from his physical and etheric bodies with his astral body and his “I.” Only our physical body and our etheric body owe their entire being to the external world that surrounds us, whether visible or—as the etheric world—invisible. In contrast, what a person carries within themselves in their astral body and in their “I,” they actually owe entirely to the past in their present earthly existence; they owe it to what they have experienced with the world in previous earthly lives.

[ 2 ] Nun sind auch in der äußeren physischen Welt zwei Tore — lassen Sie uns heute mit dieser kosmischen Betrachtung beginnen, um dann mit einer recht menschlichen abzuschließen —, es sind, sage ich, in der physischen Welt zwei Tore, durch die eigentlich das Menschenleben in seiner Ganzheit hinausreicht aus dieser physischen Welt. Und diese zwei Tore sind für uns Erdenbewohner auf der einen Seite der Mond, auf der anderen Seite die Sonne.

[ 2 ] Now there are also two gates in the outer physical world—let us begin today with this cosmic perspective and then conclude with a very human one—there are, I say, two gates in the physical world through which human life in its entirety actually extends beyond this physical world. And for us inhabitants of Earth, these two gates are, on the one hand, the Moon, and on the other, the Sun.

[ 3 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, es ist ja so, daß die heutige äußere Wissenschaft wirklich nur das Allergeringste von den außerirdischen Himmelskörpern weiß. Sie weiß eben das Physische, das man durch Rechnung bestimmen oder durch Instrumente beobachten kann. Denken Sie nur einmal daran, was etwa ein Marsbewohner von der Erde wüßte, wenn er in derselben Art wie die Erdenbewohner vom Mars oder gar von anderen Sternen seine Kenntnisse von der Erde erwerben würde. Er würde eben auch von der Erde nur so viel wissen: sie ist ein glimmend leuchtender Körper, der in den Weltenraum hinaus das von ihm zurückgeworfene Sonnenlicht strahlt. Er würde vielleicht allerlei Hypothesen aufstellen, ob auf der Erde Wesen sind, oder nicht Wesen sind — wie es ja der Mensch für den Mars macht und so weiter. Aber der Erdenbewohner weiß ja natürlich von der Erde selbst, daß er mit Wesen seinesgleichen, mit Wesen anderer Reiche zusammen die Erde bewohnt. Derjenige nun, der von den inneren geistigen Schicksalen der Erdenmenschheit seine Kenntnisse holen kann, der kommt eben aus geistigen Untergründen heraus zu einer tieferen Erkenntnis dessen, was die anderen Himmelskörper, was zum Beispiel der Mond und die Sonne innerhalb der Welt eigentlich bedeuten.

[ 3 ] You see, my dear friends, the fact is that today’s conventional science really knows only the very bare minimum about extraterrestrial celestial bodies. It knows only the physical aspects that can be determined by calculation or observed with instruments. Just think for a moment what a Martian, for example, would know about Earth if he were to acquire his knowledge of Earth in the same way that Earthlings acquire their knowledge of Mars or even other stars. He, too, would know only this much about Earth: that it is a glowing body that radiates the sunlight reflected from it out into space. He might formulate all sorts of hypotheses about whether there are beings on Earth or not—just as humans do regarding Mars, and so on. But the Earth dweller, of course, knows from Earth itself that he inhabits the Earth together with beings like himself and with beings from other realms. Now, the one who can draw his knowledge from the inner spiritual destinies of Earth’s humanity emerges from spiritual depths to a deeper understanding of what the other celestial bodies—such as the Moon and the Sun—actually signify within the world.

[ 4 ] Lassen wir einmal vor unsere Seele treten, was in dieser physisch-seelisch-geistigen Bedeutung über das Mondendasein zu sagen ist. Ich muß an allerlei erinnern, das Sie nachlesen können in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» und in verschiedenen Vortragszyklen, die gedruckt sind. Wir wissen daraus, daß das Mondendasein einmal mit dem irdischen Dasein verknüpft war. Das nimmt ja selbst heute die äußere Wissenschaft an, wenigstens in ihren wichtigeren Vertretern, daß der ganze physische Monden-Weltkörper sich einmal losgetrennt hat von der Erde und sozusagen seinen eigenen Ort im Weltenraum gewählt hat.

[ 4 ] Let us now consider, in the context of the physical, soul, and spiritual realms, what can be said about the existence of the Moon. I must recall various points that you can read about in my Outline of Esoteric Science and in various series of lectures that have been published. From these sources, we know that the lunar existence was once connected to earthly existence. Even today, conventional science—at least among its leading representatives—assumes that the entire physical body of the Moon once separated from the Earth and, so to speak, chose its own place in the cosmos.

[ 5 ] Aber die Geisteswissenschaft zeigt uns, daß nicht nur der physische Mond sich von der Erde getrennt hat, sondern mit diesem Monde andere Wesenheiten, die einmal gemeinsam mit dem Menschen die Erde bewohnt haben, die allerdings viel geistigerer Art waren, als der Mensch in seinem physischen Leibe es ist, aber die dennoch einen intensiven Verkehr mit dem Menschen gehabt haben, wenn auch nicht auf die Weise, wie der heutige menschliche Verkehr vermittelt wird.

[ 5 ] But spiritual science shows us that it was not only the physical Moon that separated from the Earth, but along with this Moon, other beings who once inhabited the Earth together with human beings—beings who were, admittedly, of a much more spiritual nature than human beings in their physical bodies, but who nevertheless maintained an intense relationship with human beings, even if not in the same way that human interaction is conducted today.

[ 6 ] Wer die Vorzeit der Erde, vielleicht auch zunächst nur äußerlich, in ihren Geisteserzeugnissen studiert, der bekommt ja, wenn er zurückgeht in den verschiedenen Zivilisationen, eine große Ehrfurcht vor dem, was einmal an Zivilisationen auf Erden vorhanden war. Allerdings, so gescheit in unserem gegenwärtigen Sinne, wie wir gegenwärtigen Menschen uns dünken, so gescheit waren unsere Vorfahren, das heißt wir selbst in früheren Erdenleben, gewiß nicht. Aber gewußt haben diese Vorfahren mehr. Man erlangt Wissen eben nicht nur durch Gescheitheit. Gescheitheit kommt vom Verstande, und der Verstand ist eben nur eine Fähigkeit der Menschen, wenn er auch gegenwärtig namentlich von der Wissenschaft am allermeisten von allen Fähigkeiten geschätzt wird. Aber schließlich, wenn wir heute die Welt anschauen, wie sie sich in moralischer, in sozialer Beziehung namentlich in dem gesegneten 20. Jahrhunderte entwickelt hat, dann brauchen wir auf unsere Verstandeskultur eigentlich nicht besonders stolz zu sein. Diese Verstandeskultur hat sich eben erst im Laufe der Zeit ergeben. Und wie gesagt, wenn wir nur an Hand der äußeren Geschichte zurückgehen und wahrnehmen, was herrührt, sagen wir zum Beispiel vom alten Orient, dann kann uns eine große Ehrfurcht überkommen. Wir könnten selbst manche Erzeugnisse sogenannter wilder Völker anführen; aber bleiben wir bei den Erzeugnissen des indischen Orients, des persischen Orients, sehen wir uns an, welch Wunderbares da hinter allem ist, in der alten Dichtung, in der Vedendichtung, in der alten Philosophie, der Vedantaphilosophie, der Jogaphilosophie. Wenn man das nicht oberflächlich auf sich wirken läßt, sondern wenn man es auf sich wirken läßt mit all den Tiefen, die es birgt, dann bekommt man eine immer größere Ehrfurcht vor dem, was alte Zeiten nicht auf dem Wege der gewöhnlichen Gescheitheit, sondern gewiß auf einem anderen Wege hervorgebracht haben. Aber sie haben es eben hervorgebracht.

[ 6 ] Anyone who studies the Earth’s ancient past—perhaps at first only superficially—through its spiritual creations will, as they trace back through the various civilizations, develop a deep sense of awe for the civilizations that once existed on Earth. However, as intelligent as we modern people imagine ourselves to be in our current sense, our ancestors—that is, ourselves in earlier earthly lives—were certainly not that intelligent. But these ancestors knew more. Knowledge is not acquired solely through intelligence. Intelligence comes from the intellect, and the intellect is merely one of humanity’s faculties, even though it is currently valued above all other faculties, particularly by science. But ultimately, when we look at the world today and see how it has developed in moral and social terms—particularly during the blessed 20th century—we really have no reason to be particularly proud of our intellectual culture. This intellectual culture has only emerged over the course of time. And as I said, if we look back at external history and observe what has emerged—say, from the ancient Orient, for example—we may be overcome with a deep sense of awe. We could even cite some achievements of so-called “primitive” peoples; but let us stick to the achievements of the Indian Orient and the Persian Orient, and let us look at the wonders that lie behind it all—in ancient poetry, in Vedic poetry, in ancient philosophy, in Vedanta philosophy, and in Yoga philosophy. If one does not merely let this sink in superficially, but allows it to take effect with all the depths it holds, then one develops an ever-greater sense of awe for what ancient times produced—not through ordinary cleverness, but certainly through some other means. Yet they did indeed produce it.

[ 7 ] Nun zeigt uns Geisteswissenschaft, daß eigentlich dasjenige, was sich durch äußerliche Dokumente erhalten hat, ja nur die Reste sind einer wunderbaren Urweisheit der Menschheit, die allerdings viel mehr dichterisch, künstlerisch aufgetreten ist als unser heutiges Wissen, die aber dennoch eine wunderbare Urweisheit der Menschheit war. Diese Urweisheit haben die Menschen eben erhalten durch Wesen, die weit hinausragen über die eigene menschliche Entwickelung der Erde. Denken, verständig denken, das geschieht ja durch unseren physischen Leib. Diese Wesenheiten haben nicht einen physischen Leib gehabt; daher rührt die Tatsache, daß sie in einer mehr dichterischen, künstlerischen Art ihr Urwissen der Menschheit überliefert haben.

[ 7 ] Now, spiritual science shows us that what has actually been preserved through external documents is, in fact, only the remnants of a wondrous primordial wisdom of humanity—a wisdom that, admittedly, manifested itself in a far more poetic and artistic way than our knowledge today, but which was nonetheless a wondrous primordial wisdom of humanity. Humanity received this primordial wisdom from beings who far transcend humanity’s own development on Earth. Thinking—rational thinking—takes place through our physical body. These beings did not have physical bodies; this explains why they transmitted their primordial knowledge to humanity in a more poetic, artistic manner.

[ 8 ] Aber diese Wesenheiten sind nicht bei der Erde geblieben, sondern sie bewohnen in ihrer Mehrzahl tatsächlich heute den Monden-Weltenkörper. Was die heutige Wissenschaft erkunden kann, das ist eben nur das Äußerliche des Mondes. Der Mond ist der Träger hoher geistiger Wesenheiten, die einmal die Aufgabe gehabt haben, die Erdenmenschheit mit der Urweisheit zu inspirieren, die sich dann zurückgezogen haben und gewissermaßen diese Mondenkolonie im Weltenall zu begründen hatten. Schon das, was ich so sagen muß von diesen Wesenheiten, die also eigentlich heute die Mondbewohner sind, das zeigt uns, daß unsere eigene menschliche Vergangenheit mit diesen Wesenheiten verknüpft ist. Wir waren in früheren Erdenleben die irdischen Genossen dieser Wesenheiten. Und es zeigt sich sogleich unser Verknüpftsein mit ihnen, wenn wir hinausschauen über dasjenige, was die äußere Erkenntnis und das äußere Leben dem Menschen geben kann. Denn wenn wir auf all das schauen, was in uns bestimmend ist, aber was nicht von unserem Verstande abhängt, sondern was gewissermaßen über den Verstand hinaus mit unserem tieferen Menschenwesen zusammenhängt, dann finden wir, daß auch heute noch diese Mondenwesenheiten, wenn sie ihren Wohnplatz auch nicht mehr auf Erden haben, mit unserem inneren Sein verknüpft sind. Denn bevor wir auf die Erde herabsteigen, durch unsere Vorfahren einen physischen Leib bekommen, waren wir oder sind wir ja in einer geistigen Welt in dem vorirdischen Dasein. In diesem vorirdischen Dasein haben wir auch heute noch mit diesen alten Genossen unseres Erdendaseins viel zu tun. Wir steigen sozusagen aus den geistigen Welten herab in unser irdisches Dasein, indem wir die Sphäre des Mondes passieren, indem wir durchkommen durch das Mondendasein. Und so wie einstmals diese Mondenwesen auf der Erde selbst hier für uns Menschen tief bestimmend waren, so sind sie heute noch bestimmend für die Erdenmenschen, indem sie dem menschlichen Ich und dem menschlichen astralischen Leib dasjenige einprägen, was sich dann überträgt in den physischen Leib, wenn der Mensch physischer Erdenmensch wird.

[ 8 ] But these beings did not remain on Earth; rather, the majority of them actually inhabit the lunar world today. What modern science can explore is merely the outer surface of the Moon. The Moon is the abode of high spiritual beings who once had the task of inspiring Earth’s humanity with primordial wisdom, who then withdrew and, in a sense, had to establish this lunar colony in the cosmos. Even what I must say about these beings—who are, in fact, the inhabitants of the Moon today—shows us that our own human past is linked to them. In earlier earthly lives, we were the earthly companions of these beings. And our connection to them becomes immediately apparent when we look beyond what external knowledge and external life can offer human beings. For when we look at all that is decisive within us—not what depends on our intellect, but what, so to speak, lies beyond the intellect and is connected to our deeper human being—we find that even today these lunar beings, though they no longer have their home on Earth, are linked to our inner being. For before we descend to Earth and receive a physical body through our ancestors, we were—or rather, we are—in a spiritual world in our pre-earthly existence. In this pre-earthly existence, we still have much to do today with these ancient companions of our earthly existence. We descend, so to speak, from the spiritual worlds into our earthly existence by passing through the sphere of the Moon, by passing through the lunar existence. And just as these lunar beings once had a profound influence on us humans right here on Earth, so too do they continue to influence earthly human beings today by imprinting upon the human “I” and the human astral body that which is then transferred into the physical body when the human being becomes a physical earthly human being.

[ 9 ] Nicht wahr, man kann ja nicht beschließen, ein Talent zu sein, auch nicht ein Genie zu sein. Man kann nicht einmal beschließen, so ohne weiteres ein guter Mensch zu sein. Dennoch, es gibt Talente, es gibt Genies, es gibt sozusagen durch die Geburt gute Menschen. Das ist etwas, was der Verstand nicht machen kann, was mit dem inneren tiefen Wesen des Menschen zusammenhängt, wovon er sich ein gut Teil mitbringt, indem er durch die Geburt aus einem vorirdischen Dasein in das irdische eintritt. Dieses seinem Ich und seinem astralischen Leib einzuprägen, was dann sozusagen in sein Blut, in seine Nerven schießt als Talent, als Begabung, als der Wille zum Guten oder zum Bösen, dieses ihm einzuprägen, das ist die Aufgabe der Mondwesen, wenn der Mensch in seinem vorirdischen Dasein die Mondensphäre passiert. Und nicht nur, wenn in den bekannten poetischen Stimmungen Liebende im Mondenschein spazieren gehen, ist der Mond von Einfluß auf das, was tiefer im Menschen, was mehr unter dem Bewußtsein webt und lebt, sondern bei alledem ist dieses Mondendasein wirksam, was eben aus den Tiefen des Menschen heraufkommt und ihn eigentlich unter seinem Verstande zu dem macht, was er im Erdenleben eigentlich ist. Und so hängen heute noch diese Mondenwesen dadurch mit unserer Vergangenheit zusammen, daß sie es sind, die nach unseren früheren Erdenleben uns prägen, sozusagen im vorirdischen Dasein, damit wir als dieser bestimmte Mensch im irdischen Dasein auftreten können.

[ 9 ] Isn't it true that you can't just decide to be talented, or even to be a genius? You can’t even simply decide to be a good person. Nevertheless, there are talented people, there are geniuses, and there are, so to speak, people who are good by birth. This is something the intellect cannot bring about; it is connected to the deep inner essence of the human being, a good part of which the person brings with them when they enter earthly existence from a pre-earthly existence at birth. To imprint this upon their “I” and their astral body—which then, so to speak, flows into their blood and nerves as talent, as gift, as the will toward good or evil—to imprint this upon them: that is the task of the lunar beings when a human being passes through the lunar sphere during their pre-earthly existence. And it is not only when, in those familiar poetic moods, lovers stroll in the moonlight that the Moon exerts an influence on what lies deeper within the human being—what weaves and lives beneath the surface of consciousness—but in all of this, this lunar existence is at work, rising up from the depths of the human being and, beneath the level of the intellect, making him what he truly is in earthly life. And so these lunar beings are still connected to our past today in that they are the ones who shape us after our earlier earthly lives—in our pre-earthly existence, so to speak—so that we can appear as this particular human being in earthly existence.

[ 10 ] Blicken wir also zurück in unserem Leben, da wo sozusagen unser Leben aus dem irdischen Bereich hinausgeht in das eigentlich Geistige hinein, in jenes Geistige hinein, aus dem heraus wir dann bestimmt sind nach unseren innersten Fähigkeiten, nach unserem Temperament, sogar nach dem innersten Wesen unseres Charakters, blicken wir zurück, so finden wir in dem Monde das eine Tor aus der physischen Welt hinaus in die geistige. Er ist das Tor, durch das die Vergangenheit in unser Menschenleben hereinzieht, und er ist dasjenige, was uns eigentlich die Individualität gibt, was uns zu diesem bestimmten individuellen Menschen macht.

[ 10 ] So let us look back on our lives, to that point where, so to speak, our lives move beyond the earthly realm and into the truly spiritual realm—that spiritual realm from which we are then guided according to our innermost abilities, our temperament, and even the innermost essence of our character. When we look back, we find in the Moon the gateway from the physical world into the spiritual. It is the gateway through which the past enters our human life, and it is what actually gives us our individuality, what makes us this particular individual human being.

[ 11 ] Das andere Tor ist die Sonne. Aber der Sonne verdanken wir nicht unser individuelles Leben. Die Sonne leuchtet nicht nur über Gute und Böse in gleicher Weise, sondern die Sonne leuchtet auch über Genies und Dummköpfe in gleicher Weise. Die Sonne kennt zunächst für das irdische Leben nichts, was mit der Individualität unmittelbar zusammenhängt. Es ist ja nur eines, das von der Sonne her mit der irdischen Individualität zusammenhängt. Und das konnte nur dadurch eintreten, daß in einem bestimmten Zeitpunkte der Erdenentwickelung ein hohes Sonnenwesen, der Christus, eben nicht auf der Sonne geblieben ist, sondern von der Sonne aus auf die Erde herabgestiegen ist, in einem Menschenleibe Erdenmensch geworden ist und dadurch sein eigenes Weltenschicksal mit dem Erdenschicksal der Menschheit vereinigt hat. Dadurch, daß der Christus aus einem Sonnenwesen ein Erdenwesen geworden ist, dadurch hat er den Zugang bekommen zu den einzelnen menschlichen Individualitäten. Die anderen Sonnenwesen, die in der Sonne geblieben sind, haben nicht den Zugang zu den einzelnen menschlichen Individualitäten, sondern nur zu dem Allgemeinen der Menschheit. Dem Christus ist sogar etwas davon geblieben, aber etwas, was für unsere Erdenmenschheit unendlich segensreich ist: was ihm geblieben ist, das ist, daß sein Wirken nicht irgendeine menschliche Differenzierung kennt. Der Christus ist nicht der Christus dieser oder jener Nation, nicht der Christus dieses oder jenes Standes, nicht dieser oder jener Klasse, der Christus ist der Christus für alleMenschen ohne Unterschied von Klasse, Rasse, Nation und so weiter. Der Christus ist auch insofern nicht der Christus der Individualitäten, als er in seiner Wirksamkeit dem Genie und dem Toren in gleicher Weise innerlich Hilfe leistet. Es hat der Christus-Impuls Zugang zu der Individualität des Menschen, und gerade er muß im tiefsten Inneren wirken, wenn er überhaupt im Menschen zur Wirksamkeit kommen soll. Nicht die Verstandeskräfte, sondern die tiefsten Seelen- und Herzenskräfte sind es, die den Christus-Impuls aufnehmen müssen; wenn er aber dann aufgenommen wird, wirkt er nicht im Sinne des Individuell-Menschlichen, sondern ganz im Sinne des Allgemein-Menschlichen. Dieses allgemeinmenschliche Wirken, das eignet dem Christus, weil er ein Sonnenwesen ist.

[ 11 ] The other gate is the sun. But we do not owe our individual lives to the sun. Not only does the sun shine equally on the good and the evil, but it also shines equally on geniuses and fools. The sun, as far as earthly life is concerned, knows of nothing that is directly connected to individuality. Indeed, there is only one thing that connects earthly individuality to the sun. And this could only come about because, at a certain point in the Earth’s evolution, a high solar being—Christ—did not remain on the Sun, but descended from the Sun to Earth, became an earthly human being in a human body, and thereby united his own cosmic destiny with the earthly destiny of humanity. By becoming an earthly being from a solar being, Christ gained access to individual human personalities. The other solar beings who remained on the Sun do not have access to individual human personalities, but only to the collective essence of humanity. Christ has even retained something of this, but something that is infinitely beneficial for our earthly humanity: what he has retained is that his work knows no human differentiation whatsoever. Christ is not the Christ of this or that nation, not the Christ of this or that social class, not of this or that group; Christ is the Christ for all people without distinction of class, race, nation, and so on. Nor is Christ the Christ of individualities, insofar as, in his activity, he provides inner help to the genius and the fool alike. The Christ impulse has access to the individuality of the human being, and it is precisely there that it must work in the deepest inner being if it is to become effective in the human being at all. It is not the powers of the intellect, but the deepest powers of the soul and heart that must receive the Christ impulse; but once it is received, it does not work in the sense of the individual human being, but entirely in the sense of universal humanity. This universal human activity is characteristic of the Christ, because he is a solar being.

[ 12 ] Aber sehen Sie, indem wir zurückblicken und uns in diesem Zurückblicken verbunden fühlen mit dem Mondendasein, wissen wir ja, daß wir etwas in uns tragen, das wir nicht der Gegenwart verdanken, das eigentlich ein Stück nicht nur irdischer, sondern sogar kosmischer Vergangenheit ist. Wir Menschen verbinden es eben in unserem gegenwärtigen Erdendasein mit der Gegenwart, dieses Stück Vergangenheit. Man bedenkt gewöhnlich nicht, was eigentlich alles in diesem Stück Vergangenheit steckt. Wir wären als Menschen nicht viel, wenn nicht diese Vergangenheit in uns steckte. Das, was wir uns aneignen, unmittelbar wenn wir heruntersteigen aus dem vorirdischen Dasein in das irdische, das hat eigentlich sogar etwas Automatisches, das Automatische unseres physischen und unseres Ätherleibes. Dasjenige, was in bestimmter Weise uns zu diesem oder jenem Menschen macht, das ist innig zusammenhängend mit unserer Vergangenheit und damit mit dem Mondendasein. Aber ebenso wie wir durch unser Mondendasein mit der Vergangenheit zusammenhängen, so hängen wir durch das Sonnendasein mit unserer Zukunft zusammen. Für den Mond sozusagen, namentlich auch mit Bezug auf die Wesen, die sich auf ihn zurückgezogen haben, waren wir reif in früheren Zeiten; für die Sonne, die heute nur das Allgemein-Menschliche impulsiert, werden wir erst in viel späteren Zeiten reif werden, wenn noch viel Entwickelung vor sich gegangen ist. Die Sonne kann heute nur an unser Äußeres heran. An unsere Individualität, an unser Inneres wird sie erst in künftigen Zeiten heran können. Wenn die Erde nicht mehr als Erde vorhanden sein wird, wenn sie in eine ganz andere Metamorphose übergegangen sein wird, da werden wir erst für das Sonnendasein reif sein. Der Mensch ist so stolz auf seinen Verstand; aber der Verstand, wie er gerade in der gegenwärtigen Menschheit ist, ist so ein richtiges Erdenprodukt, denn er ist eigentlich an das Gehirn gebunden, und das Gehirn ist dasjenige, was am meisten physisch wird im Menschen, wenn man es auch sonst nicht glaubt.

[ 12 ] But you see, by looking back and feeling connected—in that act of looking back—to our lunar existence, we know that we carry within us something that we do not owe to the present, something that is actually a piece of a past that is not only earthly but even cosmic. We humans, in our present earthly existence, connect this fragment of the past with the present. One usually does not consider what is actually contained within this fragment of the past. We would not amount to much as human beings if this past were not within us. What we acquire immediately upon descending from our pre-earthly existence into our earthly one actually has something automatic about it—the automatic nature of our physical and etheric bodies. That which, in a certain way, makes us this or that human being is intimately connected with our past and thus with our lunar existence. But just as we are connected to the past through our lunar existence, so too are we connected to our future through our solar existence. We were, so to speak, ready for the Moon in earlier times—especially with regard to the beings who have withdrawn to it; but we will not be ready for the Sun—which today impels only what is universally human—until much later times, when a great deal of development has yet taken place. Today, the Sun can only reach our outer being. It will not be able to reach our individuality, our inner being, until future times. When the Earth no longer exists as the Earth, when it has undergone a completely different metamorphosis, only then will we be ready for the solar existence. Human beings are so proud of their intellect; but the intellect, as it currently exists in humanity, is truly a product of the Earth, for it is actually bound to the brain, and the brain is the part of the human being that becomes most physical, even if people do not generally believe it.

[ 13 ] Die Sonne reißt uns aus diesem Gebundensein an das Irdische eigentlich fortwährend heraus, denn die Sonne wirkt eigentlich nicht auf unser Gehirn. Wir würden viel gescheitere Gedanken ausgehen lassen aus unserem Gehirn, wenn die Sonne auf unser Gehirn wirken würde. Die Sonne wirkt eigentlich auf unser Herz, wenn wir das Physische betrachten. Und dasjenige, was vom Herzen ausstrahlt, meine lieben Freunde, das ist Sonnenwirkung. Durch das Gehirn sind die Menschen eigentlich egoistisch; durch das Herz werden sie egoismusfrei, werden sie erhoben zum Allgemein-Menschlichen. So daß wir eigentlich durch die Sonne mehr sind, als wir durch uns im heutigen Erdendasein sein können. Nur möchte ich sagen: Der Christus gibt uns wiederum, wenn wir wirklich zu ihm den Zugang finden, weil er ein Sonnenwesen ist, mehr, als wir heute als Menschen sein können.

[ 13 ] The sun is actually constantly pulling us out of this bondage to the earthly realm, for the sun does not actually act upon our brain. We would produce much wiser thoughts from our brain if the sun were to act upon it. The sun actually acts upon our heart, if we consider the physical aspect. And that which radiates from the heart, my dear friends, is the effect of the sun. Through the brain, people are actually selfish; through the heart, they become free of selfishness and are elevated to the universal human. So that, through the sun, we are actually more than we can be through ourselves in our present earthly existence. I would just like to say: Christ, in turn, gives us—if we truly find access to him, because he is a solar being—more than we can be today as human beings.

[ 14 ] Die Sonne steht uns eben wirklich eigentlich am Himmel wie ein Zukunftswesen, während uns der Mond wie ein Vergangenheitswesen am Himmel steht. Es ist das andere Tor, das in die geistige Welt führt, es ist das Tor in die Zukunft hinein. Denn ebenso, wie wir gewissermaßen hereingeschoben werden ins irdische Dasein durch die Mondenwesen und Mondenkräfte, so werden wir im Tod wiederum herausgeschoben durch die Sonnenkräfte. Die Sonnenkräfte hängen mit demjenigen in uns zusammen, was wir noch nicht bewältigen, was uns sozusagen die Götter gegeben haben, damit wir nicht im Erdenleben verkümmern, sondern über uns hinausreichen. Und so sind wirklich Mond und Sonne die beiden Tore aus dem Weltenall heraus ins irdische und aus diesem ins geistige Leben hinein. Der Mond ist bewohnt von Wesenheiten, mit denen wir einmal verbunden waren in der Art, wie ich esgekennzeichnet habe. Die Sonne ist bewohnt von Wesenheiten, mit denen wir — mit Ausnahme des Christus — erst in der Zukunft unseres kosmischen Daseins verbunden sein werden. Der Christus wird uns führen zu seinen ehemaligen Genossen in der Sonne. Aber das ist durchaus für den Menschen die Zukunftswelt.

[ 14 ] The sun truly stands in the sky before us as a being of the future, while the moon stands in the sky as a being of the past. It is the other gateway that leads into the spiritual world; it is the gateway into the future. For just as we are, so to speak, drawn into earthly existence by the lunar beings and lunar forces, so too are we, in death, drawn out again by the solar forces. The forces of the Sun are connected to that within us which we have not yet mastered—that which the gods have given us, so to speak, so that we do not wither away in earthly life but reach beyond ourselves. And so the Moon and the Sun are truly the two gates: one leading out of the universe into earthly life, and the other leading from earthly life into the spiritual world. The Moon is inhabited by beings with whom we were once connected in the way I have described. The Sun is inhabited by beings with whom we—with the exception of Christ—will only be connected in the future of our cosmic existence. Christ will lead us to his former companions in the Sun. But this is, for human beings, the world of the future.

[ 15 ] Und auch das, was da von der Sonne als Zukunftswelt wirkt aus dem Geistigen herein, ist ebenso wirksam auf unseren physischen Leib und auf unseren Ätherleib, wie das, was vom Monde aus wirkt aus dem Geistigen herein. Betrachten wir zum Beispiel unser Temperament. Da sind schon Kräfte in unserem Temperament, die durchaus in den physischen Leib, namentlich aber in den Ätherleib hineinspielen: Das regelt in uns das Zusammenwirken von Sonne und Mond. Derjenige, der einen starken melancholischen Einschlag hat in seinem Temperament, der ist stark beeinflußt vom Mondenhaften. Wer einen starken sanguinischen Zug in seinem Temperament hat, der ist stark beeinflußt vom Sonnenhaften. Derjenige, in dem sich Sonnen- und Mondenhaftes ausgleichen, neutralisieren, der wird dann ein Phlegmatiker. Da, wo das Physische in uns hereinspielt und seelisch zum Vorschein kommt wie in dem Temperament, da spielt im ganzen Wesen, das wir als Mensch in uns tragen, das Sonnen- und Mondenhafte herein. Aber es erblickt dieses Sonnen- und Mondenhafte der Mensch zunächst nur da, wo es in seiner äußeren physischen Erscheinungsform ihm entgegentritt, wo sozusagen sich ihm der Mond ankündigt durch die äußere Scheibe, die sich ihm zeigt, ebenso die Sonne. Doch sind ja Wirkungen da, die weit über dieses Physische hinausgehen; wir müssen durchaus von einem Geistigen des Mondes und der Sonne sprechen. Und das können wir ja wirklich leicht einsehen.

[ 15 ] And what comes from the spiritual realm through the Sun as the world of the future has just as much of an effect on our physical body and our etheric body as that which comes from the spiritual realm through the Moon. Let us consider, for example, our temperament. There are already forces within our temperament that certainly influence the physical body, but especially the etheric body: this regulates the interplay of the Sun and the Moon within us. Those who have a strong melancholic tendency in their temperament are strongly influenced by the lunar. Those who have a strong sanguine tendency in their temperament are strongly influenced by the solar aspect. Those in whom the solar and lunar aspects balance and neutralize one another become phlegmatic. Where the physical aspect influences us and manifests itself in the soul—as in the temperament—the solar and lunar aspects also influence the entire being that we carry within us as human beings. But at first, human beings perceive these solar and lunar qualities only where they confront them in their outer physical form—where, so to speak, the Moon reveals itself through the outer disk that appears to them, just as the Sun does. Yet there are effects that go far beyond the physical; we must certainly speak of a spiritual aspect of the Moon and the Sun. And we can indeed easily see this.

[ 16 ] Sie brauchen zunächst nur, um sich das zu verdeutlichen, einen menschlichen Körper anzusehen. Dieser menschliche Körper hat heute nicht mehr dieselben Substanzen in sich, die er vor etwa zehn Jahren gehabt hat. Sie stoßen fortwährend die äußeren physischen Substanzen ab, ersetzen sie durch neue. Was bleibt, ist die geistige Form, die Gestalt des Menschen: das sind die inneren Kräfte. Wenn Sie vor zehn Jahren hier gesessen haben — das Fleisch und Blut, das Sie dazumal in sich gehabt haben als materielle Substanz, das bringen Sie heute nicht wieder auf denselben Sessel: das Physische ist in einer fortwährenden Strömung von innen nach außen, es stößt sich fortwährend ab. Das bedenkt man nicht immer, doch weiß man es wenigstens heute in bezug auf die Erde. Aber daß dies auch im Weltall der Fall ist, das weiß man nicht einmal, denn die Menschen denken: Derselbe Mond, der heute herunterscheint, das war auch der Mond, der auf den alten Cäsar oder Alcibiades oder auf Buddha gestrahlt hat. Geistig ja, aber der physischen Materie nach nicht! Und in bezug auf die Sonne, da rechnen die Physiker, die Astrophysiker aus, wann sie im Weltenraum zerstäubt sein wird. Daß sie zerstäubt, das wissen sie allenfalls, aber sie rechnen da nach Millionen von Jahren. Dasselbe käme nämlich heraus, wenn man eine solche Rechnung in bezug auf den Menschen anstellen würde. Diese Rechnungen sind todsicher richtig, es ist gar nichts einzuwenden — aber nur sind sie nicht wahr. Sie sind ganz richtig, aber sie sind wie folgt: Wenn Sie heute ein menschliches Herz prüfen, nach fünf Tagen wieder, nach weiteren fünf Tagen wieder, dann können Sie an den kleinen Veränderungen ausrechnen, wie dieses Herz vor dreihundert Jahren gestaltet war, und wie es gestaltet sein wird nach dreihundert Jahren. Sie kriegen schon etwas heraus, wenn Sie solche Rechnungen anstellen: nur war es just vor dreihundert Jahren nicht da und wird in dreihundert Jahren wieder nicht da sein. So kann man heute auch mit der geologischen Wissenschaft ausrechnen, wie die Erde ausgesehen hat vor zwanzig Millionen Jahren. So rechnen die Leute aus, wie sie ausgesehen hat, so rechnen sie heute auch aus, wie sie aussehen wird nach zwanzig Millionen Jahren. Die Rechnung ist ganz richtig; die Erde hat so ausgesehen nach einer ganz richtigen Rechnung, wie man es ausrechnet, wird auch so aussehen nach zwanzig Millionen Jahren. Aber dagewesen ist sie noch nicht vor zwanzig Millionen Jahren, und da sein wird sie wieder nicht nach zwanzig Millionen Jahren! Die Rechnungen sind todsicher richtig, nur wahr sind sie nicht! Ja, nicht einmal für die engsten Zeiträume ist das im Weltenraum draußen anders als beim Menschen. Wenn auch die mineralischen Substanzen wesentlich länger dauern als die Gestaltungen der Substanzen in lebendigen Leibern, so ist doch auch für die Mineralsubstanzen das rein Physische, substantiell Physische, ein Vorübergehendes. Und der Mond, der heute am Himmel steht, ist in seiner physischen Zusammensetzung nicht mehr derselbe, der er war, als er auf Cäsar heruntergeschienen hat oder auf Alcibiades oder auf den Kaiser Augustus; denn der Mond hat seine Materie ebenso ausgetauscht, wie ein physischer Menschenleib seine Materie austauscht. Dasjenige, was da draußenbleibt, ist eben auch durchaus das Geistige, wie beim Menschen das, was von der Geburt bis zum Tode bleibt, das Geistige ist, nicht die physische Materie.

[ 16 ] To understand this, all you need to do at first is look at a human body. Today, this human body no longer contains the same substances it had about ten years ago. You are constantly shedding external physical substances and replacing them with new ones. What remains is the spiritual form, the human form: these are the inner forces. If you were sitting here ten years ago—the flesh and blood that you possessed back then as material substance—you cannot bring that same physical substance back to this very chair today: the physical is in a constant flow from the inside out; it is continually being shed. People don’t always consider this, but at least today we know it applies to the Earth. Yet we don’t even know that this is also the case in the universe, for people think: The same moon that shines down today is the very same moon that shone upon the ancient Caesar or Alcibiades or upon Buddha. Spiritually, yes, but not in terms of physical matter! And as for the Sun, physicists and astrophysicists calculate when it will disintegrate in outer space. They know, at most, that it will disintegrate, but they’re calculating in terms of millions of years. The same result would come out if one were to make such a calculation with regard to human beings. These calculations are absolutely correct; there is nothing at all to object to—but they are simply not true. They are entirely correct, but they work as follows: If you examine a human heart today, then again after five days, and again after another five days, you can deduce from the small changes what the structure of this heart was like three hundred years ago, and what it will be like three hundred years from now. You do come up with something when you make such calculations: only it wasn’t there exactly three hundred years ago, and it won’t be there again in three hundred years. In the same way, geological science today allows us to calculate what the Earth looked like twenty million years ago. Just as people calculate what it looked like then, so they also calculate today what it will look like in twenty million years. The calculation is entirely correct; according to a perfectly accurate calculation, the Earth looked the way it did, and it will look the same way twenty million years from now. But it did not yet exist twenty million years ago, and it will not exist again twenty million years from now! The calculations are absolutely correct, but they are not true! Indeed, not even for the shortest time spans is this any different in outer space than it is for human beings. Even though mineral substances last considerably longer than the forms of substances in living bodies, the purely physical, the substantially physical, is still a passing phenomenon even for mineral substances. And the moon that stands in the sky today is, in its physical composition, no longer the same as it was when it shone down upon Caesar, or upon Alcibiades, or upon Emperor Augustus; for the moon has exchanged its matter just as a physical human body exchanges its matter. What remains out there is, in fact, entirely the spiritual, just as in human beings, what remains from birth to death is the spiritual, not the physical matter.

[ 17 ] So daß man eigentlich die Welt erst richtig anschaut, wenn man sie so anschaut, daß man für den Menschen sagt: Was da bleibt zwischen Geburt und Tod, das ist seine Seele. Was da draußen an den Weltenkörpern bleibt, das sind die Wesenheiten; dort ist es eine Vielheit. Beim Menschen ist es eine Einheit, eine Seele; da draußen eine Vielheit. Und wenn wir sprechen von Mond und Sonne, so sollten wir eigentlich uns bewußt sein, daß wenn wir von der Wahrheit sprechen wollen, wir von dem sprechen müssen, was als Wesenheiten des Mondes und als Wesenheiten der Sonne existiert: als Wesenheiten des Mondes solche, die mit unserer Vergangenheit verknüpft sind; als Wesenheiten der Sonne solche, die mit unserer Zukunft verknüpft sein werden. Aber herein wirken sie in unser gegenwärtiges Dasein.

[ 17 ] So that one actually begins to see the world properly only when one views it in such a way that, with regard to human beings, one says: What remains between birth and death is the human soul. What remains out there in the celestial bodies are the beings; there, it is a multiplicity. In human beings, it is a unity, a soul; out there, a multiplicity. And when we speak of the moon and the sun, we should actually be aware that if we wish to speak of the truth, we must speak of what exists as the entities of the moon and as the entities of the sun: as entities of the moon, those linked to our past; as entities of the sun, those that will be linked to our future. But they influence our present existence.

[ 18 ] Und dasjenige, was sie am Menschen unmittelbar bewirken, das ist das, was wir sein Karma nennen: das Ganze in dem Aufbau und in der Entwickelung seines Schicksals. Indem sich Vergangenheit und Zukunft ineinanderweben, wird des Menschen Schicksal bestimmt. Und in diesem Weben des Schicksals, da wirken eben Mondenkräfte und Sonnenkräfte, Mondenwesenheiten und Sonnenwesenheiten zusammen.

[ 18 ] And what they directly bring about in a human being is what we call karma: the entirety of the structure and development of that person’s destiny. As the past and future intertwine, a person’s destiny is determined. And in this interweaving of destiny, lunar forces and solar forces, lunar beings and solar beings, work together.

[ 19 ] Man gelangt eigentlich erst zu einer wirklichen Unterlage für eine Betrachtung des menschlichen Karma, des menschlichen Schicksals, wenn man den Menschen in dieser Weise hineinstellen kann in das Ganze des Weltenalls.

[ 19 ] One can only truly establish a foundation for contemplating human karma and human destiny when one is able to place human beings in this way within the totality of the universe.

[ 20 ] Das Vergangene können wir mit dem besten Willen niemals anders machen als es ist. Daher haben die Mondenkräfte, indem sie in unser menschliches Wesen hineinwirken und hineingreifen, etwas von unabänderlicher Notwendigkeit. Alles, was uns vom Monde herkommt, hat diesen Charakter einer unabänderlichen Notwendigkeit. Alles das, was von der Sonne herkommt, und was in die Zukunft hineinweist, hat etwas, wo unser Wille, ja wo unsere Freiheit eingreifen kann. So daß man auch sagen könnte: Wenn der Mensch nun wirklich wiederum ein Göttliches sieht im Kosmos, nicht bloß im allgemeinen schwärmerischschwummelig spricht über das Göttliche in der Welt, sondern wenn er wiederum in bestimmter Weise über das Göttliche sprechen wird, wie es sich offenbart in den einzelnen Gliedern des Weltenalls, in den Himmelskörpern, dann wird sich für den Menschen, ich möchte sagen, eine besondere Sprache ergeben, indem er aus dieser Herzens- und wirklichen Menschenerkenntnis hinaufschaut zu den Himmelskörpern.

[ 20 ] No matter how hard we try, we can never change the past. Therefore, the forces of the Moon, by acting upon and influencing our human nature, possess a certain quality of unalterable necessity. Everything that comes to us from the Moon has this character of unalterable necessity. Everything that comes from the Sun and points toward the future has an aspect where our will—indeed, our freedom—can intervene. So one could also say: When human beings once again truly perceive the divine in the cosmos—not merely speaking in general, dreamy, and vague terms about the divine in the world, but when they once again speak in a specific way about the divine as it reveals itself in the individual members of the universe, in the celestial bodies—then, for human beings, I would say, a special language will emerge as they look up at the celestial bodies from this heartfelt and genuine human insight.

[ 21 ] Was wäre denn, wenn ein Mensch vor uns stünde mit seinen Händen, Armen, seinem Kopf, seiner Brust, seinen Beinen und Füßen und wir, etwa in bezug auf seine Finger, auf die Frage «Was ist das?» antworten würden: Das ist Menschliches! — Indem wir auf seine Füße weisen: Das ist Menschliches! — auf seine Nase: Menschliches! — Wenn wir nichts unterscheiden, sondern alles nur mit dem allgemeinen Ausdruck «Menschliches» belegen, fangen wir ja an, im Unbestimmten herumzuschwimmen. Ebenso schwimmen wir im Unbestimmten herum, wenn wir nur hinausstarren ins Weltenall, Sonne, Mond und Sterne anschauen, und nur vom Allgemein-Göttlichen sprechen. Wir müssen wiederum zu einer bestimmten Anschauung des Göttlichen kommen. Wir kommen zu einer bestimmten Anschauung des Göttlichen, wenn wir zum Beispiel den tiefen Zusammenhang des Mondes mit unserem vergangenen Dasein erkennen, ja mit dem Vergangenen der ganzen Erde. Da können wir dann zum Monde hinaufblicken und können sagen: Du Weltensohn der Notwendigkeit, ich fühle — indem ich alles dasjenige, worüber ich keinen Willen habe, in mir selber anschaue —, ich fühle mich dir, göttlicher Weltensohn, innig verbunden. Da wird unsere Erkenntnis des Mondes Gefühl. Denn alles das, was uns aus der inneren Notwendigkeit heraus empfindbar wird, wird uns mondenverwandt.

[ 21 ] What if a person were standing before us with his hands, arms, head, chest, legs, and feet, and we—for example, referring to his fingers—were to answer the question “What is that?” by saying: “That is human!”—pointing to his feet: “That is human!” — and at their nose: “That is human!” — If we make no distinctions but simply label everything with the general term “human,” we begin to flounder in vagueness. Likewise, we flounder in vagueness when we merely gaze out into the universe, looking at the sun, moon, and stars, and speak only of the universal-divine. We must return to a specific conception of the divine. We arrive at a specific conception of the divine when, for example, we recognize the deep connection between the moon and our past existence—indeed, with the past of the entire Earth. Then we can look up at the moon and say: “O Son of the World of Necessity, I feel—as I contemplate within myself all that over which I have no will—I feel intimately connected to you, divine Son of the World.” Then our understanding of the moon becomes a feeling. For everything that becomes perceptible to us out of inner necessity becomes akin to the moon.

[ 22 ] Und wenn wir in derselben Weise recht das Sonnensein erfühlen, nicht bloß errechnen, nicht bloß durch Instrumente anschauen, so fühlen wir es verwandt mit alldem, was in uns als Freiheit lebt, als das, was durch uns selber für die Zukunft geschehen kann. Und wie uns jeder neue Morgen mit seinem Sonnendasein aufruft dazu, als Mensch zu wirken, empfängt uns die Nacht mit unseren Träumen, die uns zeigen, was wir waren, was in uns lebt und webt, was als Vergangenheit mit uns verknüpft ist. Die vom Monde beherrschte Nacht zeigt uns unsere Vergangenheit; jedes neue Morgendasein mit seinen Sonnenstrahlen weist uns hin auf das, was aus unserer Freiheit kommen kann. — So hängt in unserem gesamten Weltendasein unser Menschliches mit dem Sonnendasein zusammen, und wir können, die Sonne ansprechend, so fühlen: O du Weltensohn der Freiheit, dich fühle ich verwandt mit allem in mir, was meinem eigenen Wesen die Freiheit und die Entschlußfähigkeit für die Zukunft gibt!

[ 22 ] And when we truly sense the sun’s presence in the same way—not merely calculating it, not merely observing it through instruments—we feel it to be connected to everything within us that lives as freedom, as that which can come to be through ourselves for the future. And just as every new morning, with its solar existence, calls us to act as human beings, so the night welcomes us with our dreams, which show us what we were, what lives and weaves within us, and what is linked to us as the past. The night, ruled by the moon, reveals our past to us; every new morning, with its rays of sunlight, points us toward what can arise from our freedom. — Thus, throughout our entire existence in the world, our humanity is connected to the existence of the sun, and we can, addressing the sun, feel this way: O Son of the World of Freedom, I feel you are kindred to everything within me that gives my own being the freedom and the capacity for decision-making for the future!

[ 23 ] Mit solchen Empfindungen würden wir wieder anknüpfen an instinktive Weisheiten der Urmenschheit. Denn, was aus uralten Zivilisationen in wunderbarer Weise dichterisch strahlt, man versteht es nur dann, wenn man so etwas auch heute noch in sich fühlt, wie das Aufblicken zum Monde als zu der Notwendigkeit der Vergangenheit, das Aufblicken zur Sonne als zur Freiheit der Zukunft. Und so wirken in unserem Schicksal in seinem Weben, Notwendigkeit und Freiheit ineinander. Sprechen wir irdisch-menschlich, so sprechen wir von Notwendigkeit und Freiheit. Sprechen wir himmlisch-kosmisch, so sprechen wir von Monden- und Sonnendasein.

[ 23 ] With such feelings, we would reconnect with the instinctive wisdom of early humanity. For what radiates in a wonderfully poetic way from ancient civilizations can only be understood if we still feel such things within ourselves today—such as looking up at the moon as the necessity of the past, and looking up at the sun as the freedom of the future. And so, in the weaving of our destiny, necessity and freedom intertwine. When we speak in earthly, human terms, we speak of necessity and freedom. When we speak in heavenly, cosmic terms, we speak of lunar and solar existence.

[ 24 ] Und nun suchen wir das Mondenhafte und das Sonnenhafte in dem Weben unseres Schicksals einmal auf. Wir begegnen im Leben einem Menschen. Wir geben uns gewöhnlich damit zufrieden, daß wir diesem Menschen begegnen, denn wir beobachten ja nicht viel vom Leben, sondern nehmen das Leben zum großen Teil gedankenlos hin. Wenn man aber einen tieferen Blick in das einzelne Menschenleben wirft, dann erkundet man, daß wenn zwei Menschen sich im Leben treffen, ihre Wege wirklich in einer merkwürdigen Weise gelenkt worden sind. Zwei Menschen, die sich, sagen wir, der eine im fünfundzwanzigsten, der andere im zwanzigsten Jahre, treffen, sie können zurückblicken auf das, was sie bisher erlebt haben, und es wird ihnen wirklich sehr deutlich werden, wie bei dem Zwanzigjährigen, aus einer ganz anderen Weltenecke alle einzelnen Tatsachen seines Lebens ihn so hineingedrängt haben, daß er gerade dort zusammengetroffen ist mit dem anderen Menschen, der ebenso seine fünfundzwanzig Jahre überblicken kann, der wiederum aus einer ganz anderen Ecke kommt und mit ihm zusammentrifft. Und was hängt nicht alles in der Bildung unseres Schicksals davon ab, daß Menschen, die in zwei verschiedenen Weltenecken ihren Ausgangspunkt nehmen, dann zusammentreffen wie hergeleitet mit einer wirklich ehernen Notwendigkeit, die überall hinzielt nach diesem Punkte, in dem sie sich treffen. Man faßt ja gar nicht in das Seelenauge das Wunderbare, das sich in solchen Betrachtungen enthüllen kann! Das menschliche Leben wird arm, wenn man es nicht so betrachtet, und es wird unendlich reich, wenn man es so betrachtet. Man muß dann schon darauf aufmerksam werden, wie man gegenüber einem Menschen, dem man scheinbar ganz zufällig begegnet, sich sagen muß, wenn man auf die ganze Art, wie man sich dann zu ihm verhält, hinsieht: Man hat ihn gesucht, gesucht seit man in diesem irdischen Dasein herinnen ist; man könnte auch schon sagen: vorher, aber darauf will ich jetzt nicht eingehen. Man braucht ja nur zu erwägen, wie man nicht auf diesen Menschen aufgestoßen wäre, wenn man da oder dort in seinem vergangenen Erdenleben nur ein wenig einen anderen Schritt nach links oder rechts gemacht hätte und nicht dahin gegangen wäre, wo man gegangen ist. Wie gesagt, diese Betrachtungen werden nicht angestellt; aber es ist ja ein unendlicher Hochmut des Menschen, wenn er glaubt, daß dasjenige, worüber er nicht Beobachtungen anstellt, auch nicht vorhanden sei. Es ist eben da! Fängt man an mit der Beobachtung, so enthüllt es sich schon. Und es ist nun ein sehr bedeutsamer Unterschied zu bemerken zwischen alledem, was da vorgegangen ist, ehe sich zwei Menschen treffen, und von dem Momente an, wo sie sich treffen. Denn ehe sie sich getroffen haben, ehe sie sich gefunden haben im Erdenleben, haben sie aufeinander gewirkt, aber ohne daß sie etwas gewußt haben voneinander. Nunmehr, nachdem sie sich getroffen haben, wirken sie aufeinander, indem sie wissen voneinander. Aber hier beginnt nun wiederum etwas außerordentlich Bedeutsames.

[ 24 ] And now let us seek out the lunar and solar aspects in the weaving of our destiny. We encounter a person in life. We are usually content simply to encounter this person, for we do not observe much of life; rather, we accept life for the most part without reflection. But if one takes a deeper look into an individual’s life, one discovers that when two people meet in life, their paths have truly been guided in a remarkable way. Two people who meet—let’s say, one at twenty-five and the other at twenty— can look back on what they have experienced so far, and it will become very clear to them—as in the case of the twenty-year-old—how, from a completely different corner of the world, all the individual facts of his life have driven him in such a way that he has met the other person precisely there—a person who, in turn, can look back on his twenty-five years, who comes from yet another corner of the world and meets him there. And how much of the shaping of our destiny depends on the fact that people, setting out from two different corners of the world, then come together as if guided by a truly ironclad necessity that points everywhere toward this very point where they meet. One cannot even begin to grasp with the eye of the soul the wonder that can be revealed in such reflections! Human life becomes impoverished if one does not view it in this way, and it becomes infinitely rich if one does. One must then become aware of how, when encountering a person whom one seems to have met quite by chance, one must say to oneself—when looking at the entire way one then behaves toward that person—that one has been seeking them, seeking them ever since one entered this earthly existence; one could even say: before that, but I do not wish to go into that now. One need only consider how one would not have come across this person if, here or there in one’s past earthly life, one had taken just a slightly different step to the left or right and had not gone where one did go. As I said, these reflections are not made; but it is indeed an infinite arrogance on the part of human beings to believe that whatever they do not observe does not exist. It is simply there! As soon as one begins to observe, it reveals itself. And there is now a very significant difference to be noted between everything that took place before two people met and the moment when they do meet. For before they met, before they found one another in earthly life, they influenced one another, but without knowing anything about each other. Now, after they have met, they influence one another while being aware of each other. But here, once again, something extraordinarily significant begins.

[ 25 ] Wir treffen ja natürlich auch sehr viele Menschen im Leben, auf die wir sozusagen nicht zugegangen sind. Ich will nicht sagen, daß wir sehr viele Menschen im Leben treffen, bei denen wir uns sagen, es wäre gescheiter, wenn wir sie nicht getroffen hätten; das will ich nicht sagen. Aber wir treffen eben sehr viele Menschen, bei denen wir dies, was ich eben jetzt auseinandergesetzt habe, daß wir unbedingt auf sie zugegangen sind, nicht als eine Betrachtung anstellen können.

[ 25 ] Of course, we also meet a great many people in life whom we haven’t, so to speak, reached out to. I don’t mean to say that we meet a great many people in life about whom we tell ourselves it would have been wiser if we hadn’t met them; that’s not what I’m saying. But we do meet a great many people for whom we cannot apply the perspective I’ve just outlined—that we definitely reached out to them.

[ 26 ] Sieht man das Ganze, was ich jetzt gesagt habe, im Lichte der Geisteswissenschaft, dann zeigt sich, daß all das, was sich zwischen zwei Menschen abspielt, ehe sie sich im Erdenleben kennenlernen, vom Mondenhaften bestimmt ist, daß alles, was sich zwischen ihnen abspielt, nachdem sie sich kennengelernt haben, vom Sonnenhaften bestimmt ist. Daher kann das, was sich abspielt zwischen zwei Menschen, bevor sie sich kennenlernen, nur im Lichte der ehernen Notwendigkeit gesehen werden; dasjenige, was sich abspielt, nachdem sie sich kennenlernen, im Lichte der Freiheit, im Lichte des gegenseitigen freien Verhaltens. Es ist tatsächlich so, daß, wenn wir einen Menschen kennenlernen, unsere Seele im Unterbewußtsein sich umschaut nach hinten und nach vorne: Nach hinten nach dem geistigen Monde, nach vorn nach der geistigen Sonne. Und damit hängt es zusammen, wie unser Karma, unser Schicksal eigentlich gewoben wird.

[ 26 ] If we view everything I have just said in the light of spiritual science, it becomes clear that everything that takes place between two people before they meet in earthly life is determined by the lunar principle, and that everything that takes place between them after they have met is determined by the solar principle. Therefore, what takes place between two people before they get to know each other can only be viewed in the light of ironclad necessity; what takes place after they get to know each other must be viewed in the light of freedom, in the light of mutual, free behavior. It is indeed the case that when we get to know a person, our soul, in the subconscious, looks back and forward: backward toward the spiritual moon, forward toward the spiritual sun. And this is connected to how our karma, our destiny, is actually woven.

[ 27 ] Heute haben noch die wenigsten Menschen Empfindungsfähigkeiten für solche Dinge. Aber gerade deshalb gärt in unserem Zeitalter so viel, weil die Empfindungsfähigkeiten anfangen, für solche Dinge sich zu entwickeln. Sie sind schon in zahlreichen Menschen vorhanden, nur wissen es diese Menschen nicht. Sie schreiben das allerlei anderen Dingen zu. In Wirklichkeit wollen diese Empfindungsfähigkeiten heraus bei den Menschen, wollen so heraus, daß die Menschen beobachten, wenn sie einander kennenlernen, wieviel sie der ehernen Notwendigkeit, dem Mondenhaften verdanken, wieviel ihnen obliegen wird im Lichte der hellen Sonne, im Lichte der Freiheit. Das Schicksal so zu empfinden, das ist selbst ein Weltenschicksal der Menschheit von der Gegenwart in die Zukunft hinein! Denn wenn man einen Menschen in der Welt trifft, dann kann man genau unterscheiden zwischen zwei Arten des Verhaltens zu ihm. Den einen Menschen beurteilt man so, daß alles, was in der Beziehung zu ihm auftritt in uns, vom Willen ausgeht; den anderen Menschen beurteilt man so, daß alles, was in der Beurteilung von uns ausgeht, mehr oder weniger vom Verstande oder vom ästhetischen Sinn ausgeht.

[ 27 ] Today, very few people still possess the sensory faculties for such things. But it is precisely for this reason that so much is brewing in our age—because these sensory faculties are beginning to develop for such things. They are already present in numerous people; it’s just that these people are unaware of it. They attribute this to all sorts of other things. In reality, these capacities for feeling are striving to emerge in people—so much so that when people get to know one another, they will observe how much they owe to the iron necessity, to the lunar, and how much will be incumbent upon them in the light of the bright sun, in the light of freedom. To perceive destiny in this way is itself a cosmic destiny for humanity, stretching from the present into the future! For when one encounters a person in the world, one can clearly distinguish between two ways of relating to them. One judges one person in such a way that everything that arises within us in relation to them stems from the will; one judges another person in such a way that everything that stems from our judgment arises, to a greater or lesser extent, from the intellect or the aesthetic sense.

[ 28 ] Bedenken Sie nur einmal, wie fein verschieden die Menschen in ihrer Menschenerkenntnis nach diesen Dingen sind, schon in der Jugend, schon im Kindesalter: Den einen Menschen lieben wir vielleicht, oder wir hassen ihn auch. Wenn es nicht bis zu der Stärke kommt, dann haben wir Sympathie oder Antipathie für ihn; aber es geht nicht tief, wir gehen an ihm vorüber und lassen ihn an uns vorübergehen.

[ 28 ] Just consider for a moment how subtly people differ in their understanding of others with regard to these matters, even in their youth, even in childhood: We may love one person, or we may even hate him. If our feelings do not reach that intensity, then we feel sympathy or antipathy toward them; but it does not run deep—we pass them by and let them pass us by.

[ 29 ] Es wird ja nicht zu leugnen sein, daß, sagen wir, die meisten unserer in der Schule uns gegenübertretenden Lehrer so von uns aufgefaßt werden: Wir gehen an ihnen vorüber, sie gehen an uns vorüber. Es gehört eben zum Glück eines Menschen, wenn er einmal ein anderes erfährt.

[ 29 ] There’s no denying that, let’s say, most of the teachers we encounter in school are perceived by us in this way: We pass them by, and they pass us by. It is simply part of a person’s happiness to get to know another person.

[ 30 ] Aber es gibt ein anderes Verhältnis, schon in der Kindheit. Das ist das, wo es uns innerlich ergreift, wo wir sagen: Der Mensch tut etwas, das müssen wir auch tun! — Da beurteilen wir gar nicht den Menschen so, daß wir ihn nur vorübergehen lassen können. Da kommt das von selbst durch die Beziehung von ihm zu uns, daß wir uns ihn als Helden wählen, dem wir die Wege zum Olymp hinauf uns nacharbeiten. Kurz, es gibt Menschen, die wirken bloß auf den Verstand, auf die Verstandessympathie und -antipathie, höchstens noch auf die ästhetische Sympathie und Antipathie; andere Menschen wirken auf unseren Willen.

[ 30 ] But there is another kind of relationship, one that begins in childhood. It is the one that moves us deeply, where we say: “This person is doing something—we must do it too!” — In such cases, we do not judge the person in such a way that we can simply let them pass us by. It arises naturally from the relationship between them and us, so that we choose them as heroes, following in their footsteps up the paths to Olympus. In short, there are people who appeal solely to the intellect, to intellectual sympathy and antipathy, or at most to aesthetic sympathy and antipathy; other people appeal to our will.

[ 31 ] Oder wenn wir mehr die andere Seite des Lebens betrachten: Wissen Sie es denn nicht alle, meine lieben Freunde, daß uns Menschen im Leben begegnen, uns unter Umständen durch die äußeren Verhältnisse sogar recht nahekommen können, aber es ist uns unmöglich, von ihnen zu träumen? Wir träumen nicht von ihnen! Und andere begegnen uns ein einziges Mal: Wir kommen nicht wieder los von ihnen, wir träumen ewig von ihnen. Und wenn es uns dann in diesem Erdenleben nicht gegönnt ist, mit ihnen in innigere Beziehung zu kommen, so müssen wir uns halt das für andere Erdenleben aufsparen. Aber es geht uns jene Beziehung zum Menschen wirklich tiefer, wenn wir, kaum daß wir ihn kennengelernt haben, sogleich von ihm träumen, als wenn wir einen Menschen kennenlernen, von dem wir überhaupt nicht träumen können.

[ 31 ] Or if we consider the other side of life more closely: Don’t you all know, my dear friends, that people come into our lives—and under certain circumstances, due to external circumstances, may even come quite close to us—but it is impossible for us to dream of them? We do not dream of them! And others we meet just once: we cannot get them out of our minds; we dream of them forever. And if we are not granted the opportunity in this earthly life to form a deeper relationship with them, then we must simply save that for another earthly life. But that relationship with a person truly runs deeper for us when, no sooner have we met them than we immediately dream of them, than when we meet someone we cannot dream of at all.

[ 32 ] Dann gibt es auch ein Wachträumen. Dieses Wachträumen spielt sich allerdings für die meisten Menschen heute noch in einer ziemlichen Unbestimmtheit ab. Aber Sie wissen ja: Es gibt auch initiierte Menschen, die erleben das Leben doch anders noch! Treffen diese einen Menschen, der auf ihren Willen wirkt, so wirkt er auch auf die innere Sprache. Der spricht nicht nur, wenn er einem gegenübersteht, sondern der spricht aus uns heraus. Ist man eingeweiht in die Geheimnisse des Weltendaseins, so stellt sich die Beziehung des Menschen folgenderweise als eine zweifache dar: Man begegnet Menschen, denen hört man zu. Man verläßt sie wieder: Man braucht ihnen dann nicht mehr zuzuhören, wenn man weit genug von Ihnen ist. — Aber man begegnet anderen Menschen, denen hört man zu; dann kann man von ihnen weggehen und dann sprechen sie aus dem eigenen Inneren heraus: Sie sind da, sie sprechen!

[ 32 ] Then there is also waking dreaming. For most people today, however, this waking dreaming still takes place in a state of considerable vagueness. But as you know, there are also initiated people who experience life quite differently! When such a person encounters someone who influences their will, that person also influences their inner speech. They do not merely speak when standing before you; rather, they speak from within us. If one is initiated into the mysteries of worldly existence, human relationships present themselves in the following twofold manner: One encounters people and listens to them. One then leaves them again; once far enough away, one no longer needs to listen to them. — But one encounters other people, and one listens to them; then one can walk away from them, and they speak from within oneself: They are there; they speak!

[ 33 ] Nun, für den Initiierten macht sich das so, wie ich es Ihnen eben geschildert habe, daß er tatsächlich mit der vollen Stimmfärbung die Menschen in sich trägt, die in dieser Weise auf ihn wirken. Für die anderen, nicht initiierten Menschen macht es sich mehr gefühlsmäßig, mehr empfindungsmäßig, aber es ist doch auch da, unterbewußt sehr stark da. Man kann sagen: Es trifft jemand einen Menschen, und er kommt zu anderen Menschen, die den auch kennen, und je nachdem er diese oder jene Ausdrucksweise hat, sagt er: Er ist ein Prachtskerl! — Vielleicht sagen einige andere auch: Ja, er ist ein Prachtskerl. — Das heißt: er hat ihn betrachtet und gibt ein Urteil mit dem Verstande über ihn ab.

[ 33 ] Well, for the initiate, it works just as I have just described to you: he actually carries within himself, with the full timbre of their voices, the people who affect him in this way. For others—those who are not initiated—it manifests more on an emotional level, more through their senses, but it is still there, very strongly present in the subconscious. One might say: Someone meets a person, and then goes on to other people who also know him, and depending on the way he expresses himself, he says: “He’s a great guy!” — Perhaps some others will also say: “Yes, he’s a great guy.” — That is to say: he has observed him and is passing judgment on him with his intellect.

[ 34 ] Aber nicht so verhalten wir uns zu jedem Menschen, daß wir ihn als einen Prachtskerl oder als einen Schubjack oder dergleichen auffassen; sondern es gibt eben Menschen, die unseren Willen, der ja auch, wie ich Ihnen oftmals auseinandergesetzt habe, eine Art von Schlafdasein in uns führt beim sonstigen Wachen, direkt zur Nachfolgeschaft oder zum Widerstande unmittelbar bestimmen. Bei nicht initiierten Menschen sprechen sie nicht, aber im Willen leben sie. Was ist das eigentlich für ein Unterschied?

[ 34 ] But we do not behave toward every person in such a way that we regard them as a fine fellow or a good-for-nothing or the like; rather, there are simply people who directly determine—through our will, which, as I have often explained to you, leads a sort of slumbering existence within us while we are otherwise awake—whether we will follow them or resist them. They do not speak to uninitiated people, but they live within their will. What exactly is the difference?

[ 35 ] Nun, sehen Sie, wenn man zu Menschen kommt, an Menschen herankommt, die nicht in unserem Willen leben, bei denen wir uns nicht aufgefordert fühlen, ihnen nachzuarbeiten oder ihnen zu widerstreben im Willen, sondern die wir bloß beurteilen, so sind wir mit denen wenig karmisch verknüpft, mit denen haben wir wenig zu tun gehabt in vorigen Erdenleben. Menschen, die in unseren Willen hineingehen, so daß sie uns nachgehen, so daß sich uns ihre Gestalt gleich einprägt, daß wir sie behalten, daß wir auch wie wach noch träumen von ihnen, das sind diejenigen Menschen, mit denen wir viel in vergangenen Erdenleben zu tun gehabt haben. Das sind die Menschen, mit denen wir sozusagen kosmisch durch das Tor des Mondes verbunden sind, während wir im gegenwärtigen Leben immer für alles dasjenige, was nicht mit der Notwendigkeit des Mondendaseins in uns lebt, verbunden werden durch das Sonnendasein.

[ 35 ] Well, you see, when we encounter people—when we come into contact with people who do not live in accordance with our will, people who do not inspire us to emulate them or to resist them in our will, but whom we merely judge—we have little karmic connection with them; we have had little to do with them in previous earthly lives. People who enter into our will—so that they follow us, so that their image is imprinted on us, so that we retain them, so that we even dream of them as if we were awake—these are the people with whom we have had much to do in past earthly lives. These are the people with whom we are, so to speak, cosmically connected through the gate of the Moon, whereas in our present life we are always connected—through the Sun’s presence—to everything that does not live within us as a necessity of the Moon’s existence.

[ 36 ] Und so wird unser Schicksal gewoben. Und so können wir sagen: Der Mensch ist ja ein polarisches Wesen. Auf der einen Seite hat er sein isoliertes Kopfdasein — das hat ja eine große Selbständigkeit. Dieses Kopfdasein hebt sich eigentlich fortwährend heraus aus dem allgemeinen Weltendasein des Menschen, schon physisch: Das Gehirn ist im Durchschnitt tausendfünfhundert Gramm schwer. Bei einem solchen Gewichte müßte es eigentlich alle Adern, die darunter sind, zerdrücken. Denken Sie sich, tausendfünfhundert Gramm Gewicht auf den feinen Adern! Aber das tut es nicht. Warum denn nicht? Nun ja, weil es im Gehirnwasser eingebettet ist. Und wenn Sie Physik gelernt haben, wissen Sie, daß ein jeder Körper im Wasser so viel von seinem Gewicht verliert, als das Gewicht des verdrängten Wassers beträgt — das sogenannte Archimedische Prinzip. Real zwanzig Gramm etwa — das andere ist nicht da, weil das Gehirn im Gehirnwasser schwimmt. So daß in Wahrheit unser Gehirn im menschlichen Leib nur mit zwanzig Gramm nach unten gezogen wird, gar nicht mit seinen tausendfünfhundert Gramm. Das Gehirn ist isoliert, hat sein eigenes Dasein, hat in bezug auf viele andere Dinge noch sein eigenes Dasein.

[ 36 ] And this is how our destiny is woven. And so we can say: Human beings are, after all, polar beings. On the one hand, they have their isolated mental existence—which, after all, possesses a great deal of independence. This mental existence actually stands out continuously from humanity’s general existence in the world, even physically: The brain weighs, on average, 1,500 grams. With such a weight, it should actually crush all the veins beneath it. Just imagine, 1,500 grams of weight pressing down on those delicate veins! But it doesn’t. Why not? Well, because it is embedded in cerebrospinal fluid. And if you’ve studied physics, you know that any body in water loses an amount of weight equal to the weight of the water it displaces—the so-called Archimedes’ principle. In reality, about twenty grams—the rest isn’t there because the brain floats in cerebrospinal fluid. So in truth, our brain is pulled downward in the human body by only twenty grams, not at all by its 1,500 grams. The brain is isolated; it has its own existence, and in relation to many other things, it still has its own existence.

[ 37 ] Das Gehirn ist wirklich so, daß wenn wir in der Welt herumgehen, es gleich einem Menschen ist, der in seinem Auto sitzt. Der Mensch selbst bewegt sich nicht im Auto: das Auto bewegt sich und er sitzt still. So ist es schon. Das Gehirn als Träger unseres Verstandes hat ein isoliertes Dasein. Deshalb ist der Verstand eigentlich so unabhängig von unserer Individualität. Wir haben doch nicht jeder einen eigenen Verstand. Wir würden uns sehr schlecht verständigen können, wenn wir jeder einen eigenen Verstand hätten! Wir können uns nur dadurch verständigen, daß jeder denselben Verstand hat, wenn auch im größeren oder geringeren Maße — das sind dann Gradunterschiede —, aber der Verstand hat etwas Allgemeines. Deshalb verständigen sich die Menschen durch den Verstand, der ist unabhängig von unseren Qualitäten. Und was im Menschenschicksal auftritt als unmittelbar Gegenwärtiges, also auch das Zusammentreffen zweier Menschen, das wirkt auf den Verstand und diejenigen Gefühlsimpulse, die an den Verstand sich angliedern. Da sprechen wir von dem «Prachtskerl», von dem uns nichts weiter interessiert, als daß er eben auf unseren Verstand wirkt. Alles, was nicht karmisch ist an uns, wirkt auf unseren Verstand; alles was karmisch ist an uns, was uns bindet als Menschen im Sinne dessen, was wir mit den menschlichen Individualitäten, die in den Leibern uns entgegentreten, durchgemacht haben, das wirkt durch unseren Willen, das wirkt durch die Tiefen des menschlichen Wesens, die im Willen sind. Und auch so ist es: Bevor wir einem Menschen, mit dem wir karmisch verbunden sind im Leben, nun auch von Angesicht zu Angesicht entgegentreten, wirkt der Wille. Der Wille ist ja nicht immer vom Verstand erhellt. Denken Sie nur, wieviel Dunkles im Willen wirkt! Das dunkelste ist dasjenige, was das Karma trägt, das zwei Menschen zusammenführt, so daß sie dann an der Art und Weise, wie ihr Wille erfaßt wird, merken, daß da das Karma wirkt. In dem Momente, wo sie sich von Angesicht zu Angesicht kennenlernen, beginnt der Verstand zu wirken. Und was vom Verstande dann gewoben wird, das kann ja wieder Grundlage für ein nächstes Karma sein. Aber man kann schon sagen: Im wesentlichen hat das Karma — im wesentlichen, nicht ganz —, hat das Karma sich ausgewirkt für zwei Menschen, die karmisch verbunden sind, wenn sie sich begegnet sind. Nur was sie dann noch tun als Fortsetzung des Unbewußten, das wirkt weiter im Sinne des Karma. Aber es wird dann in das Schicksal vieles, vieles hineingewoben, was eben nur auf den Verstand und seine Sympathien und Antipathien wirkt. Und da gliedert sich Vergangenheit und Zukunft, Mondendasein und Sonnendasein ineinander. Der Faden des Karmas, der in die Vergangenheit reicht, wird zusammengewoben mit dem Faden, der in die Zukunft reicht.

[ 37 ] The brain really is such that when we go about in the world, it is like a person sitting in his car. The person himself does not move in the car: the car moves, and he sits still. That is indeed the case. The brain, as the vessel of our mind, exists in isolation. That is why the intellect is actually so independent of our individuality. After all, we do not each have our own intellect. We would have great difficulty communicating if we each had our own intellect! We can only communicate because we all share the same intellect, albeit to a greater or lesser degree—these are differences of degree—but the intellect has something universal about it. That is why people communicate through the mind, which is independent of our individual qualities. And whatever occurs in human destiny as something immediately present—including the meeting of two people—affects the mind and those emotional impulses that are linked to it. That is when we speak of the “great guy,” about whom we are interested in nothing more than the fact that he simply affects our mind. Everything about us that is not karmic acts upon our intellect; everything about us that is karmic—that binds us as human beings in the sense of what we have experienced with the human individualities we encounter in physical bodies—acts through our will; it acts through the depths of the human being that lie within the will. And this is also true: Before we actually meet face to face with a person with whom we are karmically connected in life, the will is already at work. After all, the will is not always illuminated by the intellect. Just think how much darkness is at work in the will! The darkest aspect is that which bears the karma that brings two people together, so that they then realize, from the way their will is perceived, that karma is at work. The moment they get to know each other face to face, the intellect begins to take effect. And what is then woven by the intellect can, in turn, serve as the foundation for the next karma. But one can certainly say: Essentially—essentially, not entirely—karma has run its course for two people who are karmically connected once they have met. Only what they then do as a continuation of the unconscious continues to work in the sense of karma. But then much, much is woven into destiny that affects only the intellect and its sympathies and antipathies. And there, the past and the future, the lunar existence and the solar existence, intertwine. The thread of karma that reaches into the past is woven together with the thread that reaches into the future.

[ 38 ] Wir können ganz genau hineinschauen in das Weltendasein. — Denn schauen wir hinaus, wenn wir des Morgens die Sonne aufgehen sehen, wenn wir in der Nacht den Mond betrachten, so haben wir in diesem gegenseitigen Zusammenwirken, das wir da ahnen, zunächst ein Bild dessen, wie in unserem eigenen Menschenwesen Notwendigkeit und Freiheit im Schicksale ineinander wirken. Und haben wir dann eine wirkliche Idee von diesem Zusammenwirken von Notwendigkeit und Freiheit im menschlichen Schicksal, schauen wir mit dieser Erkenntnis wiederum zurück, dann beginnen Sonne und Mond ihre eigene Geistigkeit uns zu enthüllen. Und dann reden wir nicht bloß wie der einfältige Physiker, der da sagt, wenn er den Mond anschaut: Der strahlt das Sonnenlicht zurück —, sondern dann reden wir, indem wir gewahr werden dieses Rückstrahlen des Mondenlichtes, welches dasselbe ist wie das Sonnenlicht, von dem Weben und Regen des kosmischen Schicksals.

[ 38 ] We can look very closely into the nature of our existence in the world. — For when we look out as we watch the sun rise in the morning, or as we gaze at the moon at night, this mutual interplay that we sense there gives us, at first, a picture of how necessity and freedom interact within our own human nature in the course of our destiny. And once we have a true understanding of this interplay of necessity and freedom in human destiny, and we look back with this insight, then the sun and the moon begin to reveal their own spirituality to us. And then we do not merely speak like the simple-minded physicist who, when looking at the moon, says, “It reflects the sunlight back”—but rather, as we become aware of this reflection of moonlight, which is the very same as sunlight, we speak of the weaving and pouring forth of cosmic destiny.

[ 39 ] Und dann lernen wir durch unser eigenes Menschenschicksal das kosmische Schicksal kennen! Dann verweben wir erst unser Menschendasein so recht mit dem kosmischen Dasein. Und so muß der Mensch wiederum hineinwachsen in ein Sich-im-Kosmos-Fühlen. Wie der Finger des Menschen das, was er ist, nur so lange ist, als er am menschlichen Leibe ist — schneidet man ihn ab, ist er kein Finger mehr, er hat ein Fingersein nur, so lange er am menschlichen Leib ist —, ebenso hat der Mensch ein Sein nur, indem er ein Stück des Kosmos ist. Nur ist der Mensch hochmütig, und der Finger würde wahrscheinlich bescheidener sein, wenn er in derselben Weise Bewußtsein hätte wie der Mensch. Aber er würde vielleicht auch nicht mehr bescheiden sein, wenn er sich immer losreißen könnte und am Menschen herumspazieren könnte — nur müßte er auch in der Sphäre des Menschen bleiben, um ein Finger zu bleiben! Und es muß der Mensch, so wie er einmal ein Erdenmensch ist, in der Sphäre der Erde bleiben, um Mensch zu sein. Er ist etwas ganz anderes, er ist in seinem ewigen Wesen, wenn er außerhalb der Erdensphäre ist im vorirdischen Dasein, im nachirdischen Dasein. Aber auch diese lernen wir nur kennen, wenn wir uns als Glied des Weltenalls kennenlernen. Das können wir nicht, indem wir einfach phantasieren von unserem Zusammenhang mit dem Weltenall; sondern das können wir nur dann, wenn wir in einer solchen Weise, wie es heute wieder geschehen ist, uns allmählich ganz einfühlen lernen in die einzelnen konkreten Gestaltungen des Weltenalls. Dann fühlen wir aber, wie unser Schicksal wirklich ein Abbild der Sternenwelt ist, des Sonnen- und Mondenhaften. Dann lernen wir hinausschauen in das Weltenall und lernen unser Menschenleben abzulesen von dem Leben des großen Weltenalls. Und wiederum lernen wir hineinschauen in unsere eigene Seele und lernen die Welt verstehen aus unserer eigenen Seele. Denn niemand versteht den Mond, der nicht die Notwendigkeit im menschlichen Schicksal versteht; niemand versteht die Sonne, der nicht die Freiheit im menschlichen Wesen versteht. So hängen die Dinge zusammen von Notwendigkeit und Freiheit.

[ 39 ] And then, through our own human destiny, we come to know the cosmic destiny! Only then do we truly interweave our human existence with cosmic existence. And so human beings must once again grow into a sense of being part of the cosmos. Just as a human finger is what it is only as long as it is attached to the human body—if you cut it off, it is no longer a finger; it has a finger-being only as long as it is attached to the human body—so, too, human beings have a being only insofar as they are a part of the cosmos. But human beings are arrogant, and the finger would probably be more humble if it possessed consciousness in the same way as a human being. Yet perhaps it would no longer be humble if it could always break free and wander about on the human body—it would have to remain within the sphere of the human being in order to remain a finger! And human beings, once they are earthly beings, must remain within the sphere of the Earth in order to be human. They are something entirely different—they are in their eternal essence—when they are outside the Earth’s sphere, in pre-earthly existence or post-earthly existence. But we, too, come to know these only when we come to know ourselves as members of the universe. We cannot do this by simply fantasizing about our connection to the universe; rather, we can do so only when, in the manner that has occurred again today, we gradually learn to empathize fully with the individual, concrete forms of the universe. Then we feel how our destiny is truly a reflection of the world of the stars, of the sun and the moon. Then we learn to look out into the universe and to interpret our human life in light of the life of the great universe. And in turn, we learn to look inward into our own soul and to understand the world from within our own soul. For no one understands the moon who does not understand necessity in human destiny; no one understands the sun who does not understand freedom in the human being. Thus, things are interconnected through necessity and freedom.

[ 40 ] Daß dieses, was in solcher Weise als eine wirklich esoterische Anschauung in unsere Herzen, in unsere Gemüter einziehen kann, in der Zukunft noch in wirksamerer Weise leben könne in der Welt, dazu haben wir mit der Weihnachtstagung am Goetheanum die Impulse zu geben versucht. Und ich hoffe, daß, was auf dieser Weihnachtstagung sich abgespielt hat, immer mehr und mehr ins Bewußtsein unserer Freunde, unserer lieben Mitglieder einziehen wird. Und ich möchte nach dieser Richtung besonders darauf aufmerksam machen, daß ja jetzt zu Händen eines jeden Mitgliedes jenes Nachrichtenblatt kommen kann, das den Titel trägt «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht» und das seit unserer Weihnachtstagung jede Woche erscheint. Durch dieses Nachrichtenblatt und durch vieles andere, was sich in der Anthroposophischen Gesellschaft entwickelt, soll nun in der Zukunft wirklich diese Anthroposophische Gesellschaft jenes lebendigen Lebens teilhaftig sein, das aus der Anthroposophie kommen kann. Die Isoliertheit unserer Zweige soll etwas aufhören. Dadurch wird die Anthroposophische Gesellschaft erst ein Ganzes, daß derjenige, der in einem Anthroposophischen Zweige in Neuseeland ist, weiß, was in einem Anthroposophischen Zweige in Bern oder in Wien vorgeht; derjenige, der in einem Anthroposophischen Zweige in Bern ist, weiß, was in Neuseeland oder in New York oder in Wien vorgeht. Dafür wird eine Möglichkeit da sein. Und unter den vielen Dingen, die wir schaffen, oder wenigstens unter den mannigfaltigen Dingen, die wir schaffen wollen im Anschluß an diese Weihnachtstagung, wird eben dieses sein, daß in diesem Nachrichtenblatt tatsächlich ein Vermittlerorgan da sein wird für alles, was in der Welt anthroposophisch vorgeht. Es wird nur nötig sein, ein wenig Einsicht zu nehmen von diesem Nachrichtenblatt, dann wird man ja auch wissen, was man nun wiederum zum Gedeihen dieses Nachrichtenblattes tun soll.

[ 40 ] With the Christmas Conference at the Goetheanum, we sought to provide the impetus so that this—which can enter our hearts and minds in such a way as a truly esoteric perspective—might live even more effectively in the world in the future. And I hope that what took place at this Christmas Conference will increasingly find its way into the consciousness of our friends, our dear members. And in this regard, I would like to draw particular attention to the fact that every member can now receive the newsletter titled “What Is Happening in the Anthroposophical Society,” which has been published weekly since our Christmas Conference. Through this newsletter and through much else that is developing within the Anthroposophical Society, the Society itself will truly, in the future, share in that living life that can flow from anthroposophy. The isolation of our branches must come to an end. Only then will the Anthroposophical Society become a true whole—so that someone in an Anthroposophical branch in New Zealand knows what is happening in an Anthroposophical branch in Bern or Vienna; and someone in an Anthroposophical branch in Bern knows what is happening in New Zealand, New York, or Vienna. The opportunity for this will be there. And among the many things we are creating—or at least among the diverse things we intend to create following this Christmas Conference—will be precisely this: that this newsletter will indeed serve as a medium for everything happening in the world of anthroposophy. All it will take is a brief look at this newsletter, and then one will know what to do to help this newsletter flourish.

[ 41 ] Während ich hier spreche, wird eben drüben in Dornach die dritte Nummer dieses Nachrichtenblattes ausgegeben, in dem ich ausgeführt habe, wie jedes einzelne Mitglied wirken kann dazu, daß dieses Nachrichtenblatt wirklich in entsprechender Weise ein Spiegelbild des anthroposophischen Schaffens in der anthroposophischen Bewegung ist. Nur weil ich glaube, daß das Leben in der Anthroposophischen Gesellschaft reger werden muß, als es gewesen ist, nur weil ich glaube, daß dazu notwendig ist, daß wirklich mehr Anthroposophie in der Anthroposophischen Gesellschaft gepflegt wird, als es bisher geschehen ist — ich meine nicht mehr an Stoff, sondern mehr an Intensität und an Enthusiasmus und Liebe —, deshalb habe ich mich entschlossen, während ich nach den sonstigen Usancen in der Welt reichlich ein Recht dazu hätte, mich pensionieren zu lassen — es ist ja so das Lebensalter, in dem man das tut —, nur weil ich das meine, habe ich mich dazu entschlossen, wieder anzufangen. Nachdem ich ja schon 1912 die persönliche Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft abgegeben hatte, habe ich mich entschlossen, wieder anzufangen und mir einzubilden, ich wäre wieder jung und könnte eben durchaus wirken. Und ich möchte, daß auch wirklich in diesem Sinne, meine lieben Freunde, verstanden wird, daß ein gewisses regeres Interesse kommen möchte für ein regeres Leben in der Anthroposophischen Gesellschaft. Das ist dasjenige, wovon ich möchte — Sie können es ja im «Goetheanum» und Nachrichtenblatt lesen, diejenigen, die nicht in Dornach waren —, daß aus dem, was in der Weihnachtstagung geschehen ist, als geistiges Wort wirklich zu jedem einzelnen Mitgliede etwas dringen möge. Und dadurch wird das erreicht werden, daß wieder wirkliches esoterisches Leben einzieht. Denn dazu ist die Hochschule für Geisteswissenschaft zu Weihnachten gegründet worden: daß wiederum esoterisches Leben einziehen möge in unsere Anthroposophische Gesellschaft. Das wird kommen können.

[ 41 ] As I speak here, the third issue of this newsletter is just being distributed over in Dornach, in which I have explained how each individual member can contribute to ensuring that this newsletter truly serves as a fitting reflection of anthroposophical work within the anthroposophical movement. Simply because I believe that life in the Anthroposophical Society must become more vibrant than it has been, simply because I believe that this requires that more anthroposophy be cultivated in the Anthroposophical Society than has been the case so far—I do not mean more in terms of content, but more in terms of intensity, enthusiasm, and love— that is why I have decided—even though, according to the usual customs of the world, I would have every right to retire—it is, after all, the age at which one does so—simply because I feel this way, I have decided to start over. Since I had already relinquished the personal leadership of the Anthroposophical Society back in 1912, I have decided to start over and imagine that I am young again and can certainly be active. And I would like it to be understood in this very sense, my dear friends, that a certain livelier interest should arise for a more vibrant life within the Anthroposophical Society. This is what I hope for—as those of you who were not in Dornach can read in the Goetheanum and the Nachrichtenblatt—that what took place at the Christmas Conference may truly reach each and every member as a spiritual message. And through this, a genuine esoteric life will once again take root. For this is why the School of Spiritual Science was founded at Christmas: so that esoteric life might once again take root in our Anthroposophical Society. This will be possible.

[ 42 ] Ich wollte die Worte, die ich heute zu Ihnen gesprochen habe, meine lieben Freunde, eben so gesprochen haben, daß sie zu gleicher Zeit ausdrücken sollen: Es möge wiederum solches esoterisches Leben unter uns einziehen, in der Weise, wie es zu Ihnen immer mehr und mehr wird gesagt werden, und wie es dann wird verwirklicht werden können durch dasjenige, was in der Zukunft von Dornach als dem Orte der allgemeinen, zu Weihnachten gegründeten Gesellschaft ausgehen kann. Möge die liebe Mitgliedschaft dieses Berner Zweiges recht viel beitragen können zu dem, was wir gern von Dornach aus für die anthroposophische Bewegung leisten möchten nach den Kräften, die wir eben haben.

[ 42 ] I wanted to speak the words I have spoken to you today, my dear friends, in such a way that they might simultaneously express: May such an esoteric life once again take root among us, in the way that will be explained to you more and more, and as it will then be able to be realized through what may emanate in the future from Dornach as the seat of the general Society founded at Christmas. May the dear members of this Bern branch be able to contribute greatly to what we would like to accomplish for the anthroposophical movement from Dornach, according to the strengths we currently possess.