Supplements to Member Lectures
GA 246
5 May 1904, Berlin
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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
1. Rede zum Weißen Lotus-Tag
1. Speech on White Lotus Day
[ 1 ] Zum ersten Mal in diesem Zeitraum, in dem wir eine Deutsche Sektion in der Theosophischen Gesellschaft haben, begehen wir heute den Tag, der eigentlich auf den 8. Mai fällt und aus einer gewissen Veranlassung für uns auf heute verlegt werden musste.
[ 1 ] For the first time since the German Section was established within the Theosophical Society, we are celebrating today the day that actually falls on May 8 but had to be moved to today for certain reasons.
[ 2 ] Ich hoffe, dass dieser Tag, so wie er in den übrigen Ländern, in denen die Theosophische Gesellschaft sich verbreitet hat, ein Festtag geworden ist, auch für uns in künftigen Jahren immer mehr und mehr ein Festtag werden wird. Es ist selbstverständlich, dass, wenn wir einmal dahin gekommen sind, die volle Bedeutung dieses Festtages zu erkennen, wir ihn auch immer in künftigen Jahren am richtigen Tage begehen werden.
[ 2 ] I hope that this day, just as it has become a day of celebration in the other countries where the Theosophical Society has spread, will also become more and more of a day of celebration for us in the years to come. It goes without saying that once we have come to recognize the full significance of this festive day, we will always celebrate it on the correct date in the years to come.
[ 3 ] Der 8. Mai ist für die theosophische Bewegung ein wichtiger Tag. An diesem Tage ist vor dreizehn Jahren diejenige Individualität in einen anderen Daseinszustand übergegangen, durch welche die Ströme geistigen Lebens zunächst geflossen sind, welche durch die Theosophie in der neueren Zeit pulsieren.
[ 3 ] May 8 is an important day for the Theosophical Movement. On this day thirteen years ago, the individual through whom the currents of spiritual life—which have been pulsating through Theosophy in recent times—first flowed passed into another state of existence.
[ 4 ] Frau Blavatsky ist vor dreizehn Jahren am 8. Mai gestorben. Ich brauche zwar nur den Namen Frau Blavatsky auszusprechen, und in vielen werden wohl die verschiedensten, die mannigfaltigsten Gedanken erregt. Was aber der Name Blavatsky in dem neuzeitlichen Geistesleben zu bedeuten hat, das wird erst langsam und allmählich klar und deutlich werden können. Und wenn heute vor Ihnen jemand spräche, welcher die Persönlichkeit Frau Blavatskys auf diesem physischen Plane niemals gesehen hat, niemals persönliche Beziehungen zu ihr hatte, so betrachten Sie ja das wohl nicht als einen Mangel. Und ich selbst kann es auch nicht als einen Mangel betrachten, denn wir Theosophen sind uns klar darüber, dass dasjenige, was wir Tod nennen, nur der Übergang in einen anderen Daseinszustand ist, dass das Wesen gerade hoch entwickelter Individualitäten nicht aufhört zu wirken in diesem Zeitpunkt, den wir als den Tod bezeichnen. In einer gewissen Beziehung dürfen wir den Tag, an dem Frau Blavatsky gestorben ist, als Lotus-Tag bezeichnen, als den Tag, an dem verschiedene Hüllen der Blume, die die Persönlichkeit zusammensetzt, gefallen sind und sozusagen nur die Frucht geblieben ist, die sich inmitten der Blume entwickelte, die mit ihrer fruchtbringenden Kraft fortwirkt. Diese fruchtbringende Kraft, die uns als die ewige Individualität des Menschen entgegentritt, muss uns noch wichtiger, noch gewaltiger sein als dasjenige, was vor dreizehn Jahren von der Begründerin der theosophischen Bewegung abgefallen ist.
[ 4 ] Madame Blavatsky died thirteen years ago on May 8. Indeed, I need only utter the name “Madame Blavatsky,” and it will likely evoke the most diverse and varied thoughts in many people. But what the name Blavatsky signifies in modern spiritual life will only gradually and slowly become clear and distinct. And if someone were to speak to you today who has never seen Madame Blavatsky’s personality on this physical plane, who has never had any personal relationship with her, please do not regard that as a shortcoming. Nor can I myself regard it as a shortcoming, for we Theosophists are well aware that what we call death is merely the transition to another state of existence, and that the essence of highly developed individuals does not cease to act at the moment we designate as death. In a certain sense, we may refer to the day on which Madame Blavatsky died as a “Lotus Day”—the day on which the various petals of the flower that comprises the personality fell away, leaving, so to speak, only the fruit that developed within the flower, which continues to work through its fruitful power. This fruitful power, which presents itself to us as the eternal individuality of the human being, must be even more important, even more powerful to us than that which fell away thirteen years ago from the founder of the Theosophical Movement.
[ 5 ] Vielleicht werden diejenigen, welche Frau Blavatsky im Leben nicht gesehen haben, ein wahrheitsgetreueres Bild noch haben können als diejenigen, welche längere Zeit mit ihr bekannt waren. Schreiben Sie das nicht dem Umstande zu, dass Frau Blavatsky auf so manche Menschen einen Eindruck gemacht hat, der, wie Sie alle wissen - ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt -, nicht in den besten Farben geschildert wird, schreiben Sie das vielmehr der allgemeinen menschlichen Schwachheit zu, die sich durch den Sinnenschein so sehr leicht betrügen lässt. Die Menschen, die um Frau Blavatsky herum gelebt haben, haben im Fleische vor sich gehabt die Individualität, die weit hinausragte über das, was als Persönlichkeit sich darlebte. Aber der Mensch ist zu schwach, übersehen zu können dasjenige, was er mit seinen Augen wahrnimmt, und so mag der Blick manches der um Frau Blavatsky herum Lebenden durch den unmittelbaren Augenschein getrübt gewesen sein. So mag es gekommen sein, dass Frau Blavatsky in besondere Schwierigkeiten gekommen ist und manche persönliche Seite einer Kämpfernatur zeigen musste, die vielleicht manchen hat täuschen können. So hat mancher Irrtum, gerade bei den Nahestehenden, wohl entstehen können.
[ 5 ] Perhaps those who never met Madame Blavatsky in person may still have a more accurate picture of her than those who knew her for a long time. Do not attribute this to the fact that Madame Blavatsky made an impression on many people that—as you all know, whether rightly or wrongly—is not portrayed in the best light; rather, attribute it to general human weakness, which is so easily deceived by appearances. The people who lived around Madame Blavatsky had before them, in the flesh, an individuality that far transcended what manifested as her personality. But human beings are too weak to overlook what they perceive with their eyes, and so the perspective of many of those living around Madame Blavatsky may have been clouded by immediate appearances. This may be why Madame Blavatsky found herself in particular difficulties and had to reveal certain personal traits of a combative nature that may have misled some. Thus, many misconceptions may well have arisen, especially among those closest to her.
[ 6 ] Nicht wundern dürfen wir uns darüber, wenn uns vor dem geistigen Blick, vor dem abgestreift ist das Irdische, die Individualität von Frau Blavatsky in noch strahlenderem Lichte erscheint, als sie von manchen ihrer Zeitgenossen geschildert worden ist. Und diejenige Persönlichkeit, welche Frau Blavatsky am tiefsten in die Seele gesehen hat, diejenige Persönlichkeit, welche die innigste geistige Gemeinschaft durch ihren persönlichen Umgang gehabt hat, die Persönlichkeit, welche die Fortsetzerin ihres großen Werkes ist und die Seele der theosophischen Bewegung, sie war auch nur kurze Zeit mit ihr bekannt. Sie hat Frau Blavatsky erst in den letzten Jahren kennengelernt, und in den letzten Jahren hat sie erst aus dem tiefen Quell dieser sphinxartigen Persönlichkeit schöpfen können. Hineingeblickt hat sie in diese Persönlichkeit, und Tiefes hat sie aus ihr geschöpft. Eines hat sie besonders gewonnen durch den Einblick in Frau Blavatskys Werk, sie hat gewonnen die Überzeugung von der Größe der Aufgabe, welche auf Frau Blavatskys Seele gelegt war - und von der Treue und Liebe, mit welcher Frau Blavatsky die Mission auf sich genommen hat. Und wenn eine Persönlichkeit wie Annie Besant, die so tief in die menschliche Seele zu blicken vermag wie nur wenige Persönlichkeiten, überzeugt werden kann von ihrer Treue und Wahrheit, dann spricht das mehr, als manches andere zu sprechen in der Lage ist. Und wir, die wir in Treue und Liebe an dieser Seele unserer theosophischen Bewegung hängen, die wir wissen, was wir an Annie Besant haben, die wir wissen, dass wir in der Gegenwart von Annie Besant etwas fühlen, das wir nur selten in der Welt fühlen können, die wir wissen, welcher Geistesquell von ihr selbst ausgeht, wir würden unser Verhältnis gründlich missverstehen, wenn sie da nicht etwas übertrüge durch die kindliche Liebe, die sie für Frau Blavatsky hat: die große Individualität, die heute wie der Geist, durch den unsere Bewegung ist, Ihnen gegenübersteht, deren Unsterbliches, ewig Lebendiges Ihnen gegenübersteht, die zu sehen vermag mit anderen Augen als mit denen, mit welchen wir Farben und Formen sehen. Wer verspürt hat den Geist, der uns Rätsel aufgibt, wer hinter die Kulissen unseres Daseins gesehen hat, der wird von vornherein, was auch immer gesagt werden mag, sie mit einem ganz anderen Urteil ansehen als jede andere Persönlichkeit.
[ 6 ] We should not be surprised if, to our spiritual gaze—once stripped of all earthly attachments—Mrs. Blavatsky’s individuality appears in an even more radiant light than she was portrayed by some of her contemporaries. And the person who saw deepest into Madame Blavatsky’s soul—the person who shared the most intimate spiritual communion through their personal association, the person who is the successor to her great work and the soul of the Theosophical Movement—was acquainted with her for only a short time. She did not get to know Madame Blavatsky until her later years, and it was only in those later years that she was able to draw from the deep wellspring of this enigmatic personality. She looked deep into this personality and drew profound insights from it. One thing in particular she gained through her insight into Madame Blavatsky’s work: she gained the conviction of the greatness of the task that had been placed upon Madame Blavatsky’s soul—and of the faithfulness and love with which Madame Blavatsky undertook that mission. And when a personality like Annie Besant—who is able to look into the human soul as deeply as few others can—can be convinced of her loyalty and truth, then that speaks louder than many other things are capable of saying. And we, who are bound in loyalty and love to this soul of our Theosophical Movement, who know what a treasure Annie Besant is to us, who know that in Annie Besant’s presence we feel something we rarely experience in the world, who know what spiritual source emanates from her, we would thoroughly misunderstand our relationship if she were not conveying something through the childlike love she has for Madame Blavatsky: the great individuality who stands before you today, like the spirit through which our movement exists, whose immortal, eternally living essence stands before you, who is able to see with eyes other than those with which we perceive colors and forms. Whoever has sensed the spirit that presents us with riddles, whoever has looked behind the scenes of our existence, will—from the outset, whatever may be said—regard her with a judgment entirely different from that applied to any other personality.
[ 7 ] Was Frau Blavatsky zu leisten hatte, ist etwas, was Forderungen von Jahrhunderten in sich schließt, es ist etwas, was nicht geleistet werden könnte mit einem Blick, der nur in unsere sinnliche, in unsere materielle Welt dringt. Eine Persönlichkeit, die das zu leisten hatte, musste tief hineinschauen in jene Felder, die wir die Felder der Ursachen nennen. Da, wo die Fäden, die geistigen Fäden des Werdens und Daseins gezogen werden, da, wo kein sinnliches Auge zu sehen, kein sinnliches Ohr zu hören vermag, da, wo der Mensch hindringt, wenn er eine gefährliche, höchst gefährliche Schwelle überschritten hat, in das Land, das Goethe als das Land der Mütter bezeichnet, in das Land, wo wir den Boden unter den Füßen zu verlieren glauben, wo aufhören alle Urteile, die unsere gewöhnliche Welt zusammenhalten, in dieser Welt der Ursachen, wo vorbereitet werden die [Tatsachen], die stündlich, täglich, jährlich in allen Zeiten vor uns sich abspielen, in diese Welt musste eine solche Persönlichkeit blicken, und in dieser Welt ist noch ein ganz anderes Gefühl von menschlicher Selbstheit, von menschlicher Stärke, menschlicher Unerschütterlichkeit und Treue notwendig als das, was wir selbst den stärksten Charakter innerhalb der Sinnenwelt nennen. Alle Achtung mag man haben vor demjenigen, der ein starker, treuer Charakter ist, und gewiss wird sich jeder vor dem beugen, der innerhalb der Sinnenwelt stark geworden ist. Aber diejenigen, welche niemals empfunden haben etwas von jener Welt, die jenseits der unsrigen, jenseits unserer Sinneswelt liegt, von jener Welt, wo aufhören die Urteile von Gut und Bös, wo aufhören die Urteile von Wahr und Falsch, wie wir sie täglich gewohnt sind zu hören und zu fällen, von jener Welt, wo eine ganz andere Art von Urteil beginnt, von jener Welt, wo über manches - fassen wir es nur halb wirklich auf -, was edel und schön heißt, ein Hohngelächter ertönt wegen der furchtbar tragischen Opfer, welche gebracht werden müssen für manches, was hier schön und groß erscheint.
[ 7 ] What Madame Blavatsky had to accomplish is something that encompasses the demands of centuries; it is something that could not be achieved with a perspective that penetrates only our sensory, our material world. A person who had to accomplish this had to look deeply into those realms we call the realms of causes—where the threads, the spiritual threads of becoming and existence, are woven; where no sensory eye can see, no sensory ear can hear—where a person enters, having crossed a dangerous, highly dangerous threshold, into the realm that Goethe calls the realm of the mothers, into the realm where we feel we are losing the ground beneath our feet, where all the judgments that hold our ordinary world together cease—in this world of causes, where the [facts] that unfold before us hourly, daily, annually, throughout all ages—into this world such a personality had to gaze, and in this world a very different sense of human individuality, of human strength, human steadfastness, and loyalty is required than what we ourselves call the strongest character within the sensory world. One may have the utmost respect for someone who possesses a strong, faithful character, and certainly everyone will bow before one who has become strong within the sensory world. But those who have never sensed anything of that world which lies beyond ours, beyond our sensory world—that world where judgments of good and evil cease, where judgments of true and false cease, as we are accustomed to hearing and making every day—from that world where an entirely different kind of judgment begins, from that world where, regarding many things—let us take this only half-seriously—that are called noble and beautiful, a mocking laugh rings out because of the terribly tragic sacrifices that must be made for many things that appear beautiful and great here.
[ 8 ] Wer aus dieser Welt heraus zu wirken hat, auf dessen Seele es gelegt ist, aus dieser Welt heraus zu wirken, weil dieses Jahrhundert ihm die Aufgabe gestellt hat, der muss mit einem anderen Maßstab gemessen werden als der gewöhnliche Mensch. Es ist in jeder Hinsicht einfach deplatziert, eine Persönlichkeit wie Frau Blavatsky in der gewöhnlichen Weise zu charakterisieren.
[ 8 ] Anyone who is called upon to work beyond this world—whose soul is destined to work beyond this world because this century has set that task before them—must be judged by a different standard than the ordinary person. It is simply out of place in every respect to characterize a personality such as Madame Blavatsky in the usual way.
[ 9 ] Ich kann also nicht die Persönlichkeit charakterisieren, ich muss charakterisieren die weltgeschichtliche Stellung und das, was auf die Seele von Frau Blavatsky gelegt war.
[ 9 ] So I cannot characterize her personality; I must characterize her place in world history and what was placed upon Mrs. Blavatsky’s soul.
[ 10 ] Es war am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, am Ende des Aufklärungszeitalters, wo der Mensch in einem ganz anderen Maßstab als früher auf sich selbst zu vertrauen, seinem auf die Sinnenwelt gerichteten Verstand und seiner Vernunft zu gehorchen und ausschlaggebend zu betrachten hat, es war da, wo Europa und Amerika anfingen, jene Morgenröte der äußeren materiellen Kultur zu begründen, welche im neunzehnten Jahrhundert jene großen, gewaltigen Früchte getragen hat. Erkühne dich, dich deiner Vernunft zu bedienen, so sagte uns der Königsberger Philosoph Kant, [so sagten es uns] Voltaire und Rousseau. Auf dieser Gesinnung fußt der ganze Materialismus, die ganze Kultur des neunzehnten Jahrhunderts und alles, was für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit errungen worden ist. Diese drei großen Programmpunkte der Französischen Revolution - auf dieser Denkweise beruhen sie. Sie gründen sich auf dasjenige, was durch die Sinnenwelt erfasst werden kann, was der klügelnde Verstand über die Natur ausmachen konnte. Groß wurde der beschränkte Verstand im neunzehnten Jahrhundert, und es ist ein tiefes Gesetz der geistigen Weltentwicklung, dass der Materialismus und der Spiritualismus sich verhalten wie zwei Gewichte, von denen, sobald das eine sich vergrößert und die Waagschale auf der einen Seite herunterzieht, das andere auf der anderen Seite hinaufschnellen muss. So wie der klügelnde, berechnende Verstand des neunzehnten Jahrhunderts die Waagschale der materiellen Kultur herunterdrückte, so musste die andere Waagschale in die Höhe gehen.
[ 10 ] It was at the end of the eighteenth century, at the end of the Age of Enlightenment, when human beings had to trust in themselves on a completely different scale than before, to obey their intellect—focused on the sensory world—and their reason, and to regard them as decisive, it was then that Europe and America began to lay the foundations for that dawn of external material culture, which bore such great and mighty fruit in the nineteenth century. “Dare to make use of your reason,” the Königsberg philosopher Kant told us, [as did] Voltaire and Rousseau. The entire materialism, the entire culture of the nineteenth century, and everything that has been achieved in the name of liberty, equality, and fraternity are founded on this mindset. These three great tenets of the French Revolution—they rest upon this way of thinking. They are grounded in that which can be grasped through the sensory world, in what the reasoning intellect was able to ascertain about nature. The limited intellect grew in the nineteenth century, and it is a profound law of spiritual development that materialism and spiritualism behave like two weights: as soon as one grows larger and pulls the scale down on one side, the other must spring up on the other side. Just as the rational, calculating mind of the nineteenth century pressed down the pan of material culture, so the other pan had to rise.
[ 11 ] Nur wenige Geister gab es im neunzehnten Jahrhundert, welche sich etwas bewahrt hatten von der Anschauung eines Geistigen. Gerade diejenigen, welche den tiefsten Blick ins Materielle getan hatten, leugneten den Geist. Und so sehen wir in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, wo maßgebende Worte gesprochen worden sind, die materiellen Stoffe und materiellen Kräfte als das Einzige, worauf es ankommt in der Welt. Das Spirituelle und das Geistige waren cs, was die Menschen verleugneten. Empfindung und Gefühl wurden verleugnet. Und am Ende des [achtzehnten] Jahrhunderts waren wie leuchtende Sterne im Untergang einzelne große spirituelle Individualitäten aufgetaucht. Individualitäten, die man nicht verstanden hat, und von denen man nicht wusste, was sie meinten, wenn sie von einer geistigen Welt gesprochen haben, auch Zeugnisse davon gegeben haben, dass es eine solche Welt gibt. Wie Meteore leuchteten sie auf. Aber man verstand sie nicht. Eine solche Persönlichkeit war der vielverkannte St. Germain. Eine solche Persönlichkeit gab es auch in Deutschland. Diejenigen, welche etwas gewusst haben vom spirituellen Leben, mussten es verbergen hinter äußeren Symbolen und Sinnbildern, wie wir das bei Goethe sehen; und bei einer Persönlichkeit, die der Welt nur bekannt ist unter einer Maske, bei Kortum, der als Dichter der «Jobsiade» bekannt ist, unbekannt aber als spirituelle Persönlichkeit, in welcher noch lebte die Persönlichkeit, die kannte die Geheimnisse des Rosenkreuzertums. Es war ein Tiefgang spirituellen Lebens, der am bedeutsamsten, am einschneidensten in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war. Niemals aber zieht sich das spirituelle Leben vollständig von irgendeiner Kultur zurück. Es wird nur, wenn äußerlich die Kultur einen materiellen Charakter annimmt, noch mehr ins Geheimnis gedrängt, und diejenigen Persönlichkeiten, welche noch durchdrungen sind von spirituellem Leben, halten sich streng im Verborgenen. Tief verborgen waren daher die großen Quellen des Geisteslebens im Abendlande, die einst so reich geflossen sind wie bei Jakob Böhme und Angelus Silesius. Verborgen waren die geistigen Quellen, welche durch das Rosenkreuzertum Jahrhunderte hindurchgeflossen sind. Sie schienen sich zurückgezogen zu haben in Gegenden, die nicht der abendländischen Kultur angehören, in Gegenden, in denen man noch etwas bewahrt hatte und zu bewahren wusste von dem spirituellen Leben - was ich hier nur andeuten kann. Man sagte, die Rosenkreuzer wären ausgewandert nach dem Orient und hätten sich verbunden mit den großen Brüderschaften in Asien. Wenn in diesen Zeiten des neunzehnten Jahrhunderts jemandem etwas aufdämmerte von Sehnsucht nach dem spirituellen Leben, von Sehnsucht nach höheren geistigen Erkenntnissen, dann musste er sich nach Osten hinüberwenden und nach orientalischen Quellen suchen.
[ 11 ] There were only a few minds in the nineteenth century who had retained any sense of the spiritual. It was precisely those who had looked most deeply into the material world who denied the spirit. And so, in the middle of the nineteenth century, when authoritative words were spoken, we see material substances and material forces regarded as the only things that mattered in the world. The spiritual and the spiritual realm were precisely what people denied. Sensation and feeling were denied. And at the end of the [eighteenth] century, individual great spiritual personalities had emerged like shining stars at twilight. These were individuals whom people did not understand, and of whom no one knew what they meant when they spoke of a spiritual world—even though they provided evidence that such a world exists. They shone like meteors. But they were not understood. One such figure was the much-misunderstood St. Germain. There was also such a figure in Germany. Those who knew something of spiritual life had to conceal it behind external symbols and allegories, as we see in Goethe; and in a figure known to the world only through a mask—Kortum, known as the poet of the Jobsiade but unknown as a spiritual personality—there still lived the individual who knew the secrets of Rosicrucianism. It was a depth of spiritual life that was most significant and most profound in the mid-nineteenth century. But spiritual life never withdraws completely from any culture. It is merely pushed even further into secrecy when, outwardly, culture takes on a material character, and those individuals who are still imbued with spiritual life keep themselves strictly hidden. Thus, the great sources of spiritual life in the West—which once flowed so abundantly, as in the works of Jakob Böhme and Angelus Silesius—were deeply hidden. Hidden were the spiritual sources that had flowed through Rosicrucianism for centuries. They seemed to have withdrawn into regions that did not belong to Western culture—regions where something of spiritual life had still been preserved and where people knew how to preserve it—which I can only hint at here. It was said that the Rosicrucians had emigrated to the Orient and had joined forces with the great brotherhoods in Asia. If, in those days of the nineteenth century, a longing for spiritual life or for higher spiritual insights dawned on someone, then he had to turn toward the East and seek out Oriental sources.
[ 12 ] Die europäischen und amerikanischen Brüderschaften, die noch existieren, hatten aus gewissen Gründen nicht die Kraft und nicht die Aufgabe, den Strom des materiellen Lebens einzudämmen. Wer nur sieht hinter die Kulissen des äußeren materiellen Lebens, der weiß, dass in den Zeiten, in welchen solche Dinge vorgingen, wie in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein recht bewegtes, ein recht sturmvolles Leben hinter diesen Szenen herrschte. Und es herrschte ein sorgenvolles Leben bei den Geistern, die sich noch Spiritualität erhalten hatten. Ein sorgenvolles Schauen nach der Zukunft herrschte bei allen spirituellen Brüderschaften, als versiegte durch die materielle Kultur vollständig das spirituelle Leben. Selbst bei denen, die am tiefsten eingeweiht waren in die Geheimnisse, war es keine Leichtigkeit, sich klar zu werden, was unter den verhängnisvollen Zeichen der Zeit zu tun sei. Es begann, die große Frage in den okkulten Gesellschaften sich breitzumachen: Wie kann der Menschheit klargemacht werden, dass der Raum, der uns umgibt, in seinen Wirkungen, zur Grundlage Geistiges hat? Es ist nicht nur notwendig für die Menschheit, immer zu der Welt der Ursachen aufzublicken, es ist auch gefährlich in gewissen Zeiten und namentlich in einer Zeit, in welcher sich die materielle Kultur, Denkweise und Gesinnung so tief der Menschengemüter bemächtigt hatte, wie in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, und sich immer mehr und mehr dieser Gemüter bemächtigte, viel mehr bemächtigte, als zuzugeben der Einzelne vielleicht geneigt ist. Derjenige, der tiefer sieht, weiß, was durch diese Strömung über das Menschengeschlecht im neunzehnten Jahrhundert heraufgezogen ist. In einer solchen Zeit ist es aber auch gefährlich, die Quellen des spirituellen Lebens den Menschen zu zeigen. Denn so wie das Kind dem Feuer gegenüber, so benimmt sich auch ungefähr derjenige, der nur mit dem Materiellen bekannt ist, gegenüber der Welt der Ursachen, gegenüber der Welt, die sich abspielt hinter der Szene äußerer sinnlicher Vorgänge. Daher mussten sich auch diejenigen fragen, die die Zeichen der [Zeit] verstanden: Spielen wir nicht mit dem Feuer, wenn wir den Menschen zeigen etwas von einer höheren Welt? Es war schwer zu lösen diese Frage: Wie ist die Menschheit wahrhaft einzuführen in die höheren geistigen Welten? Wie ist der an der Materie und an die materialistische Religion, an Kraft und Stoff-Religion glaubenden Menschheit der Kern des Daseins, der im Geistigen liegt, wieder zu zeigen? Auf den höchsten Gebieten musste man es versuchen. Und der erste Versuch war der, dem an das Sinnliche gewohnten Auge, dem Auge, das sich nicht mehr fähig zeigte, das Geistige unmittelbar zu schauen, auf sinnliche Art, auf kindlich sinnliche Art zu zeigen, dass es Geistiges gibt. So wie der Mensch sich um ein [physikalisches] oder chemisches Experiment herumsetzt, um zu sehen, wie Elektrizität und Magnetismus wirken, damit sie dann glauben können, dass sie wirken, so wollte man - als erster Versuch - durch die unmittelbare sinnliche Anschauung [versuchen,] ihnen das Dasein höherer geistiger Kräfte beizubringen. Das war der erste Versuch, der mit dem Spiritualismus gemacht wurde. Der Spiritualismus und der Spiritismus haben einen tiefen Ursprung. Sie sind zur Probe angestellt worden, wie das an das Sinnliche gewohnte Auge wieder hingelenkt werden kann auf Höheres.
[ 12 ] The European and American brotherhoods that still exist did not, for certain reasons, have the strength or the mission to stem the tide of material life. Anyone who looks behind the scenes of external material life knows that in the times when such things took place—as in the mid-nineteenth century—a truly turbulent, truly stormy life prevailed behind the scenes. And a life of anxiety prevailed among the spirits who had still retained their spirituality. A sense of foreboding about the future prevailed among all spiritual brotherhoods as spiritual life dried up completely due to material culture. Even for those most deeply initiated into the mysteries, it was no easy task to determine what should be done in the face of the ominous signs of the times. A great question began to spread among the occult societies: How can it be made clear to humanity that the space surrounding us has a spiritual foundation in its effects? It is not only necessary for humanity to always look up to the world of causes, it is also dangerous at certain times—and especially at a time when material culture, ways of thinking, and attitudes had taken such a deep hold on people’s minds as they did in the mid-nineteenth century, and were taking an ever-greater hold on those minds—far more so than the individual might be inclined to admit. Those who see more deeply know what this current brought upon the human race in the nineteenth century. In such a time, however, it is also dangerous to reveal the sources of spiritual life to people. For just as a child behaves toward fire, so too does one who is familiar only with the material world behave toward the world of causes—toward the world that unfolds behind the scenes of external sensory events. Therefore, even those who understood the signs of the [times] had to ask themselves: Are we not playing with fire when we show people something of a higher world? It was a difficult question to resolve: How can humanity truly be introduced to the higher spiritual worlds? How can the core of existence—which lies in the spiritual—be revealed once more to a humanity accustomed to matter and materialistic religion, to a religion of power and substance? One had to try in the highest realms. And the first attempt was to show the eye accustomed to the sensory world—the eye that was no longer capable of perceiving the spiritual directly—in a sensory way, in a childlike, sensory way, that the spiritual exists. Just as people gather around a [physical] or chemical experiment to see how electricity and magnetism work—so that they may then believe that they do work—so, as a first attempt, one sought to teach them—through immediate sensory perception—the existence of higher spiritual forces. That was the first attempt made with spiritualism. Spiritualism and Spiritism have deep roots. They were employed as a test to see how the eye, accustomed to the material world, could be redirected toward something higher.
[ 13 ] Bald mussten diejenigen, welche über die Zeiten Wache halten - das ist ein technischer Ausdruck -, sich klar werden darüber, dass etwas ganz anderes notwendig ist als das sinnliche Anschauen spiritistischer Phänomene. Sie mussten sich klar darüber werden, dass des Menschen innerstes Selbst dahin gelenkt werden muss, umgewandelt werden muss, dass der Mensch nicht mehr bloß mit sinnlichen, sondern auch mit geistigen Augen sehen lernte. Hat der Spiritismus gesucht, dem sinnlichen Auge das Geistige zu zeigen, so lag jetzt die schwierige Aufgabe vor: Wie bringen wir den Menschen zum geistigen Schauen selbst, wie ist es möglich, den Menschen zum geistigen Schauen zu bringen?
[ 13 ] Soon those who keep watch over the times—that is a technical term—had to realize that something entirely different was necessary than the sensory observation of spiritualist phenomena. They had to realize that the innermost self of the human being must be guided and transformed, so that the human being would learn to see not only with the physical eyes but also with the spiritual eyes. While spiritualism had sought to reveal the spiritual to the physical eye, the difficult task now lay before them: How do we lead people to spiritual vision themselves; how is it possible to lead people to spiritual vision?
[ 14 ] Da, wohin sich nach einem Ausdruck, den ich früher schon gebraucht habe, die spirituellen Kräfte geflüchtet hatten, da war auch die erste Spur eines neuen Ideales aufgetaucht. Im Oriente, in einer Bruderloge des Orients, wo das spirituelle Leben seit Jahrtausenden gepflegt worden ist, da war das Ideal aufgetaucht, wiederum eine Welle spirituellen Lebens in die Menschheit einfließen zu lassen, wiederum etwas einfließen zu lassen von den höheren Lehren, damit diejenigen Menschen, welche durch den Spiritismus zwar die Überzeugung von einer übersinnlichen Welt gewonnen haben, aber selbst nicht übersinnlich geworden waren in ihrem Schauen, selbst dahin kommen können, damit sie nicht bloß durch die [sinnliche] Anschauung sich von der Unsterblichkeit und Göttlichkeit der Welt ein Bild machen könnten, sondern diese selbst erleben könnten.
[ 14 ] There, where—to use an expression I have employed before—the spiritual forces had taken refuge, there, too, the first trace of a new ideal had emerged. In the Orient, in a sister lodge of the Orient, where spiritual life has been cultivated for millennia, there the ideal had emerged: to once again allow a wave of spiritual life to flow into humanity, to once again allow something of the higher teachings to flow in, so that those people who, through spiritualism, had indeed gained a conviction of a supersensory world but had not themselves become supersensory in their perception, might themselves arrive at that point—so that they might not merely form a picture of the immortality and divinity of the world through [sensory] perception, but could experience them for themselves.
[ 15 ] Daher mussten auch diese Gedanken den Menschen durch sinnliche Persönlichkeiten vermittelt werden, denn alles, was in unsere Sinnenwelt hineinwirkt, muss durch sinnliche Persönlichkeiten bewirkt werden. Es ist das - verkennen Sie es nicht - ein wichtiger Ausspruch. Alles, was in unserer Sinnenwelt gewirkt werden soll, muss durch sinnliche Persönlichkeiten bewirkt werden. Haben höhere geistige Mächte etwas in dieser Welt zu bewirken, das durch die Menschen, durch ihre Erkenntnis einwirken soll, dann müssen sie das durch irdische persönliche Boten tun. Zum Menschen muss derjenige sprechen, den der Mensch am leichtesten verstehen kann. Das ist der Mensch selbst.
[ 15 ] Therefore, these thoughts, too, had to be conveyed to human beings through physical personalities, for everything that exerts an influence on our sensory world must be brought about through physical personalities. This is—do not misunderstand it—an important statement. Everything that is to take effect in our sensory world must be brought about through sentient personalities. If higher spiritual powers are to bring about something in this world that is to take effect through human beings and their knowledge, then they must do so through earthly, personal messengers. The one who speaks to human beings must be the one whom human beings can most easily understand. That is the human being himself.
[ 16 ] Dass es gerade im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts nicht leicht war, diejenige Persönlichkeit zu finden, durch welche die spirituelle Weisheit der Menschheit wieder verkündigt werden könnte, das weiß derjenige, welcher vergleichen kann wirkliches spirituelles Leben mit reinem materiellem Leben, wie es sich im neunzehnten Jahrhundert herausgebildet hat. Ungeheuer schwer war es. Es war die Lage so. Denken Sie sich eine der Persönlichkeiten, welche auf hoch entwickeltem menschlichem Standpunkte damals gestanden hätte und die in sich gehabt hat das spirituelle Wissen, die geistige Weisheit der Welt. Wäre diese Persönlichkeit in Europa aufgetaucht und hätte sie damals gesprochen - Narrheit, Wahnsinn hätte man dasjenige vom Standpunkte der materiellen Kultur mit Recht nennen müssen, was von den Lippen einer so hoch entwickelten Persönlichkeit geflossen wäre. Persönlichkeiten, die weit hinausgehen über die geistige Entwicklung ihrer Zeit, [die weit hinausgehen] über dasjenige, was unser Zeitalter kennt, und welche etwas wissen von den eigentlichen Ursachen, konnten - namentlich in den Siebziger-, Achtzigerjahren unseres letzten Jahrhunderts - nur schwer verstanden werden. Eine Mittelsperson war daher notwendig, eine Person, welche auf der einen Seite zu verstehen in der Lage war, was hervorragende Individualitäten zu verkündigen hatten. Ein europäischer Gelehrter wäre trotz aller Gelehrsamkeit dazu nicht imstande gewesen. Ich habe die höchste Achtung vor dem Werke des ausgezeichneten Gelehrten Max Müller. Die Gelehrsamkeit, die Max Müller entwickelt hat, gehört zu dem Bedeutsamsten, was die europäische Geisteskultur entwickeln konnte. Und das, was er auch den Menschen überliefert hat an Wissenschaft, ist ein Wunderwerk. Aber das spirituelle Leben blieb ihm fremd. Und kein Funke dieses spirituellen Lebens strömt aus dem Wunderbau, den so großartig dieser einer unserer bedeutendsten Gelehrten hat aufbauen können. Nimmermehr wäre der entzündende Funke aus diesem Werke herausgeströmt, der der abendländischen Menschheit wahrhaft spirituelles Leben hätte geben können. Und doch sind diese Werke das Bedeutendste, was die Gelehrsamkeit über das spirituelle Leben hat schaffen können.
[ 16 ] Anyone who can compare true spiritual life with purely material life—as it developed in the nineteenth century—knows that it was not easy, especially in the last third of the nineteenth century, to find the individual through whom humanity’s spiritual wisdom could once again be proclaimed. It was incredibly difficult. That was the situation. Imagine one of those individuals who, at that time, would have stood at a highly developed human level and possessed within themselves the spiritual knowledge and wisdom of the world. Had such a person appeared in Europe and spoken at that time—from the standpoint of material culture, what flowed from the lips of such a highly developed individual would rightly have been called folly or madness. Individuals who far surpassed the spiritual development of their time—[who far surpassed] what our age knows—and who understood something of the true causes could—particularly in the 1870s and 1880s of our last century—be understood only with great difficulty. An intermediary was therefore necessary—a person who, on the one hand, was capable of understanding what outstanding individuals had to proclaim. A European scholar, despite all his erudition, would not have been capable of this. I have the highest regard for the work of the distinguished scholar Max Müller. The scholarship that Max Müller developed ranks among the most significant achievements of European intellectual culture. And the body of scientific knowledge he has bequeathed to humanity is a marvel. But spiritual life remained alien to him. And not a single spark of this spiritual life emanates from the marvelous edifice that this, one of our most eminent scholars, was able to construct so magnificently. Never would the spark of inspiration have emanated from this body of work that could have given Western humanity a truly spiritual life. And yet these works are the most significant thing that scholarship has been able to create regarding spiritual life.
[ 17 ] Um cs auszuströmen, dazu war etwas anderes notwendig, dazu war eine Persönlichkeit notwendig, deren Herz und Sinn sich erschlossen hatte dem wirklichen spirituellen Leben. Als Frau Blavatsky gegenüberstand den hoch entwickelten Individualitäten des Orients, da strömte wohl manches Mal auch ihr noch das Wort zu: Was wir auch sagen mögen, die Denkmassen, die Vorstellungsarten, die ihr im Abendlande habt, sind nicht imstande uns zu verstehen. Es war wirklich eine Kluft, die durch Jahrtausende hindurch sich erhalten hatte zwischen der orientalischen Geisteskultur und demjenigen, was die moderne Geisteskultur hervorgebracht hat.
[ 17 ] In order for cs to flow forth, something else was necessary; it required a personality whose heart and mind had opened up to true spiritual life. When Madame Blavatsky stood face to face with the highly developed individuals of the Orient, the words likely flowed from her on more than one occasion: “Whatever we may say, the ways of thinking and the modes of imagination that you have in the West are incapable of understanding us.” There was truly a gulf that had persisted for millennia between Eastern spiritual culture and what modern spiritual culture has produced.
[ 18 ] Lassen Sie mich noch einiges über die Bedeutung von Frau Blavatsky andeuten. Sie war für alle, welche okkultes Wissen hatten, eine Persönlichkeit, welche wie ein Rätsel über ihnen schwebte, eine Persönlichkeit, von der sie wussten, dass durch sie Wichtiges geschehen muss. Es ist Geist von einer Höhe, von der sich gewöhnliche Menschen wohl nur selten eine Vorstellung machen können. Sie waren ratlos, wie diese geistige Kraft zu verwenden sei, die in Frau Blavatsky inkarniert war. Technisch ausgedrückt würde das heißen: Es war schwer zu sagen, wie die Zeichen der Zeit zu deuten waren, welche erschienen durch die Persönlichkeit der Frau Blavatsky. Rätselhaft war sie vielen hoch entwickelten Individualitäten. Und unter diejenigen hoch entwickelten Individualitäten - und darauf kommt es gerade für das Verständnis an, das heute noch notwendig und vielleicht möglich ist, gerade darauf, was ich jetzt sagen werde, kommt es an -, unter denjenigen Persönlichkeiten, die im Anfange wohl nicht wussten, wie die geistige Kraft, die in Frau Blavatsky inkarniert war, zu verwerten sei, befand sich auch Frau Blavatsky selbst. Sie war sich zunächst ein Rätsel ganz furchtbarer Art. Daraus wird es Ihnen erklärlich sein, dass mancher, der gern noch warten möchte, um in seinem Urteil noch fester zu werden, der aber doch sprechen muss über Frau Blavatsky, zurückhaltend ist in diesem Urteil über diese rätselhafte Persönlichkeit der Frau Blavatsky, über dieses Rätsel, das sie sich zunächst selbst war und das sie sich bis zu einem gewissen Grade längere Zeit auch blieb.
[ 18 ] Let me say a few more words about the significance of Madame Blavatsky. To all who possessed occult knowledge, she was a figure who hovered over them like a mystery—a figure about whom they knew that something important was bound to happen through her. It is a spirit of such a high order that ordinary people can probably rarely even have a mental image of it. They were at a loss as to how to make use of this spiritual power that was incarnated in Madame Blavatsky. Technically speaking, this would mean: It was difficult to say how to interpret the signs of the times that appeared through the personality of Madame Blavatsky. She was a mystery even to many highly developed individuals. And among those highly developed individuals—and this is precisely what matters for the understanding that is still necessary and perhaps possible today; it is precisely what I am about to say that matters—among those personalities who at first did not know how to make use of the spiritual power incarnated in Madame Blavatsky, there was also Madame Blavatsky herself. At first, she was a mystery of the most profound kind. From this, it will be clear to you that many who would prefer to wait a little longer to firm up their judgment—but who nevertheless must speak about Madame Blavatsky—remain cautious in their assessment of this enigmatic figure, Madame Blavatsky, and of this enigma that she initially was to herself and, to a certain extent, remained for quite some time.
[ 19 ] Über dieses Rätsel können wir heute nicht sprechen. Aber wir können davon sprechen, was durch dieses Rätsel im Geistesleben der letzten Jahrzehnte geworden ist, wir können davon sprechen, dass durch Frau Blavatsky eine Weisheit, ein Wissen der Menschheit geoffenbart worden sind, wie sie eben innerhalb der modernen Kultur vorher nicht da waren. Was auch alles diejenigen gesagt haben, die meinten, solch ein Werk wie die «Geheimlehre» wäre zusammengetragen aus verschiedenen Werken der Gegenwartskultur, was auch da gesagt worden ist, für den wirklichen Verständigen kommt es gar nicht in Betracht. Ich lasse jeden meinetwillen schnüffeln und die einzelnen Sätze der Geheimlehre da und dort in Werken, die in dieser ‚oder jener Bibliothek liegen, aufsuchen, und ich will gerne zugeben, dass sehr vieles von dem, was in der «Geheimlehre» zusammensteht, zerstreut in der abendländischen mystischen Literatur gefunden werden kann. Darauf kommt es aber nicht an. Es kommt nicht darauf an, wie die Sätze heißen, die in der «Geheimlehre» stehen, es kommt nicht darauf an, wie diese oder jene Wahrheit in der «Geheimlehre» ausgedrückt ist, sondern es kommt darauf an, dass mit der «Geheimlehre» von Frau Blavatsky ein gewisses Wissen gegeben ist, durch welches wirklich spirituelle Kraft strömt, und aus dem, was vielleicht nicht wörtlich darin steht, auch nicht zwischen den Zeilen steht, sondern was sich für denjenigen, der die Geheimlehre in einem viel höheren Sinne zu lesen beginnt, aus dieser Geheimlehre ergibt, aus dem setzt sich das Wertvollste von Frau Blavatskys «Geheimlehre» zusammen. Das liefert Wahrheiten, vor denen den Menschen wirklich jener Schauer ankommt, Wahrheiten, die ich im Näheren charakterisieren möchte als Wahrheiten, über die Ursachen, die hinter den Kulissen sind. Diese Wahrheiten, die uns da geliefert werden, sind völlig unabhängig von der Persönlichkeit von Frau Blavatsky. Wir können sie mit Mitteln und Methoden, die wir lernen können, prüfen, und wir können das Wichtigste und Wesentliche, worauf es ankommt, in der «Geheimlehre» bestätigt finden. Wir können unser eigenes spirituelles Leben an der «Geheimlehre» entzünden. Und wenn wir dann dieses spirituelle Leben entzündet haben, dann sehen wir plötzlich etwas ganz anderes, dann sehen wir, dass das spirituelle Leben überhaupt auch heute noch vorhanden ist, vorhanden ist, wenn es sich auch zurückgezogen hat hinter die materielle Kultur des neunzehnten Jahrhunderts.
[ 19 ] We cannot speak about this mystery today. But we can speak about what this mystery has brought about in the spiritual life of recent decades; we can speak about how, through Madame Blavatsky, a wisdom and a body of knowledge were revealed to humanity that had not previously existed within modern culture. Whatever those who claimed that a work such as The Secret Doctrine was compiled from various works of contemporary culture may have said—whatever may have been said on that account—for the truly discerning, it is out of the question. I’ll let anyone who wishes to do so go snooping around and look up individual sentences from The Secret Doctrine here and there in works found in this or that library, and I’ll gladly admit that much of what is compiled in The Secret Doctrine can be found scattered throughout Western mystical literature. But that is not the point. It does not matter what the phrases in the Esoteric Doctrine are called; it does not matter how this or that truth is expressed in the Esoteric Doctrine; rather, what matters is that Madame Blavatsky’s Esoteric Doctrine imparts a certain knowledge through which true spiritual power flows, and from what may not be stated literally therein, nor even implied between the lines, but rather what emerges from this “Esoteric Doctrine” for those who begin to read it in a much higher sense—it is from this that the most valuable aspect of Madame Blavatsky’s “Esoteric Doctrine” is composed. This provides truths that truly send a shiver down people’s spines—truths that I would like to characterize more specifically as truths concerning the causes that lie behind the scenes. These truths that are presented to us are completely independent of Madame Blavatsky’s personality. We can test them using the means and methods we can learn, and we can find confirmation of the most important and essential points in the “Esoteric Doctrine.” We can kindle our own spiritual life through the “Esoteric Doctrine.” And once we have kindled this spiritual life, we suddenly see something entirely different; we see that spiritual life still exists even today, even though it has withdrawn behind the material culture of the nineteenth century.
[ 20 ] So dürfen wir die eigentliche Tat von Frau Blavatsky so aussprechen: Durch sie ist das Tor wiedereröffnet worden, durch welches die Spiritualität zu uns dringen kann. Und das ist eine Tat von so großer gewaltiger Bedeutung, dass alles, was sonst noch für oder wider gesagt werden könnte, dagegen verschwindet. Man muss die Tat allerdings vom spirituellen Leben aus beurteilen. Tut man das, dann verschwindet alles als kleinlich, was gegenüber Frau Blavatsky gesagt werden könnte, es verschwindet gegenüber dieser ungeheuren Tat. Und wenn wir Frau Blavatsky als große Sendbotin betrachten eines wieder eröffneten höheren Lebens, dann gewinnen wir das richtige Verhältnis zu ihr, dann gewinnen wir auch die Fähigkeit, sie einigermaßen zu beurteilen, dann sehen wir etwas von den ungeheuren Schwierigkeiten, denen sie auf ihrem Wege begegnete.
[ 20 ] Thus, we may describe Madame Blavatsky’s true achievement as follows: Through her, the gate through which spirituality can reach us has been reopened. And this is an achievement of such immense significance that everything else that might be said for or against it pales in comparison. One must, however, judge this achievement from the perspective of spiritual life. If one does so, then everything that could be said against Madame Blavatsky pales into insignificance in the face of this immense achievement. And when we regard Madame Blavatsky as a great messenger of a higher life that has been reopened, then we gain the proper perspective on her; then we also gain the ability to judge her to some extent; then we begin to see something of the immense difficulties she encountered along her path.
[ 21 ] Zweierlei hatte sie als diese großen Schwierigkeiten zu überwinden. Sie selbst war durch ihre spirituelle und ihre psychische Veranlagung befähigt, ein höheres Wissen von den höheren Geistern entgegenzunehmen. Sie war aber innerhalb ihrer Persönlichkeit so eingeschlossen - sie sagte das oftmals selbst -, dass ihr Intellekt, der zwar ein scharfer war, doch nicht im idealen Höhenfluge sich zu bewegen vermochte und auch nicht in den strengen Gesetzen der Logik, sodass dieser Intellekt, dieses Denkvermögen große Schwierigkeiten machte zur Auffassung und Ausgestaltung der großen Wahrheiten. Es war wirklich eine ungeheure Aufgabe, der sie sich vielleicht selbst nicht ganz gewachsen fühlte, daher wollte sie oft fast verzagen, dass es ihr nicht gelingen wollte, sich emporzuschwingen zu den Höhen, von denen zu ihr gesprochen worden war. Und so mochte es andererseits auch keine geringe Mühe sein, dieses Wissen in einer der Denkweise des Westens genehmen Art mitzuteilen.
[ 21 ] She had two major difficulties to overcome. Her spiritual and psychological disposition enabled her to receive higher knowledge from the higher spirits. However, she was so confined within her own personality—as she herself often said—that her intellect, though sharp, was unable to soar to ideal heights or to operate within the strict laws of logic; thus, this intellect, this capacity for thought, caused her great difficulty in comprehending and articulating the great truths. It was truly a tremendous task, one she perhaps did not feel entirely up to herself; therefore, she often felt close to despair that she could not succeed in soaring to the heights of which she had been told. And so, on the other hand, it may also have been no small effort to convey this knowledge in a manner acceptable to Western thinking.
[ 22 ] So ist die «Geheimlehre» ein Buch geworden, welches nur dann zu verstehen ist, wenn wir uns klar sind, dass diese doppelte Schwierigkeit zu überwinden war, wenn wir uns klar sind, was sich gegen eine solche Persönlichkeit aufgetürmt hat, die eine solche Mission hatte. Und wenn wir uns einigermaßen eine Ahnung davon erworben haben, was sie zu leisten hatte, dann, wenn wir ihre Leistung im richtigen Lichte sehen, dann werden wir uns klar sein darüber, dass mit dem gewöhnlichen Urteil der Welt diese Persönlichkeit auf keinen Fall ausgemessen werden darf. Schweigen muss das Urteil der Welt. Das äußere Urteil ist gegenüber Frau Blavatsky niemals maßgebend, kann und darf nicht maßgebend sein. Derjenige, der selbst weiß, wie man ein Urteil von einem höheren Plane aus gewinnt, der weiß auch, wie sich der Gesichtswinkel ändert und was man erlebt, wenn das, was man die Schwelle zur übersinnlichen Welt nennt, überschritten ist, der weiß vor allen Dingen, welche Gewalten da lauern hinter dieser Schwelle, der weiß, welche Standhaftigkeit und Festigkeit dazu gehört, sich aufrechtzuerhalten gegenüber den Mächten, die da sind, die da stürmen auf uns ein als Mächte der Verführung und als Mächte mit herabziehender Kraft. Was ich Ihnen an Mächten mit herabziehender Kraft, mit verführender Kraft charakterisiert habe, das hat hier seine Hintergründe, und wir begegnen den Mächten mit ihrer ganzen, manchmal teuflischen Gewalt. Wir können oft dahinterkommen, wenn wir aufsteigen sollen zu höheren Regionen und zu höheren Welten. Da können wir ermessen, was bei Frau Blavatsky da war, gegenüber dem sie standhalten musste.
[ 22 ] Thus, The Secret Doctrine has become a book that can only be understood if we realize that this twofold difficulty had to be overcome, if we realize what stood in the way of such a personality who had such a mission. And once we have gained some sense of what she had to accomplish—once we see her achievement in the proper light—then we will realize that this individual must under no circumstances be judged by the world’s ordinary standards. The world’s judgment must fall silent. External judgment is never decisive when it comes to Madame Blavatsky; it cannot and must not be decisive. Anyone who knows how to form a judgment from a higher plane also knows how one’s perspective changes and what one experiences when what is called the threshold to the supersensible world has been crossed; above all, they know what forces lurk beyond that threshold, and they know what steadfastness and fortitude are required to stand firm against the forces that are there—forces that storm toward us as powers of seduction and as powers with a drag-down force. What I have described to you as forces with a dragging-down power and a seductive power has its background here, and we encounter these forces with all their—sometimes diabolical—violence. We can often discern this when we are called upon to ascend to higher regions and higher worlds. There we can appreciate what Mrs. Blavatsky faced, which she had to withstand.
[ 23 ] Aber nicht allein diese Mächte sind es. Es sind auch noch andere Mächte. Vor allen Dingen die, welche uns entgegentreten in noch ganz anderer Gestalt, wie in der Frage, ob leicht zu ertragen ist die übersinnliche Welt. Diejenigen Mächte, die sich hinschleichen wie die herabziehenden Gewalten und uns zeigen, wie unsere eigenen Kräfte mit jenen in Beziehung stehen, sind vielleicht leichter zu ertragen als diejenigen, welche uns entgegendringen als fortwährende Vorwürfe, von denen der Mensch in der Sinnenwelt nichts ahnt. Nicht nur dasjenige, was uns erscheint in der Sinnenwelt, was uns gleichgültig ist ‚oder Lust bringt, sondern selbst dasjenige, was den Eindruck der Vollkommenheit auf uns macht, hat mächtige, furchtbare Gegenbilder in diesen übersinnlichen Welten. Und selbst derjenige, der versucht hat, in dieser sinnlichen Welt einen gewissen Grad von Vollkommenheit zu erlangen, der versucht hat, seine Persönlichkeit zu reinigen und zu läutern, der versucht hat, einen reinen Lebenswandel zu führen, reinere, höhere Erkenntnisse zu gewinnen, selbst der, wenn er diese Schwelle überschreitet, merkt, dass da für seine Vollkommenheit in der sinnlichen Welt Vorwürfe erweckende Kräfte lauern, welche etwa sagen: Du hast deine Vollkommenheit mit etwas erkauft, was andere Wesen tief hinuntergestoßen hat ins Verderben. - Das ist das Tragische, das selbst demjenigen begegnet, der die Vollkommenheit gesucht hat in dieser sinnlichen Welt. Das sind Gewalten, denen gegenüberzustehen einen Einblick eröffnet in das tiefere Räderwerk des Weltendaseins. Der Mensch muss stark gewappnet sein, wenn er diesem Anprall widerstehen soll, dem er auf dieser Stufe der Erkenntnis ausgesetzt wird. Niemand wird, um seiner selbst willen, diesem Anprall vorher ausgesetzt, also bevor er gewappnet ist, bevor er die moralischen Kräfte hat, diesem Anprall zu widerstehen. Um seiner selbst willen wird niemand diesem Anprall ausgesetzt, aber um der Menschheit willen. Um der Menschheit Willen wird etwas notwendig, um der Menschheit Willen muss mancher etwas auf sich nehmen, dem er erst in einer späteren Inkarnation ausgesetzt gewesen wäre. Mancher wird furchtbaren Versuchungskräften ausgesetzt. Wer diesen Versuchungskräften ausgesetzt ist, um der Menschheit ein Opfer zu bringen, wer ihnen so ausgesetzt ist, wie Frau Blavatsky es war, der muss - lassen Sie mich das nochmals aussprechen -, der muss nach einem ganz anderen Maßstab gemessen werden als andere Menschen. Und wer erkennen will einen solchen Menschen, der muss sich ihm entgegenstellen können mit einem Blick, der selbst aus den dunklen Tiefen der menschlichen Seele herausdringt, der muss Frau Blavatsky gegenüberstehen, wie Annie Besant ihr gegenübergestanden hat, und die auf die Tatsachen zu blicken verstand, von denen wir heute in dieser Betrachtung ausgegangen sind. Nur ein solcher kann den richtigen Weg uns zeigen zu der Individualität, die in der Persönlichkeit von Frau Blavatsky inkarniert war, sodass wir immer mehr und mehr unser Urteil hinaufringen können zu dem vorbildlichen Urteil der Seele der theosophischen Bewegung, zu dem Urteile Annie Besants. Daran mag uns der Lotus-Tag am 8. Mai erinnern, jener Tag, der für die theosophische Bewegung die ganz besondere Bedeutung hat, dass alles dasjenige, was den schweren und großen Gefahren der Gewalten sich auszusetzen hat um der Menschheit willen, dass die Persönlichkeit der Frau Blavatsky abgefallen ist von der unsterblichen Individualität, dass diese unsterbliche Individualität auf sich geladen hat ein Karma, das sich unserem Urteil entzieht, das sich dem Urteil derer entzieht, die ihr zu tiefstem Dank verpflichtet sind. Das aber, was als fortwirkende Kraft in der Individualität von Frau Blavatsky lebt, das gibt etwas fortwährend Dauerndes in dieser theosophischen Bewegung. Davon leben wir. Das ist uns vor allen Dingen ein Teil des Lebensblutes, des geistigen Lebensblutes, das durch unsere Bewegung strömt. Dieser unsterbliche Teil wirkt in jedem unserer Worte, die wir innerhalb unserer theosophischen Bewegung sprechen, mit. Dass er mitwirkt, daran wollen wir jedes Jahr am Lotustage neuerdings denken. Wir wollen uns aus diesem Tag für das neue Jahr Kraft holen, neue Kraft holen und jedes Jahr erneuert im Geiste, der sich vor dreizehn Jahren der sterblichen Hülle entrungen hat, dem Geiste, der in uns lebt, jederzeit an diesem Tage zurufen: Wir wollen aus dir sprechen.
[ 23 ] But it is not only these forces. There are other forces as well. Above all, those that confront us in an entirely different form, such as in the question of whether the supersensible world is easy to bear. Those forces that creep up on us like descending powers and show us how our own powers relate to them are perhaps easier to bear than those that press upon us as constant reproaches, of which human beings in the sensory world have no inkling. Not only that which appears to us in the sensory world—whether it leaves us indifferent or brings us pleasure—but even that which gives us the impression of perfection has powerful, terrifying counterparts in these supersensory worlds. And even the one who has sought to attain a certain degree of perfection in this sensory world—who has sought to purify and refine his personality, who has sought to lead a pure way of life— to gain purer, higher insights—even such a person, upon crossing this threshold, realizes that forces lurk there that give rise to reproaches against his perfection in the sensory world, forces that might say: You have purchased your perfection with something that has cast other beings deep down into ruin. - This is the tragedy that befalls even those who have sought perfection in this sensory world. These are forces whose confrontation opens a window into the deeper workings of worldly existence. A person must be well-armed to withstand this onslaught to which they are exposed at this stage of insight. No one is exposed to this onslaught for their own sake—that is, before they are prepared, before they possess the moral strength to withstand it. No one is exposed to this onslaught for their own sake, but for the sake of humanity. For the sake of humanity, certain things become necessary; for the sake of humanity, some must take upon themselves what they would otherwise have faced only in a later incarnation. Some are subjected to terrible forces of temptation. Whoever is subjected to these forces of temptation in order to make a sacrifice for humanity—whoever is subjected to them as Madame Blavatsky was—must—let me say this again—must be judged by a completely different standard than other people. And whoever wishes to recognize such a person must be able to meet them with a gaze that penetrates even the dark depths of the human soul; they must face Madame Blavatsky as Annie Besant faced her—and who understood how to look at the facts from which we have taken our starting point in this reflection today. Only such a person can show us the right path to the individuality that was incarnated in Madame Blavatsky’s personality, so that we may increasingly raise our judgment to the exemplary judgment of the soul of the Theosophical Movement—to the judgment of Annie Besant. May the Lotus Day on May 8 remind us of this—that day which holds such special significance for the Theosophical Movement: that everything which must expose itself to the grave and great dangers posed by the forces for the sake of humanity; that the personality of Madame Blavatsky has fallen away from the immortal Individuality; that this immortal Individuality has taken upon itself a karma which eludes our judgment, which eludes the judgment of those who owe her the deepest gratitude. But that which lives as a continuing force within Madame Blavatsky’s individuality provides something enduring in this Theosophical Movement. We live by this. Above all, this is a part of the lifeblood—the spiritual lifeblood—that flows through our movement. This immortal part is at work in every word we speak within our Theosophical Movement. Let us remember anew each year on Lotus Day that it is at work. Let us draw strength from this day for the new year—new strength—and, renewed each year in the spirit that shed its mortal shell thirteen years ago, the spirit that lives within us, let us call out to it at any time on this day: “Let us speak through you.”
