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The Rudolf Steiner Archive

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Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge
GA 246

5 Mai 1904, Berlin

1. Rede zum Weißen Lotus-Tag

[ 1 ] Zum ersten Mal in diesem Zeitraum, in dem wir eine Deutsche Sektion in der Theosophischen Gesellschaft haben, begehen wir heute den Tag, der eigentlich auf den 8. Mai fällt und aus einer gewissen Veranlassung für uns auf heute verlegt werden musste.

[ 2 ] Ich hoffe, dass dieser Tag, so wie er in den übrigen Ländern, in denen die Theosophische Gesellschaft sich verbreitet hat, ein Festtag geworden ist, auch für uns in künftigen Jahren immer mehr und mehr ein Festtag werden wird. Es ist selbstverständlich, dass, wenn wir einmal dahin gekommen sind, die volle Bedeutung dieses Festtages zu erkennen, wir ihn auch immer in künftigen Jahren am richtigen Tage begehen werden.

[ 3 ] Der 8. Mai ist für die theosophische Bewegung ein wichtiger Tag. An diesem Tage ist vor dreizehn Jahren diejenige Individualität in einen anderen Daseinszustand übergegangen, durch welche die Ströme geistigen Lebens zunächst geflossen sind, welche durch die Theosophie in der neueren Zeit pulsieren.

[ 4 ] Frau Blavatsky ist vor dreizehn Jahren am 8. Mai gestorben. Ich brauche zwar nur den Namen Frau Blavatsky auszusprechen, und in vielen werden wohl die verschiedensten, die mannigfaltigsten Gedanken erregt. Was aber der Name Blavatsky in dem neuzeitlichen Geistesleben zu bedeuten hat, das wird erst langsam und allmählich klar und deutlich werden können. Und wenn heute vor Ihnen jemand spräche, welcher die Persönlichkeit Frau Blavatskys auf diesem physischen Plane niemals gesehen hat, niemals persönliche Beziehungen zu ihr hatte, so betrachten Sie ja das wohl nicht als einen Mangel. Und ich selbst kann es auch nicht als einen Mangel betrachten, denn wir Theosophen sind uns klar darüber, dass dasjenige, was wir Tod nennen, nur der Übergang in einen anderen Daseinszustand ist, dass das Wesen gerade hoch entwickelter Individualitäten nicht aufhört zu wirken in diesem Zeitpunkt, den wir als den Tod bezeichnen. In einer gewissen Beziehung dürfen wir den Tag, an dem Frau Blavatsky gestorben ist, als Lotus-Tag bezeichnen, als den Tag, an dem verschiedene Hüllen der Blume, die die Persönlichkeit zusammensetzt, gefallen sind und sozusagen nur die Frucht geblieben ist, die sich inmitten der Blume entwickelte, die mit ihrer fruchtbringenden Kraft fortwirkt. Diese fruchtbringende Kraft, die uns als die ewige Individualität des Menschen entgegentritt, muss uns noch wichtiger, noch gewaltiger sein als dasjenige, was vor dreizehn Jahren von der Begründerin der theosophischen Bewegung abgefallen ist.

[ 5 ] Vielleicht werden diejenigen, welche Frau Blavatsky im Leben nicht gesehen haben, ein wahrheitsgetreueres Bild noch haben können als diejenigen, welche längere Zeit mit ihr bekannt waren. Schreiben Sie das nicht dem Umstande zu, dass Frau Blavatsky auf so manche Menschen einen Eindruck gemacht hat, der, wie Sie alle wissen - ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt -, nicht in den besten Farben geschildert wird, schreiben Sie das vielmehr der allgemeinen menschlichen Schwachheit zu, die sich durch den Sinnenschein so sehr leicht betrügen lässt. Die Menschen, die um Frau Blavatsky herum gelebt haben, haben im Fleische vor sich gehabt die Individualität, die weit hinausragte über das, was als Persönlichkeit sich darlebte. Aber der Mensch ist zu schwach, übersehen zu können dasjenige, was er mit seinen Augen wahrnimmt, und so mag der Blick manches der um Frau Blavatsky herum Lebenden durch den unmittelbaren Augenschein getrübt gewesen sein. So mag es gekommen sein, dass Frau Blavatsky in besondere Schwierigkeiten gekommen ist und manche persönliche Seite einer Kämpfernatur zeigen musste, die vielleicht manchen hat täuschen können. So hat mancher Irrtum, gerade bei den Nahestehenden, wohl entstehen können.

[ 6 ] Nicht wundern dürfen wir uns darüber, wenn uns vor dem geistigen Blick, vor dem abgestreift ist das Irdische, die Individualität von Frau Blavatsky in noch strahlenderem Lichte erscheint, als sie von manchen ihrer Zeitgenossen geschildert worden ist. Und diejenige Persönlichkeit, welche Frau Blavatsky am tiefsten in die Seele gesehen hat, diejenige Persönlichkeit, welche die innigste geistige Gemeinschaft durch ihren persönlichen Umgang gehabt hat, die Persönlichkeit, welche die Fortsetzerin ihres großen Werkes ist und die Seele der theosophischen Bewegung, sie war auch nur kurze Zeit mit ihr bekannt. Sie hat Frau Blavatsky erst in den letzten Jahren kennengelernt, und in den letzten Jahren hat sie erst aus dem tiefen Quell dieser sphinxartigen Persönlichkeit schöpfen können. Hineingeblickt hat sie in diese Persönlichkeit, und Tiefes hat sie aus ihr geschöpft. Eines hat sie besonders gewonnen durch den Einblick in Frau Blavatskys Werk, sie hat gewonnen die Überzeugung von der Größe der Aufgabe, welche auf Frau Blavatskys Seele gelegt war - und von der Treue und Liebe, mit welcher Frau Blavatsky die Mission auf sich genommen hat. Und wenn eine Persönlichkeit wie Annie Besant, die so tief in die menschliche Seele zu blicken vermag wie nur wenige Persönlichkeiten, überzeugt werden kann von ihrer Treue und Wahrheit, dann spricht das mehr, als manches andere zu sprechen in der Lage ist. Und wir, die wir in Treue und Liebe an dieser Seele unserer theosophischen Bewegung hängen, die wir wissen, was wir an Annie Besant haben, die wir wissen, dass wir in der Gegenwart von Annie Besant etwas fühlen, das wir nur selten in der Welt fühlen können, die wir wissen, welcher Geistesquell von ihr selbst ausgeht, wir würden unser Verhältnis gründlich missverstehen, wenn sie da nicht etwas übertrüge durch die kindliche Liebe, die sie für Frau Blavatsky hat: die große Individualität, die heute wie der Geist, durch den unsere Bewegung ist, Ihnen gegenübersteht, deren Unsterbliches, ewig Lebendiges Ihnen gegenübersteht, die zu sehen vermag mit anderen Augen als mit denen, mit welchen wir Farben und Formen sehen. Wer verspürt hat den Geist, der uns Rätsel aufgibt, wer hinter die Kulissen unseres Daseins gesehen hat, der wird von vornherein, was auch immer gesagt werden mag, sie mit einem ganz anderen Urteil ansehen als jede andere Persönlichkeit.

[ 7 ] Was Frau Blavatsky zu leisten hatte, ist etwas, was Forderungen von Jahrhunderten in sich schließt, es ist etwas, was nicht geleistet werden könnte mit einem Blick, der nur in unsere sinnliche, in unsere materielle Welt dringt. Eine Persönlichkeit, die das zu leisten hatte, musste tief hineinschauen in jene Felder, die wir die Felder der Ursachen nennen. Da, wo die Fäden, die geistigen Fäden des Werdens und Daseins gezogen werden, da, wo kein sinnliches Auge zu sehen, kein sinnliches Ohr zu hören vermag, da, wo der Mensch hindringt, wenn er eine gefährliche, höchst gefährliche Schwelle überschritten hat, in das Land, das Goethe als das Land der Mütter bezeichnet, in das Land, wo wir den Boden unter den Füßen zu verlieren glauben, wo aufhören alle Urteile, die unsere gewöhnliche Welt zusammenhalten, in dieser Welt der Ursachen, wo vorbereitet werden die [Tatsachen], die stündlich, täglich, jährlich in allen Zeiten vor uns sich abspielen, in diese Welt musste eine solche Persönlichkeit blicken, und in dieser Welt ist noch ein ganz anderes Gefühl von menschlicher Selbstheit, von menschlicher Stärke, menschlicher Unerschütterlichkeit und Treue notwendig als das, was wir selbst den stärksten Charakter innerhalb der Sinnenwelt nennen. Alle Achtung mag man haben vor demjenigen, der ein starker, treuer Charakter ist, und gewiss wird sich jeder vor dem beugen, der innerhalb der Sinnenwelt stark geworden ist. Aber diejenigen, welche niemals empfunden haben etwas von jener Welt, die jenseits der unsrigen, jenseits unserer Sinneswelt liegt, von jener Welt, wo aufhören die Urteile von Gut und Bös, wo aufhören die Urteile von Wahr und Falsch, wie wir sie täglich gewohnt sind zu hören und zu fällen, von jener Welt, wo eine ganz andere Art von Urteil beginnt, von jener Welt, wo über manches - fassen wir es nur halb wirklich auf -, was edel und schön heißt, ein Hohngelächter ertönt wegen der furchtbar tragischen Opfer, welche gebracht werden müssen für manches, was hier schön und groß erscheint.

[ 8 ] Wer aus dieser Welt heraus zu wirken hat, auf dessen Seele es gelegt ist, aus dieser Welt heraus zu wirken, weil dieses Jahrhundert ihm die Aufgabe gestellt hat, der muss mit einem anderen Maßstab gemessen werden als der gewöhnliche Mensch. Es ist in jeder Hinsicht einfach deplatziert, eine Persönlichkeit wie Frau Blavatsky in der gewöhnlichen Weise zu charakterisieren.

[ 9 ] Ich kann also nicht die Persönlichkeit charakterisieren, ich muss charakterisieren die weltgeschichtliche Stellung und das, was auf die Seele von Frau Blavatsky gelegt war.

[ 10 ] Es war am Ende des achtzehnten Jahrhunderts, am Ende des Aufklärungszeitalters, wo der Mensch in einem ganz anderen Maßstab als früher auf sich selbst zu vertrauen, seinem auf die Sinnenwelt gerichteten Verstand und seiner Vernunft zu gehorchen und ausschlaggebend zu betrachten hat, es war da, wo Europa und Amerika anfingen, jene Morgenröte der äußeren materiellen Kultur zu begründen, welche im neunzehnten Jahrhundert jene großen, gewaltigen Früchte getragen hat. Erkühne dich, dich deiner Vernunft zu bedienen, so sagte uns der Königsberger Philosoph Kant, [so sagten es uns] Voltaire und Rousseau. Auf dieser Gesinnung fußt der ganze Materialismus, die ganze Kultur des neunzehnten Jahrhunderts und alles, was für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit errungen worden ist. Diese drei großen Programmpunkte der Französischen Revolution - auf dieser Denkweise beruhen sie. Sie gründen sich auf dasjenige, was durch die Sinnenwelt erfasst werden kann, was der klügelnde Verstand über die Natur ausmachen konnte. Groß wurde der beschränkte Verstand im neunzehnten Jahrhundert, und es ist ein tiefes Gesetz der geistigen Weltentwicklung, dass der Materialismus und der Spiritualismus sich verhalten wie zwei Gewichte, von denen, sobald das eine sich vergrößert und die Waagschale auf der einen Seite herunterzieht, das andere auf der anderen Seite hinaufschnellen muss. So wie der klügelnde, berechnende Verstand des neunzehnten Jahrhunderts die Waagschale der materiellen Kultur herunterdrückte, so musste die andere Waagschale in die Höhe gehen.

[ 11 ] Nur wenige Geister gab es im neunzehnten Jahrhundert, welche sich etwas bewahrt hatten von der Anschauung eines Geistigen. Gerade diejenigen, welche den tiefsten Blick ins Materielle getan hatten, leugneten den Geist. Und so sehen wir in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, wo maßgebende Worte gesprochen worden sind, die materiellen Stoffe und materiellen Kräfte als das Einzige, worauf es ankommt in der Welt. Das Spirituelle und das Geistige waren cs, was die Menschen verleugneten. Empfindung und Gefühl wurden verleugnet. Und am Ende des [achtzehnten] Jahrhunderts waren wie leuchtende Sterne im Untergang einzelne große spirituelle Individualitäten aufgetaucht. Individualitäten, die man nicht verstanden hat, und von denen man nicht wusste, was sie meinten, wenn sie von einer geistigen Welt gesprochen haben, auch Zeugnisse davon gegeben haben, dass es eine solche Welt gibt. Wie Meteore leuchteten sie auf. Aber man verstand sie nicht. Eine solche Persönlichkeit war der vielverkannte St. Germain. Eine solche Persönlichkeit gab es auch in Deutschland. Diejenigen, welche etwas gewusst haben vom spirituellen Leben, mussten es verbergen hinter äußeren Symbolen und Sinnbildern, wie wir das bei Goethe sehen; und bei einer Persönlichkeit, die der Welt nur bekannt ist unter einer Maske, bei Kortum, der als Dichter der «Jobsiade» bekannt ist, unbekannt aber als spirituelle Persönlichkeit, in welcher noch lebte die Persönlichkeit, die kannte die Geheimnisse des Rosenkreuzertums. Es war ein Tiefgang spirituellen Lebens, der am bedeutsamsten, am einschneidensten in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war. Niemals aber zieht sich das spirituelle Leben vollständig von irgendeiner Kultur zurück. Es wird nur, wenn äußerlich die Kultur einen materiellen Charakter annimmt, noch mehr ins Geheimnis gedrängt, und diejenigen Persönlichkeiten, welche noch durchdrungen sind von spirituellem Leben, halten sich streng im Verborgenen. Tief verborgen waren daher die großen Quellen des Geisteslebens im Abendlande, die einst so reich geflossen sind wie bei Jakob Böhme und Angelus Silesius. Verborgen waren die geistigen Quellen, welche durch das Rosenkreuzertum Jahrhunderte hindurchgeflossen sind. Sie schienen sich zurückgezogen zu haben in Gegenden, die nicht der abendländischen Kultur angehören, in Gegenden, in denen man noch etwas bewahrt hatte und zu bewahren wusste von dem spirituellen Leben - was ich hier nur andeuten kann. Man sagte, die Rosenkreuzer wären ausgewandert nach dem Orient und hätten sich verbunden mit den großen Brüderschaften in Asien. Wenn in diesen Zeiten des neunzehnten Jahrhunderts jemandem etwas aufdämmerte von Sehnsucht nach dem spirituellen Leben, von Sehnsucht nach höheren geistigen Erkenntnissen, dann musste er sich nach Osten hinüberwenden und nach orientalischen Quellen suchen.

[ 12 ] Die europäischen und amerikanischen Brüderschaften, die noch existieren, hatten aus gewissen Gründen nicht die Kraft und nicht die Aufgabe, den Strom des materiellen Lebens einzudämmen. Wer nur sieht hinter die Kulissen des äußeren materiellen Lebens, der weiß, dass in den Zeiten, in welchen solche Dinge vorgingen, wie in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein recht bewegtes, ein recht sturmvolles Leben hinter diesen Szenen herrschte. Und es herrschte ein sorgenvolles Leben bei den Geistern, die sich noch Spiritualität erhalten hatten. Ein sorgenvolles Schauen nach der Zukunft herrschte bei allen spirituellen Brüderschaften, als versiegte durch die materielle Kultur vollständig das spirituelle Leben. Selbst bei denen, die am tiefsten eingeweiht waren in die Geheimnisse, war es keine Leichtigkeit, sich klar zu werden, was unter den verhängnisvollen Zeichen der Zeit zu tun sei. Es begann, die große Frage in den okkulten Gesellschaften sich breitzumachen: Wie kann der Menschheit klargemacht werden, dass der Raum, der uns umgibt, in seinen Wirkungen, zur Grundlage Geistiges hat? Es ist nicht nur notwendig für die Menschheit, immer zu der Welt der Ursachen aufzublicken, es ist auch gefährlich in gewissen Zeiten und namentlich in einer Zeit, in welcher sich die materielle Kultur, Denkweise und Gesinnung so tief der Menschengemüter bemächtigt hatte, wie in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, und sich immer mehr und mehr dieser Gemüter bemächtigte, viel mehr bemächtigte, als zuzugeben der Einzelne vielleicht geneigt ist. Derjenige, der tiefer sieht, weiß, was durch diese Strömung über das Menschengeschlecht im neunzehnten Jahrhundert heraufgezogen ist. In einer solchen Zeit ist es aber auch gefährlich, die Quellen des spirituellen Lebens den Menschen zu zeigen. Denn so wie das Kind dem Feuer gegenüber, so benimmt sich auch ungefähr derjenige, der nur mit dem Materiellen bekannt ist, gegenüber der Welt der Ursachen, gegenüber der Welt, die sich abspielt hinter der Szene äußerer sinnlicher Vorgänge. Daher mussten sich auch diejenigen fragen, die die Zeichen der [Zeit] verstanden: Spielen wir nicht mit dem Feuer, wenn wir den Menschen zeigen etwas von einer höheren Welt? Es war schwer zu lösen diese Frage: Wie ist die Menschheit wahrhaft einzuführen in die höheren geistigen Welten? Wie ist der an der Materie und an die materialistische Religion, an Kraft und Stoff-Religion glaubenden Menschheit der Kern des Daseins, der im Geistigen liegt, wieder zu zeigen? Auf den höchsten Gebieten musste man es versuchen. Und der erste Versuch war der, dem an das Sinnliche gewohnten Auge, dem Auge, das sich nicht mehr fähig zeigte, das Geistige unmittelbar zu schauen, auf sinnliche Art, auf kindlich sinnliche Art zu zeigen, dass es Geistiges gibt. So wie der Mensch sich um ein [physikalisches] oder chemisches Experiment herumsetzt, um zu sehen, wie Elektrizität und Magnetismus wirken, damit sie dann glauben können, dass sie wirken, so wollte man - als erster Versuch - durch die unmittelbare sinnliche Anschauung [versuchen,] ihnen das Dasein höherer geistiger Kräfte beizubringen. Das war der erste Versuch, der mit dem Spiritualismus gemacht wurde. Der Spiritualismus und der Spiritismus haben einen tiefen Ursprung. Sie sind zur Probe angestellt worden, wie das an das Sinnliche gewohnte Auge wieder hingelenkt werden kann auf Höheres.

[ 13 ] Bald mussten diejenigen, welche über die Zeiten Wache halten - das ist ein technischer Ausdruck -, sich klar werden darüber, dass etwas ganz anderes notwendig ist als das sinnliche Anschauen spiritistischer Phänomene. Sie mussten sich klar darüber werden, dass des Menschen innerstes Selbst dahin gelenkt werden muss, umgewandelt werden muss, dass der Mensch nicht mehr bloß mit sinnlichen, sondern auch mit geistigen Augen sehen lernte. Hat der Spiritismus gesucht, dem sinnlichen Auge das Geistige zu zeigen, so lag jetzt die schwierige Aufgabe vor: Wie bringen wir den Menschen zum geistigen Schauen selbst, wie ist es möglich, den Menschen zum geistigen Schauen zu bringen?

[ 14 ] Da, wohin sich nach einem Ausdruck, den ich früher schon gebraucht habe, die spirituellen Kräfte geflüchtet hatten, da war auch die erste Spur eines neuen Ideales aufgetaucht. Im Oriente, in einer Bruderloge des Orients, wo das spirituelle Leben seit Jahrtausenden gepflegt worden ist, da war das Ideal aufgetaucht, wiederum eine Welle spirituellen Lebens in die Menschheit einfließen zu lassen, wiederum etwas einfließen zu lassen von den höheren Lehren, damit diejenigen Menschen, welche durch den Spiritismus zwar die Überzeugung von einer übersinnlichen Welt gewonnen haben, aber selbst nicht übersinnlich geworden waren in ihrem Schauen, selbst dahin kommen können, damit sie nicht bloß durch die [sinnliche] Anschauung sich von der Unsterblichkeit und Göttlichkeit der Welt ein Bild machen könnten, sondern diese selbst erleben könnten.

[ 15 ] Daher mussten auch diese Gedanken den Menschen durch sinnliche Persönlichkeiten vermittelt werden, denn alles, was in unsere Sinnenwelt hineinwirkt, muss durch sinnliche Persönlichkeiten bewirkt werden. Es ist das - verkennen Sie es nicht - ein wichtiger Ausspruch. Alles, was in unserer Sinnenwelt gewirkt werden soll, muss durch sinnliche Persönlichkeiten bewirkt werden. Haben höhere geistige Mächte etwas in dieser Welt zu bewirken, das durch die Menschen, durch ihre Erkenntnis einwirken soll, dann müssen sie das durch irdische persönliche Boten tun. Zum Menschen muss derjenige sprechen, den der Mensch am leichtesten verstehen kann. Das ist der Mensch selbst.

[ 16 ] Dass es gerade im letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts nicht leicht war, diejenige Persönlichkeit zu finden, durch welche die spirituelle Weisheit der Menschheit wieder verkündigt werden könnte, das weiß derjenige, welcher vergleichen kann wirkliches spirituelles Leben mit reinem materiellem Leben, wie es sich im neunzehnten Jahrhundert herausgebildet hat. Ungeheuer schwer war es. Es war die Lage so. Denken Sie sich eine der Persönlichkeiten, welche auf hoch entwickeltem menschlichem Standpunkte damals gestanden hätte und die in sich gehabt hat das spirituelle Wissen, die geistige Weisheit der Welt. Wäre diese Persönlichkeit in Europa aufgetaucht und hätte sie damals gesprochen - Narrheit, Wahnsinn hätte man dasjenige vom Standpunkte der materiellen Kultur mit Recht nennen müssen, was von den Lippen einer so hoch entwickelten Persönlichkeit geflossen wäre. Persönlichkeiten, die weit hinausgehen über die geistige Entwicklung ihrer Zeit, [die weit hinausgehen] über dasjenige, was unser Zeitalter kennt, und welche etwas wissen von den eigentlichen Ursachen, konnten - namentlich in den Siebziger-, Achtzigerjahren unseres letzten Jahrhunderts - nur schwer verstanden werden. Eine Mittelsperson war daher notwendig, eine Person, welche auf der einen Seite zu verstehen in der Lage war, was hervorragende Individualitäten zu verkündigen hatten. Ein europäischer Gelehrter wäre trotz aller Gelehrsamkeit dazu nicht imstande gewesen. Ich habe die höchste Achtung vor dem Werke des ausgezeichneten Gelehrten Max Müller. Die Gelehrsamkeit, die Max Müller entwickelt hat, gehört zu dem Bedeutsamsten, was die europäische Geisteskultur entwickeln konnte. Und das, was er auch den Menschen überliefert hat an Wissenschaft, ist ein Wunderwerk. Aber das spirituelle Leben blieb ihm fremd. Und kein Funke dieses spirituellen Lebens strömt aus dem Wunderbau, den so großartig dieser einer unserer bedeutendsten Gelehrten hat aufbauen können. Nimmermehr wäre der entzündende Funke aus diesem Werke herausgeströmt, der der abendländischen Menschheit wahrhaft spirituelles Leben hätte geben können. Und doch sind diese Werke das Bedeutendste, was die Gelehrsamkeit über das spirituelle Leben hat schaffen können.

[ 17 ] Um cs auszuströmen, dazu war etwas anderes notwendig, dazu war eine Persönlichkeit notwendig, deren Herz und Sinn sich erschlossen hatte dem wirklichen spirituellen Leben. Als Frau Blavatsky gegenüberstand den hoch entwickelten Individualitäten des Orients, da strömte wohl manches Mal auch ihr noch das Wort zu: Was wir auch sagen mögen, die Denkmassen, die Vorstellungsarten, die ihr im Abendlande habt, sind nicht imstande uns zu verstehen. Es war wirklich eine Kluft, die durch Jahrtausende hindurch sich erhalten hatte zwischen der orientalischen Geisteskultur und demjenigen, was die moderne Geisteskultur hervorgebracht hat.

[ 18 ] Lassen Sie mich noch einiges über die Bedeutung von Frau Blavatsky andeuten. Sie war für alle, welche okkultes Wissen hatten, eine Persönlichkeit, welche wie ein Rätsel über ihnen schwebte, eine Persönlichkeit, von der sie wussten, dass durch sie Wichtiges geschehen muss. Es ist Geist von einer Höhe, von der sich gewöhnliche Menschen wohl nur selten eine Vorstellung machen können. Sie waren ratlos, wie diese geistige Kraft zu verwenden sei, die in Frau Blavatsky inkarniert war. Technisch ausgedrückt würde das heißen: Es war schwer zu sagen, wie die Zeichen der Zeit zu deuten waren, welche erschienen durch die Persönlichkeit der Frau Blavatsky. Rätselhaft war sie vielen hoch entwickelten Individualitäten. Und unter diejenigen hoch entwickelten Individualitäten - und darauf kommt es gerade für das Verständnis an, das heute noch notwendig und vielleicht möglich ist, gerade darauf, was ich jetzt sagen werde, kommt es an -, unter denjenigen Persönlichkeiten, die im Anfange wohl nicht wussten, wie die geistige Kraft, die in Frau Blavatsky inkarniert war, zu verwerten sei, befand sich auch Frau Blavatsky selbst. Sie war sich zunächst ein Rätsel ganz furchtbarer Art. Daraus wird es Ihnen erklärlich sein, dass mancher, der gern noch warten möchte, um in seinem Urteil noch fester zu werden, der aber doch sprechen muss über Frau Blavatsky, zurückhaltend ist in diesem Urteil über diese rätselhafte Persönlichkeit der Frau Blavatsky, über dieses Rätsel, das sie sich zunächst selbst war und das sie sich bis zu einem gewissen Grade längere Zeit auch blieb.

[ 19 ] Über dieses Rätsel können wir heute nicht sprechen. Aber wir können davon sprechen, was durch dieses Rätsel im Geistesleben der letzten Jahrzehnte geworden ist, wir können davon sprechen, dass durch Frau Blavatsky eine Weisheit, ein Wissen der Menschheit geoffenbart worden sind, wie sie eben innerhalb der modernen Kultur vorher nicht da waren. Was auch alles diejenigen gesagt haben, die meinten, solch ein Werk wie die «Geheimlehre» wäre zusammengetragen aus verschiedenen Werken der Gegenwartskultur, was auch da gesagt worden ist, für den wirklichen Verständigen kommt es gar nicht in Betracht. Ich lasse jeden meinetwillen schnüffeln und die einzelnen Sätze der Geheimlehre da und dort in Werken, die in dieser ‚oder jener Bibliothek liegen, aufsuchen, und ich will gerne zugeben, dass sehr vieles von dem, was in der «Geheimlehre» zusammensteht, zerstreut in der abendländischen mystischen Literatur gefunden werden kann. Darauf kommt es aber nicht an. Es kommt nicht darauf an, wie die Sätze heißen, die in der «Geheimlehre» stehen, es kommt nicht darauf an, wie diese oder jene Wahrheit in der «Geheimlehre» ausgedrückt ist, sondern es kommt darauf an, dass mit der «Geheimlehre» von Frau Blavatsky ein gewisses Wissen gegeben ist, durch welches wirklich spirituelle Kraft strömt, und aus dem, was vielleicht nicht wörtlich darin steht, auch nicht zwischen den Zeilen steht, sondern was sich für denjenigen, der die Geheimlehre in einem viel höheren Sinne zu lesen beginnt, aus dieser Geheimlehre ergibt, aus dem setzt sich das Wertvollste von Frau Blavatskys «Geheimlehre» zusammen. Das liefert Wahrheiten, vor denen den Menschen wirklich jener Schauer ankommt, Wahrheiten, die ich im Näheren charakterisieren möchte als Wahrheiten, über die Ursachen, die hinter den Kulissen sind. Diese Wahrheiten, die uns da geliefert werden, sind völlig unabhängig von der Persönlichkeit von Frau Blavatsky. Wir können sie mit Mitteln und Methoden, die wir lernen können, prüfen, und wir können das Wichtigste und Wesentliche, worauf es ankommt, in der «Geheimlehre» bestätigt finden. Wir können unser eigenes spirituelles Leben an der «Geheimlehre» entzünden. Und wenn wir dann dieses spirituelle Leben entzündet haben, dann sehen wir plötzlich etwas ganz anderes, dann sehen wir, dass das spirituelle Leben überhaupt auch heute noch vorhanden ist, vorhanden ist, wenn es sich auch zurückgezogen hat hinter die materielle Kultur des neunzehnten Jahrhunderts.

[ 20 ] So dürfen wir die eigentliche Tat von Frau Blavatsky so aussprechen: Durch sie ist das Tor wiedereröffnet worden, durch welches die Spiritualität zu uns dringen kann. Und das ist eine Tat von so großer gewaltiger Bedeutung, dass alles, was sonst noch für oder wider gesagt werden könnte, dagegen verschwindet. Man muss die Tat allerdings vom spirituellen Leben aus beurteilen. Tut man das, dann verschwindet alles als kleinlich, was gegenüber Frau Blavatsky gesagt werden könnte, es verschwindet gegenüber dieser ungeheuren Tat. Und wenn wir Frau Blavatsky als große Sendbotin betrachten eines wieder eröffneten höheren Lebens, dann gewinnen wir das richtige Verhältnis zu ihr, dann gewinnen wir auch die Fähigkeit, sie einigermaßen zu beurteilen, dann sehen wir etwas von den ungeheuren Schwierigkeiten, denen sie auf ihrem Wege begegnete.

[ 21 ] Zweierlei hatte sie als diese großen Schwierigkeiten zu überwinden. Sie selbst war durch ihre spirituelle und ihre psychische Veranlagung befähigt, ein höheres Wissen von den höheren Geistern entgegenzunehmen. Sie war aber innerhalb ihrer Persönlichkeit so eingeschlossen - sie sagte das oftmals selbst -, dass ihr Intellekt, der zwar ein scharfer war, doch nicht im idealen Höhenfluge sich zu bewegen vermochte und auch nicht in den strengen Gesetzen der Logik, sodass dieser Intellekt, dieses Denkvermögen große Schwierigkeiten machte zur Auffassung und Ausgestaltung der großen Wahrheiten. Es war wirklich eine ungeheure Aufgabe, der sie sich vielleicht selbst nicht ganz gewachsen fühlte, daher wollte sie oft fast verzagen, dass es ihr nicht gelingen wollte, sich emporzuschwingen zu den Höhen, von denen zu ihr gesprochen worden war. Und so mochte es andererseits auch keine geringe Mühe sein, dieses Wissen in einer der Denkweise des Westens genehmen Art mitzuteilen.

[ 22 ] So ist die «Geheimlehre» ein Buch geworden, welches nur dann zu verstehen ist, wenn wir uns klar sind, dass diese doppelte Schwierigkeit zu überwinden war, wenn wir uns klar sind, was sich gegen eine solche Persönlichkeit aufgetürmt hat, die eine solche Mission hatte. Und wenn wir uns einigermaßen eine Ahnung davon erworben haben, was sie zu leisten hatte, dann, wenn wir ihre Leistung im richtigen Lichte sehen, dann werden wir uns klar sein darüber, dass mit dem gewöhnlichen Urteil der Welt diese Persönlichkeit auf keinen Fall ausgemessen werden darf. Schweigen muss das Urteil der Welt. Das äußere Urteil ist gegenüber Frau Blavatsky niemals maßgebend, kann und darf nicht maßgebend sein. Derjenige, der selbst weiß, wie man ein Urteil von einem höheren Plane aus gewinnt, der weiß auch, wie sich der Gesichtswinkel ändert und was man erlebt, wenn das, was man die Schwelle zur übersinnlichen Welt nennt, überschritten ist, der weiß vor allen Dingen, welche Gewalten da lauern hinter dieser Schwelle, der weiß, welche Standhaftigkeit und Festigkeit dazu gehört, sich aufrechtzuerhalten gegenüber den Mächten, die da sind, die da stürmen auf uns ein als Mächte der Verführung und als Mächte mit herabziehender Kraft. Was ich Ihnen an Mächten mit herabziehender Kraft, mit verführender Kraft charakterisiert habe, das hat hier seine Hintergründe, und wir begegnen den Mächten mit ihrer ganzen, manchmal teuflischen Gewalt. Wir können oft dahinterkommen, wenn wir aufsteigen sollen zu höheren Regionen und zu höheren Welten. Da können wir ermessen, was bei Frau Blavatsky da war, gegenüber dem sie standhalten musste.

[ 23 ] Aber nicht allein diese Mächte sind es. Es sind auch noch andere Mächte. Vor allen Dingen die, welche uns entgegentreten in noch ganz anderer Gestalt, wie in der Frage, ob leicht zu ertragen ist die übersinnliche Welt. Diejenigen Mächte, die sich hinschleichen wie die herabziehenden Gewalten und uns zeigen, wie unsere eigenen Kräfte mit jenen in Beziehung stehen, sind vielleicht leichter zu ertragen als diejenigen, welche uns entgegendringen als fortwährende Vorwürfe, von denen der Mensch in der Sinnenwelt nichts ahnt. Nicht nur dasjenige, was uns erscheint in der Sinnenwelt, was uns gleichgültig ist ‚oder Lust bringt, sondern selbst dasjenige, was den Eindruck der Vollkommenheit auf uns macht, hat mächtige, furchtbare Gegenbilder in diesen übersinnlichen Welten. Und selbst derjenige, der versucht hat, in dieser sinnlichen Welt einen gewissen Grad von Vollkommenheit zu erlangen, der versucht hat, seine Persönlichkeit zu reinigen und zu läutern, der versucht hat, einen reinen Lebenswandel zu führen, reinere, höhere Erkenntnisse zu gewinnen, selbst der, wenn er diese Schwelle überschreitet, merkt, dass da für seine Vollkommenheit in der sinnlichen Welt Vorwürfe erweckende Kräfte lauern, welche etwa sagen: Du hast deine Vollkommenheit mit etwas erkauft, was andere Wesen tief hinuntergestoßen hat ins Verderben. - Das ist das Tragische, das selbst demjenigen begegnet, der die Vollkommenheit gesucht hat in dieser sinnlichen Welt. Das sind Gewalten, denen gegenüberzustehen einen Einblick eröffnet in das tiefere Räderwerk des Weltendaseins. Der Mensch muss stark gewappnet sein, wenn er diesem Anprall widerstehen soll, dem er auf dieser Stufe der Erkenntnis ausgesetzt wird. Niemand wird, um seiner selbst willen, diesem Anprall vorher ausgesetzt, also bevor er gewappnet ist, bevor er die moralischen Kräfte hat, diesem Anprall zu widerstehen. Um seiner selbst willen wird niemand diesem Anprall ausgesetzt, aber um der Menschheit willen. Um der Menschheit Willen wird etwas notwendig, um der Menschheit Willen muss mancher etwas auf sich nehmen, dem er erst in einer späteren Inkarnation ausgesetzt gewesen wäre. Mancher wird furchtbaren Versuchungskräften ausgesetzt. Wer diesen Versuchungskräften ausgesetzt ist, um der Menschheit ein Opfer zu bringen, wer ihnen so ausgesetzt ist, wie Frau Blavatsky es war, der muss - lassen Sie mich das nochmals aussprechen -, der muss nach einem ganz anderen Maßstab gemessen werden als andere Menschen. Und wer erkennen will einen solchen Menschen, der muss sich ihm entgegenstellen können mit einem Blick, der selbst aus den dunklen Tiefen der menschlichen Seele herausdringt, der muss Frau Blavatsky gegenüberstehen, wie Annie Besant ihr gegenübergestanden hat, und die auf die Tatsachen zu blicken verstand, von denen wir heute in dieser Betrachtung ausgegangen sind. Nur ein solcher kann den richtigen Weg uns zeigen zu der Individualität, die in der Persönlichkeit von Frau Blavatsky inkarniert war, sodass wir immer mehr und mehr unser Urteil hinaufringen können zu dem vorbildlichen Urteil der Seele der theosophischen Bewegung, zu dem Urteile Annie Besants. Daran mag uns der Lotus-Tag am 8. Mai erinnern, jener Tag, der für die theosophische Bewegung die ganz besondere Bedeutung hat, dass alles dasjenige, was den schweren und großen Gefahren der Gewalten sich auszusetzen hat um der Menschheit willen, dass die Persönlichkeit der Frau Blavatsky abgefallen ist von der unsterblichen Individualität, dass diese unsterbliche Individualität auf sich geladen hat ein Karma, das sich unserem Urteil entzieht, das sich dem Urteil derer entzieht, die ihr zu tiefstem Dank verpflichtet sind. Das aber, was als fortwirkende Kraft in der Individualität von Frau Blavatsky lebt, das gibt etwas fortwährend Dauerndes in dieser theosophischen Bewegung. Davon leben wir. Das ist uns vor allen Dingen ein Teil des Lebensblutes, des geistigen Lebensblutes, das durch unsere Bewegung strömt. Dieser unsterbliche Teil wirkt in jedem unserer Worte, die wir innerhalb unserer theosophischen Bewegung sprechen, mit. Dass er mitwirkt, daran wollen wir jedes Jahr am Lotustage neuerdings denken. Wir wollen uns aus diesem Tag für das neue Jahr Kraft holen, neue Kraft holen und jedes Jahr erneuert im Geiste, der sich vor dreizehn Jahren der sterblichen Hülle entrungen hat, dem Geiste, der in uns lebt, jederzeit an diesem Tage zurufen: Wir wollen aus dir sprechen.