Supplements to Member Lectures
GA 246
27 March 1910, Vienna
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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
27. Osterhoffnung, Ostererwartung, Osterideal
27. Easter Hope, Easter Expectation, Easter Ideal
Meine verehrten Anwesenden!
Ladies and gentlemen!
[ 1 ] In unserer Zeit sehen wir in der äußeren Welt die von alters her gewohnten Feste und Feiern, wir sehen sozusagen alte Erinnerungen in diesen Festen und Feiern sich fortsetzen, und wenn wir dann fragen: Was fühlen heute die Herzen, wenn sie Feste des Jahres begehen? Wenn wir insbesondere darum fragen: Von welcher Wärme des Herzens werden die Seelen durchzogen, wenn die Jahresfeste in der Gegenwart gefeiert werden? - Dann werden wir im Allgemeinen finden, dass die Herzen gar sehr erkaltet sind gegenüber dem, was Gebräuche und Einrichtungen und Gewohnheiten an solchen Festtagen sind, und wir werden namentlich finden, dass ein rechtes und echtes Verständnis für solche alten Gewohnheiten in unserer Gegenwart ziemlich geschwunden sind. Wenn Geisteswissenschaft wiederum ihre Einkehr halten wird in die Seelen und Herzen der Menschen, dann werden diese letzteren mit vollem Anteil wiederum sein können bei demjenigen, was wir Jahresfeste nennen.
[ 1 ] In our time, we see in the outside world the festivals and celebrations to which we have been accustomed since time immemorial; we see, so to speak, old memories living on in these festivals and celebrations, and when we then ask: What do hearts feel today when they observe the festivals of the year? When we ask, in particular: What warmth of heart permeates the souls when the annual festivals are celebrated today?—then we will generally find that hearts have grown quite cold toward the customs, traditions, and habits associated with such festive days, and we will find, in particular, that a true and genuine understanding of such ancient customs has largely vanished in our time. When Spiritual Science once again finds its way into the souls and hearts of people, then the latter will once again be able to participate fully in what we call the annual festivals.
[ 2 ] Es sind schon, meine verehrten Anwesenden, Feste der Erinnerung; es sind aber kraftvolle und anfeuernde Feste für das menschliche Herz, für die menschliche Seele, es sind vor allen Dingen Feste der Hoffnung, Feste der Erwartung, Feste des Ideals. Und derjenige, der im rechten Sinne das zu fühlen versteht, was sich zum Beispiel hinter dem Osterfest verbirgt, der kann in diesem Gefühl haben ein Fest der Erwartung, ein Fest der Hoffnung, ein Fest des Ideals.
[ 2 ] Indeed, my esteemed audience, these are celebrations of remembrance; but they are also powerful and uplifting celebrations for the human heart and the human soul—above all, they are celebrations of hope, celebrations of anticipation, and celebrations of the ideal. And whoever truly understands what lies behind the Easter celebration, for example, can experience it as a celebration of anticipation, a celebration of hope, a celebration of ideals.
[ 3 ] Man muss zunächst die äußeren Zeichen zu deuten wissen, aus denen heraus uns sozusagen Menschheitsverständnis anleiten will, was für uns das Osterfest sein kann. Wie feierte die Menschheit Ostern? Wie feiern selbst in unserer Zeit noch viele Ostern, ohne dass sie mit vollem Verständnis hinter diesem «Wie» eigentlich stehen? Abgewartet wird — so feiern die Menschen Ostern - die Zeit, in welcher allmählich sich löst die Schneedecke, das Winterkleid der Erde; abgewartet wird die Zeit, in welcher schlummerte der Pflanzensame in der Erde; gehofft wird durch Monate hindurch auf die Zeit, da hervorrufen die erneuerten wärmenden Sonnenstrahlen diese Pflanzensamen der Erde und wo sich unsere Erde statt mit dem Schnee des Winters wiederum bedeckt mit dem Grün des Frühlings. Da wird unser Herz, wird unsere Seele warm, da fühlen wir die aufkeimende, aufsprossende Natur, da tragen wir in unserer Seele Hoffnung und Erwartung für den kommenden Sommer. Denn die ersten Spuren der aus der Erde hervorsprossenden Pflanzensamen verkünden uns, dass wir diese Erde im Blütenschmuck und Herbstessegen die nächsten Monate hindurch um uns haben werden. Und es ist die Zeit der Frühlingstagundnachtgleiche [...], es ist der 21. März, auf den unsere Seele also wartet als auf den Tag, der herauslockt aus unserer Erde die sprießenden, sprossenden Keime, die uns so viel versprechen für die Sommer- und die Herbstzeit. Aber wenn wir auch mit Dank hinaufblicken zur erwärmenden und erleuchtenden Sonne, die uns den schlafenden Samen aus der Erde herauslockt, wir begehen, wenn wir Ostern verstehen, noch nicht mit dieser Frühlingssonnenwende unser Ostern. Wir warten von dieser Frühlingssonnenwende, von dem Tag des 21. März, wir warten ab, bis wieder der Vollmond leuchtend am Himmel steht. Wenn uns der Vollmond leuchtend am Himmel steht und wir zu ihm hinaufschauen, dann können wir fühlen herunterblicken zu uns das Licht der Sonne in einer anderen Form. Es sendet uns - der Vollmond — aus der Nacht zurück das Licht der Sonne; er sendet es uns zurück so, wie wir es, meine verehrten Anwesenden, heute etwa sehen, wenn wir hinblicken auf die hervorsprossenden Pflanzen. Der Vollmond sendet uns das Licht der Sonne so zu, dass wir es in seiner Abschwächung unmittelbar als Sonnenlicht, aber auch durch die Nacht hindurch sehen können. Und dann sagen wir uns, hinaufblickend zu dem Frühlingsvollmond nach dem 21. März: Hinweg von der Erde, hinaus in den Himmelsraum müssen wir den Blick richten, zu einer anderen Verkündigung der Sonne. Und wenn wir auch noch so sehr bewundern können die Wirkungen der Sonne, die sichtbaren Wirkungen der Sonne, die sich uns versprechen mit der Frühlingssonnenwende für das Jahr hindurch: Wir müssen als Menschen aufblicken können von demjenigen, was sich auf unserer Erde vollzieht, wir müssen in höheren Räumen eine aufgehende Hoffnung erschauen können mit dem Sonnenlicht. Und wir fühlen ein wenig, indem wir so aufblicken zu dem Vollmond, der uns die Frühlingsnacht durchleuchtet, wir fühlen ein wenig dasjenige in unseren Seelen, was wir etwa umgießen könnten in die Worte: O, schön ist es, was da aufkeimt aus dem schlafenden Samenkorn der Erde! Schön wird es sein, was als Blüten- und Früchteschmuck das Jahr über die Erde umgeben wird! Aber es wird die Zeit kommen im Jahre, wo das hinsterben wird, was die Frühlingssonne am Sonnwendtag uns gegeben hat. Ein Herbst wird ablösen den Frühling, ein Winter den Sommer.
[ 3 ] First, one must know how to interpret the outward signs through which, so to speak, our understanding of humanity seeks to guide us in what Easter can mean for us. How did humanity celebrate Easter? Even in our time, how many still celebrate Easter without fully understanding the meaning behind this “how”? People celebrate Easter by waiting—waiting for the time when the blanket of snow, the earth’s winter garment, gradually melts away; we await the time when the plant seeds slumbered in the earth; for months on end, we hope for the time when the renewed, warming rays of the sun stir these seeds from the earth, and when our earth, instead of being covered with winter’s snow, is once again cloaked in the green of spring. Then our hearts and souls grow warm; then we feel nature sprouting and budding; then we carry hope and anticipation for the coming summer in our souls. For the first signs of plant seeds sprouting from the earth tell us that we will be surrounded by this earth, adorned with blossoms and the bounty of autumn, throughout the coming months. And it is the time of the spring equinox [...], it is March 21, which our soul thus awaits as the day that draws forth from our earth the sprouting, budding shoots that promise us so much for the summer and fall seasons. But even as we look up with gratitude toward the warming and illuminating sun, which draws the sleeping seeds from the earth, we do not yet celebrate our Easter with this spring solstice—if we understand Easter. From this spring solstice, from the day of March 21, we wait until the full moon shines brightly in the sky once more. When the full moon shines brightly in the sky and we look up at it, we can feel the light of the sun looking down upon us in a different form. The full moon sends us the light of the sun back from the night; it sends it back to us just as we, my dear friends, see it today when we look at the sprouting plants. The full moon sends us the sun’s light in such a way that, even as it is dimmed, we can see it directly as sunlight—and yet also see it shining through the night. And then, looking up at the spring full moon after March 21, we say to ourselves: We must direct our gaze away from the earth, out into the expanse of the heavens, toward another manifestation of the sun. And no matter how much we may admire the effects of the sun—the visible effects of the sun that promise us, with the spring solstice, a year ahead—we, as human beings, must be able to look up beyond what is taking place on our Earth; we must be able to behold a rising hope in higher realms through the sunlight. And as we look up at the full moon illuminating the spring night, we sense a little in our souls what we might express in these words: Oh, how beautiful is what is sprouting from the earth’s sleeping seed! How beautiful will be the blossoms and fruits that adorn the earth throughout the year! But the time will come in the year when what the spring sun gave us on the day of the solstice will wither away. Autumn will replace spring, and winter will replace summer.
[ 4 ] Wir Menschen aber, wir blicken auf von diesem Bild des Schönen, aber des vergänglichen Schönen, das sich uns in seiner Vergänglichkeit in so kurzer Zeit vor das Auge hinstellt, wir blicken auf von diesem Gleichnis des Vergänglichen in höhere Welten; wir tragen die Hoffnung ins uns, dass uns die Sonne zu verkündigen hat noch etwas anderes als das, was uns in dem Bild der Vergänglichkeit des Jahres vor Augen stehen kann, wir blicken von der Erde weg zu dem Sohn der Erde, der sich ausgesondert hat von der Erde einstmals, der einstmals zur Erdensubstanz gehört hat, der sich von ihr ausgesondert hat, der sie nun umkreist. Wir blicken zu ihm auf und suchen in dem Vollmond nach der Frühlingssonnenwende den Sohn der Erde, der uns zurückwirft das Licht der Sonne, um uns außerhalb des Bildes der Vergänglichkeit der Erde ein Bild davon machen zu können, von dem, was von dem Licht der Sonne Gleichnis sein kann für das Ewige, für eine Hoffnung, die nicht ein Herbst in so unmittelbarer Nähe ablösen kann. Und wenn wir dann mit vollem Verständnis also zu dem Gleichnis, das uns aus dem Weltenraum entgegenschaut, hinaufgeblickt haben, zu dem Vollmond nach der Frühlingssonnenwende, dann, dann behalten wir diesen Gegensatz des Ewigen und des Vergänglichen in unserem Herzen und warten bis zu dem nächsten Tag, den Menschengeist geweiht hat dem Sonnenlicht, und begehen an dem ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond den Ostersonntag und geloben es uns in unserem Herzen, dass wir verstanden haben: O, wir werden, wenn wir das Sonnenlicht im Geiste heute auch nur widergespiegelt sehen, wenn wir auch nur einen Abglanz des Geistes der Welt heute sehen können, wir werden die Hoffnung niemals in unseren Herzen ersterben lassen, dass aus uns selber etwas hervorgehen kann, etwas erweckt werden kann, was ein Ewiges ist gegenüber aller Vergänglichkeit. So blicken wir von der Erde in die Himmelsräume hinaus, um Verständnis zu haben für den Ostersonntag.
[ 4 ] But we humans—we look up from this image of beauty, though it is a fleeting beauty, which presents itself to our eyes in its transience for such a brief time; we look up from this parable of transience toward higher worlds; we carry within us the hope that the sun has something else to reveal to us besides what we can perceive in the image of the year’s transience; we look away from the Earth toward the Son of the Earth, who once separated himself from the Earth, who once belonged to the substance of the Earth, who separated himself from it, and who now orbits it. We look up to him and, in the full moon after the spring equinox, seek the Son of the Earth, who reflects the light of the sun back to us so that, beyond the image of the Earth’s transience, we may form a picture of what the light of the sun can symbolize—the eternal, a hope that cannot be supplanted by an autumn so close at hand. And when we have thus looked up with full understanding at the parable that gazes back at us from outer space—at the full moon after the spring solstice— then, then we will keep this contrast between the eternal and the transitory in our hearts and wait until the next day that the human spirit has consecrated to the sunlight, and on the first Sunday after the spring full moon we will celebrate Easter Sunday and vow in our hearts that we have understood: O, even if we see only a reflection of the sunlight in the spirit today, even if we can see only a glimmer of the spirit of the world today, we will never let hope die in our hearts that something can emerge from within us, that something can be awakened within us that is eternal in the face of all transience. So let us gaze out from the earth into the heavens to gain an understanding of Easter Sunday.
[ 5 ] Es ist sinnig und tief, dass das Osterfest so eingesetzt worden ist, dass cs fallen soll auf den ersten Sonntag nach dem Vollmond, der auf den 21. März, auf den Frühlingssonnenwendtag folgt. Und solang die Menschheit nur einen Funken des Verständnisses sich bewahren wird für das, was dieser Sonntag in unseren Herzen wachrufen soll, wird sie sich kaum nehmen lassen diese Festsetzung des Ostersonntages, die herausgeholt ist aus den Geheimnissen des Weltalls, und die uns, wenn wir sie verstehen, immer hinwegführen kann mit unserer Hoffnung, mit unserer Erwartung, mit unserem Ideal, von dem Zeitlichen zu dem Ewigen.
[ 5 ] It is meaningful and profound that Easter has been established to fall on the first Sunday after the full moon following March 21, the day of the spring equinox. And as long as humanity retains even a spark of understanding for what this Sunday is meant to awaken in our hearts, it will hardly allow itself to be deprived of this designation of Easter Sunday, which is drawn from the mysteries of the universe and which, if we understand it, can always carry us—with our hope, our expectation, and our ideal—from the temporal to the eternal.
[ 6 ] Und dann, wenn wir uns dieses Gefühl aus dem Makrokosmos, aus der großen Welt heraus in ihren Zeichen angeeignet haben, dann blicken wir wohl auf den Menschen selber zurück, wir blicken auf diesen Menschen, wie sein Leben abläuft, abläuft von Tag zu Tag, sich wiederholend von Tag zu Tag, sodass der Mensch allerdings in dieser Wiederholung fortschreitet, dass er eine Entwicklung durchmacht vom Niederen zum Höheren. Wenn der Mensch nun in diese seine eigene Entwicklung schaut, wenn er sozusagen den Blick abwendend mit demjenigen Gefühl, das er sich aus dem Weltall geholt hat, auf sich selber blickt, dann kann er sich sagen, geistig sein Dasein verstehend sich sagen: Es wiederholt sich in meinem Leben Tag für Tag, wie sich draußen in der Welt wiederholt Jahr für Jahr, es bringt mir jeder neue Morgen Erfrischung meiner Kräfte für mein Tagwerk, sodass ich arbeiten kann vom Morgen bis zum Abend; es bringt mir jeder Abend eine Art von Herbst. Die Ermüdung jeden Abend zwingt mich dazu, zurückzukehren mit meiner Seele in Regionen des Weltalls, schlafend zu verarbeiten die Kräfte, die ich während des Tagwachens, während der Tagesarbeit in mich aufgenommen habe, um sie am Morgen wiederum aus dem unbestimmten Dunkel meiner Seele heraus aufzuerwecken. Und unsere Seele kann sich sagen: Ich erlebe gleichsam jeden Tag in mir ein Bild des Frühlings, des Sommers, des Herbstes, des Winters. So wie das Samenkorn der Erde schläft während des Winters in der Erde, so wie es begrüßt wird von der Frühlingssonne zum Aufwachen, wie es sich entfaltet zur Blüte und Frucht im Sommer (und im Herbst) und wieder einschlummert während des Winters, um zu neuem Leben zu erwachen, so ist es im Grunde genommen von Tag zu Tag mit unserer Seele, und wir leben nur mit Verständnis, wenn wir uns dieses Leben unserer Seele von Tag zu Tag sozusagen vorstellen wie ein Bild, wie ein Gleichnis des Jahrlaufes der Pflanze. Wir eignen uns an während unseres Tages-Sommers diejenigen Kräfte, die uns weiterführen sollen in der Entwicklung der Welt. Wir legen diese Kräfte des Abends in unser schlummerndes Bewusstsein hinein. Wie das schlafende Samenkorn in der Erde ruht den Winter hindurch, so schlummern unsere Gedanken, unsere Gefühle, unsere Willensimpulse im Untergrund unserer Seele während der Schlafenszeit. Und wie das Samenkorn im Frühling hervorgerufen wird von der es grüßenden Sonne zu neuem Leben, so ruft uns jeder neue Morgen, jeder Tagesfrühling unserer Seele durch die Sonne hervor zu neuem Schaffen, zu neuer Arbeit. Und es wiederholt sich Tag für Tag unser Leben.
[ 6 ] And then, once we have made this feeling our own—drawing it from the macrocosm, from the greater world, through its symbols—we can look back at human beings themselves; we observe these human beings as their lives unfold, day by day, repeating themselves day after day, so that, within this repetition, human beings do indeed progress, undergoing a development from the lower to the higher. When a person now looks at this development of his own, when he turns his gaze away, so to speak, and looks at himself with that feeling he has drawn from the universe, then he can say to himself—understanding his existence spiritually—he can say: It repeats itself in my life day after day, just as it repeats itself out there in the world year after year; every new morning brings me a renewal of strength for my daily work, so that I can work from morning until evening; every evening brings me a kind of autumn. The weariness of each evening compels me to return with my soul to regions of the universe, to process in sleep the forces I have absorbed during the waking hours, during the day’s work, so that I may awaken them again in the morning from the indefinite darkness of my soul. And our soul can say to itself: I experience, as it were, an image of spring, summer, fall, and winter within me every day. Just as the seed sleeps in the earth during winter, just as it is greeted by the spring sun to awaken, just as it unfolds into blossom and fruit in summer (and in fall) and falls asleep again during winter to awaken to new life—so, in essence, it is with our soul from day to day, and we live with true understanding only when we form a mental image of this life of our soul from day to day, so to speak, as an image, as a parable of the plant’s annual cycle. During our “daytime summer,” we assimilate those forces that are meant to carry us forward in the development of the world. We lay these evening forces into our slumbering consciousness. Just as the sleeping seed rests in the earth throughout the winter, so our thoughts, our feelings, and our impulses of will slumber in the depths of our soul during sleep. And just as the seed is awakened to new life in spring by the sun that greets it, so every new morning, every “springtime” of our soul, is awakened by the sun to new creation, to new work. And day after day, our life repeats itself.
[ 7 ] Wir wissen aber, dass diesem Leben eine Grenze gesetzt ist, wir wissen, dass diese Wiederholung dem Reiche der Vergänglichkeit angehört, und wir wissen auch, wenn wir ein wenig Geisteswissenschaft auf uns wirken haben lassen, dass wir nur dann aufblicken dürfen von der Vergänglichkeit des Tages zu einem Ewigen, das in uns des Morgens aufwacht, das tagsüber arbeitet, des Nachts schlummert, dass wir nur dann aufblicken dürfen in unserer Entwicklung zu einem solchen Ewigen, wenn wir dieses Ewige uns suchen hinter den vergänglichen Eindrücken, hinter den vergänglichen Arbeiten des Tages. Als Menschen blicken wir von all dem, was uns der Tag bringen kann, was uns der Tag bringen kann von Freuden, was uns der Tag bringen kann auch von Schmerzen, was uns der Tag bringen kann an Erkenntnis, was uns der Tag bringen kann von Irrtümern, von all dem blicken wir zu etwas auf, was im Grunde genommen für viele, viele Seelen durch lange, lange Entwicklungszeiten hindurch wie ein ausgestoßener Sohn des Seelenlebens ist. Ja, meine verehrten Anwesenden, wie ein ausgestoßener Sohn des Seelenlebens! Denn es gibt lange, lange Entwicklungszeiten für die menschliche Seele, da lebt sie hin, des Tages Freud und Leid genießend, in sich hereinnehmend das, was der Tag bringt. Zufrieden mit dem, was der Tag bringt, lebt diese Seele mit dem Glauben, dass sie nur Erkenntnisse und ein Wissen sich erwerben könne, welche diesem Tag entnommen sind. In vielen, vielen Seelen ist auch heute noch, ist auch die Gegenwart noch nur die Veranlassung, hinzuschauen auf dasjenige, was mit dem Morgen entsteht, was mit dem Abend vergeht. Ein kleiner Aufblick in das Menschenleben, er kann uns lehren, wie wir, wenn wir so in die Welt schauen, dennoch nur ein Bild der Vergänglichkeit vor uns haben, so wie wir ein Bild der Vergänglichkeit vor uns hätten, wenn wir uns nur freuen könnten zur Zeit der Frühlingssonnenwende am 21. März. Wir können selbst unsere Seele hinrichten zu den größten Freuden, zu den größten Erfahrungen, zu den höchsten Begeisterungen, welche uns werden kommen aus dem, was uns unserer Seele entsteht durch den Lauf des Tages.
[ 7 ] But we know that this life has its limits; we know that this repetition belongs to the realm of transience; and we also know—if we have allowed Spiritual Science to take root within us—that we may only look up from the transience of the day toward an Eternal that awakens within us in the morning, that works during the day and slumbers at night; we may only then look upward in our development toward such an Eternal One when we seek this Eternal One behind the transitory impressions, behind the transitory tasks of the day. As human beings, we look up from all that the day can bring us—the joys the day can bring, the pains the day can bring, the insights the day can bring, the errors the day can bring—from all of this we look up to something that, in essence, for many, many souls throughout long, long periods of development, is like a cast-out son of the soul’s life. Yes, my esteemed audience, like a prodigal son of the soul’s life! For there are long, long periods of development for the human soul, during which it lives on, enjoying the joys and sorrows of the day, taking in whatever the day brings. Content with what the day brings, this soul lives with the belief that it can acquire only insights and knowledge drawn from that very day. Even today, for many, many souls—even in the present—the present moment is still merely the occasion to look toward what arises with the morning and what passes with the evening. A brief glimpse into human life can teach us that when we look at the world in this way, we still see only a picture of transience before us—just as we would see a picture of transience if we could only rejoice at the time of the spring equinox on March 21. We ourselves can direct our souls toward the greatest joys, the greatest experiences, and the highest enthusiasms, which will come to us from what arises within our souls as the day unfolds.
[ 8 ] Und wenn wir hinblicken auf die größten der Menschen, was ihnen aus dem Lauf des Tages werden konnte an ihren Entwicklungskräften, es gibt uns das nur ein Bild der Vergänglichkeit. Gewiss werden wir Menschen schon Hoffnungen und Erwartungen und Ideale haben können, wenn wir aufblicken zu dem, was sozusagen Menschen erreicht haben, die eine höhere Stufe des Daseins erklommen haben. Blicken wir hin zu dem, was solche Menschen geschaffen haben für die Entwicklung des Geistigen! Blicken wir hin zum Beispiel zu dem, was - sagen wir - ein Raffael, ein Michelangelo, ein Leonardo da Vinci oder sonstigen Größen der Menschheit geschaffen haben mit den Mitteln der Vergänglichkeit! Da werden wir uns sagen können: Unzählige Seelen haben sich entzückt und werden sich entzücken an demjenigen, was geschaffen haben diese Menschen mit den Kräften, die sie aus dem Reich der Vergänglichkeit gesogen haben. O, wie viele Menschen erfreuen sich an den Bildern Raffaels, Michelangelos, Leonardo da Vincis! Blicken mit Dank hin zu dem, was ihnen diese großen Persönlichkeiten der Menschheit geliefert haben! Aber es wird der Augenblick kommen, wo unsere Seele sich sagt: Viel, viel haben uns diese großen Persönlichkeiten gegeben; aber eine Zeit wird kommen - sicher wird eine Zeit kommen -, da alles das, was hingezaubert haben in das Reich der Vergänglichkeit die Persönlichkeiten von Raffael, Michelangelo, Leonardo da Vinci, da alles das, was von den Wänden (der Galerien) herunter entzückt Menschenseelen und erhebt Menschenseelen, da alles das zerstoben sein wird zu Staub, da nichts mehr uns herunter erfreuen wird von den Wänden von den Werken dieser Persönlichkeiten.
[ 8 ] And when we look at the greatest of human beings—at what their powers of development might have become in the course of a single day—it gives us only a picture of transience. Certainly, we humans can have hopes, expectations, and ideals when we look up to what, so to speak, people who have ascended to a higher level of existence have achieved. Let us look at what such people have created for the development of the spiritual realm! Let us look, for example, at what—let us say—a Raphael, a Michelangelo, a Leonardo da Vinci, or other great figures of humanity have created with the means of transience! Then we will be able to say to ourselves: Countless souls have been enchanted and will continue to be enchanted by what these people have created with the forces they drew from the realm of the transitory. Oh, how many people delight in the paintings of Raphael, Michelangelo, and Leonardo da Vinci! They look with gratitude upon what these great figures of humanity have given them! But the moment will come when our soul will say to itself: These great figures have given us so much; but a time will come—surely a time will come—when everything that Raphael, Michelangelo, Leonardo da Vinci—all that has been conjured into the realm of transience; all that delights and uplifts human souls from the walls of the galleries—all of that will have crumbled to dust, and nothing will any longer delight us from the walls, from the works of these figures.
[ 9 ] Dann, wenn wir mit einer gewissen Wehmut hinblicken auf die Vergänglichkeit selbst derjenigen Werke, die man im gewöhnlichen Leben so oft die unsterblichen Werke nennt, wenn wir mit Wehmut hinblicken auf die Vergänglichkeit des Daseins auf diesem Gebiete, dann fühlen wir wohl die Nötigung, auf etwas anderes zu blicken, dann fühlen wir die Nötigung zu blicken auf die Seele, die in Raffael verkörpert war, auf die Seele, die verkörpert war in Michelangelo, auf die Seele, die verkörpert war in Leonardo da Vinci, und auf die Seelen, die verkörpert waren in den anderen Persönlichkeiten bis herunter zu der kleinsten menschlichen Persönlichkeit. Und wir sagen uns dann: Das, was diese Seelen hineingezaubert haben in das Reich der Persönlichkeit: Es wird ganz gewiss vergehen, ganz gewiss bis zum Staub zermalmt sein eines Tages, aber das, was diese Persönlichkeiten geschaffen haben, das erschöpft sich nicht in demjenigen, was sie dem Erdenreich gegeben haben. Das, was Raffael, was Leonardo da Vinci, was Michelangelo hingezaubert haben auf die Leinwand, das, das sandte auch einen Strahl zurück in die eigenen Seelen dieser Menschen - und mehr waren die Seelen dieser Menschen, nachdem sie diese Werke geschaffen hatten, als sie vorher waren. Ein erhöhtes Dasein hatten die Seelen dieser Menschen nachher. Und wir blicken wohl von dem, was die Seele des Raffael hinausgeschickt hat auf die Leinenwand, wir blicken von dem, wenn es uns auch noch so sehr erfreut, zu der Seele des Raffael selber, zu dem, was da von dem Reich der Vergänglichkeit hineingegossen worden ist in diese Seele. Und wenn wir dann mit Verständnis blicken auf das, was aus seinen Bildern in Raffael selber sich hineinergossen hat, dann können wir die Erwartung in unserer Seele aufkeimen fühlen, dass dasjenige, was in diese Seele hineingegangen ist, dass das überdauern wird nicht nur, sondern als ein Ewiges erstrahlen wird gegenüber dem, was sie hinaus auf die Leinwand hat zaubern können. Auf der Leinwand ist das Vergängliche, in der Seele des Raffael ist das Ewige, das überdauert das Vergängliche.
[ 9 ] Then, when we look with a certain wistfulness upon the transience even of those works that are so often called “immortal” in everyday life, when we look with wistfulness upon the transience of existence in this realm, then we surely feel compelled to look toward something else, then we feel compelled to look at the soul that was embodied in Raphael, at the soul that was embodied in Michelangelo, at the soul that was embodied in Leonardo da Vinci, and at the souls that were embodied in the other personalities, right down to the smallest human personality. And we then say to ourselves: What these souls have conjured into the realm of the individual—it will most certainly pass away, most certainly be reduced to dust one day—but what these individuals have created is not limited to what they have given to the earthly realm. What Raphael, what Leonardo da Vinci, and what Michelangelo conjured onto the canvas—that, too, sent a ray back into the very souls of these people—and the souls of these people were greater after they had created these works than they had been before. The souls of these people attained a higher state of being afterward. And when we look at what Raphael’s soul sent forth onto the canvas—even as it delights us so deeply—we are looking, in a sense, toward Raphael’s own soul, toward what was poured into that soul from the realm of transience. And when we then look with understanding at what has poured from his paintings into Raphael himself, we can feel the expectation sprouting in our own souls that what has entered this soul will not only endure but will shine forth as something eternal in contrast to what he was able to conjure onto the canvas. On the canvas is the transitory; in Raphael’s soul is the eternal, which endures beyond the transitory.
[ 10 ] So erheben wir uns von alledem, was im Menschenleben erworben werden kann im Tagesfrühling, im Tagessommer, im Tagesherbst, am Morgen, am Mittag, am Abend, was wie Pflanzenform schlummert im Tageswinter, in der Nacht, im Schlafzustand, so erheben wir uns zu dem, was in uns die Ahnung weckt, die Hoffnung und Erwartung erweckt, dass aus jedem Tag heraus in unserer Seele selber erwacht etwas, was hinwegführt über alles Zeitliche, über alles Vergängliche. Wenn wir dieses, meine verehrten Anwesenden, in der Seele fühlen, dann haben wir in Bezug auf den Menschen etwas vollzogen, was ähnlich ist dem Anblick von der Frühlingssonnenwende zum leuchtenden ersten Vollmond durch die Frühlingsnacht. Erst haben wir geblickt auf dasjenige, was uns die Menschen in die Zeitlichkeit, in die Vergänglichkeit hereinstellen, dann aber ist uns aufgegangen die Vergänglichkeit dieses in der Zeit Geschaffenen; dann aber blicken wir hin auf die unendliche Seele selber, auf das, was sich uns bisher entzogen hat, wie der Mond sich uns entzieht, ehe er von sich aus uns das Sonnenlicht zusendet: dann blicken wir zu dem im Menschen, was uns entgegenschickt ein Ewiges, wie uns der leuchtende Vollmond durch die Frühlingsnacht hindurch sendet das Licht der Sonne. Und es erscheint uns ein Abglanz aus der Menschenseele von dem Ewigen, von dem geistigen Sonnenlicht.
[ 10 ] Thus we rise above all that can be attained in human life during the spring of the day, the summer of the day, the autumn of the day, in the morning, at noon, in the evening—and from all that slumbers like a plant in the winter of the day, at night, in the state of sleep—we rise to that which awakens within us a sense, a hope, and an expectation that from every day something awakens within our very soul that leads us beyond all that is temporal, beyond all that is transitory. When we feel this, my esteemed audience, in our souls, then we have accomplished something in relation to humanity that is akin to the sight of the first luminous full moon shining through the spring night from the spring solstice. First we have looked upon that which human beings place before us in temporality, in transience; but then the transience of this creation in time has dawned upon us; but then we turn our gaze to the infinite soul itself, to that which has hitherto eluded us, just as the moon eludes us before it sends us the sunlight of its own accord: then we turn our gaze to that within the human being which sends us something eternal, just as the radiant full moon sends us the light of the sun through the spring night. And a reflection of the Eternal, of the spiritual sunlight, appears to us from the human soul.
[ 11 ] Wenn wir also hinblicken auf das, was diese Seele sich bewahrt aus dem Zeitlichen, so erscheint uns ein Abglanz des Ewigen, des Geistigen, der geistigen Sonne selber. Es leuchtet uns aus dem Dunkel des Menschendaseins wie aus der Frühlingsnacht etwas entgegen, was wir vergleichen dürfen mit dem Bild des Vollmonds nach der Frühlingssonnenwende. Wenn wir uns erfreuen an den Werken der Menschen in der Vergänglichkeit, dann können wir warten, warten, bis unsere Seele sagt: Alles das, woran wir uns da freuen, das gehört der Vergänglichkeit an. Und wenn wir dann so warten, warten, aber jetzt mit Verständnis deutend die Zeichen der Seele - mit Verständnis, wie wir uns bemühten, die Zeichen des Himmelsraumes mit Verständnis zu deuten -, dann sagen wir uns jedes Mal, wenn wir aufblicken von dem, was von Menschen geschaffen werden kann im Reiche der Vergänglichkeit: Blicken wir auf etwas im Menschen, was uns erscheint wie ein ausgestoßener Sohn des Menschenlebens - ein ausgestoßener Sohn des Menschenlebens, weil das menschliche Bewusstsein in der Regel gar nicht auf ihn richtet den Blick zunächst. Solang der Mensch nur weilen kann in der Freude über das Vergängliche, hingerissen ist von dem Schmerz, der ihm wird von dem Vergänglichen, so lang wird er betäubt, und er kann nicht hinblicken auf den Widerschein des Ewigen aus der Menschenseele selbst heraus. Daher kann es kommen, dass viele Menschen, die ganz hingegeben sind dem, was der Tag bringt, leugnen dieses Ewige in der Menschenseele, dass sie nicht sehen, wie das Licht zurückgestrahlt wird von dem ausgestoßenen Sohn des Menschenlebens, von dem, was tief verborgen in der Nacht des Menschenlebens ruht, das wir nur erreichen können, wenn wir die Möglichkeit finden, hinzublicken zu dem, was uns aus der Menschenseele heraus widerstrahlt den Glanz des ewigen Lichtes. Und dann sind wir so weit, dass wir wie den Frühlingsvollmond diese menschliche Seele selber erblicken und sagen: Du bist in diesem Leben so, dass du ohne Licht bist, wie der Mond ohne Licht ist; du bist angewiesen, wie der Mond auf das Sonnenlicht, so bist du angewiesen auf dasjenige, was dir von außen Glanz und Leuchtkraft und erwärmende Kraft entgegenbringen kann. Aber wenn du aufnimmst diese erwärmende und diese Leuchtkraft, dann darfst du hoffen, dass ein Tag kommt für deine Seele, der sich unterscheidet von allen anderen Tagen, über denen die Sonne auf- und untergeht. Ein Tag muss kommen für die Seele, da in deiner Seele erwacht etwas, was dir unmittelbar sagt aus deinem Bewusstsein heraus: Es ist in jeder Menschenseele etwas von höherer, von ewiger Natur! - Ein Tag muss kommen, über den die Sonne so aufgeht, dass du weißt in deiner Seele: Du trägst in dir ein Ewiges, das alle Vergänglichkeit überdauert.
[ 11 ] So when we look at what this soul preserves from the temporal realm, we see a reflection of the eternal, the spiritual—the spiritual sun itself. Out of the darkness of human existence, as if from a spring night, something shines toward us that we may compare to the image of the full moon after the spring equinox. When we take delight in the works of human beings in the realm of the transitory, then we can wait, wait, until our soul says: All that in which we take delight here belongs to the transitory. And when we wait like this, wait, but now interpreting the signs of the soul with understanding—with the same understanding with which we strove to interpret the signs of the heavens—then we say to ourselves every time we look up from what human beings can create in the realm of transience: Let us look upon something in the human being that appears to us as an outcast son of human life—an outcast son of human life, because human consciousness, as a rule, does not even turn its gaze toward him at first. As long as a person can only dwell in the joy of the transitory, or is carried away by the pain that the transitory causes him, he remains numbed and cannot look upon the reflection of the eternal arising from within the human soul itself. This is why it may happen that many people, who are wholly absorbed in what the day brings, deny this eternal aspect within the human soul—that they do not see how the light is reflected back by the outcast son of human life, by that which lies deeply hidden in the night of human life, which we can reach only if we find the means look toward that which, from within the human soul, reflects back to us the radiance of the eternal light. And then we are ready to behold this human soul itself, like the full moon of spring, and say: In this life, you are such that without light, you are like the moon without light; you are dependent, just as the moon is dependent on sunlight, on that which can bring you radiance, luminosity, and warming power from without. But when you receive this warming and this luminous power, then you may hope that a day will come for your soul that is different from all other days over which the sun rises and sets. A day must come for the soul when something awakens within you that tells you directly from your consciousness: There is something in every human soul that is of a higher, eternal nature!—A day must come when the sun rises in such a way that you know in your soul: You carry within you something eternal that outlasts all transience.
[ 12 ] Und so feiern wir alljährlich den Ostertag - den Ostertag als eine Mahnung unserer Seele, als ein Fest der Erwartung, als ein Fest der Hoffnung, als ein Fest des Ideals. Wir feiern es so, dass wir uns an diesem Tag in die Seele mahnend einrücken: Ja, es wird! Tag um Tag vergeht für dich, Tag um Tag so, dass über ihnen die Sonne auf- und untergeht und dass du in deinem unentwickelten Bewusstsein nur das Vergängliche schaust und noch nichts weißt von dem unmittelbaren Aufschauen zum Ewigen; aber ein Tag wird kommen, der sich von allen Tagen unterscheidet. In der Fülle der Tage, die da folgen werden, wird deiner Seele Ostertag sein! Deiner Seele Ostertag aber wird das sein, wo du nicht mehr bloß in Hoffnung hinschaust auf das Ewige, auf das Unvergängliche in dir selbst, sondern wo du dieses Ewige, Unvergängliche schauend in dir gewahr wirst. Und dass wir niemals vergessen, dass zu unserem Höchsten, zu unserem Schönsten, zu unserem Weisesten in der Welt diese Erwartung eines Ostertags der Seele, diese Hoffnung auf einen Ostertag der Seele, dieses Ideal des auferstehenden ewigen Menschen in dem vergänglichen und zeitlichen Menschen sein soll, dass wir das niemals vergessen, dazu sollen wir die Erinnerung an diese Hoffnung, an diese Erwartung, an dieses Ideal jedes Jahr erneuern, wenn uns Veranlassung gegeben ist, aufzublicken von dem Bild des Zeitlichen zu dem Bild des Ewigen, des Dauernden, wenn uns die Natur sagt: Das Zeitliche lässt hervorreifen aus seinem Schoß das schlummernde Samenkorn; es wird aufgerufen zu einem zeitlichen Blühen und zeitlichen Fruchttragen; wenn dann aber in uns einzieht gegenüber der Freude des Frühlings die Wehmut, die uns sagt: Über alledem, was da aus der Erde herausdringt, wird sich ausbreiten die Zerstörung, das Vergehen, wenn wir dann sagen: Aber in den Gleichnissen der Erde, in den Tatsachen der Erde ruht nicht das, was der Mensch als das Höchste anstreben kann. Der Tag, der sagt: In unserer heutigen Zeit lebt noch nicht allein das, was wir brauchen zu unserem Leben; wir warten, nach dem uns der Frühlingssonnenwendtag ein Bild des Entzückens in der Vergänglichkeit in die Seele gegossen hat, wir warten die Vollmondsnacht ab, wir warten, bis uns aus der Dunkelheit und Finsternis der Widerglanz des Sonnenlichts erscheint, (der Sonne), die mit ihrem Licht dauert gegenüber aller Vergänglichkeit, die aufgehen wird allen Jahren, die ein Dauerndes ist gegenüber der Vergänglichkeit der Jahre. Und wir erinnern uns dann, dass wir dafür zunächst kein Bild haben - (dafür,) was uns die Sonne sagen kann über das Ewige, über das Dauernde -, kein Bild in der äußeren Welt, dass wir aber ein Bild gewinnen für dieses Ewige, das den Raum durchpulst und durchwebt, wenn wir das Aufblicken von dem Irdischen des Frühlingssommersonnwendtages, wenn wir das Aufblicken hinaus in den Weltenraum aufnehmen in unsere Seele und warten bis zu dem Tag, den der Menschengeist selber der Sonne geweiht hat, und an diesem Tag die Erinnerung daran in uns erneuern, dass in uns die Hoffnung, die Erwartung, das Ideal des Ewigen ruhen muss. Dann verstehen wir - wenn wir mit diesem vollen Gefühl, mit dieser vollen Empfindung unsere Seele erfüllen -, dann verstehen wir solche Monumentalworte, wie sie zum Beispiel der große Zarathustra gesprochen hat zu denen, die ihn verstehen konnten.
[ 12 ] And so, every year, we celebrate Easter—Easter as a reminder to our souls, as a festival of anticipation, as a festival of hope, as a festival of ideals. We celebrate it by impressing upon our souls on this day: Yes, it will come! Day after day passes for you, day after day, with the sun rising and setting over them, and in your undeveloped consciousness you see only the transitory and know nothing yet of the direct gaze toward the eternal; but a day will come that is different from all other days. In the fullness of the days that will follow, there will be an Easter Day for your soul! But that Easter Day for your soul will be the day when you no longer merely look forward in hope to the eternal, to the imperishable within yourself, but when, beholding this eternal, imperishable reality, you become aware of it within yourself. And so that we may never forget that this expectation of an Easter Day of the soul, this hope for an Easter Day of the soul, this ideal of the resurrected, eternal human being within the transitory and temporal human being—that this is to be our highest, our most beautiful, and our wisest in the world—so that we may never forget this, to this end, we should renew our remembrance of this hope, of this expectation, of this ideal every year, when we are prompted to look up from the image of the temporal to the image of the eternal, the enduring, when nature tells us: The temporal brings forth from its womb the slumbering seed; it is called forth to a temporal flowering and bearing of fruit; but when, in contrast to the joy of spring, melancholy takes hold of us, telling us: “Over all that springs forth from the earth, destruction and decay will spread”—when we then say: But in the parables of the earth, in the realities of the earth, does not rest that which humanity can strive for as the highest. The day that says: In our present time, not only that which we need for our lives is yet alive; we wait—after the spring solstice has poured into our souls an image of rapture in transience—we wait for the full moon night, we wait until, out of the darkness and gloom, the reflected radiance of sunlight appears to us—(the sun) that endures with its light in the face of all transience, that will rise above all years, that is enduring in the face of the transience of the years. And we then remember that we initially have no image of this—(of) what the sun can tell us about the eternal, about the enduring—no image in the outer world; yet we do gain an image of this eternal that pulses through and weaves through space, when we take into our soul the act of looking up from the earthly realm on the spring-summer solstice, when we take into our soul the act of looking out into the vastness of the cosmos, and wait until the day that the human spirit itself has consecrated to the sun, and on that day renew within ourselves the memory that within us must rest the hope, the expectation, and the ideal of the eternal. Then we understand—when we fill our souls with this full feeling, with this full sensation—then we understand such monumental words as those spoken, for example, by the great Zarathustra to those who were able to understand him.
[ 13 ] Der Zarathustra, der Zoroaster, er hat zu seiner Gemeinde gesprochen von einer Sonne, die nicht im äußeren Raume erscheint, von der die Sonne im äußeren Raum nur ein Bild und Gleichnis ist; von einer Sonne hat er gesprochen, die leuchten soll als Geistessonne allen Menschenseelen in einer Zukunft, die wir erwarten, die wir erhoffen, die uns als Ideal vorschwebt, und hingewiesen hat er auf diese Geistessonne seine gläubige Gemeinde mit den schönen Worten: «Ich will reden! Nun kommt und hört mir zu, Ihr, die Ihr von fern, Ihr, die Ihr von nah Verlangen darnach tragt! Ich will reden von dem, was in der Welt das Höchste ist; was Er mir geoffenbart hat, der große Ahura Mazdao - das ist der Geist der Sonne - und was allein den Menschen bringen kann jenen Tag, an dem das Ewige in ihrer Seele alles Zeitliche besiegt.» - Wenn wir so ablenken die Gefühle von der Natur auf das Geistige, wenn wir uns selber erwarmen und uns sagen: Rings um uns ist die Natur, auf sie blicken wir hin, und wir blicken nicht bloß auf sie hin, wir sind als Menschen dazu berufen, ihr ihre Geheimnisse abzulocken, die sie uns enthüllt dann, wenn wir aufblicken aus dem Zeitlichen in das Ewige, wir sind dazu berufen damit, dass wir in das Ewige aufblicken, das Ewige in uns selber aufzuerwecken: Dann haben wir in unserem Herzen Ostern begangen.
[ 13 ] Zarathustra, Zoroaster, spoke to his congregation of a sun that does not appear in outer space, of which the sun in outer space is merely an image and a parable; he spoke of a sun that is to shine as a spiritual sun upon all human souls in a future that we await, that we hope for, that we envision as an ideal; and he pointed his faithful congregation toward this spiritual sun with these beautiful words: “I will speak! Now come and listen to me, you who yearn for this from afar, you who yearn for this from near! I will speak of what is the highest in the world; of what He has revealed to me, the great Ahura Mazdao—that is, the Spirit of the Sun—and of what alone can bring to humankind that day when the Eternal in their souls conquers all that is temporal.” - When we thus divert our feelings from nature to the spiritual, when we stir ourselves and say: Nature surrounds us; we look upon it, and we do not merely look upon it, we, as human beings, are called to coax from it its secrets, which it reveals to us when we look up from the temporal toward the eternal; we are called, by looking up toward the eternal, to awaken the eternal within ourselves: Then we have celebrated Easter in our hearts.
[ 14 ] Solche Dinge, meine verehrten Anwesenden, werden zu einem gewissen Verständnis wiederum in der Menschenseele erwachen, wenn Geisteswissenschaft durchleuchten wird dasjenige, was die gewöhnliche Wissenschaft, das gewöhnliche Erkennen des Tages der Menschheit in so reichem Maße gebracht hat. Gewiss, wir blicken heute hin auf ein reiches Menschenwissen, auf reiche Menschenerkenntnis, auf die reichen Erfolge, welche die Menschheit im Lauf der Zeit in Bezug auf all dasjenige errungen hat, was der Tag bringen kann; aber der Mensch wird, wenn er ein klein wenig in sich selber einkehrt, sich sagen gegenüber all dem, was das äußere Wissen, die äußere Erkenntnis, was Verstand und äußere Kultur den Menschen gebracht haben, er wird sich sagen: Das alles sind doch auch nur Güter der Vergänglichkeit, das alles ist nur etwas Vorübergehendes. Aber es lebt, es lebt durch die Menschheit selber ein ausgestoßener Sohn, ein Sohn, der insbesondere auch heute recht sehr ausgestoßen ist; es lebt in der menschlichen Seele etwas, von dem heute viele Menschen sagen: Ach, da kommen einzelne Träumer, einzelne Phantasten, die erzählen uns allerlei Geheimnisse von den geistigen Welten; die gibt es aber gar nicht. Wir wollen leben in dem, was unsere herrliche, äußere, materielle Kultur durch die Jahrhunderte geschaffen hat.
[ 14 ] Such things, my esteemed audience, will once again awaken to a certain understanding within the human soul when Spiritual Science sheds light on what ordinary science—the ordinary knowledge of humanity’s present age—has brought about in such abundance. Certainly, we look today upon a wealth of human knowledge, upon a wealth of human insight, upon the rich achievements that humanity has attained over time with regard to all that the day can bring; but when a person turns inward even just a little, in the face of all that external knowledge and understanding—all that reason and external culture have brought to humanity—he will say to himself: All of this is, after all, merely the stuff of transience; all of this is only something fleeting. But there lives—there lives within humanity itself—a prodigal son, a son who is particularly outcast even today; there lives within the human soul something of which many people today say: “Oh, here come a few dreamers, a few fantasists, telling us all sorts of secrets about the spiritual worlds; but those don’t even exist.” We want to live in what our magnificent, external, material culture has created over the centuries.
[ 15 ] Da gibt es wohl auch andere, die ganz bedeutend hingegeben sind gegenüber dieser materiellen Kultur und die gar nicht einmal sehen können, dass so etwas wie ein in der menschlichen Seele schlummerndes Ewiges vorhanden ist. Da sehen wir die Menschen, die ihre Tage zubringen (damit), nur den Blick hinzurichten auf das, was ihnen dieser Tag geben kann; da sehen wir vielleicht auch solche, die mit Hohn und Spott blicken auf das, was als eine Botschaft vom Ewigen sich gerade jetzt wiederum hereinstellt in unsere Zeit als Geisteswissenschaft oder Theosophie. Diejenigen aber, welche nur ein klein wenig sich angeeignet haben von der Empfindung des Weisheits- und Wahrheitsgehaltes dieser Geisteswissenschaft oder Theosophie, die werden blicken auf all diejenigen, die mit äußerem Wissen, mit äußerer Kultur entweder nichtsahnend von dem Ewigen sprechen oder aber mit Hohn und Spott es übergießen. Diejenigen, die gefühlt haben die Wahrheit und Weisheit der neuen Verkündigung, die werden auch empfinden können, wie in dieser neuen Verkündigung etwas in die Nacht unserer heutigen rein äußeren materiellen Kultur hineingesetzt ist.
[ 15 ] There are probably others as well who are deeply devoted to this material culture and who cannot even perceive that there is such a thing as an eternal element slumbering within the human soul. There we see people who spend their days focusing solely on what the day has to offer them; there we may also see those who look with scorn and derision upon what, as a message from the eternal, is once again making its way into our time in the form of Spiritual Science or theosophy. But those who have absorbed even a little of the sense of the wisdom and truth contained in this Spiritual Science or theosophy will look upon all those who, with their external knowledge and external culture, either speak of the eternal without a clue or shower it with scorn and mockery. Those who have sensed the truth and wisdom of the new proclamation will also be able to perceive how something within this new proclamation has been placed into the darkness of our present-day, purely external, material culture.
[ 16 ] O, wir können auch in der Zeit eine Art Frühling feiern. Wir können in unsere Zeit hineinblicken, so, dass wir, wenn wir ein wenig Gefühl haben für das Geistige, uns sagen: Da draußen ist eine herrliche materielle Kultur, eine Kultur, die stolz auf sich selber ist und auf die die Menschen es sind; da draußen ist eine äußere Wissenschaft, die stolz auf ihre Erfolge ist in Bezug auf das, was sie mit physischen Organen erfassen kann und mit physischem Verstand begreifen kann. Aber dann, dann blicken wir wohl in die eigene Seele mit unserem Verständnis für das Geistige und warten ab, was dieser Blick uns, in der Seele wandelnd, gibt. Dieser Blick gibt uns, in der Seele wandelnd, dasjenige, was sich ausbreitet von Finsternis und Schwärze; denn wir wissen, dass Vergänglichkeit das Los ist alles dessen, was der Mensch mit seiner äußeren Erkenntnis erringt, mit seiner äußeren Kultur erringt. Das wissen wir. Und dann schauen wir hinein gegenüber dieser äußeren Kultur in etwas wie in eine Nacht; dann dürfen wir aber vielleicht auch, wenn wir also in die Nacht hineinschauen, da dürfen wir wohl auch eine Empfindung, ein Gefühl erwecken in uns für das, was uns Geisteswissenschaft oder Theosophie heute in unserer geistarmen Gegenwart sein soll. Wie ist es uns dann? Dann ist es uns so, dass wir uns sagen: Gewiss, wir blicken mit vollem Anteil zu all dem, was Menschengeist und Menschenseele geschaffen haben für den Tag, wir blicken auf die hohen Werke der äußeren Kultur und die höheren Werke der äuReren Wissenschaft und können uns an ihnen erfreuen, wie wir uns erfreuen können an dem aufwachenden Samenkorn, das die Erde verlässt zur Blüten- und zur Fruchtbildung. Wir sind nicht stumpf gegenüber dem, was uns äußere Kunst und Wissenschaft bieten; wir nehmen alles das bereitwillig auf. Nicht weltenfremd sollen wir sein, wir sollen als Theosophen nicht vergessen, dass auch für uns der «Welten-21. März» ist der Frühlingssonnenwendtag, der freuen lassen will unsere Seele an alle dem, was im äußeren Leben Menschen geschaffen haben. Wir haben Verständnis für alles das, was äußere Kultur darbietet, für alles das, was äußere Wissenschaft darbietet, wie wir Verständnis haben für die aufsprießenden Frühlingspflanzen. Aber dieses Verständnis ist uns wie ein solches, das wir empfinden am Frühlingssonnenwendtag, wenn wir uns zugleich klarmachen: Vergänglichkeit ist ausgegossen über den Frühlingspflanzen. Also ist Vergänglichkeit ausgegossen über dasjenige, was äußere Kultur und Wissenschaft ist.
[ 16 ] Oh, we can also celebrate a kind of spring in our time. We can look into our own time in such a way that, if we have even a little feeling for the spiritual, we say to ourselves: Out there is a magnificent material culture, a culture that is proud of itself and of which people are proud; out there is an external science that is proud of its achievements in terms of what it can perceive with physical organs and comprehend with the physical mind. But then, then we look into our own soul with our understanding of the spiritual and wait to see what this gaze, as we walk within the soul, reveals to us. This gaze, as we wander within the soul, reveals to us that which spreads forth from darkness and blackness; for we know that transience is the fate of everything that human beings attain through their external knowledge, through their external culture. We know this. And then, in contrast to this external culture, we look inward into something like a night; but then, perhaps, as we look into this night, we may also awaken within ourselves a sensation, a feeling for what Spiritual Science or theosophy is meant to be for us today in our spirit-poor present. How do we feel then? Then we find ourselves saying: Certainly, we look with full appreciation at all that the human spirit and the human soul have created for the day; we look upon the great works of external culture and the higher works of external science, and we can take delight in them, just as we can take delight in the awakening seed that leaves the earth to blossom and bear fruit. We are not indifferent to what external art and science offer us; we readily embrace all of this. We should not be alienated from the world; as Theosophists, we must not forget that for us, too, “World March 21” is the spring solstice, a day meant to bring joy to our souls in all that human beings have created in external life. We have an appreciation for all that external culture has to offer, for all that external science has to offer, just as we have an appreciation for the spring plants sprouting forth. But this understanding is like the one we feel on the spring solstice, when we simultaneously realize: transience is poured out over the spring plants. Thus, transience is poured out over all that constitutes external culture and science.
[ 17 ] Dann aber warten wir, warten, bis unsere Seele die Sehnsucht und den Hang hat nach dem, was aus der Nacht, aus demjenigen, was vor allen Dingen als Nacht empfinden diejenigen, die ein Verständnis haben für das Ewige und Unvergängliche, was aus dieser Nacht heraus erglänzt: Da erglänzt - aus dieser Nacht heraus -, wenn wir warten mit richtigem Verständnis, dennoch das, was wir empfinden wie einen Widerschein eines geistigen Lichts. Wir können diese Empfindungen wohl haben, wenn wir uns unserer Menschenwürde ganz bewusst sind. Denn welche empfindende Menschenseele würde nicht einmal auch denjenigen Tag haben, wo sie sich sagt: Ja, ich kann mich freuen an all dem, was die äußere Kultur und Wissenschaft gebracht haben, kann befriedigt sein in gewisser Weise mit dem, was die äußere Kultur und Wissenschaft bringen. Dann aber, wenn ich auf die höheren Bedürfnisse meiner Seele blicke, dann wird es trotz dieser Kultur, trotz Telegrafen und trotz der Luftballonhoffnungen und trotz allem anderen, was die neueren Forscher mir sagen können, dann wird mir trotz alle dem die äußere Welt dunkel und finster.
[ 17 ] But then we wait, wait until our soul yearns for and is drawn to that which emerges from the night—from that which, above all else, is perceived as night by those who have an understanding of the eternal and the imperishable—that which shines forth from this night: For there—from within this night—if we wait with true understanding, shines forth what we perceive as the reflection of a spiritual light. We can certainly have these feelings when we are fully aware of our human dignity. For what sensitive human soul would not have at least one day when it says to itself: Yes, I can rejoice in all that external culture and science have brought about; I can be satisfied in a certain way with what external culture and science offer. But then, when I look at the higher needs of my soul, then—despite this culture, despite the telegraph, despite the hopes for airships, and despite everything else that modern researchers can tell me—then, despite all of that, the outer world becomes dark and gloomy to me.
[ 18 ] Warten will ich. Aber ich warte nicht umsonst, ich brauche in der Gegenwart nicht umsonst zu warten und zu arbeiten: Es stellt sich in die Gegenwart etwas hinein, was die Verkündigung einer geistigen Welt ist. Und aus diesem in die Gegenwart sich Hineinstellenden, aus dieser Botschaft über eine geistige Welt glänzt mir etwas entgegen wie das geistige Licht selber. Da empfinde ich Geisteswissenschaft wie das Vollmondslicht, das der Widerglanz der Sonne ist, durch die Frühlingsnacht hindurch. Da bewahre ich diesen Eindruck in meiner Seele. Und wenn ich diesen Eindruck in meiner Seele bewahre, dann verwandelt sich mir dasjenige, was ich Geisteswissenschaft nenne, in ein Gefühl, in eine Empfindung, in eine Hoffnung, in eine Erwartung, in ein Ideal. Und dann wird mir aus der Geisteswissenschaft, wie sie sich zeigt als ein Widerglanz des Geisteslebens in der Nacht des gegenwärtigen Bewusstseins, dann wird mir aus ihr sich entwickeln dasjenige, was folgen soll aus der Menschenseele heraus auf den Frühlingsvollmond nach der Frühlingssonnenwende, dann wird mir der Ostertag meines Lebens daraus, dann wird mir aus dieser Geisteswissenschaft oder Theosophie selber Osterhoffnung, Ostererwartung, Osterideal. Dann weiß ich: Es gibt eine äußere Welt; über sie ist Vergänglichkeit ausgegossen. Es gibt noch eine Verkündigung, die heute noch wie durch das Dunkel einer Nacht redet zu den Menschen. Aber ich beginne zu fühlen dasjenige, was diese Verkündigung ist. Ich beginne zu fühlen, dass sie ist der Widerglanz des Geisteslebens, der Geistessonne selber, der sich einstmals über alles Menschliche ewig leuchtend und erwärmend ausbreiten wird.
[ 18 ] I will wait. But I do not wait in vain; I do not need to wait and work in vain in the present: something is emerging into the present that is the proclamation of a spiritual world. And from this presence that steps into the here and now, from this message about a spiritual world, something shines out at me like the spiritual light itself. There I experience Spiritual Science as the light of the full moon—which is the reflection of the sun—shining through the spring night. There I cherish this impression in my soul. And when I preserve this impression in my soul, then what I call Spiritual Science is transformed for me into a feeling, a sensation, a hope, an expectation, an ideal. And then, from Spiritual Science—as it reveals itself as a reflection of spiritual life in the night of present consciousness—then from it will develop for me that which is to emerge from the human soul toward the spring full moon following the spring equinox; then the Easter Day of my life will arise from it; then from this Spiritual Science or theosophy itself will spring Easter hope, Easter anticipation, and an Easter ideal. Then I know: There is an outer world; transience has been poured out over it. There is still a proclamation that even today speaks to people as if through the darkness of night. But I am beginning to sense what this proclamation is. I am beginning to sense that it is the reflection of spiritual life, of the Spirit-Sun itself, which will one day spread over all that is human, shining and warming eternally.
[ 19 ] So erinnert die richtig verstandene Osterfeier einen Menschen, der in die Geisteswissenschaft seinen Eintritt gehalten hat, an seine eigenen Empfindungen. Und es kann seine Erneuerung des Osterfestes sein, wenn wir an diesem Ostertag des Jahres uns geloben: Wir wollen uns so in die äußere Welt hineinstellen, dass uns die äußere Wirklichkeit mit all ihrem Schönen ein Frühlingssonnwendtag ist, dass uns ist die geistige Verkündigung etwas, was uns Widerschein ist von geistigem Leben in das Dunkel des Lebens herein und dass wir in der Seele entzünden die Hoffnung, die Erwartung, das Ideal von dieser geistigen Sonne selber.
[ 19 ] Thus, when properly understood, the Easter celebration reminds a person who has entered the realm of Spiritual Science of their own inner feelings. And it can be a renewal of the Easter celebration for us if, on this Easter Day of the year, we vow: We will place ourselves within the outer world in such a way that outer reality, with all its beauty, is for us a spring solstice day; that the spiritual proclamation is for us a reflection of spiritual life shining into the darkness of life; and that we kindle within our souls the hope, the expectation, and the ideal of this spiritual sun itself.
[ 20 ] Dann aber auch, meine verehrten Anwesenden, wenn wir also Theosophie oder Geisteswissenschaft empfinden wie etwas, was sein Osterfest in unserer Seele entzünden kann, dann fühlen wir uns einig mit all denjenigen, welche solche Osterhoffnungen aus den besten Teilen ihres seelischen Erlebens herausgeholt haben. Wir wollen nachher einige Worte eines deutschen Dichters hören, aus denen heraus etwas erklingt wie ein Ruf, der befeuert ist aus solcher Osterhoffnung, aus solcher Ostererwartung, aus solchem Osterideal der Menschheit. Die besten haben immer gefühlt, dass über den Wolken der äußeren Welt die Sonne auf- und untergeht, dass aber die Erde mit der Menschheit entgegenlebt einem geistigen Leben, in dem aufbewahrt sein wird dasjenige, was sich in unserer Seele selber als ein Unvergängliches, als ein Ewiges aus dem Dunkel der Seelennacht zu dem Licht des geistigen Tages emporarbeitet. Dann, wenn wir so empfinden, dann dürfen wir auch, meine verehrten Anwesenden, in Geisteswissenschaft oder Theosophie sehen (etwas) wie Osterstimmung; Osterstimmung, die uns durch diese Geisteswissenschaft verwirklichen kann dasjenige, was vor Jahrtausenden ein großer Sohn der Menschheit zu dieser Menschheit gesprochen hat im Orient drüben: Zarathustra oder Zoroaster sprach von dem Licht der Sonne, der geistigen Sonne, das den Menschen kommen muss, wenn sie sich ernstlich zu ihm hinwenden.
[ 20 ] But then too, my dear friends here present, if we perceive theosophy or Spiritual Science as something that can kindle the spirit of Easter within our souls, then we feel at one with all those who have drawn such Easter hopes from the finest aspects of their spiritual experience. Later, we will hear a few words from a German poet, from which resounds something like a call fueled by such Easter hope, such Easter anticipation, and such an Easter ideal for humanity. The greatest among us have always sensed that above the clouds of the outer world the sun rises and sets, but that the Earth, together with humanity, lives toward a spiritual life in which that which works its way up within our own souls—as something imperishable, as something eternal—from the darkness of the soul’s night toward the light of the spiritual day will be preserved. Then, when we feel this way, then we may also, my esteemed audience, see in Spiritual Science or theosophy (something) like an Easter spirit; an Easter spirit that, through the Spiritual Science, can bring to life for us what a great son of humanity spoke to this same humanity millennia ago in the Far East: Zarathustra, or Zoroaster, spoke of the light of the sun—the spiritual sun—which must come to human beings when they turn earnestly toward it.
[ 21 ] So dürfen wir auch heute sagen von dem, was in der Geisteswissenschaft uns wie in einem Abglanz erglänzt: Es wird der Menschheit erscheinen, es wird ihr das Ewige der Menschenseele [aufgehen]. Jawohl! Geisteswissenschaft spricht zu uns so, wie einstmals der große Zarathustra vorherverkündend zu der Menschheit gesprochen hat, Geisteswissenschaft spricht zu uns so: Ich will euch künden, die Ihr von fern, die Ihr von nah herbeigekommen seid, von dem, was in der Welt das Höchste ist, was Er uns offenbaren kann, der Gott der Welt, der Geist der Welt, der als das Ewige in wahrer Weisheit erscheint und was die Menschenseelen hören, empfinden und wollen sollen, wenn sie vereinigen wollen ihr tiefstes Seelisches mit dem fortschreitenden Ewigen und nicht wollen, dass das Beste ihrer Seele sich vereinigt allein mit dem, was der Vergänglichkeit geweiht ist.
[ 21 ] So today, too, we may say of what shines forth to us in Spiritual Science as if in a reflection: It will appear to humanity; the eternal nature of the human soul will dawn upon them. Indeed! Spiritual Science speaks to us just as the great Zarathustra once spoke to humanity in prophecy; Spiritual Science speaks to us thus: I will proclaim to you—you who have come from afar, you who have come from near—what is highest in the world, what He can reveal to us, the God of the world, the Spirit of the world, who appears as the Eternal One in true wisdom, and what human souls are to hear, feel, and will when they seek to unite the deepest part of their soul with the ever-advancing Eternal, and do not wish for the best part of their soul to unite solely with that which is consecrated to transience.
[ 22 ] So breitet sich uns die Osterstimmung selber als eine Atmosphäre durch die ganze geistige Weisheit, durch die Geisteswissenschaft hindurch. Das Osterfest ist so recht ein Fest der Geisteswissenschaft, so ruht ein Fest jener menschlichen Seele, welche erleben will das, was uns aus der Geisteswissenschaft werden kann als Weisheitslicht und damit als Widerspiegelung des Geistes selber, was uns werden kann Ideal eines Lebens, wo der Mensch sich bewusst ist, in seinem Ewigen, in seinem Unvergänglichen zu stehen. Ostern empfinden wir damit geisteswissenschaftlich wiederum als ein Fest, an dem der Mensch das, was aus alten Traditionen, aus alten Erinnerungen zu ihm herübergekommen ist, mit seinen eigenen Empfindungen und Gefühlen und Willensimpulsen durchsetzen kann.
[ 22 ] Thus the spirit of Easter itself spreads as an atmosphere throughout the entire spiritual wisdom, throughout Spiritual Science. Easter is truly a festival of Spiritual Science; it is a celebration of that human soul which seeks to experience what Spiritual Science can offer us as the light of wisdom—and thus as a reflection of the Spirit itself—and what can become for us the ideal of a life in which the human being is conscious of standing in their eternal, imperishable self. From a perspective of Spiritual Science, we thus perceive Easter once again as a festival in which a person can infuse what has come down to them from ancient traditions and memories with their own sensations, feelings, and impulses of the will.
[ 23 ] Und es gibt eine Möglichkeit, meine verehrten Anwesenden, dass wir am Ostersonntag wiederum hinaustreten in die Welt und fühlen aus der Zeit, wie das Osterfest eingesetzt ist. Jawohl, es gibt ein Erwachen auch der Menschenseele, wie es ein Erwachen der Natur im Frühling gibt. Aber über einem solchen Erwachen ruht zunächst Vergänglichkeit. Blicken wir auf von dem Vergänglichen zu dem Widerglanz des Ewigen, dann leuchtet das Ewige selber in unser Leben herein, dann werden wir teilhaftig eines solchen Lebens, das uns in unserem tiefsten inneren Wesen so aufnehmen kann, dass wir wandeln mit dem Bewusstsein: Wir gehören in unserer Entwicklung nicht nur dem Tag an, über dem die Sonne auf- und untergeht, wir gehören dieser Sonne im Geist selber an, die auf- und untergeht und damit als das Dauernde, als das Unvergängliche in dem Zeitlichen sich erweist. Das Frühlingsfest, das Frühlingssonnenwendfest, wir empfinden es als Vorbereitung zu Ostern, damit wir in rechtem Sinn nicht weltenfremd werden (sondern?) verwandt uns fühlen mit allem Keimenden und Lebenden im Reich der Vergänglichkeit. Wir warten von dem Frühlingssonnwendfest zum Osterfest, damit wir zu dem Fest der zeitlichen Freude hinzu haben ein Fest, das uns in unsere Seele gießt Ewigkeitsstimmung.
[ 23 ] And there is a possibility, my esteemed audience, that on Easter Sunday we may once again step out into the world and sense, through the passage of time, how the Easter festival has taken root. Indeed, there is an awakening of the human soul, just as there is an awakening of nature in spring. But such an awakening is, at first, overshadowed by transience. If we turn our gaze from the transitory to the reflection of the eternal, then the eternal itself shines into our lives; then we become partakers of a life that can embrace us in our deepest inner being, so that we walk with the awareness: In our development, we do not merely belong to the day over which the sun rises and sets; we belong in spirit to this very sun itself, which rises and sets and thereby reveals itself as the enduring, the imperishable, within the temporal. The Spring Festival, the Spring Solstice Festival—we experience it as a preparation for Easter, so that, in the true sense, we do not become alienated from the world (but rather?) feel connected to all that is sprouting and living in the realm of transience. We wait from the Spring Solstice to Easter, so that, in addition to the festival of temporal joy, we may have a festival that pours a spirit of eternity into our souls.
