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Supplements to Member Lectures
GA 246

16 August 1914, Dornach

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Supplements to Member Lectures, tr. SOL
  1. Nachträge zur Abteilung Mitgliedervorträge

69. Samariterkurs Vortrag IV

69. First Aid Course: Lecture Four

Meine lieben theosophischen Freunde!

My dear Theosophical friends!

[ 1 ] In diesen Zeiten, in diesen traurigen Zeiten, wo Krieg in Europa eingebrochen ist, wurde in meiner Anwesenheit von manchen unserer Freunde die Frage aufgestellt: Wie verhält sich zu diesen Ereignissen die Idee, die wir schon oft besprochen haben (und zwar in dem Zyklus, den ich in Kristiania halten durfte über «Die Mission der einzelnen Volksseelen im Zusammenhang mit der germanisch-nordischen Mythologie»), die Idee, dass einzelne Völker geleitet, geführt sind von Wesenheiten der Hierarchie der Erzengel, die wir Volksgeister nennen?

[ 1 ] In these times, in these sad times, when war has broken out in Europe, some of our friends raised the following question in my presence: How does the idea we have often discussed (namely, in the lecture series I was privileged to give in Kristiania on “The Mission of the Individual Folk-souls in Connection with Germanic-Norse Mythology”) relate to these events—the idea that individual nations are guided and led by beings from the hierarchy of the archangels, whom we call national spirits?

[ 2 ] Und zwar steht in manchen von unseren Freunden die Frage auf: Gestaltet sich das Zusammenwirken dieser höheren Wesenheiten zu einem harmonischen Chor? Und wie verhält sich diese Harmonie (wenn sie vorhanden ist) zu den Ereignissen, die sich jetzt in Europa abspielen?

[ 2 ] Indeed, some of our friends are asking: Does the interaction of these higher beings come together to form a harmonious chorus? And how does this harmony (if it exists) relate to the events currently unfolding in Europe?

[ 3 ] Bevor wir diese Frage beantworten, möchte ich an dasjenige erinnern, was wir gestern als Vorbereitung gesagt haben über das Vertrauen, das unerschütterliche Vertrauen zu dem Geiste. Auch möchten wir, da wir hier als brüderlich gesinnte Versammlung sind, mit Angehörigen der Völker, die sich jetzt als Feinde gegenüberstellen zueinander, und auch mit solchen, die Ländern angehören, [die nicht am Weltkrieg teilnehmen], und da wir an dem Bau arbeiten dürfen, der uns ein Zeichen des Geistes bedeuten soll, möchten wir uns vor die Seele die Worte des Theodosius an die andere Maria herbeiführen:

[ 3 ] Before we answer this question, I would like to remind you of what we said yesterday in preparation—about trust, that unshakable trust in the Spirit. Also, since we are gathered here as a community of brothers and sisters—with members of nations that are currently at war with one another, as well as with those from countries [that are not participating in the world war]—and since we are privileged to work on this building, which is meant to be a sign of the Spirit for us, let us bring to mind the words of Theodosius to the other Mary:

In dunkler Triebe Wesen reicht
Des Tempels Einfluss nicht,
Auch wenn sie Gutes wirken wollen.

For beings driven by dark impulses,
The temple’s influence does not extend,
Even if they wish to do good.

[ 4 ] Wir sollen uns auch erinnern an den ersten Grundsatz unserer Anthroposophischen Gesellschaft: [Die Weisheit ist nur in der Wahrheit.]

[ 4 ] We should also remember the first principle of our Anthroposophical Society: [Wisdom lies only in truth.]

[ 5 ] Und nun möchte ich zitieren dasjenige, was ein deutscher Staatsmann vor dem Reichstag im Frühling 1914 vorlas: (Hier wird etwas zitiert, worin gesprochen wird von der günstigen politischen Lage und es wird von einer «Entspannung der Verhältnisse» geredet). Am Schluss des Zitates bemerkt der Doktor, dass er es bloß als eine Tatsache vorstellt.

[ 5 ] And now I would like to quote what a German statesman read aloud before the Reichstag in the spring of 1914: (Here, a passage is quoted in which the favorable political situation is discussed and there is mention of a “easing of tensions”). At the end of the quotation, the doctor notes that he is merely presenting it as a fact.

[ 6 ] Ein zweites Zitat betrifft einen Artikel eines in gewissen Kreisen viel zu ernst genommenen Publizisten, der ungefähr schreibt: «Trotz der Worte des Herrn Liebknecht gibt es Fälle, wo es dem verantwortlich Regierenden nicht nur Notwendigkeit ist, sondern eine Pflicht ist, unwahre Tatsachen zu verbreiten ...»

[ 6 ] A second quotation comes from an article by a columnist who is taken far too seriously in certain circles, who writes something to the effect that: “Despite Mr. Liebknecht’s words, there are cases where it is not only necessary but a duty for those in power to spread false information ...”

[ 7 ] Nach diesen zwei Zitaten spricht der Doktor über die Wahrheit und wie es zum Beispiel nicht darauf ankommt, ob man dasjenige glaubt, was man sagt, sondern ob dies den tiefen Tatsachen entspricht. Ja, es ist gar nicht so selten, Leute zu finden, die an die Wahrheit dessen, was sie sagen, glauben. Aber für das Karma ist absolut gleichgültig, ob man daran glaubt, was man sagt, oder nicht. Das einzig Wichtige für das Karma ist, ob die Worte den Tatsachen entsprechen, den realen Tatsachen. Da wird von Herrn Doktor wiederum unser Grundsatz fest betont: «Weisheit durch Wahrheit».

[ 7 ] After these two quotes, the doctor talks about the truth and how, for example, what matters is not whether one believes what one says, but whether it corresponds to the deeper reality. Yes, it is not at all uncommon to find people who believe in the truth of what they say. But for karma, it is absolutely irrelevant whether one believes what one says or not. The only thing that matters for karma is whether the words correspond to the facts—the real facts. Here, the doctor once again firmly emphasizes our principle: “Wisdom through Truth.”

[ 8 ] Die Frage, ob die Volksgeister einen harmonischen Chor bilden, bekommt eine Antwort, indem man zweierlei Betrachtungen führt:

[ 8 ] The question of whether the national spirits form a harmonious chorus can be answered by considering two points:

1. Das Mysterium von Golgatha und
2. dasjenige, was man das Alter der einzelnen Volksgeister nennen kann.

1. The Mystery of Golgotha and
2. what might be called the age of the individual national spirits.

[ 9 ] Gewiss hat der große, gewaltige Christus-Impuls nicht nur für die Menschheit in die Evolution eingegriffen, sondern es sind auch diejenigen Hierarchien, die über den Menschen stehen, von ihm durchzogen worden. Wir sollen glauben, wir sollen ihnen vertrauen, dass sie auch den Einfluss des Christus-Impulses bekommen haben, dieses Impulses, der sagt: «Liebe Gott über alles und dann deinen Nächsten mehr als dich selbst.» Und die Volksgeister, die sind von dieser Wahrheit durchdrungen, sie sind durchchristet.

[ 9 ] Certainly, the great, powerful Christ Impulse has not only intervened in evolution on behalf of humanity, but it has also permeated the hierarchies that stand above humankind. We are to believe, we are to trust them, that they, too, have received the influence of the Christ impulse—this impulse that says: “Love God above all else, and then your neighbor more than yourself.” And the national spirits—they are permeated by this truth; they have been Christified.

[ 10 ] Nun aber haben die Volksgeister ein jeder seine Aufgabe im Führen der einzelnen Völker. Und wie sie diese Aufgabe erfüllen, das hängt mit ihrem Alter zusammen. Gewisse Volksgeister sind älter als die anderen, die jünger sind (zum Beispiel der russische Volksgeist ist der jüngste, der deutsche älter und so weiter). Aber wir wissen, dass zum Beispiel in einer Familie der Vater, die Mutter und die Kinder verschiedenen Alters sind, und doch herrscht in der Familie Harmonie und Frieden.

[ 10 ] Now, however, each national spirit has its own task in guiding its respective nation. And how they fulfill this task depends on their age. Certain national spirits are older than others, who are younger (for example, the Russian national spirit is the youngest, the German one is older, and so on). But we know that, for example, in a family, the father, mother, and children are of different ages, and yet harmony and peace reign within the family.

[ 11 ] Nun aber ist es so, dass, trotzdem in der geistigen Welt Harmonie und Friede herrscht zwischen den Volksgeistern, es hier auf Erden von Zeit zu Zeit Krieg gibt. Warum ist es so?

[ 11 ] But the fact is that, even though harmony and peace reign among the national spirits in the spiritual world, war breaks out here on earth from time to time. Why is that?

[ 12 ] Ja, meine lieben Freunde, könnten nur die Menschen ein richtiges geistiges Verhältnis haben zu den Volksgeistern, so würde es nie einen Krieg geben. Aber es ist nicht der Fall. Und zwar ist es in unserer Zeit so, dass die Menschen nicht in der Lage sind, sich geistig [zu erheben] bis zu ihren Volksgeistern. Und was ist das geistige Verhältnis zu dem Volksgeist?

[ 12 ] Yes, my dear friends, if only people could have a true spiritual relationship with the national spirits, there would never be a war. But that is not the case. In fact, in our time, people are not able to [rise] spiritually to the level of their national spirits. And what is this spiritual relationship with the national spirit?

[ 13 ] Ja, meine lieben Freunde, wollen wir betrachten dasjenige, was eingetreten ist in die Erdenevolution durch das Mysterium von Golgotha. Früher, vor dem Mysterium von Golgatha, war das Verhältnis der Menschen zu ihren Volksgeistern anders als jetzt. Früher stand der Mensch vor seinem Volksgeist, und Christus war noch nicht da. Jetzt aber, seit dem Mysterium von Golgatha, ist eine Möglichkeit geschaffen worden, dass die Menschen sich mit einer durchchristeten Seele zu dem Volksgeist wenden.

[ 13 ] Yes, my dear friends, let us consider what has come about in Earth’s evolution through the Mystery of Golgotha. In the past, before the Mystery of Golgotha, the relationship between human beings and their national spirits was different from what it is now. In the past, human beings stood before their national spirit, and Christ was not yet present. But now, since the Mystery of Golgotha, a possibility has been created for human beings to turn to the national spirit with a soul permeated by Christ.

[ 14 ] Das richtige Verhältnis eines Menschen zu seinem Volksgeist ist dasjenige, was man nennen könnte «eine durchchristete Zwiesprache mit dem Volksgeist». Ein solches Verhältnis kann derjenige haben, der dazu gelangt, mit dem Christus-Prinzip sich zu den höheren Wesenheiten [zu erheben]. Da gelangt er [dazu], mit diesen erzengelartigen Wesenheiten einen Verkehr zu haben. Er ist in der Zwiesprache mit dem Volksgeist, mit einer Wesenheit, die durchaus etwas Geistiges ist, und bei dieser Zwiesprache ist Christus als Vermittler.

[ 14 ] The proper relationship a person has with the spirit of their people is what one might call “a Christ-imbued dialogue with the spirit of the people.” Such a relationship can be attained by one who, through the Christ principle, rises to the higher beings. There, he comes to have communion with these archangel-like beings. He is in dialogue with the national spirit—a being that is entirely spiritual—and in this dialogue, Christ acts as the mediator.

[ 15 ] Wenn die Menschen in der Lage wären, sich so geistig, christlich zu dem Volksgeist [zu erheben], da würden sie sehen den harmonischen Chor der Volksgeister. Das wäre das richtige geistige Verhältnis zum Volksgeist. Eine durchchristete Zwiesprache mit dem Volksgeist. So ist es aber nicht, denn die Menschen können sich noch nicht auf geistige Weise aufheben zum Volksgeist.

[ 15 ] If people were able to [rise] spiritually and Christianly to the level of the national spirit, they would see the harmonious chorus of national spirits. That would be the proper spiritual relationship to the national spirit. A dialogue with the national spirit permeated by Christ. But this is not the case, for people are not yet able to rise spiritually to the level of the national spirit.

[ 16 ] Und da kommt noch hinzu das Eingreifen der zurückgebliebenen Wesenheiten, die wir die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten nennen. Wir sollen gar keine Kritik ausüben gegenüber solchen Wesenheiten, die zurückgeblieben sind. Diese Wesenheiten sind archaiartig (ahrimanisch) und erzengelartig (luziferisch).

[ 16 ] And added to this is the intervention of the beings who have remained behind, whom we call the Luciferic and Ahrimanic beings. We should not pass any judgment on such beings who have remained behind. These beings are archai-like (Ahrimanic) and archangel-like (Luciferic).

[ 17 ] In dem letzten Zyklus, den wir in München hielten, haben wir hervorgehoben, dass diese zurückgebliebenen Wesenheiten ihre Aufgabe haben in der Welt, sie sind im Weltenplan als mitwirkend mit den Göttern vorgesehen. Wir sollen keine Kritik ihnen [gegenüber] ausüben. Aber wir wissen auch, dass diese Wesenheiten, sobald sie diejenigen geistigen Gebiete überschreiten, die ihnen von den Göttern vorgeschrieben worden sind, sich als Gegner den Göttern gegenüberstellen.

[ 17 ] In the last lecture series we held in Munich, we emphasized that these less-developed beings have a purpose in the world; in the plan of the universe, they are intended to cooperate with the gods. We should not criticize them. But we also know that as soon as these beings cross the spiritual realms prescribed for them by the gods, they become opponents of the gods.

[ 18 ] In der geistigen Welt sind diese zurückgebliebenen Wesenheiten wohltätig, und ihr Wirken stimmt mit dem Weltenplan zusammen. Sobald aber diese Wesenheiten übertragen ihre Aufgabe auf den physischen Plan, da fangen sie an, als Gegner der Götter zu wirken. Und diese Wesenheiten üben ihre Tätigkeit in demjenigen aus, was in den Menschen als Naturkräfte vorhanden ist.

[ 18 ] In the spiritual world, these backward beings are benevolent, and their actions are in harmony with the plan of the worlds. However, as soon as these beings transfer their mission to the physical plane, they begin to act as adversaries of the gods. And these beings carry out their activities through what exists in human beings as natural forces.

[ 19 ] Meine lieben Freunde, wir wissen ja, dass in den Naturkräften, die da draußen wirken, Wesenheiten höherer Hierarchien wirken als die Archai oder die Erzengel. In den Naturkräften wirken solche Wesenheiten wie die Geister der Form, Geister der Bewegung und so weiter. In dem aber, was als Naturkräfte im Menschen vorhanden ist, da wirken die zurückgebliebenen Hierarchien (Ahriman und Luzifer).

[ 19 ] My dear friends, we know, of course, that within the forces of nature at work out there, beings from higher hierarchies than the Archai or the Archangels are active. Within the forces of nature, beings such as the Spirits of Form, the Spirits of Movement, and so on are at work. However, in what exists as natural forces within the human being, the fallen hierarchies (Ahriman and Lucifer) are at work.

[ 20 ] Als Naturkraft im Menschen kann man zum Beispiel bezeichnen die Art des Kehlkopfes. Dadurch, dass ein Mensch seinen Kehlkopf so oder so geartet hat, kann er [die] eine oder andere Sprache sprechen. Und da wirken die luziferischen und ahrimanischen Wesenheiten. (Zu vergleichen mit dem, was gesagt worden ist in München über die Verschiedenheit der Sprachen; es gab früher eine Ursprache und dann - Turm zu Babel - verschiedene Sprachen; und das wurde von Ahriman bewirkt. Zu vergleichen auch was gesagt worden ist über die lateinischen - ahrimanischer Charakter - und die gotischen - luziferischer Charakter - Buchstaben.)

[ 20 ] One example of a natural force within the human being is the nature of the larynx. Depending on whether a person’s larynx is structured in one way or another, they can speak one language or another. And this is where the Luciferic and Ahrimanic beings are at work. (Compare this with what was said in Munich about the diversity of languages; there was once a proto-language, and then—the Tower of Babel—various languages; and this was brought about by Ahriman. Compare also what was said about the Latin letters—which have an Ahrimanic character—and the Gothic letters—which have a Luciferic character.)

[ 21 ] Nun, wenn diese zurückgebliebenen Wesenheiten in dem, was als Naturkraft in Bezug auf den Volksgeist im Menschen lebt, eingreifen, dann wirken sie so, dass der Mensch (in diesem nicht mehr geistigen, durchchristeten Verhältnis, sondern Naturkraftverhältnis) für seinen Volksgeist eine Ausdehnung seines Volkes auf dem physischen Plan wünscht. Er strebt da an eine unbegrenzte Ausdehnung seines Volkes, seines Gebietes.

[ 21 ] Now, when these backward entities intervene in what lives within human beings as a natural force in relation to the national spirit, they cause the human being (in this relationship—which is no longer spiritual or permeated by Christ, but rather a relationship based on natural forces) to desire, on behalf of his national spirit, an expansion of his people on the physical plane. He strives for an unlimited expansion of his people and his territory.

[ 22 ] Indem der Mensch in einer durchchristeten Zwiesprache mit seinem Volksgeist sich befindet, da ist er in der geistigen Welt, und in der geistigen Welt ist alles durchdringlich, der Raum ist unbegrenzt, und der Mensch fühlt keine Grenzen, alle Zwiegespräche verschiedener Völker durchdringen sich im Geiste ... Wenn es so wäre, dann wäre es richtig. Aber auf dem physischen Plan geht es nicht so.

[ 22 ] When a person is engaged in a Christ-imbued dialogue with the spirit of his people, he is in the spiritual world; and in the spiritual world, everything is permeable, space is boundless, and the person feels no boundaries; all dialogues among different peoples interpenetrate one another in the spirit ... If that were the case, then it would be correct. But on the physical plane, it does not work that way.

[ 23 ] Hier hat ein jeder Raum Grenzen. Hier durchdringt sich nichts. Und indem jedes Volk hier Ausdehnung anstrebt (infolge der Einmischung einer Naturkraftwirkung in das Verhältnis zum Volksgeist, einer Naturkraftwirkung, die aus zurückgebliebenen Wesenheiten entsteht), da stößt es sich an ein anderes - und dann entsteht Krieg.

[ 23 ] Here, every space has its boundaries. Nothing permeates anything else here. And as each people here strives to expand (as a result of the interference of a natural force in its relationship to the national spirit—a natural force arising from backward entities), it comes into conflict with another—and then war breaks out.

[ 24 ] Und jetzt, meine lieben Freunde, können wir noch anderes sagen, da wir hier an unserem Bau zu Mitgliedern sprechen dürfen, zu Menschen, die brüderlich gesinnt sind und die erstreben ein geistiges Aufheben zum Volksgeist. Es sind gewisse Zeiten in der Erdentwicklung, wo es eine Notwendigkeit ist, dass gewisse Kräfte, gewisse Impulse in die Menschheit einfließen. Wir leben in einer solchen Zeit. Sie wissen ja, dass seit ungefähr den Siebzigerjahren (1870) eine Zeit angefangen hat, die wir nennen die Michael-Zeit. Sie wissen ja, dass Michael (der vom Erzengel zum Archai vorgeschritten ist) ein Verkünder ist des Christus, ein Diener der Christus-Kräfte ...

[ 24 ] And now, my dear friends, we can say something else, since we are permitted to speak here at our gathering to members—to people who are of a brotherly spirit and who strive for a spiritual elevation of the national spirit. There are certain times in Earth’s evolution when it is necessary for certain forces, certain impulses, to flow into humanity. We are living in such a time. As you know, a period began around the 1870s that we call the Michael Era. As you know, Michael (who has advanced from archangel to Archai) is a herald of Christ, a servant of the Christ forces ...

[ 25 ] Wir sind nur am Anfange der Michael-Epoche, der Epoche, in der Michael als Vorverkünder des Christus, der Sonnenwirkung wirkt (Pariser Logenvortrag 1913). Und dies bedeutet ein gewaltiges Zufließen von Kräften aus der geistigen Welt. Jedes Mal aber, wenn gute, göttliche Kräfte stärker einfließen, rufen sie zugleich eine Gegenwirkung hervor, ein Zunehmen der Gegenkräfte. Und in unserer Zeit kommen also stärker diese Gegenkräfte, da die Michael-Epoche am Anfang ist. Aber das Einfließen der Michael-Kräfte in die Evolution ist eine Notwendigkeit. «Es muss geschehen, was geschehen soll.»

[ 25 ] We are only at the beginning of the Michael Epoch, the epoch in which Michael acts as the forerunner of the Christ, the solar influence (Paris Lodge Lecture, 1913). And this signifies a tremendous influx of forces from the spiritual world. But every time good, divine forces flow in more strongly, they simultaneously give rise to a counteraction—an increase in the opposing forces. And so in our time, these opposing forces are coming more strongly, since the Michael Epoch is just beginning. But the inflow of the Michael forces into evolution is a necessity. “What must happen will happen.”

[ 26 ] Und nun, meine lieben Freunde, fragen wir uns: Wie steht, wie kann die Sache stehen, wenn man sich eine solche Notwendigkeit einmal klarmacht? Es könnte zum Beispiel der Fall sein, dass gewisse Impulse in einem besonderen Augenblick eintreten müssen und dass es trotzdem auf Erden nur sehr wenig Leute gibt, um sie aufzunehmen. - Wir sprechen hier zu Menschen, die in einer brüderlichen Gesinnung versammelt an einem Bau arbeiten dürfen, der ein Zeichen des Geistes ist, und diese Menschen haben ja die Worte vernommen, die Impulse haben sie in sich aufgenommen, die von Mensch zu Mensch auf wörtliche Art in sie einflossen.

[ 26 ] And now, my dear friends, let us ask ourselves: What is the situation—what could the situation be—once we clearly recognize such a necessity? It could be, for example, that certain impulses must arise at a specific moment, and yet there are very few people on earth capable of receiving them. - We are speaking here to people who, gathered in a spirit of brotherhood, are permitted to work on a structure that is a sign of the Spirit, and these people have indeed heard the words; they have taken in the impulses that flowed into them, word for word, from person to person.

[ 27 ] Nun aber, meine Freunde, wenn die Menschen nicht in der Lage sind, diese Worte, diese Sprache zu vernehmen, zu hören, und wenn trotzdem die Notwendigkeit da ist, dass gewisse Ideen, gewisse Impulse in die Menschheit einfließen ... Was geschieht da? Was soll geschehen? - Es geschieht das, dass diese Impulse auf einem anderen Weg einfließen als durch die Sprache, durch die Worte ...

[ 27 ] But now, my friends, if people are unable to perceive or hear these words, this language, and if there is nevertheless a need for certain ideas, certain impulses to flow into humanity... What happens then? What is to happen? — What happens is that these impulses flow in by a different path than through language, through words...

[ 28 ] Da sind Ereignisse nötig da, wo die Menschen Worte nicht aufnehmen können oder wollen. (Damit wird gesagt, dass der Weltkrieg ein notwendiges Ereignis ist, nach dem die Menschen in der Lage sein werden, dasjenige aufzunehmen, was aufzunehmen notwendig ist. Aber die Menschen konnten es nicht anders aufnehmen als durch diese furchtbaren Ereignisse. Seit dem Anfang des Krieges ist uns Anthroposophen durch einiges da und dort Gesagte klar geworden, dass der Weltkrieg ungeheuer fördernd sein wird für das Aufnehmen der geistigen Wahrheiten; Bankrott des Materialismus.) In diesem Sinne sind diese Ereignisse zu betrachten.

[ 28 ] Events are necessary where people cannot or will not accept words. (This means that the World War is a necessary event, after which people will be able to accept what must be accepted. But people could not have accepted it in any other way than through these terrible events. Since the beginning of the war, it has become clear to us anthroposophists—through various statements made here and there—that the World War will be immensely conducive to the acceptance of spiritual truths; the bankruptcy of materialism.) These events must be viewed in this light.

[ 29 ] Also ich (A.B.[razol]) resümiere: Zufließen der Michael-Kräfte hervorrufend ein Zunehmen der ahrimanischen und luziferischen Kräfte. Diese bewirken das ungeistige (auf Naturkräfte zurückzuführende) Sich-[Erheben] zum Volksgeiste, dessen Folge eine Ausdehnungssehnsucht auf dem physischen Plan ist. Andererseits: die Notwendigkeit, dass gewisse Ideen, gewisse Impulse einfließen und aufgenommen seien. Sowieso: Sei es durch die Sprache, durch das Wort von Mensch zu Mensch (aber wenige haben es vernommen oder wollten es vernehmen) oder durch die Ereignisse, die jetzt vorgehen. Das ist die ganze Gedankenfolge des Vortrags.

[ 29 ] So I (A.B.[razol]) summarize: The inflow of Michael’s forces brings about an increase in the Ahrimanic and Luciferic forces. These forces bring about the non-spiritual (attributable to natural forces) [elevation] to the national spirit, the consequence of which is a longing for expansion on the physical plane. On the other hand: the necessity for certain ideas and certain impulses to flow in and be absorbed. In any case: whether through language, through the spoken word from person to person (though few have heard it or wanted to hear it), or through the events currently unfolding. That is the entire train of thought of the lecture.

[ 30 ] Dann sagte der Doktor noch: Meine lieben Freunde, vielleicht haben schon manche von unseren Freunden den ersten Band der «Rätsel der Philosophie». Nun, es sollte einen zweiten geben. Und von diesem zweiten Band sind schon gedruckt zwölf Bögen, und der dreizehnte ist nur bis auf die Hälfte gedruckt. Ich habe ihn neulich bekommen, da sind die ersten Seiten des Bogens gedruckt, dann kommen weiße Seiten, und, meine Freunde, in diesem dreizehnten Bogen wurde von mir gesprochen von der französischen modernen Philosophie Bergsons und Boutrouxs, wie sie zu dem Begriffe gekommen sind, dass der Mensch am Anfange geschaffen worden ist und die anderen Reiche etwas sind, woraus der Mensch sich emporgerungen hat ... nun, meine lieben Freunde, in diesem Bogen sprach ich auch von einem wenig bekannten Philosophen, der als ein deutscher Theosoph angesehen werden soll. Wenig bekannt ist er, aber gerade in diesem Buche «Die Rätsel der Philosophie» habe ich mir als Aufgabe gestellt, die für die geistige Welt wichtigen Werke zu erwähnen, auch wenn die betreffenden Persönlichkeiten nur in engeren Kreisen anerkannt worden sind.

[ 30 ] Then the doctor added: My dear friends, perhaps some of our friends already have the first volume of The Riddles of Philosophy. Well, there is supposed to be a second one. Twelve sheets of this second volume have already been printed, and the thirteenth is only halfway through printing. I received it the other day; the first few pages of the sheet are printed, then there are blank pages, and, my friends, in this thirteenth sheet I spoke about modern French philosophy—that of Bergson and Boutroux—and how they arrived at the concept that man was created at the beginning and that the other kingdoms are something from which man has risen... Well, my dear friends, in this issue I also spoke of a little-known philosopher who is to be regarded as a German theosophist. He is little known, but in this very book, The Riddles of Philosophy, I have set myself the task of mentioning works that are important for the spiritual world, even if the figures in question have been recognized only in narrower circles.

[ 31 ] Und nun lebte in Deutschland ein Philosoph namens Preuss; er war ein Oldenburger, und er hat, ganz von selbst, von sich heraus dasjenige erreicht, was früher die theosophischen Wahrheiten sein sollten: der Mensch als zuerst geschaffen und die anderen Reiche als etwas, was früher im Menschen war, das aber der Mensch herausgeworfen hat in seinem Fortschritte zur [Vervollkommnung].

[ 31 ] And now there lived in Germany a philosopher named Preuss; he was from Oldenburg, and he achieved—entirely on his own, of his own accord—what was later to become the theosophical truths: that human beings were created first, and the other kingdoms were something that was once within human beings but which human beings cast out in their progress toward [perfection].

[ 32 ] Kran Und sehen Sie, meine lieben Freunde, der Krieg, der Weltkrieg hat den Druck unterbrochen gerade an der Stelle, wo ich in meinem Buche das Zusammenfließen schilderte von deutschem und französischem geistigem Leben ...

[ 32 ] Kran And look, my dear friends, the war—the World War—interrupted the momentum right at the point where, in my book, I described the convergence of German and French intellectual life ...

[ 33 ] Gerade an der Stelle, wo ich dieses Zusammenfließen betonen wollte, brach der Krieg ein und unterbrach den Druck ... gerade an dieser Stelle. Meine lieben Freunde, ich möchte Ihnen dies als ein Symbolum vorbringen, ein Symbolum, wie es mir war, als ich die weißen Seiten sah, nach dieser Stelle ... (Da hat der Doktor lange bedeutsam geschwiegen ...)

[ 33 ] Just at the point where I wanted to emphasize this convergence, the war broke out and interrupted the printing process... right at that point. My dear friends, I would like to present this to you as a symbol—a symbol of what I felt when I saw the blank pages after this passage... (At this point, the doctor paused for a long, meaningful silence...)

[ 34 ] Unsere Aufgabe ist es also, meine lieben Freunde, uns zu den Volksgeistern emporzuheben. Wir sind hier brüderlich gesinnt versammelt, und es sollte jeder von uns zu seinem Volksgeist geistig sich emporringen. Das ist unsere Aufgabe. Nur wenn wir uns geistig durcharbeiten zu einer durchchristeten Zwiesprache mit dem Volksgeist, können wir ein Verständnis gewinnen für das harmonische Zusammenwirken der Volksgeister.

[ 34 ] Our task, then, my dear friends, is to elevate ourselves to the level of the national spirits. We are gathered here in a spirit of brotherhood, and each of us should strive spiritually to reach our national spirit. That is our task. Only by working our way spiritually toward a Christ-filled dialogue with the national spirit can we gain an understanding of the harmonious interplay of the national spirits.

[ 35 ] Und wenn es zwischen Ihnen solche Menschen gibt, denen das Alter ihrer Volksgeister zuerst ein Hindernis zu sein schiene, wenn zwischen uns solche sind, die eine Schwierigkeit empfinden könnten wegen des Alters ihres Volksgeistes, diese sollen nur die Worte Wladimir Solowjows bedenken, der sagte: «Als Shakespeare fünf Jahre alt war, da war der letzte Bürger von Stratford (Geburtsort von Shakespeare) unermesslich klüger als er. Und doch ist Shakespeare Shakespeare geworden.» Das müssen Sie bedenken.

[ 35 ] And if there are people among you for whom the age of their national spirit might at first seem to be an obstacle—if there are those among us who might find it difficult because of the age of their national spirit—let them simply reflect on the words of Vladimir Solovyov, who said: “When Shakespeare was five years old, the last citizen of Stratford (Shakespeare’s birthplace) was immeasurably wiser than he. And yet Shakespeare became Shakespeare.” You must bear this in mind.

[ 36 ] Und nun kann das alles Gesagte wiederum in sieben Zeilen gefasst werden, sieben Zeilen, die Ihnen helfen können, dasjenige zu erreichen, was wir als durchchristete Zwiesprache mit dem Volksgeist geschildert haben.

[ 36 ] And now everything that has been said can be summarized in seven lines—seven lines that can help you achieve what we have described as a Christ-imbued dialogue with the spirit of the people.

Du, meines Erdenraumes Geist

You, Spirit of my earthly realm

[ 37 ] Geist meines Erdenraumes, mein Volksgeist (Bemerkung des Doktors)

[ 37 ] Spirit of my earthly realm, spirit of my people (Doctor's note)

Enthülle Deines Alters Licht
Der christbegabten Seele,
Dass strebend sie finden kann
Im Chor der Friedenssphären
Dich, tönend von Lob und Macht
Des christergebnen Menschensinns!

Reveal the light of your age
To the soul gifted with faith,
So that, striving, it may find
In the choir of the spheres of peace
You, resounding with praise and power
Of the human spirit devoted to Christ!