Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253
12 September 1915, Dornach
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Community Life, Inner Development, Sexuality and the Spiritual Teacher, tr. Creeger
3. Über Schwierigkeiten des Eindringens in die geistigen Welten am Beispiel Swedenborgs
3. Swedenborg: An Example of Difficulties in Entering the Spiritual World
[ 1 ] Meine lieben Freunde, heute möchte ich einiges ausführen über die Schwierigkeiten des Eindringens in die geistigen Welten und den Ausgangspunkt zu diesem Thema zunächst anhand eines Beipieles nehmen. Sie alle haben schon von dem Seher Swedenborg gehört. Ich habe selbst schon öfter auf ihn aufmerksam gemacht und betont, daß man solch eine Persönlichkeit wie Swedenborg nicht auf der einen Seite mit leichten Redensarten abtun kann, daß man aber auf der anderen Seite auch, wenn man wirklich eindringen will in die Beschaffenheit der Wege in die geistigen Welten, gerade am Beispiel eines solchen Sehers ersehen kann, wie sich der Mensch, trotzdem er in der geistigen Welt ist, doch noch allen möglichen Illusionen hingeben kann, weil er doch nicht durchdringt durch die Welt der Täuschung, wenn auch die geistige Welt in einer gewissen Weise für ihn offen ist.
[ 1 ] My Friends, today I would like to talk about difficulties encountered in attempting to enter the spiritual worlds, and I will begin with a specific example. All of you will have heard of the seer Swedenborg.1Emanuel Swedenborg, b. Stockholm 1688, d. London 1722, scientific investigator, physician, and mystic. I have often talked about him and have always emphasized that a personality like Swedenborg is not to be dismissed lightly. On the other hand, for those who really want to know what it takes to gain access to the spiritual worlds, visionaries like Swedenborg can serve as an example of how people can still be subject to all kinds of illusions in spite of having entered the spiritual world. The spiritual world is open to them, but that does not mean they are able to break free from the world of illusion.
[ 2 ] Swedenborg darf man, sagte ich, nicht leicht nehmen. Swedenborg war nicht ein Seher, der leichten Herzens, ohne viel vom Leben und der Welt zu kennen, sich der Sehergabe ergeben hat, sondern Swedenborg war ein tiefer, bedeutender Gelehrter, einer der größten, wenn nicht gar der größte seiner Zeit. Er umfaßte mit seiner Gelehrsamkeit alles dasjenige, was die damalige Wissenschaft dem Menschen geben konnte. Und ein großer Beweis für Swedenborgs gut begründete Wissenschaftlichkeit und für sein Erkenntnisstreben ist, daß nun nicht etwa für seine als Seher hinterlassenen Werke, sondern für seine rein wissenschaftlichen Werke, die noch nicht veröffentlicht sind, eine ganze Kommission von Gelehrten sich gebildet hat, um sie herauszugeben. Also wir haben es in Swedenborg mit einem Menschen zu tun, der in seiner vorseherischen Zeit, bevor ihm die Zugänge zur geistigen Welt eröffnet waren, so weit war, daß er die Summe seines Wissens - vielleicht gar nicht einmal die Summe, sondern nur ein Teil seines Wissens - in einer großen Anzahl von Manuskripten niederlegte, die heute nicht ein Gelehrter herausgeben kann, sondern wozu eine ganze Kommission von Gelehrten notwendig ist. Es handelt sich dabei also um die Schriften, die ganz ferne stehen allem Sehertum; denn erst als Swedenborg schon auf der Höhe weltlicher Wissenschaft stand, ging ihm der Sehersinn auf, erst dann waren für ihn die geistigen Welten offen geworden. So erscheint er uns als das Beispiel eines Mannes, der nicht aus dem gewöhnlichen vulgären Leben heraus sich eines Tages zum Seher ernennt, sondern der auf der Grundlage ernster und gewissenhafter Wissenschaftlichkeit zur Stufe des Sehers aufsteigt.
[ 2 ] I said that Swedenborg is not to be taken lightly. He was not one of those seers who lightheartedly give in to their visionary gifts without knowing much about life or about the world. Swedenborg was a profound thinker and an important scholar, certainly one of the greatest of his time, if not the very greatest. His scholarly knowledge encompassed everything the science of his day had to offer. A whole committee of experts has recently been formed to prepare for publication, not what Swedenborg left behind as a seer, but his purely scientific writings—substantial proof indeed of his well-founded scientific approach and striving for the truth.2The Autographa edition, published by the Swedish Academy of Science, 18 volumes, Stockholm, 1901–1916. Swedenborg, then, in his pre-clairvoyant days, before being granted access to the spiritual world, had already accomplished so much that a whole committee of scholars is now needed to edit the great number of manuscripts documenting the sum total of his knowledge. (And in fact, these manuscripts may represent only a portion of what he knew.) This task is beyond the scope of any single expert of today. And we are talking only about his writings that have nothing to do with seership. Swedenborg was already at the peak of a career in academic science when he became clairvoyant—only then did the spiritual worlds become accessible to him. Swedenborg, then, was not simply some ordinary man who one fine day decided to call himself a visionary. On the contrary, he ascended to the level of seership on the basis of an eminently serious and conscientious scientific approach.
[ 3 ] Wenn wir aber auf der anderen Seite die ganze Natur der Seherseele Swedenborgs ins Auge fassen, dann finden wir, wie der Seher auf einer Stufe, die ihn doch nicht zu den letzten Erkenntnissen führt, stehenbleiben kann.
[ 3 ] However, when we look closely at Swedenborg's clairvoyance, we can see how it is possible for a seer to stop short at a stage that does not yet lead on to the ultimate in knowledge.
[ 4 ] Gerade an einer so hervorragenden Erkenntnis- und Seherpersönlichkeit ergibt sich ein gutes Beispiel, wie tief gewissenhaft vorgegangen werden muß, wenn vom Betreten der geistigen Welten und davon, daß dieses oder jenes aus den geistigen Welten herausgeholt wird, die Rede ist. Nicht genug kann man betonen, daß man es in Swedenborg auf der einen Seite mit einer überragend wissenschaftlichen Persönlichkeit zu tun hat und auf der anderen Seite mit einer Entwickelung des Sehertums, nachdem dieser Mann die Summe des Wissens seiner Zeit nicht nur umfaßt hat, sondern - wie sich schon herausgestellt hat und bei Herausgabe seines Nachlasses sich zweifellos noch mehr herausstellen wird - die Wissenschaft durch zahlreiche wissenschaftliche Entdeckungen bereichert hat. Er war ein wissenschaftlicher Entdecker allerersten Ranges vor seiner Seherzeit.
[ 4 ] This outstanding scholarly and clairvoyant personality clearly illustrates how necessary it is to be extremely conscientious when we talk about entering the spiritual worlds and about what can be brought back from them. I cannot emphasize strongly enough that before his clairvoyance developed, Swedenborg was already an outstanding scholar who had not only absorbed all the knowledge his age had to offer, but also added to it through many scientific discoveries of his own. This fact is already well established, and will undoubtedly become even more apparent once his unpublished works appear in print. He had made some first-class scientific discoveries before becoming a seer.
[ 5 ] Nun erzählt Swedenborg von den Ergebnissen seines Sehertums ja das Mannigfaltigste. Interessant ist es insbesondere, daß er dann, wenn er mit seiner Seele sich aufschwang, in die geistigen Welten hineinzuschauen, sich immer wie umgeben fühlte nicht nur von seiner eigenen Aura, sondern in diese eingebettet fühlte eine Anzahl geistiger Wesenheiten. Dies ist etwas ganz Charakteristisches, etwas ganz Bedeutsames. Wenn also in Swedenborg die Sehergabe erwachte, dann fühlte er sich sogleich nicht allein, sondern fühlte sich mit seiner Seele erweitert zur Aura und schaute darin - gewissermaßen aus seinen eigenen Organen heraus gehend - geistige elementarische Wesenheiten, die sich, während er schaut, unter sich beraten und sich auch mit ihm, mit seiner Seele beraten.
[ 5 ] Swedenborg reported a great variety of information gained through clairvoyant perception.3Presumably Rudolf Steiner is referring to the section on the planet Mars in Swedenborg's book Die Erdkörper im Weltall (“The Heavenly Bodies in Space”). Steiner had in his personal library the book Emanuel Swedenborgs Leben & Lehre. Eine Sammlung authentischer Urkunden über Swedenborgs Persönlichkeit, und ein Inbegriff seiner Theologie in wörtlichen Auszügen aus seinen Schriften, Frankfurt, 1880 (“Emanuel Swedenborg's Life and Teachings: A Collection of Authentic Documents on Swedenborg's Personality, and a Sample of his Theology in Verbatim Extracts from his Works”). (Publisher not given). It is interesting to note that when his soul ascended to the heights and he could look into the spiritual worlds, he always felt he was surrounded not only by his own aura, but also by numerous spiritual beings embedded in it. This is very characteristic and quite significant. Whenever Swedenborg's gift of clairvoyance became active, he immediately experienced that he was not alone—he felt his soul expand to embrace his aura and saw in it spiritual elemental beings proceeding from his own organs, as it were. As Swedenborg watched, these beings held counsel among themselves and also with Swedenborg himself, with his own soul.
[ 6 ] So also ist er von Anfang an beraten von den geistigen Wesenheiten, die in jedem Menschen darinnen sind, die nur ihm, als sein Sehertum erwachte, vor das Bewußtsein traten. Zu diesen inneren Wesenheiten, die zu dem festen Bestande einer jeden menschlichen Wesenheit gehören, traten andere Wesenheiten, die er zumeist erkannte aus dem, was aus deren Beratung mit den aus ihm selber herausgekommenen elementarischen Wesenheiten hervorging; andere, gleichsam an ihn heranfliegende Wesenheiten erkannte er als Wesenheiten der äußeren elementarischen Welt, auch als Wesenheiten, die ihre Heimat auf anderen zur Erdensphäre gehörigen Planeten haben.
[ 6 ] From the very beginning, then, he was advised by these spiritual beings that are present in each human being. These inner beings were joined by others Swedenborg was able to recognize on the basis of their consultation with the beings that proceeded from within himself. He recognized some of these beings coming toward him as beings of the outer elemental world, and others as beings who have their home on other planets of our solar system.
[ 7 ] Und so erkannte er denn einmal, indem er sich mit seinen eigenen elementarischen Wesenheiten beraten hatte, gewisse Wesenheiten in seiner Umgebung, die eine Eigentümlichkeit ihm zeigten. Er war bis dahin gewohnt, nicht nur die Sprache zu verstehen, welche diejenigen elementarischen Wesenheiten sprachen, die aus ihm selber kamen, sondern er war auch gewohnt, immer gleich zu verstehen - bis zu einem gewissen Punkte seiner Seherwahrnehmung - die anderen Wesenheiten, die von Venus, Merkur, Sonne und so weiter zu ihm kamen. Er war daran gewohnt, zu glauben, daß die Geister eine gemeinsame Sprache haben, die man versteht. Diese Sprache ist ja die Sprache der Idee, die Sprache des inneren Webens der lebendig gewordenen Ideen. Von diesen lebendig gewordenen Ideen habe ich Ihnen in den letzten Vorträgen erzählt. Diese Sprache zu verstehen, war Swedenborg gewohnt.
[ 7 ] It so happened that once, after having consulted with his own elemental beings, he recognized certain beings in his surroundings who demonstrated a certain peculiarity. So far, Swedenborg's clairvoyant perception had always allowed him to understand to a certain extent the language of both the elemental beings coming from within himself and the beings coming from Venus, Mercury, the Sun, and so on. He was accustomed to thinking that spirits have an understandable common language—the language of ideas, of the inner weaving of ideas come alive. I have told you about these ideas come alive in several recent lectures.4Rudolf Steiner, Chance, Providence and Necessity, GA 163, (Hudson, NY: Anthroposophic Press, 1988).
[ 8 ] Aus dieser Sprache heraus soll ja auch unsere Eurythmie gepflogen werden. Wenn der Mensch mit seiner Lautsprache spricht, so ist auf die Organe, die seinen Kehlkopf und dessen Anhangsorgane bilden, konzentriert dasjenige, was an Kraftsystemen existiert, um die Sprache auszutönen. Es ist gleichsam der ganze Mensch befreit von dem Mittun mit seiner Sprache. Dadurch wird das innere Gefüge der Sprache unbewußt und unterbewußt, wird zu etwas ganz Irdischem. Durch die Eurythmie soll der ganze Mensch wiederum an der Sprache beteiligt werden. Doch über diesen tieferen Sinn der Eurythmie ein anderesmal, meine lieben Freunde. Ich will jetzt nur darauf hinweisen, wie Swedenborg sich in der Lage fühlte, die Sprache der geistigen Wesenheiten zu verstehen, bis ihm zu einem gewissen Zeitpunkte auffiel, daß gewisse Geister an ihn herankamen, die zwar auch durch allerlei Gebärden - wie ja überhaupt Geister sprechen -, durch Bewegungen ihrer Glieder oder durch Bewegungen ihrer eigenen Form sprachen. Diese Gebärdensprache der Geister zu verstehen, war Swedenborg, wie gesagt, gewohnt. Aber es kamen einmal Geister an ihn heran, bei denen er wohl sah, daß sie gewisse Bewegungen machten, aber er konnte sie nicht verstehen; es drang keine Bedeutung, kein Sinn von diesen Bewegungen in seine Seele ein. Es war das für ihn überraschenderweise so, wie wenn wir einem Menschen gegenüberstünden und sehen würde, daß er die Lippen bewegt und spricht, wir aber nichts hören würden.
[ 8 ] Swedenborg was accustomed to understanding this language, which is also our basis for cultivating the art of eurythmy. When someone uses sounds in order to speak, the whole complex of forces that exists in order for speech to be able to resound is concentrated in the larynx and adjacent organs. Thus the human being as a totality is freed from having to “act out” speech. This means that the inner structure of speech becomes unconscious, subconscious—it becomes something totally earthly. Eurythmy is meant to enable us once again to participate with our whole being in speech. But more on the deeper meaning of eurythmy some other time, my friends. For now I only want to point out that Swedenborg had always been able to understand the language of spiritual beings, until a certain moment when he noticed spirits approaching him who, like the others, spoke to him through all kinds of gestures and movements of their limbs or of their actual form, which is how all spirits speak. As I said, Swedenborg was used to understanding the spirits' gesture-language. This time, however, he could see the spirits making certain movements, but was unable to understand them; their movements conveyed no sense or meaning to his soul. He was surprised by that, as surprised as we would be if we were approached by somebody whose lips were moving in speech, but we could hear nothing.
[ 9 ] Daraus hat Swedenborg zunächst für sich eine sehr bedeutsame Lehre gezogen. Er hat diese Lehre gezogen, nachdem er erkannt hatte, daß diese Wesen, die er also nicht verstand, gewisse Marsbewohner sind, daß es wirklich Marsbewohner gibt, die so sprechen können, daß man sie nicht versteht, während man gewohnt ist, die Sprache der geistigen Wesenheiten sonst zu verstehen - wie gesagt, ich rede von den Erlebnissen Swedenborgs. Und weil er diese Dinge nicht willkürlich sich auslegte, sondern studierte, wurde ihm nun nach und nach klar, warum er diese Marswesenheiten, diese Marsseelen nicht verstehen konnte. Er konnte sie aus dem Grunde nicht verstehen, weil sie zu einer Kategorie von Weltwesenheiten gehörten, welche die Gabe erlangt hatten, alle ihre Gefühle und Willensimpulse zu verbergen, nichts in die Worte ausfließen zu lassen von dem, was sie fühlten. Und daran, daß sie ihren ganzen Gemütsinhalt verbergen, bei sich behalten konnten, erkannte Swedenborg, daß, wenn man eine Sprache versteht, man nicht bloß die Worte hört und die Gebärden sieht, sondern daß etwas überfließt von dem Gemütsinhalt des Sprechenden, daß also das Verstehen einer Sprache eigentlich beruht auf dem Überfließen des Gemütsinhaltes. Und er erkannte, daß diese Marswesenheiten die Gabe erlangt hatten, ihre Gefühle zu verbergen und daher auch den Sinn ihres Sprechens nicht zu verraten, trotzdem sie sprachen.
[ 9 ] Swedenborg learned a very significant lesson from this after realizing that these beings he could not understand were inhabitants of Mars—that there were in fact beings from Mars whose speech could not be understood even by someone who usually understood the language of spiritual beings. I am talking here only about Swedenborg's experiences. Because he made a point of studying these things rather than simply interpreting them arbitrarily, he gradually realized why he could not understand these souls from Mars. It was because they belonged to a group of cosmic beings who had developed the ability to conceal all their feelings and intentions, to not let anything of what they were feeling flow into their words. The fact that they were able to conceal their emotions and keep them to themselves made Swedenborg realize that hearing words and seeing gestures is not all there is to understanding language—something of the speaker's emotional state flows over to us as well. Understanding speech is actually based on this flow of emotional content. He realized that because these Mars beings had developed the ability to conceal their feelings, the meaning of their speech was not revealed in spite of the fact that they actually were speaking.
[ 10 ] Nun machte er darauf gleich eine andere Erfahrung. Er hatte ein anderes Erlebnis, das ihm zu einer weiteren Erkenntnis wurde. Er drang nämlich durch zu der Erkenntnis, daß diese Marswesenheiten von den Wesen der Hierarchie der Angeloi aber nun doch verstanden wurden. Von ihm und auch von den aus seinem Leib herauskommenden Geistern wurden sie nicht verstanden, aber von den Wesenheiten aus der Kategorie der Angeloi wurden sie verstanden. Das bemerkte er, und das war für ihn eine außerordentlich bedeutsame, eine tiefgehende Erfahrung. Denn für ihn war es jetzt klar, daß er mit seiner Sehergabe in bezug auf die Wahrnehmung der geistigen Welt begrenzt ist, daß er etwas nicht verstehen kann, was aber die Wesenheiten aus der Hierarchie der Angeloi wohl verstehen können.
[ 10 ] A short time later Swedenborg had another experience that led to an additional insight. He came to the realization that the beings from the hierarchy of the Angeloi did understand these Mars beings. He could not understand them, nor could the spirits proceeding from his own body, but the beings belonging to the class of the Angeloi could understand them. This realization was a very deep and meaningful experience for him. Not being able to understand something that was quite clearly understandable to the hierarchy of the Angeloi made him aware of the limits of his own visionary potential for perceiving the spiritual world.
[ 11 ] Über eine solche Erzählung, wie sie da Swedenborg gibt, darf nicht hinweggelesen werden, sondern sie gehört zu dem, was wirklich im tiefsten Sinne einführen kann in gewisse Geheimnisse der geistigen Welten.
[ 11 ] We must avoid simply glossing over an account like Swedenborg's, because it can actually lead us deep into certain mysteries of the spiritual worlds.
[ 12 ] Um den Zusammenhang zu verstehen, erinnern wir uns nun an so manches, was ich schon auseinandergesetzt habe. Ich habe Ihnen beschrieben, wie das reguläre Sehertum beginnt, wie bei dem regulären, bei dem guten Seher eine ganz andere Art im Verhältnisse des Sichstellens zur geistigen als wie zur physischen Welt eintreten müsse. Ich sagte, wenn wir auf dem physischen Plane den Wesen und Gegenständen draußen gegenüberstehen, so sind sie für unser Bewußtsein außer uns. Wir stehen den Gegenständen gegenüber und nehmen gleichsam in unserem Wahrnehmen etwas von den Gegenständen in uns herein. Unser Ich weiß von den Gegenständen, unser Ich stellt sich die Gegenstände vor. Und das ist ja das Grunderlebnis alles Erkennens und Wahrnehmens auf dem physischen Plan, daß ich die Gegenstände auf dem physischen Plan vorstelle, daß ich sie erkenne.
[ 12 ] In order to understand the connection, let us recall several things I have described before. I explained how authentic seership begins, how good seers have to acquire a totally different relationship to the spiritual world than they have to the physical world. I told you that we perceive external beings and objects out there on the physical plane as existing outside us. We face these objects and take something of them into ourselves in the process of perception. Our I knows about the objects and creates mental images of them. This is the experiential basis of any kind of knowing and perceiving on the physical plane—we make mental images of the objects on the physical plane and recognize them.
[ 13 ] Ich sagte, daß sich dieses Grunderlebnis ändert, sobald man in die geistigen Welten hinaufsteigt. Da tritt an die Stelle dieses Grunderlebnisses ein anderes Grunderlebnis: Da wird man selber Objekt. So wie die Gegenstände zu dem Ich gestanden haben, so steht jetzt das Ich zu den Wesenheiten der höheren Welten, man nimmt nicht mehr wahr, sondern man erlebt, daß man wahrgenommen wird, daß einen die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien anschauen. Dieses Erlebnis: ich werde wahrgenommen, mich schauen die Angeloi, die Archangeloi und so weiter an - das ist eine vollständige Umkehrung in dem ganzen Verhältnis zur Welt. Und man erlangt dann das Bewußtsein: du hast dein Wesen ausgedehnt über die Sphäre der Hierarchien und die Hierarchien wirken in dir und schauen dich an, so wie du auf dem physischen Plan die Gegenstände anschaust.
[ 13 ] I have also told you that this basic experience changes as soon as we ascend to spiritual worlds. There it is replaced with a different fundamental experience, the experience of oneself as object. Our I relates to the beings of higher worlds in the same way that objects formerly related to the I. We no longer perceive, but experience that we are being perceived, that the spiritual beings of the higher hierarchies are observing us. This experience of being perceived and observed by the Angeloi, Archangeloi, and other spiritual beings is a total reversal of our former relationship to the physical world. We achieve the awareness that our being has expanded to encompass the sphere of the hierarchies, and that the hierarchies are at work in us and are looking at us just as we used to look at objects on the physical plane.
[ 14 ] Ohne dieses Grunderlebnis ist alles Verhältnis zur geistigen Welt verkehrt, wie ohne das Grunderlebnis «ich stelle die Gegenstände vor» alles Verhältnis zur physischen Welt verkehrt wäre. «Ich schaue an» ist richtig für die physische Welt; «ich werde angeschaut» ist letzten Endes richtig für die geistige Welt.
[ 14 ] Without this fundamental experience our whole relationship to the spiritual world is wrong, just as our whole relationship to the physical world would be wrong if we lacked the basic experience of perception and developing mental images. “I am observing” is true of the physical world; ultimately, “I am being observed” is true of the spiritual world.
[ 15 ] Nun gibt es an der Schwelle, beim Übertritt in die geistige Welt, gewissermaßen eine Region, eine Strömung, in der man die ganze Konfiguration, die ganze Eigentümlichkeit des Verhältnisses zur physischen Welt beibehält. Man kommt nicht los von dem «Ich schaue an», man kann nicht aufsteigen zu dem «Ich werde angeschaut». Aus einem gründlich in sich eingelebten Gewohnten verlangt man von der geistigen Welt, daß sie im Grunde genommen nur eine Kopie, ein verfeinerter Abdruck der physischen Welt sei. Und es gibt nicht wenige Menschen, die haben die Vorstellung: geradeso, wie sie hier in diesem Saale unter physischen Menschen stehen, so könnten sie auch eine Geisterversammlung betreten, und in dieser Geisterversammlung seien die Geister nun genau ebenso versammelt - nur etwas dünner, so daß man durch sie durchgreifen kann — wie auf dem physischen Plan die Menschen. Weil man die Gewohnheit des Wahrnehmens auf dem physischen Plan mitbringt in die geistige Welt, deshalb bleibt als eine Illusion, als eine Täuschung dieses Grunderlebnis vorhanden, «ich schaue die Weltwesen an», und deshalb kann man sich nicht aufschwingen zu dem anderen Grunderlebnis: «Ich werde von den Weltwesen angeschaut.»
[ 15 ] However, right at the threshold into the spiritual world, we come to a region or current where we still retain the whole structure and essential characteristics of our relationship to the physical world. There, we have not yet rid ourselves of the attitude of “I am observing” and are not yet able to proceed to “I am being observed.” Out of deeply embedded habits, we expect the spiritual world to be essentially a copy of the physical world—a subtler or more refined copy, but a copy nonetheless. And so there are more than a few people who imagine that being at a gathering of spirits would be just like standing here in this room among physical human beings—the spirits would be assembled just like people on the physical plane, but they would be a bit less dense, so you could stick your hand right through them. Because we bring our habits of perception from the physical plane into the spiritual world and retain our underlying mode of experiencing things, we are left with the illusion of being able to “observe the cosmic beings,” and cannot ascend to that other fundamental experience of being observed by them.
[ 16 ] Nun, sehen Sie, in dieser Illusion blieb der Seher Swedenborg ganz und gar, solange er in dieser Inkarnation, von der die Rede ist, war. Er konnte sich nie aufschwingen zu dem Erlebnis: «Ich werde angeschaut.» - Lesen Sie nur alles das, was von Swedenborg als Seher herrührt, so werden Sie sehen, daß er die höheren Welten wirklich so beschreibt, als wenn sie nichts weiter wären als ein feiner Dunst von der physischen Welt, feine dunstartige Gestalten, die aber im übrigen ganz ähnlich sind der physischen Welt.
[ 16 ] As a seer, Swedenborg never freed himself from this illusion, at least not during the incarnation we're talking about. He was never able to ascend to the experience of being observed. If you read everything Swedenborg wrote as a visionary, you will find that he really does describe the higher worlds as if they were nothing more than a misty emanation of the physical world—figures that are very fine and vapor-like but otherwise very similar to those in the physical world.
[ 17 ] Gewiß, damit beschreibt Swedenborg die Welt der Imagination in einer ganz zutreffenden Weise; aber beurteilen kann er sie nicht, weil er über die ganze geistige Welt eben den Schleier seiner Gewohnheiten von der physischen Welt her wirft. Und so kommt es, daß ihm alle Wesen der geistigen Welten nur dasjenige zeigen, was sie auch einkleiden können und wollen in die Form der Imaginationen, die man von den Anschauungen der physischen Welt mitbringt. Das heißt, Swedenborg sieht nur so viel von der geistigen Welt, als ihm in seine von den Gewohnheiten der physischen Welt angekränkelten Imaginationen eingekleidet wird. Gewiß sieht er darinnen hochgeistige, bedeutende geistige Wesenheiten, aber eben immer in dem Kleid, das nicht ihr eigenes ist, sondern ihnen übergeworfen wird von ihm selber. Kommt er aber in eine Region hinein, in der die Geister gerade anstreben, ihr Inneres zu verbergen, da kann er sie nicht mehr verstehen, da sind sie ihm rätselhaft, wie diese Marsbewohner, die gelernt haben, ihr Innenleben zu verbergen, es nicht überfließen zu lassen in ihre Sprachweise. Das ist es, was dem, was da Swedenborg sehr gewissenhaft schildert, zugrunde liegt und was man erkennen muß, um zu verstehen, welcher Art die Seherwelt Swedenborgs war.
[ 17 ] It's true that Swedenborg describes the world of Imagination very aptly, but he is in no position to assess it because he veils the whole spiritual world in his habits derived from the physical world. That is why all the beings of the spiritual world only reveal to him what they are able and willing to clothe in the form of Imaginations derived from the physical world. In other words, Swedenborg sees only as much of the spiritual world as can be clothed in Imaginations contaminated with habits retained from experience on the physical plane. He sees mighty and important spiritual beings, no doubt, but always in a guise that is not their own, a guise that he himself imposes on them. And when he enters a region where the spirits make every effort to conceal what is within them—like the Mars beings who have learned to conceal their inner life and not reveal it in how they speak—he can no longer understand them; they remain a mystery to him. This lies at the root of all of Swedenborg's very conscientious descriptions, and to understand what Swedenborg's visionary world was like, we need to be aware of it.
[ 18 ] Es handelt sich also darum, daß derjenige, der wirklich eintreten will in die geistige Welt, suchen muß, sein eigenes Selbst mit den Dingen zunächst so zu identifizieren - es ist das ja schon in dem letzten Kapitel meiner «Theosophie» geschildert, da sind im Grunde genommen alle Angaben schon gemacht -, daß er sich angewöhnt, von sich loszukommen, indem er die höhere Welt betrachtet. Und wenn er sich das angewöhnt, wird er allmählich in das andere Erleben hineinkommen, das man sich allerdings nicht erwerben kann, nur den Weg dazu, denn dieses andere Erleben überkommt einen wie durch eine Gnade der geistigen Welt: «Du wirst jetzt von den geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien angeschaut, sie schauen dich an.» - Aber sie schauen einen dann nicht bloß an, sondern man wird ebenso zur Wahrnehmung, zur Vorstellung, zum Gedanken der Wesenheiten der höheren Welten so wie für uns die Gegenstände des physischen Planes.
[ 18 ] Thus, if we really want to enter the spiritual world, we must try to identify our own self with the things around us in such a way that we become accustomed to breaking free of ourselves as we look at higher worlds. I have described this in the last chapter of Theosophy; basically, all the indications are already given there.5“The Path of Knowledge,” Theosophy, pp. 154-178. See Lecture Two, note 10. If we become accustomed to doing this, we will gradually begin to experience things in the other way I described. This is not something we can accomplish purely through our own efforts; all we can do is set out on the right path. The experience of being perceived by spiritual beings of the higher hierarchies comes to us as an act of grace on the part of the spiritual world itself. And it is not simply that higher beings look at us; we become perceptions, concepts, and thoughts for the beings of higher worlds in the same way that objects on the physical plane are for us.
[ 19 ] Hätte Swedenborg das gekonnt, sich daran zu gewöhnen, daß die Wesenheiten der höheren Hierarchien einen anschauen und vorstellen, dann hätte er nicht bloß erfahren: diese Marsbewohner verstehe ich nicht, aber oben die Angeloi verstehen sie. Er konnte nicht mit dem Wahrnehmen der Angeloi selber erkennen, sondern nur mit seinem Erkennen. Das muß man aber können. Man muß nicht bloß vorstellen, sondern man muß Vorstellung werden; man muß nicht bloß denken, sondern man muß Gedanke werden, ein Gedanke, den die Wesen der höheren Hierarchien denken. So wie der Gedanke sich zu uns verhält, so müssen wir uns zu den Wesen der höheren Hierarchien verhalten lernen. Das konnte Swedenborg nicht. Hätte er es gekonnt, so hätte er gesagt: Ja, solange ich in mir bleibe, solange kann ich diese Marsbewohner nicht verstehen; in dem Augenblick aber, wo ich außer mich gehe und ein Objekt, ein Gedanke, eine Idee der Angeloi werde, da verstehe ich in meinem erweiterten Selbst die Angeloi und die Kategorie der Marsbewohner. - Und dann wäre in seinem Bewußtsein das Verständnis aufgetreten, das die Angeloi von dem Wesen dieser Marsbewohner gehabt haben. Dazu konnte er sich nicht aufschwingen, weil er immer in seinem Bewußtsein drinnen blieb und nicht bis dahin kam, angeschaut zu werden, das heißt, so angeschaut zu werden, daß die Angeloi in ihm ihr Anschauen erleben und er nur das Blickfeld wird für die Angeloi. Was die Angeloi wissen, weiß er dann auch, denn man weiß, daß die höheren Geister, die Geister der höheren Hierarchien in einem wissen, und dadurch weiß man von den höheren Welten.
[ 19 ] If Swedenborg had been able to get used to being perceived and thought about by the beings of the higher hierarchies, then he would not have experienced the inability to understand the Mars beings while the Angeloi could understand them. He was only capable of applying his own perspective and could not make use of the angelic mode of perception. But that is precisely what we have to be able to do. It is not enough to have concepts; we must become concepts. It is not enough to think; we must become thoughts, thoughts of the beings of the higher hierarchies. We must learn to stand in the same relationship to the beings of the higher hierarchies as our own thoughts stand in relationship to us. Swedenborg could not do that. If he had been able to do it, he would have known that as long as he remained within himself he would not be able to understand those Mars beings. However, if he had stepped outside of himself and become an object, a thought, an idea for the Angeloi, then, as expanded self, he would have been able to understand both the Angeloi and that category of Mars beings. He would then have had the same understanding of the essential nature of these Mars beings as the Angeloi had. He was unable to reach this stage because he always remained within the limits of his own consciousness and was never able to let the Angeloi observe and experience him, so that he himself would simply be their field of perception. If he had been able to do that, he would have known what the Angeloi know, for our knowledge of higher worlds comes through higher spirits, spirits of the higher hierarchies, knowing in us.
[ 20 ] Das ist das Bedeutsame, was man festhalten muß: Der Mensch kann in dieser Epoche der Entwickelung, weil er so organisiert ist, eben nur diejenigen Welten erkennen, die für seine Auffassungsorgane zugänglich sind. Will er weiter erkennen - lesen Sie alles, was über die Initiation von mir geschrieben ist, so werden Sie darauf kommen, daß alles schon darin enthalten ist —, will er weiter kommen, so muß er das Bewußtsein der über ihm stehenden geistigen Wesenheiten in sich aufnehmen, und das, was die geistigen Wesenheiten erleben, muß Gegenstand seines eigenen Bewußtseins werden. Er muß sich in dem Chor der geistigen Wesenheiten darinnen fühlen. Das ist das Wesentliche.
[ 20 ] The important thing for us to keep in mind is that at this stage of evolution, the human constitution is such that we can know only about those worlds that are accessible to our organs of perception. If we want to transcend this limitation, we must open ourselves up to the consciousness of spiritual beings above us so that what these beings experience becomes the content of our own consciousness. It is important for us to experience ourselves as being included in the choirs of the spiritual beings. If you read everything I have written on the subject of initiation, you will find that all this has already been described there.6In many lectures by Steiner, in addition to sections in the following books: Theosophy. (See Lecture Two, note 10.) Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, GA 10, repr., (Hudson, NY: Anthroposophic Press, 1986). An Outline of Occult Science, GA 13, repr., (Hudson, NY: Anthroposophic Press, 1989).
[ 21 ] So also sehen wir gerade an einer so bedeutsamen Persönlichkeit wie Swedenborg, daß das Aufsteigen in die geistigen Welten ohne das Durchdrungensein mit dem wirklichen Herausgehen aus dem Physischen-Plan-Bewußtsein zu Illusionen führt. Man bekommt nur eine illusionäre Welt. Und Sie können nun, meine lieben Freunde, die ganze vorliegende Literatur von Sehern durchgehen und deren Beschreibungen von der geistigen Welt lesen, so werden Sie zumeist lauter solche Illusionen lesen. Man darf sich nicht täuschen lassen von diesen Illusionen; denn sich täuschen lassen von den Illusionen an der Schwelle zur geistigen Welt ist viel schlimmer, als sich täuschen zu lassen von den Täuschungen der physischen Welt.
[ 21 ] The example of an important personality like Swedenborg shows us that it leads to illusions if we ascend to spiritual worlds without being steeped in the ability to step out of the kind of consciousness we apply on the physical plane. We are met by an illusory world. My friends, if you go through all the available visionary literature and read its descriptions of the spiritual world, what you will find for the most part will be illusions of this sort. It is important not to let yourself be deceived by these illusions, because being deceived by illusions at the threshold to the spiritual world is much worse than it would be to fall prey to illusions in the physical world.
[ 22 ] Es handelt sich für uns also darum, die bei uns zur Verfügung stehende Literatur wirklich so zu benützen, daß wir uns allmählich angewöhnen, in vernünftiger Weise uns in das ganze Verhältnis des Menschen zur geistigen Welt hineinzufinden. Dazu ist, ich möchte sagen, in einer doppelten Weise Gelegenheit geboten. Erstens dadurch, daß wir eine solche Literatur haben, zweitens dadurch, daß diese Literatur nicht gelesen werden kann, ohne daß man sich dabei geistig anstrengt. Dafür wird schon gesorgt, auch wenn mir oftmals nahegelegt worden ist, daß die Schriften populärer sein sollten. Ich habe mich immer dagegen gesträubt, weil es eben im wesentlichen dazu gehört zu dem, wie sie sein sollen, daß sie nicht populär sind. Wenn man dasjenige, was in unserer geisteswissenschaftlichen Literatur geboten wird, in allerlei verschwommene Formen gießen und diese dann - angeblich, weil sie viel populärer sind - unter das Publikum bringen will, so wird nur auf der einen Seite der Bequemlichkeit gedient und auf der anderen Seite Unfug getrieben. Denn es wird immer Unfug entstehen, wenn das Streben auftritt, auf eine leichte, gedankenlose Weise geistesträchtig zu werden. Die Arbeit, die wir verrichten, indem wir etwas Schwergeschriebenes verstehen lernen, ist eine innere Trainierung, ist etwas, was dazu beiträgt, daß wir in der richtigen Weise unser Verhältnis zur geistigen Welt ausgestalten. Und so gehört oder sollte zu dem Wesentlichen unserer Literatur das gehören, daß Sie wirklich in der umfassendsten Weise bei dem Aufnehmen der Sache denken, Ihre Gedanken in Tätigkeit versetzen; alles dasjenige, was Ihnen zur Verfügung steht aus Ihrer vorherigen Erkenntnis, aus Ihrer vorherigen Lektüre, in Verbindung bringen mit dem, was die anthroposophischen Schriften enthalten. Ich will Ihnen jetzt etwas vordenken, um Ihnen gewissermaßen ein Beispiel zu geben, wie man anhand anthroposophischer Schriften denkend diese Schriften studieren kann.
[ 22 ] We need to use our anthroposophical literature to gradually and rationally discover how we as human beings are meant to relate to the spiritual world. We are presented with a double opportunity to do so, first of all through the fact that this material is available, and secondly because of the fact that it cannot be read without considerable mental effort. I have always made sure of that, even though it has often been suggested that I make my writing more accessible to the general public. I have always resisted such suggestions because these things are just not meant to be popularized. If we presented what we have to offer in our spiritual-scientific literature in all kinds of watered-down versions for the sake of popularizing it, we would simply be pandering to people's unwillingness to exert themselves, and asking for trouble at the same time. Attempts at loading up on spirituality in easy and thoughtless ways always lead to trouble. The effort we make in learning to understand something difficult to read is a kind of inner training and contributes to shaping our relationship to the spiritual world in the right way. It is an essential part of our literature, or at least it should be, that you really have to think in the most comprehensive way possible while taking in the information; your thinking has to become active. Everything you have at your disposal as a result of prior reading and experience must be brought into connection with the content of our anthroposophical writings.
[ 23 ] Da gibt es einen Zyklus, in dem die Rede ist von der Wirkungsweise der Elohim. Dieser Zyklus wurde einmal in München gehalten über die Schöpfungsgeschichte, mit dem Hinweis auf die Bibel. Das ist etwa das Thema dieses Zyklus. Der Zyklus wird gelesen, und viele glauben, wenn sie ihn gelesen und nach ihrer Art intus haben, dann sei damit etwas besonderes getan. Aber darum allein kann es sich nicht handeln. Zuerst muß es sich selbstverständlich darum handeln, daß sich eine innere Seelenarbeit an einen solchen Zyklus anschließen muß. Und da kann zum Beispiel sich jemand sagen: Ja, also bei diesen Elohim - an deren Spitze dann dasjenige Wesen ist, das sich später umwandelt zu dem Christus selber -, da habe ich es zu tun mit einer Kategorie von Wesenheiten, die während desjenigen planetarischen Daseins, welches von uns als das Sonnendasein bezeichnet wird, etwas besonderes zu tun haben. Der Hauptnerv der Entwickelung dieser Wesenheiten fällt in die Zeit des Sonnendaseins. Und durch das Verbundensein dieser Wesenheiten mit dem Sonnendasein müssen wir ja auch Christus selber als eine Sonnenwesenheit ansprechen. Und man wird ja dann viel denken können darüber, wie die Elohim sonnenverwandt, richtig sonnenverwandt sind. Der ganze Tenor des Vortragszyklus wird Ihnen verraten, daß auf dieses Sonnenverwandte der Elohim immer Bezug genommen ist; man fühlt sozusagen dieses Sonnenverwandte darinnen.
[ 23 ] At this juncture, I would like to demonstrate a particular train of thought as an example of how anthroposophical material can be studied actively and thoughtfully. I once gave a lecture cycle in Munich on the subject of the history of creation with reference to the Bible, in which the working of the Elohim was discussed.7Genesis, GA 122, revised translation (London: Rudolf Steiner Press, 1982). This cycle is read frequently, and many people think that when they have read it and gotten it into their heads after their usual fashion, they have really accomplished something special. But that is not all there is to it. First of all, of course, it is important to accompany the reading of a cycle like this with a certain amount of inner effort. The train of thought could be as follows: The Elohim, led by the being who later became the Christ, are a category of beings who had a particular task during the stage of planetary existence we call the Sun stage, when the main thrust of their development was taking place. Because of their particular connection to the Sun stage of existence, we must address the Christ, too, as a Sun being. We can give a lot of thought to how truly Sun-related the Elohim are. The whole tone of the lecture cycle shows that the Elohim's relationship to the Sun underlies the whole thing and can be felt throughout.
[ 24 ] Jetzt wird man sich - nicht in den Tiefen des Schlafes, aber nach gründlicher Meditation - klarmachen, wie man sich eigentlich nun den Charakter der Elohim vorzustellen hat. Man wird sich hineinversenken in den Charakter der Elohim, und wenn man das wirklich geduldig tut, dann wird man erleben, daß nach einiger Zeit, ganz wie aus dem Unbestimmten heraus, ein Gedanke an einen herantritt. Es fällt einem etwas ein. Ach, fällt einem zum Beispiel ein - es ist nur ein Beispiel -, in der Bibel wird ja gesagt, daß ein Gebot des Jahve, also einer der Elohim, ist: nicht zu essen von dem Baum der Erkenntnis, und daß, als die luziferische Verführung stattgefunden hatte und gegessen worden war von dem Baum der Erkenntnis, der Mensch verhindert wurde, zu essen auch von dem Baum des Lebens. - Merkwürdig, die Elohim sprechen also von Bäumen!
[ 24 ] After thoroughgoing meditation—not in deep sleep!—we realize how we need to conceive of the character of the Elohim. Then, having immersed ourselves patiently in the character of the Elohim, we will experience after some time that a thought occurs to us, coming toward us from nowhere in particular. For example, it might occur to us—and this is just an example—that Jehovah, one of the Elohim, forbade eating from the Tree of Knowledge, and that after the Luciferic temptation, once human beings had in fact eaten from the Tree of Knowledge, they were barred from also eating from the Tree of Life. How strange that the Elohim should speak of trees!
[ 25 ] Nun habe ich schon öfter gesagt, die Sprache einer solchen Urkunde wie der Bibel soll man nicht leicht nehmen. Wenn da von Bäumen gesprochen wird, wenn die Elohim von Bäumen sprechen, so bedeutet das etwas, so ist damit etwas Wesentliches gemeint. Sehen Sie, schon von Homer wird gesagt, daß er den Ausspruch tat, jedes Ding habe zweierlei Namen: den einen in der Sprache der Götter, den andern in der Sprache der gewöhnlichen Menschen. Wenn man sich daran erinnert, dann kann man sich sagen: Ja, vielleicht hängt das doch etwas zusammen mit der Göttersprache, daß die Götter von Bäumen sprechen. Wenn man nun etwas weiter eindringt in die Sache, so wird man sich fragen: Ja, von was reden eigentlich die Elohim, wenn sie von dem Baum der Erkenntnis und von dem Baum des Lebens sprechen? Von was reden sie eigentlich? Was meinen sie damit?
[ 25 ] I have often said that the language of a document such as the Bible should not be taken lightly. If trees are spoken of in the Bible, if the Elohim speak of trees, you can be sure it's significant. Something essential is meant by this expression. It has been said of Homer that he declared that each thing has two names, one in the language of the gods and one in the language of ordinary mortals. With this in mind, we might imagine that the gods' referring to trees may have something to do with this divine language. Considering the subject more deeply, we may wonder what the Elohim are actually talking about when they speak of the Tree of Knowledge and the Tree of Life. What do they mean?
[ 26 ] Meine lieben Freunde, wenn Sie unsere ganze Lehre zusammennehmen, werden Sie sich sagen können: Dieser Baum des Lebens und dieser Baum der Erkenntnis muß mit dem Menschenwesen selbst etwas zu tun haben. Das Verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, das heißt ja - das werden Sie zuletzt herausbekommen -, daß die Seele des Menschen nicht Erkenntnis suchen soll, die am physischen Leib haftet; daraus ist ja die jetzige sinnliche Anschauung entstanden. «Essen von dem Baum der Erkenntnis» heißt, eben so sich verbinden mit dem physischen Leib, daß dadurch die jetzige - und ich habe sie ja neulich geschildert - von Luzifer bewirkte Art von Erkenntnis entstanden ist. Also meinten die Elohim etwas am Menschenwesen selber, indem sie vom Baum der Erkenntnis sprachen.
[ 26 ] If you consider our teachings in their entirety, my friends, you will realize that the Tree of Life and the Tree of Knowledge must have something to do with the essence of the human being. Being forbidden to eat from the Tree of Knowledge means, as you will eventually discover, that the human soul is not to strive for the kind of knowledge bound to the physical body. This has led to the kind of sense-bound perception we know today. “Eating from the Tree of Knowledge” means becoming bound up with the physical body to the extent that the kind of knowledge brought about by Lucifer now prevails, as I described in a recent lecture.8In a lecture given on August 8, 1915, entitled “The Tree of Life and the Tree of Knowledge,” not published in English but available in manuscript from Rudolf Steiner Library, Ghent, N.Y. 12075. Published in German in Kunst- und Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft (“Questions of Art and Life in Light of Spiritual Science”), GA 162, (Dornach, Switzerland: Rudolf Steiner Verlag, 1985). Thus, the Elohim were referring to something inherent in human beings when they spoke of the Tree of Knowledge. And they must also have meant something intrinsic to the human being when they spoke of the Tree of Life.
[ 27 ] Und wiederum müssen sie etwas am Menschenwesen selber meinen, wenn sie vom Baum des Lebens sprechen. Da muß man sich fragen: Ja, wodurch sieht denn der Mensch so, wie er heute sieht? Wodurch nimmt er denn so wahr? Indem sein Geistig-Seelisches, durchtränkt von Luzifers Wesenheit, eingebettet ist in den physischen Leib und an diesem zehrt. Dies war nicht von vornherein bestimmt, daß die Seele so wie jetzt eingebettet ist in den physischen Leib. Dieser physische Leib ist der Baum der Erkenntnis, und der Baum des Lebens ist der Ätherleib. Die Menschen sollten, nachdem sie sich von Luzifer haben verführen lassen, ihren physischen Leib zu der uns gewohnten Erkenntnis benützen, nun wenigstens nicht auch noch dazu haben die Erkenntnis durch den Ätherleib. Es wird ihnen dies verwehrt.
[ 27 ] We may wonder why we see as we do today, how it came about that we perceive as we do. It came about because our soul and spirit, permeated with the being of Lucifer, have become embedded in our physical body and are consuming it, although this is not what was originally intended. This physical body is the Tree of Knowledge, and the ether body is the Tree of Life. After having let themselves be seduced by Lucifer into using their physical body for purposes of perception as we know it now, human beings were prevented from also acquiring knowledge through the ether body. That has been denied us. If you are really thinking, my friends, you will arrive at trains of thought like this one.
[ 28 ] Wenn man wirklich denkt, meine lieben Freunde, so kann man zu solchen Gedankengängen kommen. Und dann muß man sich fragen: Warum aber nennen denn nun die Götter in ihrer Sprache den physischen Leib den Baum der Erkenntnis? Warum sprechen sie von einem Baum? Und warum nennen sie denn den Ätherleib den Baum des Lebens? Warum sprechen sie denn von Bäumen?
[ 28 ] The next question to be asked, then, is why the physical body is called the Tree of Knowledge in the language of the gods. Why do they call it a tree, and why do they also call the ether body the Tree of Life? Why are they talking about trees?
[ 29 ] Nun, man kann leicht begreifen, was in der Sprache der Götter gemeint ist, wenn man bedenkt, daß die Götter, von denen die Rede ist, ihre besondere Evolution während der Sonnenzeit hatten, also gerade vom Sonnenwesen etwas Wesentliches aufgenommen haben. Nun überlegen Sie sich einmal: alte Saturnzeit - alles steht auf dem Standpunkt des Mineralischen; alte Sonnenzeit - alles steht auf der Stufe des Pflanzlichen. Wenn die Götter, die wir die Elohim nennen, sich den Charakter ihrer Sprache also während der Sonnenzeit angeeignet haben, so werden sie, wenn sie sich aussprechen, nicht von dem sprechen, was man erst auf dem Mond und auf der Erde erleben kann, sondern von dem, wozu sich der Kosmos bis zur Sonnenzeit entwickelt hat, nämlich dem Pflanzenhaften. Deshalb sprechen sie, wenn sie in ihrer Sprache sprechen, von Bäumen, weil sie in der Sonnensprache sprechen.
[ 29 ] It is easy to understand what is meant by this if you recall that the gods in question evolved during the Sun period for the most part and thus assumed some essentially Sun-like qualities. For a moment, just reflect on the fact that during the ancient Saturn period, everything was at the mineral level, while during the ancient Sun period, everything was at the evolutionary stage of plants. Since the gods we call the Elohim developed their characteristic way of speaking during the Sun period, it is natural for them not to speak of things that could only be experienced later, during the Moon and Earth stages of evolution, but about what evolved in the universe during the Sun stage, namely plant life. When using their own language, which is the language of the Sun, it is only natural for them to speak of trees.
[ 30 ] Sehen Sie, meine lieben Freunde, zu solchem kann man kommen, wenn man nichts anderes tut als das, was in den Zyklen und Büchern gegeben ist, in der richtigen Weise zu durchdenken; wenn man nicht bloß liest und liest und liest und das Gelesene dann kombiniert, sondern wenn man weiterdenkt und die Dinge, wie sie sich durch ihre eigene Natur verraten, zusammenbringt. Aber indem man das tut, tut man noch etwas: Man strengt sich wirklich an, und diese Anstrengung hat einen Erfolg, nämlich den Erfolg, daß die Seele selbständig gemacht wird, daß man wirklich jetzt durch eigene innere Anstrengung den Weg findet, die Seele selbständig zu machen. Aber Arbeit, wirkliche richtige Arbeit ist dazu erforderlich. Und immer wieder muß es betont werden: Nicht bloß im passiven Sichhingeben, sondern im wirklich tätigen Erarbeiten aus den eigenen Seelenkräften heraus löst man die geistige Welt von der physischen los.
[ 30 ] You see, my friends, this is the kind of thing you can come to simply by taking what is in my books and lecture cycles and thinking it through in the right way. It is not enough to go on reading and reading and reading and putting together things you have read; you need to go further in your own thinking and use the means suggested by the very nature of things themselves to draw connections between them. But in doing that, you are also doing something else: You're making a real effort, and the result of this effort is that your soul becomes independent. However, this takes work, real work. I have to emphasize again and again that it is not through passively giving ourselves up to something, but through using our own soul forces to grapple with it actively, that we begin to separate the spiritual world from the physical world.
[ 31 ] Also das tätige Sicherarbeiten der geistigen Welt ist es, worauf es ankommt. Man darf sich eben nicht scheuen, wenn man wirklich in die.geistige Welt hineinkommen will, das, was vorliegt, durchzuarbeiten und mit allem, was man vom Leben her hat, in Zusammenhang zu bringen. Sonst könnte ja wirklich eine solche Torheit geschehen, daß irgend jemand die Meinung hätte, er wäre der wiederverkörperte Homer, aber er brauchte nichts zu tun, um zu zeigen, daß etwas von Homers Genie in ihm sprudelt; sondern er könnte wirklich die Meinung haben, na, damals hat Homer gewacht, und jetzt entwickelt er eine Inkarnation, wo er sich hübsch aufs Faulbett des mystischen Schlafens legt. - Wenn man versucht, aktiv, tätig sich durchzuarbeiten durch das, was vorliegt, dann wird man nicht, ich möchte sagen, auf allerlei mystisches Allotria geführt werden, sondern man wird zu jenem Punkt geführt, von dem aus man ein richtiges Verhältnis gewinnt, wie die Wahrheit in der geistigen Welt für den Menschen in tieferem Sinne gemeint ist. Und dann wird man sehen, daß man so stark als möglich sich bestreben muß, die Gewohnheiten, die Denk-, Gefühls- und Empfindungsgewohnheiten des physischen Planes nicht mit den Eigentümlichkeiten der geistigen Welt zu vermischen.
[ 31 ] Active effort is what counts in attempts to gain access to the spiritual world. If you really want to enter the spiritual world, you cannot shy away from working through what confronts you and bringing it into connection with everything life has given you. Without this effort, all kinds of crazy things can happen—like someone believing he is the reincarnation of Homer but feeling no need to do anything to prove that something of Homer's genius is welling up in him. Since Homer already put in all the effort, the person in question can spend this incarnation comfortably lying on the couch in mystical slumber! If you make an effort to actively work through whatever confronts you, you will not be diverted into all kinds of mystical monkey business. Instead, you will eventually reach the point where you can develop an appropriate sense for the deeper meaning the spiritual world's truths hold for human beings. Then you will realize that you have to make every effort not to allow your habitual ways of thinking, feeling, and perceiving on the physical plane to get mixed up with qualities belonging solely to the spiritual world.
[ 32 ] Diese Gesinnung ist es, um die es sich handelt. Und diese Gesinnung, wenn wir sie wirklich haben, meine lieben Freunde, sie bringt uns los von allem Unfugtreiben gegenüber dem Eindringen in die geistige Welt. Nicht wahr, anstrengen braucht man sich nicht sonderlich, wenn man eine Woche Salz ißt, um hinunterzusteigen in die unterirdischen Welten, und eine andere Woche kein Salz ißt, um hinaufzusteigen in die höheren elementarischen Welten. Dazu braucht man keine Anstrengung; aber man erlangt auch nichts dadurch, als höchstens die allerschlimmsten Illusionen. Erlangen kann man in der geistigen Welt nur wirklich etwas durch innere Arbeit. Und innere Arbeit, wenn sie wirklich vorhanden ist, ist schon durch sich selbst so beschaffen, daß sie einen nicht dazu verleitet, Unfug zu treiben gegenüber der geistigen Welt, sondern sie bringt einen auf richtige Gedanken. Sonst aber kommen wirklich die mystischen und verkehrten Gedanken, und man kann mit Recht über uns lachen.
[ 32 ] This attitude is crucial, my friends, and once we have really acquired it, it will prevent us from doing anything foolish in our efforts to enter the spiritual world. It doesn't require any particular effort to eat salt for a week in an attempt to descend to sub-earthly realms, and then eat no salt for a week in an attempt to ascend into higher elemental realms. That takes no effort at all, but there is also nothing to be gained from it except the worst kinds of illusions. Inner work is the only way to really accomplish something in the spiritual world. And inner work, if it is really taking place, will by its very nature lead you to the right thoughts and keep you from getting into trouble with regard to the spiritual world. Without it, however, we are subject to perversions of mystical thinking, and people have every right to laugh at us then.
[ 33 ] Einmal schrieb mir zum Beispiel ein Mann, der eben auf diesem Gebiete gesund dachte, daß er als Mitglied einen unserer Zweige besucht habe, und da hätte man, trotzdem es furchtbar heiß war und keine Veranlassung war, alle Fenster zuzuschließen, die Fenster zugemacht. Nun, ich sage nichts gegen das Fenster-Zumachen, besonders wenn draußen alles mögliche gehört werden kann; das wäre ja ein vernünftiger Grund, nicht wahr. Aber man hat ihm diesen Grund nicht gesagt, sondern man hat gesagt: Ja, der Dr. Steiner hat uns ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn in unserem Zweig vorgetragen wird, man die Fenster zumachen muß, damit nicht die Dämonen hereinkommen können. - Dazu schrieb mir dieser Mann, der in diesem Falle mystisch unverbildet war: Ja, aber können denn Geister nicht auch durch zugemachte Fenster herein? Das muß ein sonderbarer Lehrer der Geisteswissenschaft sein, der seinen Schülern sagt, man muß die Fenster zumachen, damit die Dämonen nicht hereinkommen! - Sie sehen, wie in einem solchen gedankenlosen Reden wirklich die Verwechslung des physischen Planes mit der höheren Welt vorliegt. Auf dem physischen Plan können allerdings nicht die Wesen durch die zugemachten Fenster herein, wenn sie sie nicht einschlagen; aber die Geister wird man schwerlich abhalten dadurch, daß man die Fenster schließt! Es handelt sich wirklich darum, daß man sich genügend ernste Vorstellungen über die geistigen Welten und physischen Welten macht.
[ 33 ] For example, I once received a letter from a man of sound common sense who said that he had visited a member of an anthroposophical branch and found that people kept all the windows closed although it was terribly hot. I have nothing against closing windows, especially when everything said indoors can be heard outside—that would be a sensible reason for closing them, wouldn't it? But instead of telling him that, people said, “Dr. Steiner has expressly told us to close the windows when lectures are given in our branch, so that the demons can't get in.” This man, who was quite unspoiled by mysticism, wrote to me asking why spirits couldn't get in through closed windows. What kind of an esoteric teacher is that, he wondered, who tells his pupils to close the windows so the demons do not get in? You can see how the physical plane is confused with higher worlds in this kind of careless talk. It is quite true that beings on the physical plane cannot get in through closed windows, unless they break them, but we will hardly be able to keep the spirits out by shutting the windows! We really must develop appropriate and serious concepts to apply to the spiritual and physical worlds.
[ 34 ] Und ein solches Beispiel wie das von dem gewissenhaften, energischen, in seiner Art großartigen Seher Swedenborg kann uns, wenn wir über die Sache nachdenken, manche Vorstellungen, die wir haben und die grundirrtümlich sind, verbessern.
[ 34 ] If we give it some thought, the example of Swedenborg, who was conscientious and energetic and a splendid seer in his own way, can help us correct some fundamental errors in our own way of thinking.
[ 35 ] Davon morgen eben weiter.
[ 35 ] More on this subject tomorrow.
