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The Rudolf Steiner Archive

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Difficulties of Living Together
in the Anthroposophical Society
The Dornach Crisis in the Summer of 1915
GA 253

15 September 1915, Dornach

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6. Episodische Betrachtung über den Begriff der Liebe in seinem Verhältnis zum Begriff der Mystik

6. Community Life, Inner Development, Sexuality and the Spiritual Teacher

[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich möchte heute noch einiges weitere ausführen zu dem Thema, das ja in den Betrachtungen dieser Tage von mir angeschlagen worden ist. Heute möchte ich ausgehen von der Frage: Wie alt ist eigentlich die Liebe?

[ 1 ] Let us continue with the theme we have been considering for the past few days and begin by asking the question, “How old is love?”

[ 2 ] Meine lieben Freunde, ich zweifle nicht daran, daß wohl die weitaus meisten Menschen aus einer gewissen oberflächlichen Anschauung der Dinge sogleich antworten werden: Die Liebe ist so alt wie die Menschheit. - Aber wer gewohnt ist, aus der Kulturgeschichte heraus zu sprechen, die er als mit geistigen Impulsen durchdrungen erkennt, der wird Ihnen eine andere Antwort auf diese Frage geben, weil er sich bemüht, die Dinge konkret und nicht in allgemeinen verschwommenen Begriffen ins Auge zu fassen. Die Liebe, meine lieben Freunde, ist höchstens 700 Jahre alt! Lesen Sie die ganze alte römische, die griechische Literatur und Dichtung, und Sie werden nirgends dasjenige finden, was man in der jetzigen Zeit mit dem Begriff der Liebe verbindet. Und wenn Sie Plutarch lesen, so werden Sie die beiden Begriffe Venus und Amor in sehr charakteristischer Weise deutlich voneinander unterschieden finden. Die Art und Weise, wie die Liebe in der Dichtung, namentlich in der Lyrik figuriert, wie sie den Mittelpunkt von soundso vielen lyrischen Ergüssen bildet, ist nicht älter als etwa 600 bis 700 Jahre. Das heißt, der Begriff von Liebe, mit der Bedeutung, wie sie heute dem Menschen gilt, wie man sie ihm heute beibringt, figuriert in den Gemütern der Menschen erst seit 6 bis 7 Jahrhunderten. Früher hat man nicht auch nicht in annähernd ähnlicher Weise - von diesem Begriff der Liebe gesprochen.

[ 2 ] There is no doubt in my mind that the great majority of people with their rather superficial way of looking at things would immediately respond that love is as old as the human race, of course. However, anyone who recognizes cultural history as being imbued with spiritual impulses, and who therefore tries to deal with such issues concretely instead of in vague generalities, would answer quite differently. Love, my friends, is seven hundred years old at the most! Nowhere in ancient Greek and Roman prose or poetry will you find anything resembling our modern idea of love. And if you read Plutarch, for instance, you will find the two concepts of Venus and Amor very clearly differentiated.1Plutarch, c.46–after 119 A.D. Greek biographer and writer. In his work “On Isis and Osiris,” Plutarch makes the distinction between the two on the basis of the origin of Venus and Amor. He uses the Greek “Eros” for “Amor.” Love as the subject of so much lyrical eloquence in literature, and especially in poetry, is no more than six or seven hundred years old. Our modern notion of love—what love means to us today and how that is instilled in people—has played a part in the human heart and mind only for the past six or seven centuries. Before that, people did not have the same idea of love; they did not speak about it in any even remotely similar way.

[ 3 ] Das darf Sie nicht verwundern, nicht einmal theoretisch, nicht einmal erkenntnistheoretisch. Denn der Einwand, daß die Menschen ja immer Liebe geübt haben, der gilt nicht. Das ist genau so, wie wenn man sagen würde, wenn die kopernikanische Weltanschauung richtig ist, daß die Erde sich um die Sonne bewegt, so hat sie sich so doch auch schon während der lateinischen, griechischen, ägyptischen Zeit, ja solange die Erde steht, bewegt. - Ja, gewiß, aber gesprochen haben die Leute nicht von der kopernikanischen Weltanschauung. Der Einwand gilt also nicht, daß dasjenige, was im LiebeBegriff ausgedrückt ist, schon früher, bevor der Liebe-Begriff selber da war, bestanden hat. Es bildeten eben die Erscheinungen, die Tatsachen der Liebe einen Komplex von Lebenstatsachen, aber man sprach darüber nicht. Aber in den vergangenen 600 bis 700 Jahren hat man es darin weit gebracht. Man hat es nicht nur dazu gebracht, daß die Liebe für viele heute als der Mittelpunkt alles Lebens gilt ich meine jetzt in der Weltanschauung -, sondern man hat es sogar dazu gebracht, daß es heute eine wissenschaftliche Theorie, die psychoanalytische gibt, die, wie ich Ihnen gezeigt habe, ganz und gar in den ordinärsten Liebesbegriffen «plätschert». Das ist der Gang der Entwickelung, gegen den wir uns, meine lieben Freunde, aufzulehnen haben, den wir in etwas anderes zu wandeln haben dadurch, daß wir die geisteswissenschaftliche Weltanschauung pflegen.

[ 3 ] This should not come as a surprise to you, not even on a theoretical or epistemological level. The objection that human beings have always made a practice of loving does not hold good; that would be like saying that if the Earth revolves around the Sun as the Copernican view claims, then it must have been doing so even during Roman, Greek, and Egyptian time—in fact, as long as it has been in existence. Of course that's true, but the people of those times didn't talk about the Copernican system. Similarly, it is also not valid to object that what is expressed in the idea of love must have existed before the concept itself was there. Of course, the facts and phenomena of loving have always been an identifiable facet of human life, but people have not always talked about them. We have come a long way in the past six or seven hundred years in that respect; in fact, we have come so far that love occupies a central position in many people's view of life. And not only that, we now have a scientific theory, the theory of psychoanalysis, which is positively swimming in the most vulgar concepts of love, as I have shown. This is an evolutionary tendency that anthroposophists in particular are called upon to resist and to transform by fostering a spiritual-scientific philosophy of life.

[ 4 ] Ich würde mich eigentlich wundern, wenn viele oder alle unter Ihnen wirklich verwundert wären über den Ausspruch, daß der Begriff der Liebe erst 600 bis 700 Jahre alt ist, denn manche von Ihnen könnten wissen, daß ich auch in früheren Vorträgen dieselben Dinge ausgesprochen und ganz historisch charakterisiert habe.

[ 4 ] Many of you may be aware that I described these same things quite precisely from a historical perspective in some earlier lectures, so I would be surprised if you were all taken aback by my statement that our idea of love is only six or seven hundred years old.2For instance, in a lecture given in Berlin on May 14, 1912, Lecture 6 in Earthly and Cosmic Man, GA 133, (London: Rudolf Steiner Publishing Company, 1948).

[ 5 ] Nun, jenes Naherücken des Begriffes der Liebe an alle möglichen Weltanschauungsbegriffe, wie das so abstoßend in der psychoanalytischen Weltanschauung hervortritt, das hat sich eben im Laufe der letzten Jahrhunderte langsam und allmählich herangebildet, und wir würden lange zu tun haben, um diesen Dingen so recht auf den Grund zu kommen. Aber durch einige Betrachtungen, die ich einmal wie episodisch, wie aphoristisch anstellen werde, möchte ich Ihnen doch auf den Weg verhelfen.

[ 5 ] In any case, the idea of love has gradually crept into all kinds of philosophical concepts during the past few hundred years, as is revoltingly evident in psychoanalysis. It would take a long time to get to the bottom of all this, but I hope these more or less aphoristic remarks will give you some clues.

[ 6 ] Nehmen Sie zum Beispiel einen Geist der heutigen Zeit, der so ganz in den Kulturbegriffen der heutigen Zeit darinnensteckt, davon ganz durchtränkt ist, der mit anderen Worten über die vermeintliche Erkenntnis nicht hinwegkommt, daß das äußere, das sinnlich-physisch Reale doch das Einzige ist, wovon man vernünftigerweise sprechen kann. Ich habe Ihnen einen sehr ehrlichen Typus dieser Leute schon vorgeführt in Fritz Mauthner, dem Kritiker der Sprache und Verfasser eines philosophischen Wörterbuches.

[ 6 ] As an example, let's consider a contemporary thinker who is totally immersed in modern cultural concepts—in other words, someone who cannot overcome his supposed insight that outer sensory-physical reality is all we can reasonably talk about. I have already introduced Fritz Mauthner to you as a very sincere representative of this type of person.3Fritz Mauthner, 1849–1923, linguistic philosopher whose most important works were Beiträge zu einer Kritik der Sprache, 3 volumes, (Stuttgart and Berlin: 1901–1902) and Wörterbuch der Philosophie. Neue Beiträge zu einer Kritik der Sprache, 2 volumes, (Munich and Leipzig, 1910).

[ 7 ] Sehen Sie, ein solcher Mensch ist in einer eigentümlichen Lage. Fritz Mauthner ist Kritiker der Sprache; er weiß daher, daß es wenigstens das Wort «Mystik» in der Menschheitsentwickelung immer gegeben hat. Und da er Kritiker der Sprache ist, will er eine Antwort haben auf die Frage: Was steckt denn eigentlich hinter diesem Wort «Mystik», hinter den mystischen Bestrebungen?

[ 7 ] Mauthner is a linguistic critic and the author of a philosophical dictionary. This puts him in a very strange position in that it makes him aware of the fact that the word “mysticism” has existed down through the ages—as a linguistic critic, he naturally wants to know what stands behind both the word itself and actual mystical aspirations.

[ 8 ] Nun bedenken Sie einmal, meine lieben Freunde, wie wir uns durch eine reiche Literatur hindurch bemühen müssen, um dahinter zu kommen, wie jene Beziehung der menschlichen Seele zu den überirdischen Welten ist, die verdient, mit dem Wort «Mystik» charakterisiert zu werden. Bedenken Sie, wie ernst und würdig wir es mit solchen Auseinandersetzungen nehmen müssen, wie die sind in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», um Einsicht zu bekommen, wie die Seele sich stimmen muß, um den höheren Welten so gegenüberzustehen, daß man sagen kann: Die betreffende Seele ist die eines Mystikers, eines Menschen, der seine Vereinigung gefunden hat mit dem, was geistig die höheren Welten durchpulst und durchwellt. Also das muß man sich erst verschaffen, in das muß man sich erst hineinleben. Und eigentlich kann heute nur jemand wissen, was Mystik im Sinne der Gegenwart ist, der wirklich solche Erwägungen angestellt hat, wie sie in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgesprochen sind, also der dieses Buch wenigstens mit Aufmerksamkeit einige Male durchstudiert hat.

[ 8 ] My friends, just consider how much reading material we have to struggle through to understand that particular relationship of the human soul to super-earthly worlds that deserves the name “mysticism.” Consider, too, how very seriously we have to take any explanations, such as those in Knowledge of the Higher Worlds, if we want to understand the inner attitude needed in order to face the spiritual world as a mystic—that is, as a soul at one with the spiritual pulse and flow of higher worlds.4Knowledge of the Higher Worlds, see Lecture Three, note 6. We can only really say what mysticism is in the modern sense of the word when we have engaged in serious reflection such as that in Knowledge of the Higher Worlds. In other words, we have to at least study that book thoroughly and attentively a couple of times.

[ 9 ] Wenn nun ein Mann wie Fritz Mauthner solch ein Buch wie «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» in die Hand bekommt, so ist es für ihn selbstverständlich der barste Unsinn, denn er kann ja darin nichts lesen als Worte. Und er hat recht - er ist ja ehrlich -, wenn er Swedenborg gelesen hat und sagt: Der Swedenborg redet von Marsbewohnern, die ihre inneren Impulse verbergen können - ich kann davon gar nichts verstehen. - Ebenso könnte er auch sagen: Wahrhaftig, wenn ich ein solches Buch lese wie «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», so ist da für mich darin aber auch gar nichts zu finden; es könnte sein, daß Engel es verstehen könnten, aber ich kann es nicht verstehen. - So kann man urteilen, und ich bin überzeugt, daß Fritz Mauthner dieses Urteil als ehrlicher Mann fällen könnte. Man muß einsehen, daß er ehrlicherweise, wenn er bei der Wahrheit bleibt, ein solches Urteil schließlich fällen muß, denn für ihn entfällt der Begriff der Mystik ganz und gar; für ihn ist nichts dahinter. Was in der «Theosophie» oder in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» ausgeführt ist, das ist für ihn alles nur Worte, Worte, Worte. Und wenn er auf seine Art ein faustisches Streben hat, so sagt er: Ich suche alle Wirkenskraft und Samen in der physischen äußeren Welt und will nicht in Worten kramen. - In seiner Art ist das ganz richtig.

[ 9 ] When someone like Fritz Mauthner gets his hands on a book like Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, it is patent nonsense to him—just so many words. Mauthner is an honest man, after all. He would be telling the truth if, having read Swedenborg, he were to say that he doesn't understand a thing when Swedenborg talks about inhabitants of Mars who can conceal their innermost impulses. He might also say that he finds nothing to relate to in a book like Knowledge of the Higher Worlds; perhaps angels might be able to understand it, but he cannot. This is an utterly plausible opinion, and I am convinced it is what Fritz Mauthner would come to as an honest person. And in fact, if he is honest and sticks to the truth, coming to this conclusion is inevitable because the concept of mysticism eludes him entirely; there's nothing to it as far as he is concerned. For him, everything in Theosophy or Knowledge of the Higher Worlds is all just words, words, words.5Theosophy, see Lecture Two, note 10. If he himself experiences a kind of Faustian striving, he might express it by saying, “[I will] contemplate all seminal forces in the outer physical world and be done with peddling empty words.” 6The reference is to a line from Goethe's Faust: “Schau alle Wirkenskraft und Samen und to nicht mehr in Worten kramen,” “[I] may contemplate all seminal forces — and be done with peddling empty words.” Johann Wolfgang von Goethe, Faust, trans. Stuart Atkins, (Cambridge, MA: Suhrkamp/Insel, 1984), Part One, Scene I, 11. 384-385. And in his own way, he is quite right.

[ 10 ] Aber nun ist er nicht nur ehrlich, sondern auch gründlich, und so sagt er sich: Sollten die Menschen wirklich niemals in ihrer Seele so etwas gehabt haben wie Mystik? Sie haben doch immer von Mystik gesprochen. Also was ist denn in der Seele des Menschen, was ihn dazu verführt hat, von Mystik zu sprechen?

[ 10 ] However, Mauthner is not only honest, he is also thorough, and so he wonders if it is actually true that human souls have never experienced anything like mysticism. After all, people have always talked about it. What was it, then, that induced them to speak about mysticism?

[ 11 ] Sehen Sie, ich habe einmal als ganz junger Mann einen Theologen gekannt - er ist jetzt schon tot -, der war ein hervorragender Theologe und auch ein philosophisch ganz durchgebildeter Mensch, der hat mit vollem Recht gesagt: Eigentlich ist hinter jedem Irrtum auch etwas Reales oder Wahres, was man suchen muß, und kein Spleen ist so groß, daß man nicht das Reale, das hinter ihm eben steht, suchen müßte. - Nun, in diesem Sinne sagt sich auch Fritz Mauthner: Es muß in der Mystik doch etwas stecken. Das heißt, Fritz Mauthner muß sich sagen, wenn so vertrackte Kerle heute noch da sind, die Bücher schreiben wie «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und von einer mystischen Beziehung des Menschen zu den geistigen Welten reden, so ist das natürlich der bare Unsinn; aber es muß doch in der Menschennatur etwas leben, was solche Gefühle hervorbringt, die diese vertrackten närrischen Mystiker eben ihre Mystik nennen. Es muß so etwas geben. Wenn man versucht, darauf zu kommen, wo Fritz Mauthner eigentlich das findet, was der Mystik zugrunde liegt, so ergibt sich wahrhaftig nicht viel mehr als höchstens, daß man über seinen Artikel «Mystik», wenn man ihn durchgelesen hat, sich zuletzt sagt: «Der Zopf, der hängt ihm hinten». Wenn man diesen Artikel nimmt, so findet man darin wirklich nichts anderes, als daß sich alles in Worte und Worterklärungen herumdreht. Weil ich aber dahinterkommen wollte, wo denn Fritz Mauthner in seiner Art hinter das Reale dieser Mystik zu kommen sucht, so habe ich versucht, in seinem Wörterbuch nachzuschlagen, wo man bei ihm das finden könnte... [Lücke im Stenogramm].

[ 11 ] When I was a very young man, I knew an outstanding theologian, now dead, who was also very well educated in philosophy.7In all probability, the reference is to Laurenz Manner (1848–1911), a Catholic theologian and professor of philosophy Rudolf Steiner met in Vienna in the salon of Marie Eugenie delle Grazie. See The Course of My Life, GA 28, (Hudson, NY: Anthroposophic Press, 1986) and Vom Menschenrätsel (“On the Riddle of the Human Being”), GA 20, (Dornach, Switzerland: Rudolf Steiner Verlag, 1984). [Not published in English — Translator]. He always said, and rightly so, that behind every error there is something true and real we must look for. No idea is so crazy that we need not look for the reality behind it. This is also Mauthner's rationale in conceding that there must be something to mysticism after all. Obviously, there are still strange characters around who write books like Knowledge of the Higher Worlds and talk about our mystical relationship to spiritual worlds, but to him it is all nonsense. However, there has to be something in human nature that produces the emotions these crazy, mixed-up people call mysticism. There must be something behind it. If you try to find how Mauthner discovers what underlies mysticism, the most you can say after having read the entry on mysticism in his dictionary is that he keeps going around in circles.8In German, “his pigtail hangs behind him.” The reference is to a poem by Adalbert von Chamisso (1781–1838). Everything in this article revolves around words and definitions of words. But since I was interested in finding out how Mauthner, in his own way, attempts to get at what is behind mysticism, I looked it up in his dictionary to see what could be found there ... [gap in the stenographic record]

[ 12 ] Und da habe ich denn nicht nur den Artikel «Mystik» aufgeschlagen, sondern auch den Artikel «Liebe». Und ich finde eigentlich, daß dieser Artikel «Liebe» noch zu den am allerbesten geschriebenen gehört, denn er ist eigentlich ganz nett. Er stellt zuerst auch die Worterklärungen, die Definitionen der Liebe bei Spinoza, die kurze grobe Definition der Liebe bei Schopenhauer zusammen und erklärt dann auch, daß man unterscheiden müsse zwischen der wirklichen, seelisch gemeinten Liebe und der bloßen Erotik, dem Physischen, des in der Sexualität Beschlossenen. Also das alles läßt Mauthner gelten, und er schwingt sich sogar sehr schön zu Folgendem auf:

[ 12 ] So I looked up not only his entry on mysticism but also the one on love. I found the article on love to be one of his best, and very well written. It's actually very nice. Mauthner first mentions Spinoza's definition of love and Schopenhauer's brief and heavy-handed definition, and then he explains that it is necessary to distinguish between mere eroticism, which is strictly physical and confined to sexuality, and real love on a soul level. Mauthner admits all that, and even goes on to say something as elevated as this:

«Ich glaube, die einseitigen Denkgenies haben wohl für das pathologische Liebesgefühl, für den höchsten Grad der Liebe selten oder nie Verständnis gehabt, haben keine eigenen Erfahrungen gesammelt und sich nur bemüht, die Beschreibungen der Dichter begrifflich zu ordnen.»

I believe that people who are one-sided geniuses in thinking have seldom, if ever, had any understanding of love in its highest degree, of feelings of love taken to pathological extremes. They have not experienced it personally and have only tried to categorize the descriptions of poets.9The quotations on the following pages are from Mauthner's Wörterbuch der Philosophie, see note 3 above.

[ 13 ] Also er sagt: die Philosophen, die werden nicht viel von Liebe gewußt haben, die haben ja bei den Dichtern nachgeschaut.

[ 13 ] That is, the philosophers did not know much about love except what they looked up in books of poetry.

«Ich glaube, der höchste Grad des Liebesgefühls ist nur vom Künstler (etwa seit Petrarca) erfahren und beschrieben worden, ging durch die Macht der Nachahmung oder der Mode in die Vorstellungen der Gemeinsprache über, beherrscht in der Poesie sechs Jahrhunderte lang die Phantasie der Leser und ist gerade jetzt im Begriffe, von einer anderen Mode abgelöst zu werden. Der höchste Grad des Liebesgefühls ist eine ebensolche Rarität wie eine große Kunstschöpfung und wie die religiöse Vereinigung mit Gott, die Franziskus erlebt haben mag; dennoch schwätzt alle Welt von Religion, von Kunst und von Liebe. Was man so nennt, ist nur ein Surrogat für ein Gefühl, das von einer Million von Schwätzern kaum einer erlebt hat.»

I believe that love in its ultimate degree has been experienced and described only by artists (approximately since the time of Petrarch), and that it entered common parlance through the power of imitation or fashion and captured the imagination of readers for six hundred years, and is now in the process of being replaced by another fashion. Although the ultimate degree of love is as rare as a great artistic creation or the kind of religious union with God that St. Francis may have experienced, still the whole world babbles on about religion, art, and love. What they mean by all this are mere substitutes for emotions that perhaps one person in a million has actually experienced.

[ 14 ] Na, schön!

[ 14 ] So there!

«Der höchste Grad der Liebe, dessen Existenz ich also nicht leugne, hat wirklich etwas von einem Wunder an sich, man hat ja auch die Wunder als pathologische Erscheinungen erklären wollen. Ereignet sich der allerseltenste Fall, daß beide Geschlechtspartner den stärksten Grad der Liebe fühlen, so vollzieht sich gegen alle Naturgesetze das Wunder, daß Eines das Andere hebt, daß beide über der Erde schweben. Das dos uoi nov orw des Archimedes ist oder scheint aufgehoben. Ob Glück oder Tod, die Sehnsucht der Mystik ist erfüllt.»

The ultimate degree of love, whose existence I do not deny, is really something of a miracle—and people have also tried to explain miracles as pathological phenomena. In the most unlikely event that both sexual partners experience the highest degree of love, a miracle takes place in defiance of all the laws of nature: each one lifts the other and both float above the earth. Archimedes' principle is, or appears to be, superseded. Whether in happiness or in death, the longing of mysticism is fulfilled.

[ 15 ] Da haben Sie es! Es gibt also für einen Menschen wie Mauthner, der ganz und gar auf dem Boden unserer modernen Weltanschauung steht, nur das Liebesgefühl als einzige Möglichkeit, wo der Mensch doch solche Gefühle haben kann, die der vertrackte Mystiker in seinem Verhältnis zum Geistigen findet. Die sind nur im Liebesgefühl vorhanden. Denn das ist wirklich ein ehrlicher Satz eines solchen Menschen, der alle Beziehung zur geistigen Welt verloren hat: «Ob Glück oder Tod, die Sehnsucht der Mystik ist erfüllt.»

[ 15 ] There you have it. For someone like Mauthner, steeped in modern materialistic philosophy, the emotion of love is the only way human beings can experience the feelings “deranged” mystics experience in their relationship to spiritual things. “Whether in happiness or in death, the longing of mysticism is fulfilled” is a remarkably honest sentence coming from someone who has lost all connection to the spiritual world.

[ 16 ] Dann sagt Mauthner weiter:

[ 16 ] Mauthner continues:

«Ich habe bei dieser kleinen Untersuchung die vielen anderen Bedeutungen des Wortes Liebe absichtlich übersehen. Jetzt muß ich aber doch darauf hinweisen, daß auch die Mystik ihre Vereinigung mit Gott wie den brünstigsten und geistigsten Liebesgenuß empfindet, und daß namentlich Spinoza seine erste Liebesdefinition (im 3. Buche der Ethik und dann im 5. Buche) dazu benützt, den amor Dei, den amor erga Deum als die höchste Seligkeit des Menschen zu verkünden. Das Wesen der Mystik, die Sehnsucht, das Unaussprechliche auszusprechen, hat zu einem solchen Mißbrauch des Liebesbegriffes geführt, aber nicht nur in Spinozas pantheistischer Verstiegenheit, auch in Schopenhauers metaphysischen Zynismen steckt etwas von dieser bildhaften Mystik, die auch Cousin meinte mit seinen Worten: Wir lieben das Unendliche und bilden uns ein, die endlichen Dinge zu lieben.

Durch alle Grade der sogenannten Liebe geht das wohlbekannte Gefühl, in welchem wir den Geschlechtspartner mit einem adjektivischen Worte lieb nennen; unsere Empfindung dabei, die ebenso subjektiv ist, haben wir überall mit dem falsch gebildeten verbalen Wort lieben bezeichnet: der Versuch, für die Empfindung ein objektives, substantivisches Wort zu bilden, das Wort Liebe, hat in der Sprache solches Glück gehabt, daß die Menschen sich eingeredet haben, die Empfindung wäre ebenso häufig zu finden wie das Wort.»

For the purposes of this little investigation, I have deliberately overlooked many other meanings of the word “love.” At this juncture, however, I must still point out that union with God is experienced by mysticism as the pleasure of love at its most passionate and most spiritual, and that Spinoza made use of his first definition of love (in Book III and Book V of his Ethics) to proclaim the love for God, the amor erga Deum, as the highest bliss known to human beings. The longing to give expression to the inexpressible is intrinsic to mysticism, and this has led to considerable misuse of the concept of love. There is something of this vivid mysticism not only in Spinoza's pantheistic extravagance, but also in Schopenhauer's metaphysical cynicism. It is also what Cousin meant when he said that we love the infinite and imagine we love finite things.

The well-known feeling that leads us to call our sexual partners “lovers” runs through so-called love in all its various degrees. And we describe our very subjective experience through the unwarranted use of the corresponding verb “to love.” The attempt to find an objective noun, namely, the word “love” to describe this experience met with such success that people have persuaded themselves that the experience itself is as common as the word “love” has become.

[ 17 ] Also Sie sehen, meine lieben Freunde, wenn die moderne Welt des Materialismus aus ihren Grundimpulsen heraus versucht, sich einen Begriff von Mystik zu bilden, dann ist sie dazu gezwungen, sich zu sagen: Das, was der Mystiker erträumt, findet man realiter bloß im Liebesgefühl; das heißt, es wird alles Geistige heruntergeholt in eine verfeinerte Erotik.

[ 17 ] As you can see, when the modern materialistic world tries to formulate a concept of mysticism out of its own fundamental impulses, it is forced to conclude that what mystics dream of can only be found in the emotion of love in the real world; that is, everything spiritual is dragged down into a refined version of eroticism.

[ 18 ] Charakteristisch ist es, daß zum Beispiel Mauthner die eigentümliche Art heranzieht, wie Nietzsches Geisteswesen von einer Freundin Nietzsches, von Frau Lou Andreas-Salome, in ihrem Buch über Nietzsche charakterisiert worden ist: eben auch als eine Art verfeinerter Erotik. Und es ist interessant, wie sich Fritz Mauthner gerade zu dieser Darstellung Nietzsches durch Frau Lou Andreas-Salome stellt. Er sagt:

[ 18 ] It is typical, for instance, that Mauthner brings up the particular way in which a woman friend of Nietzsche's, the author Lou Andreas-Salomé,10Lou Andreas-Salome, 1861–1937, German writer. Daughter of a German general in the service of the Russians, wife of Orientalist F. C. Andreas, a friend of Nietzsche and Rilke, with connections to Freud and psychoanalysis. She wrote novels, short stories, and nonfiction. describes Nietzsche's intellect as a type of refined eroticism.11Lou Andreas-Salome, Friedrich Nietzsche in seinen Werken, (“Friedrich Nietzsche in His Writings”), 1894. It is interesting, too, how Mauthner reacts to her portrayal of Nietzsche. He says:

«Neuerdings hat nach so vielen Männern auch eine Frau die Philosophie der Liebe zu erkennen versucht, Lou Andreas-Salomé, die von der Firma Nietzsche um ihres vorzüglichen NietzscheBuches willen gründlich gehaßte Freundin Nietzsches. Frau Lou ist in ihren Ausführungen sehr fein; sie wagt es, die Treue grundsätzlich nicht als Eigenschaft der Liebe anzuerkennen, und sie schlägt die Brücke zwischen der Phantasie des Künstlers und der Phantasie der Liebenden (Die Erotik S. 25f.). Aber auch Frau Lou vergeistigt den Akt so sehr, daß eine begriffliche Scheidung zwischen dem Wollustgefühle und der geistigen Begleiterscheinung nicht zustande kommt.»

Recently, after so many attempts by men, a woman, Friedrich Nietzsche's friend Lou Andreas-Salome, has also tried to formulate a philosophy of love in her excellent book on Nietzsche, which won her the hatred of the entire Nietzsche clan. She is very subtle in her expositions, but bold enough to refuse to accept fidelity as an attribute of love, and she forges a link between the artist's fantasy and that of lovers (“Eroticism,” p. 25). She too, however, intellectualizes the act to such an extent that there seems to be no conceptual distinction between sensuality and the intellectual phenomena accompanying it.

[ 19 ] Männer und Frauen also sprechen sich so aus, wie man in der gegenwärtigen Zeit selbst im Denken genötigt ist, an die Stelle der Beziehungen der Seele zur geistigen Welt das zu setzen, was die Menschenseele durchpulst als mehr oder weniger - das hängt vom Charakter des Menschen ab - verfeinerte Erotik.

[ 19 ] In other words, then, from the way men and women express themselves, we see that nowadays, even in our thinking, we have to replace our relationship to the spiritual world with the eroticism throbbing in our souls—a more or less refined eroticism, depending on the character of the individual in question.

[ 20 ] Alle diese Dinge hängen doch mit dem materialistischen Grundzug unserer Zeit zusammen. Dieser materialistische Grundzug unserer Zeit hat zugleich notwendig zur Folge, daß sich Unwahrhaftigkeit einstellt, namentlich da, wo man nicht so ehrlich zu Werke geht, daß man sagt: Wir kennen eigentlich von Mystik nichts als die reale Seite, die identisch ist mit dem Erotischen. Die Unwahrhaftigkeit kommt dann zutage, wenn man das Erotische meint, aber über das Erotische den Schleier mystischer Begriffe hinüberlegt. Wahrhaftiger ist wirklich noch ein Materialist, der einfach sagt: Ich sehe in der ganzen Mystik eigentlich nur Erotik -, als derjenige, der von der Erotik ausgeht, aber um es zu kaschieren, in mystischen Formeln bis in die höchsten Welten hinaufklettert. Man kann manchmal geradezu die Leitern sehen, auf denen solche Leute hinaufkraxeln bis in die höchsten Plane, um das mystisch zu kaschieren, was eigentlich nichts weiter ist als Erotik. Wir haben also auf der einen Seite die theoretische Angliederung des Mystik-Begriffes an den Begriff der Erotik, auf der anderen Seite den Zug unserer Zeit, herunterzusinken in Erotisches und das Hineintragen von allerlei möglichst unklarer Mystik, unklarer, unverstandener Mystik in die schwüle Erotik.

[ 20 ] This all has to do with the fundamental materialistic tendency of our times, which also leads to untruthfulness when people are not honest enough to admit that all they know about mysticism is the aspect that is identical to eroticism. Untruthfulness emerges when these people talk about eroticism but conceal it behind a veil of mystical concepts. Materialists who freely admit that they see nothing but eroticism in all of mysticism are actually much more honest than people who take eroticism as their starting point but hide it behind mystical formulas as they clamber up to the very highest worlds. Sometimes you can almost see the ladders they are using to scramble up to the very highest planes of existence in order to have a mystical cover-up for something that is actually nothing more than eroticism. On the one hand, then, we have the theoretical linking of mysticism to eroticism, and on the other hand the tendency of our modern times to sink down into eroticism and drag all kinds of murky, misunderstood mysticism into it.

[ 21 ] Meine lieben Freunde, daß klare Vorstellungen über diese Dinge in der Anthroposophischen Gesellschaft sich verbreiten mögen, das war dasjenige, warum ich vor einiger Zeit als Aufforderung an Sie gerichtet habe, daß Arbeit geschehe, um jene mystische Verschrobenheit auszumerzen, welche aus der eben charakterisierten Vermischung entsteht; daß in einer gewissen Weise gerade diejenigen, die gut erkennen den Charakter edler Geistigkeit, wiederum sich aufschwingen zu dem Standpunkte, von Geistigem zu sprechen da, wo Geistiges wirklich vorhanden ist, und nicht die subjektiven Emotionen in geistige Formen einzukleiden. Und weil mir bewußt ist, daß nicht überall klare Begriffe in dieser Beziehung herrschen, meine lieben Freunde, deshalb habe ich vor einiger Zeit den Appell an die Gesellschaft gerichtet, einige Klarheit über diese Dinge zu schaffen. Aber die Zeit wird lehren, ob wir dazu imstande sind.

[ 21 ] Some time ago I challenged you to work on eradicating the mystical eccentricities that come about through the kind of mingling of spheres I described, so that people who are well able to recognize the noble character of spirituality will once again be able to rise to the perspective needed to speak about spirituality where spirituality is actually present, without clothing subjective emotions in spiritual forms. In making this appeal, I hoped to create some degree of clarity in these matters within the Anthroposophical Society, so that clear thinking might prevail.12See Address of August 21, 1915, in Part Two of this volume, p. 141. Time alone will tell whether we will actually be able to accomplish this.

[ 22 ] Ich habe gestern angedeutet, daß in älteren Zeiten, ja bis in unsere Zeit herauf, man ein anderes, viel radikaleres Mittel gewählt hat, um die Bedingungen zu erfüllen, die einer geisteswissenschaftlichen Gesellschaft - welcher Form auch immer - zugrunde liegen müssen: Man hat einfach einen Teil der Menschheit, das eine Geschlecht ausgeschlossen, damit das andere dadurch bewahrt geblieben ist vor allerlei Vermischungen höherer geistiger Begriffe mit Begriffen des natürlichen Menschenlebens auf dem physischen Plan. Geistiges zu denken gehört der geistigen Welt an, und im gesunden Sinne müssen wir uns dazu aufschwingen, zu wissen, daß es viel, viel schlimmer ist, von gewissen Dingen des naturgemäßen Zusammenlebens der Menschen in mystischen Formeln zu sprechen, die nicht hingehören in dieses Gebiet, als dieses Gebiet in voller Wahrheit mit dem rechten Namen zu benennen und sich einzugestehen, wie dieses Gebiet eben ein Gebiet des physischen Planes sein muß. Für den, der in wahrem Sinne ein Mystiker ist, ist es eine furchtbare Sache, wenn irgend jemand einfach denjenigen Trieb, der ihn dazu bringt, das zu erfüllen, was - verzeihen Sie - Schopenhauer in seiner eigentümlich grobklotzigen Charakterisierung der Liebe mit folgenden Worten bezeichnet: «Die sämtlichen Liebeshändel der gegenwärtigen Generation zusammengenommen sind demnach des ganzen Menschengeschlechts» - das ist nicht meine, sondern Schopenhauers Ansicht! «ernstliche meditatio compositionis generationis futurae, e qua iterum pendent innumerae generationes.»

[ 22 ] In former times (and in fact until quite recently, as I pointed out yesterday), a much more radical means was used to safeguard the basic requirements of any kind of spiritual scientific society. It was a simple matter of excluding one entire sex, half of humanity, so that the other half would be spared the dangers inherent in mixing elevated spiritual concepts with thoughts of natural human activity on the physical plane. Thinking about spiritual matters belongs to the spiritual world. We must come to the healthy realization that it is much worse to talk about certain aspects of natural human interaction in mystical formulas that do not belong to this natural level than it is to call these things honestly by name and admit that this aspect belongs to the physical plane and must remain there. Schopenhauer, in his singularly heavy-handed fashion, characterized love as follows: “The sum total of the current generation's love affairs are thus the human race's ‘earnest meditatio composition is generationis fu fume, e qua iterum pendent innumerae generationes’ ”—the earnest meditation of the human race as a whole on the composition of generations to come, on which in turn countless generations depend.13Arthur Schopenhauer, The World as Will and Representation, trans. E. F. J. Payne, (Indian Hills, Colorado: Falcon's Wing Press, 1958), Vol. II, Addenda to Book 4, Chapter 44, “Metaphysics of Sexual Love.” This passage is also quoted in Mauthner's Wörterbuch der Philosophie in the entry on “Love.” Well, that's Schopenhauer's opinion, not mine!

[ 23 ] Also in seiner grobklotzigen Metaphysik sagt Schopenhauer: Die sämtlichen Liebeshändel der gegenwärtigen Generation zusammengenommen sind demnach des ganzen Menschengeschlechtes ernste Meditation über die Zusammensetzung der künftigen Generation, von der wiederum zahllose solche Generationen abhängen.

[ 23 ] Not translated

[ 24 ] Wenn jemand einen so gearteten Trieb nicht in seiner Wahrheit gelten läßt, sondern ihn dadurch verbrämt, daß er etwa sagt: Ich bin verpflichtet, dies oder jenes zu tun, um einer sehr bedeutenden Individualität die Möglichkeit zu verschaffen, in die Welt hereinzukommen -, dann ist das etwas Greuliches für denjenigen, der in Ernst und Würde Mystik pflegen will.

[ 24 ] It is a terrible thing to see people deny the rightful place of such urges and disguise them by saying, for example, that they are obliged to do what they do so that an extremely important individuality can incarnate. That is really an abomination in the eyes of someone trying to practice mysticism in all earnestness and dignity.

[ 25 ] Und auch das ist zu berücksichtigen, meine lieben Freunde, daß Mystik nicht ein Faulbett sein soll für die Menschheit. Sie wird aber zu einem gemacht, wenn gesunde Begriffe durch kranke Begriffe auf mystische Art ersetzt werden. Hier auf dem physischen Plan hat der Mensch zu gelten durch dasjenige, wozu er den guten Willen hat zu arbeiten, wirklich zu arbeiten. Wenn er nicht arbeiten will und seinen Wert sich erschleichen will dadurch, daß er nicht durch das, was seine Arbeit wert ist, taxiert sein will, sondern dadurch, daß er sagt: Nun, ich habe Anspruch darauf, als etwas Besonderes genommen zu werden, weil ich diese oder jene Wiederverkörperung bin -, dann heißt das, sich aufs mystische Faulbett zu legen; man will anerkannt sein für etwas, ohne daß man etwas tut. Das ist der ganz gewöhnliche, triviale Begriff der Sache. Und wenn die Bemühungen in unserer Zeit dahin gehen müssen, meine lieben Freunde, dahin gehen müssen heute in unserer Zeit, rückhaltlos vor beiden Geschlechtern Geisteswissenschaft zu pflegen, so muß, so wie früher ein Zwangsdamm vorhanden war, heute ein Damm darinnen bestehen, daß die beiden Geschlechter in dem Ernst und in der Würde ihrer Lebensauffassung, in der Entfernung aller Phantastik, die doch immer mit den untergeordneten Trieben der Menschheit zusammenhängt, in Ernst und Würde die Erkenntnis der höheren Welten suchen. Dann wird es nicht möglich sein, daß Irrtümer über Irrtümer sich über dasjenige verbreiten, was in der oder jener phantastischen Seele aus der Pflege des mystischen Faulbetts heraus entsteht. Die Mystik, meine lieben Freunde, verlangt nicht, daß man fauler werde als die anderen Menschen draußen im Leben, die nichts für Mystik übrig haben, sondern daß man noch fleißiger als diese werde. Und die mystische Moral kann nicht ein Hinuntersinken sein unter die Anschauungen der anderen Menschen, sondern ein Hinaufsteigen über diese. Und wenn wir uns nicht bemühen, solche Dinge wie das, was ich als «Sprengelismus» bezeichnen möchte - wenn wir uns nicht bemühen, alles ähnliche wie den «Sprengelismus» auszumerzen aus unserer Gesellschaft, dann, meine lieben Freunde, kommen wir nicht weiter!

[ 25 ] We must also take into account the fact that mysticism is not intended as an excuse for laziness on our part. That is what it becomes, however, when healthy concepts are replaced by unhealthy ones in the name of mysticism. Here on the physical plane, people are supposed to make their mark through good will and work—real hard work. If they prefer to gain recognition under false pretenses rather than on the merits of their work, and demand special treatment by virtue of being the reincarnation of somebody or other, then they are using mysticism as an excuse. They want to be recognized as someone special without doing a thing. This is a very trivial and vulgarized way of looking at the matter. If we are making every effort, as indeed we must nowadays, to foster spiritual science openly in the presence of both sexes, the old compulsory bans must be replaced by a serious and dignified attitude on the part of both men and women as they seek to acquire knowledge of the higher worlds. We must succeed in eliminating from this search all the fantasies bound up with our lower human drives. Only then will we be able to prevent the proliferation of errors originating in the illusions of individuals prone to mystical laziness. Mysticism, my friends, does not ask us to become lazier than the people out there who care nothing about it. If anything, it requires us to be more diligent than they are. And mystical morality cannot mean sinking below the moral level of other human beings; rather we must advance beyond it. If we do not make a serious effort to eradicate anything resembling “Sprengelism,” as I would like to call it, from our Society, we will make no progress.

[ 26 ] Ich werde nun in diesen Betrachtungen fortfahren, je nachdem, wie es sich aus dem Verlaufe der heutigen Versammlung ergibt.1Da Rudolf Steiner nicht daran teilnahm, wurde auch nicht stenographiert. Es wird sich ja zeigen, wie weit die heutige Versammlung kommt, und dann werde ich ankündigen, wann ich diese Betrachtungen fortsetze.

[ 26 ] How I will continue with this series of lectures depends on the course of your meeting today.14No stenographic record was kept of this meeting, since Rudolf Steiner did not participate in it. Let us first see how far you get in this meeting, and then I will announce when we will continue.