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Anthroposophical Community Building
GA 257

4 March 1923, Dornach

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Zehnter Vortrag

Tenth Lecture

[ 1 ] Ich möchte nun auch über den zweiten der Vorträge, die ich in Stuttgart gehalten habe, einen Bericht geben, nicht so sehr einen wörtlichen Bericht, als vielmehr die Dinge, die in diesem Vortrage gesprochen worden sind, eben auch hier besprechen, um noch einzelne Bemerkungen daran zu knüpfen über die Stuttgarter Versammlung. Bei diesem zweiten Vortrage hat es sich darum gehandelt, die Gründe aufzuzeigen dafür, daß in einer solchen Gesellschaft wie der anthroposophischen, trotzdem es in ihr gerade nicht sein sollte, leicht auch das vorkommt, was in andern ähnlichen Gesellschaften eine wohlbekannte Tatsache für alle diejenigen ist, die mit der Geschichte solcher Gesellschaften bekannt sind, ich meine Gesellschaften, die auf einer gewissen geistigen Weltanschauung beruhen. Sie wissen ja, solche Gesellschaften hat es immer gegeben. Je nach den verschiedenen Zeitaltern der Menschheit waren sie gestaltet. In älteren Zeiten hat man eine andere Art des Bewußtseins gehabt, um in die geistigen Welten einzudringen, heute hat man wiederum eine andere. Und es handelt sich darum, daß in der Regel diejenigen, die sich zusammengeschlossen haben, um auf Grundlage einer höheren, übersinnlichen Einsicht eine Wissenschaft zu begründen, gewöhnlich, ja eigentlich immer unter ihre Grundsätze auch den aufgenommen haben, Brüderlichkeit unter den Mitgliedern zu entfalten. Sie wissen aber auch, und das wissen namentlich diejenigen gut, die mit der Geschichte solcher Gesellschaften bekannt sind, daß diese Brüderlichkeit leicht Brüche erfahren hat, ja, daß gerade in solchen auf geistigen Grundlagen errichteten Gesellschaften die stärksten Disharmonien, ja oft die schlimmsten Unbrüderlichkeiten sich entwickelt haben. Nun ist die Anthroposophische Gesellschaft, wenn Anthroposophie richtig erfaßt wird, durchaus geschützt vor solcher Unbrüderlichkeit. Aber sie wird eben nicht immer richtig erfaßt. Sie kann aber vielleicht richtiger erfaßt werden, als das oftmals geschieht, wenn man, sich gerade über die Gründe dieser Unbrüderlichkeit ein wenig klar wird.

[ 1 ] I would now like to report on the second of the lectures I gave in Stuttgart—not so much a verbatim account as a discussion here of the points raised in that lecture, in order to add a few further remarks regarding the Stuttgart gathering. This second lecture dealt with the reasons why, in a society such as the anthroposophical one—even though it should certainly not be the case there—what occurs in other similar societies is a well-known fact to all those familiar with the history of such societies; I mean societies based on a certain spiritual worldview. As you know, such societies have always existed. They took different forms depending on the various eras of human history. In earlier times, people had a different kind of consciousness for penetrating the spiritual worlds; today, they have yet another. And the point is that, as a rule, those who have come together to establish a science based on higher, supersensible insight have usually—indeed, almost always—included among their principles the cultivation of brotherhood among their members. But you also know—and this is particularly well known to those familiar with the history of such societies—that this brotherhood has easily been fractured; indeed, that it is precisely in such societies, founded on spiritual principles, that the strongest disharmonies, and often the worst instances of unbrotherliness, have developed. Now, if anthroposophy is properly understood, the Anthroposophical Society is thoroughly protected from such unbrotherliness. But it is not always properly understood. It can, however, perhaps be understood more correctly than is often the case if one gains a little clarity regarding the very reasons for this unbrotherliness.

[ 2 ] Betrachten wir dazu noch einmal die Dinge, die ich gestern Ihnen vor das Seelenauge geführt habe. Ich habe gesagt: Wir unterscheiden zunächst drei Bewußtseinsstufen, die eine ist die des wachen Tageslebens, dann haben wir das Traumbewußtsein und endlich den von Träumen nicht durchsetzten Schlaf. Der Mensch erlebt seine Traumbilder als eine Welt. Er ist auch in dem Augenblick des Träumens durchaus in der Lage, die Träume für Wirklichkeiten zu halten; für solche Wirklichkeiten hält er sie, wie eigentlich die Erscheinungen, die Tatsachen der physischen Welt, in der er sich wachend befindet. - Aber es ist doch eben, wie ich schon gestern gesagt habe, ein gewaltiger Unterschied zwischen den Traumerlebnissen und den Erlebnissen des Alltags vorhanden. Mit den Traumerlebnissen ist der Träumende isoliert. Ein anderer, sagte ich, kann neben ihm schlafen, hat andere Träume, kann also eine ganz andere Welt haben. Beide verständigen sich nicht während des Träumens über ihre jeweiligen Welten. Und wenn zehn Menschen in einem Raume schlafen, so kann jeder seine eigene Welt vor seinem Bewußtsein haben. Das ist schließlich für denjenigen, der gerade geisteswissenschaftlich in die oft ja wunderbare Welt der Träume eintauchen kann, gar nicht besonders verwunderlich, denn die Welt, in welcher der Mensch träumend lebt, ist auch eine wirkliche Welt. Nur hängt sie durch ihre Bilder mit denjenigen Dingen zusammen, die den Menschen als einzelne menschliche Persönlichkeit ganz allein angehen. Gewiß kleidet der Traum dasjenige, was in ihm erlebt wird, in die Bilder der physischen Welt; allein ich habe ja oftmals darauf aufmerksam gemacht: diese Bilder sind die Einkleidungen des Traumes. Die Wirklichkeit - und es steckt auch in dem Traum durchaus Wirklichkeit - ist eben doch eigentlich hinter diesen Bildern, für diese Wirklichkeit sind diese Bilder nur der oberflächliche Ausdruck.

[ 2 ] Let us once again consider the things I presented to your inner eye yesterday. I said: We first distinguish three levels of consciousness—one is that of waking daily life, then we have dream consciousness, and finally sleep that is not interspersed with dreams. A person experiences their dream images as a world. Even in the moment of dreaming, they are fully capable of taking dreams for reality; they regard them as such realities, just as they do the phenomena and facts of the physical world in which they find themselves while awake. - But, as I already said yesterday, there is indeed a vast difference between dream experiences and everyday experiences. In dream experiences, the dreamer is isolated. Another person, I said, may be sleeping next to him, having different dreams—and thus inhabiting an entirely different world. The two do not communicate with one another about their respective worlds while dreaming. And if ten people are sleeping in one room, each can have their own world unfolding before their consciousness. After all, this is not particularly surprising for those who, through Spiritual Science, are able to immerse themselves in the often truly wondrous world of dreams, for the world in which a person lives while dreaming is also a real world. It is simply connected, through its images, to those things that concern the individual as a unique human personality. Certainly, the dream clothes what is experienced within it in the images of the physical world; yet I have often pointed out: these images are the garments of the dream. Reality—and there is certainly reality within the dream as well—actually lies behind these images; for this reality, these images are merely a superficial expression.

[ 3 ] Wer in geisteswissenschaftlichem Sinne sich an die Träume heranmacht, um ihre Bedeutung kennenzulernen, der sieht nicht auf die Bilder, sondern auf die hinter den Bildern ruhende Dramatik des Traumes. Dem einen können diese Träume vor Augen stehen, dem andern jene Träume, aber es findet sich zum Beispiel bei beiden Träumenden, sagen wir ein Aufstieg, ein Stehen vor einem Abgrund oder vor irgendeiner Gefahr, eine Lösung. Diese Dramatik, das ist das Wesentliche, das sich dann nur in die Bilder kleidet. Und was da als Traumdramatik auftritt, das wurzelt oftmals in lang vergangenen Erdenleben, oder es weist auch hin auf spätere Erdenleben. Dasjenige, was der sich fortziehende Schicksalsfaden im menschlichen Leben ist, vielleicht durch viele Erdenleben, das ist es, was in die Träume hineinspielt. Der Mensch hat es im Traume durchaus mit dem zu tun, was sein individueller Kern ist. Er ist ja auch außer dem Leibe mit seinem Ich und mit seinem astralischen Leibe; also er ist außer dem Leibe mit seinem Ich, das er von Erdenleben zu Erdenleben trägt, und er ist in seinem astralischen Leib, das heißt in derjenigen Welt, die miterleben kann die ganze Umgebung von Vorgängen und Wesen, in denen wir sind, bevor wir zur Erde herniedersteigen, und wiederum, wenn wir durch den Tod hindurchgegangen sind, um in einer übersinnlichen Welt zu leben.

[ 3 ] Anyone who approaches dreams from a Spiritual Science perspective in order to understand their meaning does not focus on the images themselves, but rather on the underlying drama of the dream that lies behind them. One person may have certain dreams before their eyes, another different ones, but what is found, for example, in both dreamers—let’s say an ascent, standing before an abyss or some kind of danger—is a resolution. This drama is the essential element, which is then merely clothed in images. And what appears as dream drama is often rooted in long-past earthly lives, or it may also point to future earthly lives. That which is the unfolding thread of destiny in human life—perhaps through many earthly lives—is what plays a role in the dreams. In dreams, the human being is indeed dealing with what constitutes his or her individual core. After all, he or she is outside the body with his or her “I” and with his or her astral body; that is, outside the body with their “I,” which they carry from one earthly life to the next, and they are in their astral body—that is, in the world that can witness the entire environment of events and beings in which we find ourselves before we descend to Earth, and again after we have passed through death to live in a supersensible world.

[ 4 ] Aber wir sind auch von unserem physischen Leib und von unserem Ätherleib im Schlafe isoliert. Die Träume kleiden sich erst in Bilder, wenn der astralische Leib an den Ätherleib anstößt oder ihn eben verläßt, also beim Aufwachen oder Einschlafen. Aber als Träume sind sie vorhanden, wenn der Mensch auch im gewöhnlichen Bewußtsein keine Ahnung davon hat. Der Mensch träumt vom Abend bis zum Morgen während seines ganzen Schlafens. Da ist er immer beschäftigt mit dem, was eigentlich nur ihn angeht. Wenn der Mensch nun aufwacht, dann ist er in derjenigen Welt, in der er gemeinschaftlich mit seinen Mitmenschen ist. Da können nicht zehn Menschen in einem Zimmer sein und jeder im wesentlichen seine eigene Welt haben, sondern sie alle haben die Innenverhältnisse des Zimmers zu ihrer gemeinsamen Welt. Auf dem physischen Plane erleben zunächst die Menschen, die zusammen sind, ihre gemeinsame Welt. Und dann habe ich gestern darauf aufmerksam gemacht: es sei schon notwendig, daß eine Art Ruck des Bewußtseins, daß wieder ein Aufwachen stattfinde für diejenigen Welten, aus denen uns dann die wirklichen Erkenntnisse über die Übersinnlichkeiten kommen, jene Erkenntnisse, welche vom wahren Wesen des Menschen handeln und die ja gerade in der Anthroposophie zugänglich werden sollen. Wir haben also drei Stufen des Bewußtseins.

[ 4 ] But we are also isolated from our physical body and our etheric body while we sleep. Dreams only take on the form of images when the astral body comes into contact with the etheric body or leaves it—that is, upon waking or falling asleep. But they exist as dreams even when a person has no inkling of them in ordinary consciousness. A person dreams from evening until morning throughout the entire duration of sleep. During this time, they are always occupied with matters that concern only themselves. When a person wakes up, they find themselves in the world where they share existence with their fellow human beings. It is not possible for ten people to be in a room, each essentially inhabiting their own world; rather, they all share the inner conditions of the room as their common world. On the physical plane, people who are together first experience their shared world. And then, as I pointed out yesterday: it is indeed necessary for a kind of jolt of consciousness to occur—a reawakening—to those worlds from which our true insights into the supersensible come, those insights that deal with the true nature of the human being and which are precisely meant to become accessible through anthroposophy. We thus have three levels of consciousness.

[ 5 ] Nehmen wir aber jetzt den folgenden Fall an: Die Art des Bewußtseins in Bildern, die der schlafende Mensch mit vollem Rechte entwickelt, setzt sich fort in das gewöhnliche alltägliche Bewußtsein, in die physische Welt herein. Diese Fälle kommen vor. Durch krankhafte Vorgänge im menschlichen Organismus stellt der Mensch in der physischen Welt so vor, wie er sonst nur im Traume vorstellt: er lebt in Bildern, die nur ihm angehören. Es ist dies bei abnormen Geisteszuständen, wie man sie nennt, der Fall. Eigentlich sind es Zustände, die durch irgend etwas Krankhaftes im physischen oder im ätherischen Organismus hervorgerufen werden. Da kann sich der Mensch gewissermaßen von dem Erleben der äußeren Welt ausschließen wie sonst nur im Schlafe. Dafür aber steigen, durch seinen krankhaften Organismus veranlaßt, ähnliche Bilder in ihm empor, wie sie sonst nur im Traum vorkommen. Gewiß, von der, ich möchte sagen, läßlichsten Störung des normalen Seelenlebens des Menschen bis zu den Geisteskrankheiten haben wir ja alle Abstufungen. Aber was tritt dann ein, wenn der Mensch die Traumbewußtseinsverfassung hereinträgt in das gewöhnliche physische Erdenleben? Dann steht er neben seinem Nebenmenschen so, wie eben der Träumende neben seinem Nebenmenschen schläft. Dann isoliert er sich, dann hat er etwas in seinem Bewußtsein, das sein Nebenmensch nicht hat. Und dann tritt bei einem solchen Menschen, ohne daß er schließlich im hohen Maße dafür verantwortlich ist, ein besonderer Egoismus hervor. Er kennt nur das, was in seiner Seele lebt, er kennt nicht das, was in der Seele des andern lebt. Wir Menschen werden dadurch veranlaßt, miteinander zu leben, daß wir gemeinsame Sinnesempfindungen haben, über die wir uns dann wieder gemeinsame Gedanken machen. Wenn aber jemand das, was Seelenverfassung im Traume ist, herausbringt in das gewöhnliche Erdenleben, so isoliert er sich zum Egoismus, so geht er neben seinem Nebenmenschen hin und behauptet Dinge als wahr, die der andere eben nicht erlebt. Und Sie werden ja selbst schon im Leben erfahren haben, zu welchen Graden von Egoismus das verführt, wenn der Mensch das Traumleben in das gewöhnliche Alltagsleben hereinträgt.

[ 5 ] But let us now consider the following case: The kind of consciousness in images that a sleeping person quite rightly develops continues into ordinary, everyday consciousness, into the physical world. Such cases do occur. Due to pathological processes in the human organism, a person perceives the physical world in a way that he or she would otherwise only experience in dreams: he or she lives in mental images that belong only to him or her. This is the case with so-called abnormal mental states. In reality, these are states caused by some pathological condition in the physical or etheric organism. In such cases, a person can, in a sense, shut themselves off from the experience of the external world—as they otherwise do only in sleep. Instead, however, prompted by their diseased organism, images arise within them that are similar to those that otherwise occur only in dreams. Certainly, we have all degrees of variation, ranging from what I might call the most trivial disturbance of a person’s normal mental life to mental illnesses. But what happens when a person carries this dream-like state of consciousness into ordinary physical life on earth? Then he stands beside his fellow human being just as the dreamer sleeps beside his fellow human being. Then he isolates himself; then he has something in his consciousness that his fellow human being does not have. And then, in such a person—without them ultimately being largely responsible for it—a particular form of selfishness emerges. They know only what lives in their own soul; they do not know what lives in the soul of the other. We humans are led to live together because we share sensory experiences, about which we then form shared thoughts. But when someone brings what is a state of mind in a dream into ordinary earthly life, they isolate themselves into selfishness; they walk alongside their neighbor and assert as true things that the other person simply does not experience. And you yourself will surely have experienced in life the degrees of selfishness to which this leads when a person carries their dream life into ordinary everyday life.

[ 6 ] Dieselbe Verirrung aber kann vorkommen, wenn der Mensch sich nun vereinigt mit andern Menschen, sagen wir in irgendeiner Gruppe, um anthroposophische Wahrheiten zu pflegen, und das nicht eintritt, was ich gestern charakterisiert habe: daß in solchen Gruppen die eine Seele an der andern erwacht zu einem gewissen höheren, wenn auch nicht Bewußtsein, so doch zu einem gewissen höheren Empfinden, zu einem intensiven höheren Erleben. Dann wird der Grad von Selbstsucht, den man in der physischen Welt mit Recht hat, hineingetragen in die Auffassung der geistigen Welt. Und geradeso wie jemand, der sein Traumbewußtsein hereinbringt in die physische Welt, ein Egoist wird in der physischen Welt, so wird man zwar in einem andern Grade, aber doch eben ein Egoist für die geistige Welt, in der Auffassung der geistigen Welt, wenn man die ganze Seelenstimmung, Seelenverfassung, die richtig ist für die physische Welt, hineinträgt in die Auffassung der höheren Welten.

[ 6 ] The same deviation, however, can occur when people come together—say, in some group—to cultivate anthroposophical truths, and what I described yesterday does not take place: that in such groups one soul awakens the other to a certain higher—if not consciousness, then at least a certain higher sensibility, an intense, higher experience. Then the degree of self-interest that one rightly possesses in the physical world is carried over into one’s conception of the spiritual world. And just as someone who brings their dream consciousness into the physical world becomes an egoist in the physical world, so too—albeit to a different degree— but nonetheless an egoist in the spiritual world—in one’s perception of the spiritual world—when one carries the entire soul mood and state of mind, which is appropriate for the physical world, into one’s perception of the higher worlds.

[ 7 ] Aber so geht es ja vielen Menschen. Sie interessieren sich aus einer gewissen Lebenssensation heraus dafür, daß der Mensch aus physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und Ich besteht, daß er wiederholte Erdenleben hat, daß er ein Karma hat. Sie informieren sich darüber so, wie man sich über irgendeine Wahrheit oder eine Tatsache der physischen Welt informiert. Wir sehen ja, wie das alle Tage gerade heute geschieht in dem Kampfe, den man gegen Anthroposophie führt. Da kommen zum Beispiel die gewöhnlichen Wissenschafter und sagen: Anthroposophie soll geprüft werden durch die gewöhnliche Wissenschaft. Das wäre gerade so, als wenn man dasjenige, was in der physischen Welt vor sich geht, prüfen wollte an den Bildern des Traumes. Wie absurd wäre es, wenn jemand sagen würde: Daß hier so und so viele Menschen versammelt sind in diesem Zimmer, daß hier ein anthroposophischer Vortrag gehalten wird, das glaube ich erst dann, wenn es mir nachher geträumt hat. - Denken Sie, wie absurd das wäre! Aber ebenso absurd ist es, wenn jemand anthroposophische Wahrheiten hört und sagt, er glaube sie erst dann, wenn es ihm die gewöhnliche Wissenschaft, die nur auf dem physischen Plane Berechtigung hat, bewiesen hat. Man braucht nur ernsthaftig sachlich auf die Dinge einzugehen, so sind sie ja durchaus durchsichtig. Geradeso wie derjenige ein Egoist wird, der seine traumhaften Vorstellungen hereinträgt in die physische Welt, so isoliert sich in einem höheren Grade, sondert sich von den andern Menschen ab, will nur ganz sein Recht haben, wer nun die gewöhnliche Auffassung, die man über alle die Dinge von Mensch zu Mensch hat, hineinbewahrt in die Auffassung, die er haben sollte von der höheren Welt. Aber das machen eben schon die Menschen. Die meisten wollen ja sogar schon bei der Anthroposophie etwas Besonderes. Sie finden in ihrer Lebensauffassung dies oder jenes dort ihrem Gefühl, ihrem Empfinden entsprechend; das hätten sie gerne. Deshalb nehmen sie es als wahr an, und weil ihnen das in der physischen Welt nicht bewiesen wird, möchten sie es gerade von der Anthroposophie bewiesen haben.

[ 7 ] But that is how it is for many people. Out of a certain fascination with life, they take an interest in the fact that human beings consist of a physical body, an etheric body, an astral body, and an “I”; that they have repeated earthly lives; and that they have karma. They seek information about this in the same way one seeks information about any truth or fact of the physical world. We see this happening every day, especially today, in the campaign being waged against anthroposophy. For example, conventional scientists come along and say: Anthroposophy must be tested by conventional science. That would be just like trying to verify what happens in the physical world using images from a dream. How absurd it would be if someone were to say: “I will only believe that so many people are gathered in this room, that an anthroposophical lecture is being held here, once I have dreamed it afterward.” - Just think how absurd that would be! But it is just as absurd when someone hears anthroposophical truths and says they will only believe them once conventional science—which is valid only on the physical plane—has proven them. One need only approach these matters seriously and objectively; then they are, in fact, perfectly transparent. Just as someone becomes an egoist when they bring their dreamlike mental images into the physical world, so too does the person who carries the ordinary views—the ones people hold about all things in their interactions with one another—into the view they ought to have of the higher world isolate themselves to a greater degree, set themselves apart from other people, and insist on being completely right. But that is precisely what people already do. Most people, in fact, already want something special even from anthroposophy. In their view of life, they find this or that which corresponds to their feelings and sensibilities; that is what they would like to have. Therefore, they accept it as true, and because it is not proven to them in the physical world, they want anthroposophy to prove it to them.

[ 8 ] Also es wird hineingetragen in die Auffassung der höheren Welten die Bewußtseinsverfassung der gewöhnlichen physischen Welt. Und dadurch entsteht, daß, wenn man auch noch so sehr Brüderlichkeit als Grundsatz hat, man da die Unbrüderlichkeit hineinträgt, geradeso wie sich derjenige, der in der physischen Welt träumt, recht unbrüderlich benehmen kann gegen seinen Nachbarn. Wenn dieser Nachbar vernünftig handelt, so kann er vielleicht aus seinen Traumbildern heraus zu ihm sagen: Du bist ein Dummkopf, ich weiß es besser. - So kann der, der aus den Prätentionen der physischen Welt an die Auffassung der höheren Welt herantritt, demjenigen, der sich mit ihm vereinigt hat, wenn er etwas anderes als Auffassung hat, sagen: Du bist ein Dummkopf oder ein schlechter Mensch - oder irgend etwas ähnliches. Es handelt sich eben durchaus darum, daß man eine andere Seelenverfassung, ein ganz anderes Denken und Empfinden gegenüber der geistigen Welt entwickeln muß. Dann hört auch die Unbrüderlichkeit auf, dann kann man schon Brüderlichkeit entfalten. Sie ist gerade durch das anthroposophische Wesen im höchsten Maße gegeben, aber man muß auch dieses anthroposophische Wesen ohne alle Sektiererei und dergleichen Dinge, die eigentlich nur aus der physischen Welt kommen, betrachten.

[ 8 ] Thus, the state of consciousness of the ordinary physical world is carried over into the perception of the higher worlds. And this results in the fact that, no matter how strongly one holds to brotherhood as a principle, one still carries that lack of brotherhood into it—just as someone who is dreaming in the physical world can behave in a very unbrotherly manner toward his neighbor. If this neighbor acts reasonably, he may perhaps say to him from within his dream images: “You are a fool; I know better.” - Thus, the one who approaches the perception of the higher world with the pretensions of the physical world may say to the one who has united with him—if the latter holds a different view—“You are a fool or a bad person”—or something similar. The point is precisely that one must develop a different state of mind, a completely different way of thinking and feeling toward the spiritual world. Then this lack of brotherhood ceases, and one can truly cultivate brotherhood. It is precisely through the anthroposophical essence that this is given to the highest degree, but one must also regard this anthroposophical essence without any sectarianism or similar things, which actually come only from the physical world.

[ 9 ] Wenn man die Gründe kennt, warum so leicht gerade in eine Gesellschaft, die auf geistigen Untergründen fußt, die Unbrüderlichkeit hineinkommen kann, so weiß man auch, wie man sie zu vermeiden hat, indem man sich eben wirklich darauf einläßt, seine Seele etwas umzustimmen, wenn man sich anschickt, mit andern Menschen zusammen die Erkenntnis von den höheren Welten zu pflegen. Und das ist auch der Grund, warum diejenigen, die sagen: Was ich da gesehen habe, das glaube ich erst dann, wenn es mir nachträglich geträumt hat - und welche der Anthroposophie gegenüber nach diesem Grundsatze handeln, warum diese schon die Sprache, in der die Anthroposophie gesprochen wird, anstößig finden. Wie viele Leute sagen, sie können die Sprache, in der die Anthroposophie dargeboten wird, namentlich in meinen Büchern, nicht vertragen! Ja, es handelt sich eben darum, daß nicht nur über anderes, sondern daß auch anders gesprochen werden muß, wenn man Erkenntnisse der übersinnlichen Welten darstellt. Das alles muß durchaus berücksichtigt werden. Wenn man tief durchdrungen ist davon, daß, um Anthroposophie zu verstehen, ein gewisser Ruck notwendig ist aus einer Lebenslage heraus in die andere, dann wird tatsächlich Anthroposophie so fruchtbar werden für das Leben, wie sie eben werden soll. Denn wenn auch Anthroposophie erlebt werden muß durch eine ganz andere Seelenverfassung, als es die gewöhnliche ist, dennoch wird dasjenige, was man aus der Anthroposophie heraus gewinnt für die ganze Formung der Seele, für die Eigenart der Seele, moralisch, religiös, künstlerisch, erkenntnismäßig wiederum in die physische Welt hereinwirken, so wie diese physische Welt in die Traumwelt hereinwirkt. Man muß nur die Stufe der Realitäten in richtiger Weise ins Auge fassen.

[ 9 ] If one understands the reasons why a lack of brotherhood can so easily creep into a society founded on spiritual principles, one also knows how to avoid it—namely, by truly committing to a certain reorientation of one’s soul when one sets out to cultivate knowledge of the higher worlds together with other people. And that is also the reason why those who say, “I will only believe what I have seen there if I dream about it afterward”—and who act toward anthroposophy according to this principle—find even the language in which anthroposophy is expressed offensive. How many people say they cannot tolerate the language in which anthroposophy is presented, particularly in my books! Yes, the point is precisely that when presenting insights into the supersensible worlds, one must not only speak about other things but also speak differently. All of this must certainly be taken into account. When one is deeply imbued with the realization that, in order to understand anthroposophy, a certain leap is necessary from one state of life to another, then anthroposophy will indeed become as fruitful for life as it is meant to be. For even though anthroposophy must be experienced through a state of mind quite different from the ordinary one, what one gains from anthroposophy—for the entire shaping of the soul, for the soul’s unique character—will in turn have an effect on the physical world in moral, religious, artistic, and epistemological terms, just as this physical world has an effect on the world of dreams. One need only view the hierarchy of realities in the right way.

[ 10 ] Im Traume brauchen wir nicht mit andern Menschen in einer besonderen Kommunikation, in einer besonderen Beziehung zu stehen, denn im Traume arbeiten wir im Grunde genommen an unserem fortströmenden Ich. Dasjenige, was wir hinter dem, was sich in Bildern im Traume darstellt, ausführen, das geht auch nur uns an. Im Traume arbeiten wir an unserem Karma. Irgend jemand mag dies oder jenes in den Bildern des Traumes vor sich haben, hinter diesen Bildern arbeitet seine Seele, sein Ich an dem Karma.

[ 10 ] In dreams, we do not need to be in special communication or have a special relationship with other people, because in dreams we are essentially working on our evolving self. What we do behind the images that appear in our dreams is a matter that concerns only us. In dreams, we work on our karma. A person may see this or that in the images of a dream, but behind these images, their soul and their “I” are working on their karma.

[ 11 ] Hier in der physischen Welt arbeiten wir an dem, was in dem Menschengeschlechte lebt, das in physischen Leibern verkörpert ist. Wir müssen mit andern Menschen zusammenarbeiten, um an der gesamtmenschlichen Entwickelung das unsrige zu tun. In der geistigen Welt arbeiten wir mit denjenigen zusammen, die Wesen sind wie wir Menschen, nur daß sie nicht in einem physischen Leibe leben, sondern in geistigen Elementen, in geistigem Substantiellen leben. Es ist eben eine andere Welt, aus der die übersinnlichen Wahrheiten entnommen werden, und wir müssen uns jeder dieser Welten anpassen.

[ 11 ] Here in the physical world, we work on what is alive within the human race, which is embodied in physical bodies. We must work together with other people to do our part in the development of humanity as a whole. In the spiritual world, we work together with beings who are like us humans, except that they do not live in physical bodies but in spiritual elements, in spiritual substance. It is simply a different world from which supersensible truths are derived, and we must adapt ourselves to each of these worlds.

[ 12 ] Das ist der Kern dessen, was ich in so vielen Vorträgen hier ausgesprochen habe, daß es sich nicht nur darum handelt, die Erkenntnisse der Anthroposophie aufzunehmen wie andere Erkenntnisse, sondern sie mit einer andern Empfindung aufzunehmen, vor allen Dingen mit der Empfindung, daß man durch sie einen solchen Ruck im Leben macht, wie sonst nur durch die Farben, die in das Auge hereinfließen, durch die Töne, die das Ohr hört, gegenüber den selbsterzeugten Bildern der Traumeswelt.

[ 12 ] This is the essence of what I have expressed in so many lectures here: that it is not merely a matter of taking in the insights of anthroposophy as one would any other insights, but of taking them in with a different sensibility, above all with the sense that they give one such a jolt in life as is otherwise experienced only through the colors that flow into the eye, through the sounds that the ear hears, as opposed to the self-generated images of the dream world.

[ 13 ] Geradeso wie jemand, der weiß, in einer Eisdecke ist da oder dort eine Stelle, durch die er einbrechen kann, wie der durch sein Wissen das Unglück vermeiden kann, so kann derjenige, der die Gefahr kennt, Egoismus auf einer höheren Stufe zu entwickeln gerade gegenüber den geistigen Wahrheiten, wenn man nicht mit der richtigen Seelenverfassung an sie herantritt, dasjenige vermeiden, was die Unbrüderlichkeit herbeiführt. Gegenüber geistigen Wahrheiten muß man fortwährend in einem höchsten Sinne dasjenige entwickeln, was im besten Sinne des Wortes als Toleranz bezeichnet werden kann. Toleranz gehört zum Verkehr mit solchen Menschen, die miteinander anthroposophische Geisteswissenschaft treiben wollen. Und wenn man von diesem Gesichtspunkte aus auf jene schöne Eigenschaft der menschlichen Toleranz sieht, so wird man zu gleicher Zeit gewahr werden, wie notwendig die Selbsterziehung zur Toleranz gerade in unserer gegenwärtigen Zeit ist. Ist es doch das Eigentümlichste in unserer Zeit, daß überhaupt kein Mensch mehr dem andern ordentlich zuhört! Kann man denn überhaupt noch einen Satz sprechen, ohne daß schon bei den ersten Worten der andere einem seine eigene Meinung sagt und Meinung gegen Meinung stehenbleibt? Das ist ja die heutige Zivilisation im Grunde genommen, daß keiner mehr zuhört, daß jedem nur seine eigene Meinung wert ist und daß er jeden andern für einen Toren hält, der nicht die Meinung hat, die er selber hat.

[ 13 ] Just as someone who knows that there is a spot here or there in a sheet of ice where he might fall through—and who, through that knowledge, can avoid misfortune—so too can the one who recognizes the danger develop egoism at a higher level—precisely in relation to spiritual truths—if one does not approach them with the right state of mind, and thus avoid that which leads to a lack of brotherhood. In relation to spiritual truths, one must continually cultivate, in the highest sense, that which can be described as tolerance in the best sense of the word. Tolerance is an essential part of interacting with those who wish to pursue anthroposophical Spiritual Science together. And when one views that beautiful quality of human tolerance from this perspective, one will at the same time realize how necessary self-education in tolerance is, especially in our present time. For is it not the most distinctive feature of our time that no one listens properly to one another anymore! Is it even possible anymore to utter a single sentence without the other person immediately stating their own opinion at the very first words, leaving one opinion pitted against another? That, after all, is the essence of today’s civilization: that no one listens anymore, that everyone values only their own opinion, and that they consider anyone who does not share their own opinion to be a fool.

[ 14 ] Aber, meine lieben Freunde, wenn ein Mensch eine Meinung äußert, und wenn wir sie noch so sehr für töricht halten, sie ist eine menschliche Meinung, und sie muß von uns entgegengenommen werden können, wir müssen sie anhören können. Ich möchte Ihnen etwas recht Paradoxes sagen: Wenn man aus der heutigen intellektualistischen Seelenverfassung heraus seine Seele gestimmt hat, dann weiß man immer, was gescheit ist. Jeder einzelne weiß immer, was gescheit ist. Ich sage nicht, daß es nicht gescheit ist, es ist meistens auch gescheit! Aber das geht doch nur bis zu einem gewissen Punkte. Bis zu diesem Punkte hin hält der Gescheite denjenigen, der noch nicht seine Meinung hat, eben für einen Dummkopf. Wir finden ja heute dieses Urteil außerordentlich häufig, und zwar für die gewöhnlichen Lebensverhältnisse mit Recht. Es ist ja manchmal für den Menschen, der sich ein gesundes Urteil über verschiedene Verhältnisse angeeignet hat, schrecklich, was manche Menschen für Torheiten sagen. Man kann dann den Leuten nicht verübeln, wenn sie die Sache auch töricht finden. Ja, schön, aber das geht nur bis zu einem gewissen Punkte. Man kann dann noch gescheiter werden als gescheit, man kann dann sich noch mehr aneignen. Namentlich kann man die Gescheitheit etwas färben lassen durch übersinnliche Einsichten. Da ist das Merkwürdige, daß dann das Interesse an der Torheit nicht abnimmt, sondern daß es wächst. Wenn man selbst etwas weise geworden ist, hat man es ganz gern - verzeihen Sie, daß ich den harten Ausdruck gebrauche -, wenn einem die Leute Dummheiten sagen. Man findet manchmal die Dummheiten sogar gescheiter als das, was die durchschnittsgescheiten Leute sagen, denn hinter den Torheiten steckt manchmal unendlich viel mehr Menschlichkeit als hinter den Durchschnittsgescheitheiten der durchschnittsgescheiten Menschen. Eigentlich fängt für eine wirklich immer tiefer dringende Einsicht in die Welt ein immer größer werdendes Interesse an für die menschliche Torheit. Denn diese Dinge sind ja für die verschiedenen Welten immer verschieden. Ein Mensch, der für einen gescheiten Menschen unserer gewöhnlichen physischen Welt ein Tor ist, der kann unter Umständen mit diesen Torheiten die Offenbarung sein für etwas, was Weisheiten in einer ganz andern Welt sind, die nur, ich möchte sagen, gebrochen und karikiert zum Vorschein kommen. Die Welt ist wirklich, wenn ich ein Wort Nietzsches gebrauchen darf, «tiefer als der Tag gedacht».

[ 14 ] But, my dear friends, when a person expresses an opinion—no matter how foolish we may consider it—it is a human opinion, and we must be able to accept it; we must be able to listen to it. I’d like to tell you something quite paradoxical: If you’ve attuned your soul to today’s intellectualist mindset, then you always know what’s sensible. Every single person always knows what is sensible. I’m not saying it isn’t sensible—most of the time it actually is! But that only goes so far. Up to that point, the sensible person regards anyone who hasn’t yet formed an opinion as a fool. We encounter this judgment extremely frequently today—and quite rightly so, given ordinary circumstances. After all, it is sometimes appalling to a person who has developed sound judgment regarding various situations to hear the foolish things some people say. One cannot blame people for finding such things foolish. Yes, that’s all well and good, but it only goes so far. One can then become even wiser than one already is; one can acquire even more knowledge. In particular, one can allow one’s wisdom to be colored somewhat by supersensory insights. The curious thing is that one’s interest in folly does not diminish, but rather grows. Once you’ve become somewhat wise yourself, you actually quite enjoy it—forgive me for using such a harsh expression—when people say foolish things to you. Sometimes you even find that foolishness wiser than what averagely wise people say, for behind that foolishness there is sometimes infinitely more humanity than behind the average wisdom of averagely wise people. In fact, a truly ever-deepening insight into the world is accompanied by an ever-growing interest in human folly. For these things are, after all, always different for the various worlds. A person who is considered a fool by an intelligent person in our ordinary physical world may, under certain circumstances, through these follies, be the revelation of something that constitutes wisdom in an entirely different world—wisdom that, I might say, appears only in a fragmented and caricatured form. The world is truly, if I may borrow a phrase from Nietzsche, “deeper than the day is thought.”

[ 15 ] Solche Dinge müssen unserer Empfindungswelt zugrunde liegen, wenn die Anthroposophische Gesellschaft, das heißt die Vereinigung derer, die Anthroposophie treiben, auf eine gesunde Grundlage gebracht werden soll. Dann wird der Mensch gerade dadurch, daß er weiß, man muß sich anders verhalten gegenüber der geistigen Welt als gegenüber der physischen Welt, das Richtige aus dieser geistigen Welt in die physische hereintragen. Er wird in der physischen Welt nicht ein Träumer werden, sondern gerade ein lebenspraktischer Mensch. Und das ist ja notwendig. Es ist wirklich notwendig, daß der Mensch nicht dadurch, daß er Anthroposoph ist, für die gewöhnliche physische Welt unbrauchbar werde. Das muß immer wieder und wieder betont werden. - Dies wollte ich in meinem zweiten der Stuttgarter Vorträge auseinandersetzen, damit eben von da aus manches Licht fallen könnte auf die Art und Weise, wie sich die einzelnen in der Anthroposophischen Gesellschaft angelegen sein lassen sollen die Pflege des richtigen anthroposophischen Lebens in dieser Gesellschaft. Denn was in dieser Gesellschaft leben muß, ist durchaus nicht bloß eine Erkenntnissache, es ist eine Herzenssache. Aber inwiefern es eine Herzenssache ist, das muß eben durchschaut werden.

[ 15 ] Such things must underlie our world of perception if the Anthroposophical Society—that is, the association of those who practice anthroposophy—is to be placed on a sound foundation. Then, precisely because a person knows that one must relate differently to the spiritual world than to the physical world, they will bring the right elements from this spiritual world into the physical one. They will not become a dreamer in the physical world, but rather a person grounded in practical life. And that is indeed necessary. It is truly necessary that a person, simply by being an anthroposophist, not become useless to the ordinary physical world. This must be emphasized again and again. - This is what I wanted to explore in my second of the Stuttgart lectures, so that, starting from there, some light might be shed on the way in which individual members of the Anthroposophical Society should take it upon themselves to cultivate the proper anthroposophical life within this Society. For what must live in this Society is by no means merely a matter of knowledge; it is a matter of the heart. But to what extent it is a matter of the heart—that is precisely what must be understood.

[ 16 ] Gewiß, man kann ja finden, daß einen die Lebensverhältnisse nötigen, seinen eigenen, einsamen Weg zu gehen. Den kann man auch gehen. Aber in Stuttgart haben wir halt verhandelt über die Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft, und so mußten diese eben einmal besprochen werden. Soll die Gesellschaft weiterbestehen, so muß bei denjenigen, die die Gesellschaft bilden wollen, unbedingt ein Interesse für die Lebensbedingungen dieser Gesellschaft vorhanden sein. Dann müssen aber auch diejenigen Dinge interessieren, die mit der täglich immer stärker werdenden Gegnerschaft gegen diese Gesellschaft zusammenhängen. Auch nach dieser Richtung mußte ich in Stuttgart einiges ausführen. Ich sagte, seit dem Jahre 1919 ist manches innerhalb dieser Gesellschaft begründet worden, das an sich gut ist, aber es ist nicht gelungen, die Dinge in der richtigen Weise in die gesamte anthroposophische Bewegung hineinzustellen, das heißt, sie zur gemeinsamen Sorge der Anthroposophen zu machen. Denen, die heute eintreten, darf kein Vorwurf gemacht werden, wenn sie gar kein Interesse haben an dem, was ohne sie seit dem Jahre 1919 begründet worden ist, und wenn sie bloß, wie das die Jugend zum Beispiel tut, eigentlich Anthroposophie an sich im engeren Sinne suchen. Aber die Gegnerschaft ist eigentlich im wesentlichen entwickelt worden an diesen neuen Begründungen. Gewiß, Gegnerschaft war auch schon früher da, aber man brauchte sich nicht um sie zu kümmern. Nun mußte ich in Anknüpfung an diese Erscheinungen über diese Gegner etwas sagen, was eigentlich gewußt werden sollte in der Anthroposophischen Gesellschaft. Meine lieben Freunde, ich habe Ihnen von den drei Phasen der anthroposophischen Gesellschaft gesprochen und habe darauf aufmerksam gemacht, wie ja doch in der letzten, in der dritten Phase vom Jahre 1916, 1917 bis jetzt, in den Vorträgen eine ganze Menge anthroposophische Einsichten in die übersinnliche Welt an Sie herangekommen sind. Ja, das mußte alles herausgearbeitet werden, das erforderte ein wirkliches Forschen in der geistigen Welt. Wer unbefangen hinschaut, wird sehen, wieviel gegenüber Früherem gerade in den letzten Jahren aus der geistigen Welt herausgeholt und den Vorträgen einverleibt worden ist.

[ 16 ] Certainly, one might feel that life circumstances compel one to go one’s own, solitary path. One can certainly take that path. But in Stuttgart, we simply discussed the living conditions of the Anthroposophical Society, and so these matters simply had to be addressed. If the Society is to continue to exist, those who wish to form it must absolutely have an interest in the conditions of life within this Society. But then they must also take an interest in those matters connected with the opposition to this Society, which is growing stronger day by day. I also had to elaborate on this point in Stuttgart. I said that since 1919, many things have been established within this Society that are good in themselves, but we have not succeeded in integrating them properly into the entire anthroposophical movement—that is, in making them a shared concern of all anthroposophists. Those who join today cannot be blamed if they have no interest whatsoever in what has been established since 1919 without their involvement, and if they are simply—as young people do, for example—seeking anthroposophy in the narrower sense. But opposition has essentially developed in response to these new foundations. Certainly, opposition existed earlier as well, but there was no need to concern oneself with it. Now, in light of these developments, I had to say something about these opponents—something that ought to be known within the Anthroposophical Society. My dear friends, I have spoken to you about the three phases of the Anthroposophical Society and have pointed out how, indeed, in the last—the third—phase, from 1916 and 1917 to the present, a great many anthroposophical insights into the supersensible world have been conveyed to you through the lectures. Yes, all of this had to be worked out; it required genuine research into the spiritual world. Anyone who looks at it with an open mind will see how much has been drawn from the spiritual world in recent years—especially compared to earlier times—and incorporated into the lectures.

[ 17 ] Nun sind unter den Gegnern ja gewiß unendlich viele, die eigentlich gar nicht wissen, warum sie Gegner sind, die es sind, weil sie eben Mitläufer mit andern sind, weil sie sich irgendwie für ihre Bequemlichkeit einen blauen Dunst vormachen lassen. Aber es sind immerhin einige führende Menschen unter diesen Gegnern, die ganz gut wissen, um was es sich handelt, die eben einfach ein Interesse daran haben, daß diese Wahrheiten über die geistige Welt, welche einzig und allein die Menschenwürde wirklich heben könnten, welche wiederum Friede über die Erde bringen werden, nicht ans Tageslicht treten, die diese Wahrheiten ausrotten möchten. Die andern laufen mit, aber einige wenige gibt es, die eben einfach nicht wollen, daß die anthroposophischen Einsichten in die Welt hineinkommen. Diese handeln ganz bewußt mit ihrer Gegnerschaft und mit der Gegnerschaft, die sie unter ihren Mitläufern anzetteln. Denn, was wollen diese? Sie wollen, wenn ich in diesem Falle von mir sprechen darf, daß ich so viel zu tun habe mit der Abwehr der Gegner, daß ich nicht zum eigentlichen anthroposophischen Forschen mehr kommen kann; denn zum anthroposophischen Forschen gehört eine gewisse Ruhe, eine gewisse innere Betätigung der Seele, die nichts zu tun hat mit dem, was man tun müßte, wenn man alle die zumeist törichten Gegnerschaften abwehren möchte.

[ 17 ] Now, among the opponents there are certainly countless people who don’t actually know why they are opponents—who are opponents simply because they are following the crowd, because they somehow allow themselves to be deluded for the sake of their own convenience. But there are, after all, some leading figures among these opponents who know quite well what this is all about—who simply have an interest in ensuring that these truths about the spiritual world, which alone could truly elevate human dignity and which, in turn, would bring peace to the earth, do not come to light—and who would like to eradicate these truths. The others just go along with it, but there are a few who simply do not want anthroposophical insights to enter the world. These individuals act quite deliberately in their opposition and in the opposition they stir up among their followers. For what do they want? They want—if I may speak for myself in this instance—for me to be so preoccupied with fending off opponents that I can no longer engage in actual anthroposophical research; for anthroposophical research requires a certain stillness, a certain inner activity of the soul that has nothing to do with what one would have to do if one were to fend off all these mostly foolish oppositions.

[ 18 ] Nun hat Herr Werbeck in seinem wirklich genialen Vortrage, den er in Stuttgart gehalten hat über die Gegnerschaften im allgemeinen, darauf aufmerksam gemacht, wie viele Bücher allein auf theologischem Gebiete da sind. Ich glaube, ein Dutzend hat er angeführt oder noch mehr, es sind also so viele, daß wenn man sie alle nur lesen würde, man schon genug damit zu tun hätte. Und denken Sie sich: das alles zu widerlegen! Man würde gar nicht zu einem Forschen kommen. Und das ist nur auf einem Gebiete. Auf andern Gebieten sind zum mindesten ebensoviel oder noch mehr Bücher geschrieben worden. Man wird eben mit gegnerischen Schriften bombardiert, um abgehalten zu werden von der eigentlichen anthroposophischen Tätigkeit. Das ist System, das ist so gewollt. Aber man hat die Möglichkeit, wenn eben auf der andern Seite das Notwendige vorhanden ist, nun doch die Anthroposophie zu pflegen und diese gegnerischen Schriften beiseite zu schieben. Viele kenne ich nicht einmal dem Titel nach, aber diejenigen, die ich habe, stapele ich zumeist auf, denn es ist nicht möglich, zu gleicher Zeit wirklich wahre, echte Geistesforschung zu betreiben und sich mit dieser Gegnerschaft selber zu befassen. Nun, dann sagen die Gegner: Er antwortet nicht selbst. - Aber was da von den Gegnern vorgebracht wird, kann eben auch von andern beantwortet werden. Und da die Begründungen eben seit 1919 auf die Initiative von andern hin eigentlich entstanden sind, so ist es notwendig, daß auf diesem Gebiete eben die Gesellschaft ihre Verpflichtung übernimmt, daß tatsächlich der Kampf gegen die Gegner gewissermaßen von der Gesellschaft übernommen werde, sonst ist es nicht möglich, die anthroposophische Forschung wirklich aufrechtzuerhalten.

[ 18 ] Now, in his truly brilliant lecture on antagonisms in general, which he delivered in Stuttgart, Mr. Werbeck pointed out just how many books there are in the field of theology alone. I believe he cited a dozen or more; there are so many that if one were to read them all, one would already have enough to do. And just imagine: refuting all of that! One would never get around to any actual research. And that is just in one field. In other fields, at least as many—if not more—books have been written. One is simply bombarded with opposing writings in order to be deterred from actual anthroposophical work. This is a systematic strategy; it is done intentionally. But one has the option—provided the necessary resources are available on the other side—to cultivate anthroposophy nonetheless and set these opposing writings aside. I don’t even know the titles of many of them, but I usually set aside the ones I do have, for it is not possible to engage in truly genuine spiritual research while simultaneously dealing with this opposition myself. Well, then the opponents say: “He doesn’t respond himself.”—But what the opponents put forward can just as well be answered by others. And since the justifications have, in fact, arisen since 1919 at the initiative of others, it is necessary that the Society assume its responsibility in this area—that the struggle against the opponents be, so to speak, taken over by the Society—otherwise it is not possible to truly sustain anthroposophical research.

[ 19 ] Das wollen ja gerade die Gegner. Am liebsten wäre es ihnen sogar, wenn sie Prozesse machen könnten - dazu zeigen sie überall die Absicht -, denn sie wissen, dadurch würde man genötigt, die ganze Seelenverfassung und Seelenstimmung auf ein Feld zu bringen, das die eigentliche anthroposophische Tätigkeit zerstört. Ja, meine lieben Freunde, die Gegner wissen eben zumeist sehr gut, was sie wollen, sie sind gut organisiert. Das ist es aber, was auch in der Anthroposophischen Gesellschaft gewußt werden muß. Auf diese Dinge muß durchaus die nötige Aufmerksamkeit verwendet werden, dann führt sie schon auch zur Tat.

[ 19 ] That is precisely what the opponents want. They would even prefer to file lawsuits—and they are making their intentions clear everywhere—because they know that this would force us to direct our entire mental and emotional state toward a realm that destroys the very essence of anthroposophical activity. Yes, my dear friends, the opponents usually know very well what they want; they are well organized. But this is precisely what must also be recognized within the Anthroposophical Society. The necessary attention must certainly be given to these matters, for then it will inevitably lead to action.

[ 20 ] Ich habe Ihnen berichtet, inwiefern es in Stuttgart dazu gekommen ist, daß wiederum eine Zeitlang die Anthroposophische Gesellschaft wird arbeiten können. Aber es gab da einen Moment, in dem ich eigentlich hätte sagen müssen: Ich ziehe mich nunmehr, nachdem das vorgekommen ist, von der Gesellschaft zurück. - Es geht natürlich aus andern Gründen nicht, jetzt, nachdem eben die Gesellschaft das in sich aufgenommen hat, demgegenüber man sich nicht zurückziehen darf. Aber wenn es nur eben auf das angekommen wäre, was sich da in Stuttgart im Versammlungssaal entwickelt hat in dem einen Momente, dann wäre es voll berechtigt gewesen, demgegenüber zu sagen: Nun muß ich sehen, Anthroposophie auf eine andere Weise vor der Welt zu vertreten; ich muß mich von der Anthroposophischen Gesellschaft zurückziehen. - Dieser Moment war in dem Augenblick gegeben, als das Folgende eintrat. Der Neunerausschuß hatte beschlossen, eine Anzahl von Referaten zu halten über die Tätigkeit innerhalb dieses oder jenes Gebietes in der Anthroposophischen Gesellschaft. Es sollte ein Referat gehalten werden über die Waldorfschule, über den «Bund für freies Geistesleben», über den «Kommenden Tag», über die Zeitschrift «Anthroposophie», über die Zeitschrift «Die Drei» und so weiter, auch Referate über die Gegnerschaften und namentlich die Behandlung der Gegnerschaften.

[ 20 ] I have told you how it came about in Stuttgart that the Anthroposophical Society will once again be able to carry on its work for a while. But there was a moment when I really should have said: “Now that this has happened, I am withdrawing from the Society.” - Of course, for other reasons, it is not possible now—especially since the Society has just taken this in—to withdraw from it. But if it had come down solely to what unfolded in the assembly hall in Stuttgart at that one moment, then it would have been entirely justified to say in response: Now I must find another way to represent anthroposophy to the world; I must withdraw from the Anthroposophical Society. — That moment arose the instant the following occurred. The Committee of Nine had decided to present a number of lectures on activities within this or that area of the Anthroposophical Society. Presentations were to be given on the Waldorf School, the “League for a Free Spiritual Life,” the “Kommender Tag,” the journal “Anthroposophie,” the journal “Die Drei,” and so on, as well as presentations on the opposition and, in particular, how to deal with it.

[ 21 ] Nun hat ja Werbeck, der sich mit der Gegnerschaft befaßt hat, wie gesagt, über die Art und Weise, wie man literarisch die Gegnerschaft behandeln kann, einen genialen Vortrag gehalten. Jetzt mußte man aber erst noch auf die konkreten Dinge der Gegnerschaften eingehen. Und was geschah da? Gerade mitten in diesem Referieren über die Gegnerschaften wurde der Antrag gestellt, man wolle die Referate nicht mehr anhören, man wolle weiter diskutieren. Ohne eigentlich irgend etwas zu wissen, was geschehen ist in der Gesellschaft, wollte man weiter diskutieren. Man stellte also den Antrag, die Referate sollen abgesetzt werden, mitten drinnen im Referat über die Gegner! Der Antrag wurde angenommen.

[ 21 ] Now, as I mentioned, Werbeck—who has been studying opposition—gave a brilliant lecture on the ways in which opposition can be addressed in literature. But first, we still had to address the specific aspects of these oppositions. And what happened then? Right in the middle of this presentation on opposition, a motion was made stating that people no longer wanted to listen to the presentations and wanted to continue the discussion. Without really knowing anything about what had happened in society, they wanted to continue the discussion. So a motion was made to cancel the presentations—right in the middle of the presentation on the opponents! The motion was adopted.

[ 22 ] Es stellte sich noch das Groteske heraus: Am Abend vorher hatte Dr. Stein über die Jugendbewegung das Referat zu halten gehabt. Dies war schon sehr spät am Abend. Herr Leinhas, welcher der Vorsitzende war, war wirklich in keiner beneidenswerten Lage, denn ich habe Ihnen schon vorgestern gesagt, er wurde förmlich bombardiert mit Geschäftsordnungsanträgen, die sich wiederum einkapselten. Wenn ein Geschäftsordnungsantrag gestellt war, so lief sofort ein anderer ein, und kein Mensch konnte überhaupt mehr übersehen, wie nun die Debatte geleitet werden sollte. Nun, diejenigen, die zu dieser Delegiertenversammlung gekommen waren, die waren nicht so dauerhaft im Sitzen, wie jene, die sie vorbereitet hatten. In Stuttgart ist man ja schon daran gewöhnt, wir haben schon Sitzungen gehabt, die bis sechs Uhr morgens gedauert haben, nachdem sie nicht viel später als um halb zehn oder zehn Uhr abends angefangen hatten. Aber wie gesagt, die Delegierten waren noch nicht trainiert auf diese Art. Und so war es schon spät geworden, bevor Dr. Stein sein Referat über die Jugendbewegung, über die Wünsche der Jugend halten sollte, und da war irgendein Irrtum entstanden, so daß man nicht recht wußte: hält er das Referat oder nicht - und da gingen eine Menge fort. Nun hielt er es aber. Und am nächsten Tag, als die wieder kamen, hörten die Leute, er habe das Referat gehalten, und sie waren nicht dabei gewesen. Es wurde nun der Antrag gestellt, er solle das Referat noch einmal halten. Es scheiterte daran, daß er nicht da war. Aber just als Dr.Stein kam, um sein Referat über die Gegner zu halten, da wurde die Sache so, daß sie nun sein Referat nicht nur nicht zweimal, sondern nicht einmal einmal hören wollten; es wurde ein entsprechender Antrag angenommen. Er hat dieses Referat dann später gehalten. Aber an dieses Referat hätte sich noch eine Besprechung der konkreten Gegnerschaft schließen müssen. Stein hatte zu meiner Überraschung ja nicht über die konkrete Gegnerschaft gesprochen, sondern er hat eine Art Metaphysik der anthroposophischen Gegnerschaft entwickelt, wodurch ja eigentlich die Sache nicht so recht anschaulich geworden war. Es war ein sehr geistreiches Referat, aber nicht über die Konkretheit der Gegner, sondern über die Metaphysik der Gegner. Und im Grunde genommen hat sich also dabei gezeigt, daß die ganze Gesellschaft - denn die Delegiertenversammlung repräsentierte die ganze Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland — nichts wissen wollte von der Gegnerschaft!

[ 22 ] It turned out to be quite grotesque: The evening before, Dr. Stein had been scheduled to give a presentation on the youth movement. This took place very late in the evening. Mr. Leinhas, who was the chair, was truly in an unenviable position, because, as I told you the day before yesterday, he was literally bombarded with motions of order, which in turn kept piling up. As soon as one motion of order was made, another one immediately followed, and no one could even begin to figure out how the debate was supposed to be conducted. Well, those who had come to this delegates’ assembly weren’t as used to sitting for long periods as those who had prepared it. In Stuttgart, we’re already accustomed to this; we’ve had meetings that lasted until six in the morning, even though they hadn’t started much later than half past nine or ten in the evening. But as I said, the delegates weren’t yet accustomed to this kind of thing. And so it had already gotten late by the time Dr. Stein was supposed to give his presentation on the youth movement and the aspirations of young people, and some kind of mix-up had arisen, so that no one really knew: was he going to give the presentation or not—and a lot of people left. But he did give it. And the next day, when they came back, people heard that he had given the presentation, and they hadn’t been there. A motion was then made that he should give the lecture again. It failed because he wasn’t there. But just as Dr. Stein arrived to give his lecture on the opponents, the situation had changed such that they no longer wanted to hear his lecture—not just twice, but not even once; a corresponding motion was passed. He gave this lecture later on. But this lecture should have been followed by a discussion of the specific opposition. To my surprise, Stein had not spoken about the specific opposition, but rather developed a kind of metaphysics of the anthroposophical opposition, which actually did not make the matter very clear. It was a very witty presentation, but it was not about the concrete nature of the opponents, but rather about the metaphysics of the opponents. And basically, it became clear that the entire Society—since the Delegates’ Assembly represented the entire Anthroposophical Society in Germany—wanted nothing to do with the opposition!

[ 23 ] Man kann das natürlich begreifen. Aber heute ist das so notwendig für die Erkenntnis der Lebensbedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft, daß es eben jemand nicht ernst meint mit der Anthroposophischen Gesellschaft, wenn er es ablehnt, die Gegnerschaft kennenzulernen, wenn dazu die beste Gelegenheit gegeben wird. Und es hängt wirklich von der Art und Weise des Verhaltens der anthroposophischen Mitglieder gegenüber der mit jedem Tage intensiver werdenden Gegnerschaft alles ab für das Vertreten der Anthroposophie vor der Welt. Also war in diesem Momente für mich eigentlich die Notwendigkeit gegeben, aus der Versammlung heraus zu sagen: Da kann ich nun nicht mehr mitmachen, wenn einen gar nichts mehr interessiert als nur dasjenige, was man immer wieder und wiederum sagen kann mit den allgemeinen Worten «Menschlichkeit muß auf Menschlichkeit stoßen» und wie diese allgemeinen Worte eben sind. Sie sind ja auch in Stuttgart im ausgiebigsten Maße, man kann nicht sagen, diskutiert, sondern eben paraphrasiert worden oder irgend etwas ähnliches. Aber es geht natürlich nicht, daß man sich heute trennt von etwas, was eben nicht bloß in der Einbildung, sondern in der Realität besteht: daß man sich von dieser Anthroposophischen Gesellschaft trennt! Und so ist es eben notwendig geworden, auch über solche Dinge hinwegzusehen und eben zu versuchen, den Modus zu finden, den ich Ihnen am Samstag geschildert habe: daß auf der einen Seite die alte Anthroposophische Gesellschaft in voller Realität fortlebt und auf der andern Seite eine lose Vereinigung besteht, die ja auch zu Gemeinschaftsbildungen in dem Sinne führen kann, wie ich sie gestern in ihren Bedingungen geschildert habe, und daß dann eben eine Art Bindeglied geschaffen werde für die Überbrückung des Gegensatzes, der da besteht.

[ 23 ] Of course, one can understand that. But today it is so essential for understanding the conditions of life within the Anthroposophical Society that anyone who refuses to learn about the opposition—even when given the best opportunity to do so—simply does not take the Anthroposophical Society seriously. And everything really depends on the way anthroposophical members behave toward the opposition—which is growing more intense with each passing day—when it comes to representing anthroposophy to the world. So at that moment, I actually felt compelled to speak up from within the assembly and say: I can no longer go along with this if the only thing that interests anyone is what can be said over and over again in general terms like “humanity must meet humanity”—and such general words are just that. After all, even in Stuttgart they have been—one cannot say discussed, but rather paraphrased—to the greatest extent, or something of that sort. But of course it is not possible today to separate oneself from something that exists not merely in the imagination but in reality: to separate oneself from this Anthroposophical Society! And so it has become necessary to look past such things and try to find the approach I described to you on Saturday: that, on the one hand, the old Anthroposophical Society lives on in full reality, and on the other hand, there exists a loose association that can indeed lead to the formation of communities in the sense I described yesterday in terms of their conditions, and that a kind of connecting link is then created to bridge the contrast that exists there.

[ 24 ] Denn man muß sich gewiß durchaus klar darüber sein, daß Anthroposophie etwas Ewiges ist. Daher kann sie jeder Mensch in voller Einsamkeit studieren, dazu hat er auch das Recht; er braucht sich ja gar nicht für die Anthroposophische Gesellschaft zu interessieren. Es könnte ja vorkommen, und bis zum Jahre 1918 war durchaus die Möglichkeit gegeben, daß Anthroposophie nur verbreitet wird durch Literatur oder durch Vorträge, die sich an den richten, der sie eben hören will. Die Anthroposophische Gesellschaft bis zum Jahre 1918 war insofern ganz richtig ihrem Wesen entsprechend, weil sie jeden Tag aufhören konnte, ohne daß die Anthroposophie aufhörte. Diejenigen, die sich außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft wahrhaft interessierten für Anthroposophie, konnten alles geradeso haben, wie sie es durch die Anthroposophische Gesellschaft haben konnten. Durch die Anthroposophische Gesellschaft war nur eine werktätige Zusammenarbeit und ein Erwachen einer Menschenseele an der andern gegeben. Aber aus demjenigen, was so gepflogen war, hat sich eben durch die Initiative dieser oder jener Persönlichkeiten innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft etwas herausentwickelt, was nun bindet, was da ist, was nicht jeden Tag aufgegeben werden kann. Und das muß von der alten Anthroposophischen Gesellschaft fortgepflegt werden. Deshalb kann einem die Art und Weise, wie das alte Komitee katalogisiert und bürokratisiert und sich überhaupt verhält, noch so unsympathisch sein: was es zu besorgen hat, das muß es eben besorgen. Dafür können keine andern eintreten. Es ist ein ganz blinder Glaube, wenn man meint, daß derjenige, der nur im allgemeinen Interesse hat für anthroposophisches Leben, so wie man es 1902 auch gehabt hat, daß der nun die Mitbesorgung aller dieser Dinge übernehmen kann. Damit muß man ja verwachsen sein. Das muß man kennengelernt haben in seinem Wesen.

[ 24 ] For one must certainly be absolutely clear that anthroposophy is something eternal. Therefore, every person can study it in complete solitude, and they have every right to do so; after all, they do not need to take any interest in the Anthroposophical Society. It could well happen—and up until 1918, this was certainly a possibility—that anthroposophy would be disseminated solely through literature or lectures directed at those who simply wish to hear it. The Anthroposophical Society up until 1918 was, in this respect, entirely true to its nature, because it could have ceased to exist at any moment without anthroposophy itself ceasing to exist. Those outside the Anthroposophical Society who were genuinely interested in anthroposophy could have access to everything just as they could through the Anthroposophical Society. Through the Anthroposophical Society, there was simply active collaboration and a mutual awakening of one human soul by another. But from what had been the custom, something has developed—precisely through the initiative of this or that individual within the Anthroposophical Society—that now binds us together, that exists, and that cannot be abandoned every day. And this must be carried on from the old Anthroposophical Society. That is why, no matter how unsympathetic one may find the way the old committee catalogs, bureaucratizes, and conducts itself in general, it must simply carry out what it is tasked with doing. No one else can take its place in this regard. It is a completely blind belief to think that someone who merely has a general interest in anthroposophical life—as it existed in 1902—can now take on the shared responsibility for all these matters. One must have grown up with this. One must have come to know it in its very essence.

[ 25 ] Also diese alte Anthroposophische Gesellschaft muß fortbestehen, sie ist ja doch eben durchaus etwas Reales. Daneben aber haben diejenigen, die einfach Anthroposophie als solche wollen, ihr volles Recht, an die Anthroposophie heranzukommen. Für die ist nun jene lose Vereinigung geschaffen, von der ich Ihnen gestern gesprochen habe, die ihrerseits ihr Vertrauenskomitee hat, deren Namen ich Ihnen genannt habe. So daß wir diese zwei Vertrauenskomitees haben, und beide Vertrauenskomitees werden nach und nach engere Komitees bilden, die dann miteinander verhandeln, so daß die Gesellschaft doch eine Einheit bildet. Daß auch bei der loseren Vereinigung ein Interesse da sein kann für alles dasjenige, was aus der Anthroposophischen Gesellschaft hervorgeht, das zeigte sich ja darin, daß gleich, und zwar gerade von den Jüngsten aus der Jugendbewegung heraus, aus der akademischen Jugendbewegung heraus der Antrag auf eine Neugründung gestellt worden ist, die also wieder da sein wird und als solche ihre volle Berechtigung hat. Es war, ich möchte sagen, sogar eine der allerberechtigtsten, intimst berechtigten Fragen der anthroposophischen Bewegung, Gesellschaft.

[ 25 ] So this old Anthroposophical Society must continue to exist; after all, it is indeed something very real. At the same time, however, those who simply want anthroposophy for its own sake have every right to engage with anthroposophy. For them, that loose association I spoke to you about yesterday has now been established; it, in turn, has its own committee of trustees, whose names I have given you. So we have these two committees of trustees, and both committees will gradually form smaller, more focused committees that will then negotiate with one another, so that the Society does indeed form a unified whole. The fact that even within the looser association there can be an interest in everything that emerges from the Anthroposophical Society was demonstrated by the fact that immediately—and specifically from the youngest members of the youth movement, from the academic youth movement—a motion was put forward for a new foundation, which will thus exist again and, as such, has every right to do so. It was, I would say, even one of the most justified, most deeply justified questions of the anthroposophical movement and Society.

[ 26 ] Ein Antrag war ja ganz besonders interessant, der da gestellt worden ist, der ging aus von den Schülern der obersten Klassen der Waldorfschule. Ich habe ihn selber verlesen, weil er mir geschickt worden war. Also die Schüler der obersten Klassen der Waldorfschule stellten ihrerseits einen Antrag, der etwa den folgenden Inhalt hat. Sie sagten: Wir haben uns jetzt nach den Grundsätzen, die in der Waldorfschule sind, entwickelt. Das nächste Jahr ist nun dasjenige, wo wir zum Abiturium kommen sollen. Vielleicht werden wir schon deshalb das Abiturium nicht machen können, weil uns Schwierigkeiten erwachsen werden. Aber jedenfalls, wenn wir nun nach den richtigen Grundsätzen in der Waldorfschule erzogen werden und sollen jetzt an eine gewöhnliche Hochschule kommen, wie wird es uns denn da ergehen? - Und da haben die Waldorfschüler schon in einer ganz netten Weise diese Hochschule charakterisiert und daher den Antrag gestellt, daß man eine freie Hochschule begründen soll, an der man nun studieren kann, wenn man Waldorfschüler gewesen ist.

[ 26 ] One motion in particular was very interesting; it was submitted by the students in the upper grades of the Waldorf School. I read it aloud myself because it had been sent to me. So the students in the upper grades of the Waldorf School submitted a petition of their own, which read something like this. They said: We have now developed according to the principles of the Waldorf School. Next year is the year we are supposed to take the Abiturium. Perhaps we won’t be able to take the Abiturium simply because we will face difficulties. But in any case, if we are now being educated according to the correct principles at the Waldorf School and are supposed to go on to a conventional university, how will we fare there?—And so the Waldorf students have already characterized this university in a very nice way and have therefore submitted a proposal that a free university be established where one can now study if one has been a Waldorf student.

[ 27 ] Es ist ganz gescheit, es ist ganz berechtigt. Der Antrag wurde auch gleich von den Vertretern der akademischen Jugendbewegung aufgenommen, und es ist sogar schon eine - bei der jetzigen Valuta bedeutet es freilich nicht viel -, aber immerhin eine ganz erkleckliche Summe von, ich glaube, 25 Millionen Mark zustande gekommen als Grundkapital für die Begründung einer solchen freien Hochschule. Mit 25 Millionen Mark kann man heute natürlich keine Hochschule begründen, aber wenn sich ein Amerikaner finden würde, um eine solche Hochschule zu begründen, mit vielleicht einer Milliarde oder noch mehr, dann könnte man ja anfangen. Anders ginge es ja natürlich nicht, und das würde vielleicht auch noch zu wenig sein, ich kann es jetzt nicht gleich überschlagen. Aber wenn die Möglichkeit dazu gegeben würde, dann wäre erst recht eine Verlegenheit da, eine furchtbare Verlegenheit, selbst wenn Aussicht vorhanden wäre, daß die Doktordiplome und die Prüfungen anerkannt würden, nämlich diese: Soll ich nun diese Hochschule besetzen mit der Waldorflehrerschaft? Mit den einzelnen Mitgliedern unserer Forschungsinstitute? Das ginge ja allenfalls. Aber dann hätten wir keine Waldorfschule und keine Forschungsinstitute! Denn durch die besondere Art, wie die Anthroposophische Gesellschaft sich in den letzten Jahren entfaltet hat, sind ja diejenigen Menschen, die, ich möchte sagen, gut in der Anthroposophischen Gesellschaft sein könnten, eher abgehalten worden. Heute ist es schon wirklich ein unglaublich schweres Problem, wenn ein neuer Waldorflehrer bei Begründung einer Waldorfschulklasse angestellt werden soll, einen solchen innerhalb der Reihe der Anthroposophen zu finden. Denn es ist schon etwas daran, daß, trotzdem wir glänzende Kongresse und alles mögliche gehabt haben, vielfach das Verhalten in der Anthroposophischen Gesellschaft so war, daß die Leute gesagt haben: Anthroposophie gefällt uns ganz gut, aber in die Gesellschaft wollen wir nicht eintreten.

[ 27 ] It is quite sensible; it is entirely justified. The proposal was immediately taken up by representatives of the academic youth movement, and a—admittedly, given the current exchange rate, it doesn’t amount to much—but still a quite substantial sum of, I believe, 25 million marks has already been raised as start-up capital for the establishment of such a free university. Of course, you can’t establish a university with 25 million marks today, but if an American were to come forward to establish such a university—perhaps with a billion or even more—then we could get started. It wouldn’t work any other way, of course, and even that might not be enough; I can’t calculate it off the top of my head right now. But if the opportunity were to arise, then there would certainly be a dilemma—a terrible dilemma—even if there were a prospect that the doctoral degrees and examinations would be recognized, namely this: Should I now staff this university with the Waldorf teaching faculty? With the individual members of our research institutes? That would be possible, at best. But then we would have neither a Waldorf school nor any research institutes! For, due to the particular way in which the Anthroposophical Society has developed in recent years, those people who, I would say, could be well-suited to the Anthroposophical Society have, in fact, been rather deterred. Today it is truly an incredibly difficult problem to find a new Waldorf teacher among the ranks of the Anthroposophists when one is to be hired to establish a new Waldorf school class. For there is certainly something to be said for the fact that, even though we have had splendid conferences and all sorts of events, the behavior within the Anthroposophical Society has often been such that people have said: “We like anthroposophy quite well, but we don’t want to join the Society.”

[ 28 ] Und daran muß zunächst gearbeitet werden, die Gesellschaft wiederum zur Geltung zu bringen, denn es sind viele Menschen in der Welt, die prädestiniert sind, Anthroposophie zu dem wichtigsten Inhalt ihres Herzens und ihrer ganzen Seele zu machen. Aber die Anthroposophische Gesellschaft muß das Nötige dazu tun. So daß also, wenn man einer solchen Sache gegenübersteht, es sich sofort klar zeigt: Angefangen muß zunächst jetzt werden mit etwas ganz anderem, angefangen muß zunächst werden damit, wirklich Anthroposophie vor die Welt hinzutragen, so daß die Menschheit kennenlernt die Anthroposophie.

[ 28 ] And this is what must be worked on first: restoring the Society to its rightful place, for there are many people in the world who are destined to make anthroposophy the most important part of their hearts and their entire souls. But the Anthroposophical Society must do what is necessary to achieve this. So that when one is faced with such a task, it immediately becomes clear: We must begin now with something entirely different; we must begin by truly bringing anthroposophy to the world, so that humanity may come to know anthroposophy.

[ 29 ] Unsere Gegner tragen sie als Karikatur vor die Welt hin. Da wird sehr stark gearbeitet. Überall ist auch das, was in den Zyklen steht, in die Schriften der Gegner hineingeheimnißt. Und jetzt gibt es ja Leihbibliotheken, wo sie ausgeliehen werden können, die Zyklen und so weiter! Die alte Art, über die Dinge zu denken, ist heute nicht mehr tunlich. Es gibt durchaus Antiquariate, die Einrichtungen haben, daß man gegen ein Entgelt Zyklen ausborgen kann. Die kann jeder lesen, das ist nun schon so. Man kennt ja auch gar nicht die Bedingungen unseres gegenwärtigen sozialen Lebens, wenn man glaubt, daß man ewig solche Dinge sekretieren kann. Das kann man eben in der Gegenwart nicht mehr. In dieser Beziehung ist unser Zeitalter tatsächlich auch geistig demokratisch geworden. Das muß wieder verstanden werden, daß Anthroposophie eben vor die Welt hingetragen werden soll. Das lebt nun tatsächlich in dieser losen Vereinigung.

[ 29 ] Our opponents present them to the world as caricatures. A great deal of effort is being put into this. Everywhere, what is written in the cycles is also being secretly incorporated into the writings of our opponents. And now there are lending libraries where the cycles and so on can be borrowed! The old way of thinking about things is no longer feasible today. There are certainly used bookstores that have arrangements allowing people to borrow the Cycles for a fee. Anyone can read them—that’s just the way it is now. After all, one simply does not understand the conditions of our present-day social life if one believes that such things can be kept secret forever. That is simply no longer possible in the present day. In this respect, our age has indeed become intellectually democratic as well. It must be understood once again that anthroposophy is meant to be brought out into the open. This is indeed alive in this loose association.

[ 30 ] Die Menschen, die sich dort zusammengefunden haben, haben von vornherein das Bestreben, die Anthroposophie in der breitesten Weise vor die Welt hinzutragen. Ich weiß ganz gut, daß dadurch wiederum allerlei neue Kanäle geschaffen werden, um das, was man glaubt, in der Gesellschaft halten zu können, eben aus der Gesellschaft hinauszuliefern. Aber man muß sich den Notwendigkeiten der Zeit fügen. Und man muß als Anthroposoph ein aufmerksames Seelenauge haben können auf das, was die Zeit fordert. Deshalb ist es so, daß Anthroposophie gerade jetzt so angesehen werden muß, daß sie Lebensinhalt werden kann, wie ich das ja auch gestern angedeutet habe.

[ 30 ] The people who have come together there have, from the very beginning, sought to bring anthroposophy to the world in the broadest possible way. I am well aware that this, in turn, creates all sorts of new channels for delivering—out of society—precisely what one believes can be sustained within society. But one must adapt to the necessities of the times. And as an anthroposophist, one must be able to keep a watchful spiritual eye on what the times demand. That is why anthroposophy must be viewed, especially now, in such a way that it can become the meaning of life, as I also hinted at yesterday.

[ 31 ] Nun, meine lieben Freunde, wie gesagt, es ist der Versuch gemacht worden, mit diesen zwei Strömungen in der Anthroposophischen Gesellschaft in einer loseren Bindung zueinander zu stehen, und ich hoffe, daß damit wiederum, wenn es richtig verstanden wird, wenn es richtig gehandhabt wird, sich eine Zeitlang leben läßt, wahrscheinlich eine gar nicht sehr lange Zeit, darüber gebe ich mich keinen Illusionen hin. Dann wird ja natürlich wieder etwas anderes gemacht werden müssen.

[ 31 ] Well, my dear friends, as I said, an attempt has been made to establish a looser connection between these two currents within the Anthroposophical Society, and I hope that—if this is properly understood and properly handled—it will be possible to live with it for a while, though probably not for very long; I have no illusions about that. Then, of course, something else will have to be done.

[ 32 ] Aber ich habe ja damals gesagt, als ich nach Stuttgart reist zu dieser Generalversammlung der Deutschen Anthroposophischen Gesellschaft, daß es notwendig wäre, weil die Anthroposophie von Deutschland ausgegangen ist und die Welt das auch weiß und akzeptiert hat, daß zunächst innerhalb der Deutschen Anthroposophischen Gesellschaft eine gewisse Ordnung geschaffen werde, daß aber dann dies der Ausgangspunkt sein soll für das Ordnung-Schaffen auch außerhalb. Ich stelle mir allerdings vor, daß die Anthroposophischen Gesellschaften in den verschiedensten Sprachgebieten, die ja überall vorhanden sind, sich nun auch veranlaßt sehen werden, in einem ähnlichen oder in einem andern Sinne etwas zur Konsolidierung der Gesellschaft zu tun, so daß tatsächlich überall der Versuch gemacht wird, die Lebensbedingungen dieser Anthroposophischen Gesellschaft so zu gestalten, daß Anthroposophie der Welt das werden kann, was sie werden soll.

[ 32 ] But I did say back then, when I traveled to Stuttgart for this General Assembly of the German Anthroposophical Society, that it would be necessary—since anthroposophy originated in Germany and the world knows and has accepted this—to first establish a certain order within the German Anthroposophical Society, but that this should then serve as the starting point for establishing order outside of it as well. I do have a mental image of the Anthroposophical Societies in the various language regions—which, after all, exist everywhere—feeling compelled to take steps, in a similar or different way, to consolidate the Society, so that everywhere an effort is made to shape the conditions of life within this Anthroposophical Society in such a way that Anthroposophy can become for the world what it is meant to be.