Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272
11 April 1915, Dornach
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Faust, der strebende Mensch Geisteswissenschaftliche
4. Das Eindringen Fausts in die Geistige Welt
4. Das Eindringen Fausts in die Geistige Welt
nach einer eurythmisch-dramatischen Darstellung
nach einer eurythmisch-dramatischen Darstellung
[ 1 ] Wir haben heute vorausgehen lassen der Osterszene im «Faust» die Szene, in welcher dem Faust der Erdgeist erscheint. Wir konnten heute vor acht Tagen so manchen Gedanken an den «Faust» anknüpfen, welcher demjenigen bedeutungsvoll sein kann, der sich geisteswissenschaftlich den Gesetzen der Welt, dem Leben der Welt nähern will. Es ist wirklich nicht, um Ihnen Erklärungen zu geben zu Goethes «Faust», daß das letzte Mal, am Ostersonntag, und dieses Mal hier angeknüpft wird von mir auch an diese dichterische Schöpfung Goethes, es ist aus dem Grunde, weil an den künstlerischen Bildern, die uns im «Faust» entgegentreten, die Menschenseele wirklich etwas von dem wahrnehmen kann, was man Entwickelung dieser Seele nennen muß in die geistigen Welten hinein, was man Sich-Einleben nennen kann in die geistigen Welten. Insofern wir gewissermaßen in den «Faust» uns vertiefen können in geisteswissenschaftlicher Hinsicht, dürfen wir schon an diese dichterische Schöpfung die eine oder andere Betrachtung anknüpfen. Es ist ja im Grunde Goethes «Faust» der Ausdruck des Hineinstrebens in die geistige Welt bei Goethe, also der Ausdruck dafür, wie an einem wichtigen Wendepunkt der neueren Geschichte ein so tiefer Geist wie Goethe hineinzukommen versuchte in die Welt, die wir durch unsere geisteswissenschaftliche Vertiefung suchen.
[ 1 ] Wir haben heute vorausgehen lassen der Osterszene im «Faust» die Szene, in welcher dem Faust der Erdgeist erscheint. Wir konnten heute vor acht Tagen so manchen Gedanken an den «Faust» anknüpfen, welcher demjenigen bedeutungsvoll sein kann, der sich geisteswissenschaftlich den Gesetzen der Welt, dem Leben der Welt nähern will. Es ist wirklich nicht, um Ihnen Erklärungen zu geben zu Goethes «Faust», daß das letzte Mal, am Ostersonntag, und dieses Mal hier angeknüpft wird von mir auch an diese dichterische Schöpfung Goethes, es ist aus dem Grunde, weil an den künstlerischen Bildern, die uns im «Faust» entgegentreten, die Menschenseele wirklich etwas von dem wahrnehmen kann, was man Entwickelung dieser Seele nennen muß in die geistigen Welten hinein, was man Sich-Einleben nennen kann in die geistigen Welten. Insofern wir gewissermaßen in den «Faust» uns vertiefen können in geisteswissenschaftlicher Hinsicht, dürfen wir schon an diese dichterische Schöpfung die eine oder andere Betrachtung anknüpfen. Es ist ja im Grunde Goethes «Faust» der Ausdruck des Hineinstrebens in die geistige Welt bei Goethe, also der Ausdruck dafür, wie an einem wichtigen Wendepunkt der neueren Geschichte ein so tiefer Geist wie Goethe hineinzukommen versuchte in die Welt, die wir durch unsere geisteswissenschaftliche Vertiefung suchen.
[ 2 ] Wir haben uns das letzte Mal davon überzeugen können, daß Goethe in einer Zeit lebte, in der es wirklich noch nicht möglich war, in klarer, ich möchte sagen, eindeutiger Weise den Weg zu finden in die geistigen Welten hinein. Wir haben uns überzeugen können, daß solche Wahrheiten wie die von der Bedeutung Luzifers und Ahrimans vor Goethes Seele noch schwebten als unklare Erkenntnis, man möchte sagen, wie ein unklares Ahnen der geistigen Welt, und wir haben uns überzeugen können, daß in der Gestalt des Mephisto zusammengeflossen sind die beiden Gestalten des Luzifer und Ahriman, daß Goethe also ein unklares Gebilde in Mephisto vor sich hat, dem er in eindeutiger geisteswissenschaftlicher Beziehung gar nicht nahekommen kann. Und so können wir gerade in diesem Streben Goethes, wie es sich im «Faust» ausdrückte, sehen, mit welchem Ernste und mit welcher inneren Gewissenhaftigkeit, man möchte sagen, mit welcher Verantwortung vor unserer eigenen Seele wir das betreiben sollen, was uns geisteswissenschaftliche Vertiefung eröffnen soll. Wenn ein Geist, der so tief ist, solche Schwierigkeiten im Wege findet zu dem, was heute von vielen, vielen Menschen schon gesucht werden will, so ist wirklich Gelegenheit, gerade an dem Suchen und Streben Goethes vieles zu lernen. Man möchte wünschen, daß jeder, der sich ein wenig in die Ergebnisse unserer Geisteswissenschaft vertieft hat, wiederum heranginge an dieses Dokument, an Goethes «Faust», der ein Dokument ist aus der Morgenröte, noch nicht aus der Zeit nach dem Sonnenaufgang der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen. Ich habe das letzte Mal gesagt, daß Goethe die Reife seines Lebens brauchte, um aus dem Zustand herauszukommen, in dem seine Seele in der Jugend war. Goethes Seele kann sich nicht damit begnügen, nur daß in der Welt zu sehen, was die sinnlichen Augen sehen, was der an das Gehirn gebundene Verstand wahrnimmt. Und was da in seiner Seele lebte und wühlte nach den tieferen geistigen Grundlagen des Lebens, das gestaltete er in dem strebenden Faust, der nicht ein Abbild von Goethe ist, der aber gewisse Seiten des Goetheschen Strebens und Goetheschen Lebens wirklich künstlerisch real zur Darstellung bringt. Und so haben wir denn gerade in der Erdgeistszene etwas vor uns, was zu den ältesten Partien des «Faust» gehört, die Goethe niedergeschrieben hat.
[ 2 ] Wir haben uns das letzte Mal davon überzeugen können, daß Goethe in einer Zeit lebte, in der es wirklich noch nicht möglich war, in klarer, ich möchte sagen, eindeutiger Weise den Weg zu finden in die geistigen Welten hinein. Wir haben uns überzeugen können, daß solche Wahrheiten wie die von der Bedeutung Luzifers und Ahrimans vor Goethes Seele noch schwebten als unklare Erkenntnis, man möchte sagen, wie ein unklares Ahnen der geistigen Welt, und wir haben uns überzeugen können, daß in der Gestalt des Mephisto zusammengeflossen sind die beiden Gestalten des Luzifer und Ahriman, daß Goethe also ein unklares Gebilde in Mephisto vor sich hat, dem er in eindeutiger geisteswissenschaftlicher Beziehung gar nicht nahekommen kann. Und so können wir gerade in diesem Streben Goethes, wie es sich im «Faust» ausdrückte, sehen, mit welchem Ernste und mit welcher inneren Gewissenhaftigkeit, man möchte sagen, mit welcher Verantwortung vor unserer eigenen Seele wir das betreiben sollen, was uns geisteswissenschaftliche Vertiefung eröffnen soll. Wenn ein Geist, der so tief ist, solche Schwierigkeiten im Wege findet zu dem, was heute von vielen, vielen Menschen schon gesucht werden will, so ist wirklich Gelegenheit, gerade an dem Suchen und Streben Goethes vieles zu lernen. Man möchte wünschen, daß jeder, der sich ein wenig in die Ergebnisse unserer Geisteswissenschaft vertieft hat, wiederum heranginge an dieses Dokument, an Goethes «Faust», der ein Dokument ist aus der Morgenröte, noch nicht aus der Zeit nach dem Sonnenaufgang der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen. Ich habe das letzte Mal gesagt, daß Goethe die Reife seines Lebens brauchte, um aus dem Zustand herauszukommen, in dem seine Seele in der Jugend war. Goethes Seele kann sich nicht damit begnügen, nur daß in der Welt zu sehen, was die sinnlichen Augen sehen, was der an das Gehirn gebundene Verstand wahrnimmt. Und was da in seiner Seele lebte und wühlte nach den tieferen geistigen Grundlagen des Lebens, das gestaltete er in dem strebenden Faust, der nicht ein Abbild von Goethe ist, der aber gewisse Seiten des Goetheschen Strebens und Goetheschen Lebens wirklich künstlerisch real zur Darstellung bringt. Und so haben wir denn gerade in der Erdgeistszene etwas vor uns, was zu den ältesten Partien des «Faust» gehört, die Goethe niedergeschrieben hat.
[ 3 ] Ich habe das letzte Mal über Goethes «Faust» so gesprochen, daß, wenn ich so mißverstanden würde dabei, wie ich es oftmals werde, man hingehen könnte und sagen, ich hätte den «Faust» ein mangelhaftes Kunstwerk genannt, hätte sogar über den «Faust» manches herbe Wort gesagt. Und jemand, der besonders erfinderisch ist, könnte sagen, ich hätte eine Wendung in meiner Auffassung Goethes durchgemacht, denn ich war ja früher ein Goethe-Verehrer und habe mich nun bezeugt als ein solcher, der Goethe abkanzelt. Nun, daß ich Goethe nicht weniger verehre, als ich ihn jemals verehrt habe, daß er mir als der grandioseste Geist der neueren Zeit erscheint, das sollte ich nicht zu erwähnen brauchen. Aber das, was verehrende Hingabe an eine Persönlichkeit ist, soll uns niemals zu einem blinden Autoritätsgefühl bringen, sondern uns immer einen klaren Blick bewahren für dasjenige, was wir als die Wahrheit erkannt haben.
[ 3 ] Ich habe das letzte Mal über Goethes «Faust» so gesprochen, daß, wenn ich so mißverstanden würde dabei, wie ich es oftmals werde, man hingehen könnte und sagen, ich hätte den «Faust» ein mangelhaftes Kunstwerk genannt, hätte sogar über den «Faust» manches herbe Wort gesagt. Und jemand, der besonders erfinderisch ist, könnte sagen, ich hätte eine Wendung in meiner Auffassung Goethes durchgemacht, denn ich war ja früher ein Goethe-Verehrer und habe mich nun bezeugt als ein solcher, der Goethe abkanzelt. Nun, daß ich Goethe nicht weniger verehre, als ich ihn jemals verehrt habe, daß er mir als der grandioseste Geist der neueren Zeit erscheint, das sollte ich nicht zu erwähnen brauchen. Aber das, was verehrende Hingabe an eine Persönlichkeit ist, soll uns niemals zu einem blinden Autoritätsgefühl bringen, sondern uns immer einen klaren Blick bewahren für dasjenige, was wir als die Wahrheit erkannt haben.
[ 4 ] Aus verschiedenen Teilen ist der «Faust», man kann sagen, zusammengelegt, um nicht zu sagen -geleimt, und man kann sagen, daß Goethe in der Zeit, als er die ältesten Partien des «Faust» schon in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts geschrieben hat, wirklich nicht imstande gewesen ist, die späteren Partien zu schreiben, daß er wirklich erst reifen mußte, um von seiner Sehnsucht nach der geistigen Welt zu dem zu kommen, was man sein Verständnis für das Christentum nennen kann. Erst die Reife des Lebens brachte Goethe dazu, den Faust, der nach der Geisterwelt sucht, künstlerisch so weiterzuführen, daß dieser Faust dazu kommt, dem Leben erhalten zu werden durch die Östererinnerung, ja, daß dieser Faust sogar dazu kommt, das Evangelium in die Hand zu nehmen und zu beginnen damit, das Johannes-Evangelium zu übersetzen. Wenn man heute so manche Leute hört, daß sie nichts brauchen von geistiger Erkenntnis, um die Tiefen des Christentums auszuschöpfen, daß also diese Geisteswissenschaft ein unnötiges Zeug ist, weil das Christentum schon hinlänglich verstanden werden kann durch das, was jeder Pfarrer von der Kanzel verkündet, daß bloßes Glauben insbesondere in diesem Christentum walten müsse, und man vergleicht solche Seelenstimmung mit dem, was da über Goethe gesagt werden muß, der als einer der tiefsten Geister Jahrzehnte brauchte, um zu seinem Verständnis für das Christentum heranzureifen, dann kann man einen Begriff bekommen von dem ungeheuren Hochmut, dem ungeheuren Dünkel, der in den Menschen steckt, die da, dünkelhaft und hochmütig von der Einfalt ihres Gemütes immer redend, das wegweisen, was sie nicht brauchen — den Inhalt der Geisteswissenschaft, was sie nicht brauchen nach ihrer Anschauung.
[ 4 ] Aus verschiedenen Teilen ist der «Faust», man kann sagen, zusammengelegt, um nicht zu sagen -geleimt, und man kann sagen, daß Goethe in der Zeit, als er die ältesten Partien des «Faust» schon in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts geschrieben hat, wirklich nicht imstande gewesen ist, die späteren Partien zu schreiben, daß er wirklich erst reifen mußte, um von seiner Sehnsucht nach der geistigen Welt zu dem zu kommen, was man sein Verständnis für das Christentum nennen kann. Erst die Reife des Lebens brachte Goethe dazu, den Faust, der nach der Geisterwelt sucht, künstlerisch so weiterzuführen, daß dieser Faust dazu kommt, dem Leben erhalten zu werden durch die Östererinnerung, ja, daß dieser Faust sogar dazu kommt, das Evangelium in die Hand zu nehmen und zu beginnen damit, das Johannes-Evangelium zu übersetzen. Wenn man heute so manche Leute hört, daß sie nichts brauchen von geistiger Erkenntnis, um die Tiefen des Christentums auszuschöpfen, daß also diese Geisteswissenschaft ein unnötiges Zeug ist, weil das Christentum schon hinlänglich verstanden werden kann durch das, was jeder Pfarrer von der Kanzel verkündet, daß bloßes Glauben insbesondere in diesem Christentum walten müsse, und man vergleicht solche Seelenstimmung mit dem, was da über Goethe gesagt werden muß, der als einer der tiefsten Geister Jahrzehnte brauchte, um zu seinem Verständnis für das Christentum heranzureifen, dann kann man einen Begriff bekommen von dem ungeheuren Hochmut, dem ungeheuren Dünkel, der in den Menschen steckt, die da, dünkelhaft und hochmütig von der Einfalt ihres Gemütes immer redend, das wegweisen, was sie nicht brauchen — den Inhalt der Geisteswissenschaft, was sie nicht brauchen nach ihrer Anschauung.
[ 5 ] In der Erdgeistszene haben wir etwas von dem vor uns, was Goethe in seiner Jugend, in den Dreißigerjahren, auch in den letzten Zwanzigerjahren seines Lebens beschäftigte. Wir ersehen aus dieser Erdgeistszene und aus dem, was vorhergegangen ist, dem sogenannten ersten Faust-Monolog, wie Goethe sich vertieft hat auch in die sogenannte okkultistisch-mystische Literatur, wie er versucht hat, durch dasjenige, was diese Literatur ihm gegeben hat, in Meditation, in meditativer Hingabe, die geistige Welt zu finden. Wir sehen ihn gerade in der Szene, die uns heute vorgeführt worden ist, mitten darinnen im Suchen durch die Meditation, die sich ihm ergibt aus den Andeutungen, die er, wie es hier gesagt wird, aus einem okkultistisch-mystischen Buch, aus einem alten mystischen Buch des Nostradamus, gewinnen kann, wie er sich bestrebt durch seine Meditation, die sich ihm aus einem mystischen Buch ergibt, sich hinaufzuschwingen in die geistigen Welten.
[ 5 ] In der Erdgeistszene haben wir etwas von dem vor uns, was Goethe in seiner Jugend, in den Dreißigerjahren, auch in den letzten Zwanzigerjahren seines Lebens beschäftigte. Wir ersehen aus dieser Erdgeistszene und aus dem, was vorhergegangen ist, dem sogenannten ersten Faust-Monolog, wie Goethe sich vertieft hat auch in die sogenannte okkultistisch-mystische Literatur, wie er versucht hat, durch dasjenige, was diese Literatur ihm gegeben hat, in Meditation, in meditativer Hingabe, die geistige Welt zu finden. Wir sehen ihn gerade in der Szene, die uns heute vorgeführt worden ist, mitten darinnen im Suchen durch die Meditation, die sich ihm ergibt aus den Andeutungen, die er, wie es hier gesagt wird, aus einem okkultistisch-mystischen Buch, aus einem alten mystischen Buch des Nostradamus, gewinnen kann, wie er sich bestrebt durch seine Meditation, die sich ihm aus einem mystischen Buch ergibt, sich hinaufzuschwingen in die geistigen Welten.
[ 6 ] Versuchen wir es uns einmal vorzustellen, in welche Welten Faust, und damit auch Goethe, eigentlich da hinauf will. Wenn die Seele des Menschen es wirklich dahin gebracht hat, ihre innere Kraft so zu verstärken, daß der geistig-seelische Wesenskern des Menschen frei wird von dem Instrument des physischen Leibes, wenn die Seele gewissermaßen mit ihren im gewöhnlichen alltäglichen Leben gar nicht für sie wahrnehmbaren Kräften herausgeschlüpft ist aus dem physischen Leib, was wird — nicht etwa der physische Leib selbst in seiner Raumesumgrenzung, sondern das physische Leben, mit dem der Mensch geistig dann doch immer zusammenhängt, weil ein Strahl oder Strom zu diesem physischen Leben hingeht -, was wird für die menschliche Seele dieses physische Erleben? Es geht auch in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durch die Zeit zurück ein Strahl oder Strom des geistigen Lebens bis zu dem, was wir auf der Erde durchlebt haben, wie Sie das entnehmen können aus Darstellungen früherer Vorträge, es geht also immer so etwas wie eine geistige Handausstreckung, oder mehr noch als eine geistige Handausstreckung, zurück zu dem, was physisches Erleben ist. Was wird denn dieses physische Erleben für die menschliche Seele, die frei geworden ist von dem Gebrauch des Instrumentes des physischen Leibes? Ich möchte sagen: Das ganze physische Erleben wird für den Menschen, der aus diesem physischen Erleben heraußen ist, Seelenorgan. Das physische Erleben wird gleichsam Auge oder Ohr, der ganze Mensch wird ein Sinnesorgan, ein geistiges Sinnesorgan, ein Organ, könnte man sagen, nunmehr der ganzen Erde, die hinausschaut in den Weltenraum. — Damit unser Auge die physischen Gegenstände sehen kann, müssen wir außerhalb unseres Auges sein, das Auge muß eingebettet sein wie eine Art selbständiges Organ in die Augenhöhle, die sogar durch Knochenwandungen abgeschlossen ist, so daß das Auge ein verhältnismäßig selbständiges Organ ist. In ähnlicher Weise ist auch das Ohr abgeschlossen. Wiederum der ganze physische Apparat des Gehirns ist in die Kopfhöhle eingeschlossen und von dem übrigen Leibe des Menschen abgeschlossen. So abgeschlossen muß werden das physische Erleben des Menschen, daß es eine Art Sinnesorgan wird, eine Art Auge oder Ohr, durch das der Mensch dann, der außerhalb dessen ist, was sein physisches Erleben ist, hinausschaut in den weiten Weltenraum.
[ 6 ] Versuchen wir es uns einmal vorzustellen, in welche Welten Faust, und damit auch Goethe, eigentlich da hinauf will. Wenn die Seele des Menschen es wirklich dahin gebracht hat, ihre innere Kraft so zu verstärken, daß der geistig-seelische Wesenskern des Menschen frei wird von dem Instrument des physischen Leibes, wenn die Seele gewissermaßen mit ihren im gewöhnlichen alltäglichen Leben gar nicht für sie wahrnehmbaren Kräften herausgeschlüpft ist aus dem physischen Leib, was wird — nicht etwa der physische Leib selbst in seiner Raumesumgrenzung, sondern das physische Leben, mit dem der Mensch geistig dann doch immer zusammenhängt, weil ein Strahl oder Strom zu diesem physischen Leben hingeht -, was wird für die menschliche Seele dieses physische Erleben? Es geht auch in dem Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt durch die Zeit zurück ein Strahl oder Strom des geistigen Lebens bis zu dem, was wir auf der Erde durchlebt haben, wie Sie das entnehmen können aus Darstellungen früherer Vorträge, es geht also immer so etwas wie eine geistige Handausstreckung, oder mehr noch als eine geistige Handausstreckung, zurück zu dem, was physisches Erleben ist. Was wird denn dieses physische Erleben für die menschliche Seele, die frei geworden ist von dem Gebrauch des Instrumentes des physischen Leibes? Ich möchte sagen: Das ganze physische Erleben wird für den Menschen, der aus diesem physischen Erleben heraußen ist, Seelenorgan. Das physische Erleben wird gleichsam Auge oder Ohr, der ganze Mensch wird ein Sinnesorgan, ein geistiges Sinnesorgan, ein Organ, könnte man sagen, nunmehr der ganzen Erde, die hinausschaut in den Weltenraum. — Damit unser Auge die physischen Gegenstände sehen kann, müssen wir außerhalb unseres Auges sein, das Auge muß eingebettet sein wie eine Art selbständiges Organ in die Augenhöhle, die sogar durch Knochenwandungen abgeschlossen ist, so daß das Auge ein verhältnismäßig selbständiges Organ ist. In ähnlicher Weise ist auch das Ohr abgeschlossen. Wiederum der ganze physische Apparat des Gehirns ist in die Kopfhöhle eingeschlossen und von dem übrigen Leibe des Menschen abgeschlossen. So abgeschlossen muß werden das physische Erleben des Menschen, daß es eine Art Sinnesorgan wird, eine Art Auge oder Ohr, durch das der Mensch dann, der außerhalb dessen ist, was sein physisches Erleben ist, hinausschaut in den weiten Weltenraum.
[ 7 ] Was da erlebt wird, das kann man auch so darstellen: man kann sagen, man sei jetzt in der Welt, die in dem Buche «’Theosophie» als Seelenwelt dargestellt wird. Es ist dies die Welt, in die man zuerst eintritt, wenn man das Erlebnis hat, mit der selbständig gewordenen Seele außerhalb des Leibes zu sein und das eigene physische Erleben außerhalb seiner hat. In dem Wiener Zyklus vom April 1914 habe ich geschildert, wie der Mensch auch in dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt durch sein letztes Erdenleben ein geistig-seelisches Sinnesorgan hat, um die übrige Welt wahrzunehmen, das heißt, daß er durch dieses Erdenleben die übrige Welt wahrnimmt. In dieser Welt finden wir dann auch eine längere Zeit nach dem Tode unsere Verstorbenen, bis sie in eine andere Welt aufrücken, die dann erst durch einen späteren Entwickelungszustand der Seele erreicht werden kann, auch für den menschlichen Eingeweihten. In dieser Welt, in die wir da einrücken, muß so manches dem Betrachter auffallen. Man kann nur Einzelheiten über diese Welt sagen. Sie müssen zusammenholen aus den verschiedenen Vorträgen, was diese übersinnliche Welt charakterisiert. Was vor allen Dingen sogleich der Seele auffällt, ist, daß die Seele, indem sie frei geworden ist vom Leibe und sich einlebt in eine neue Welt, nun zunächst erlöschen sieht die Sterne, die Sterne erlöschen fühlt. Die Seele lebt sich ein in eine elementare Welt, so daß sie nunmehr mit dem Luftmeer webt, mit der in der Welt wallenden Wärme selbst mitwallt, mit dem Lichte hinausstrahlt, und da die Seele mit dem Lichte hinstrahlt, kann sie nicht durch das Licht die äußeren Gegenstände sehen. Deshalb verlöschen Sonne und Sterne, und der Mond erlischt mit seinem Lichte vor der Seele. Es ist nicht ein äußeres Anschauen, in dem man dann ist, es ist ein Miterleben der elementaren Welt. Und es ist zu gleicher Zeit ein Miterleben desjenigen, was man die Kraft der historischen Geschehnisse, des geschichtlichen Werdens nennt. In dieser Welt kann man ablaufen sehen das, was die Geschichte im Menschenleben wirklich macht.
[ 7 ] Was da erlebt wird, das kann man auch so darstellen: man kann sagen, man sei jetzt in der Welt, die in dem Buche «’Theosophie» als Seelenwelt dargestellt wird. Es ist dies die Welt, in die man zuerst eintritt, wenn man das Erlebnis hat, mit der selbständig gewordenen Seele außerhalb des Leibes zu sein und das eigene physische Erleben außerhalb seiner hat. In dem Wiener Zyklus vom April 1914 habe ich geschildert, wie der Mensch auch in dem Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt durch sein letztes Erdenleben ein geistig-seelisches Sinnesorgan hat, um die übrige Welt wahrzunehmen, das heißt, daß er durch dieses Erdenleben die übrige Welt wahrnimmt. In dieser Welt finden wir dann auch eine längere Zeit nach dem Tode unsere Verstorbenen, bis sie in eine andere Welt aufrücken, die dann erst durch einen späteren Entwickelungszustand der Seele erreicht werden kann, auch für den menschlichen Eingeweihten. In dieser Welt, in die wir da einrücken, muß so manches dem Betrachter auffallen. Man kann nur Einzelheiten über diese Welt sagen. Sie müssen zusammenholen aus den verschiedenen Vorträgen, was diese übersinnliche Welt charakterisiert. Was vor allen Dingen sogleich der Seele auffällt, ist, daß die Seele, indem sie frei geworden ist vom Leibe und sich einlebt in eine neue Welt, nun zunächst erlöschen sieht die Sterne, die Sterne erlöschen fühlt. Die Seele lebt sich ein in eine elementare Welt, so daß sie nunmehr mit dem Luftmeer webt, mit der in der Welt wallenden Wärme selbst mitwallt, mit dem Lichte hinausstrahlt, und da die Seele mit dem Lichte hinstrahlt, kann sie nicht durch das Licht die äußeren Gegenstände sehen. Deshalb verlöschen Sonne und Sterne, und der Mond erlischt mit seinem Lichte vor der Seele. Es ist nicht ein äußeres Anschauen, in dem man dann ist, es ist ein Miterleben der elementaren Welt. Und es ist zu gleicher Zeit ein Miterleben desjenigen, was man die Kraft der historischen Geschehnisse, des geschichtlichen Werdens nennt. In dieser Welt kann man ablaufen sehen das, was die Geschichte im Menschenleben wirklich macht.
[ 8 ] In ihrer weiteren meditativen Entwickelung kann sich dann die Seele hinaufringen zu einem höheren Erleben. Da wird ihr nicht mehr bloß das eigene Erleben ein geistig-seelisches Sinnesorgan, sondern da wird die ganze Erde Sinnesorgan. Ganz paradox gesprochen, aber Sie werden mich verstehen, muß da die Menschenseele vorrücken zu einem solchen Erleben, von dem man sagen kann: Der Mensch ist jetzt etwas, in dem eingesetzt ist die ganze Erdkugel, wie sonst das Auge oder Ohr eingesetzt sind unserem Leibe, und wie wir sonst mit den Augen sehen, mit den Ohren hören, so nehmen wir mit der ganzen Erde und ihrem Erleben wahr den Weltenraum. — Da werden wir gewahr, daß das, was die Physiker von der Sonne und den Sternen sagen, eine bloße materialistische Träumerei ist. Die Sterne sind ja schon erloschen, die Sonne, das Mondenlicht ist erloschen in der vorhergehenden Welt. Jetzt aber werden wir gewahr, daß da, wo wir die Sonne vermuteten, eine Gemeinschaft von Geistern ist, daß überall, wo wir einen Stern vermuteten, eine geistige Welt ist. Und wir werden gewahr, indem wir uns zurückerinnern an das Erdenleben, daß das eine phantastische materialistische Träumerei ist, wovon die Physiker sprechen, denn wenn uns Sterne oder Sonnen erscheinen, so ist dies, weil irgendwo in der geistigen Welt der Sitz ist von einer geistigen Gemeinschaft, wie es die Erde für eine Gemeinschaft von Menschen ist. Aber so wenig man von einem fernen Stern die physischen Leiber wahrnehmen würde, nur die Menschenseelen, so wenig kann gesagt werden, daß uns da oben von den Sternen irgend etwas interessieren könnte, was nicht geistig-seelischer Natur ist. Das aber, was wir sehen, das müssen wir uns vorstellen gleichsam als die Dünste der Erdenatmosphäre, die zusammenstoßen mit dem, was da hereinkommt, und nichts sehen kann das physische Auge von dem, was der Stern wirklich ist, sondern den Dunst, den die Erde selber hinauswirft in den Weltenraum. All das, was wir als Sternenhimmel sehen, ist nichts als das aus dem Materiellen, allerdings ätherischen Materiellen der Erde selbst Gewobene, ist ein Vorhang, den die Erde hinzieht vor dem, was dahinter ist. Wenn aber die Seele dazukommt, sich hinauszuleben in diese Welt hinein, dann nimmt sie wahr, wie da draußen nicht diese phantastischen Sterne sind, diese materialistisch-phantastischen Sterne, von denen die Physiker sprechen, sondern lebendige Wesenheiten, lebendige Wesensgemeinschaften, auf- und abschwebend, hin- und herwebend im Weltenraum draußen und sich die Gaben von oben nach unten reichend, und wiederum werden die Gaben von unten nach oben gereicht. Wenn man ins Geistige umsetzt die Worte:
[ 8 ] In ihrer weiteren meditativen Entwickelung kann sich dann die Seele hinaufringen zu einem höheren Erleben. Da wird ihr nicht mehr bloß das eigene Erleben ein geistig-seelisches Sinnesorgan, sondern da wird die ganze Erde Sinnesorgan. Ganz paradox gesprochen, aber Sie werden mich verstehen, muß da die Menschenseele vorrücken zu einem solchen Erleben, von dem man sagen kann: Der Mensch ist jetzt etwas, in dem eingesetzt ist die ganze Erdkugel, wie sonst das Auge oder Ohr eingesetzt sind unserem Leibe, und wie wir sonst mit den Augen sehen, mit den Ohren hören, so nehmen wir mit der ganzen Erde und ihrem Erleben wahr den Weltenraum. — Da werden wir gewahr, daß das, was die Physiker von der Sonne und den Sternen sagen, eine bloße materialistische Träumerei ist. Die Sterne sind ja schon erloschen, die Sonne, das Mondenlicht ist erloschen in der vorhergehenden Welt. Jetzt aber werden wir gewahr, daß da, wo wir die Sonne vermuteten, eine Gemeinschaft von Geistern ist, daß überall, wo wir einen Stern vermuteten, eine geistige Welt ist. Und wir werden gewahr, indem wir uns zurückerinnern an das Erdenleben, daß das eine phantastische materialistische Träumerei ist, wovon die Physiker sprechen, denn wenn uns Sterne oder Sonnen erscheinen, so ist dies, weil irgendwo in der geistigen Welt der Sitz ist von einer geistigen Gemeinschaft, wie es die Erde für eine Gemeinschaft von Menschen ist. Aber so wenig man von einem fernen Stern die physischen Leiber wahrnehmen würde, nur die Menschenseelen, so wenig kann gesagt werden, daß uns da oben von den Sternen irgend etwas interessieren könnte, was nicht geistig-seelischer Natur ist. Das aber, was wir sehen, das müssen wir uns vorstellen gleichsam als die Dünste der Erdenatmosphäre, die zusammenstoßen mit dem, was da hereinkommt, und nichts sehen kann das physische Auge von dem, was der Stern wirklich ist, sondern den Dunst, den die Erde selber hinauswirft in den Weltenraum. All das, was wir als Sternenhimmel sehen, ist nichts als das aus dem Materiellen, allerdings ätherischen Materiellen der Erde selbst Gewobene, ist ein Vorhang, den die Erde hinzieht vor dem, was dahinter ist. Wenn aber die Seele dazukommt, sich hinauszuleben in diese Welt hinein, dann nimmt sie wahr, wie da draußen nicht diese phantastischen Sterne sind, diese materialistisch-phantastischen Sterne, von denen die Physiker sprechen, sondern lebendige Wesenheiten, lebendige Wesensgemeinschaften, auf- und abschwebend, hin- und herwebend im Weltenraum draußen und sich die Gaben von oben nach unten reichend, und wiederum werden die Gaben von unten nach oben gereicht. Wenn man ins Geistige umsetzt die Worte:
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!
Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen
Und sich die goldnen Eimer reichen!
[ 9 ] — Kräfte, aber jetzt in dem Sinne, wie wir von Urkräften sprechen -,
[ 9 ] — Kräfte, aber jetzt in dem Sinne, wie wir von Urkräften sprechen -,
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!
Mit segenduftenden Schwingen
Vom Himmel durch die Erde dringen,
Harmonisch all das All durchklingen!
[ 10 ] das aber alles geistig-seelisch vorgestellt, dann haben wir ungefähr die Welt, in welche die Seele sich hinauslebt.
[ 10 ] das aber alles geistig-seelisch vorgestellt, dann haben wir ungefähr die Welt, in welche die Seele sich hinauslebt.
[ 11 ] Wenn wir uns nun vorstellen, was hatte denn Faust in der Zeit, in der er uns da vorgeführt wird, von alldem, was jetzt beschrieben worden ist? Er hat ein altes Buch aufgeschlagen, geschrieben von einem, der eine alte Anschauung in Zeichen aufgezeichnet hat: das hat das Zeichen des Makrokosmos gegeben. Aber Faust ist natürlich nicht in der Lage, mit seiner Seele sich hinauszuleben in Welten, wo die Wesenheiten im Weltenraum ihr großes Geschehen entwickeln. Faust ist nicht in der Lage, da hinaufzukommen. Er sieht nur das Zeichen, das einer hingeschrieben hat, der da hinausgelangt ist, das Zeichen des Makrokosmos. Aber ein Traum, eine Ahnung wird hervorgerufen, daß dieses Zeichen etwas bedeutet. Denken Sie sich also in Ihre Seele hinein, daß Sie niemals etwas von Geisteswissenschaft gehört hätten, daß Sie das Zeichen vor sich hätten, aber daß Sie eine Ahnung hätten, daß einmal einer etwas Ähnliches gesehen hat, das Sie auch sehen möchten, dann sind Sie in Fausts Seele darinnen. Zunächst können Sie sich hineinträumen, daß Ihnen Ihre Phantasie irgend etwas durch diese äußeren Zeichen, die im wesentlichen die Zeichen des Tierkreises sind, die Zeichen der Elemente, die Zeichen der Planeten, belebe, können sogar zunächst mit überquellendem Gefühl in die Worte ausbrechen:
[ 11 ] Wenn wir uns nun vorstellen, was hatte denn Faust in der Zeit, in der er uns da vorgeführt wird, von alldem, was jetzt beschrieben worden ist? Er hat ein altes Buch aufgeschlagen, geschrieben von einem, der eine alte Anschauung in Zeichen aufgezeichnet hat: das hat das Zeichen des Makrokosmos gegeben. Aber Faust ist natürlich nicht in der Lage, mit seiner Seele sich hinauszuleben in Welten, wo die Wesenheiten im Weltenraum ihr großes Geschehen entwickeln. Faust ist nicht in der Lage, da hinaufzukommen. Er sieht nur das Zeichen, das einer hingeschrieben hat, der da hinausgelangt ist, das Zeichen des Makrokosmos. Aber ein Traum, eine Ahnung wird hervorgerufen, daß dieses Zeichen etwas bedeutet. Denken Sie sich also in Ihre Seele hinein, daß Sie niemals etwas von Geisteswissenschaft gehört hätten, daß Sie das Zeichen vor sich hätten, aber daß Sie eine Ahnung hätten, daß einmal einer etwas Ähnliches gesehen hat, das Sie auch sehen möchten, dann sind Sie in Fausts Seele darinnen. Zunächst können Sie sich hineinträumen, daß Ihnen Ihre Phantasie irgend etwas durch diese äußeren Zeichen, die im wesentlichen die Zeichen des Tierkreises sind, die Zeichen der Elemente, die Zeichen der Planeten, belebe, können sogar zunächst mit überquellendem Gefühl in die Worte ausbrechen:
Welch Schauspiel!
Welch Schauspiel!
[ 12 ] Aber das schlägt sich Ihnen zurück, denn jetzt werden Sie gewahr, Sie haben nichts als das Zeichen im Buche, nichts als eine Phantasie ...
[ 12 ] Aber das schlägt sich Ihnen zurück, denn jetzt werden Sie gewahr, Sie haben nichts als das Zeichen im Buche, nichts als eine Phantasie ...
Aber ach! ein Schauspiel nur!
Aber ach! ein Schauspiel nur!
[ 13 ] Sogar nur ein Schauspiel als innere Phantasie! Und zurückgeworfen sind Sie. Das Zeichen hat Sie zu nichts gebracht, im Gegenteil, es hat Sie zurückgeworfen, hat Ihnen das Gefühl gebracht: da ist die Welt des Geistes, vor der Sie stehen, aber nirgends finden Sie Eingang.
[ 13 ] Sogar nur ein Schauspiel als innere Phantasie! Und zurückgeworfen sind Sie. Das Zeichen hat Sie zu nichts gebracht, im Gegenteil, es hat Sie zurückgeworfen, hat Ihnen das Gefühl gebracht: da ist die Welt des Geistes, vor der Sie stehen, aber nirgends finden Sie Eingang.
Wo fass’ ich dich, unendliche Natur?
Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens,
An denen Himmel und Erde hängt,
Dahin die welke Brust sich drängt —
Wo fass’ ich dich, unendliche Natur?
Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens,
An denen Himmel und Erde hängt,
Dahin die welke Brust sich drängt —
[ 14 ] Nichts wiederum als das Fühlen in den Elementen drinnen, im Licht und in der Luft, wie ich gesagt habe, in der untergeordneten Welt. Und jetzt sogar deutlich ausgedrückt. Faust hat sich hinaufgedrängt in die geistige Welt, ist zurückgefallen in die Welt, die ich vorhin beschrieben habe als die nächste übersinnliche Welt. Dieses mit dem Luft- und Lichtleben, das drückt sich sehr gut aus in den Worten:
[ 14 ] Nichts wiederum als das Fühlen in den Elementen drinnen, im Licht und in der Luft, wie ich gesagt habe, in der untergeordneten Welt. Und jetzt sogar deutlich ausgedrückt. Faust hat sich hinaufgedrängt in die geistige Welt, ist zurückgefallen in die Welt, die ich vorhin beschrieben habe als die nächste übersinnliche Welt. Dieses mit dem Luft- und Lichtleben, das drückt sich sehr gut aus in den Worten:
Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht’ ich so vergebens?
Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht’ ich so vergebens?
[ 15 ] Er ist ganz in sich zurückgefallen, zurückgefallen aus der geistigen Welt in die elementare Welt. Aber auch diese zu erkennen, ist er ja noch nicht imstande. Da kommt ihm zu Hilfe, daß er das Buch aufschlägt und das Zeichen des Erdgeistes erblickt. Das ist das Zeichen, das nun auch einmal der hingeschrieben hat, der diese untere Welt, die elementarische Welt, als seine eigene Welt gehabt hat. Da fühlt er sich jetzt doch darinnen. Da hat er ein ahnendes Gefühl vom Darinnensein.
[ 15 ] Er ist ganz in sich zurückgefallen, zurückgefallen aus der geistigen Welt in die elementare Welt. Aber auch diese zu erkennen, ist er ja noch nicht imstande. Da kommt ihm zu Hilfe, daß er das Buch aufschlägt und das Zeichen des Erdgeistes erblickt. Das ist das Zeichen, das nun auch einmal der hingeschrieben hat, der diese untere Welt, die elementarische Welt, als seine eigene Welt gehabt hat. Da fühlt er sich jetzt doch darinnen. Da hat er ein ahnendes Gefühl vom Darinnensein.
Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!
Wie anders wirkt dies Zeichen auf mich ein!
[ 16 ] — deshalb, weil er etwas dabei fühlt, weil er von dem Sinnenschein sich abgewendet hat, und etwas fühlt von dem Darinnenstecken in der Welt. Nun spricht er eigentlich immer von dieser Welt:
[ 16 ] — deshalb, weil er etwas dabei fühlt, weil er von dem Sinnenschein sich abgewendet hat, und etwas fühlt von dem Darinnenstecken in der Welt. Nun spricht er eigentlich immer von dieser Welt:
Schon fühl’ ich meine Kräfte höher,
Schon fühl’ ich meine Kräfte höher,
[ 17 ] — das, was man erlebt, wenn man in der Wärme, im Licht lebt -,
[ 17 ] — das, was man erlebt, wenn man in der Wärme, im Licht lebt -,
Schon glüh’ ich wie von neuem Wein.
Schon glüh’ ich wie von neuem Wein.
[ 18 ] Denken Sie sich, wenn Sie Wärme fühlen in der Seele, wenn Sie in der Welt als Wärmewelle leben und weben!
[ 18 ] Denken Sie sich, wenn Sie Wärme fühlen in der Seele, wenn Sie in der Welt als Wärmewelle leben und weben!
Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen.
Ich fühle Mut, mich in die Welt zu wagen.
[ 19 ] Es ist wirklich wie ein sich in den Elementen Bewegen. Ich habe Ihnen gesagt, das Erdenleben wird zum Sinnesorgan, und wie Sie sonst Auge und Ohr in sich fühlen, so fühlen Sie jetzt Ihre Sinnesorgane in der Erde.
[ 19 ] Es ist wirklich wie ein sich in den Elementen Bewegen. Ich habe Ihnen gesagt, das Erdenleben wird zum Sinnesorgan, und wie Sie sonst Auge und Ohr in sich fühlen, so fühlen Sie jetzt Ihre Sinnesorgane in der Erde.
Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen,
Mit Stürmen mich herumzuschlagen, —
Der Erde Weh, der Erde Glück zu tragen,
Mit Stürmen mich herumzuschlagen, —
[ 20 ] wenn Sie als Luftwelle in der Luft sind.
[ 20 ] wenn Sie als Luftwelle in der Luft sind.
Es wölkt sich über mir —
Der Mond verbirgt sein Licht
Es wölkt sich über mir —
Der Mond verbirgt sein Licht
[ 21 ] Kein Wunder! Ich habe Ihnen gerade geschildert, wie das geschieht, wie Sterne, wie der Mond verlöschen. Das Licht verlöscht, weil er mit dem Lichte selbst geht.
[ 21 ] Kein Wunder! Ich habe Ihnen gerade geschildert, wie das geschieht, wie Sterne, wie der Mond verlöschen. Das Licht verlöscht, weil er mit dem Lichte selbst geht.
Es dampft! — Es zucken rote Strahlen
Mir um das Haupt
Es dampft! — Es zucken rote Strahlen
Mir um das Haupt
[ 22 ] Das ist jetzt innerliche Wahrnehmung.
[ 22 ] Das ist jetzt innerliche Wahrnehmung.
Es weht
Ein Schauer vom Gewölb’ herab
und faßt mich an!
Ich fühl’s, du schwebst um mich, erflehter Geist.
Enthülle dich!
Ha! wie’s in meinem Herzen reißt!
Zu neuen Gefühlen
All’ meine Sinnen sich erwühlen!
Es weht
Ein Schauer vom Gewölb’ herab
und faßt mich an!
Ich fühl’s, du schwebst um mich, erflehter Geist.
Enthülle dich!
Ha! wie’s in meinem Herzen reißt!
Zu neuen Gefühlen
All’ meine Sinnen sich erwühlen!
[ 23 ] Merken Sie nicht, wie das Leben in den Elementen da ausgedrückt ist?
[ 23 ] Merken Sie nicht, wie das Leben in den Elementen da ausgedrückt ist?
Ich fühle ganz mein Herz dir hingegeben!
Du mußt, du mußt! und kostet’ es mein Leben!
Ich fühle ganz mein Herz dir hingegeben!
Du mußt, du mußt! und kostet’ es mein Leben!
[ 24 ] Und jetzt spricht er aus seiner Meditation heraus den Spruch, der zum Zeichen des Erdgeistes hinzugeschrieben ist, ein meditativer, suggestiver Spruch, der wirklich ihn zu dem Gesicht des Geistes hinführt, der der Anführer der Geister ist, in deren Bereich wir eintreten, wenn wir die elementarische Welt betreten. Aber sogleich merken wir, daß Faust eigentlich nicht reif ist für diese Welt, sich vor allen Dingen nicht reif fühlen kann für diese Welt. Was soll ihm denn werden, dem Faust? Selbsterkenntnis soll ihm werden, in dem Sinne, daß sie eben die höchste Welterkenntnis ist, indem wir alle das miterleben, was erlebt werden kann, wenn wir im Elementaren schwimmen und weben und wallen und wesen. Aber was sich darinnen individualisiert, Faust kann es nicht erkennen.
[ 24 ] Und jetzt spricht er aus seiner Meditation heraus den Spruch, der zum Zeichen des Erdgeistes hinzugeschrieben ist, ein meditativer, suggestiver Spruch, der wirklich ihn zu dem Gesicht des Geistes hinführt, der der Anführer der Geister ist, in deren Bereich wir eintreten, wenn wir die elementarische Welt betreten. Aber sogleich merken wir, daß Faust eigentlich nicht reif ist für diese Welt, sich vor allen Dingen nicht reif fühlen kann für diese Welt. Was soll ihm denn werden, dem Faust? Selbsterkenntnis soll ihm werden, in dem Sinne, daß sie eben die höchste Welterkenntnis ist, indem wir alle das miterleben, was erlebt werden kann, wenn wir im Elementaren schwimmen und weben und wallen und wesen. Aber was sich darinnen individualisiert, Faust kann es nicht erkennen.
[ 25 ] Dieses Geistgespräch zwischen Faust und dem Erdgeist ist nun so recht charakteristisch für den Reifezustand auch Goethes in der Zeit, wo er die Szene hingeschrieben hat, wie er sein ungeheures Streben in die geistige Welt hinein schildert.
[ 25 ] Dieses Geistgespräch zwischen Faust und dem Erdgeist ist nun so recht charakteristisch für den Reifezustand auch Goethes in der Zeit, wo er die Szene hingeschrieben hat, wie er sein ungeheures Streben in die geistige Welt hinein schildert.
Geist: Wer ruft mir?
Geist: Wer ruft mir?
[ 26 ] Faust wendet sich schon ab, Natürlich klingt das nicht so wie das, was wir sonst mit den Ohren hören, daß es uns von weitem zuklingt, sondern so, daß wir im Tönen darinnen leben. Das klingt anders als das, was man auf der Erde hören kann, ganz anders. Wie man auch das, was man sieht, nicht durch das Licht sieht, sondern damit selbst strahlt. Das sieht anders aus. Übermensch hat der Faust werden wollen. Das heißt, die geistige Welt hat er betreten wollen, aber ein Grauen faßt ihn vor dieser geistigen Welt. Durch diese Begegnung mit dem Erdgeist wird es Faust klar, daß man ein anderer werden muß, als man vorher als Mensch war, wenn man in die geistige Welt hinein will, daß man nicht mit seinen gewöhnlichen Kräften, Empfindungen und Leidenschaften in diese geistige Welt hinein kann. So muß es Faust tief fühlen, wie er zuerst zurückgeworfen wird, aus der höheren geistigen Welt in die elementarische Welt zurückfällt, und wie er jetzt in der elementarischen Welt in seiner Erkenntnis zurückgeworfen ist, weil er nur das Ich geblieben ist, das er früher war, weil er sich nicht hineinentwickelt hat in diese elementarische Welt, wozu ihn die suggestive Meditation brachte, die er vollzogen hat durch den Spruch, der dem Erdgeist zugeschrieben ist. Er hat für einen Moment sehen können, was für Wesen darinnen sind. Aber der Geist sagt ihm:
[ 26 ] Faust wendet sich schon ab, Natürlich klingt das nicht so wie das, was wir sonst mit den Ohren hören, daß es uns von weitem zuklingt, sondern so, daß wir im Tönen darinnen leben. Das klingt anders als das, was man auf der Erde hören kann, ganz anders. Wie man auch das, was man sieht, nicht durch das Licht sieht, sondern damit selbst strahlt. Das sieht anders aus. Übermensch hat der Faust werden wollen. Das heißt, die geistige Welt hat er betreten wollen, aber ein Grauen faßt ihn vor dieser geistigen Welt. Durch diese Begegnung mit dem Erdgeist wird es Faust klar, daß man ein anderer werden muß, als man vorher als Mensch war, wenn man in die geistige Welt hinein will, daß man nicht mit seinen gewöhnlichen Kräften, Empfindungen und Leidenschaften in diese geistige Welt hinein kann. So muß es Faust tief fühlen, wie er zuerst zurückgeworfen wird, aus der höheren geistigen Welt in die elementarische Welt zurückfällt, und wie er jetzt in der elementarischen Welt in seiner Erkenntnis zurückgeworfen ist, weil er nur das Ich geblieben ist, das er früher war, weil er sich nicht hineinentwickelt hat in diese elementarische Welt, wozu ihn die suggestive Meditation brachte, die er vollzogen hat durch den Spruch, der dem Erdgeist zugeschrieben ist. Er hat für einen Moment sehen können, was für Wesen darinnen sind. Aber der Geist sagt ihm:
Wo bist du, Faust, dess’ Stimme mir erklang,
Der sich an mich mit allen Kräften drang?
Wo bist du, Faust, dess’ Stimme mir erklang,
Der sich an mich mit allen Kräften drang?
[ 27 ] Daß diese Stimme aus dem Unterbewußtsein erklang, darauf habe ich schon aufmerksam gemacht, daß das der Faust war, den der äußere Faust selbst nicht einmal richtig kennt.
[ 27 ] Daß diese Stimme aus dem Unterbewußtsein erklang, darauf habe ich schon aufmerksam gemacht, daß das der Faust war, den der äußere Faust selbst nicht einmal richtig kennt.
Bist du es, der, von meinem Hauch umwttert,
In allen Lebenstiefen zittert...
Bist du es, der, von meinem Hauch umwttert,
In allen Lebenstiefen zittert...
[ 28 ] Dieses «Du» bezieht sich jetzt auf den gewöhnlichen Faust, während der strebende Faust der höhere Mensch Faust war.
[ 28 ] Dieses «Du» bezieht sich jetzt auf den gewöhnlichen Faust, während der strebende Faust der höhere Mensch Faust war.
Ein furchtsam weggekrümmter Wurm?
Ein furchtsam weggekrümmter Wurm?
[ 29 ] Aber jetzt erwacht der Trotz des Faust. Er will gerade hinein in die Welt, für die er nicht reif ist:
[ 29 ] Aber jetzt erwacht der Trotz des Faust. Er will gerade hinein in die Welt, für die er nicht reif ist:
Soll ich dir, Flammenbildung, weichen?
Ich bin’s, bin Faust, bin deinesgleichen.
Soll ich dir, Flammenbildung, weichen?
Ich bin’s, bin Faust, bin deinesgleichen.
[ 30 ] Jetzt kann er noch hören, wie die Geister der elementarischen Welt, in die er sich versetzt hat, mit der Menschengeschichte leben, mit dem, was auf der Erde durch die Rassen und Kulturen hindurch sich vollzieht, wie sie damit leben. Und das Geheimnis der elementaren Welt wird durch den Erdgeist ausgesprochen, er redet nirgends von dem Sein, sondern von dem Werden, von dem Geschehen.
[ 30 ] Jetzt kann er noch hören, wie die Geister der elementarischen Welt, in die er sich versetzt hat, mit der Menschengeschichte leben, mit dem, was auf der Erde durch die Rassen und Kulturen hindurch sich vollzieht, wie sie damit leben. Und das Geheimnis der elementaren Welt wird durch den Erdgeist ausgesprochen, er redet nirgends von dem Sein, sondern von dem Werden, von dem Geschehen.
Geist: In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
Geist: In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer,
Ein wechselnd Weben,
Ein glühend Leben,
So schaff’ ich am sausenden Webstuhl der Zeit
Und wirke der Gottheit lebendiges Kleid.
[ 31 ] Nicht im Raume, in der Zeit: Lesen Sie die Haager Vorträge!
[ 31 ] Nicht im Raume, in der Zeit: Lesen Sie die Haager Vorträge!
[ 32 ] So viel kann Faust doch begreifen, daß das der Geist ist, der durch die Geschichte geht:
[ 32 ] So viel kann Faust doch begreifen, daß das der Geist ist, der durch die Geschichte geht:
Der du die weite Welt umschweifst,
Geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir!
Der du die weite Welt umschweifst,
Geschäftiger Geist, wie nah fühl ich mich dir!
[ 33 ] Der du die weite Welt umschweifst! Der du der Geist bist, der den Zeitgeistern angehört, wie nah fühl ich mich dir! — So sagt er in seiner Vermessenheit. Der Geist sagt ihm jetzt das, was Faust selber später das Donnerwort nennt, was wie ein Donnerwort in seine Seele schlägt und ihn wiederum zurückschlägt in die gewöhnliche Welt, in der er ist, weil er noch nicht reif ist. Selbsterkenntnis soll er suchen und in dem zur Welt erweiterten Selbst die geistige Welt. Er kann sie noch nicht finden, deshalb muß ihm von diesem Erdgeist das Donnerwort entgegentönen:
[ 33 ] Der du die weite Welt umschweifst! Der du der Geist bist, der den Zeitgeistern angehört, wie nah fühl ich mich dir! — So sagt er in seiner Vermessenheit. Der Geist sagt ihm jetzt das, was Faust selber später das Donnerwort nennt, was wie ein Donnerwort in seine Seele schlägt und ihn wiederum zurückschlägt in die gewöhnliche Welt, in der er ist, weil er noch nicht reif ist. Selbsterkenntnis soll er suchen und in dem zur Welt erweiterten Selbst die geistige Welt. Er kann sie noch nicht finden, deshalb muß ihm von diesem Erdgeist das Donnerwort entgegentönen:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
Nicht mir!
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
Nicht mir!
[ 34 ] Welcher Geist ist denn das, den Faust begreift? Welchen Geist begreift denn Faust? Er, das Ebenbild der Gottheit, der nicht den Erdgeist begreifen kann? Wie kann er denn jetzt in der Selbsterkenntnis weiterkommen? Wie schaut der Menschengeist aus, den Faust begreifen kann? Er tritt herein, in Schlafrock und Nachtmütze, der andere Faust: Wagner! Das ist der Geist, den du begreifst! Wagner, den begreifst du! Weiter bist du noch nicht gekommen, denn das andere lebt in dir nur als Trotz, als Leidenschaft! - In der Selbsterkenntnis kommt er ein Stück weiter. Das ist gerade das Eigentümliche in Goethes «Faust», das ist die schöne künstlerische Gestaltung des Goetheschen «Faust», daß das, was in realer Gestalt auf die Bühne gebracht wird, immer im Grunde genommen ein Stück Selbsterkenntnis ist. Wie der Mephisto ein Stück Selbsterkenntnis ist, so ist Wagner auch ein Stück Selbsterkenntnis des Faust. Wagner ist Faust selbst. Und man würde gar nicht Unrecht tun, wenn man einmal den «Faust» so inszenieren würde, wenn man in der Gestalt des Wagner in Schlafrock und Nachtmütze, von dem Faust sich abwendet, ein Konterfei des Faust selbst haben würde, dann würden die Menschen unmittelbar schon verstehen, warum denn jetzt gerade dieser Wagner: hereinkommt. Was der Wagner spricht, das ist im Grunde genommen das, was der Faust schon begreift, das andere deklamiert er nur. Das bringt er nur so heraus. Er glaubt sich zu erheben in höchste Wahrheiten, die er in Phrasenhaftigkeit deklamieren kann, aber sie nicht im Inneren erlebt. Und jetzt spielt sich ein Stück Selbsterkenntnis ab. Wagner spricht die Wahrheit aus. Faust hat im Grunde genommen nicht seine innersten Erlebnisse ausgesprochen, er hat deklamiert.
[ 34 ] Welcher Geist ist denn das, den Faust begreift? Welchen Geist begreift denn Faust? Er, das Ebenbild der Gottheit, der nicht den Erdgeist begreifen kann? Wie kann er denn jetzt in der Selbsterkenntnis weiterkommen? Wie schaut der Menschengeist aus, den Faust begreifen kann? Er tritt herein, in Schlafrock und Nachtmütze, der andere Faust: Wagner! Das ist der Geist, den du begreifst! Wagner, den begreifst du! Weiter bist du noch nicht gekommen, denn das andere lebt in dir nur als Trotz, als Leidenschaft! - In der Selbsterkenntnis kommt er ein Stück weiter. Das ist gerade das Eigentümliche in Goethes «Faust», das ist die schöne künstlerische Gestaltung des Goetheschen «Faust», daß das, was in realer Gestalt auf die Bühne gebracht wird, immer im Grunde genommen ein Stück Selbsterkenntnis ist. Wie der Mephisto ein Stück Selbsterkenntnis ist, so ist Wagner auch ein Stück Selbsterkenntnis des Faust. Wagner ist Faust selbst. Und man würde gar nicht Unrecht tun, wenn man einmal den «Faust» so inszenieren würde, wenn man in der Gestalt des Wagner in Schlafrock und Nachtmütze, von dem Faust sich abwendet, ein Konterfei des Faust selbst haben würde, dann würden die Menschen unmittelbar schon verstehen, warum denn jetzt gerade dieser Wagner: hereinkommt. Was der Wagner spricht, das ist im Grunde genommen das, was der Faust schon begreift, das andere deklamiert er nur. Das bringt er nur so heraus. Er glaubt sich zu erheben in höchste Wahrheiten, die er in Phrasenhaftigkeit deklamieren kann, aber sie nicht im Inneren erlebt. Und jetzt spielt sich ein Stück Selbsterkenntnis ab. Wagner spricht die Wahrheit aus. Faust hat im Grunde genommen nicht seine innersten Erlebnisse ausgesprochen, er hat deklamiert.
Verzeiht! Ich hör’ Euch deklamieren.
Verzeiht! Ich hör’ Euch deklamieren.
[ 35 ] Das ist eine Wahrheit: er hat nur deklamiert. Und es ist ein Stück Selbstbesinnung, einzusehen, daß man sich so nicht dem Geist der Welt nähert, sondern höchstens ein griechisches Trauerspiel liest. So viele Menschen wollen, wenn sie an die Geisteswissenschaft herankommen, deklamieren von den höchsten Wahrheiten, wenn es auch oftmals ein Sich-selbst-Vordeklamieren von den höchsten Wahrheiten ist. Im Grunde genommen wollen sie nichts, als sich von dieser Geisteswissenschaft vordeklamieren, etwas profitieren, sich einen Nebeldunst vormachen. Mit Bezug auf die heutige Zeit kann man sagen, daß in manchen Kreisen das heute viel der Fall ist. Manche Menschen sind sehr interessant, wenn sie von ihren Gesichten deklamieren. In früherer Zeit hat man das von den Priestern gehört, jetzt haben es noch besser gelernt die Komödianten, so daß die Priester von den Komödianten etwas lernen können. Wenn Faust nur so weit gehen würde, als er mit seinem Verständnis dabei ist, so müßte er die Worte sagen, die Wagner spricht, sein Spiegelbild. Aber er geht mit seiner Leidenschaft hinaus, eben mit dem, was luziferisch ist, hinaus, nicht mit dem echten, vollen, menschlichen Seelenkern, sondern mit dem luziferischen Kern. Der Luzifer in Faust ist es, der jetzt dem, was Faust ist, was aber als Wagner vor uns steht, antwortet:
[ 35 ] Das ist eine Wahrheit: er hat nur deklamiert. Und es ist ein Stück Selbstbesinnung, einzusehen, daß man sich so nicht dem Geist der Welt nähert, sondern höchstens ein griechisches Trauerspiel liest. So viele Menschen wollen, wenn sie an die Geisteswissenschaft herankommen, deklamieren von den höchsten Wahrheiten, wenn es auch oftmals ein Sich-selbst-Vordeklamieren von den höchsten Wahrheiten ist. Im Grunde genommen wollen sie nichts, als sich von dieser Geisteswissenschaft vordeklamieren, etwas profitieren, sich einen Nebeldunst vormachen. Mit Bezug auf die heutige Zeit kann man sagen, daß in manchen Kreisen das heute viel der Fall ist. Manche Menschen sind sehr interessant, wenn sie von ihren Gesichten deklamieren. In früherer Zeit hat man das von den Priestern gehört, jetzt haben es noch besser gelernt die Komödianten, so daß die Priester von den Komödianten etwas lernen können. Wenn Faust nur so weit gehen würde, als er mit seinem Verständnis dabei ist, so müßte er die Worte sagen, die Wagner spricht, sein Spiegelbild. Aber er geht mit seiner Leidenschaft hinaus, eben mit dem, was luziferisch ist, hinaus, nicht mit dem echten, vollen, menschlichen Seelenkern, sondern mit dem luziferischen Kern. Der Luzifer in Faust ist es, der jetzt dem, was Faust ist, was aber als Wagner vor uns steht, antwortet:
Ja, wenn der Pfarrer ein Komödiant ist;
Wie das denn wohl zu Zeiten kommen mag.
Ja, wenn der Pfarrer ein Komödiant ist;
Wie das denn wohl zu Zeiten kommen mag.
[ 36 ] Diese Verachtung, dieser Hochmut kommt aus dem Luziferischen in Faust, denn, würde Faust nicht von Luzifer gepackt sein, dann würde er so reden wie Wagner, wenn er eben nur aussprechen würde, was er ehrlich als den Gegenstand seines Verständnisses gestehen kann. Das andere ist eine dunkle Ahnung bei ihm von etwas, zu dem er vordringen will. Aber dieses Selbstgespräch — wirklich, es ist nur ein Gespräch mit sich selbst — bringt ihn doch ein Stück weiter. Man kommt so viel im Leben weiter, wenn man sich einmal in einem andern Selbst entgegentritt. Sich selbst gesteht man nicht gerne, daß man diese oder jene Eigenschaften hat. Wenn sie einem aber in einem andern entgegentreten, so studiert man sie schon lieber. So erwirbt man sich schon Selbsterkenntnis dadurch, daß eine Eigenschaft einem in der Gestalt des andern entgegentritt wie dem Faust bei Wagner. Faust ist noch nicht so weit, daß er sich jetzt sagen würde, als Wagner fort ist: Ja, eigentlich bin ich das selbst. — Würde er mit seinem Verständnis schon vollständig zu sich durchgedrungen sein, so würde er sich sagen: Ich bin erst ein Wagner, hier im Kopf sitzt erst der Wagner!
[ 36 ] Diese Verachtung, dieser Hochmut kommt aus dem Luziferischen in Faust, denn, würde Faust nicht von Luzifer gepackt sein, dann würde er so reden wie Wagner, wenn er eben nur aussprechen würde, was er ehrlich als den Gegenstand seines Verständnisses gestehen kann. Das andere ist eine dunkle Ahnung bei ihm von etwas, zu dem er vordringen will. Aber dieses Selbstgespräch — wirklich, es ist nur ein Gespräch mit sich selbst — bringt ihn doch ein Stück weiter. Man kommt so viel im Leben weiter, wenn man sich einmal in einem andern Selbst entgegentritt. Sich selbst gesteht man nicht gerne, daß man diese oder jene Eigenschaften hat. Wenn sie einem aber in einem andern entgegentreten, so studiert man sie schon lieber. So erwirbt man sich schon Selbsterkenntnis dadurch, daß eine Eigenschaft einem in der Gestalt des andern entgegentritt wie dem Faust bei Wagner. Faust ist noch nicht so weit, daß er sich jetzt sagen würde, als Wagner fort ist: Ja, eigentlich bin ich das selbst. — Würde er mit seinem Verständnis schon vollständig zu sich durchgedrungen sein, so würde er sich sagen: Ich bin erst ein Wagner, hier im Kopf sitzt erst der Wagner!
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet,
Der immerfort an schalem Zeuge klebt,
Mit gier’ger Hand nach Schätzen gräbt,
Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!
[ 37 ] Denn bis jetzt hat er auch nichts anderes gemacht, außer dem, daß er die Geister in der geschilderten Art gesucht hat. Selbsterkenntnis ist es, die dem Faust entgegentritt in Wagner. Wer hat ihm denn den Wagner hereingeschickt? Der Erdgeist hat ihn hereingeschickt, der Erdgeist:
[ 37 ] Denn bis jetzt hat er auch nichts anderes gemacht, außer dem, daß er die Geister in der geschilderten Art gesucht hat. Selbsterkenntnis ist es, die dem Faust entgegentritt in Wagner. Wer hat ihm denn den Wagner hereingeschickt? Der Erdgeist hat ihn hereingeschickt, der Erdgeist:
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
Nicht mir!
Du gleichst dem Geist, den du begreifst,
Nicht mir!
[ 38 ] Und jetzt soll Faust sehen, welchen Geistern er gleicht. Dem Erdgeist, der der Beherrscher der Erde ist, gleicht er nicht, aber sehen soll er einmal eine der Gestalten, die in ihm steckt: Da hast du den Wagner! Dieser Wagner steckt in dir!
[ 38 ] Und jetzt soll Faust sehen, welchen Geistern er gleicht. Dem Erdgeist, der der Beherrscher der Erde ist, gleicht er nicht, aber sehen soll er einmal eine der Gestalten, die in ihm steckt: Da hast du den Wagner! Dieser Wagner steckt in dir!
[ 39 ] Aber nun steckt nicht bloß Wagner in Faust, sondern das luziferische Element ist gegen den Wagner, das heißt gegen sich selbst. Da ist noch ein anderes Element in ihm drinnen.
[ 39 ] Aber nun steckt nicht bloß Wagner in Faust, sondern das luziferische Element ist gegen den Wagner, das heißt gegen sich selbst. Da ist noch ein anderes Element in ihm drinnen.
[ 40 ] Wenn man den «Faust» in seiner früheren Gestalt, wie er anfangs war, ansieht, ist es so, daß Goethe dazumal nach der Erdgeistszene das folgende nicht fertig gemacht hat. Da geht das so fort: Gespräch mit Wagner, dann mit dem Studenten, Mephisto... In den Kreis Fausts und seiner Schüler tritt Mephisto ein, von dem Goethe nicht recht weiß, ob er Luzifer oder Ahriman ist. Würde er Geisteswissenschaft gehabt haben, so würde jetzt der Luzifer auftreten. Da hat er den andern, den ihm der Erdgeist schickt. Der Erdgeist schickt ihm Wagner, schickt ihm Mephisto, wir würden sagen Luzifer. Faust soll so nach und nach kennenlernen, was in ihm steckt. Mephisto ist geschickt vom Erdgeist: Da hast du wiederum einen von den Geistern, die du begreifst. Versuche einmal den Luzifer zu begreifen, der in dir steckt, und nicht gleich den Geist der Erde anzuschauen!
[ 40 ] Wenn man den «Faust» in seiner früheren Gestalt, wie er anfangs war, ansieht, ist es so, daß Goethe dazumal nach der Erdgeistszene das folgende nicht fertig gemacht hat. Da geht das so fort: Gespräch mit Wagner, dann mit dem Studenten, Mephisto... In den Kreis Fausts und seiner Schüler tritt Mephisto ein, von dem Goethe nicht recht weiß, ob er Luzifer oder Ahriman ist. Würde er Geisteswissenschaft gehabt haben, so würde jetzt der Luzifer auftreten. Da hat er den andern, den ihm der Erdgeist schickt. Der Erdgeist schickt ihm Wagner, schickt ihm Mephisto, wir würden sagen Luzifer. Faust soll so nach und nach kennenlernen, was in ihm steckt. Mephisto ist geschickt vom Erdgeist: Da hast du wiederum einen von den Geistern, die du begreifst. Versuche einmal den Luzifer zu begreifen, der in dir steckt, und nicht gleich den Geist der Erde anzuschauen!
[ 41 ] Wie Goethe im Unklaren war über die Sache, kann man daraus ersehen, daß ein kleines Stückchen, das später weggeblieben ist, in der ursprünglichen Niederschrift dasteht, in vier Zeilen. 1775 standen vier Zeilen da, nach der Szene, wo Mephisto den Faust soweit gebracht hat, daß er ihn zu Gretchen hingeführt hat, und daß Faust jetzt zu Gretchen dringen will. Da stehen vier Zeilen, die schon 1790 nicht mehr im Fragment darinnen waren. Nachdem Faust den Mephisto, der aber eigentlich Luzifer ist — Goethe bringt es nur durcheinander -, aufgefordert hat, für das Geschmeide für Gretchen zu sorgen, da sagt in der alten Handschrift .Mephisto, nachdem Faust weggegangen ist:
[ 41 ] Wie Goethe im Unklaren war über die Sache, kann man daraus ersehen, daß ein kleines Stückchen, das später weggeblieben ist, in der ursprünglichen Niederschrift dasteht, in vier Zeilen. 1775 standen vier Zeilen da, nach der Szene, wo Mephisto den Faust soweit gebracht hat, daß er ihn zu Gretchen hingeführt hat, und daß Faust jetzt zu Gretchen dringen will. Da stehen vier Zeilen, die schon 1790 nicht mehr im Fragment darinnen waren. Nachdem Faust den Mephisto, der aber eigentlich Luzifer ist — Goethe bringt es nur durcheinander -, aufgefordert hat, für das Geschmeide für Gretchen zu sorgen, da sagt in der alten Handschrift .Mephisto, nachdem Faust weggegangen ist:
Er tut, als wär er ein Fürstensohn.
Hätt’ Luzifer so ein Dutzend Prinzen,
Die sollten ihm schon was vermünzen;
Am Ende kriegt’ er eine Kommission.
Er tut, als wär er ein Fürstensohn.
Hätt’ Luzifer so ein Dutzend Prinzen,
Die sollten ihm schon was vermünzen;
Am Ende kriegt’ er eine Kommission.
[ 42 ] Da steht es, da nennt sich Mephisto selbst mit dem Namen Luzifer. Wie gesagt, die vier Zeilen sind später weggefallen. Um was war es also Goethe eigentlich zu tun in seiner älteren Zeit, in der er sich, man möchte sagen, selbst ausdrücken wollte in seinem «Faust»? Nun, darum war es ihm zu tun, zu zeigen, wie der Mensch zur Selbsterkenntnis kommen soll. Aber, man möchte sagen, ahnend liegt darinnen in dieser ersten Szene, die Goethe in seiner Jugend hingeschrieben hat, was Sie jetzt mit Deutlichkeit lesen können da, wo geschildert wird in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Wie der Mensch, der nach und nach einsieht, wie verschiedene Wesenheiten in ihm stecken, sich zerteilt, das haben Sie vorgeahnt in Faust, wie er sich aufteilt in Wagner und Luzifer-Mephisto. Er lernt sich so nach und nach kennen in seinen einzelnen Teilen, er lernt sich kennen als Wagner, er lernt sich kennen als Luzifer-Mephisto. Aber wie gesagt, Goethe mußte erst reif werden, um die große Bedeutung des ChristusImpulses für die Menschheit wirklich zu durchschauen, soweit das in seiner Zeit möglich war. Daher sehen wir, wie Goethe erst in seinen reiferen Jahren das, was er früher geschrieben hat über Fausts Streben bis dahin, wo der Mensch sich in seinen verschiedenen Abbildern, auch im Luzifer-Abbild, entgegentritt, nun dadurch zu ergänzen sucht, daß er Faust in Berührung kommen läßt mit dem, was in die Erdenentwickelung durch Christus eingeflossen ist. Man möchte sagen, die Kultzeichen des Christus treten an Faust heran. Und dadurch sehen wir in dem «Faust» das Dokument, das uns anzeigt, wie Goethe selbst herangebracht hat den Okkultismus an das Christentum, an den ChristusImpuls, und wie wir in der Tat heute auf der Bahn weiterarbeiten, die Goethe mit Bezug auf ihre ersten Schritte dazumal eingeschlagen hat. In Goethes Zeit konnte man nur zu einer Ahnung kommen. Heute ist die Zeit herangekommen, die es dem Menschen möglich macht, durch die Geisteswissenschaft wirklich in die Gefilde des geistigen Lebens einzutreten, in die hinein Goethes ganzes Streben gerichtet war. Die heutige Zeit muß den Faust anders begreifen, als ihn Goethe selbst begriffen hat. Ja, die Welt schreitet vor, und wenn wir nicht voll anerkennen, daß die Welt vorschreitet, so meinen wir es nicht ernst genug mit der Welt. Solche Erlebnisse aber, daß man sich spaltet, daß man sich selbst entgegentritt in seiner wahren Gestalt, in luziferischer Gestalt, solche Erlebnisse bringen einen doch vorwärts, aber immer nur um ein kleines Stückchen. Von dem Glauben müssen wir uns schon trennen, daß wir die ganze geistige Welt überschauen können, wenn wir nur kleine Fortschritte gemacht haben, wie wir sie durch Meditation machen können. Ein wenig nur kommt man immer vorwärts.
[ 42 ] Da steht es, da nennt sich Mephisto selbst mit dem Namen Luzifer. Wie gesagt, die vier Zeilen sind später weggefallen. Um was war es also Goethe eigentlich zu tun in seiner älteren Zeit, in der er sich, man möchte sagen, selbst ausdrücken wollte in seinem «Faust»? Nun, darum war es ihm zu tun, zu zeigen, wie der Mensch zur Selbsterkenntnis kommen soll. Aber, man möchte sagen, ahnend liegt darinnen in dieser ersten Szene, die Goethe in seiner Jugend hingeschrieben hat, was Sie jetzt mit Deutlichkeit lesen können da, wo geschildert wird in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Wie der Mensch, der nach und nach einsieht, wie verschiedene Wesenheiten in ihm stecken, sich zerteilt, das haben Sie vorgeahnt in Faust, wie er sich aufteilt in Wagner und Luzifer-Mephisto. Er lernt sich so nach und nach kennen in seinen einzelnen Teilen, er lernt sich kennen als Wagner, er lernt sich kennen als Luzifer-Mephisto. Aber wie gesagt, Goethe mußte erst reif werden, um die große Bedeutung des ChristusImpulses für die Menschheit wirklich zu durchschauen, soweit das in seiner Zeit möglich war. Daher sehen wir, wie Goethe erst in seinen reiferen Jahren das, was er früher geschrieben hat über Fausts Streben bis dahin, wo der Mensch sich in seinen verschiedenen Abbildern, auch im Luzifer-Abbild, entgegentritt, nun dadurch zu ergänzen sucht, daß er Faust in Berührung kommen läßt mit dem, was in die Erdenentwickelung durch Christus eingeflossen ist. Man möchte sagen, die Kultzeichen des Christus treten an Faust heran. Und dadurch sehen wir in dem «Faust» das Dokument, das uns anzeigt, wie Goethe selbst herangebracht hat den Okkultismus an das Christentum, an den ChristusImpuls, und wie wir in der Tat heute auf der Bahn weiterarbeiten, die Goethe mit Bezug auf ihre ersten Schritte dazumal eingeschlagen hat. In Goethes Zeit konnte man nur zu einer Ahnung kommen. Heute ist die Zeit herangekommen, die es dem Menschen möglich macht, durch die Geisteswissenschaft wirklich in die Gefilde des geistigen Lebens einzutreten, in die hinein Goethes ganzes Streben gerichtet war. Die heutige Zeit muß den Faust anders begreifen, als ihn Goethe selbst begriffen hat. Ja, die Welt schreitet vor, und wenn wir nicht voll anerkennen, daß die Welt vorschreitet, so meinen wir es nicht ernst genug mit der Welt. Solche Erlebnisse aber, daß man sich spaltet, daß man sich selbst entgegentritt in seiner wahren Gestalt, in luziferischer Gestalt, solche Erlebnisse bringen einen doch vorwärts, aber immer nur um ein kleines Stückchen. Von dem Glauben müssen wir uns schon trennen, daß wir die ganze geistige Welt überschauen können, wenn wir nur kleine Fortschritte gemacht haben, wie wir sie durch Meditation machen können. Ein wenig nur kommt man immer vorwärts.
[ 43 ] Zwei Naturen sind in Faust: die Wagner-Natur und dasjenige, was nun vorwärts strebt. Als Goethe darauf hinweisen wollte in reifen Jahren, hat er das sehr schön gemacht. Es kam Goethe das Bedürfnis, da, als Faust schon an das Christentum herangetreten war, zu zeigen, was die Wagner-Natur in Faust ausmacht. Daher läßt er Wagner und Faust miteinander den Österspaziergang machen. Es ist jetzt wirklich so, daß uns, wie es dramatisch natürlich ist, an zwei Personen dargestellt wird, was in Fausts Seele vorgeht. Der höhere Mensch in Faust strebt vorwärts, aber der Faust-Wagner hält den Faust zurück. Ein Funken der Erfassung der geistigen Welt ist in Faust entzündet, daher wird ihm der Pudel, der ihm begegnet, so, daß er jetzt nicht nur den sinnlichen Pudel sieht, und es ist wirklich etwas wie eine Seelenkraft in Faust, die sich da ausspricht in dem Gespräch mit Wagner:
[ 43 ] Zwei Naturen sind in Faust: die Wagner-Natur und dasjenige, was nun vorwärts strebt. Als Goethe darauf hinweisen wollte in reifen Jahren, hat er das sehr schön gemacht. Es kam Goethe das Bedürfnis, da, als Faust schon an das Christentum herangetreten war, zu zeigen, was die Wagner-Natur in Faust ausmacht. Daher läßt er Wagner und Faust miteinander den Österspaziergang machen. Es ist jetzt wirklich so, daß uns, wie es dramatisch natürlich ist, an zwei Personen dargestellt wird, was in Fausts Seele vorgeht. Der höhere Mensch in Faust strebt vorwärts, aber der Faust-Wagner hält den Faust zurück. Ein Funken der Erfassung der geistigen Welt ist in Faust entzündet, daher wird ihm der Pudel, der ihm begegnet, so, daß er jetzt nicht nur den sinnlichen Pudel sieht, und es ist wirklich etwas wie eine Seelenkraft in Faust, die sich da ausspricht in dem Gespräch mit Wagner:
Faust: Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
Faust: Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
[ 44 ] Jetzt erwacht wiederum die Natur des Wagner in Faust.
[ 44 ] Jetzt erwacht wiederum die Natur des Wagner in Faust.
Wagner: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.
Die höhere Natur: Betracht’ ihn recht! Für was hältst du das Tier?
Wagner-Natur: Für einen Pudel, der auf seine Weise Sich auf der Spur des Herren plagt.
Wagner: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.
Die höhere Natur: Betracht’ ihn recht! Für was hältst du das Tier?
Wagner-Natur: Für einen Pudel, der auf seine Weise Sich auf der Spur des Herren plagt.
[ 45 ] Das sind Einwände, die sich durchaus Faust selbst eigentlich macht. Und nun geht es weiter. Faust beginnt schon hinter dem Sinnlichen das Übersinnliche zu sehen, er ahnt es schon. Also, es ist Ahnen, hervorgerufen durch die Erfahrungen, die er gemacht hat. Ein Funken der geistigen Welt ist in ihn eingezogen. Und schön ist es, möchte man sagen, wie unendlich künstlerisch aufrichtig und ehrlich Goethe ist, nur muß man ihn verstehen. Als Faust jetzt das Luziferische in sich fühlt — wie Sie wissen, hängt das Luziferische mit dem Eigensinn zusammen, dem inneren Egoismus -, trägt er dieses Luziferische, jetzt als Faust, auch schon in sein Ergriffensein der Seele von dem Christus-Impuls herein. Es ist ein luziferischer Zug, daß ihm das Johannes-Evangelium, indem er es übersetzen will, gar nicht vollkommen erscheint. Denn dem Verstehenden sind die Goethe-Kommentatoren etwas kurios, die nun wirklich mitgehen, weil sie immer mit dem Dichter mitgehen, auch da, wo er die Dinge, die er sagen will, auf seine Personen verteilt. Den Text des Evangeliums versteht Faust noch gar nicht, sonst würde er stehenbleiben bei «Im Anfang war das Wort». Er stockt, weil er es noch nicht versteht. Die Professoren stellen es so dar, als wenn Faust es besser verstünde, aber er versteht es noch nicht. Ihm erscheint jetzt die Kraft, die Tat - also Rationalistisch-Verstandesmäßiges trägt er in das Evangelium hinein. Das ruft jetzt die entgegengesetzte Erscheinung hervor. Während er früher heruntergestoßen worden ist in die sinnliche Welt, wird er jetzt hinaufgelenkt in die geistige Welt. Indem er so recht seine Beschränktheit geltend macht, indem er setzt «Sinn und Kraft und Tat», wird er hinaufgestoßen in die geistige Welt, weil schon ein Funken von geistiger Kraft in Faust ist. Da kommen die Geister und wiederum als Sendbote des Erdgeistes... Mephisto, diese unklare Gestalt zwischen Luzifer und Ahriman. Sie sehen also, man muß aus dem Ringen Goethes heraus das Eindringen Fausts in die geistige Welt begreifen, und man kann gerade für unsere jetzige Zeit daraus unendlich viel lernen.
[ 45 ] Das sind Einwände, die sich durchaus Faust selbst eigentlich macht. Und nun geht es weiter. Faust beginnt schon hinter dem Sinnlichen das Übersinnliche zu sehen, er ahnt es schon. Also, es ist Ahnen, hervorgerufen durch die Erfahrungen, die er gemacht hat. Ein Funken der geistigen Welt ist in ihn eingezogen. Und schön ist es, möchte man sagen, wie unendlich künstlerisch aufrichtig und ehrlich Goethe ist, nur muß man ihn verstehen. Als Faust jetzt das Luziferische in sich fühlt — wie Sie wissen, hängt das Luziferische mit dem Eigensinn zusammen, dem inneren Egoismus -, trägt er dieses Luziferische, jetzt als Faust, auch schon in sein Ergriffensein der Seele von dem Christus-Impuls herein. Es ist ein luziferischer Zug, daß ihm das Johannes-Evangelium, indem er es übersetzen will, gar nicht vollkommen erscheint. Denn dem Verstehenden sind die Goethe-Kommentatoren etwas kurios, die nun wirklich mitgehen, weil sie immer mit dem Dichter mitgehen, auch da, wo er die Dinge, die er sagen will, auf seine Personen verteilt. Den Text des Evangeliums versteht Faust noch gar nicht, sonst würde er stehenbleiben bei «Im Anfang war das Wort». Er stockt, weil er es noch nicht versteht. Die Professoren stellen es so dar, als wenn Faust es besser verstünde, aber er versteht es noch nicht. Ihm erscheint jetzt die Kraft, die Tat - also Rationalistisch-Verstandesmäßiges trägt er in das Evangelium hinein. Das ruft jetzt die entgegengesetzte Erscheinung hervor. Während er früher heruntergestoßen worden ist in die sinnliche Welt, wird er jetzt hinaufgelenkt in die geistige Welt. Indem er so recht seine Beschränktheit geltend macht, indem er setzt «Sinn und Kraft und Tat», wird er hinaufgestoßen in die geistige Welt, weil schon ein Funken von geistiger Kraft in Faust ist. Da kommen die Geister und wiederum als Sendbote des Erdgeistes... Mephisto, diese unklare Gestalt zwischen Luzifer und Ahriman. Sie sehen also, man muß aus dem Ringen Goethes heraus das Eindringen Fausts in die geistige Welt begreifen, und man kann gerade für unsere jetzige Zeit daraus unendlich viel lernen.
[ 46 ] Worum es mir besonders in dem letzten Vortrag am Östersonntag und in diesem Vortrag zu tun war, ist, vor Ihre Seelen zu führen, wie es gerade einem Geist, der sich vertiefen will, eine schwerere Angelegenheit ist, zu dem Christus-Impuls vorzudringen, als einem Geist, der in seinem unendlichen Hochmut und in seiner Dünkelhaftigkeit stehenbleibt und das nicht haben will, was Geisteswissenschaft ihm bieten kann. Auf der andern Seite wollte ich auch an dem «Faust» anschaulich machen, wie gewaltig das war, was durch den Christus-Impuls in die Welt eingezogen ist. Es werden Zeiten kommen, da wird man immer besser und besser, gerade durch das, was Geisteswissenschaft zu geben vermag, die innere Natur des Christus-Impulses begreifen lernen. Es steht in der Welt da — ich möchte sagen, wie eine durch die Weltgeschichte gebrachte Illustration für die Erdenentwickelung der Menschheit von dem, was der Christus-Impuls ist — es steht da die Tatsache, daß Jahrhunderte, nachdem der Christus-Impuls eingetreten ist in die Menschheitsentwickelung der Erde, in dieser Menschheitsentwickelung etwas auftritt, das man auch nicht richtig versteht. Im Augenblick aber, wo man anfängt, es richtig zu verstehen, wird man gerade durch dieses Verständnis zu einem tieferen Gefühl von dem Christus-Ereignis gebracht. Sie wissen ja, sechshundert Jahre, nachdem der Christus-Impuls in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, trat in einer gewissen Menschengemeinschaft ein Prophet auf, der das zunächst abgewiesen hat, was durch den Christus-Impuls in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, Mohammed. Wir dürfen heute wirklich nicht mehr zu dem Aberglauben des 19. Jahrhunderts uns bekennen, der aus dem Rationalismus heraus in Kleinheit das erklären will, was aus dem Geiste heraus erklärt werden muß. Und lächerlich muß demjenigen, der in die Geisteswissenschaft wirklich eindringen will, es erscheinen, wenn von Mohammed ein besonders gelehrter, gescheiter Mann sagt: Ja, der behauptet ja, daß in der Gestalt von Tauben zu ihm der Engel herankomme, der ihm ins Ohr geraunt hat, was er in den Koran geschrieben hat! Aber Mohammed - so sagt der rationalistische Gelehrte — war ein bloßer Gaukler. Er hat sich einige Körner, die die Tauben gern fressen, ins Ohr gesteckt, da sind die Tauben herangeflogen und haben sich die Körner geholt, sind aber wieder weggeflogen, wenn sie sie gehabt haben! - Ja, solche Erklärungen hat es gegeben, innerhalb und außerhalb des Christentums, in dem ganz gescheiten 19. Jahrhundert.
[ 46 ] Worum es mir besonders in dem letzten Vortrag am Östersonntag und in diesem Vortrag zu tun war, ist, vor Ihre Seelen zu führen, wie es gerade einem Geist, der sich vertiefen will, eine schwerere Angelegenheit ist, zu dem Christus-Impuls vorzudringen, als einem Geist, der in seinem unendlichen Hochmut und in seiner Dünkelhaftigkeit stehenbleibt und das nicht haben will, was Geisteswissenschaft ihm bieten kann. Auf der andern Seite wollte ich auch an dem «Faust» anschaulich machen, wie gewaltig das war, was durch den Christus-Impuls in die Welt eingezogen ist. Es werden Zeiten kommen, da wird man immer besser und besser, gerade durch das, was Geisteswissenschaft zu geben vermag, die innere Natur des Christus-Impulses begreifen lernen. Es steht in der Welt da — ich möchte sagen, wie eine durch die Weltgeschichte gebrachte Illustration für die Erdenentwickelung der Menschheit von dem, was der Christus-Impuls ist — es steht da die Tatsache, daß Jahrhunderte, nachdem der Christus-Impuls eingetreten ist in die Menschheitsentwickelung der Erde, in dieser Menschheitsentwickelung etwas auftritt, das man auch nicht richtig versteht. Im Augenblick aber, wo man anfängt, es richtig zu verstehen, wird man gerade durch dieses Verständnis zu einem tieferen Gefühl von dem Christus-Ereignis gebracht. Sie wissen ja, sechshundert Jahre, nachdem der Christus-Impuls in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, trat in einer gewissen Menschengemeinschaft ein Prophet auf, der das zunächst abgewiesen hat, was durch den Christus-Impuls in die Menschheitsentwickelung eingetreten ist, Mohammed. Wir dürfen heute wirklich nicht mehr zu dem Aberglauben des 19. Jahrhunderts uns bekennen, der aus dem Rationalismus heraus in Kleinheit das erklären will, was aus dem Geiste heraus erklärt werden muß. Und lächerlich muß demjenigen, der in die Geisteswissenschaft wirklich eindringen will, es erscheinen, wenn von Mohammed ein besonders gelehrter, gescheiter Mann sagt: Ja, der behauptet ja, daß in der Gestalt von Tauben zu ihm der Engel herankomme, der ihm ins Ohr geraunt hat, was er in den Koran geschrieben hat! Aber Mohammed - so sagt der rationalistische Gelehrte — war ein bloßer Gaukler. Er hat sich einige Körner, die die Tauben gern fressen, ins Ohr gesteckt, da sind die Tauben herangeflogen und haben sich die Körner geholt, sind aber wieder weggeflogen, wenn sie sie gehabt haben! - Ja, solche Erklärungen hat es gegeben, innerhalb und außerhalb des Christentums, in dem ganz gescheiten 19. Jahrhundert.
[ 47 ] Es wird eine Zeit kommen, wo man wirklich über solche Erklärungen nur lachen wird, trotzdem sie den Materialismus voll befriedigen können. Wir müssen schon Mohammed tiefer nehmen, wir müssen uns schon klar sein, daß dasjenige, was in seiner Seele lebte, wirklich ein solcher Verkehr mit der geistigen Welt war, wie ihn Goethe für seinen Faust suchte. Aber was hat Mohammed gefühlt? Was hat er gefunden? Ich kann das heute nur andeuten, ein andermal will ich es noch genauer ausführen. Was hat Mohammed gefunden? Nun, Sie wissen, Mohammed strebte zunächst nach einer Welt, für die er einen Ausdruck hatte, es istnur ein Wort: Der Gott. Die Welt wird zu einem Monon, zu einem monistischen Ausdruck des Gottes. Diese Welt hat nichts von dem Wesen des Christentums, selbstverständlich. Aber Mohammed schaut doch hinein in die geistige Welt, er kommt hinein in die elementare Welt, von der ich heute gesprochen habe. Er verspricht seinen Gläubigen, daß sie eintreten werden, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sein werden, in diese geistige Welt. Aber er kann ihnen nur von der geistigen Welt erzählen, die er kennengelernt hat. Was ist das für eine geistige Welt? Diese geistige Welt, von der Mohammed seinen Gläubigen erzählt, ist die luziferische Welt, die er als das Paradies ansieht, die Welt, die gerade erstrebt werden soll. Und wenn man aus dem Abstrakten in das Reale kommt, und man hinzufügt, interpretierend, den Sinn des Islam-Strebens in die geistige Welt hinein, erkennt man, was die Geisteswissenschaft auch verkündet. Aber diese geistige Welt ist die Welt, in der Luzifer seine Herrschaft hat; uminterpretiert wird die luziferische Welt zu dem Paradiese, zu der Welt, die gerade erstrebt werden soll von den Menschen.
[ 47 ] Es wird eine Zeit kommen, wo man wirklich über solche Erklärungen nur lachen wird, trotzdem sie den Materialismus voll befriedigen können. Wir müssen schon Mohammed tiefer nehmen, wir müssen uns schon klar sein, daß dasjenige, was in seiner Seele lebte, wirklich ein solcher Verkehr mit der geistigen Welt war, wie ihn Goethe für seinen Faust suchte. Aber was hat Mohammed gefühlt? Was hat er gefunden? Ich kann das heute nur andeuten, ein andermal will ich es noch genauer ausführen. Was hat Mohammed gefunden? Nun, Sie wissen, Mohammed strebte zunächst nach einer Welt, für die er einen Ausdruck hatte, es istnur ein Wort: Der Gott. Die Welt wird zu einem Monon, zu einem monistischen Ausdruck des Gottes. Diese Welt hat nichts von dem Wesen des Christentums, selbstverständlich. Aber Mohammed schaut doch hinein in die geistige Welt, er kommt hinein in die elementare Welt, von der ich heute gesprochen habe. Er verspricht seinen Gläubigen, daß sie eintreten werden, wenn sie durch die Pforte des Todes gegangen sein werden, in diese geistige Welt. Aber er kann ihnen nur von der geistigen Welt erzählen, die er kennengelernt hat. Was ist das für eine geistige Welt? Diese geistige Welt, von der Mohammed seinen Gläubigen erzählt, ist die luziferische Welt, die er als das Paradies ansieht, die Welt, die gerade erstrebt werden soll. Und wenn man aus dem Abstrakten in das Reale kommt, und man hinzufügt, interpretierend, den Sinn des Islam-Strebens in die geistige Welt hinein, erkennt man, was die Geisteswissenschaft auch verkündet. Aber diese geistige Welt ist die Welt, in der Luzifer seine Herrschaft hat; uminterpretiert wird die luziferische Welt zu dem Paradiese, zu der Welt, die gerade erstrebt werden soll von den Menschen.
[ 48 ] Ich glaube, es muß einen tiefen Eindruck auf unsere Seelen machen, wenn wir so in das Wesen des geschichtlichen Werdens an einer sehr wichtigen Erscheinung uns vertiefen können. Es muß uns schon bedenklich machen, wenn wir im Fortgang des religiösen Lebens erfahren, wie ein großer Prophet auftrat mit dem Irrtum, daß die luziferische Welt das Paradies sei. Ich möchte nicht, daß das in Ihre Seele nur so einziehe wie abstrakte Wahrheiten, ich glaube, es kann schon die Seele erschüttern, wenn man dergleichen auf sie wirken läßt. Aber, was tut der Mohammedaner, um in seine geistige Welt hineinzukommen? Wir könnten vielleicht nachher an der Tür jeden einen Zettel abwerfen lassen, der den Koran ganz gelesen hat von den lieben Freunden, die hier sitzen. Es wäre dann interessant, die Zettel zu zählen derjenigen, die ihn gelesen haben. Aber es ist auch nicht leicht, den Koran ganz zu lesen, mit seinen unendlichen Wiederholungen, mit dem, was der abendländische Mensch in der Darstellung so unendlich langweilig findet. Unter den Mohammedanern aber gibt es Menschen, die ihn siebzigtausendmal in ihrem Leben vom Anfang bis zum Ende gelesen haben wollen. Das heißt: ein Wort, das gegeben ist, der Seele zugeführt zu haben so, daß dieses Wort in der Seele lebendig geworden ist! Können wir in bezug auf das Christentum sicher nichts inhaltlich lernen von einer solchen Religionsgemeinschaft, so können wir doch erfahren, daß innerhalb jener Menschengemeinschaft ganz anders verfahren wird selbst mit dem geistigen Irrtum, als bei uns mit dem, was wir als geistige Wahrheiten zu erkennen berufen sind. Dasjenige, was ein Europäer höchstens tut, ist, daß er den «Faust» liest, dann, wenn er ihn vergessen hat, ihn wieder liest, wenn er ihn wieder vergessen hat, nochmals liest. Aber diejenigen, die ihn hundertmal gelesen haben, den «Faust», werden auch zu suchen sein. Es ist auch begreiflich innerhalb der bisherigen abendländischen Bildung. Wie sollte man denn alles siebzigtausendmal lesen, was im Abendland gedruckt wird; ganz begreiflich ist es. Aber etwas sollten wir uns doch aneignen, daß es etwas anderes ist, sich einfach zu informieren über einen Inhalt, der für das Seelenleben bedeutungsvoll ist, und etwas anderes, mit ihm zu leben, immer wieder und wiederum, so daß man ganz eins mit ihm wird, ganz eins. Es ist etwas, wovon man erst Verständnis gewinnen muß, wovon man sich nicht einmal ein Verständnis nach den Denkgewohnheiten unserer Volksgemeinschaft machen kann. Aber wir sollten über solche Dinge nachdenken. Nicht bloß, um Ihnen etwas zu sagen, sondern, um Ihr Nachdenken anzuregen, sind Worte gesprochen, wie diejenigen sind, die in dieser Betrachtung gesprochen worden sind. Um unser Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber uns selbst und gegenüber der Welt zu erhöhen, mit Bezug auf dasjenige, was uns Geisteswissenschaft sein kann und soll.
[ 48 ] Ich glaube, es muß einen tiefen Eindruck auf unsere Seelen machen, wenn wir so in das Wesen des geschichtlichen Werdens an einer sehr wichtigen Erscheinung uns vertiefen können. Es muß uns schon bedenklich machen, wenn wir im Fortgang des religiösen Lebens erfahren, wie ein großer Prophet auftrat mit dem Irrtum, daß die luziferische Welt das Paradies sei. Ich möchte nicht, daß das in Ihre Seele nur so einziehe wie abstrakte Wahrheiten, ich glaube, es kann schon die Seele erschüttern, wenn man dergleichen auf sie wirken läßt. Aber, was tut der Mohammedaner, um in seine geistige Welt hineinzukommen? Wir könnten vielleicht nachher an der Tür jeden einen Zettel abwerfen lassen, der den Koran ganz gelesen hat von den lieben Freunden, die hier sitzen. Es wäre dann interessant, die Zettel zu zählen derjenigen, die ihn gelesen haben. Aber es ist auch nicht leicht, den Koran ganz zu lesen, mit seinen unendlichen Wiederholungen, mit dem, was der abendländische Mensch in der Darstellung so unendlich langweilig findet. Unter den Mohammedanern aber gibt es Menschen, die ihn siebzigtausendmal in ihrem Leben vom Anfang bis zum Ende gelesen haben wollen. Das heißt: ein Wort, das gegeben ist, der Seele zugeführt zu haben so, daß dieses Wort in der Seele lebendig geworden ist! Können wir in bezug auf das Christentum sicher nichts inhaltlich lernen von einer solchen Religionsgemeinschaft, so können wir doch erfahren, daß innerhalb jener Menschengemeinschaft ganz anders verfahren wird selbst mit dem geistigen Irrtum, als bei uns mit dem, was wir als geistige Wahrheiten zu erkennen berufen sind. Dasjenige, was ein Europäer höchstens tut, ist, daß er den «Faust» liest, dann, wenn er ihn vergessen hat, ihn wieder liest, wenn er ihn wieder vergessen hat, nochmals liest. Aber diejenigen, die ihn hundertmal gelesen haben, den «Faust», werden auch zu suchen sein. Es ist auch begreiflich innerhalb der bisherigen abendländischen Bildung. Wie sollte man denn alles siebzigtausendmal lesen, was im Abendland gedruckt wird; ganz begreiflich ist es. Aber etwas sollten wir uns doch aneignen, daß es etwas anderes ist, sich einfach zu informieren über einen Inhalt, der für das Seelenleben bedeutungsvoll ist, und etwas anderes, mit ihm zu leben, immer wieder und wiederum, so daß man ganz eins mit ihm wird, ganz eins. Es ist etwas, wovon man erst Verständnis gewinnen muß, wovon man sich nicht einmal ein Verständnis nach den Denkgewohnheiten unserer Volksgemeinschaft machen kann. Aber wir sollten über solche Dinge nachdenken. Nicht bloß, um Ihnen etwas zu sagen, sondern, um Ihr Nachdenken anzuregen, sind Worte gesprochen, wie diejenigen sind, die in dieser Betrachtung gesprochen worden sind. Um unser Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber uns selbst und gegenüber der Welt zu erhöhen, mit Bezug auf dasjenige, was uns Geisteswissenschaft sein kann und soll.
[ 49 ] Wir leben in mancherlei Hinsicht in einer schweren Zeit. Die ganz schweren äußeren Ereignisse, die uns in der Gegenwart umgeben, sind nur das äußere Zeichen für unsere ganz schwere Zeit. Es ist nicht gut, diese ganz schwere Zeit wie eine Krankheit anzusehen, wie wir oftmals eine Krankheit Krankheit nennen, denn die Krankheit ist oft ein Heilungsprozeß, die wahre Krankheit ist der physisch erscheinbaren Krankheit vorausgegangen. So ist auch dem, was jetzt als Trauerereignisse durch die Welt geht, vorangegangen etwas Krankhaftes, und in viel Tieferes sollen wir hineinsehen, als die Menschheit geneigt ist, hineinzusehen. Oh, ein großer Schmerz kann sich auf der Seele ablagern desjenigen, der gerade die heutige Zeit betrachtet mit den Aufgaben, die sie hat, und mit dem geringen Verständnis, das so viele Menschen diesen Aufgaben entgegenbringen. Wenn gesehen wird, wie Menschen gerade heute in der Welt urteilen, wie Menschen denken, fühlen und empfinden, und wie dieses Denken, Fühlen und Empfinden zu äußeren Freignissen führt, und wie die Menschen von diesen äußeren Ereignissen so wenig lernen, dann lagert sich ein unendlich bedeutungsvoller Schmerz auf der Seele ab. Dieses Schmerzgefühl ist es, das jetzt oftmals über die Seele kommen muß. Kann man doch wirklich hinaussehen in die Zeit — um nur das jüngste zu nennen — monatelanger Prüfung, hinwenden den Blick auf das, was die Menschen gelernt haben durch diese monatelange Prüfung, auf das, was einem an Urteil entgegentritt im Verhältnis zu dem, was vor acht Monaten einem entgegengetreten ist: es ist dieselbe Art des Utrteilens, dieselbe Art des Empfindens. Das, womit die Menschen glaubten, Recht zu haben vor acht Monaten, sie denken es immer noch, sie wollen gar, daß die traurigen Ereignisse eingetreten sind, um besonders ihnen Recht zu geben in dem, womit sie Recht zu haben glaubten vor acht Monaten.
[ 49 ] Wir leben in mancherlei Hinsicht in einer schweren Zeit. Die ganz schweren äußeren Ereignisse, die uns in der Gegenwart umgeben, sind nur das äußere Zeichen für unsere ganz schwere Zeit. Es ist nicht gut, diese ganz schwere Zeit wie eine Krankheit anzusehen, wie wir oftmals eine Krankheit Krankheit nennen, denn die Krankheit ist oft ein Heilungsprozeß, die wahre Krankheit ist der physisch erscheinbaren Krankheit vorausgegangen. So ist auch dem, was jetzt als Trauerereignisse durch die Welt geht, vorangegangen etwas Krankhaftes, und in viel Tieferes sollen wir hineinsehen, als die Menschheit geneigt ist, hineinzusehen. Oh, ein großer Schmerz kann sich auf der Seele ablagern desjenigen, der gerade die heutige Zeit betrachtet mit den Aufgaben, die sie hat, und mit dem geringen Verständnis, das so viele Menschen diesen Aufgaben entgegenbringen. Wenn gesehen wird, wie Menschen gerade heute in der Welt urteilen, wie Menschen denken, fühlen und empfinden, und wie dieses Denken, Fühlen und Empfinden zu äußeren Freignissen führt, und wie die Menschen von diesen äußeren Ereignissen so wenig lernen, dann lagert sich ein unendlich bedeutungsvoller Schmerz auf der Seele ab. Dieses Schmerzgefühl ist es, das jetzt oftmals über die Seele kommen muß. Kann man doch wirklich hinaussehen in die Zeit — um nur das jüngste zu nennen — monatelanger Prüfung, hinwenden den Blick auf das, was die Menschen gelernt haben durch diese monatelange Prüfung, auf das, was einem an Urteil entgegentritt im Verhältnis zu dem, was vor acht Monaten einem entgegengetreten ist: es ist dieselbe Art des Utrteilens, dieselbe Art des Empfindens. Das, womit die Menschen glaubten, Recht zu haben vor acht Monaten, sie denken es immer noch, sie wollen gar, daß die traurigen Ereignisse eingetreten sind, um besonders ihnen Recht zu geben in dem, womit sie Recht zu haben glaubten vor acht Monaten.
[ 50 ] Ich kann es nicht aussprechen, wie unendlich der Schmerz ist, den man empfindet über die geringe Art, wie sich in den letzten Monaten die Menschenseelen gewandelt haben nach den Voraussetzungen, die man für diesen Wandel machen mußte, damit wirklich unsere Zeit die Zeit einer Prüfung, die Zeit eines Lernens sei. Von denjenigen aber, die innerhalb der Geisteswissenschaft stehen, möchte man wünschen, daß sie mancherlei von dem gerade aufnehmen, was man lernen kann, wenn solche Betrachtungen, wie diese im Zusammenhang mit «Faust», angestellt werden. Immer wiederum möchte man die Seelen hinweisen auf den tiefen Ernst und auf das heilige Wahrheitsstreben, das mit unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung verknüpft sein muß. Und rächen muß sich gerade in einer solchen Bewegung dasjenige, was nicht aus tiefer Ehrlichkeit und tiefem Wahrheitsgefühl heraus ist. All dasjenige, wovon man sagen kann dem, der es äußert: Verzeiht, ich hör’ Euch deklamieren! -, alles das sollen wir wirklich zu überwinden versuchen.
[ 50 ] Ich kann es nicht aussprechen, wie unendlich der Schmerz ist, den man empfindet über die geringe Art, wie sich in den letzten Monaten die Menschenseelen gewandelt haben nach den Voraussetzungen, die man für diesen Wandel machen mußte, damit wirklich unsere Zeit die Zeit einer Prüfung, die Zeit eines Lernens sei. Von denjenigen aber, die innerhalb der Geisteswissenschaft stehen, möchte man wünschen, daß sie mancherlei von dem gerade aufnehmen, was man lernen kann, wenn solche Betrachtungen, wie diese im Zusammenhang mit «Faust», angestellt werden. Immer wiederum möchte man die Seelen hinweisen auf den tiefen Ernst und auf das heilige Wahrheitsstreben, das mit unserer geisteswissenschaftlichen Anschauung verknüpft sein muß. Und rächen muß sich gerade in einer solchen Bewegung dasjenige, was nicht aus tiefer Ehrlichkeit und tiefem Wahrheitsgefühl heraus ist. All dasjenige, wovon man sagen kann dem, der es äußert: Verzeiht, ich hör’ Euch deklamieren! -, alles das sollen wir wirklich zu überwinden versuchen.
[ 51 ] Ist es denn nicht sonderbar, wenn wir heute den Bühnentraditionen nach Wagner oft über die Bühne gehen sehen, und wenn auch Gelehrte, wenn gegenwärtig Rationalisten und Verstandesmenschen weidlich höhnen über dasjenige, was Wagner ist, statt daß sie an ihr Herz klopfen und sich in dem Wagner sehen würden. Dieser Wagner sitzt überall auf den Lehrstühlen, in den Laboratorien, und unsere wissenschaftliche Literatur, unsere philosophische Literatur, sie würden eine tiefe Wahrheit enthalten, wenn die größte Zahl der Autoren das Pseudonym «Wagner» wählen würden. Denn sie sind von Wagner geschrieben, diese Philosophien der Gegenwart.
[ 51 ] Ist es denn nicht sonderbar, wenn wir heute den Bühnentraditionen nach Wagner oft über die Bühne gehen sehen, und wenn auch Gelehrte, wenn gegenwärtig Rationalisten und Verstandesmenschen weidlich höhnen über dasjenige, was Wagner ist, statt daß sie an ihr Herz klopfen und sich in dem Wagner sehen würden. Dieser Wagner sitzt überall auf den Lehrstühlen, in den Laboratorien, und unsere wissenschaftliche Literatur, unsere philosophische Literatur, sie würden eine tiefe Wahrheit enthalten, wenn die größte Zahl der Autoren das Pseudonym «Wagner» wählen würden. Denn sie sind von Wagner geschrieben, diese Philosophien der Gegenwart.
[ 52 ] Ich glaube gar sehr, daß auch mancher, der in den Reihen der Geisteswissenschaft lebt, hinreichend Grund hat, an seine Brust zu klopfen, sich selbsterkennend zu prüfen, wieviel von bloßem Sich -selbst-Vordeklamieren in seiner Seele ist, und wieviel aus absoluter Ehrlichkeit, aus absolutem Wahrheitsgefühl entsprungen! Mit dieser Mahnung an Ihre Herzen, an Ihre tiefsten Seelenkräfte schließe ich diese Betrachtung.
[ 52 ] Ich glaube gar sehr, daß auch mancher, der in den Reihen der Geisteswissenschaft lebt, hinreichend Grund hat, an seine Brust zu klopfen, sich selbsterkennend zu prüfen, wieviel von bloßem Sich -selbst-Vordeklamieren in seiner Seele ist, und wieviel aus absoluter Ehrlichkeit, aus absolutem Wahrheitsgefühl entsprungen! Mit dieser Mahnung an Ihre Herzen, an Ihre tiefsten Seelenkräfte schließe ich diese Betrachtung.
