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Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272

22 May 1915, Dornach

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5. Pfingststimmung Fausts Initiation mit den Geistern der Erde

5. A Pentecostal Atmosphere: Faust’s Initiation with the Spirits of the Earth

im Anschluß an eine eurythmische Darstellung der ersten Szene des «Faust» II. Teil

following a eurythmic performance of the first scene of “Faust”, Part II

[ 1 ] Im gewöhnlichen Sinn einen Pfingstvortrag in diesem Jahre zu halten, ist ja, das wird verstanden werden, gerade zu diesem Zeitpunkt, nämlich gerade zu Pfingsten, wohl kaum möglich. Bedenken wir, wodurch die Zeit der Pfingsten charakterisiert ist in dem Dokument des Christentums, in dem Neuen Testament. Wir werden finden, daß die bedeutsame Charakteristik des Pfingstfestes die ist, daß der Geist ausgegossen wird über diejenigen, die Apostel genannt werden. Und die Folge des Ausgießens des Geistes ist, wie wir aus dem zweiten Kapitel der Apostelgeschichte ersehen, daß die Menschen der verschiedensten Sprachen, die da versammelt sind am Pfingstfeste, zehn Tage nach der sogenannten Himmelfahrt, ein jeder das, was ihnen verkündet werden soll, so vernimmt, daß es ihm vertraut klingt, trotzdem ein jeder ausdrücklich betont, daß er nur seiner Muttersprache fähig ist.

[ 1 ] In the usual sense, it is—as will be understood—hardly possible to give a Pentecost sermon this year at this very time, namely, on Pentecost itself. Let us consider what characterizes the time of Pentecost in the document of Christianity, the New Testament. We will find that the defining characteristic of the Feast of Pentecost is that the Spirit is poured out upon those who are called apostles. And the result of the outpouring of the Spirit, as we see in the second chapter of the Acts of the Apostles, is that people of various languages, gathered there on the Feast of Pentecost, ten days after the so-called Ascension, each one hears what is to be proclaimed to them in a way that sounds familiar to him, even though each one expressly emphasizes that he is capable of speaking only his native language.

[ 2 ] Und so erscheint die Ausgießung des Geistes am Pfingstfeste wie die Ergießung des Geistes der Liebe, der Eintracht, der Harmonie derjenigen, die über den Erdkreis hin die verschiedensten Sprachen sprechen. Oder man könnte, besser gesagt, um den Wortlaut der Bibel besser zu treffen, die Sache in der folgenden Weise wenden. Man könnte sagen: Es wird in der Pfingstverkündigung etwas gegeben, was so dem menschlichen Gemüte anklingt, daß ein jeder es verstehen kann, trotzdem er nur seine Muttersprache versteht.

[ 2 ] And so the outpouring of the Spirit at Pentecost appears as the outpouring of the Spirit of love, unity, and harmony among those who speak the most diverse languages across the globe. Or, to put it more accurately—and to better reflect the wording of the Bible—one could phrase it as follows. One could say: In the Pentecost proclamation, something is given that resonates so deeply with the human heart that everyone can understand it, even though they understand only their native language.

[ 3 ] Es empfindet fast jeder als dem widersprechend, was uns in diesem Jahre am Pfingstfeste umgibt, wenn nur eine Interpretation desjenigen gegeben wird, was mit dieser Pfingstverkündigung gemeint sein kann. Wir brauchen nur zu bedenken, daß die Welt neunzehn Jahrhunderte nach dieser Pfingstverkündigung es dahin gebracht hat, diese Pfingstverkündigung so zu befolgen, daß nunmehr dieses Pfingstfest sieht auf vierunddreißig verschieden sprechende Völker miteinander im Kampfe, gewissermaßen völlig widersprechend demjenigen, was der Sinn des Pfingstfestes ist. Vielleicht wird diese Sprache der Tatsache doch wenigstens in eine gewisse Anzahl von Menschen die Erkenntnis einfließen lassen, daß jene Pfingstverkündigung noch nicht in durchgreifender Weise über den Erdkreis sich verbreitet hat, daß sie noch nicht in genügender Art die Gemüter der Menschen ergriffen hat, und daß sie in einer neuen Form zu den Gemütern der Menschen wird sprechen müssen, eindringlicher, bedeutsamer, als sie bisher gesprochen hat, damit sie in die Zukunft hin in derjenigen Weise verstanden werden könne, in der sie doch verstanden werden muß.

[ 3 ] Almost everyone feels that it contradicts what surrounds us this year on the Feast of Pentecost if only one interpretation is offered of what this Pentecost proclamation might mean. We need only consider that, nineteen centuries after this Pentecostal proclamation, the world has come to follow it in such a way that this Pentecost now finds thirty-four nations speaking different languages at war with one another—in a sense, completely contradicting the very meaning of the Pentecost. Perhaps this reality will at least instill in a certain number of people the realization that the Pentecost proclamation has not yet spread throughout the world in a profound way, that it has not yet sufficiently captured the hearts of people, and that it will have to speak to people’s hearts in a new form—more forcefully and more meaningfully than it has spoken so far—so that in the future it may be understood in the way it must be understood.

[ 4 ] Und so sei denn in diesem Jahre als Pfingstbetrachtung gewissermaßen ein allgemeiner Gesichtspunkt eingenommen, ein Gesichtspunkt, der uns von einer gewissen Seite die neue Pfingstverkündigung nahebringen kann, die wir meinen mit der Geisteswissenschaft. Denn als eine Pfingstverkündigung an die Menschheit müssen wir doch ansehen, was gerade in den Vorträgen ausgeführt worden ist, die wir hier absolviert haben; als eine Pfingstverkündigung müssen wir diese Geisteswissenschaft doch auffassen.

[ 4 ] And so, for this year’s Pentecost reflection, let us adopt, so to speak, a general perspective—one that can help us understand, from a certain angle, the new Pentecost proclamation that we mean by Spiritual Science. For we must surely regard what has just been expounded in the lectures we have held here as a Pentecost proclamation to humanity; we must surely understand the Spiritual Science as a Pentecost proclamation.

[ 5 ] Nehmen wir einmal das, was wir über das Mysterium von Golgatha wissen, und lassen wir es vor unsere Seele treten. Worin besteht das Wesentliche dieses Mysteriums von Golgatha? Dieses Wesentliche des Mysteriums von Golgatha besteht darinnen, daß eine geistige Wesenheit, von der wir wissen, daß sie den kosmischen Sphären angehört, herabgestiegen ist und irdische Schicksale, irdisches Leid durchgemacht hat in einem physischen Menschenleibe, daß die Christus-Wesenheit drei Jahre verlebt hat in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Durch das, was die Christus-Wesenheit in dem Leibe des Jesus von Nazareth erlebt hat, ist diese Christus-Wesenheit seit dem Mysterium von Golgotha mit dem vereinigt, was wir den Geist der Erde nennen können, was wir das Aurische der Erde nennen können. So daß die gesamte Erdenentwickelung für uns in eine Zeit vor dem Mysterium von Golgatha zerfällt, da gewissermaßen dasjenige, was der Christus-Geist ist, nur angedeutet werden kann, wenn der Mensch sich erhebt durch Initiation aus der irdischen Sphäre heraus, um wahrzunehmen nicht dasjenige, was innerhalb der irdischen Sphäre liegt, sondern dasjenige, woran die Erde keinen Anteil hat, was ihr erst vorbestimmt ist für eine spätere Zukunft, und in die Zeit nach dem Mysterium von Golgatha. Seit dem Mysterium von Golgatha, wissen wir, ist dies so, daß der Mensch mit seinem Geistig-Seelischen nicht der Erde zu entfliehen braucht, sondern innerhalb der Erdensphäre verbleiben kann und vernehmen kann innerhalb dieser Erdensphäre dasjenige, was die Christus-Wesenheit an Impulsen enthält.

[ 5 ] Let us take what we know about the Mystery of Golgotha and allow it to come before our soul. What is the essence of this Mystery of Golgotha? The essence of the Mystery of Golgotha lies in the fact that a spiritual being—whom we know to belong to the cosmic spheres—descended and underwent earthly destinies and earthly suffering in a physical human body; that the Christ Being lived for three years in the body of Jesus of Nazareth. Through what the Christ-being experienced in the body of Jesus of Nazareth, this Christ-being has, since the Mystery of Golgotha, been united with what we may call the Spirit of the Earth, what we may call the auric aspect of the Earth. Thus, the entire development of the Earth can be divided for us into a time before the Mystery of Golgotha, since, in a sense, what the Christ Spirit is can only be hinted at when a human being rises through initiation out of the earthly sphere to perceive not what lies within the earthly sphere, but that in which the Earth has no part—that which is destined for it only in a later future—and into the time after the Mystery of Golgotha. Since the Mystery of Golgotha, we know, it has been the case that human beings, with their spiritual and soul aspects, need not flee the Earth but can remain within the earthly sphere and perceive, within this earthly sphere, the impulses contained in the Christ Being.

[ 6 ] Nun müssen wir uns klarmachen, daß die Jahrhunderte bis in unsere Zeit herein in bezug auf einen Teil der Menschheit ein Bewußtsein davon aufgenommen haben, daß der Christus-Impuls mit dem Erden.dasein sich verknüpft habe. Ganz geändert hat sich etwas in dem Gesamtbewußtsein der Menschen, derjenigen Menschen, die etwas gefühlt haben, empfunden haben von dem Christus-Impuls. Geändert hat sich etwas in dem Gesamtbewußtsein dieser Menschen. Der Glaube trat in die Seele ein, daß der Christus mit dem Menschen ist, daß sich das menschliche Gemüt vereinigen kann mit dem Christus, daß das menschliche Gemüt etwas durchleben kann innerhalb des Erdendaseins, was von dem Christus-Impuls lebendig durchdrungen wird. Ein Verständnis aber desjenigen, was der Christus-Impuls im gesamten Erdendasein in der Entwickelung der Menschheit ist, muß durch die Geisteswissenschaft erst wirklich in die Menschenseelen dringen. Und dazu ist notwendig, daß erkannt werde, wie dieser Christus-Impuls in der Menschenseele so wirkt, daß zwei andere geistige Impulse gewissermaßen im Gleichgewicht gehalten werden.

[ 6 ] Now we must realize that, over the centuries leading up to our time, a portion of humanity has come to recognize that the Christ impulse has become linked with earthly existence. Something has completely changed in the collective consciousness of people—those who have felt and sensed something of the Christ impulse. Something has changed in the collective consciousness of these people. The belief took root in the soul that Christ is with humanity, that the human soul can unite with Christ, and that the human soul can experience something within earthly existence that is vividly permeated by the Christ impulse. However, an understanding of what the Christ impulse is in the entire course of earthly existence and in the development of humanity must first truly penetrate human souls through Spiritual Science. And for this to happen, it is necessary to recognize how this Christ impulse works in the human soul in such a way that two other spiritual impulses are, so to speak, kept in balance.

[ 7 ] Das wird darzustellen haben unser Bildwerk, welches wir aufzustellen haben im Osten unseres Baues. Da werden wir den Repräsentanten der Menschheit hinstellen, den Repräsentanten des Menschen, insofern dieser Mensch das Tiefste in sich erleben kann, insofern dieser Mensch erleben kann das, was man erlebt, wenn man den Christus-Impuls als einen lebendigen Impuls in seine Seele aufgenommen hat. Meinetwillen wird man nennen können die Hauptfigur im Bau im Osten den Christus, man wird ihn auch nennen können den Repräsentanten des verinnerlichten Menschen überhaupt. Aber man wird sehen müssen diesen Geist, der durch einen menschlichen Leib spricht, im Zusammenhange mit zwei andern geistigen Wesenheiten, mit Luzifer und Ahriman. Aufrechtstehend wird der Repräsentant der Menschheit auszudrücken haben das Verhältnis zu Luzifer und Ahriman. Es wird alles an dieser Figur nur charakteristisch sein müssen. Vor allen Dingen werden Sie später, wenn diese Figur gerade einmal aufgestellt ist, bemerken können, daß die Geste der als Linke erhobenen Hand und die Geste der als Rechte gesenkten Hand ganz besondere sind. Diese Geste der Hände wird verstanden werden können, wenn man sehen wird, wie oben auf dem Felsen, nach dessen Gipfel sich die linke Hand des Menschheitsrepräsentanten erhebt, der linke Arm erhebt, wie oben auf diesem Felsengipfel Luzifer abstürzt aus dem Grunde, weil er sich die Flügel bricht.

[ 7 ] This is what our artwork—which we are to install in the eastern part of our building—will have to depict. There we will place the representative of humanity, the representative of the human being, insofar as this human being is capable of experiencing the deepest depths within themselves, insofar as this human being is capable of experiencing what one experiences when one has taken the Christ impulse into one’s soul as a living impulse. For my part, one could call the central figure in the eastern part of the building “Christ”; one could also call him the representative of the internalized human being in general. But one will have to view this spirit, who speaks through a human body, in relation to two other spiritual beings: Lucifer and Ahriman. Standing upright, the representative of humanity will have to express the relationship to Lucifer and Ahriman. Everything about this figure will have to be purely characteristic. Above all, you will later be able to notice—once this figure has been erected—that the gesture of the left hand raised and the gesture of the right hand lowered are quite special. This gesture of the hands can be understood when one sees how, atop the rock toward whose summit the left hand of the representative of humanity is raised—the left arm raised—Lucifer plunges from the base of this rocky summit because he has broken his wings.

[ 8 ] Nun wird man leicht glauben können, daß dieses Brechen der Flügel durch die Kraft geschähe, welche ausströmt aus dem Arm des Menschheitsrepräsentanten, als ob gleichsam diese Kraft nach Luzifer ausstrahlte und ihm die Flügel bräche,. Das wäre eine falsche Auffassung. Und es wird uns hoffentlich gelingen, durch die plastische Darstellung diese falsche Auffassung nicht aufkommen zu lassen. Denn nicht darum handelt es sich, daß von dem durchchristeten Menschen etwas ausströme, was Luzifer die Flügel bricht, sondern darum handelt es sich, daß Luzifer in sich selber etwas erlebt, indem er die Nähe des Christus empfindet, was zum Brechen seiner Flügel führt. Weil er die Christus-Kraft, den Christus-Impuls, nicht ertragen kann, bricht er sich die Flügel. Es ist ein Vorgang, der nicht durch einen Kampf des Christus gegen Luzifer erzeugt wird, sondern es ist ein Vorgang im Inneren des Luzifer selber, etwas, was Luzifer in sich erleben muß, und es darf keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß es dem Christus unmöglich wäre, Haß- oder Kampfgefühle gegen Luzifer zu empfinden. Der Christus ist der Christus und erfüllt nur mit Positivem das Weltensein, bekämpft keine Macht der Welt! Aber sich muß die Macht bekämpfen, die als luziferische Macht nun in seine Nähe kommt. Daher darf nicht aggressiv die Hand wirken, die links erhoben wird, und auch nicht aggressiv darf die linke Hälfte des Antlitzes wirken mit dieser eigentümlichen Geste, sondern es ist wie ein Hinweisen darauf, daß im Weltenzusammenhange Christus etwas mit Luzifer zu tun hat. Aber nicht ein Kampf ist es. Der Kampf entsteht erst in der Seele des Luzifer selber. Er bricht sich selbst die Flügel, ihm werden die Flügel nicht von Christus gebrochen.

[ 8 ] Now, one might easily believe that this breaking of the wings is caused by the power emanating from the arm of the representative of humanity, as if, so to speak, this power were radiating toward Lucifer and breaking his wings. That would be a misconception. And hopefully we will succeed, through this vivid depiction, in preventing this misconception from arising. For the point is not that something flows out from the Christ-imbued human being that breaks Lucifer’s wings, but rather that Lucifer experiences something within himself—by sensing the nearness of Christ—which leads to the breaking of his wings. Because he cannot bear the Christ-force, the Christ-impulse, he breaks his own wings. It is a process that is not brought about by a struggle between Christ and Lucifer, but rather a process within Lucifer himself—something Lucifer must experience within himself—and there must be no doubt whatsoever that it would be impossible for Christ to feel hatred or a desire to fight against Lucifer. Christ is Christ and fills the existence of the worlds only with positivity; He does not fight any power in the world! But he must contend with the power that, as a Luciferic force, now draws near to him. Therefore, the hand raised on the left must not act aggressively, nor must the left half of the face act aggressively with this peculiar gesture; rather, it is like a pointing to the fact that, within the context of the world, Christ has something to do with Lucifer. But it is not a battle. The struggle arises only within the soul of Lucifer himself. He breaks his own wings; his wings are not broken by Christ.

[ 9 ] Und ebenso ist es mit Ahriman, der in einer Felsenhöhle unter der rechten Seite des durchchristeten Menschen kauert, unter der die Erde nach oben getrieben wird: das Materielle, das in die Menschen wie hineingetrieben wird, das aber sich nicht erkraften kann und erlahmt, weil die Christus-Kraft in seiner Nähe ist.

[ 9 ] And the same is true of Ahriman, who crouches in a rocky cave beneath the right side of the Christ-infused human being, beneath which the earth is driven upward: the material that is, as it were, driven into human beings, but which cannot muster the strength and grows weak because the Christ-force is near.

[ 10 ] Wiederum darf die Christus-Kraft, die durch den Arm in die Hand wallt und strömt, nichts verraten von einem Haß gegen Ahriman, sondern Ahriman ist es selber, der in sich erlahmt, und der durch dasjenige, was in seiner Seele vorgeht, das versteckt liegende Gold in den Adern der Erde wie Fesseln um sich schlingt, so daß er aus dem Erdengolde sich Fesseln macht und sich selber anschmiedet. Er wird nicht durch Christus angeschmiedet, er schmiedet sich selber an, indem er die Nähe des Christus empfindet.

[ 10 ] Once again, the Christ-force that surges and flows through the arm into the hand must reveal nothing of a hatred for Ahriman; rather, it is Ahriman himself who weakens within, and who, through what is taking place in his soul, wraps the hidden gold in the earth’s veins around himself like chains, so that he makes chains out of the earth’s gold and forges himself. He is not forged by Christ; he forges himself by sensing the nearness of Christ.

[ 11 ] Damit aber wird erst das Urverhältnis, ich möchte sagen, bloßgelegt, welches erkannt werden muß, damit dasjenige, was der Christus-Impuls ist, wirklich von den menschlichen Seelen verstanden werden kann.

[ 11 ] But this merely lays bare, so to speak, the primordial relationship—which must be recognized—so that what the Christ impulse is may truly be understood by human souls.

[ 12 ] Durch ein einfaches Gleichnis kann man diesen Christus-Impuls abstrakt klarlegen. Denken Sie sich einmal ein Pendel. Das Pendel schlägt aus nach der einen Seite, fällt dann durch seine eigene Schwerkraft bis zum untersten Punkt und schlägt nach der andern Seite aus, eben so weit, bis an dieser andern Seite ein Punkt ist, den wir als Gleichgewichtspunkt bezeichnen. Dieser Punkt wäre ein toter Punkt, ein ruhender Punkt, wenn das Pendel nun nicht nach der andern Seite ausschlagen würde. Leben ist im Pendel dadurch, daß es nach beiden Seiten ausschlägt und in der Mitte einen Ruhepunkt hat.

[ 12 ] A simple analogy can be used to explain this Christ impulse in abstract terms. Imagine a pendulum. The pendulum swings to one side, then falls under its own weight to the lowest point, and swings to the other side, just as far, until it reaches a point on that other side that we call the point of equilibrium. This point would be a dead point, a point of rest, if the pendulum did not swing back to the other side. Life is in the pendulum because it swings to both sides and has a point of rest in the middle.

[ 13 ] So können wir uns seit dem Mysterium von Golgatha die Erdenentwickelung vorstellen: Pendelausschlag nach der einen Seite, nach der luziferischen Seite, und Pendelausschlag nach der andern Seite, nach der ahrimanischen Seite. Und der Gleichgewichtspunkt ist der Christus in der Mitte. |

[ 13 ] This is how we can create a mental image of the evolution of the Earth since the Mystery of Golgotha: a swing of the pendulum to one side—the Luciferic side—and a swing to the other side—the Ahrimanic side. And the point of balance is Christ in the middle. |

[ 14 ] Daß dies erst erkannt werden muß, mag Ihnen aus einer bedeutsamen historischen Tatsache hervorgehen. Wir alle bewundern das Bild, das Michelangelo als « Jüngstes Gericht» gemalt hat. Sie kennen es aus Nachbildungen des Originals, das sich in der Sixtinischen Kapelle befindet. Wir sehen da mit großartiger Meisterschaft durch Michelangelo hingemalt den Christus, wie triumphierend die einen zur Hölle sendend, den bösen Geistern entgegen, die andern, die Guten, nach dem Himmel sendend. Und schauen wir einmal ins Antlitz diesem Christus, dann sehen wir in ihm den Weltenzorn. Und haben wir Geisteswissenschaft aufgenommen, haben wir alles das wirklich in Liebe mit unserem Gemüte vereinigt, was wir bisher aufnehmen konnten von Geisteswissenschaft, dann sagen wir heute trotz unserer Bewunderung gegenüber dem, was Michelangelo geschaffen hat: Das ist kein Christus, denn der Christus richtet nicht! Die Menschen richten sich selber, wie Luzifer und Ahriman eigene Vorgänge erleben, nicht dasjenige, was durch irgendeinen Kampf des Christus gegen sie bewirkt wird.

[ 14 ] The fact that this must first be recognized may become clear to you from a significant historical fact. We all admire the painting that Michelangelo created, *The Last Judgment*. You are familiar with it from reproductions of the original, which is located in the Sistine Chapel. There, painted with magnificent mastery by Michelangelo, we see Christ triumphantly sending some to hell, toward the evil spirits, and others—the good—to heaven. And if we look into the face of this Christ, we see in him the wrath of the world. And if we have taken Spiritual Science to heart—if we have truly united in love within our souls all that we have been able to absorb so far from Spiritual Science—then today, despite our admiration for what Michelangelo created, we say: This is not Christ, for Christ does not judge! Human beings judge themselves, just as Lucifer and Ahriman experience their own processes—not what is brought about by any struggle of Christ against them.

[ 15 ] Als Michelangelo seinen Christus schuf, war noch nicht die Zeit, den Christus in wirklicher Vollkommenheit zu erkennen. Es waltete in den Menschen noch, ich möchte sagen, Unklarheit. Man sah im Christus selber etwas von dem, wovon wir heute wissen, daß es dem Luzifer oder dem Ahriman zugeschrieben werden muß. Und verstehen können wir heute etwas von dem, wenn Leute in dem Michelangelo-Christus selber etwas wie Luzifer oder Ahriman gefunden haben, denn er ist noch nicht frei, so wie ihn Michelangelo darstellt, von dem, wovon der Christus völlig frei ist.

[ 15 ] When Michelangelo created his Christ, the time had not yet come to recognize Christ in true perfection. A sense of—I would say—uncertainty still prevailed among people. People saw in Christ himself something that we now know must be attributed to Lucifer or Ahriman. And today we can understand something of this when people have found something like Lucifer or Ahriman in Michelangelo’s Christ himself, for as Michelangelo depicts him, he is not yet free from that of which Christ is completely free.

[ 16 ] Halten wir uns einmal vor die Seele, stellen wir uns einmal richtig vor, was es heißt, daß aus jener Anschauung, aus der Michelangelo gewachsen ist, ein Bild des Christus nicht zustande kommen konnte, welches einem wirklichen Verstehen des Mysteriiums von Golgatha entspricht, weil noch ungeklärt war dasjenige, was gewußt werden muß: das Verhältnis zwischen Christus, Luzifer und Ahriman.

[ 16 ] Let us take a moment to reflect deeply and truly imagine what it means that, from the worldview out of which Michelangelo emerged, it was impossible to create an image of Christ that corresponded to a genuine understanding of the mystery of Golgotha—because what needed to be known remained unclear: the relationship between Christ, Lucifer, and Ahriman.

[ 17 ] Wie oft ist es betont worden in unseren Kreisen, daß es eine falsche Empfindung ist, hinzuweisen auf Luzifer und zu sagen: Ich will ihm entfliehen, — oder hinzuweisen auf Ahriman und zu sagen: Ich will ihm entfliehen. - Das würde nur heißen, mit der Schwäche einen Pakt schließen wollen, würde heißen, dem Pendel den Rat zu geben, damit es in der Gleichgewichtslage sei, gar nicht auszuschlagen nach links und nach rechts, sondern immer in Ruhe zu bleiben. Wir können nicht entfliehen den Weltenkräften, die wir als Luzifer und Ahriman bezeichnen, wir müssen zu ihnen nur das rechte Verhältnis finden. Und dieses rechte Verhältnis finden wir, wenn wir den Christus-Impuls in der richtigen Weise verstehen, wenn wir in der Christus-Wesenheit den Führer sehen, der uns in das rechte Verhältnis zu den luziferischen und ahrimanischen Mächten setzen kann, die einmal Mächte der Welt sein müssen.

[ 17 ] How often has it been emphasized in our circles that it is a mistaken notion to point to Lucifer and say, “I want to escape him”—or to point to Ahriman and say, “I want to escape him.” — That would merely mean seeking to make a pact with weakness; it would mean advising the pendulum, so that it might remain in equilibrium, not to swing at all to the left or to the right, but to remain at rest at all times. We cannot escape the world forces we call Lucifer and Ahriman; we must simply find the right relationship to them. And we find this proper relationship when we understand the Christ impulse in the right way, when we see in the Christ Being the guide who can place us in the right relationship to the Luciferic and Ahrimanic forces, which must, after all, be forces of the world.

[ 18 ] Betrachten wir alles dasjenige, was Luzifer hineinbringt in das Leben der Menschen. Alles das bringt er hinein, was zusammenhängt mit dem Empfinden, mit den Leidenschaften, mit dem Gefühls- und Gemütsleben. Trocken, nüchtern, abstrakt wäre das Leben, wenn nicht die lebendige Empfindung, das lebendige Gefühl dieses Leben durchfluteten. Sehen wir hin auf die Entwickelung der Geschichte, was die Leidenschaft, die man oftmals auch die edle Leidenschaft nennt — mit Recht die edle Leidenschaft -, in der Geschichte bewirkt hat, was Fühlen und Empfinden bewirkt haben. Nimmermehr sind aber wir imstande, überhaupt Gefühle und Empfindungen zu hegen, ohne in die Sphäre des Luzifer uns zu begeben. Nur darum handelt es sich, daß wir niemals in diese Sphäre eintreten ohne die Führung des Christus-Impulses.

[ 18 ] Let us consider everything that Lucifer brings into human life. He brings in everything connected with sensation, with the passions, and with the life of feeling and emotion. Life would be dry, sober, and abstract if it were not permeated by living sensation and living feeling. Let us look at the course of history and see what passion—often called noble passion, and rightly so—has brought about in history, and what feeling and sensation have brought about. Yet we are never capable of harboring feelings and sensations at all without entering the sphere of Lucifer. The only thing that matters is that we never enter this sphere without the guidance of the Christ impulse.

[ 19 ] Und sehen wir auf der andern Seite, wie notwendig es gerade in der neueren Zeit geworden ist, immer mehr und mehr die Welt zu verstehen, Wissenschaft auszubilden, die äußeren Naturkräfte zu beherrschen. Herr desjenigen, was die äußere Wissenschaft ist, desjenigen, was in den äußeren Naturkräften lebt, ist Ahriman. Und wir müßten dumm und töricht bleiben, wollten wir fliehen das ahrimanische Element. Nicht darum handelt es sich, das ahrimanische Element zu fliehen, sondern wiederum unter der Führung des Christus-Impulses in jene Sphäre einzutreten, in der Ahriman in der Welt waltet. Und so nicht in träger Weise bloß den Ruhepunkt zu suchen, sondern die lebendige Bewegung des Weltenpendels mitzuerleben, so zu erleben, daß wir keinen Schritt machen ohne die Führung des Christus-Impulses. Christus-Erkenntnis ist erst möglich, wenn das Verhältnis des Christus-Impulses zu den luziferischen und ahrimanischen Kräften der Menschenseele klar geworden ist. Daher gehört die Verkündigung der luziferischen und ahrimanischen Seite der Welt zu demjenigen, was unsere geisteswissenschaftliche Bewegung aufnehmen mußte, da sie sich bewußt war, auf den Boden des Christus-Impulses sich stellen zu müssen. Und darum können Sie ge rade in der außerchristlichen theosophischen Lehre von den ahrimanischen und luziferischen Elementen nichts finden, weil dies eben auftreten mußte, dieses luziferische und ahrimanische Element, in dem Augenblick, in dem in ernster Weise die geisteswissenschaftliche Bewegung mit dem Christus-Impuls zu rechnen hatte.

[ 19 ] And let us consider, on the other hand, how necessary it has become—especially in recent times—to understand the world more and more, to develop science, and to master the external forces of nature. Ahriman is the lord of what constitutes external science, of that which lives in the external forces of nature. And we would remain foolish and ignorant if we sought to flee the Ahrimanic element. The point is not to flee from the Ahrimanic element, but rather, under the guidance of the Christ impulse, to enter that sphere in which Ahriman reigns in the world. And thus, not to seek merely the point of rest in a passive way, but to experience the living movement of the world’s pendulum—to experience it in such a way that we take no step without the guidance of the Christ impulse. Knowledge of Christ is only possible once the relationship of the Christ impulse to the Luciferic and Ahrimanic forces in the human soul has become clear. Therefore, the proclamation of the Luciferic and Ahrimanic aspects of the world is part of what our Spiritual Science movement had to embrace, since it was conscious of the need to stand on the ground of the Christ impulse. And that is why you will find nothing about the Ahrimanic and Luciferic elements in the non-Christian theosophical teachings, because these elements—the Luciferic and Ahrimanic—simply had to emerge at the very moment when the Spiritual Science movement had to seriously reckon with the Christ Impulse.

[ 20 ] Ich denke, es ist etwas außerordentlich Wichtiges für die Menschenseele, zu fühlen, wie Geisteswissenschaft die Aufgabe hat, wirklich etwas Neues in das Menschenbewußtsein hineinzubringen, etwas so Neues, daß wir es selbst messen dürfen an so großen Schöpfungen der Menschheit, wie es der Michelangelosche Christus des « Jüngsten Gerichtes» ist. Und es wird uns dasjenige, was uns durch Geisteswissenschaft vorschweben muß, als die neue Pfingstverkündigung im rechten Sinne des Wortes erscheinen müssen.

[ 20 ] I believe it is something extraordinarily important for the human soul to feel how Spiritual Science has the task of truly bringing something new into human consciousness—something so new that we ourselves may measure it against such great creations of humanity as Michelangelo’s Christ in “The Last Judgment.” And what Spiritual Science must hold before our eyes will appear to us as the new Pentecost proclamation in the true sense of the word.

[ 21 ] Wir haben um die Osterzeit herum gesehen, wie einer der großen Geister der neueren Zeit, Goethe, gerungen hat, denjenigen, den er als den Repräsentanten der Menschheit hingestellt hat, den Faust, in eine Beziehung zu bringen zu dem Christus-Impuls. Und wir haben gesehen, wie Goethe in seiner Jugend das noch nicht konnte, wie es ihm erst im reifen Alter möglich geworden ist. Und so erscheint uns denn vielfach das Geistesleben, wie es sich heraufentwickelte bis in unsere Gegenwart, als ein Ringen, als ein unablässiges Ringen. Es erscheint uns wahrhaftig so, daß es uns im höchsten Grade bescheiden machen muß, wenn wir so sehen, wie die erlesensten Geister der Menschheit gestrebt haben, um Vorstellungen, um Empfindungen zu bekommen für dasjenige, was der Christus-Impuls bedeutet. Da überkommt es uns, wie bescheiden wir sein müssen in dem menschlichen Streben nach dieser Erkenntnis des Christus-Impulses.

[ 21 ] Around Eastertime, we saw how one of the great minds of modern times, Goethe, struggled to relate Faust—whom he portrayed as the representative of humanity—to the Christ impulse. And we have seen how Goethe was not yet able to do this in his youth, but how it only became possible for him in his mature years. And so, in many ways, spiritual life—as it has developed up to the present day—appears to us as a struggle, as a ceaseless struggle. It truly seems to us that it must make us exceedingly humble when we see how the finest minds of humanity have striven to gain mental images and feelings for what the Christ impulse signifies. Then it strikes us how humble we must be in the human striving for this understanding of the Christ impulse.

[ 22 ] Goethe — wir haben es gesehen - lag zunächst daran, das, was als luziferisches und ahrimanisches Element um den Menschen herum wirkt, wirklich hintreten zu lassen an seinen Repräsentanten der Menschheit, an den Faust. Und wir haben gesehen, wie Goethe durcheinandergemischt hat das ahrimanische und das luziferische Element, so daß man es nicht leicht unterscheiden kann in der Mephistopheles-Figur. Wir haben da gezeigt bei den Östervorträgen, wie in der Mephistopheles-Figur zusammengemischt ist luziferisches und ahrimanisches Element, weil Goethe eine klare Erkenntnis noch nicht möglich war. Goethe hat im Grunde genommen zeitlebens empfunden, wie in ihm rumorte das Streben, ins. Klare zu kommen über das Verhältnis des Menschen zu Luzifer und Ahriman. Als er am Ende des 18. Jahrhunderts als reifer Mann von Schiller aufgefordert wurde seinen «Faust» fortzusetzen, und wieder sah, was er in seiner Jugend hingeschrieben hatte, da nannte er dasjenige, was er da zusammengefügt hatte zu verschiedenen Zeiten, einen Tragelaph — halb Tier und halb Mensch; so kam ihm sein «Faust» vor. Und er nannte seinen «Faust», um die Schwierigkeit anzudeuten, jetzt ihn fortzusetzen, «eine barbarische Komposition», so daß uns das Urteil vorliegt von Goethe, der genauer Bescheid wissen mußte über seinen «Faust» als diejenigen, die nicht Goethe sind, daß der «Faust» ein Tragelaph sei, «halb Tier und halb Mensch», daß er eine «barbarische Komposition» sei! Dasjenige, was ich zu Ostern darstellen wollte, und was so leicht mifßverstanden werden kann, führt zuletzt auf ein Urteil von Goethe selbst zurück. Ja gewiß, sehr gescheite Leute sehen in dem «Faust» ein vollkommenes Kunstwerk, sehen in dem «Faust» dasjenige, was sich nicht überbieten läßt. Es war nicht Goethes Meinung und darf auch nicht ferner unsere Meinung sein. Wenn wir auch im «Faust» die Erhebung zu einem Höchsten sehen, so müssen wir uns darüber klar sein, daß dieser «Faust» vor allen Dingen selbst in der inneren Komposition daran leidet, daß in seiner Figur des Mephistopheles Luzifer und Ahriman in ganz unorganischer Weise ineinandergemischt sind.

[ 22 ] Goethe—as we have seen—was initially concerned with truly allowing the Luciferic and Ahrimanic elements that act around human beings to recede in favor of his representative of humanity, Faust. And we have seen how Goethe intermingled the Ahrimanic and Luciferic elements, so that it is not easy to distinguish between them in the figure of Mephistopheles. We demonstrated this in the Easter lectures, showing how the Luciferic and Ahrimanic elements are blended together in the figure of Mephistopheles, because Goethe had not yet attained a clear understanding. Throughout his life, Goethe essentially felt within himself the stirring desire to gain clarity regarding humanity’s relationship to Lucifer and Ahriman. When, at the end of the 18th century, as a mature man, he was urged by Schiller to continue his *Faust* and looked again at what he had written in his youth, he called what he had pieced together at various times a *Tragelaph*—half animal and half human; that is how his *Faust* appeared to him. And to hint at the difficulty of continuing it now, he called his *Faust* “a barbaric composition,” so that we have before us the judgment of Goethe—who must have known more precisely about his *Faust* than those who are not Goethe—that *Faust* is a *tragelaph*, “half-beast and half-human,” that it is a “barbaric composition”! What I wanted to present at Easter—and which can so easily be misunderstood—ultimately traces back to a judgment by Goethe himself. Yes, certainly, very intelligent people see *Faust* as a perfect work of art; they see in *Faust* something that cannot be surpassed. That was not Goethe’s opinion, nor should it be ours. Even if we see in *Faust* the ascent to the highest, we must be clear that this *Faust* suffers, above all, even in its internal composition, from the fact that in its figure of Mephistopheles, Lucifer and Ahriman are mixed together in a completely inorganic way.

[ 23 ] Aber trotz all diesem Ineinandermischen fühlte Goethe dunkel: Luzifer und Ahriman, sie hätten ja beide auftreten müssen. Goethe mischt nur alles zusammen und nennt alles «Mephistopheles», so daß in den einzelnen Szenen im «Faust» Luzifer oft Luzifer, in andern Teilen Mephistopheles oder Ahriman ist. Aber dieses war Goethe ganz klar: in dem Menschen geht etwas vor, was unter dem Einflusse von Luzifer und Ahriman geschieht, von Luzifer und Mephistopheles. Solches geht im Menschen vor.

[ 23 ] But despite all this intermingling, Goethe had a vague sense that both Lucifer and Ahriman should have appeared. Goethe simply mixes everything together and calls it all “Mephistopheles,” so that in the individual scenes of *Faust*, Lucifer is often Lucifer, while in other parts he is Mephistopheles or Ahriman. But this much was quite clear to Goethe: something is taking place within the human being that occurs under the influence of Lucifer and Ahriman, of Lucifer and Mephistopheles. Such things take place within the human being.

[ 24 ] Nun sehen wir uns einmal den Schluß des ersten Teiles von Goethes «Faust» an. Wie endet er? Faust hat die denkbar schwerste Schuld auf sich geladen, hat ein Menschenleben auf seinem Gewissen, hintergangen hat er einen Menschen, die schwere Schuld auf sich geladen, sich selbst und den andern Menschen gegenüber. Und das letzte Wort des ersten Teiles des «Faust» ist: «Her zu mir!», in demselben Momente, wo nur durch eine Stimme wie vom Himmel heruntertönt verhallend: «Heinrich, Heinrich!» Wir wissen also aus diesem Schluß des ersten Teiles, wohin Faust gekommen ist. Er ist gekommen zu Mephistopheles. Mephistopheles hat ihn. Darüber ist gar kein Zweifel möglich.

[ 24 ] Now let’s take a look at the conclusion of the first part of Goethe’s *Faust*. How does it end? Faust has incurred the gravest possible guilt; he has a human life on his conscience; he has betrayed a fellow human being, thereby incurring grave guilt—both toward himself and toward others. And the final words of the first part of *Faust* are: “Come to me!”—at the very moment when a voice, as if from heaven, resounds and fades away: “Heinrich, Heinrich!” So we know from this conclusion to the first part where Faust has ended up. He has come to Mephistopheles. Mephistopheles has him. There is absolutely no doubt about that.

[ 25 ] Und nun sehen wir den Beginn des zweiten Teiles. Dieser Beginn des zweiten Teiles bietet uns eine anmutige Gegend dar: «Faust auf blumigen Rasen gebettet, ermüdet, unruhig, Schlaf suchend.» Geister treten auf. Und aus dem, was sie sprechen, bekommen wir den Eindruck: wir haben es mit einer Natur zu tun, ja wirklich, mit einer Natur — wir brauchen nur jetzt in dieser Jahreszeit hinauszugehen — und wir haben diese Natur. Pfingstnatur etwa! Pfingststimmung etwa! Diese Pfingststimmung, sie wirkt auf Faust. Und nachher setzt er seinen Lebensweg weiter fort.

[ 25 ] And now we come to the beginning of the second part. This opening of the second part presents us with a charming scene: “Faust, lying on a flower-strewn lawn, weary, restless, seeking sleep.” Spirits appear. And from what they say, we get the impression: we are dealing with nature—yes, truly, with nature—we need only go outside now, at this time of year, and we have this nature. Whitsun nature, for example! A Whitsun atmosphere, for example! This Whitsun atmosphere has an effect on Faust. And afterward, he continues on his life’s journey.

[ 26 ] Ein Gelehrter hat einen Ausspruch getan gegenüber dem, was Goethe da gemacht hat, der, man kann sagen, immerhin etwas für sich hat, trotzdem der Ausspruch philiströs und pedantisch ist. Der Gelehrte hat gesagt: Wenn du eine schwere Schuld auf dich geladen hast, wie Faust dem Gretchen gegenüber, so begib dich in eine anmutige Gegend, auf blumigen Rasen, mache etwa eine Bergpartie, und deine Seele wird nachher gesundet sein, zu weitern Taten fähig. — Man kann sagen, realistisch ahrimanisch aufgefaßt, hat dieser Ausspruch des Gelehrten — Rieger - manches für sich. Denn es müßte eigentlich allen Menschen, die im gewöhnlichen Sinne der heutigen Zeit eine rein materialistische Weltanschauung haben, unerträglich sein, den zweiten Teil des «Faust» auf sich wirken zu lassen, nachdem die große, gewaltige Schuld im ersten Teil charakterisiert ist, die Faust auf sich geladen hat. Aber man nimmt leider die größte Dichtung der Menschheit, soweit das menschlich Persönliche in Betracht kommt - denn das ist der «Faust», trotzdem er eine barbarische Komposition und ein Tragelaph in seinem ersten Teil ist —, man nimmt diese Dichtung leider nicht wörtlich genug. Nähme man sie wörtlich genug, so müßte man eben wissen, daß wahr ist: «Her zu mir!» ... Mephistopheles hat den Faust. So wie er ihn hat, ist jetzt Faust auf blumigen Rasen gebettet, unruhig Schlaf suchend. Und wir dürfen uns den Faust nicht losgelöst denken am Beginne des zweiten Teiles von den höllischen Mächten. Aber Goethe rang nach wirklicher spiritueller Erkenntnis. Wie nahe Goethe spiritueller Erkenntnis war, mag Ihnen aus einer Briefstelle hervorgehen, die Goethe einmal an seinen Freund, den Musiker Zelter, geschrieben hat. Eine bedeutsame Briefstelle! Goethe schreibt da: «Man bedenke, daß mit jedem Atemzug ein ätherischer Lethestrom unser ganzes Wesen durchdringt, so daß wir uns der Freude nur mäßig, der Leiden kaum erinnern.» Mit jedem Atemzug durchdringt unser Inneres in der Tat ein ätherischer Lebensstrom, das heißt aber nichts anderes als: Goethe wußte ganz gut von dem Ätherleib, den der Mensch hat. Er hat das in seiner Zeit natürlich nur im Freundeskreis zur Sprache gebracht.

[ 26 ] A scholar made a remark about what Goethe did there—a remark that, one might say, does have some merit, even though it is philistine and pedantic. The scholar said: If you have incurred a grave guilt, as Faust did toward Gretchen, then go to a charming place, to flower-strewn meadows—perhaps take a trip to the mountains—and your soul will be healed afterward, capable of further deeds. — One might say that, viewed from a realistic, Ahrimanic perspective, this statement by the scholar—Rieger—has some merit. For it should actually be unbearable for all people who, in the ordinary sense of today’s world, hold a purely materialistic worldview to allow the second part of *Faust* to take effect upon them, after the great, immense guilt that Faust has incurred has been characterized in the first part. But unfortunately, people do not take humanity’s greatest work of poetry—insofar as the human and personal aspects are concerned, for that is what *Faust* is, even though its first part is a barbaric composition and a monstrosity—they do not take this work literally enough. If one took it literally enough, one would have to know that it is true: “Come to me!” … Mephistopheles has Faust. Just as he has him, Faust now lies on a flower-strewn lawn, restlessly seeking sleep. And we must not imagine Faust as detached from the hellish powers at the beginning of the second part. But Goethe strove for true spiritual insight. Just how close Goethe was to spiritual insight may become clear to you from a passage in a letter that Goethe once wrote to his friend, the musician Zelter. A significant passage! Goethe writes there: “Consider that with every breath an ethereal stream of Lethe permeates our entire being, so that we remember joy only moderately and suffering scarcely at all.” With every breath, an ethereal stream of life does indeed permeate our inner being; but this means nothing other than that Goethe was well aware of the etheric body that human beings possess. In his day, of course, he spoke of this only within his circle of friends.

[ 27 ] Wie Goethe stand zu der gesamten menschlichen Wesenheit, wie er, hinblickend auf diese menschliche Wesenheit, sich sagte: Diese menschliche Wesenheit kann schuldig werden, denn in ihr wohnt etwas, was unter mephistophelischem Einflusse steht, was dem Mephistopheles gehört -, wie Goethe hinblickte auf diesen Menschen, der dieser Sphäre angehört, so war ihm zu gleicher Zeit klar, daß etwas in der menschlichen Natur lebt, was diesem Einfluß niemals verfallen kann, was bewahrt werden kann vom ahrimanisch-luziferischen Einfluß. Und dasjenige, was bewahrt werden kann vom ahrimanisch-luziferischen Einfluß, das ist es in Faust, womit wir es im Anfange des zweiten Teiles zu tun haben. Der Faust, der schuldig werden konnte, der Faust, der sich durch Mephistopheles in die trivialsten, banalsten Lebensgenüsse hat ziehen lassen, der Faust, der dann das Gretchen verführt hat, der Faust ist schuldig geworden. Wir in unserer geisteswissenschaftlichen Sprache würden sagen: Dieses im Faust hat zu warten bis zur nächsten Inkarnation.

[ 27 ] How Goethe viewed the entirety of human nature, how, looking upon this human nature, he said to himself: “This human being can become guilty, for within it dwells something that is under Mephistophelean influence, something that belongs to Mephistopheles”—just as Goethe looked upon this human being who belongs to this sphere, it was equally clear to him that there is something within human nature that can never succumb to this influence, that can be preserved from the Ahrimanic-Luciferic influence. And that which can be preserved from the Ahrimanic-Luciferic influence—that is what we encounter in Faust at the beginning of the second part. The Faust who was capable of becoming guilty, the Faust who allowed himself to be drawn by Mephistopheles into the most trivial, banal pleasures of life, the Faust who then seduced Gretchen—that Faust has become guilty. In the language of Spiritual Science, we would say: This aspect of Faust must wait until the next incarnation.

[ 28 ] Aber in der Menschennatur ist etwas, was des Menschen höheres Selbst ist, was in Beziehung bleibt zu den geistigen Mächten der Welt. Daher treten die geistigen Mächte der Welt diesem Ewigen in Faust gegenüber. Der Faust, den wir am Beginn des zweiten Teiles erblicken, müssen wir uns nicht im realistischen Sinne vorstellen als so und so viel älter gewordenen Faust, sondern er ist wirklich nur der Repräsentant zunächst des höheren Selbstes in Faust. Er trägt noch dieselbe Gestalt. Aber diese Gestalt ist der Repräsentant von etwas, was im Faust nicht hat schuldig werden können. Dieses, was im Faust nicht hat schuldig werden können, tritt nun in Beziehung zu den Dienern des Erdgeistes.

[ 28 ] But there is something in human nature that constitutes man’s higher self, which remains connected to the spiritual powers of the world. Therefore, the spiritual powers of the world confront this Eternal One in Faust. We must not form a mental image of the Faust we encounter at the beginning of the second part, in a realistic sense, as a Faust who has grown so much older; rather, he is truly only the representative, first and foremost, of the higher self within Faust. He still bears the same form. But this form is the representative of something within Faust that could not become guilty. This aspect of Faust—which could not become guilty—now enters into a relationship with the servants of the Earth Spirit.

[ 29 ] Goethes Sehnsucht ging von seiner Jugend an dahin, eine Anschauung darüber zu gewinnen, wie es denn ist mit des Menschen Schuld, mit dem Bösen in der Welt, und wie doch über allem etwas schwebe, was ausgleichend wirken müsse gegenüber Schuld und gegenüber dem Bösen. Und so wagte sich denn Goethe, da er gewissermaßen Fausts eine Natur dem Mephisto überlassen mußte — «Her zu mir!» -, er wagte sich an die andere Natur des Faust. Und wir müssen uns ganz klar sein, jetzt spricht im Beginne des zweiten Teiles zunächst nicht derselbe Faust, den wir kennen aus dem ersten Teil, sondern es spricht eine andere, eine zweite Natur, die nur noch äußerlich Fausts Gestalt trägt, und die sich einleben kann in dasjenige, was als Geistiges die äußere Welt durchzieht. In das aber muß sich hineinfinden, was zunächst keinen Zusammenhang hat mit Fausts äußerem physischem Leib. Denn der physische Leib behält natürlich, solange wir in derselben Inkarnation bleiben, alle Zeichen der Schuld, in die wir verfallen sind. Recht verbinden mit dem, was das höhere Selbst ist, kann sich nur dasjenige in uns, was von dem physischen Leib sich frei macht. Und so muß Faust jene Umwandlung durchmachen, die wir nennen können die Umwandlung der Schuld in eine höhere Erkenntnis.

[ 29 ] From his youth onward, Goethe’s longing was to gain an understanding of the nature of human guilt and the evil in the world, and of how, nevertheless, something must hover above it all that would serve as a counterbalance to guilt and evil. And so, since Goethe had, in a sense, had to leave one aspect of Faust’s nature to Mephisto—“Come to me!”—he ventured into the other aspect of Faust’s nature. And we must be very clear: at the beginning of the second part, it is not initially the same Faust we know from the first part who speaks, but rather another, a second nature that bears Faust’s form only outwardly and that is able to attune itself to that which, as the spiritual, pervades the outer world. But what must find its way into this is something that initially has no connection to Faust’s outer physical body. For as long as we remain in the same incarnation, the physical body naturally retains all the signs of the guilt into which we have fallen. Only that part of us which frees itself from the physical body can truly connect with what the higher self is. And so Faust must undergo that transformation which we can call the transformation of guilt into a higher knowledge.

[ 30 ] Das, was er als Schuld trägt, wird er mittragen bis in seine nächste Inkarnation. Für diese Erdeninkarnation trägt er die Schuld als die Quelle einer sich ihm öffnenden höheren Erkenntnis, einer genaueren Erkenntnis des Lebens. Und so öffnet sich denn dem Faust, trotzdem er die ungeheuerste Schuld auf seiner Seele trägt, die Möglichkeit, daß sein höheres Selbst in Zusammenhang gebracht wird mit dem, was die Welt als Geistiges durchwallt und durchlebt und durchwebt.

[ 30 ] He will carry the burden of his guilt with him into his next incarnation. In this earthly incarnation, he bears this guilt as the source of a higher insight that is opening up to him—a more precise understanding of life. And so, even though Faust bears the most monstrous guilt upon his soul, the possibility opens up for him that his higher self may be brought into connection with that which surges through, lives through, and weaves through the world as the spiritual.

[ 31 ] Fausts höheres Selbst kommt mit einem Geiste der Erdenaura in Beziehung. Goethe wollte gleichsam darstellen: dasjenige, was das Höchste im Menschen ist, konnte gar nicht ergriffen werden von Mephistopheles, wir würden sagen: Luzifer-Ahriman, — das muß bewahrt worden sein, das muß in andere Sphären eintreten, eingehen können. Und so ist denn von Goethe ganz ernst gemeint, daß dieses höhere Selbst in Faust nun in Beziehung tritt zu dem, was die elementarische Welt als geistige Wesenheit enthält.

[ 31 ] Faust’s higher self enters into a relationship with a spirit of the Earth’s aura. Goethe wanted, as it were, to portray that which is the highest in human beings—something that could not be grasped at all by Mephistopheles; we would say: Lucifer-Ahriman—that must have been preserved; it must be able to enter into other spheres. And so Goethe means quite seriously that this higher self in Faust now enters into a relationship with what the elemental world contains as spiritual beings.

[ 32 ] Wir werden später sehen, wie das wiederum mit dem zusammenhängt, was hier schon in den Ostervorträgen gesagt worden ist. Aber nun bedenken wir, wie anknüpfen diese geistigen Wesenheiten, die unter der Führung des Luftgeistes stehen, denn ein solcher ist Ariel, wie anknüpfen diese Geister, die wir also im ganzen als Luftgeister bezeichnen können, an die äußeren Naturvorgänge, wie sie sich aber offenbaren als dasjenige, was eine andere geistige Welt ist, gegenüber dem Selbst, das in der überirdischen Natur dem Einfluß von Luzifer und Ahriman nicht ausgesetzt ist:

[ 32 ] We will see later how this, in turn, relates to what has already been said here in the Easter lectures. But now let us consider how these spiritual beings, who are under the guidance of the Spirit of Air, for Ariel is one such being—how do these spirits, whom we may thus collectively designate as spirits of the air, relate to the external natural processes—as they reveal themselves as that which constitutes another spiritual world—in relation to the Self, which in the supraterrestrial realm is not subject to the influence of Lucifer and Ahriman:

Wenn der Blüten Frühlingsregen
Über alle schwebend sinkt,
Wenn der Felder grüner Segen
Allen Erdgebornen blinkt,

When the spring rain of blossoms
Floats down over everything,
When the green blessing of the fields
Shines upon all who walk the earth,

[ 33 ] — also wenn die Natur sproßt und sprießt in der Frühlings-Pfingstzeit, da kommen die Elementargeister heraus. Für das Äußerlich-Materielle sind sie klein, groß sind sie als Geister, denn sie sind erhaben über dasjenige, was im Menschenherzen dem Guten, dem Bösen verfallen kann.

[ 33 ] — that is, when nature sprouts and blossoms during the spring and Pentecost season, the elemental spirits emerge. To the outer, material eye, they are small; as spirits, they are great, for they are elevated above that which in the human heart can succumb to good or evil.

Kleiner Elfen Geistergröße
Eilet, wo sie helfen kann;
Ob er heilig, ob er böse...

Little Elf, Ghost-Sized
She rushes wherever she can help;
Whether he's good or evil...

[ 34 ] — das ist der nächsten Inkarnation überlassen, das geht diese Geister nichts an —

[ 34 ] — that's up to the next incarnation; it's none of these spirits' business —

Ob er heilig, ob er böse,
Jammert sie der Unglücksmann ...

Whether he is holy or evil,
The unfortunate man laments...

[ 35 ] Die Geister haben es mit seinem höheren Selbst zu tun, das bewahrt bleibt vor dem, was in Karma oder Inkarnation sich abzuspielen hat. Aber wirken können diese Geister nur in ihrem eigenen Elemente, in dem der Mensch mit seinem Wesen ist, wenn er als Geistig-Seelisches die äußeren Leibeshüllen verlassen hat. Und jetzt setzt Goethe auseinander, was diese Elfen mit ihrer Geistergröße zu bewirken haben:

[ 35 ] The spirits deal with his higher self, which remains preserved from what must unfold in karma or incarnation. But these spirits can only act within their own element—the one in which the human being exists as a spiritual-soul being once he has left the outer physical bodies behind. And now Goethe explains what these elves, with their spiritual greatness, are meant to accomplish:

Die ihr dies Haupt umschwebt im lufl’gen Kreise,
Erzeigt euch hier nach edler Elfen Weise,
Besänftiget des Herzens grimmen Strauß;
Entfernt des Vorwurfs glühend bittre Pfeile,
Sein Innres reinigt von erlebtem Graus.

You who circle this head in ethereal orb,
Behave here in the noble manner of elves,
Soothe the heart’s fierce turmoil;
Remove the searing, bitter arrows of reproach,
and purify his inner being from the horror he has endured.

[ 36 ] Es kann nicht geschehen gegenüber dem Faust, der Ahriman-Luzifer ausgesetzt ist. Diese Reinigung heißt: Holt heraus Faustens höheres Selbst, stellt es rein dar. - Und nun wird ernst genommen etwas, was wie eine Initiation vorgeht mit dem Faust, der außerhalb seines Leibes ist:

[ 36 ] This cannot happen to Faust, who is exposed to Ahriman-Lucifer. This purification means: Bring out Faust’s higher self and present it in its pure form. — And now something is taken seriously that unfolds like an initiation for Faust, who is outside his body:

Vier sind die Pausen nächtiger Weile,

There are four pauses in the night's repose,

[ 37 ] — von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens vollbringen die Elfen ihre Pflicht, indem sie die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen in Zusammenhang bringen mit dem, was geistig durchwallt und durchwebt das Erdendasein.

[ 37 ] — From six in the evening until six in the morning, the elves fulfill their duty by connecting the soul—from the moment it falls asleep until it awakens—with that which spiritually surges through and interweaves earthly existence.

Nun ohne Säumen füllt sie freundlich aus.

Now, without hesitation, she kindly fills it out.

[ 38 ] — die vier Pausen, welche die Seele durchlebt vom Einschlafen bis zum Aufwachen.

[ 38 ] — the four stages the soul goes through from falling asleep to waking up.

Erst senkt sein Haupt aufs kühle Polster nieder,
Dann badet ihn im Tau aus Lethes Flut;
Gelenk sind bald die krampferstarrten Glieder,
Wenn er gestärkt dem Tag entgegen ruht;

First he lays his head upon the cool pillow,
Then bathes it in the dew from the waters of Lethe;
His limbs, stiff with cramps, soon become supple,
As he rests, refreshed, awaiting the day;

[ 39 ] - wenn er aufgenommen, was der die Welt durchsetzende Geist darreicht, wenn dieser Geist hineingegangen ist in dasjenige, was in Fausts Wesenheit als ein höheres Selbst bewahrt ist.

[ 39 ] —when he has taken in what the spirit pervading the world offers, when this spirit has entered into that which is preserved within Faust’s being as a higher self.

Vollbringt der Elfen schönste Pflicht,
Gebt ihn zurück dem heiligen Licht.

When the elf has fulfilled his noblest duty,
Return him to the holy light.

[ 40 ] Dasjenige, was äußerlich geschieht zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, sind wirkliche, reale Vorgänge, gleichartig einer Initiation. Und jetzt sehen wir, was je in den drei Stunden von sechs bis neun, von neun bis zwölf, von zwölf bis drei und von drei bis sechs Uhr vor sich geht. Da haben wir zunächst die Pause von sechs bis neun Uhr:

[ 40 ] What happens externally between falling asleep and waking up are genuine, real processes, similar to an initiation. And now let’s look at what happens during each of the three-hour periods from 6:00 to 9:00, from 9:00 to 12:00, from 12:00 to 3:00, and from 3:00 to 6:00. First, we have the period from 6:00 to 9:00:

Wenn sich lau die Lüfte füllen
Um den grünumschränkten Plan,
Süße Düfte, Nebelhüllen
Senkt die Dämmerung heran;
Lispelt leise süßen Frieden,
Wiegt das Herz in Kindesruh,
Und den Augen dieses Müden
Schließt des Tages Pforte zu!

When the air fills with a gentle breeze
Around the green-bordered meadow,
Sweet scents, veils of mist
As twilight draws near;
Whispers softly of sweet peace,
Lulls the heart into a childlike calm,
And to the eyes of this weary one
The day’s gate closes!

[ 41 ] Weg ist die Seele, vom Leibe getrennt.

[ 41 ] The soul is gone, separated from the body.

[ 42 ] Der zweite Teil:

[ 42 ] Part Two:

Nacht ist schon hereingesunken,
Schließt sich heilig Stern an Stern;
Große Lichter, kleine Funken
Glitzern nah und glänzen fern;
Glitzern hier im See sich spiegelnd,
Glänzen droben klarer Nacht,
Tiefsten Ruhens Glück besiegelnd
Herrscht des Mondes volle Pracht.

Night has already fallen,
Holy stars join one by one;
Great lights, tiny sparks
Sparkle near and shine afar;
Sparkling here, reflected in the lake,
Shining high in the clear night sky,
Sealing the bliss of deepest repose
The moon’s full splendor reigns.

[ 43 ] Aufgenommen wird Sphärenharmonie, Sphärenweisheit von den großen Lichtern, kleinen Funken. Und auch die Geheimnisse des Mondes, all dasjenige, was wir aufnehmen in der Geisteswissenschaft von den Geheimnissen der Sphären, es wird hineinversenkt in Fausts höheres Selbst.

[ 43 ] The harmony of the spheres and the wisdom of the spheres—from the great lights and the tiny sparks—are absorbed. And also the mysteries of the moon, everything we absorb in Spiritual Science from the mysteries of the spheres, is immersed in Faust’s higher self.

[ 44 ] Der dritte Teil des Schlafens:

[ 44 ] The third stage of sleep:

Schon verloschen sind die Stunden,
Hingeschwunden Schmerz und Glück;
Fühl’ es vor! Du wirst gesunden;
Traue neuem Tagesblick.
Täler grünen, Hügel schwellen,
Buschen sich zu Schattenruh;
Und in schwanken Silberwellen
Wogt die Saat der Ernte zu.

The hours have already faded away,
Pain and joy have vanished;
Feel it coming! You will recover;
Trust in the light of a new day.
Valleys turn green, hills swell,
Bushes offer shade and rest;
And in swaying silver waves
The harvest’s crop surges forward.

[ 45 ] Innerlich anknüpfend an das Naturdasein; wir haben auch davon schon gesprochen. Lesen Sie den letzten Haager Zyklus, wie die Menschenseele, wenn sie sich erhebt aus dem Leibe, eins wird mit dem Wallen und Weben des äußerlichen Daseins. Aber ebenso bedeutet das auch das Werden in der Seele des Faust:

[ 45 ] Innerly connected to existence in nature; we have already spoken of this as well. Read the last Hague cycle to see how the human soul, when it rises from the body, becomes one with the surging and weaving of external existence. But this also signifies the transformation taking place within Faust’s soul:

Und in schwanken Silberwellen
Wogt die Saat - die Seele des Faust — der Ernte zu.

And in undulating silver waves
The seed—the soul of Faust—sways toward the harvest.

[ 46 ] Und erinnern Sie sich, wie ich gesagt habe, daß der Mensch während des Schlafens wünscht, in den Leib wieder hineinzutreten. — Das ist der letzte Teil der Nacht:

[ 46 ] And remember how I said that while sleeping, a person longs to reenter their body. — That is the last part of the night:

Wunsch um Wünsche zu erlangen,
Schaue nach dem Glanze dort!

A wish to fulfill wishes,
Look for the radiance there!

[ 47 ] Die Sonne kann dann schon geahnt werden.

[ 47 ] The sun can already be glimpsed.

Leise bist du nur umfangen,
Schlaf ist Schale, wirf sie fort!

You are only quietly enveloped,
Sleep is a shell—cast it aside!

[ 48 ] Ein wichtiger Satz! Ein großer Dichter schreibt keine Phrasen! Was heißt das: Schlaf ist Schale, wirf sie fort!? — Für denjenigen, der einen gewöhnlichen Schlaf durchschläft, ist der Schlaf nicht Schale; für den ist der Schlaf Schale, für welchen diese Zeit vom Einschlafen bis zum Aufwachen die Aufnahme wird für die Weltengeheimnisse.

[ 48 ] An important statement! A great poet does not write clichés! What does this mean: “Sleep is a shell—cast it aside!?” — For those who sleep through an ordinary night, sleep is not a shell; for those for whom the time from falling asleep to waking up becomes a receptacle for the world’s mysteries, sleep is a shell.

Säume nicht, dich zu erdreisten,
Wenn die Menge zaudernd schweift;
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht und rasch ergreift.

Do not hesitate to be bold,
When the crowd wanders hesitantly;
The noble one can achieve anything,
He who understands and acts swiftly.

[ 49 ] Und nun das ungeheure Getöse, welches das Herannahen der Sonne verkündet, uns erinnernd an dasjenige, was Goethe im «Prolog im Himmel» im ersten Teil des «Faust» über dieses Sonnentönen schon gesagt hat:

[ 49 ] And now the tremendous roar that heralds the sun’s approach, reminding us of what Goethe had already said about this sound of the sun in the “Prologue in Heaven” in the first part of *Faust*:

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich, wie am ersten Tag.

The sun resounds in the ancient way
In a contest of song among the celestial spheres,
And its prescribed journey
It completes with a thunderous roar.
Its sight gives strength to the angels,
Though none can fathom it;
The incomprehensibly lofty works
Are glorious, just as on the first day.

[ 50 ] Wenn die Sonne heraufkommt, das Licht sich ergießt über den physischen Plan, da hört die Seele, wenn sie außerhalb des Leibes ist, dieses Herannahen der Sonne als Sphärenmusik, als besonderes Element in der Sphärenmusik. Geister hören es natürlich. Der Mensch hört es nicht, weil er hören muß durch seinen physischen Leib. Der ist aber einverleibt dem physischen Plan, und wenn die Sonne mit dem physischen Plane zusammen ist, da ist die Zeit, wo der Mensch wach sein kann. Daher müssen Geister sich zurückziehen. Dasjenige, was Ariel, der Geist der Luft, jetzt zu seinen Dienern spricht, das ist andeutend das Heraufziehen der Sphärenmusik. Die Geister können es hören. Derjenige, der außerhalb seines Leibes ist, kann es hören. Faust also hört es noch, dieses Heraufziehen der Sphärenmusik. Dann tritt er in seinen Leib zurück. Dann hat Ariel die Aufgabe, zu verschwinden. Ariel unterrichtet seine Diener, was sie zu tun haben: sie haben zu verschwinden von dem physischen Plan. Denn wenn die Sonne, die sie nur als tönende Sonne zu finden hat, mit ihrem Lichte sie trifft, so werden sie gerade taub davon. Von dem Lichte werden sie taub, während sie die tönende Sonne, in deren Tönen sie selber leben, durchaus ertragen:

[ 50 ] When the sun rises and its light pours over the physical plane, the soul—when it is outside the body—hears the sun’s approach as celestial music, as a distinct element within that music. Spirits, of course, hear it. Human beings do not hear it because they must hear through their physical body. But the body is bound to the physical plane, and when the sun is aligned with the physical plane, that is the time when human beings can be awake. Therefore, spirits must withdraw. What Ariel, the spirit of the air, is now saying to his servants is a hint at the rising of the music of the spheres. The spirits can hear it. Anyone who is outside their body can hear it. So Faust still hears it—this rising of the music of the spheres. Then he returns to his body. Then Ariel has the task of disappearing. Ariel instructs his servants on what they must do: they must vanish from the physical plane. For if the sun—which they can perceive only as a sounding sun—strikes them with its light, they will become deafened by it. The light will deafen them, whereas they can certainly endure the sounding sun, in whose tones they themselves live:

Horchet! Horcht dem Sturm der Horen!
Tönend wird für Geistesohren
Schon der neue Tag geboren.
Felsentore knarren rasselnd,
Phöbus’ Räder rollen prasselnd;
Welch Getöse bringt das Licht.
Es drommetet, es posaunet,
Auge blinzt und Ohr erstaunet,
Unerhörtes hört sich nicht.
Schlüpfet zu den Blumenkronen,
Tiefer, tiefer, still zu wohnen,
In die Felsen, unters Laub;
Trifft es euch, so seid ihr taub.

Listen! Hear the storm of the Horae!
Resounding to the ears of the spirit
The new day is already dawning.
Rock gates creak and rattle,
Phoebus’ wheels roll with a crackling sound;
What a din the light brings.
It thunders, it trumpets,
Eyes squint and ears are astonished,
The unheard cannot be heard.
Slip away to the flower crowns,
Deeper, deeper, to dwell in silence,
Into the rocks, beneath the foliage;
If it strikes you, you will be deaf.

[ 51 ] Und nun verschwinden die Elfen. Faust tritt in seinen Leib zurück. Aber unbewußt bleibt jetzt der schuldige Faust. Der steht nicht vor uns. Der ist tief hinuntergetreten in Fausts Unterbewußtsein und bewahrt sich da auf bis zur nächsten Inkarnation. Der Faust, der eben durchlebt hat das Zusammensein mit dem ganzen geistigen Kosmos, muß jetzt sich klar werden, wie das sich verhält, was er durchlebt hat in den vier Pausen des Schlaflebens, zu dem, wie er jetzt die Welt vernimmt. Er lebt jetzt als höheres Selbst in seinem Leibe.

[ 51 ] And now the elves disappear. Faust retreats into his own body. But the guilty Faust now remains unconscious. He does not stand before us. He has descended deep into Faust’s subconscious and remains there until his next incarnation. Faust, who has just experienced union with the entire spiritual cosmos, must now come to understand how what he experienced during the four intervals of sleep relates to the way he now perceives the world. He now lives as a higher self within his body.

[ 52 ] Ein Mensch, der, nachdem er eine Nacht geschlafen hat und nicht das alles in sich hätte, was Faust in sich hat, ein Mensch, der dann sagen würde, nachdem er des Morgens aufwacht: Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig -, wäre ein Narr, denn kein Mensch erwartet etwas anderes, als daß die Erde auch diese Nacht beständig war. Aber allerdings, wenn man das durchlebt, was Faust als Initiation mit den Geistern der Erde erlebt hat, dann hat man etwas erlebt, durch das man in der Tat glauben konnte, die ganze Erde habe sich verwandelt, dann hat es seine Berechtigung, zu sagen, wenn man sozusagen ein neuer Mensch geworden ist, oder vielmehr, wenn in einem der neue Mensch erweckt worden ist: Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig — trotz dessen, was ich erlebt habe. - Da erscheint die Welt ganz neu, weil sie in der Tat einem neuen Menschen gegeben wird.

[ 52 ] A person who, after sleeping through the night and lacking within himself all that Faust possesses, would then say upon waking in the morning: “O Earth, you remained unchanged this night as well”—such a person would be a fool, for no one expects anything other than that the Earth remained unchanged this night as well. But certainly, if one goes through what Faust experienced as an initiation with the spirits of the Earth, then one has experienced something that could indeed lead one to believe that the whole Earth has been transformed; then it is justified to say—if one has, so to speak, become a new human being, or rather, if the new human being has been awakened within one—: “You, Earth, remained unchanged even this night—despite what I have experienced.”—Then the world appears entirely new, because it is indeed given to a new human being.

Des Lebens Pulse schlagen frisch lebendig,
Ätherische Däimm’rung milde zu begrüßen;
Du, Erde, warst auch diese Nacht beständig
Und atmest neu erquickt zu meinen Füßen,
Beginnest schon mit Lust mich zu umgeben,
Du regst und rührst ein kräftiges Beschließen,
Zum höchsten Dasein immerfort zu streben. —

The pulse of life beats fresh and alive,
Gently welcoming the ethereal twilight;
You, Earth, remained steadfast this night as well
And breathe anew, refreshed, at my feet,
Already beginning to surround me with delight,
You stir and inspire a resolute determination,
To strive ceaselessly toward the highest existence. —

[ 53 ] Auch jetzt, wo der Geist sich befreit hat von dem, was in die nächste Inkarnation sich aufbewahren muß!

[ 53 ] Even now, when the spirit has freed itself from what must be carried over into the next incarnation!

In Dimmerschein liegt schon die Welt erschlossen,
Der Wald ertönt von tausendstimmigem Leben,
Tal aus, Tal ein ist Nebelstreif ergossen;
Doch senkt sich Himmelsklarheit in die Tiefen,
Und Zweig und Äste, frisch erquickt, entsprossen
Dem duft’gen Abgrund, wo versenkt sie schliefen;
Auch Farb’ an Farbe klärt sich los vom Grunde,
Wo Blum’ und Blatt von Zitterperle triefen,
Ein Paradies wird um mich her die Runde.

In the dim light, the world is already revealed,
The forest resounds with a thousand voices of life,
A streak of mist pours out of one valley and into the next;
Yet the clarity of the heavens descends into the depths,
And twigs and branches, freshly revitalized, sprout
From the fragrant abyss where they lay slumbering;
Color upon color, too, emerges from the depths,
Where flowers and leaves drip with dew,
A paradise unfolds all around me.

[ 54 ] Das sieht der Mensch, indem er, ich sage nicht, die Initiation durchmacht, sondern in dem die Initiation lebt. Und er hat Veranlassung, neu die Welt zu sehen. Alle die Worte, die er jetzt ausspricht, würde er nicht aussprechen, wenn nur derjenige Mensch in ihm steckte, der schuldig geworden ist und der etwa in dieser Inkarnation unter dem Eindruck dieser Schuld leben würde.

[ 54 ] A person sees this not by undergoing initiation—I am not saying that—but by living within the initiation. And this gives him reason to see the world anew. All the words he now speaks, he would not speak if only the person within him who had become guilty—and who, for example, were living in this incarnation under the influence of that guilt—were present.

Hinaufgeschaut! - Der Berge Gipfelriesen
Verkünden schon die feierlichste Stunde;
Sie dürfen früh des ewigen Lichts genießen,
Das später sich zu uns hernieder wendet.
Jetzt zu der Alpe grüngesenkten Wiesen
Wird neuer Glanz und Deutlichkeit gespendet,
Und stufenweis herab ist es gelungen; —
Sie tritt hervor! — die Sonne nämlich — und leider schon geblendet,
Kehr’ ich mich weg, vom Augenschmerz durchdrungen.

Looking up! — The giant peaks of the mountains
Already herald the most solemn hour;
They get to enjoy the eternal light early on,
Which later turns its gaze down toward us.
Now, upon the meadows sloping down to the alp,
Are now bathed in new radiance and clarity,
And step by step it has descended; —
It emerges! — the sun, that is — and, alas, already blinded,
I turn away, pierced by the pain in my eyes.

[ 55 ] Das höhere Selbst ist jetzt nicht imstande, das, was das sinnliche imstande war, die Sonne — zu schauen. Dennoch hat Faust soviel erfahren, daß die Sonne jetzt für ihn etwas wesentlich anderes ist. Und jetzt regt sich etwas in seinem Inneren, was mit der menschlichen Er kenntnis zusammenhängt:

[ 55 ] The Higher Self is now unable to do what the sensory self was able to do—to gaze upon the sun. Nevertheless, Faust has learned enough that the sun is now something fundamentally different for him. And now something stirs within him that is connected to human knowledge:

So ist es also, wenn ein sehnend Hoffen
Dem höchsten Wunsch sich traulich zugerungen,
Erfüllungspforten findet flügeloffen.

This, then, is what happens when a longing hope
Trustingly yields to its highest desire,
And finds the gates of fulfillment wide open.

[ 56 ] Was für Erfüllungspforten? Nur diejenigen, die ihm geworden sind während seines Schlafes zunächst. Aber selbst die gewöhnliche Welt erscheint ihm jetzt, wie wenn es aus ewigen Gründen wie ein Flammen übermaß brechen würde:

[ 56 ] What kinds of gates of fulfillment? Only those that first appeared to him while he was asleep. But even the ordinary world now appears to him as if, for eternal reasons, it were bursting forth like a profusion of flames:

Nun aber bricht aus jenen ewigen Gründen
Ein Flammenübermaß, wir stehn betroffen;
Des Lebens Fackel wollten wir entzünden,
Ein Feuermeer umschlingt uns, welch ein Feuer!
Ist’s Lieb? Ist’s Haß?...

But now, for those eternal reasons,
A flood of flames bursts forth; we stand stunned;
We sought to kindle life’s torch,
Yet a sea of fire engulfs us—what a fire!
Is it love? Is it hate?...

[ 57 ] Das kennen wir von früher, aber das, was wir jetzt erleben, ist mehr als Liebe und Haß.

[ 57 ] We're familiar with this from the past, but what we're experiencing now is more than just love and hate.

Ist’s Lieb? Ist’s Haß? die glühend uns umwinden,
Mit Schmerz und Freuden wechselnd ungeheuer,
So daß wir wieder nach der Erde blicken,
Zu bergen uns in jugendlichstem Schleier.

Is it love? Is it hate? That envelop us with such fervor,
Alternating wildly between pain and joy,
So that we look back down to earth,
To take refuge in the veil of youth.

[ 58 ] Er kann gar nicht in die Sonne schauen jetzt; er schaut nach dem Wasserfall, in dem sich die Sonne spiegelt, und der ihm die Regenbogenfarben an einem Bogen zeigt. Von der Sonne wendet er sich ab. Er wird zum Weltenbetrachter, so wie diese Welt hineinscheint als Abglanz des geistigen Lebens — diese Welt, von der man sagen kann: Alles Vergäng Ische ist nur ein Gleichnis des Ewigen.

[ 58 ] He cannot look directly at the sun now; he gazes at the waterfall, in which the sun is reflected, and which reveals to him the colors of the rainbow in an arc. He turns away from the sun. He becomes an observer of the world, just as this world shines forth as a reflection of spiritual life—this world of which one can say: All that is transitory is but a parable of the eternal.

So bleibe denn die Sonne mir im Rücken!

May the sun always be at my back!

[ 59 ] Vorher hat er sie angeschaut. Jetzt wendet er sich zum Wasserfall hin.

[ 59 ] He had looked at her before. Now he turns toward the waterfall.

Der Wassersturz, das Felsenriff durchbrausend,
Ihn schau’ ich an mit wachsendem Entzücken.
Von Sturz zu Sturzen wälzt er jetzt in tausend,
Dann abertausend Strömen sich ergießend,
Hoch in die Lüfte Schaum an Schäume sausend.
Allein wie herrlich, diesem Sturm ersprießend,
Wölbt sich des bunten Bogens Wechseldauer ...

The waterfall, rushing through the rocky reef,
I gaze upon it with growing delight.
From cascade to cascade it now rolls in thousands,
Then pouring out into thousands upon thousands of streams,
Foam upon foam whizzing high into the air.
But how magnificent, springing from this storm,
Is the ever-changing arch of the rainbow...

[ 60 ] - der in sieben Farben spiegelt das, was in Einheit in der Sonne ist.

[ 60 ] —which, in seven colors, reflects what is united in the sun.

Bald rein gezeichnet, bald in Luft zerfließend,
Umher verbreitend duftig kühle Schauer.
Der spiegelt ab das menschliche Bestreben.
Ihm sinne nach, und du begreifst genauer:
Am farbigen Abglanz haben wir das Leben.

Now drawn into view, now dissolving into thin air,
Spreading cool, fragrant shivers all around.
It reflects human striving.
Contemplate it, and you will understand more clearly:
Life lies in this colorful reflection.

[ 61 ] Am farbigen Abglanz haben wir das Leben! - Soweit ist der Faust nach dieser Nacht gekommen, daß er nicht will, wie der Faust des ersten Teiles, sich in das Leben stürzen, so wie es ihn in die Schuld und in das Böse geworfen hat, sondern er wendet sich nach dessen farbigem Abglanz. Es ist derselbe farbige Abglanz, den wir Geisteswissenschaft nennen, der ihm nur vorkommt als ein farbiger Abglanz, und durch den wir uns allmählich hinaufwinden, die Wirklichkeit zu erleben.

[ 61 ] Life lies in the colorful reflection! — After this night, Faust has come so far that, unlike the Faust of the first part, he does not want to plunge into life just as it has cast him into guilt and evil, but rather turns toward its colorful reflection. It is this same colorful reflection—which we call Spiritual Science—that appears to him merely as a colorful reflection, and through which we gradually ascend to experience reality.

[ 62 ] Was nun folgt, der zweite Teil, das ist farbiger Abglanz des Lebens zunächst. Unsinn ist es, diesen zweiten Teil bloß realistisch aufzufassen. Wir haben den Faust, der mit seinem höheren Selbst am farbigen Abglanz das Leben betrachtet durch den physischen Leib; diesen trägt er jetzt nur weiter durchs Leben wie etwas, was er aufbewahrt, damit auch noch das in ihm zur Entwickelung kommen kann, was als höheres Selbst ihn bewahrt vor demjenigen, das in späteren Inkarnationen kommt.

[ 62 ] What follows now—the second part—is, first and foremost, a colorful reflection of life. It is nonsense to interpret this second part merely in realistic terms. We have Faust, who, together with his higher self, observes life through its colorful reflection via the physical body; he now simply carries this body through life as something he preserves, so that what within him—as his higher self—protects him from what will come in later incarnations may also develop.

[ 63 ] Goethe ist es recht schwer geworden, seinen «Faust» fortzusetzen, nachdem das Wort des Mephistopheles ertönt ist: «Her zu mir!» Aber wir sehen, wie Goethe strebt, die Geheimnisse, die wir heute als die Geheimnisse der Geisteswissenschaft erkennen, zu durchdringen. Wie er sich ihnen naht. Und verfolgen Sie dann diesen zweiten Teil, wie der Mephistopheles wirklich zunächst den Faust hat, wie der Mephistopheles überall drinnen ist in dem, was am «Kaiserhof» und so weiter geschieht. Und wie durch die Nachwirkung der in ihm lebenden Initiation Faust sich allmählich im Verlaufe der Handlung des zweiten Teiles dem Mephistopheles entwindet. Doch das sind weitere Geheimnisse dieses zweiten Teiles. Goethe selber hat gesagt, daß er vieles hineingeheimnißt hat in diesen zweiten Teil! — Man hat das Wort nicht ernst genug genommen. Man wird jetzt durch die Geisteswissenschaft allmählich lernen, solche Worte immer ernster und ernster zu nehmen.

[ 63 ] It became quite difficult for Goethe to continue his *Faust* after Mephistopheles utters the words: “Come to me!” But we see how Goethe strives to penetrate the mysteries that we recognize today as the mysteries of Spiritual Science. How he approaches them. And then follow this second part to see how Mephistopheles truly has Faust in his grasp at first, how Mephistopheles is present everywhere in what happens at the “Imperial Court” and so on. And how, through the aftereffects of the initiation living within him, Faust gradually wriggles free from Mephistopheles in the course of the second part’s plot. But these are further mysteries of this second part. Goethe himself said that he had embedded many secrets in this second part! — People have not taken his words seriously enough. Through Spiritual Science, we will now gradually learn to take such words more and more seriously.

[ 64 ] Aber das eine werden Sie aus den heutigen Betrachtungen entnommen haben, daß Goethe in seinem «Faust» danach strebt, fortzuschreiten darin über den ersten Teil hinaus, etwas in seinem «Faust» zum Ausdruck zu bringen von der Stimmung, die wirklich sinnbildlich im Laufe der Jahreszeiten hier angedeutet wird.

[ 64 ] But one thing you will have gathered from today’s reflections is that Goethe, in his *Faust*, strives to go beyond the first part and to express in his *Faust* something of the mood that is truly symbolically hinted at here in the course of the seasons.

[ 65 ] Wenn Pfingsten herannaht, und wenn die Geister der elementarischen Welt so sich den Menschen nahen, daß von ihnen gesagt werden kann:

[ 65 ] As Pentecost approaches, and when the spirits of the elemental world draw so close to human beings that it can be said of them:

Wenn der Blüten Frühlingsregen
Über alle schwebend sinkt,
Wenn der Felder grüner Segen
Allen Erdgebornen blinkt,
Kleiner Elfen Geistergröße
Eilet, wo sie helfen kann,
Ob er heilig, ob er böse,
Jammert sie der Unglücksmann.

When the spring rain of blossoms
Floats down over everything,
When the green blessing of the fields
Shines upon all who walk the earth,
The little elf, with the greatness of a spirit,
Hurrying wherever she can help,
Whether he is holy or wicked,
The unfortunate man laments to her.

[ 66 ] Pfingststimmung! Ausgießung des Geistes in den nächsten Sätzen, die der Chor spricht, in den vier Zeiten des Schlafes vom Einschlafen bis zum Aufwachen!

[ 66 ] A Pentecostal atmosphere! The outpouring of the Spirit in the next lines spoken by the choir, during the four stages of sleep—from falling asleep to waking up!

[ 67 ] So zeigen wir denn auch durch diesen Faust von einer gewissen Seite her die Notwendigkeit, daß der Menschheit überliefert werde nach und nach dasjenige, was Geisteswissenschaft ihr als eine neue Pfingstbotschaft verkünden will. Ist doch dieser Faust so recht geeignet, uns zu zeigen, wie kompliziert dasjenige ist, was da unten auf dem Grunde der Menschennatur besteht. Es lebt in der Menschennatur da drunten, was fortwährend ausgesetzt ist den ahrimanisch-luziferischen Mächten der Welt, und es lebt da dasjenige, was der Mensch finden kann, wenn er sich in die Führung des Christus-Impulses begibt.

[ 67 ] Thus, through this *Faust*, we also demonstrate from a certain perspective the necessity that what Spiritual Science seeks to proclaim to humanity as a new Pentecost message be handed down to it little by little. For this *Faust* is so well suited to showing us just how complex that which lies at the very foundation of human nature truly is. There lives within human nature—down there—that which is constantly exposed to the Ahrimanic-Luciferic forces of the world, and there also lives that which a person can find when he places himself under the guidance of the Christ impulse.

[ 68 ] Warum sprechen wir von einer Schwelle? Warum sprechen wir von einem Hüter der Schwelle? Wir sprechen davon, weil wirklich wie durch eine Gnade der weisheitsvollen Weltenlenkung dasjenige der Menschenseele zunächst entzogen war, was da unten auf dem tiefen Untergrunde der Menschenseele kämpft und rumort und Krieg führt in unserem alltäglichen Leben. Es ist wie auf einer Oberfläche, und unten rumort es und kämpft es und kriegt. Und selbst dasjenige, was wir im alltäglichen Leben durchleben, ist ein fortdauernder Sieg. Nur muß er immer neu erkämpft werden. Und in der Zukunft wird er nur neu erkämpft werden, wenn die Menschen dasjenige wissen werden, wodurch sie geführt hat bisher unbewußt eine gütige, weisheitsvolle Weltenlenkung. Auf dem Grunde der Seele müssen wir wirklich dasjenige finden, was im gewöhnlichen Sinnesleben nicht gewußt wird, was aber das Geistige erleben kann. Es ist in jenen Menschentiefen, wo der Menschen Wesen zusammenhängt mit jenen Kräften der Welt, die über Gutes und Böses hinausgehen mit ihrer Geistergröße.

[ 68 ] Why do we speak of a threshold? Why do we speak of a guardian of the threshold? We speak of this because, truly, as if by a grace of the wise guidance of the universe, that which struggles, rumbles, and wages war deep within the human soul—in our everyday life—was initially withheld from the human soul. It is as if on the surface, while below it rumbles, struggles, and wages war. And even what we experience in everyday life is a continuous victory. But it must be fought for anew again and again. And in the future, it will only be fought for anew if people come to know that which has guided them thus far, unconsciously, through a benevolent, wise cosmic guidance. At the very depths of the soul, we must truly find that which is unknown in ordinary sensory life, but which the spiritual can experience. It lies in those depths of the human being where the human essence is connected to those forces of the world whose spiritual grandeur transcends good and evil.

[ 69 ] Das möchte ich zum Ausdruck bringen durch einen Pfingstspruch, in dem ich zusammengefügt habe, wie der Mensch auf dem Grunde seines Seelenwesens elementarische, einander widerstrebende Mächte hat, und wie dasjenige, was in seinem Bewußtsein lebt, Sieg ist über dasjenige, was Krieg führt da unten in den Tiefen des Seelenlebens.

[ 69 ] I would like to express this through a Pentecost verse in which I have brought together how human beings, at the very core of their soul, possess elemental, conflicting forces, and how that which lives in their consciousness is a victory over that which wages war down there in the depths of soul life.

[ 70 ] Wie die Dinge dann weiter sich verhalten im Zusammenhange des Menschenlebens — wir werden morgen, vielleicht übermorgen davon sprechen. Heute aber möchte ich schließen mit diesem Pfingstspruch, der im Grunde genommen dasjenige ausdrückt, was immer als innerster Nerv in unserer Geisteswissenschaft lebt, und worauf wir auch heute hingewiesen haben:

[ 70 ] How things will unfold from there in the context of human life—we will discuss that tomorrow, or perhaps the day after tomorrow. Today, however, I would like to conclude with this Pentecost passage, which essentially expresses what has always been the innermost essence of our Spiritual Science, and which we have also highlighted today:

Wo Sinneswissen endet,
Da stehet erst die Pforte,
Die Lebenswirklichkeiten
Dem Seelensein eröffnet;
Den Schlüssel schafft die Seele,
Wenn sie in sich erstarkt
Im Kampf, den Weltenmächte
Auf ihrem eignen Grunde
Mit Menschenkräften führen,
Wenn sie durch sich vertreibt
Den Schlaf, der Wissenskräfte
An ihren Sinnesgrenzen
Mit Geistesnacht umhüllt.

Where sensory knowledge ends,
There stands the gate,
That opens up the realities of life
To the soul;
The soul forges the key,
When it grows strong within itself
In the struggle that the powers of the world
Wage on their own ground
With human forces,
When it drives away through itself
The sleep that shrouds the powers of knowledge
At the limits of the senses
With the darkness of the spirit.