Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272
19 August 1916, Dornach
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Faust, der strebende Mensch Geisteswissenschaftliche
10. Weisheit - Schönheit - Güte Michael — Gabriel - Raphael
10. Weisheit - Schönheit - Güte Michael — Gabriel - Raphael
nach eurythmisch-dramatischen Darstellungen der «Zueignung» und des «Prolog im Himmel»
nach eurythmisch-dramatischen Darstellungen der «Zueignung» und des «Prolog im Himmel»
[ 1 ] Wir haben in den letzten Wochen von den drei großen, höchsten Idealen der Menschheit gesprochen und haben diese drei Ideale bezeichnet, wie sie seit langen Zeiten immer bezeichnet werden als das Ideal der Weisheit, der Schönheit und der Güte.
[ 1 ] Wir haben in den letzten Wochen von den drei großen, höchsten Idealen der Menschheit gesprochen und haben diese drei Ideale bezeichnet, wie sie seit langen Zeiten immer bezeichnet werden als das Ideal der Weisheit, der Schönheit und der Güte.
[ 2 ] Nun hat man in den neueren Zeiten immer diese drei höchsten Ideale der Menschheit in Zusammenhang gebracht mit den drei uns bekannten und in den verschiedensten Beziehungen betrachteten menschlichen Seelenkräften. Man hat das Ideal der Weisheit mit dem Denken oder dem Vorstellen in Zusammenhang gebracht, das Ideal der Schönheit mit dem Fühlen, das Ideal der Güte mit dem Wollen.
[ 2 ] Nun hat man in den neueren Zeiten immer diese drei höchsten Ideale der Menschheit in Zusammenhang gebracht mit den drei uns bekannten und in den verschiedensten Beziehungen betrachteten menschlichen Seelenkräften. Man hat das Ideal der Weisheit mit dem Denken oder dem Vorstellen in Zusammenhang gebracht, das Ideal der Schönheit mit dem Fühlen, das Ideal der Güte mit dem Wollen.
[ 3 ] Weisheit kann dem Menschen nur werden in klaren Vorstellungen, in klarem Denken. Das, was Gegenstand der Kunst ist, das Schöne, kann nicht so erfaßt werden. Das Fühlen ist diejenige Seelenkraft, die vorzugsweise zu tun hat mit der Schönheit, so sagten die Seelenforscher, die Psychologen seit langer Zeit. Und das, was als das Gute in der Welt sich verwirklicht, hängt mit dem Wollen zusammen. Es scheint, daß dies recht einleuchtend ist, was so die Psychologen, die Seelenkenner über die Beziehungen der drei großen Menschheitsideale zu den verschiedenen Seelenkräften gesagt haben. Gewissermaßen wie eine Art von Ergänzung können wir noch hinzufügen, daß Kant drei Kritiken geschrieben hat, von denen die eine, die «Kritik der reinen Vernunft», dienen soll der Weisheit, weil sie kritisieren will das Vorstellungsvermögen. Eine andere Kritik nannte Kant die «Kritik der Urteilskraft», und sie zerfällt bei ihm in zwei Teile: in die «Kritik der ästhetischen Urteilskraft» und in die «Kritik der teleologischen Urteilskraft». Im Grunde meint Kant, wenn er hier von Urteilskraft spricht, doch dasjenige, was beschlossen ist in der Gefühlserkenntnis, durch die man bejaht, daß etwas schön oder häßlich, nützlich oder schädlich ist. So könnten wir also — als von einer Unterabteilung gerade in diesem Kantschen Sinne, und andere haben ja die Benennungsweise beibehalten — davon sprechen, daß die Urteilskraft, wobei wir nicht bloß an das vorstellende Urteil denken, sondern daran, daß das Urteil aus dem Herzen heraus kommt, zur Auffassung des Schönen in Beziehung steht. Und eine dritte Kritik Kants ist die «Kritik der praktischen Vernunft», die sich auf das Wollen bezieht, auf das Erstreben des Guten.
[ 3 ] Weisheit kann dem Menschen nur werden in klaren Vorstellungen, in klarem Denken. Das, was Gegenstand der Kunst ist, das Schöne, kann nicht so erfaßt werden. Das Fühlen ist diejenige Seelenkraft, die vorzugsweise zu tun hat mit der Schönheit, so sagten die Seelenforscher, die Psychologen seit langer Zeit. Und das, was als das Gute in der Welt sich verwirklicht, hängt mit dem Wollen zusammen. Es scheint, daß dies recht einleuchtend ist, was so die Psychologen, die Seelenkenner über die Beziehungen der drei großen Menschheitsideale zu den verschiedenen Seelenkräften gesagt haben. Gewissermaßen wie eine Art von Ergänzung können wir noch hinzufügen, daß Kant drei Kritiken geschrieben hat, von denen die eine, die «Kritik der reinen Vernunft», dienen soll der Weisheit, weil sie kritisieren will das Vorstellungsvermögen. Eine andere Kritik nannte Kant die «Kritik der Urteilskraft», und sie zerfällt bei ihm in zwei Teile: in die «Kritik der ästhetischen Urteilskraft» und in die «Kritik der teleologischen Urteilskraft». Im Grunde meint Kant, wenn er hier von Urteilskraft spricht, doch dasjenige, was beschlossen ist in der Gefühlserkenntnis, durch die man bejaht, daß etwas schön oder häßlich, nützlich oder schädlich ist. So könnten wir also — als von einer Unterabteilung gerade in diesem Kantschen Sinne, und andere haben ja die Benennungsweise beibehalten — davon sprechen, daß die Urteilskraft, wobei wir nicht bloß an das vorstellende Urteil denken, sondern daran, daß das Urteil aus dem Herzen heraus kommt, zur Auffassung des Schönen in Beziehung steht. Und eine dritte Kritik Kants ist die «Kritik der praktischen Vernunft», die sich auf das Wollen bezieht, auf das Erstreben des Guten.
[ 4 ] Nun können wir das, was ich eben gesagt habe, bei allen Psychologen finden, bis auf einen Psychologen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgetreten ist, und der gefunden hat, daß diese ganze Einteilung in menschliche Seelenkräfte nicht geht, nicht mit der unbefangenen Betrachtung der menschlichen Seele übereinstimmt. Und ebensowenig stimme die Zuteilung der großen Ideale der Menschheit an die verschiedenen Seelenkräfte, an Vorstellen, Fühlen und Wollen so, daß man dem Vorstellen die Weisheit als höchstes Ideal zuerteilt, dem Fühlen die Schönheit, dem Wollen die Güte. Der Psychologe, auf den ich hindeute, Franz Brentano, meinte, er müsse die ganze Lehre, die ich jetzt skizziert habe, umstoßen und, man möchte sagen, im Fundamente die Gliederung des menschlichen Seelenlebens anders darstellen. Er teilt das Vorstellen — wollen wir davon ausgehen — der Schönheit zu. Sie sehen, während alle andern der Schönheit das Fühlen, beziehungsweise die Urteilskraft, die ästhetische Urteilskraft, überhaupt die Urteilskraft zuteilen, teilt Brentano der Schönheit das Vorstellen zu. Der Weisheit, insofern sie etwas ist, was der Mensch erwirbt, teilt Brentano die Urteilskraft zu, er sagt nicht gerade das Fühlen, aber die Urteilskraft. Und das Wollen, das stumpft er kurioserweise sogar ab, indem er gar nicht den Blick richtet auf die Willensentfaltung, auf den Willensimpuls, sondern auf dasjenige, was dem Willensimpuls zugrunde liegt: die Sympathie und Antipathie. — Es hat viel für sich, die Dinge so zu betrachten. Zum Beispiel schon die Sprache führt uns manchmal darauf, den Willensimpuls mit Sympathie und Antipathie in Zusammenhang zu bringen. Wenn wir zum Beispiel sagen: Widerwillen gegen etwas haben! - Da wollen wir gar nichts, aber wir haben eine Antipathie gegen etwas. Und so stumpft Brentano gewissermaßen das Wollen ab zu Sympathie und Antipathie und teilt dem Wollen diese Sympathie und Antipathie zu, ja oder nein zu sagen zu etwas. Er geht nicht bis zum Willensimpuls, sondern nur zu dem, was dem Willen zugrunde liegt: das Jasagen oder Neinsagen zu etwas, das Bejahen oder Verneinen einer Sache.
[ 4 ] Nun können wir das, was ich eben gesagt habe, bei allen Psychologen finden, bis auf einen Psychologen, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgetreten ist, und der gefunden hat, daß diese ganze Einteilung in menschliche Seelenkräfte nicht geht, nicht mit der unbefangenen Betrachtung der menschlichen Seele übereinstimmt. Und ebensowenig stimme die Zuteilung der großen Ideale der Menschheit an die verschiedenen Seelenkräfte, an Vorstellen, Fühlen und Wollen so, daß man dem Vorstellen die Weisheit als höchstes Ideal zuerteilt, dem Fühlen die Schönheit, dem Wollen die Güte. Der Psychologe, auf den ich hindeute, Franz Brentano, meinte, er müsse die ganze Lehre, die ich jetzt skizziert habe, umstoßen und, man möchte sagen, im Fundamente die Gliederung des menschlichen Seelenlebens anders darstellen. Er teilt das Vorstellen — wollen wir davon ausgehen — der Schönheit zu. Sie sehen, während alle andern der Schönheit das Fühlen, beziehungsweise die Urteilskraft, die ästhetische Urteilskraft, überhaupt die Urteilskraft zuteilen, teilt Brentano der Schönheit das Vorstellen zu. Der Weisheit, insofern sie etwas ist, was der Mensch erwirbt, teilt Brentano die Urteilskraft zu, er sagt nicht gerade das Fühlen, aber die Urteilskraft. Und das Wollen, das stumpft er kurioserweise sogar ab, indem er gar nicht den Blick richtet auf die Willensentfaltung, auf den Willensimpuls, sondern auf dasjenige, was dem Willensimpuls zugrunde liegt: die Sympathie und Antipathie. — Es hat viel für sich, die Dinge so zu betrachten. Zum Beispiel schon die Sprache führt uns manchmal darauf, den Willensimpuls mit Sympathie und Antipathie in Zusammenhang zu bringen. Wenn wir zum Beispiel sagen: Widerwillen gegen etwas haben! - Da wollen wir gar nichts, aber wir haben eine Antipathie gegen etwas. Und so stumpft Brentano gewissermaßen das Wollen ab zu Sympathie und Antipathie und teilt dem Wollen diese Sympathie und Antipathie zu, ja oder nein zu sagen zu etwas. Er geht nicht bis zum Willensimpuls, sondern nur zu dem, was dem Willen zugrunde liegt: das Jasagen oder Neinsagen zu etwas, das Bejahen oder Verneinen einer Sache.
[ 5 ] Durch das Vorstellen, meint Brentano, kommt man niemals zu einer wahren, also zu einer weisheitsvollen Anschauung, sondern überhaupt nur zu einer Anschauung. Er meint, man stelle sich zum Beispiel ein geflügeltes Pferd vor. Es ist nichts dagegen einzuwenden, ein geflügeltes Pferd sich vorzustellen. Aber es sei nicht -— wir müssen beachten, daß Brentano im Zeitalter des Materialismus lebt -, es sei nicht weisheitsvoll, ein geflügeltes Pferd sich vorzustellen, weil ein geflügeltes Pferd ja keine Wirklichkeit habe. Es müsse noch etwas hinzukommen, wenn man eine Vorstellung faßt. Das ist aber, es müsse hinzukommen die Anerkennung oder Nichtanerkennung der Vorstellung durch die Urteilskraft, dann kommt erst Weisheit heraus.
[ 5 ] Durch das Vorstellen, meint Brentano, kommt man niemals zu einer wahren, also zu einer weisheitsvollen Anschauung, sondern überhaupt nur zu einer Anschauung. Er meint, man stelle sich zum Beispiel ein geflügeltes Pferd vor. Es ist nichts dagegen einzuwenden, ein geflügeltes Pferd sich vorzustellen. Aber es sei nicht -— wir müssen beachten, daß Brentano im Zeitalter des Materialismus lebt -, es sei nicht weisheitsvoll, ein geflügeltes Pferd sich vorzustellen, weil ein geflügeltes Pferd ja keine Wirklichkeit habe. Es müsse noch etwas hinzukommen, wenn man eine Vorstellung faßt. Das ist aber, es müsse hinzukommen die Anerkennung oder Nichtanerkennung der Vorstellung durch die Urteilskraft, dann kommt erst Weisheit heraus.
[ 6 ] Wir können uns fragen, was liegt denn nun gewissermaßen einer solchen vollständigen Verkehrung der Seelenkräfte zugrunde? Was hat Brentano veranlaßt, ganz anders die Seelenkräfte an Schönheit, Güte und Weisheit zu verteilen als die andern Psychologen? Wenn man nachforscht, warum Brentano zu dieser andersartigen Gliederung des menschlichen Seelenlebens gekommen ist, so kann man auf keine andere Weise eine Antwort bekommen als dadurch, daß man auf Brentanos eigenen, persönlichen Entwickelungsgang Rücksicht nimmt. Die andern Psychologen der neueren Zeit sind Menschen, welche aus der neueren Weltanschauungsentwickelung zumeist hervorgegangen sind. Es ist eine Eigentümlichkeit der neueren Philosophen, aller Philosophen, daß sie recht gut verhältnismäßig die griechische Philosophie kennen - in ihrer Art natürlich -, und dann beginnt wiederum die Philosophie im Grunde mit Kant. Und was zwischen der griechischen Philosophie und Kant liegt, von dem wissen die neueren Philosophen nicht viel. Kant selber wußte von alldem, was zwischen der griechischen Philosophie und ihm lag, auch nicht viel mehr als dasjenige, was er bei A/ume und bei Berkeley gelesen hatte; er wußte nichts von der ganzen Entwickelung der mittelalterlichen Philosophie. Kant war ein vollständig Unwissender in dem, was man die Scholastik des Mittelalters nennt. Und diejenigen, die alles in ihrer Art bequem übertreiben, finden darinnen gerade viel Anlaß, weil Kant von der Scholastik nichts wußte, die Scholastik überhaupt als so ein Bündel von pedantischen Torheiten zu betrachten und sie hicht weiter zu studieren. Daß Kant nichts wußte von der Scholastik, das hindert nicht, daß er daneben auch nichts wußte von der griechischen Philosophie. Andere wußten eben mehr als er auf diesem Gebiete. — Brentano nun war ein gründlicher Kenner der Scholastik, ein gründlicher Kenner der mittelalterlichen Philosophie und außerdem ein gründlicher Kenner des Aristoteles. Was die betrifft, welche die Welt der Philosophie mit Kant auffassen, so sind sie keine Kenner, keine echten Kenner des Aristoteles, denn Aristoteles, der große Grieche, wurde gerade am meisten malträtiert in der Entwickelungsgeschichte des neueren Geisteslebens. Brentano also war ein gründlicher Kenner des Aristoteles und der Scholastik, aber nicht, was man einen historischen Kenner bloß nennt, so einen, der gewußt hat, was der Aristoteles schrieb und die Scholastiker schrieben, denn in bezug auf ein solches Wissen kann man . sich so seine Gedanken machen, wenn man die Historie der Philosophie durchgeht! Brentano war von innen heraus ein Mensch, der sich sowohl in die Philosophie des Aristoteles wie in die Philosophie der Scholastik eingelebt hatte, in dieses in den Klosterzellen durch Jahrhunderte vor sich gehende einsame Denken, in dieses Denken, welches arbeitete mit einer gründlichen Technik der Begriffswelt, mit jener gründlichen Technik der Begriffswelt, die dem neueren Denken ganz verlorengegangen ist. Diejenigen, die daher Psychologie in den siebziger, achtziger Jahren bei Brentano hörten, hörten im Grunde genommen einen ganz andern Ton menschlichen Denkens, als bei andern Philosophen der neueren Zeit zu hören war und ist. Es lebte in Brentano wirklich etwas wie ein Unterton desjenigen mit, was aus der Seele derScholastiker gesprochen hat. Und das ist bedeutsam, weil er aus diesem andersartigen Denken diese andersartige Einteilung gemacht hat. So daß wir sagen können: Es liegt die eigentümliche Tatsache vor, daß all die neueren Denker, denen die Scholastik bloß ein Begriffsgespinst war und ist, die menschliche Seele und ihre Beziehungen zu Weisheit, Schönheit und Güte so darstellen:
[ 6 ] Wir können uns fragen, was liegt denn nun gewissermaßen einer solchen vollständigen Verkehrung der Seelenkräfte zugrunde? Was hat Brentano veranlaßt, ganz anders die Seelenkräfte an Schönheit, Güte und Weisheit zu verteilen als die andern Psychologen? Wenn man nachforscht, warum Brentano zu dieser andersartigen Gliederung des menschlichen Seelenlebens gekommen ist, so kann man auf keine andere Weise eine Antwort bekommen als dadurch, daß man auf Brentanos eigenen, persönlichen Entwickelungsgang Rücksicht nimmt. Die andern Psychologen der neueren Zeit sind Menschen, welche aus der neueren Weltanschauungsentwickelung zumeist hervorgegangen sind. Es ist eine Eigentümlichkeit der neueren Philosophen, aller Philosophen, daß sie recht gut verhältnismäßig die griechische Philosophie kennen - in ihrer Art natürlich -, und dann beginnt wiederum die Philosophie im Grunde mit Kant. Und was zwischen der griechischen Philosophie und Kant liegt, von dem wissen die neueren Philosophen nicht viel. Kant selber wußte von alldem, was zwischen der griechischen Philosophie und ihm lag, auch nicht viel mehr als dasjenige, was er bei A/ume und bei Berkeley gelesen hatte; er wußte nichts von der ganzen Entwickelung der mittelalterlichen Philosophie. Kant war ein vollständig Unwissender in dem, was man die Scholastik des Mittelalters nennt. Und diejenigen, die alles in ihrer Art bequem übertreiben, finden darinnen gerade viel Anlaß, weil Kant von der Scholastik nichts wußte, die Scholastik überhaupt als so ein Bündel von pedantischen Torheiten zu betrachten und sie hicht weiter zu studieren. Daß Kant nichts wußte von der Scholastik, das hindert nicht, daß er daneben auch nichts wußte von der griechischen Philosophie. Andere wußten eben mehr als er auf diesem Gebiete. — Brentano nun war ein gründlicher Kenner der Scholastik, ein gründlicher Kenner der mittelalterlichen Philosophie und außerdem ein gründlicher Kenner des Aristoteles. Was die betrifft, welche die Welt der Philosophie mit Kant auffassen, so sind sie keine Kenner, keine echten Kenner des Aristoteles, denn Aristoteles, der große Grieche, wurde gerade am meisten malträtiert in der Entwickelungsgeschichte des neueren Geisteslebens. Brentano also war ein gründlicher Kenner des Aristoteles und der Scholastik, aber nicht, was man einen historischen Kenner bloß nennt, so einen, der gewußt hat, was der Aristoteles schrieb und die Scholastiker schrieben, denn in bezug auf ein solches Wissen kann man . sich so seine Gedanken machen, wenn man die Historie der Philosophie durchgeht! Brentano war von innen heraus ein Mensch, der sich sowohl in die Philosophie des Aristoteles wie in die Philosophie der Scholastik eingelebt hatte, in dieses in den Klosterzellen durch Jahrhunderte vor sich gehende einsame Denken, in dieses Denken, welches arbeitete mit einer gründlichen Technik der Begriffswelt, mit jener gründlichen Technik der Begriffswelt, die dem neueren Denken ganz verlorengegangen ist. Diejenigen, die daher Psychologie in den siebziger, achtziger Jahren bei Brentano hörten, hörten im Grunde genommen einen ganz andern Ton menschlichen Denkens, als bei andern Philosophen der neueren Zeit zu hören war und ist. Es lebte in Brentano wirklich etwas wie ein Unterton desjenigen mit, was aus der Seele derScholastiker gesprochen hat. Und das ist bedeutsam, weil er aus diesem andersartigen Denken diese andersartige Einteilung gemacht hat. So daß wir sagen können: Es liegt die eigentümliche Tatsache vor, daß all die neueren Denker, denen die Scholastik bloß ein Begriffsgespinst war und ist, die menschliche Seele und ihre Beziehungen zu Weisheit, Schönheit und Güte so darstellen:
Weisheit: Vorstellen
Schönheit: Fühlen
Güte: Wollen.
Weisheit: Vorstellen
Schönheit: Fühlen
Güte: Wollen.
[ 7 ] In Brentano lebten all das Fühlen, all die inneren Impulse, die in einem Scholastikerherzen waren, soweit so etwas in der Gegenwart möglich ist. Er mußte so denken, mußte anders die menschliche Seele gliedern in ihren Kräften und auf die großen Menschheitsideale beziehen. Woher kommt das?
[ 7 ] In Brentano lebten all das Fühlen, all die inneren Impulse, die in einem Scholastikerherzen waren, soweit so etwas in der Gegenwart möglich ist. Er mußte so denken, mußte anders die menschliche Seele gliedern in ihren Kräften und auf die großen Menschheitsideale beziehen. Woher kommt das?
[ 8 ] Wenn Sie heute sich hätten entschließen können, die Engel oben auf der Bühne zu fragen - und insbesondere die drei Erzengel -, wie sie die Seelengliederung vornehmen und wie sie sie auf die großen Ideale beziehen, dann würden sie Ihnen, allerdings in einer viel vollkommeneren Weise, als Brentano das konnte, geantwortet haben mit einer ähnlichen Antwort, wie die ist, die Brentano gegeben hat. Raphael, Gabriel, Michael würden gar nicht ihrerseits verstehen jene Einteilung, aber sie würden sich leicht hineinfinden, nur eben sie vollkommener umgestalten, in die Einteilung, die Brentano gegeben hat. Wir berühren da eine bedeutsame Tatsache der geistigen Entwickelung der Menschheit. Man mag heute noch so ferne stehen der Denk weise des scholastischen Mittelalters, es lag dieser Denkweise etwas zugrunde, das man etwa in der folgenden Weise darstellen kann. Der Scholastiker versuchte nicht stehenzubleiben, wenn er von den höchsten Dingen sprach, bei dem, was sich unmittelbar auf dem physischen Plane abspielt, sondern der Scholastiker versuchte erst seine Seele bereit zu machen, daß aus ihr sprechen konnten die geistigen Wesenheiten der höheren Welt. Es wird dies in vieler Beziehung ein Stammeln der menschlichen Seele sein, weil selbstverständlich die menschliche Seele nur immer unvollkommen wird darstellen können dasjenige, was die Sprache der höheren, den Menschen übergeordneten Geister ist. Aber so wollten bis zu einem gewissen Grade die Scholastiker sprechen von den geistigen Angelegenheiten des Menschen, wie eine Seele sprechen muß, die sich hingibt dem, was übersinnliche Geister zu sagen haben.
[ 8 ] Wenn Sie heute sich hätten entschließen können, die Engel oben auf der Bühne zu fragen - und insbesondere die drei Erzengel -, wie sie die Seelengliederung vornehmen und wie sie sie auf die großen Ideale beziehen, dann würden sie Ihnen, allerdings in einer viel vollkommeneren Weise, als Brentano das konnte, geantwortet haben mit einer ähnlichen Antwort, wie die ist, die Brentano gegeben hat. Raphael, Gabriel, Michael würden gar nicht ihrerseits verstehen jene Einteilung, aber sie würden sich leicht hineinfinden, nur eben sie vollkommener umgestalten, in die Einteilung, die Brentano gegeben hat. Wir berühren da eine bedeutsame Tatsache der geistigen Entwickelung der Menschheit. Man mag heute noch so ferne stehen der Denk weise des scholastischen Mittelalters, es lag dieser Denkweise etwas zugrunde, das man etwa in der folgenden Weise darstellen kann. Der Scholastiker versuchte nicht stehenzubleiben, wenn er von den höchsten Dingen sprach, bei dem, was sich unmittelbar auf dem physischen Plane abspielt, sondern der Scholastiker versuchte erst seine Seele bereit zu machen, daß aus ihr sprechen konnten die geistigen Wesenheiten der höheren Welt. Es wird dies in vieler Beziehung ein Stammeln der menschlichen Seele sein, weil selbstverständlich die menschliche Seele nur immer unvollkommen wird darstellen können dasjenige, was die Sprache der höheren, den Menschen übergeordneten Geister ist. Aber so wollten bis zu einem gewissen Grade die Scholastiker sprechen von den geistigen Angelegenheiten des Menschen, wie eine Seele sprechen muß, die sich hingibt dem, was übersinnliche Geister zu sagen haben.
[ 9 ] Wir gewöhnen uns, hier auf dem physischen Plane die Zustimmung oder Nichtzustimmung zu dem, was eine Vorstellung zu einer gültigen, zu einer weisheitsvollen macht, nach der äußeren physischen Welt uns zu bilden, seit die Zeit des Materialismus die eigentliche Menschheitszeit ist. Wir sagen, ein geflügeltes Roß sei keine gültige Vorstellung, weil wir niemals ein geflügeltes Roß gesehen haben. Eine Vorstellung betrachtet der Materialismus als eine weisheitsvolle Vorstellung, wenn sie übereinstimmt mit dem, was die Außenwelt diktiert.
[ 9 ] Wir gewöhnen uns, hier auf dem physischen Plane die Zustimmung oder Nichtzustimmung zu dem, was eine Vorstellung zu einer gültigen, zu einer weisheitsvollen macht, nach der äußeren physischen Welt uns zu bilden, seit die Zeit des Materialismus die eigentliche Menschheitszeit ist. Wir sagen, ein geflügeltes Roß sei keine gültige Vorstellung, weil wir niemals ein geflügeltes Roß gesehen haben. Eine Vorstellung betrachtet der Materialismus als eine weisheitsvolle Vorstellung, wenn sie übereinstimmt mit dem, was die Außenwelt diktiert.
[ 10 ] Aber versetzen Sie sich in die Sphäre der Engel. Die haben nicht diese physische Außenwelt, denn diese physische Außenwelt ist wesentlich bedingt durch das Wohnen in einem physischen Leibe, durch das Besitzen physischer Sinnesorgane, welche die Engel nicht haben. Wodurch bekommen die Engel die Möglichkeit, von ihren Vorstellungen zu sprechen als von gültigen, von wahren Vorstellungen? Dadurch, daß sie in Beziehungen treten zu andern geistigen Wesenheiten. Denn sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, hört diese Welt der Sinne auf, sich so auszubreiten, wie sie sich vor den Sinnen ausbreitet. Ich habe das oftmals charakterisiert, daß man, sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, in eine Welt von lauter Wesenheiten kommt. Und von der Art, wie einem die Wesenheiten entgegentreten, hängt es ab, ob eine Vorstellung, die man sich macht, gültig oder nicht gültig ist. So daß Brentano, wenn er bloß von Urteilskraft spricht, nicht ganz richtig spricht. Er müßte sprechen von Wesensoffenbarung. Dann würde man zur Weisheit kommen. Man kann, sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschritten hat, nicht anders zur Weisheit kommen, als wenn man in ein richtiges Verhältnis zu den jenseits dieser Schwelle befindlichen geistigen Wesenheiten tritt. Wer kein richtiges Verhältnis entwickeln kann zu den elementarischen Wesenheiten, zu den Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien, kann nur konfuse Vorstellungen entwickeln, nicht richtige Vorstellungen, nicht weisheitsetragene Vorstellungen. Richtig anzusehen die Wesen jenseits der Schwelle zur geistigen Welt, davon hängt das richtige Vorstellen jenseits der Schwelle ab, davon hängt die Weisheit in bezug auf die geistigen Welten ab, denen auch die menschliche Seele angehört. Weil so - Sie finden das schon in meiner «Theosophie» im Schlußkapitel dargestellt der Mensch keinen Anhaltspunkt hat an einer äußeren physischen Wirklichkeit, muß er sich halten mit Bezug auf die Weisheit an die Mitteilungen der elementarischen Wesenheiten, der Wesenheiten der höheren Hierarchien und so weiter. Wir treten ein in eine ganz lebendige Welt, nicht in die Welt, in der wir nur Photographen der Wirklichkeit werden.
[ 10 ] Aber versetzen Sie sich in die Sphäre der Engel. Die haben nicht diese physische Außenwelt, denn diese physische Außenwelt ist wesentlich bedingt durch das Wohnen in einem physischen Leibe, durch das Besitzen physischer Sinnesorgane, welche die Engel nicht haben. Wodurch bekommen die Engel die Möglichkeit, von ihren Vorstellungen zu sprechen als von gültigen, von wahren Vorstellungen? Dadurch, daß sie in Beziehungen treten zu andern geistigen Wesenheiten. Denn sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, hört diese Welt der Sinne auf, sich so auszubreiten, wie sie sich vor den Sinnen ausbreitet. Ich habe das oftmals charakterisiert, daß man, sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschreitet, in eine Welt von lauter Wesenheiten kommt. Und von der Art, wie einem die Wesenheiten entgegentreten, hängt es ab, ob eine Vorstellung, die man sich macht, gültig oder nicht gültig ist. So daß Brentano, wenn er bloß von Urteilskraft spricht, nicht ganz richtig spricht. Er müßte sprechen von Wesensoffenbarung. Dann würde man zur Weisheit kommen. Man kann, sobald man die Schwelle zur geistigen Welt überschritten hat, nicht anders zur Weisheit kommen, als wenn man in ein richtiges Verhältnis zu den jenseits dieser Schwelle befindlichen geistigen Wesenheiten tritt. Wer kein richtiges Verhältnis entwickeln kann zu den elementarischen Wesenheiten, zu den Wesenheiten der verschiedenen Hierarchien, kann nur konfuse Vorstellungen entwickeln, nicht richtige Vorstellungen, nicht weisheitsetragene Vorstellungen. Richtig anzusehen die Wesen jenseits der Schwelle zur geistigen Welt, davon hängt das richtige Vorstellen jenseits der Schwelle ab, davon hängt die Weisheit in bezug auf die geistigen Welten ab, denen auch die menschliche Seele angehört. Weil so - Sie finden das schon in meiner «Theosophie» im Schlußkapitel dargestellt der Mensch keinen Anhaltspunkt hat an einer äußeren physischen Wirklichkeit, muß er sich halten mit Bezug auf die Weisheit an die Mitteilungen der elementarischen Wesenheiten, der Wesenheiten der höheren Hierarchien und so weiter. Wir treten ein in eine ganz lebendige Welt, nicht in die Welt, in der wir nur Photographen der Wirklichkeit werden.
[ 11 ] Brentano hat gewissermaßen den letzten abstrakten Abklatsch gegeben von der Sprache der Engel. Engel würden sagen: Weisheitsvoll ist dasjenige, was entspricht dem Zusammenhange der Mitteilungen der Wesen, die jenseits der Schwelle der geistigen Welten sind. - Daß man sich eine Vorstellung macht, genügt nicht, sondern daß diese Vorstellung im Einklang steht mit dem, was die geistigen Wesen jenseits der Schwelle offenbaren. Das bloße Vorstellen darf also jenseits der Schwelle nicht dienen der Weisheit. Wem darf es denn dienen? Dem Schein, in dem die Schönheit lebt. Wendet man ohne weiteres jenseits der Schwelle das Vorstellen auf die Wirklichkeit an, dann kommt man zu keinem richtigen Vorstellen. Aber auf den Schein, in dem die Schönheit wirkt und lebt, darf man es anwenden. Da hat Brentano sogar ganz richtig gesprochen, indem er das Vorstellen auf die Schönheit bezieht. Denn die Engel werden, wenn sie vorstellen wollen, sich immer sagen: Was für Vorstellungen dürfen wir uns bilden? Niemals häßliche, sondern immer schöne Vorstellungen. — Aber diese Vorstellungen, die sie sich bilden und die sie gemäß dem Ideal der Schönheit bilden, werden nicht der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie nicht entsprechen den Offenbarungen anderer Wesenheiten, die ihnen in der geistigen Welt begegnen. Vorstellen ist da wirklich nur der Schönheit zuzuteilen. Engel haben das Ideal, so vorzustellen, daß ihre ganze Vorstellungswelt durchsetzt und durchleuchtet ist von dem Ideal der Schönheit. Und Sie brauchen nur das Kapitel meiner «Theosophie» zu lesen, welches von der Seelenwelt handelt, und dort die beiden Kräfte in der Gestalt studieren, wie man sie findet jenseits der Schwelle zur geistigen Welt, die beiden Kräfte von Sympathie und Antipathie, dann finden Sie, wie das Verhältnis von Sympathie und Antipathie dort zugrunde liegt den Impulsen des Wollens. Das stimmt also wieder in einer gewissen Beziehung überein. Nur muß man es auf das Leben der Seele beziehen, wie sich dieses Leben, aus dem Unterbewußten heraus, bei der heutigen Menschenseele noch aus der Seelenwelt ergibt. Da sehen Sie, wie ein moderner Philosoph aus dem Grunde, weil er gewissermaßen atavistisch die Scholastik des Mittelalters in seinem Herzen bewahrt hat, versucht, allerdings in der unvollkommenen Sprache des modernen Materialismus, in der Terminologie der Engel zu sprechen. Es ist eine außerordentlich interessante Tatsache. Anders versteht man gar nicht, wie Brentano sich so der ganzen modernen Psychologie entgegenstellte, daß er die Seelenkräfte ganz anders unterschied als die andern Psychologen und sie den höchsten Menschheitsidealen anders zuteilte.
[ 11 ] Brentano hat gewissermaßen den letzten abstrakten Abklatsch gegeben von der Sprache der Engel. Engel würden sagen: Weisheitsvoll ist dasjenige, was entspricht dem Zusammenhange der Mitteilungen der Wesen, die jenseits der Schwelle der geistigen Welten sind. - Daß man sich eine Vorstellung macht, genügt nicht, sondern daß diese Vorstellung im Einklang steht mit dem, was die geistigen Wesen jenseits der Schwelle offenbaren. Das bloße Vorstellen darf also jenseits der Schwelle nicht dienen der Weisheit. Wem darf es denn dienen? Dem Schein, in dem die Schönheit lebt. Wendet man ohne weiteres jenseits der Schwelle das Vorstellen auf die Wirklichkeit an, dann kommt man zu keinem richtigen Vorstellen. Aber auf den Schein, in dem die Schönheit wirkt und lebt, darf man es anwenden. Da hat Brentano sogar ganz richtig gesprochen, indem er das Vorstellen auf die Schönheit bezieht. Denn die Engel werden, wenn sie vorstellen wollen, sich immer sagen: Was für Vorstellungen dürfen wir uns bilden? Niemals häßliche, sondern immer schöne Vorstellungen. — Aber diese Vorstellungen, die sie sich bilden und die sie gemäß dem Ideal der Schönheit bilden, werden nicht der Wirklichkeit entsprechen, wenn sie nicht entsprechen den Offenbarungen anderer Wesenheiten, die ihnen in der geistigen Welt begegnen. Vorstellen ist da wirklich nur der Schönheit zuzuteilen. Engel haben das Ideal, so vorzustellen, daß ihre ganze Vorstellungswelt durchsetzt und durchleuchtet ist von dem Ideal der Schönheit. Und Sie brauchen nur das Kapitel meiner «Theosophie» zu lesen, welches von der Seelenwelt handelt, und dort die beiden Kräfte in der Gestalt studieren, wie man sie findet jenseits der Schwelle zur geistigen Welt, die beiden Kräfte von Sympathie und Antipathie, dann finden Sie, wie das Verhältnis von Sympathie und Antipathie dort zugrunde liegt den Impulsen des Wollens. Das stimmt also wieder in einer gewissen Beziehung überein. Nur muß man es auf das Leben der Seele beziehen, wie sich dieses Leben, aus dem Unterbewußten heraus, bei der heutigen Menschenseele noch aus der Seelenwelt ergibt. Da sehen Sie, wie ein moderner Philosoph aus dem Grunde, weil er gewissermaßen atavistisch die Scholastik des Mittelalters in seinem Herzen bewahrt hat, versucht, allerdings in der unvollkommenen Sprache des modernen Materialismus, in der Terminologie der Engel zu sprechen. Es ist eine außerordentlich interessante Tatsache. Anders versteht man gar nicht, wie Brentano sich so der ganzen modernen Psychologie entgegenstellte, daß er die Seelenkräfte ganz anders unterschied als die andern Psychologen und sie den höchsten Menschheitsidealen anders zuteilte.
[ 12 ] Nehmen Sie aber dasjenige, was so gesagt wird, in allen seinen Konsequenzen. Beachten Sie alle Konsequenzen. Wenn wir die Schwelle zur geistigen Welt überschreiten, dann leben wir in einer Welt von Wesenheiten, sagte ich, insofern wir vom Wirklichen sprechen. Da können wir also nicht in demselben Sinne so abstrakte Begriffe bilden, wie wir sie hier in der physischen Welt bilden, wenn wir vom Wirklichen sprechen. Wir müssen Wesen haben. Wir müssen also schon, wenn wir vom Wirklichen sprechen, sagen: Es kann gar nicht sein, daß Weisheit, Schönheit und Güte in der geistigen Welt drüben dieselbe Bedeutung haben wie hier in der physischen Welt. Da wären sie ja wieder abstrakte Begriffe, wie wir sie hier in der physischen Welt anwenden können. Da drüben müssen Wesenheiten sein. — Also, sobald wir im Sinne der Weisheit selber sprechen, das heißt, ein Wirkliches suchen, müssen da drüben Wesenheiten existieren, nicht bloß dasjenige, was man in abstracto mit Weisheit, Schönheit, Güte bezeichnet. Wenn man von Schönheit in der geistigen Welt spricht, dann kann man nicht sagen: Schönheit ist da als Maja, als Schein in der geistigen Welt. — Geradeso wie der physischen Welt Schönheit und Weisheit eingeprägt sind, indem wir zum Beispiel die weisheitsvolle Schönheit darstellen im Drama oder in andern Kunstwerken oder das Gute in Schönheit darstellen im Drama oder in andern Kunstwerken, wie das alles miteinander in Verbindung tritt, so wirkt Weisheit, Schönheit und Güte im Reich der Schönheit drüben jenseits der Schwelle. Aber wir dürfen dann nicht als Vorstellungen von ihnen sprechen, wir müssen das da drüben nicht so anwenden, wie wir es hier anwenden. Nehmen wir also an, es wollte jemand von drüben aus sprechen, und er wollte von drüben aus mit der Seelenkraft sprechen, die unserer Vorstellungskraft entspricht, so dürfte er nicht sagen: Weisheit, Schönheit, Stärke, denn das sind abstrakte Ideen, er müßte Wesenheiten anführen. Weisheit müßte als Wesenheit drüben auftreten.
[ 12 ] Nehmen Sie aber dasjenige, was so gesagt wird, in allen seinen Konsequenzen. Beachten Sie alle Konsequenzen. Wenn wir die Schwelle zur geistigen Welt überschreiten, dann leben wir in einer Welt von Wesenheiten, sagte ich, insofern wir vom Wirklichen sprechen. Da können wir also nicht in demselben Sinne so abstrakte Begriffe bilden, wie wir sie hier in der physischen Welt bilden, wenn wir vom Wirklichen sprechen. Wir müssen Wesen haben. Wir müssen also schon, wenn wir vom Wirklichen sprechen, sagen: Es kann gar nicht sein, daß Weisheit, Schönheit und Güte in der geistigen Welt drüben dieselbe Bedeutung haben wie hier in der physischen Welt. Da wären sie ja wieder abstrakte Begriffe, wie wir sie hier in der physischen Welt anwenden können. Da drüben müssen Wesenheiten sein. — Also, sobald wir im Sinne der Weisheit selber sprechen, das heißt, ein Wirkliches suchen, müssen da drüben Wesenheiten existieren, nicht bloß dasjenige, was man in abstracto mit Weisheit, Schönheit, Güte bezeichnet. Wenn man von Schönheit in der geistigen Welt spricht, dann kann man nicht sagen: Schönheit ist da als Maja, als Schein in der geistigen Welt. — Geradeso wie der physischen Welt Schönheit und Weisheit eingeprägt sind, indem wir zum Beispiel die weisheitsvolle Schönheit darstellen im Drama oder in andern Kunstwerken oder das Gute in Schönheit darstellen im Drama oder in andern Kunstwerken, wie das alles miteinander in Verbindung tritt, so wirkt Weisheit, Schönheit und Güte im Reich der Schönheit drüben jenseits der Schwelle. Aber wir dürfen dann nicht als Vorstellungen von ihnen sprechen, wir müssen das da drüben nicht so anwenden, wie wir es hier anwenden. Nehmen wir also an, es wollte jemand von drüben aus sprechen, und er wollte von drüben aus mit der Seelenkraft sprechen, die unserer Vorstellungskraft entspricht, so dürfte er nicht sagen: Weisheit, Schönheit, Stärke, denn das sind abstrakte Ideen, er müßte Wesenheiten anführen. Weisheit müßte als Wesenheit drüben auftreten.
[ 13 ] In der Sprache der alten Mysterien hat man das, was ich jetzt ausführe, wohl gewußt, und man hat deshalb auch Benennungen eingeführt, die dies zum Ausdrucke bringen können, die nicht hindeuten auf bloße abstrakte Ideen, sondern auf Wesenhaftes. Ein Wesen müßte es sein drüben jenseits der Schwelle, was hier die Weisheit ist, ein Wesen. Sie werden, wenn Sie etwas nachdenken, leicht finden können, daß etwa ein Wesen, das wir bezeichnen als Gottschauer, als der Gottschauende, ein solches Wesen sein könnte, das da drüben der Weisheit entspricht: Gottschauer.
[ 13 ] In der Sprache der alten Mysterien hat man das, was ich jetzt ausführe, wohl gewußt, und man hat deshalb auch Benennungen eingeführt, die dies zum Ausdrucke bringen können, die nicht hindeuten auf bloße abstrakte Ideen, sondern auf Wesenhaftes. Ein Wesen müßte es sein drüben jenseits der Schwelle, was hier die Weisheit ist, ein Wesen. Sie werden, wenn Sie etwas nachdenken, leicht finden können, daß etwa ein Wesen, das wir bezeichnen als Gottschauer, als der Gottschauende, ein solches Wesen sein könnte, das da drüben der Weisheit entspricht: Gottschauer.
[ 14 ] Ein Wesen, das der Schönheit entspricht, unserer abstrakten Idee der Schönheit für den physischen Plan, würde offenbaren müssen. Die Schönheit offenbart sich, sie ist der Schein, das Scheinende, dasjenige, was scheint. Im Augenblicke, wo man die Schwelle überschreitet, tritt dasjenige auf, was viel lebendiger ist als hier auf dem physischen Plan. Es ist nicht, wenn von dem Schönen die Rede ist, dem wesenhaft Schönen, von etwas so Stummem oder bloß in menschlichen, physischen Gehör- oder Sprachabstraktionen Lebendem die Rede, wie hier auf dem physischen Plan es ist. Es ist alles Offenbarung, lebendige Offenbarung. Und wenn Sie das, was ich jetzt sage, zusammennehmen mit dem schon früher Gesagten, so werden Sie begreifen, daß die alten Mysterien ein Wort geprägt haben für das, was da drüben jenseits der Schwelle der Schönheit entspricht, das man bezeichnen kann als Gottverkündigung. Gottes Wort, Gott-Aussager etwa, Gottverkünder. Wort Gottes könnte man auch sagen.
[ 14 ] Ein Wesen, das der Schönheit entspricht, unserer abstrakten Idee der Schönheit für den physischen Plan, würde offenbaren müssen. Die Schönheit offenbart sich, sie ist der Schein, das Scheinende, dasjenige, was scheint. Im Augenblicke, wo man die Schwelle überschreitet, tritt dasjenige auf, was viel lebendiger ist als hier auf dem physischen Plan. Es ist nicht, wenn von dem Schönen die Rede ist, dem wesenhaft Schönen, von etwas so Stummem oder bloß in menschlichen, physischen Gehör- oder Sprachabstraktionen Lebendem die Rede, wie hier auf dem physischen Plan es ist. Es ist alles Offenbarung, lebendige Offenbarung. Und wenn Sie das, was ich jetzt sage, zusammennehmen mit dem schon früher Gesagten, so werden Sie begreifen, daß die alten Mysterien ein Wort geprägt haben für das, was da drüben jenseits der Schwelle der Schönheit entspricht, das man bezeichnen kann als Gottverkündigung. Gottes Wort, Gott-Aussager etwa, Gottverkünder. Wort Gottes könnte man auch sagen.
[ 15 ] Ebenso muß ein Wesen da sein für das Wollen: der Gottwollende. Nicht das Abstrakte, wie wir es in unserer Seele haben als Wollen, sondern ein Wesen muß jenseits der Schwelle sein für den Willen. Gottwoller - wenn wir das Wort bilden dürfen. Warum sollten denn durchaus nur solche Worte gebildet werden, die schon gang und gäbe sind, da wir doch in Reiche eintreten, für die Worte gar nicht geprägt sind! Gottwoller gewissermaßen. Gott hat in sich — wenn wir Gott als Sammelnamen nehmen für die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien - nicht nur ein Wollen, wie wir in unseren Seelen, sondern einen Woller: das ist wesenhaft. Was bei uns nur die drei Seelenkräfte: Vorstellen, Fühlen, Wollen sind, sind Wesen bei Gott, sind: der Gottschauer, der Gottverkünder, der Gottwoller. Und wenn man - Sie wissen ja, ich habe das öfter bei andern Gelegenheiten erwähnt, was mit Übersetzun gen alles geschehen ist im Laufe der Zeiten —, wenn man die alten hebräischen Ausdrücke nimmt, so entsprechen sie vollständig den Worten, die ich versuchte, hier zu prägen. Gewiß, Sie werden in keinem hebräischen Lexikon die Übersetzung dieser Worte so finden, aber wenn man sich einlebt in das, was gemeint war, so müßte man die alten hebräischen Worte mit diesen Worten heute eigentlich übersetzen, und zwar so, daß Gottschauer ganz dasselbe in unserer Sprache bedeutet wie Michael; Gottverkünder ganz dasselbe bedeutet wie Gabriel; Gottwoller ganz dasselbe bedeutet wie Raphael. Während wir in der physischen Welt wirken durch unsere drei Seelenkräfte, wirken die Wesen der höheren Hierarchien durch Wesenheiten selber. Indem wir wirken durch Vorstellen, Fühlen, Wollen, wirkt ein Gott durch Michael, Gabriel und Raphael. Und das bedeutet für einen Gott dasselbe: Ich wirke durch Michael, Gabriel, Raphael — was für unsere Seele bedeutet: Ich wirke durch Denken, Fühlen und Wollen. Diese Übersetzung: Ich wirke durch Denken, Fühlen und Wollen - in: Ich wirke durch Michael, Gabriel, Raphael, ist einfach die Übersetzung aus der Sprache der Menschen in die Sprache, die gesprochen werden sollte- wenn man die wirkliche Sprache, die dort herrscht, spricht — jenseits der Schwelle zur geistigen Welt. Wenn Sie sich einlassen auf manche Darstellungen der Bibel, so werden Sie übrigens überall fühlen können — wenn Sie einigermaßen sachgemäß fühlen und nicht so fühlen, wie es der heutigen Interpretation der Bibel, die eine Mißinterpretation in vieler Beziehung ist, entspricht —, Sie werden fühlen können, wie wirklich für Michael, Gabriel und Raphael dies hier gedacht werden muß.
[ 15 ] Ebenso muß ein Wesen da sein für das Wollen: der Gottwollende. Nicht das Abstrakte, wie wir es in unserer Seele haben als Wollen, sondern ein Wesen muß jenseits der Schwelle sein für den Willen. Gottwoller - wenn wir das Wort bilden dürfen. Warum sollten denn durchaus nur solche Worte gebildet werden, die schon gang und gäbe sind, da wir doch in Reiche eintreten, für die Worte gar nicht geprägt sind! Gottwoller gewissermaßen. Gott hat in sich — wenn wir Gott als Sammelnamen nehmen für die geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien - nicht nur ein Wollen, wie wir in unseren Seelen, sondern einen Woller: das ist wesenhaft. Was bei uns nur die drei Seelenkräfte: Vorstellen, Fühlen, Wollen sind, sind Wesen bei Gott, sind: der Gottschauer, der Gottverkünder, der Gottwoller. Und wenn man - Sie wissen ja, ich habe das öfter bei andern Gelegenheiten erwähnt, was mit Übersetzun gen alles geschehen ist im Laufe der Zeiten —, wenn man die alten hebräischen Ausdrücke nimmt, so entsprechen sie vollständig den Worten, die ich versuchte, hier zu prägen. Gewiß, Sie werden in keinem hebräischen Lexikon die Übersetzung dieser Worte so finden, aber wenn man sich einlebt in das, was gemeint war, so müßte man die alten hebräischen Worte mit diesen Worten heute eigentlich übersetzen, und zwar so, daß Gottschauer ganz dasselbe in unserer Sprache bedeutet wie Michael; Gottverkünder ganz dasselbe bedeutet wie Gabriel; Gottwoller ganz dasselbe bedeutet wie Raphael. Während wir in der physischen Welt wirken durch unsere drei Seelenkräfte, wirken die Wesen der höheren Hierarchien durch Wesenheiten selber. Indem wir wirken durch Vorstellen, Fühlen, Wollen, wirkt ein Gott durch Michael, Gabriel und Raphael. Und das bedeutet für einen Gott dasselbe: Ich wirke durch Michael, Gabriel, Raphael — was für unsere Seele bedeutet: Ich wirke durch Denken, Fühlen und Wollen. Diese Übersetzung: Ich wirke durch Denken, Fühlen und Wollen - in: Ich wirke durch Michael, Gabriel, Raphael, ist einfach die Übersetzung aus der Sprache der Menschen in die Sprache, die gesprochen werden sollte- wenn man die wirkliche Sprache, die dort herrscht, spricht — jenseits der Schwelle zur geistigen Welt. Wenn Sie sich einlassen auf manche Darstellungen der Bibel, so werden Sie übrigens überall fühlen können — wenn Sie einigermaßen sachgemäß fühlen und nicht so fühlen, wie es der heutigen Interpretation der Bibel, die eine Mißinterpretation in vieler Beziehung ist, entspricht —, Sie werden fühlen können, wie wirklich für Michael, Gabriel und Raphael dies hier gedacht werden muß.
Weisheit: Urteilskraft - Gottschauer; Michael
WesensoffenbarungSchönheit: Vorstellen — Gottverkünder: Gabriel
UrteilskraftGüte: Sympathie, Bejahen / Antipathie, Verneinen —
Gottwoller: Raphael
Weisheit: Urteilskraft - Gottschauer; Michael
WesensoffenbarungSchönheit: Vorstellen — Gottverkünder: Gabriel
UrteilskraftGüte: Sympathie, Bejahen / Antipathie, Verneinen —
Gottwoller: Raphael
[ 16 ] Denken Sie nun, dies zugrunde legend, zurück an die Art und Weise, wie Gabriel, Michael, Raphael aus Goethes «Prolog im Himmel» sprechen. Man kann nur sagen, man wird im Tiefsten erschüttert von der instinktiven Sicherheit, mit welcher in diesem «Prolog im Himmel» angedeutet wird, wie sich das wollende Wesen der Gottheit durch Raphael, das schauende Wesen der Gottheit durch Michael, das schönheitsvoll sich enthüllende Wesen der Gottheit, das sich offenbarende, sich verkündende Wesen der Gottheit durch Gabriel manifestiert. Das Wollen der Gottheit liegt im Sphärenzusammenklang, liegt in dem, was sich ausspricht in den großen Bewegungen der Himmelskörper und in dem, was da geschieht, währenddem die Himmelskörper sich bewegen:
[ 16 ] Denken Sie nun, dies zugrunde legend, zurück an die Art und Weise, wie Gabriel, Michael, Raphael aus Goethes «Prolog im Himmel» sprechen. Man kann nur sagen, man wird im Tiefsten erschüttert von der instinktiven Sicherheit, mit welcher in diesem «Prolog im Himmel» angedeutet wird, wie sich das wollende Wesen der Gottheit durch Raphael, das schauende Wesen der Gottheit durch Michael, das schönheitsvoll sich enthüllende Wesen der Gottheit, das sich offenbarende, sich verkündende Wesen der Gottheit durch Gabriel manifestiert. Das Wollen der Gottheit liegt im Sphärenzusammenklang, liegt in dem, was sich ausspricht in den großen Bewegungen der Himmelskörper und in dem, was da geschieht, währenddem die Himmelskörper sich bewegen:
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
[ 17 ] — man könnte auch sagen: Güte, die Stärke des übermoralischen Lebens jenseits der Schwelle. Daher bezeichnen manche auch die drei Seelenkräfte Weisheit, Schönheit, Güte als Weisheit, Schönheit, Stärke.
[ 17 ] — man könnte auch sagen: Güte, die Stärke des übermoralischen Lebens jenseits der Schwelle. Daher bezeichnen manche auch die drei Seelenkräfte Weisheit, Schönheit, Güte als Weisheit, Schönheit, Stärke.
Wenn keiner sie ergründen mag;
Wenn keiner sie ergründen mag;
[ 18 ] — man beißt sich die Zähne aus, wenn man versucht, die Faust-Kommentatoren an dieser Zeile festzuhalten: «Wenn keiner sie ergründen mag.» Die meisten sagen: O ja, Goethe hat eben gemeint, wennschon, oder wenngleich, oder obgleich keiner sie ergründen mag. Aber so spricht ein wirklich großer Dichter nicht — ich habe das schon öfter gerade Goethe gegenüber erwähnt —, so spricht ein großer Dichter nicht. Das Ergründen gehört zur Weisheit, wie sie lebt innerhalb der menschlichen physischen Welt. Jenseits der Schwelle ist alles ein Bekanntwerden mit geistigen Wesenheiten, denen man so entgegentritt, wie man hier Menschen entgegentritt, die auch ein Inneres behalten müssen, die man nicht ganz ergründen kann. Dieses Ergründen in dem Sinne, wie es hier auf Erden geschieht, das gibt es für die Engel gar nicht. Sie haben vor sich die geistige Wirklichkeit; sie ergründen nicht; sie schauen an, weil jedem auch zugeteilt ist etwas von der Schaukraft des Michael. Jeder hat etwas von der andern Kraft, so wie jede Seelenkraft etwas hat von der andern, zum Beispiel das Vorstellen etwas von dem Wollen, denn wenn wir beim Vorstellen nicht wollen könnten, so würden wir nur immer träumen und so weiter. So hat auch Raphael etwas von Michael und Gabriel in sich selbstverständlich.
[ 18 ] — man beißt sich die Zähne aus, wenn man versucht, die Faust-Kommentatoren an dieser Zeile festzuhalten: «Wenn keiner sie ergründen mag.» Die meisten sagen: O ja, Goethe hat eben gemeint, wennschon, oder wenngleich, oder obgleich keiner sie ergründen mag. Aber so spricht ein wirklich großer Dichter nicht — ich habe das schon öfter gerade Goethe gegenüber erwähnt —, so spricht ein großer Dichter nicht. Das Ergründen gehört zur Weisheit, wie sie lebt innerhalb der menschlichen physischen Welt. Jenseits der Schwelle ist alles ein Bekanntwerden mit geistigen Wesenheiten, denen man so entgegentritt, wie man hier Menschen entgegentritt, die auch ein Inneres behalten müssen, die man nicht ganz ergründen kann. Dieses Ergründen in dem Sinne, wie es hier auf Erden geschieht, das gibt es für die Engel gar nicht. Sie haben vor sich die geistige Wirklichkeit; sie ergründen nicht; sie schauen an, weil jedem auch zugeteilt ist etwas von der Schaukraft des Michael. Jeder hat etwas von der andern Kraft, so wie jede Seelenkraft etwas hat von der andern, zum Beispiel das Vorstellen etwas von dem Wollen, denn wenn wir beim Vorstellen nicht wollen könnten, so würden wir nur immer träumen und so weiter. So hat auch Raphael etwas von Michael und Gabriel in sich selbstverständlich.
Die unbegreiflich hohen Werke
[ 19 ] Sind herrlich wie am ersten Tag.
Die unbegreiflich hohen Werke
[ 19 ] Sind herrlich wie am ersten Tag.
[ 20 ] Versuchen Sie einmal, diese zwei Zeilen zu empfinden mit all den Empfindungen, die Sie haben können aus der Geisteswissenschaft!
[ 20 ] Versuchen Sie einmal, diese zwei Zeilen zu empfinden mit all den Empfindungen, die Sie haben können aus der Geisteswissenschaft!
Die unbegreiflich hohen Werke
Die unbegreiflich hohen Werke
[ 21 ] — die da beschrieben werden
[ 21 ] — die da beschrieben werden
Sind herrlich wie am ersten Tag.
Sind herrlich wie am ersten Tag.
[ 22 ] Was heißt denn das? Sie sind nicht herrlich wie an diesem Tag, herrlich wie am ersten Tag. So, wie sie dazumal herrlich, das heißt sich äußernd, sich offenbarend den Engeln entgegengetreten sind, sind sie noch - luziferisch. Denn was zurückgeblieben ist, ist ja luziferisch. Man muß wirklich die Empfindungen anwenden, die man sich erwirbt durch die Geisteswissenschaft. Luziferisch wie am ersten Tag leuchten die Sterne. Sie sind nicht fortgeschritten; sie behalten ihren ursprünglichen Charakter — wieder ein Grund, daß die Engel sie nicht ergründen, sondern anschauen. Für Engel ist das Luziferische anschaubar. Sie werden nicht schlecht dadurch, die Engel. Das Luziferische habe ich oftmals als eine Notwendigkeit in der Weltenentwickelung bezeichnet. Hier wird es Ihnen vorgeführt als etwas, dessen Anblick steht vor den Engeln: Luzifer -- nicht wie er für Menschen waltet —, wie er herrlich erhält die unbeschreiblich hohen Werke, wie sie am ersten Tag waren. Und hingeführt werden wir in erhabener Sprache dazu, daß uns gezeigt wird, wie sich das Luziferische im Weltenall auslebt, und die Engel es anschauen dürfen wie am ersten Tag. Da ist es berechtigt. Nur soll es sich nicht herabsenken in die physische Welt zu dem Menschen in der gewöhnlichen Weise, wie es oben lebt in der Welt, die jenseits der Schwelle ist. Und die Welt, die vom Weltenwillen durchbraust, durchdonnert ist, sie wird erst verkündet auf der Erde. Da oben soll sie unergründlich bleiben, da soll sie nicht ergründet werden. Hier die Erde mit den Kräften, die dem Menschen zuerteilt sind, die ist da, damit das für Engel Unergründliche
[ 22 ] Was heißt denn das? Sie sind nicht herrlich wie an diesem Tag, herrlich wie am ersten Tag. So, wie sie dazumal herrlich, das heißt sich äußernd, sich offenbarend den Engeln entgegengetreten sind, sind sie noch - luziferisch. Denn was zurückgeblieben ist, ist ja luziferisch. Man muß wirklich die Empfindungen anwenden, die man sich erwirbt durch die Geisteswissenschaft. Luziferisch wie am ersten Tag leuchten die Sterne. Sie sind nicht fortgeschritten; sie behalten ihren ursprünglichen Charakter — wieder ein Grund, daß die Engel sie nicht ergründen, sondern anschauen. Für Engel ist das Luziferische anschaubar. Sie werden nicht schlecht dadurch, die Engel. Das Luziferische habe ich oftmals als eine Notwendigkeit in der Weltenentwickelung bezeichnet. Hier wird es Ihnen vorgeführt als etwas, dessen Anblick steht vor den Engeln: Luzifer -- nicht wie er für Menschen waltet —, wie er herrlich erhält die unbeschreiblich hohen Werke, wie sie am ersten Tag waren. Und hingeführt werden wir in erhabener Sprache dazu, daß uns gezeigt wird, wie sich das Luziferische im Weltenall auslebt, und die Engel es anschauen dürfen wie am ersten Tag. Da ist es berechtigt. Nur soll es sich nicht herabsenken in die physische Welt zu dem Menschen in der gewöhnlichen Weise, wie es oben lebt in der Welt, die jenseits der Schwelle ist. Und die Welt, die vom Weltenwillen durchbraust, durchdonnert ist, sie wird erst verkündet auf der Erde. Da oben soll sie unergründlich bleiben, da soll sie nicht ergründet werden. Hier die Erde mit den Kräften, die dem Menschen zuerteilt sind, die ist da, damit das für Engel Unergründliche
[ 23 ] ergründet werde durch Menschenweisheit. Aber Gabriel, der Gottverkünder, das Wort Gottes, kann das nur so andeuten, wie er es von außerhalb der Erde schaut. Erinnern Sie sich an das tiefe Bibelwort: Vor dem Geheimnis der Menschwerdung verhüllten sie ihr Angesicht. In diesem tiefen Bibelwort liegt das Ganze von dem für die Engel Unergründlichen der Welten, die dem Menschen zugänglich sind durch die Weisheit, die auf Erden entwickelt wird. Und hier wird Engelsprache gesprochen im «Prolog im Himmel», deshalb charakterisiert Gabriel, der Gottverkünder, von außen dasjenige, was auf der Erde sich enthüllt als Weisheit.
[ 23 ] ergründet werde durch Menschenweisheit. Aber Gabriel, der Gottverkünder, das Wort Gottes, kann das nur so andeuten, wie er es von außerhalb der Erde schaut. Erinnern Sie sich an das tiefe Bibelwort: Vor dem Geheimnis der Menschwerdung verhüllten sie ihr Angesicht. In diesem tiefen Bibelwort liegt das Ganze von dem für die Engel Unergründlichen der Welten, die dem Menschen zugänglich sind durch die Weisheit, die auf Erden entwickelt wird. Und hier wird Engelsprache gesprochen im «Prolog im Himmel», deshalb charakterisiert Gabriel, der Gottverkünder, von außen dasjenige, was auf der Erde sich enthüllt als Weisheit.
Und schnell und unbegreiflich schnelle
Dreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt Paradieses-Helle
Mit tiefer schauervoller Nacht;
Und schnell und unbegreiflich schnelle
Dreht sich umher der Erde Pracht;
Es wechselt Paradieses-Helle
Mit tiefer schauervoller Nacht;
[ 24 ] So sieht es sich von außen an: das, in dem wir hier leben, das wir zu enträtseln versuchen, und das auf uns wirkt im Sinnesumkreis. Da draußen ist es der wunderbare Wechsel von Tag und Nacht.
[ 24 ] So sieht es sich von außen an: das, in dem wir hier leben, das wir zu enträtseln versuchen, und das auf uns wirkt im Sinnesumkreis. Da draußen ist es der wunderbare Wechsel von Tag und Nacht.
Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
Es schäumt das Meer in breiten Flüssen
[ 25 ] Davon hängt menschliches Wohl und Wehe ab; da draußen enthüllt es sich nur als dasjenige, was im Schäumen zusammensetzt die kugelige Erde.
[ 25 ] Davon hängt menschliches Wohl und Wehe ab; da draußen enthüllt es sich nur als dasjenige, was im Schäumen zusammensetzt die kugelige Erde.
Am tiefen Grund der Felsen auf,
Und Fels und Meer wird fortgerissen
In ewig schnellem Sphärenlauf.
Am tiefen Grund der Felsen auf,
Und Fels und Meer wird fortgerissen
In ewig schnellem Sphärenlauf.
[ 26 ] In dem ist unser ganzes, an unser Sinnesleben gebundenes Erdenschicksal gebunden. Der Gottverkünder zeichnet es von außerhalb der Erde.
[ 26 ] In dem ist unser ganzes, an unser Sinnesleben gebundenes Erdenschicksal gebunden. Der Gottverkünder zeichnet es von außerhalb der Erde.
[ 27 ] Und der Sinn der Erde, wie enthüllt er sich? Indem man nicht nur auf dasjenige blickt, was gültig ist für den menschlichen Sinnesumkreis, sondern auch auf dasjenige, was seine Wirkung hinaus ins Weltenall sendet. Gabriel schildert die Erde zwar so, wie sie sich von außen anschaut, aber er schildert das, was im Sinnesumkreis für den Menschen Bedeutung hat. Michael, der Gottschauer, schildert das, was hinausstrahlt in das Weltenall und auch für die Erdenumgebung, für die ganze Himmelssphäre seine Bedeutung hat. Daher beginnt er beim Umkreise, nicht unten, wo das Meer strömt, wo die Flüsse strömen, sondern beim
[ 27 ] Und der Sinn der Erde, wie enthüllt er sich? Indem man nicht nur auf dasjenige blickt, was gültig ist für den menschlichen Sinnesumkreis, sondern auch auf dasjenige, was seine Wirkung hinaus ins Weltenall sendet. Gabriel schildert die Erde zwar so, wie sie sich von außen anschaut, aber er schildert das, was im Sinnesumkreis für den Menschen Bedeutung hat. Michael, der Gottschauer, schildert das, was hinausstrahlt in das Weltenall und auch für die Erdenumgebung, für die ganze Himmelssphäre seine Bedeutung hat. Daher beginnt er beim Umkreise, nicht unten, wo das Meer strömt, wo die Flüsse strömen, sondern beim
[ 28 ] Umkreise. Er schaut den Umkreis.
[ 28 ] Umkreise. Er schaut den Umkreis.
Und Stürme brausen um die Wette,
Und Stürme brausen um die Wette,
[ 29 ] Ein tiefes Wort!
[ 29 ] Ein tiefes Wort!
Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,
Und bilden wütend eine Kette
Der tiefsten Wirkung rings umher.
Vom Meer aufs Land, vom Land aufs Meer,
Und bilden wütend eine Kette
Der tiefsten Wirkung rings umher.
[ 30 ] Stellen Sie sich nur einmal vor, von außen gesehen, sagen wir, die Passatwinde, die in regelmäßigen Strömen da draußen walten. Unsere beschränkte Naturwissenschaft schildert das alles so, was in diesen atmosphärischen Erscheinungen vor sich geht, aber sie ist eben beschränkt, diese Naturwissenschaft. Wenn man die Regelmäßigkeiten in der atmosphärischen Erscheinung untersucht, so kommt man auf einen tiefen Zusammenhang zwischen diesen regelmäßigen atmosphärischen Erscheinungen und den Mondesphasen, den Mondeserscheinungen, aber nicht deshalb, weil der Mond dasjenige bewirkt, was in der Atmosphäre vor sich geht, sondern weil in gleichem Maße, parallel gehend, die alten Mondengesetze den Mond heute noch beherrschen, und die atmosphärischen Erscheinungen auch von den alten Mondengesetzen noch zurückgeblieben sind. Nicht daß der Mond die atmosphärischen Erscheinungen und Ebbe und Flut beherrscht, sondern beide werden von weit zurückgehenden Ursachen gleich beherrscht, parallel beherrscht. Was so in der Atmosphäre vor sich geht, hat deshalb nicht nur eine Bedeutung für dasjenige, was auf Menschen wirkt im Sinnesumkreis, sondern es hat auch eine Bedeutung für dasjenige, was draußen im Weltenall geschieht. Wir schauen hinauf zum Blitz, wir hören den Donner. Aber auch die Götter schauen den Blitz und hören den Donner von der andern Seite aus. Und der bedeutet für sie noch etwas ganz anderes — davon kann ein anderes Mal gesprochen werden - als für uns Menschen hier, die gerade Blitz und Donner nicht verstehen. Aber der Gottschauer Michael versteht von der Erde gerade dasjenige, was sich nach der andern Seite hin in Blitz und Donner auslebt, was hier von mir geschildert worden ist -— erinnern Sie sich an den ersten Vortrag, den ich hier in diesem Sommer wieder gehalten habe - als das Unterirdische der Menschenseele, als die Gewitterstürme der Menschenseele, die ich Ihnen auseinandergesetzt habe an dem Charakter des jung verstorbenen Weininger. Was diesen Gewitterstürmen in der menschlichen Seele, in der Atmosphäre entspricht, es wirkt hinaus. Und wie dasjenige, was in uns die Seelenstürme sind, harmonisiert, gemildert ist, wenn wir es übergießen mit unseren höheren Seelenkräften, so wird für die Welt draußen dasjenige, das hier in unserer Atmosphäre stürmt und donnert und unregelmäßig ist in der Meteorologie, nach dem Weltenall hinaus regelmäßig, harmonisch. So wie wir, wenn wir uns entwickeln, nicht bleiben bei den Ungewittern, sondern zum Harmonischen des Seelenlebens vorschreiten. Da unten walten Blitz und Donner
[ 30 ] Stellen Sie sich nur einmal vor, von außen gesehen, sagen wir, die Passatwinde, die in regelmäßigen Strömen da draußen walten. Unsere beschränkte Naturwissenschaft schildert das alles so, was in diesen atmosphärischen Erscheinungen vor sich geht, aber sie ist eben beschränkt, diese Naturwissenschaft. Wenn man die Regelmäßigkeiten in der atmosphärischen Erscheinung untersucht, so kommt man auf einen tiefen Zusammenhang zwischen diesen regelmäßigen atmosphärischen Erscheinungen und den Mondesphasen, den Mondeserscheinungen, aber nicht deshalb, weil der Mond dasjenige bewirkt, was in der Atmosphäre vor sich geht, sondern weil in gleichem Maße, parallel gehend, die alten Mondengesetze den Mond heute noch beherrschen, und die atmosphärischen Erscheinungen auch von den alten Mondengesetzen noch zurückgeblieben sind. Nicht daß der Mond die atmosphärischen Erscheinungen und Ebbe und Flut beherrscht, sondern beide werden von weit zurückgehenden Ursachen gleich beherrscht, parallel beherrscht. Was so in der Atmosphäre vor sich geht, hat deshalb nicht nur eine Bedeutung für dasjenige, was auf Menschen wirkt im Sinnesumkreis, sondern es hat auch eine Bedeutung für dasjenige, was draußen im Weltenall geschieht. Wir schauen hinauf zum Blitz, wir hören den Donner. Aber auch die Götter schauen den Blitz und hören den Donner von der andern Seite aus. Und der bedeutet für sie noch etwas ganz anderes — davon kann ein anderes Mal gesprochen werden - als für uns Menschen hier, die gerade Blitz und Donner nicht verstehen. Aber der Gottschauer Michael versteht von der Erde gerade dasjenige, was sich nach der andern Seite hin in Blitz und Donner auslebt, was hier von mir geschildert worden ist -— erinnern Sie sich an den ersten Vortrag, den ich hier in diesem Sommer wieder gehalten habe - als das Unterirdische der Menschenseele, als die Gewitterstürme der Menschenseele, die ich Ihnen auseinandergesetzt habe an dem Charakter des jung verstorbenen Weininger. Was diesen Gewitterstürmen in der menschlichen Seele, in der Atmosphäre entspricht, es wirkt hinaus. Und wie dasjenige, was in uns die Seelenstürme sind, harmonisiert, gemildert ist, wenn wir es übergießen mit unseren höheren Seelenkräften, so wird für die Welt draußen dasjenige, das hier in unserer Atmosphäre stürmt und donnert und unregelmäßig ist in der Meteorologie, nach dem Weltenall hinaus regelmäßig, harmonisch. So wie wir, wenn wir uns entwickeln, nicht bleiben bei den Ungewittern, sondern zum Harmonischen des Seelenlebens vorschreiten. Da unten walten Blitz und Donner
Doch deine Boten,
Doch deine Boten,
[ 31 ] - die Engel —
[ 31 ] - die Engel —
Herr, verehren
Das sanfte Wandeln deines Tags.
Herr, verehren
Das sanfte Wandeln deines Tags.
[ 32 ] Da gliedert sich alles zum Sanften, zum Harmonischen zusammen, von der Sphäre der Engel aus draußen gesehen.
[ 32 ] Da gliedert sich alles zum Sanften, zum Harmonischen zusammen, von der Sphäre der Engel aus draußen gesehen.
Der Anblick gibt den Engeln Stärke,
Der Anblick gibt den Engeln Stärke,
[ 33 ] - das heißt, er bestärkt ihr Wollen
[ 33 ] - das heißt, er bestärkt ihr Wollen
Da keiner dich ergründen mag,
Da keiner dich ergründen mag,
[ 34 ] — um das Ergründen handelt es sich eben da nicht, sondern um das Anschauen!
[ 34 ] — um das Ergründen handelt es sich eben da nicht, sondern um das Anschauen!
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.
[ 35 ] Das heißt: sie sind luziferisch, sie sind für Engel da, sie sollen nur nicht in derselben Weise herein auf den Menschen wirken. Luzifer ist das Unberechtigte in der Menschenwelt, insoferne als er seinen berechtigten Schauplatz draußen für die geistige Welt hereinverlegt in die Menschenwelt und da dieselben Gesetze anwendet, die er nur anwenden sollte draußen in der geistigen Welt.
[ 35 ] Das heißt: sie sind luziferisch, sie sind für Engel da, sie sollen nur nicht in derselben Weise herein auf den Menschen wirken. Luzifer ist das Unberechtigte in der Menschenwelt, insoferne als er seinen berechtigten Schauplatz draußen für die geistige Welt hereinverlegt in die Menschenwelt und da dieselben Gesetze anwendet, die er nur anwenden sollte draußen in der geistigen Welt.
[ 36 ] Und erinnern Sie sich, wie ich auseinandergesetzt habe in andern Vorträgen anlehnend an Goethes «Faust» das Unklare, das noch in Goethe steckte, als er den «Faust» dichtete. Ich sagte Ihnen dazumal, Goethe hielt noch nicht ordentlich auseinander Luzifer und Ahriman. Mephistopheles ist eigentlich Ahriman, der nur in anderer Weise als Luzifer zurückgeblieben ist. Aber diese Unterscheidung ist erst gegeben durch die neuere Geisteswissenschaft. Goethe verwechselt fortwährend Luzifer und Ahriman, wirft sie durcheinander, so daß sein Mephistopheles wirklich in dieser Beziehung ein verworrenes Gebilde ist, luziferische und ahrimanische Züge hat. Würde Goethe schon die Geisteswissenschaft gehabt haben, so würde diese heillose Verwirrung in bezug auf den Charakter des Mephistopheles allerdings nicht auftreten. Ich habe schon dazumal gesagt: Ich bitte, mich nicht anzuklagen, daß ich Goethe nicht genügend verehre, oder kleinlich philiströs kritisiere, weil ich dieses sage. - Dadurch, daß man die Wahrheit sagt, steht man in der Verehrung irgendeines Genius wahrhaftig nicht geringer da, als wenn man bloß lobhudelt. Ich glaube, daß mich niemand einer geringen Goethe-Verehrung anklagen kann nach dem, was ich über Goethe geschrieben habe, gesagt habe. Aber daß sein Mephistopheles ein verworrener geistiger Charakter ist, das muß ich immer betonen, wenn ich aus dem Impuls der Geisteswissenschaft heraus spreche. Hätte Goethe das ganz Richtige gewußt, so wäre nach dem Vers:
[ 36 ] Und erinnern Sie sich, wie ich auseinandergesetzt habe in andern Vorträgen anlehnend an Goethes «Faust» das Unklare, das noch in Goethe steckte, als er den «Faust» dichtete. Ich sagte Ihnen dazumal, Goethe hielt noch nicht ordentlich auseinander Luzifer und Ahriman. Mephistopheles ist eigentlich Ahriman, der nur in anderer Weise als Luzifer zurückgeblieben ist. Aber diese Unterscheidung ist erst gegeben durch die neuere Geisteswissenschaft. Goethe verwechselt fortwährend Luzifer und Ahriman, wirft sie durcheinander, so daß sein Mephistopheles wirklich in dieser Beziehung ein verworrenes Gebilde ist, luziferische und ahrimanische Züge hat. Würde Goethe schon die Geisteswissenschaft gehabt haben, so würde diese heillose Verwirrung in bezug auf den Charakter des Mephistopheles allerdings nicht auftreten. Ich habe schon dazumal gesagt: Ich bitte, mich nicht anzuklagen, daß ich Goethe nicht genügend verehre, oder kleinlich philiströs kritisiere, weil ich dieses sage. - Dadurch, daß man die Wahrheit sagt, steht man in der Verehrung irgendeines Genius wahrhaftig nicht geringer da, als wenn man bloß lobhudelt. Ich glaube, daß mich niemand einer geringen Goethe-Verehrung anklagen kann nach dem, was ich über Goethe geschrieben habe, gesagt habe. Aber daß sein Mephistopheles ein verworrener geistiger Charakter ist, das muß ich immer betonen, wenn ich aus dem Impuls der Geisteswissenschaft heraus spreche. Hätte Goethe das ganz Richtige gewußt, so wäre nach dem Vers:
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag
Und alle deine hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag
[ 37 ] zunächst Luzifer aufgetreten, derjenige, der wirkt durch den Schein der Sphärenwelt, durch das Schöne der Sphärenwelt hindurch. Luzifer stünde da. Und weil Luzifer zu seinem Gefährten den Ahriman hat, den Mephistopheles — was dasselbe ist wie Ahriman -, so würde Mephistopheles dann hinzutreten, oder Luzifer würde abtreten, und Mephistopheles würde auftreten. Das würde Goethe gemacht haben, wenn er Geisteswissenschaft schon in der heutigen Gestalt gehabt hätte. Wir hätten zunächst einen roten Luzifer heute gesehen und dann erst den grauschwarzen Ahriman, den grauschwarzen Mephistopheles. Aber Goethe ist nicht so weit gekommen. Daher läßt er bloß den Mephistopheles auftreten, der in seiner Art auch die zurückgebliebenen Eigenschaften, die droben in der geistigen Welt wirken sollen und nicht in menschlicher Weise herein ins Menschenleben wirken sollen, in sich vereinigt. Goethe hat das gefühlt, richtig gefühlt. Daher stimmt auch nicht alles so recht bei diesem Mephistopheles und stimmt doch wieder. Das Gefühl wirkt hier viel sicherer, als Goethes Anschauung schon gewirkt hat. Vieles von dem, was an Faust als Versuchung herantritt, ist wirklich von Mephistopheles her, aber anderes, das kann sich nicht recht auf Mephistopheles beziehen. Daß Faust in niederen Leidenschaften Versuchung finden soll, das kann nicht recht von Ahriman kommen, das kann nur von Luzifer kommen. Und als Ahriman-Mephistopheles das sagt, da erinnert sich Goethe, unterbewußt, daß das so nicht recht geht. Da müßte eigentlich Mephistopheles den Luzifer an seiner Seite haben. Daher sagt auch Mephistopheles: «Staub soll er fressen», das heißt, in niederen Leidenschaften soll er leben, «wie meine Muhme, die berühmte Schlange». Das ist Luzifer. Da erinnert er an seine Muhme, an die gute Tante Luzifer!' Da haben Sie die Reminiszenz an den Luzifer, der eigentlich da sein soll.
[ 37 ] zunächst Luzifer aufgetreten, derjenige, der wirkt durch den Schein der Sphärenwelt, durch das Schöne der Sphärenwelt hindurch. Luzifer stünde da. Und weil Luzifer zu seinem Gefährten den Ahriman hat, den Mephistopheles — was dasselbe ist wie Ahriman -, so würde Mephistopheles dann hinzutreten, oder Luzifer würde abtreten, und Mephistopheles würde auftreten. Das würde Goethe gemacht haben, wenn er Geisteswissenschaft schon in der heutigen Gestalt gehabt hätte. Wir hätten zunächst einen roten Luzifer heute gesehen und dann erst den grauschwarzen Ahriman, den grauschwarzen Mephistopheles. Aber Goethe ist nicht so weit gekommen. Daher läßt er bloß den Mephistopheles auftreten, der in seiner Art auch die zurückgebliebenen Eigenschaften, die droben in der geistigen Welt wirken sollen und nicht in menschlicher Weise herein ins Menschenleben wirken sollen, in sich vereinigt. Goethe hat das gefühlt, richtig gefühlt. Daher stimmt auch nicht alles so recht bei diesem Mephistopheles und stimmt doch wieder. Das Gefühl wirkt hier viel sicherer, als Goethes Anschauung schon gewirkt hat. Vieles von dem, was an Faust als Versuchung herantritt, ist wirklich von Mephistopheles her, aber anderes, das kann sich nicht recht auf Mephistopheles beziehen. Daß Faust in niederen Leidenschaften Versuchung finden soll, das kann nicht recht von Ahriman kommen, das kann nur von Luzifer kommen. Und als Ahriman-Mephistopheles das sagt, da erinnert sich Goethe, unterbewußt, daß das so nicht recht geht. Da müßte eigentlich Mephistopheles den Luzifer an seiner Seite haben. Daher sagt auch Mephistopheles: «Staub soll er fressen», das heißt, in niederen Leidenschaften soll er leben, «wie meine Muhme, die berühmte Schlange». Das ist Luzifer. Da erinnert er an seine Muhme, an die gute Tante Luzifer!' Da haben Sie die Reminiszenz an den Luzifer, der eigentlich da sein soll.
[ 38 ] Sie sehen, ungeheuer tiefe Weltengeheimnisse stecken in diesem «Prolog im Himmel», womit ich nicht sagen will, daß Goethe diese so darstellen wollte, wie wir sie heute in der Geisteswissenschaft empfinden. Aber die instinktive Weisheit ist oftmals viel tiefer als die offenbare. Und in alten Zeiten gab es nur instinktive Weisheit, und die war wahrhaftig eine höhere Weisheit als diejenige, welche heute die beschränkte Naturwissenschaft produziert.
[ 38 ] Sie sehen, ungeheuer tiefe Weltengeheimnisse stecken in diesem «Prolog im Himmel», womit ich nicht sagen will, daß Goethe diese so darstellen wollte, wie wir sie heute in der Geisteswissenschaft empfinden. Aber die instinktive Weisheit ist oftmals viel tiefer als die offenbare. Und in alten Zeiten gab es nur instinktive Weisheit, und die war wahrhaftig eine höhere Weisheit als diejenige, welche heute die beschränkte Naturwissenschaft produziert.
[ 39 ] So ist denn Mephistopheles-Ahriman hereingekommen in die physische Welt, wo er nicht sein sollte. Es stimmt auch schlecht zusammen dasjenige, was er zu sagen hat, mit der physischen Welt und den Intentionen, welche die Gottheit in der physischen Welt hat. Er will regieren auf der Welt, aber er findet alles «herzlich schlecht». Er muß anders sein als die andern, als die echten Göttersöhne, denn er soll hier in der physischen Welt sein, wo die Werke ergründet werden sollen. Da der Mephistopheles überhaupt in die physische Welt hereingeht, so gilt für ihn nicht das Wort, daß er die Welt nicht ergründen soll, er muß sie ergründen. Nur ist er auf der Erde eine Halbnatur, er gehört als Geisteswesen nicht eigentlich herein. Er müßte ergründen — und kann nicht ergründen. Daher findet er alles «herzlich schlecht». Inwiefern er zum Schaffen da ist, davon wollen wir noch morgen sprechen im Zusammenhange mit andern Lehren der Geisteswissenschaft. Heute wollen wir nur dieses noch sagen.
[ 39 ] So ist denn Mephistopheles-Ahriman hereingekommen in die physische Welt, wo er nicht sein sollte. Es stimmt auch schlecht zusammen dasjenige, was er zu sagen hat, mit der physischen Welt und den Intentionen, welche die Gottheit in der physischen Welt hat. Er will regieren auf der Welt, aber er findet alles «herzlich schlecht». Er muß anders sein als die andern, als die echten Göttersöhne, denn er soll hier in der physischen Welt sein, wo die Werke ergründet werden sollen. Da der Mephistopheles überhaupt in die physische Welt hereingeht, so gilt für ihn nicht das Wort, daß er die Welt nicht ergründen soll, er muß sie ergründen. Nur ist er auf der Erde eine Halbnatur, er gehört als Geisteswesen nicht eigentlich herein. Er müßte ergründen — und kann nicht ergründen. Daher findet er alles «herzlich schlecht». Inwiefern er zum Schaffen da ist, davon wollen wir noch morgen sprechen im Zusammenhange mit andern Lehren der Geisteswissenschaft. Heute wollen wir nur dieses noch sagen.
[ 40 ] Also dieser Ahriman-Mephistopheles ist hier in der physischen Welt anders als die echten Göttersöhne. Er muß hier wirklich zu etwas anderem verwendet werden. Er muß auf das in der physischen Welt Wirkliche wirken, anders die echten Göttersöhne. Die müssen in ihren Vorstellungen nicht das Irdisch-Wirkliche haben. Die müssen sich erfreuen an der «lebendig reichen Schöne», der Schönheit in ihren Vorstellungen. Da ist Diskrepanz zwischen den Engeln, den echten Göttersöhnen, und dem Ahriman, dem Mephistopheles. Für sie gilt: die Engel können es nicht so machen wie der Mephistopheles, sie erfreuen sich an der lebendig reichen Schöne.
[ 40 ] Also dieser Ahriman-Mephistopheles ist hier in der physischen Welt anders als die echten Göttersöhne. Er muß hier wirklich zu etwas anderem verwendet werden. Er muß auf das in der physischen Welt Wirkliche wirken, anders die echten Göttersöhne. Die müssen in ihren Vorstellungen nicht das Irdisch-Wirkliche haben. Die müssen sich erfreuen an der «lebendig reichen Schöne», der Schönheit in ihren Vorstellungen. Da ist Diskrepanz zwischen den Engeln, den echten Göttersöhnen, und dem Ahriman, dem Mephistopheles. Für sie gilt: die Engel können es nicht so machen wie der Mephistopheles, sie erfreuen sich an der lebendig reichen Schöne.
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken.
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken.
[ 41 ] Hier ist so ziemlich die tiefste Stelle des Prologs. Erinnern Sie sich, was wir von dem Kosmos der Weisheit und dem Kosmos der Liebe gesagt haben. Und erinnern Sie sich noch einmal an das Wort: Sie verhüllten ihr Angesicht vor dem Geheimnis der Menschwerdung. — Die Liebe lebt nicht so für die Göttersöhne der Weisheit wie für den Menschen: sie sind Wesen innerhalb der Weisheit; da sind Schranken für die echten Göttersöhne. Und indem sie in der großen Maja, in der Herrlichkeit der luziferischen Welt leben, weben sie ein die «dauernden Gedanken», die wiederum Wesen sind, nicht abstrakte Ideen, die Kräfte sind, nicht bloße Gedanken.
[ 41 ] Hier ist so ziemlich die tiefste Stelle des Prologs. Erinnern Sie sich, was wir von dem Kosmos der Weisheit und dem Kosmos der Liebe gesagt haben. Und erinnern Sie sich noch einmal an das Wort: Sie verhüllten ihr Angesicht vor dem Geheimnis der Menschwerdung. — Die Liebe lebt nicht so für die Göttersöhne der Weisheit wie für den Menschen: sie sind Wesen innerhalb der Weisheit; da sind Schranken für die echten Göttersöhne. Und indem sie in der großen Maja, in der Herrlichkeit der luziferischen Welt leben, weben sie ein die «dauernden Gedanken», die wiederum Wesen sind, nicht abstrakte Ideen, die Kräfte sind, nicht bloße Gedanken.
[ 42 ] Es ist eigentlich ganz merkwürdig, wie im Jahre 1797 dieser «Prolog im Himmel» gedichtet worden ist, man möchte sagen, nicht in der Sprache der Menschen, sondern in der Sprache der Götter, und wie die Menschheit lange brauchen wird, um alle Tiefen dieses Prologs auszumessen. Es ist, glaube ich, möglich, ein wenig sich hineinzuversetzen in die Gefühle, die in Goethe lebten, als er, durch Schiller angefeuert, 1797 wieder daranging, den «Faust» fortzusetzen, den er vor Jahren begonnen hatte. Es begann da: «Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei» und so weiter «studiert». Dann fehlen die drei Teile: «Zueignung», «Vorspiel auf dem Theater», «Prolog im Himmel». Dann fehlte der ganze Österspaziergang. Einige Szenen wurden dann während der italienischen Reise 1787 geschrieben, und unter Schillers Anfeuerung ging Goethe wieder daran. Da mochte er wohl zurückdenken an die Zeit, wo er den «Faust» noch nicht so tief genommen hatte, wo er ihn nur genommen hatte, wenn auch schon sehr tief, als den, der strebt aus der Welt der physischen Wirklichkeit heraus über die Schwelle, hinein in die geistige Welt, zum Erdgeist und so weiter. Aber er konnte ihn dazumal, er, der zwanzigjährige Goethe, nicht so nehmen, wie er ihn jetzt nahm am Ende des Jahrhunderts, 1797, wo er selber fühlte, daß er vieles von dem wirklich nicht in abstrakter Art verstand, was er im «Prolog im Himmel» auszusprechen hatte. Denn da herrscht die Sprache der Engel. Da hätten sich schon diejenigen, die die ersten Gesänge des «Faust» gehört haben, so mit Goethe entwickeln müssen, wie sich Goethe selber entwickelt hat, wenn sie hätten verstehen wollen, was aus der ganzen reichen Welt des «Faust» in Goethes Seele bis zum Jahre 1797 geworden ist. Es ist etwas anderes geworden. In einer höheren Sphäre erschien ihm das, was er als junger Mensch geschaffen hatte. Er mußte zum Teil etwas empfinden von jenem Hinunterschauen aus der Geistersphäre von jenseits der Schwelle in die irdische Welt, in der auch der Faust wandelte, der da sagt: «Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei ...» und so weiter «. ... durchaus studiert mit heißem Bemühn.» Da konnte schon Goethe sagen, er habe damals mit den Genossen etwas anderes genossen als dasjenige, was ihm jetzt geworden ist. Und fühlen mochte er etwas von dem, wie wenig man ihn verstehen werde. Denn Goethe hat schon gefühlt, vom Ende der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts ab, daß etwas kommen muß wie eine geistige Wissenschaft, wenn das voll verstanden werden soll, was er instinktiv empfunden und gefühlt hat als Weltenweisheit und Weltenschönheit und Weltenstärke.
[ 42 ] Es ist eigentlich ganz merkwürdig, wie im Jahre 1797 dieser «Prolog im Himmel» gedichtet worden ist, man möchte sagen, nicht in der Sprache der Menschen, sondern in der Sprache der Götter, und wie die Menschheit lange brauchen wird, um alle Tiefen dieses Prologs auszumessen. Es ist, glaube ich, möglich, ein wenig sich hineinzuversetzen in die Gefühle, die in Goethe lebten, als er, durch Schiller angefeuert, 1797 wieder daranging, den «Faust» fortzusetzen, den er vor Jahren begonnen hatte. Es begann da: «Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei» und so weiter «studiert». Dann fehlen die drei Teile: «Zueignung», «Vorspiel auf dem Theater», «Prolog im Himmel». Dann fehlte der ganze Österspaziergang. Einige Szenen wurden dann während der italienischen Reise 1787 geschrieben, und unter Schillers Anfeuerung ging Goethe wieder daran. Da mochte er wohl zurückdenken an die Zeit, wo er den «Faust» noch nicht so tief genommen hatte, wo er ihn nur genommen hatte, wenn auch schon sehr tief, als den, der strebt aus der Welt der physischen Wirklichkeit heraus über die Schwelle, hinein in die geistige Welt, zum Erdgeist und so weiter. Aber er konnte ihn dazumal, er, der zwanzigjährige Goethe, nicht so nehmen, wie er ihn jetzt nahm am Ende des Jahrhunderts, 1797, wo er selber fühlte, daß er vieles von dem wirklich nicht in abstrakter Art verstand, was er im «Prolog im Himmel» auszusprechen hatte. Denn da herrscht die Sprache der Engel. Da hätten sich schon diejenigen, die die ersten Gesänge des «Faust» gehört haben, so mit Goethe entwickeln müssen, wie sich Goethe selber entwickelt hat, wenn sie hätten verstehen wollen, was aus der ganzen reichen Welt des «Faust» in Goethes Seele bis zum Jahre 1797 geworden ist. Es ist etwas anderes geworden. In einer höheren Sphäre erschien ihm das, was er als junger Mensch geschaffen hatte. Er mußte zum Teil etwas empfinden von jenem Hinunterschauen aus der Geistersphäre von jenseits der Schwelle in die irdische Welt, in der auch der Faust wandelte, der da sagt: «Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei ...» und so weiter «. ... durchaus studiert mit heißem Bemühn.» Da konnte schon Goethe sagen, er habe damals mit den Genossen etwas anderes genossen als dasjenige, was ihm jetzt geworden ist. Und fühlen mochte er etwas von dem, wie wenig man ihn verstehen werde. Denn Goethe hat schon gefühlt, vom Ende der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts ab, daß etwas kommen muß wie eine geistige Wissenschaft, wenn das voll verstanden werden soll, was er instinktiv empfunden und gefühlt hat als Weltenweisheit und Weltenschönheit und Weltenstärke.
Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen ach! der erste Widerklang.
Sie hören nicht die folgenden Gesänge,
Die Seelen, denen ich die ersten sang;
Zerstoben ist das freundliche Gedränge,
Verklungen ach! der erste Widerklang.
[ 43 ] Widerklang aus den Seelen, denen er die ersten Szenen des «Faust», die er als Zwanzigjähriger gedichtet hat, vorgelesen hat: der erste Widerklang. Verständnis allerdings dazumal — denn auch diese Zeit ist jetzt schon dahin in der Zeit des Materialismus —, Verständnis allerdings für das Übertreten der Schwelle bei einem Charakter, wie es der Faust war, Verständnis für das Appellieren an den Erdgeist, der da «webt und lebt in Lebensfluten, im Tatensturm». Aber ein Stehenbleiben bei diesem Verständnis, ein Nicht-aufsteigen-Können zu dem, wozu sich Goethe hindurchringen mußte. Daher - nunmehr, wo eine Engelsprache waltet und das Ganze von einem andern Gesichtspunkte angesehen wird — nicht mehr der alte Widerklang. Verklungen, ach! — dieser alte Widerklang! Zerstoben die Seelen, für die er die ersten Gesänge gesungen hat. Jenes Leid, das jeder durchmacht, der die geistige Welt wirklich anschauen will, Goethe kannte es und wußte, daß er mit diesem Leide in seiner Zeit einsam stand.
[ 43 ] Widerklang aus den Seelen, denen er die ersten Szenen des «Faust», die er als Zwanzigjähriger gedichtet hat, vorgelesen hat: der erste Widerklang. Verständnis allerdings dazumal — denn auch diese Zeit ist jetzt schon dahin in der Zeit des Materialismus —, Verständnis allerdings für das Übertreten der Schwelle bei einem Charakter, wie es der Faust war, Verständnis für das Appellieren an den Erdgeist, der da «webt und lebt in Lebensfluten, im Tatensturm». Aber ein Stehenbleiben bei diesem Verständnis, ein Nicht-aufsteigen-Können zu dem, wozu sich Goethe hindurchringen mußte. Daher - nunmehr, wo eine Engelsprache waltet und das Ganze von einem andern Gesichtspunkte angesehen wird — nicht mehr der alte Widerklang. Verklungen, ach! — dieser alte Widerklang! Zerstoben die Seelen, für die er die ersten Gesänge gesungen hat. Jenes Leid, das jeder durchmacht, der die geistige Welt wirklich anschauen will, Goethe kannte es und wußte, daß er mit diesem Leide in seiner Zeit einsam stand.
Mein Leid ertönt der unbekannten Menge.
Mein Leid ertönt der unbekannten Menge.
[ 44 ] Das ist heute noch nicht viel anders, als daß einem bange machen könnte der Beifall, den die Leute dem «Faust» spenden. Denn was hören die Menschen heute noch von den tiefen Weistümern, die im «Faust» walten, viel mehr als Äußerlichkeiten!?
[ 44 ] Das ist heute noch nicht viel anders, als daß einem bange machen könnte der Beifall, den die Leute dem «Faust» spenden. Denn was hören die Menschen heute noch von den tiefen Weistümern, die im «Faust» walten, viel mehr als Äußerlichkeiten!?
[ 45 ] Goethe aber mochte sagen, wenn er jetzt empfand, daß er sein Lied emporheben mußte, das Lied von seinem Leid, in die Sphäre des Geisterreiches: Was mir früher Wirklichkeit war, es entschwebt weit in Weiten, und was verschwand früher, das wird zu Wirklichkeiten — das stille, ernste Geisterreich, demgegenüber man sich mit jenem Schauer naht, den man empfindet, wenn man etwas ahnt von der ganz andern Gestalt, welche die Welt hat jenseits der Schwelle und diesseits der Schwelle. Daher ist aus einem tiefen Empfinden der Zukunftsmöglichkeiten bei Goethe auch diese «Zueignung» entsprungen. Könnte Geisteswissenschaft auch in solchen Fällen menschliche Herzen vertiefen, daß sie das, was tief genommen werden muß, auch wirklich tief zu nehmen vermögen, so erfüllte Geisteswissenschaft eine ihrer Aufgaben. Denn wahr, tief wahr ist das Wort, das ich erst kürzlich hier angeführt habe: «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht», das heißt als jener Tag, der uns nur die physisch-sinnliche Umwelt zeigt. Die Welt ist tief, wie sie uns geoffenbart wird von jener Nacht, die dem physischen Tag gegenüber zwar Nacht und Finsternis ist, in die wir aber jenes Licht hineintragen, das wir in unserer eigenen Seele entzünden als Leuchte, und die wir dann selber zu erleuchten haben. Die Welt ist tief, und sie muß ergründet werden von einem Lichte, das wir uns durch unser geistiges Streben erst entzünden, damit es scheinen könne in der geistigen Welt. Dann wird es so scheinen, wie das Licht im ewig Werdenden, das wirkt und lebt und in dem sich die Wesen der höheren Welt zu ergehen haben, damit ihnen offenbar werde, was sie brauchen, um zu befestigen mit dauernden Gedanken das, was in schwankender Erscheinung schwebt.
[ 45 ] Goethe aber mochte sagen, wenn er jetzt empfand, daß er sein Lied emporheben mußte, das Lied von seinem Leid, in die Sphäre des Geisterreiches: Was mir früher Wirklichkeit war, es entschwebt weit in Weiten, und was verschwand früher, das wird zu Wirklichkeiten — das stille, ernste Geisterreich, demgegenüber man sich mit jenem Schauer naht, den man empfindet, wenn man etwas ahnt von der ganz andern Gestalt, welche die Welt hat jenseits der Schwelle und diesseits der Schwelle. Daher ist aus einem tiefen Empfinden der Zukunftsmöglichkeiten bei Goethe auch diese «Zueignung» entsprungen. Könnte Geisteswissenschaft auch in solchen Fällen menschliche Herzen vertiefen, daß sie das, was tief genommen werden muß, auch wirklich tief zu nehmen vermögen, so erfüllte Geisteswissenschaft eine ihrer Aufgaben. Denn wahr, tief wahr ist das Wort, das ich erst kürzlich hier angeführt habe: «Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht», das heißt als jener Tag, der uns nur die physisch-sinnliche Umwelt zeigt. Die Welt ist tief, wie sie uns geoffenbart wird von jener Nacht, die dem physischen Tag gegenüber zwar Nacht und Finsternis ist, in die wir aber jenes Licht hineintragen, das wir in unserer eigenen Seele entzünden als Leuchte, und die wir dann selber zu erleuchten haben. Die Welt ist tief, und sie muß ergründet werden von einem Lichte, das wir uns durch unser geistiges Streben erst entzünden, damit es scheinen könne in der geistigen Welt. Dann wird es so scheinen, wie das Licht im ewig Werdenden, das wirkt und lebt und in dem sich die Wesen der höheren Welt zu ergehen haben, damit ihnen offenbar werde, was sie brauchen, um zu befestigen mit dauernden Gedanken das, was in schwankender Erscheinung schwebt.
[ 46 ] Von diesem Punkte aus wollen wir dann morgen in unserer Betrachtung weitergehen.
[ 46 ] Von diesem Punkte aus wollen wir dann morgen in unserer Betrachtung weitergehen.
[ 47 ] Ich möchte nur noch unsere Basler Freunde bitten, morgen keine Kinder mitzubringen. Wir müssen, weil ja diese Szene sich wirklich durch die Anwesenheit der Ihnen heute vorgestellten Persönlichkeit aus der Hölle nicht für Kinderphantasien und Kinderträume eignet, diesmal ausnahmsweise diese Bitte aussprechen, daß alles dasjenige, was unter fünfzehn, sechzehn Jahren ist, morgen nicht mitgebracht wird.
[ 47 ] Ich möchte nur noch unsere Basler Freunde bitten, morgen keine Kinder mitzubringen. Wir müssen, weil ja diese Szene sich wirklich durch die Anwesenheit der Ihnen heute vorgestellten Persönlichkeit aus der Hölle nicht für Kinderphantasien und Kinderträume eignet, diesmal ausnahmsweise diese Bitte aussprechen, daß alles dasjenige, was unter fünfzehn, sechzehn Jahren ist, morgen nicht mitgebracht wird.
