Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272
11 September 1916, Dornach
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Faust, the Striving Human Being, tr. SOL
15. Goethes Aufsuchen der Tiefen des Werdens und der Weltgeheimnisse in Seinem «Faust»
Die Luziferische und die Ahrimanische Verführung
15. Goethe’s Exploration of the Depths of Becoming and the Mysteries of the World in His “Faust”
The Luciferic and the Ahrimanic Temptations
nach einer eurythmischen Darstellung der Szenen «Mitternacht» und «Grablegung»
following a eurythmic performance of the scenes “Midnight” and “The Burial”
[ 1 ] Es wäre natürlich sehr viel zu sagen, wenn man alles ausschöpfen möchte, was gerade in diesen Schlußszenen des Goetheschen «Faust» liegt, wenn man in diesem Zusammenhang auf alle Perspektiven hinweisen wollte, die sich für die Geisteswissenschaft ganz naturgemäß ergeben aus den Gedanken, die da fließen aus diesen Schlußszenen. Von der Fülle dessen, was zu sagen wäre, will ich heute noch einiges herausholen. Ich möchte aber durchaus nicht die Vorstellung hervorrufen, als ob es sich dabei um eine völlige Erschöpfung dieser Dinge handeln könnte.
[ 1 ] There would, of course, be a great deal to say if one were to explore everything contained in these final scenes of Goethe’s *Faust*, or if one were to point out, in this context, all the perspectives that naturally arise for Spiritual Science from the thoughts flowing from these final scenes. From the wealth of what could be said, I would like to draw out a few points today. However, I certainly do not wish to create a mental image that this could be a complete exhaustion of these matters.
[ 2 ] An zwei Tatsachen der Erdenentwickelung müssen wir besonders anknüpfen, wenn wir diese Schlußszenen verstehen wollen, an zwei wichtigste Tatsachen der Erdenentwickelung. Wir haben schon auf sie hingewiesen. Die erste Tatsache liegt in der lemurischen Zeit, die zweite liegt in der atlantischen Zeit. Wir wollen sie heute nur, soweit wir sie brauchen, charakterisieren. Die Tatsache der lemurischen Zeit, von einem gewissen Gesichtspunkte aus gekennzeichnet, besteht darin, daß durch all die Ereignisse, die nachgelesen werden können in der «Geheimwissenschaft im Umriß» oder in unseren Zyklen, die Menschen gewissermaßen tiefer in die Materie herein sich organisiert haben, als es vorausbestimmt war. Das ist geschehen durch den luziferischen Impuls. Durch diesen Impuls ist gewissermaßen die eine der Absichten erfüllt worden, auf die Mephistopheles hinweist mit dem, wovon er sagt, daß er es mit den andern zusammen unternommen habe in tiefverruchten Stunden, als Vernichtung ersonnen wurde dem menschlichen Geschlecht. Damit, daß die Menschheit sich tiefer in die Materie hereinorganisierte, als es ihr eigentlich vorbestimmt war, verband sich das menschliche Bewußtsein mit alldem, was das Dasein des Menschen in der Erdenentwickelung bedeutet, in anderer Weise, als es hätte sein sollen. Wir haben öfter darauf hingewiesen, daß dadurch, daß dieser luziferische Impuls gegeben worden ist, der Mensch ein ganz anderes Bewußtsein verbindet mit der Generation, mit der geschlechtlichen Fortpflanzung. Es wurde dazumal sozusagen die geschlechtliche Fortpflanzung in das Bewußtsein hereingeholt, und dadurch wurde sie in gewissem Sinne, man kann schon sagen aus einer übersinnlichen Tatsache zu einer sinnlichen Tatsache gemacht. Das ist das erste.
[ 2 ] If we are to understand these final scenes, we must focus in particular on two facts of Earth’s evolution—two of the most important facts of Earth’s evolution. We have already referred to them. The first fact pertains to the Lemurian epoch; the second pertains to the Atlantean epoch. Today we will characterize them only to the extent that we need to. The fact of the Lemurian epoch, viewed from a certain perspective, consists in the fact that, through all the events that can be read about in *An Outline of Esoteric Science* or in our cycles, human beings organized themselves, so to speak, more deeply into matter than had been predestined. This came about through the Luciferic impulse. Through this impulse, one of the intentions to which Mephistopheles alludes—what he says he undertook together with the others in deeply wicked hours, when destruction was conceived for the human race—was, so to speak, fulfilled. Because humanity organized itself more deeply into matter than was actually intended, human consciousness became connected to everything that human existence in Earth’s evolution entails in a different way than it should have been. We have often pointed out that, as a result of this Luciferic impulse, human beings associate a completely different kind of consciousness with procreation, with sexual reproduction. At that time, sexual reproduction was, so to speak, brought into consciousness, and through this it was, in a certain sense—one might even say—transformed from a supersensible reality into a sensory reality. That is the first point.
[ 3 ] Die Tatsache, die dann in der atlantischen Zeit vorliegt, besteht darin, daß, indem der Mensch nun schon in der Sinnlichkeit tiefer organisiert war, als es ihm vorbestimmt war, er seinen ganzen Organismus so ausbildete, daß die Verahrimanisierung, könnte man sagen, so stattfinden konnte, wie wir es oftmals beschrieben haben, daß der Mensch seine geistigen Kräfte mit den sinnlich-physischen Naturkräften und Naturtatsachen verband. Sie wissen, daß in der Bibel die erste Tatsache ausgedrückt wird durch das Bild, das gegeben wird über die luziferische Verführung, das in den Worten hauptsächlich charakterisiert ist, die Luzifer spricht mit Bezug auf das Menschengeschlecht: Eure Augen werden aufgetan sein, und ihr werdet unterscheiden das Gute und das Böse. Eure Augen werden aufgetan sein - in diesem Hereinnehmen der Sinnlichkeit in das Bewußtsein mit dem Aufgetanwerden der Augen liegt eben der Fall der Menschheit in die Materie. Also jetzt war die Menschheit tiefer in die Materie hineingefallen, als es ihr vorbestimmt war. Es war der Menschheit vorbestimmt, zu schauen die materielle Welt von außerhalb der materiellen Welt. Durch die luziferische Verführung ist die Menschheit gesunken in die materielle Welt, und dürch das Ahrimanische der atlantischen Zeit ist dann innerhalb des Materiellen eine Verwandtschaft des Menschen mit dem Materiellen eingetreten, die nur gewissermaßen im geistigen Gegenbild oben hätte stattfinden sollen. Was sich oben hätte vollziehen sollen, gewissermaßen schwebend über dem Materiellen, hat sich in dem Materiellen vollzogen.
[ 3 ] The fact that then prevails in the Atlantean epoch is that, since human beings were already organized more deeply in the sensory realm than had been intended for them, they developed their entire organism in such a way that the “Aharimanization”—so to speak—could take place as we have often described: that human beings linked their spiritual powers with the sensory-physical forces of nature and natural phenomena. You know that in the Bible the first fact is expressed through the image given of the Luciferic temptation, which is characterized primarily by the words that Lucifer speaks with regard to the human race: “Your eyes will be opened, and you will know good and evil.” ‘Your eyes will be opened’—it is precisely in this incorporation of sensuality into consciousness, with the opening of the eyes, that humanity’s fall into matter lies. Thus, humanity had now fallen deeper into matter than was destined for it. It was destined for humanity to view the material world from outside the material world. Through Luciferic temptation, humanity sank into the material world, and through the Ahrimanic forces of the Atlantean era, a kinship between human beings and the material world then arose within the material realm—a kinship that, in a sense, should have taken place only in the spiritual counterpart above. What should have taken place above—in a sense, hovering above the material world—has instead taken place within the material world.
[ 4 ] Das erste also ist dadurch ausgedrückt, daß über dem Menschen die Worte gesprochen worden sind: Eure Augen werden aufgetan sein, und ihr werdet unterscheiden — äußerlich — in der sinnlichen Anschauung das Gute und das Böse. - Das zweite wird ausgedrückt in der Bibel, wie Sie wissen, dadurch, daß gesagt wird: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen in der Materie. — Das ist das biblische Wort, welches, ich möchte sagen mit Anlehnung an den Menschen und das, was im Menschen wohnt, eine breite Tatsache ausdrückt. Denn in dieser breiten Tatsache ist alles ahrimanische Wirken im Menschengeschlecht zugleich mit inbegriffen. Durch dieselbe Kraft, mit der die himmlische Liebe hineingesunken, -gezogen ist in die Materie und zur irdischen Liebe geworden ist, durch die Kraft, die der Tatsache der Verwandlung der himmlischen Liebe zur irdischen Liebe zugrunde liegt, durch diese Impulse, diese Tatsache wurde zugleich das bewirkt, daß in einer irdischen Weise der Intellekt des Menschen sich verbindet mit der Materie und die materialistische Form der Wissenschaft schafft. Ohne daß die ahrimanischen Impulse im Menschen Platz gegriffen hätten, die ausgedrückt werden durch ihre gewissermaßen menschlichste Tatsache: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen im Fleische -, ohne daß die Impulse in das Menschengeschlecht eingezogen wären, wären auch die Impulse nicht eingezogen, die den menschlichen Intellekt dazu verwenden, alle möglichen Instrumente zu erzeugen, die nur Zusammenfügungen von materiellen Kräften sind, und die darin bestehen, daß man bloß maschinenmäßig alles mögliche erzeugt zu jedem beliebigen Zwecke, wenn auch dieser Zweck die Vernichtung des menschlichen Geschlechtes ist. Es würde, wenn diese ahrimanische Verführung nicht geschehen wäre, nicht möglich geworden sein auf der Erde, daß Mordinstrumente und dergleichen ersonnen worden wären, weil, wenn die Menschen die Verwandtschaft behalten hätten zwischen dem Intellekt und dem Schaffen da oben, nicht da unten in der Materie, sie auch nicht den Intellekt in die Materie hineingießen würden, um solche Gebilde zu schaffen, wie sie in unseren bloß dämonischen Mechanisinen geschaffen werden, die eine immer größere Rolle in der Vermaterialisierung der menschlichen Kultur spielen. So wie alles, was Verwirrungen und Verirrungen des menschlichen Affekt-, Leidenschaftslebens ist, des menschlichen emotionellen Lebens, ausgedrückt ist durch die Tatsache: Und Eure Augen werden aufgetan sein, und ihr werdet unterscheiden — äußerlich, sinnlich unterscheiden — das Gute und das Böse -, so sind alle die Tatsachen, die gewissermaßen aus dem Hochmut der Menschen heraus und aus der ahrimanischen Natur der Menschen heraus wie große Fortschritte der Menschheit angestaunt werden, die rein mechanische Kultur, aus demselben Prinzip, aus dem heraus ist, was angedeutet ist in der Bibel: Und die Söhne der Götter fanden, daß die Töchter der Menschen schön seien, und sie verbanden sich mit ihnen im Fleische. — Die Urkunden drücken diese Dinge in ihrer Art aus. Auf einem gewissen Gebiete leuchten sie dahin, wo diese Impulse liegen, aber diese Impulse sind im weiten Umkreise geltend. Im jetzigen Zeitalter, wo die Menschheit Luziferisches und Ahrimanisches überwinden soll — und dieses muß voll erkannt werden -, in unserer Zeit muß eine klare Einsicht immer mehr und mehr Platz greifen über das, was da geworden ist durch das Auftun der Augen, durch das Verbinden der Göttersöhne mit den Töchtern der Menschen, das heißt, durch das Heruntersteigen der himmlischen Liebe zur irdischen Liebe. Ein klares Verständnis muß sich darüber verbreiten.
[ 4 ] The first, then, is expressed by the words spoken to humankind: “Your eyes will be opened, and you will distinguish—externally—between good and evil through sensory perception.” - The second is expressed in the Bible, as you know, by the statement: “And the sons of the gods saw that the daughters of men were beautiful, and they took wives from among them in the material world.” — This is the biblical passage which, I would say, in reference to human beings and what dwells within them, expresses a broad reality. For this broad reality encompasses all Ahrimanic activity within the human race. Through the very same force by which heavenly love sank down, —into matter and became earthly love—by the power underlying the transformation of heavenly love into earthly love, through these impulses, this very fact also brought about the human intellect’s connection with matter in an earthly way, thereby creating the materialistic form of science. Had the Ahrimanic impulses not taken root in human beings—impulses expressed by what is, in a sense, their most human reality: “And the sons of the gods found the daughters of men beautiful, and they took them as wives”—without these impulses having entered the human race, the impulses that direct the human intellect to produce all manner of instruments—which are merely combinations of material forces— and which consist in merely producing all manner of things mechanically for any purpose whatsoever, even if that purpose is the destruction of the human race. Had this Ahrimanic temptation not occurred, it would not have been possible on Earth for instruments of murder and the like to have been devised, because if human beings had retained the connection between the intellect and the creative process up above, not down here in the material world, they would not have poured the intellect into matter to create such constructs as those produced by our purely demonic mechanisms, which play an ever-greater role in the materialization of human culture. Just as everything that constitutes confusion and aberration in human affective and passionate life—in human emotional life—is expressed by the fact: “And your eyes shall be opened, and you will discern—externally, sensually discern—good and evil—so, too, are all those facts that, in a sense, stem from human arrogance and from the Ahrimanic nature of human beings, and are marveled at as great advances of humanity—the purely mechanical culture—based on the same principle indicated in the Bible: “And the sons of the gods saw that the daughters of men were beautiful, and they took wives from among them.” — The sacred texts express these things in their own way. In a certain sphere, they shed light on where these impulses lie, but these impulses are at work on a much broader scale. In the present age, when humanity is to overcome the Luciferic and the Ahrimanic—and this must be fully recognized—in our time, a clear understanding must take hold more and more of what has come about through the opening of the eyes, through the union of the sons of the gods with the daughters of men, that is, through the descent of heavenly love into earthly love. A clear understanding of this must spread.
[ 5 ] Und an die Notwendigkeit dieses klaren Verständnisses reichte Goethes Empfinden heran. Gerade als er die letzten Szenen des «Faust» dichtete, reichte sein instinktiv-empfindungsgemäßes Erkennen heran. Das ist so unendlich bedeutsam. Um was kann es sich also handeln? Sie wissen, damit erreicht man nichts, daß man sagt: Oh, ich fliehe das Luziferische, ich fliehe das Ahrimanische. -— Das ist törichtes Gerede, denn das kann man nicht, man kann nur das Gleichgewicht herstellen zwischen beiden. Man muß also das Luziferische durch das Ahrimanische allmählich paralysieren im weiteren Fortschreiten der Menschheitsentwickelung, und umgekehrt das Ahrimanische durch das Luziferische paralysieren. Das empfand Goethe und das geheimnißte er hinein in die letzten Szenen seines «Faust».
[ 5 ] And Goethe’s intuition came close to grasping the necessity of this clear understanding. Just as he was composing the final scenes of *Faust*, his instinctive, intuitive insight came close to grasping it. This is so infinitely significant. So what could this be about? You know, it accomplishes nothing to say: “Oh, I flee from the Luciferic, I flee from the Ahrimanic.” — That is foolish talk, for one cannot do that; one can only establish a balance between the two. One must therefore gradually paralyze the Luciferic through the Ahrimanic as human development progresses, and conversely, paralyze the Ahrimanic through the Luciferic. Goethe sensed this and encoded it in the final scenes of his *Faust*.
[ 6 ] Erinnern wir uns noch einmal an die ergreifend erschütternde Szene mit der Sorge. Erinnern Sie sich, wie einmal ausgeführt worden ist in einem früheren Zyklus, daß das dem Ahriman-Mephistopheles rechtmäßig zugehörige Reich das Reich des Todes ist. Also in einer gewissen Weise gehört Vernichtung, Sterben schon zum Reiche des Ahriman; er darf nur nicht in deplacierter Weise seine Impulse anwenden. Wenn er sie anwendet auf Orte, wo sie nicht hingehören, dann entsteht das
[ 6 ] Let us recall once more that deeply moving and harrowing scene of sorrow. Do you recall, as was once explained in an earlier cycle, that the realm rightfully belonging to Ahriman-Mephistopheles is the realm of death? So, in a certain sense, destruction and dying already belong to the realm of Ahriman; he must simply not apply his impulses in an inappropriate manner. When he applies them to places where they do not belong, then the following arises
[ 7 ] Schlimme. Nun läßt Goethe Mangel, Not, Schuld in dem Augenblicke abgehen, wo der physische Leib sich beginnt zu lockern von dem GeistigSeelischen. Damit zeigt er an, daß er die Verbindungen kennt, die gerade für das im Leib verbrachte physische Erdenleben bestehen zwischen dem Menschen und Mangel, Not und Schuld. Aber als die Seele schon gelockert ist, als schon gesagt ist von den dreien, daß der Tod heranziceht, da bleibt noch die Sorge, die aber doch wiederum verschwistert ist mit den andern. Sie bleibt gewissermaßen in der Zeit, in welcher der Tod schon wirkt. Sie ist aus dem berechtigten Reich des Ahriman hereingesendet, die Sorge. Ahriman könnte nichts Schlimmeres für den Faust tun, als die Sorge verhindern, über den beginnenden Tod des Faust mit dem Faust zu bleiben, denn darin liegt das Hereinspielen ganz geheimnisvoller Kräfte. Hier wird an ein tiefes Mysterium gerührt. Was tut die Sorge? Die Sorge, die auch von Mephistopheles-Ahriman, wie alle grauen Weiber, herangebracht ist, denn bis dahin dauert die Magie des Mephistopheles noch, was tut die Sorge? Sie macht an Faust zunichte, was Luzifer bewirkt hat, sie macht ihm die Augen wieder zu. Denken Sie, welche Tiefe der Weltanschauung hier liegt! Das, was durch Luzifers Impuls an den Menschen herangekommen ist, wird nun durch einen Impuls Ahrimans auf dem Umwege durch die Sorge paralysiert. Der Mensch ist sehend geworden auf physischem Gebiete durch Luzifer. Jetzt wird er durch die aus dem ahrimanischen Reich hereingeholte, hereingeschickte Gestalt wiederum blind gemacht, das heißt innerlich sehend gemacht.
[ 7 ] Tragedy. Here Goethe has want, hardship, and guilt fade away at the very moment when the physical body begins to separate from the spiritual and soul-life. In doing so, he indicates that he is aware of the connections that exist—particularly during the physical earthly life spent in the body—between human beings and want, hardship, and guilt. But once the soul has already been released, once the three have already been told that death is approaching, there remains worry—which is, however, closely linked to the others. It remains, so to speak, in the time when death is already at work. Worry is sent in from the rightful realm of Ahriman. Ahriman could do nothing worse to Faust than to prevent worry from remaining with Faust as his death begins, for therein lies the interplay of most mysterious forces. Here a profound mystery is touched upon. What does worry do? Worry, which is also brought about by Mephistopheles-Ahriman—like all the gray women—for Mephistopheles’s magic still persists up to that point—what does worry do? It undoes in Faust what Lucifer has brought about; it closes his eyes again. Consider the depth of the worldview contained here! That which came to humanity through Lucifer’s impulse is now paralyzed by an impulse from Ahriman, indirectly through worry. Through Lucifer, the human being has become sighted in the physical realm. Now, through the figure brought in—sent in—from the Ahrimanic realm, he is once again made blind, that is, made to see inwardly.
Allein im Innern leuchtet helles Licht.
Only inside does a bright light shine.
[ 8 ] Eine ungeheure Tiefe ruht in dieser Sache. Und so sucht Goethe wirklich in diesem sterbenden Faust an einem Menschen nicht ungeschehen zu machen, aber so zu gestalten das Luziferische, daß es im Gleichgewicht mit dem Ahrimanischen ins Leben hereintritt. Und jetzt spricht die Sorge gewissermaßen ein tiefes Wort aus, um das zu interpretieren, was sie tut. Luzifer hat einst gesagt: Ihr Menschen werdet sehend sein dadurch, daß eure Augen aufgetan werden. — Was sagt die Sorge? Die Sorge stellt dem Luziferischen das Ahrimanische entgegen. Die Menschen sind zwar äußerlich-physisch sehend geworden, aber in geistiger Bezie hung blind, und das sind sie das ganze Leben hindurch. Wodurch kann es überwunden werden, dieses Blindsein? Dadurch, daß man mit Bewußtsein hineintaucht, daß man es faßt, daß man es erkennt, dadurch tritt wiederum geistiges Sehen, geistiges Schauen ein. Nun spricht die Sorge ein Wort aus, von dem man schon mit einem gewissen Rechte sagen könnte, es klingt zunächst gleich geheimnisvoll für Kluge und für Toren:
[ 8 ] There is an immense depth to this matter. And so, in this dying Faust, Goethe does not seek to undo what has been done to a human being, but rather to shape the Luciferic element in such a way that it enters life in balance with the Ahrimanic. And now Concern, as it were, utters a profound word to interpret what it is doing. Lucifer once said: “You humans will see because your eyes will be opened.” — What does Concern say? Concern sets the Ahrimanic force in opposition to the Luciferic. Although human beings have become physically sighted on the outside, they are blind in spiritual terms, and they remain so throughout their entire lives. How can this blindness be overcome? By consciously delving into it, by grasping it, by recognizing it—and through this, spiritual sight, spiritual vision, returns. Now the Concern utters a word about which one could already say, with some justification, that it sounds equally mysterious at first to the wise and to the foolish:
Die Menschen sind im ganzen Leben blind,
Nun, Fauste, werde du’s am Ende!
People are blind throughout their lives,
Well then, Faust, may you finally see!
[ 9 ] So scheint die Sorge zu sprechen:
[ 9 ] This is what the concern seems to be saying:
Die Menschen sind im ganzen Leben blind,
Nun, Fauste, werde du’s am Ende!
People are blind throughout their lives,
Well, Faust, may you finally see!
[ 10 ] Man kann nichts Rechtes zunächst daraus machen aus diesen zwei Sätzen. Man frägt sich: Was soll es eigentlich heißen? — Also physisch sind die Menschen das ganze Leben sehend, aber das nennt die Sorge blind.
[ 10 ] At first, it’s hard to make sense of these two sentences. One wonders: What do they actually mean? — Physically speaking, people can see their entire lives, but worry calls that blindness.
Nun, Fauste, werde du’s am Ende!
Well, Fauste, you’ll be the one in the end!
[ 11 ] Er wird nun wirklich blind. Sie wendet das Wort in einer ganz andern Weise an, aber sie meint eigentlich, daß er sehend wird innerlich. Es kommt darauf an, daß man nun diese Sätze in der richtigen Weise zu lesen lernt. Und das besteht darinnen:
[ 11 ] He is truly going blind. She uses the word in a completely different way, but what she actually means is that he is gaining inner sight. The important thing is to learn to read these sentences correctly. And that means:
Die Menschen sind im ganzen Leben blind,
Nun, Fauste, werde du’s am Ende!
People are blind throughout their lives,
Well, Faust, may you finally see!
[ 12 ] In dem Werden liegt das Erleben. Die Menschen, für die ist es eine gegebene Tatsache: sie sind blind. Aber Faust soll nicht blind sein, sondern erleben das Hineingehen in die Blindheit. Werde blind, erlebe werdend diesen Zusammenhang zwischen Sehend-sein und Blind-sein. Nehmen Sie dieses Wort und knüpfen Sie es an ein anderes Wort:
[ 12 ] Experience lies in the process of becoming. For people, it is a given fact: they are blind. But Faust is not to be blind; rather, he is to experience the process of entering into blindness. Become blind; experience, as you become, this connection between seeing and being blind. Take this word and link it to another word:
Doch ihr, die echten Göttersöhne,
Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
Das Werdende
But you, the true sons of the gods,
Rejoice in the living, rich, and beautiful one!
That which is to come
[ 13 ] - auf das wird hingewiesen! —
[ 13 ] — this is pointed out! —
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken.
That which is coming to be, which eternally acts and lives,
Encircle yourselves with the gentle bounds of love.
[ 14 ] Das Werdende, das ewig wirkt und lebt, das wird als das Geistige, als der Widerschein des Geistigen gefaßt im «Prolog im Himmel», dieses Werdende, das wird jetzt über Faust ausgegossen durch die Sorge:
[ 14 ] That which is becoming, which eternally acts and lives, is conceived as the spiritual, as the reflection of the spiritual, in the “Prologue in Heaven”; this becoming is now poured out upon Faust through his anguish:
Die Menschen sind im ganzen Leben blind,
Nun, Fauste, werde du’s am Ende!
People are blind throughout their lives,
Well then, Faust, may you see in the end!
[ 15 ] Das ist etwas anderes, wenn man werdend erlebt den Zusammenhang zwischen sehend und blind, als wenn man ihn nicht erlebt, sondern in der sehenden Blindheit nur darinnen ist,
[ 15 ] It is one thing to experience firsthand the connection between seeing and blindness, and quite another to not experience it, but merely to be caught up in “seeing blindness,”
[ 16 ] Man kann, wenn man mit Goethe gut bekannt ist, seine eigentümlichen Empfindungen gegenüber Sein und Werden wohl nachfühlen, und dann hat man gerade an dieser Auffassung dieses Spruches hier ein Tiefes, Tiefes an Goethe. Also sehen wir, wie Goethe an tiefste menschliche Geheimnisse dringt. Dieses Erblinden durch die Sorge ist wirklich das Gegenstück zum Sehendwerden des Menschen durch Luzifer im Paradiese.
[ 16 ] If one is well acquainted with Goethe, one can certainly empathize with his unique feelings toward Being and Becoming, and then, precisely in this interpretation of this saying here, one finds something profoundly, profoundly Goethean. Thus we see how Goethe penetrates to the deepest human mysteries. This blindness brought on by worry is truly the counterpart to humanity’s gaining sight through Lucifer in Paradise.
[ 17 ] Und nun gehen wir weiter. Schauen wir uns Mephistopheles an, wie er da steht, den Göttersöhnen gegenüber, die empfangen haben, damit sie wirklich den Seelenschatz haben können, die Rosen aus den Händen liebend-heiliger Büßerinnen. Was ist denn da geschehen? Diese Büßerinnen waren einmal auf der Erde, sind durch die irdische Liebe durchgegangen, durchgegangen durch das, was durch die ahrimanische Verführung in der atlantischen Zeit geworden ist. Was ist aber erreicht durch die menschlichen Erlebnisse, die diese Büßerinnen durchzumachen hatten? Die irdische Liebe ist wieder himmlisch geworden! Gretchen selber, sehen wir am Schluß, hat in die geistigen Regionen die hier verlebte irdische Liebe hinaufgetragen. Und ins Geistige, Himmlische ist das verwandelt, was hier auf der Erde vorgegangen ist. Gretchen ist da oben unter den Büßerinnen, sie ist unter den Rosen streuenden Büßerinnen. Die irdisch gewordene Liebe tritt uns da wiederum himmlisch entgegen. Sie ist zurückgeführt durch den Menschheitsprozeß, durch das, was Menschen erleben können, wieder in den himmlischen Bereich. Und
[ 17 ] And now let us move on. Let us look at Mephistopheles as he stands there, facing the sons of the gods who have received—so that they may truly possess the treasure of the soul—the roses from the hands of loving, holy penitent women. What, then, has happened here? These penitent women were once on Earth; they passed through earthly love, passing through what had become of it through Ahrimanic temptation in the Atlantean epoch. But what has been achieved through the human experiences these penitent women had to endure? Earthly love has become heavenly once more! We see at the end that Gretchen herself has carried the earthly love she experienced here up into the spiritual realms. And what took place here on earth has been transformed into the spiritual, the heavenly. Gretchen is up there among the penitents; she is among the penitents scattering roses. The love that had become earthly now meets us once more in a heavenly form. It has been led back through the human process—through what human beings can experience—into the heavenly realm. And
[ 18 ] wenn die Bibel es ausdrückt an der Stelle, wo sie die himmlische Verführung meint, daß die himmlische Liebe irdisch geworden ist, so deutet Goethe auf den Menschheitsprozeß, wo die irdische Liebe wieder himmlisch wird, und Mephistopheles steht unten als auch ein Göttersohn, der sich aber jetzt verbindet mit den wiederum geistig gewordenen Töchtern der Menschen durch die Rosen, die sie gestreut haben. Es ist der umgekehrte Prozeß von dem, den uns die Bibel andeutet: Und die Söhne der Götter verbanden sich mit den Töchtern der Menschen. - Wiederum mit den von den Göttern aufgenommenen Töchtern der Menschen verbindet sich der mit den Töchtern der Menschen verirrte Mephistopheles. Also der umgekehrte Prozeß. Sowohl der Paradiesesprozeß der luziferischen Verführung wie der spätere Prozeß, der angedeutet wurde durch die Worte: Die Söhne der Götter verbanden sich mit den Töchtern der Menschen im Fleische —, wird in der Umkehrung angewandt. Der Göttersohn Ahriman-Mephistopheles verbindet sich mit den wiederum in die Götternatur aufgenommenen Töchtern der Menschen, aber jetzt in himmlischer Liebe, nicht in irdischer Liebe, im Geiste, in der Seele, nicht im Fleische. Der umgekehrte Prozeß. Wiederum ein wunderbares Mysterium, durch das die Vorgänge des «Faust» unmittelbar angeknüpft werden an die höchsten Traditionen der Menschheit.
[ 18 ] When the Bible, in the passage referring to heavenly seduction, states that heavenly love has become earthly, Goethe, on the other hand, points to the process of humanity, in which earthly love becomes heavenly once more, and Mephistopheles stands below as a son of the gods himself, though he now unites with the daughters of men—who have in turn become spiritual—through the roses they have scattered. It is the reverse process of the one the Bible suggests to us: “And the sons of the gods took the daughters of men as wives.”—Mephistopheles, who has strayed among the daughters of men, unites once more with the daughters of men who have been taken in by the gods. Thus, the reverse process. Both the Paradise process of Luciferic temptation and the later process, hinted at by the words: “The sons of the gods united with the daughters of men in the flesh”—are applied in reverse. The son of the gods, Ahriman-Mephistopheles, unites with the daughters of men who have in turn been received into the divine nature, but now in heavenly love, not in earthly love; in the spirit, in the soul, not in the flesh. The reversed process. Once again, a wondrous mystery through which the events of *Faust* are directly linked to the highest traditions of humanity.
[ 19 ] Und jetzt erst verstehen wir, wenn wir die Dinge so nehmen, was Goethe eigentlich meint, denn jetzt erst sind wir imstande, real den Prozeß zu fassen, der sich da abspielt. Es ist höchst interessant, zu verfolgen, wie Goethe durch die Notwendigkeit der Sache, ich möchte sagen, geführt worden ist, den Schluß seines «Faust» gerade so zu gestalten, wie er ihn gestaltet hat. Er hat sich wirklich von der Sache führen lassen, nicht von irgendeiner bloßen inneren Willkür, von der Sache hat er sich führen lassen. Bedenken Sie nur, er hat sich einmal aufgeschrieben, als die Sache noch nicht fertig war, als sie so reif war, daß er sie dichten konnte, in einem Schema, wie er diese Szene gestalten will. Da schreibt er sich auf:
[ 19 ] And only now, when we look at things this way, do we understand what Goethe actually means, for only now are we able to truly grasp the process that is taking place here. It is extremely interesting to observe how Goethe was, I would say, guided by the necessity of the matter itself to shape the conclusion of his *Faust* exactly as he did. He truly allowed himself to be guided by the matter itself, not by some mere inner whim—he allowed himself to be guided by the matter itself. Just consider this: he once wrote down—when the work was not yet finished, but had reached a stage of maturity where he could compose it—a outline of how he intended to structure this scene. There he wrote:
«Vier graue Weiber». —- Nun, das hat er so ausgeführt.
«Faust und Sorge» — ausgeführt.
«Mephistopheles und Lemuren» - ausgeführt.
«Faust Zufriedenheit» — ausgeführt.
«Vorbei. Leiche. Lemuren begrabend. Entfernt. Satane und Höllen rachen» — gut.
«Verwesung erwartend» — das hat er gebildet.
«Weil die Seele später als sonst entflieht» — das ist wieder ausgeführt.
«Satanische Posituren, sie zu erhaschen» - nun, das haben wir heute hier darzustellen versucht!
«Engel, Himmelsglorie, schweben heran. Mephistopheles. Widersetzen. Engel streuen Rosen. Die verwelken auf den Hauch der Satane. Verwandelt in Liebesflammen. Satane fliehen. Mephistopheles’ Liebespein. Engel entschweben. Mephistopheles zur Appellation.»
“Four Gray Women.” — Well, he elaborated on that.
“Faust and Sorrow” — elaborated on.
“Mephistopheles and the Lemurs” — elaborated on.
“Faust’s Contentment” — elaborated on.
“Gone. Corpse. Burying the lemurs. Gone. Satan and Hell take their revenge”—good.
“Awaiting decay”—he came up with that.
“Because the soul flees later than usual”—that’s been performed again.
“Satanic postures, to catch them”—well, that’s what we’ve tried to portray here today!
“Angels, heavenly glory, float in. Mephistopheles. Resist. Angels scatter roses. They wither at the breath of the Satans. Transformed into flames of love. Satans flee. Mephistopheles’ agony of love. Angels float away. Mephistopheles’ appeal.”
[ 20 ] An diese Appellation, wo Mephistopheles gewissermaßen dem Himmel gegenüber appelliert um die Seele des Faust, will Goethe anschließen ursprünglich. Also das hat er sich aufgeschrieben: Mephistopheles ab zur Appellation. -— Dazu schreibt er sich: «Himmel, Christus, Mutter» — also die Mater dolorosa — «Evangelisten und alle Heiligen. Gericht über Faust». Also nicht lange, bevor Goethe seinen «Faust» vollendet hat, hat er ihn so vollenden wollen, daß er den Mephistopheles appellieren läßt in bezug auf Fausts Seele dem Himmel gegenüber, und gedacht hat, eine Art Gericht halten zu lassen, wo man hätte sehen sollen eine Art himmlische Szene, bei der sich versammelt haben Christus, die Mutter Gottes, die Evangelisten und alle Heiligen. Goethe hatte also daran gedacht, diese Szene etwa so vorzuführen, wie wir den oberen Teil auf dem bekannten Raffaelischen Bilde finden, wo das Sakrament in der Mitte ist. Wir kennen dieses Bild. Da hätte Gericht gehalten werden sollen über Faust. So hat Goethe das nicht ausgeführt, weil er in der Zeit, in der er sich das aufgeschrieben hat, mehr noch seiner inneren Willkür folgen wollte. Er ist getrieben worden durch die Sache, es anders auszuführen. Das erste hätte ja recht schön sein können, aber, man möchte sagen, das hätte auch in früheren Zeiten so geschrieben werden können. In die Goethe-Zeit paßt das nicht mehr herein. Nur diejenigen, die nichts verstehen von der Entwickelungsgeschichte der Menschheit, glauben, daß man alles zu allen Zeiten schreiben kann, und daß man in jeder Zeit über alle Sachen in der gleichen Weise schreiben kann. Das tun diejenigen nicht, die lebendig im Menschheits-Entwickelungsprozesse
[ 20 ] Goethe originally intended to follow up on this “appeal,” in which Mephistopheles, so to speak, appeals to Heaven for Faust’s soul. So this is what he jotted down: “Mephistopheles off to the appeal.” — He also writes: “Heaven, Christ, Mother”—that is, the Mater dolorosa—“the Evangelists, and all the saints. Judgment on Faust.” So not long before Goethe completed his *Faust*, he intended to conclude it by having Mephistopheles appeal to Heaven regarding Faust’s soul, and he envisioned a sort of judgment scene in which one would have seen a heavenly assembly comprising Christ, the Mother of God, the Evangelists, and all the saints. Goethe had thus intended to depict this scene much as we see the upper portion of Raphael’s famous painting, where the Sacrament is in the center. We are familiar with this painting. That is where the judgment over Faust was to have taken place. Goethe did not carry this out, however, because at the time he wrote it down, he wanted to follow his inner whim even more. He was driven by the subject matter to execute it differently. The first version could indeed have been quite beautiful, but—one might say—it could also have been written that way in earlier times. It no longer fits into Goethe’s era. Only those who understand nothing of the history of human development believe that one can write anything at any time, and that one can write about all subjects in the same way in every era. Those who are actively engaged in the process of human development do not do this
[ 21 ] darinnenstehen, Also das hat Goethe nicht ausgeführt. Dagegen hat er das ausgeführt, was wir jetzt kennen, und was vor einiger Zeit hier vorgeführt worden ist, die Szene, wo es hinaufgeht durch die heiligen Anachoreten, wo wir dann geführt werden in das Gebiet, wo die Engel kommen, in das Gebiet der seligen Knaben, wo die Büßerinnen auftreten, wo Gretchen selber auftritt. Das heißt, Goethe hat ganz im Sinne der Zeitforderung, die an ihn gestellt war, vermenschlicht die letzte Szene, hat das Menschheitliche in seiner Bedeutung für die geistige Realität hereingenommen. Goethe hat es selbst einmal ausgedrückt, daß gewissermaßen das Hauptsächlichste für die Lösung seines Faust-Problems in den Worten liegt, die in der Schlußszene enthalten sind:
[ 21 ] be included in it; so Goethe did not elaborate on that. Instead, he did elaborate on what we now know—and what was presented here some time ago—the scene where the ascent takes place through the holy anchorites, where we are then led into the realm where the angels appear, into the realm of the blessed boys, where the penitent women appear, and where Gretchen herself appears. In other words, Goethe—entirely in keeping with the demands of his time—humanized the final scene, incorporating the human element into its significance for spiritual reality. Goethe himself once expressed that, in a sense, the most essential element for the resolution of his Faust problem lies in the words contained in the final scene:
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen;
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.
Whoever strives with all their might,
We can save them;
And if they have truly received
The love from above,
The blessed host will greet them
With a warm welcome.
[ 22 ] Man muß solch ein Goethe-Wort nicht leicht nehmen. Die FaustKommentatoren haben es sehr leicht genommen. Goethe wollte, indem er auf dieses hinwies, zeigen, wie tief er das Geheimnis des gnadenvollen Wirkens des göttlich-geistigen Prinzipes in bezug auf den Menschen zu fassen imstande war. Und tief bedeutungsvoll verfuhr er darnach. Aber er nahm es lebendig. Dadurch, daß Gretchen an Faustens Seite gewisse Erlebnisse hatte während ihrer Erdenzeit und dann hinaufversetzt ist in die geistigen Welten, ist ein Band geschaffen zwischen Faust und Gretchen, und Goethe will zeigen, daß ihm so etwas eine Realität ist, daß, wenn der Tod hingeht über diese Dinge, sie eine Realität bleiben. Der Mensch ist hineingestellt in die Verbindungen, die sich bilden während seines physischen Daseins, nur nehmen sie, wenn der Tod über sie hingegangen ist, eine geistige Form an.
[ 22 ] One should not take such a statement by Goethe lightly. The commentators on *Faust* have taken it very lightly. By pointing this out, Goethe wanted to show how deeply he was able to grasp the mystery of the gracious workings of the divine-spiritual principle in relation to human beings. And he acted upon it with profound significance. But he approached it with vitality. Because Gretchen experienced certain events at Faust’s side during her earthly life and was then transported into the spiritual worlds, a bond is created between Faust and Gretchen, and Goethe wants to show that such a thing is a reality for him—that even when death passes over these things, they remain a reality. Human beings are placed within the connections that form during their physical existence; only do these connections take on a spiritual form once death has passed over them.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
And did love itself
From above take part in him,
[ 23 ] - das heißt, er ist eingegangen Wahlverwandtschaft mit dem Geistigen, das aus dem Sinnlichen geworden ist. Dann begegnet ihm das, was seelisch geworden ist, mit herzlichem Willkommen, dann ist er nicht nur der freie Mensch, dann ist er der in die Gnadenwirkungen eingesponnene Mensch. Da weist Goethe darauf hin, wie tief bedeutungsvoll alles das für den Menschen wird, was der Mensch an Wahlverwandtschaft eingeht, und wie real das ist, was aus dem Physischen ins Geistige aufgenommen ist, für den Menschen, der da in irgendeiner Weise hineinverwoben ist. Und wie Realitäten sind dasjenige, was die Menschen auf moralischem, auf geistigem Gebiete tun, wie das nicht bloß, wie der Materialismus glaubt, etwas Vorübergehendes ist, sondern etwas Fortwirkendes ist, was Bedeutung hat für die sich entwickelnde Menschheit. Das zeigt Goethe in dieser Schlußszene. Dadurch ist diese Schlußszene so grandios.
[ 23 ] —that is to say, he has entered into an elective affinity with the spiritual that has emerged from the sensual. Then what has become spiritual welcomes him warmly; then he is not merely a free human being, but a human being woven into the workings of grace. Here Goethe points out how profoundly significant for a human being is everything that he enters into through elective affinity, and how real is that which has been absorbed from the physical into the spiritual for the human being who is woven into it in any way. And how real are the things people do in the moral and spiritual realms—how these are not merely, as materialism believes, something fleeting, but something that continues to have an effect and holds significance for evolving humanity. Goethe demonstrates this in this final scene. That is what makes this final scene so magnificent.
[ 24 ] Was kann der Materialismus anders sagen als: Nun, da ist der Pater ecstaticus, der macht sich so etwas vor; aber wenn der Pater ecstaticus tot sein wird, dann ist es mit alldem aus. Ebenso der Pater profundus, ebenso der Pater Seraphicus und so weiter. — Für Goethe sind das ebenso reale Vorgänge, was diese erleben, diese Anachoreten, wie ihm reale Vorgänge sind das Auf- und Untergehen der Sonne. Und so wie durch das Auf- und Untergehen der Sonne hier für den Menschen der physischen Welt etwas bewirkt wird, so wird für Goethe in Faustens Seele ein realer Prozeß bewirkt durch dasjenige, was die Welt durchströmt aus den Verzückungen und Gebeten und mystischen Verschwebungen der Anachoreten. Die Realität der geistigen Welt, insofern diese geistige Welt wurzelt im menschlichen Fühlen und im menschlichen inneren Erleben, das wird von Goethe nun hingestellt. Nicht bloß die gewissermafßen vom Menschen losgelösten überirdischen Vorstellungen, sondern die mit dem Menschen tief innerlich zusammenhängenden überirdischen Vorstellungen werden von Goethe hingestellt. Und dadurch ist seine Faust-Dichtung so recht die Dichtung geworden vom Ausgang, von der ersten Zeit der fünften nachatlantischen Periode.
[ 24 ] What else can materialism say but: Well, there is the Pater ecstaticus, who deludes himself with such notions; but when the Pater ecstaticus dies, it will all be over. The same goes for the Pater profundus, the Pater Seraphicus, and so on. — For Goethe, the experiences of these anchorites are just as real as the rising and setting of the sun. And just as the rising and setting of the sun brings about an effect here for human beings in the physical world, so too, for Goethe, a real process is set in motion in Faust’s soul by that which flows through the world from the ecstasies, prayers, and mystical reveries of the anchorites. The reality of the spiritual world—insofar as this spiritual world is rooted in human feeling and in human inner experience—is what Goethe now presents. Goethe presents not merely those supernatural mental images that are, so to speak, detached from human beings, but rather those supernatural mental images that are deeply and intrinsically connected to human beings. And through this, his Faust has truly become the epic of the beginning, of the early days of the fifth post-Atlantean epoch.
[ 25 ] Nur muß eines denjenigen auffallen, welche verschiedene Notizen verfolgen, die sich Goethe gemacht hat, bevor er die einzelnen Szenen geschrieben hat. Ich habe von einigen Notizen schon gesprochen in anderem Zusammenhang. So in der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts, als Goethe neuerdings heranging, seinen «Faust» zu bearbeiten, da schrieb er sich mit einigen Sätzen diese Skizze auf, wie er da arbeiten will, wie er das schon Bearbeitete in das Folgende hinüberleiten will. Da schreibt er sich auf:
[ 25 ] There is, however, one thing that must strike those who examine the various notes Goethe made before writing the individual scenes. I have already mentioned some of these notes in another context. For example, toward the end of the 18th century, when Goethe had recently begun revising his *Faust*, he jotted down a few sentences outlining how he intended to proceed with his work and how he planned to transition what he had already revised into the subsequent sections. There he wrote:
«Ideales Streben nach Einwirken und Einfühlen in die ganze Natur.
Erscheinung des Geists als Welt- und Tatengenius.»
“The ideal pursuit of influencing and empathizing with all of nature.
The manifestation of the spirit as a genius of the world and of action.”
[ 26 ] - Das ist alles da.
[ 26 ] - It's all right here.
«Streit zwischen Form und Formlosem.
Vorzug dem formlosen Gehalt
Vor der leeren Form.
Gehalt bringt die Form mit.
Form ist nie ohne Gehalt.
Diese Widersprüche, statt sie zu vereinigen, disparater zu machen.
Helles, kaltes wissenschaftliches Streben. Wagner.
Dumpfes, warmes wissenschaftliches Streben. Schüler.
Lebensgenuß der Person von außen gesehen, I. Teil.
In der Dumpfheit, Leidenschaft.
Tatengenuß nach außen, II. Teil, und Genuß mit Bewußtsein.
Schönheit.
Schöpfungsgenuß von innen.»
“Conflict between form and the formless.
Preference for formless content
Over empty form.
Content brings form with it.
Form is never without content.
These contradictions—instead of uniting them, make them more disparate.
Bright, cold scientific pursuit. Wagner.
Dull, warm scientific pursuit. Student.
A person’s enjoyment of life as seen from the outside, Part I.
In dullness, passion.
Outward enjoyment of action, Part II, and conscious enjoyment.
Beauty.
Inner enjoyment of creation.”
[ 27 ] Da deutet er schon hin auf die Richtung, die er gegen den Schluß zu nehmen will. Und dann schreibt er sich auf, was nicht zur Ausführung gekommen ist: «Epilog im Chaos auf dem Weg zur Hölle».
[ 27 ] Here he is already hinting at the direction he intends to take toward the end. And then he jots down what never came to fruition: “Epilogue in Chaos on the Way to Hell.”
[ 28 ] Ich habe schon gesagt, wie mißverstanden worden ist, daß dieser Epilog hätte gehalten werden sollen im Chaos auf dem Weg zur Hölle. Die Leute haben sich den Kopf darüber zerbrochen, wie denn der Faust noch hätte schließen sollen mit einem Epilog im Chaos, auf dem Weg zur Hölle. Also hätte doch Goethe in einem verhältnismäßig vorgerückten Stadium den Faust nicht erlöst werden lassen wollen, sondern ihn zur Hölle fahren lassen wollen. Die Leute haben durchaus nicht daran gedacht, daß diesen Epilog der Mephistopheles sprechen solle und durchaus nicht Faust. Der zieht ab zur Hölle, nachdem er die Wette verloren hat, und spricht seinen Epilog. Aber den konnte Goethe nicht ausführen, der ist wirklich nicht da. Warum ist er nicht da? Weil er in dieser Zeit noch nicht geschrieben werden konnte aus dem tiefen Mysterium, und zugleich aus dem Mysterium seiner Zeit heraus. Denn was würde denn in diesem Epilog im Chaos auf dem Weg zu Hölle enthalten sein? Stellen wir uns einmal vor, was da enthalten sein würde. Was ist geschehen? Wir haben die verschiedenen Wechselwirkungen betrachtet, die zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen eingetreten sind, die dargestellt sind am Schlusse des Goetheschen «Faust». Dadurch ist Faustens Seele wirklich nicht von Ahriman-Mephistopheles erbeutet worden, sondern sie geht in der entsprechenden Weise in die geistige Welt hinein, um sich zu verbinden mit den Kräften, die von der seligen Schar kommen in der Weise, wie wir das dargestellt haben. Es ist dadurch bewirkt, daß zunächst das luziferische Element ein wenig Übergewicht gewonnen hat, daß eine Art Vergeistigung für Faust eingetreten ist, daß die Vermaterialisierung, die durch Ahriman hätte eintreten sollen, wodurch Faustens Seele gewissermaßen durch Erdenschwere mit der Materie vereinigt geblieben und Faust in einen Abgrund versunken wäre — der Herrscher über die Materie ist Ahriman-Mephistopheles! -, daß das nicht eingetreten ist. Das ist nicht eingetreten. Es ist gewissermaßen die Waagschale mehr nach der luziferischen Seite ausgeschlagen. Dadurch ist es möglich geworden, daß Faustens Seele in die Region kommt, in die sie dann hineinkommt da, wo mit Überwindung des Ahrimanischen in der entsprechenden Weise die menschlichen Wirkungen der Büßerinnen und Gretchens selber in der geistigen Sphäre sind.
[ 28 ] I have already mentioned how it has been misunderstood that this epilogue was supposed to take place amid the chaos on the way to hell. People have racked their brains trying to figure out how *Faust* could have ended with an epilogue set in the chaos on the way to hell. So, they concluded that Goethe, at a relatively advanced stage of the play’s development, must not have wanted Faust to be redeemed, but rather to be sent to hell. People never considered that this epilogue was meant to be spoken by Mephistopheles—and certainly not by Faust. He sets off for hell after losing the wager and speaks his epilogue. But Goethe could not carry that out; it really isn’t there. Why isn’t it there? Because at that time it could not yet be written out of the deep mystery, and at the same time out of the mystery of his own time. For what would this epilogue in the chaos on the way to hell contain? Let us imagine for a moment what might be contained there. What has happened? We have considered the various interactions that have taken place between the Ahrimanic and the Luciferic forces, as depicted at the end of Goethe’s *Faust*. As a result, Faust’s soul has not truly been captured by Ahriman-Mephistopheles, but rather it enters the spiritual world in the appropriate manner to unite with the forces coming from the blessed host, in the way we have described. This is brought about by the fact that, initially, the Luciferic element gained a slight upper hand, leading to a kind of spiritualization for Faust; the materialization that should have occurred through Ahriman—which would have caused Faust’s soul, as it were, to remain united with matter through earthly heaviness, and Faust to sink into an abyss—for the ruler of matter is Ahriman-Mephistopheles! —that this did not occur. It did not occur. The scales have, so to speak, tipped more toward the Luciferic side. This has made it possible for Faust’s soul to enter the region where, having overcome the Ahrimanic in the appropriate manner, the human effects of the penitent women and Gretchen themselves are present in the spiritual sphere.
[ 29 ] Nun steht Mephistopheles da. Er hat diese Seele erbeuten wollen, er hat sie nicht erbeuten können. Es ist ihm nicht gelungen, sie mit der Erdenschwere zu verbinden, sonst würde sie entweder schon am Leichnam geblieben sein und in dem Kreis der Lemuren erhascht worden sein, oder es würden sie die Dickteufel erbeutet haben oder die Dünnteufel. Das alles ist nicht gelungen. Es ist eine solche Gleichgewichtslage zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen eingetreten, daß Faust himmelwärts gekommen ist. Aber Mephistopheles ist nun stehengeblieben. Die Seele ist ihm entgangen. Aber er könnte sich jetzt sagen: Ja, hier stehe ich; diese Seele ist mir entgangen, aber sie wird wieder in meinen Bereich ziehen, sie wird wiederkommen auf die Erde. Dann werde ich sie erkennen, dann werde ich wiederum in ihre Nähe kommen können, denn dann wird sie neue ahrimanische Prüfungen durchzumachen haben. — Das ungefähr ausgeführt, würde den «Epilog im Chaos auf dem Weg zur Hölle» geben. Denn das ist das Eigentümliche von Mephistopheles-Ahriman, daß er immer glaubt, in jeder Inkarnation zu siegen. Und in jeder Inkarnation kann er, wenn die entsprechende Gleichgewichtslage eintritt gegenüber Luzifer, wiederum seinen Sieg verlieren. Das ist das Eigentümliche. Aber dieses Hin- und Herpendeln des Menschen zwischen Ahriman und Luzifer muß schon stattfinden, sonst könnte sich die menschliche Persönlichkeit nicht entwickeln. Würde der Mensch nicht den Geist haben, der wirkt und schafft durch den Widerstand, so würde sich die menschliche Persönlichkeit nicht entwickeln können. Nur am Widerstand entwickelt sich die menschliche Persönlichkeit. Selbst an unserem Leibe entwickelt sich die Persönlichkeit am Widerstand. Denken Sie, wenn wir nicht zwei Augen hätten und sie so auf die Dinge richten würden, daß sich ihre Achsen schneiden, wenn wir nicht zwei Hände hätten, die sich gegenseitig berühren, und von denen eine die andere wäscht, es würde sich nicht das Persönlichkeitsbewußtsein leiblich entwickeln können. Der Herr der Widerstände, der Herr der Hindernisse ist auch Ahriman-Mephistopheles. Daher mußte schon in der fünften nachatlantischen Periode Ahriman einen großen Einfluß gewinnen, weil die Persönlichkeit gerade in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum ausgebildet werden soll. In früheren Zeiträumen hatte der Mensch weit weniger Persönlichkeit, in der ägyptisch-chaldäischen Zeit fast noch gar nicht, da war der Mensch noch fast ganz eingeschlossen in einem Gemeinsamkeitsbewußtsein. Ich habe das öfter auseinandergesetzt. Es beginnt eigentlich erst die Persönlichkeit bewußt zu werden im griechisch-lateinischen Zeitraum, und auch da langsam, es ist noch viel Gemeinsamkeitsbewußtsein da. Dann in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum ist die Zeit, wo die Persönlichkeit ihrer selbst vollbewußt werden muß, so daß sie das, was für diesen fünften nachatlantischen Zeitraum zu erringen ist, voll aus sich heraus schafft. Stärkste Anforderungen an die Schaffens- und Lebensimpulse der Persönlichkeit ist das Charakteristikon des fünften nachatlantischen Zeitraums. Geisteswissenschaft muß hereinkommen in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum in die menschliche Entwickelung. Aber diese Geisteswissenschaft fordert eben, damit sie verstanden, begriffen, erfaßt werden kann, eine stärkere Anspannung der intellektuellen, der Empfindungs-, auch der Willenskräfte, eine stärkere Anspannung aller Persönlichkeitskräfte, als sie in früheren Zeiten eben da waren. Und’es ist aus einem tief empfindungsgemäßen Erkennen seiner Zeitimpulse bei Goethe erflossen, daß er Ahriman-Mephistopheles an die Seite des Faust gestellt hat, der Persönlichkeitsbewußtsein in seinen Prüfungen entwickeln soll. Er muß sich an den Widerständen der mephistophelischen Einflüsse entwickeln, dieser Faust; er muß erkennen, was in der einseitigen Ausbildung von Vernunft und Wissenschaft bei Ahriman-Mephistopheles lebt, aber er muß sich erhalten darin. Bei einer Persönlichkeit, die so durch alle Wissenschaft durchgegangen ist — «Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie! durchaus studiert», die sich auch an die Magie gemacht hat, an die magischen Überlieferungen, da war es nur möglich, entweder zu verfallen in mystische Schwärmerei, dem Erdgeiste gegenüber:
[ 29 ] Now Mephistopheles stands there. He wanted to capture this soul, but he was unable to do so. He did not succeed in binding it to the heaviness of the earth; otherwise, it would either have remained with the corpse and been snatched up by the circle of the Lemures, or it would have been captured by the “thick devils” or the “thin devils.” None of this happened. Such a state of equilibrium has arisen between the Ahrimanic and the Luciferic forces that Faust has ascended toward heaven. But Mephistopheles has now come to a standstill. The soul has eluded him. Yet he might now say to himself: Yes, here I stand; this soul has eluded me, but it will return to my realm; it will come back to Earth. Then I will recognize it, and I will once again be able to draw near to it, for then it will have to undergo new Ahrimanic trials. — Stated roughly in these terms, this would constitute the “Epilogue in Chaos on the Way to Hell.” For this is the peculiarity of Mephistopheles-Ahriman: that he always believes he will triumph in every incarnation. And in every incarnation, when the appropriate balance is established in relation to Lucifer, he may once again lose his victory. That is the peculiarity. But this back-and-forth oscillation of the human being between Ahriman and Lucifer must take place; otherwise, the human personality could not develop. If human beings did not possess the spirit that acts and creates through resistance, the human personality would not be able to develop. It is only through resistance that the human personality develops. Even in our physical body, the personality develops through resistance. Just think: if we did not have two eyes and did not direct them toward things in such a way that their axes intersect; if we did not have two hands that touch one another, one of which washes the other—then a sense of personality could not develop physically. The Lord of Resistance, the Lord of Obstacles, is also Ahriman-Mephistopheles. That is why Ahriman had to gain great influence as early as the fifth post-Atlantean epoch, because the personality is to be formed precisely during this fifth post-Atlantean period. In earlier periods, human beings had far less personality; in the Egyptian-Chaldean period, almost none at all—at that time, human beings were still almost entirely enveloped in a sense of communal consciousness. I have discussed this on several occasions. Personality actually begins to emerge consciously only in the Greco-Latin period, and even then slowly; there is still a great deal of communal consciousness present. Then, in our fifth post-Atlantean epoch, the time has come for the personality to become fully conscious of itself, so that it can fully bring forth from within itself what is to be achieved in this fifth post-Atlantean epoch. The characteristic feature of the fifth post-Atlantean epoch is that it places the greatest demands on the creative and life impulses of the personality. Spiritual Science must enter human development during this fifth post-Atlantean epoch. But Spiritual Science demands—in order to be understood, grasped, and comprehended—a greater strain on the intellectual, the feeling, and also the volitional powers; a greater strain on all the powers of the personality than existed in earlier times. And it was out of a deeply intuitive recognition of the impulses of his time that Goethe placed Ahriman-Mephistopheles at the side of Faust, who is to develop self-awareness through his trials. This Faust must develop through the resistance of the Mephistophelean influences; he must recognize what lives in the one-sided cultivation of reason and science in Ahriman-Mephistopheles, yet he must sustain himself within it. For a personality who had so thoroughly immersed himself in all branches of science—“I have now, alas, studied philosophy, law, and medicine, and, unfortunately, theology as well!”—and who had also delved into magic and magical traditions, it was only possible to either succumb to mystical rapture in the face of the Earth Spirit:
In Lebensfluten, im Tatensturm
Wall’ ich auf und ab,
Webe hin und her!
Geburt und Grab,
Ein ewiges Meer ...
In the floods of life, in the storm of deeds
I surge back and forth,
I sway to and fro!
Birth and grave,
An eternal sea ...
[ 30 ] — da mitzuweben! Aber das ist ein Aufgehen, ein selber Nebuloswerden in diesem Weben und Leben im Tatensturm ... da hinein mögen sich verwaschene Mystiker sehnen, welche die Persönlichkeit verlieren wollen! Der fünfte nachatlantische Zeitraum fordert gerade Anspannung der stärksten Persönlichkeitskräfte, und daraus soll Wissen und Wille im Menschen entstehen im fünften nachatlantischen Zeitraum. Daher ist aber in diesem fünften nachatlantischen Zeitraum der Menschheit vorgesetzt, die Persönlichkeit voll einzusetzen. Und dieses wird immer mehr und mehr eine Forderung werden dieses fünften nachatlantischen Zeitraums: Erstarkung, Erkraftung der Persönlichkeit durch volles Einsetzen der Persönlichkeit. Es wird notwendig werden, auch in bezug auf moralische Lebensauffasung, für die Menschen, die nicht hinter der Entwickelung zurückbleiben wollen, die Persönlichkeit immer stärker und stärker einzusetzen. Dieses Erstarken der Persönlichkeit wird eine Forderung der Zeit sein. Und dieses Erstarken der Persönlichkeit liegt im Sinne der normalen, der guten, der regelrechten Fortentwickelung. Das Verschwächen, Verschwefeln der Persönlichkeit liegt nicht in den Impulsen des Restes der fünften nachatlantischen Zeit. Dieses Aufgehen der Persönlichkeit im Nebulosen, das ist ein Rückfall, ein atavistischer Rückfall in alte Zeiten. Aber, wenn sie sich selbst überlassen sind, die den Menschen gegnerischen luziferischen und ahrimanischen Kräfte, wirken sie dem Menschen entgegen, untergraben seine Aufgaben. Weil der Mensch dann mit Geisteswissenschaft, die aus den starken Kräften der Persönlichkeit für den fünften nachatlantischen Zeitraum wird hervorgehen sollen, die Persönlichkeit voll einsetzen muß, wirken gerade ahrimanische Gegenkräfte gegen die Persönlichkeit. Das muß man nur verstehen, und von diesem Gesichtspunkte muß man unsere Zeit betrachten.
[ 30 ] — to be woven into that! But that is a dissolving, a becoming nebulous oneself in this weaving and living amid the storm of action ... into that may yearn those washed-out mystics who wish to lose their personality! The fifth post-Atlantean epoch demands precisely the exertion of the strongest forces of the personality, and from this, knowledge and will are to arise in human beings during the fifth post-Atlantean epoch. Therefore, however, humanity is called upon in this fifth post-Atlantean epoch to fully engage the personality. And this will become more and more a requirement of this fifth post-Atlantean epoch: the strengthening and invigoration of the personality through its full application. It will become necessary—even with regard to one’s moral outlook on life—for those who do not wish to lag behind in development to apply their personality ever more strongly. This strengthening of the personality will be a demand of the times. And this strengthening of the personality is in keeping with normal, healthy, and proper further development. The weakening and sulphurization of the personality are not inherent in the impulses of the remainder of the fifth post-Atlantean epoch. This dissolution of the personality into nebulosity is a relapse, an atavistic regression to ancient times. But when left to their own devices, the Luciferic and Ahrimanic forces that are opposed to humanity work against human beings and undermine their tasks. Precisely because human beings must then fully engage their personalities through Spiritual Science—which is to emerge from the strong forces of the personality for the fifth post-Atlantean epoch—Ahrimanic counterforces work against the personality. One need only understand this, and one must view our time from this perspective.
[ 31 ] Wenn man auf frühere Zeiten zurücksieht, wird man wirklich trotz allem Persönlichen, was schon waltet, viel mehr sachlichen Kampf finden. In unserer Zeit wirken die ahrimanischen Kräfte so, daß sie den sachlichen Kampf nach und nach ganz in die Sphäre der Persönlichkeit hereinziehen wollen bei den Individualitäten, die sich dazu finden lassen. Denken Sie, wie nach und nach alles abgeleitet wird von dem Sachlichen auf die Persönlichkeit. Das ist nicht bloß etwas Zufälliges, sondern das ist etwas, was im Charakter unserer Zeit liegt. Irgend jemand wirkt im Dienste der regelrecht fortwirkenden Evolution. Statt an die Sache sich heranzumachen, wird immer mehr und mehr der Kampf gegen seine Persönlichkeit losgehen, persönliche Verleumdungen, persönliche Entstellungen, das wird an die Stelle des Sachlichen treten. Und heute schon sehen wir, wie in unserem Zeitalter das fortgeschritten ist, wie die Menschen gar nicht mehr wissen zu unterscheiden, was rein persönliche Verdächtigung ist, und was sachlich angegriffen ist. Und gerade da, wo in einer ungehörigen Weise versucht wird, Geisteswissenschaft zu betreiben, da drückt sich das auch am groteskesten, am stärksten aus.
[ 31 ] If one looks back to earlier times, one will indeed find, despite all the personal elements already at work, a much greater emphasis on objective struggle. In our time, the Ahrimanic forces are at work in such a way that they seek to gradually draw the objective struggle entirely into the sphere of the personality among those individuals who are open to it. Consider how, little by little, everything is diverted from the objective to the personal. This is not merely a coincidence, but something inherent in the character of our time. Someone is at work in the service of evolution, which continues to unfold in its own right. Instead of addressing the matter at hand, the struggle will increasingly be directed against one’s personality—personal slander and personal distortions will take the place of objective discussion. And already today we see how far this has progressed in our age—how people no longer know how to distinguish between what is purely personal suspicion and what is a factual attack. And precisely where attempts are made to practice Spiritual Science in an inappropriate manner, this manifests itself in the most grotesque and intense way.
[ 32 ] Erinnern Sie sich nur an unsere eigenen Kämpfe. Erinnern Sie sich, wie sachlich etwas vorgebracht werden mußte gegen jene Bewegung, welche in neuerer Zeit an den Namen von Mrs. Besant geheftet ist. Ist bei der Entgegnung von jener Seite ein einziges sachliches Argument eingewendet worden? Nichts! Aber lauter persönliche Verdächtigungen von der stärksten Art. Alles persönliche Verdächtigungen! Das ist nur die karikierte Vorausnahme desjenigen, was ein Charakteristikon unserer Zeit ist und immer mehr und mehr Platz greifen wird, und das man mit vollem Bewußtsein durchschauen muß. Weil die Persönlichkeit in die Bresche geschoben werden muß — denn nur durch die Persönlichkeit wird immer mehr und mehr das kommen können, was früher mehr durch den Gemeinsinn gegeben worden ist —, geht auch der Kampf gegen die Persönlichkeit los. Und weil Stärke der Persönlichkeit gefordert wird, und der Bequemlichkeitssinn die Stärke nicht suchen will aus der Sache heraus, die erstrebt wird, wird die schwache Persönlichkeit, die unfähige Persönlichkeit durch eigenen Machtspruch heute so geleitet, hinaufexerziert in das Starke. Ohne etwas gelernt zu haben, ohne sich mit etwas ernsthaftig beschäftigt zu haben, ohne tiefer eingegangen zu sein in etwas, wird heute, rein aus Willkür der Persönlichkeit heraus, dies oder jenes getan. Und man versteht gar nicht, mit diesen Dingen zu rechnen.
[ 32 ] Just think back to our own struggles. Remember how objectively we had to present our case against that movement which has recently been associated with the name of Mrs. Besant. Was a single objective argument raised in the response from that side? None! But nothing but personal suspicions of the strongest kind. Nothing but personal suspicions! This is merely a caricatured preview of what is a defining feature of our time—one that will take up more and more space—and which we must see through with full awareness. Because the individual must be thrust into the breach—for it is only through the individual that what was formerly provided more by a sense of community will increasingly be able to come about—the struggle against the individual also begins. And because strength of personality is demanded, and the sense of convenience does not want to seek that strength from within the very thing being pursued, the weak personality—the incapable personality—is today guided by its own declaration of power and propelled upward into strength. Without having learned anything, without having seriously engaged with anything, without having delved deeply into anything, this or that is done today purely out of the whim of the personality. And people do not even understand how to take these things into account.
[ 33 ] Auf unserem Gebiete können Sie wiederum schöne Studien machen. Wie oft war es notwendig, die sich aufblähende Torheit zurückzuweisen, die gerade im Laufe der Jahre in unserer Bewegung sich ausgebildet hat, die sich aufblähende Nichtigkeit zurückzuweisen. Aber die Nichtigkeit versteht nicht, daß sie zurückgewiesen werden muß. Ein Beispiel: In Frankfurt, als ich einmal da war, wurde ich telephonisch angerufen von einem Menschen, der sagte, er müsse gleich mit mir sprechen. Dann kam er, hatte riesig lange Haare, die bis über die Schultern herunterwallten, und entsprechenden Patriarchenbart, erklärte, daß er mir schon seit längerer Zeit nachgereist sei, und daß er so gewissermaßen eine Art Kompromiß schließen wolle zwischen dem, was er der Welt zu geben hat, und demjenigen, was durch mich vertreten wird. -— Nun, man kann schon nicht anders, als gegen jenes Prinzip der Brüderlichkeit verstoßen, das gleichwertig betrachtet die dilettantenhafte Dummheit und dasjenige, was in ehrlicher Weise erstrebt wird. Man muß sich schon anmaßen, da zu unterscheiden. Also natürlich, solche Leute muß man abfahren lassen, man muß sich nicht weiter um sie kümmern. Man braucht ihnen nicht gerade Grobheiten zu sagen, aber zeigen, daß man sie für das hält, was sie sind, und daß man nicht auf dem Standpunkt des verwaschenen Gleichheitsprinzips steht, daß jede sich aufblähende Idiotie als gleichbedeutend angesehen werden muß mit dem andern. Nun, nach einiger Zeit trat der Betreffende hier in der Schweiz auf und kündigte sogar in den einzelnen Städten Vorträge an gegen mich. Er hat auch in anderer Weise Unfug getrieben, das wissen einige von denen, die hier sitzen. So bilden sich die Feindschaften heraus, indem sich die Persönlichkeit, die sich allenthalben heute in die Bresche schieben muß, durchdringen muß mit etwas, aber wenn sie das nicht kann, so will sie stark sein, ohne daß sie sich erst stark macht durch die Kräfte, die sie durchdringen. Man muß durchschauen, wodurch die Konflikte herbeigeführt werden. Das ist das Notwendige. Man muß seine Zeit wirklich verstehen, nicht aus der Willkür heraus irgend etwas treiben. Also stärkste Einsetzung der Persönlichkeit fordert unsere Zeit, kämpft daher den ahrimanischen Kampf gegen die Persönlichkeit.
[ 33 ] In our field, you can once again conduct fascinating studies. How often has it been necessary to reject the swelling folly that has developed within our movement over the years—to reject that swelling futility. But futility does not understand that it must be rejected. An example: In Frankfurt, when I was there once, I received a phone call from a man who said he had to speak with me immediately. Then he arrived—he had incredibly long hair that cascaded down past his shoulders and a corresponding patriarchal beard—and explained that he had been following me for quite some time and that he wanted, so to speak, to strike a kind of compromise between what he has to offer the world and what I represent. — Well, one really has no choice but to violate that principle of brotherhood, which treats amateurish stupidity and that which is honestly pursued as equivalent. One must presume to make that distinction. So, of course, one must let such people go their own way; one needn’t concern oneself with them any further. One need not exactly speak rudely to them, but one must show that one regards them for what they are, and that one does not subscribe to that watered-down principle of equality, according to which every self-important idiocy must be regarded as equivalent to the next. Well, after some time, the person in question appeared here in Switzerland and even announced lectures against me in various cities. He has also caused trouble in other ways, as some of those sitting here know. This is how hostilities arise: the individual, who today must step into the breach everywhere, must be permeated by something; but if he cannot do so, he wants to be strong without first making himself strong through the forces that permeate him. One must see through what brings about these conflicts. That is essential. One must truly understand one’s time, not act arbitrarily. Thus, our time demands the strongest commitment of the individual; therefore, it wages the Ahrimanic struggle against the individual.
[ 34 ] Das zweite, das unsere Zeit fordert, und zwar ganz energisch fordert, ist Eingewöhnung in Tatsachensinn. Angewiesen wird die Menschheit sein darauf, die geistige Welt zu verstehen. In dieser geistigen Welt hat man es nicht so, daß man verfolgen kann, wie man korrigiert wird. Ich habe das im Schlußkapital meiner «Theosophie» zum Ausdruck gebracht, daß man nicht korrigiert wird, wenn man etwas falsch gemacht hat. Lesen Sie das nach. Tatsachensinn, Sinn für wirkliche Tatsachen. Aber der stärkste luziferische Kampf wird entwickelt gegen diesen Tatsachensinn in unserer Zeit. In keiner Zeit, trotz allem und allem, was geschehen ist, wurden Tatsachen so gefälscht wie in unserer Zeit! Die luziferischen Instinkte rufen ahrimanische Kräfte auf, welche Tatsachen verlogen darstellen. Dieser Hang, Tatsachen verlogen darzustellen, ist im Beginn und wird immer mehr und mehr überhandnehmen. Das ist wichtig wiederum, daß man es durchschaut. Gewöhnung an Tatsachensinn und Gewöhnung an die Tatsache, daß man immer mehr und mehr wird mit seiner Persönlichkeit wirklich eintreten müssen für dasjenige, wofür in der Welt eingetreten werden muß, das gehört einmal zum fünften nachatlantischen Zeitraum.
[ 34 ] The second thing that our time demands—and demands quite emphatically—is an appreciation for facts. Humanity will depend on this to understand the spiritual world. In this spiritual world, it is not the case that one can track how one is being corrected. I expressed this in the concluding chapter of my *Theosophy*: one is not corrected when one has done something wrong. Please look it up. A sense of facts—a sense of real facts. But the strongest Luciferic struggle is being waged against this sense of facts in our time. At no other time, despite everything that has happened, have facts been so falsified as in our time! The Luciferic instincts summon Ahrimanic forces that misrepresent facts. This tendency to misrepresent facts is just beginning and will become more and more rampant. It is important, once again, to see through this. Becoming accustomed to a sense of facts and becoming accustomed to the fact that one will increasingly have to truly stand up with one’s personality for what must be stood up for in the world—this is part of the fifth post-Atlantean epoch.
[ 35 ] Man versuche zu verstehen, wie gerade auf unserem Gebiete heute schon der ahrimanische und luziferische Kampf zu bemerken ist, wie bis in die jüngsten Ereignisse herein wir den mangelnden Tatsachensinn gegen uns aufgeführt finden. Er werden heute schon Dinge geschrieben und gesagt, an denen überhaupt nichts mehr wahr ist.
[ 35 ] Let us try to understand how, even in our own field today, the struggle between Ahriman and Lucifer can already be observed, and how, right up to the most recent events, we find a lack of factual accuracy being used against us. Things are already being written and said today that contain absolutely no truth whatsoever.
[ 36 ] Alles das hat Goethe empfunden, tief empfunden. Wenn Sie seinen «Faust» durchgehen, so werden Sie sehen, daß er die luziferischen und die ahrimanischen Kräfte zur Faust-Natur in eine solche Verbindung bringt, wie es vom Menschen angesehen werden muß, wenn sich der Mensch richtig mit Bewußtsein in die Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraumes hineinstellen will. Im Einzelnen und im Großen wirken die ahrimanischen und luziferischen Kräfte dem Menschen entgegen. Würde man Ahriman nicht erkennen, würde man Luzifer nicht erkennen, so würde man gar nicht in entsprechender Weise weiterleben können. Und das alles muß durch die Geisteswissenschaft bewirkt werden. Man möchte sagen, es kann heute gar nicht stark genug besprochen werden, denn man wird heute noch wenig verstanden nach dem Gewichte desjenigen, was da aus der Geisteswissenschaft herausgeholt werden muß. Die Dinge werden zu leicht genommen, zu leicht vergessen. Dem, was unsere Zeit erfordert, Vertiefung, Erkraftung der Persönlichkeit, Tatsachensinn, Sinn für wahre Tatsachen, dem wirken entgegen im Großen, man könnte sagen heute geradezu die äußeren Weltereignisse. Zweierlei wirkt entgegen dem, was notwendig ist zum Fortschritt der Menschheit: ein widersinniges, weil ataviistisch gewordenes Nationalitätenprinzip. Das ist das erste. Ein widersinniges Nationalitätenprinzip, wie es insbesondere im 19. Jahrhundert durch die Napoleons in die Welt gebracht worden ist, ein Nationalitätenprinzip, in dessen Namen heute viele Impulse aufgerufen werden gegen den wahren Sinn der menschlichen Entwickelung. Ein benebelndes Nationalitätenprinzip, welches die Begriffe umnebelt und verwirrt, die Begriffe in falsche Sphären hineinsetzt. Ich will mich in der folgenden Weise klarmachen.
[ 36 ] Goethe felt all of this—he felt it deeply. If you read through his *Faust*, you will see that he brings the Luciferic and Ahrimanic forces into such a connection with the nature of Faust as must be viewed by human beings if they wish to place themselves, with full consciousness, into the impulses of the fifth post-Atlantean epoch. Both in particular and in general, the Ahrimanic and Luciferic forces work against human beings. If one did not recognize Ahriman, if one did not recognize Lucifer, one would not be able to continue living in an appropriate way at all. And all of this must be brought about through Spiritual Science. One might say that this cannot be emphasized strongly enough today, for people today still have little understanding of the significance of what must be drawn from Spiritual Science. Things are taken too lightly, forgotten too easily. What our time demands—depth, the strengthening of the personality, a sense of reality, a sense for true facts—is counteracted on a grand scale, one might say, by the very events of the external world today. Two things stand in the way of what is necessary for the progress of humanity: a perverse principle of nationality that has become atavistic. That is the first. An absurd principle of nationality, as it was introduced into the world particularly in the 19th century by the Napoleons—a principle of nationality in whose name many impulses are invoked today that run counter to the true meaning of human development. A clouding principle of nationality that obscures and confuses concepts, placing them in the wrong contexts. I will explain myself as follows:
[ 37 ] Wir reden in einer gewissen Weise mit Recht, wenn wir die Sache richtig verstehen, von einer grünen Wiese. Aber wir verstehen die Sache nur dann richtig, wenn wir von der grünen Wiese so reden, daß wir wissen, die einzelnen Pflanzen sind grün, und die Grünheit der Wiese
[ 37 ] In a certain sense, we are right to speak of a green meadow if we understand the matter correctly. But we understand the matter correctly only if, when speaking of the green meadow, we know that the individual plants are green and that the greenness of the meadow
[ 38 ] besteht in der Grünheit der einzelnen Pflanzen; das konkrete Grün haben die einzelnen Pflanzen. Würde ich wollen die Grünheit der Wiese konkret haben, ohne die konkrete Grüne der einzelnen Pflanzen, da müßte ich die Wiese grün anstreichen, dann wäre sie aber wahrhaftig nicht eine grüne Wiese. Ich darf von der Grünheit der Wiese nur sprechen, wenn ich mir bewußt bin, daß ich konkret nur die Grünheit der einzelnen Pflanzen meinen kann. Ich muß wissen, daß die Grünheit in diesem Falle nur angewendet werde auf die einzelnen Pflanzen, und daß ich nicht verworren denken darf so, als ob die Grünheit der Wiese dem Ganzen zukommen könnte. Wenn ich abstrakt das Wort die Grünheit der Wiese gebrauche, so muß ich mir darüber klar sein, daß ich nur ein Abstraktum forme, welches zusammenfaßt die einzelnen Konkreta, die grünen Pflanzen. Das ist im eminentesten Sinne notwendig, daß solche Klarheit herrscht in bezug auf Begriffsbildungen, daß zum Beispiel die Menschen lernen, daß die Worte «Freiheit» und «Recht» konkret nur anzuwenden sind in bezug auf den einzelnen Menschen, wie die Grünheit konkret auf die einzelnen Pflanzen, und daß, wenn ich von Recht und Freiheit der Völker spreche, ich nur meinen kann ein Abstraktum, so wie die Grünheit der Wiese. Heute aber wird die verlogenste Devise, die es geben kann, fast über die halbe Welt hin gestreut, indem geredet wird von etwas, was man erkämpfen will im Namen von Recht und Freiheit der Völker, was solch ein Unsinn, eine solche Torheit ist, wie die Grünheit der Wiese eine Torheit ist, wenn man meint, man könne die ganzen Pflanzen der Wiese anstreichen, statt daß die Wiese grün ist durch die einzelnen Pflanzenindividuen. Dennoch wird durch die heutige Benebelung der Völker mit dem falschen Nationalitätsprinzip geredet von dieser törichten Devise: Recht und Freiheit der Völker. Und man wird ganz sicher selber für einen Toren, für einen Wahnsinnigen gehalten, wenn man das ausspricht, was schon einmal, gerade in Anknüpfung an den «Faust», der da sagt: «Auf freiem Grund mit freiem Volke stehen», nicht mit einer freien Nation, wovon gar keine Rede sein könnte, — was schon in Anlehnung an den «Faust» ausgesprochen werden muß. Ganz gewiß wird man heute für einen Narren gehalten oder für einen Böswilligen, der sich auflehnt gegen etwas, was so schön und so groß und so ideal ist, was so gut gewollt ist, was aber ungenau gedacht ist, schlampig gedacht ist, böswillig denkend gedacht ist, weil es etwas Atavistisches hereinbringt, was nicht hereingehört in unsere Zeit, weil es dem einzelnen ein Bewußtsein beibringt, das aus der Schwäche stammt und nicht aus der Stärke der Persönlichkeit.
[ 38 ] lies in the greenness of the individual plants; it is the individual plants that possess the concrete green. If I wanted to have the greenness of the meadow in a concrete sense, without the concrete green of the individual plants, I would have to paint the meadow green—but then it truly would not be a green meadow. I may speak of the greenness of the meadow only if I am aware that, in concrete terms, I can mean only the greenness of the individual plants. I must know that, in this case, “greenness” applies only to the individual plants, and that I must not think confusedly as if the greenness of the meadow could apply to the whole. When I use the term “the greenness of the meadow” in the abstract, I must be clear that I am forming only an abstract concept that summarizes the individual concrete entities—the green plants. It is absolutely essential, in the most fundamental sense, that such clarity prevail with regard to the formation of concepts—so that, for example, people learn that the words “freedom” and “justice” can be applied concretely only to individual human beings, just as “greenness” applies concretely to individual plants—and that when I speak of the justice and freedom of peoples, I can only mean an abstraction, just as the greenness of the meadow is an abstraction. Today, however, the most mendacious slogan imaginable is being spread across nearly half the world, as people speak of something they wish to fight for in the name of the rights and freedom of nations—which is such nonsense, such folly, as the greenness of the meadow is folly if one thinks one could paint all the plants in the meadow green, instead of recognizing that the meadow is green because of the individual plants themselves. Nevertheless, through today’s obfuscation of the peoples with the false principle of nationality, people speak of this foolish motto: the rights and freedom of peoples. And one is quite certainly regarded as a fool, as a madman, if one voices what has already been said once before, precisely in connection with *Faust*, who says: “To stand on free soil with a free people”—not with a free nation, of which there can be no question at all—which must already be stated in reference to *Faust*. Certainly, one is considered a fool today—or a malicious person who rebels against something so beautiful, so grand, and so ideal; something intended for the best, but thought out imprecisely, is thought carelessly, is conceived with ill will, because it introduces something atavistic that has no place in our time, because it instills in the individual a consciousness that stems from weakness rather than from the strength of personality.
[ 39 ] Und das andere, das in unserer Zeit wirkt gegen die fortschreitenden Prinzipien außer dem widersinnigen Nationalitätenprinzip, das ist die Politisierung des Gedankenlebens. Wichtig ist es, daß man diese zwei Dinge versteht, daß man auch versteht die Politisierung des Gedankenlebens. Ich habe in einem andern Zusammenhange schon auf den Sinn der «Policy» aufmerksam darauf gemacht, wo fortwährend von Policy gesprochen wird, von dem In-Szene-Setzen von gewissen Gedanken, um dieses oder jenes zu erreichen. Aber wie ist dieses überhaupt verbreitet in der Welt! Aus dieser Politisierung des Gedankenlebens geht in unserem fünften nachatlantischen Zeitraum geradezu das Schlimmste hervor. Eine Zeit, die noch glauben konnte in einer gewissen Weise, wenn sie Gedanken bildete, inspiriert zu sein, konnte auf ihren Konzilien meinetwillen dieses oder jenes Dogma, das dann verwendet wurde, um das oder jenes in der Welt zu erreichen, beschließen. Unsere Zeit, die aber wahrhaftig in ihrem materialistischen Gefüge inspirationslos ist, wird, wenn sie den Gedanken nicht so knüpft, daß er in Verantwortung gegenüber der unpersönlichen Wahrheit geknüpft ist, den Gedanken nur aus der persönlich-willkürlichen oder aus der vereinsmäßig-willkürlichen oder sonst irgendwie gemeinsamkeits-willkürlichen Aspiration heraus fassen. Und da wird der Gedanke nicht in die Welt gestellt, weil man seine Richtigkeit einsieht, sondern weil man mit ihm politisieren will. Diese Politisierung des Gedankenlebens geht immer weiter und weiter. Und man erzieht sich nicht so, daß man zu dem richtigen, zu dem wahren Gedanken kommt, sondern man erzieht sich so, daß man zu einem Gedanken kommt, mit dem man politisieren kann, zum Beispiel mit dem Gedanken des Nichtvivisezierens der Tiere. Aber man faßt den Gedanken nicht in seinem Wahrheitsgehalt, sondern durch seine politische Agitationskraft. Man agitiert mit dem Gedanken, man politisiert mit dem Gedanken in Abstinenzvereinen, in Anti-Vivisektionsvereinen. Man faßt einen Gedanken nicht in seiner Realität — Abstinenz, Vivisektion oder dergleichen -, sondern man politisiert ihm gegenüber. Überall wird mit den Gedanken politisiert. Sie werden in politische Getriebe hineinversenkt. Falsches Nationalitätenprinzip, falsches Politisieren mit den Gedanken, wie es namentlich in unserer Vereinsmeierei der Gegenwart lebt, das ist es, was entgegen den gegenwärtig fortschreitenden richtigen Evolutionen der Menschheit ist. Vereine werden gegründet, nicht um die Wahrheit zu vertreten, sondern um dies oder jenes zu erreichen. Dadurch kann auch der richtige Gedanke fanatisiert, einseitig gemacht werden, während der fünfte nachatlantische Zeitraum in seinem Grundcharakter das hat, durch die Wahrheit wirken zu sollen.
[ 39 ] And the other factor at work in our time against progressive principles—aside from the absurd principle of nationalism—is the politicization of intellectual life. It is important to understand these two things—and to understand the politicization of intellectual life as well. I have already drawn attention to the meaning of “policy” in another context, where there is constant talk of policy—the staging of certain ideas in order to achieve this or that. But how widespread this is in the world! It is precisely from this politicization of intellectual life that the very worst emerges in our fifth post-Atlantean epoch. An age that could still, in a certain sense, believe itself to be inspired when forming thoughts could, at its councils, decide—for my sake—on this or that dogma, which was then used to achieve this or that in the world. Our age, however, which is truly devoid of inspiration in its materialistic structure, will—if it does not formulate thought in such a way that it is bound by a sense of responsibility toward impersonal truth—conceive of thought solely out of personal arbitrariness, or out of the arbitrariness of an association, or out of some other form of collective arbitrariness. And so the thought is not put forth into the world because one recognizes its correctness, but because one wants to use it for political purposes. This politicization of intellectual life goes on and on. And one does not educate oneself in such a way as to arrive at the correct, the true thought, but rather in such a way as to arrive at a thought with which one can engage in politics—for example, the idea of not performing vivisection on animals. But one does not grasp the idea in terms of its truth content, but rather through its power for political agitation. One agitates with the idea; one politicizes with the idea in temperance societies, in anti-vivisection societies. One does not grasp an idea in its reality—temperance, vivisection, or the like—but rather one politicizes in relation to it. Everywhere, ideas are used for political ends. They are drawn into political machinery. A false principle of nationality, a false politicization of ideas—as is particularly evident in our current culture of club-forming—is what stands in opposition to the correct evolutionary developments currently taking place within humanity. Associations are founded not to uphold the truth, but to achieve this or that. As a result, even the right idea can become fanatical and one-sided, whereas the fundamental character of the fifth post-Atlantean epoch is to work through the truth.
[ 40 ] Mit Recht hat Herman Grimm, der sich in das Goethesche Leben eingelebt hat, gesagt: Der Goethesche «Faust» stellt eine Dichtung dar, die wirklich ganz aus der Organisation der menschlichen Persönlichkeit heraus gedacht ist. Ein Universitätsprofessor mittleren Ranges wird irre an seinem wissenschaftlichen Streben, macht allerlei durch. Aber das, was er durchmacht, ist im höchsten Sinne repräsentativ für alles menschliche Streben und enthält wirklich, wenn man tief genug eingeht, alles dasjenige, was in unserer heutigen Zeit dem Menschen an philosophischen Fragen auftauchen kann, enthält auch alles dasjenige, was an Herzensfragen auftauchen kann, enthält auch alles dasjenige, was an politischen Kräften auftauchen kann. —- Und man könnte aus den Tiefen der Geisteswissenschaft heraus hinzufügen: Gerade dasjenige, was rein menschlich ist, was Inhalt der Humanität ist, ist in diesem «Faust» enthalten. Welcher Nation gehört er denn an? Keiner, selbstverständlich. Und er ist der lebendigste Protest gegen das falsche Nationalitätenprinzip unserer Tage, das mit einem Worte Grillparzers, mit einem hart klingenden, aber doch tief wahren Worte Grillparzers gründlich getroffen ist. Grillparzer sprach das Wort aus: Von Humanität durch Nationalität zur Bestialität. - Das ist schon der Weg! Die Nationalität führt ab, wenn auf sie gepocht wird, wenn aus ihr die Aspirationen herausgeschöpft werden, von der Humanität und sie führt bald in die Bestialität hinein. Und selbstverständlich ist Politik in der Welt notwendig, aber nicht die Politisierung der Gedanken. Und man sehe, wie von Goethe die Gedanken entpolitisiert werden! Man versuche, von diesem Gesichtspunkte aus den zweiten Teil von Goethes «Faust» zu verstehen; er ist schon aus ungeheuren Tiefen heraus geschrieben. Er ist ein größtes Dokument nicht bloß unserer Zeit, sondern aller Menschheitszeiten, denn er berührt die Fragen, die wir gesehen haben, die unmittelbar sich neben die großen biblischen Fragen hinstellen. Die Sorgeszene steht neben der Paradiesesszene; die Szene, wo Mephistopheles den Geistern des Himmels gegenübersteht, steht neben dem Bilde, welches die Bibel gibt, daß die Söhne der Götter Gefallen fanden an den Töchtern der Menschen und sich mit ihnen im Fleische verbanden.
[ 40 ] Herman Grimm, who immersed himself in Goethe’s life, rightly said: Goethe’s *Faust* is a work of fiction that is truly conceived entirely from the structure of the human personality. A mid-level university professor loses his mind in the pursuit of his scholarly endeavors and goes through all sorts of trials. But what he goes through is, in the highest sense, representative of all human striving and truly contains—if one delves deeply enough—everything that can arise for people in our time in terms of philosophical questions, as well as everything that can arise in terms of matters of the heart, and everything that can arise in terms of political forces. —- And one could add, from the depths of Spiritual Science: It is precisely that which is purely human—the very essence of humanity—that is contained in this *Faust*. To which nation does he belong? To none, of course. And it is the most vivid protest against the false principle of nationality in our day, which is thoroughly captured in a phrase by Grillparzer—a phrase that sounds harsh but is nonetheless profoundly true. Grillparzer uttered these words: “From humanity, through nationality, to bestiality.”—That is indeed the path! Nationality leads astray when it is insisted upon, when aspirations are drawn from it rather than from humanity, and it soon leads into bestiality. And of course, politics is necessary in the world, but not the politicization of thought. And see how Goethe’s thoughts are depoliticized! Try to understand the second part of Goethe’s *Faust* from this perspective; it was written from immense depths. It is a monumental document not only of our time but of all human history, for it touches upon the questions we have seen—questions that stand directly alongside the great biblical questions. The scene of sorrow stands alongside the scene of paradise; the scene in which Mephistopheles confronts the spirits of heaven stands alongside the image presented in the Bible, in which the sons of the gods took pleasure in the daughters of men and united with them in the flesh.
[ 41 ] Man möchte viel, viel bessere Worte haben, um auf dasjenige hinzuweisen, was recht tief eingeschrieben werden sollte in menschlichen Geist und menschliche Herzen, und was nicht vergessen werden sollte, was nur leider viel zu schnell immer vergessen wird, nachdem es einmal gehört ist. Denn die Heilung von den großen Übeln der Zeit kann nur vom Verständnis derjenigen Dinge kommen, die da berührt worden sind.
[ 41 ] One would like to have much, much better words to point out what should be deeply engraved in the human mind and heart—and what should not be forgotten, though, unfortunately, it is always forgotten far too quickly once it has been heard. For healing from the great evils of our time can come only from an understanding of the very things that have been touched upon here.
[ 42 ] Wenn ich versucht habe, gerade heute im Zusammenhang mit dem Goetheschen «Faust» einiges über die Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraumes anzuführen, wie sie geistgemäß sind, so möchte ich vor allen Dingen, daß ein Verständnis kommen möchte dafür, wie sich überall in der Welt die Sünden zeigen gegen diese Impulse des fünften nachatlantischen Zeitraumes, wie überall in der Welt Unverständnis auftritt gerade gegenüber dem, was verstanden werden soll. — Oh, ich möchte die Worte haben, mit denen ich gerne reden wollte von diesen Dingen! Aber vielleicht werden in Zeiten, die da kommen werden, andere Menschen bessere Worte finden, um die Dinge zu besprechen, die heute so wenig verstanden werden, weil doch so viele ihre Persönlichkeit gerne untertauchen lassen möchten in irgendeine bequeme Anlehnung an dieses oder jenes, suchen möchten, da oder dort durch diese oder jene Bewegung dieses oder jenes zu werden, und dann nicht mehr herauskommen aus dem falschen Gemeinsamkeits- oder falschen Nationalitätenprinzip, nicht mehr herauskommen aus der Politisierung der Gedanken. Und doch - verfallen dem Luzifer und Ahriman wird alles, was auf dieser falschen Fährte geht. Fortgedeihen wird nur dasjenige, was da wissen wird, daß auf dieser Fährte nichts zu erreichen ist! Mag man bequem sitzen in all den verschiedenen Agitationen und Vereinsmeiereien unserer Tage, — der Weg, der gefunden werden muß, wird doch nur gefunden werden im Dienste derjenigen Menschenwirksamkeit, die da sucht die Weisheit in der Wahrheit, und die da überzeugt ist, daß nur durch die Inkorporierung der Wahrheit in der Menschheit das Menschenziel unserer Epoche erreicht werden kann, und die da weiß, daß alle Politisierung des Gedankens aufhören muß, alles Agitieren mit den Gedanken als wie mit Dogmen, daß sie erfaßt werden müssen mit dem vollen Verantwortungsgefühl für die Wahrheit, nicht für ihren Agitationswert, nicht für das Gefallen, das wir ihnen entgegenbringen. Nicht dafür, daß sie uns gefallen, die Gedanken, dürfen sie in unsere Sphäre treten, sondern daß wir wirklich das volle Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Wahrheitswert haben.
[ 42 ] Since I have attempted today, in connection with Goethe’s *Faust*, to say a few words about the impulses of the fifth post-Atlantean epoch as they are in keeping with the spirit, I would like, above all, for an understanding to arise of how, all over the world, sins manifest themselves against these impulses of the fifth post-Atlantean epoch, how, all over the world, a lack of understanding arises precisely toward that which is meant to be understood. — Oh, how I wish I had the words with which I would love to speak of these things! But perhaps, in times yet to come, other people will find better words to discuss the things that are so little understood today, because so many would like to let their personalities sink into some comfortable reliance on this or that, would like to seek, here or there, through this or that movement, to become this or that, and then can no longer escape from the false principle of communality or false nationalism, can no longer escape from the politicization of thought. And yet—everything that follows this false path will fall prey to Lucifer and Ahriman. Only that which knows that nothing can be achieved on this path will flourish! One may sit comfortably amid all the various agitations and club-like activities of our day—yet the path that must be found will be found only in the service of that human activity which seeks wisdom in truth, which is convinced that only through the incorporation of truth into humanity can the human goal of our epoch be achieved, and which knows that all politicization of thought must cease, all agitation with ideas as with dogmas—that they must be grasped with a full sense of responsibility toward the truth, not for their agitational value, not for the favor we show them. It is not because the ideas please us that they may enter our sphere, but because we truly possess a full sense of responsibility toward truth and the value of truth.
[ 43 ] Ich möchte viel mehr gesagt haben, als in den Worten liegen kann, mit dem, was da im Anhang an den Goetheschen «Faust» gesagt ist. Ich möchte, daß es in den Herzen und in den Seelen fortwirkt, denn ich weiß, wie viel darinnen steckt von dem, was seelisch-geistige Heilmittel sein müssen für unsere Epoche und für die in unserer Epoche auf solchen Irrpfaden wandelnde Menschheit. Kann man sich nicht gestehen die Irrpfade, will man in ihnen weiterwandeln, so kann man auch nicht mit dem rechten Ziel, das die Menschheit verfolgen muß, in rechter Weise weiterkommen.
[ 43 ] I would like to have said much more than can be conveyed by the words in the appendix to Goethe’s *Faust*. I would like it to continue to have an effect in people’s hearts and souls, for I know how much is contained therein that must serve as spiritual and soul-healing remedies for our era and for humanity, which is wandering down such wrong paths in our era. If one cannot admit to these wrong paths—if one wishes to continue walking them—then one cannot make proper progress toward the true goal that humanity must pursue.
