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Faust, the Striving Human Being
Spiritual Scientific Explanations of Goethe's Faust
GA 272

10 September 1916, Dornach

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Faust, the Striving Human Being, tr. SOL
  1. Faust, der strebende Mensch Geisteswissenschaftliche

14. Ausblicke in die von Goethe Gesuchten Wahren Wirklichkeiten

14. Insights into the True Realities Sought by Goethe

[ 1 ] Ich werde nun heute und morgen, ausgehend von der Faust-Dichtung, versuchen, einiges zu sagen über gewisse Beziehungen des Menschen zu den geistigen Welten. Es darf angenommen werden von demjenigen, der wirklich sich mit dem Rüstzeug der Geisteswissenschaft vertieft in die Faust-Dichtung, daß Goethe eigentlich gerade in diesen letzten Szenen etwas von dem Tiefsten sagen wollte, was er in innerem Erlebnis sich errungen hatte durch sein langes Erdenleben als seine Weltanschauung. Weltanschauung in diesem Falle auch so gemeint, daß Goethe wie instinktiv, möchte ich sagen, wie als selbstverständliche Beigabe diese Szenen so gemacht hat, daß man wirklich aus ihnen herausfühlt seine Stellung auch zu der Menschheitsentwickelung, zu den Impulsen der Menschheitsentwickelung, soweit sie seiner Erkenntnis zugänglich waren. Wenn man geisteswissenschaftliche Ideen heranbringt an die Gestalten, die Goethe in seiner Faust-Dichtung geschaffen hat, dann muß das natürlich in einer ganz bestimmten Weise aufgefaßt werden. Es wäre durchaus falsch, wenn Sie glauben wollten, daß Goethe diese Ideen, von denen hier die Rede ist, zunächst zugrunde gelegt hat und dann, gewissermaßen wie man auf einen Kleiderrechen Kleider aufhängt, die Reden der Personen und ihre Charakteristik aufgehängt hätte. Das ist nicht der Fall. Wenn man also spricht, so wie wir jetzt sprechen wollen über diese Gestalten des Goetheschen «Faust», so muß man das in dem Sinne nehmen, daß Goethe gewissermaßen diese Gestalten von Angesicht zu Angesicht kannte und so charakterisierte, wie er sie charakterisieren konnte, daß aber Geisteswissenschaft mit vollem Rechte noch tiefer in die Sache eingehen kann. Nicht wahr, wenn Sie einem Menschen begegnen, den Sie gewissermaßen zum erstenmal sehen, so werden Sie auch nicht gleich darauf kommen, was alles in seiner Seele ist. Trotzdem ist dieses in seiner Seele. Wenn Sie nun nach der ersten Be gegnung mit diesem Menschen den Menschen beschreiben, so kann es sein, daß Sie nur einige Seiten beschreiben von dem Menschen, vielleicht etwas, was rein äußerlich ist, von ihm beschreiben. Aber es ist doch dieser Mensch, den vielleicht Sie selbst, wenn Sie ihn oft gesehen haben, oder ein anderer, der tiefer in die Seele zu sehen vermag, mit viel tieferen Ideen dann charakterisieren müßten. Wenn ich also zunächst, um das Bedeutsame heute und morgen aussprechen zu können, was im Zusammenhang mit der Faust-Dichtung ausgesprochen werden kann, wenn ich zunächst die Frage aufstelle: Was ist dieser Mephistopheles bei Goethe? — so ist das nicht so vorzustellen, als ob Goethe in seinem Bewußtsein auch die Ideen gehabt hätte, die ich Ihnen entwickeln muß, wenn ich von Mephistopheles spreche. Goethe hat eben den Mephistopheles charakterisiert, wie er ihn gekannt hat, aber deshalb bleibt doch der Mephistopheles, wie er in Wirklichkeit ist, eine bestimmte Gestalt, die man auch durch geisteswissenschaftliche Ideen charakterisieren kann; und es ist gerade das Bedeutsame, daß man durch diese geisteswissenschaftliche Charakteristik tiefer hineinschauen kann in die Individualität des Mephistopheles oder anderer in der Faust-Dichtung vorkommender Gestalten.

[ 1 ] Today and tomorrow, drawing on the *Faust* epic, I will attempt to say a few words about certain relationships between human beings and the spiritual worlds. It may be assumed by anyone who truly delves into the *Faust* epic with the tools of Spiritual Science that Goethe actually intended, precisely in these final scenes, to express something of the deepest insights he had attained through his inner experience during his long earthly life—insights that constituted his worldview. “Worldview” in this case also means that Goethe—almost instinctively, I would say, as a matter of course—crafted these scenes in such a way that one can truly sense from them his stance toward the development of humanity and the impulses driving that development, to the extent that they were accessible to his understanding. If one applies ideas from the Spiritual Sciences to the characters Goethe created in his *Faust* poem, then this must, of course, be understood in a very specific way. It would be entirely wrong to believe that Goethe first laid down these ideas—the ones we are discussing here—and then, as it were, hung the characters’ speeches and their characteristics on them, much like one hangs clothes on a clothes rack. That is not the case. So when we speak—as we now intend to do—about these characters in Goethe’s *Faust*, we must understand this to mean that Goethe, so to speak, knew these characters face to face and characterized them as best he could; yet Spiritual Science is fully justified in delving even deeper into the matter. Isn’t it true that when you meet a person whom you are, so to speak, seeing for the first time, you won’t immediately grasp everything that lies within their soul? Nevertheless, it is there within their soul. If, after your first encounter with this person, you were to describe them, you might describe only a few aspects of them—perhaps something purely external. But it is still this person whom perhaps you yourself—if you have seen him often—or someone else who is able to look deeper into the soul, would then have to characterize with much deeper insights. So if I first pose the question—in order to be able to articulate today and tomorrow what is significant in connection with the *Faust* epic—if I first ask: What is this Mephistopheles in Goethe’s work? — this should not be conceived as though Goethe had, in his consciousness, also possessed the ideas that I must unfold for you when I speak of Mephistopheles. Goethe simply characterized Mephistopheles as he knew him, but even so, Mephistopheles, as he really is, remains a specific figure who can also be characterized through ideas from Spiritual Science; and what is significant is precisely that through this Spiritual Science characterization, one can gain a deeper insight into the individuality of Mephistopheles or other figures appearing in the *Faust* epic.

[ 2 ] Im Sinne der Geisteswissenschaft muß man jedenfalls solch eine Gestalt, wie Mephistopheles es ist, sich vorstellen als in gewissem Sinne zurückgeblieben auf der alten Mondenentwickelung. Das ist die Voraussetzung gewissermaßen, die geisteswissenschaftliche Voraussetzung, daß Mephistopheles ein Wesen ist, das nicht mitgemacht hat in der entsprechenden Form die Entwickelung, die es hätte mitmachen können vom Monde, oder sagen wir vielleicht schon von der Sonne aus zur Erde, oder durch den Mond zur Erde. Aber wenn er uns auch entgegentritt - allerdings geistig-visionär entgegentritt -, wenn er uns auch entgegentritt, dieser Mephistopheles, in der irdischen Menschengestalt, so würden wir doch fehlgehen, wenn wir ihn auffassen würden so, daß wir etwa sagten: Er ist gegenüber der menschlichen Entwickelung auf dem Monde zurückgeblieben. — Er steht ganz entschieden höher auf der Erde, der Mephistopheles, als der Mensch auf der Erde steht, mit Bezug natürlich auf seine Entwickelung, nicht in bezug auf das Talent zum Bösen. Das können Sie ja, wenn Sie wollen, tieferstehend nennen, daß Mephistopheles dieses Genie zum Bösen hat. Aber er ist ein Wesen gewissermaßen einer höheren hierarchischen Ordnung, als der Mensch es ist, das ist schließlich selbstverständlich. Würden wir also zurückgehen zur alten Mondenentwickelung, so würden wir dort finden, daß der Mensch selbstverständlich in seiner Mondenentwickelung klar unter der Entwickelung des Mephistopheles steht, desjenigen Wesens, aus dem der Mephistopheles auf der Erde geworden ist. Also wir müssen ein höheres Wesen suchen in Mephistopheles, ein Wesen, das einfach mit höheren Fähigkeiten zurückgeblieben ist auf der Mondenentwickelung, als der Mensch sie jemals gehabt hat. Wie könnten wir uns, ich möchte sagen, durch eine Analogie noch klarmachen, wie solch ein Wesen eigentlich beschaffen ist?

[ 2 ] From the perspective of Spiritual Science, one must in any case have in one's mental image a figure such as Mephistopheles as having, in a certain sense, remained behind in the old lunar evolution. This is, so to speak, the prerequisite—the prerequisite of Spiritual Science—that Mephistopheles is a being who did not participate, in the appropriate form, in the evolution he could have undergone from the Moon, or perhaps even from the Sun to Earth, or via the Moon to Earth. But even if he appears before us—albeit in a spiritual, visionary way—even if this Mephistopheles appears before us in the earthly human form, we would still be mistaken if we were to interpret him in such a way that we might say, for example: He has remained behind in relation to human evolution on the Moon. — Mephistopheles stands decidedly higher on Earth than human beings do, in terms of his development, of course, not in terms of his talent for evil. You may, if you wish, call it a sign of inferiority that Mephistopheles possesses this genius for evil. But he is, so to speak, a being of a higher hierarchical order than human beings are—that goes without saying, after all. So if we were to go back to the ancient lunar evolution, we would find there that human beings, in their lunar evolution, are clearly below the level of Mephistopheles—that being from whom Mephistopheles on Earth originated. So we must look for a higher being in Mephistopheles—a being who simply remained behind in the lunar evolution with higher abilities than human beings have ever possessed. How might we, I would say, use an analogy to clarify what such a being is actually like?

[ 3 ] Nehmen wir einmal an, wir blickten auf unsere jetzige Erdenentwickelung hin. Wir finden auch während unserer jetzigen Erdenentwickelung, daß Menschen weiter sind in ihrer Entwickelung als andere Menschen. Es gibt Menschen, die entschieden weiter sind in ihrer Entwickelung als andere Menschen, ja, wir sprechen während der Erdenentwickelung von gewissen Menschen, welche die Initiation durchgemacht haben, die also — während das im jetzigen Erdenzyklus für die Allgemeinheit noch nicht der Fall ist - schon in die Welt hineinschauen, die jenseits der Schwelle liegt. Natürlich gibt es auch eine entsprechend fortschreitende Entwickelung für solche vorgeschrittene Menschen. Aber auch diese Menschen können in einer gewissen Weise zurückbleiben auf den Stufen ihrer Erdenentwickelung und zum Jupiter sich so hinüberleben, daß sie gewissermaßen, wenn die Jupiterentwickelung akut wird, sagen: Ginge alles den Gang, den die regelmäßige Weltenentwickelung macht, dann würden wir jetzt auf dem Jupiter dieses oder jenes durchmachen, aber das wollen wir nicht, wir bleiben stehen auf dem Standpunkt, den wir während der Erdenentwickelung erlangt haben. — Der Standpunkt ist ein höherer vielleicht, als er von Menschen hat während der Erdenentwickelung erlangt werden können; der Standpunkt ist ein solcher, daß schon während der Erdenentwickelung die Jupiterentwickelung vielleicht vorausgenommen ist. Aber diese Wesen — Menschen sind es in diesem Fall — bleiben doch zurück auf dem Standpunkt, den sie auf der Erde gehabt haben, und stellen sich in diese Jupiterentwickelung so hinein mit einer Jupiterentwickelung, die sie schon während der Erdenzeit durchgemacht haben. Also sie sind zurückgeblieben gegenüber ihren eigenen Maßen, aber nicht zurückgeblieben gegenüber der allgemeinen Entwickelung. Sie machen die Entwickelung nur nicht so durch, wie sie die Menschen dann auf dem Jupiter durchmachen werden, sie bleiben Erdenwesen, Erdenmenschen, aber sie tragen schon von der Erde aus die Jupiterentwickelung in sich.

[ 3 ] Let us suppose we were to look at our current stage of Earth’s evolution. Even during this stage, we find that some people are further along in their development than others. There are people who are decidedly further along in their development than others; indeed, during Earth’s evolution, we speak of certain individuals who have undergone initiation and who—while this is not yet the case for the general population in the current Earth cycle—already glimpse the world that lies beyond the threshold. Of course, there is also a corresponding progressive development for such advanced individuals. But even these individuals can, in a certain sense, lag behind on the stages of their earthly evolution and transition to Jupiter in such a way that, when Jupiter’s evolution becomes imminent, they might say: If everything were to follow the course of regular world evolution, then we would now be going through this or that on Jupiter, but we do not want that; we remain at the stage we have attained during Earth evolution. — This stage is perhaps higher than what human beings could have attained during Earth evolution; it is one such that the Jupiter phase may already have been anticipated during Earth’s development. But these beings—in this case, human beings—nevertheless remain at the stage they had reached on Earth, and thus enter this Jupiter phase having already undergone a form of Jupiter development during their time on Earth. Thus, they have fallen behind in relation to their own standards, but not in relation to general evolution. They simply do not undergo the evolution in the same way that human beings will later undergo it on Jupiter; they remain earthly beings, earthly human beings, but they already carry the Jupiter evolution within them from their time on Earth.

[ 4 ] Sie müssen durchaus sich klar sein darüber, daß die verschiedenen Evolutionsvorgänge wirklich recht kompliziert sind, und daß es solche Evolutionsvorgänge, wie ich sie eben charakterisiert habe, tatsächlich auch gibt. Und übertragen Sie jetzt das, was ich gesagt habe von JupiterErde, auf Erde-Mond, dann bekommen Sie ungefähr die Vorstellung von dem, was zunächst der Mephistopheles ist, der in Goethes «Faust» auftritt. Er ist dadurch den ahriimanischen Hierarchien zuzuzählen, daß er die Erdenentwickelung des Menschen schon vorausgenommen hat während der alten Mondenzeit, aber jetzt sich so auf die Erde hereinstellt, daß er nicht Erdenvernunft, Erdenverstand, Erdenindividualität hereinbringt in die Erdenentwickelung, wie sie von der Erde gegeben werden, sondern wie er sie voraus auf dem alten Monde genommen hat, angenommen hat. Daher fühlt er sich im «Prolog im Himmel» so außerordentlich überlegen dem Menschen Faust. Er ist ihm auch überlegen, dem Menschen Faust, denn der Mensch Faust soll im Goetheschen Sinne ein richtiger Erdenmensch sein, der nur nicht in der Region der Stumpflinge zurückgeblieben ist, der aber ganz auf Erdenkräfte baut, auf Erdenimpulse baut das, was er in seiner Seele zu entwickeln hat. Faust ist Erdenmensch, Erdenkämpfer. Mephistopheles tritt ihm gegenüber als der Mondenmensch, der natürlich sich ihm ungeheuer überlegen fühlt, weil er noch in den geistigen Regionen des Mondes schon angenommen hat Vernunft und Wissenschaft, die sonst die Erdenmenschen auf der Erde haben. Daher kann natürlich Mephistopheles nur ein geistiges Wesen sein. Würde er Menschengestalt so wie ein anderer Mensch annehmen, dann müßte er auch der Erdenevolution sich anbequemen. Das tut er aber nicht. Da sehen wir also in Mephistopheles ein Wesen, welches außerordentlich hoch sich fühlen kann gegenüber dem Erdenmenschen. Da aber während der Erdenentwickelung erst die Möglichkeit auftritt, moralische Impulse zu haben - erinnern Sie sich an Vorträge, die wir gerade in diesen Wochen gehalten haben -—, da während der Erdenzeit die menschlich-moralischen Impulse erst auftreten, namentlich alles dasjenige da erst auftritt, was aus dem Impuls der Liebe hervorgeht, so hat Mephistopheles, der seine Mondenentwickelung festgehalten hat, diese Impulse der Liebe ohne weiteres nicht. Er hat sie ohne weiteres nicht. Er ist also ein geistiges Wesen, das zu einer Hierarchie gehört, die deshalb, weil sie sich zurückgehalten hat und auch in früheren Entwickelungsepochen sehr hoch gestiegen ist, eine gewisse Höhe aus ihrer ganzen Wesenheit hat.

[ 4 ] You must certainly be aware that the various evolutionary processes are indeed quite complicated, and that such evolutionary processes, as I have just described them, actually do exist. And if you now apply what I have said about Jupiter-Earth to Earth-Moon, you will get a rough mental image of what Mephistopheles—who appears in Goethe’s *Faust*—actually is. He belongs to the Ahrimanic hierarchies in that he had already anticipated the earthly development of the human being during the ancient Moon era, but now presents himself on Earth in such a way that he does not bring earthly reason, earthly intellect, or earthly individuality into earthly development as they are given by the Earth, but rather as he had previously taken them on the ancient Moon. This is why, in the “Prologue in Heaven,” he feels so extraordinarily superior to the human Faust. He is indeed superior to him, to the human Faust, for the human Faust is meant, in Goethe’s sense, to be a true earthly human being—one who has not remained behind in the realm of the dull-witted, but who relies entirely on earthly forces and earthly impulses to develop what he must in his soul. Faust is an earthly human, an earthly striver. Mephistopheles confronts him as the lunar being, who naturally feels immensely superior to him because, even in the spiritual regions of the Moon, he has already embraced reason and science—which earthly humans otherwise possess on Earth. Therefore, Mephistopheles can, of course, only be a spiritual being. If he were to take on human form like any other human, he would also have to adapt to earthly evolution. But he does not do that. So we see in Mephistopheles a being who can feel extraordinarily superior to the earthly human. But since the possibility of having moral impulses only arises during Earth’s evolution—remember the lectures we have just given in recent weeks— since human-moral impulses first arise during the Earth period—namely, everything that arises from the impulse of love—Mephistopheles, who has retained his lunar development, simply does not possess these impulses of love. He simply does not possess them. He is therefore a spiritual being who belongs to a hierarchy that, because it has exercised restraint and has also risen very high in earlier epochs of evolution, possesses a certain loftiness inherent in its entire being.

[ 5 ] Stellen wir diesem Mephistopheles gegenüber die höheren Engel. Nehmen wir an, so ein jetziger Engel stünde neben Mephistopheles, also ein Wesen, das jetzt Engel ist. Was ist das für ein Wesen, das jetzt Engel ist? Es ist ein Wesen, das hinuntersteigen muß während der Jupiterentwickelung, um während der Jupiterentwickelung die Dienste an der Jupitermenschheit zu leisten, welche andere Wesen — sagen wir zum Beispiel Erzengelwesen - an der heutigen Erdenmenschheit leisten. Das ist also ein Wesen, ein solches Engelwesen, das naturgemäß, weil es geistig ist, wenn es einfach neben Mephistopheles steht, in der Evolution weniger weit ist als Mephistopheles selber, respektive die Hierarchie, der er angehört. Die Engelwesen werden in bezug auf Intellektualität dasjenige erst während der Jupiterentwickelung erreichen können, was Mephistopheles durch seine Hierarchie -— wenn auch nicht durch sich selbst, falls wir ihn als einen Mondenmenschen ansehen, als einen Monden-Initiierten — schon auf dem Monde erlangt hat. Man könnte sagen, der unmittelbare Vorgesetzte des Mephistopheles ist sogar ein außerordentlich hochstehendes Wesen, wenn auch ein in der Evolution zurückgebliebenes Wesen, ein so hochstehendes Wesen, daß ein Wesen wie etwa von dem Range des Erzengels Michael sich unter dem Range des unmittelbaren Vorgesetzten des Mephistopheles fühlt. Diese Evolutionsvorgänge komplizieren die Rangordnungen der geistigen Wesen. Solch ein Wesen wie Mephistopheles hat sich während der Mondenentwickelung sehr weit entwickelt. Dadurch ist es voraus der gewöhnlichen Engelentwickelung, der normalen Engelentwickelung. Solch ein Wesen wie Mephistopheles ist aber Geist geblieben. Dadurch, daß es Geist ist, hat es etwas Verwandtes mit der gewöhnlichen Engelentwickelung. Engel sind ja auch Geister. So daß wir sagen können: Vom mephistophelischen Standpunkte aus ist es ganz richtig, wenn Mephistopheles davon spricht: «unmündiges Volk» — zu den Engeln. Sie sind ihm gegenüber wirklich ein unmündiges Volk, ein Volk, das es in der Entwickelung, auf die er besonderen Wert legt, nicht so weit gebracht hat wie er selber.

[ 5 ] Let us contrast this Mephistopheles with the higher angels. Let us suppose that such a present-day angel were standing next to Mephistopheles—that is, a being who is now an angel. What kind of being is this who is now an angel? It is a being that must descend during the Jupiter evolution in order to render to the Jupiter humanity, during that evolution, the services that other beings—let us say, for example, archangelic beings—render to today’s Earth humanity. This is therefore a being—such an angelic being—who, by nature, because he is spiritual, is less advanced in evolution than Mephistopheles himself—or rather, than the hierarchy to which he belongs—simply by standing next to Mephistopheles. In terms of intellectual capacity, the angelic beings will not be able to attain during the Jupiter evolution what Mephistopheles has already attained on the Moon through his hierarchy—even if not through himself, assuming we regard him as a Lunar human, a Lunar initiate. One could say that Mephistopheles’s immediate superior is in fact an extraordinarily high-ranking being, albeit one that has lagged behind in evolution—a being so high-ranking that a being of the rank of, say, the Archangel Michael feels himself to be of lower rank than Mephistopheles’s immediate superior. These evolutionary processes complicate the hierarchies of spiritual beings. A being such as Mephistopheles has developed very far during the Moon’s evolution. As a result, it is ahead of ordinary angelic development—normal angelic development. Yet a being such as Mephistopheles has remained a spirit. Because it is a spirit, it shares something in common with ordinary angelic development. Angels, after all, are also spirits. So we can say: From the Mephistophelean point of view, it is entirely correct when Mephistopheles speaks of the angels as an “immature people.” To him, they truly are an immature people—a people who, in the stage of development to which he attaches particular importance, have not progressed as far as he himself has.

[ 6 ] Nun gibt es natürlich auch wiederum alle möglichen Evolutionsstufen in der Hierarchie der Angeloi. Auch da können wir eine — gewissermaßen pedantisch-philiströs gesprochen — normale Evolutionsstufe für die Engelentwickelung annehmen. Aber wir müssen annehmen - das ist ja Tatsache —, daß auch gewisse Engel zurückgeblieben sind, daß sie sich also, wenn ich den Ausdruck bilden darf, verluziferisieren. Vor der normalen Entwickelung bleiben gewisse Engel zurück und verluziferisieren sich. Es sind solche, die nicht mitgehen, sondern auf früheren Stufen zurückbleiben. Die Engel, die sich so verluziferisierten, schon verluziferisiert hatten vor der lemurischen Erdenzeit, nehmen nun noch eine ganz besondere Stellung ein. Denn wodurch erlangten sie denn das, daß sie sich dazumal verluziferisieren konnten? Es stand — wenn ich mich jetzt populär, wenn auch vielleicht nur annähernd ausdrücken soll, weil es nicht anders sein kann -—, damals bevor, daß eben die Wesensgruppe, die Mensch war, ihre Mondenentwickelung durchmachte. Nun kam das, was man die luziferische Verführung nennt, durch geistige Wesenheiten, die sich luziferisiert hatten. Diese Luziferisierung führte gewisse Wesen dazu, während der lemurischen Entwickelung dasjenige für den Menschen zu bewirken, was Sie aus der «Geheimwissenschaft im Umriß» kennen. Dann führte wiederum die ahrimanische EntwickeJung dazu, während der atlantischen Zeit dasjenige zu bewirken, was Sie auch aus der «Geheimwissenschaft» und aus Vorträgen, die jetzt gehalten worden sind, kennen. So müssen wir also sagen: Von luziferischer Seite ging während der alten lemurischen Zeit ein gewisser Impuls aus, an dem für die Menschheit alle Wesen, die sich vorher luziferisiert hatten, beteiligt waren. Dieser Impuls besteht darinnen, daß der Mensch weiter in das Materielle heruntergestiegen ist während der Erdenentwickelung, als er in der fortschreitenden Entwickelung hätte sollen, daß seine Begierden, Triebe und Leidenschaften, man könnte sagen, in die materielle Entwickelung verstrickt worden sind. Es mußte ein Gegengewicht gegeben werden. Und dieses Gegengewicht wurde gegeben durch die ahrimanische Entwickelung, so daß der Mensch im Gleichgewicht schwebt zwischen der luziferischen und der ahrimanischen Entwickelung. Das alles aber, daß der Mensch also im Gleichgewicht schwebt zwischen der luziferischen und der ahrimanischen Entwickelung, ist doch in einem gewissen höheren Stile, in einem gewissen höheren Sinne wiederum der Plan der fortschreitenden Evolution, liegt im Plan der fortschreitenden Evolution.

[ 6 ] Of course, there are also all sorts of evolutionary stages within the hierarchy of the Angeloi. Here, too, we can assume—to put it in somewhat pedantic and philistine terms—a normal stage of evolution for the development of angels. But we must assume—and this is a fact—that certain angels have fallen behind, that they, if I may coin the term, have become “Luciferized.” Certain angels lag behind the normal course of development and become “Luciferized.” These are the ones who do not move forward but remain at earlier stages. The angels who became “Luciferized” in this way—who had already become “Luciferized” before the Lemurian epoch—now occupy a very special position. For how did they come to be able to become “Luciferized” back then? It was the case—if I am to express this in layman’s terms, albeit perhaps only approximately, since it cannot be otherwise—that at that time, the group of beings that was humanity was undergoing its lunar evolution. Now came what is called the Luciferic temptation, brought about by spiritual beings who had become Luciferized. This Luciferization led certain beings, during the Lemurian period, to bring about for humanity what you know from *Outlines of Esoteric Science*. Then, in turn, the Ahrimanic development led, during the Atlantean period, to the events you are also familiar with from *The Secret Science* and from lectures that have now been given. So we must say: From the Luciferic side, a certain impulse emanated during the ancient Lemurian period, in which all beings who had previously become Luciferized were involved on behalf of humanity. This impulse consists in the fact that, during the Earth’s evolution, human beings descended further into the material realm than they should have in the course of progressive development; that is, their desires, drives, and passions became, so to speak, entangled in material development. A counterbalance had to be provided. And this counterbalance was provided by the Ahrimanic development, so that humanity hovers in balance between the Luciferic and the Ahrimanic developments. But all of this—that human beings thus hover in balance between Luciferic and Ahrimanic development—is, in a certain higher sense, in a certain higher way, once again the plan of progressive evolution; it lies within the plan of progressive evolution.

[ 7 ] Indem ich Ihnen das rekapituliert habe, können Sie sich sagen: Faust, dem rechten Erdenmenschen, werden gegenüberstehen luziferische und ahrimanische Gewalten. Und die ahrimanischen Gewalten, die ihm gegenüberstehen, zeigt Ihnen Goethe besonders in dem Mephistopheles, den er Faust an die Seite stellt als den Repräsentanten der ahrimanischen Gewalt. Wir hatten schon das besprochen, warum Goethe es unterlassen hat, deutlich herauszustellen, wie die luziferischen Impulse an den Faust herankommen. Aber überall - ich habe das angedeutet — schimmert das durch, daß Goethe eigentlich den Faust hineingestellt hat in die Mitte zwischen die mephistophelischen und die luziferischen Gewalten. Ich habe ausdrücklich wiederholt hervorgehoben, Goethe konnte sich zu seiner Zeit, weil es die Geisteswissenschaft noch nicht so gegeben hat wie heute, noch nicht ganz klar sein über das Verhältnis des Menschen Faust zu Ahriman-Mephistopheles und zu Luzifer. Aber er hatte ein gewisses instinktives Erkennen, daß Faust diesen zwei Impulsarten gegenübersteht.

[ 7 ] Now that I have summarized this for you, you can say to yourselves: Faust, the true earthly human being, will be confronted by Luciferic and Ahrimanic Powers. And Goethe reveals the Ahrimanic Powers that stand opposed to him particularly through Mephistopheles, whom he places at Faust’s side as the representative of the Ahrimanic Power. We have already discussed why Goethe refrained from clearly highlighting how the Luciferic impulses approach Faust. But everywhere—as I have hinted—it shines through that Goethe actually placed Faust in the middle between the Mephistophelean Powers and the Luciferic Powers. I have repeatedly and explicitly emphasized that, in his time—because Spiritual Science did not yet exist as it does today—Goethe could not yet be entirely clear about the relationship of the human being Faust to Ahriman-Mephistopheles and to Lucifer. But he had a certain instinctive recognition that Faust is confronted by these two kinds of impulses.

[ 8 ] Nun fragen wir uns: Worin besteht denn eigentlich dasjenige, was, sei es Mephistopheles selber oder seien es die Verwandten des Mephistopheles, mit den Menschen wollten? - Was Mephistopheles mit den Menschen wollte, ist wirklich nichts anderes eigentlich als etwas, was die Menschen auf der Erde unmöglich gemacht hätte, richtig unmöglich gemacht hätte. Denn was auf der Erde erst eingetreten ist, das ist die Fortpflanzung durch die Geschlechter der Menschen, durch das Männlich-Weibliche. Mephistopheles als ein richtiger Monden-Initiierter, der nur zurückgeblieben ist, kann das absolut nicht leiden, und das ist dasjenige, was er eigentlich als seine Aufgabe betrachtet, aus der Welt zu schaffen die Möglichkeit, durch geschlechtliche Fortpflanzung eine Menschheit auf der Erde zu haben. Das soll es nicht geben auf der Erde. Also fassen wir das genau: Die normale Entwickelung des Menschen auf der Erde besteht ja darinnen, daß sich auf der Erde das Menschengeschlecht durch die Geschlechter fortpflanzt. Aber Mephistopheles wollte auf der Mondenentwickelung zurückbleiben. Er wollte das daher nicht haben, daß die Liebe zur Liebe der Geschlechter auf der Erde führt. Mephistopheles ist der Feind der Liebe der Geschlechter auf der Erde. Der ganz entschiedene Feind ist er. Er fühlt sich daher — und Goethe charakterisiert das ganz richtig — außerordentlich dazu berufen, alles dasjenige ad absurdum zu führen, was irgendwie zur Geschlechterliebe führt. Was er veranlassen will in der Beziehung des Faust zu Gretchen — lesen Sie nur mit Aufmerksamkeit die Gretchen-Szenen, da werden Sie überall spüren, er will da allerlei, was das Amt des AhrimanMepbistopheles ist. Aber die Liebe zwischen Faust und Gretchen, die wirkliche menschliche Erdenliebe, die will er nicht aufkommen lassen, weder bei Faust noch bei Gretchen will er sie eigentlich dulden. Dagegen ist er richtig im Spiele da, wo im Laboratorium der Homunkulus erzeugt wird. Und Sie wissen aus früheren Darstellungen, die ich aus dem «Faust» gegeben habe, daß der Homunkulus erzeugt wird, um aus der Natur heraus, ohne Geschlechterliebe, ein Hervorbringer eines Menschlichen — der Helena — zu werden. Das setzt sich Mephistopheles zur Aufgabe, nicht eine Menschheit im Sinne der fortschreitenden Entwickelung, die auf der Erde durch Geschlechterliebe hervorgeht, zu erzeugen, sondern auf einem andern Wege, durch die Kräfte, die dem Ahriman zugeteilt sind, eine Wesensart zu erzeugen, die nicht im Sinne des für die Erde bestimmten Menschengeschlechtes ist. Denn denken Sie einmal nur an anderes als an diesen Homunkulus, denken Sie an den Euphorion, denken Sie an die ganze Art, wie Helena wieder heraufkommt, da ist überall Mephistopheles im Spiele. Aber nirgends soll da irgend etwas von regulärer Geschlechterliebe in Betracht kommen. Also die Rolle, die Mephistopheles zugeteilt ist, ist schon ganz außerordentlich gut getroffen und kann von der Geisteswissenschaft aus durchaus gerechtfertigt werden. Es ist eine ungeheure Tiefe darinnen.

[ 8 ] Now let us ask ourselves: What exactly is it that Mephistopheles himself—or Mephistopheles’ relatives—wanted from human beings? - What Mephistopheles wanted from human beings is really nothing other than something that would have made human existence on Earth impossible—truly impossible. For what has come to pass on Earth is procreation through the human sexes—through the male and female. Mephistopheles, as a true lunar initiate who has simply remained behind, absolutely cannot stand this, and this is what he actually regards as his task: to eliminate from the world the possibility of having a human race on Earth through sexual reproduction. That is not to be on Earth. So let’s be clear about this: The normal development of humankind on Earth consists, after all, in the human race reproducing itself on Earth through the sexes. But Mephistopheles wanted to remain at the stage of lunar development. He therefore did not want love to lead to sexual love on Earth. Mephistopheles is the enemy of sexual love on Earth. He is its most determined enemy. He therefore feels—and Goethe characterizes this quite correctly—an extraordinary calling to reduce to absurdity everything that in any way leads to love between the sexes. As for what he seeks to bring about in the relationship between Faust and Gretchen—just read the Gretchen scenes carefully, and you will sense everywhere that he is pursuing all manner of things that are the very duty of Ahriman-Mephistopheles. But the love between Faust and Gretchen—true human earthly love—he does not want to allow it to arise; he does not actually want to tolerate it in either Faust or Gretchen. On the other hand, he is truly at work in the scene where the homunculus is created in the laboratory. And you know from earlier interpretations I have given of *Faust* that the homunculus is created to become, out of nature and without sexual love, a bringer of the human—Helena. Mephistopheles sets himself the task not of creating humanity in the sense of progressive development—which arises on Earth through sexual love—but of creating, by another means, through the powers assigned to Ahriman, a kind of being that is not in the sense of the human race intended for Earth. For just think of something other than this homunculus—think of Euphorion, think of the whole way in which Helena returns—Mephistopheles is at work everywhere. But nowhere is there to be any consideration of regular sexual love. So the role assigned to Mephistopheles is exceptionally well-chosen and can certainly be justified from the perspective of Spiritual Science. There is tremendous depth to it.

[ 9 ] Und nun nehmen Sie das merkwürdige Wort, gleich als die himmlische Heerschar beginnt da zu sein:

[ 9 ] And now take this strange word, just as the heavenly host begins to appear:

Mißtöne hör’ ich, garstiges Geklimper,
Von oben kommt’s mit unwillkommnem Tag;
Es ist das bübisch-mädchenhafte Gestümper,
Wie frömmelnder Geschmack sich’s lieben mag.
Ihr wißt, wie wir in tiefverruchten Stunden
Vernichtung sannen menschlichem Geschlecht:

I hear discordant notes, a nasty clatter,
Coming from above on this unwelcome day;
It is that mischievous, girlish fumbling,
As pious tastes are wont to love.
You know how, in deeply wicked hours
, We plot the destruction of the human race:

[ 10 ] Das traut er den Engeln schon zu, zu wissen, daß sie zugeschaut haben damals, als Mephistopheles mit seinen Genossen Vernichtung gesonnen hat menschlichem Geschlecht. Jetzt sagt er weiter etwas, indem er gewissermaßen die Sprache des Erdenmenschen annimmt:

[ 10 ] He believes the angels are certainly capable of knowing this, since they were watching back then when Mephistopheles and his cohorts were plotting the destruction of the human race. Now he goes on to say something else, adopting, as it were, the language of earthly humans:

Das Schändlichste, was wir erfunden,

The most shameful thing we've ever invented,

[ 11 ] — das Schändlichste ist eben diese Vernichtung des menschlichen Geschlechtes. Man nennt es das Schändlichste.

[ 11 ] — The most shameful thing is precisely this destruction of the human race. It is called the most shameful thing.

[ 12 ] Um nun weiterzukommen mit dem Verständnisse — es ist natürlich außerordentlich schwer, an diese Dinge heranzugehen, denn Goethe wollte sein tiefstes menschlich-geistiges Fühlen und Empfinden und Erkennen darin ausdrücken -, um weiterzukommen hat man ungefähr die folgende Betrachtung nötig. Nicht wahr, Sie wissen, es gibt — für uns wenigstens — eine Geisteswissenschaft, wenn sie auch heute erst im Anfange ihrer Entwickelung ist. Sie wissen auch, es hat immer so etwas gegeben, wenn es auch in früheren Zeiten auf andere Weise erlangt worden ist, als wahre Erkenntnis der Welt, die über den Schein hinausgeht, die zur Wirklichkeit dringt. Nun wissen Sie auch, daß in einer gewissen Weise sorgfältig gewacht wurde, namentlich in älteren Zeiten, über das geistige Gut, das in den Mysterien bewahrt wurde und das auf wirkliche Welterkenntnis ging. Dieses Geistesgut wurde nur denjenigen — das wissen Sie — mitgeteilt, die ihre Reife dafür zeigten. Wenn man sich nun frägt, welcher Art war denn eigentlich diese besondere Art des Erkennens, diese besondere Art des Geistesgutes, welche da in den Mysterien mitgeteilt worden ist, so kommt man am besten zu Rande, wenn man versucht zu vergleichen unseren fünften nachatlantischen Zeitraum mit vorhergehenden Zeiträumen, dem griechisch-lateinischen, ägyptischchaldäischen und so weiter. Und wenn man sich an der Hand dieser Vergleichung frägt, wie hat sich die ganze Auffassung der Welt durch den Menschen geändert aus den früheren Zeitepochen, aus den früheren Kulturepochen in unsere Kulturepoche herein? Es ist wirklich wahr, daß sich Wichtiges, Bedeutungsvolles vollzogen hat in der Evolution der Menschheit, daß es eine fable convenue ist, wenn man glaubt, nur das brauche man zu wissen über die Entwickelung der Menschheit, was die triviale Geschichte, das, was man heute eben Geschichte nennt, mitteilt. Es waren die früheren Kulturzeitalter ganz anders, als man sie sich vorstellte nach der gewöhnlichen Geschichte, die eine fable convenue ist. Erinnern Sie sich nur einmal an die Tiefe eines solchen Spruches, wie ich ihn angeführt habe:

[ 12 ] To make further progress in understanding—it is, of course, extraordinarily difficult to approach these matters, for Goethe sought to express his deepest human and spiritual feelings, sensibilities, and insights in them—to make further progress, one needs to consider the following. You know, don’t you, that there is—at least for us—a Spiritual Science, even if it is still only in the early stages of its development today. You also know that something like this has always existed, even if in earlier times it was attained in a different way—as true knowledge of the world that goes beyond appearances and penetrates to reality. Now you also know that, in a certain sense, great care was taken—especially in earlier times—to safeguard the spiritual heritage preserved in the Mysteries, which was directed toward true knowledge of the world. This spiritual heritage was imparted only to those—as you know—who demonstrated the necessary maturity for it. If one now asks what kind this particular form of knowledge actually was—this particular form of spiritual heritage that was imparted in the Mysteries—one best comes to an understanding by attempting to compare our fifth post-Atlantean epoch with preceding epochs: the Greco-Latin, the Egyptian-Chaldean, and so on. And if, on the basis of this comparison, one asks how humanity’s entire conception of the world has changed from earlier epochs—from earlier cultural epochs—into our own cultural epoch? It is truly the case that important, significant developments have taken place in the evolution of humanity; it is a fable convenue to believe that all one needs to know about human development is what is conveyed by trivial history—that which is simply called “history” today. The earlier cultural epochs were quite different from the mental image of them based on conventional history, which is a fable convenue. Just recall for a moment the depth of a saying such as the one I have quoted:

O Sonn’, ein König dieser Welt,
Die Luna dein Geschlecht erhält;
Merkur kopuliert euch fix.
Ohn’ Venus’ Gunst erreicht ihr alls nichts,
Welch Marten sich als Mann erkoren.
Jovis G’nad ist euch unverloren;
Damit Saturnus, alt und greis,
In vielen Farben sich erweis.

O Sun, a king of this world,
The Moon sustains your lineage;
Mercury swiftly unites you.
Without Venus’s favor, you achieve nothing at all,
You who have chosen Mars as your husband.
Jupiter’s grace is not lost to you;
So that Saturn, old and aged,
May reveal himself in many colors.

[ 13 ] Es liegt eine ungeheure Tiefe verballhornt in einem solchen Spruche, aber sie war einmal da, diese Tiefe. Die Menschen haben einmal, wenn auch durch die Ergebnisse des atavistischen Hellsehens, in diese Realitäten hineingesehen, auf die gedeutet wurde zum Beispiel auch in einem solchen Spruche. Aus diesem Wissen der Grundlage des Daseins ist herausgetreten der fünfte nachatlantische Zeitraum. Nach zwei Seiten hin ist er abgeirrt. Die eine Seite habe ich Ihnen gewissermaßen durch die Initiation des fünften nachatlantischen Zeitraums charakterisiert, die ich geschildert habe durch Baco von Verulam, durch Lord Bacon. Da haben wir die Sehnsucht, alles, was über das Sinnlich-Wahrnehmbare hinausgeht, als bloße Idole zu behandeln. Sie wissen, vier Arten von Idolen hat Bacon angenommen. Wir haben sie angeführt: Idola tribus, Idola specus, Idola fori, Idola theatri, vier Arten. Dadurch drückt sich durch Bacons Geist im Beginne des fünften nachatlantischen Zeitraums die eine Tendenz aus, alles, alles nur zu bauen auf eine Erkenntnis, die durch sinnliches Anschauen und durch Begriffe gewonnen ist, die sich wiederum aus der sinnlichen Anschauung ergeben. Alles, was über die sinnliche Anschauung hinausgeht, ist Idol, dessen Inhalt sich eigentlich in Worten erschöpft. Und das haben wir ja schon charakterisiert, das ist gewissermaßen die eine Strömung.

[ 13 ] There is an immense depth hidden within such a saying, but that depth once existed. People once, albeit through the results of atavistic clairvoyance, glimpsed these realities, which were alluded to, for example, in such a saying. The fifth post-Atlantean epoch emerged from this knowledge of the foundation of existence. It has strayed in two directions. I have, in a sense, characterized one of these aspects for you through the initiation of the fifth post-Atlantean epoch, which I described through Bacon of Verulam, Lord Bacon. Here we find the longing to treat everything that goes beyond the sensually perceptible as mere idols. As you know, Bacon identified four types of idols. We have listed them: Idola tribus, Idola specus, Idola fori, Idola theatri—four types. Through this, Bacon’s spirit at the beginning of the fifth post-Atlantean epoch expresses the tendency to base everything—absolutely everything—solely on knowledge gained through sensory perception and through concepts that, in turn, arise from sensory perception. Everything that goes beyond sensory perception is an idol, the content of which is essentially exhausted in words. And we have already characterized this; it is, in a sense, the one current.

[ 14 ] Nehmen Sie nun einmal, schematisch ausgedrückt, die Strömung, welche sich ausdrückt durch so etwas wie: «O Sonn’, ein König dieser Welt», die noch in tiefe Grundlagen des Daseins hineingeht, nehmen Sie diese in ihrer Fortsetzung. Wenn sie durch sich nur sich entwickeln wollte von dem vierten in den fünften nachatlantischen Zeitraum hinüber, können wir sagen, so würde sie so gehen (siehe Zeichnung). Die Entwickelung, welche zu den Idolen führt, die geht unter diese Evolution hinunter (blaue Linie), sie erkennt nicht an, daß man in Wirklichkeit unmittelbar ein Geistiges findet, so wie man ein Sinnliches finder; sie schaltet das Geistige aus und betrachtet es nur als in den Wortidolen enthalten, diese Entwickelung wird also inauguriert mit Bacon.

[ 14 ] Now, to put it schematically, take the current expressed by something like: “O Sun, a king of this world,” which reaches into the deepest foundations of existence; consider this current as it continues. If it were to develop on its own from the fourth into the fifth post-Atlantean epoch, we could say it would proceed as shown here (see diagram). The development that leads to idols descends below this evolution (blue line); it does not acknowledge that one actually encounters the spiritual directly, just as one encounters the sensory; it excludes the spiritual and regards it as contained only in verbal idols; this development is thus inaugurated by Bacon.

Diagram 1Diagram 1

[ 15 ] Welches wäre denn das Gegenbild dazu? Das Gegenbild dazu wäre eine Entwickelung, welche nur anerkennen würde, daß ein Geistiges, ein Seelisch-Geistiges vorhanden ist, welche das Physisch-Materielle nicht anerkennt. Das wäre das Gegenbild dazu. Wir könnten also fragen: Ist auch diese Entwickelung vorhanden? Gibt es ebenso, wie Bacon sagt, nur die sinnliche Wirklichkeit ist Wirklichkeit, das andere sind Wortidole, einen Ausdruck dafür, daß es nur ein Geistig-Wirkliches gibt und kein Materiell-Physisches, das in die Sinne tritt? Das gibt es in der Tat auch. Etwas später als Bacon lebt Berkeley, George Berkeley, und der stellt diese Linie der Entwickelung dar (rote Linie). Machen wir uns mit ein paar Worten klar, worin das Wesentliche der Weltanschauung Berkeleys liegt.

[ 15 ] What, then, would be the opposite of this? The opposite would be a line of thought that acknowledges only the existence of the spiritual—or the soul-spiritual—and does not acknowledge the physical-material. That would be the opposite. We might therefore ask: Does this line of development also exist? Is there—just as Bacon says, that “only sensory reality is reality; the rest are mere words”—an expression of the idea that there is only a spiritual reality and no material-physical reality that enters the senses? Indeed, this also exists. George Berkeley lived somewhat later than Bacon, and he represents this line of development (red line). Let us briefly clarify the essence of Berkeley’s worldview.

[ 16 ] Berkeley ist der Anschauung, die sich ihm im wesentlichen aus seiner theologischen Weltanschauung heraus ergeben hat - er war zuletzt Bischof -, daß alles das, was außerhalb des Menschen ist und durch die Sinne wahrgenommen wird, nur so lange da ist, als es durch die Sinne wahrgenommen wird. Also Berkeleys Anschauung ist diese - nicht wahr, am Gegensatz kann man es vielleicht am besten charakterisieren -: Sie nehmen an, jetzt aus einer, ich möchte sagen, Anschauung heraus, die dem Berkeleyismus gegenüber naiv ist, Sie nehmen an das Folgende: Wenn Sie da hereinkommen, so sehen Sie, sagen wir, Herrn Bauer hier sitzen, aber Sie nehmen an, er hätte auch schon vorher hier gesessen, und Sie sehen ihn nachher. — Es gibt, wie gesagt, nicht den geringsten Beweis dafür, daß dasjenige, was Sie auf diesem Stuhle sitzen sehen, auch da war, bevor Sie es gesehen haben. Und wenn Sie wieder hinausgehen, so glauben Sie, der Herr bleibe hier sitzen und sitze da, während Sie ihm den Rücken wenden und hinausgehen. Berkeley ist der Ansicht: Es gibt keinen Beweis dafür, daß, sagen wir das, was Sie hier gesehen haben, noch da sitzt. So lange sitzt es da, als Sie hinschauen, denn das ist lebendig, das Bilden im Auge, und wie sollte das Bilden im Auge da sein, wenn Sie nicht hinschauen? Man kann die Baconsche Weltanschauung logisch vollständig beweisen. Man kann auch die Berkeleysche Weltanschauung logisch vollständig beweisen, denn es gibt keinen Widerspruch im Berkeleyismus, der logisch sich ergeben könnte, es ist durchaus logisch zu erhärten, wenn es auch dem naiven Bewußtsein nicht entspricht. Berkeley ist nämlich nicht der Ansicht, daß Sie, wenn Sie hereingehen, den Herrn Bauer schaffen, und wenn Sie hinausgehen, ihn wieder hinwegzaubern, dieser Ansicht ist er gerade nicht, aber daß das, was Sie sehen, erst mit Ihrem Schauen kommt und wieder weggeht mit Ihrem Schauen. Esse est percipi: Sein ist Wahrgenommenwerden. Und ein anderes Sein als das Wahrgenommenwerden in der umliegenden Welt gibt es nicht. Daher ist, wie Sie sich jetzt vorstellen können, für Berkeley alles das, was Sinnenwelt ist, überhaupt nur im Werden. Sie gucken hin, da ist es da; Sie gucken weg, da ist es weg, da ist es nicht mehr da. Das alles ist also nur in Ihren Anschauungen da. Wie gesagt: Esse est percipi, es gibt nichts außer dem Wahrnehmen, außer dem Wahrnehmungsprozeß. Aber hinter diesem Wahrnehmungsprozeß, der also gar nichts anderes ist als der Wahrnehmungsprozeß, da ist das göttlich-geistige Sein. Außer Ihrem Wahrnehmen hat es mit dem Herrn Bauer noch der Gott zu tun, der ihn hinsetzt, so wie er will. Und dieser Gott, wenn Sie hereingehen, erzeugt aus dem, was nur in ihm ist, in Ihnen das Bild des Herrn Bauer. Dann, wenn Sie weggehen, läßt er es wieder verschwinden. Diese Sinnenwelt gibt es also nicht, nur GeistigSeelisches gibt es. Sie alle, so wie Sie hier vor mir stehen, sind nur das Geschöpf meiner Augen. Außer dem, was das Geschöpf meiner Augen ist, gibt es noch die göttlich-geistige, seelisch-geistige Welt, die aber Sie ganz anders erhält und trägt, als Sie da als Geschöpf meiner Augen existieren.

[ 16 ] Berkeley holds the view—which essentially arose from his theological worldview (he was, after all, a bishop)—that everything outside of human beings and perceived through the senses exists only as long as it is perceived by the senses. So Berkeley’s view is this—isn’t it true that the best way to characterize it is perhaps by contrast?—: You assume, based on what I would call a view that is naive in comparison to Berkeleyism, the following: When you walk in here, you see, say, Mr. Bauer sitting here, but you assume he was already sitting here before, and you see him afterward. — As I said, there is not the slightest proof that what you see sitting in this chair was also there before you saw it. And when you go back out, you believe that the gentleman remains seated here and continues to sit there while you turn your back on him and walk out. Berkeley takes the view that there is no proof that—let’s say—what you have seen here is still sitting there. It sits there as long as you look at it, for that is alive—the image in the eye—and how could the image in the eye be there if you were not looking? One can logically prove Bacon’s worldview in its entirety. One can also logically prove Berkeley’s worldview in its entirety, for there is no contradiction in Berkeleyism that could logically arise; it can be thoroughly substantiated logically, even if it does not correspond to naive consciousness. For Berkeley does not hold the view that, when you walk in, you create Mr. Bauer, and when you walk out, you make him vanish again—he certainly does not hold that view—but rather that what you see comes into being only with your looking and disappears again with your looking. *Esse est percipi*: To be is to be perceived. And there is no other form of being in the surrounding world than being perceived. Therefore, as you can now imagine, for Berkeley everything that constitutes the sensory world exists only in a state of becoming. You look at it, and there it is; you look away, and it is gone—it is no longer there. All of this, then, exists only in your perceptions. As I said: *Esse est percipi*—there is nothing except perception, except the process of perception. But behind this process of perception—which is, after all, nothing other than the process of perception itself—lies divine-spiritual Being. In addition to your perception, God also has a hand in Mr. Bauer, placing him wherever He wills. And this God, when you enter, creates within you the image of Mr. Bauer out of what exists only within Him. Then, when you leave, He causes it to disappear again. So this sensory world does not exist; only the spiritual-soul world exists. All of you, standing here before me as you are, are merely the creatures of my eyes. Apart from what is the creation of my eyes, there is also the divine-spiritual, soul-spiritual world, which, however, sustains and supports you in a completely different way than you exist here as the creation of my eyes.

[ 17 ] Ich habe diese Anschauung nur charakterisiert. Sie ist wirklich philosophisch streng beweisbar. Aber sie ist dasjenige, was, man möchte sagen, von dem Baconismus die andere Hälfte der Welt gibt. Und in diesen zwei Richtungen, in der roten und blauen, pendelt alle Weltanschauung des fünften nachatlantischen Zeitraums. Entweder es verstrickt sich diese Weltanschauung in die bloße Anerkennung des Sinnlich-Wirklichen und erklärt sich dadurch selber ohnmächtig, in dem Sinnlich-Wirklichen ein reales Geistiges zu schauen, oder sie erschöpft sich in der bloßen Anerkennung des Geistig-Seelischen, sieht überall nur Gott und göttliche Gedanken und erklärt sich ohnmächtig, von dem Leben in Gott und in göttlichen Gedanken herunterzusteigen zur sinnlichen Wirklichkeit. Diese zwei Abirrungen gibt es durchaus im fünften nachatlantischen Zeitraum. Und wer das geistige Leben betrachtet, wie es sich außerhalb der Esoterik entwickelt, wird es laufend finden entweder auf der einen oder auf der andern, auf der roten oder auf der blauen Linie. Das äußere Exoterische liegt nicht auf dem, was ich hier gezeichnet habe als die weiße Linie.

[ 17 ] I have merely characterized this view. It can indeed be rigorously proven philosophically. But it is, one might say, the other half of the world as presented by Baconism. And the entire worldview of the fifth post-Atlantean epoch oscillates between these two directions, the red and the blue. Either this worldview becomes entangled in the mere recognition of the sensory-real and thereby declares itself incapable of perceiving a real spiritual aspect within the sensory-real, or it exhausts itself in the mere recognition of the spiritual-soul-realm, sees only God and divine thoughts everywhere, and declares itself incapable of descending from life in God and in divine thoughts to sensory reality. These two deviations certainly exist in the fifth post-Atlantean epoch. And anyone who observes spiritual life as it develops outside of esotericism will constantly find it following either one path or the other—the red line or the blue line. The outer, exoteric realm does not lie on what I have drawn here as the white line.

[ 18 ] Man kann sagen, daß der Mensch des fünften nachatlantischen Zeitraumes in eine gewisse Spannung hineinkommt zwischen diesen zwei Anschauungen der Welt. Und intensiv hat Goethe diese Spannung gefühlt. Ich habe Ihnen hier, ich möchte sagen die theoretischen, die mehr philosophischen Impulse vorgeführt, aber bei denen ist es nicht geblieben. Alles Leben irrt ebenso zwischen dem bloß Geistig-Seelischen und dem bloß Sinnlich-Materiellen hin. Goethe empfand diese Spannung in eminentester Weise. Daß er das alles empfand, was in der Außenwelt lebt, ich möchte sagen unter dem Einfluß der Strömung der blauen Linie, werden Sie nicht wunderbar finden, denn so geht unsere wesentliche Entwickelung im fünften nachatlantischen Zeitraum überhaupt, möglichst zum Materiellen hin und zur bloßen Anerkennung des Materiellen.

[ 18 ] One could say that human beings in the fifth post-Atlantean epoch find themselves caught in a certain tension between these two worldviews. And Goethe felt this tension intensely. I have presented to you here—I would say—the theoretical, more philosophical impulses, but it did not stop there. All life likewise wavers between the purely spiritual-soulful and the purely sensory-material. Goethe experienced this tension in the most profound way. You will not find it surprising that he perceived everything that lives in the external world—I would say under the influence of the current of the blue line—for this is how our essential development in the fifth post-Atlantean epoch proceeds in general: as much as possible toward the material and toward the mere recognition of the material.

[ 19 ] Aber auch die andere Linie empfand Goethe schon. Er empfand sie tief, nur war es zu Goethes Zeiten wirklich noch nicht so, ich möchte sagen, bedenklich, den Materialismus materialistisch zu nennen wie heute. Es war damals noch nicht so bedenklich, auf das Abirrende der blauen Linie hinzuweisen, als es heute ist. Heute muß Geisteswissenschaft auf das Abirrende der blauen Linie hinweisen, und sie wird daher aushalten müssen alle Anpralle, alle furchtbaren Anpralle, die da kommen müssen, weil man immer nur zunächst mit Vorurteilen, ja mit Haß sich dem entgegenstemmt, was als Erkenntnis sich in die Welt begeben will. Und immer mehr und mehr wird der Materialismus heiliggesprochen werden, allerdings auf eine weltliche Art. Aber man kann doch sagen, heiliggesprochen werden wird der Materialismus. Wie nahe ist heute schon die materialistische Medizin daran, sakrosankt sich zu erklären, wie viele andere Bestrebungen sind heute daran, sich sakrosankt zu erklären im Sinne des Materialismus, im Sinne der Abirrung, die die blaue Linie anzeigt, der Abirrung von dem Geistig-Seelischen, das zu gleicher Zeit aber als seine Offenbarung das Sinnlich-Materielle enthält, das dann dazugehört, das eins ist mit ihm, und das geltend gemacht werden muß von dem, was wir Geisteswissenschaft nennen. Jene Verfolgungen, welche man die inquisitorischen Verfolgungen nennen könnte, die auf andern Gebieten früher schon waren, werden im Gebiete des Materialismus erst kommen, beginnen eigentlich erst jetzt so recht, beginnen jetzt, fangen jetzt erst an, sich geltend zu machen, wenn auch die Formen andere werden. Die Auflehnung gegen die materialistische Färbung der Erkenntnis wird nicht minder der Inquisition verfallen, der Inquisition der Zukunft, die in etwas andern Formen auftreten wird als die Inquisition der Vergangenheit, als frühere Bestrebungen den entsprechenden Inquisitionen verfallen sind. Man glaube nur nicht, daß alles das, was nach der blauen Linie abirrt, nicht ebensogut intolerant werden wird, wie Bestrebungen auf andern Gebieten intolerant wurden.

[ 19 ] But Goethe was already aware of the other line as well. He felt it deeply; however, in Goethe’s time, it was not yet—I would say—truly problematic to call materialism “materialistic,” as it is today. Back then, it was not as problematic to point out the deviation of the blue line as it is today. Today, Spiritual Science must point out the aberrations of the blue line, and it will therefore have to endure all the assaults—all the terrible assaults—that are bound to come, because people always initially resist with prejudice, even with hatred, whatever seeks to enter the world as knowledge. And materialism will be canonized more and more—albeit in a secular sense. But one can still say that materialism will be canonized. How close is materialistic medicine today to declaring itself sacrosanct? How many other endeavors are today on the verge of declaring themselves sacrosanct in the sense of materialism, in the sense of the deviation indicated by the blue line, the deviation from the spiritual-soul aspect, which at the same time, however, contains within itself—as its revelation—the sensory-material aspect that belongs to it, is one with it, and must be asserted by what we call Spiritual Science. Those persecutions—which one might call inquisitorial persecutions—that have already occurred in other fields in the past are only now to come in the realm of materialism; they are, in fact, only now truly beginning, are now starting, are only now beginning to assert themselves, even if their forms will be different. The rebellion against the materialistic bias in knowledge will be no less subject to the Inquisition—the Inquisition of the future, which will take on somewhat different forms than the Inquisition of the past—than earlier endeavors were subject to the corresponding inquisitions. Let no one believe that everything which strays from the blue line will not become just as intolerant as endeavors in other fields have become intolerant.

[ 20 ] Nicht so deutlich trat die rote Linie früher schon hervor. Sie sonderte sich gleichsam erst in der fünften nachatlantischen Zeit und sogar etwas später ab als die blaue Linie, aber sie war in früheren Bestrebungen schon darinnen enthalten. In einer besonderen Form trat sie eigentlich erst auf und hat ihren bedeutendsten, ihren größten philosophischen Vertreter gerade in Berkeley. Doch hat sie genügend andere Vertreter. Sie trat in der fünften nachatlantischen Zeit hervor, aber gewisse Dinge blieben ihr aus den Formen, die sie schon hatte, und deshalb war es, daß es zu Goethes Zeiten schon bedenklich war, über die rote Linie ordentlich zu reden, während Goethe noch durchaus unbedenklich reden konnte über die blaue Linie. Über die rote Linie war es bedenklich zu reden. Denn was strebt denn eigentlich auf der Bahn dieser roten Linie? Da streben alle diejenigen Weltanschauungen, welche vermeiden, den Blick über die Welt, über die ganze Breite der Welt auszudehnen, und welche schwelgen möchten in einem allgemein Geistig-Seelischen, in einem Geistig-Seelischen, das ohnmächtig sein will gegenüber der sinnlichen Offenbarung; eine Weltanschauung, die zwar sprechen will über das Übersinnliche, aber die eigentlich nichts erkennen will. Da haben wir ein weites Gebiet, zu dem sich nach und nach fast alle Religionsbekenntnisse und alle Sekten gewendet haben, denn das ist das Eigentümliche, daß diese Weltanschauungen eigentlich verzichten darauf, die Welt zu begreifen, und nur über irgend etwas Übersinnliches im allgemeinen reden und redend schwelgen wollen. Sie wollen sich nicht die positive konkrete Erkenntniskraft aneignen, mit dem, was sie erlangen, mit dem, wovon sie reden, wirklich unterzutauchen in die Welt der Wirklichkeit.

[ 20 ] The red line did not stand out quite so clearly in earlier times. It did not emerge distinctly until the fifth post-Atlantic epoch, and even somewhat later than the blue line, but it was already present in earlier endeavors. It did not actually appear in a distinct form until then, and its most significant, its greatest philosophical representative is precisely Berkeley. Yet it has plenty of other representatives. It emerged in the fifth post-Atlantean epoch, but certain elements were missing from the forms it had already taken; and that is why, even in Goethe’s time, it was already risky to speak properly about the red line, whereas Goethe could still speak quite safely about the blue line. It was risky to speak about the red line. For what, in fact, is striving along the path of this red line? There strive all those worldviews that avoid extending their gaze across the world, across the entire breadth of the world, and that wish to revel in a general spiritual-psychic realm—a spiritual-psychic realm that seeks to be powerless in the face of sensory revelation; a worldview that, while it wishes to speak of the supersensible, actually wishes to recognize nothing. Here we have a vast realm toward which, little by little, almost all religious denominations and all sects have turned; for the peculiar thing is that these worldviews actually forgo understanding the world and merely wish to speak in general terms about something supersensory and to revel in that very act of speaking. They do not wish to acquire the positive, concrete power of cognition that would allow them to truly immerse themselves in the world of reality with what they attain and with what they speak of.

[ 21 ] Sie werden mich vielleicht besser verstehen, wenn ich versuche, in der folgenden Weise mich auszudrücken. Denken Sie einmal, wie heute das Leben für einen Durchschnittsmenschen verlaufen kann. Der steht, sagen wir, sechs Tage in der Woche in der Fabrik oder im Kontor oder wo immer. Da steht er innerhalb eines rein materiellen Getriebes, das aufgeht in der bloßen Sinnesbetrachtung, da mischt sich nichts Geistiges hinein heute, und immer weniger und weniger Geistiges mischt sich da hinein. Da betrachtet man im Gegenteil denjenigen, der etwas Geistiges hineinmischen will, als einen ganz tollen Kerl. Aber auf diesem Gebiete funktionieren alle die Kräfte, welche die heutige Wissenschaft erkennen will. Da funktionieren alle die menschlichen Zusammenhänge, über die sich die Erkenntnis hermachen will, kurz, da ist alles das an Gedanken und Begriffen entwickelt, was über die sich vor unseren Augen ausbreitende Wirklichkeit sich ergeht. Und dann nehmen wir an, nehmen wir zu seinem Besten an, daß dieser Mensch, der also die Woche über im Büro oder in der Fabrik mit dem rein materiell Erkennbaren sich beschäftigt hat oder der das rein materiell Erkennbare gelehrt hat - schließlich wird in den gewöhnlichen Schulen auch nichts anderes gelehrt als das materiell Erkennbare -, daß der Mensch - nehmen wir zu seinem Besten an aus gewisser Aufrichtigkeit - am Sonntag in die Kirche geht, und da hört er nun reden von dem, von dem heute in der Kirche geredet wird, geredet wird nach der Evolution, die sich seit Jahrhunderten ergeben hat. Versuchen Sie einmal, wenn Sie es können, ich meine, wenn Sie dazu genügend oft in der Kirche gewesen sind und Predigten angehört haben mit offenem Ohre, wenn Sie mit offenem Auge gesehen haben, was da vorgeht, fragen Sie sich einmal, ob in dem, was da gesprochen wird, etwas steckt, was geeignet ist, über die Welt aufzuklären, die sich um uns herum ausbreitet. Man gibt zwar vor, daß der Gott, von dem da geredet wird, der Welt zugrunde liegt, aber man spricht nicht, nirgends, von der Art und Weise, wie er durch seine Kräfte, durch seine Impulse in die Welt eingreift. Man hat eine eigene Weltanschauung für die Wochentage: blaue Linie; eine eigene Weltanschauung für die Sonntage: rote Linie. Nirgends, nirgends haben wir einen Zusammenhang zwischen beidem, wenn wir wirklich die Dinge durchschauen. Fragen Sie einmal: Was hat denn dasjenige, was gelehrt wird von der Kanzel herunter, für eine Beziehung zu der Chemie, zu der Physik, zu der Biologie? — Es wird gar keine Beziehung gesucht, sie wird sogar perhorresziert.

[ 21 ] You might understand me better if I try to express myself in the following way. Just think about how life might unfold for the average person today. Let’s say they spend six days a week in a factory, an office, or wherever. There they are, caught up in a purely material routine that is absorbed in mere sensory perception; nothing spiritual intervenes there today, and less and less of the spiritual is involved in it. On the contrary, anyone who wants to introduce something spiritual into this is regarded as a complete oddball. Yet it is precisely in this realm that all the forces are at work which modern science seeks to understand. It is here that all the human interrelationships are at work that knowledge seeks to unravel; in short, it is here that all the thoughts and concepts are developed that pertain to the reality unfolding before our eyes. And then let us assume—let us assume, for his sake, that this person, who has thus spent the week in the office or in the factory dealing with what is purely materially knowable, or who has taught what is purely materially knowable—after all, nothing other than what is materially knowable is taught in ordinary schools—that this person—let us assume, for his sake, out of a certain sincerity —goes to church on Sunday, and there he hears people speaking about what is being discussed in church today, discussed in light of the evolution that has taken place over the centuries. Try, if you can—I mean, if you have been to church often enough and listened to sermons with an open ear, if you have observed with open eyes what is going on there—ask yourself whether there is anything in what is being said that is capable of shedding light on the world that spreads out around us. It is true that they claim the God of whom they speak is the foundation of the world, but nowhere do they speak of the way in which He intervenes in the world through His powers and His impulses. They have one worldview for weekdays—the blue line—and another for Sundays—the red line. Nowhere, nowhere do we find a connection between the two, if we truly look things through. Just ask: What relationship does what is taught from the pulpit have to chemistry, physics, or biology? — No relationship is sought at all; it is even abhorred.

[ 22 ] Nehmen Sie dagegen die Geisteswissenschaft, so werden Sie gleich sehen, worauf es ankommt. Geisteswissenschaft spricht nicht so von der sinnlich-materiellen Welt wie die gewöhnliche Physik, die gewöhnliche Chemie, sondern sie spricht so von der physisch-sinnlichen Welt, daß in das, was sie von der physisch-sinnlichen Welt spricht, hereinfließen kann in allen Einzelheiten das, was sie nun über die geistige Welt sagt. Sie hat nicht eine Wochentagsansicht und eine Sonntagsansicht, sondern eine Ansicht, die über die geistige Welt sich ergeht und wie hinunterfließt in die Einzelheiten der physisch-sinnlichen Welt. Sie erklärt sich nicht ohnmächtig, wie der Berkeleyismus, vom Geistigen aus die Sinnenwelt zu erfassen, sie erklärt sich nicht ohnmächtig, wie der Baconismus, den Geist zu finden in der Sinnenwelt, sondern nur Idole zu finden. Woher kommt denn das? Nun, das haben wir schon begriffen. Es ist naturgemäß dem fünften nachatlantischen Zeitraum, daß die Evolution, die durch die blaue Linie schematisiert wird, entstand. Bacon konnten wir gewissermaßen den Inaugurator nennen. Es mußte der Mensch einmal untertauchen in die Materie, ich habe das oft auseinandergesetzt und auseinandergesetzt, daß die Geisteswissenschaft durchaus nicht Gegner des Materialismus ist, sondern versteht, warum die materielle Entwickelung erkannt wird in der fünften nachatlantischen Zeit. Aber sie kann nicht erkannt werden, ohne daß man sich inspirieren läßt durch einen solchen Geist wie Ahriman. Und lassen Sie diesen Materialismus der fünften nachatlantischen Periode noch so lange sich entwickeln in seinem ahrimanischen Sinne, er wird glauben müssen seinerseits — das können Sie versichert sein, und Sie werden es nicht sein, weil ich es Ihnen sage, sondern weil Sie es verstehen werden aus dem ganzen Geiste der Geisteswissenschaft heraus -, er wird festhalten müssen, dieser materialistischahrimanische Sinn, an dem, was sich Ahriman-Mephistopheles in tief verruchten Stunden gelobt hat, nichts zu tun haben zu wollen mit dem regelmäßigen Fortgang des Menschengeschlechtes auf der Erde. Daher wird diese Wissenschaft, die aus diesem Materialismus herausgewachsen ist, niemals zu einem Durchschauen kommen des Geheimnisses der Menschwerdung, des Rätsels der Embryologie und so weiter — niemals! Sie würde kommen können zu einem Verständnis der Entstehung solcher Wesenheiten, die auf dem Wege des Homunkulus sich bilden können. Aber niemals wird diese Wissenschaft dazu kommen. Nun ist das nur eine Evolutionsströmung. Aber vieles, vieles hängt mit diesem Ahrimanismus zusammen. Das Wissen ist nur ein Teil. Aber es läuft in der ganzen Kultur dieser Ahrimanismus.

[ 22 ] Take Spiritual Science, on the other hand, and you will immediately see what matters. Spiritual Science does not speak of the sensory-material world in the same way as ordinary physics or ordinary chemistry; rather, it speaks of the physical-sensory world in such a way that what it says about the spiritual world can flow into every detail of what it says about the physical-sensory world. It does not have a “weekday” view and a “Sunday” view, but rather a view that extends over the spiritual world and flows down, as it were, into the details of the physical-sensory world. It does not admit, like Berkeleyism, that it is powerless to grasp the sensory world from the spiritual; nor does it admit, like Baconism, that it is powerless to find the spirit in the sensory world, but only to find idols. Where does this come from? Well, we have already understood that. It is natural for the fifth post-Atlantean epoch that the evolution, schematized by the blue line, should have arisen. We could, in a sense, call Bacon its inaugurator. Humanity had to immerse itself in matter at some point; I have explained this time and again—that Spiritual Science is by no means opposed to materialism, but understands why material development is recognized in the fifth post-Atlantean epoch. But it cannot be understood without being inspired by a spirit such as Ahriman. And no matter how long this materialism of the fifth post-Atlantean period is allowed to develop in its Ahrimanic sense, it will have to acknowledge for its part—you can be assured of this, and you will not be so merely because I tell you, but because you will understand it from the very spirit of Spiritual Science— this materialistic-Ahrimanic mindset will have to hold fast to what Ahriman-Mephistopheles vowed in moments of deep wickedness: to have nothing to do with the regular progression of the human race on Earth. Therefore, this science, which has grown out of this materialism, will never come to fathom the mystery of the Incarnation, the enigma of embryology, and so on—never! It might be able to arrive at an understanding of the origin of such entities as can form along the path of the homunculus. But this science will never reach that point. Now, this is only one evolutionary current. But much, much more is connected with this Ahrimanism. Knowledge is only one part. But this Ahrimanism pervades the entire culture.

[ 23 ] Die andere Strömung, die durch die rote Linie schematisiert wird, empfand Goethe auch tief, nur war es ihm nicht möglich, ich möchte sagen, so deutlich, so ganz deutlich die Gestalten hinzustellen für diese rote Linie, wie er sie hingestellt hat für die blaue Linie. Für die blaue Linie hat er den Mephistopheles und seine Dick- und Dürrteufel und die Lemuren hingestellt. Da stehen sie vor uns. Das hat er gewagt. Denn verleumdet werden diejenigen, die über die Lemuren und die Dick- und Dürrteufel sprechen, erst vom jetzigen Zeitalter ab, werden immer mehr verleumdet, wenn sie in dem Sinne der Geisteswissenschaft sprechen. Zu Goethes Zeiten war das noch gewissermaßen weniger bedenklich. Aber bedenklich war das andere, das Goethe auch durchschaute und recht gut durchschaute, war das, daß er wohl wußte, wenn diese rote Linie sich hereinstellt in unsere Gegenwart, wenn wirklich da eine Anschauung ist, die sich ohnmächtig erklärt und immer mehr und mehr ohnmächtig erklären wird, von der Anerkennung des Geistig-Seelischen zur Durchdringung der wirklichen Welt zu kommen, so beruht es darauf, daß gewisse luziferische Geister verhindern, daß Strömungen, die früher berechtigt waren, fortschreiten. Luziferische Wesenschaft verhindert gewisse Strömungen, religiöse und sektiererische Strömungen, fortzuschreiten. Und so können diese nicht durchdringen die Welt, bleiben in der bloßen Anerkennung des Geistig-Seelischen stecken, Der Berkeleyismus ist nur ein besonderer Ausdruck dafür. Das beruht auf einem luziferischen Zurückgehaltenwerden. Wie drückt es sich aus für Goethe zum Beispiel? Mephistopheles erinnert sich an sich und seine Geschwister, an diejenigen, die einstmals in tiefverruchten Stunden - das bedeutet in der Sprache des Mephistopheles etwas anderes — Vernichtung geschworen haben dem menschlichen Geschlecht, das heißt, nichts wissen zu wollen von der Art und Weise, wie die Menschheit die Erde bevölkert. Mephistopheles erinnert sich daran, daß eigentlich zu seinem Wesentlichen gehört, daß er in der ahrimanischen Zeit, bildlich gesprochen, in der bedeutsamen Sitzung seiner Geister war, die damals beschlossen haben, es solle niemals ein Mensch auf der Erde auf natürliche Art geboren werden, sondern die Kräfte, die als geschlechtliche auf der Erde existieren, sollen zu etwas ganz anderem benützt werden. Das haben diese ahrimanischen Wesenheiten beschlossen in der alten Zeit, ja nicht die Liebe der Geschlechter aufkommen zu lassen. Aber nun sagt Goethe, indem er sich selbstverständlich nicht identifiziert, aber hineindenkt in den Mephistopheles: Es gibt andere, die nicht von Mephistopheles inspiriert sind, aber auch inspiriert sind, nun, die sagen zwar nichts darüber, daß das Menschengeschlecht auf der Erde sich nicht auf gewöhnlich menschliche Weise fortpflanzen soll, aber sie fangen an zu beten, finden, daß diejenigen erst das wahrhaft heilige Leben führen, die nichts tun in dem Sinne der gewöhnlichen Fortpflanzung der Menschheit, die davon absehen, die nichts wissen wollen davon: die Asketen, die Heiligen, die gegenüber der Liebe der Geschlechter die bekannten langen Gesichter machen, von denen wir schon öfter gesprochen haben. — Solche vermutet, sieht, schaut Mephistopheles auf der andern Seite in der Engelschar darinnen. Da sieht er die Inspiratoren dieser andern, die anbeten im Grunde genommen dasjenige, was Mephistopheles und seine Geschwister beschlossen haben:

[ 23 ] Goethe also felt deeply the other current, symbolized by the red line; however, he was unable—I would say—to portray the figures for this red line as clearly, as completely clearly, as he did for the blue line. For the blue line, he depicted Mephistopheles and his Fat and Skinny Devils and the Lemures. There they stand before us. He dared to do that. For those who speak of the lemurs and the fat and thin devils are slandered—especially in the present age—and are slandered more and more when they speak in the spirit of Spiritual Science. In Goethe’s time, this was, so to speak, less of a concern. But what was troubling—and Goethe saw through this quite clearly—was that he knew full well: if this red line were to appear in our present time, if there truly were a perspective that declares itself powerless—and will declare itself more and more powerless—to move from the recognition of the spiritual-soul aspect to the permeation of the real world, it is because certain Luciferic spirits prevent currents that were once justified from advancing. Luciferic forces prevent certain currents—religious and sectarian currents—from advancing. And so these cannot penetrate the world; they remain stuck in the mere recognition of the spiritual-soul realm. Berkeleyism is merely a particular expression of this. This is due to a Luciferic holding back. How does this manifest itself in Goethe, for example? Mephistopheles recalls himself and his siblings, those who once, in deeply wicked hours—which means something else in Mephistopheles’ language—swore to destroy the human race, that is, to want to know nothing of the way in which humanity populates the Earth. Mephistopheles recalls that it is, in fact, part of his very essence that, during the Ahrimanic era—figuratively speaking—he was present at the fateful gathering of his spirits, who decided at that time that no human being should ever be born on Earth in a natural way, but rather that the forces existing on Earth as sexual forces should be used for something entirely different. That is what these Ahrimanic beings decided in ancient times: not to allow love between the sexes to arise at all. But now Goethe says—though he does not, of course, identify with Mephistopheles, but rather puts himself in his place: There are others who are not inspired by Mephistopheles, but who are also inspired; well, they say nothing about the fact that the human race on Earth should not procreate in the ordinary human way, but they begin to pray, finding that only those lead the truly holy life who do nothing in the sense of the ordinary procreation of humanity—those who abstain from it, who want to know nothing of it: the ascetics, the saints, who pull those familiar long faces when it comes to love between the sexes, of whom we have spoken often before. — Mephistopheles suspects, sees, and observes such figures on the other side among the host of angels. There he sees the inspirers of these others, who, in essence, worship precisely what Mephistopheles and his siblings have decided upon:

... wie wir in tiefverruchten Stunden
Vernichtung sannen menschlichem Geschlecht:
Das Schändlichste, was wir erfunden,
Ist ihrer Andacht eben recht.

... as we, in our darkest hours,
plotted the destruction of the human race:
The most shameful thing we have devised
is precisely what their devotion deserves.

[ 24 ] Daran heftet sich ja die Andacht. Die luziferisierten Inspiratoren der zurückgebliebenen Kirchengemeinschaften, Mönchsgemeinschaften, sektiererischen Richtungen, die luziferisierten Inspiratoren, stehen doch unter den andern Scharen darinnen. Nicht umsonst sagt der Mephistopheles zu dem einen langen Burschen, der ihm besonders gefällt:

[ 24 ] This is what devotion clings to. The Luciferized inspirers of the backward church communities, monastic orders, and sectarian movements—the Luciferized inspirers—stand among the other multitudes within them. It is not for nothing that Mephistopheles says to the one tall fellow who particularly pleases him:

Die Pfaffenmiene will dich gar nicht kleiden.

That priestly look doesn't suit you at all.

[ 25 ] Da hat Goethe vieles von dem hineingeheimnißt, was er auf der Seele hatte gegenüber der Weltanschauung, die mit der Pfaffenmiene einhergeht, gegenüber der Sonntagsweltanschauung, die er als luziferisch gedacht hat gegenüber der ahrimanischen. Mephistopheles fühlt sich verwandt denjenigen, die in ihre Andacht aufgenommen haben das, was Mephistopheles in seine Wissenschaft aufgenommen hat und in seinen Willen.

[ 25 ] There Goethe has woven into the work much of what was on his mind regarding the worldview that goes hand in hand with a priestly demeanor, regarding the “Sunday” worldview, which he regarded as Luciferic in contrast to the Ahrimanic one. Mephistopheles feels a kinship with those who have incorporated into their devotion what Mephistopheles has incorporated into his science and into his will.

[ 26 ] Wie wir zu denken haben über all diese Sachen rein geisteswissenschaftlich, davon können wir ja noch sprechen. Jetzt wollen wir aber im Goetheschen Sinne über diese Dinge sprechen. Und eine — wenn ich so sagen darf — Ur-Goethesche Empfindung ist das schon, was ich eben ‚ausgesprochen habe. So stehen zunächst die ahrimanische Welt - Lemuren, Dickteufel, Dürrteufel - und etwas luziferisch zunächst Angehauchtes sich gegenüber. Das drückt Goethe ganz klar aus. Luziferisch Angehauchtes steht gegenüber dem Mephistophelischen, wie gesagt, so kaschiert, als es nur möglich ist, daß diejenige Persönlichkeit es ausdrückt, na, der man so manches gestattet: der Teufel. Der darf von der «Pfaffenmiene» sprechen, von den «allerliebsten» Jungen und so weiter. In den Tatsachen steht sich also das gegenüber. Auf der einen Seite Mephistopheles, der gewissermaßen verpfändet hat Faustens Seele. Wodurch verpfändet? Dadurch, daß er den Faust durch alles Irdische getrieben hat, was unter die Sphäre hinuntergeht, die im Erdenwerden hereingekommen ist, und unter die Menschwerdung durch geschlechtliche Liebe heruntergeht. Dadurch hat er Anspruch auf die Seele des Faust, daß er ihn eingeführt hat in alles Ahrimanische. Was durch den Faust noch in die Gretchen-Liebe hineingekommen ist, dafür kann Mephistopheles wahrhaftig nichts, und das hat er genügend in sein Gegenteil verkehrt. Und nachher geht es recht ahrimanisch zu. Da werden nur ahrimanische Künste angewendet, um gewisse äußere Erscheinungen der Griechenwelt hervorzurufen. Was man durch ahrimanische Künste erreichen kann, wird erreicht zuerst im staatlichen Zusammenhange — sagen wir es ganz leise. Dann wird es gesucht im Werden des Menschen, im Zusammenhang mit der Evolution, aber mit der untermenschlichen und untertierischen Evolution, im Zusammenhange mit dem mechanisierten Homunkulus, historisch mechanisierten Homunkulus. Helena wird heraufgebracht auf eine Weise, wie es nicht im Erdensein der Menschheit liegt. Dann werden einige Erdenhandlungen hervorgebracht, na, das sind ja schließlich auch keine Erdengestalten, die da mithelfen, helfen als Eilebeute und Habebald. All das ist unter dem Einfluß ahrimanischer Künste schon sehr verpfändet, und verpfändet durch das einzige, was er haben kann von dem eigentlichen Erdensegen des Menschen. Also dadurch, daß er ihn durch die flache Unbedeutendheit führt - für das Erdendasein ist es nur flache Unbedeutendheit, aber es ist deshalb nicht etwas, wozu nicht ungeheure Vernunft und Wissenschaft gehört, wenn es auch flache Unbedeutendheit ist —, durch das ist die Seele ihm verpfändet. Dann verpfändet durch das andere, daß er von dem eigentlichen Erdensegen — nun, was denn hat? Der Mensch hat sein Ich auf der Erde bekommen, also erst sein Blut. Knochen, Sehnen, Bänder, was die geflickte Halbnatur macht, kann der Mephistopheles haben, aber den eigentlichen Erdensegen, das Blut, den Repräsentanten, den physischmateriellen Repräsentanten des Erdenmenschen, den möchte er zwar haben, aber den kann er ja nicht haben, Er ist auf dem Monde stehengeblieben. Von dem kann er nur haben den blutgeschriebenen Titel, nur dasjenige, was gewissermaßen in den abstrakten Vertrag hereinzubringen ist, was nicht zusammenhängt mit den Impulsen, die in der Realität sind, sondern was in der Abstraktheit, der Vertragsmäßigkeit bleibt. Das kann er nur herausziehen aus dem Blut, nicht den Impuls selber, sondern nur das kann Mephistopheles herausziehen.

[ 26 ] We can certainly still discuss how we should think about all these matters from a purely Spiritual Science perspective. But now let us speak about these things in the Goethean sense. And what I have just “spoken” is indeed—if I may say so—a primal Goethean sensation. Thus, on the one hand, there is the Ahrimanic world—lemurs, the Fat Devil, the Skinny Devil—and, on the other, something initially imbued with a Luciferic quality. Goethe expresses this quite clearly. The Luciferic element stands in opposition to the Mephistophelean, as I said, concealed as much as possible by the very personality who expresses it—well, the one to whom so much is permitted: the Devil. He is allowed to speak of the “priestly air,” of the “dearest” boys, and so on. In reality, then, these two stand in opposition to one another. On the one hand, Mephistopheles, who has, so to speak, pledged Faust’s soul. How has he pledged it? By driving Faust through everything earthly that descends into the sphere that has entered into earthly becoming, and down into human becoming through sexual love. Through this, he has a claim to Faust’s soul, having introduced him to all that is Ahrimanic. Mephistopheles is truly not to blame for whatever entered into Faust’s love for Gretchen, and he has sufficiently turned that into its opposite. And afterward, things take a decidedly Ahrimanic turn. Only Ahrimanic arts are employed to evoke certain outward manifestations of the Greek world. What can be achieved through Ahrimanic arts is first achieved in the context of the state—let us say this very quietly. Then it is sought in human development, in connection with evolution—but with subhuman and subanimal evolution—in connection with the mechanized homunculus, the historically mechanized homunculus. Helen is brought forth in a way that is not part of humanity’s earthly existence. Then certain earthly actions are brought about—well, after all, these are not really earthly beings who are helping out, but rather Eilebeute and Habebald. All of this is already deeply compromised under the influence of Ahrimanic arts, and compromised through the very thing he can possess of humanity’s true earthly blessing. So, by leading him through shallow insignificance—for earthly existence it is merely shallow insignificance, but that does not mean it does not require immense reason and science, even if it is shallow insignificance—through this, the soul is pledged to him. Then it is pledged through the other thing: that he has received the true earthly blessing—well, what does he have? Man received his “I” on Earth—that is, first and foremost, his blood. Bones, tendons, ligaments—whatever this patchwork half-nature consists of—Mephistopheles can have, but the true earthly blessing—the blood, the representative, the physical-material representative of the earthly human—he would indeed like to have it, but he cannot have it; he has remained stuck on the moon. From it, he can only have the title written in blood—only that which, so to speak, can be incorporated into the abstract contract, which is not connected to the impulses that exist in reality, but which remains in the realm of abstraction, of contractuality. He can only extract that from the blood—not the impulse itself, but only that can Mephistopheles extract.

[ 27 ] Die Seele ist ihm verpfändet. Nun, in seiner Sprache sieht es so aus, als ob die andere Schar sie ihm einfach weggeschmuggelt hätte, listig weggenommen. Aber so ohne weiteres ist das nicht. Bis zu dem Tod, den wir gestern geschildert haben, hat schon der Mephisto den Faust noch immer ziemlich in seinen Krallen. Wenn Sie aber den Tod so anerkennen, wie wir ihn gestern gezeigt haben, nicht erst, wenn der Faust hinfällt, sondern wie der Tod so allmählich eintritt, dann ist dasjenige, was Faust da erlebt, und insbesondere als das wonnige Gefühl erlebt, das ich gestern am Schlusse beschrieben habe, nachdem sich die Seele vom Leibe gelockert hat, schon etwas in der geistigen Welt darinnen Erlebtes. Da gleitet Faustens Seele oder, wie Goethe zuerst geschrieben hat, Faustens Entelechie - wir werden morgen von dieser Entelechie sprechen — hinüber in die luziferische Sphäre und würde in der luziferischen Sphäre sich auflösen. Da hätte Faust ebensowenig davon, wie wenn er dem Mephistopheles verfallen würde. Denken Sie doch nur, was ihm da droht!

[ 27 ] His soul is pledged to him. Well, the way he puts it, it sounds as if the other group had simply smuggled it away from him, cunningly taken it away. But it’s not quite that simple. Right up until the death we described yesterday, Mephisto still had Faust firmly in his clutches. But if you understand death as we described it yesterday—not only when Faust falls, but as death gradually sets in—then what Faust experiences there, and in particular the blissful feeling I described at the end yesterday after the soul has detached itself from the body, is already something experienced within the spiritual world. There, Faust’s soul—or, as Goethe originally wrote, Faust’s entelechy (we will speak of this entelechy tomorrow)—glides over into the Luciferic sphere and would dissolve within it. Faust would gain just as little from this as if he were to fall prey to Mephistopheles. Just think of what threatens him there!

Wendet zur Klarheit
Euch, liebende Flammen!
Die sich verdammen,
Heile die Wahrheit;
Daß sie vom Bösen
Froh sich erlösen,
Um in dem Allverein
Selig zu sein.

Turn, for clarity’s sake,
O loving flames!
Those who condemn themselves,
May the truth heal them;
So that they may joyfully
Free themselves from evil,
To be blessed
In the universal union.

[ 28 ] Aber diese Seligkeit würde zur Auflösung im All führen, zum Übergehen in die achte Sphäre! Faust hätte eben dies davon: er hätte die Auflösung in das All, was identisch wäre mit der Vernichtung. Und nun schlagen Sie die letzte Szene auf, von der ich gesagt habe, daß sie notwendig mit der vorhergehenden Szene verbunden ist, daß sie dazugehört, daß sie da sein muß. Da sehen wir in einem ganz andern Gebiete die Handlung fortgehen. Da kommen die Engel wiederum und bringen Faustens Entelechie, Faustens Unsterbliches. Aber indem sie diese Entelechie, dieses Unsterbliche bringen, sagen sie, wodurch sie diese Entelechie hierherbringen können. Die jüngeren Engel, so heißt es in der letzten Szene:

[ 28 ] But this bliss would lead to dissolution into the cosmos, to a transition into the eighth sphere! This is precisely what Faust would gain: he would be dissolved into the cosmos, which would be identical to annihilation. And now turn to the final scene, which I have said is necessarily connected to the preceding scene, that it belongs there, that it must be there. There we see the action continue in an entirely different realm. There the angels come again and bring Faust’s entelechy, Faust’s immortality. But as they bring this entelechy, this immortal essence, they explain how they are able to bring it here. The younger angels, as it says in the final scene:

Jene Rosen, aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen,
Halfen uns den Sieg gewinnen
Und das hohe Werk vollenden,
Diesen Seelenschatz erbeuten.

Those roses, from the hands
of loving, holy penitents,
helped us win the victory
and complete the noble work,
capturing this treasure of the soul.

[ 29 ] Die Engel heben also die Entelechie, die Seele des Faust nicht durch ihre eigene Natur, sondern dadurch, daß sie die Rosen der liebendheiligen Büßerinnen haben, aus der menschlichen Sphäre heraus, beziehungsweise aus dem heraus, wo Menschen hineingewachsen sind, die das menschliche Erdenleben durchgemacht haben, die wirklich aus dem Erdenleben heraus sich entwickelt haben. Goethe leitet die ganze Evolution von dem Mephisto, von den Engeln ab auf die menschliche Evolution, indem die Engel die Entelechie nicht durch ihre eigene Kraft nur retten, sondern sie dadurch retten, daß sie die Rosen empfangen haben aus den Händen liebend-heiliger Büßerinnen. Das ist der unendlich tiefe Gedanke. Da bringt Goethe seine Überzeugung hinein von der Bedeutung der fortlaufenden menschlichen Entwickelung, von der Bedeutung der Erdenentwickelung. Und daher muß er aus dem Menschenwesen heraus etwas finden, was das bloße Ahrimanisch-Mephistophelische überwindet. Mephistopheles steht da, die Lemuren befehligt er aus Knochen, Sehnen und Bändern zusammengeflickte Halbnaturen -, die Dickteufel, die Dürrteufel befehligt er. Ich habe auseinandergesetzt, was dies bedeutet: die untermenschliche Natur, die nie den Menschen hervorbtingen könnte, liegt in alldem nur, die Natur in einer Basis, aus der der Mensch nicht herauswachsen kann, liegt dadrinnen. Alles liegt dadrinnen, was die Weltanschauung begreifen kann, die auf der blauen Linie läuft, aber so darf dasjenige, was uns umgibt, nicht gefaßt werden. Dem Mephistopheles stehen von seiner Mondenzeit her nur zur Verfügung die Kräfte, welche befehligen Lemuren, Dick- und Dürrteufel, aber was die aus der Natur herausziehen, aus der Erdennatur, ist nur das Mephistophelische, und da kann noch anderes herausgezogen werden, was Mephistopheles nicht wissen kann, weil er nicht die Erdenentwickelung in seiner Art mitgemacht hat. Das wird herausgezogen, indem aus der nun wirklichen Heiligung der physischen Natur, der Veredelung der physischen Natur die Verwandtschaft mit den irdischen Kräften und Elementen gesucht wird.

[ 29 ] The angels thus lift the entelechy—the soul of Faust—out of the human sphere, or rather out of that realm into which human beings have grown, having lived through human earthly life and truly developed from that earthly life, not through their own nature, but by virtue of possessing the roses of the loving, holy penitent women. Goethe traces the entire evolution—from Mephisto and the angels—back to human evolution, in that the angels do not save the entelechy by their own power alone, but by having received the roses from the hands of loving, holy penitent women. This is the infinitely profound thought. Here Goethe brings in his conviction regarding the significance of ongoing human development and the significance of Earth’s evolution. And therefore he must find within the human being something that overcomes the mere Ahrimanic-Mephistophelean. Mephistopheles stands there, commanding the Lemures—half-beings cobbled together from bones, tendons, and ligaments—and commanding the fat devils and the skinny devils. I have explained what this means: the subhuman nature, which could never give rise to the human being, lies in all of this; the nature that forms a foundation from which the human being cannot grow out of lies within it. Everything that the worldview following the blue line can comprehend lies within it, but what surrounds us must not be understood in this way. From his time on the Moon, Mephistopheles has at his disposal only the forces commanded by the Lemures, the Fat and Skinny Devils; but what they draw out of nature—out of earthly nature—is only the Mephistophelean, and there is still something else that can be drawn out, which Mephistopheles cannot know because he has not participated in earthly evolution in his own way. This is drawn forth by seeking a connection with the earthly forces and elements through the now genuine sanctification of physical nature—the ennoblement of physical nature.

Ewiger Wonnebrand,
Glühendes Liebeband,
Siedender Schmerz der Brust,
Schäumende Gottes-Lust.
Pfeile, durchdringet mich,
Lanzen, bezwinget mich,
Keulen, zerschmettert mich,
Blitze, durchwettert mich;

Eternal blaze of bliss,
Glowing bond of love,
Boiling pain in my chest,
Foaming divine ecstasy.
Arrows, pierce me,
Lances, subdue me,
Clubs, shatter me,
Lightning bolts, tear through me;

[ 30 ] - und so weiter. Da haben Sie das Durchbrausen der Natur, die zum Menschen gehört, die auch verbunden ist mit dem Luziferischen, mit dem Teuflischen, aber höher hinaufgeht. Da haben Sie diese Natur. Und die Engel haben auf der Erde die Aufgabe oder für die Erde die Aufgabe, mitzunehmen die Pflege des Menschengeschlechtes. Die Engel, die nicht zurückbleiben, sondern fortschreiten bis zu der Pflege des Menschengeschlechtes, wie es auf der Erde sein soll, betrachtet Goethe als die eigentlichen Erlöser. Erinnern Sie sich, welchen Auftrag der Herr den eigentlichen Engeln gibt:

[ 30 ] —and so on. There you have the surging force of nature, which belongs to humankind, which is also connected to the Luciferic, to the devilish, but which ascends to a higher plane. There you have this nature. And the angels have the task on Earth—or the task for Earth—of taking on the care of the human race. Goethe regards the angels—who do not lag behind but advance to the point of caring for the human race as it should be on Earth—as the true saviors. Recall the mission the Lord gives to the true angels:

Doch ihr, die echten Göttersöhne,
Erfreut euch der lebendig reichen Schöne!
Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken

But you, the true sons of the gods,
Rejoice in the living, rich, and beautiful one!
That which is becoming, which eternally acts and lives,
May it enfold you within the sweet bounds of love

[ 31 ] - da sollen sie Hilfe leisten, da sollen sie eingreifen, und sie tun es. Diejenigen Engel schreiten in der Engelschar wirklich vorwärts, die sich beschäftigen mit den liebend-heiligen Büßerinnen und von ihnen die Rosen nehmen. So wie der Mensch das ihm in der Erdenevolution Zugeteilte aufnimmt, so nehmen diese Engel, die nicht zurückbleiben auf der Mondenentwickelung, sondern mit der Erdenentwickelung mitgehen, die Kräfte entgegen, die da kommen von solchen Naturen, wie sie dargestellt sind in dem letzten Akt in den liebend-heiligen Büßerinnen. Das bringt sie weiter. Das ist Goethes Überzeugung, daß sich die Engel entwickeln über das Luziferische hinaus. Wie gesagt, ich wollte mit alldem das andeuten, was Goethes Gedanke ist, wie Goethe verbunden war mit all den großen Evolutionsgedanken in seiner Art.

[ 31 ] —there they are to offer help, there they are to intervene, and they do so. Those angels who are concerned with the loving, holy penitent women and who receive the roses from them truly move forward within the host of angels. Just as human beings take in what is allotted to them in the course of Earth’s evolution, so do these angels—who do not lag behind in the lunar evolution but move forward with Earth’s evolution—receive the forces that come from such beings as are portrayed in the final act as the loving, holy penitent women. This carries them forward. This is Goethe’s conviction: that the angels evolve beyond the Luciferic. As I said, my intention in all this was to hint at Goethe’s thought—how Goethe was connected, in his own way, to all the great evolutionary ideas.

[ 32 ] Nun wollen wir morgen weitersprechen. Ich hoffe, daß Sie aus dem heute Auseinandergesetzten gesehen haben, wie Goethe Tiefen des Werdens und der Weltengeheimnisse aufsucht, um seinen «Faust» zu schaffen, und wie er sein Urteil abgeben wollte über die sich fortentwickelnden Weltanschauungsströmungen. Ja wahrhaftig, es liegt viel in diesem «Faust», sehr, sehr viel liegt in diesem Faust! Und man muß schon sagen: Unendliches könnte die Menschheit gewinnen, wenn sie versuchen würde, sich an alldem zurechtzufinden, was in diesen Goetheschen «Faust», um Goethes eigenen Ausdruck zu gebrauchen, hineingeheimnißt ist. Doch von alldem wollen wir dann morgen weiter reden und von einigen Zusammenhängen dieser Faust-Ideen mit den Ideen der Geisteswissenschaft.

[ 32 ] Now let us continue our discussion tomorrow. I hope that from what we have discussed today, you have seen how Goethe explores the depths of becoming and the mysteries of the world in order to create his *Faust*, and how he sought to offer his judgment on the evolving currents of worldviews. Yes, truly, there is much in this “Faust”—very, very much lies in this “Faust”! And one must certainly say: Humanity could gain infinitely much if it were to try to make sense of all that is, to use Goethe’s own expression, “enigmatically concealed” in this “Faust” of Goethe’s. But we will talk more about all this tomorrow, and about some connections between these ideas in *Faust* and the ideas of Spiritual Science.