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The Faust Problem
The Romantic and Classical Walpurgis Night
GA 273

30 September 1916, Dornach

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The Faust Problem, tr. SOL
  1. Das Faust Problem

1. Das Faust-Problem

1. The Faust Problem

nach einer Aufführung der Szene im Studierzimmer aus «Faust» I

after a performance of the study-room scene from Faust I

[ 1 ] Ich möchte heute wiederum an das eben Dargestellte anknüpfen, um daraus eine Einheit zu gewinnen, die es dann möglich machen wird, morgen zu einer umfassenderen Betrachtung zu kommen.

[ 1 ] Today, I would like to build on what I have just presented in order to arrive at a coherent whole, which will then make it possible to take a more comprehensive look at the subject tomorrow.

[ 2 ] Wir haben gesehen, wie der Übergang vom 14., 15. ins 16., 17. Jahrhundert in der ganzen Entwickelung der Menschheit einen außerordentlich bedeutenden Einschnitt zeigt, der Übergang von dem griechisch-lateinischen Zeitalter zu unserem fünften nachatlantischen Zeitraum, zu dem Zeitraum, in dem wir jetzt leben, aus dem unsere Impulse für alles Erkennen und auch für alles Handeln fließen, zu dem Zeitraum, der bis zum vierten Jahrtausend währen wird. Nun, aus alldem, was Sie über Goethes «Faust» wissen und über den Zusammenhang dieses Goetheschen «Faust» mit der Faust-Gestalt, wie sie aus der Sage des 16. Jahrhunderts stammt, werden Sie einsehen, daß sowohl diese Faust-Gestalt aus dem 16. Jahrhundert wie dasjenige, was Goethes Anschauung aus ihr geformt hat, in innigem Zusammenhange steht mit all den Übergangsimpulsen, die das neue Zeitalter in geistiger Beziehung und damit auch in äußerlich materieller Beziehung heraufgebracht haben. Nun ist bei Goethe die Sache wirklich so, daß gerade dies Problem vom Heraufkommen der neuen Zeit und vom Fortwirken der Impulse der neuen Zeit ungeheuer mächtig war, daß er ganz und gar inspiriert war die sechzig Jahre, die er an seinem «Faust» geschaffen hat, von der Frage: Welches sind die wichtigsten Aufgaben, die wichtigsten Gesinnungsrichtungen der neueren Menschen? Und Goethe konnte wahrhaftig zurückblicken in das abgelaufene Zeitalter, das heute selbst der Wissenschaft so wenig mehr bekannt ist, jenes abgelaufene Zeitalter, das mit dem 14., i5. Jahrhundert zu Ende geht. Was die Geschichte meldet ich habe es oftmals gesagt — über die Seelenstimmung der Menschen, über die menschlichen Fähigkeiten und Bedürfnisse früherer Jahrhunderte, das ist doch im Grunde etwas, was recht sehr «graue Theorie» ist. In den Seelen der Menschen früherer Jahrhunderte, der Jahrhunderte noch, die dem Faust-Zeitalter vorangegangen sind, sah es gewaltig anders aus als in den Seelen der Gegenwartsmenschen, in den Seelen der gegenwärtigen Menschheitsepoche. Und Goethe hat so recht eine Gestalt, eine Persönlichkeit in seinem «Faust» verkörpert, die zurückblickt auf die Seelenverfassung der Menschen in früheren Jahrhunderten, in lang vergangenen Jahrhunderten, und die zugleich vorwärtsblickt auf die Aufgaben der Gegenwart, auf die Aufgaben der Zukunft.

[ 2 ] We have seen how the transition from the 14th and 15th centuries to the 16th, 17th centuries marks an extraordinarily significant turning point in the entire development of humanity—the transition from the Greco-Latin era to our fifth post-Atlantean epoch, the epoch in which we now live, from which our impulses for all knowledge and also for all action flow, the epoch that will last until the fourth millennium. Now, from everything you know about Goethe’s Faust and about the connection between this Goethean Faust with the Faust figure as it originates from the 16th-century legend, you will realize that both this 16th-century Faust figure and what Goethe’s vision shaped from it are intimately connected with all the transitional impulses that the new age has brought forth, both in a spiritual sense and thus also in an outwardly material sense. Now, in Goethe’s case, the reality is that this very problem—the emergence of the new age and the continuing influence of its impulses—was so immensely powerful that he was entirely inspired, throughout the sixty years he spent creating his Faust, by the question: What are the most important tasks and the most significant attitudes of modern humanity? And Goethe was truly able to look back on the bygone age—an age of which even modern scholarship knows so little today—that bygone age which came to an end with the 14th and 15th centuries. What history tells us—as I have often said—about the spiritual disposition of people, about the human capacities and needs of earlier centuries, is, after all, something that is really quite “dry theory.” The inner lives of people in earlier centuries—the centuries that preceded the age of Faust—looked vastly different from those of people today, from the inner lives of the present epoch of humanity. And Goethe was so right to embody in his Faust a figure, a personality, who looks back on the state of mind of people in earlier centuries—centuries long past—and who at the same time looks forward to the tasks of the present and the tasks of the future.

[ 3 ] Indem Faust zunächst zurückblickt auf das, was seinem Zeitalter vorangeht, kann er im Grunde nur noch auf die Trümmer einer zu Ende gegangenen Kultur blicken. Wir müssen zuerst immer den Faust des 16. Jahrhunderts ins Auge fassen, der eine historische Gestalt ist, der wirklich gelebt hat, und der dann in die Volkssage übergegangen ist. Dieser Faust lebte noch in den alten Wissenschaften darinnen, die er sich angeeignet hat, lebte in Magie, in Alchimie und in der Mystik darinnen, welche die Weisheit früherer Jahrhunderte war, namentlich auch die Weisheit der dem Christentum vorangegangenen Zeit war, die aber in der Zeit, in welcher der historische Faust des 16. Jahrhunderts lebte, schon gründlich im Verfall war. Das, was da in der Faust-Zeit als Alchimie, als Magie, als Mystik von denjenigen angesehen worden ist, unter denen Faust lebte, war durchaus schon krauses Zeug, war ein Zeug, das auf Traditionen, auf Hinterlassenschaften aus älterer Zeit fußte, in dem man sich aber nicht mehr auskannte. Die Weisheit, die darinnen lebte, kannte man nicht mehr. Man hatte mancherlei gesunde Formeln aus alten Zeiten, mancherlei richtige Einsichten aus alter Zeit, aber verstand sie nurmehr schlecht. Also in ein Zeitalter eines verfallenden Geisteslebens war in dieser Beziehung der geschichtliche Faust hineingestellt. Und Goethe vermischt fortwährend dasjenige, was der geschichtliche Faust erlebte, mit dem, was er geformt hat zum Faust des 18. Jahrhunderts, zum Faust des i9. Jahrhunderts, ja zum Faust noch vieler kommenden Jahrhunderte. Daher sehen wir auch den Goetheschen Faust wieder zurückblicken zur alten Magie, zur alten Art von Weisheit, Mystik, die nicht Chemie im heutigen materialistischen Sinne getrieben hat, die durch die Hantierungen mit der Natur in Zusammenhang kommen wollte mit einer geistigen Welt, aber die Kenntnisse schon nicht mehr hatte, um in der richtigen Art der früheren Zeit mit der geistigen Welt in Zusammenhang zu kommen. Was man in Jahrhunderten, die nun längst vergangen sind, als Heilkunde betrachtet hat, ist nicht so töricht, wie es eine heutige Wissenschaft oftmals machen will, nur ist die eigentliche darinnensteckende Weisheit verlorengegangen, und sie war zum Teil schon verloren im Zeitalter des Faust. Das kannte Goethe gut. Aber er kannte es nicht mit dem Verstande allein, er kannte es mit dem Herzen, er kannte es mit allen Seelenkräften, die an dem Wohl und Heil der Menschheit hängen und die für das Heil der Menschheit besonders in Betracht kommen. Goethe wollte sich die Rätselfragen, die für ihn daraus entsprossen, beantworten, daß man erkennen könne, wie man, immer weiter fortgehend, zu andern, für die neuere Zeit ebenso geeigneten Weisheiten in bezug auf die geistige Welt kommen könne, wie es die Alten vermochten, deren Weisheit nach dem Gange der Menschheit notwendig verglimmen mußte. Daher läßt er seinen Faust Magier werden. Faust hat sich der Magie ergeben wie der Faust des 16. Jahrhunderts. Aber er bleibt doch unbefriedigt aus dem einfachen Grunde, weil die eigentliche Weisheit der alten Magie eben schon verglommen war. Aus dieser Weisheit stammte auch die alte Heilkunde. Mit der alten Chemie, Alchimie stand alle Rezeptierkunde, alle Arzneikunde in Zusammenhang.

[ 3 ] As Faust first looks back on what preceded his own age, he can essentially see only the ruins of a culture that has come to an end. We must always first consider the Faust of the 16th century, who is a historical figure who actually lived and who then became part of folk legend. This Faust still lived immersed in the ancient sciences he had mastered; he lived immersed in magic, alchemy, and mysticism—which constituted the wisdom of earlier centuries, notably the wisdom of the era preceding Christianity—but which, by the time the historical Faust of the 16th century lived, was already in a state of profound decline. What was regarded in Faust’s time as alchemy, magic, and mysticism by those among whom Faust lived was by then nothing but a jumble of nonsense—a jumble based on traditions and legacies from earlier times, but one that people no longer understood. The wisdom that lived within it was no longer known. People had all sorts of sound formulas from ancient times, all sorts of correct insights from ancient times, but they understood them only poorly. Thus, in this respect, the historical Faust was placed in an age of a decaying spiritual life. And Goethe continually blends what the historical Faust experienced with what he shaped into the Faust of the 18th century, the Faust of the 19th century, and indeed the Faust of many centuries yet to come. That is why we also see Goethe’s Faust looking back to the old magic, to the old kind of wisdom and mysticism—which did not practice alchemy in today’s materialistic sense, but sought, through its dealings with nature, to connect with a spiritual world, yet no longer possessed the knowledge to connect with that spiritual world in the proper manner of earlier times. What was regarded as medicine in centuries now long past is not as foolish as modern science often would have us believe; it is simply that the true wisdom inherent in it has been lost, and it was already partly lost in the age of Faust. Goethe knew this well. But he did not know it with the intellect alone; he knew it with his heart; he knew it with all the powers of the soul that are devoted to the welfare and salvation of humanity and that are of particular importance for the salvation of humanity. Goethe sought to answer the enigmatic questions that arose for him from this, so that one might recognize how, by proceeding ever further, one could arrive at other forms of wisdom regarding the spiritual world—just as suitable for modern times as those of the ancients, whose wisdom, in the course of human history, was bound to fade away. That is why he has his Faust become a magician. Faust has devoted himself to magic, just like the Faust of the 16th century. Yet he remains unsatisfied for the simple reason that the true wisdom of ancient magic had already faded away. Ancient medicine also stemmed from this wisdom. All the knowledge of prescriptions and all pharmacology were connected to ancient chemistry and alchemy.

[ 4 ] Nun berührt man, wenn man eine solche Frage berührt, sogleich die tiefsten Geheimnisse der Menschheit, insofern diese nämlich dahin gehen, daß man in Wahrheit Krankheiten nicht heilen kann, ohne sie zugleich erzeugen zu können. Die Wege zum Heilen der Krankheiten sind zugleich die Wege zum Erzeugen der Krankheiten. Wir werden gleich nachher hören, wie in der alten Weisheit durchaus der Grundsatz herrschend war, daß derjenige, der Heiler war, zugleich Erzeuger von Krankheiten sein konnte, und wie deshalb in alten Zeiten die Heilkunst mit einer tief moralischen Weltauffassung im Zusammenhang gedacht wurde. Aber wir werden auch gleich nachher sehen, wie wenig sich dasjenige hätte entwickeln können in diesen alten Zeiten, was man die neuere Freiheit der menschlichen Entwickelung nennt, die eigentlich erst in unserem fünften, in dem auf den griechisch-römischen folgenden Zeitraum von der Menschheit in Angriff genommen worden ist. Wir werden sehen, wie diese hätte sein müssen, wenn die alte Weisheit verblieben wäre. Auf allen Gebieten aber mußte diese Weisheit zugrunde gehen, damit der Mensch gewissermaßen von vorne anfangen müsse, aber so, daß er mit dem Wissen und mit dem Handeln zugleich zur Freiheit streben konnte. Das hätte er nicht können unter dem Einflusse der alten Weisheit. In solchen Übergangszeiten, wie diejenige war, in der Faust lebte, ist der Verfall des Alten da; das Neue ist noch nicht gekommen. Da entstehen denn solche Stimmungen, wie sie im «Faust» zu bemerken sind in der Szene, die vorangeht derjenigen, die wir heute dargestellt haben. In dieser Szene sehen wir ganz klar, wie Faust aus dem Zeitalter heraus ist und sich heraus fühlt, in dem noch alte Weisheit, aber die schon nicht mehr völlig verstandene alte Weisheit, da war. Wir sehen, wie Faust, von seinem Famulus Wagner begleitet, hinausgeht ins Grüne aus seiner Zelle, wie er zunächst das Volk betrachtet, welches das Osterfest im Freien, im Grünen feiert, wie er selbst österliche Stimmung bekommt. Aber wir sehen sogleich, wie er nicht entgegennehmen will die Huldigungen, die ihm von dem Volk dargebracht werden, Ein alter Bauer tritt ja auf, tritt Faust gegenüber und bringt Huldigungen dar, weil das Volk glaubt, daß Faust, der Sohn eines alten Adepten, eines alten Heilkundigen, auch ein bedeutender Heilkundiger sei, der Heil und Segen unter das Volk bringen kann. Ein alter Bauer tritt Faust entgegen und sagt:

[ 4 ] Now, when one addresses such a question, one immediately touches upon the deepest mysteries of humanity, insofar as these mysteries imply that, in truth, one cannot cure diseases without also being able to cause them. The paths to curing diseases are at the same time the paths to causing them. We will hear shortly how, in ancient wisdom, the principle was firmly established that whoever was a healer could at the same time be a creator of diseases, and how, for this reason, the art of healing in ancient times was conceived in connection with a profoundly moral worldview. But we will also see shortly how little what is called the newer freedom of human development—which was actually only undertaken by humanity in our fifth epoch, the one following the Greco-Roman period—could have developed in those ancient times. We will see what this freedom would have had to be like if ancient wisdom had persisted. In every sphere, however, this wisdom had to perish so that humanity might, as it were, start anew—but in such a way that it could strive toward freedom through both knowledge and action. It could not have done so under the influence of the ancient wisdom. In times of transition such as that in which Faust lived, the decay of the old is present; the new has not yet arrived. This gives rise to the kind of moods that can be observed in Faust in the scene that precedes the one we have performed today. In this scene, we see quite clearly how Faust has emerged from—and feels himself to be outside of—an age in which the old wisdom still existed, though it was no longer fully understood. We see how Faust, accompanied by his servant Wagner, steps out of his cell into the countryside; how he first observes the people celebrating Easter outdoors in the countryside; and how he himself becomes filled with the spirit of Easter. But we immediately see how he refuses to accept the tributes offered to him by the people. An old farmer steps forward, approaches Faust, and pays him homage, because the people believe that Faust—the son of an old adept, an old healer—is himself a significant healer who can bring healing and blessings to the people. An old farmer approaches Faust and says:

Fürwahr, es ist sehr wohl getan,
Daß ihr am frohen Tag erscheint;
Habt ihr es vormals doch mit uns
An bösen Tagen gut gemeint!
Gar mancher steht lebendig hier,
Den euer Vater noch zuletzt
Der heißen Fieberwut entriß,
Als er der Seuche Ziel gesetzt.
Auch damals ihr, ein junger Mann,
Ihr gingt in jedes Krankenhaus,
Gar manche Leiche trug man fort,
Ihr aber kamt gesund heraus;
Bestandet manche harte Proben;
Dem Helfer half der Helfer droben.

Truly, it is most welcome,
That you have come on this joyful day;
For you were kind to us in the past
During those dark days!
Many stand here alive today,
Whom your father, even at the very end,
Saved from the raging fever,
When he put an end to the plague.
Back then, too, you—a young man—
You went to every hospital,
Many a corpse was carried away,
But you emerged healthy;
You endured many a harsh trial;
The helper was helped by the helper above.

[ 5 ] Das sagt der alte Bauer, erinnernd, wie Faust zusammenhängt mit der alten Heilkunde, die aber sich nicht nur bezog auf die Heilung physischer Krankheiten, sondern auf die Heilung auch der moralischen Übel des Volkes. Faust weiß, daß er nicht mehr in einem Zeitalter gelebt hat, in dem die alte Weisheit wirklich hilfreich der Menschheit war, sondern schon in einer Verfallszeit. Und in seiner Seele glimmt auf Bescheidenheit, aber zu gleicher Zeit Niedergeschlagenheit über die Unwahrheit, der er eigentlich gegenübersteht, und er sagt:

[ 5 ] This is what the old farmer says, recalling how Faust is connected to the ancient art of healing, which, however, did not refer only to the cure of physical illnesses, but also to the cure of the moral ills of the people. Faust knows that he no longer lived in an age when ancient wisdom was truly helpful to humanity, but rather in a time of decline. And in his soul there stirs a sense of humility, but at the same time despondency over the falsehood he is actually confronted with, and he says:

Nur wenige Schritte noch hinauf zu jenem Stein,
Hier wollen wir von unsrer Wandrung rasten.
Hier saß ich oft gedankenvoll allein
Und quälte mich mit Beten und mit Fasten.
An Hoffnung reich, im Glauben fest,
Mit Tränen, Seufzen, Händeringen
Dacht ich das Ende jener Pest
Vom Herrn des Himmels zu erzwingen.
Der Menge Beifall tönt mir nun wie Hohn.
O könntest du in meinem Innern lesen,
Wie wenig Vater und Sohn
Solch eines Ruhmes wert gewesen!
Mein Vater war ein dunkler Ehrenmann,
Der über die Natur und ihre heil’gen Kreise,
In Redlichkeit, jedoch auf seine Weise,
Mit grillenhafter Mühe sann.
Der, in Gesellschaft von Adepten,
Sich in die schwarze Küche schloß
Und, nach unendlichen Rezepten,
Das Widrige zusammengoß.
Da ward ein roter Leu, ein kühner Freier,
Im lauen Bad der Lilie vermählt,
Und beide dann mit offnem Flammenfeuer
Aus einem Brautgemach ins andere gequält.

Just a few more steps up to that rock,
Here we’ll rest from our journey.
Here I often sat alone, lost in thought,
And tormented myself with prayer and fasting.
Rich in hope, firm in faith,
With tears, sighs, and wringing hands
I thought to force an end to that plague
From the Lord of Heaven.
The crowd’s applause now sounds like mockery to me.
Oh, if only you could read my innermost thoughts,
How little the Father and the Son
Were worthy of such glory!
My father was a mysterious man of honor,
Who, regarding nature and its sacred circles,
In integrity, yet in his own way,
Pondered with whimsical diligence.
He who, in the company of adepts,
Locked himself away in the black kitchen
And, following endless recipes,
Poured together the adverse elements.
Then a red lion, a bold suitor,
Was wed in the lukewarm bath of the lily,
And both were then, with open flames,
Tormented from one bridal chamber to the next.

[ 6 ] Also Goethe hat sehr wohl studiert, wie man dazumal verfahren ist, wie man den «roten Leu» — das Quecksilberoxyd, Schwefelquecksilber — behandelt hat, wie man die verschiedenen Chemikalien zusammengemischt und ihren Prozessen überlassen hat, wie man Arzeneien daraus fabriziert hat. Das alles aber entsprach nicht mehr der alten Weisheit. Goethe kennt auch die Ausdrucksweise. Man hat durchaus das, was man darzustellen hatte, in Bildern dargestellt. Die Verbindungen von Stoffen hat man wie eine Vermählung dargestellt. Daher sagt er:

[ 6 ] So Goethe did indeed study how things were done back then—how the “red lion” (mercury oxide, mercuric sulfide) was treated, how the various chemicals were mixed together and left to undergo their processes, and how medicines were manufactured from them. But all of this no longer corresponded to the old wisdom. Goethe is also familiar with the style of expression. People certainly depicted what they needed to portray in images. The compounds of substances were depicted as a marriage. That is why he says:

Aus einem Brautgemach ins andere gequält.
Erschien darauf mit bunten Farben
Die junge Königin im Glas —

Tormented from one bridal chamber to another.
Then appeared, resplendent in vibrant colors
The young queen in the glass —

[ 7 ] Das war ein Kunstausdruck. Wie in der heutigen Chemie Kunstausdrücke sind, so nannte man dazumal, wenn gewisse Substanzen einen gewissen Zustand und Farbe erreicht haben, «die junge Königin».

[ 7 ] That was a figure of speech. Just as there are figures of speech in modern chemistry, people back then referred to certain substances that had reached a certain state and color as “the young queen.”

Hier war die Arzenei, die Patienten starben,

This is where the medicine was; patients died,

[ 8 ] Sie starben damals dem Faust weg, wie sie auch heute noch bei vielen Arzeneien sterben.

[ 8 ] They were phased out back then, just as many pharmacies are still phasing them out today.

Hier war die Arzenei, die Patienten starben,
Und niemand fragte: wer genas?
So haben wir mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.
Ich habe selbst den Gift an Tausende gegeben,
Sie welkten hin, ich muß erleben,
Daß man die frechen Mörder lobt.

Here was the medicine; the patients died,
And no one asked: Who was healed?
So we raged with hellish plagues
In these valleys, these mountains
Far worse than the plague.
I myself have administered the poison to thousands,
They withered away, and I must witness
How those brazen murderers are praised.

[ 9 ] Das ist Selbsterkenntnis des Faust. So steht Faust nun vor sich selber da, er, von dem Sie wissen, daß er in alten magischen Weistümern sich umgetan hat, um in die Geheimnisse der Natur und des Geistes einzudringen. Durch alles das ist er aber vergeistigt worden. So wie Wagner, sein Famulus, der sich Genüge getan hat mit der neueren Weisheit, die im Schriftwerke ruht, die in Buchstaben ruht, kann es Faust nicht halten. Dieser Wagner ist ja eine Persönlichkeit, welche weit geringere Ansprüche an die Weisheit und an das Leben stellt. Und als Faust sich hineinträumen will in die Natur, um den Geist der Natur zu finden, da denkt der Wagner nur an den Geist, der ihm aus den Theorien, aus dem Pergamente, aus den Büchern fließt. Was da über Faust kommt, nennt er grillenhafte Stunden:

[ 9 ] This is Faust’s self-knowledge. Thus Faust now stands before himself—he whom you know to have immersed himself in ancient magical wisdom in order to penetrate the mysteries of nature and the spirit. But through all of this, he has become spiritualized. Unlike Wagner, his servant, who has been content with the newer wisdom found in written works—that which rests in letters—Faust cannot remain so. Wagner, after all, is a figure who places far lesser demands on wisdom and on life. And while Faust seeks to immerse himself in nature to find the spirit of nature, Wagner thinks only of the spirit that flows to him from theories, from parchments, from books. What comes over Faust, he calls “whimsical hours”:

Ich hatte selbst oft grillenhafte Stunden,

I, too, have often had moments that felt like a barbecue,

[ 10 ] — sagt Wagner —

[ 10 ] — says Wagner —

Doch solchen Trieb hab ich noch nie empfunden.
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt,
Des Vogels Fittich werd ich nie beneiden.

But I have never felt such an urge.
One can easily grow tired of forests and fields,
I will never envy a bird’s wings.

[ 11 ] Er will nie mit dem Vogel hinausfliegen, um die Welt kennenzulernen!

[ 11 ] He never wants to fly away with the bird to explore the world!

Wie anders tragen uns die Geistesfreuden
Von Buch zu Buch, von Blatt zu Blatt!
Da werden Winternächte hold und schön,
Ein selig Leben wärmet alle Glieder,
Und ach! entrollst du gar ein würdig Pergamen,
So steigt der ganze Himmel zu dir nieder.

How differently the joys of the mind carry us
From book to book, from page to page!
Then winter nights become lovely and beautiful,
A blissful life warms every limb,
And oh! If you were to unroll a worthy parchment,
Then the whole heaven would descend upon you.

[ 12 ] Ein vollständiger Büchermensch, ein ganzer Theorienmensch!

[ 12 ] A true bookworm, a true theorist!

[ 13 ] So, nachdem das Volk abgegangen ist, stehen sie nun da: derjenige, der hinein will zu des Lebens Quellen, der sein eigenes Wesen verbinden will mit den geheimnisvollen Kräften der Natur, um diese geheimnisvollen Kräfte der Natur zu erleben: Faust — und derjenige, der nichts sieht als das äußere materielle Leben und dasjenige, was in den Büchern eben durch Materie aufgezeichnet ist: Wagner. Man braucht nicht viel nachzudenken, was, durch all das, was er erlebt hat bis zu diesem Augenblicke, wie es uns Goethe darstellt, in Fausts Innerem vorgegangen ist; soviel aber kann man sich sagen nach alledem, was uns in Faust entgegentritt, daß das Innere, man möchte sagen, sich um- und umgekehrt hat, daß eine wirkliche Seelenentwickelung bei Faust stattgefunden hat, daß er ein gewisses inneres Schauen erlangt hat, sonst hätte er nicht den Erdgeist rufen können, der im Tatensturm auf und ab wallt. Eine gewisse Fähigkeit, die äußere Welt nicht nur ihren äußeren Erscheinungen nach zu sehen, sondern den Geist zu sehen, der in allem webt und lebt, hat sich Faust angeeignet. Da springt ihnen, Faust und Wagner, ein Pudel von ferne entgegen. Wie sie beide den Pudel sehen, einen gewöhnlichen Pudel, wie ihn Faust sieht und wie ihn Wagner sieht, das charakterisiert die beiden Menschen ganz und gar. Nachdem Faust sich hineingeträumt hat in das lebendige Geistweben der Natur, erblickt er den Pudel:

[ 13 ] So, now that the crowd has dispersed, here they stand: the one who wants to enter the sources of life, who wants to connect his own being with the mysterious forces of nature in order to experience these mysterious forces of nature: Faust—and the one who sees nothing but external, material life and what is recorded in books through matter: Wagner. One need not think too hard about what, through all that he has experienced up to this moment—as Goethe portrays it to us—has been going on within Faust; but one can say this much, based on everything we encounter in Faust: that his inner world, one might say, has been transformed—and turned upside down—that a genuine development of the soul has taken place in Faust, that he has attained a certain inner vision; otherwise he could not have summoned the Earth Spirit, who surges up and down in the Storm of Deeds. Faust has acquired a certain ability not only to see the outer world according to its outward appearances, but to see the spirit that weaves and lives in all things. Then a poodle comes running toward them—Faust and Wagner—from a distance. The way they both see the poodle—an ordinary poodle, as Faust sees it and as Wagner sees it—characterizes the two men completely. After Faust has immersed himself in the living spiritual weaving of nature, he catches sight of the poodle:

Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?

Do you see the black dog roaming through the crops and stubble?

[ 14 ] Wagner: Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.

[ 14 ] Wagner: I had seen him for quite some time, but he didn't seem important to me.

[ 15 ] Faust: Betracht ihn recht! Für was hältst du das Tier?

[ 15 ] Faust: Look at him closely! What do you take this beast to be?

[ 16 ] Wagner: Für einen Pudel, der auf seine Weise Sich auf der Spur des Herren plagt.

[ 16 ] Wagner: For a poodle who, in his own way, struggles to follow his master's trail.

[ 17 ] In Kreisen geht der Pudel ringsherum.

[ 17 ] The poodle walks around in circles.

[ 18 ] Faust: Bemerkst du, wie im weiten Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt?
Und irr’ ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hinterdrein.

[ 18 ] Faust: Do you notice how, in a wide spiral
It races around us, drawing ever closer?
And if I am not mistaken, a whirlwind of fire
Follows in its wake.

[ 19 ] Faust sieht nicht bloß den Pudel, sondern im Inneren des Faust regt sich etwas, er sieht etwas, was zum Pudel gehört wie ein Geistiges. Das sieht Faust. Wagner sieht es selbstverständlich nicht. Mit äußeren Augen kann man ja das nicht sehen, was Faust sieht.

[ 19 ] Faust does not merely see the poodle; something stirs within Faust—he sees something that belongs to the poodle, something spiritual. That is what Faust sees. Wagner, of course, does not see it. After all, one cannot see with the physical eyes what Faust sees.

[ 20 ] Wagner: Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel;
Es mag bei euch wohl Augentäuschung sein.

[ 20 ] Wagner: I see nothing but a black poodle;
It may well be an optical illusion on your part.

[ 21 ] Faust: Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen
Zu künft’gem Band um unsre Füße zieht.

[ 21 ] Faust: It seems to me that he is magically and silently drawing snares
Around our feet to bind us in the future.

[ 22 ] Wagner: Ich seh’ ihn ungewiß und furchtsam uns umspringen,
Weil er, statt seines Herrn, zwei Unbekannte sieht.

[ 22 ] Wagner: I see him darting about, uncertain and fearful,
Because, instead of his master, he sees two strangers.

[ 23 ] Faust sieht also in dieser einfachen Erscheinung zugleich etwas Geistiges. Halten wir das fest. Faust geht, indem sein Inneres ergriffen ist von einem gewissen Geistzusammenhang selbst mit diesem Pudel, nun in sein Studierzimmer. Nun, selbstverständlich, dramatisch stellt Goethe das so dar, daß der Pudel da ist, wie er ist; das ist auch gut, das Drama muß das so darstellen. Aber im Grunde haben wir es doch mit etwas, was Faust innerlich erlebt, zu tun. Und wie jetzt diese Szene sich abspielt, wie Faust hier etwas innerlich erlebt, das ist von Goethe wirklich meisterlich in jedem Worte gesagt. Sie sind draußen geblieben, Faust und Wagner, bis in die Nacht hinein, wo das äußere Licht nicht mehr wirkt, wo nur die Dämmerung gewirkt hat. In die Dämmerung hinein sieht Faust dasjenige, was er geistig sehen will. Nun kommt er nach Hause wiederum in seine Zelle. Nun ist er allein mit sich. Solch ein Mensch wie Faust, nachdem er all das durchgemacht hat, mit sich allein gelassen, ist in der Lage, Selbsterkenntnis, das heißt, das Leben des Geistes im eigenen Selbst zu erleben. Er drückt es aus, wie gewissermaßen sein Innerstes rege geworden ist, aber auf geistige Art rege geworden ist:

[ 23 ] Faust thus perceives something spiritual in this simple phenomenon. Let’s keep that in mind. With his inner being moved by a certain spiritual connection—even with this poodle—Faust now goes into his study. Now, of course, Goethe presents this dramatically in such a way that the poodle is simply there as it is; that is fine—the drama must portray it that way. But fundamentally, we are dealing with something that Faust experiences inwardly. And the way this scene unfolds now—the way Faust experiences something inwardly here—is expressed by Goethe with true mastery in every word. Faust and Wagner remained outside until late into the night, when the external light no longer had any effect, when only the twilight remained. In the twilight, Faust sees what he wishes to see spiritually. Now he returns home to his cell. Now he is alone with himself. A person like Faust, after having gone through all of this, left alone with himself, is in a position to experience self-knowledge—that is, to experience the life of the spirit within his own self. He expresses how, in a sense, his innermost being has been stirred, but stirred in a spiritual way:

Verlassen hab’ ich Feld und Auen,
Die eine tiefe Nacht bedeckt,
Mit ahnungsvollem, heil’gem Grauen
In uns die beßre Seele weckt.
Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestümen Tun;
Es reget sich die Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun.

I have left the fields and meadows behind,
Which a deep night covers,
With an ominous, sacred dread
That awakens the better soul within us.
Wild impulses have now fallen asleep
Along with every impetuous deed;
Human love stirs,
The love of God now stirs.

[ 24 ] Der Pudel knurrt. Aber seien wir uns klar: es sind innere Erlebnisse, auch das Pudelknurren ist inneres Erlebnis, wenn es auch dramatisch äußerlich dargestellt wird. Faust hat sich mit der verfallenden Magie eingelassen, mit Mephistopheles eingelassen. Mephistopheles ist kein Geist, der ihn in die fortschreitenden, regulären geistigen Kräfte hineinführt, Mephistopheles ist der Geist, den Faust erst überwinden muß, der ihm beigesellt wird, daß er ihn überwinde, der ihm zur Prüfung, nicht zur Belehrung, beigegeben ist. Das heißt: wir sehen jetzt Faust vor uns stehen, wie er auf der einen Seite hinein will in die göttlich-geistige Welt, welche die Weltentwickelung vorwärtsträgt, und wie auf der andern Seite die Kräfte in seiner Seele rege sind, die ihn hinunterziehen ins gewöhnliche Triebleben, das den Menschen abbringt von dem geistigen Streben. Gerade wenn Heiliges in seiner Seele sich regt, da spottet es; die entgegenstehenden Triebe spotten. Dies ist jetzt in Form äußerlicher Ereignisse wunderbar dargestellt: Faust, gewissermaßen nach dem Göttlich-Geistigen mit all seinem Wissen hinstrebend, und seine eigenen Triebe, die dagegen knurren, so wie der materialistische Sinn des Menschen knurrt gegen das geistige Streben. Und wenn Faust sagt: Sei ruhig, Pudel! Knurre nicht — so beruhigt er im Grunde genommen sich selber. Und nun spricht Faust, das heißt, in diesem Fall läßt Goethe Faust in einer wunderbaren Weise sprechen. Erst wenn man eingeht auf die einzelnen Worte, findet man, wie wunderbar Goethe das innere Leben des Menschen in geistiger Entwickelung kennt:

[ 24 ] The poodle growls. But let’s be clear: these are inner experiences; even the poodle’s growl is an inner experience, even if it is dramatically portrayed externally. Faust has become entangled with decaying magic, has become entangled with Mephistopheles. Mephistopheles is not a spirit who leads him into the advancing, regular spiritual forces; Mephistopheles is the spirit whom Faust must first overcome, who is assigned to him so that he may overcome him, who is given to him as a test, not as a teacher. That is to say: we now see Faust standing before us, on the one hand striving to enter the divine-spiritual world that propels the development of the world forward, and on the other hand, the forces within his soul are active, pulling him down into the ordinary life of instincts that leads people away from spiritual striving. Precisely when the sacred stirs within his soul, it mocks him; the opposing instincts mock him. This is now wonderfully portrayed in the form of external events: Faust, striving, as it were, toward the divine-spiritual with all his knowledge, and his own instincts, which growl in opposition, just as the materialistic sense of human beings growls against spiritual striving. And when Faust says, “Be quiet, Pudel! Don’t growl”—he is, in essence, calming himself. And now Faust speaks—that is, in this instance, Goethe has Faust speak in a marvelous way. Only when one examines the individual words does one discover how wonderfully Goethe understands the inner life of a person undergoing spiritual development:

Ach, wenn in unsrer engen Zelle
Die Lampe freundlich wieder brennt,
Dann wird’s in unserm Busen helle,
Im Herzen, das sich selber kennt —

Ah, when in our cramped cell
The lamp burns warmly once more,
Then our hearts are filled with light,
In the heart that knows itself—

[ 25 ] im Herzen, das Selbsterkenntnis, das heißt, den Geist im eigenen Selbst sucht.

[ 25 ] in the heart, which seeks self-knowledge—that is, the spirit within one's own self.

Vernunft fängt wieder an zu sprechen -.

Reason Begins to Speak Again -.

[ 26 ] Ein bedeutungsvoller Satz! Derjenige, der die geistige Entwickelung durchmacht, in die Faust gebracht wird durch sein Leben, weiß, daß Vernunft nicht nur etwas Totes im Inneren ist, kennt nicht nur die Kopfvernunft, weiß, wie lebendig Vernunft wird, wie inneres Geistweben Vernunft wird und wirklich spricht. Das ist kein bloßes dichterisches Bild:

[ 26 ] A meaningful sentence! The one who undergoes spiritual development—who is shaped by his life—knows that reason is not merely something lifeless within; he knows more than just intellectual reason; he knows how alive reason becomes, how inner spiritual weaving becomes reason and truly speaks. This is not merely a poetic image:

Vernunft fängt wieder an zu sprechen,
Und Hoffnung wieder an zu blühn.

Reason begins to speak once more,
And hope begins to blossom once more.

[ 27 ] Vernunft spricht, fängt wieder an zu sprechen über das Vergangene, das lebendig geblieben ist aus dem Vergangenen, und Hoffnung wieder an zu blühen, das heißt, unseren Willen finden wir umgestaltet, so daß wir wissen, wir werden durch die Pforte des Todes als ein geistig-lebendiges Wesen gehen. Die Zukunft und die Vergangenheit gliedern sich wunderbar zusammen. Goethe will Faust sagen lassen, daß Faust weiß, in der Selbsterkenntnis das innere Leben des Geistes zu finden.

[ 27 ] Reason speaks, begins once more to speak of the past—that which has remained alive from the past—and hope begins to blossom anew; that is to say, we find our will transformed, so that we know we will pass through the gate of death as a spiritually living being. The future and the past are wonderfully interwoven. Goethe has Faust say that Faust knows how to find the inner life of the spirit in self-knowledge.

Man sehnt sich nach des Lebens Bächen,
Ach! nach des Lebens Quelle hin.

One longs for the streams of life,
Ah! for the source of life.

[ 28 ] Und nun sucht Faust näherzukommen dem, wonach es ihn drängt, nach des Lebens Quellen. Einen Weg sucht er zunächst: den Weg der religiösen Erhebung. Er greift zum Neuen Testament. Und wie er jetzt zum Neuen Testament greift, das ist eine wunderbare Darstellung Goethescher weisheitsvoller Dramatik. Zu demjenigen greift er, wo die tiefsten Weisheitsworte der neueren Zeit darinnenstehen, zum JohannesEvangelium. Das will er in sein geliebtes Deutsch übersetzen. Daß Goethe den Moment des Übersetzens wählt, das ist bedeutungsvoll. Derjenige, der das Wirken tiefer Welten- und Geisterwesenheiten kennt, weiß, daß beim Herübertragen von Weisheiten aus einer Sprache in eine andere alle Geister der Verwirrung auftreten, alle Geister der Verwirrung eingreifen. In den Grenzgebieten des Lebens äußern sich insbesondere der menschlichen Entwickelung und dem menschlichen Heil entgegenstehende Mächte. Goethe wählt absichtlich die Übersetzung, um den Geist der Verkehrtheit, ja den Geist der Lüge, der jetzt noch im Pudel ist, hinzustellen neben den Geist der Wahrheit. Geht man auf das ein, was an Gefühlen und Empfindungen aus einer solchen Szene herausfließen kann, dann erscheint einem die wunderbare geistige Tiefe, die in diesen Szenen lebt. Alle die Anfechtungen, die ich eben charakterisiert habe, die von dem kommen, was im Pudel steckt, die sich aufbäumen, um die Wahrheit in die Unwahrheit zu entstellen, all das wirkt fort und wirkt gerade hinein in eine Tat des Faust, die einem recht Gelegenheit gibt, Wahrheit in Unwahrheit zu entstellen. Und wie wenig man eigentlich bemerkt, daß Goethe dies gewollt hat, das zeigen heute noch immer die verschiedenen Faust-Erklärer, denn diese FaustErklärer — was sagen sie denn gerade über diese Szene? Nun, Sie können es lesen. Da wird gesagt: Goethe ist eben ein Mensch des äußeren Lebens, dem genügt das Wort nicht, er muß das Johannes-Evangelium verbessern, er muß eine richtigere Übersetzung finden, nicht: Im Anfang war das Wort, der Logos, sondern: Im Anfang war die Tat. Das findet Faust nach langem Zögern heraus. Das ist eine tiefe GoetheWeisheit.

[ 28 ] And now Faust seeks to draw closer to what he yearns for—the sources of life. He first seeks a path: the path of religious elevation. He turns to the New Testament. And the way he now turns to the New Testament is a marvelous illustration of Goethe’s wise dramatic art. He turns to the Gospel of John, which contains the deepest words of wisdom of modern times. He wants to translate it into his beloved German. It is significant that Goethe chooses the moment of translation. Anyone familiar with the workings of deeper world and spiritual beings knows that when wisdom is conveyed from one language to another, all the spirits of confusion arise; all the spirits of confusion intervene. In the borderlands of life, forces opposed to human development and human salvation manifest themselves in particular. Goethe deliberately chooses the act of translation to place the spirit of inversion—indeed, the spirit of falsehood, which still resides in the poodle—side by side with the spirit of truth. If one attunes oneself to the feelings and sensations that can flow from such a scene, the wondrous spiritual depth that lives within these scenes becomes apparent. All the temptations I have just described—those arising from what lies within the poodle, which rise up to distort the truth into falsehood—all of this continues to have an effect and works directly into an act of Faust’s that provides just the right opportunity to distort truth into falsehood. And just how little people actually realize that Goethe intended this is still evident today in the various commentators on Faust, for what do these commentators say specifically about this scene? Well, you can read it for yourselves. It is said: Goethe is simply a man of outward life; the Word is not enough for him; he must improve upon the Gospel of John; he must find a more accurate translation—not “In the beginning was the Word, the Logos,” but “In the beginning was the deed.” Faust discovers this after much hesitation. This is a profound wisdom of Goethe.

[ 29 ] Diese Weisheit ist nicht eine Faust-Weisheit, ist eine echte WagnerWeisheit, eine richtige Wagner-Weisheit! Geradeso wie jene Weisheit, die so oft und oft betont wird, daß Faust später dem Gretchen gegenüber so schöne Worte über das religiöse Leben sagt: Wer kann ihn nennen, wer bekennen, den Allumfasser, der alles hält und trägt, und so weiter -— Gretchen-Weisheit ist! Das, was da Faust dem Gretchen sagt, das ist immer wieder und wieder zitiert worden, und es wird immer wieder und wiederum als eine tiefe Weisheit hingestellt von den Herren, die das zitieren, den Herren Gelehrten:

[ 29 ] This wisdom is not Faustian wisdom; it is genuine Wagnerian wisdom, true Wagnerian wisdom! Just like that wisdom that is emphasized time and again—that Faust later speaks such beautiful words to Gretchen about religious life: “Who can name Him, who can confess Him, the All-Encompassing One who holds and sustains all,” and so on—that is Gretchen’s wisdom! What Faust says to Gretchen there has been quoted time and time again, and it is repeatedly presented as profound wisdom by the gentlemen who quote it, the learned scholars:

Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub’ ihn?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub’ ihn nicht?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hierunten fest?
Und steigen freundlich blickend
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug? in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir...
und so weiter.

Who is allowed to call upon Him?
And who can confess:
“I believe in Him”?
Who can feel
And bring themselves
To say: “I do not believe in Him”?
The All-Encompassing One,
The All-Sustaining One,
Does He not encompass and sustain
You, me, and Himself?
Doesn’t the sky arch above?
Doesn’t the earth lie firmly below?
And do not eternal stars rise, casting friendly glances?
Do I not look you in the eye?
And does not everything
draw toward your head and heart...
and so on.

[ 30 ] Das, was da Faust sagt, wird als eine tiefe Weisheit oftmals dargestellt! Nun, hätte es Goethe als die allertiefste Weisheit gemeint, so hätte er es nicht Faust in dem Moment in den Mund gelegt, da er das sechzehnjährige Gretchen unterrichten will. Eine Gretchen -Weisheit ist es! Man muß die Dinge nur ernst nehmen. Die Gelehrten sind nur aufgesessen. Sie haben dasjenige, was eine Gretchen-Weisheit ist, für tiefe Philosophie genommen. Und so wird denn auch das, was da als Bibelübersetzung bei Faust auftritt, für eine ganz besonders tiefe Weisheit genommen, während Goethe nichts anderes darstellen will, als, wie Wahrheit und Irrtum den Menschen hin und her werfen, wenn er an eine solche Aufgabe geht. Tief, tief hat Goethe diese zwei Seelen des Faust gerade bei dieser Bibelübersetzung dargestellt.

[ 30 ] What Faust says there is often portrayed as profound wisdom! Well, if Goethe had intended it to be the deepest wisdom of all, he would not have put those words into Faust’s mouth at the very moment when he was trying to instruct the sixteen-year-old Gretchen. It is a piece of “Gretchen wisdom”! One just has to take things seriously. The scholars have simply been misled. They have taken what is essentially “Gretchen-style wisdom” for deep philosophy. And so, too, what appears in Faust as a Bible translation is taken for a particularly profound wisdom, whereas Goethe intends to show nothing other than how truth and error toss a person back and forth when he undertakes such a task. Goethe has portrayed these two souls of Faust with great depth, particularly in this Bible translation.

Geschrieben steht: «Im Anfang war das Wort!»

It is written: “In the beginning was the Word!”

[ 31 ] Wir wissen, es ist der griechische Logos. Das steht wirklich im Johannes-Evangelium. Dagegen bäumt sich dasjenige, was durch den Pudel symbolisiert wird, in Faust auf, will ihn nicht zu dem tieferen Sinn des Johannes-Evangeliums kommen lassen. Warum ist gerade das Wort, der Logos, gewählt von dem Schreiber des Johannes-Evangeliums? Weil der Schreiber des Johannes-Evangeliums kennzeichnen will, daß dasjenige, was das Wichtigste ist in der menschlichen Erdenentwickelung, was den Menschen in der Erdenentwickelung äußerlich wirklich zum Menschen macht, nicht sich nach und nach entwickelt hat, sondern in den Urbeginnen da war. Wodurch unterscheidet sich der Mensch von allen übrigen Wesen? Dadurch, daß er sprechen kann, alle übrigen Wesen — Tiere, Pflanzen, Mineralien — nicht. Der Materialist glaubt, daß der Mensch zum Wort, das heißt zur Sprache, zum Logos, der vom Denken durchzittert ist, erst gekommen sei, nachdem er die tierische Entwickelung durchgemacht hat. Das Johannes-Evangelium nimmt die Sache tiefer und sagt: Nein, im Urbeginne war das Wort. Das heißt: Des Menschen Entwickelung ist ursprünglich veranlagt; der Mensch ist nicht bloß im materialistisch-darwinistischen Sinne höchste Spitze der Tierwelt, sondern in den allerersten Absichten der Erdenentwickelung, in den Urbeginnen, im Anfange war das Wort. Und nur dadurch kann der Mensch auf Erden ein Ich entwickeln, wozu die Tiere nicht kommen, daß einverwoben ist das Wort der menschlichen Entwickelung. Das Wort steht geradezu für das Ich des Menschen. Aber gegen diese Wahrheit bäumt sich der Geist, der dem Faust beigegeben ist, der Geist der Unwahrheit, auf, und er muß tiefer herunter, er kann noch nicht verstehen die ganze tiefe Weisheit, die in dem Johannes-Worte liegt.

[ 31 ] We know it is the Greek Logos. That is indeed what the Gospel of John says. In contrast, the entity symbolized by the poodle in Faust rebels against this, refusing to let him grasp the deeper meaning of the Gospel of John. Why did the author of the Gospel of John choose precisely the Word, the Logos? Because the author of the Gospel of John wants to emphasize that what is most important in human evolution on Earth—what truly makes a human being a human being in the external sense—did not develop gradually, but was present from the very beginning. What distinguishes human beings from all other beings? The fact that they can speak, whereas all other beings—animals, plants, minerals—cannot. The materialist believes that human beings only arrived at the Word—that is, at language, at the Logos, which is permeated by thought—after having undergone animal evolution. The Gospel of John delves deeper into the matter and says: No, in the very beginning was the Word. This means: Human development is originally predestined; human beings are not merely the pinnacle of the animal kingdom in the materialistic-Darwinian sense, but in the very first intentions of Earth’s development, in the primordial beginnings, in the beginning was the Word. And it is only through this—the interweaving of the Word of human evolution—that human beings on Earth can develop a “self,” something animals cannot achieve. The Word stands, in fact, for the human “I.” But the spirit assigned to Faust—the spirit of untruth—rebels against this truth, and it must descend deeper; it cannot yet comprehend the full, profound wisdom contained in the words of John.

Hier stock’ ich schon!

I'm already stuck here!

[ 32 ] Aber es ist eigentlich der Pudel, der Hund in ihm, und was im Pudel steckt, was ihn stocken macht. Er kommt nicht höher hinauf, er kommt im Gegenteil tiefer herunter.

[ 32 ] But it is actually the poodle—the dog within him—and what lies within the poodle that causes him to falter. He does not rise any higher; on the contrary, he sinks even lower.

Hier stock? ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.

I'm already stuck here! Who can help me move on?
I cannot possibly value this word so highly,
I must translate it differently,
if I am truly enlightened by the Spirit.

[ 33 ] Während er den Mephistopheles an sich herankommen sieht, glaubt er gerade, daß er vom Geist erleuchtet ist; er ist aber vom Geist der Finsternis verfinstert und kommt herunter.

[ 33 ] As he sees Mephistopheles approaching him, he believes for a moment that he is enlightened by the Spirit; but he is actually darkened by the Spirit of Darkness and falls.

Geschrieben steht: «Im Anfang war der Sinn!»

It is written: “In the beginning was meaning!”

[ 34 ] Das ist nicht höher als das Wort. Der Sinn waltet, wie wir leicht nachweisen können, auch im Leben der Tiere, doch das Tier kommt nicht zum menschlichen Worte. Des Sinnes ist der Mensch fähig dadurch, daß er einen astralischen Leib hat. Faust steigt tiefer in sich herunter, vom Ich in den astralischen Leib hinein.

[ 34 ] This is no higher than the word. As we can easily demonstrate, meaning also prevails in the lives of animals, yet animals do not attain human speech. Human beings are capable of meaning because they possess an astral body. Faust descends deeper within himself, from the “I” into the astral body.

...«Im Anfang war der Sinn.»
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereile!

...“In the beginning was meaning.”
Take heed of the first line,
Lest your pen rush ahead!

[ 35 ] Er glaubt höher zu kommen, aber er kommt tiefer.

[ 35 ] He thinks he's rising higher, but he's actually falling lower.

Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?

Is it meaning that brings everything into being and creates everything?

[ 36 ] Nein, er steigt noch tiefer hinab von dem astralischen zu dem dichter-materiellen Ätherleibe und schreibt:

[ 36 ] No, he descends even further, from the astral to the denser, more material etheric body, and writes:

«Im Anfang war die Kraft!»

“In the beginning was the power!”

[ 37 ] Kraft ist dasjenige, was im Ätherleibe lebt.

[ 37 ] Force is that which lives in the etheric body.

Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,

Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.

Mir hilft der Geist!

But even as I write this down,

something is already warning me not to stop here.

May the Spirit help me!

[ 38 ] Der Geist, der in dem Pudel steckt!

[ 38 ] The spirit inside that poodle!

Auf einmal seh’ ich Rat
Und schreibe getrost: «Im Anfang war die Tat!»

Suddenly I see the way forward
And write with confidence: “In the beginning was the deed!”

[ 39 ] Und jetzt ist er beim völligen Materialismus angekommen, jetzt ist er beim physischen Leib, durch den die äußere Tat sich vollzieht.

[ 39 ] And now he has arrived at complete materialism; now he has arrived at the physical body, through which external action takes place.

Wort (Logos) — Ich
Sinn - Astralleib
Kraft - Ätherleib
Tat - Physischer Leib

Word (Logos) — I
Meaning — Astral Body
Power — Etheric Body
Action — Physical Body

[ 40 ] So haben Sie Faust lebend und webend in einem Stück Selbsterkenntnis. Er übersetzt die Bibel falsch, weil die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit, die wir so oft besprochen haben - Ich, astralischer Leib, Ätherleib, physischer Leib -, in ihm in chaotischer Weise durch den mephistophelischen Geist zusammenwirken. Jetzt zeigt sich auch, wie diese Triebe walten, denn das äußere Bellen des Pudels ist dasjenige, was sich in ihm gegen die Wahrheit aufbäumt. Er kann noch nicht in seiner Erkenntnis die Weisheit des Christentums erfassen. Das sehen wir an der Art und Weise, wie er Wort, Sinn, Kraft, Tat in Zusammenhang bringt. Aber in ihm lebt schon der Drang, der Trieb zum Christentum. Indem er das, was als der Christus in ihm lebt, lebendig macht, besiegt er den Gegengeist. Er versucht es zunächst mit dem, was er aus der alten Magie erhalten hat. Da weicht der Geist nicht, da zeigt er sich nicht in seiner wahren Gestalt. Die vier Elemente und ihre Geister: Salamander, Sylphe, Undine, Gnomen ruft er auf; das alles beirrt den Geist nicht, der in dem Pudel steckt. Aber als er die ChristusGestalt aufruft: den freventlich durchstochenen, durch alle Himmel ergossenen — da muß der Pudel seine wahre Gestalt zeigen.

[ 40 ] Thus you have Faust alive and active in a work of self-knowledge. He misinterprets the Bible because the various aspects of the human being—the I, the astral body, the etheric body, and the physical body—which we have discussed so often, interact within him in a chaotic manner under the influence of the Mephistophelean spirit. Now it also becomes clear how these impulses operate, for the poodle’s barking is what rebels against the truth within him. He is not yet able, in his understanding, to grasp the wisdom of Christianity. We see this in the way he connects word, meaning, power, and deed. But the urge, the impulse toward Christianity, already lives within him. By bringing to life what lives within him as Christ, he overcomes the opposing spirit. He first tries to do so with what he has inherited from ancient magic. But the spirit does not yield; it does not reveal itself in its true form. He summons the four elements and their spirits: the salamander, the sylph, the undine, and the gnome; none of this misleads the spirit dwelling within the poodle. But when he invokes the figure of Christ—the one wickedly pierced, whose blood was poured out through all the heavens—then the poodle must reveal its true form.

[ 41 ] Alles das ist im Grunde Selbsterkenntnis, eine Selbsterkenntnis, die Goethe ganz deutlich macht. Was tritt auf? Ein fahrender Scholast! Faust übt wirklich Selbsterkenntnis; er steht im Grunde genommen sich selbst gegenüber. Erst haben in der Pudelgestalt die wilden Triebe, die sich gegen die Wahrheit aufgelehnt haben, gewirkt, und jetzt gewissermaßen wird er sich klar, klar-unklar! Der fahrende Scholast steht vor ihm. Es ist aber nur das andere Ich des Faust. Er ist selber nicht viel mehr geworden als ein fahrender Scholast mit all den Irrtümlichkeiten, die im fahrenden Scholasten sind; nur eben derber und gründlicher tritt ihm jetzt, wo er durch seinen Zusammenschluß mit der geistigen Welt die Triebe genauer kennenlernt, der fahrende Scholast, das heißt sein eigenes Selbst, wie er sich es bisher angeeignet hat, entgegen. Faust hat gelernt wie ein Scholast, nur hat er sich dann der Magie ergeben, und durch die Magie ist die Schulweisheit verteufelt worden. Was aus dem alten guten Faust geworden ist, wie er noch ein fahrender Scholast war, das ist er nur dadurch geworden, daß er noch die alte Magie darauf gesetzt hat. In ihm steckt noch der fahrende Scholast: er tritt ihm in verwandelter Gestalt entgegen. Es ist nur das eigene Selbst. Auch dieser fahrende Scholast ist das eigene Selbst. Der Kampf, das alles loszuwerden, was einem da als eigenes Selbst entgegentritt, der ist nun in der weiteren Szene enthalten.

[ 41 ] All of this is, at its core, self-knowledge—a self-knowledge that Goethe makes perfectly clear. What appears? A wandering scholar! Faust is truly engaging in self-knowledge; he is, in essence, confronting himself. At first, in the form of the poodle, the wild instincts that had rebelled against the truth were at work, and now, in a sense, he is becoming clear—clear yet unclear! The wandering scholar stands before him. But it is only Faust’s other self. He himself has become little more than a wandering scholar with all the errors inherent in a wandering scholar; only now, as he comes to know his instincts more precisely through his union with the spiritual world, does the wandering scholar—that is, his own self, as he has hitherto conceived it—confront him in a cruder and more thorough manner. Faust has learned like a scholastic, only he then surrendered himself to magic, and through magic, scholastic wisdom has been demonized. What the good old Faust became—when he was still a wandering scholastic—he became only by adding the old magic to it. The wandering scholastic still lies within him: he confronts him in a transformed form. It is merely one’s own self. Even this wandering scholar is one’s own self. The struggle to rid oneself of everything that confronts one as one’s own self is now contained in the following scene.

[ 42 ] Es ist von Goethe immer versucht, in den verschiedenen Gestalten, mit denen Faust zusammen auftritt, nur das andere Ich des Faust zu zeigen, damit Faust immer mehr und mehr sich selbst erkennt. Vielleicht erinnern sich manche von den Zuhörern, daß ich in früheren Vorträgen auseinandersetzte, wie auch der Wagner in Faust selber darinnensteckt, wie der Wagner auch nur ein anderes Ich des Faust ist. Auch der Mephistopheles ist nur ein anderes Ich. Alles Selbsterkenntnis! An der Welterkenntnis wird Selbsterkenntnis geübt. Aber das alles ist nicht in klarer Geist-Erkenntnis jetzt bei Faust; das alles ist in unklarer, dumpfer, man möchte sagen, doch noch von alter atavistischer Hellseherkunst beeinträchtigter Geist-Seherkraft in Faust enthalten. Es ist nicht geklärt. Es ist nicht helle Erkenntnis, es ist traumhafte Erkenntnis. Das wird uns dargestellt, wie die Traumgeister, die eigentlich Gruppenseelen von all denjenigen Wesen sind, die Mephistopheles begleiten, Faust umgaukeln, und wie er zuletzt erwacht. Und da läßt Goethe Faust ganz klar und deutlich sagen:

[ 42 ] Goethe always sought, through the various characters with whom Faust appears, to reveal only Faust’s other self, so that Faust might come to know himself more and more. Perhaps some of you in the audience recall that in earlier lectures I discussed how Wagner himself is also present within Faust, and how Wagner, too, is merely another aspect of Faust’s self. Mephistopheles, too, is merely another aspect of the self. It is all self-knowledge! Self-knowledge is cultivated through knowledge of the world. But none of this is present in Faust as clear spiritual insight; all of it is contained in Faust as an unclear, dull spiritual vision—one might say, a vision still influenced by the old, atavistic art of clairvoyance. It is not clarified. It is not clear insight; it is dreamlike insight. This is presented to us through the dream spirits—who are actually group souls of all those beings accompanying Mephistopheles—as they beguile Faust, and through his eventual awakening. And there Goethe has Faust say quite clearly and distinctly:

Bin ich denn abermals betrogen?
Verschwindet so der geisterreiche Drang,
Daß mir ein Traum den Teufel vorgelogen,
Und daß ein Pudel mir entsprang?

Have I been deceived yet again?
Does the whimsical urge vanish like this,
That a dream made the devil out of a lie,
And that a poodle sprang from me?

[ 43 ] Goethe gebraucht schon die Methode, immer wieder und wiederum auf die Wahrheit hinzudeuten. Daß er es eigentlich als Innenerlebnis des Faust meint, das ist in diesen vier Zeilen deutlich genug ausgesprochen. Auch diese Szene zeigt uns, wie Goethe rang nach Erkenntnis des Überganges der alten Zeit in die neue, in der er selbst lebte, des vierten nachatlantischen Zeitraums in den fünften nachatlantischen Zeitraum. Die Grenze ist im 14., 15., 16. Jahrhundert. Wer im heutigen Denken lebt, der kann sich, wenn er nicht besondere Studien macht, keine gute Vorstellung machen von der Seelenentwickelung vergangener Jahrhunderte, so sagte ich vorhin. Und zu Fausts Zeiten waren nur noch die Trümmer vorhanden. Wir erleben es oft, daß heute die Menschen nicht zu der neueren Geistesforschung, wie wir sie anstreben, herankommen wollen, sondern die alte Weisheit wieder aufwärmen wollen. Wie mancher glaubt, wenn er dasjenige, was die Alten besessen haben, wieder aufwärmt bei sich, dadurch zu einer tieferen, magisch-mystischen Weisheit über die Natur zu kommen! Zwei Unfuge, möchte ich sagen, stehen da allem geistigen Streben der Menschen ungemein nahe. Das erste ist, daß die Menschen alte, uralte Bücher sich kaufen und studieren und nun höher schätzen als die neuere Wissenschaft. Sie schätzen sie meist nur deshalb höher, weil sie sie nicht verstehen, weil die Sprache wirklich schon nicht mehr verstanden werden kann. Das ist der eine Unfug, daß man immer wieder und wiederum mit dem zum Kauderwelsch gewordenen Inhalt der alten Bücher kommt, wenn man von Geistesforschung reden will. Das andere ist, daß man möglichst den neueren Bestrebungen alte Namen geben will und sie sich damit geheiligt hat. Sehen Sie sich manche, die sich okkulte oder geheime oder sonstige Gesellschaften nennen, an. Ihr ganzes Bestreben geht dahin, möglichst weit sich zurückzudatieren, möglichst viel zu erklären über eine legendarische Vergangenheit, in alten Namengebungen sich zu gefallen. Das ist der zweite Unfug. All das braucht man nicht mitzumachen, wenn man wirklich die Bedürfnisse und Impulse unserer Zeit und der notwendigen Zukunft durchschaut. Man kann jedes beliebige Buch aufschlagen aus der Zeit, wo noch gewissermaßen Traditionen vorhanden waren. Da sieht man aus der Art und Weise, wie dargestellt wird, daß Hinterlassenschaften, Traditionen von einer alten Urweisheit vorhanden waren, welche die Menschheit besessen hat, daß aber diese Weisheit in Verfall geraten war. Die Ausdrucksweise, alles ist noch da, sogar ziemlich spät noch da.

[ 43 ] Goethe already employs the method of pointing again and again toward the truth. That he actually means this as an inner experience of Faust is made clear enough in these four lines. This scene, too, shows us how Goethe struggled to understand the transition from the old era to the new one in which he himself lived—from the fourth post-Atlantean epoch to the fifth post-Atlantean epoch. The boundary lies in the 14th, 15th, and 16th centuries. As I said earlier, anyone living in today’s way of thinking cannot, unless they undertake special studies, form a clear mental image of the development of the soul in past centuries. And in Faust’s time, only the ruins remained. We often observe that people today do not wish to engage with the newer spiritual research to which we aspire, but instead want to rehash the old wisdom. How many believe that by reviving within themselves what the ancients possessed, they will thereby attain a deeper, magical-mystical wisdom about nature! Two forms of folly, I would say, lie very close to all human spiritual striving. The first is that people buy and study old, ancient books and now value them more highly than modern science. They usually value them more highly simply because they do not understand them—because the language truly can no longer be understood. That is one form of folly: that people keep returning, time and again, to the content of old books—which has become gibberish—whenever they wish to speak of spiritual research. The other is that people want to give old names to newer endeavors as much as possible, thereby sanctifying them. Take a look at some of those who call themselves occult, secret, or other such societies. Their entire endeavor is directed toward dating themselves back as far as possible, explaining as much as possible about a legendary past, and taking pleasure in ancient names. That is the second piece of nonsense. There is no need to go along with any of this if one truly understands the needs and impulses of our time and the necessary future. One can open any book from the time when traditions still existed, so to speak. From the way things are presented, one can see that legacies and traditions of an ancient, primordial wisdom—which humanity once possessed—still existed, but that this wisdom had fallen into decay. The way it is expressed suggests that everything is still there, even quite late on.

[ 44 ] Es steht mir gerade ein Buch zur Verfügung, das gedruckt ist im Jahre 1740, also sogar erst im 18. Jahrhundert. Ich will eine kleine Stelle daraus vorlesen, eine Stelle, der gegenüber man sicher sein kann, daß mancher, der heute geistige Wissenschaft sucht, wenn solch eine Stelle an ihn herantritt, sagt: Abgrundartige, tiefe Weisheit! Oh, was ist darinnen alles enthalten! - Es gibt sogar dann manche, die glauben, daß sie eine solche Stelle verstehen. Nun, ich will Ihnen zunächst vorlesen die Stelle, die ich meine:

[ 44 ] I happen to have a book at hand that was printed in 1740—that is, as recently as the 18th century. I would like to read a short passage from it—a passage about which one can be certain that many who seek spiritual knowledge today, when confronted with such a passage, will say: “Abysmal, profound wisdom! Oh, what is all contained within it!”—There are even some who believe they understand such a passage. Well, I will first read to you the passage I am referring to:

[ 45 ] «Die Crone des Königes soll von reinem Golde sein, und eine keusche Braut soll ihm vermählet werden. Darum, so du durch unserer Cörper wirken willt, so nimm den geitzigen grauen Wolff, so seines Namens halben dem streitigen Marti unterworffen, von Gebuhrt aber ein Kind des alten Saturni ist, so in den Thälern und Bergen der Welt gefunden wird, und mit großem Hunger besessen, und wirf ihm für den Leib des Königes, daß er daran seine Zehrung haben möge.»

[ 45 ] “The king’s crown shall be of pure gold, and a chaste bride shall be given to him in marriage. Therefore, if you wish to work through our bodies, take the greedy gray wolf—who, because of his name, is subject to the warlike Mars, but by birth is a child of the ancient Saturn, found in the valleys and mountains of the world and possessed by great hunger—and cast him upon the King’s body, that he may find his sustenance therein.”

[ 46 ] So hat man in alten Zeiten diese chemischen Vorgänge, die man eingerichtet hat, benannt, hat gesprochen von gewissen chemischen Vorgängen, auf die’Faust auch anspielt, wenn er davon spricht, wie ein roter Leu vermählt wird der Lilie im Glase und so weiter. Es ist nicht ordentlich, zu spotten über diese Dinge aus dem einfachen Grunde, weil die Art und Weise, die heute die Chemie spricht, für die Leute, die später kommen, wieder geradeso klingen wird, wie das für uns. Aber klar sollen wir uns sein, daß das auch entstanden ist sogar schon in einer sehr späten Verfallzeit. Hingedeutet wird auf einen «grauen Wolff». Mit diesem «grauen Wolff» ist ein gewisses Erz gemeint, das man in den Bergen überall findet und das einer gewissen Prozedur unterworfen wird. «König» nannte man einen gewissen Zustand von Substanzen. Und dasjenige, was hier erzählt wird, soll auf eine gewisse Hantierung hindeuten. Man nahm das graue Erz, behandelte es in einer gewissen Weise. Dieses graue Erz nannte man den «geitzigen grauen Wolff», das andere den «goldenen König», wo das Gold, nachdem es in einer gewissen Weise behandelt wurde, der «goldene König» war. Und da entstand eine Verbindung. Diese Verbindung beschreibt der Verfasser so noch: «Und wenn er den König verschlungen ...»

[ 46 ] This is how, in ancient times, people referred to these chemical processes they had devised; they spoke of certain chemical processes to which Faust also alludes when he describes how a red lion is wed to the lily in a glass, and so on. It is not proper to mock these things for the simple reason that the way chemistry is discussed today will sound just as strange to future generations as it does to us. But we must be clear that this also arose even during a very late period of decline. Reference is made to a “gray wolf.” This “gray wolf” refers to a certain ore found everywhere in the mountains and subjected to a specific procedure. A “king” was the term used for a certain state of substances. And what is described here is meant to allude to a specific method of handling. They took the gray ore and treated it in a certain way. This gray ore was called the “miserly gray wolf,” while the other was called the “golden king,” where the gold, after being treated in a certain way, was the “golden king.” And a connection arose. The author describes this connection as follows: “And when he devoured the king …”

[ 47 ] Also es entsteht das, daß der «graue geitzige Wolff», das heißt, das graue Erz, das in den Bergen gefunden war, sich mit dem goldenen König — das ist ein gewisser Zustand des Goldes, nachdem es chemisch behandelt worden ist — verschmolzen hat. Da ist das Gold verschwunden in das graue Erz hinein. Er stellt es dar: «Und wenn er den König verschlungen, so mache ein gross Feuer, und wirff den Wolff darein... .» Also der Wolf, der das Gold aufgefressen hat, den goldenen König, wird in das Feuer geworfen. «Daß er gantz und gar verbrenne, so wird der König wieder erlöset werden.» Das Gold kommt wiederum zum Vorschein!

[ 47 ] So what happens is that the “gray, greedy wolf”—that is, the gray ore found in the mountains—has fused with the golden king—which is a certain state of gold after it has been chemically treated. The gold has disappeared into the gray ore. He describes it as follows: “And when he has devoured the king, light a great fire and throw the wolf into it... .” So the wolf, which has devoured the gold—the golden king—is thrown into the fire. “So that he may be completely burned up, the king will be redeemed once more.” The gold reappears!

[ 48 ] «Wenn das dreymal geschiehet, so hat der Löwe den Wolff überwunden und wird nichts mehr an ihm zu verzehren finden, so ist dann unser Leib vollkommen zum Anfang unsers Werkes.»

[ 48 ] “When this happens three times, the lion will have overcome the wolf and will find nothing left of him to devour; then our body will be perfect at the beginning of our work.”

[ 49 ] Also er macht auf diese Weise irgend etwas. Wollte man wissen, was er macht, so müßte man diese Prozeduren sehr ausführlich beschreiben, namentlich wie der goldene König gemacht wird; aber es läßt sich das hier nicht beschreiben. Diese Prozeduren werden heute auch nicht mehr ausgeführt. Aber was verspricht sich denn der Mann? Er verspricht sich etwas, was durchaus nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, denn er hat jetzt etwas gemacht. Wozu hat er denn das eigentlich gemacht? Das heißt, derjenige, der das hat drucken lassen, wird es wohl gar nicht mehr gemacht haben, sondern er hat es alten Büchern nachgeschrieben. Aber wozu ist das gemacht worden in der Zeit, als man die Dinge noch verstanden hat? Das können Sie aus dem folgenden ersehen:

[ 49 ] So he’s doing something in this way. If one wanted to know what he’s doing, one would have to describe these procedures in great detail—specifically, how the golden king is made—but that cannot be described here. These procedures are no longer carried out today, either. But what does the man hope to gain? He expects something that is by no means entirely out of thin air, for he has now created something. Why did he actually do that? That is to say, the person who had this printed probably didn’t actually make it himself, but rather copied it from old books. But why was this done back in the days when people still understood these things? You can see that from the following:

[ 50 ] «Und wisse, dass dieses nur allein der rechte Weg ist hiezu, tüchtig unsere Cörper zu reinigen, denn der Leo säubert sich durch das Geblüte‘ des Wolffs, und des Geblüts Tinctur freuet sich wunderbarlich mit der Tinctur des Löwens, denn ihr beyder Geblüt sind in der Gesippschafft naher Verwandnus.»

[ 50 ] “And know that this alone is the true way to effectively purify our bodies, for the lion purifies itself through the ‘blood’ of the wolf, and the tincture of the wolf’s blood blends wonderfully with the tincture of the lion’s blood, for the blood of both is closely related by kinship.”

[ 51 ] Also jetzt lobt er das, was er hat entstehen lassen. Eine Art Arzenei hat er bekommen.

[ 51 ] So now he's praising what he himself has created. He's been given a kind of medicine.

[ 52 ] «Und wann sich der Löwe ersättiget hat, ist sein Geist stärcker worden denn zuvor, und seine Augen geben einen stoltzen Glantz von sich wie die helle Sonne.»

[ 52 ] “And when the lion has had its fill, its spirit has become stronger than before, and its eyes give off a proud gleam like the bright sun.”

[ 53 ] Das ist alles die Eigenschaft dessen, was er da in der Retorte darinnen hat!

[ 53 ] That's all due to the properties of what he has in that retort!

[ 54 ] «Sein inners Wesen vermag denn viel zu thun, und ist nützlich zu alle dem, dazu man ihn erfordert, und so er in seine Bereitschaft gebracht wird, so danken ihm die Menschenkinder, mit schweren herfallenden Kranckheiten und mehrern Seuchen beladen, die zehen aussätzigen Männer lauffen ihm nach und begehren zu trincken von dem Blut seiner Seelen, und alle, so Gebrechen haben, erfreuen sich höchlich seines Geistes; denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfindet eine gantze Erneuerung der Natur, Hinnehmung des Bösens, Stärcke des Geblüts, Krafft des Hertzens und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder.»

[ 54 ] “His inner being is capable of great things and is useful for all that is required of him; and once he is brought to a state of readiness, the children of men—burdened with severe, debilitating illnesses and various plagues—thank him; the ten lepers run after him and beg to drink of the blood of his soul, and all who have infirmities, take great delight in his spirit; for whoever drinks from this golden fountain experiences a complete renewal of nature, the removal of evil, strength of the blood, vigor of the heart, and perfect health of all the limbs.”

[ 55 ] Sie sehen, es ist hingedeutet darauf, daß man es mit einer Arzenei zu tun hat, aber es ist hier auch hinlänglich darauf hingedeutet, daß das etwas zu tun hat auch mit dem, was als moralische Eigenschaft des Menschen auftritt. Denn natürlich, nimmt es derjenige, der gesund ist, in der entsprechenden Menge, dann tritt das auf, was der da beschreibt. So meint er es, und so ist es auch bei den Alten gewesen, die noch etwas von den Dingen verstanden haben.

[ 55 ] You see, there are indications that this is a medicinal substance, but there are also sufficient indications here that it has something to do with what appears as a moral quality of human beings. For, of course, if a healthy person takes it in the appropriate amount, then what he describes there occurs. That is what he means, and that is how it was with the ancients, who still understood something about these things.

[ 56 ] «Denn wer von diesem güldenen Brunnen trinckt, empfindet eine gantze Erneuerung der Natur.»

[ 56 ] “For whoever drinks from this golden fountain feels a complete renewal of nature.”

[ 57 ] Also er hat gestrebt durch diese Kunst, die er da beschrieben hat, nach einer Tinktur, durch die wirkliche Lebensregung in den Menschen hineinkommt:

[ 57 ] So, through this art that he has described here, he sought to create a tincture through which true life force could enter into human beings:

[ 58 ] «Kraft des Hertzens, Stärcke des Geblüts und eine vollkommene Gesundheit aller Glieder, sie seynd innen beschlossen, oder ausser dem Leibe empfindlich: denn es eröffnet alle Nervos und Poros, damit das Böse kan ausgetrieben werden, und das Gute dero Stäte ruhiglich bewohnen kan.»

[ 58 ] “The power of the heart, the strength of the blood, and perfect health of all the limbs—whether they are internal or external to the body—for it opens all the nerves and pores so that evil may be driven out and good may dwell there peacefully.”

[ 59 ] Ich habe dieses zunächst vorgelesen, um zu zeigen, wie schon selbst noch in diesen Trümmern einer alten Weisheit ein Niederschlag zu bemerken ist von dem, was man in alten Zeiten anstrebte. Man hat angestrebt, durch äußerliche Mittel, die man sich aus der Natur hergestellt hat, den Körper anzuregen, das heißt, gewisse Tüchtigkeiten nicht bloß durch inneres, moralisches Streben zu erlangen, sondern durch Mittel der Natur selber, die man sich hergestellt hat. Halten Sie das einmal einen Augenblick fest, denn da werden wir auf etwas Wichtiges geführt, was unseren Zeitraum unterscheidet von früheren Zeiträumen. Es ist heute durchaus billig, über den alten Aberglauben zu spotten, denn dann handelt man sich dafür ein, daß man vor der ganzen Welt als ein gescheiter Mensch gilt, während man sonst nicht als ein gescheiter Mensch gilt, wenn man in uraltem Wissen etwas Vernünfliges sieht. Etwas, was sogar der Menschheit verlorengegangen ist und verlorengehen mußte aus gewissen Gründen, weil in diesem Streben der alten Zeit die Menschen niemals hätten zur Freiheit kommen können. Aber sehen Sie, Sie finden in alten Büchern, die jetzt in ältere Zeiten zurückgehen als dieser Schmöker, der eben einer sehr späten Verfallzeit angehört, Sie finden in alten Büchern, was Sie gut kennen: Sonne und Gold mit einem gemeinsamen Zeichen, mit diesem Zeichen: O; Sie finden Mond und Silber mit diesem Zeichen: (. Für den heutigen Menschen ist dieses Zeichen angewendet auf Gold und Sonne, und dieses . Zeichen angewendet auf Mond und Silber, für Seelenfähigkeiten, die der heutige Mensch notwendigerweise hat, natürlich ein voller Unsinn. Es ist ein voller Unsinn, wie in der Literatur, die sich oftmals auch eine «esoterische» Literatur nennt, über diese Dinge gesprochen wird, denn man hat meistens gar nicht die Mittel zu erkennen, warum in alten Zeiten Sonne und Gold und Mond und Silber mit dem gleichen Zeichen bezeichnet worden ist.

[ 59 ] I read this aloud first to show how, even in these remnants of ancient wisdom, one can still discern traces of what people strove for in times past. People sought to stimulate the body through external means derived from nature—that is, to attain certain abilities not merely through inner, moral striving, but through the very means of nature itself that they had created. Keep that in mind for a moment, for it leads us to something important that distinguishes our era from earlier ones. It is perfectly acceptable today to mock the old superstitions, for in doing so one earns the reputation of being a wise person in the eyes of the whole world, whereas one would not be considered wise if one saw something reasonable in ancient knowledge. Something that has even been lost to humanity—and had to be lost for certain reasons—because in the striving of those ancient times, people could never have attained freedom. But look, you’ll find in old books—which date back to times even earlier than this tome, which belongs to a very late period of decline—you’ll find in old books what you know well: the sun and gold with a common symbol, this symbol: O; you’ll find the moon and silver with this symbol: (. For people today, this symbol is applied to gold and the sun, and this . symbol applied to the moon and silver—to represent spiritual faculties that modern people necessarily possess—is, of course, utter nonsense. It is utter nonsense the way these things are discussed in literature—which often calls itself “esoteric”—because people usually lack the means to understand why, in ancient times, the sun and gold, and the moon and silver, were designated by the same symbol.

[ 60 ] Gehen wir einmal aus von Mond und Silber mit diesem Zeichen: C. Wenn wir zurückgehen noch in die Zeit, sagen wir, ein paar Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha, vor der christlichen Zeitrechnung, dann haben die Menschen nicht nur die Fähigkeiten besessen, die schon in Trümmern waren zu der Zeit, als solche Dinge entstanden sind, sondern sie haben noch höhere Fähigkeiten besessen. Wenn ein Mensch der ägyptisch-chaldäischen Kultur Silber gesagt hat, so hat er zunächst nicht dasjenige gemeint, was wir meinen, wenn wir Silber sagen. Wenn der Mensch in seiner damaligen Sprache das Wort gebraucht hat, das für ihn Silber bedeutet hat, so hat er das ganz anders angewendet. Solch ein Mensch hat innere Fähigkeiten gehabt, und er hat eine gewisse Art der Kraftwirksamkeit gemeint, die sich nicht bloß in einem Stückchen Silber findet, sondern die sich im Grunde über die ganze Erde ausbreitet. Er wollte sagen, wir leben in Gold, wir leben in Kupfer, wir leben in Silber. Gewisse Arten von Kräften hat er gemeint, die da leben, und die insbesondere stark ihm entgegenströmten vom Monde. Und das hat er im gröbsten materiellen Sinne sensitiv, fein auch in dem Stückchen Silber empfunden. Er hat wirklich dieselben Kräfte vom Monde ausströmend, aber auch auf der ganzen Erde gefunden, und besonders ins Materielle umgesetzt in dem Stückchen Silber. Nun, der heutige aufgeklärte Mensch sagt: Ja, Mond — der leuchtet so silberweiß, da hat man halt geglaubt, daß er aus Silber besteht. — So war es nicht, sondern ein heute verlorengegangenes, inneres Seelenerlebnis hatte man beim Mond, was in der ganzen Erdensphäre als Kraft lebte, und — ins Materielle umgesetzt — bei dem Stückchen Silber. Es mußte also die Kraft, die im Silber steckt, gewissermaßen über die ganze Erde ausgebreitet sein. Heute sieht das der Mensch natürlich als einen kompletten Blödsinn an, wenn man ihm das sagt, und dennoch ist es nicht im Sinne der heutigen Wissenschaft ein kompletter Unsinn. Es ist gar kein Unsinn, durchaus kein Unsinn, denn ich will Ihnen eines sagen, was heute die Wissenschaft weiß, wenn sie es auch nicht immer sagt. Die heutige Wissenschaft weiß, daß etwas über vier Pfund Silber, fein verteilt, enthalten ist in einem Körper, aus dem Weltenmeere herausgeschnitten gedacht in Würfelform, der eine englische Seemeile lang ist, so daß im gesamten Weltenmeere, das die Erde umgibt, zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt, enthalten sind. Dies ist einfach eine wissenschaftliche Wahrheit, die auch heute geprüft werden kann. Das Weltenmeer enthält zwei Millionen Tonnen Silber, fein verteilt, in äußerster Homöopathie, könnte man sagen. Es ist wirklich das Silber ausgebreitet über die Erde hin. Heute muß man das dadurch konstatieren, wenn man es mit normalem Wissen konstatiert, daß man eben Meerwasser schöpft und mit allen möglichen minuziösen Untersuchungen methodisch prüft; aber dann findet man eben mit den Mitteln der heutigen Wissenschaft, daß zwei Millionen Tonnen Silber im Weltenmeere enthalten sind. Diese zwei Millionen Tonnen Silber sind darinnen nicht etwa so enthalten, daß sie sich irgendwie aufgelöst haben oder ähnliches, sondern die gehören dem Weltenmeere an; die gehören zu seiner Natur und Wesenheit. Und das wußte die alte Weisheit; das wußte sie durch die noch vorhandenen feinen, sensitiven Kräfte, die vom alten Hellsehen herrühren. Und sie wußte, daß, wenn man sich die Erde denkt, man sich diese Erde nicht bloß zu denken hat so, wie die heutige Geologie sie sich denkt, sondern daß eben in dieser Erde in feinster Weise Silber aufgelöst ist.

[ 60 ] Let’s start with the moon and silver, represented by this symbol: C. If we go back in time—say, a few millennia before the Mystery of Golgotha, before the Christian era—then people not only possessed the abilities that were already in ruins by the time such things came into being, but they also possessed even higher abilities. When a person of the Egyptian-Chaldean culture said “silver,” they did not initially mean what we mean when we say “silver.” When a person used the word in their language of that time that meant “silver” to them, they applied it in a completely different way. Such a person possessed inner abilities and was referring to a certain kind of force that is not found merely in a small piece of silver, but which essentially spreads across the entire Earth. They meant to say, “We live in gold, we live in copper, we live in silver.” He was referring to certain kinds of forces that are alive there and that flowed toward him particularly strongly from the Moon. And he sensed this—in the coarsest material sense, yet also subtly—in that little piece of silver. He truly found the same forces streaming out from the Moon, but also present throughout the entire Earth, and particularly embodied in the material form of that little piece of silver. Well, today’s enlightened person says: “Yes, the Moon—it shines so silvery-white, so people simply believed it was made of silver.”—That was not the case; rather, people had an inner spiritual experience of the Moon—an experience that has been lost today—which lived as a force throughout the entire Earth’s sphere and—translated into the material realm—in that small piece of silver. So the force contained in the silver must, so to speak, have been spread across the entire Earth. Today, of course, people regard this as complete nonsense when you tell them this, and yet it is not complete nonsense in the sense of modern science. It is not nonsense at all, absolutely not nonsense, for I will tell you one thing that science knows today, even if it does not always say so. Modern science knows that a little over four pounds of silver, finely dispersed, is contained in a cube—imagined as a cube cut from the world’s oceans—that is one English nautical mile long, so that the entire world’s oceans surrounding the Earth contain two million metric tons of silver, finely dispersed. This is simply a scientific truth that can still be verified today. The world’s oceans contain two million metric tons of silver, finely dispersed—in the most extreme form of homeopathy, one might say. It is truly silver spread out across the Earth. Today, if one were to establish this using conventional knowledge, one would have to draw seawater and methodically test it with all manner of meticulous analyses; but then, using the methods of modern science, one finds that two million metric tons of silver are contained in the world’s oceans. These two million metric tons of silver are not contained therein in the sense that they have somehow dissolved or anything of the sort, but rather they belong to the world’s oceans; they are part of its nature and essence. And ancient wisdom knew this; it knew it through the subtle, sensitive powers that still exist today, which stem from ancient clairvoyance. And it knew that when one conceives of the Earth, one must not merely conceive of it as modern geology does, but that silver is indeed dissolved within this Earth in the most subtle way.

[ 61 ] Ich könnte jetzt weitergehen, könnte zeigen, wie auch Gold aufgelöst ist, wie alle diese Metalle — außer dem, daß sie materiell da oder dort abgelagert sind - in feiner Auflösung wirklich enthalten sind. Die alte Weisheit hatte also nicht Unrecht, als sie von Silber sprach. Das ist in der Erdensphäre enthalten. Als Kraft aber kannte man es, als gewisse Arten von Kraft. Andere Kräfte enthält die Silbersphäre, andere Kräfte die Goldsphäre und so weiter. Man wußte viel mehr noch von dem, was da als Silber ausgebreitet ist in der Erdensphäre; und man wußte, daß in diesem Silber die Kraft liegt, welche bewirkt Ebbe und Flut, weil eine gewisse belebende Kraft dieses ganzen Erdenkörpers in diesem Silber liegt, beziehungsweise identisch ist mit diesem Silber. Ebbe und Flut würden gar nicht entstehen; diese eigentümliche Bewegung der Erde wird ursprünglich angefacht von dem Silbergehalt. Das hat nichts mit dem Mond zu tun; aber der Mond hat mit derselben Kraft zu tun. Daher treten Ebbe und Flut in gewisser Beziehung mit den Mondbewegungen auf, weil beide, Mondbewegungen und Ebbe und Flut, von demselben Kräftesystem abhängig sind. Und die liegen in dem Silbergehalt des Weltenalls.

[ 61 ] I could go on from here; I could show how gold, too, is dissolved, how all these metals—apart from being physically deposited here or there—are actually contained in a fine, dissolved state. So the ancient wisdom was not wrong when it spoke of silver. It is contained within the Earth sphere. But it was known as a force—as certain kinds of force. The silver sphere contains other forces, the gold sphere contains other forces, and so on. People knew much more still about what is spread out there as silver in the Earth’s sphere; and they knew that within this silver lies the force that causes the tides, because a certain life-giving force of the entire Earth’s body resides in this silver—or, rather, is identical with this silver. The tides would not occur at all; this peculiar movement of the Earth is originally set in motion by the silver content. This has nothing to do with the Moon; but the Moon is related to the same force. Therefore, the tides occur in a certain relationship to the Moon’s movements, because both—the Moon’s movements and the tides—depend on the same system of forces. And these lie in the silver content of the universe.

[ 62 ] Man kann, selbst ohne hellseherische Erkenntnisse, bloß auf solche Dinge eingehen, und man wird mit einer Sicherheit des Beweises, der auf keinem Gebiete der Wissenschaft sonst erreicht wird als höchstens in der Mathematik, nachweisen können, daß es eine alte Wissenschaft gegeben hat, die solche Dinge wußte, die solche Dinge gut kannte. Und mit solchem Kennen und Können hing zusammen, was alte Weisheit war, jene Weisheit, die wirklich die Natur beherrschte, und die erst wiederum errungen werden muß durch Geistesforschung von der Gegenwart in die Zukunft hinein. Wir leben gerade in dem Zeitalter, in dem eine alte Art der Weisheit verlorengegangen ist, und eine neue Art der Weisheit erst heraufkommt. Was hatte diese alte Weisheit im Gefolge? Sie hatte das im Gefolge, was ich schon angedeutet habe. Man konnte wirklich, wenn man also die Geheimnisse des Weltenalls kannte, den eigenen Menschen tüchtiger machen. Denken Sie, durch äußere Mittel konnte man den Menschen tüchtiger machen! Also die Möglichkeit war vorhanden, daß ein Mensch einfach dadurch, daß er sich gewisse Substanzen herstellte und diese in entsprechender Menge zu sich nahm, Fähigkeiten sich aneignete, von denen wir heute mit Recht annehmen, daß der Mensch sie nur als angeborene Fähigkeiten haben kann, als Genie, als Talent und so weiter. Nicht dasjenige, was der Darwinismus phantastisch träumt, ist im Anfange der Erdenentwickelung, sondern solche Möglichkeit, die Natur zu beherrschen und dem Menschen selbst moralische und geistige Fähigkeiten zu geben aus der Behandlung der Natur heraus. Sie werden es nun begreiflich finden, daß man daher die Behandlung der Natur in ganz bestimmten Grenzen halten mußte: deshalb die Geheimnisse der urältesten Mysterien. Wer solche Erkenntnisse, die wirklich etwas mit diesen Naturgeheimnissen zu tun hatten, die nicht bloß Begriffe und Ideen und Empfindungen waren, nicht bloß Glaubensvorstellungen, wer solche Erkenntnisse erlangen sollte, der mußte zuerst sich als vollkommen dazu geeignet erweisen, nichts, aber auch gar nichts mit diesen Kenntnissen für sich selber machen zu wollen, sondern lediglich diese Erkenntnisse, diese Tüchtigkeiten, die er sich durch diese Erkenntnisse aneignete, im Dienste der sozialen Ordnung anzuwenden. Daher wurden diese Erkenntnisse, sagen wir, in den ägyptischen Mysterien so geheimgehalten. Die Vorbereitung bestand darinnen, daß derjenige, dem solche Erkenntnis übermittelt wurde, eine Garantie dafür abgab, daß er das Leben, das er vorher führte, in genau derselben Weise weiterführte, daß er nicht den geringsten Vorteil sich verschaffte, sondern die Tüchtigkeit, die er von jetzt ab erlangte durch die Behandlung der Natur, bloß in dem Dienst der sozialen Ordnung geltend machte. Unter dieser Voraussetzung hat man einzelne zu Eingeweihten werden lassen, die dann jene alte Kultur leiteten, deren Wunderwerke zu sehen sind und die nicht verstanden werden, weil man nicht weiß, woraus sie erflossen sind.

[ 62 ] Even without clairvoyant insights, one can simply examine such matters and, with a certainty of proof unmatched in any other field of science—except, at most, in mathematics—demonstrate that there once existed an ancient science that knew such things, that was well versed in them. And linked to such knowledge and mastery was what ancient wisdom was—that wisdom which truly mastered nature, and which must be regained through spiritual research from the present into the future. We are living precisely in the age in which an ancient form of wisdom has been lost, and a new form of wisdom is just emerging. What did this ancient wisdom entail? It entailed what I have already hinted at. One could truly, by knowing the mysteries of the universe, make one’s own being more capable. Just think—it was possible to make a person more capable through external means! In other words, the possibility existed that a person, simply by producing certain substances and ingesting them in the appropriate quantities, could acquire abilities that we today rightly assume can only be innate—such as genius, talent, and so on. It is not what Darwinism fantastically dreams of that existed at the beginning of Earth’s development, but rather this very possibility of mastering nature and endowing human beings themselves with moral and spiritual abilities through the manipulation of nature. You will now understand why the manipulation of nature had to be kept within very specific limits: hence the secrets of the most ancient mysteries. Whoever was to attain such insights—which truly had something to do with these secrets of nature, which were not merely concepts, ideas, and sensations, nor merely beliefs—whoever was to attain such insights had first to prove himself perfectly suited to the task: not only but also absolutely nothing for himself with this knowledge, but rather to apply these insights—and the abilities he acquired through them—solely in the service of the social order. That is why this knowledge was kept so secret, let us say, in the Egyptian mysteries. The preparation consisted in the person to whom such knowledge was imparted giving a guarantee that he would continue the life he had previously led in exactly the same way, that he would not gain the slightest advantage for himself, but would apply the skills he would henceforth acquire through his work with nature solely in the service of the social order. Under this condition, individuals were allowed to become initiates, who then guided that ancient culture whose marvels can be seen but are not understood, because people do not know from what they sprang.

[ 63 ] Aber die Menschheit hätte so niemals frei werden können. Man hätte sozusagen den Menschen durch Natureinflüsse zum Automaten machen müssen. Ein Zeitalter mußte heraufkommen, wo der Mensch durch bloße innere moralische Kräfte wirkte. So wird sozusagen verhüllt vor ihm die Natur, weil er sie entweiht hätte, indem in der neuen Zeit seine Triebe freigelassen wurden. Und am meisten sind seine Triebe freigelassen worden seit dem 14., 15. Jahrhundert. Daher verglimmt die alte Weisheit, da bleibt nur mehr eine Buchweisheit, die nicht verstanden wird. Denn niemand würde sich heute abhalten lassen, wenn er solche Dinge wirklich verstünde, wie nur den Satz, den ich Ihnen vorgelesen habe, diese Dinge zu seinem eigenen Vorteil zu gebrauchen. Das aber würde die schlimmsten Triebe in der menschlichen Gesellschaft hervorrufen, schlimmere Triebe, als jenes tastende Fortschreiten hervorbringt, das man heute wissenschaftliche Betriebe nennt, wo man so im Laboratorium, ohne daß man in die Dinge hineinsehen kann, herauskriegt: dieser Stoff berührt den andern in dieser Weise, — wo man, ohne in die Dinge hineinzusehen, etwas herauskriegt - nun, wie jetzt der Inhalt der Chemie ist. Man laviert so fort. Und Geisteswissenschaft wird erst wieder den Weg finden müssen hinein in die Geheimnisse der Natur. Aber zu gleicher Zeit wird sie eine soziale Ordnung begründen müssen, die ganz anders ist als die heutige soziale Ordnung, so daß der Mensch erkennen kann, was die Natur im Innersten zusammenhält, ohne deshalb zum Kampf der wildesten Triebe verführt zu werden.

[ 63 ] But humanity could never have become free in this way. One would, so to speak, have had to turn human beings into automatons through the influence of nature. An age had to dawn in which human beings acted through inner moral forces alone. Thus, nature is, so to speak, veiled from him, because he would have desecrated it by giving free rein to his instincts in the new era. And his instincts have been given the most free rein since the 14th and 15th centuries. That is why the old wisdom is fading away; all that remains is bookish wisdom that is not understood. For no one today would allow himself to be deterred—if he truly understood such things, such as the very sentence I have read to you—from using these things to his own advantage. But that would bring forth the worst instincts in human society—worse instincts than those produced by that tentative progress which is today called scientific endeavor, where, in the laboratory, without being able to look into the very nature of things, one discovers: “this substance interacts with that one in this way”—where, without looking into the nature of things, one arrives at conclusions—well, just as the content of chemistry is today. One carries on in this way. And Spiritual Science will first have to find its way back into the mysteries of nature. But at the same time, it will have to establish a social order that is entirely different from today’s social order, so that human beings can recognize what holds nature together at its very core, without thereby being led into a struggle of the wildest instincts.

[ 64 ] Es ist Sinn und es ist Weisheit in der menschlichen Entwickelung, und das suchte ich jetzt schon durch eine ganze Reihe von Vorträgen Ihnen zu beweisen. Das, was geschieht in der Geschichte, geschieht — wenn auch oft durch so zerstörerische Kräfte als möglich — doch so, daß ein Sinn durch das geschichtliche Werden hindurchgeht, wenn es auch oftmals nicht der Sinn ist, den der Mensch sich erträumt, und wenn der Mensch auch viel leiden muß durch die Wege, welche der Sinn der Geschichte oftmals geht. Durch alles, was im Laufe der Zeit geschieht - es geschieht ja gewiß so, daß das Pendel manchmal nach dem Bösen, manchmal nach dem weniger Bösen ausschlägt -, werden aber doch durch dieses Ausschlagen gewisse Gleichgewichtslagen erreicht. Und so war denn auch bis ins 14., 15. Jahrhundert — wenigstens einzelnen — eine gewisse Summe von Naturkräften bekannt, deren Kenntnis verlorengegangen ist, weil die Menschen der neueren Zeit nicht die richtige Gesinnung dazu haben würden.

[ 64 ] There is meaning and wisdom in human evolution, and I have already sought to prove this to you through a whole series of lectures. What happens in history—even if often through forces as destructive as possible—happens in such a way that a meaning runs through the course of historical development, even if it is often not the meaning that human beings dream of, and even if human beings must suffer greatly along the paths that the meaning of history often takes. Through everything that happens over the course of time—and it certainly happens that the pendulum swings sometimes toward evil, sometimes toward the lesser evil—certain states of equilibrium are nevertheless achieved through this swinging. And so, up until the 14th and 15th centuries—at least to some—a certain body of knowledge regarding natural forces was known, but this knowledge has been lost because people of more recent times lack the proper mindset for it.

[ 65 ] Sehen Sie, so schön ist das in dem Symbole beschrieben, das die Naturkraft in der ägyptischen Legende von der Isis ausdrückt. Dieses Isis-Bild, was für einen ergreifenden Eindruck macht es uns, wenn wir es uns vorstellen, wie es dasteht in Stein, aber — im Stein zugleich der Schleier von oben bis unten: das verschleierte Bild zu Sais. Und die Inschrift trägt es: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. - Das hat wiederum zu einer ungemein gescheiten — obwohl sehr gescheite Leute diese gescheite Erklärung aufgenommen haben, muß es doch einmal gesagt werden —, zu einer sehr gescheiten Erklärung geführt. Man sagt da: Die Isis drückt also aus das Symbolum für die Weisheit, die vom Menschen nie erreicht werden kann. Hinter diesem Schleier ist eine Wesenheit, die ewig verborgen bleiben muß, denn der Schleier kann nicht gelüftet werden. Und doch ist die Inschrift diese: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet. — Alle die gescheiten Leute, die also sagen, man kann das Wesen nicht ergründen, sie sagen logisch ungefähr dasselbe, wie wenn einer sagt: Ich heiße Müller, meinen Namen wirst du nie erfahren. — Es ist ganz genau dasselbe, was Sie immer über dieses Bild reden hören, wie wenn einer sagt: Ich heiße Müller, meinen Namen wirst du nie erfahren. - Wenn man das: Ich bin die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft; meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüftet — so auslegt, ist natürlich diese Auslegung ein völliger Unsinn. Denn es steht ja da, was die Isis ist: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - die dahinfließende Zeit! Wir werden morgen noch genauer über diese Dinge reden. Es ist die dahinfließende Zeit. Aber ganz etwas anderes, als was diese sogenannte geistvolle Erklärung will, ist ausgedrückt in den Worten: Meinen Schleier hat noch kein Sterblicher gelüfter. - Ausgedrückt ist, daß man sich dieser Weisheit nähern muß wie denjenigen Frauen, die den Schleier genommen hatten, deren Jungfräulichkeit bestehen bleiben mußte: in Ehrfurcht, mit einer Gesinnung, die alle egoistischen Triebe ausschließt. Das ist gemeint. Sie ist wie eine verschleierte Nonne, diese Weisheit früherer Zeit. Auf die Gesinnung wird hingedeutet durch die Sprache von diesem Schleier.

[ 65 ] See, this is so beautifully described in the symbol that expresses the force of nature in the Egyptian legend of Isis. This image of Isis—what a moving impression it makes on us when we create a mental image of it standing there in stone, yet—at the same time—with a veil covering it from top to bottom: the veiled image at Sais. And the inscription reads: “I am the past, the present, and the future; no mortal has yet lifted my veil.” - This, in turn, has led to an exceedingly clever—though very clever people have accepted this clever explanation, it must still be said—to a very clever explanation. It is said: Isis thus embodies the symbol of wisdom that can never be attained by human beings. Behind this veil is a being that must remain eternally hidden, for the veil cannot be lifted. And yet the inscription reads: “I am the past, the present, and the future; no mortal has yet lifted my veil.” — All those clever people who say that one cannot fathom the essence are, logically speaking, saying roughly the same thing as if someone were to say: “My name is Müller; you will never know my name.” — It is exactly the same thing you always hear people say about this image as if someone were to say: “My name is Müller; you will never know my name.” - If one interprets the statement “I am the past, the present, and the future; no mortal has yet lifted my veil” in this way, then of course this interpretation is utter nonsense. For it is written there what Isis is: the past, the present, and the future—time flowing by! We will speak more precisely about these things tomorrow. It is time flowing by. But something entirely different from what this so-called witty explanation intends is expressed in the words: “No mortal has yet lifted my veil.”—What is expressed is that one must approach this wisdom as one would those women who had taken the veil, whose virginity had to be preserved: with reverence, with a mindset that excludes all selfish impulses. That is what is meant. This wisdom of earlier times is like a veiled nun. The language of this veil alludes to that state of mind.

[ 66 ] Und so handelte es sich darum, daß in den Zeiten, in denen uralte Weisheit lebendig war, die Menschen sich dieser Weisheit in der entsprechenden Weise näherten, respektive gar nicht zugelassen wurden, wenn sie sich ihr nicht in der entsprechenden Weise näherten. Aber der Mensch mußte sich selbst überlassen sein in der neueren Zeit. Da konnte er nicht diese Weisheit der alten Zeit, die Weisheitsformen der alten Zeit, haben. Die Kenntnis gewisser Naturkräfte ging verloren, jener Naturkräfte, die nicht erkannt werden können, ohne daß man sie im Inneren erfährt, ohne daß man sie innerlich zugleich lebt. Und in dem Zeitalter, in dem, wie ich Ihnen vor acht Tagen auseinandergesetzt habe, der Materialismus einen gewissen Höhepunkt erlangte, im 19. Jahrhundert, kam eine Naturkraft herauf, die in ihrer besonderen Eigenart dadurch charakterisiert ist, daß jeder heute sagt: Die Naturkraft haben wir, aber verstehen kann man sie nicht, für die Wissenschaft ist sie verborgen. — Sie wissen, wie gerade die Naturkraft der Elektrizität in menschliche Verwendung kam; und die elektrische Kraft ist eine solche, daß der Mensch sie durch seine normalen Kräfte im Inneren nicht erleben kann, daß sie im Äußeren bleibt. Und mehr, als man glaubt, ist dasjenige, was im 19. Jahrhundert groß geworden ist, durch die Elektrizität groß geworden. Es wäre ein leichtes, zu zeigen, wieviel, wie unendlich viel von der elektrischen Kraft abhängt in unserer gegenwärtigen Kultur, wieviel mehr noch in der Zukunft abhängen wird, wenn die elektrische Kraft durch die moderne Art, ohne in das Innere einzugehen, verwendet werden wird. Viel mehr noch! Aber gerade die elektrische Kraft ist eine solche, die an die Stelle der alten, gekannten Kraft gesetzt worden ist in der menschlichen Kulturentwickelung, und an der der Mensch heranreifen soll in moralischer Beziehung. Heute denkt er bei ihrer Anwendung nicht an irgendeine Moral. Weisheit ist in der fortlaufenden geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Der Mensch wird heranreifen, indem er eine Zeitlang noch tiefere Schädigungen — Schädigungen sind ja, wie unsere Tage zeigen, genügend da -, indem er noch tiefere Schädigungen in seinem niedern Ich-Träger, dem wüsten Egoismus, entfalten kann. Hätte der Mensch noch die alten Kräfte, so wäre das ganz ausgeschlossen. Gerade die elektrische Kraft als Kulturkraft macht das möglich; die Dampfkraft in einer gewissen Weise auch, aber da ist es noch weniger der Fall.

[ 66 ] And so the point was that, in the times when ancient wisdom was alive, people approached this wisdom in the appropriate manner—or, conversely, were not even permitted to approach it if they did not do so in the appropriate manner. But in more recent times, human beings had to be left to their own devices. They could not possess this wisdom of ancient times, these forms of wisdom from the past. Knowledge of certain natural forces was lost—those natural forces that cannot be recognized without experiencing them inwardly, without simultaneously living them within oneself. And in the era in which, as I explained to you eight days ago, materialism reached a certain peak—in the nineteenth century—a natural force emerged that is characterized by its unique nature in such a way that everyone today says: We have this natural force, but it cannot be understood; it remains hidden from science. — You know how the natural force of electricity, in particular, came to be used by humans; and the electrical force is such that human beings cannot experience it inwardly through their normal faculties—it remains external. Moreover, more than one might think, what grew to prominence in the 19th century did so through electricity. It would be easy to show just how much—indeed, an infinite amount—of our present-day culture depends on electrical power, and how much more will depend on it in the future, when electrical power is used in the modern way, without penetrating into the inner realm. Much more than that! But it is precisely electrical power that has taken the place of the old, familiar forces in the development of human culture—and through which humanity is meant to mature morally. Today, when using it, people do not give any thought to morality. Wisdom lies in the ongoing historical development of humanity. Humanity will mature by being able, for a time yet, to unleash even deeper forms of harm—and as our times show, there is certainly no shortage of harm—by unleashing even deeper forms of harm within its lower “I-bearer,” that is, its savage egoism. If humanity still possessed the old forces, this would be entirely impossible. It is precisely electrical power, as a cultural force, that makes this possible; steam power does so to a certain extent as well, but to an even lesser degree.

[ 67 ] Nun steht die Sache so, daß, wie ich Ihnen früher einmal auseinandersetzte, das erste Siebentel unseres Kulturzeitraumes, der bis ins vierte Jahrtausend dauern wird, vorbei ist. Der Materialismus hat einen gewissen Hochpunkt erreicht; die sozialen Formen, in denen wir leben, die ja zu solch traurigen Ereignissen in unseren Jahren geführt haben, sind wirklich so, daß sie nicht mehr fünfzig Jahre die Menschheit tragen werden, ohne daß eine gründliche Anderung der menschlichen Seelen geschieht. Das elektrische Zeitalter ist für den, der die Weltentwickelung geistig durchschaut, zu gleicher Zeit eine Aufforderung, eine geistige Vertiefung, eine wirkliche geistige Vertiefung zu suchen. Denn zu jener Kraft, die unbekannt im Äußeren bleibt für die Sinnesbeobachtung, muß die geistige Kraft hinzukommen in die Seelen, die im tiefsten Inneren so verborgen ruht wie die elektrischen Kräfte, die auch erst erweckt werden müssen. Denken Sie sich, wie geheimnisvoll die elektrische Kraft ist; sie wurde erst durch Galvani, Volta aus ihren geheimen Verborgenheiten herausgeholt. So geheim verborgen ruht auch dasjenige, was in den menschlichen Seelen sitzt, und was die Geisteswissenschaft erforscht. Beide müssen zueinander kommen wie Nord- und Südpol. Und so wahr, wie die elektrische Kraft heraufgezogen ist als die in der Natur verborgene Kraft, so wahr wird heraufziehen die Kraft, die in der Geisteswissenschaft gesucht wird als die in der Seele verborgene Kraft, die dazugehört; wenn auch heute noch vielfach die Menschen vor dem, was Geisteswissenschaft will, so stehen — nun, wie ungefähr einer gestanden haben würde in der Zeit, wo eben Galvani, Volta die Frösche präpariert und bemerkt hatten an dem Zucken des Schenkels, daß da eine Kraft wirkt in diesem zuckenden Froschschenkel. Hat da die Wissenschaft gewußt, daß in diesem Froschschenkel alles lag von Berührungselektrizität, alles, was heute an Elektrizität bekannt ist? Denken Sie sich in die Zeit hinein, wo Galvani in seinem einfachen Versuchshaus gewesen ist und seinen Froschschenkel zum Fensterhaken hinaushängt, und dieser zu zucken beginnt, und er zum ersten Male dies feststellte! Es handelt sich da nicht um Elektrizität, nicht wahr, die erregt ist, sondern um Berührungselektrizität. Als Galvani das zum ersten Male feststellte, konnte er da annehmen, mit der Kraft, mit der da der Froschschenkel angezogen wird, wird man einmal Eisenbahnen über die Erde befördern, mit der wird man einmal den Gedanken um den Erdball herumkreisen lassen? Es ist noch nicht so sehr lange her, daß Galvani an seinen Froschschenkeln diese Kraft beobachtet hat. Einen, der dazumal schon sich versprochen hätte, was alles aus dieser Erkenntnis fließen wird, den hätte man gewiß für einen Narren angesehen. So kam es denn auch so, daß man heute denjenigen für einen Narren ansieht, der die ersten Anfänge einer geistigen Wissenschaft darzustellen hat. Es wird eine Zeit kommen, wo dasjenige, was von Geisteswissenschaft ausgeht, ebenso bedeutsam sein wird für die Welt aber jetzt die moralische, geistig-seelische Welt - wie dasjenige, was von dem Galvani-Froschschenkel ausgegangen ist, für die materielle Welt, für die materielle Kultur. So vollziehen sich die Fortschritte in der Menschheitsentwickelung. Nur wenn man auf solche Dinge achtet, dann entwickelt man auch den Willen, mitzugehen mit dem, was erst in den Anfängen sein kann. Hat die andere Kraft, die elektrische Kraft, die aus ihrer Verborgenheit gezogen worden ist, bloß eine äußere materielle Kulturbedeutung und nur mittelbar eine Bedeutung für die moralische Welt, so wird dasjenige, was aus der Geisteswissenschaft kommt, die größte soziale Bedeutung haben. Denn die sozialen Ordnungen der Zukunft werden geregelt werden durch das, was Geisteswissenschaft den Menschen geben kann. Und alles dasjenige, was äußere materielle Kultur sein wird, wird in mittelbarer Weise ebenfalls von dieser Geisteswissenschaft angeregt werden. Darauf kann ich heute am Schlusse nur hinweisen.

[ 67 ] The fact is that, as I explained to you some time ago, the first seventh of our cultural era—which will last into the fourth millennium—is now over. Materialism has reached a certain peak; the social structures in which we live—which have, after all, led to such tragic events in our time—are such that they will not sustain humanity for another fifty years without a profound transformation of the human soul. For those who spiritually comprehend the development of the world, the electrical age is at the same time a call to seek spiritual deepening—true spiritual deepening. For that force, which remains unknown to sensory observation on the outside, must be joined by spiritual power within the souls—a power that lies hidden in the deepest innermost recesses, just like the electrical forces, which, too, must first be awakened. Consider how mysterious electrical power is; it was only brought out of its secret recesses by Galvani and Volta. Just as secretly hidden lies that which resides in human souls and which Spiritual Science investigates. The two must come together like the North and South Poles. And just as surely as the electrical force was brought to light as the force hidden in nature, so surely will the force sought in Spiritual Science be brought to light as the force hidden in the soul that belongs to it; even though today, in many cases, people still stand before what Spiritual Science seeks—well, much as someone might have stood in the time when Galvani and Volta were dissecting frogs and observed from the twitching of the leg that a force was at work in that twitching frog’s leg. Did science know back then that this frog’s leg contained the very essence of static electricity—everything we know about electricity today? Imagine yourself back in the time when Galvani was in his simple laboratory, hanging his frog’s leg out of the window, and it began to twitch—and he observed this for the very first time! This isn’t a matter of electricity that’s been generated, is it, but rather static electricity. When Galvani observed this for the first time, could he have imagined that the force with which the frog’s leg is drawn toward the hook would one day be used to propel trains across the earth, or to send thoughts circling around the globe? It was not so very long ago that Galvani observed this force in his frog legs. Anyone who, back then, had already predicted all that would flow from this discovery would certainly have been regarded as a fool. And so it has come to pass that today, anyone who seeks to describe the very beginnings of a spiritual science is regarded as a fool. A time will come when what emanates from Spiritual Science will be just as significant for the world—specifically, the moral, spiritual, and psychological world—as what emanated from Galvani’s frog’s leg was for the material world and material culture. This is how progress unfolds in human development. Only by paying attention to such things can one develop the will to go along with what may still be in its infancy. While the other force—the electrical force, which has been drawn from its hidden state—has merely an external, material significance for culture and only an indirect significance for the moral world, what comes from Spiritual Science will have the greatest social significance. For the social orders of the future will be governed by what Spiritual Science can give to humanity. And everything that will constitute external material culture will also be indirectly inspired by Spiritual Science. I can only point this out today as I conclude.

[ 68 ] Wir wollen dann morgen das Bild des Faust, das wir heute gesehen haben, der noch halb in der alten, aber halb schon in der neueren Zeit drinnen steht, wie ich Ihnen heute gesagt habe, zu einer Art von Weltanschauungsbild noch erweitern.

[ 68 ] Tomorrow, we will expand on the image of Faust that we saw today—who, as I told you today, is still half in the old era but already half in the new—to develop it into a kind of worldview.