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Art in the Light of Mystery Wisdom
GA 275

30 December 1914, Dornach

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Wir können vielleicht am besten übersehen, was wir hier meinen dürfen über das, was durch unsere geisteswissenschaftlichen Bestrebungen einziehen soll in unsere Seelen, in unsere Herzen, wenn wir einen Blick werfen über den größten Teil desjenigen, was ich mir erlaubte, als «Geheimwissenschaft im Umriß» zu geben. Da haben wir zuerst, wenn wir absehen von den Einleitungskapiteln, die da gleichsam zur Vorbereitung sein müssen, diejenigen Kapitel, die dazu dienen sollen, das Wesen des Menschen und seine Beziehung zu Geburt und Tod und sein Leben in den geistigen Welten kennenzulernen. Nach diesen Einleitungskapiteln haben wir eine Schilderung der großen kosmischen Zusammenhänge, natürlich skizzenhaft, die uns führen durch die Verwandlungsstadien unserer Erde, bevor sie Erde geworden ist, durch das Saturn-, das Sonnen-, das Mondendasein und uns dann hereinführen in das Erdendasein. Dann haben wir eine ganz flüchtige, alles nur kurz andeutende Auseinandersetzung über die Ausblicke, die sich uns ergeben auf das Jupiter-, Venus- und Vulkandasein. Und ich möchte sagen, statt einer eingehenderen Schilderung dieses Jupiter-, Venus- und Vulkandaseins haben wir dann eine Darstellung desjenigen, was der Mensch durchzumachen hat, wenn er jene inneren Seelenerlebnisse in sich ablaufen lassen will, die ihn letzten Endes zur Initiation führen müssen. Genauer sind diese Vorgänge bis zu einer gewissen Etappe geschildert in den Auseinandersetzungen in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?».

[ 1 ] Perhaps the best way to grasp what we mean here—what our Spiritual Science endeavors are intended to bring into our souls and hearts—is to take a look at the bulk of what I took the liberty of presenting as *An Outline of Esoteric Science*. First, setting aside the introductory chapters—which are, as it were, necessary as a preparation—we have those chapters intended to help us understand the nature of the human being, his relationship to birth and death, and his life in the spiritual worlds. Following these introductory chapters, we have a description—sketchy, of course—of the great cosmic connections that lead us through the stages of transformation our Earth underwent before it became Earth: through its Saturn, Sun, and Moon phases, and then introduce us to its existence as Earth. Then we have a very brief, merely sketchy discussion of the perspectives that open up to us regarding the Jupiter, Venus, and Vulcan stages of existence. And I would like to say that, instead of a more detailed description of these Jupiter, Venus, and Vulcan stages, we will then have a presentation of what a person must go through if they wish to allow those inner soul experiences to unfold within themselves—experiences that must ultimately lead them to initiation. These processes are described in greater detail, up to a certain stage, in the discussions in *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?*

[ 2 ] Wir werden überhaupt sehen, daß für uns die Geisteswissenschaft gewissermaßen in zwei Teile zerfällt: in einen Teil, wo wir schildern die kosmischen Zusammenhänge, schildern, wie das, was heute als die Erde und ihre Wesenheiten und das sonstige Weltenall vor uns ist, seit urferner Vergangenheit geworden ist, und wie in Aussicht steht, daß es sich weiter entwickeln wird. Wenn Sie nun die Betrachtungen, die wir so anstellen, durchgehen, dann werden Sie überall sehen, daß ein großer Teil unserer Betrachtungen gewissermaßen unter dem Einflusse steht desjenigen, was wir über das Werden des Kosmos in uns aufnehmen. Ein anderer Teil unserer Betrachtungen beschäftigt sich damit, was die Seele tun muß, um in die geistigen Welten hineinzukommen, mit andern Worten, um zur Initiation zu gelangen. Diese inneren Erlebnisse, Überwindungen, Kämpfe, Erlösungen und Erreichungen, die da die Seele durchzumachen hat, werden gewissermaßen in der zweiten Sphäre unserer Betrachtungen immer berührt. Und entweder aus der einen oder aus der andern Partie sind unsere Betrachtungen, wenn wir das Wesentliche an ihnen beobachten.

[ 2 ] We will see, in general, that Spiritual Science, so to speak, divides into two parts for us: one part in which we describe the cosmic interrelationships—how what stands before us today as the Earth, its beings, and the rest of the universe has come into being since time immemorial, and how it is likely to continue developing. If you now go through the reflections we are making in this way, you will see everywhere that a large part of our reflections is, so to speak, influenced by what we take in regarding the evolution of the cosmos. Another part of our reflections deals with what the soul must do to enter the spiritual worlds—in other words, to attain initiation. These inner experiences—the trials, struggles, redemptions, and achievements that the soul must undergo—are, in a sense, always touched upon in the second sphere of our reflections. And our reflections stem from one or the other of these two spheres when we observe their essential nature.

[ 3 ] Wenn wir nun zunächst die erste Partie unserer Betrachtungen ins Auge fassen, jene Darstellungen durch das Saturn-, Sonnen- und Mondendasein bis in das Erdendasein hinein, so stellen wir mit solchen Darstellungen etwas in die Welt hinein, das der heutigen, sei es religiösen, sei es wissenschaftlichen Weltanschauung sehr, sehr zuwider ist, das zum großen Teile von dieser heutigen Weltanschauung als etwas Absurdes angesehen wird. Denn es ist ganz selbstverständlich, daß unsere heutige Weltanschauung die Darstellung einer solchen Weltenordnung, wie wir sie zum Beispiel geben müssen, wenn wir das Saturndasein schildern, zu phantastisch findet, daß die Darstellung einer solchen kosmischen Ordnung für unsere gegenwärtige Anschauung so ist, daß man nur sagen kann: Das ist absoluter Unsinn, das kann es ja gar nicht geben, das ist etwas phantastisch Ausgedachtes! - Ebenso ist es für die andern Partien dessen, was wir zu schildern haben.

[ 3 ] If we now turn our attention first to the initial part of our considerations—those descriptions of existence from the Saturn, Sun, and Moon stages right down to Earth existence—we introduce into the world something that is very, very repugnant to today’s worldview, whether religious or scientific, and that is largely regarded by this modern worldview as absurd. For it goes without saying that our present-day worldview finds the description of such a cosmic order—as we must provide, for example, when describing the Saturn stage—too fantastical; that the description of such a cosmic order is, from our current perspective, such that one can only say: “That is utter nonsense; that simply cannot exist; it is a fantastical invention!” - The same applies to the other parts of what we have to describe.

[ 4 ] Nun erinnern Sie sich an den Ausspruch, den ich schon mehrfach hier und auch gestern gemacht habe. Ich habe gesagt: Der Mensch schläft nicht nur in der Nacht, wenn sein Gedanken- und auch sein Vorstellungsbewußtsein heruntergedämpft ist, der Mensch schläft auch bei Tage mit einem Teile seines Wesens. Während bei Nacht mehr das Vorstellungsleben schläft, schläft bei Tag in einem Teil unseres Wesens mehr das Willensleben. Unten in den Tiefen unserer Leiblichkeit schläft das Willensleben, wenigstens ein großer Teil des Willenslebens. Denn dieses Willensleben des Menschen ist viel umfassender als das bewußte Willensleben, das wir entwickeln. Das ist nur ein kleiner Teil. Und wir können dreist sagen: Der Mensch mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein, wenn er so bei Tage seine Arbeit verrichtet, oder sein Vergnügen genießt, ist zum größten Teil doch ein Schlafwandler. Unendlich vieles geht unbewußt vor sich, und auch das, was er bewußt macht, vollbringt er zum großen Teile scheinbar bewußt, halb und mehr als halb unbewußt.

[ 4 ] Now, recall the statement I have made several times here, and also yesterday. I said: Human beings do not sleep only at night, when their thinking and imaginative consciousness are subdued; they also sleep during the day with a part of their being. While at night it is the life of the imagination that sleeps more, during the day it is the life of the will that sleeps more in a part of our being. Down in the depths of our physicality, the life of the will sleeps—at least a large part of it. For this life of the will in human beings is far more comprehensive than the conscious life of the will that we develop. That is only a small part. And we can boldly say: The human being, with his ordinary consciousness, when he goes about his work during the day or enjoys his pleasures, is for the most part still a sleepwalker. An infinite number of things take place unconsciously, and even what he does consciously, he accomplishes for the most part only seemingly consciously—half, or more than half, unconsciously.

[ 5 ] Wenn wir den Menschen genau beobachten in dem, was er halb oder mehr als halb bewußt, unbewußt macht, dann kann uns ins geistige Auge fallen, daß er als schlafender Mensch nicht so ungläubig ist wie als wachender Mensch, ganz und gar nicht so ungläubig. Der heutige wachende Mensch mit seiner Weltanschauung kommt und sagt: Die Schilderung des Saturndaseins in einem solchen Buche wie die «Geheimwissenschaft» ist der reinste, absolute Unsinn! — Selbstverständlich. Aber der Mensch als ganzer Mensch sagt das nicht, sondern er trägt etwas in sich, wodurch er — gestatten Sie den Ausdruck unbewußt weiß, daß es einstmals ein Saturndasein gegeben hat. Er macht etwas, wodurch er dokumentiert, daß er gewissermaßen unbewußt sich an dieses Saturndasein erinnert. Das, was er macht, das ist: er wird zum Baukünstler. Denn es würde niemals eine Baukunst entstanden sein, wenn der Mensch heute nicht in sich tragen würde diejenigen Gesetze, welche dem Menschen schon während der alten Saturnzeit eingeprägt worden sind in seinen physischen Leib. Wir haben gestern auseinandergesetzt, wie diese Gesetze im physischen Leibe hinausprojiziert werden können in den Raum und dann draußen baukünstlerische Gesetze sind. Alles das, was der Mensch während der alten Saturnzeit in sich aufgenommen hat, das geheimnißt er hinein in die Gesetze der Architektur. Selbstverständlich muß er das mit den heutigen Mitteln tun, so daß sich, was uns da in den gegenwärtigen Werken der Baukunst entgegentritt, ganz anders ausnimmt als das, was wir von der «Saturnarchitektonik» kennen. Aber das Wesentliche, das Lebendige, das wir machen im baukünstlerischen Tun, ist das, was sich in den Menschen eingepflanzt hat durch das alte Saturndasein.

[ 5 ] If we observe human beings closely in what they do—whether half-consciously, more than half-consciously, or unconsciously—it may occur to us that, as sleeping beings, they are not as unbelieving as they are as waking beings; not at all as unbelieving. Today’s waking human being, with his worldview, comes along and says: The description of the Saturn existence in a book such as *The Secret Science* is the purest, absolute nonsense! — Of course. But the human being as a whole does not say this; rather, he carries something within himself through which he—if you’ll pardon the expression—unconsciously knows that a Saturn existence once existed. He does something through which he demonstrates that, in a sense, he unconsciously remembers this Saturn existence. What he does is this: he becomes an architect. For architecture would never have come into being if human beings today did not carry within themselves those laws that were already imprinted upon their physical bodies during the ancient Saturn era. Yesterday we discussed how these laws can be projected outward from the physical body into space and then become architectural laws in the external world. Everything that human beings absorbed within themselves during the ancient Saturn era, they weave into the laws of architecture. Of course, they must do this using today’s means, so that what we encounter in contemporary architectural works appears quite different from what we know of “Saturn architecture.” But the essential, living element of our architectural practice is what has been implanted in human beings through the ancient Saturn existence.

[ 6 ] Nehmen wir dieses, was wir so vor unsere Seele führen, in einem noch tieferen Sinne. Was tut der Mensch, indem er ganz, sei es schaflend, sei es erkennend oder genießend, in der architektonischen Schöpfung aufgeht? Er lebt in den Saturngesetzen seines physischen Leibes, das heißt, er vergißt, wenn er sich ganz versenkt in die Gesetze der Architektur, alles das, was in ihm lebt als ätherischer Leib, als astralischer Leib und als Ich, er wird wieder Saturnmensch. Alles Herbe, alles Keusche, alles Schweigsame und doch wiederum so Sprechende der Baukunst ist nichts anderes, als daß der Mensch sich mit Entäußerung der höheren Glieder seines Wesens versetzt in das, was ihm die Geister der höheren Hierarchien - die Throne, die Archai, die am Anfang des Saturndaseins beteiligt waren — gegeben haben, im wesentlichen diese beiden Gruppen von höheren Geistern, unterstützt von den andern Wesenheiten der höheren Hierarchien.

[ 6 ] Let us consider this—what we carry before our soul—in an even deeper sense. What does a human being do when he becomes completely absorbed in architectural creation, whether through creation, cognition, or enjoyment? He lives according to the Saturn laws of his physical body; that is to say, when he immerses himself completely in the laws of architecture, he forgets everything that lives within him as the etheric body, the astral body, and the “I”—he becomes a Saturn human once more. All that is austere, all that is chaste, all that is silent and yet so eloquent in architecture is nothing other than the human being, by renouncing the higher members of his being, placing himself within what the spirits of the higher hierarchies—the Thrones, the Archai, who were involved at the beginning of Saturn existence—have given him; essentially these two groups of higher spirits, supported by the other beings of the higher hierarchies.

[ 7 ] So ist es wirklich ein Hinausheben nicht nur über die Gegenwart der Erde, sondern über eine weit, weit entfernte Vergangenheit und ein Sich-Hineinversetzen in dieses Saturndasein, was der Mensch vollbringt, indem er baukünstlerisch schafft oder baukünstlerisch genießt, wenn es sich um wirkliche Kunst dabei handelt, selbstverständlich.

[ 7 ] Thus, what human beings accomplish—whether through architectural creation or the appreciation of architecture, provided, of course, that it is true art—is truly a transcending not only of the present on Earth, but also of a far, far-distant past, and an immersion into this Saturnian existence.

[ 8 ] Und wiederum, schreiten wir herauf bis zur Skulptur, bis zur Bildhauerkunst. Wir haben gestern gesehen, daß die Gesetze der Skulptur die Gesetze des Ätherleibes sind, die der Mensch in seinen physischen Leib hinunterdrängt um eine Stufe. So wie das, was im physischen Leibe lebt, hinausgedrängt wird in den Raum und da die Architektur wird, so wird in der Skulptur das, was im Ätherleibe lebt, herabgedrängt in den physischen Leib. Wir entäußern uns, indem wir Skulptur genießen, des astralischen Leibes und des Ich und aller höheren Glieder. Wir leben im Skulpturgenießen so, als wenn wir nur den physischen Leib und im physischen Leibe den Ausdruck des Ätherleibes hätten: das ist das Zurückversetztsein in das alte Sonnendasein. Alles das, was dem Menschen das alte Sonnendasein eingepflanzt hat, wird gegenwärtig im Genuß oder Schaffen der Skulptur. Das, was uns in der Skulptur entgegentritt, erscheint uns auf der einen Seite so verwandt, weil es uns wiedergibt unsere eigene ferne, ferne Vergangenheit, die ja noch schöpferisch in uns ist, unsere Sonnenzeit. Und es erscheint uns auf der andern Seite wiederum so marmorglatt und marmorkalt, weil uns das, was aus der Skulptur kommt, anleuchtet wie das, was aus dem fernen Kosmos kommt, aus dem fernen All.

[ 8 ] And once again, let us ascend to sculpture, to the art of sculpture. We saw yesterday that the laws of sculpture are the laws of the etheric body, which the human being pushes down one level into the physical body. Just as what lives in the physical body is pushed out into space and becomes architecture, so in sculpture what lives in the etheric body is pushed down into the physical body. When we enjoy sculpture, we detach ourselves from the astral body, the “I,” and all higher members. In the enjoyment of sculpture, we live as if we had only the physical body—and within the physical body, the expression of the etheric body: this is being transported back to the old solar existence. Everything that implanted the ancient solar existence within the human being becomes present in the enjoyment or creation of sculpture. What we encounter in sculpture appears to us, on the one hand, so familiar because it reflects our own distant, distant past—which is still creatively alive within us—our solar era. And yet, on the other hand, it appears to us so smooth and cold as marble, because what emanates from the sculpture shines upon us like that which comes from the distant cosmos, from the far reaches of space.

[ 9 ] Und schreiten wir herauf zur Malerei, dann wissen wit, daß die Malerei darauf beruht, daß hineingedrängt werden in den Ätherleib die inneren Impulse des astralischen Leibes, so daß wir uns in der Malerei unseres Ichs entäußern und so leben, wie wenn wir nur im astralischen Leibe erleben würden, aber dieses astralische Leben hinunterdrängen in den Ätherleib. Wir erleben uns in alledem, was in uns eingepflanzt hat das alte Mondendasein, jenes alte Mondendasein, welches uns als Menschen unsere astralische Innerlichkeit gegeben hat. Das Malerische ist gleichsam die äußere Projektion dieser unserer astralischen Innerlichkeit. Geradeso wie wir in unserer astralischen Innerlichkeit erleben Stimmungen wie Trauer, Freude, Charakteristisches, Ausdrucksvolles, wie wir erleben das, was das Geschick über uns bringt, so erleben wir das, was der Maler uns auf die Leinwand zaubert und was ein Widerschein ist unseres eigenen inneren astralischen Wesens.

[ 9 ] And when we turn to painting, we know that painting is based on the inner impulses of the astral body being forced into the etheric body, so that in painting we divest ourselves of our “I” and live as if we were experiencing life solely in the astral body, but we force this astral life down into the etheric body. We experience ourselves in all that has been implanted within us by the ancient lunar existence—that ancient lunar existence which has given us, as human beings, our astral inner life. The artistic is, as it were, the outward projection of this astral inner life of ours. Just as we experience in our astral inner life moods such as sorrow, joy, characteristic traits, and expressiveness—just as we experience what fate brings upon us—so do we experience what the painter conjures up for us on the canvas, which is a reflection of our own inner astral being.

[ 10 ] Wenn Sie versuchen, sich ein wenig hineinzuleben in das, was geschildert worden ist in der «Geheimwissenschaft» als Saturn-, Sonnen- und Mondendasein, dann werden Sie die Entdeckung machen, daß in der Tat bei der Schilderung des Saturndaseins eine architektonische Stimmung zugrunde liegt, bei der Darstellung des Sonnendaseins eine bildhauerische Stimmung und bei der Darstellung des Mondendaseins eine malerische Stimmung. Es ist versucht worden, in der Ausprägung der Worte diese Stimmungen wiederzugeben. Zur Darstellung okkulter Ereignisse gehört eben durchaus mehr als das, was die heutigen literarischen Hilfsmittel sind, und man verkennt den Stil einer okkulten Darstellung vollständig, wenn man glaubt, das Richtige treffen zu können mit den greulichen literarischen Hilfsmitteln unserer Zeit.

[ 10 ] If you try to immerse yourself a little in what has been described in *The Secret Science* as the Saturn, the Sun, and the Moon, you will discover that, in fact, the description of the Saturn existence is based on an architectural mood, the depiction of the Sun existence on a sculptural mood, and the depiction of the Moon existence on a painterly mood. An attempt has been made to convey these moods through the choice of words. The depiction of occult events requires far more than the literary tools available today, and one completely misunderstands the style of an occult depiction if one believes one can capture its essence using the wretched literary tools of our time.

[ 11 ] Dann kommen wir in das Erdendasein hinein, worin wir leben als in unserer unmittelbaren Gegenwart, als in der uns angewiesenen Realität. Das ist nicht etwas, bei dem wir so, wie wir darinnen leben, das Bedürfnis haben, es künstlerisch unmittelbar vor uns hinzustellen. Dagegen ist das, was der Mensch als Bedürfnis empfindet, künstlerisch aus sich herauszustellen, nicht erschöpft damit, daß er in der Architektur, Skulptur und Malerei gleichsam seine kosmische Vergangenheit, wie es sein kann aus dem uns eingepflanzten Gedächtnis heraus, wiedererschaflt. Das künstlerische Bedürfnis geht weiter. Und wenn wir die geistige Grundlage dieses Weitergehens des künstlerischen Bedürfnisses suchen, so müssen wir sie in dem finden, was in der «Geheimwissenschaft» nach der Darstellung des Saturn-, Sonnen-, Mond- und Erdendaseins, und nachdem sich uns nur ganz skizzenhaft die weiteren Entwickelungsstufen des Jupiter-, Venus- und Vulkandaseins darstellen, weiter gegeben ist als eine Darstellung der Initiationsvorgänge, die im wesentlichen zunächst innere menschliche Vorgänge sind. Von diesen Initiationsvorgängen muß man sich vorstellen, daß sie, so wie sie uns heute entgegentreten, der Anfang sind zu wichtigen Umgestaltungen des menschlichen Erdenlebens, überhaupt des menschlichen zukünftigen Lebens. Ist es doch so, daß man gegenüber dem menschlichen Erdenleben fühlen kann, wenn man tiefer empfindet: Ach, dieses menschliche Erdenleben, wie es verläuft, insofern der Mensch bewußt ist, läßt den Menschen eigentlich erscheinen wie eine Waise im Kosmos, wie ein verlassenes Kind des Kosmos, man könnte auch sagen, wie ein verirrter Wanderer im Kosmos,

[ 11 ] Then we enter into earthly existence, in which we live as if in our immediate present, as if in the reality assigned to us. This is not something that, as we live within it, compels us to represent it artistically right before our eyes. On the other hand, what human beings perceive as a need to express themselves artistically is not exhausted by the fact that, in architecture, sculpture, and painting, they recreate, as it were, their cosmic past—as it may be drawn from the memory implanted within us. The artistic need goes further. And if we seek the spiritual foundation of this extension of the artistic need, we must find it in what “Esoteric Science” presents regarding the existence of Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth—and since the further stages of development of the Jupiter, Venus, and Vulcan existence have been presented to us only in a very sketchy manner—beyond a description of the initiation processes, which are essentially, at first, inner human processes. One must create a mental image of these initiation processes—as they appear to us today—as the beginning of important transformations of human life on Earth, and indeed of human life in the future. For it is indeed the case that, when one feels more deeply about human life on Earth, one can sense: Ah, this human life on Earth, as it unfolds—insofar as the human being is conscious—actually makes the human being appear like an orphan in the cosmos, like an abandoned child of the cosmos; one could also say, like a lost wanderer in the cosmos,

[ 12 ] Weiß doch der Mensch in seinem alltäglichen Bewußtsein, in seinem Wachzustande nicht, wie das gekommen ist, was durch das Saturndasein, durch das Sonnen- und Mondendasein entstanden ist, was in ihm lebt, und weiß er auch nicht, was aus ihm wird in dem, was Jupiter-, Venus- und Vulkanzustand sein wird. Ohne seinen Ursprung, ohne seine Zukunft zu kennen, irrt der Mensch hin am Abgrund des Erdentales. Er mag manchmal sich fest fühlen durch sein Bewußtsein und auch sicher sein wegen seiner Zukunft, aber gegenständlich-sachlich sind weder Vergangenheit noch Zukunft von dem Erdenmenschen zu bemessen. Doch wird vor die menschliche Seele treten dasjenige, was Führer sein kann in eine sichere Lebensrichtung hinein, was sich ergibt, wenn die Menschen sich bekanntmachen werden mit dem, was ihnen gegeben wird als Richtlinie in den Gesetzen der Initiation, jener Initiation, die in alten Zeiten eine gewisse Erbschaft der Götter darstellte, die den Menschen mitgegeben wurde und als atavistisches Hellsehen auftrat, die aber, indem wir der Zukunft entgegenleben, immer mehr und mehr den Menschen ergreifen und das innere Seelenleben des Menschen formen muß.

[ 12 ] Yet in his everyday consciousness, in his waking state, human beings do not know how that which arose through the Saturn state, through the Sun and Moon states—that which lives within them—came to be, nor do they know what will become of them in what will be the Jupiter, Venus, and Vulcan states. Without knowing his origin or his future, man wanders along the precipice of the earthly valley. He may sometimes feel grounded through his consciousness and even be certain about his future, but in a concrete, objective sense, neither the past nor the future can be measured by the earthly human being. Yet what will present itself to the human soul is that which can serve as a guide toward a secure direction in life—a guide that emerges when people become acquainted with what is given to them as a guideline in the laws of initiation, that initiation which in ancient times represented a certain legacy of the gods, bestowed upon humanity and manifesting as atavistic clairvoyance; but which, as we move toward the future, must increasingly take hold of human beings and shape the inner life of the human soul.

[ 13 ] Gewiß, dieser Weg, dieser Pfad zur Initiation hat zwei Seiten. Die eine Seite ist diese, daß der Mensch die Geheimnisse, die Rätsel des Daseins durch die Initiation kennenlernt, daß er durch sie eintritt in das geistige Erleben des Daseins. Die andere Seite ist aber dasjenige, was wir nennen können das mehr Subjektive, das mehr in der Seele sich Abspielende der Initiation. Es ist zugleich das, vor dem die Menschen am meisten zurückschrecken, weil es in der Tat etwas darstellt, was nicht zu den Bequemlichkeiten des seelischen Erlebens gehött, denen sich die Seele so leicht hingibt oder hingeben will. Es gibt eine Skala, eine ungeheuer ausführliche Skala inneren Erlebens für denjenigen, den sein inneres Erleben allmählich zur Initiation führen soll. Die Überwindungen, Befreiungen, die Widerstände und Erlösungen, sie wechseln ab in mannigfaltigster Weise in dem inneren Erleben auf dem Wege zur Initiation: Da hat man durchzumachen all dasjenige, was uns die Seele so erfühlen läßt, wie wenn sich diese Seele plötzlich ganz fremd geworden wäre, wie wenn sie in einen Abgrund gestürzt wäre, wo sie fühlen muß von sich, wie wenn sie ewig verloren wäre und nimmer wiederfinden könnte das, was sie schon in irgendeiner Lebenszeit einmal erworben hat. Wie eine unendliche Bestürzung und Trauer gegenüber dem Verlieren des schon gewonnenen Daseins kann es über die Seele kommen. Und dann wiederum kann es auch so über die Seele kommen, wie wenn diese Seele sich zersplittern müßte, aufgehen müßte in eine unendliche Vielheit, in alle die Wesen, aus denen der Kosmos zusammengesetzt ist. Dann aber ist es wieder die Stimmung, wie wenn sie sich fühlen muß hindurchwandeln durch die Wesen des Alls, verwandt werden mit dem Wesen des einen, wiederum verlassen dieses Wesen und verwandt werden mit dem Wesen des andern, wie ich das geschildert habe in meinem Buche «Die Schwelle der geistigen Welt», wo ich dargestellt habe die Erlebnisse, die immer verbunden sind mit schmerzlichen Entbehrungen, mit schmerzlichen Verlassenheiten, wenn sie im einzelnen durchgemacht werden. Endlich dasjenige, was die Seele erleben kann, wenn sie die radikalste Verwandlung, möchte ich sagen, miterlebt, wo die Seele sich entschließen muß zu dem, was ausgedrückt werden kann mit den Worten: Du mußt jetzt eine Weile dich selber verlieren, dich selber von dir stoßen, aber du mußt das Vertrauen haben, daß, während du dich selber verlierst, während du dich von dir stößest, Wesen, die in den Weiten der göttlichen Hierarchien ruhen, dich bewahren und wieder dich selbst finden lassen, nachdem du dich verloren hast. — Dies ist das Durchgehen durch Geburten und Tode. Das ist es, was durchzumachen ist unter den inneren Erlebnissen, die zur Initiation führen.

[ 13 ] Certainly, this path, this way to initiation, has two sides. One side is that through initiation, a person comes to know the mysteries and enigmas of existence, and through it enters into the spiritual experience of existence. The other aspect, however, is what we might call the more subjective aspect of initiation—that which takes place more within the soul. It is also what people shy away from the most, because it truly represents something that does not belong to the comforts of soul experience, to which the soul so readily surrenders or wishes to surrender. There is a scale—an immensely detailed scale of inner experience—for those whose inner experience is to lead them gradually toward initiation. The overcoming of obstacles, the liberations, the resistances, and the redemptions alternate in the most varied ways within the inner experience on the path to initiation: One must go through all that which makes the soul feel as if it had suddenly become completely alien to itself, as if it had plunged into an abyss where it must feel, as if it were eternally lost and could never again find what it had once attained in some past life. An infinite sense of dismay and grief over the loss of an existence already gained can come over the soul. And then again, it can also come over the soul as if it were compelled to shatter, to dissolve into an infinite multiplicity, into all the beings of which the cosmos is composed. But then again, it is the feeling as if it must pass through the beings of the universe, become one with the essence of one, then leave that being and become one with the essence of another—as I have described in my book *The Threshold of the Spiritual World*, where I have described the experiences that are always associated with painful deprivations and painful feelings of abandonment when they are endured individually. Finally, there is what the soul can experience when it witnesses—I would say—the most radical transformation, in which the soul must resolve itself to what can be expressed with the words: “You must now lose yourself for a while, cast yourself aside, but you must have the confidence that, while you lose yourself, while you cast yourself aside, beings who dwell in the vastness of the divine hierarchies will protect you and allow you to find yourself again after you have lost yourself.” — This is the passage through births and deaths. This is what must be endured among the inner experiences that lead to initiation.

[ 14 ] Es ist endlich das schaudervolle Durchgehen durch alle die Kräfte, die nicht für das Erdenleben, wohl aber für das Leben des außerirdischen Kosmos notwendig sind, die aber, wenn sie von Luzifer oder Ahriman in unberechtigter Weise in dieses Erdenleben hineingebracht werden, zu den Kräften des Bösen werden; es ist das schaudervolle Durchgehen durch die Kräfte des Bösen, samt alledem, was sie an Aufwühlendem, Zerstörendem, Aufsaugendem in dem ganzen Kosmos bedeuten. Und es ist endlich das Durchgehen durch das Stadium, wo der Mensch sich nur als Instrument, als Werkzeug fühlen darf, durch das die geistigen Wesen sprechen, wo er symbolisch das wird, was sein Kehlkopf zum Ausdruck bringt als einzelnes Glied, wo er zum Kehlkopf der göttlich-geistigen Wesen wird, wo er sich selber ruhend fühlt in dem allwaltenden, göttlichen Wort. Und dann der Zustand, wo in der Zukunft dieses Fühlen einläuft in das Miterleben des göttlichen Webens und Wollens im Kosmos selber.

[ 14 ] It is, in short, the terrifying passage through all those forces that are not necessary for earthly life, but are necessary for the life of the extraterrestrial cosmos; yet when they are unjustifiably introduced into this earthly life by Lucifer or Ahriman, they become forces of evil; it is the terrifying passage through the forces of evil, along with all that they represent in the entire cosmos in terms of turmoil, destruction, and absorption. And finally, it is the passage through the stage where the human being may feel only as an instrument, as a tool through which the spiritual beings speak; where he symbolically becomes what his larynx expresses as an individual member; where he becomes the larynx of the divine-spiritual beings; where he feels himself at rest in the all-ruling, divine Word. And then there is the state in which, in the future, this feeling merges into the shared experience of the divine weaving and willing within the cosmos itself.

[ 15 ] Das sind aber nur einzelne Zustände, die geschildert sind. Unendlich abstufungsreich ist das, was die Seele also durchmacht. Und wie die Seele in all diese Zustände sich hineinfinden kann und mit jedem solchen Zustand um eine Stufe höher auf demPfade der Initiation kommt, einen Schritt weiter hineinkommt in die geistige Welt, das finden Sie dargestellt, soweit das darzustellen für die Gegenwart nötig ist, in der Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» oder auch in der Schrift «Die Schwelle der geistigen Welt» mehr deskriptiv. Ja, das alles, was die Seele also durchmacht, indem sie sich der Initiation nähert, wird auf dem Pfade der Initiation bewußt durchgemacht, bewußt durchlebt. Daher ist dieser Erkenntnispfad so schmerzens- und auch so erlösungsreich. Aber der Mensch vermag lange, lange bevor er sich bewußt hineinfindet in all das, was ich Ihnen geschildert habe als die Etappen des Initiationspfades, auszusprechen mit seinen Mitteln dieses Erleben, auszusprechen in Bildern - und das geschieht durch die Musik. Letzten Endes, im wesentlichen, ist wahre Musik in Tönen verlaufendes Dasein, in Tönen verlaufendes Daseinsgeschehen, welches ein äußeres Bild desjenigen ist, was bewußt die Seele durchlebt im Initiationsleben.

[ 15 ] However, these are only individual states that are described. What the soul goes through is infinitely varied. And how the soul can find its way into all these states and, with each such state, ascend one step higher on the Path of Initiation, entering one step further into the spiritual world—you will find this described, to the extent that it is necessary to describe it at present, in the treatise “How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?” or, in a more descriptive manner, in the treatise “The Threshold of the Spiritual World.” Yes, everything the soul goes through as it approaches initiation is consciously experienced and lived through on the path of initiation. That is why this path of knowledge is so full of both suffering and redemption. But long, long before a person consciously enters into all that I have described to you as the stages of the path of initiation, they are able to express this experience through their own means, to express it in images—and this happens through music. Ultimately, in essence, true music is existence unfolding in tones, the unfolding of life in tones, which is an outward image of what the soul consciously experiences in the life of initiation.

[ 16 ] Der Mensch kann, wenn er im alltäglichen Dasein stehenbleibt, nicht ohne weiteres das vollziehen, was wir nennen können: das Ich wie wir es gestern dargestellt haben — hinuntertauchen in den astralischen Leib. Dies, was man da unternimmt, indem man mit dem Ich untertaucht in diese astralische Welt in der richtigen Weise, so daß das Untertauchen ist ein Eintauchen in die göttliche Welt, ist eben der Gang durch die Initiation. Aber ein Bild davon ist uns in dem Geschehen, das durch musikalische Schöpfungen an uns herantritt, gegeben. Der Mensch entäußert sich, indem er der musikalischen Schöpfung schaffend oder genießend sich hingibt, seines Ich. Er drängt dieses Ich zurück, aber er übergibt es zugleich all den göttlich-geistigen Mächten, die an seinem astralischen Leib arbeiten werden, wenn er aufsteigen wird zum Jupiterdasein.

[ 16 ] If a person remains stuck in everyday life, they cannot readily accomplish what we might call: the “I,” as we described it yesterday—diving down into the astral body. This process—in which one dives with the “I” into this astral world in the proper way, so that the descent becomes an immersion into the divine world—is precisely the path of initiation. But an image of this is given to us in the experience that comes to us through musical creations. By devoting himself to musical creation—whether as a creator or a listener—a person detaches himself from his “I.” He pushes this “I” back, but at the same time he surrenders it to all the divine-spiritual powers that will work on his astral body when he ascends to the Jupiter state.

[ 17 ] Bedenken Sie, wie wir jetzt eintreten in eine Betrachtung des musikalisch-künstlerischen Schaffens, das uns mit der Zukunft des Menschen in Zusammenhang bringt. Es ist fast, man möchte sagen undemütig, auszusprechen, daß das musikalisch-künstlerische Schaffen in der Tat dazu berufen ist, sich immer mehr und mehr in der Welt zu vervollkommnen, immer mehr sich in der Welt zu vertiefen, und daß das, was als musikalisch-künstlerisches Schaffen in unsere Weltenordnung schon eingetreten ist, mehr oder weniger Versuche sind trotz allem Großen, trotz allem Genialen in diesem musikalisch-künstlerischen Schaffen. Es sind Versuche zu etwas noch unendlich Bedeutungsvollerem im musikalisch-künstlerischen Schaffen der Zukunft. Und dieses musikalisch-künstlerische Schaffen der Zukunft wird Anregungen empfangen können, die bedeutsamsten Anregungen, wenn die Menschen sich darauf einlassen werden, die innere Charakternatur des Initiationspfades kennenzulernen.

[ 17 ] Consider how we are now embarking on a reflection on musical and artistic creation that connects us to the future of humanity. It is almost—one might say presumptuously—to state that musical and artistic creation is in fact called upon to perfect itself more and more in the world, to delve ever deeper into the world, and that what has already entered our world order as musical and artistic creation consists, despite all its greatness, despite all the greatness, despite all the genius in this musical and artistic creation. They are attempts toward something even more infinitely significant in the musical and artistic creation of the future. And this musical and artistic creation of the future will be able to receive inspiration—the most significant inspiration—if people are willing to embark on the journey of getting to know the inner character and nature of the path of initiation.

[ 18 ] Wenn einmal das, was mit Bezug auf den Initiationspfad geschildert werden kann, von den Menschen nicht so durchlebt wird wie heute, sondern so durchlebt werden wird, daß die Menschen bei den Schilderungen dessen, was die Seele da zu erleben hat, Beseligungen und schwere Enttäuschungen durchmachen, wenn das ein ganzes Erleben ist, was man lesend über den Initiationspfad erfahren kann, dann wird die Seele des Menschen erst so erschüttert werden können in ihrer Teilnahme an den Schicksalen all der Wesen, die im außermenschlichen Dasein teilnehmen an den Ereignissen des Kosmos, daß sie in sich Erschütterungen, Entbehrungen und Erlösungen erleben wird, die die Seele dazu drängen werden, in Tonzusammenhängen dasjenige auszusprechen, was erlebbar ist an der Schilderung des Initiationspfades. Geben wird es in Zukunft Menschen, welche die Schilderungen des Initiationspfades empfinden werden, fühlen werden, daß ein intensives Erleben bei dem, was uns da scheinbar so abstrakt entgegentritt, möglich ist, viel intensiver als es in unserem äußeren physischen Erleben der Fall ist. Dann wird ein Moment kommen für die Naturen, die in ihrer Wahrheit empfinden können die Dinge, die auf dern Initiationspfade geschildert werden, in welchem sie sich sagen werden: Jetzt fühle ich, das, was ich da erlebe, bringt mich in Zusammenhang nicht mit der Natur, in der ich darinnenstehe auf dem Erdenrund, sondern mit dem, was den Kosmos durchwebt und durchlebt. Oh, ich kann das alles nicht bloß erleben, aber ich kann es singen, ich kann es komponieren!

[ 18 ] Once what can be described in relation to the path of initiation is no longer experienced by people as it is today, but is instead experienced in such a way that, as they read the descriptions of what the soul must undergo there, they experience both ecstasy and profound disappointment—if this entire experience is what one can learn about the path of initiation through reading— then the human soul will be so deeply shaken in its participation in the destinies of all those beings who, in non-human existence, take part in the events of the cosmos that it will experience within itself upheavals, deprivations, and redemptions that will compel the soul to express, through musical contexts, what can be experienced in the description of the path of initiation. In the future, there will be people who will sense the descriptions of the path of initiation, who will feel that an intense experience is possible in what appears to us as so abstract—far more intense than is the case in our outer physical experience. Then a moment will come for those who, in their truth, can sense the things described on the path of initiation, in which they will say to themselves: Now I feel that what I am experiencing here connects me not with the nature in which I stand here on Earth, but with that which weaves through and permeates the cosmos. Oh, I can not only experience all this, but I can sing it, I can compose it!

[ 19 ] Wir haben in dem, was wir so schildern können, einen Fingerzeig für das, was die Geisteswissenschaft dem Menschen werden soll, denn die Geisteswissenschaft soll lebendig die Menschenseele anregen, soll nicht bloß Theorie sein, nicht bloß Erkenntnis, nicht bloß Wissen. Die Geisteswissenschaft soll leben in der Seele, alle Kräfte in der Seele ergreifen, soll aus dem Menschen ein anderes Wesen machen. Beziehungsweise der Mensch soll aus sich selber ein anderes Wesen machen, wenn er sich der Geisteswissenschaft hingibt.

[ 19 ] In what we can describe here, we find a hint of what Spiritual Science is meant to become for human beings, for Spiritual Science is meant to vividly inspire the human soul; it is not meant to be merely theory, merely insight, or merely knowledge. Spiritual Science is meant to live in the soul, to engage all the soul’s powers, and to transform the human being into a different being. Or rather, the human being is to transform himself into a different being when he devotes himself to Spiritual Science.

[ 20 ] In alten Zeiten, wir können sagen, noch bei den Griechen, die Sonnenmenschen waren, da war es ein atavistisches Hellfühlen, was die Menschen dazu brachte, sich zu entäußern alles astralischen Wesens und alles Ich-Wesens und nur die Gesetze in der physischen Menschengestalt zum Ausdruck zu bringen, die das Saturn- und Sonnendasein erst geschaffen haben. Dadurch entstanden die griechischen Skulpturen, jene griechischen Skulpturen, die als Kunstwerke wirklich so vor uns stehen, wie der Sonnenmensch geistig vor uns stehen muß, wenn wir ihn begreifen als nur enthaltend die physische Menschengestalt und das ätherisch Lebendige darinnen und noch nicht enthaltend das Astralische. Ja, so eine aus der griechischen Kunst heraus geschaffene Venus von Milo können wir betrachten als eine vor uns stehende Personifikation keuschesten Wesens, weil Unkeuschheit erst im astralischen Leibe möglich ist in alldem, was als Triebe und Begierden den astralischen Leib durchdringt. Unkeuschheit ist noch nicht möglich im ätherischen Leibe. Da war es Erbgut der Götter, das die Menschen mitbekommen haben, was sie veranlaßte, solche Kunstwerke zu schaffen. Verlorengegangen ist den Menschen dieses SichErfühlen bloß im ätherischen und physischen Leibe, ohne‘ Ich und ohne astralischen Leib.

[ 20 ] In ancient times—we might say, even among the Greeks, who were people of the Sun—there was an atavistic, intuitive sense that led people to divest themselves of all astral and egoic elements and to express, in the physical human form, only those laws that had first created the Saturn and Sun existences. This gave rise to Greek sculpture—those Greek sculptures that truly stand before us as works of art, just as the solar human being must stand before us spiritually when we understand him as containing only the physical human form and the etheric life within it, and not yet containing the astral. Indeed, we can regard a Venus de Milo—created from Greek art—as a personification of the most chaste nature standing before us, because impurity is possible only in the astral body, in all that permeates the astral body as instincts and desires. Immorality is not yet possible in the etheric body. It was the genetic heritage of the gods, which humans inherited, that prompted them to create such works of art. This sense of self-perception—existing solely in the etheric and physical bodies, without an “I” and without an astral body—has been lost to humanity.

[ 21 ] Wenn der Mensch aufwacht, mit seinem Ich und seinem astralischen Leibe untertaucht in den Äther- und physischen Leib, so fühlt er und erlebt er nur dasjenige, was in seinem Ich vorhanden ist. Was in seinem astralischen Leib vorgeht, ist schon im Unterbewußten, geschweige denn, was im ätherischen Leibe und im physischen Leibe vorgeht. Davon weiß der Mensch innerlich nichts. Für den Griechen aber war noch ein ahnendes Erfühlen da. Wir aber, wenn wir danach trachten, daß das geisteswissenschaftliche Erkennen in uns wiederum lebendig wird, daß es nicht nur unser abstraktes Erkennen, unser theoretisches Erkennen, sondern unser ganzes Seelenleben erfaßt, dringen dann hinunter allmählich in das, was uns konstituiert, lernen dann erkennen, was da durchrhythmisiert, durchharmonisiert, durchzyklisiert unseren astralischen und ätherischen Leib. Und dann kommen wir zu einem mit der Seele möglichen Verfolgen desjenigen, was ätherisch den Leib durchpulst, den Raum durchpulst und die Gestalten aus dem Ätherischen heraus hervorruft.

[ 21 ] When a person wakes up, with his “I” and his astral body immersed in the etheric and physical bodies, he feels and experiences only what is present in his “I.” What takes place in their astral body is already in the subconscious, let alone what takes place in the etheric and physical bodies. The human being is inwardly unaware of this. For the Greeks, however, there was still a sense of intuition. But when we strive to rekindle Spiritual Science knowledge within ourselves—so that it encompasses not only our abstract and theoretical understanding but our entire soul life—we gradually penetrate into what constitutes us, and we learn to recognize what gives rhythm, harmony, and cyclical movement to our astral and etheric bodies. And then we come to a soul-based perception of that which pulses through the body in an etheric way, pulses through space, and brings forth forms out of the etheric realm.

[ 22 ] Solches sollte versucht werden in dem Aufbau unserer Säulen, in dem Aufbau unserer Architrave im Goetheanumbau: ein Hinuntertauchen in die Sphären, in die uns die Geisteswissenschaft hinuntertauchen läßt, und die vergessen worden sind von der Menschheit. Da müssen wir aber in der Tat mit tiefstem Ernste das nehmen, was uns die Geisteswissenschaft sein kann. Wenn man — das können Sie aus dem ganzen Sinn der bisherigen Auseinandersetzungen über die Geisteswissenschaft entnehmen — bewußt in die geistige Welt eindringt, und man muß ja in die geistige Welt bewußt eindringen, wenn man also das, was in der ätherischen Welt und im ätherischen Menschenleibe lebt, begreifend gestalten und das so Gestaltete genießen will, wenn man da hinein will, dann muß man aber auch mit denjenigen Wesenheiten Bekanntschaft machen, die man als die luziferischen und ahrimanischen Geister bezeichnet.

[ 22 ] This is what we should strive for in the construction of our columns and our architraves in the renovation of the Goetheanum: a descent into the spheres into which Spiritual Science allows us to descend—spheres that have been forgotten by humanity. But we must indeed take what Spiritual Science can offer us with the deepest seriousness. If one—as you can gather from the entire thrust of our previous discussions on Spiritual Science—consciously penetrates the spiritual world, and one must indeed consciously penetrate the spiritual world—if one wishes to comprehensively shape what lives in the etheric world and in the etheric human body, and to enjoy what has thus been shaped; if one wishes to enter there—then one must also become acquainted with those beings who are designated as the Luciferic and Ahrimanic spirits.

[ 23 ] Nun denken Sie sich wiederum, wieviel in unserem heutigen Schaffen ahrimanisches Wesen ist. Erinnern Sie sich an das, was ich auseinandergesetzt habe in bezug auf das gegenwärtige technische Milieu. Und wir können doch nicht anders, als mit Hilfe der heutigen Technik schaffen. Das würde nur einer Treibhauspflanze ähnlich werden, wenn wir ohne Hilfe der modernen Technik arbeiten wollten. Und es war mir eine gewisse Befriedigung, daß wir hier unseren Bau zum Teil mit einem der modernsten Materiale bauen konnten, daß wir ihn zum Teil mit dem Betonmaterial gebaut haben, denn nicht darinnen kann der Fortschritt liegen, daß wir uns treibhausartig absondern von dem, was das übrige Leben gibt, sondern daß wir benützen, was das übrige Leben gibt. Indem wir uns geisteswissenschaftlich bemächtigen eben der Geistigkeit der Welt, versuchen wir das heutige Material so zu verwenden, daß das, was wir geisteswissenschaftlich erfassen, im heutigen Materiale darinnen lebt.

[ 23 ] Now consider, once again, how much of our creative work today is of an Ahrimanic nature. Recall what I have explained regarding the current technical environment. And yet we have no choice but to create with the aid of today’s technology. If we were to work without the aid of modern technology, the result would be akin to a greenhouse plant. And it gave me a certain satisfaction that we were able to build this structure in part with one of the most modern materials—that we built it in part with concrete—for progress does not lie in isolating ourselves, greenhouse-like, from what the rest of life provides, but rather in making use of what the rest of life provides. By appropriating the spirituality of the world through Spiritual Science, we strive to use today’s materials in such a way that what we grasp through Spiritual Science lives within them.

[ 24 ] Das kann natürlich nur bis zu einem gewissen Grade geschehen. Das werden Sie einsehen, wenn Sie den ganzen Sinn dessen sich vor Augen führen, was wir über das technische Milieu gesagt haben. Denn es ist nicht zu trennen Technisches und Ahrimanisches, wenn wir zum Beispiel architektonisch oder durch die Skulptur etwas schaffen wollen für uns. Daher war es eine schwierige Aufgabe, dasjenige, was notwendigerweise ahrimanisch sein mußte an unserem Bau, aus diesem Bau gleichsam als etwas unschädlich Gemachtes auszuschalten. Es war eine schwierige Aufgabe, denn wir wissen, das Ahrimanische muß mit dem heutigen technischen Schaffen verbunden sein. Und es war eine Zeitlang so, als ob Ahriman sehr gut die Oberhand über uns hätte gewinnen können. Dann wären wir genötigt gewesen, all das, was auch zum Betrieb, zum technischen Betriebe von einer gewissen Seite her, gehört, in unseren Bau selber hineinzunehmen, und so hätten wir Ahriman im Bau darinnen sitzen gehabt. Es mußte daran gedacht werden, die ahrimanischen Kräfte aus dem Bau herauszubringen, und das konnte nur geschehen, wenn wir unser Heizhaus aus dem Bau herausnahmen, es absonderten von dem Bau. Das ist, wie Sie jetzt sehen können, geschehen, und es ist gelungen, was nur gelingen kann, wenn es möglich ist, daß so verständnisvoll auf die Intentionen eingegangen werden kann, wie es durch unseren lieben Herrn Englert geschehen ist. Es ist möglich gewesen, in dem modernsten Materiale Formen zu bilden, die wirklich zum Ausdrucke bringen: Hier in der Nähe des Baues, aber außerhalb des Baues, steht das, was nicht darinnen sein darf, was aber außerhalb sein muß, und es steht so da, daß das, worin es erzeugt worden ist, ein wirklich den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen angepaßter architektonischerBau ist.

[ 24 ] Of course, this can only happen to a certain extent. You will understand this when you consider the full meaning of what we have said about the technical realm. For the technical and the Ahrimanic cannot be separated when, for example, we wish to create something for ourselves through architecture or sculpture. Therefore, it was a difficult task to eliminate from our building—as it were, by rendering it harmless—that which necessarily had to be Ahrimanic. It was a difficult task, for we know that the Ahrimanic must be connected to today’s technical work. And for a time, it seemed as though Ahriman might very well have gained the upper hand over us. Then we would have been forced to incorporate into our building itself everything that, from a certain perspective, belongs to its operation—to its technical functioning—and thus we would have had Ahriman sitting right there inside the building. We had to consider how to remove the Ahrimanic forces from the building, and that could only happen if we removed our boiler house from the building, separating it from the building. As you can now see, that is what happened, and it was a success—a success that is only possible when one’s intentions are met with such understanding as was shown by our dear Mr. Englert. It has been possible to create forms using the most modern materials that truly express the following: Here, near the building but outside of it, stands that which must not be inside but must be outside, and it stands in such a way that the structure in which it was created is an architectural building truly adapted to the insights of Spiritual Science.

[ 25 ] Von einer ungeheuren Bedeutung war es, daß dieses zustande gebracht werden konnte gerade in dem neuesten Material. Denn sehen Sie, wenn Sie etwas tiefer hineinschauen in unsere geisteswissenschaftlichen Schriften, namentlich in das letzte Kapitel der «Pforte der Einweihung», dann werden Sie verspüren, wie es dort zum Ausdrucke kommt, daß Luzifer und Ahriman am schädlichsten dann sind, wenn man sie nicht sieht, wenn sie unsichtbar bleiben. Nehmen wir einmal an, jemand würde von ahrimanischen Kräften gequält. Was wäre da das Beste dagegen? Das Beste dagegen wäre, wenn er sich ein irgendwie geartetes Bild von Ahriman formen ließe und es sich ins Zimmer stellte. Gegen dasjenige, wodurch man astralisch gequält wird, ist das beste Mittel, daß man es physisch vor sich hinstellt. Das ist eine falsche Auffassung, wenn man glaubt, daß, wenn man Ahriman vor sich hat, man auch von Ahriman verfolgt werde. Das Gegenteil ist der Fall. Sichtbar machen muß man die Dinge. Man darf aber dabei nicht nervös werden, man darf nicht so werden, daß, wenn man an der Ahrimanfigur vorbeigeht und unbewußt darauf schaut, man ein Nachbild in sich trägt. Denn das hat man dann unsichtbar in sich, so daß man nervös oder aufgeregt wird.

[ 25 ] It was of immense significance that this could be achieved precisely in the most recent material. For you see, if you look a little more deeply into our writings of Spiritual Science—particularly the last chapter of *The Gate of Initiation*—you will sense how it is expressed there that Lucifer and Ahriman are most harmful when they are not seen, when they remain invisible. Let’s suppose, for example, that someone were being tormented by Ahrimanic forces. What would be the best remedy for that? The best remedy would be for that person to have some kind of image of Ahriman made and place it in their room. The best remedy against whatever is tormenting you on the astral plane is to place it physically before you. It is a misconception to believe that having Ahriman before you means you will also be persecuted by him. The opposite is true. One must make these things visible. However, one must not become nervous in the process; one must not reach a state where, upon passing by the figure of Ahriman and unconsciously glancing at it, one carries an afterimage within oneself. For then one carries it invisibly within, causing one to become nervous or agitated.

[ 26 ] Gleichzeitig werden Sie sehen, wenn Sie unseren Ahrimanschornstein mit dem ganzen Heizhaus studieren, wie sehr wohl architektonisch aufgebaut werden kann, was, man möchte sagen, der allergröbsten Ahrimankultur unserer Zeit angehört. Nicht früher werden gewisse Schäden dieser Kultur weichen, als bis sich die Menschheit entschließen wird, dasjenige architektonisch zu gestalten, was unsere Ahrimankultur angeht. Neben allem übrigen, neben dem, daß wir einen Bau haben für unsere Sache, ist es wichtig, daß einmal ein Anfang gemacht wird mit der Beziehung der modernen Kultur zum Künstlerischen, mit der Beziehung der Geisteswissenschaft zur modernen Kultur. Ein leiser Anfang ist mit diesem Heizhause gemacht, der der Anfang sein soll dazu, daß man einmal auch andere Probleme löst. Ein ungeheures Problem wäre auch das, einmal den modernen Bahnhof zu finden, denn jene Scheußtümer, jene Scheußlichkeiten, welche als Bahnhöfe heute existieren, sind durchaus ein Widerspruch gegen alles Menschentum. Ebenso wie unser Heizhaus in seiner ganzen Form nicht nur angepaßt ist dem, was in ihm geschieht, sondern dem ganzen Verhältnisse, in dem Ahriman zu unserem Bau steht, so muß der Bahnhof angepaßt sein dem, was durch ihn und mit ihm und in ihm innerhalb unserer modernen Kultur geschieht.

[ 26 ] At the same time, if you study our Ahriman chimney along with the entire boiler house, you will see just how well something that belongs, one might say, to the crudest Ahriman culture of our time can be architecturally constructed. Certain ills of this culture will not give way until humanity resolves to give architectural form to that which pertains to our Ahriman culture. In addition to everything else—besides the fact that we have a building for our cause—it is important that a start be made on the relationship between modern culture and the artistic, and on the relationship between Spiritual Science and modern culture. A modest beginning has been made with this boiler house, which is intended to be the starting point for eventually solving other problems as well. Another immense problem would be to design a modern train station, for those monstrosities, those abominations that exist as train stations today, are a complete contradiction to all that is human. Just as our boiler house, in its entire form, is adapted not only to what takes place within it but also to the entire relationship in which Ahriman stands to our building, so too must the train station be adapted to what takes place through it, with it, and within it within our modern culture.

[ 27 ] Das sind durchaus Dinge, die hinweisen sollen auf jene Befruchtung, welche ausgehen kann von der Geisteswissenschaft auch für das künstlerische Schaffen. Und überzeugt kann man sich halten, wenn man in den wirklichen Sinn und Geist desjenigen, was uns aus der Geisteswissenschaft folgen soll, eingeht, daß, wenn die Menschen sich einmal vertiefen werden in die Natur des Saturnischen, ihnen die tieferen Gesetze der Architektonik entgegentreten werden. Wenn die Menschen sich versenken in die Natur des Sonnenhaften, so werden ihnen entgegentreten tiefere Gesetze der Skulptur; wenn sie sich vertiefen in das Mondhafte, so werden ihnen erst aufgehen die tieferen Zusammenhänge von Form und Farbe und das Wesen vom HellDunkel, und so werden sie die Inspirationen bekommen für das malerische Schaffen.

[ 27 ] These are indeed things that are meant to point to the inspiration that Spiritual Science can provide for artistic creation as well. And one can remain convinced—if one delves into the true meaning and spirit of what Spiritual Science is meant to impart to us—that once people immerse themselves in the nature of the Saturn-like, the deeper laws of architecture will reveal themselves to them. When people immerse themselves in the nature of the Solar, they will encounter deeper laws of sculpture; when they delve into the nature of the Lunar, the deeper connections between form and color and the essence of light and dark will first dawn on them, and thus they will receive the inspiration for their work as painters.

[ 28 ] Von der Schilderung des Initiationsweges aber werden ausgehen die Inspirationen und Intuitionen für das musikalische und im weiteren Sinne auch für das dichterische Schaffen. Dann wird auch die Zeit einmal kommen, wo wiederum dichterisches Schaffen da sein wird in der Welt im echten Sinne des Wortes. Das dichterische Schaffen hat ja bis zu einem gewissen Grade ausgeklungen. Die göttlichen Träume, die bei den echten Dichtern verkörpert sind, gehörten noch den letzten Resten der alten Göttererbschaft an. Aber eine Zeit muß kommen, wo aus der Einsicht in die Geheimnisse der Initiation heraus die Menschen im Drama oder in der Epik oder in der Lyrik sprechen werden von solchen innersten Seelenvorgängen, die der Mensch erlebt, wenn er nicht mit sich allein lebt, sondern wenn er mit den Göttern der höheren Hierarchien zusammen lebt. Von dem Versgeklingel, das uns immer wieder und wieder nachklingelt das, was die Menschen im physischen Leben erleben, wird man in nicht allzu ferner Zeit sagen: die Menschen sollen einen in Frieden damit lassen. Was sie da vom Morgen bis zum Abend herumlieben, herumhassen, herumfreuen, das ist ihre eigene Sache. Was sie mit den Göttern zusammen erleben, wenn sie den Weg heraus finden aus dem irdischen Erleben, davon werden sie uns erzählen in ihrem musikalischen Schaffen, davon werden sie uns erzählen, wenn sie Dramen, Epik oder Lyrik schaffen. Denn wir wissen: all dasjenige, was der Mensch miterleben kann mit dem außerirdischen Dasein, muß hereingeholt werden durch wirkliches, auch vom Alltagsleben sich ablenkendes Schaffen.

[ 28 ] But it is from the description of the path of initiation that the inspirations and intuitions for musical creation—and, in a broader sense, for poetic creation as well—will spring. Then the time will come when poetic creation will once again exist in the world in the true sense of the word. Poetic creation has, after all, faded to a certain extent. The divine dreams embodied in true poets still belonged to the last remnants of the ancient divine heritage. But a time must come when, out of an insight into the mysteries of initiation, people will speak—in drama, epic poetry, or lyric poetry—of those innermost soul processes that a person experiences not when living alone with oneself, but when living together with the gods of the higher hierarchies. Of the clanging of verse that echoes to us again and again—that which people experience in physical life—people will say in the not-too-distant future: let people be left in peace with that. What they love, hate, and rejoice in from morning till night is their own business. What they experience together with the gods when they find their way out of earthly existence—they will tell us about this in their musical works; they will tell us about this when they create dramas, epics, or poetry. For we know: everything that a human being can experience in connection with extraterrestrial existence must be brought into the world through genuine creative work that also serves as a distraction from everyday life.

[ 29 ] So sehen wir, was an Umwandlungsimpulsen auch für das künstletische Auffassen im geisteswissenschaftlichen Erkennen liegt. So sehen wir, wie wir ahnen können, wenn wir uns einlassen auf dieses geisteswissenschaftliche Erkennen, die Kräfte, von denen die Geisteskultur der Menschheitszukunft beherrscht sein muß. In der Tat, wir dürfen es glauben, daß niemand, ohne daß sein eigenes Wesen tief innerlich umgewandelt wird, an die Geisteswissenschaft wirklich herankommt. Wir dürfen glauben, daß die Geisteswissenschaft etwas ist, was den Menschen tief innerlich erfassen kann, was hinausführt über die engen Zusammenhänge des nur physischen Lebens. Wenn man ein solches Ideal der Geisteswissenschaft im Sinne hat, gewissermaßen etwas im Sinne hat, was, indem die Geisteswissenschaft betrieben wird, schon in eine andere Sphäre führt als die Sphäre des gewöhnlichen Erlebens, dann bedeutet es jedesmal etwas Ungeheures, wenn bei irgend jemandem gesehen werden kann, der innerhalb dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung steht, daß er wirklich den Funken in sich entzündet, der ihn hinausführt über das gewöhnliche, eng persönliche Erleben. Das ist das einzige, was wir heute gewissermaßen schon wie beseligend durch die geisteswissenschaftliche Strömung erleben können, daß durch diese geisteswissenschaftliche Strömung Menschen unter uns auftauchen können, welche wirklich den Weg finden hinaus aus ihrer Persönlichkeit in diejenigen Sphären, wo nicht mehr das Persönliche vorhanden ist.

[ 29 ] Thus we see what transformative impulses also underlie artistic perception within Spiritual Science knowledge. Thus we see—as we can intuit when we open ourselves to this Spiritual Science knowledge—the forces that must govern the spiritual culture of humanity’s future. Indeed, we may believe that no one can truly approach Spiritual Science without a profound inner transformation of their own being. We may believe that Spiritual Science is something that can grasp the human being deeply within, something that leads beyond the narrow confines of purely physical life. If one has such an ideal of Spiritual Science in mind—in a sense, something that, through the practice of Spiritual Science, already leads into a sphere other than that of ordinary experience—then it is always something immense whenever we can see in someone who is part of this movement of Spiritual Science that they have truly kindled within themselves the spark that leads them beyond ordinary, narrowly personal experience. That is the only thing we can already experience today, in a sense, as a source of bliss through the Spiritual Science movement: that through this Spiritual Science movement, people among us can emerge who truly find the path out of their personality into those spheres where the personal no longer exists.

[ 30 ] Im Alltäglichen müssen wir das Persönliche pflegen, aber insofern wir als Geisteswissenschafter beisammen sind, verwandelt sich alles persönliche Wollen und Fühlen, wenn wir die Geisteswissenschaft richtig ergreifen, in etwas Unpersönliches, und jeder Sieg über das persönliche Fühlen, über die persönliche Schwere des Lebens ist von unendlicher Bedeutung, von unendlichem Wert. Aber es ist zugleich das, was zu den bittersten Enttäuschungen gehört, wenn dasjenige, was im Verlaufe der geisteswissenschaftlichen Bestrebungen rein geistig gewollt wird, wiederum hereinrückt in das persönlich-menschliche Wollen und in die persönlich-menschlichen Absichten, wenn das Persönliche anfängt, eine Rolle zu spielen innerhalb jener Gesellschaft, welche uns im Streben nach der Geisteswissenschaft umschließen soll.

[ 30 ] In everyday life, we must nurture what is personal, but insofar as we are gathered together as spiritual scientists, all personal will and feeling—when we grasp Spiritual Science correctly—is transformed into something impersonal, and every victory over personal feeling, over the personal heaviness of life, is of infinite significance, of infinite value. But at the same time, it is one of the most bitter disappointments when what is purely spiritually willed in the course of Spiritual Science endeavors creeps back into personal, human will and personal, human intentions—when the personal begins to play a role within that community which is meant to surround us in our pursuit of Spiritual Science.

[ 31 ] Ich möchte nicht die paar Sätze, welche ich am Schlusse gesprochen habe, genauer ausführen, ihre Bedeutung genauer umschreiben, weil ich glaube, daß so mancher unter Ihnen sein wird, der vielleicht vieles in diesen Sätzen verstehen wird, der verstehen wird, daß in diesen Sätzen manches angedeutet werden sollte von dem, was an Befriedigendem und an Enttäuschendem vorhanden ist. Heute, nachdem wir eine Weile versucht haben, einen geisteswissenschaftlichen Weg miteinander zu machen, ist es gut, darüber einmal nachzudenken, das sich einmal vorzuhalten, denn es gibt mancherlei Veranlassungen, solches sich vorzuhalten, inwiefern man mit der eigenen Seele Anteil nimmt an dem aufrichtigen, ehrlichen Hinaufstreben zu den geistigen Interessen, die gerade durch die geisteswissenschaftliche Strömung gepflegt werden. Denn wie großartig ist die Perspektive, wenn wir uns sagen: Das Leben, die Wissenschaft, die Religion und auch die Kunst, sie können Umwandlungsimpulse erleben von der wahrhaft verstandenen Geisteswissenschaft. Alle bildenden Künste von dem, was wir im Geistigen erkennen über die Vergangenheit, alle musikalischen, redenden Künste von dem, was wir erstreben in uns, um einmal einer Zukunft entgegengehen zu können. Diese Perspektive ist so groß und so gewaltig, daß wir gar nicht genug empfinden und erfühlen können, um sie uns intensiver klarzumachen. Und je mehr wir das können, die Stimmung, die aus uns heraus kommt, uns klarzumachen, desto besser stehen wir als wirkliche Glieder in dem großen — heute noch kleinen, aber zu Großem veranlagten - Organismus darinnen, den wir als die Geisteswissenschaft kennen. Das möchte ich heute nicht nur in Ihren Verstand und in Ihre Vernunft senden, sondern das möchte ich in Ihr Gemüt und in Ihr Herz legen.

[ 31 ] I do not wish to elaborate further on the few sentences I spoke at the end, nor to describe their meaning in greater detail, because I believe that there will be many among you who may understand much in these sentences—who will understand that these sentences were meant to hint at some of what is satisfying and what is disappointing. Today, after we have spent some time trying to walk the path of Spiritual Science together, it is good to reflect on this, to take it to heart, for there are many reasons to do so—to consider the extent to which one’s own soul participates in the sincere, honest striving toward the spiritual interests that are cultivated precisely by the Spiritual Science movement. For how magnificent is the perspective when we say to ourselves: Life, science, religion, and even art can experience transformative impulses from Spiritual Science that is truly understood. All the visual arts are shaped by what we recognize in the spiritual realm about the past; all the musical and spoken arts are shaped by what we strive for within ourselves so that we may one day move toward the future. This perspective is so vast and so powerful that we cannot possibly feel or sense it deeply enough to make it more vividly clear to ourselves. And the more we are able to make clear to ourselves the mood that arises within us, the better we stand as true members within the great—today still small, but destined for greatness—organism that we know as Spiritual Science. Today I would like to convey this not only to your intellect and reason, but I would like to place it in your soul and in your heart.