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The Rudolf Steiner Archive

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The Art of Education
Methodology and Didactics
GA 294

30 August 1919, Stuttgart

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Neunter Vortrag

9. On the Teaching of Languages

[ 1 ] Wir bekommen in die Waldorfschule Schüler der verschiedensten Klassenstufen herein. Wir müssen uns namentlich, indem wir den Unterricht in den verschiedenen Klassen beginnen werden, danach richten, daß wir Schüler der verschiedensten Klassenstufen bekommen, und wir werden dabei auch noch etwas anderes ins Auge zu fassen haben.

[ 1 ] In the Waldorf School we get children coming in at widely different ages.

[ 2 ] Wir können nicht gleich - es ist schade, daß wir es nicht können die nötige Universität mit allen Fakultäten für die Waldorfschule einrichten. So sind wir auch darauf angewiesen, daß die Schüler, wenn wir sie aus der Waldorfschule entlassen, in andere Unterrichtsanstalten aufgenommen werden, die sie dann durchlaufen müssen, um ins Leben einzutreten. Wir müssen also unsere Waldorfschüler dahin bringen, daß sie beim Abgang die Lehrziele erreicht haben, die von ihnen gefordert werden, wenn sie dann draußen im Leben eine ihrem Alter entsprechende Bildungsanstalt betreten werden. Wir werden mit der Waldorfschule ein entsprechendes Ziel und eine entsprechende Aufgabe lösen, wenn wir, trotzdem wir nach diesen beiden Richtungen hin zunächst eingeengt sind, etwas von dem verwirklichen können, was unseren aus der gegenwärtigen Kulturepoche der Menschheitsentwickelung hergenommenen Erziehungsprinzipien entspricht. Das werden wir aber nur erreichen können, wenn wir eine goldene Regel anwenden werden gerade bei den älteren Kindern, die wir bekommen werden und die wir bald an die andern Anstalten des Lebens entlassen werden müssen: ökonomisch zu unterrichten.

[ 2 ] Besides this, we cannot immediately have—it is a pity—a university as well. So we bring our Waldorf pupils up to the required standards of other schools. And yet in spite of restrictions we can perform our task at the Waldorf School when we work according to those principles which the present evolution of man demands. We shall be able to do this if we apply a golden rule particularly to the older children whom we shall soon have to send on to the other institutions of life: this rule is, teach economically.

[ 3 ] Ökonomisch werden wir dadurch unterrichten, daß wir vor allen Dingen gerade bei den dreizehn-, vierzehn-, fünfzehnjährigen Kindern sorgfältig alles ausscheiden, was eigentlich nur eine Belastung der menschlichen Seelenentwickelung in diesen Jahren ist und keine Früchte für das Leben tragen kann. Wir werden zum Beispiel in unseren Unterricht wenigstens Latein aufnehmen müssen, vielleicht auch, wenn es sich als notwendig herausstellen sollte, Griechisch. Überhaupt werden wir uns mit dem Sprachunterricht auseinanderzusetzen haben, und dies wird etwas wirklich Bedeutungsvolles in unserer Didaktik sein. Nehmen Sie einmal die Tatsache; Sie bekommen Schüler, die französischen, lateinischen Unterricht bis zu einer gewissen Stufe erhalten haben. Dieser Unterricht ist natürlich in einer gewissen Weise erteilt worden. Sie müssen nun zunächst die erste Stunde, vielleicht sogar die erste Woche, dazu verwenden, sich gut zu informieren, was Ihre Kinder bereits können. Sie werden wiederholentlich dasjenige pflegen müssen, was die Kinder schon getrieben haben. Aber Sie werden es ökonomisch pflegen müssen, damit Ihre Schüler und Schülerinnen, je nach ihrer Befähigung, schon von diesem Wiederholen etwas haben.

[ 3 ] We shall teach economically if, above all, particularly with those children of thirteen, fourteen, and fifteen years, we carefully exclude everything which is really only a burden to the development of the human soul and cannot bear fruit for life. We shall have to make room in our time-table, for instance, for Latin; perhaps, too, if it proves necessary, Greek. From the first we shall have to come to a clear understanding about language teaching, for this is of real importance for our method. Take for a moment this position: you get pupils who have learnt French or Latin up to a certain stage. The teaching they have received has naturally been given on certain lines. Now you will have to use the first lesson, perhaps even the first week, for finding out what your children can already do. You will have to repeat what they have already done. But you will have to do this economically, so that your boys and girls, each according to his or her capacity, receive some benefit from this repetition.

[ 4 ] Nun werden Sie schon sehr viel erreichen, wenn Sie bedenken, daß für allen sogenannten fremdsprachlichen Unterricht das Aufhaltendste das Übersetzen aus der fremden Sprache ist und das Übersetzen aus der eigenen Sprache in diese fremde. Es liegt ungeheuer viel Zeitverschwendung darin, daß zum Beispiel mit den Gymnasiasten so viel aus dem Lateinischen ins Deutsche und aus dem Deutschen wieder zurück ins Lateinische übersetzt wird. Es sollte viel mehr gelesen werden, und es sollten viel mehr die eigenen Gedanken in der fremden Sprache zum Ausdruck gebracht werden, als daß übersetzt und zurückübersetzt wird. Wie werden Sie dann im Sinne dieser Regel mit Ihren Zöglingen in einer fremden, zum Beispiel der französischen Sprache beginnen?

[ 4 ] You will achieve a great deal by simply remembering that for all so-called foreign language teaching the greatest waste of time lies in translation from the foreign language and translation into it from the native language. A colossal amount of time is wasted with secondary school children, for instance, in translating so much from Latin into German (in this case the native tongue) and German back again into Latin. Much more reading should be done, and there should be far more expressing of the children's thoughts in the foreign language than translation and retranslation. How, on these lines, will you set about teaching your pupils a foreign language—French, for example?

[ 5 ] Sie werden zuerst - sehen wir auf die ältesten Schüler, die dabei in Betracht kommen, auf die dreizehn-, vierzehnjährigen - sorgfältig auszuwählen haben, was Sie in der entsprechenden Sprache mit den Schülern lesen wollen. Lesestücke werden Sie auswählen und werden darangehen, die Schüler aufzurufen, daß sie Ihnen diese Lesestücke vorlesen. Sie werden Zeit und Kraft bei den Schülern ersparen, wenn Sie jetzt die Lesestücke dieser fremden Sprachen zunächst nicht ins Deutsche übersetzen lassen, sondern wenn Sie fürs erste darauf sehen, daß das Kind ordentlich liest und Sie womöglich durch Vorlesen erreichen, daß es ein französisches oder lateinisches Lesestück ordentlich liest, der Aussprache gemäß und so weiter. Dann tun Sie gut, wenn Sie mit solchen Schülern, bei denen Sie die Wiederholung und den weiterausblickenden Unterricht ineinander verweben wollen, nicht Übersetzungen vornehmen, sondern sich frei erzählen lassen, was in den Lesestücken enthalten ist. Lassen Sie einfach das Kind mit seinen eigenen Worten erzählen, was in den Lesestücken enthalten ist, geben Sie sorgfältig darauf acht, ob es in der Wiedererzählung etwas ausläßt und versuchen Sie dadurch zu erkennen, ob es etwas nicht verstanden hat. Es ist natürlich für Sie bequemer, wenn Sie einfach übersetzen lassen, denn da sehen Sie, wo das Kind hält und nicht weiter kann; unbequemer ist es für Sie, nicht bloß zu sehen, wo es nicht weiter kann, sondern wo es etwas ausläßt, aber Sie bekommen auch dadurch heraus, wo es etwas nicht verstanden hat, wo es eine Wendung in der eigenen Sprache nicht wiedergegeben hat. Es werden natürlich Kinder da sein, welche die Sache recht gut wiedergeben werden, das schadet nichts. Andere werden da sein, die sie mehr mit eigenen Worten anders wiedergeben werden, das schadet auch nichts. Aber sprechen wir es so zunächst mit den Kindern durch.

[ 5 ] First of all, let us take the oldest children who are to be considered, from thirteen to fourteen years old. You will have to select carefully what you intend to read in the language in question with your children. You will select reading passages, and begin by calling on the children to read these passages aloud to you. You will save the time and energy of the children if you do not at first have the passages translated into their native language, but if you pay attention for the moment to pleasant reading by the child and to achieve, where possible, by reading aloud, a pleasant delivery of the French or Latin reading passage, with accurate pronunciation, etc. Then it is a good plan with children for whom you wish to combine revision of former work and your later teaching, to avoid translation, and to have free oral reproduction of the contents of the reading passages. Simply let the child tell in his own words the story of the passage; pay careful attention to any omission in the retelling, and try from this to find out whether there was something which he did not understand. It is more convenient for you, of course, if you simply let the child translate; then you see where he stops, and cannot go on; it is less convenient for you, not only to see where he cannot go on, but where he leaves something out; in this way you find out where he did not understand something, where he has not reproduced a phrase in his own words. There will be children there, of course, who can reproduce the passage very well; that does no harm. But first go through it with the children.

[ 6 ] Dann gehen wir daran, das Umgekehrte zu machen. Besprechen wir in der eigenen Sprache irgendeinen Stoff, irgend etwas, was dem Kinde möglich ist, mit uns durchzudenken, mit uns durchzufühlen. Und dann versuchen wir, daß das Kind frei — je nachdem es schon die Sprache beherrscht — in der fremden Sprache uns wiedererzählt, was wir so durchgesprochen haben. Auf diese Weise werden wir herausbekommen, wieweit das Kind, das wir so aus irgendeiner Klasse bekommen haben, diese fremde Sprache beherrscht.

[ 6 ] Then we proceed to do the opposite. Let us discuss in our own language some subject or other, anything which the child can think over and feel with us. And then let him try, in terms of his mastery of the language at this stage, freely to recount in the foreign language what we have discussed. In this way we shall find out how far the child who has come to us from some other class has mastered the foreign language.

[ 7 ] Nun geht es nicht, schulmäßig eine fremde Sprache zu treiben, ohne daß man Sprachlehre -— sowohl gewöhnliche Sprachlehre wie Satzlehre - wirklich treibt. Insbesondere ist es bei den Kindern, die schon das 12. Jahr überschritten haben, notwendig, daß man ihnen zum Bewußtsein bringt, was in der Sprachlehre liegt. Aber auch da kann man außerordentlich ökonomisch verfahren. Und wenn ich Ihnen in der «Allgemeinen Pädagogik» gesagt habe, daß man im gewöhnlichen Leben schließt, daß man dann übergehe zum Urteil und Begriff, so können Sie dem Kinde natürlich diesen logischen Unterricht nicht geben, aber in Ihrem Sprachlehrunterrichtwird das drinnenliegen. Sie werden gut tun, die Dinge der Welt mit dem Kinde so zu besprechen, daß Sie gerade auch mit Zuhilfenahme des fremdsprachlichen Unterrichtes den grammatikalischen Unterricht wie von selbst herausbekommen. Es handelt sich nur darum, daß man eine solche Sache in der richtigen Weise formt. Gehen Sie davon aus, so etwas mit dem Kinde zu bilden, was eigentlich schon ein fertiger Satz ist und nur ein Satz ist. Weisen Sie es - wenn es gerade in diesem Augenblick wäre, könnten Sie es ja gut tun — darauf hin, was da draußen vorgeht. Sie könnten ganz gut den fremdsprachlichen Unterricht damit verbinden, daß Sie das Kind zum Beispiel ausdrücken lassen sowohl lateinisch, wie französisch, wie deutsch: Es regnet. — Gehen Sie davon aus, daß Sie dem Kinde die Redewendung abfordern: Es regnet -, und machen Sie es dann darauf aufmerksam Sie haben es ja immer schon mit älteren Kindern zu tun -, daß dies ja eine bloße Tätigkeit ist, die es ausdrückt, wenn es sagt: Es regnet. — Gehen Sie dann über von diesem Satz zu dem andern - und Sie können nun, wenn Sie wollen, mit dem Kinde auch die fremde Sprache pflegen, denn gerade indem Sie das in den fremdsprachlichen Unterricht hineinarbeiten, was wir jetzt tun, sparen Sie ungeheuer viel Zeit und Kraft -, den Sie dadurch herausbekommen, daß Sie sagen: Jetzt denke dir einmal nicht draußen den ganzen Raum, wo es regnet, sondern denke dir einmal die Wiese im Frühling. — Bringen Sie das Kind dazu, daß es Ihnen von der Wiese sagt: Es grünt —, und dann gehen Sie erst dazu über, daß das Kind den Satz: Es grünt — sich übersetzt in den Satz: Die Wiese grünt. — Dann führen Sie es dazu, daß es diesen Satz: Die Wiese grünt —, wieder verwandelt in die Vorstellung, in den Begriff: Die grüne Wiese.

[ 7 ] You cannot study a foreign language in school without really practising grammar—ordinary grammar as well as syntax. It is especially necessary that children after the age of twelve are made fully conscious of the value of grammar. But here, too, you can proceed with extreme economy. And if, in the Allgemeine Menschenkunde (Lecture 9) I told you that you form conclusions in everyday life and then pass on to “judgement” and “concept,” you cannot of course give the child this logical teaching, but it will underlie your teaching of grammar. You will be wise to talk over the things of the world with the child in such a way as to evolve grammar as though of itself from the very use of the foreign language. The only question is the right approach to this process. Start by forming with the child something which is a complete sentence and is no more than a sentence. Draw his attention to what is going on outside. You can quite well combine your teaching of the foreign language with the child's statement; for instance, in Latin and French as well as in his own language “It is raining.” Start by eliciting from the child the statement “it is raining” and then draw his attention (you are here, of course, always concerned with older children) to the fact that when he says “it is raining” he is simply stating a mere activity. Then go from this sentence to another by saying: “Now just think for a moment of what happens, not in the whole of space where it is raining, but think of the meadow-grass in spring.” Get the child to say of the meadow-grass (“es grünt,” it greeneth) that it is growing green. And only then go on to let the child change the sentence “it greeneth” into the sentence “the grass is growing green.” Lead him on to transform this sentence “the grass is growing green” into the idea, into the concept “the green grass.”

[ 8 ] Wenn Sie diese Gedanken, die ich Ihnen eben jetzt vorgeführt habe, nacheinander anregen im Sprachunterricht, dann unterrichten Sie das Kind zunächst nicht pedantisch in Satzlehre und Logik, sondern Sie lenken die ganze Seelenverfassung des Kindes in eine solche Richtung, daß Sie ihm ökonomisch beibringen, was es schon in der Seele haben soll. Sie führen dem Kinde die «es»-Sätze vor, die eigentlich nur im tätigen Weben leben, die Sätze für sich sind, worin es kein Subjekt und kein Prädikat gibt, die im lebendigen «Schluß-Leben» drinnenstehen, die verkürzte Schlüsse sind. Sie gehen dann bei etwas, wo es noch geht, dazu über, ein Subjekt zu suchen: Die Wiese grünt — die Wiese, die grün ist. Da gehen Sie dazu über, einen Urteilssatz zu bilden. Sie werden einsehen, daß es Ihnen schwer gelingen würde, für das: Es regnet — einen ähnlichen Urteilssatz zu bilden, wie: Die Wiese grünt. —- Denn wo sollten Sie das Subjekt hernehmen für das: Es regnet? — Es gibt keine Möglichkeit dafür. Da kommt man wirklich durch das Üben mit den Kindern in Sprachgebiete hinein, über welche die Philosophen ungeheuer viel geschrieben haben. Der slawische Gelehrte Miklosiö zum Beispiel hat angefangen, über subjektlose Sätze zu schreiben. Dann hat sich Franz Brentano damit befaßt, dann namentlich Marty in Prag. Die haben alle die Regeln aufgesucht, die mit subjektlosen Sätzen zusammenhängen, wie: es regnet, es schneit, es blitzt, es donnert und so weiter, denn sie konnten aus ihrer Logik heraus nicht verstehen, woher subjektlose Sätze kommen.

[ 8 ] If you excite these thoughts, as suggested, one after the other in the language lesson, you do not begin by teaching the child pedantic syntax and logic, but you direct the entire disposition of his soul into a channel by which you convey to him economically what his soul should possess. You introduce the child to impersonal sentences. They contain more activity without subject or predicate, they are shortened conclusions. Then you touch on something for which it is possible to find a subject: “The meadow greeneth,—the meadow which is green.” Then you go on to form a sentence expressing opinion. You will find it difficult to form a sentence similar to “the meadow greeneth” in regard to “it rains,” for you cannot get the subject. It is impossible to find one. This practice with the children really takes you into provinces of language about which philosophers have written an enormous amount. The Slav scholar, MiklosiÄ, for example, was the first to write about subject-less and impersonal sentences. Then Franz Brentano occupied himself with them; then Marti in Prague. They hunted up all the rules concerning subject-less or impersonal sentences like “it is raining,” “it is snowing,” “it is lightning,” “it is thundering,” etc., for their logic could give no clue for their origin.

[ 9 ] Subjektlose Sätze kommen nämlich davon her, daß wir in bezug auf gewisse Dinge sehr eng mit der Welt verknüpft sind, daß wir als Mikrokosmos im Makrokosmos drinnenstehen und unsere eigene Tätigkeit nicht sondern von der Tätigkeit der Welt. Wenn es zum Beispiel regnet, sind wir auch — besonders wenn wir keinen Regenschirm haben - sehr eng mit der Welt verbunden, können uns nicht recht von ihr absondern, wir werden gerade so nafß, wie die Steine und Häuser um uns herum. Daher sondern wir uns in solchem Falle wenig von der Welt, erfinden da kein Subjekt, sondern bezeichnen nur die Tätigkeit. Wo wir uns mehr von der Welt sondern können, wo wir schon leichter weglaufen können wie bei der Wiese, da machen wir dann ein Subjekt: Die Wiese grünt.

[ 9 ] Subject-less sentences, as a matter of fact, arise from our profoundly intimate relation with the world in some respects, from our place as microcosms in the macrocosm, and the still unsevered state of our own activity from the world's activity. When it is raining, for instance, we, too—especially if we have no umbrella—are very intimately bound up with the world; we cannot isolate ourselves properly from it; we get just as wet as the stones and houses round about us. For this reason we isolate ourselves only slightly from the world, we cannot find a subject, we describe the activity alone. Where we can detach ourselves more from the world, where we can more easily escape from it, as from the meadow grass, we make a subject: “The meadow grows green.”

[ 10 ] Daraus sehen Sie, daß man immer darauf Rücksicht nehmen kann, in der Art, wie man zu den Kindern spricht, wie der Mensch in einem Wechselverhältnis zu seiner Umgebung steht. Und indem man - besonders in den Stunden, die dem fremdsprachlichen Unterricht gewidmet sind — solche Dinge an das Kind heranbringt, in denen sich die Grammatik mit der praktischen Lebenslogik verknüpft, versuche man sich zu informieren, wieviel das Kind von Grammatik und Satzlehre weiß. Vermeiden Sie aber bitte da beim fremdsprachlichen Unterricht, zuerst das Lesestück zu behandeln und nachher die Sprache zu atomisieren, zu zerzausen. Versuchen Sie, möglichst in Selbständigkeit das Grammatikalische zu entwickeln. — Es gab eine Zeit, wo die fremdsprachlichen Unterrichtsbücher tolle Sätze enthielten, weil in diesen Sätzen nur Rücksicht genommen war auf das richtige Anwenden der grammatikalischen Regeln. Nach und nach hat man das für töricht befunden und mehr dem Leben entnommene Sätze in die Bücher hineingegeben, die den fremdsprachlichen Unterricht vermitteln sollen. Aber auch da ist der Mittelweg besser als der extreme Weg nach der einen oder andern Seite. So werden Sie auch nicht gut Aussprache lehren können, wenn Sie nur Sätze aus dem Leben verwenden, wenn Sie nicht ökonomisch verfahren. Sie müssen ja viel längere Zeit dabei verwenden, falls Sie nicht auch solche Sätze verwenden wollen, wie wir sie gestern als Übung besprochen haben, wie zum Beispiel diesen:

[ 10 ] From this you see that you can always bear in mind—in your very manner of talking to the children—man's reciprocal relation to his surroundings. And in introducing the child to these things—especially in the lessons devoted to foreign languages—where grammar is bound up with the practical logic of life, try to discover how much grammar and syntax he knows. But please steer clear, in teaching a foreign language, of first taking a reading passage through, and then of pulling the language about. Try to evolve the grammatical side as independently as possible. There was a time when the foreign language textbooks contained crazy sentences simply for the purpose of illustrating the right application of grammatical rules. Gradually this came to be thought foolish, and sentences taken more from life were introduced into the books which were to teach the foreign language. But here, too, the golden mean is better than extremes. You will not be able to teach pronunciation well if you confine your sentences to life, unless you intend also to use sentences such as we took yesterday for practice, like this one:

[ 11 ] Lalle Lieder lieblich,
Lipplicher Laffe,
Lappiger, lumpiger,
Laichiger Lurch

[ 11 ] Lalle Lieder lieblich
Lipplicher Laffe,
Lappiger, lumpiger,
Laichiger Lurch

[ 12 ] wo nur Rücksicht genommen ist auf das Wesen des Sprachlichen selbst. Daher versuchen Sie, Grammatik und Satzlehre so mit den Kindern zu treiben, daß Sie schon Sätze bilden, die gerade daraufhin gebildet sind, diese oder jene Regel zur Anschauung zu bringen. Nur müssen Sie es so einrichten, daß Sie diese Dinge, wo Sie durch Sätze der einen oder andern fremden Sprache grammatikalische Regeln zur Anschauung bringen, nicht aufschreiben lassen, damit diese Dinge nicht ins Nachschreibebuch übergehen, sondern daß sie gepflegt werden - und dann sind sie dagewesen, aber man bewahrt sie nicht auf. Ein solches Verfahren trägt ungeheuer viel bei zur Okonomie besonders des fremdsprachlichen Unterrichts, denn dadurch bringt man es dahin, daß die Kinder sich gefühlsmäßig die Regel einimpfen und die Beispiele nach und nach fallen lassen. Läßt man die Kinder die Beispiele aufschreiben, dann impfen sie sich zu stark die Form der Beispiele ein. Aber für den grammatikalischen Unterricht sollen die Beispiele wegfallen, sollen vor allem nicht sorgfältig ins Schulbuch eingeschrieben werden, sondern es soll die Regel bleiben. Daher tun Sie gut, für die lebendige Sprache, für das Sprechen Übungen, Lesestücke zu verwenden, wie ich es vorhin charakterisiert habe und wieder die Umsetzung der eigenen Gedanken in die fremde Sprache - wobei dann die eigenen Gedanken mehr dem gewöhnlichen Leben entlehnt sind — zu pflegen. Für die Grammatiklehre aber verwenden Sie Sätze, bei denen Sie eigentlich von vornherein darauf ausgehen, daß das Kind sie vergißt, daß es daher auch nicht das tut, was immer Unterstützung des Gedächtnisses ist: sie niederzuschreiben. Denn alle diese Tätigkeit, die Sie vollbringen, wenn Sie dem Kinde an Sätzen Grammatik oder Satzlehre beibringen, alles das verläuft in lebendigen Schlüssen, und das soll nicht hinuntergehen in die gewohnheitsmäßigen träumerischen Zustände, das soll immer im vollbewußten Leben spielen.

[ 12 ] which is based merely on the element of language itself and not on the thought content. Try, therefore, to study grammar and syntax with the children by forming sentences expressly intended to illustrate this or that rule. Only you must so arrange your teaching that these sentences in one or another foreign language, illustrating grammatical rules, are neither written down nor copied into the notebook, but so that they are practised; in this way they come into being, but are not preserved. Such a procedure is an extraordinary factor towards economy, particularly in foreign language teaching, for it instils rules into the children through their feelings without any need for the examples to be retained. If you let the children write down the examples, too vivid an impression is left with them of the outward form of the examples. In grammatical teaching the examples must be dropped and in no circumstance be carefully entered into notebooks, but the rules must remain. For this reason you do well in the living language, in conversation, to take reading passages as I have already described, and again to practise the turning of the children's own thoughts into the foreign language, in which process their thoughts are borrowed to a greater extent from everyday life. But in teaching grammar, use sentences which you actually know in advance that the child will forget, and he will therefore refrain from a mere bolstering up of the memory by writing them down. For all the work which you do when you teach the child grammar or syntax from sentences is expressed in living conclusions, and these must not lapse into the dreaminess of habit, but must always be a part of fully conscious life.

[ 13 ] Natürlich bringt man dadurch etwas in den Unterricht hinein, was diesen Unterricht ein bißchen anstrengend macht. Aber Sie werden nicht darum herumkommen, daß insbesondere jener Unterricht für Sie mit gewissen Anstrengungen verknüpft sein wird, der sich auf jene Schüler wird beziehen müssen, die Sie in späteren Klassen übernehmen. Da werden Sie sehr ökonomisch verfahren müssen. Aber die Ökonomie kommt eigentlich nur dem Schüler zugute. Sie werden viel Zeit brauchen, um das zu erfinden, was dann den Unterricht am ökonomischsten gestaltet. Der Grammatik- und Satzlehreunterricht sei daher ein solcher, der vorzugsweise im Gespräche verläuft. Daher wird es auch nicht gut sein, direkt Bücher über Grammatik und Satzlehre, so wie diese Bücher heute beschaffen sind, den Kindern in die Hand zu geben; denn da stehen dann auch Beispiele drinnen, aber die Beispiele sollten eigentlich nur besprochen werden. In dem Heft, woraus das Kind fortwährend für Grammatik und Satzlehre zu lernen hat, sollten nur die Regeln stehen. Daher wird sehr, sehr ökonomisch verfahren, und ungeheuer viel Gutes tun Sie dem Kinde, wenn Sie irgendeine zum Beherrschen der Sprache notwendige Regel mit dem Kinde heute an einem Beispiel entwickeln, das Sie erfunden haben und morgen oder übermorgen in derselben fremdsprachlichen Stunde auf die Regel zurückkommen und das Kind veranlassen, aus seinem eigenen Oberstübchen heraus ein Beispiel dafür zu finden. Unterschätzen Sie pädagogischdidaktisch nur ja solche Dinge nicht. Beim Unterrichten kommt es nämlich auf Feinheiten ungeheuer an. Es ist ein Riesenunterschied, ob Sie einfach das Kind um eine Grammatikregel fragen und es veranlassen, daß es seine Beispiele aus seinem Heft, wohinein Sie ihm das Beispiel diktiert haben, nachspricht, oder ob Sie das Beispiel, das Sie gegeben haben, ganz für das Vergessen hergerichtet haben und nun das Kind veranlassen, selbst ein Beispiel zu finden. Diese Tätigkeit, die das Kind verrichtet, indem es selbst Beispiele erfindet, ist etwas ungemein Erzieherisches. Und Sie werden sehen: wenn Sie die bösesten Rangen haben, die eigentlich immer unaufmerksam sind, und Sie dazu veranlassen — das können Sie sehr gut, indem Sie einfach selber lebendig beim Unterrichte dabei sind -, nach der Satzlehre Beispiele zu finden, dann bekommen die Kinder Freude an diesen Beispielen und namentlich an der Tätigkeit, selbst solche Beispiele zu finden. Und wenn Sie jetzt nach den großen Ferien die Kinder hereinbekommen, die vorher draußen wochenlang gespielt und getollt haben, so müssen Sie sich bewußt sein, daß die Kinder jetzt wenig Neigung haben nach solchen vorangegangenen Wochen, das Spielen und Tollen zu wechseln mit dem ruhigen Sitzen in der Klasse und ruhig den Dingen zuzuhören, die dann im Gedächtnis haften sollen. Aber wenn Sie das auch in der ersten Woche recht stören wird, vielleicht auch noch in der zweiten Woche, wenn Sie namentlich im fremdsprachlichen Unterricht so verfahren, daß Sie das Kind von der Seele aus durch Erfinden von Beispielen mittun lassen, dann haben Sie nach drei, vier Wochen in der Klasse solche Kinder, die ebenso gerne solche Beispiele erfinden, wie sie vordem draußen getollt haben. Aber auch Sie müssen Sorgfalt darauf verwenden, solche Beispiele auszudenken und nicht sparen, dem Kinde das auch zum Bewußtsein zu bringen. Es ist sehr gut für das Kind, wenn es, nachdem es in diese Tätigkeit gekommen ist, nun immerfort so etwas machen möchte, so daß es so kommen könnte, daß während der eine ein Beispiel vorbringt, der andere sagt: Ich habe auch schon eins — und nun wollen sie alle heran und ihre Beispiele nennen; es ist sehr gut, wenn Sie dann am Ende der Stunde sagen: Das freut mich aber ganz besonders, daß ihr das nun gerade so gerne tut, wie ihr draußen getollt habt! - So etwas klingt in den Kindern nach; das tragen sie dann auf dem ganzen Heimweg mit sich herum, bringen es nach Hause und erzählen es beim Essen ihren Eltern. Aber Sie müssen wirklich solche Dinge sagen, welche die Kinder nachher beim Essen auch gerne den Eltern erzählen. Und erreichen Sie es gar, daß das Kind noch beim Essen den Vater oder die Mutter fragt: Kannst du zu dieser Regel auch ein Beispiel finden? — dann haben Sie tatsächlich den Vogel abgeschossen. Diese Dinge sind zu erreichen, aber man muß mit ganzer Seele selbst beim Unterrichte dabei sein.

[ 13 ] Naturally, this introduces into teaching an element which makes it slightly strenuous. You will not come to grief, because the teaching, particularly of the pupils whom you take on in the higher classes, is bound to create for you a certain exertion. You will have to proceed very economically. But the “economy” really is only a benefit to the pupil. It will take you yourself a great deal of time to discover the most economical form of teaching. Prefer to teach grammar and syntax, therefore, in the form of conversation. In doing this it is not a good plan to give the children actual books on grammar and syntax—as such books are at present—for these, it is true, include examples, but examples should only be “discussed.” As a permanent object for the child's learning in grammar and syntax there should be only rules. Consequently, it will be very economical indeed, and will do the child an incalculable amount of good, if one day you derive with the child, from some example which you have invented, a rule necessary for the mastery of the language, and then the day after, or the day after that, return in the same foreign language lesson to the rule, and let the child find an illustration for it in his own “top storey.” Only do not at any price underestimate the value for educational method of these things. In teaching, in fact, a tremendous amount depends on finer elements. It makes a gigantic difference whether you simply ask the child for a grammatical rule and make him echo, from his book, an example taken down at your dictation, or whether, on the other hand, you give him an example especially selected to be forgotten, and encourage him to invent an example himself. The work which the child does when he finds his own example is particularly educative. And you will see, even if you have the naughtiest, most inattentive children, that if you get them to find grammatical examples—and you can do this very well simply by taking an active part in the lesson yourself—the children take pleasure in these examples and particularly in the work of discovering them for themselves. And when, after the long summer holidays, you get the children back in school, after they have played and romped about for weeks in the open air, you must realize that they feel little inclination, after weeks of this life, to exchange playing and romping for quiet sitting in class and quiet listening to things which are to remain in their memory. But even if you find this disturbing the first week, perhaps even the second, if you conduct your foreign language teaching so that the child is allowed to take part in it with his soul by discovering examples, after three or four weeks you will have a class of children who take just as much delight in inventing these examples as they previously did in romping about. But you must take care, too, to think out examples of this kind, and must not omit to give the child this impression so that he is conscious of it. It is a very good thing for the child, when he joins in this work, and is always wanting to do it himself, that while one child is producing an example the other will call out; “I have one, too,” and then they all want their turn to give an example—it is a very good thing to say at the end of the lesson: “I am very glad, but most of all because you like doing this now as much as you used to like romping out of doors.” Such a remark lingers in the children's inner ear. It haunts them all the way home, and when they get home they tell their parents about it at table. But you must really say things which the children like telling their parents at table. And if you succeed in interesting the child so much that he asks his father or mother at table: “Can you find an example of this rule, too?” you have, in actual fact, won the day. These things can be done, but you yourself must take part in the lesson with your whole soul.

[ 14 ] Überlegen Sie sich nur, was es für einen Unterschied macht, wenn Sie mit dem Kinde geistvoll besprechen den Übergang von dem: es regnet, es grünt, die Wiese grünt, die grüne Wiese - oder wenn Sie Grammatik und Syntax in der vielfach üblichen Weise entwickeln, indem Sie auseinandersetzen: Dies ist ein Eigenschaftswort, dies ist ein Zeitwort; wenn ein Zeitwort ganz allein dasteht, so ist noch kein Satz da — wenn Sie nicht bloß, wie es häufig in den Grammatiken steht, die Dinge zusammensetzen, sondern sie im lebendigen Unterricht entwickeln. Und vergleichen Sie die Art, wenn Sie so Grammatik treiben, wie es im lebendigen Unterricht sein sollte, mit jener andern Art, wie es häufig vorkommt: Da kommt der Lehrer des Lateinischen oder des Französischen in die Stunde herein; jetzt müssen die Kinder die Bücher oder Hefte für das Lateinische oder das Französische herauslegen; sie müssen präpariert sein, nun sollen sie übersetzen, dann sollen sie lesen. Jetzt fängt ihnen schon an, alles weh zu tun, weil sie die Bänke spüren. Denn man hätte nämlich gar nicht so viel Sorgfalt für die Bänke und Tische verwenden müssen, wenn man richtig erzogen und unterrichtet hätte. Es ist nur ein Beweis dafür, daß man nicht vernünftig erzogen und unterrichtet hat, daß man so viel Sorgfalt auf die Ausgestaltung der Bank- und Tischformen hat verwenden müssen, denn es kommt, wenn die Kinder beim Unterricht wirklich dabei sind, so viel Lebendiges in die Klasse hinein, daß sie, wenn sie sitzen, überhaupt nicht ganz sitzen. Und daran habe man seine Freude, daß sie nicht ganz sitzen, nur wenn man selber bequem ist, will man eine möglichst fest aufsitzende Klasse haben, die dann nach Schluß des Unterrichts mit zerschlagenen Gliedern nach Hause geht. Diese Dinge sind auch besonders beim Grammatik- und Satzlehreunterricht zu beachten. Und nun stellen Sie sich vor: die Kinder sollen übersetzen — da wird nun erst an den Dingen, die sie genießen sollten, Grammatik und Syntax entwickelt! Dann geht das Kind gewiß nicht so nach Hause, daß es dann zu seinem Vater sagt: Ich habe so viel Freude an meinem Buch, nun übersetzen wir einmal zusammen. — Da kommt es schon darauf an, das Prinzip der Ökonomie ins Auge zu fassen, und gerade beim fremdsprachlichen Unterricht wird Ihnen dieser Gesichtspunkt dienen können.

[ 14 ] Only reflect on the difference, whether you discuss with the child in a spirited way the transition from “it is raining,” “it grows green” to “the meadow is growing green,” or if you evolve grammar and syntax, as is most usually done, by expounding: This is an adjective; this is a verb; and if a verb stands alone there is no sentence. Do not merely string things together as is frequently done in grammar books, but develop them in a living lesson. And compare this way of studying grammar, as it should be done in living teaching, with the other frequent procedure: the Latin or French teacher comes into the class; now the children must get out the books or exercise-books for Latin or French; then they must have done their “prep.”; now they must translate; now they are to read. By this time everything is beginning to hurt, because they feel how hard the benches are. For, as a matter of fact, there would have been no need to pay so much attention to benches and desks if children had been properly educated and taught. It is only a proof that education and teaching have not been sensible if people have had to bestow such care on the making of the benches and desks, for if children are really interested in the lesson such life enters the class that when they are supposed to be sitting they are really not quite sitting. And let us take a delight in the fact that they are not sitting properly; it is only if you are lazy yourself that you want a class to sit as rigid as possible, and go home at the end of the afternoon completely tired out. The point here again is to keep in view the principle of economy, and this point of view will be particularly useful to you in teaching a foreign language.

[ 15 ] Wir müssen nun selbstverständlich darauf sehen, daß der Grammatik- und Syntaxunterricht sogar ziemlich vollständig ist. Daher werden wir uns bei den Schülern, die wir nun aus den verschiedenen Klassen bekommen, darüber informieren müssen, wo sie Lücken haben. Wir werden zuerst daran gehen müssen, diese Lücken gerade im Grammatik- und Syntaxunterricht auszufüllen, so daß wir es nach einigen Wochen bei einer Klasse dahin gebracht haben, daß die alten Lücken ausgefüllt sind und wir dann weitergehen können. Aber wenn wir so unterrichten, wie ich es geschildert habe - und wie wir es können, wenn wir ganz beim Unterricht dabei sind, wenn uns selbst der Unterricht interessiert —, dann machen wir das zurecht, was wir den Kindern beibringen müssen, damit sie die eventuellen Aufnahmeprüfungen für die gebräuchlichen höheren Lehranstalten später bestehen können. Und noch manches andere bringen wir an die Kinder heran, was die gewöhnlichen Volksschulen schon gar nicht heranbringen, was die Kinder lebenskräftig macht und ihnen etwas mitgibt, was ihnen das ganze Leben hindurch dienen kann. Nun wäre es ganz besonders gut, wenn für den fremdsprachlichen Unterricht durch die Organisation erreicht werden könnte ein Nebeneinandergehen der einzelnen Sprachen, welche die Kinder aus irgendwelchen Gründen lernen müssen. Es wird ungeheuer viel Zeit damit verloren, wenn man bei dreizehn-, vierzehn-, fünfzehnjährigen Jungen und Mädchen Lateinisch von der einen Lehrkraft, Französisch von einer andern Lehrkraft, Englisch von einer dritten Lehrkraft erteilen läßt. Viel, viel wird gewonnen, wenn man einen und denselben Gedanken, der von dem einen Lehrer mit einem Schüler in der einen Sprache entwickelt wird, auch von einem andern Schüler in der andern Sprache und von einem dritten Schüler in der dritten Sprache entwickeln lassen könnte. Es würde dann die eine Sprache die andere im reichen Maße unterstützen. Natürlich können solche Dinge nur insoweit gepflegt werden, als man die Mittel, also in diesem Falle die Lehrer, dazu hat. Aber was man hat, das sollte ausgenutzt werden. Es sollte die Unterstützung, welche von der einen Sprache durch die andere geleistet werden kann, berücksichtigt werden. Dadurch kommt man wieder in die Möglichkeit, beim Grammatik- und Satzbauunterricht immer von der einen Sprache in die andere hinüberzuweisen, und dabei kommt etwas in Betracht, was für den Schüler ungeheuer wichtig ist.

[ 15 ] We must obviously see to it that the grammar and syntax teaching are fairly complete. For this reason we shall find out from the pupils, who come to us from other classes, where there are gaps in their knowledge. We shall then have to start by filling these gaps, particularly in the grammar and syntax lessons, so that after a few weeks we have a class with the old gaps filled up and ready to go on with new work. But if we teach as I have described—we can do this if we have our heart in the lesson—if the lesson interests us ourselves, we are preparing the children eventually and in the right way to pass the usual college entrance examinations. And we teach the children many a thing which the ordinary schools do not give them, but which makes the children vigorous and alive and is of permanent value in their lives. It would be a particularly good plan if it could be arranged for the different languages to be taught simultaneously. A tremendous amount of time is lost when the children of thirteen to fifteen are taught Latin by one teacher, French by another, and German by a third. Very much, on the other hand, is gained when a single thought worked out by a teacher with a pupil in one language is allowed to be worked out by another pupil, too, in another language, and by a third pupil in the third language. One language would then bear out the other very effectively. Naturally, such methods can only be followed in so far as the means—in this case the teachers—are available. But what is available should be taken full advantage of. The help that one language can be to another should be taken into account. This facilitates in grammar and formation of sentences the constant reference from one language to another, and this involves something of tremendous importance for the child.

[ 16 ] Man lernt als Schüler etwas viel besser, wenn man die Anwendungsweise dafür nach verschiedenen Richtungen hin in der Seele hat. So werden Sie dem Schüler sagen können: Sieh mal, du hast jetzt einen deutschen Satz und einen lateinischen Satz gesagt; beim deutschen Satz, wenn er sich auf die eigene Person bezieht, können wir fast nie das «ich» auslassen, beim lateinischen Satz ist das «ich» schon im Verbum drinnen. — Sie brauchen gar nicht weiterzugehen; es ist sogar gar nicht gut, wenn Sie weitergehen, aber es ist gut, diese Tatsache anzuschlagen, so daß der Schüler ein gewisses Gefühl dafür bekommt; dann geht von diesem Gefühl etwas aus, was als lebendige Fähigkeit wirkt, um anderes in der Grammatik zu begreifen. Und das bitte ich Sie aufzunehmen und recht viel durchzudenken: daß man in der Lage ist, wenn man regsamen, lebendigen Unterricht betreibt, während des Unterrichtens sich die Fähigkeiten zu erzeugen, die man dann im Unterricht braucht. Es ist in der Tat so. Wenn Sie zum Beispiel so etwas nur angeschlagen, nicht pedantisch ausführen, indem Sie dem Kinde gesagt haben: Die lateinische Sprache hat noch nicht das «ich», sie hat es noch im Verbum drinnen; die deutsche Sprache hat es — dann ist für einen Augenblick in dem Kinde eine Fähigkeit erwacht, die sonst nicht da ist. Die ist gerade jetzt erwacht, und Sie können nachher grammatikalische Regeln mit den Kindern leichter treiben, wenn solche Dinge erwacht sind, als wenn Sie sie aus den gewöhnlichen Seelenverfassungen der Kinder herausholen wollen. Sie müssen darüber nachdenken, wie Sie sich für eine Stunde die Fähigkeiten erzeugen. Die Kinder brauchen gar nicht im vollen Ausmaße die Fähigkeiten zu haben, die Sie benutzen; sondern Sie müssen auch die Geschicklichkeit besitzen, solche Fähigkeiten hervorzurufen, die dann wieder abfluten können, wenn das Kind wieder draußen ist.

[ 16 ] A pupil learns a thing far better if, in his soul, he can apply it in different directions. You will be able to say to him: “Look, there you have made an English [The word German in the original is changed to the word English when it refers, as it does here, to the mother tongue.] sentence and a Latin sentence; in the English sentence, if the first person is referred to, we can hardly ever miss out the ‘I;’ in a Latin sentence the ‘I’ is there already inside the verb.” You do not need to go a step further; in fact it is not at all wise to go further, but it is a good thing just to touch on this difference, so that the pupil comes to have a certain feeling for it; then from this feeling there emanates a living aptitude to understand other things in grammar, and I beg you to absorb this fact and to think it over very deeply, namely, that it is possible, in a stimulating, living lesson, to develop during the lesson the faculty necessary for teaching. The fact is, if you have only touched, for instance, on a thing, and have not enlarged on it pedantically, if you have said to the child: “The Latin language has not yet developed the ‘I,’ it still has it in the verb; but our languages have developed it,” there is momentarily awakened in him a faculty which is otherwise absent. This is stimulated into life at this moment and not before, and you can more easily study grammatical rules with the children after such insight is awakened than if you had to evoke them from the ordinary condition of the child's soul. You will have to think out how you can create the aptitudes you want for a certain lesson. The children do not need to have all the capacities which you intend to use, but you must have the skill to call them up in such a manner that they disappear when the child no longer needs them.

[ 17 ] Das kann ganz besonders beim Sprachunterricht in Betracht kommen. Und es wird in Betracht kommen, wenn Sie den Sprachunterricht bestehen lassen aus Lesen, richtigem, aussprachegemäßem Lesen; nicht so viel Ausspracheregeln geben, sondern vorlesen und nachlesen lassen, dann sich das Gelesene erzählen lassen, auch Gedanken darüber fassen und diese Gedanken nun in den verschiedenen Sprachen ausdrükken lassen — und abgesondert davon Grammatik und Syntax betreiben mit zu behaltenden Regeln und mit zu vergessenden Beispielen. Dies zum Gerüst des Sprachunterrichts.

[ 17 ] This process can be exceptionally important in language teaching if this is allowed to consist of correct reading, accurate pronunciation—without giving many rules—first reading yourself and letting them repeat it; then have the reading-passage retold and thoughts about it formed and expressed in the different languages—and, quite independently of this, study grammar and syntax with rules to be remembered and examples to be forgotten. There you have a framework for language teaching.