The Art of Education
GA 295
26 August 1919, Stuttgart
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Discussions with Teachers, tr. Fox & Creeger
Fünfte Seminarbesprechung
Discussion Five
[ 1 ] Rudolf Steiner: Es ist wirklich von einer großen Bedeutung, daß wir auch nebenhergehend etwas pflegen von deutlichem Sprechen. Es hat einen gewissen Einfluß, eine gewisse Wirkung. Nun sind bei einer anderen Gelegenheit einmal Sätze von mir formuliert worden, die weniger daraufhin ausgebildet sind, einen besonders tiefen Sinn zu geben, als darauf, daß man die Sprachorgane dabei in einer eben organischen Weise in Bewegung bringt, auch in allseitige Bewegung bringt. Ich möchte nun, daß Sie, ganz ohne Genieren, diese Sätze herumgehen lassen und jeder sie nachspricht, auf daß wir an solchen Sätzen, indem wir sie öfter üben, unsere Sprachorgane elastisch machen, sie gleichsam in Turnen versetzen. Frau Dr. Steiner wird diese Sätze kunstgerecht vorsprechen, und ich bitte die einzelnen Teilnehmer, die Sätze dann nachzusprechen. Diese Sätze sind nicht auf das Verstehen, nicht auf den Sinn, sondern auf das Turnen der Sprachorgane hin gebildet.
[ 1 ] RUDOLF STEINER: It is most important that, along with all our other work, we should cultivate clear articulation. This has a kind of influence, a certain effect. I have here some sentences that I formulated for another occasion; they have no especially profound meaning, but are constructed so that the speech organs are activated in every kind of movement, organically. I would like you to pass these sentences around and repeat them in turn without embarrassment so that by constant practice they may make our speech organs flexible; we can have these organs do gymnastics, so to speak. Mrs. Steiner will say the sentences first as it should be done artistically, and I will ask each one of you to repeat them after her. These sentences are not composed according to sense and meaning, but in order to “do gymnastics” with the speech organs.1Elsewhere, Steiner stated: “In giving artistic shape and form to speech, healthy cooperation and harmonization of body, soul, and spirit manifests. The body shows whether it can incorporate the spirit correctly; the soul reveals whether the spirit truly lives in it; and the spirit is vividly present, working directly into the physical.” Creative Speech, Rudolf Steiner Press, London, 1978, p. 33. The original German speech exercises may be found in the appendix.
[ 2 ] Daß er dir log uns darf es nicht loben
[ 2 ] Dart may these boats through darkening gloaming
[ 3 ] Im wirklichen Konversationston wird es nicht so ausgesprochen, aber jetzt sollten Sie sich in die Silben hineinlegen und jeden Buchstaben abwechselnd sprechen.
[ 33 ] Not translated
[ 4 ] Nimm nicht Nonnen in nimmermüde Mühlen
[ 4 ] Name neat Norman on nimble moody mules
[ 5 ] Das n kehrt immer wieder, aber in anderen Verbindungen, und da turnt das Sprachorgan in richtiger Weise. Auch das ist darin, daß zwei n zusammenkommen; bei den m «in nimm» länger verweilen. Lange i, kurze i.
[ 5 ] The N is constantly repeated, but in different combinations of letters, and so the speech organ can do the right gymnastic exercises. At one point two Ns come together; you must stop longer over the first N in “on nimble.”
[ 6 ] Rate mir mehrere Rätsel nur richtig
[ 6 ] Rattle me more and more rattles now rightly
[ 7 ] Die Organe kommen so in richtige turnerische Tätigkeit. Ich würde Ihnen empfehlen, besonders darauf zu achten, sich in die Laute, in die Silben förmlich hineinzulegen, förmlich hineinzuwachsen, auf ein solch deutliches Hineinwachsen wirklich aufmerksam zu sein, so daß Sie sich bewußt sind: Sie sprechen jeden Laut. Sie heben jeden einzelnen Laut ins Bewußtsein herauf. Das ist ja die Schwäche, die man sehr häufig im Sprechen hat, daß man hüpft über Laute, während das Sprechen dazu bestimmt ist, verstanden zu werden, und eher so lauten soll, daß man zunächst in einer gewissen karikierten Weise Silben betont, die gar nicht betont werden. Schauspieler üben sich, nicht «Freunderl» zu sagen, sondern «Freunderl». Also mit Bewußtsein jeden Buchstaben aussprechen! Es wird sogar gut sein, daß Sie solche Prozeduren machen, wenn auch nicht regelmäßig, wie der Demosthenes. Sie wissen ja, als es gar nicht mehr ging, hat er Steinchen auf die Zunge gelegt und seine Stimme durch Übung so gestärkt, daß sie das Rauschen des Stromes übertönte, um eine Sprache sich anzueignen, in der er von den Athenern gehört werden konnte.
[ 7 ] span class="paragraphMarker">[ 6 ] In this way you can activate the speech organs with the right gymnastics. I would recommend that you take particular care to find your way into the very forms of the sounds and the forms of the syllables; see that you really grow into these forms, so that you consciously speak each sound, that you lift each sound into consciousness. It is a common weakness in speech that people just glide over the sounds, whereas speech is there to be understood. It would even be better to first bring an element of caricature into your speech by emphasizing syllables that should not be emphasized at all. Actors, for example, practice saying friendly instead of friendly! You must pronounce each letter consciously. It would even be good for you to do something like Demosthenes did, though perhaps not regularly. You know that, when he could not make any progress with his speaking, he put pebbles on his tongue and through practice strengthened his voice to the degree that it could be heard over a rushing river; this he did to acquire a delivery that the Athenians could hear.
[ 8 ] Jetzt würde ich Fräulein B. bitten, uns die Sache der Temperamente vorzubringen. Da wir auf das Individuum hin orientiert den Unterricht geben wollen, ist es richtig, daß wir gerade auf die Grundlage der Temperamente eine große Sorgfalt verwenden. Natürlich kann man, wenn man eine Klasse hat, nicht auf jedes Kind hin individualisieren. Aber dadurch wird viel individualisiert, daß Sie auf der einen Seite, sagen wir, phlegmatische und melancholische, auf der anderen Seite sanguinische und cholerische Kinder haben, und nun lebendig durcheinander bald diese, bald jene teilnehmen lassen, bald zu der Gruppe dieses Temperaments sich wenden, und wiederum in den Antworten die anderen vornehmen, zu den einen dieses, zu den anderen jenes sprechen. Dadurch wird von selbst in der Klasse individualisiert.
[ 8 ] I will now ask Miss B. to introduce the question of temperaments. Since the individual child must be our primary consideration in teaching, it is proper that we study the basis of the temperaments with the maximum care. Naturally when we have a class it is not possible to treat each child individually. But you can give much individual treatment by having on one side, let’s say, the phlegmatics and melancholics, and the sanguine and choleric children on the other side; you can have them take part in a lively interchange, turning now to the group of one temperament, and then calling on another group for answers, saying this to one group and that to another. In this way individualization happens on its own in the class.
Leonie von Mirbach gibt ihre zusammenfassende Darstellung der Temperamente und ihrer Behandlung.
A comprehensive picture was presented of the temperaments and their treatment.
Merkmale und Behandlungsweise der vier Temperamente beim Kinde
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Allgemeines
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Innerhalb der Vielartigkeit der kindlichen Charakteranlagen lassen sich vier Temperamentsgruppen unterscheiden: das sanguinische, phlegmatische, cholerische und melancholische Temperament. Diese vier Gruppen sind im Unterricht voneinander zu sondern. Denn nur durch eine gesonderte Behandlung ihrer eigentümlichen Fähigkeiten, Fehler und Bedürfnisse wird eine fruchtbare Gestaltung und Individualisierung des Unterrichts möglich sein. Außerdem wird durch ein Zusammensetzen der Kinder gleicher Temperamentsart ein natürliches Hilfsmittel gewonnen zur Abschleifung der einzelnen Temperamente unter sich und aller Temperamentsgruppen untereinander. Tatsächlich kann auf diesem Wege eine weitgehende Harmonisierung der verschiedenen Charakteranlagen bis zum 14. Lebensjahr erreicht werden, wenn diese äußere Maßnahme ergänzt wird durch eine genaue Kenntnis und darauf gegründete methodische Behandlung der vier Temperamente vonseiten des Lehrers.
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[...]
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Wenn vorhin von einer Harmonisierung der Temperamentsanlagen gesprochen wurde, so war damit natürlich nicht eine Unterdrückung derselben, sondern eine Fruchtbarmachung ihrer besonderen Möglichkeiten gemeint. Denn nicht ein Neubau, sondern nur ein Umbau und Anbau des Charakters kann erstrebt werden und er kann nur gelingen aufgrund eines Eindringens in die eigentümliche Wesensart der vier Temperamente.
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Wir schreiten daher fort zu einer Betrachtung der besonderen Merkmale und Behandlungsweise der vier Temperamente.
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Was das sanguinische Kind von selbst tut, hat beim melancholischen Kinde der Unterricht erst hervorzurufen, nämlich die Richtung auf die Außenwelt. Er muss ein solches Kind immer wieder in unaufdringlicher Weise auf die Umwelt hinweisen, um es sozusagen aus sich selbst herauszuholen. Gelingt das, dann wird auch sein Wille, dessen Schwäche in Wechselbedingtheit mit dem geringen Interesse an der Außenwelt steht, zugleich erstarken. Natürlich genügt das nicht, sondern es muss eine direkte Willensschulung durch häufig wiederholtes Tun hinzutreten, um das melancholische Kind nicht nur der Umwelt aufzuschließen, sondern auch in fruchtbarer Weise einzugliedern.
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Dem besonderen Hindernis, das dem melancholischen Temperament aus der Einbildung erwächst, etwas ganz Besonderes zu sein und zu erleben, ist wirksam durch Lesen von Biografien großer Männer und durch die bewusste Einordnung in den universellen Zusammenhang der Natur entgegenzutreten.
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[...]
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[ 9 ] Rudolf Steiner: Das ist Ihre Ausführung. Nun, das ist sehr schön durchgeführt, was hier konversierend gesprochen worden ist. Es geht aber doch vielleicht zu weit, wenn Sie vom melancholischen Temperament geradezu behaupten, daß es zu ausgesprochener Frömmigkeit neigt. Es fehlt hier nur das kleine Wörtchen «oft». Es kann aber durchaus auch der Fall vorkommen, daß die melancholische Anlage bei Kindern auf einem ausgesprochenen Egoismus beruht, und daß es durchaus nicht religiöser Hang ist. Beim Erwachsenen wird man das Wörtchen «oft» weglassen können; beim kleinen Kinde ist das Melancholische sehr oft die Maske für einen ausgesprochenen Egoismus. — Melancholische Kinder sind oftmals abhängig von der Witterung, sie kündet sich auch an in melancholischen Kindern. Das sanguinische Kind ist auch abhängig von der Witterung, aber stimmungsgemäß, mehr seelisch, während das melancholische Kind mehr leiblich unbewußt davon abhängt.
[ 9 ] RUDOLF STEINER: You have given a good account of what was spoken of in our conversations together on this subject. But you may be going too far when you assert, with regard to the melancholic temperament, that it has a decided inclination toward piety. There is only one little word lacking: “often.” It is also just possible that the melancholic disposition in children is rooted in pronounced egoism, and in no way has a religious tendency. With adults you can leave out the little word “often,” but in young children the melancholic element often masks a pronounced egoism. Melancholic children are often dependent on atmospheric conditions; the weather often effects the melancholic temperament. The sanguine children are also dependent on atmospheric conditions, but more in their moods, in the soul, whereas the melancholic children are affected more unconsciously by the weather in the physical body.
[ 10 ] Wenn ich diese Frage eingehend geisteswissenschaftlich besprechen wollte, müßte ich Ihnen zeigen, wie sich namentlich das kindliche Temperament in das Karma einreiht, wie wirklich in dem kindlichen Temperament etwas herauskommt, was man als Folge bezeichnen kann von Erlebnissen in früherem Erdendasein. Nehmen wir im Konkreten einmal einen Menschen, der sich in einem Leben sehr stark für sich selbst interessieren muß. Dadurch, daß er einfach einsam ist, muß er sich für sich selber interessieren. Dadurch, daß er sehr häufig sich mit sich beschäftigen muß, dadurch kommt er insbesondere in die Lage, das Seelische in dem Gefüge seines Körperlichen auszugestalten, gezwungen durch die Verhältnisse, und er bringt in die nächste Inkarnation mit ein sehr stark ausgebildetes Leibliches mit Bezug auf sein Verhältnis zur Außenwelt. Er wird ein Sanguiniker. Dadurch kann es vorkommen, wenn einer durch seine Inkarnation zur Einsamkeit gezwungen ist und dadurch zurückgeblieben wäre, so gleicht er das in der nächsten Inkarnation dadurch aus, daß er ein Sanguiniker ist, der auf alles aufmerksam sein kann. Wir dürfen ja das Karma nicht moralisch betrachten; wir müssen es kausalisch betrachten. Daß er ein Sanguiniker werden kann, angewiesen auf die Beobachtung der Außenwelt, das kann ja ein sehr Gutes für das Leben abgeben, wenn es in der richtigen Weise erzogen wird. Das Temperament hängt ja in hervorragendem Maße mit den allgemeinen Antezedenzien des Menschenwesens, des menschlichen Gemütslebens zusammen.
[ 10 ] If I were to go into this question in detail from the standpoint of spiritual science, I would have to show you how the childish temperament is actually connected with karma, how in the child’s temperament something really appears that could be described as the consequence of experiences in previous lives on Earth. Let’s take the concrete example of a man who is obliged in one life to be very interested in himself. He is lonely and is thus forced to be interested in himself. Because he is frequently absorbed in himself, the force of circumstances causes him to be inclined to unite his soul very closely with the structure of his physical body, and in the next incarnation he brings with him a bodily nature keenly alive to the conditions of the outer world. He becomes a sanguine individual. Thus, it can happen that when someone has been compelled to live alone in one incarnation, which would have retarded the person’s progress, this is adjusted in the next life through becoming a sanguine, with the ability to notice everything in the surroundings. We must not view karma from a moral but from a causal perspective. When a child is properly educated, it may be of great benefit to the child’s life to be a sanguine, capable of observing the outer world. Temperament is connected, to a remarkable degree, with the whole life and soul of a person’s previous incarnation.
[ 11 ] Karl Stockmeyer fragt, was der Verschiebung der Temperamente im Laufe des Lebens von der Jugend zum Erwachsenen zugrunde liegt.
[ 11 ] Dr. Steiner was asked to explain the changes of temperaments that can occur during life, from youth to maturity.
[ 12 ] Rudolf Steiner: Wenn Sie sich erinnern an einen Vortragszyklus, den ich einmal in Kassel gehalten habe, «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien», so werden Sie darin Bemerkungen finden über die Beziehungen eines Kindes zu seinen Eltern. Sie werden darin ausgeführt finden, wie in dem physischen Leib und in dem Ich das väterliche Prinzip sehr stark nachwirkt, wie in dem Ätherleib und Astralleib das mütterliche Prinzip vorherrscht. Goethe hat das geahnt, indem er den schönen Ausspruch getan hat:
[ 12 ] RUDOLF STEINER: If you remember a course of lectures that I once gave in Cassel about the Gospel of St. John, you will recall the remarks I made concerning the relationship of a child to his or her parents.2The Gospel of St. John: And Its Relation to the Other Gospels, Anthroposophic Press, Hudson, NY, 1982. It was stated there that the father-principle works very strongly in the physical body and the I, and that the mother-principle predominates in the etheric and astral bodies. Goethe divined this truth when he wrote the beautiful words:
Vom Vater hab’ ich die Statur, - was sich auf den physischen Leib bezieht
From my father I have my stature [connected with the physical body]
Des Lebens ernstes Führen, — was sich auf das Ich bezieht
and the serious conduct of life [connected with the I],
Vom Mütterchen die Frohnatur - was an den Ätherleib gebunden ist
from my dear mother my happy nature [connected with the etheric body]
Und Lust zu fabulieren - was an den Astralleib gebunden 1st.
and joy in creative fantasy [connected with the astral body].
[ 13 ] In diesen Worten liegt eigentlich eine ganz außerordentliche Weisheit. Sie sehen, daß in einer merkwürdigen Weise zusammengemischt ist, was eigentlich im Menschen ist. Der Mensch ist eben eine durchaus komplizierte Wesenheit. Es besteht eine bestimmte Verwandtschaft zwischen Ich und physischem Leib, und eine Verwandtschaft zwischen Ätherleib und Astralleib. Im Laufe des Lebens kann daher eines in das andere übergehen. Es geht also zum Beispiel über beim melancholischen Temperament das Vorherrschen des Ich in das Vorherrschen des physischen Leibes. Und beim Choleriker überspringt es sogar die Vererbung und geht über vom Mütterlichen ins Väterliche, denn es geht über vom Überwiegen des Astralischen zum Überwiegen des Ich.
[ 13 ] There is extraordinary wisdom in these words. What lives in the human being is mixed and mingled in a remarkable way. Humankind is an extremely complicated being. A definite relationship exists in human beings between the I and the physical body, and again a relationship between the etheric body and the astral body. Thus, the predominance of one can pass over into the predominance of another during the course of life. For example, in the melancholic temperament the predominance of the I passes into the predominance of the physical body, and in a choleric person it even cuts across inheritance and passes from the mother element to the father element, because the preponderance of the astral passes over into a preponderance of the I.
[ 14 ] Beim melancholischen Temperament des Kindes herrscht vor das Ich, beim Erwachsenen der physische Leib. Beim sanguinischen Temperament des Kindes herrscht vor der Ätherleib, beim Erwachsenen der Astralleib. Beim phlegmatischen Temperament des Kindes herrscht vor der physische Leib, beim Erwachsenen der Ätherleib. Beim cholerischen Temperament des Kindes herrscht vor der Astralleib, beim Erwachsenen das Ich.
[ 14 ] In the melancholic temperament the I predominates in the child, the physical body in the adult. In the sanguine temperament the etheric body predominates in the child and the astral body in the adult. In the phlegmatic temperament the physical body predominates in the child and the etheric body in the adult. In the choleric temperament the astral body predominates in the child, the I in the adult.
[ 15 ] Sie werden eben solche Dinge nur richtig ansehen, wenn Sie streng festhalten, daß man nicht die Dinge nebeneinanderstellen kann, um so weniger, je höher Sie in geistige Gebiete kommen.
[ 15 ] But you can only arrive at a true view of such things when you strictly remember that you cannot arrange them in a tabulated form, and the higher you come into spiritual regions, the less this will be possible.
Walter Johannes Stein: Es findet sich ein ähnlicher Übergang in der Personenanordnung im Personenverzeichnis im «Hüter der Schwelle» und «Der Seelen Erwachen».
The observation was expressed that a similar change can be found in the sequence of names of the characters in The Guardian of the Threshold and The Souls’ Awakening.3See Rudolf Steiner, The Four Mystery Plays: The Portal of Initiation, The Soul’s Probation, The Guardian of the Threshold, and The Souls’ Awakening, trans. Adam Bittleston, Rudolf Steiner Press, London, 1983. The four plays will be published individually; see The Souls’ Awakening: Soul and Spiritual Events in Dramatic Scenes, trans. Ruth and Hans Pusch, Anthroposophic Press, Hudson, NY, 1995 (the other plays will follow).
[ 16 ] Rudolf Steiner: Dort drinnen ist eine Verwandlung, die durchaus den Tatsachen entsprechen kann. Diese Mysterien müssen Sie so nehmen, daß Sie sie möglichst wenig theoretisch aufnehmen. Ich kann gar keine Auskunft geben, wenn die Frage theoretisch gestellt wird, weil ich sie eben nur so, wie sie dastehen, rein gegenständlich vor mir gehabt habe. Die Personen sind alle nur der Wirklichkeit entnommen. Ich habe neulich bei einem gewissen Anlaß hier vorgetragen, daß es den Felix Balde gegeben hat, in Trumau, und jener alte Schuhmacher, der den Urtyp des Felix Balde noch gekannt hat, heißt Scharinger, aus Münchendorf. Es ist auch der Felix dort noch in der Tradition vorhanden. So sind alle diese Gestalten, die Sie in meinen Mysterien finden, einzelne wirkliche Persönlichkeiten.
[ 16 ] RUDOLF STEINER: There is a change there that is definitely in accordance with the facts; these Mystery Plays must be taken theoretically as little as possible. I cannot say anything if the question is put theoretically, because I have always had these characters before me just as they are, purely objectively. They have all been taken from real life. Recently, on another occasion, I said here that Felix Balde 4Felix Balde is a character in the Mystery Plays. was a real person living in Trumau, and the old shoemaker who had known the archetype of Felix is called Scharinger, from Münchendorf. Felix still lives in the tradition of the village there. In the same way all these characters whom you find in my Mystery Plays are actual individual personalities.
Herbert Hahn: Wenn man von Volkstemperament spricht, kann man dann auch von der Zugehörigkeit eines einzelnen zu dem Temperament seines Volkes reden? — Und weiter: drückt sich das Volkstemperament in der Sprache aus?
Question: In speaking of a folk temperament can you also speak of someone as belonging to the temperament of one’s nation? And a further question: Is the folk temperament expressed in the language?
[ 17 ] Rudolf Steiner: Das erste ist richtig, das zweite nicht ganz. In realem Sinne kann man von einem Volkstemperament sprechen. Völker haben wirklich ihre Temperamente, doch der einzelne kann sich gut herausheben aus dem Volkstemperament, es wirkt nicht prädisponierend auf das Individuum. Man muß darauf Rücksicht nehmen, daß man ja nicht die Individualität des einzelnen identifiziert mit dem Temperament des ganzen Volkes. Es würde zum Beispiel ganz falsch sein, wenn man den Russen als einzelnen von heute identifizierte mit dem Temperament des russischen Volkes. Dieses wäre melancholisch, während der einzelne Russe als solcher heute vielleicht mehr sanguinisch ist. Jeder hat die Möglichkeit, zu seinem eigenen Temperament zu kommen.
[ 17 ] RUDOLF STEINER: What you said first is right, but your second suggestion is not quite correct. It is possible to speak of a folk temperament in a real sense. Nations really have their own temperaments, but the individual can very well rise above the national temperament; one is not necessarily predisposed to it. You must be careful not to identify the individuality of the particular person with the temperament of his whole nation. For example, it would be wrong to identify the individual Russian of today with the temperament of the Russian nation. The latter would be melancholic while the individual Russian of today is inclined to be sanguine.
[ 18 ] Die Art des Volkstemperamentes drückt sich selbst in den einzelnen Sprachen aus. Man kann daher durchaus sagen: die Sprache des einen Volkes ist so, die des anderen so. Man kann sagen: Die englische Sprache ist durchaus phlegmatisch und die griechische im eminentesten Sinne sanguinisch. Solche Dinge lassen sich durchaus als Bezeichnung von realen Wirklichkeiten sagen. Die deutsche Sprache hat, wie ja im Deutschen vielfach ein Mittelding gegeben ist, sehr starke melancholische und sehr starke sanguinische Züge. Das können Sie sehen, wenn die deutsche Sprache in ihrer Grundform zum Ausdruck kommt, wie namentlich in der mehr philosophischen Rede. Ich erinnere an die wunderbare Prägung der philosophischen Rede bei Fichte und an einzelne Stellen von Hegels «Ästhetik». Da werden Sie finden, daß da der Grundcharakter der deutschen Sprache ganz besonders deutlich zum Ausdruck kommt.
[ 18 ] The quality of the national temperament is expressed in the various languages, so one could certainly say that the language of one nation is like this, and the language of another nation is like that. It is true to say that the English language is thoroughly phlegmatic and Greek exceptionally sanguine. Such things can be said as indications of real facts. The German language, being two-sided in nature, has very strongly melancholic and also very strongly sanguine characteristics. You can see this when the German language appears in its original form, particularly in the language of philosophy. Let me remind you of the wonderful quality of Fichte’s philosophical language or of some passages in Hegel’s Aesthetics, where you find the fundamental character of German language expressed with unusual clarity.
[ 19 ] Der italienische Volksgeist hat eine besondere Verwandtschaft mit der Luft; der französische einen besonderen Zusammenhang mit allem Flüssigen; der englisch-amerikanische, namentlich der englische, einen Zusammenhang mit dem Festen, der amerikanische sogar mit dem Unterirdischen, nämlich mit dem Erdmagnetismus und der Erdelektrizität. Dann der russische mit dem Licht, aber mit dem von der Erde, von den Pflanzen zurückgestrahlten Licht. Der deutsche mit der Wärme, von der Sie gleich finden werden, daß sie einen Doppelcharakter hat: nämlich innere und äußere, Blutwärme und atmosphärische Wärme. Da finden Sie gleich einen polarischen Charakter, auch bei der Zuteilung zu diesen Elementarzuständen. Auch da finden wir dieses Polarische, dieses Zwiespältige des deutschen Wesens, das also in allem drinnen ist.
[ 19 ] The Italian folk-spirit has a special relationship to air, the French a special connection with fluids, the English and American, especially the English, with the solid earth, the American even with the sub-earthly—that is, with earth magnetism and earth electricity. Then we have the Russian who is connected with the light—that is, with earth’s light that rays back from plants. The German folk-spirit is connected with warmth, and you see at once that this has a double character—inner and outer, warmth of the blood and warmth of the atmosphere. Here again you find a polaric character even in the distribution of these elementary conditions. You see this polarity at once—this cleavage in the German nature, which can be found there in everything.
Rudolf Steiner sagt nachher im Privatgespräch: Das italienische Temperament ist cholerisch, das französische cholerisch-sanguinisch.
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Es wird gefragt: Dürfen die Kinder etwas wissen von dieser Einteilung in Temperamente?
Question: Should the children know anything about this classification according to temperament?
[ 20 ] Rudolf Steiner: Das ist dasjenige, was man hinter den Kulissen halten muß. Es kommt sehr viel darauf an, daß der Lehrer taktvoll weiß, was er hinter den Kulissen zu halten hat. Alles dasjenige, was wir hier besprechen, das ist dazu da, um dem Lehrer die Autorität zu verleihen. Wenn er sich verraten würde, würde er nicht durchkommen.
[ 20 ] RUDOLF STEINER: This is something that must be kept from the children. Much depends on whether the teacher has the right and tactful feeling about what should be kept hidden. The purpose of all these things we have spoken of here is to give the teacher authority. The teacher who doesn’t use discretion in what to say cannot be successful.
[ 21 ] Die Schüler sollen nicht nach ihren Leistungen gesetzt werden. Wünsche der Schüler, einmal nebeneinander zu sitzen, nicht zu berücksichtigen, ist gerade nützlich.
[ 21 ] Students should not be seated according to their attainments, and you will find it advantageous to refuse requests from children to sit together.
Frage: Können auch ältere Schüler nach Temperamenten gesetzt werden?
Not translated
[ 22 ] Rudolf Steiner: Ja, selbst bis in die Hochschule hinein; aber nach dem fünfundzwanzigsten Jahr ist das nicht mehr nötig. Sie würden Ihnen auch dann nicht mehr folgen.
[ 22 ] Not translated
Rudolf Treichler fragt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Temperamenten und der Auswahl der Sprachen für die verschiedenen Temperamente der Kinder?
Question: Is there a connection between the temperaments and the choice of foreign languages for the different temperaments of the children?
[ 23 ] Rudolf Steiner: Das würde theoretisch schon richtig sein, aber es empfiehlt sich nicht, unter den heutigen Verhältnissen darauf Rücksicht zu nehmen. Man wird gar nicht in die Möglichkeit versetzt sein, allein dasjenige zu berücksichtigen, was nur nach der Anlage des Kindes richtig ist, sondern auch, daß das Kind in der Welt fortkommen muß, und daß man ihm das gibt, was es zu seinem Fortkommen brauchen wird. Wenn sich in der nächsten Zeit herausstellen sollte, daß sehr viele deutsche Kinder nicht geeignet sein sollten für die Aufnahme der englischen Sprache, so wäre es gut, dieser Schwäche nicht nachzugeben. Gerade diejenigen, die eine solche Schwäche zeigen, die werden erst recht die englische Sprache brauchen.
[ 23 ] RUDOLF STEINER: Theoretically that would be correct, but it would not be advisable to consider it given current conditions. It will never be possible to be guided only by what is right according to the child’s disposition; we have to remember also that children must make their way in the world, and we have to give them what they need to do that. If in the near future, for example, it appeared as if a great many German children had no aptitude for learning English, it would not be good to give in to this weakness. Just those who show a weakness of this kind may be the first to need to know English.
Es folgt die Besprechung der gestern gestellten Aufgaben: daß die ganze Klasse, von einem einzelnen angestiftet, eine große Ungezogenheit begeht, daß sie zum Beispiel an die Decke spucken. Es werden einige Ansichten darüber vorgebracht.
There was a discussion on the task given the previous day: to consider the case of a whole class that, incited by one child, was guilty of very bad behavior; for example, they had been spitting on the ceiling. Some views were expressed on this matter.
Rudolf Steiner macht dazu verschiedentlich Zwischenbemerkungen:
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[ 24 ] Rudolf Steiner macht dazu verschiedentlich Zwischenbemerkungen: Das Hinarbeiten auf das Langweiligwerden einer solchen Sache, so daß die Kinder dann von selber aufhören, sie fortzusetzen, das ist schon ganz zweckmäßig. -— Man muß stets unterscheiden, ob etwas aus Bosheit oder aus Übermut geschieht.
[ 24 ] RUDOLF STEINER interjected various remarks: It is a very practical method to wait for something like this to wear out, so that the children stop doing it on their own. You should always be able to distinguish whether something is done out of malice or high spirits.
[ 25 ] Etwas möchte ich bemerken: Auch der beste Lehrer wird die Ungezogenheiten nicht vermeiden können. Wenn aber die ganze Klasse mittut, dann ist wohl meist der Lehrer schuld. Liegt die Schuld nicht am Lehrer, so ist immer ein Teil der Schüler auf Seite des Lehrers und wird für ihn Partei ergreifen. Nur wenn er schuldig ist, macht die ganze Klasse mit.
[ 25 ] One thing I would like to say: Even the best teacher will have naughtiness in the class, but if a whole class takes part it is usually the teacher’s fault. If it isn’t the teacher’s fault, you will always find that a group of children are on the teacher’s side and will be a support. Only when the teacher has failed will the whole class take part in insubordination.
[ 26 ] Ist aber eine Sachbeschädigung vorgekommen, dann ist es schon richtig, daß sie wieder gutgemacht werden muß, und die Kinder selbst müssen sie wieder gutmachen, aber durch ihre eigene Tätigkeit, nicht nur indem sie dafür zahlen. Man kann ja den Sonntag oder zwei bis drei Sonntage dafür benützen, daß sie zusammen die Sache wieder gutmachen.
[ 26 ] If there has been any damage, then of course it is proper that it should be corrected, and the children themselves must do this—not by paying for it, but with their own hands. You could use a Sunday, or even two or three Sundays to repair any damage.
[ 27 ] Dann ist ja wahr, ein gutes Mittel zum Ad-absurdum-Führen ist auch der Humor, besonders bei kleinen Ungezogenheiten. Aber hier beruhte das Ganze auf Anstiften.
[ 27 ] And remember, humor is also a good method of reducing things to an absurdity, especially minor faults.
[ 28 ] Ich habe diese Aufgabe gestellt, damit man sieht, wie man eingreift in etwas, was auf Anstiften geschieht. Da muß man die Voraussetzung dieses Falles in Betracht ziehen.
[ 28 ] I gave you this problem to think on to help you see how to tackle something that occurs when one child incites the others.
[ 29 ] Um auf das Wesentliche hinzuweisen, will ich Ihnen folgende tatsächliche Begebenheit erzählen: In einer Klasse, wo solche Dinge oft vorgekommen waren, und die Lehrer sich gar nicht zu helfen wußten, ging in einer Zwischenpause einer der Jungen, der etwa zehn bis zwölf Jahre alt war, auf das Katheder hinauf und sagte: Meine Herren Lausbuben, schämt ihr euch nicht, immer wieder solche Sachen zu machen? Bedenkt doch, daß ihr alle ganz dumm bleiben würdet, wenn die Lehrer euch nichts lehren würden. — Dieses hatte die größte Wirkung.
[ 29 ] To demonstrate where the crux of the matter lies, I will tell you a story of something that actually occurred. In a class where things of this kind often happened, and where the teachers could not cope with them, one of the boys between ten and twelve years old went up to the front during the interval between two lessons and said, “Ladies and gentlemen! Aren’t you ashamed of always doing things like this, you good-fornothings? Just remember, you would all remain completely stupid if the teachers didn’t teach you anything.” This had the most wonderful effect.
[ 30 ] Wir können aus diesem Fall das Folgende lernen: Wenn so etwas vorkommt, daß auf Anstiftung eines einzelnen oder einiger weniger ein großer Teil der Klasse so etwas tut, dann ist ja wohl zu erwarten, daß wiederum durch den Einfluß einiger weniger die Sache wieder gutgemacht werden kann. Wenn einige da sind, die die Anstifter sind, so werden andere da sein, zwei bis drei, die der Klasse ihre Meinung sagen. Meistens gibt es Führer. Es müßte daher der Lehrer zwei oder drei solche Führer heraussuchen, müßte eine Besprechung veranstalten mit zweien oder dreien, die er für eine solche Besprechung für geeignet hält. Denen hätte der Lehrer klarzumachen, wie ja eine solche Sache den Unterricht unmöglich macht, und wie sie dieses erkennen und ihren Einfluß auf die Klasse geltend machen sollten. Die haben dann ebensoviel Einfluß wie die Anstifter und können es ihren Mitschülern klarmachen. Man muß eben bei einer solchen Sache in Rücksicht ziehen, wie die Kinder aufeinander wirken.
[ 30 ] We can learn something from this episode: When a large proportion of the class does something like this because of the instigation of one or more of the children, it may very well happen that, also through the influence of a few, order may be restored. If a few children have been instigators there will be others, two or three perhaps, who express disapproval. There are almost always leaders among the children, so the teacher should pick out two or three considered suitable and arrange a conversation with them. The teacher would have to make it clear that behavior of this kind makes teaching impossible, and that they should recognize this and make their influence felt in the class. These children will then have just as much influence as the instigators, and they can make things clear to their classmates. In any situation like this you must consider how the children affect one another.
[ 31 ] Es handelt sich hier vor allem um Hervorrufen von Gefühlen, die bewirken, daß man zurückkommt von der Sache. Ein rohes Bestrafen seitens des Lehrers würde ja nur Furcht und ähnliches bewirken. Es werden da nicht die Gefühle hervorgerufen, die zur Besserung führen. Es wird schon der Lehrer möglichst gelassen bleiben und sich dann objektiv verhalten müssen. Damit ist nicht gemeint, daß er sich selber nicht sollte als Autorität behandeln. Das kann er schon sagen: «Ihr würdet nichts lernen und dumm bleiben ohne den Lehrer». Der Lehrer soll nicht zu bescheiden sein, mit den drei von den Schülern das zu besprechen, die für ihn eintreten. Aber die Strafe sollte er schon von den Mitschülern ausführen lassen, indem diese bei ihren Kameraden das Gefühl der Beschämung erzeugen. Dadurch wird an das Gefühl appelliert, nicht an das Urteil. Wenn man aber die ganze Klasse wiederholt gegen sich hat, dann muß man die Schuld bei sich selber suchen. Ein guter Teil der Ungezogenheit liegt in dem Umstand, daß die Kinder sich langweilen und keine Beziehung zum Lehrer haben.
[ 31 ] The most important thing here is that you should evoke feelings that will lead them away from naughtiness. A harsh punishment on the part of the teacher would only cause fear and so on. It would never inspire the children to do better. The teacher must remain as calm as possible and adopt an objective attitude. That does not mean lessening the teacher’s own authority. The teacher could certainly be the one to say, “Without your teachers you would learn nothing and remain stupid.” But the teacher should allow the correction be carried out by the other children, leaving it to them to make their schoolmates feel ashamed. We thus appeal to feelings rather than to judgment. But when the whole class is repeatedly against the teacher, then the fault must be looked for in the teacher. Most naughtiness arises because the children are bored and lack a relationship with their teacher.
In Anknüpfung an eine Bemerkung von Paul Baumann bemerkt Rudolf Steiner:
Not translated
[ 32 ] Sehr gut ist es auch, wenn es sich nicht um eine allzuschlimme Sache handelt, dasjenige, was die Schüler tun, nun seinerseits auch zu tun; etwa indem der Lehrer sagt, wenn die Schüler brummen: «Nun ja, brummen kann ich ja auch», und die Sache sozusagen homöopathisch behandelt. Homöopathisch zu sein, ist für die moralische Erziehung etwas außerordentlich Gutes. Auch das Interesse einfach auf etwas anderes abzulenken, ist eine gute Methode. Niemals aber würde ich an den Ehrgeiz der Schüler appellieren.
[ 32 ] When a fault is not too serious it can certainly be very good for the teacher to do just what the pupils are doing—to say, for example, when the pupils are grumbling, “Well I can certainly grumble too!” In this way the matter is treated homeopathically, as it were. Homeopathic treatment is excellent for moral education. It’s also a good way to divert the children’s attention to something else (although I would never appeal to their ambition).
[ 33 ] Wir werden im allgemeinen nicht viel über solche Ungezogenheiten zu klagen haben.
[ 33 ] In general, however, we seldom have to complain of such misdemeanors.
[ 34 ] Wenn man die Korrektur der Ungezogenheit einer Klasse durch Mitschüler selbst vornehmen läßt, dann wird auf das Gefühl gewirkt, um dadurch die geschädigte Autorität wieder zu heben. Wenn ein anderer Schüler die Dankbarkeit hervorhebt, die man dem Lehrer gegenüber haben muß, dann wird die Autorität wieder aufgerichtet.
[ 34 ] Whenever you allow mischievousness of this kind to be corrected by other children in the class, you work on the feelings to reestablish weakened authority. When another pupil stresses that gratitude must be felt toward the teacher, then the respect for authority will be restored again. It is important to choose the right children; you must know your class and pick those suited to the task.
Rudolf Steiner bemerkte dann bezüglich der Korrektur der Ungezogenheit einer Klasse durch Mitschüler selbst:
Not translated
[ 35 ] Es wird sich darum handeln, daß man die Richtigen herausnimmt. Man muß die Klasse kennen und diejenigen herausfinden, die zu einer solchen Mission geeignet sein könnten. Würde ich eine Klasse unterrichten, ich könnte das wagen. Ich würde versuchen, gerade den Rädelsführer herauszufischen und ihn zwingen, zu schimpfen, so sehr er nur kann über die Sache zu schimpfen, und würde mir gar nichts merken lassen, daß er es selbst getan hat. Ich würde die Sache dann schnell beendigen, daß ein Rest von Unklarheit zurückbleibt, und Sie werden sehen, daß gerade unter diesem Rest von Unklarheit, der da bleibt, manches erreicht würde. Einen an der Sache beteiligten Schlingel zu veranlassen, die Sache richtig und objektiv zu charakterisieren, das wird nicht zu Scheinheiligkeit führen. Alles wirkliche Strafen würde ich für überflüssig halten, ja sogar für schädlich. Das, worauf es ankommt, ist, ein Gefühl zu erzeugen vom objektiven Schaden, der angerichtet worden ist, und von der Notwendigkeit, diesen Schaden wieder gutzumachen. Und wenn eine Zeitversäumnis eingetreten ist durch eine Störung im Unterricht, so ist es, nicht um zu strafen, sondern um Versäumtes nachzuholen, notwendig, dieses zu einer anderen als zur Schulzeit nachzuholen. Die Gebärde des Strafens darf gar nicht gebraucht werden. Man muß den Status quo ganz ruhig wieder herstellen lassen, in der Form einer Notwendigkeit.
[ 35 ] If I taught a class I could venture to do this. I would try to find the ringleader, whom I would compel to denounce, as much as possible, such conduct, to say as many bad things about it as possible, and I would ignore the fact that it was this student who had done it. I would then bring the matter quickly to a close so that a sense of uncertainty would be left in the minds of the children, and you will come to see that much can be gained from this element of uncertainty. And to make one of the rascals involved describe the incident correctly and objectively will not in any way lead to hypocrisy. I would consider any actual punishment superfluous, even harmful. The essential thing is to arouse a feeling for the objective damage that has been caused and the necessity of correcting it. If teaching time has been lost in dealing with this matter, then it must be made good after school hours, not as a punishment but simply to make up the time lost.
[ 36 ] Nun würde ich eine schon mehr ins Psychologische gehende Frage vorlegen: Wenn in der Klasse sogenannte schädliche Frömmlinge sind, die in der verschiedensten Weise sich Liebkind machen wollen, die diesen Charakter haben, daß sie einem mit allerlei kommen und immer wieder kommen, wie Sie diese behandeln möchten.
[ 36 ] I will now present a problem of a more psychological nature: if you have some rather unhealthy “goody-goodies” in the class—children who try to curry favor in various ways, who have a habit of continually coming to the teacher about this, that, and the other, how would you treat them?
[ 37 ] Sie können natürlich die Sache furchtbar einfach machen. Sie können sagen: Ich kümmere mich einfach nicht um sie. -— Dann aber wird diese Eigenschaft auf andere Weise abgelenkt bei Kindern, die so veranlagt sind. Sie entwickeln sich, diese Brävlinge, zu irgend etwas, was der Klasse nachteilig ist, wenn man sich bloß ablehnend verhält. Man muß nachdenken, was mit ihnen am besten gemacht wird im ganzen Verlauf des Unterrichts und der Erziehung.
[ 37 ] Of course you can treat the matter extremely simply. You could say: I am simply not going to bother with them. But then this peculiarity will be turned into other channels: these “good” children will gradually become a harmful element in the class.
