The Art of Education
GA 295
26 August 1919, Stuttgart
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Fünfte Seminarbesprechung
Fifth Seminar Discussion
[ 1 ] Rudolf Steiner: Es ist wirklich von einer großen Bedeutung, daß wir auch nebenhergehend etwas pflegen von deutlichem Sprechen. Es hat einen gewissen Einfluß, eine gewisse Wirkung. Nun sind bei einer anderen Gelegenheit einmal Sätze von mir formuliert worden, die weniger daraufhin ausgebildet sind, einen besonders tiefen Sinn zu geben, als darauf, daß man die Sprachorgane dabei in einer eben organischen Weise in Bewegung bringt, auch in allseitige Bewegung bringt. Ich möchte nun, daß Sie, ganz ohne Genieren, diese Sätze herumgehen lassen und jeder sie nachspricht, auf daß wir an solchen Sätzen, indem wir sie öfter üben, unsere Sprachorgane elastisch machen, sie gleichsam in Turnen versetzen. Frau Dr. Steiner wird diese Sätze kunstgerecht vorsprechen, und ich bitte die einzelnen Teilnehmer, die Sätze dann nachzusprechen. Diese Sätze sind nicht auf das Verstehen, nicht auf den Sinn, sondern auf das Turnen der Sprachorgane hin gebildet.
[ 1 ] Rudolf Steiner: It is truly of great importance that we also make a point of speaking clearly in our everyday lives. It has a certain influence, a certain effect. Now, on another occasion, I once formulated some sentences that are designed less to convey a particularly deep meaning than to set the speech organs in motion in a natural, organic way—and to move them in all directions. I would now like you, without any hesitation, to pass these sentences around so that everyone can repeat them, so that by practicing them frequently, we can make our speech organs supple—as it were, put them through a form of exercise. Dr. Steiner will recite these phrases correctly, and I ask each participant to repeat them afterward. These phrases are not designed for understanding or meaning, but rather for exercising the speech organs.
[ 2 ] Daß er dir log uns darf es nicht loben
[ 2 ] We must not praise him for lying to you
[ 3 ] Im wirklichen Konversationston wird es nicht so ausgesprochen, aber jetzt sollten Sie sich in die Silben hineinlegen und jeden Buchstaben abwechselnd sprechen.
[ 3 ] In actual conversation, it isn't pronounced that way, but for now, you should focus on the syllables and say each letter one at a time.
[ 4 ] Nimm nicht Nonnen in nimmermüde Mühlen
[ 4 ] Don't take nuns to tireless mills
[ 5 ] Das n kehrt immer wieder, aber in anderen Verbindungen, und da turnt das Sprachorgan in richtiger Weise. Auch das ist darin, daß zwei n zusammenkommen; bei den m «in nimm» länger verweilen. Lange i, kurze i.
[ 5 ] The “n” keeps coming back, but in different combinations, and that's when the vocal apparatus works just right. This is also evident in the way two “n”s come together; the “m”s linger longer in “nimm.” Long “i,” short “i.”
[ 6 ] Rate mir mehrere Rätsel nur richtig
[ 6 ] Guess several of my riddles correctly
[ 7 ] Die Organe kommen so in richtige turnerische Tätigkeit. Ich würde Ihnen empfehlen, besonders darauf zu achten, sich in die Laute, in die Silben förmlich hineinzulegen, förmlich hineinzuwachsen, auf ein solch deutliches Hineinwachsen wirklich aufmerksam zu sein, so daß Sie sich bewußt sind: Sie sprechen jeden Laut. Sie heben jeden einzelnen Laut ins Bewußtsein herauf. Das ist ja die Schwäche, die man sehr häufig im Sprechen hat, daß man hüpft über Laute, während das Sprechen dazu bestimmt ist, verstanden zu werden, und eher so lauten soll, daß man zunächst in einer gewissen karikierten Weise Silben betont, die gar nicht betont werden. Schauspieler üben sich, nicht «Freunderl» zu sagen, sondern «Freunderl». Also mit Bewußtsein jeden Buchstaben aussprechen! Es wird sogar gut sein, daß Sie solche Prozeduren machen, wenn auch nicht regelmäßig, wie der Demosthenes. Sie wissen ja, als es gar nicht mehr ging, hat er Steinchen auf die Zunge gelegt und seine Stimme durch Übung so gestärkt, daß sie das Rauschen des Stromes übertönte, um eine Sprache sich anzueignen, in der er von den Athenern gehört werden konnte.
[ 7 ] This is how the organs engage in proper gymnastic activity. I would recommend that you pay particular attention to really immersing yourself in the sounds, in the syllables—to truly grow into them—and to be genuinely mindful of this clear process of growing into them, so that you are aware: you are pronouncing every sound. You bring every single sound into your consciousness. That is, after all, the weakness one very often has in speech—that one skips over sounds—whereas speech is meant to be understood and should sound more like this: one initially emphasizes syllables in a somewhat exaggerated way that are not normally emphasized at all. Actors practice saying not “Freunderl” but “Freunderl.” So pronounce every letter with full awareness! It would even be good for you to practice such exercises, even if not as regularly as Demosthenes did. As you know, when he could no longer speak, he placed small stones on his tongue and, through practice, strengthened his voice to the point that it drowned out the roar of the river, in order to master a way of speaking in which he could be heard by the Athenians.
[ 8 ] Jetzt würde ich Fräulein B. bitten, uns die Sache der Temperamente vorzubringen. Da wir auf das Individuum hin orientiert den Unterricht geben wollen, ist es richtig, daß wir gerade auf die Grundlage der Temperamente eine große Sorgfalt verwenden. Natürlich kann man, wenn man eine Klasse hat, nicht auf jedes Kind hin individualisieren. Aber dadurch wird viel individualisiert, daß Sie auf der einen Seite, sagen wir, phlegmatische und melancholische, auf der anderen Seite sanguinische und cholerische Kinder haben, und nun lebendig durcheinander bald diese, bald jene teilnehmen lassen, bald zu der Gruppe dieses Temperaments sich wenden, und wiederum in den Antworten die anderen vornehmen, zu den einen dieses, zu den anderen jenes sprechen. Dadurch wird von selbst in der Klasse individualisiert.
[ 8 ] Now I would like to ask Miss B. to explain the concept of temperaments to us. Since we want to tailor our instruction to the individual, it is appropriate that we pay particular attention to the concept of temperaments. Of course, when teaching a class, it is not possible to tailor instruction to each individual child. But a great deal of individualization occurs simply because, on the one hand, you have, let’s say, phlegmatic and melancholic children, and on the other, sanguine and choleric children; and by engaging them in a lively mix—sometimes involving these, sometimes those—sometimes turning to the group with that temperament, and again prioritizing the others in your responses—addressing one group with this, the other with that—individualization naturally takes place in the class.
Leonie von Mirbach gibt ihre zusammenfassende Darstellung der Temperamente und ihrer Behandlung.
Leonie von Mirbach provides her summary of the temperaments and their treatment.
Merkmale und Behandlungsweise der vier Temperamente beim Kinde
Characteristics and Treatment of the Four Temperaments in Children
Allgemeines
General Information
Innerhalb der Vielartigkeit der kindlichen Charakteranlagen lassen sich vier Temperamentsgruppen unterscheiden: das sanguinische, phlegmatische, cholerische und melancholische Temperament. Diese vier Gruppen sind im Unterricht voneinander zu sondern. Denn nur durch eine gesonderte Behandlung ihrer eigentümlichen Fähigkeiten, Fehler und Bedürfnisse wird eine fruchtbare Gestaltung und Individualisierung des Unterrichts möglich sein. Außerdem wird durch ein Zusammensetzen der Kinder gleicher Temperamentsart ein natürliches Hilfsmittel gewonnen zur Abschleifung der einzelnen Temperamente unter sich und aller Temperamentsgruppen untereinander. Tatsächlich kann auf diesem Wege eine weitgehende Harmonisierung der verschiedenen Charakteranlagen bis zum 14. Lebensjahr erreicht werden, wenn diese äußere Maßnahme ergänzt wird durch eine genaue Kenntnis und darauf gegründete methodische Behandlung der vier Temperamente vonseiten des Lehrers.
Within the diversity of children’s temperaments, four distinct groups can be identified: the sanguine, phlegmatic, choleric, and melancholic temperaments. These four groups must be distinguished from one another in the classroom. For only by addressing their unique abilities, weaknesses, and needs separately will it be possible to design and tailor instruction in a fruitful and individualized manner. Furthermore, grouping children of the same temperament type provides a natural means of fostering harmony among the individual temperaments within a group and among all temperament groups. In fact, a significant harmonization of the various character dispositions can be achieved in this way by the age of 14, provided this external measure is supplemented by the teacher’s precise knowledge of the four temperaments and a methodical approach based on that knowledge.
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Wenn vorhin von einer Harmonisierung der Temperamentsanlagen gesprochen wurde, so war damit natürlich nicht eine Unterdrückung derselben, sondern eine Fruchtbarmachung ihrer besonderen Möglichkeiten gemeint. Denn nicht ein Neubau, sondern nur ein Umbau und Anbau des Charakters kann erstrebt werden und er kann nur gelingen aufgrund eines Eindringens in die eigentümliche Wesensart der vier Temperamente.
When we spoke earlier of harmonizing the temperamental dispositions, we did not, of course, mean suppressing them, but rather bringing their unique potential to fruition. For it is not a matter of building a character from scratch, but rather of remodeling and expanding it—and this can only succeed by delving into the distinctive nature of the four temperaments.
Wir schreiten daher fort zu einer Betrachtung der besonderen Merkmale und Behandlungsweise der vier Temperamente.
We will therefore proceed to examine the specific characteristics and treatment of the four temperaments.
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Was das sanguinische Kind von selbst tut, hat beim melancholischen Kinde der Unterricht erst hervorzurufen, nämlich die Richtung auf die Außenwelt. Er muss ein solches Kind immer wieder in unaufdringlicher Weise auf die Umwelt hinweisen, um es sozusagen aus sich selbst herauszuholen. Gelingt das, dann wird auch sein Wille, dessen Schwäche in Wechselbedingtheit mit dem geringen Interesse an der Außenwelt steht, zugleich erstarken. Natürlich genügt das nicht, sondern es muss eine direkte Willensschulung durch häufig wiederholtes Tun hinzutreten, um das melancholische Kind nicht nur der Umwelt aufzuschließen, sondern auch in fruchtbarer Weise einzugliedern.
What the sanguine child does naturally, instruction must first bring about in the melancholic child—namely, an orientation toward the outside world. The teacher must repeatedly and unobtrusively direct such a child’s attention to the environment in order to draw the child out of itself, so to speak. If this is achieved, then the child’s will—whose weakness is interrelated with their limited interest in the outside world—will simultaneously grow stronger. Of course, this alone is not enough; direct training of the will through frequently repeated actions must also be added in order not only to open the melancholic child up to the environment but also to integrate them into it in a fruitful way.
Dem besonderen Hindernis, das dem melancholischen Temperament aus der Einbildung erwächst, etwas ganz Besonderes zu sein und zu erleben, ist wirksam durch Lesen von Biografien großer Männer und durch die bewusste Einordnung in den universellen Zusammenhang der Natur entgegenzutreten.
The particular obstacle that arises for the melancholic temperament from the delusion of being and experiencing something entirely unique can be effectively countered by reading biographies of great men and by consciously placing oneself within the universal context of nature.
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[ 9 ] Rudolf Steiner: Das ist Ihre Ausführung. Nun, das ist sehr schön durchgeführt, was hier konversierend gesprochen worden ist. Es geht aber doch vielleicht zu weit, wenn Sie vom melancholischen Temperament geradezu behaupten, daß es zu ausgesprochener Frömmigkeit neigt. Es fehlt hier nur das kleine Wörtchen «oft». Es kann aber durchaus auch der Fall vorkommen, daß die melancholische Anlage bei Kindern auf einem ausgesprochenen Egoismus beruht, und daß es durchaus nicht religiöser Hang ist. Beim Erwachsenen wird man das Wörtchen «oft» weglassen können; beim kleinen Kinde ist das Melancholische sehr oft die Maske für einen ausgesprochenen Egoismus. — Melancholische Kinder sind oftmals abhängig von der Witterung, sie kündet sich auch an in melancholischen Kindern. Das sanguinische Kind ist auch abhängig von der Witterung, aber stimmungsgemäß, mehr seelisch, während das melancholische Kind mehr leiblich unbewußt davon abhängt.
[ 9 ] Rudolf Steiner: That is your explanation. Well, what has been said here in conversation is very well put. But perhaps you are going too far when you go so far as to claim that the melancholic temperament tends toward pronounced piety. The only thing missing here is the little word “often.” But it can certainly also be the case that the melancholic disposition in children is based on pronounced selfishness, and that it is by no means a religious inclination. In adults, one can omit the word “often”; in young children, the melancholic disposition is very often a mask for pronounced selfishness. — Melancholic children are often influenced by the weather; this tendency also manifests itself in melancholic children. The sanguine child is also influenced by the weather, but in terms of mood, more emotionally, whereas the melancholic child is influenced by it more physically and unconsciously.
[ 10 ] Wenn ich diese Frage eingehend geisteswissenschaftlich besprechen wollte, müßte ich Ihnen zeigen, wie sich namentlich das kindliche Temperament in das Karma einreiht, wie wirklich in dem kindlichen Temperament etwas herauskommt, was man als Folge bezeichnen kann von Erlebnissen in früherem Erdendasein. Nehmen wir im Konkreten einmal einen Menschen, der sich in einem Leben sehr stark für sich selbst interessieren muß. Dadurch, daß er einfach einsam ist, muß er sich für sich selber interessieren. Dadurch, daß er sehr häufig sich mit sich beschäftigen muß, dadurch kommt er insbesondere in die Lage, das Seelische in dem Gefüge seines Körperlichen auszugestalten, gezwungen durch die Verhältnisse, und er bringt in die nächste Inkarnation mit ein sehr stark ausgebildetes Leibliches mit Bezug auf sein Verhältnis zur Außenwelt. Er wird ein Sanguiniker. Dadurch kann es vorkommen, wenn einer durch seine Inkarnation zur Einsamkeit gezwungen ist und dadurch zurückgeblieben wäre, so gleicht er das in der nächsten Inkarnation dadurch aus, daß er ein Sanguiniker ist, der auf alles aufmerksam sein kann. Wir dürfen ja das Karma nicht moralisch betrachten; wir müssen es kausalisch betrachten. Daß er ein Sanguiniker werden kann, angewiesen auf die Beobachtung der Außenwelt, das kann ja ein sehr Gutes für das Leben abgeben, wenn es in der richtigen Weise erzogen wird. Das Temperament hängt ja in hervorragendem Maße mit den allgemeinen Antezedenzien des Menschenwesens, des menschlichen Gemütslebens zusammen.
[ 10 ] If I were to discuss this question in depth from a Spiritual Science perspective, I would have to show you how, in particular, a child’s temperament fits into karma—how something truly emerges in the child’s temperament that can be described as a consequence of experiences in a previous earthly existence. Let’s take, for example, a person who, in one lifetime, must take a very strong interest in himself. Simply because he is lonely, he must take an interest in himself. Because they must very often occupy themselves with themselves, they are thus placed in a position—compelled by circumstances—to shape the soul within the structure of their physical being, and they carry into their next incarnation a very strongly developed physical constitution in relation to their interaction with the outside world. He becomes a sanguine type. Consequently, if someone is forced into solitude by his incarnation and would otherwise have been held back, he compensates for this in his next incarnation by being a sanguine type who is attentive to everything. We must not, of course, view karma from a moral perspective; we must view it causally. The fact that he can become a sanguine person, reliant on observing the external world, can indeed be a great benefit to life if he is brought up in the right way. Temperament is, after all, closely linked to the general antecedents of the human being, of the human emotional life.
[ 11 ] Karl Stockmeyer fragt, was der Verschiebung der Temperamente im Laufe des Lebens von der Jugend zum Erwachsenen zugrunde liegt.
[ 11 ] Karl Stockmeyer asks what underlies the shift in temperaments over the course of a person's life, from youth to adulthood.
[ 12 ] Rudolf Steiner: Wenn Sie sich erinnern an einen Vortragszyklus, den ich einmal in Kassel gehalten habe, «Das Johannes-Evangelium im Verhältnis zu den drei anderen Evangelien», so werden Sie darin Bemerkungen finden über die Beziehungen eines Kindes zu seinen Eltern. Sie werden darin ausgeführt finden, wie in dem physischen Leib und in dem Ich das väterliche Prinzip sehr stark nachwirkt, wie in dem Ätherleib und Astralleib das mütterliche Prinzip vorherrscht. Goethe hat das geahnt, indem er den schönen Ausspruch getan hat:
[ 12 ] Rudolf Steiner: If you recall a series of lectures I once gave in Kassel, “The Gospel of John in Relation to the Other Three Gospels,” you will find remarks in it about a child’s relationship to its parents. You will find it explained there how the paternal principle continues to exert a very strong influence in the physical body and in the “I,” and how the maternal principle predominates in the etheric and astral bodies. Goethe sensed this when he made the beautiful statement:
Vom Vater hab’ ich die Statur, - was sich auf den physischen Leib bezieht
I got my build from my father—in terms of my physical body
Des Lebens ernstes Führen, — was sich auf das Ich bezieht
Living Life Seriously—As It Relates to the Self
Vom Mütterchen die Frohnatur - was an den Ätherleib gebunden ist
From “The Cheerful Little Mother”—What Is Bound to the Etheric Body
Und Lust zu fabulieren - was an den Astralleib gebunden 1st.
And a desire to spin tales—which is bound to the astral body.
[ 13 ] In diesen Worten liegt eigentlich eine ganz außerordentliche Weisheit. Sie sehen, daß in einer merkwürdigen Weise zusammengemischt ist, was eigentlich im Menschen ist. Der Mensch ist eben eine durchaus komplizierte Wesenheit. Es besteht eine bestimmte Verwandtschaft zwischen Ich und physischem Leib, und eine Verwandtschaft zwischen Ätherleib und Astralleib. Im Laufe des Lebens kann daher eines in das andere übergehen. Es geht also zum Beispiel über beim melancholischen Temperament das Vorherrschen des Ich in das Vorherrschen des physischen Leibes. Und beim Choleriker überspringt es sogar die Vererbung und geht über vom Mütterlichen ins Väterliche, denn es geht über vom Überwiegen des Astralischen zum Überwiegen des Ich.
[ 13 ] There is actually quite extraordinary wisdom in these words. You can see that what is actually within the human being is blended together in a remarkable way. The human being is, after all, a thoroughly complex entity. There is a certain relationship between the “I” and the physical body, and a relationship between the etheric body and the astral body. Over the course of life, therefore, one can transition into the other. For example, in the melancholic temperament, the predominance of the “I” shifts to the predominance of the physical body. And in the choleric temperament, it even bypasses heredity and shifts from the maternal to the paternal, for it shifts from the predominance of the astral to the predominance of the “I.”
[ 14 ] Beim melancholischen Temperament des Kindes herrscht vor das Ich, beim Erwachsenen der physische Leib. Beim sanguinischen Temperament des Kindes herrscht vor der Ätherleib, beim Erwachsenen der Astralleib. Beim phlegmatischen Temperament des Kindes herrscht vor der physische Leib, beim Erwachsenen der Ätherleib. Beim cholerischen Temperament des Kindes herrscht vor der Astralleib, beim Erwachsenen das Ich.
[ 14 ] In a child with a melancholic temperament, the “I” predominates; in an adult, the physical body predominates. In a child with a sanguine temperament, the etheric body predominates; in an adult, the astral body predominates. In a child with a phlegmatic temperament, the physical body predominates; in an adult, the etheric body does. In a child with a choleric temperament, the astral body predominates; in an adult, the “I” does.
[ 15 ] Sie werden eben solche Dinge nur richtig ansehen, wenn Sie streng festhalten, daß man nicht die Dinge nebeneinanderstellen kann, um so weniger, je höher Sie in geistige Gebiete kommen.
[ 15 ] You will only be able to view such things correctly if you strictly adhere to the principle that things cannot be placed side by side—and this is all the more true the higher you ascend into the realms of the spirit.
Walter Johannes Stein: Es findet sich ein ähnlicher Übergang in der Personenanordnung im Personenverzeichnis im «Hüter der Schwelle» und «Der Seelen Erwachen».
Walter Johannes Stein: A similar shift in the order of characters can be found in the character lists of *The Guardian of the Threshold* and *The Awakening of the Soul*.
[ 16 ] Rudolf Steiner: Dort drinnen ist eine Verwandlung, die durchaus den Tatsachen entsprechen kann. Diese Mysterien müssen Sie so nehmen, daß Sie sie möglichst wenig theoretisch aufnehmen. Ich kann gar keine Auskunft geben, wenn die Frage theoretisch gestellt wird, weil ich sie eben nur so, wie sie dastehen, rein gegenständlich vor mir gehabt habe. Die Personen sind alle nur der Wirklichkeit entnommen. Ich habe neulich bei einem gewissen Anlaß hier vorgetragen, daß es den Felix Balde gegeben hat, in Trumau, und jener alte Schuhmacher, der den Urtyp des Felix Balde noch gekannt hat, heißt Scharinger, aus Münchendorf. Es ist auch der Felix dort noch in der Tradition vorhanden. So sind alle diese Gestalten, die Sie in meinen Mysterien finden, einzelne wirkliche Persönlichkeiten.
[ 16 ] Rudolf Steiner: There is a transformation taking place there that may well correspond to reality. You must approach these mysteries in such a way that you take them in as little theoretically as possible. I cannot provide any information at all if the question is posed theoretically, because I have only ever had them before me exactly as they are, in a purely concrete way. The characters are all drawn from reality. I recently spoke here on a certain occasion about how Felix Balde actually existed in Trumau, and that old shoemaker who still knew the archetype of Felix Balde is named Scharinger, from Münchendorf. The figure of Felix is also still part of the local tradition there. So all these characters you find in my Mysteries are individual, real people.
Herbert Hahn: Wenn man von Volkstemperament spricht, kann man dann auch von der Zugehörigkeit eines einzelnen zu dem Temperament seines Volkes reden? — Und weiter: drückt sich das Volkstemperament in der Sprache aus?
Herbert Hahn: When we speak of national character, can we also speak of an individual’s connection to the character of his or her people? — And furthermore: Is national character expressed in language?
[ 17 ] Rudolf Steiner: Das erste ist richtig, das zweite nicht ganz. In realem Sinne kann man von einem Volkstemperament sprechen. Völker haben wirklich ihre Temperamente, doch der einzelne kann sich gut herausheben aus dem Volkstemperament, es wirkt nicht prädisponierend auf das Individuum. Man muß darauf Rücksicht nehmen, daß man ja nicht die Individualität des einzelnen identifiziert mit dem Temperament des ganzen Volkes. Es würde zum Beispiel ganz falsch sein, wenn man den Russen als einzelnen von heute identifizierte mit dem Temperament des russischen Volkes. Dieses wäre melancholisch, während der einzelne Russe als solcher heute vielleicht mehr sanguinisch ist. Jeder hat die Möglichkeit, zu seinem eigenen Temperament zu kommen.
[ 17 ] Rudolf Steiner: The first statement is correct; the second is not entirely so. In a real sense, one can speak of a national temperament. Nations do indeed have their own temperaments, but the individual can very well stand out from the national temperament; it does not predispose the individual. One must be careful not to equate the individuality of a single person with the temperament of the entire nation. For example, it would be entirely wrong to equate a single Russian today with the temperament of the Russian people. The latter would be melancholic, whereas the individual Russian, as such, might be more sanguine today. Everyone has the opportunity to develop their own temperament.
[ 18 ] Die Art des Volkstemperamentes drückt sich selbst in den einzelnen Sprachen aus. Man kann daher durchaus sagen: die Sprache des einen Volkes ist so, die des anderen so. Man kann sagen: Die englische Sprache ist durchaus phlegmatisch und die griechische im eminentesten Sinne sanguinisch. Solche Dinge lassen sich durchaus als Bezeichnung von realen Wirklichkeiten sagen. Die deutsche Sprache hat, wie ja im Deutschen vielfach ein Mittelding gegeben ist, sehr starke melancholische und sehr starke sanguinische Züge. Das können Sie sehen, wenn die deutsche Sprache in ihrer Grundform zum Ausdruck kommt, wie namentlich in der mehr philosophischen Rede. Ich erinnere an die wunderbare Prägung der philosophischen Rede bei Fichte und an einzelne Stellen von Hegels «Ästhetik». Da werden Sie finden, daß da der Grundcharakter der deutschen Sprache ganz besonders deutlich zum Ausdruck kommt.
[ 18 ] The nature of a people’s temperament is expressed even in their individual languages. One can therefore certainly say: the language of one people is like this, that of another like that. One can say: The English language is thoroughly phlegmatic, and the Greek language is sanguine in the most eminent sense. Such statements can certainly be made as descriptions of real realities. The German language, as is often the case in German—where a middle ground frequently exists—has very strong melancholic and very strong sanguine traits. You can see this when the German language is expressed in its most fundamental form, particularly in more philosophical discourse. I would like to draw your attention to the wonderful style of philosophical discourse in Fichte and to certain passages in Hegel’s *Aesthetics*. There you will find that the fundamental character of the German language is expressed with particular clarity.
[ 19 ] Der italienische Volksgeist hat eine besondere Verwandtschaft mit der Luft; der französische einen besonderen Zusammenhang mit allem Flüssigen; der englisch-amerikanische, namentlich der englische, einen Zusammenhang mit dem Festen, der amerikanische sogar mit dem Unterirdischen, nämlich mit dem Erdmagnetismus und der Erdelektrizität. Dann der russische mit dem Licht, aber mit dem von der Erde, von den Pflanzen zurückgestrahlten Licht. Der deutsche mit der Wärme, von der Sie gleich finden werden, daß sie einen Doppelcharakter hat: nämlich innere und äußere, Blutwärme und atmosphärische Wärme. Da finden Sie gleich einen polarischen Charakter, auch bei der Zuteilung zu diesen Elementarzuständen. Auch da finden wir dieses Polarische, dieses Zwiespältige des deutschen Wesens, das also in allem drinnen ist.
[ 19 ] The Italian national spirit has a special affinity with the air; the French one, a special connection with all things liquid; the Anglo-American—namely, the English—one, a connection with the solid, and the American one even with the subterranean, namely with the Earth’s magnetism and electricity. Then there is the Russian spirit, which is connected to light—but specifically to the light reflected by the earth and by plants. The German spirit is connected to heat, which you will soon discover has a dual character: namely, internal and external—body heat and atmospheric heat. Here, too, you will immediately find a polar character, even in the allocation to these elemental states. Here, too, we find this polar nature, this ambivalence of the German character, which is thus present in everything.
Rudolf Steiner sagt nachher im Privatgespräch: Das italienische Temperament ist cholerisch, das französische cholerisch-sanguinisch.
Rudolf Steiner later says in a private conversation: “The Italian temperament is choleric; the French temperament is choleric-sanguine.”
Es wird gefragt: Dürfen die Kinder etwas wissen von dieser Einteilung in Temperamente?
The question is: Should children be told about this classification of temperaments?
[ 20 ] Rudolf Steiner: Das ist dasjenige, was man hinter den Kulissen halten muß. Es kommt sehr viel darauf an, daß der Lehrer taktvoll weiß, was er hinter den Kulissen zu halten hat. Alles dasjenige, was wir hier besprechen, das ist dazu da, um dem Lehrer die Autorität zu verleihen. Wenn er sich verraten würde, würde er nicht durchkommen.
[ 20 ] Rudolf Steiner: That is what must be kept behind the scenes. It is very important that the teacher tactfully knows what he must keep behind the scenes. Everything we are discussing here is intended to confer authority upon the teacher. If he were to give himself away, he would not succeed.
[ 21 ] Die Schüler sollen nicht nach ihren Leistungen gesetzt werden. Wünsche der Schüler, einmal nebeneinander zu sitzen, nicht zu berücksichtigen, ist gerade nützlich.
[ 21 ] Students should not be seated according to their academic performance. It is actually helpful not to take into account students' requests to sit next to each other.
Frage: Können auch ältere Schüler nach Temperamenten gesetzt werden?
Question: Can older students also be grouped by temperament?
[ 22 ] Rudolf Steiner: Ja, selbst bis in die Hochschule hinein; aber nach dem fünfundzwanzigsten Jahr ist das nicht mehr nötig. Sie würden Ihnen auch dann nicht mehr folgen.
[ 22 ] Rudolf Steiner: Yes, even all the way up to the university level; but after the age of twenty-five, that is no longer necessary. They would no longer follow you even then.
Rudolf Treichler fragt: Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Temperamenten und der Auswahl der Sprachen für die verschiedenen Temperamente der Kinder?
Rudolf Treichler asks: Is there a connection between temperaments and the choice of languages for children with different temperaments?
[ 23 ] Rudolf Steiner: Das würde theoretisch schon richtig sein, aber es empfiehlt sich nicht, unter den heutigen Verhältnissen darauf Rücksicht zu nehmen. Man wird gar nicht in die Möglichkeit versetzt sein, allein dasjenige zu berücksichtigen, was nur nach der Anlage des Kindes richtig ist, sondern auch, daß das Kind in der Welt fortkommen muß, und daß man ihm das gibt, was es zu seinem Fortkommen brauchen wird. Wenn sich in der nächsten Zeit herausstellen sollte, daß sehr viele deutsche Kinder nicht geeignet sein sollten für die Aufnahme der englischen Sprache, so wäre es gut, dieser Schwäche nicht nachzugeben. Gerade diejenigen, die eine solche Schwäche zeigen, die werden erst recht die englische Sprache brauchen.
[ 23 ] Rudolf Steiner: That would be correct in theory, but it is not advisable to take it into account under today’s circumstances. One will not be in a position to consider solely what is right according to the child’s disposition, but must also take into account that the child must get along in the world, and that one must give the child what it will need to get along. If it should turn out in the near future that a great many German children are not suited to learning the English language, it would be good not to give in to this weakness. It is precisely those who show such a weakness who will need the English language all the more.
Es folgt die Besprechung der gestern gestellten Aufgaben: daß die ganze Klasse, von einem einzelnen angestiftet, eine große Ungezogenheit begeht, daß sie zum Beispiel an die Decke spucken. Es werden einige Ansichten darüber vorgebracht.
Next is a discussion of the incidents that occurred yesterday: that the entire class, incited by a single student, committed a serious act of misbehavior—for example, spitting on the ceiling. Several opinions on the matter are expressed.
Rudolf Steiner macht dazu verschiedentlich Zwischenbemerkungen:
Rudolf Steiner makes several comments on this subject:
[ 24 ] Rudolf Steiner macht dazu verschiedentlich Zwischenbemerkungen: Das Hinarbeiten auf das Langweiligwerden einer solchen Sache, so daß die Kinder dann von selber aufhören, sie fortzusetzen, das ist schon ganz zweckmäßig. -— Man muß stets unterscheiden, ob etwas aus Bosheit oder aus Übermut geschieht.
[ 24 ] Rudolf Steiner makes various comments on this: Working toward making such an activity boring, so that the children then stop doing it on their own, is quite appropriate. — One must always distinguish whether something is done out of malice or out of exuberance.
[ 25 ] Etwas möchte ich bemerken: Auch der beste Lehrer wird die Ungezogenheiten nicht vermeiden können. Wenn aber die ganze Klasse mittut, dann ist wohl meist der Lehrer schuld. Liegt die Schuld nicht am Lehrer, so ist immer ein Teil der Schüler auf Seite des Lehrers und wird für ihn Partei ergreifen. Nur wenn er schuldig ist, macht die ganze Klasse mit.
[ 25 ] I would like to make one point: Even the best teacher will not be able to prevent misbehavior. But if the whole class joins in, then the teacher is usually to blame. If the teacher is not at fault, there will always be some students who side with the teacher and take his or her defense. Only when the teacher is at fault does the entire class join in.
[ 26 ] Ist aber eine Sachbeschädigung vorgekommen, dann ist es schon richtig, daß sie wieder gutgemacht werden muß, und die Kinder selbst müssen sie wieder gutmachen, aber durch ihre eigene Tätigkeit, nicht nur indem sie dafür zahlen. Man kann ja den Sonntag oder zwei bis drei Sonntage dafür benützen, daß sie zusammen die Sache wieder gutmachen.
[ 26 ] However, if property damage has occurred, then it is certainly true that it must be repaired, and the children themselves must make amends—but through their own efforts, not just by paying for it. They can use one Sunday, or two or three Sundays, to work together to repair the damage.
[ 27 ] Dann ist ja wahr, ein gutes Mittel zum Ad-absurdum-Führen ist auch der Humor, besonders bei kleinen Ungezogenheiten. Aber hier beruhte das Ganze auf Anstiften.
[ 27 ] So it's true—humor is also a good way to reduce things to absurdity, especially when it comes to minor misbehaviors. But in this case, the whole thing was based on incitement.
[ 28 ] Ich habe diese Aufgabe gestellt, damit man sieht, wie man eingreift in etwas, was auf Anstiften geschieht. Da muß man die Voraussetzung dieses Falles in Betracht ziehen.
[ 28 ] I posed this question so that people could see how to intervene in a situation that arises from incitement. In such cases, one must take the circumstances of the case into account.
[ 29 ] Um auf das Wesentliche hinzuweisen, will ich Ihnen folgende tatsächliche Begebenheit erzählen: In einer Klasse, wo solche Dinge oft vorgekommen waren, und die Lehrer sich gar nicht zu helfen wußten, ging in einer Zwischenpause einer der Jungen, der etwa zehn bis zwölf Jahre alt war, auf das Katheder hinauf und sagte: Meine Herren Lausbuben, schämt ihr euch nicht, immer wieder solche Sachen zu machen? Bedenkt doch, daß ihr alle ganz dumm bleiben würdet, wenn die Lehrer euch nichts lehren würden. — Dieses hatte die größte Wirkung.
[ 29 ] To highlight the main point, I’d like to tell you the following true story: In a class where such incidents had occurred frequently—and the teachers didn’t know what to do about it—one of the boys, who was about ten to twelve years old, climbed up onto the teacher’s desk during a break and said: “You little rascals, aren’t you ashamed of doing things like this over and over again? Just think—you’d all remain completely stupid if the teachers didn’t teach you anything.” — This had the greatest effect.
[ 30 ] Wir können aus diesem Fall das Folgende lernen: Wenn so etwas vorkommt, daß auf Anstiftung eines einzelnen oder einiger weniger ein großer Teil der Klasse so etwas tut, dann ist ja wohl zu erwarten, daß wiederum durch den Einfluß einiger weniger die Sache wieder gutgemacht werden kann. Wenn einige da sind, die die Anstifter sind, so werden andere da sein, zwei bis drei, die der Klasse ihre Meinung sagen. Meistens gibt es Führer. Es müßte daher der Lehrer zwei oder drei solche Führer heraussuchen, müßte eine Besprechung veranstalten mit zweien oder dreien, die er für eine solche Besprechung für geeignet hält. Denen hätte der Lehrer klarzumachen, wie ja eine solche Sache den Unterricht unmöglich macht, und wie sie dieses erkennen und ihren Einfluß auf die Klasse geltend machen sollten. Die haben dann ebensoviel Einfluß wie die Anstifter und können es ihren Mitschülern klarmachen. Man muß eben bei einer solchen Sache in Rücksicht ziehen, wie die Kinder aufeinander wirken.
[ 30 ] We can learn the following from this case: When something like this happens—when, at the instigation of one or a few students, a large portion of the class engages in such behavior—then it is reasonable to expect that, through the influence of a few students, the situation can be rectified. If there are some who are the instigators, there will be others—two or three—who speak their minds to the class. There are usually leaders. The teacher should therefore identify two or three such leaders and organize a discussion with the two or three students he considers suitable for such a discussion. The teacher should make it clear to them how such a situation makes teaching impossible, and how they should recognize this and exert their influence on the class. They will then have just as much influence as the instigators and can make this clear to their classmates. In such a situation, one must simply take into account how the children influence one another.
[ 31 ] Es handelt sich hier vor allem um Hervorrufen von Gefühlen, die bewirken, daß man zurückkommt von der Sache. Ein rohes Bestrafen seitens des Lehrers würde ja nur Furcht und ähnliches bewirken. Es werden da nicht die Gefühle hervorgerufen, die zur Besserung führen. Es wird schon der Lehrer möglichst gelassen bleiben und sich dann objektiv verhalten müssen. Damit ist nicht gemeint, daß er sich selber nicht sollte als Autorität behandeln. Das kann er schon sagen: «Ihr würdet nichts lernen und dumm bleiben ohne den Lehrer». Der Lehrer soll nicht zu bescheiden sein, mit den drei von den Schülern das zu besprechen, die für ihn eintreten. Aber die Strafe sollte er schon von den Mitschülern ausführen lassen, indem diese bei ihren Kameraden das Gefühl der Beschämung erzeugen. Dadurch wird an das Gefühl appelliert, nicht an das Urteil. Wenn man aber die ganze Klasse wiederholt gegen sich hat, dann muß man die Schuld bei sich selber suchen. Ein guter Teil der Ungezogenheit liegt in dem Umstand, daß die Kinder sich langweilen und keine Beziehung zum Lehrer haben.
[ 31 ] This is primarily about evoking feelings that cause one to step back from the issue at hand. Harsh punishment on the part of the teacher would only instill fear and similar emotions. It does not evoke the feelings that lead to improvement. The teacher must remain as calm as possible and behave objectively. This does not mean that he should not assert his authority. He can certainly say: “You would learn nothing and remain ignorant without the teacher.” The teacher should not be too modest to discuss this with the three students who stand up for him. However, the teacher should have the punishment carried out by the classmates themselves, so that they instill a sense of shame in their peers. This appeals to their feelings, not to their judgment. But if the entire class repeatedly turns against you, then you must look for the fault within yourself. A good part of the misbehavior stems from the fact that the children are bored and have no connection to the teacher.
In Anknüpfung an eine Bemerkung von Paul Baumann bemerkt Rudolf Steiner:
In response to a comment by Paul Baumann, Rudolf Steiner notes:
[ 32 ] Sehr gut ist es auch, wenn es sich nicht um eine allzuschlimme Sache handelt, dasjenige, was die Schüler tun, nun seinerseits auch zu tun; etwa indem der Lehrer sagt, wenn die Schüler brummen: «Nun ja, brummen kann ich ja auch», und die Sache sozusagen homöopathisch behandelt. Homöopathisch zu sein, ist für die moralische Erziehung etwas außerordentlich Gutes. Auch das Interesse einfach auf etwas anderes abzulenken, ist eine gute Methode. Niemals aber würde ich an den Ehrgeiz der Schüler appellieren.
[ 32 ] It is also very good—provided the matter is not too serious—to do whatever the students are doing; for example, when the students are humming, the teacher might say, “Well, I can hum, too,” and treat the situation, so to speak, homeopathically. Being “homeopathic” is an exceptionally good approach to moral education. Simply redirecting their attention to something else is also a good method. But I would never appeal to the students’ ambition.
[ 33 ] Wir werden im allgemeinen nicht viel über solche Ungezogenheiten zu klagen haben.
[ 33 ] In general, we won't have much to complain about when it comes to such misbehavior.
[ 34 ] Wenn man die Korrektur der Ungezogenheit einer Klasse durch Mitschüler selbst vornehmen läßt, dann wird auf das Gefühl gewirkt, um dadurch die geschädigte Autorität wieder zu heben. Wenn ein anderer Schüler die Dankbarkeit hervorhebt, die man dem Lehrer gegenüber haben muß, dann wird die Autorität wieder aufgerichtet.
[ 34 ] If one allows classmates themselves to correct a class’s misbehavior, this appeals to their emotions, thereby restoring the authority that has been undermined. When another student emphasizes the gratitude one must feel toward the teacher, authority is restored.
Rudolf Steiner bemerkte dann bezüglich der Korrektur der Ungezogenheit einer Klasse durch Mitschüler selbst:
Rudolf Steiner then commented on the idea of classmates themselves correcting misbehavior in a class:
[ 35 ] Es wird sich darum handeln, daß man die Richtigen herausnimmt. Man muß die Klasse kennen und diejenigen herausfinden, die zu einer solchen Mission geeignet sein könnten. Würde ich eine Klasse unterrichten, ich könnte das wagen. Ich würde versuchen, gerade den Rädelsführer herauszufischen und ihn zwingen, zu schimpfen, so sehr er nur kann über die Sache zu schimpfen, und würde mir gar nichts merken lassen, daß er es selbst getan hat. Ich würde die Sache dann schnell beendigen, daß ein Rest von Unklarheit zurückbleibt, und Sie werden sehen, daß gerade unter diesem Rest von Unklarheit, der da bleibt, manches erreicht würde. Einen an der Sache beteiligten Schlingel zu veranlassen, die Sache richtig und objektiv zu charakterisieren, das wird nicht zu Scheinheiligkeit führen. Alles wirkliche Strafen würde ich für überflüssig halten, ja sogar für schädlich. Das, worauf es ankommt, ist, ein Gefühl zu erzeugen vom objektiven Schaden, der angerichtet worden ist, und von der Notwendigkeit, diesen Schaden wieder gutzumachen. Und wenn eine Zeitversäumnis eingetreten ist durch eine Störung im Unterricht, so ist es, nicht um zu strafen, sondern um Versäumtes nachzuholen, notwendig, dieses zu einer anderen als zur Schulzeit nachzuholen. Die Gebärde des Strafens darf gar nicht gebraucht werden. Man muß den Status quo ganz ruhig wieder herstellen lassen, in der Form einer Notwendigkeit.
[ 35 ] The key will be to pick the right ones. You have to know the class and identify those who might be suited for such a mission. If I were teaching a class, I could take that chance. I would try to single out the ringleader and force him to rant—to rant as much as he possibly can about the matter—and I wouldn’t let on in the slightest that he was the one who did it. I would then bring the matter to a quick close, leaving a trace of ambiguity behind, and you’ll see that it is precisely within that trace of ambiguity that much would be achieved. Getting a mischievous student involved in the incident to describe the situation accurately and objectively will not lead to hypocrisy. I would consider any actual punishment unnecessary—indeed, even harmful. What matters is creating an awareness of the objective harm that has been done and of the need to make amends for that harm. And if time has been lost due to a disruption in class, it is necessary—not to punish, but to make up for what was missed—to make up that time outside of school hours. The gesture of punishment must not be used at all. One must allow the status quo to be restored calmly, in the form of a necessity.
[ 36 ] Nun würde ich eine schon mehr ins Psychologische gehende Frage vorlegen: Wenn in der Klasse sogenannte schädliche Frömmlinge sind, die in der verschiedensten Weise sich Liebkind machen wollen, die diesen Charakter haben, daß sie einem mit allerlei kommen und immer wieder kommen, wie Sie diese behandeln möchten.
[ 36 ] Now I would like to pose a question that delves more into the psychological realm: If there are so-called “harmful pietists” in the class—people who try to curry favor in all sorts of ways, who have a tendency to come at you with all kinds of things over and over again—how would you like to deal with them?
[ 37 ] Sie können natürlich die Sache furchtbar einfach machen. Sie können sagen: Ich kümmere mich einfach nicht um sie. -— Dann aber wird diese Eigenschaft auf andere Weise abgelenkt bei Kindern, die so veranlagt sind. Sie entwickeln sich, diese Brävlinge, zu irgend etwas, was der Klasse nachteilig ist, wenn man sich bloß ablehnend verhält. Man muß nachdenken, was mit ihnen am besten gemacht wird im ganzen Verlauf des Unterrichts und der Erziehung.
[ 37 ] Of course, you can make things terribly simple. You can say: I’ll just ignore them. — But then this trait will manifest itself in other ways in children who are predisposed to it. These little rascals will develop into something that is detrimental to the class if one simply adopts a dismissive attitude. One must consider what is best for them throughout the entire course of instruction and education.
