The Educational Value
of Understanding Human Nature
GA 296
9 August 1919, Dornach
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The Education Question as a Social Issue, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Nach einer Arbeit, die tief hineinsehen ließ in dasjenige, was gegenwärtig vorgeht in Menschengemütern, was gegenwärtig besteht an innerer Tragik der Menschheitsentwickelung, kann ich wiederum einige Tage hier an diesem Orte sein, der ja so eng verbunden ist mit jener Tätigkeit, von der wir doch glauben müssen, daß sie abgeben kann die Kraft, die heutige Tragik der Menschheit wiederum in ein hoffnungsvolleres Fahrwasser nach und nach umzuentwickeln.
[ 1 ] After a work that offered a deep insight into what is currently taking place in the human mind, into the inner tragedy of humanity’s development as it exists today, I am once again able to spend a few days here in this place, which is so closely connected to that endeavor—one that we must believe can provide the strength to gradually steer humanity’s current tragedy back onto a more hopeful course.
[ 2 ] Zu keiner Zeit vielleicht war eigentlich weniger Neigung vorhanden, in wahrem und echtem Sinne des Wortes die Seele zu erheben zu den geistigen Welten, und notwendig ist es ganz besonders in dieser Zeit, die Seele zu erheben zu den geistigen Welten. Denn nur aus diesen geistigen Welten kann dasjenige kommen, was der gegenwärtigen Menschheit Kraft geben kann, weiter den Lebenspfad als ganze Menschheit zu gehen. Die Probleme, die Aufgaben, die der Gegenwart gestellt sind, von ihnen glaubt man heute in weitesten Kreisen, daß man sie lösen kann mit den Gedanken, mit den Impulsen, welche herzunehmen sind aus dem äußerlichen menschlichen Wissen. Wie lange es noch dauern kann, bis ein genügend großer Teil der Menschheit sich zu der Überzeugung durchringt, daß nur auf dem geistigen Wege ein wirkliches Heil zu erreichen ist, das ist heute eigentlich außerordentlich schwer zu sagen, schon aus dem Grunde, weil das Nachdenken gerade über diese Frage eigentlich nicht besonders fruchtbar ist. Aber sicher ist das andere, daß nur wird weitergeschritten werden können, wenn diese Überzeugung, daß nur aus den geistigen Welten die Rettung kommt, in einer genügend großen Anzahl von Menschen wirklich durchgedrungen ist.
[ 2 ] Perhaps at no other time has there been less inclination, in the true and genuine sense of the word, to lift the soul up to the spiritual worlds; and it is especially necessary in this time to lift the soul up to the spiritual worlds. For it is only from these spiritual worlds that what can give present-day humanity the strength to continue walking the path of life as a whole humanity can come. The problems and tasks facing the present day—it is widely believed today that they can be solved with the thoughts and impulses drawn from external human knowledge. How long it may still take before a sufficiently large portion of humanity brings itself to the conviction that true salvation can be attained only through the spiritual path is, in fact, extremely difficult to say today—if only because reflection on this very question is not particularly fruitful. But one thing is certain: progress can only be made if this conviction—that salvation comes only from the spiritual worlds—has truly taken root in a sufficiently large number of people.
[ 3 ] Was die Menschen heute in weitesten Kreisen beschäftigt, worüber aber doch ernstlich nachzusinnen den Menschen vor allen Dingen die intellektuelle Kraft fehlt, weil die intellektuelle Kraft in der gegenwärtigen Zeit fast wie gelähmt ist bei einem großen Teil der Menschheit, das sind ja die sozialen Probleme. Und der Glaube herrscht, daß man diese sozialen Probleme mit dem, was man heute Wissen und Erkenntnis nennt, bewältigen könne. Man wird sie nicht bewältigen können, man wird sie niemals bewältigen können, wenn sie nicht in Angriff genommen werden vom Gesichtspunkte geistiger Erkenntnis.
[ 3 ] What preoccupies people today on a vast scale, yet about which they lack—above all—the intellectual capacity to reflect seriously, because that capacity is, in the present age, almost paralyzed in a large portion of humanity, are, of course, social problems. And the prevailing belief is that these social problems can be overcome with what is today called knowledge and insight. They cannot be overcome—they will never be overcome—unless they are addressed from the perspective of spiritual insight.
[ 4 ] Wir haben einen langen Waffenkampf durchgemacht. An diesen langen Waffenkampf wird sich anschließen ein wahrscheinlich recht lange dauernder Kampf der Menschheit überhaupt. Viele Leute haben gesagt: Dieser Waffenkampf, wie er erlebt worden ist über die zivilisierte Welt hin, er war das furchtbarste Ereignis dieser Art seit der Zeit, da man überhaupt von einer menschlichen Geschichte spricht. — Man kann nicht sagen, daß dieses Urteil unrichtig ist. Der Kampf, der mit diesen und jenen Mitteln auszufechten sein wird, der sich an diesen Waffenkampf anschließen wird zwischen Orient und Okzident, zwischen Asien, Europa und Amerika, dieser Kampf wird wohl der größte Geisteskampf werden, welchen wiederum die Menschheit auszufechten hat. All dasjenige, was selbst durch das Christentum an Impulsen und Kräften in die Menschheit eingeflossen ist, das wird in gewaltigen, elementaren Kampfeswogen die Zivilisation überspülen.
[ 4 ] We have endured a long armed conflict. This long armed conflict will be followed by what is likely to be a rather protracted struggle for humanity as a whole. Many people have said: This armed conflict, as it has unfolded across the civilized world, was the most terrible event of its kind since the very beginning of human history. — One cannot say that this judgment is incorrect. The struggle—which will have to be waged with various means and which will follow this armed conflict—between the East and the West, between Asia, Europe, and America, will likely be the greatest spiritual struggle that humanity will have to wage. All that has flowed into humanity—even through Christianity—in the form of impulses and forces will sweep over civilization in mighty, elemental waves of struggle.
[ 5 ] Man kann heute, ich möchte sagen, auf eine einfache Formel bringen, worinnen der große Gegensatz liegt zwischen dem Orient und dem Okzident. Aber diese einfache Formel — nehmen Sie sie nicht einfach. Diese einfache Formel schließt ungeheure Weiten menschlicher Impulse ein. Sie wissen, ich habe in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft» aufmerksam darauf gemacht, daß für weite Kreise der gegenwärtigen Menschheit das Geistesleben eine Ideologie geworden ist, daß dasjenige, was geistige Güter der Menschheit sind, Recht, Sitte, Wissenschaft, Kunst, Religion und so weiter, so angesehen wird, daß das nur der Rauch gewissermaßen ist, der aufsteigt aus der einzig wahren Wirklichkeit, aus der ökonomischen Produktionsweise, aus dem wirtschaftlichen Untergrund. Über solche Dinge habe ich ja zu Ihnen auch gesprochen, als ich vor mehreren Monaten hier von Ihnen Abschied nahm.
[ 5 ] Today, I would say, one can express in a simple formula the nature of the great contrast between the East and the West. But do not take this simple formula at face value. This simple formula encompasses immense expanses of human impulses. As you know, in my book *The Key Points of the Social Question in the Necessities of Life in the Present and Future*, I drew attention to the fact that, for broad segments of humanity today, spiritual life has become an ideology; that what constitutes humanity’s spiritual goods—law, custom, science, art, religion, and so on— are viewed as being, so to speak, merely the smoke rising from the only true reality—the economic mode of production, the economic foundation. I spoke to you about such things as well when I took my leave of you here several months ago.
[ 6 ] Ideologie — erwidern einem heute weite Kreise, wenn man von Geistesleben spricht; es ist alles das, was sich aus der einzigen Wirklichkeit, aus der ökonomischen Wirklichkeit, aus der Wirtschaftswirklichkeit spiegelt in der menschlichen Seele, nur Ideologie. - Man hat heute viel Grund, nachzudenken darüber, was dieses Wort Ideologie eigentlich in der Weltkultur bedeutet. Und es bedeutet sehr viel. Man kann dieses Wort mit keinem anderen in einen näheren Zusammenhang bringen, als mit dem Worte Maja der orientalischen Weisheit. Maja richtig ins Abendländische übersetzt, bedeutet Ideologie. Und jede andere Übersetzung von Maja ist ungenauer als die Übersetzung mit Ideologie. So daß man sagen kann: im Grunde genau dasselbe begrifflich oder ideenhaft, was der Morgenländer sich vorstellt bei dem Worte Maja, das stellt sich ein großer Teil der abendländischen Menschheit vor bei dem Worte Ideologie. Aber welch gewaltiger Unterschied! Was denkt der Morgenländer bei dem Worte Maja? Er denkt, die äußere Sinneswelt ist die Maja, alles dasjenige, was an unsere Sinne herankommt und an den an die Sinne gebundenen Verstand, das ist die Maja, das ist die große Täuschung. Und die einzige Wirklichkeit ist dasjenige, was in der Seele aufsteigt. Das Seelisch-Geistige, zu dem sich der Mensch durchringt, das ist dasjenige, was Wirklichkeit ist; was im menschlichen Inneren aufquillt und aufsprießt, das ist Wirklichkeit. Das, was sich den Sinnen äußerlich darbietet, ist Maja, ist Ideologie.
[ 6 ] Ideology—that is the response one hears from many quarters today when speaking of intellectual life; it is everything that is reflected in the human soul from the sole reality, from economic reality, from the reality of the economy—nothing but ideology. - Today, there is good reason to reflect on what the word “ideology” actually means in world culture. And it means a great deal. No other word can be more closely associated with it than the word “maya” from Eastern wisdom. “Maya,” correctly translated into Western terms, means “ideology.” And every other translation of “maya” is less precise than the translation “ideology.” So one can say: fundamentally, the very same concept or idea that people in the East have in their mental images when they hear the word “maya” is what a large part of Western humanity has in its mental images when it hears the word “ideology.” But what a tremendous difference! What does the Eastern think of when he hears the word “maya”? He thinks that the external sensory world is maya—everything that reaches our senses and the intellect bound to the senses—that is maya; that is the great illusion. And the only reality is that which arises within the soul. The soul-spiritual realm, to which a person strives, is what constitutes reality; what wells up and sprouts within the human being—that is reality. What presents itself externally to the senses is maya, is ideology.
[ 7 ] Und über einen großen Teil der abendländischen Menschheit breitet sich die andere Überzeugung aus: Die einzige Wirklichkeit ist dasjenige, was den äußeren Sinnen erscheint. Das ist die Wirklichkeit. Genau dasjenige, was der Morgenländer Maja nennt, das ist für einen großen Teil der abendländischen Menschheit die Wirklichkeit. Und was der Orientale die Wirklichkeit nennt, dasjenige, was innerlich aufsprießt, was innerlich aufquillt in der Seele, das ist für einen großen Teil der abendländischen Menschheit Ideologie, Maja. Sie sehen einen großen Gegensatz. Was der Orientale die Wirklichkeit nennt, nennt Europa und Amerika heute schon die Maja: Ideologie ist dasselbe. Dasjenige, was der Abendländer mit Amerika, mit dem amerikanischen Nachwuchs, die Ideologie, die Maja nennt, das ist für den Orientalen Wirklichkeit.
[ 7 ] And among a large portion of Western humanity, another conviction is spreading: The only reality is that which appears to the external senses. That is reality. Precisely what the Easterners call “maya”—that is reality for a large portion of Western humanity. And what the Easterners call reality—that which springs up inwardly, that which wells up within the soul—is, for a large part of Western humanity, ideology, maya. They see a great contrast. What the Easterners call reality, Europe and America today already call maya: ideology is the same thing. What Westerners—along with America and the American youth—call ideology, call maya, is reality for the Easterners.
[ 8 ] Das frißt tief in den Seelen der Menschen, das macht die Menschen über die Erde hin zu zwei ganz verschiedenen Wesensarten. Wenn Sie überblicken dasjenige, was geschehen ist über die zivilisierte Welt, so werden Sie sich sagen, hoffentlich heute schon sagen: Im Grunde ist alles das, was gesprochen wird über Ursache und Veranlassungen dieser Weltkatastrophe eigentlich auf der Oberfläche schwimmend, Oberflächenansicht. Dasjenige, was sich ausgeprägt hat in diesem furchtbaren Kampf, das ist etwas, was wie elementar aus unbewußten Tiefen heraufgezogen ist. Die Menschen haben daran teilgenommen, man sieht es heute ganz genau, sie wußten nicht warum im Grunde; es ist dasjenige, was dieser Gegensatz, der noch lange nicht ausgetragen ist, an elementaren Kräften an die Oberfläche geschwemmt hat. So stark ist das antisoziale Element in der Gegenwart, daß die Menschheit in diese zwei wesensverschiedenen Glieder zerfällt.
[ 8 ] This cuts deep into people’s souls; it divides people across the earth into two entirely different types of beings. If you take stock of what has happened throughout the civilized world, you will say to yourself—and hopefully are already saying today—that, fundamentally, everything that is said about the causes and motivations behind this global catastrophe is actually just skimming the surface; it is a superficial view. What has emerged in this terrible struggle is something that has risen, as it were, from the unconscious depths. People took part in it—as is perfectly clear today—without really knowing why; it is what this conflict, which is far from being resolved, has brought to the surface in the form of elemental forces. The antisocial element is so strong at present that humanity is splitting into these two fundamentally different parts.
[ 9 ] Und bringen Sie das, was ich eben gesagt habe, mit anderem in Zusammenhang, so werden Sie finden, wenn Sie nach Westen schauen, daß das Streben des Westens nach Freiheit geht - ob man diese Freiheit versteht oder mißversteht, es kommt weniger darauf an -, das Streben geht nach Freiheit; und wie aus dunklen Untergründen der Menschenseele herauf, wühlt sich das Bedürfnis nach Freiheit.
[ 9 ] And if you connect what I have just said with other things, you will find, when you look to the West, that the West’s striving is directed toward freedom—whether one understands or misunderstands this freedom is of little consequence—the striving is toward freedom; and, as if rising from the dark depths of the human soul, the need for freedom stirs.
[ 10 ] Blicken Sie nach dem Osten: Dasjenige, was man im Westen die Freiheit nennt, für den Osten hat es eigentlich keinen rechten Sinn; es ist wie etwas, womit man überhaupt keine Begriffe, keine Empfindungen verbindet. Dasjenige, was man am intensivsten erlebt, über das denkt man da nicht nach. Denken Sie doch nur einmal, wie wenig die Menschen über Naturerscheinungen nachdenken, die sie unmittelbar im Alltag umgeben! Über das allernächst Erlebte denken die Menschen ja nicht nach. Der Orientale, indem er die ihm gemäße Wirklichkeit verfolgt, die innere Wirklichkeit, er lebt in der Freiheit, die ihm eben werden kann nach seinen Rassen-, Volks- und Stammeseigentümlichkeiten. Er denkt nicht darüber nach. Je weiter man nach Westen blickt, desto mehr ist im Lauf der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit die Freiheit verlorengegangen: weil sie sie nicht hat, muß sie danach streben.
[ 10 ] Look toward the East: What is called “freedom” in the West has no real meaning for the East; it is like something with which one associates no concepts or feelings at all. One does not reflect on the very things one experiences most intensely. Just think for a moment how little people reflect on the natural phenomena that surround them directly in everyday life! People do not reflect on what they experience most immediately. The Oriental, by pursuing the reality that is appropriate to him—the inner reality—lives in the freedom that is made possible for him precisely by his racial, ethnic, and tribal characteristics. He does not reflect on it. The further one looks toward the West, the more freedom has been lost in the course of humanity’s historical development: because they do not have it, they must strive for it.
[ 11 ] Und so könnte man vieles, vieles anführen, man würde in allem finden diesen fundamentalen Gegensatz zwischen dem Westen und den Osten. Es kündigt sich bereits an dasjenige, was vielleicht schon die nächsten Jahre bringen werden. Augenblicklich sind es nur äußere Symptome, äußere Symptome, die in Asien vorgehen, über die Europa heute noch schweigt — schweigt aus wohlverstandenen Gründen. Daß zum Beispiel in Indien fast mehr als die Hälfte der Bevölkerung halb verhungert ist, das wird aus der Geistigkeit heraus gerade des indischen Volkes etwas gebären, was noch ganz anderes darstellen wird, als dasjenige, was sich in Europa abgespielt hat. Das sind äußere Symptome. Aber auch mit Bezug auf diese äußeren Symptome sind die Menschen heute in zwei wesensverschiedene Glieder getrennt. Für den Inder bedeutet der Hunger etwas ganz anderes als für den Europäer, denn der Inder hat eine Jahrtausende alte andere seelische Entwickelung hinter sich als der Europäer. Diese Dinge, sie müssen heute scharf ins Auge gefaßt werden von dem, der etwas verstehen will von dem Gang der Menschheitsentwickelung. Wir müssen uns heute klar sein darüber, daß dasjenige, was man gewöhnlich die soziale Frage nennt, etwas viel Komplizierteres ist, als man gewöhnlich meint. Diese soziale Frage, sie ist ja eine Begleiterscheinung jener Kultur, die heraufgekommen ist seit der Mitte des 15. Jahrhunderts. Ich habe von diesem bedeutsamen Einschnitt in die Geschichte der zivilisierten Menschheit in der Mitte des 15. Jahrhunderts immer wieder und wiederum auch zu Ihnen hier gesprochen. Seit dieser Zeit kam allmählich herauf die neuere Färbung der Naturwissenschaft. Seit dieser Zeit kam aber auch herauf die neuere Färbung des Industrialismus. Naturwissenschaft und Industrialismus zusammen, die bedeuten dasjenige, was sich über die moderne Menschheit ausgegossen hat, und was der modernen Menschheit die besondere Richtung ihres Geistes gegeben hat.
[ 11 ] And so one could cite many, many examples; in all of them one would find this fundamental contrast between the West and the East. There are already signs of what the coming years may bring. At present, these are merely external symptoms—external symptoms unfolding in Asia—about which Europe remains silent today—silent for well-understood reasons. The fact, for example, that in India nearly more than half the population is half-starved will, out of the very spiritual nature of the Indian people, give rise to something that will be quite different from what has unfolded in Europe. These are external symptoms. But even with regard to these external symptoms, people today are divided into two fundamentally different groups. For the Indian, hunger means something entirely different than it does for the European, for the Indian has undergone a spiritual development over millennia that is different from that of the European. These things must be clearly recognized today by anyone who wishes to understand the course of human development. We must be clear today that what is commonly called the “social question” is something far more complicated than is generally supposed. This social question is, after all, a byproduct of the culture that has emerged since the middle of the 15th century. I have spoken to you here time and again about this significant turning point in the history of civilized humanity in the mid-15th century. Since that time, the newer character of the natural sciences has gradually emerged. But since that time, the new character of industrialism has also emerged. Natural science and industrialism together represent what has swept over modern humanity and what has given modern humanity the particular direction of its spirit.
[ 12 ] Ich habe auch hier in der Schweiz zu Ihnen gesprochen von der besonderen Artung der Naturwissenschaft, habe Ihnen gesagt, daß gescheite Leute, die heute nachdenken über das, was die Naturwissenschaft geben kann, schon sagen: Dasjenige, was die neuere Naturanschauung überliefert, ist nicht die Welt, es ist ein Gespenst von der Welt. - Alles das, was die Naturforscher ausgedacht haben, und was heute populäre Bildung ist, viel mehr populäre Bildung ist als diese Menschen glauben, das ist Glaube, eigentlich Aberglaube an eine gespenstische Welt. Und an die Seite dieser gespenstischen Welt ist dasjenige gestellt, was aus dem modernen Industrialismus an geistiger Wirksamkeit über die Menschen gekommen ist. Der Industrialismus, man muß ihn in seiner geistigen Bedeutung einmal ins Auge fassen. Nehmen Sie dasjenige, was den Industrialismus vorzugsweise beherrscht, die Maschine. Die Maschine unterscheidet sich von allem übrigen, mit dem es der Mensch zu tun haben kann in seinem äußeren Leben. Ich bitte Sie, betrachten Sie das Tier. Sie werden, indem Sie Ihre wissenschaftlichen oder sonstigen Erkenntnisgedanken auf das Tier anwenden - ich will gar nicht vom Menschen in dem heutigen Zusammenhang sprechen -, noch so viel über das Tier erforschen können, es bleibt immer etwas, ich möchte sagen, Göttlich-Tiefes im Tiere; Sie schöpfen es nicht aus, Sie kommen nicht dahinter. Hinter das, was Sie über das Tier denken, stellt sich immer etwas, was Ihnen unbekannt bleibt. Bei der Pflanze ist es nicht weniger. Und nehmen Sie selbst den Kristall, nehmen Sie die wunderbaren Formen der Kristallwelt, Sie werden sich sagen müssen: Gewiß, man kann das ÄAußerste begreifen in der Kristallwelt, in ihren Formen und so weiter, wenn man auf diese Sache hin geschult ist, aber es bleibt noch hinlänglich vieles von dem, was der Mensch verehren kann als dasjenige, zu dem er nicht mit dem unmittelbaren, unhellseherischen Verstande dringt.
[ 12 ] I have also spoken to you here in Switzerland about the special nature of the natural sciences; I have told you that intelligent people who today reflect on what the natural sciences have to offer are already saying: What the modern view of nature conveys is not the world; it is a phantom of the world. - Everything that natural scientists have concocted, and what is considered popular education today—far more so than these people realize—is belief, in fact superstition, in a phantom world. And alongside this phantom world stands what modern industrialism has brought upon humanity in terms of spiritual influence. Industrialism—one must consider it in its spiritual significance. Take what primarily characterizes industrialism: the machine. The machine differs from everything else with which a human being may come into contact in their external life. I ask you to consider the animal. No matter how much you may research the animal by applying your scientific or other cognitive insights to it—I do not wish to speak of human beings in this context at all—there will always remain something, I would say, divinely profound in the animal; you cannot exhaust it, you cannot fathom it. Behind what you think about the animal, there is always something that remains unknown to you. It is no different with the plant. And take the crystal itself—take the wondrous forms of the crystal world—and you will have to admit: Certainly, one can comprehend the outermost aspects of the crystal world—its forms and so on—if one is trained in this matter, but there still remains a great deal of what human beings can revere as that which they cannot penetrate with their immediate, non-clairvoyant intellect.
[ 13 ] Nehmen Sie die Maschine, sie ist durch und durch durchsichtig. Man weiß: die Kraft setzt so ein, der Zapfen sitzt so und so in der Offnung drinnen, die Reibung ist eine so und so große, man kann den Nutzeffekt berechnen, wenn man die einzelnen Elemente kennt — nichts ist hinter der Maschine, welches auffordert dazu, sich zu sagen: Da ist etwas, was nicht durchdrungen werden kann mit dem gewöhnlichen unseherischen menschlichen Verstande. Das bedeutet für den Verkehr des Menschen mit der Maschine sehr viel. Und wenn man wiederum einmal vor Tausenden und Tausenden von Menschen gestanden hat, die es mit der Maschine zu tun haben, dann weiß man, was in die Seelen der Menschen hineinträufelt von dieser geistig durchsichtigen Maschine, von dieser Maschine, die nichts hinter sich hat, was irgendwie vielleicht für den unseherischen Verstand nur geahnt oder nicht durchschaut werden könnte. Das macht den Verkehr mit der Maschine so verheerend für den Menschen, daß die Maschine geistig-seelisch so durchsichtig ist; daß alles, was an Kräften und Kräftezusammenhängen in der Maschine ist, so wasserklar daliegt vor den menschlichen Sinnen und dem menschlichen Verstande. Das ist das, was Herz und Seele der Menschen aussaugt, was den Menschen trocken macht, was den Menschen unmenschlich macht.
[ 13 ] Take the machine; it is transparent through and through. We know: the force acts in this way, the pin fits into the opening like this, the friction is this much—one can calculate the net effect if one knows the individual elements—there is nothing behind the machine that prompts one to say: There is something here that cannot be fathomed by ordinary, unseeing human reason. This means a great deal for humanity’s interaction with the machine. And when one has once stood before thousands upon thousands of people who deal with the machine, then one knows what seeps into the souls of these people from this spiritually transparent machine—from this machine that has nothing behind it that the unseeing mind might in any way merely suspect or fail to fathom. What makes interaction with the machine so devastating for human beings is that the machine is so spiritually and psychologically transparent; that everything—all the forces and interrelationships of forces within the machine—lies crystal clear before the human senses and the human mind. This is what drains the hearts and souls of human beings, what dries them up, what renders them inhuman.
[ 14 ] Und Naturwissenschaft und Maschine zusammen, sie bedrohen die zivilisierte Menschheit mit einem dreifachen furchtbar Zerstörenden. Denn was droht dieser modernen Menschheit, wenn sie sich nicht aufrafft, nach dem Übersinnlichen hinzuschauen? In bezug auf die Erkenntnis droht nach und nach jenes Ideal überhand zu nehmen, welches von Naturforschern schon ausgesprochen ist, indem sie gesagt haben: Man strebt an, die Natur so zu erkennen, daß diese Erkenntnis eine astronomische ist, das heißt der Astronomie nachgebilder ist. Wenn Sie heute sehen, wie der Chemiker nachdenkt über das, was im Molekül drinnen ist, so stellt er sich vor, daß die Atome im Molekül in einer gewissen Weise im Kräftezusammenhange sind (es wird gezeichnet). Das stellt er sich nach dem Muster eines kleinen Planeten- und Sonnensystems vor. Die ganze Welt astronomisch zu erklären, das wird das Ideal. Und die Astronomie selbst, was hat sie für ein Ideal? Das ganze Weltengebäude als eine Maschine anzusehen. — Dazu jenes Tun, jenes Handeln der Menschen an der Maschine!
[ 14 ] And natural science and machinery together threaten civilized humanity with a threefold, terribly destructive force. For what threat looms over this modern humanity if it does not rouse itself to look toward the supernatural? With regard to knowledge, the ideal already articulated by natural scientists—namely, that one strives to understand nature in such a way that this understanding is astronomical, that is, modeled after astronomy—is gradually threatening to gain the upper hand. If you observe today how a chemist reflects on what lies within a molecule, he forms the mental image that the atoms in the molecule are connected in a certain way through forces (this is depicted in diagrams). He envisions this according to the model of a small planetary system with a sun. To explain the entire world astronomically—that becomes the ideal. And astronomy itself—what is its ideal? To view the entire structure of the world as a machine. — And then there is that activity, that human interaction with the machine!
[ 15 ] Das sind die Dinge, die immer stärker und stärker gewirkt haben seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, das sind die Dinge, welche gegenwärtig dem Menschen das eigentlich Menschliche aussaugen. Wenn die Menschen weiter nur so nachdenken würden, wie sie über die maschinenhafte Astronomie und über den Industrialismus, indem sie in ihm arbeiten, nachdenken, würden die Geister mechanisiert werden, die Seelen, sie würden schläfrig, vegetarisiert werden, und die Leiber animalisiert.
[ 15 ] These are the things that have had an ever-increasing impact since the mid-15th century; these are the things that are currently draining humanity of what is truly human. If people were to continue thinking only in the same way they think about mechanistic astronomy and industrialism—by working within it—their minds would become mechanized, their souls would grow drowsy and vegetative, and their bodies would become animalized.
[ 16 ] Sehen Sie nach Amerika: der Hochpunkt der Mechanisierung der Geister! Sehen Sie nach dem europäischen Osten, nach Rußland: jene wilden Triebe und Instinkte, die sich da ausleben, und die furchtbar sind: Animalisierung des Leibes. In der Mitte, in Europa die Schläfrigkeit der Seele. Mechanisierung des Geistes, Vegetarisierung der Seele, Animalisierung der Leiber, das ist dasjenige, was man sich ohne Täuschung vorhalten muß.
[ 16 ] Look to America: the pinnacle of the mechanization of the mind! Look to Eastern Europe, to Russia: those wild urges and instincts that run rampant there, and which are terrifying—the animalization of the body. In the middle, in Europe, lies the lethargy of the soul. The mechanization of the mind, the vegetative state of the soul, the animalization of the body—this is what one must keep in mind without delusion.
[ 17 ] Es ist charakteristisch, wie die Menschheit verloren hat - ich habe das hier schon einmal erwähnt -, verloren hat auf dem Wege seit der Mitte des 15. Jahrhunderts neben zwei Lebenselementen das Dritte. Eine mächtige Partei nennt sich heute «Sozialdemokratie», das heißt: Sozialismus und Demokratie hat sie zusammengeschweißt, obwohl sie das Gegenteil voneinander sind. Aber sie hat sich sie zusammengeschweißt, und sie hat ausgelassen das Geistige. Denn der Sozialismus kann sich nur auf das Wirtschaftliche, die Demokratie nur auf das Staatlich-Rechtliche beziehen; auf das Geistige würde sich beziehen der Individualismus. Die Freiheit, sie ist ausgelassen in dem Wort Sozialdemokratie, sonst müßte es heißen: individuelle oder individualistische Sozialdemokratie. Dann würden alle drei Dinge als Menschenforderung in einem solchen Schlagworte zum Ausdrucke kommen. Aber es ist charakteristisch für die neuere Zeit, daß dieses Dritte ausgeblieben ist, daß alsogewissermaßen der Geist wirklich zur Maja, zur großen Täuschung für die zivilisierte Menschheit des Westens geworden ist, Europas und seines kolonialen Nachwuchses Amerika. Das sind die Dinge, von denen ausgegangen werden muß, wenn man Geisteswissenschaft im Sinne einer großen Kulturfrage betrachtet. Über dasjenige, was in den Forderungen der Gegenwart lebt, kann eigentlich gar nicht diskutiert werden. Das sind historische Forderungen. Eine historische Forderung ist der Sozialismus, er muß nur im richtigen Sinne verstanden werden. Eine historische Forderung ist die Demokratie, eine historische Forderung ist aber auch der Liberalismus, die Freiheit, der Individualismus, wenn auch diese letztere Forderung von der modernen Menschheit wenig bemerkt wird. Und die Menschheit wird nicht weiter mitreden können, ohne daß sie ihren sozialen Organismus im Sinne der Dreigliederung: des Sozialismus für das Wirtschaftsleben, der Demokratie für das Rechts- oder Staatsleben, der Freiheit oder des Individualismus für das Geistesleben einrichtet.
[ 17 ] It is telling how humanity has lost—as I have mentioned here before—the third of the three elements of life along the way since the mid-15th century. A powerful party today calls itself “Social Democracy,” which means it has fused socialism and democracy, even though they are opposites. But it has fused them, and in doing so has omitted the spiritual. For socialism can relate only to the economic sphere, and democracy only to the state and legal sphere; individualism, on the other hand, relates to the spiritual. Freedom is omitted from the term “social democracy”; otherwise, it would have to be called “individual” or “individualistic social democracy.” Then all three elements would be expressed as human demands in such a catchphrase. But it is characteristic of modern times that this third element has been omitted, so that, in a sense, the spirit has truly become a maya—a great deception—for the civilized humanity of the West, of Europe and its colonial offshoot, America. These are the things one must take as a starting point when considering Spiritual Science in the sense of a major cultural question. What is alive in the demands of the present cannot really be discussed at all. These are historical demands. Socialism is a historical demand; it merely needs to be understood in the right sense. Democracy is a historical demand, but so too are liberalism, freedom, and individualism—even if this last demand goes largely unnoticed by modern humanity. And humanity will no longer be able to have a say unless it organizes its social organism according to the threefold order: socialism for economic life, democracy for legal or political life, and freedom or individualism for spiritual life.
[ 18 ] Das wird angesehen werden müssen als das einzige Heil, als die wirkliche Rettung der Menschheit. Aber wir werden uns nicht täuschen dürfen darüber, daß gerade deshalb, weil dies intensive, unbesiegliche historische Forderungen sind für die Gegenwart, sich andere Forderungen für denjenigen, der die Dinge tiefer durchblickt, aufstellen. Die erwachsenen Menschen werden in einem sozialen Organismus leben müssen, der wirtschaftlich sozial, staatlich demokratisch, geistig liberal aufgerichtet wird sein müssen.
[ 18 ] This must be regarded as the only salvation, as the true salvation of humanity. But we must not delude ourselves into thinking that, precisely because these are intense, invincible historical demands for the present, other demands arise for those who see things more deeply. Adults will have to live in a social organism that must be structured in an economically and socially just, politically democratic, and intellectually liberal manner.
[ 19 ] Die große Frage für die Zukunft wird sein: Wie werden wir uns zu benehmen haben gegenüber den Kindern, wenn wir sie so erziehen wollen, daß sie als Erwachsene in das Soziale, das Demokratische, in das Liberale in umfassendstem Sinne hineinwachsen können? Und eine der allerwichtigsten der sozialen Fragen für die Zukunft, ja schon für die Gegenwart, ist einmal die Erziehungsfrage. Und auf diese Erziehungsfrage wurde gerade innerhalb der Geisteswissenschaft hingedeutet in der Weise, wie es die Menschheit der Gegenwart wird verstehen müssen, wenn sie vorwärtsdringen will. Sonst werden die sozialen Forderungen immer chaotisch bleiben, wenn nicht gesehen wird auf ihrem Grunde die gewaltigste Frage der Gegenwart: die Erziehungsfrage. Und Sie brauchen, wenn Sie die großen Richtlinien kennenlernen wollen für dasjenige, was in der Erziehungsfrage vorliegt, nur zur Hand zu nehmen das kleine Büchelchen: «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft.» Eine der wichtigsten sozialen Fragen der Gegenwart ist mit diesem Büchelchen auf die Oberfläche der Menschenbetrachtung gehoben worden: die soziale Erziehungsfrage. Lernen wird man müssen in weitesten Kreisen der modernen Menschheit dasjenige, was mit Bezug auf die drei Epochen der Jugendentwickelung des Menschen aus der Geisteswissenschaft herausgeholt werden kann.
[ 19 ] The big question for the future will be: How should we behave toward children if we want to raise them so that, as adults, they can grow into a social, democratic, and liberal society in the broadest sense? And one of the most important social issues for the future—indeed, even for the present—is the question of education. And it is precisely this question of education that has been addressed within the Spiritual Science in a way that contemporary humanity will have to understand if it wishes to move forward. Otherwise, social demands will always remain chaotic if we fail to recognize at their root the most momentous question of our time: the question of education. And if you wish to become acquainted with the guiding principles regarding the issue of education, you need only pick up this little book: *The Education of the Child from the Perspective of the Spiritual Science*. This little book has brought one of the most important social issues of our time to the forefront of human consideration: the social question of education. The broadest circles of modern humanity will have to learn what can be gleaned from Spiritual Science regarding the three epochs of human youth development.
[ 20 ] Sie wissen, es ist da hingewiesen darauf, wie zwischen der Geburt und dem 7. Jahre, dem Jahre, das den Zahnwechsel durchschnittlich bringt, das Menschenwesen ein nachahmendes Wesen ist, wie das Menschenwesen dasjenige tut, was seine Umgebung tut. Betrachten Sie schließlich das Kind wirklich verständig, Sie werden überall finden: Das Kind ist ein nachahmendes Wesen, es tut dasjenige, was die Großen tun. Die große Wichtigkeit in dem Kindesleben ist die, daß die Menschen, die in der Umgebung des Kindes sind, nur dasjenige tun, was das Kind nachahmen kann, ja, daß sie nur dasjenige denken und empfinden in der Umgebung des Kindes, was das Kind nachahmen kann. Das Kind setzt, indem es durch die Geburt ins physische Dasein eintritt, nur das fort, was es erlebt hat in der geistigen Welt vor der Empfängnis. Da lebt man ja als Menschenwesen in den Wesen der höheren Hierarchien drinnen; da tut man alles dasjenige, was an Impulsen aus dem Wesen der höheren Hierarchien kommt. Da ist man in einem noch viel höheren Grade ein Nachahmer, weil man in einer Einheit ist mit denjenigen Wesen, die man nachahmt. Dann wird man in die physische Welt herausgesetzt. Da setzt man die Gewohnheit, eins zu sein mit der Umgebung, fort. Diese Gewohnheit erstreckt sich dann darauf, eins zu sein mit Wesen, oder nachzuahmen diejenigen Wesen, die als Menschen in der Umgebung sind und für die Erziehung zu sorgen haben, indem sie dasjenige nur tun und denken und empfinden, was das Kind nachahmen kann. Es ist um so größeres Heil für das Kind, je mehr es leben kann nicht in seiner Seele, sondern in der Seele der Umgebung, in den Seelen der Umgebung.
[ 20 ] You know, it is pointed out there how, between birth and the age of 7—the age at which, on average, children begin to lose their baby teeth—human beings are imitative creatures; how they do what those around them do. If you really observe the child closely, you will find this everywhere: The child is an imitative being; it does what the adults do. The great importance in a child’s life is that the people in the child’s environment do only what the child can imitate—indeed, that they think and feel only what the child can imitate in the child’s presence. When the child enters physical existence through birth, it merely continues what it experienced in the spiritual world before conception. There, as a human being, one lives within the beings of the higher hierarchies; there, one acts in accordance with all the impulses that come from the beings of the higher hierarchies. There, one is an imitator to an even greater degree, because one is at one with the beings one imitates. Then one is placed into the physical world. There, one continues the habit of being at one with one’s surroundings. This habit then extends to being one with beings—or imitating those beings—who are present in the environment as human beings and are responsible for the child’s upbringing, by doing, thinking, and feeling only what the child can imitate. The greater the benefit for the child, the more it is able to live not in its own soul, but in the souls of those around it.
[ 21 ] In der Vergangenheit konnten die Menschen, weil ihr Leben mehr ein instinktives war, auf diese Nachahmung auch instinktiv sich verlassen. In der Zukunft wird das nicht so sein. In der Zukunft wird achtgegeben werden müssen darauf, daß das Kind ein Nachahmer ist. In der Zukunft wird bei der Erziehung die Frage immerzu beantwortet werden müssen: Wie gestaltet man am besten das Leben des Kindes so, daß es in der besten Weise seine Umgebung nachahmt? Alles das, was in der Vergangenheit geschehen ist in bezug auf dieses Nachahmen, es wird intensiver und immer intensiver, bewußter und immer bewußter gefragt werden müssen gegen die Zukunft hin. Denn die Menschen werden sich eines sagen müssen: Wenn die Menschen im sozialen Organismus werden erwachsen sein sollen, so werden sie freie Menschen sein müssen. — Frei wird man nur, wenn man zuerst als Kind möglichst intensiver Nachahmer war. Die Kraft, die die naturgemäße Kraft des Kindes ist, sie muß intensiv ausgebildet werden gerade für das Zeitalter, in dem der Sozialismus hereinbrechen wird. Und die Menschen werden nicht freie Wesen werden, trotz aller Deklamationen und trotz alles politischen Gewimmers über Freiheit, wenn die entsprechende Kraft der Nachahmung im Kindesalter nicht eingepflanzt wird. Denn was im Kindesalter in dieser Weise eingepflanzt wird, das allein kann die Grundlage für die soziale Freiheit geben.
[ 21 ] In the past, because people lived more instinctively, they could rely on this imitation instinctively. In the future, this will not be the case. In the future, care will have to be taken to ensure that the child is an imitator. In the future, education will constantly have to address the question: How can we best shape a child’s life so that they imitate their environment in the best possible way? Everything that has happened in the past with regard to this imitation will have to be examined more and more intensely, and more and more consciously, as we look toward the future. For people will have to acknowledge one thing: If people are to become adults within the social organism, they must be free people. — One becomes free only if, as a child, one was an imitator as intensely as possible. The power that is the child’s natural power must be intensively developed precisely for the age in which socialism will dawn. And people will not become free beings—despite all the rhetoric and despite all the political whining about freedom—if the corresponding power of imitation is not instilled in childhood. For only what is instilled in this way during childhood can provide the foundation for social freedom.
[ 22 ] Und Sie wissen: vom 7. Jahre bis zur Geschlechtsreife, bis zum 14., 15. Jahre lebt im Kinde die Kraft, die man nennen kann das Tun auf Autorität hin. Es kann dem Kinde kein größeres Heil widerfahren, als wenn es dasjenige, was es unternimmt, deshalb tut, weil verehrte Menschen in seiner Umgebung sagen: Das ist richtig, das soll getan werden. — Es ist nichts schlimmer für das Kind, als wenn man es zu früh vor der Geschlechtsreife an sogenanntes eigenes Urteil gewöhnt. Das Autoritätsfühlen zwischen dem 7. und 14. Jahre wird in der Zukunft in erhöhtem und intensiverem Maße ausgebildet werden müssen, als es in der Vergangenheit ausgebildet war. Bewußter und bewußter wird alle Erziehung in diesen Jahren geleitet werden müssen im Sinne eines reinen schönen Autoritätsgefühles, das im Kinde erwacht; denn dasjenige, was in diesen Jahren in das Kind hineingepflanzt werden soll, es soll die Grundlage bilden für das, was die Erwachsenen im sozialen Organismus erleben sollen als das gleiche Recht der Menschen. Das gleiche Recht der Menschen wird nicht anders da sein, denn die Menschen werden nie reif werden als Erwachsene für das gleiche Recht der Menschen, wenn sie nicht in der Kindheit das Autoritätsgefühl eingepflanzt erhalten. In der Vergangenheit mag ein viel geringerer Grad von Autoritätsgefühl genügt haben; in der Zukunft wird er nicht genügen. Und stark wird dieses Autoritätsgefühl in das Kind hineingepflanzt werden müssen, damit die Menschen reif werden für das, was als eine geschichtliche Forderung gar nicht einmal diskutiert werden darf, weil es als eine geschichtliche Forderung auftritt.
[ 22 ] And you know: from the age of 7 until puberty, until the age of 14 or 15, a child possesses a force that can be called “acting on authority.” No greater blessing can be bestowed upon a child than when it undertakes an action simply because respected people in its environment say: “This is right; this is what should be done.” — There is nothing worse for a child than being accustomed to so-called “independent judgment” too early, before reaching puberty. The sense of authority between the ages of 7 and 14 will have to be cultivated in the future to a greater and more intense degree than it was in the past. All education during these years will have to be guided more and more consciously in the spirit of a pure, beautiful sense of authority that awakens in the child; for what is to be instilled in the child during these years is meant to form the foundation for what adults are to experience in the social organism as the equal rights of human beings. Equal rights for all people will not come about in any other way, for people will never mature as adults to embrace equal rights for all unless a sense of authority is instilled in them during childhood. In the past, a much lesser degree of a sense of authority may have sufficed; in the future, it will not suffice. And this sense of authority will have to be firmly instilled in the child so that people may mature into what, as a historical imperative, must not even be debated, because it presents itself as a historical imperative.
[ 23 ] Alles das, was schließlich Volksschulerziehung, Volksschulunterricht ist in diesem Zeitalter, alles muß so eingerichtet werden, daß die Menschen zu dieser Höhe der Anschauung, von der eben gesprochen worden ist, hinaufkommen können. Ich frage Sie nun: Wie weit ist die heutige Menschheit nicht nur, wie weit ist die heutige Lehrerbildung entfernt von der Einsicht in diese Dinge? Wie muß gearbeitet werden, wenn diese Einsicht Platz greifen soll? — und sie muß Platz greifen, denn nur in diesem Platz-Greifen kann das Heil gesucht werden.
[ 23 ] Everything that ultimately constitutes elementary school education and instruction in this age must be organized in such a way that people can rise to the level of understanding just described. I now ask you: How far is humanity today—and not only humanity, but also today’s teacher training—from an understanding of these things? What must be done if this understanding is to take root? —And it must take root, for only in its taking root can salvation be sought.
[ 24 ] Wenn man heute in die Länder kommt, die bereits die erste Revolution hinter sich haben, was erfährt man in bezug auf diese Dinge aus Programmen für sogenannte Einheitsschulen? Ja, was steht in diesen Programmen! Für denjenigen, der Einsicht hat in die Zusammenhänge der Menschennatur, für den sind die sozialistischen Erziehungsprogramme ein wahrhaftiges Schreckbild, das Furchtbarste, was man sich denken kann. Und das größte Schreckbild, das heute auszusinnen ist, das Furchtbarste, das vor die Menschheit hingestellt werden kann, das sind die Schulprogramme, die Lehrpläne und Lehrgänge, und die Schulverfassung, die an den Namen Lunatscharski, den Unterrichtsminister in Rußland, sich knüpft; das ist dasjenige, was sich aufspielt in Rußland als Erziehungsprogramm, was der Mord ist alles wirklichen Sozialismus. Aber auch in anderen Gegenden Europas sind Erziehungsprogramme wahrhaft Krebsschäden, namentlich die sozialistischen Erziehungsprogramme, denn sie gehen aus von einem schier unglaublichen Grundsatz; sie gehen aus von dem Grundsatz, daß man die Schule schon so einrichten müsse, wie ungefähr im sozialen Organismus die Erwachsenen leben sollen. Ich habe Schulprogramme gelesen, in denen als einer der ersten Grundsätze steht: Das Rektorat soll abgeschafft werden; die Lehrer sollen auf dem Standpunkt absoluter Gleichberechtigung stehen mit den Schülern; es soll die ganze Schule aufgebaut sein auf Kameradschaftlichkeit. Spricht man gegen einen solchen Grundsatz heute, ich will sagen nur in Süddeutschland, wo die Dinge viel weniger weit gediehen sind als in anderen Gegenden Europas, dann wird man hingestellt als jemand, der vom sozialen Leben überhaupt nichts versteht.
[ 24 ] When one visits countries today that have already undergone their first revolution, what does one learn about these matters from the curricula of so-called “unified schools”? Indeed, what do these curricula say! For anyone who understands the workings of human nature, these socialist educational programs are a veritable nightmare—the most terrifying thing one can imagine. And the greatest nightmare conceivable today, the most terrifying thing that can be presented to humanity, is the school programs, the curricula and courses, and the school system associated with the name of Lunacharsky, the Minister of Education in Russia; that is what is being carried out in Russia as an educational program—which is the murder of all true socialism. But even in other parts of Europe, educational programs are truly cancerous, particularly the socialist educational programs, for they are based on a principle that is almost unbelievable; they are based on the principle that schools must be organized in the same way that adults are supposed to live within the social organism. I have read school programs in which one of the first principles states: The position of principal is to be abolished; teachers should be on an absolutely equal footing with the students; the entire school should be built on the principle of camaraderie. If one speaks out against such a principle today—and I am referring only to southern Germany, where things have progressed far less than in other parts of Europe—one is portrayed as someone who understands nothing at all about social life.
[ 25 ] Dennoch, diejenigen Menschen, die es ehrlich meinen würden mit dem Aufstieg der Menschen zum wirklichen sozialen Organismus, die müßten vor allen Dingen sich klar sein darüber, daß niemals ein wirklicher sozialer Organismus entstehen kann mit dem sozialistischen Erziehungsprogramm. Denn niemals, wenn der Sozialismus in der Schule eingeführt wird, kann er im Leben sein. Nur dadurch werden die Menschen reif zu einem sozial gerechten Zusammenleben, daß sie gerade in der Schulzeit auf wirkliche Autorität hin das Leben bauen. Man muß sich überall heute klar machen, wie weit entfernt das ist, was die Menschen treiben, was die Menschen sich vorstellen, daß es kommen soll von dem, was Wirklichkeitssinn ist.
[ 25 ] Nevertheless, those who are sincere in their desire to see humanity evolve into a true social organism must, above all, realize that a true social organism can never emerge from a socialist educational program. For socialism can never come to life if it is introduced in schools. People only become mature enough for a socially just coexistence by building their lives on genuine authority, particularly during their school years. Today, we must realize everywhere just how far removed what people are doing—and the mental images they have of it—are from a sense of reality.
[ 26 ] Nach der Geschlechtsreife, vom 14., 15. bis zum 21. Jahr entwickelt sich bei dem Menschen ja nicht nur das geschlechtliche Liebesleben, sondern es entwickelt sich dieses geschlechtliche Liebesleben nur als ein Spezialfall der allgemeinen Menschenliebe überhaupt; es ist nur ein Spezialfall der allgemeinen Menschenliebe. Und diese Kraft der allgemeinen Menschenliebe, die sollte in der Zeit, wenn die Kinder die Schule verlassen und dann in die anderen Anstalten kommen oder in die Lehre kommen oder so etwas, da besonders gepflegt werden. Denn niemals wird diejenige Konfiguration des Wirtschaftslebens, welche eine historische Forderung ist, durchglüht sein können von dem, von dem sie durchglüht sein soll, von Brüderlichkeit, das heißt von allgemeiner Menschenliebe, wenn nicht in diesen Jahren die allgemeine Menschenliebe entwickelt wird.
[ 26 ] After reaching sexual maturity—from the ages of 14 or 15 to 21—it is not merely that a person’s sexual love life develops, but rather that this sexual love life develops only as a special case of universal human love in general; it is merely a special case of universal human love. And this power of universal human love should be particularly nurtured during the time when children leave school and then enter other institutions or begin an apprenticeship or something similar. For the structure of economic life—which is a historical necessity—can never be imbued with what it is meant to be imbued with—namely, brotherhood, that is, universal human love—unless universal human love is developed during these years.
[ 27 ] Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben, wie sie angestrebt werden muß für die Zukunft, sie wird in den Menschenseelen nur sein, wenn die Erziehung nach dem 15. Jahre so eingerichtet wird, daß gerade mit aller Bewußtheit hingearbeitet wird auf die allgemeine Menschenliebe, wenn Weltanschauungsfragen, wenn die ganze Erziehung, die auf die sogenannte Einheitsschule folgen soll, aufgebaut wird auf Menschenliebe, überhaupt auf Liebe zur äußeren Welt.
[ 27 ] Brotherhood in economic life, as it must be strived for in the future, will only exist in people’s souls if education after the age of 15 is structured in such a way that it consciously works toward universal love for humanity; if questions of worldview—and indeed the entire educational system that is to follow the so-called “unified school”—are built upon love for humanity, and upon love for the external world in general.
[ 28 ] Auf diesem dreifachen Erziehungs-Unterboden muß aufgerichtet werden das, was der Zukunft der Menschheit erblühen soll. Ohne daß man wissen wird, der physische Leib, der ein Nachahmer ist, der muß in der richtigen Weise ein Nachahmer werden, wird man in diesen physischen Leib hineinverpflanzen nur die animalischen Triebe. Ohne daß man wissen wird, daß vom 7. bis 14, Jahre sich der Ätherleib besonders entwickelt, der auf Autorität hin sich entwickeln muß, wird sich im Menschen entwickeln nur die allgemeine Kulturschläfrigkeit. Und diejenige Kraft, die notwendig werden wird für den Rechtsorganismus, sie wird nicht da sein.
[ 28 ] It is upon this threefold foundation of education that what is to blossom for the future of humanity must be built. Without realizing that the physical body—which is an imitator—must become an imitator in the right way, one will implant only animalistic instincts into this physical body. Unless one realizes that from ages 7 to 14 the etheric body develops particularly—and must develop under guidance—only a general cultural lethargy will develop in the human being. And the very force that will become necessary for the legal organism will be absent.
[ 29 ] Und ohne daß vom 14., 15. Jahre an die Kraft der Liebe, die an den Astralleib gebunden ist, in vernünftiger Weise in alles, was Unterricht oder Lehre ist, hineingelegt wird, werden die Menschen niemals ihren astralischen Leib entwickeln können, weil sie den astralischen Leib nimmer zu einem freien Wesensgebilde im Menschen gestalten können.
[ 29 ] And unless, from the ages of 14 or 15 onward, the power of love—which is bound to the astral body—is meaningfully incorporated into everything that constitutes instruction or teaching, people will never be able to develop their astral bodies, because they will never be able to shape the astral body into a free entity within the human being.
[ 30 ] Die Dinge umschlingen sich. Daher mußte ich sagen:
[ 30 ] Things are intertwined. That is why I had to say:
[ 31 ] Nachahmung, in der richtigen Weise, entwickelt Freiheit;
Autorität - Recht,
Brüderlichkeit, Liebe - Wirtschaftsleben.
[ 31 ] Imitation, when done correctly, fosters freedom;
authority—justice,
brotherhood, love—economic life.
[ 32 ] Aber auch umgekehrt ist das. Wenn nicht in der richtigen Weise die Liebe entwickelt wird, fehlt auch die Freiheit. Wenn nicht in der richtigen Weise die Nachahmung entwickelt wird, werden groß die animalischen Triebe.
[ 32 ] But the reverse is also true. If love is not developed in the right way, freedom is also lacking. If imitation is not developed in the right way, animal instincts become dominant.
[ 33 ] Sie sehen auch, wenn man dieses Problem anfaßt, ist Geisteswissenschaft die richtige Unterlage für dasjenige, was gerade wegen der großen historischen Forderungen, die heute über die Menschheit kommen, zum Kulturinhalte werden muß. Ohne diesen Kulturinhalt, der nur aus der Geisteswissenschaft herausfließen kann und der über die Menschheit kommen muß, können wir fortan wirklich nicht weiter kommen.
[ 33 ] You can also see that, when addressing this problem, Spiritual Science is the proper foundation for what must become the substance of culture—precisely because of the great historical demands now being placed upon humanity. Without this cultural content—which can flow only from the Spiritual Science and which must come to humanity—we truly cannot move forward from here on out.
[ 34 ] Also die Fragen, die uns vorliegen, sie müssen in eine geistige Atmosphäre gebracht werden; das ist dasjenige, was als Überzeugung wird in die Menschenseelen einziehen müssen. Und noch einmal möchte ich es betonen: Man mag diskutieren darüber, wie lange oder wie kurz es noch dauern kann, bis eine solche Überzeugung in die Menschenseelen eindringt; aber jedenfalls, was unbewußt von den Menschen erstrebt wird - es ist keine Rede davon, daß es erreicht werden kann, wenn diese Überzeugung nicht in die Menschenseelen hineinkommt. Und ich glaube, Sie sehen daraus, welcher Zusammenhang doch besteht zwischen dem, was in unserer Geisteswissenschaft auf den einzelnen konkreten Gebieten getrieben worden ist, und demjenigen, was sich aus der Not der Zeit heraus als die großen Zeitforderungen, als die geschichtlichen Forderungen und Notwendigkeiten der Menschheit für die Gegenwart und für die nächste Zukunft ergibt. Das lag auch dem zugrunde, wenn ich oftmals hier sagte: Geisteswissenschaft soll im Zusammenhange betrachtet werden mit den großen geschichtlichen Aufgaben der Gegenwart. Die Menschen sind allerdings heute weit, weit weg, die Dinge so zu beurteilen, wie es hier charakterisiert worden ist. Es muß sich gewissermaßen in der Menschheit eine Spannung ergeben, eine Spannung der Unbefriedigtheit, damit aus dem Entgegengesetzten heraus, aus dem rein materiellen Streben, das Streben nach Spiritualität, das Streben nach Geistigkeit komme. Denn wie sollen sich die Menschen in der großen Frage, die da kommt, zurechtfinden, in der Frage, die sie dazu geführt hat, unter Maja, unter Ideologie, gerade das Entgegengesetzte zu verstehen?
[ 34 ] So the questions before us must be placed within a spiritual context; that is what must take root in people’s souls as a conviction. And I would like to emphasize this once again: One may debate how long or how short a time it may still take for such a conviction to take root in people’s souls; but in any case, whatever people unconsciously strive for—there is no question of it being achieved unless this conviction takes root in their souls. And I believe you can see from this the connection that exists between what has been pursued in our Spiritual Science in the various specific fields and what arises out of the needs of the times as the great demands of the age—as the historical demands and necessities of humanity for the present and for the near future. This was also the underlying reason why I have often said here: Spiritual Science must be viewed in connection with the great historical tasks of the present. People today, however, are far, far removed from judging things as they have been characterized here. A certain tension must arise within humanity—a tension of dissatisfaction—so that out of the opposite, out of purely material striving, the striving for spirituality, the striving for the spiritual, may emerge. For how are people to find their way in the great question that is coming—the question that has led them, under maya, under ideology, to understand precisely the opposite?
[ 35 ] Aber was ist herausgekommen? Sehen Sie, der Impuls, aus dem die Menschenseelen des Orients und die Menschenseelen des Okzidents denken, er ist ein verschiedener, faßt man ihn konkret ideell auf. Aber er hat gewissermaßen auch das Eigentümliche an sich, daß er eine gleiche Seelenstimmung über dem Orient und über dem Okzident erzeugt. Diese Seelenstimmung muß man auch ins Auge fassen. Daß die Orientalen die äußere Welt als eine Maja bezeichnet haben es ist alt. Ihre große Bedeutung hatte die mystische Auffassung von der Welt als einer Maja wahrhaftig in früheren Zeiten; sie hat sie nicht in der Gegenwart. Sie hatte sie früher. Über den Orient ist gekommen, weil die Weltanschauung von der Maja gewissermaßen veraltet ist, ein gewisses passives Sich-Hingeben an diese Weltanschauung — ein Fatalismus, ein Fatalismus, der nach Europa hereingespielt hat in der krassesten Weise im Türkentum. Fatalismus, Geschehenlassen desjenigen, was geschehen will: Passivität des menschlichen Willens.
[ 35 ] But what was the result? You see, the impulse from which the human souls of the East and the human souls of the West think is different, if one considers it concretely and ideally. But it also has, in a sense, the peculiarity of creating the same spiritual mood over both the East and the West. One must also take this spiritual mood into account. It is an old notion that Easterners have described the external world as maya. The mystical conception of the world as maya truly held great significance in earlier times; it does not hold such significance today. It did in the past. Because the worldview of maya has, in a sense, become outdated, a certain passive surrender to this worldview has taken hold in the East—a fatalism, a fatalism that has found its way into Europe in the most extreme form through Turkish culture. Fatalism, letting whatever is to happen happen: the passivity of the human will.
[ 36 ] Die abendländische Anschauung von der Maja, sie ist im Grunde genommen schon so aufgetreten, daß sie in der Atmosphäre dieses Fatalismus lebte.
[ 36 ] The Western view of maya has, in essence, always been characterized by this sense of fatalism.
[ 37 ] Am präzisesten kam ja heraus diese Anschauung von der Ideologie durch Karl Marx und Engels. Diese Anschauung von der Ideologie ist die moderne sozialistische Lehre — diese Anschauung, wonach alles Geistig-Seelische, das sich ergibt, aus der einzigen Wirklichkeit, aus dem ökonomischen Prozeß heraus stammt und eben eine Maja, eine Ideologie ist.
[ 37 ] This view of ideology was most precisely articulated by Karl Marx and Engels. This view of ideology is the modern socialist doctrine—the view that everything spiritual and psychological arises from the sole reality, the economic process, and is thus merely a maya, an ideology.
[ 38 ] Wie trat sie auf? Sie trat schon fatalistisch in die Welt ein. Was war denn bis zur Weltkriegskatastrophe der äußere Ausdruck der sozialistischen Lehre? Der äußere Ausdruck der sozialistischen Lehre war der: Die Kapitalien sammeln sich an, konzentrieren sich, immer größere und größere Kapitalisten oder kapitalistische Gruppen entstehen, Trusts, Pools und so weiter; es wird sich der wirtschaftliche Prozeß ganz von selbst abspielen, immer mehr und mehr Konzentration der Kapitalgruppen, bis der Zeitpunkt eintritt, wo ganz von selbst die Herrschaft über das Kapital übergeht an das Proletariat. Man braucht nichts dazu zu tun, das ist ein objektiver, wirtschaftlicher, ein rein ökonomischer Prozeß: Fatalismus.
[ 38 ] How did it emerge? It entered the world with a fatalistic outlook. What, then, was the outward expression of socialist doctrine up until the catastrophe of World War I? The outward expression of socialist doctrine was this: Capital accumulates and concentrates; ever larger capitalists or capitalist groups emerge—trusts, pools, and so on; the economic process will unfold entirely on its own, with ever-increasing concentration of capital groups, until the moment arrives when control over capital passes to the proletariat of its own accord. Nothing needs to be done; this is an objective, economic, purely economic process: fatalism.
[ 39 ] Am Punkte des Fatalismus ist der Orient angelangt. Vom Punkte des Fatalismus geht der Okzident aus, geht der Okzident aus gerade bei der Majorität der Bevölkerung. Fatalistisch ist die Majorität der Bevölkerung. Über sich ergehen lassen dasjenige, was der Weltprozeß bringen soll, das ist Prinzip des Orients geworden, das ist Prinzip des Okzidents; nur daß dasjenige, in das man sich fatalistisch ergeben will, für den Orient ein Geistiges ist, für den Okzident ist es der materielle ökonomische Prozeß. Einseitig sieht man in die Weltentwickelung des Menschen hinein. Überschaut man die heutige menschliche Weltentwickelung, wie sie sich ergeben hat aus früheren Zuständen, dann haben wir aus dieser unserer Weltentwickelung ein geistiges Element darinnen, das aber, wie gesagt, den Menschen schon zur Ideologie geworden ist. Worauf ist es aufgebaut? Es ist aufgebaut auf dem Griechentum. Dasjenige im Grunde genommen, was der tiefste Impuls unserer Seelenverfassung ist, hat noch etwas Griechisches in sich. Daher haben wir das Gymnasium, eine Nachahmung der griechischen Seelenstruktur, für die Erziehung. In Griechenland war dasjenige, was solche Seelenverfassung war für den Menschen, der herangewachsen war bis nahe an die Geschlechtsreife, etwas Natürliches, denn das Griechentum entwickelte sich so, daß die große Masse der Menschen das arme Volk war, Sklaventum, Helotentum. Die Eroberer waren von anderem Blute. Die Andersbürtigen waren die Träger des geistigen Lebens, die berechtigten Träger des geistigen Lebens. Sie sehen das ganz besonders ausgedrückt in der griechischen Plastik. Sehen Sie sich einen Merkur-Kopf an - ich habe das öfter auch hier erwähnt —, mit den ganz anders stehenden Ohren, mit der ganz anders stehenden Nase, mit den ganz anders stehenden Augen. Die Griechen deuteten, indem sie den Merkur-Kopf ausarbeiteten, auf diejenige Bevölkerung hin, die sie erobert haben, diejenige Bevölkerung, der sie überließen die äußere Handelswirtschaft. Der Arier, im ZeusKopf, Hera-Kopf, Athene-Kopf charakterisiert, er war derjenige, dem durch Weltenmächte der Geist verliehen war.
[ 39 ] The East has reached the point of fatalism. The West, too, has arrived at the point of fatalism—and this is especially true of the majority of the population. The majority of the population is fatalistic. To passively accept whatever the course of world history may bring has become the principle of the East; it has also become the principle of the West—except that what one seeks to submit to fatalistically is a spiritual reality for the East, whereas for the West it is the material, economic process. This is a one-sided view of human development in the world. If we survey the course of human development today, as it has emerged from earlier conditions, we find within this development a spiritual element—one which, however, as I said, has already become an ideology for people. Upon what is it built? It is built upon Hellenism. That which, in essence, constitutes the deepest impulse of our spiritual constitution still contains something Hellenic within it. That is why we have the gymnasium—an imitation of the Greek soul structure—for education. In Greece, this particular disposition of the soul was something natural for people who had grown to near sexual maturity, because Greek civilization developed in such a way that the vast majority of the population consisted of the poor—slaves and helots. The conquerors were of a different bloodline. Those of different lineage were the bearers of spiritual life—the rightful bearers of spiritual life. You can see this expressed particularly clearly in Greek sculpture. Look at a head of Mercury—I’ve mentioned this here before—with the ears positioned quite differently, the nose positioned quite differently, and the eyes positioned quite differently. In sculpting the head of Mercury, the Greeks were alluding to the very people they had conquered—the very people to whom they had entrusted the external trade economy. The Aryan, characterized in the heads of Zeus, Hera, and Athena, was the one to whom the spirit had been bestowed by cosmic powers.
[ 40 ] Ja, glauben Sie nicht, daß das, was sich da als griechische Seelenstruktur ausbreitete, erwas ist, was sich nur in der allgemeinen Seelenverfassung zum Ausdruck bringt! Das bringt sich zum Ausdruck bis in die Wortbildung und Wortfügung der griechischen Sprache. Die griechische Sprache ist so, daß sie auf einer aristokratischen sozialen Seelenstruktur beruht. Das haben wir noch in unserem Geistesleben. Daher haben wir keine Erneuerung des Geisteslebens erlebt, als der Zeitpunkt, die Mitte des 15. Jahrhunderts heranrückte, sondern nur eine Renaissance oder eine Reformation, keine Erneuerung unseres Geisteslebens, nur eine Wiederauffrischung des Alten. Das haben wir noch in unserem Geistesleben in uns.
[ 40 ] Yes, do not think that what unfolded there as the Greek soul structure is something that finds expression only in the general disposition of the soul! It finds expression even in the word formation and syntax of the Greek language. The Greek language is such that it is based on an aristocratic social structure of the soul. We still have this in our spiritual life. That is why, as the mid-15th century approached, we did not experience a renewal of our spiritual life, but only a Renaissance or a Reformation—not a renewal of our spiritual life, but merely a revitalization of the old. We still carry this within our spiritual life.
[ 41 ] Wir erziehen unsere Gymnasialjugend fremd dem Leben. Bei den Griechen war es selbstverständlich, daß sie die Jugend so erzogen haben, wie unser Gymnasium erzieht, denn das war ihr Leben. Die Griechen erzogen ihre Kinder und ihre Jugend so, wie ihr Leben war; wir erziehen unsere Gymnasialjugend, wie das griechische Leben war. Deshalb ist unser Geistesleben weltenfremd geworden, deshalb wird es als Ideologie empfunden, deshalb hat es überall Gedanken, zu kurz, um das Leben zu erfassen, vor allen Dingen handelnd und tätig in das Leben einzugreifen.
[ 41 ] We educate our high school students in a way that is alien to real life. For the Greeks, it was only natural to educate their youth in the same way our high schools do, because that was their way of life. The Greeks educated their children and youth in accordance with their way of life; we educate our high school students in accordance with what Greek life was like. That is why our intellectual life has become alienated from the real world, why it is perceived as ideology, and why it is characterized everywhere by ideas that are too narrow to grasp life—and above all, to intervene in life through action and activity.
[ 42 ] Und neben diesem Elemente der Geistesbildung haben wir eine merkwürdige Rechtsbildung in uns. Es ist überall, auf allen Gebieten nachzuweisen, wie in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein mächtiger Einschnitt in der neueren Menschheitsentwickelung war. Das Getreide ist heute teuer, und alles dasjenige, was aus Getreide fabriziert ist, ist heute teuer. Es ist überteuer! Forscht man nach, wann es überbillig war in europäischen Ländern, so kommt man ungefähr auf das 9., 10. Jahrhundert. Damals war es gerade so viel zu billig, als es heute zu teuer ist. Und in der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte es einen normalen Preis.
[ 42 ] And alongside this element of intellectual development, we possess a remarkable legal tradition. It can be demonstrated everywhere, in all fields, that the mid-15th century marked a powerful turning point in the recent development of humanity. Grain is expensive today, and everything made from grain is expensive today. It is overpriced! If one investigates when it was excessively cheap in European countries, one arrives at roughly the 9th or 10th century. At that time, it was just as cheap as it is expensive today. And in the mid-15th century, it had a normal price.
[ 43 ] Es ist interessant zu sehen, wie bis in den Getreidepreis hinein dieser Zeitpunkt des 15. Jahrhunderts als der große Einschnitt der Menschheit sich ergibt. Und was war die Folge, daß dazumal gerechte Getreidepreise da waren über einen großen Teil von Europa hin? Die alte Leibeigenschaft, die alte Hörigkeit hatte dazumal gerade um die Mitte des 15. Jahrhunderts teilweise angefangen aufzuhören. Da drang ein, um die beginnende Freiheit zu vernichten, das römische Recht. Und wir sind durchsetzt auf dem Gebiete des Politischen, auf dem Gebiete des Staatlichen von dem römischen Recht, wie wir in bezug auf das Geistige durchsetzt sind von griechischer Geistes- und Seelenstruktur. Wir haben nicht vermocht bis jetzt, auf dem Gebiete des Rechtes etwas anderes zu erzeugen als eine Renaissance, die Renaissance des römischen Rechtes. Wir haben in unserem sozialen Organismus die griechische Geistesstruktur, die römische Staatsstruktur.
[ 43 ] It is interesting to see how this period in the 15th century emerges as a major turning point for humanity, even in terms of grain prices. And what was the consequence of the fact that grain prices were fair at that time across much of Europe? The old system of serfdom, the old feudal bondage, had begun to fade away in some places around the middle of the 15th century. Then, in order to destroy this nascent freedom, Roman law made its way in. And we are permeated in the political and state spheres by Roman law, just as we are permeated in the spiritual sphere by the Greek structure of mind and soul. We have not yet been able to bring about anything in the realm of law other than a renaissance—the renaissance of Roman law. In our social organism, we have the Greek spiritual structure and the Roman state structure.
[ 44 ] Das Wirtschaftsleben läßt sich nicht als Renaissance gestalten. Denn man kann selbstverständlich nach römischem Rechte leben, nach griechischer Geistesstruktur die Kinder erziehen, oder die Jugend erziehen, aber man kann nicht das essen, was die Griechen gegessen haben, denn man würde nicht satt werden davon. Das Wirtschaftsleben muß gegenwärtig sein. Und so ist denn das europäische Zivilisations-Wirtschaftsleben das dritte Element. In diesen drei Gebieten müssen wir, da sie chaotisch durcheinandergewürfelt sind, Ordnung schaffen. Es kann nur durch den dreigliedrigen sozialen Organismus geschehen.
[ 44 ] Economic life cannot be shaped as a Renaissance. For one can, of course, live according to Roman law, raise children or educate the youth according to the Greek intellectual tradition, but one cannot eat what the Greeks ate, for one would not be satisfied by it. Economic life must be rooted in the present. And so the economic life of European civilization is the third element. Since these three areas are in a chaotic jumble, we must bring order to them. This can only be achieved through the threefold social organism.
[ 45 ] Höchst einseitig haben das Leute wie Marx und Engels eingesehen, indem sie erkannt haben: Es geht nicht mehr, mit demjenigen Geistesleben zu regieren, das vom Griechentum hergenommen ist; es geht nicht mehr, mit demjenigen Rechtsstaat zu leben, der vom römischen Recht herübergekommen ist. Bleibt uns nur das Wirtschaftsleben, haben sie gesagt. Sie haben aber überhaupt nur gedacht an das Wirtschaftsleben. In der Zukunft, sagte Engels, dürfen nur noch Waren verwaltet und Produktionsprozesse geleitet, nicht mehr Menschen regiert werden. Das ist ebenso einseitig wie richtig — richtig, aber furchtbar einseitig.
[ 45 ] People like Marx and Engels recognized this in a highly one-sided way when they concluded: It is no longer possible to govern with the intellectual life inherited from Greek civilization; it is no longer possible to live under the rule of law that originated in Roman law. “All that remains for us is economic life,” they said. But they thought only of economic life. In the future, Engels said, we must only manage commodities and direct production processes—we must no longer govern people. This is as one-sided as it is correct—correct, but terribly one-sided.
[ 46 ] Es muß das Wirtschaftsleben auf seinen eigenen Grund und Boden gestellt werden. Innerhalb der wirtschaftlichen Gliederung des sozialen Organismus müssen nur Güter verwaltet und Produktionsprozesse geleitet werden. Das muß selbständig werden. Wenn man aber aus dem sozialen Organismus herauswirft das Rechtsleben und das Geistesleben der früheren Weise, dann muß man sie in neuerer Weise begründen. Das heißt, wir brauchen dann neben dem Wirtschaftsleben, das Güter verwaltet und Produktionsprozesse leitet, wir brauchen daneben das demokratische Staatsleben, das auf die Gleichheit der Menschen gebaut wird. Wir brauchen nicht bloß Renaissance des römischen Rechtes, wir brauchen Neugeburt des Staatslebens auf der Basis der Gleichheit der Menschen. Und wir brauchen nicht nur eine Renaissance des Geisteslebens, wie sie eingetreten ist im Beginne der Neuzeit, wir brauchen eine Neugestaltung, eine Neuschöpfung des Geisteslebens. Und wir müssen uns bewußt werden, vor dieser Neuschöpfung des Geisteslebens müssen wir stehen.
[ 46 ] Economic life must be grounded in its own foundation. Within the economic structure of the social organism, the sole tasks are to manage goods and direct production processes. This must become autonomous. But if one removes the legal and spiritual life of the past from the social organism, then one must establish them in a new way. That is to say, in addition to economic life—which manages goods and directs production processes—we need democratic political life, built upon the equality of human beings. We need not merely a renaissance of Roman law; we need a rebirth of political life based on the equality of human beings. And we need not only a renaissance of spiritual life, as occurred at the beginning of the modern era; we need a reshaping, a re-creation of spiritual life. And we must realize that we are standing on the threshold of this re-creation of intellectual life.
[ 47 ] Und mit dem, was im tiefsten Sinne in der Entwickelung der neueren Menschheit lebt, hängt das zusammen, was ausgesprochen werden sollte durch die Forderung der Dreigliederung des sozialen Organismus. Das ist kein Einfall, das ist dasjenige, was herausgeboren ist aus dem tiefsten Bedürfnis unserer Zeit; das ist dasjenige, was im eminentesten Sinne der Gegenwart entspricht. Es gibt Leute, viele Leute, die sagen, sie verstehen das nicht, es sei schwierig, sehr schwierig. In Deutschland habe ich den Leuten gesagt, wenn sie immer wiederum davon gesprochen haben, daß die Dinge schwierig zu verstehen sind, daß ich allerdings diese Dinge unterscheide von dem, was man gewohnt worden ist in den letzten vier bis fünf Jahren zu verstehen. Da hat man leicht gefunden, Dinge zu verstehen, die ich nicht verstanden habe - so sagte ich —, die Dinge mußten nur befohlen werden zu verstehen. Es mußte das große Hauptquartier oder eine andere Instanz befehlen, daß die Dinge zu verstehen sind, dann hat man sie sich sogar eingerahmt. Man hat sie verstanden, weil es befohlen war, sie zu verstehen; jetzt kommt es darauf an, aus der freien Menschenseele heraus etwas zu verstehen. Dazu ist es nötig, daß die Seelen aufwachen; das wollen sie so wenig. Darauf kommt es aber an. Es ist nicht die Unverständlichkeit der Sache, es ist der noch nicht vorhandene Wille und der Mut, der noch fehlt, in diese Wirklichkeit hineinzuschauen. Es ist ganz natürlich, daß dasjenige, was aus einem ganz neuen Tone heraus zur Menschheit sprechen muß, in anderen Sätzen abgefaßt ist, als die Menschen es gewohnt sind bis jetzt. Denn wir sind von drei anderen Dingen erfaßt, als von demjenigen, was in dieser Dreigliederung gesprochen wird.
[ 47 ] And what lives in the deepest sense within the evolution of modern humanity is connected to what should be expressed through the call for the threefold structure of the social organism. This is not a mere whim; it is what has emerged from the deepest need of our time; it is what corresponds most eminently to the present. There are people—many people—who say they do not understand this, that it is difficult, very difficult. In Germany, I told people—whenever they kept saying that these things are difficult to understand—that I do indeed distinguish these things from what people have become accustomed to understanding over the last four or five years. It used to be easy to understand things that I did not understand—so I said—; one merely had to be ordered to understand them. The high command or some other authority had to order that these things be understood, and then people would even frame them as such. People understood them because they were ordered to understand them; now what matters is to understand something from the free human soul. For this, it is necessary for souls to awaken; they are so reluctant to do so. Yet that is what matters. It is not the incomprehensibility of the matter; it is the will that does not yet exist and the courage that is still lacking to look into this reality. It is quite natural that what must speak to humanity in an entirely new tone is expressed in sentences different from those people have been accustomed to until now. For we are gripped by three things other than what is spoken of in this threefold division.
[ 48 ] In dieser Dreigliederung wird eine Erneuerung des Geisteslebens gefordert so, daß die Menschen wirklich einen Zusammenhang ihres Seelischen empfinden mit dem objektiv geistigen Leben. Den haben sie nicht, die Menschen. Denn wenn die Menschen heute sprechen, so sprechen sie zum großen Teil Phrasen. Warum spricht man aber Phrasen? Phrasen spricht man dann, wenn man keinen Zusammenhang hat mit dem, was die Phrasen bedeuten sollen. Weil den Menschen fehlt der Zusammenhang mit dem geistigen Leben, sind ihre Worte zu Phrasen geworden.
[ 48 ] This threefold social order calls for a renewal of spiritual life so that people may truly feel a connection between their inner lives and objective spiritual life. People do not have this connection. For when people speak today, they mostly speak in clichés. But why do people speak in clichés? People resort to clichés when they have no connection to what those clichés are supposed to mean. Because people lack a connection to spiritual life, their words have become mere clichés.
[ 49 ] Von Recht ist in den letzten Jahren viel gesprochen worden, von der Aufrichtung des Rechtes innerhalb der Menschheit, der zivilisierten Menschheit. Wie die Menschen mit Bezug auf das Recht weit entfernt sind von der Wirklichkeit, das zeigen wohl die Ereignisse der Gegenwart zur Genüge. Man hat natürlich bisher nicht um Recht, sondern nur um Macht gestritten, aber man hat vom Rechte geredet.
[ 49 ] There has been much talk in recent years about justice—about the establishment of justice among humankind, among civilized humankind. Current events surely demonstrate all too clearly how far people are from reality when it comes to justice. Of course, until now people have not fought for justice, but only for power; yet they have spoken of justice.
[ 50 ] Und das Wirtschaftsleben: man hat keine Gedanken gehabt, um dieses Wirtschaftsleben zu umspannen, daher sind die Tatsachen von selbst abgelaufen. Das ist das Charakteristische im Wirtschaftsleben gewesen, daß die Leute produziert und produziert haben, eben so, wie ich es dazumal, im Frühjahr 1914 in Wien gesagt habe, wo ich dieses Produzieren ein soziales Krebsgeschwür genannt habe: produziert wurde und produziert und die Waren auf den Markt geworfen, und der ganze wirtschaftliche Kreislauf sollte von selber gehen, war nicht von Gedanken beherrscht. Ein chaotisches, planloses Wirtschaftsleben; ein Rechtsleben, das nur ein Machtleben ist; ein Geistesleben, das zur Phrase entarter ist: das ist die dreifache Gliederung, die wir im Grunde genommen gehabt haben. Aus dieser dreifachen Gliederung müssen wir heraus. Und wir kommen nur heraus, wenn wir dasjenige ernst zu nehmen verstehen, was gerade mit der Dreigliederung gemeint ist.
[ 50 ] And economic life: no thought was given to guiding this economic life, so events simply took their own course. That was the defining feature of economic life: people produced and produced, just as I said back then, in the spring of 1914 in Vienna, where I called this production a social cancer: production went on and on, goods were dumped onto the market, and the entire economic cycle was supposed to run on its own, unguided by any thought. A chaotic, haphazard economic life; a legal life that is nothing but a life of power; a spiritual life that has degenerated into empty rhetoric: this is the threefold structure that we have essentially had. We must break free from this threefold structure. And we can only break free if we understand how to take seriously precisely what is meant by this threefold structure.
[ 51 ] Aber sehen Sie, es hängt zusammen mit dem, was im Grunde genommen doch nur verstanden werden kann, wenn man auf anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zurückgeht. Es hat verstimmt, als ich einmal in einem öffentlichen Vortrag vor einigen Wochen einen Satz aussprach, der aber eine gründliche, wirkliche Erkenntnis ist. Ich sagte: Die leitenden, führenden Kreise der Gegenwart dürfen sich nicht mehr verlassen auf ihr Gehirn, das dekadent ist. Sie müssen sich aufschwingen, dasjenige zu begreifen, wozu man das Gehirn nicht braucht, wozu man den Ätherleib braucht. Denn die Gedanken, die gefaßt werden sollen in anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, die bedürfen des Gehirnes nicht. Die leitenden, führenden Kreise, das Bürgertum von heute, muß sich bequemen, schon wegen seiner physiologischen Entwickelung, geistiger Erkenntnis sich hinzugeben, erwas zu pflegen, das man auch pflegen kann mit dekadenten Gehirnen.
[ 51 ] But you see, this is connected to something that, fundamentally speaking, can only be understood by going back to anthroposophically oriented Spiritual Science. It caused a stir when, a few weeks ago, I uttered a sentence during a public lecture—a sentence that nevertheless represents a profound, genuine insight. I said: The ruling, leading circles of the present day must no longer rely on their brains, which are decadent. They must rise to the level of comprehending that which does not require the brain, but rather the etheric body. For the thoughts to be grasped in anthroposophically oriented Spiritual Science do not require the brain. Today’s ruling and leading circles—the bourgeoisie—must resign themselves, if only because of their physiological development, to devoting themselves to spiritual knowledge, to cultivating something that can also be cultivated with decadent brains.
[ 52 ] Das Proletariat strebt herauf. Das hat ein noch unverbrauchtes Gehirn. Die Zitrone ist noch nicht ganz ausgequetscht; da kommt noch etwas im Gehirn von Atavistischem heraus. Daher versteht das Proletariat heute noch dasjenige, was im Sinne einer neueren Ordnung der Dinge gesagt wird. Und heute liegen die Dinge so, daß im Grunde genommen das gesamte Proletariat für diese Dinge zugänglich wäre, nur die Führer nicht, denn die sind verbürgerlicht; die sind größere Spießer als die wirklichen Spießer. Sie haben das Spießertum übernommen, und sie haben es zu einer gewissen Höhenkultur ausgebildet. Aber auf der anderen Seite besteht ein furchtbarer Gehorsam. Dieser Gehorsam, der wird erst gebrochen werden müssen. Eher gibt es auch auf diesem Gebiete kein Heil.
[ 52 ] The proletariat is on the rise. It still has a fresh mind. The lemon hasn’t been completely squeezed yet; there’s still something atavistic emerging from its mind. That is why the proletariat today still understands what is being said in the spirit of a new order of things. And today, the situation is such that, fundamentally, the entire proletariat would be receptive to these ideas—except for the leaders, for they have become bourgeois; they are greater philistines than the real philistines. They have adopted philistinism and elevated it to a certain level of high culture. But on the other hand, there is a terrible obedience. This obedience will first have to be broken. Until then, there is no salvation in this realm either.
[ 53 ] Sie sehen, die Dinge liegen schon einmal in der Gegenwart komplizierter, als man sich gewöhnlich einbildet, und sie liegen so, daß im Grunde genommen nur die Wissenschaft der Einweihung zur wirklichen Erfassung der sozialen Probleme der Gegenwart führen kann. Sie finden drei Begriffe: Sie finden sie auch in meinem Buche «Die Kernpunkte der sozialen Frage in den Lebensnotwendigkeiten der Gegenwart und Zukunft», das ich allerdings geschrieben habe nicht nur für Anthroposophen, sondern für das große Publikum. Sie finden da drei wichtige Begriffe im gegenwärtigen sozialen Leben. Da ist der Begriff der Ware oder des Erzeugnisses, des Gutes, das man für das Wirtschaftsleben hat. Ein weiterer wichtiger Begriff ist der Begriff der Arbeit. Und ein dritter wichtiger Begriff ist der Begriff Kapital. An diesen drei Begriffen hängt im Grunde genommen das soziale Erkennen der Gegenwart.
[ 53 ] As you can see, things in the present are already more complicated than one usually imagines, and they are such that, fundamentally, only the science of initiation can lead to a true understanding of the social problems of the present. You will find three concepts: you will also find them in my book *The Key Points of the Social Question in the Necessities of Life in the Present and Future*, which I wrote, however, not only for anthroposophists but for the general public. There you will find three important concepts in contemporary social life. There is the concept of the commodity or the product, the good that is part of economic life. Another important concept is that of labor. And a third important concept is that of capital. Our social understanding of the present essentially hinges on these three concepts.
[ 54 ] Was haben die Menschen schon alles gesagt an sozialer Wissenschaft, um diese drei Begriffe zu durchdringen! Wer kennt, was namentlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an Nationalökonomen in der Wissenschaft heraufgekommen ist, um diese drei Begriffe Ware, Arbeit und Kapital zu durchdringen, der weiß, was geleistet worden ist an unmöglicher Wissenschaft, denn alle diese Wissenschaft reicht nicht aus. Ein niedliches Beispiel habe ich neulich einmal vorgeführt. Der berühmte Professor Lnjo Brentano, die Leuchte der nationalökonomischen Wissenschaft Mitteleuropas in der Gegenwart, hat neulich einen Artikel geschrieben, der heißt: «Der Unternehmer.» Da entwickelt er die Kennzeichen des Unternehmers, drei Kennzeichen des Unternehmers. Ich will nur das dritte Kennzeichen des Unternehmers im Sinne des Brentano Ihnen sagen. Dies dritte Kennzeichen ist, daß man die Produktionsmittel anwendet auf eigene Rechnung und Gefahr. Nicht wahr, der Unternehmer ist Besitzer der Produktionsmittel und unternimmt die Produktion für den Markt auf eigene Rechnung und Gefahr. Nun ist der Begriff des guten Brentano, der die Leuchte der gegenwärtiger Universitäts-Nationalökonomie ist, so geschürzt, daß Lujo Brentano in demselben Artikel glücklich herausbekommt, wer noch ein Unternehmer ist außer dem Fabrikant und außer dem Betriebsunternehmer: Das ist nämlich der moderne Arbeiter. Der moderne Arbeiter ist ein Unternehmer, weil er ja die Produktionsmittel hat, nämlich seine eigene Arbeitskraft, und die bietet er auf dem Markte an auf eigene Rechnung und Gefahr. Der Begriff des Herrn Lujo Brentano über den Unternehmer ist so klar, daß der Arbeiter auch unter diese Unternehmer fällt. So gescheit, sehen Sie, ist die heutige ökonomische Wissenschaft! Es ist zum Lachen. Aber man kann sich heute nicht aufraffen zu diesem Lachen, weil noch die Universitäten die führenden Stellungen einnehmen in dem Geistesleben. Die Universitäten erzeugen aber diese Dinge auf dem Gebiete der Nationalökonomie, Man will sich nicht gestehen, man hat nicht den Mut dazu, sich zu gestehen, daß lächerliches Zeug produziert wird auf diesem Gebiete. Die Dinge sind eben furchtbar.
[ 54 ] What haven’t people said in the social sciences in an effort to get to the bottom of these three concepts! Anyone familiar with the economic theorists who emerged in the academic world—particularly in the second half of the 19th century—in an effort to get to the bottom of these three concepts—commodity, labor, and capital—knows what an impossible scientific feat has been attempted, for all this scholarship is still insufficient. I recently gave a charming example of this. The famous Professor Lnjo Brentano, the leading light of contemporary economic science in Central Europe, recently wrote an article titled “The Entrepreneur.” In it, he outlines the characteristics of the entrepreneur—three characteristics of the entrepreneur. I’d like to mention only the third characteristic of the entrepreneur, as defined by Brentano. This third characteristic is that one employs the means of production at one’s own expense and risk. Isn’t it true that the entrepreneur is the owner of the means of production and undertakes production for the market at his own expense and risk? Now, the concept of the great Brentano—who is the leading light of contemporary university economics—is so concise that Lujo Brentano successfully identifies in the same article who else is an entrepreneur besides the factory owner and the business operator: namely, the modern worker. The modern worker is an entrepreneur because he does, after all, possess the means of production—namely, his own labor power—and he offers it on the market at his own expense and risk. Mr. Lujo Brentano’s concept of the entrepreneur is so clear that the worker also falls under this category of entrepreneurs. That’s how clever, you see, today’s economic science is! It’s laughable. But people today cannot bring themselves to laugh at it, because universities still occupy leading positions in intellectual life. Yet it is the universities that produce these ideas in the field of economics. People do not want to admit—they lack the courage to admit—that ridiculous nonsense is being produced in this field. The situation is simply dreadful.
[ 55 ] Aber diese Dinge müssen unbedingt ins Auge gefaßt werden; und gefragt muß werden: Woher kommt es denn, daß gerade über die sozialen Begriffe, die heute zur brennenden Tagesfrage werden, daß gerade über die sozialen Begriffe alle Wissenschaft nicht ausreicht? Es würde mir eine Befriedigung sein, wenn ich gerade über diese Frage Ihnen bei meinem hiesigen Aufenthalte Genaueres sagen könnte. Heute will ich nur, ich möchte sagen, wie referierend anführen, warum das so ist.
[ 55 ] But these matters must absolutely be taken into account; and we must ask: Why is it that, precisely when it comes to social concepts—which are now becoming a burning issue of the day—it is precisely in the realm of social concepts that all of science falls short? It would give me great satisfaction if, during my stay here, I could provide you with more detailed answers specifically regarding this question. Today, I merely wish—I would say, by way of an introductory remark—to explain why this is the case.
[ 56 ] So bloß ökonomisch der Begriff Ware auch ist, er kann nie geprägt werden mit gewöhnlicher Wissenschaft. Sie kommen zu dem Begriff von Ware nicht, wenn Sie nicht imaginative Erkenntnisse zugrunde legen. Sie können den Begriff Ware nur begreifen, wenn Sie imaginative Erkenntnisse zugrunde legen. Und Sie können die Arbeit im Sozialen, Ökonomischen nicht begreifen, wenn Sie nicht inspirierte Erkenntnisse zugrunde legen. Und Sie können das Kapital nicht definieren, wenn Sie nicht intuitive Erkenntnisse zugrunde legen.
[ 56 ] No matter how purely economic the concept of a commodity may be, it can never be defined using ordinary science. You cannot arrive at the concept of a commodity unless you base it on imaginative insights. You can only grasp the concept of a commodity if you base it on imaginative insights. And you cannot understand labor in the social and economic spheres unless you base your understanding on inspired insights. And you cannot define capital unless you base your understanding on intuitive insights.
[ 57 ] Der Begriff der Ware fordert Imagination;
der Begriff der Arbeit fordert Inspiration;
der Begriff des Kapitals fordert Intuition.
[ 57 ] The concept of a commodity requires imagination;
the concept of labor requires inspiration;
the concept of capital requires intuition.
[ 58 ] Und werden sie nicht so formuliert, diese Begriffe, kommt immer konfuses Zeug heraus.
[ 58 ] And if these terms aren't phrased that way, the result is always confusing.
[ 59 ] Daran können Sie im speziellen sehen, warum konfuses Zeug herauskommen muß. Warum definiert Lujo Brentano den Kapital-Begriff, der zusammenfällt mit dem Unternehmer-Begriff, so, daß der Arbeiter auch ein Kapitalist ist bei ihm, nämlich ein Unternehmer? Weil er natürlich ein sehr gescheiter Herr der Gegenwart ist, aber keine Ahnung davon hat, daß, um einen wirklichen Begriff von Kapital zu gewinnen, intuitive Erkenntnis notwendig ist!
[ 59 ] This, in particular, shows why such confusing ideas are bound to emerge. Why does Lujo Brentano define the concept of capital—which coincides with the concept of the entrepreneur—in such a way that, according to him, the worker is also a capitalist, namely an entrepreneur? Because he is, of course, a very clever man of the present, but has no idea that intuitive insight is necessary to gain a true understanding of capital!
[ 60 ] Allerdings, es kommt das auf einem Umweg zustande. Die Bibel deutet etwas auf diesen Umweg, indem sie vom Kapitalismus als dem Mammonismus spricht. Da bringt sie allerdings mit einer besonderen Art von Geistigkeit das Kapital in Zusammenhang. Aber Geistigkeit kann man ja nur durch Intuition erkennen. Will man die im Kapitalismus wirkende Geistigkeit, den Mammonismus erkennen, so braucht man Intuitionen. In der Bibel steht es schon drinnen. Aber heute brauchen wir eben eine Welterkenntnis, die das ins Moderne heraufhebt.
[ 60 ] However, this comes about indirectly. The Bible alludes to this indirect path by referring to capitalism as “mammonism.” In doing so, however, it associates capital with a particular kind of spirituality. But spirituality can only be recognized through intuition. If one wants to recognize the spirituality at work in capitalism—Mammonism—one needs intuition. It is already written in the Bible. But today we need a worldview that brings this into the modern era.
[ 61 ] Versucht muß werden, diese Dinge, die man heute noch für irgend etwas Verschrobenes halten wird, gerade sachkenntnismäßig zu durchdringen. Wirkliche Sachkenntnis auf diesem Gebiete, die wird aber überall ergeben die Notwendigkeit der Durchdringung sozialer Anschauungen mit echter, wahrer Geisteswissenschaft. Das ist dasjenige, was dem unbefangenen Beobachter des Lebens sich heute wirklich aufdringen muß. Erinnern Sie sich nur selber, soweit Sie dort waren, an eine denkwürdige Frage, die im Bernoullianum in Basel vor meiner Abreise nach einem Vortrage gestellt worden ist, wo ein Mensch in die Diskussion die Frage einwarf: Wie kann man dahin kommen, daß Lenin Weltherrscher werde? Denn eher sähe er kein Heil, nach seiner Ansicht, bevor nicht Lenin Weltherrscher wird. — Denken Sie, was das für eine Konfusion bedeutet! Das bedeutet dieses, daß diejenigen Menschen, die sich heute am radikalsten gebärden, am reaktionärsten sind. Sozialismus wollen sie; man müßte anfangen vor allen Dingen die Herrschaftsverhältnisse zu sozialisieren; aber man beginnt den Sozialismus mit der universellen Wirtschaftsmonarchie des Lenin! Man fängt nicht einmal an zu sozialisieren bei den Herrschaftsverhältnissen. So grotesk treten einem heute die Dinge entgegen! Solche Dinge bleiben wirklich denkwürdig, wenn einem gesagt wird: Lenin sollte Weltherrscher werden. Aber so stehen die Dinge heute. Diejenigen Menschen, die glauben, die aufgeklärtesten Begriffe zu haben, die haben die verkehrtesten Begriffe; und man wird nicht zu einer Klarheit kommen auf diesem Gebiete, wenn man sich nicht einlassen wird darauf, diese Klarheit voll aus der Geisteswissenschaft aufzusuchen.
[ 61 ] We must strive to gain a thorough, expert understanding of these matters, which people today will still regard as something eccentric. True expertise in this field, however, will reveal everywhere the necessity of integrating social views with genuine, true Spiritual Science. This is what must truly strike the impartial observer of life today. Just recall for yourselves—if you were there—a memorable question that was posed at the Bernoullianum in Basel after a lecture I gave before my departure, when someone interjected into the discussion: “How can we bring about Lenin becoming the ruler of the world?” For, in his view, he saw no hope until Lenin became the ruler of the world. — Just think what a state of confusion this represents! It means that those people who behave most radically today are, in fact, the most reactionary. They want socialism; one would have to begin, above all, by socializing the relations of power; but they begin socialism with Lenin’s universal economic monarchy! They don’t even begin to socialize the relations of power. That’s how grotesque things appear to us today! Such things truly remain memorable when one is told: Lenin should become the ruler of the world. But that is how things stand today. Those people who believe they have the most enlightened concepts actually have the most distorted ones; and one will not attain clarity in this area unless one is willing to seek that clarity fully through Spiritual Science.
