Rudolf Steiner in the Waldorf School
GA 298
27 March 1924, Stuttgart
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Rudolf Steiner in der Waldorfschule
20. Ansprache bei einer Monatsfeier
20. Ansprache bei einer Monatsfeier
[ 1 ] Meine lieben Kinder, verehrte Lehrer und Lehrerinnen und verehrte Eltern, soweit sie anwesend sind! Alljährlich, wenn die Ostern kommen, dann ist ja für die Schule, für das kindliche Erleben und für alles menschliche Dasein ein ganz besonderes Fest. Es wird dieses Fest schon angedeutet durch die schöne Sprache, welche die Natur beginnt zu uns zu sprechen.
[ 1 ] Meine lieben Kinder, verehrte Lehrer und Lehrerinnen und verehrte Eltern, soweit sie anwesend sind! Alljährlich, wenn die Ostern kommen, dann ist ja für die Schule, für das kindliche Erleben und für alles menschliche Dasein ein ganz besonderes Fest. Es wird dieses Fest schon angedeutet durch die schöne Sprache, welche die Natur beginnt zu uns zu sprechen.
[ 2 ] Zwar ist die Natur immer schön, und wer für diese Schönheit Sinn hat, kann auch diese Schönheit finden, wenn im Winter Schnee fast traurig die Erde bedeckt, die Bäume bedeckt, bis in die Berge hinauf sich zieht. Auch das ist schön. Aber es ist ja äußerlich kalt. Es macht auch die Seele recht kalt und erinnert, wie oft das Leben Herz und Seele kalt macht.
[ 2 ] Zwar ist die Natur immer schön, und wer für diese Schönheit Sinn hat, kann auch diese Schönheit finden, wenn im Winter Schnee fast traurig die Erde bedeckt, die Bäume bedeckt, bis in die Berge hinauf sich zieht. Auch das ist schön. Aber es ist ja äußerlich kalt. Es macht auch die Seele recht kalt und erinnert, wie oft das Leben Herz und Seele kalt macht.
[ 3 ] Aber dann im Frühling, wenn Ostern herankommt, dann sprossen die Saaten, die Blumen aus der Erde heraus. Die Märzveilchen sind ein Gruß von dem Sonnenlicht und Weltengeist selbst. Und das Grün erinnert uns an das, was wir zu hoffen haben von dem Leben, was wir wünschen möchten von dem Leben. Die Farbe der Hoffnung, des Wunsches, der Lebensfreude ist im Grünen enthalten.
[ 3 ] Aber dann im Frühling, wenn Ostern herankommt, dann sprossen die Saaten, die Blumen aus der Erde heraus. Die Märzveilchen sind ein Gruß von dem Sonnenlicht und Weltengeist selbst. Und das Grün erinnert uns an das, was wir zu hoffen haben von dem Leben, was wir wünschen möchten von dem Leben. Die Farbe der Hoffnung, des Wunsches, der Lebensfreude ist im Grünen enthalten.
[ 4 ] Wenn wir dann von der Natur hineinschauen in unsere Lebensschule, denn eine Lebensschule will die Waldorfschule sein, so muß man auch sagen - ich spreche zu euch, meine lieben Kinder! - dieses Osterfest ist schon einmal durch die beginnende Entfaltung des Lebens ein recht stark wirksames Fest für die Schule, für die Kinder- und Lehrerschaft und für dasjenige, was als das wichtigste hinter Kinderschaft und Lehrerschaft der Schule steht, die Eltern. Da kommen zur Österzeit die neuen Kinder hinein in unsere Schule.
[ 4 ] Wenn wir dann von der Natur hineinschauen in unsere Lebensschule, denn eine Lebensschule will die Waldorfschule sein, so muß man auch sagen - ich spreche zu euch, meine lieben Kinder! - dieses Osterfest ist schon einmal durch die beginnende Entfaltung des Lebens ein recht stark wirksames Fest für die Schule, für die Kinder- und Lehrerschaft und für dasjenige, was als das wichtigste hinter Kinderschaft und Lehrerschaft der Schule steht, die Eltern. Da kommen zur Österzeit die neuen Kinder hinein in unsere Schule.
[ 5 ] Da sehen die Lehrer das, was als eine Lebensaufgabe ihnen zufällt, in der Erziehung dieser neuen Kinder. Da ist es, daß dieses schöne seelische Verhältnis eintreten muß zwischen Lehrer und Eltern, die vertrauensvoll dem Lehrer ihre Kinder hingeben, und es beginnt für eine Anzahl von Kindern und Lehrern in dieser Österzeit dasjenige, was sich dann durch Jahre hindurch fortsetzt, das Zusammenwachsen mit den Kindern, die sie so innig lieben. .
[ 5 ] Da sehen die Lehrer das, was als eine Lebensaufgabe ihnen zufällt, in der Erziehung dieser neuen Kinder. Da ist es, daß dieses schöne seelische Verhältnis eintreten muß zwischen Lehrer und Eltern, die vertrauensvoll dem Lehrer ihre Kinder hingeben, und es beginnt für eine Anzahl von Kindern und Lehrern in dieser Österzeit dasjenige, was sich dann durch Jahre hindurch fortsetzt, das Zusammenwachsen mit den Kindern, die sie so innig lieben. .
[ 6 ] Aber wiederum ein anderes ist verbunden mit der Österzeit zugleich. Da kommt, wie es bei uns jetzt für viele Kinder der achten Klasse und sämtliche Schüler der zwölften Klasse der Fall ist, da kommt der Abschied von der Schule. Da wird es den Lehrern recht schwer ums Herz, denn sie sind mit den Kindern seelisch und geistig zusammengewachsen. Da kann man sehen, wie es den Kindern schwer ums Herz wird, den Schülern und Schülerinnen, die hinaus müssen aus der Schule, die eine Vorbereitungsschule für das Leben war, in der alles getan werden sollte, was das Leben von seiner hoffnungsvollen Seite zeigt; die hinaus müssen von dieser schönen, hellen Sommerszeit des Lebens in das oft recht rauhe, harte Dasein, wo so viel Schmerz erlebt werden muß und manche Freude. Das Leben gibt viel: Freude, Trauer und Kummer. Wir müssen darüber hinauskommen. Dann, wenn das Österfest naht, wie es jetzt der Fall ist, wenn wir hinlenken den Blick auf die kommende Östern, da werden wir so recht erinnert, wie dieses Fest ein tief einschneidendes ist in das Schüler- und Lehrergemüt.
[ 6 ] Aber wiederum ein anderes ist verbunden mit der Österzeit zugleich. Da kommt, wie es bei uns jetzt für viele Kinder der achten Klasse und sämtliche Schüler der zwölften Klasse der Fall ist, da kommt der Abschied von der Schule. Da wird es den Lehrern recht schwer ums Herz, denn sie sind mit den Kindern seelisch und geistig zusammengewachsen. Da kann man sehen, wie es den Kindern schwer ums Herz wird, den Schülern und Schülerinnen, die hinaus müssen aus der Schule, die eine Vorbereitungsschule für das Leben war, in der alles getan werden sollte, was das Leben von seiner hoffnungsvollen Seite zeigt; die hinaus müssen von dieser schönen, hellen Sommerszeit des Lebens in das oft recht rauhe, harte Dasein, wo so viel Schmerz erlebt werden muß und manche Freude. Das Leben gibt viel: Freude, Trauer und Kummer. Wir müssen darüber hinauskommen. Dann, wenn das Österfest naht, wie es jetzt der Fall ist, wenn wir hinlenken den Blick auf die kommende Östern, da werden wir so recht erinnert, wie dieses Fest ein tief einschneidendes ist in das Schüler- und Lehrergemüt.
[ 7 ] Der Lehrer schaut hin, wenn er die neuen Schüler empfängt, auf alles dasjenige, was wird. Er fühlt seine Aufgabe als Lehrer ganz besonders intensiv, wenn er nun zu den lieben Eltern der Kinder hinblicken kann und sich sagen muß: Diese Persönlichkeiten bringen mir ihr Vertrauen entgegen für dasjenige, was ihnen das Allerteuerste geworden ist im Leben. Das ist etwas Bedeutsames, denn das soll besonders tief empfunden in die Herzen der Lehrerschaft einziehen. Die Kinder kommen herein, freudig erwartend dasjenige, was ihnen durch die Liebe der Lehrer, durch das, was die Menschen hervorgebracht haben, werden soll.
[ 7 ] Der Lehrer schaut hin, wenn er die neuen Schüler empfängt, auf alles dasjenige, was wird. Er fühlt seine Aufgabe als Lehrer ganz besonders intensiv, wenn er nun zu den lieben Eltern der Kinder hinblicken kann und sich sagen muß: Diese Persönlichkeiten bringen mir ihr Vertrauen entgegen für dasjenige, was ihnen das Allerteuerste geworden ist im Leben. Das ist etwas Bedeutsames, denn das soll besonders tief empfunden in die Herzen der Lehrerschaft einziehen. Die Kinder kommen herein, freudig erwartend dasjenige, was ihnen durch die Liebe der Lehrer, durch das, was die Menschen hervorgebracht haben, werden soll.
[ 8 ] Dann wird wiederum hingesehen werden müssen auf den Abschied, daß dieser oder jener Schüler von der Schule hat weg müssen. Dann kommt das andere Gefühl, ein Gefühl, das vermischt ist mit Wehmut und Trauer in vieler Beziehung, das insbesondere im Lehrergemüt eine recht wehmütige Trauer auslöst. Denn die Kinder, die man liebgewonnen hat, die man geführt hat, man muß sie hinausschicken ins Leben. Sie müssen dasjenige, was man mit ihnen gesucht hat, selbst suchen. Da fällt die Befriedigung hinein, die sich sagen kann: Wenn es dir gelungen ist, dann gibst du die Kräfte, die du hast geben wollen, die gibst du ihnen mit. - Und das gibt ja auch eine schöne Ostern, gerade dann wird der Abschied von der Schule auch für die Lehrer zu etwas Schönem.
[ 8 ] Dann wird wiederum hingesehen werden müssen auf den Abschied, daß dieser oder jener Schüler von der Schule hat weg müssen. Dann kommt das andere Gefühl, ein Gefühl, das vermischt ist mit Wehmut und Trauer in vieler Beziehung, das insbesondere im Lehrergemüt eine recht wehmütige Trauer auslöst. Denn die Kinder, die man liebgewonnen hat, die man geführt hat, man muß sie hinausschicken ins Leben. Sie müssen dasjenige, was man mit ihnen gesucht hat, selbst suchen. Da fällt die Befriedigung hinein, die sich sagen kann: Wenn es dir gelungen ist, dann gibst du die Kräfte, die du hast geben wollen, die gibst du ihnen mit. - Und das gibt ja auch eine schöne Ostern, gerade dann wird der Abschied von der Schule auch für die Lehrer zu etwas Schönem.
[ 9 ] Zu dem Schönsten des Lehrers gehört es ja, wenn er oftmals nach Jahren, wenn die Kinder draußen gewesen sind im Leben, hört von dem oder jenem, was er geworden ist im Leben. Wie er sich hineingestellt hat ins Dasein, welches Glück er erfahren hat, wie er den Schmerz hat ertragen gelernt. Wenn so von den Kindern Botschaften zurückkommen wiederum in die Schule, vielleicht wenn die Schüler schon fast ganz erwachsen geworden sind, fest darinstehen im Leben, dann sind das die Empfindungen, die insbesondere dem Lehrer recht Kraft geben, die dann auch, wenn er schon lange seines Amtes in der Schule gewaltet hat, ihm noch Rüstigkeit geben.
[ 9 ] Zu dem Schönsten des Lehrers gehört es ja, wenn er oftmals nach Jahren, wenn die Kinder draußen gewesen sind im Leben, hört von dem oder jenem, was er geworden ist im Leben. Wie er sich hineingestellt hat ins Dasein, welches Glück er erfahren hat, wie er den Schmerz hat ertragen gelernt. Wenn so von den Kindern Botschaften zurückkommen wiederum in die Schule, vielleicht wenn die Schüler schon fast ganz erwachsen geworden sind, fest darinstehen im Leben, dann sind das die Empfindungen, die insbesondere dem Lehrer recht Kraft geben, die dann auch, wenn er schon lange seines Amtes in der Schule gewaltet hat, ihm noch Rüstigkeit geben.
[ 10 ] Und wenn man sich das alles vergegenwärtigt, was da hereinspielt in die Schule zur Osterzeit, dann kommt das Gefühl, das kommen sollte bei euch, meine lieben Kinder und Schüler und Schülerinnen, das kommen sollte: Was für das gesamte Menschenleben zwischen Geburt und Tod bedeutet diese Schulzeit! Sie ist eine richtige Sommerzeit, Sonnenzeit des Lebens, an die uns insbesondere, weil sie da beginnt in der Natur, Ostern erinnert.
[ 10 ] Und wenn man sich das alles vergegenwärtigt, was da hereinspielt in die Schule zur Osterzeit, dann kommt das Gefühl, das kommen sollte bei euch, meine lieben Kinder und Schüler und Schülerinnen, das kommen sollte: Was für das gesamte Menschenleben zwischen Geburt und Tod bedeutet diese Schulzeit! Sie ist eine richtige Sommerzeit, Sonnenzeit des Lebens, an die uns insbesondere, weil sie da beginnt in der Natur, Ostern erinnert.
[ 11 ] Die Lehrer sagen sich da: Glücklich sind wir, daß wir das Vertrauen von Menschen besitzen, wie das der Eltern, die uns ihre Kinder übergeben. Dann werden die Lehrer so recht fühlen können - und die Art und Weise, wie gestrebt wird, die möchte das fühlen lassen: Durch Jahre hindurch haben uns die Eltern ihr Liebstes überlassen, vertrauensvoll haben sie es uns übergeben, und das wird das Glück der Schule sein, daß wir dieses Vertrauen nicht nur erhalten, sondern gerechtfertigt haben, daß die Eltern mit derselben Befriedigung ihre Kinder Abschied nehmen sehen voller Hoffnung, mit der sie ins Leben eintreten, daß die Eltern mit ebensolcher Befriedigung entgegennehmen ihre abgehenden Kinder und Schüler, wie sie sie im Vertrauen in die Schule hineingeschickt haben. Das alles tritt vor unsere Seele, vor unser Gemüt, gerade in dieser Zeit. Ich wollte es mit ein paar Worten in die Seelen, in die Gemüter der Schüler und Schülerinnen und der Lehrerschaft hineinsenken.
[ 11 ] Die Lehrer sagen sich da: Glücklich sind wir, daß wir das Vertrauen von Menschen besitzen, wie das der Eltern, die uns ihre Kinder übergeben. Dann werden die Lehrer so recht fühlen können - und die Art und Weise, wie gestrebt wird, die möchte das fühlen lassen: Durch Jahre hindurch haben uns die Eltern ihr Liebstes überlassen, vertrauensvoll haben sie es uns übergeben, und das wird das Glück der Schule sein, daß wir dieses Vertrauen nicht nur erhalten, sondern gerechtfertigt haben, daß die Eltern mit derselben Befriedigung ihre Kinder Abschied nehmen sehen voller Hoffnung, mit der sie ins Leben eintreten, daß die Eltern mit ebensolcher Befriedigung entgegennehmen ihre abgehenden Kinder und Schüler, wie sie sie im Vertrauen in die Schule hineingeschickt haben. Das alles tritt vor unsere Seele, vor unser Gemüt, gerade in dieser Zeit. Ich wollte es mit ein paar Worten in die Seelen, in die Gemüter der Schüler und Schülerinnen und der Lehrerschaft hineinsenken.
[ 12 ] Alles das wird aber, wenn es allseitig beachtet wird, bei Kindern und Schülern dasjenige, was da sein muß: Hingabe und Liebe zur Lehrerschaft, Hingabe an dasjenige, was durch die Schule erarbeitet wird. Wenn da waltet in der Waldorfschule die rechte Liebe zwischen Eltern und Lehrern, Kindern und Schülern, dann wird in dem, was die Liebe tun kann, wenn der Mensch durch alles Schöne und Große durch das Leben geleitet werden soll, dann wird dieses Leben walten können, wird die dem Menschen notwendigen Kräfte geben können.
[ 12 ] Alles das wird aber, wenn es allseitig beachtet wird, bei Kindern und Schülern dasjenige, was da sein muß: Hingabe und Liebe zur Lehrerschaft, Hingabe an dasjenige, was durch die Schule erarbeitet wird. Wenn da waltet in der Waldorfschule die rechte Liebe zwischen Eltern und Lehrern, Kindern und Schülern, dann wird in dem, was die Liebe tun kann, wenn der Mensch durch alles Schöne und Große durch das Leben geleitet werden soll, dann wird dieses Leben walten können, wird die dem Menschen notwendigen Kräfte geben können.
[ 13 ] Darum habe ich euch immer gefragt, ob es euch gelungen ist, eure Lehrer recht lieb zu gewinnen. Könnt ihr sie noch lieber gewinnen, dann wird alles aus dieser Liebe wie aus einem frischen Quell kommen können. Dann werdet ihr alles erarbeiten, dann wird die Österzeit alles geben können. Ich möchte euch fragen: Liebt ihr eure Lehrer und Lehrerinnen? [Alle rufen: Ja!] Das ist schön von euch. Dann, blickt ihr in dieser Liebe, die ihr zwischen euch entwickelt, blickt ihr hin auf diejenigen, welche die Schule verlassen, nehmt euch vor, sie zu verfolgen im Leben mit euren liebenden Blicken: und es wird sich ein schönes Verhältnis der Liebe und Freundschaft entwickeln können. Und es wird die Waldorfschule schön hinausstrahlen können ins Leben wie ein Sonnenhaftes.
[ 13 ] Darum habe ich euch immer gefragt, ob es euch gelungen ist, eure Lehrer recht lieb zu gewinnen. Könnt ihr sie noch lieber gewinnen, dann wird alles aus dieser Liebe wie aus einem frischen Quell kommen können. Dann werdet ihr alles erarbeiten, dann wird die Österzeit alles geben können. Ich möchte euch fragen: Liebt ihr eure Lehrer und Lehrerinnen? [Alle rufen: Ja!] Das ist schön von euch. Dann, blickt ihr in dieser Liebe, die ihr zwischen euch entwickelt, blickt ihr hin auf diejenigen, welche die Schule verlassen, nehmt euch vor, sie zu verfolgen im Leben mit euren liebenden Blicken: und es wird sich ein schönes Verhältnis der Liebe und Freundschaft entwickeln können. Und es wird die Waldorfschule schön hinausstrahlen können ins Leben wie ein Sonnenhaftes.
