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Spiritual-Scientific Linguistic Considerations
A Suggestion for Educators
GA 299

29 December 1919, Stuttgart

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Dritter Vortrag

Dritter Vortrag

[ 1 ] Die Tatsachen des Lebens führen oftmals, äußerlich betrachtet, zu Widersprüchen; aber gerade wenn man solche Widersprüche dann richtig der Untersuchung unterwirft, kommt man auf die tieferen, wesenhaften Zusammenhänge. Einen solchen Widerspruch können Sie bei einigermaßen gründlichem Nachdenken konstatieren zwischen demjenigen, was ich Ihnen im ersten Vortrag hier auseinandergelegt und im zweiten rekapituliert habe, und demjenigen, was ich dann gestern an einzelnen Beispielen als einen inneren Zusammenhang europäischer Sprachen auseinandergesetzt habe. Stellen wir uns doch einmal die dadurch charakterisierten zwei Tatsachenreihen vor das Auge: Wir haben auf der einen Seite darauf aufmerksam gemacht, daß wir im gegenwärtigen Bestand unserer Sprache viele Eindringlinge finden; daß wir fühlen, wie von Süden her mit dem Christentum in unsere Gegenden zu dem ursprünglichen deutsch-germanischen Sprachreichtum anderes hinzugekommen ist, was gewissermaßen mit den christlichen Vorstellungen und christlichen Empfindungen zugleich die christlichen Wörter gebracht hat; so daß jetzt diese christlichen Wörter in der charakterisierten Art innerhalb unseres Sprachwesens bestehen. Dann habe ich noch von anderen Eindringlingen gesprochen, die immerhin auch eine Bedeutung haben, weil sie schon einmal zu dem Umfang unseres Sprachwesens gehören; von jenen Invasionen, die etwa im 12. Jahrhundert beginnen, die von westlichen romanischen Ländern ausgehen, und die auch noch in eine Zeit hineinfallen, in welcher der deutsche Sprachgenius umbildende Kraft hat. Da bildet er, was er vom Westen empfängt, in seiner Art noch um, bildet es dem Laut nach, bildet es auch der Bedeutung nach noch um. Ich sagte damals: Wenige ahnen heute, daß zum Beispiel das im Deutschen gebrauchte Wort fein eigentlich französischen Ursprungs ist: fin und daß es erst nach dem 12, Jahrhundert in unser Sprachwesen hereingekommen ist, vorher nicht da war. — Ich machte dann darauf aufmerksam, wie auch Spanisches schon in einer Zeit, in der nicht mehr die umbildende Kraft des deutschen Sprachwesens vorhanden war, eindrang; und wie ganz und gar nicht mehr diese umbildende Kraft da war, als im letzten Teil des 18. Jahrhunderts, insbesondere aber im 19. Jahrhundert Elemente des Englischen eindrangen in das deutsche Sprachwesen. Da sehen wir fortwährend, daß vom Lateinischen oder auch vom Griechischen, auf dem Umwege durch das Lateinische, oder wiederum von den westlichen romanischen Sprachen her Wörter aufgenommen wurden nach Mitteleuropa hinein. Das ist eine Tatsache, die uns dazu führen muß, zu sagen: Unser gegenwärtiger Sprachschatz besteht nur zum Teil aus Ursprünglichem und trägt dann eben später Aufgenommenes in sich. Nun aber habe ich Sie wiederum aufmerksam gemacht, wie zwischen einer ganzen Reihe von Sprachen engere Verwandtschaft besteht. Ich habe Sie hingewiesen auf manche gotische Formen und gezeigt, wie dann diese in die Formen unserer Sprache übergegangen sind; und wir haben hinweisen können an manchen Stellen, wie das betreffende Wort auch im Lateinischen oder Griechischen zu finden ist. Während wir also sagen müssen: Unsere Sprache hat Fremdes in sich aufgenommen -, müssen wir auf der anderen Seite sagen: Unsere Sprache ist urverwandt mit denjenigen Sprachen, aus denen sie in späterer Zeit wiederum etwas wie fremde Bestandteile aufgenommen hat.

[ 1 ] Die Tatsachen des Lebens führen oftmals, äußerlich betrachtet, zu Widersprüchen; aber gerade wenn man solche Widersprüche dann richtig der Untersuchung unterwirft, kommt man auf die tieferen, wesenhaften Zusammenhänge. Einen solchen Widerspruch können Sie bei einigermaßen gründlichem Nachdenken konstatieren zwischen demjenigen, was ich Ihnen im ersten Vortrag hier auseinandergelegt und im zweiten rekapituliert habe, und demjenigen, was ich dann gestern an einzelnen Beispielen als einen inneren Zusammenhang europäischer Sprachen auseinandergesetzt habe. Stellen wir uns doch einmal die dadurch charakterisierten zwei Tatsachenreihen vor das Auge: Wir haben auf der einen Seite darauf aufmerksam gemacht, daß wir im gegenwärtigen Bestand unserer Sprache viele Eindringlinge finden; daß wir fühlen, wie von Süden her mit dem Christentum in unsere Gegenden zu dem ursprünglichen deutsch-germanischen Sprachreichtum anderes hinzugekommen ist, was gewissermaßen mit den christlichen Vorstellungen und christlichen Empfindungen zugleich die christlichen Wörter gebracht hat; so daß jetzt diese christlichen Wörter in der charakterisierten Art innerhalb unseres Sprachwesens bestehen. Dann habe ich noch von anderen Eindringlingen gesprochen, die immerhin auch eine Bedeutung haben, weil sie schon einmal zu dem Umfang unseres Sprachwesens gehören; von jenen Invasionen, die etwa im 12. Jahrhundert beginnen, die von westlichen romanischen Ländern ausgehen, und die auch noch in eine Zeit hineinfallen, in welcher der deutsche Sprachgenius umbildende Kraft hat. Da bildet er, was er vom Westen empfängt, in seiner Art noch um, bildet es dem Laut nach, bildet es auch der Bedeutung nach noch um. Ich sagte damals: Wenige ahnen heute, daß zum Beispiel das im Deutschen gebrauchte Wort fein eigentlich französischen Ursprungs ist: fin und daß es erst nach dem 12, Jahrhundert in unser Sprachwesen hereingekommen ist, vorher nicht da war. — Ich machte dann darauf aufmerksam, wie auch Spanisches schon in einer Zeit, in der nicht mehr die umbildende Kraft des deutschen Sprachwesens vorhanden war, eindrang; und wie ganz und gar nicht mehr diese umbildende Kraft da war, als im letzten Teil des 18. Jahrhunderts, insbesondere aber im 19. Jahrhundert Elemente des Englischen eindrangen in das deutsche Sprachwesen. Da sehen wir fortwährend, daß vom Lateinischen oder auch vom Griechischen, auf dem Umwege durch das Lateinische, oder wiederum von den westlichen romanischen Sprachen her Wörter aufgenommen wurden nach Mitteleuropa hinein. Das ist eine Tatsache, die uns dazu führen muß, zu sagen: Unser gegenwärtiger Sprachschatz besteht nur zum Teil aus Ursprünglichem und trägt dann eben später Aufgenommenes in sich. Nun aber habe ich Sie wiederum aufmerksam gemacht, wie zwischen einer ganzen Reihe von Sprachen engere Verwandtschaft besteht. Ich habe Sie hingewiesen auf manche gotische Formen und gezeigt, wie dann diese in die Formen unserer Sprache übergegangen sind; und wir haben hinweisen können an manchen Stellen, wie das betreffende Wort auch im Lateinischen oder Griechischen zu finden ist. Während wir also sagen müssen: Unsere Sprache hat Fremdes in sich aufgenommen -, müssen wir auf der anderen Seite sagen: Unsere Sprache ist urverwandt mit denjenigen Sprachen, aus denen sie in späterer Zeit wiederum etwas wie fremde Bestandteile aufgenommen hat.

[ 2 ] Nun kann man sehr leicht nachweisen, wenn auch nicht in sehr umfassendem Sinn, aber an charakteristischen Beispielen, daß über weitere Erdenterritorien hin eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. Sie brauchen nur so etwas zu nehmen wie naus, das Sanskritwort für Schiff. Wenn Sie dieses Wort im Griechischen aufsuchen, dann haben Sie ebenfalls raus, wenn Sie dieses Wort im Lateinischen aufsuchen, so haben Sie navis. Suchen Sie dasselbe Wort auf im mehr keltisch gefärbten Gebiete, so haben Sie das Wort nau, suchen Sie das Wort auf im Altnordischen, in den altskandinavischen Sprachen, so haben Sie nor. Daß solche Worte dann für das Deutsche abgeworfen sind, hat ja geringere Bedeutung. Aber wir sehen, daß im weitesten Umfang eine Verwandtschaft besteht, eine Verwandtschaft, die wir für vieles nachweisen können, eben auf einem außerordentlich großen Gebiet über Europa und Asien hinüber. Nehmen Sie das altindische Wort aritras, so finden wir das Wort wieder als eretmón im Griechischen; wir finden dasselbe Wort wiederum mit gewissen Abwerfungen als remus im Lateinischen; wir finden in keltischen Gebieten rame, und wir finden im Althochdeutschen ruodar. Wir haben dieses Wort noch; es ist unser Ruder. Und so könnte man eine große Anzahl von Wörtern zusammenstellen, die in Umbildungen, in Metamorphosierungen über weite Gebiete der Sprachen vorhanden sind: etwa im Gotischen, den nordisch-skandinavischen Sprachen, den friesischen Sprachen, niederdeutschen Sprachen, in der hochdeutschen Sprache, auch in baltischen Idiomen, im Litauischen, Lettischen, Preußischen. Auch kann man solche Verwandtschaften nachweisen in slawischen Sprachen; im Armenischen, im Iranischen, im Indischen, im Griechischen, im Lateinischen, im Keltischen. Über die Gebiete dieser Sprachen hin sehen wir, wie eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. So daß wir uns sehr leicht vorstellen können, daß gewissermaßen die Ursachen des Sprachbildens über all diese Territorien hinüber in einer sehr alten Zeit ähnliche waren, daß sie sich nur dann später differenziert haben.

[ 2 ] Nun kann man sehr leicht nachweisen, wenn auch nicht in sehr umfassendem Sinn, aber an charakteristischen Beispielen, daß über weitere Erdenterritorien hin eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. Sie brauchen nur so etwas zu nehmen wie naus, das Sanskritwort für Schiff. Wenn Sie dieses Wort im Griechischen aufsuchen, dann haben Sie ebenfalls raus, wenn Sie dieses Wort im Lateinischen aufsuchen, so haben Sie navis. Suchen Sie dasselbe Wort auf im mehr keltisch gefärbten Gebiete, so haben Sie das Wort nau, suchen Sie das Wort auf im Altnordischen, in den altskandinavischen Sprachen, so haben Sie nor. Daß solche Worte dann für das Deutsche abgeworfen sind, hat ja geringere Bedeutung. Aber wir sehen, daß im weitesten Umfang eine Verwandtschaft besteht, eine Verwandtschaft, die wir für vieles nachweisen können, eben auf einem außerordentlich großen Gebiet über Europa und Asien hinüber. Nehmen Sie das altindische Wort aritras, so finden wir das Wort wieder als eretmón im Griechischen; wir finden dasselbe Wort wiederum mit gewissen Abwerfungen als remus im Lateinischen; wir finden in keltischen Gebieten rame, und wir finden im Althochdeutschen ruodar. Wir haben dieses Wort noch; es ist unser Ruder. Und so könnte man eine große Anzahl von Wörtern zusammenstellen, die in Umbildungen, in Metamorphosierungen über weite Gebiete der Sprachen vorhanden sind: etwa im Gotischen, den nordisch-skandinavischen Sprachen, den friesischen Sprachen, niederdeutschen Sprachen, in der hochdeutschen Sprache, auch in baltischen Idiomen, im Litauischen, Lettischen, Preußischen. Auch kann man solche Verwandtschaften nachweisen in slawischen Sprachen; im Armenischen, im Iranischen, im Indischen, im Griechischen, im Lateinischen, im Keltischen. Über die Gebiete dieser Sprachen hin sehen wir, wie eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. So daß wir uns sehr leicht vorstellen können, daß gewissermaßen die Ursachen des Sprachbildens über all diese Territorien hinüber in einer sehr alten Zeit ähnliche waren, daß sie sich nur dann später differenziert haben.

[ 3 ] Ich sagte: Diese beiden Tatsachenreihen widersprechen einander; aber gerade durch die Beobachtung solcher Widersprüche kann man in manche Dinge des Lebens wesenhaft tiefer eindringen. Denn wir werden gerade durch eine solche Erscheinungsreihe dazu geführt, uns zu sagen: Die Entwickelung, welche die Menschheit im Laufe der Geschichte durchmacht, vollzieht sich ganz und gar nicht, wie man sich oftmals vorstellt, recht kontinuierlich, sondern in einer Art von Wellenbewegung. Denn wie sollen Sie sich denn eigentlich diesen ganzen Vorgang, der durch diese zwei einander scheinbar widersprechenden Tatsachen ausgedrückt wird, anders vorstellen, als daß eine gewisse Verwandtschaft der Bevölkerungen über diese weiten Territorien besteht; daß diese Völker sich eine gewisse Zeit hindurch so abgeschlossen halten, daß sie ihre differenzierten Sprachidiome ausbilden; daß es also eine Periode des Abschlusses der Völker gibt, und daß diese wechselt mit einer Periode, wo Einfluß eines Volkes auf das andere stattfindet. Das ist zwar die Sache etwas roh charakterisiert; aber nur dadurch, daß man auf eine solche auf- und absteigende Bewegung hinblickt, können gewisse Tatsachen wirklich erklärt werden. Nun kann man, wenn man nach den beiden Richtungen hin, wie ich Ihnen jetzt angegeben habe, die Entwickelung der Sprache betrachtet, tiefere Blicke hineintun in das Wesen der Volksentwickelung überhaupt. Man muß nur Rücksicht nehmen auf der einen Seite - und wir werden das nun anwenden auf die Entwickelung der deutschen Sprache — auf die Art, wie gewissermaßen unter Abschluß nach außen sich gewisse Elemente des Sprachlichen entwickeln, und wie wiederum Fremdbestandteile aufgenommen werden und auch beitragen zu all dem Geistig-Seelischen, das durch die Sprache zum Ausdruck kommen kann. Wir können ja schon ahnen, daß diese beiden Elemente in ganz verschiedener Weise sich zum Geistes- und Seelenleben des betreffenden Volkes verhalten müssen.

[ 3 ] Ich sagte: Diese beiden Tatsachenreihen widersprechen einander; aber gerade durch die Beobachtung solcher Widersprüche kann man in manche Dinge des Lebens wesenhaft tiefer eindringen. Denn wir werden gerade durch eine solche Erscheinungsreihe dazu geführt, uns zu sagen: Die Entwickelung, welche die Menschheit im Laufe der Geschichte durchmacht, vollzieht sich ganz und gar nicht, wie man sich oftmals vorstellt, recht kontinuierlich, sondern in einer Art von Wellenbewegung. Denn wie sollen Sie sich denn eigentlich diesen ganzen Vorgang, der durch diese zwei einander scheinbar widersprechenden Tatsachen ausgedrückt wird, anders vorstellen, als daß eine gewisse Verwandtschaft der Bevölkerungen über diese weiten Territorien besteht; daß diese Völker sich eine gewisse Zeit hindurch so abgeschlossen halten, daß sie ihre differenzierten Sprachidiome ausbilden; daß es also eine Periode des Abschlusses der Völker gibt, und daß diese wechselt mit einer Periode, wo Einfluß eines Volkes auf das andere stattfindet. Das ist zwar die Sache etwas roh charakterisiert; aber nur dadurch, daß man auf eine solche auf- und absteigende Bewegung hinblickt, können gewisse Tatsachen wirklich erklärt werden. Nun kann man, wenn man nach den beiden Richtungen hin, wie ich Ihnen jetzt angegeben habe, die Entwickelung der Sprache betrachtet, tiefere Blicke hineintun in das Wesen der Volksentwickelung überhaupt. Man muß nur Rücksicht nehmen auf der einen Seite - und wir werden das nun anwenden auf die Entwickelung der deutschen Sprache — auf die Art, wie gewissermaßen unter Abschluß nach außen sich gewisse Elemente des Sprachlichen entwickeln, und wie wiederum Fremdbestandteile aufgenommen werden und auch beitragen zu all dem Geistig-Seelischen, das durch die Sprache zum Ausdruck kommen kann. Wir können ja schon ahnen, daß diese beiden Elemente in ganz verschiedener Weise sich zum Geistes- und Seelenleben des betreffenden Volkes verhalten müssen.

[ 4 ] Wir können auf der einen Seite auf die außerordentlich bedeutungsvolle Tatsache hinsehen, daß eine Urverwandtschaft da ist, die uns ganz besonders entgegentritt, wenn wir sehen, daß außerordentlich wichtige Wörter verwandt sind, sagen wir für das Lateinische und für die älteren Formen der mitteleuropäischen Sprachen. Lateinisch verus: wahr; althochdeutsch: wâr. Wenn Sie solche auffallenden Dinge nehmen wie: velle = wollen, oder das lateinische taceo = ich schweige, für das im Gotischen auftretende thahan, so müssen Sie sich sagen: ähnlich Klingendes, also sprachlich Verwandtes hat in alter Zeit über weite Gebiete Europas — und man könnte es auch für Asien nachweisen — geherrscht.

[ 4 ] Wir können auf der einen Seite auf die außerordentlich bedeutungsvolle Tatsache hinsehen, daß eine Urverwandtschaft da ist, die uns ganz besonders entgegentritt, wenn wir sehen, daß außerordentlich wichtige Wörter verwandt sind, sagen wir für das Lateinische und für die älteren Formen der mitteleuropäischen Sprachen. Lateinisch verus: wahr; althochdeutsch: wâr. Wenn Sie solche auffallenden Dinge nehmen wie: velle = wollen, oder das lateinische taceo = ich schweige, für das im Gotischen auftretende thahan, so müssen Sie sich sagen: ähnlich Klingendes, also sprachlich Verwandtes hat in alter Zeit über weite Gebiete Europas — und man könnte es auch für Asien nachweisen — geherrscht.

[ 5 ] Auf der anderen Seite ist es außerordentlich merkwürdig, daß die Bewohner Mitteleuropas, aus denen dann die heutigen Deutschen hervorgegangen sind, doch auch verhältnismäßig früh Fremdsprachliches aufgenommen haben. Sogar noch früher, als ich es Ihnen bisher charakterisiert habe. Es hat eine Zeit gegeben, wo Europa viel mehr vom keltischen Element erfüllt war als in den historischen Zeiten, von denen man gewöhnlich spricht. Die Kelten sind aber dann in westliche Gegenden Europas gedrängt worden, und es zogen in Mitteleuropa germanische Völkerschaften ein, ganz gewiß von nördlichen Gegenden aus. Nun haben auch schon von den Kelten, die nun ihre westlichen Nachbarn waren, die Germanen ebenso fremde Wortbestandteile aufgenommen, wie sie sie später vom Süden aufgenommen haben, vom Lateinischen. Das heißt, die Bewohner Mitteleuropas haben, nachdem sie mehr abgeschlossen sich entwickelt haben und die anderen sich für sich entwickelt haben, von den Randgebieten, die aber ursprünglich mit ihnen sprachlich verwandt waren, später fortwährend Fremdsprachliches aufgenommen.

[ 5 ] Auf der anderen Seite ist es außerordentlich merkwürdig, daß die Bewohner Mitteleuropas, aus denen dann die heutigen Deutschen hervorgegangen sind, doch auch verhältnismäßig früh Fremdsprachliches aufgenommen haben. Sogar noch früher, als ich es Ihnen bisher charakterisiert habe. Es hat eine Zeit gegeben, wo Europa viel mehr vom keltischen Element erfüllt war als in den historischen Zeiten, von denen man gewöhnlich spricht. Die Kelten sind aber dann in westliche Gegenden Europas gedrängt worden, und es zogen in Mitteleuropa germanische Völkerschaften ein, ganz gewiß von nördlichen Gegenden aus. Nun haben auch schon von den Kelten, die nun ihre westlichen Nachbarn waren, die Germanen ebenso fremde Wortbestandteile aufgenommen, wie sie sie später vom Süden aufgenommen haben, vom Lateinischen. Das heißt, die Bewohner Mitteleuropas haben, nachdem sie mehr abgeschlossen sich entwickelt haben und die anderen sich für sich entwickelt haben, von den Randgebieten, die aber ursprünglich mit ihnen sprachlich verwandt waren, später fortwährend Fremdsprachliches aufgenommen.

[ 6 ] Wir haben gar manches Wort, das nicht mehr ganz der Eleganz angehört, sagen wir das Wort Schindmähre: das ist ein verschundenes Pferd. Dieses Schindmähre weist hin überhaupt auf ein altes Wort: Mähre, für Pferd; wovon wir etwa noch das Wort Marstall haben. Dieses Wort ist aber keltischen Ursprungs, findet sich unter den Kelten, nachdem diese bereits nach Westeuropa gedrängt worden sind. Und es ist wohl nicht eine Metamorphose vorhanden, die auf der einen Seite in Mitteleuropa wäre und dann im Westen, sondern dieses Wort müssen die Germanen einfach von den Kelten später übernommen haben. Und eine ganze Reihe von solchen Wörtern ist übernommen worden, allerdings auch solche, für die man die umbildende Kraft hat. Sie haben zum Beispiel in dem Namen, der eigentlich nur teilweise ein Name ist, Vercingetorix, das Wort rix darinnen. Rix ist eine ursprünglich keltische Bildung, ist aufgenommen worden bei den Kelten, bedeutete bei ihnen den Herrscher, den Mächtigen, und ist zu unserem Worte reich geworden, mächtig sein durch Reichtum. Also auch da Umbildung nicht nur vom Lateinischen, sondern auch vom Keltischen in der Zeit, als der mitteleuropäische Sprachgenius noch innere umbildende Kraft hatte.

[ 6 ] Wir haben gar manches Wort, das nicht mehr ganz der Eleganz angehört, sagen wir das Wort Schindmähre: das ist ein verschundenes Pferd. Dieses Schindmähre weist hin überhaupt auf ein altes Wort: Mähre, für Pferd; wovon wir etwa noch das Wort Marstall haben. Dieses Wort ist aber keltischen Ursprungs, findet sich unter den Kelten, nachdem diese bereits nach Westeuropa gedrängt worden sind. Und es ist wohl nicht eine Metamorphose vorhanden, die auf der einen Seite in Mitteleuropa wäre und dann im Westen, sondern dieses Wort müssen die Germanen einfach von den Kelten später übernommen haben. Und eine ganze Reihe von solchen Wörtern ist übernommen worden, allerdings auch solche, für die man die umbildende Kraft hat. Sie haben zum Beispiel in dem Namen, der eigentlich nur teilweise ein Name ist, Vercingetorix, das Wort rix darinnen. Rix ist eine ursprünglich keltische Bildung, ist aufgenommen worden bei den Kelten, bedeutete bei ihnen den Herrscher, den Mächtigen, und ist zu unserem Worte reich geworden, mächtig sein durch Reichtum. Also auch da Umbildung nicht nur vom Lateinischen, sondern auch vom Keltischen in der Zeit, als der mitteleuropäische Sprachgenius noch innere umbildende Kraft hatte.

[ 7 ] Würde man nun äußerlich die Entwickelung der Sprache genügend weit zurückverfolgen können — man kann es ja nicht -, so würde man zuletzt ankommen bei jener primitiven sprachbildenden Gewalt alter Zeiten, in denen aus einem solchen Verhältnis zum Konsonantischen und Vokalischen, wie ich es gestern charakterisiert habe, die Sprachen entstehen. Die Sprachen entstehen in einer primitiven Form. Was dann als Differenzierung in den Sprachen auftritt, rührt davon her, daß das, was ursprünglich eigentlich in der gleichen Weise aus der menschlichen Natur sich bilden will, in der verschiedensten Art, je nachdem zum Beispiel ein Stamm eine Gebirgsgegend oder eine ebene Gegend bewohnt, zum Ausdruck kommt. Der Kehlkopf und seine benachbarten Organe wollen sich anders äußern in einer Gebirgsgegend, anders in einer flachen Gegend und so weiter.

[ 7 ] Würde man nun äußerlich die Entwickelung der Sprache genügend weit zurückverfolgen können — man kann es ja nicht -, so würde man zuletzt ankommen bei jener primitiven sprachbildenden Gewalt alter Zeiten, in denen aus einem solchen Verhältnis zum Konsonantischen und Vokalischen, wie ich es gestern charakterisiert habe, die Sprachen entstehen. Die Sprachen entstehen in einer primitiven Form. Was dann als Differenzierung in den Sprachen auftritt, rührt davon her, daß das, was ursprünglich eigentlich in der gleichen Weise aus der menschlichen Natur sich bilden will, in der verschiedensten Art, je nachdem zum Beispiel ein Stamm eine Gebirgsgegend oder eine ebene Gegend bewohnt, zum Ausdruck kommt. Der Kehlkopf und seine benachbarten Organe wollen sich anders äußern in einer Gebirgsgegend, anders in einer flachen Gegend und so weiter.

[ 8 ] Nun tritt in der Fortbildung der Sprache eine eigentümliche Erscheinung auf, die wir am Beispiel der indogermanischen Sprachen betrachten wollen. Nehmen wir das Wort zwei, so haben wir im Lateinischen duo. Wenn das in ältere Formen der Sprachen in Mitteleuropa geht, haben wir dafür das Wort two, und wenn wir zu uns selber heutigen Tages gehen, haben wir dafür das Wort zwei. Sie sehen in diesem Worte auf seinem Metamorphosengang das Folgende: Dieses duo weist uns hin auf eine älteste Stufe, die sich im Lateinischen erhalten hat; two ist eine spätere Stufe, und die neueste Stufe, die sich gebildet hat, ist zwei. Sehr kompliziert wäre es, auf die Vokale Rücksicht zu nehmen. Wir nehmen auf den Konsonanten hier Rücksicht und müssen uns sagen: Auf dem Metamorphosenwege, den dieses Wort gemacht hat, sehen wir, das d wird zum t und das t wird zum z, und zwar in dieser Reihenfolge d-t-z. Wir sehen also, daß auf der Wanderung des Wortes eine Umbildung des Lautes sich vollzieht. Dem deutschen z entspricht in anderen Sprachen die th-Stufe.

[ 8 ] Nun tritt in der Fortbildung der Sprache eine eigentümliche Erscheinung auf, die wir am Beispiel der indogermanischen Sprachen betrachten wollen. Nehmen wir das Wort zwei, so haben wir im Lateinischen duo. Wenn das in ältere Formen der Sprachen in Mitteleuropa geht, haben wir dafür das Wort two, und wenn wir zu uns selber heutigen Tages gehen, haben wir dafür das Wort zwei. Sie sehen in diesem Worte auf seinem Metamorphosengang das Folgende: Dieses duo weist uns hin auf eine älteste Stufe, die sich im Lateinischen erhalten hat; two ist eine spätere Stufe, und die neueste Stufe, die sich gebildet hat, ist zwei. Sehr kompliziert wäre es, auf die Vokale Rücksicht zu nehmen. Wir nehmen auf den Konsonanten hier Rücksicht und müssen uns sagen: Auf dem Metamorphosenwege, den dieses Wort gemacht hat, sehen wir, das d wird zum t und das t wird zum z, und zwar in dieser Reihenfolge d-t-z. Wir sehen also, daß auf der Wanderung des Wortes eine Umbildung des Lautes sich vollzieht. Dem deutschen z entspricht in anderen Sprachen die th-Stufe.

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[ 9 ] Das ist durchaus nicht etwas, was in künstlicher Weise ausspekuliert ist. Wollte man es in Einzelheiten beschreiben, so müßte man es natürlich ausführen, aber dieses Schema ist etwas, das einem gesetzmäßigen Gange in der Metamorphose der Sprache entspricht. Nehmen Sie zum Beispiel das griechische Wort thyra. Wenn Sie es ansehen als eine alte Stufe, die auf früherem Stadium stehengeblieben ist, so müßte die nächste Stufe eine solche sein, die das d hat. Diese Stufe finden Sie bei dem englischen door. Und die letzte umgewandelte Stufe müßte von dem d auf t kommen, dem Zeiger der Uhr nach. Wir haben das hochdeutsche Wort Tür. Und so können wir sagen: Wir können gewissermaßen eine älteste sprachgeologische Schicht konstatieren, in der die Wortmetamorphosen immer auf irgendeiner dieser Stufen stehen. Die nächste Metamorphose steht auf der nächsten Stufe. Und dann können wir eine dritte Stufe im Hochdeutschen konstatieren, die steht wiederum auf der nächsten Stufe.

[ 9 ] Das ist durchaus nicht etwas, was in künstlicher Weise ausspekuliert ist. Wollte man es in Einzelheiten beschreiben, so müßte man es natürlich ausführen, aber dieses Schema ist etwas, das einem gesetzmäßigen Gange in der Metamorphose der Sprache entspricht. Nehmen Sie zum Beispiel das griechische Wort thyra. Wenn Sie es ansehen als eine alte Stufe, die auf früherem Stadium stehengeblieben ist, so müßte die nächste Stufe eine solche sein, die das d hat. Diese Stufe finden Sie bei dem englischen door. Und die letzte umgewandelte Stufe müßte von dem d auf t kommen, dem Zeiger der Uhr nach. Wir haben das hochdeutsche Wort Tür. Und so können wir sagen: Wir können gewissermaßen eine älteste sprachgeologische Schicht konstatieren, in der die Wortmetamorphosen immer auf irgendeiner dieser Stufen stehen. Die nächste Metamorphose steht auf der nächsten Stufe. Und dann können wir eine dritte Stufe im Hochdeutschen konstatieren, die steht wiederum auf der nächsten Stufe.

[ 10 ] Würde die Stufe, die ihren Ausdruck im Griechischen hat, ein t haben, so würde das Englische, das zurückgeblieben ist, ein th haben; das Hochdeutsche, das fortgeschritten wäre gegenüber dem Englischen, würde ein d haben.

[ 10 ] Würde die Stufe, die ihren Ausdruck im Griechischen hat, ein t haben, so würde das Englische, das zurückgeblieben ist, ein th haben; das Hochdeutsche, das fortgeschritten wäre gegenüber dem Englischen, würde ein d haben.

[ 11 ] Da, wo das Hochdeutsche ein dem englischen th entsprechendes z hat, würde die vorhergehende Stufe ein t haben müssen, die vorhergehende griechisch-lateinische Stufe ein d. Das können wir als etwas, was existiert, nachweisen.

[ 11 ] Da, wo das Hochdeutsche ein dem englischen th entsprechendes z hat, würde die vorhergehende Stufe ein t haben müssen, die vorhergehende griechisch-lateinische Stufe ein d. Das können wir als etwas, was existiert, nachweisen.

[ 12 ] Also ein Wort, das zum Beispiel auf der zweiten Stufe, im Gotischen, ein t hätte, das müßte in der nächsten Stufe ein z haben. Nehmen wir ein Wort, das hier gebraucht werden kann für das Verhältnis des Neuhochdeutschen zu der nächst tieferen Stufe im Gotischen, so haben wir Zimmer; im Gotischen, beziehungsweise in dem auf gleicher Stufe stehenden Altsächsischen, ist das Zimmer timbar. Vom z müssen wir auf das £ zurückgehen; ich will Ihnen nur das Prinzip angeben, Sie können sich selber, wenn Sie ein Lexikon nehmen, diese Dinge zusammensuchen.

[ 12 ] Also ein Wort, das zum Beispiel auf der zweiten Stufe, im Gotischen, ein t hätte, das müßte in der nächsten Stufe ein z haben. Nehmen wir ein Wort, das hier gebraucht werden kann für das Verhältnis des Neuhochdeutschen zu der nächst tieferen Stufe im Gotischen, so haben wir Zimmer; im Gotischen, beziehungsweise in dem auf gleicher Stufe stehenden Altsächsischen, ist das Zimmer timbar. Vom z müssen wir auf das £ zurückgehen; ich will Ihnen nur das Prinzip angeben, Sie können sich selber, wenn Sie ein Lexikon nehmen, diese Dinge zusammensuchen.

[ 13 ] Geradeso nun wie diese Reihenfolge richtig ist, so können Sie noch außer manchem anderen wesenhaft Metamorphosischen in der Sprache dieses verfolgen: wenn Sie Worte vergleichen, die ein b haben, so wird dies in der nächsten Stufe zu einem p, dieses in der nächsten Stufe zu einem pf, ph oder f und dieses wiederum zu einem b.

[ 13 ] Geradeso nun wie diese Reihenfolge richtig ist, so können Sie noch außer manchem anderen wesenhaft Metamorphosischen in der Sprache dieses verfolgen: wenn Sie Worte vergleichen, die ein b haben, so wird dies in der nächsten Stufe zu einem p, dieses in der nächsten Stufe zu einem pf, ph oder f und dieses wiederum zu einem b.

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[ 14 ] Ebenso wie dieses gibt es noch den Zusammenhang g-k-ch (h) und wiederum zurück zu g. Auch dafür gibt es entsprechende Beispiele. So daß wir folgendes sagen können: Das Griechisch-Lateinische hat das Sprachelement auf einer früheren Metamorphosenstufe erhalten. Dasjenige, was da gotisch geworden ist, ist aufgerückt zu einer späteren Stufe. Vieles von dem, was bis zu dieser Stufe aufgerückt ist, ist heute noch erhalten, zum Beispiel im Holländischen. Ein letzter Ruck, der erst eigentlich im 6. nachchristlichen Jahrhundert zustande gekommen ist, rückt noch um eine Stufehinauf: es ist die hochdeutsche Stufe. So daß wir sagen können: Wir müßten einmal finden die erste Stufe, vielleicht sehr weit in Europa ausgedehnt, vielleicht nur bis 1500 vor Christi gehend. Dann finden wir alles das, was weite Gegenden beherrscht mit Ausnahme der südlichen Gegenden, in denen die älteste Stufe geblieben ist -, die zweite Stufe. Und dann kristallisiert sich heraus im 6. nachchristlichen Jahrhundert die hochdeutsche Stufe. Das Englische, Holländische bleibt zurück auf der früheren Stufe, das Hochdeutsche kristallisiert sich heraus.

[ 14 ] Ebenso wie dieses gibt es noch den Zusammenhang g-k-ch (h) und wiederum zurück zu g. Auch dafür gibt es entsprechende Beispiele. So daß wir folgendes sagen können: Das Griechisch-Lateinische hat das Sprachelement auf einer früheren Metamorphosenstufe erhalten. Dasjenige, was da gotisch geworden ist, ist aufgerückt zu einer späteren Stufe. Vieles von dem, was bis zu dieser Stufe aufgerückt ist, ist heute noch erhalten, zum Beispiel im Holländischen. Ein letzter Ruck, der erst eigentlich im 6. nachchristlichen Jahrhundert zustande gekommen ist, rückt noch um eine Stufehinauf: es ist die hochdeutsche Stufe. So daß wir sagen können: Wir müßten einmal finden die erste Stufe, vielleicht sehr weit in Europa ausgedehnt, vielleicht nur bis 1500 vor Christi gehend. Dann finden wir alles das, was weite Gegenden beherrscht mit Ausnahme der südlichen Gegenden, in denen die älteste Stufe geblieben ist -, die zweite Stufe. Und dann kristallisiert sich heraus im 6. nachchristlichen Jahrhundert die hochdeutsche Stufe. Das Englische, Holländische bleibt zurück auf der früheren Stufe, das Hochdeutsche kristallisiert sich heraus.

[ 15 ] Nun bitte ich Sie, das Folgende zu beachten. Nur einmal gewissermaßen kann das Verhältnis, das der Mensch eingeht zur Umwelt, indem er aus dem Konsonantischen heraus sich den Wortlaut bildet — also noch jetzt vollständig aus dem Sprachgefühl den Wortlaut bildet -, nur einmal kann das in vollständiger Anpassung an die Umgebung geschehen. Wenn einmal die weit zurückliegenden Vorfahren der mitteleuropäischen Sprachen nach der ersten Stufe, sagen wir, auf der Stufe des z ihren Wortlaut für gewisse Worte gebildet haben, da haben sie empfunden: das Konsonantische muß angepaßt werden den äußeren Erscheinungen; da haben sie das z nach der Außenwelt gebildet. Die nächsten Stufen des Fortschrittes können nicht mehr nach der Außenwelt gebildet sein. Ist das Wort einmal da, werden die nächsten Stufen innerlich umgebildet, werden nicht mehr in Anpassung an die äußere Welt gebildet. Die Umbildung ist gewissermaßen eine selbständige Leistung des volksseelischen Elementes. Erst wird auf irgendeiner Stufe der Wortlaut ausgebildet im Einklang mit der Außenwelt, dann müssen die folgenden Stufen nur innerlich erlebt sein; da paßt man sich nicht wiederum an das Äußerliche an.

[ 15 ] Nun bitte ich Sie, das Folgende zu beachten. Nur einmal gewissermaßen kann das Verhältnis, das der Mensch eingeht zur Umwelt, indem er aus dem Konsonantischen heraus sich den Wortlaut bildet — also noch jetzt vollständig aus dem Sprachgefühl den Wortlaut bildet -, nur einmal kann das in vollständiger Anpassung an die Umgebung geschehen. Wenn einmal die weit zurückliegenden Vorfahren der mitteleuropäischen Sprachen nach der ersten Stufe, sagen wir, auf der Stufe des z ihren Wortlaut für gewisse Worte gebildet haben, da haben sie empfunden: das Konsonantische muß angepaßt werden den äußeren Erscheinungen; da haben sie das z nach der Außenwelt gebildet. Die nächsten Stufen des Fortschrittes können nicht mehr nach der Außenwelt gebildet sein. Ist das Wort einmal da, werden die nächsten Stufen innerlich umgebildet, werden nicht mehr in Anpassung an die äußere Welt gebildet. Die Umbildung ist gewissermaßen eine selbständige Leistung des volksseelischen Elementes. Erst wird auf irgendeiner Stufe der Wortlaut ausgebildet im Einklang mit der Außenwelt, dann müssen die folgenden Stufen nur innerlich erlebt sein; da paßt man sich nicht wiederum an das Äußerliche an.

[ 16 ] So kann man sagen: Die Stufe, die in dem Griechisch-Lateinischen stehengeblieben ist, hat in vieler Beziehung zum Ausdruck gebracht, was gefühlte Anpassung des Sprachbildungs-Elementes an die Umgebung ist. Die nächste Stufe, die sich im Gotischen, Altgermanischen und so weiter ausgebildet hat, die ist über dieses unmittelbare Anpassen hinausgeschritten, hat eine seelische Umbildung durchgemacht. Das gibt dieser Sprache eine weit seelischere Nuance. Mit dem Beschreiten der ersten Stufe der Umwandlung erhält das Sprachelement also eine seelische Nuance. So daß alles dasjenige, was in unser Sprachgefühl dadurch hineingekommen ist, daß wir diese zweite Stufe durchgemacht haben, unserer Sprache die Innerlichkeit gibt.

[ 16 ] So kann man sagen: Die Stufe, die in dem Griechisch-Lateinischen stehengeblieben ist, hat in vieler Beziehung zum Ausdruck gebracht, was gefühlte Anpassung des Sprachbildungs-Elementes an die Umgebung ist. Die nächste Stufe, die sich im Gotischen, Altgermanischen und so weiter ausgebildet hat, die ist über dieses unmittelbare Anpassen hinausgeschritten, hat eine seelische Umbildung durchgemacht. Das gibt dieser Sprache eine weit seelischere Nuance. Mit dem Beschreiten der ersten Stufe der Umwandlung erhält das Sprachelement also eine seelische Nuance. So daß alles dasjenige, was in unser Sprachgefühl dadurch hineingekommen ist, daß wir diese zweite Stufe durchgemacht haben, unserer Sprache die Innerlichkeit gibt.

[ 17 ] Dies hat sich langsam und allmählich herausgebildet seit dem Jahr 1500 vor Christi Geburt. Diese Art von Innerlichkeit, sie eignete gewissen alten Zeiten. Indem sie sich aber für spätere Zeiten erhielt, ging sie mehr in das Primitive über. So daß da, wo sie heute noch vorhanden ist, im Holländischen und Englischen, sie mehr in ein primitives Erfühlen des Wortlautes übergegangen ist.

[ 17 ] Dies hat sich langsam und allmählich herausgebildet seit dem Jahr 1500 vor Christi Geburt. Diese Art von Innerlichkeit, sie eignete gewissen alten Zeiten. Indem sie sich aber für spätere Zeiten erhielt, ging sie mehr in das Primitive über. So daß da, wo sie heute noch vorhanden ist, im Holländischen und Englischen, sie mehr in ein primitives Erfühlen des Wortlautes übergegangen ist.

[ 18 ] Nun hat das Hochdeutsche etwa im 6. nachchristlichen Jahrhundert die dritte Stufe erstiegen. Das ist aber ein noch weitergehendes Entfernen von der ursprünglichen Anpassung, das ist ein starker innerlicher Prozeß, durch den das Hochdeutsche aus der früheren Stufe sich herausgebildet hat. Während das Ersteigen der zweiten Stufe ein Seelisches bewirkt, entfernt man sich mit der dritten Stufe gar sehr vom Leben. Daher das eigentümliche, oftmals lebensfremde, abstrakte Element der hochdeutschen Sprache, dieses, was die hochdeutsche Sprache von sich aus der deutschen Seele aufdrückt als etwas, was viele andere Menschen in Europa überhaupt nicht verstehen. Wo zum Beispiel das hochdeutsche Element in besonderem Maße verwendet worden ist, wie bei Goethe und Hegel, da kann man es nicht in das Englische oder in die romanischen Sprachen übersetzen. Das sind bloße Pseudoübersetzungen. Man muß solche machen, weil es besser ist, wenn die Dinge nachgebildet werden, als wenn sie nicht nachgebildet werden. Was in solchen Worten, die im eminentesten Sinne erst dem Organismus des Hochdeutschen angehören, an sehr stark Durchgeistigtem, nicht bloß Durchseeltem liegt, das kann man nicht einfach in die anderen Sprachen hinübernehmen. Denn die haben keinen Ausdruck dafür.

[ 18 ] Nun hat das Hochdeutsche etwa im 6. nachchristlichen Jahrhundert die dritte Stufe erstiegen. Das ist aber ein noch weitergehendes Entfernen von der ursprünglichen Anpassung, das ist ein starker innerlicher Prozeß, durch den das Hochdeutsche aus der früheren Stufe sich herausgebildet hat. Während das Ersteigen der zweiten Stufe ein Seelisches bewirkt, entfernt man sich mit der dritten Stufe gar sehr vom Leben. Daher das eigentümliche, oftmals lebensfremde, abstrakte Element der hochdeutschen Sprache, dieses, was die hochdeutsche Sprache von sich aus der deutschen Seele aufdrückt als etwas, was viele andere Menschen in Europa überhaupt nicht verstehen. Wo zum Beispiel das hochdeutsche Element in besonderem Maße verwendet worden ist, wie bei Goethe und Hegel, da kann man es nicht in das Englische oder in die romanischen Sprachen übersetzen. Das sind bloße Pseudoübersetzungen. Man muß solche machen, weil es besser ist, wenn die Dinge nachgebildet werden, als wenn sie nicht nachgebildet werden. Was in solchen Worten, die im eminentesten Sinne erst dem Organismus des Hochdeutschen angehören, an sehr stark Durchgeistigtem, nicht bloß Durchseeltem liegt, das kann man nicht einfach in die anderen Sprachen hinübernehmen. Denn die haben keinen Ausdruck dafür.

[ 19 ] Es ist also das Ersteigen der zweiten Stufe ein Durchseelen der Sprache auf der einen Seite, aber auch ein Durchseelen der betreffenden Volksinnerlichkeit durch die Sprache. Das Ersteigen der dritten Stufe, das man gerade am Hochdeutschen studieren kann, das ist mehr ein Sich-Entfernen vom Leben, so daß man durch seine Worte solche abstrakte Höhen ergreifen kann, wie sie zum Beispiel Hegel oder auch in gewissen Fällen Goethe und Schiller ergriffen haben. Das hängt gar sehr mit diesem Ersteigen der dritten Stufe durch das Hochdeutsche zusammen. So sehen Sie an dem Beispiele der hochdeutschen Sprache, wie dadurch, daß gewissermaßen die Sprachbildung, die Sprachentwickelung, sich losreißt von der Anpassung an die Außenwelt, wie dadurch, daß sie ein innerlicher, selbständiger Prozeß wird, dasjenige menschlich-individuelle Seelische fortschreitet, das sich in einer gewissen Weise unabhängig von der Natur entwickelt.

[ 19 ] Es ist also das Ersteigen der zweiten Stufe ein Durchseelen der Sprache auf der einen Seite, aber auch ein Durchseelen der betreffenden Volksinnerlichkeit durch die Sprache. Das Ersteigen der dritten Stufe, das man gerade am Hochdeutschen studieren kann, das ist mehr ein Sich-Entfernen vom Leben, so daß man durch seine Worte solche abstrakte Höhen ergreifen kann, wie sie zum Beispiel Hegel oder auch in gewissen Fällen Goethe und Schiller ergriffen haben. Das hängt gar sehr mit diesem Ersteigen der dritten Stufe durch das Hochdeutsche zusammen. So sehen Sie an dem Beispiele der hochdeutschen Sprache, wie dadurch, daß gewissermaßen die Sprachbildung, die Sprachentwickelung, sich losreißt von der Anpassung an die Außenwelt, wie dadurch, daß sie ein innerlicher, selbständiger Prozeß wird, dasjenige menschlich-individuelle Seelische fortschreitet, das sich in einer gewissen Weise unabhängig von der Natur entwickelt.

[ 20 ] So hat das mitteleuropäische Sprachelement Stadien durchgemacht, durch die es erst seelisch, dann geistig geworden ist, während es eine Art instinktmäßigen animalischen Sich-Anpassens an die Außenwelt auf der ersten Stufe war. Durch andere Dinge haben sich dann solche Sprachen, wie das Griechische und Lateinische, entwickelt. Wenn man diese Sprachen den bloßen Wortformen nach nimmt, so muß man sagen: die Wortformen, die Lautformen, sind sehr stark angepaßt an die Umgebung. Aber die entsprechenden Völker, die diese Sprache gesprochen haben, die sind nicht dabei geblieben, diese primitive Anpassung an die Umgebung beizubehalten. Ihre Sprachen sind durch allerlei fremde Einflüsse, die nun anders gewirkt haben als in Europa aus Ägypten, aus Asien —, zum bloßen äußeren Kleid für eine ihnen überbrachte Kultur, zum großen Teil für eine Mysterienkultur geworden. Den Griechen und bis zu einem gewissen Grade den Römern sind die Mysterien Afrikas und Asiens überbracht worden, und man hat die Gewalt gehabt, in die Sprache der Griechen und Römer die Mysterien Asiens und Ägyptens zu kleiden. So sind diese Sprachen äußere Kleider geworden für einen ihnen gleichsam eingeträufelten geistigen Inhalt. Das war ein Prozeß, den die Sprachen Mitteleuropas und die nordischen europäischen Sprachen nicht durchgemacht haben, sondern die haben den anderen eben beschriebenen Prozeß durchgemacht. Sie haben nicht einfach auf der ersten Stufe das Geistige aufgenommen, sondern haben sich erst wenigstens zur zweiten Stufe herangebildet und waren eben im Erreichen der dritten Stufe drinnen: da erst drang zum Beispiel das Christentum als ein fremdes geistiges Element mit neuen Wörtern in sie ein. Und die zweite Stufe war offenbar auch schon erreicht, als jenes keltische Element eindrang, von dem ich heute gesprochen habe. Da haben wir es also mit einem inneren Umbilden der Sprache zu tun. Dann erst kommt der geistige Einfluß. Bei dem Griechisch-Lateinischen aber haben wir es mit keiner derartigen Umbildung der Sprache zu tun, sondern mit einem Hineingießen des Geistigen in die erste Stufe.

[ 20 ] So hat das mitteleuropäische Sprachelement Stadien durchgemacht, durch die es erst seelisch, dann geistig geworden ist, während es eine Art instinktmäßigen animalischen Sich-Anpassens an die Außenwelt auf der ersten Stufe war. Durch andere Dinge haben sich dann solche Sprachen, wie das Griechische und Lateinische, entwickelt. Wenn man diese Sprachen den bloßen Wortformen nach nimmt, so muß man sagen: die Wortformen, die Lautformen, sind sehr stark angepaßt an die Umgebung. Aber die entsprechenden Völker, die diese Sprache gesprochen haben, die sind nicht dabei geblieben, diese primitive Anpassung an die Umgebung beizubehalten. Ihre Sprachen sind durch allerlei fremde Einflüsse, die nun anders gewirkt haben als in Europa aus Ägypten, aus Asien —, zum bloßen äußeren Kleid für eine ihnen überbrachte Kultur, zum großen Teil für eine Mysterienkultur geworden. Den Griechen und bis zu einem gewissen Grade den Römern sind die Mysterien Afrikas und Asiens überbracht worden, und man hat die Gewalt gehabt, in die Sprache der Griechen und Römer die Mysterien Asiens und Ägyptens zu kleiden. So sind diese Sprachen äußere Kleider geworden für einen ihnen gleichsam eingeträufelten geistigen Inhalt. Das war ein Prozeß, den die Sprachen Mitteleuropas und die nordischen europäischen Sprachen nicht durchgemacht haben, sondern die haben den anderen eben beschriebenen Prozeß durchgemacht. Sie haben nicht einfach auf der ersten Stufe das Geistige aufgenommen, sondern haben sich erst wenigstens zur zweiten Stufe herangebildet und waren eben im Erreichen der dritten Stufe drinnen: da erst drang zum Beispiel das Christentum als ein fremdes geistiges Element mit neuen Wörtern in sie ein. Und die zweite Stufe war offenbar auch schon erreicht, als jenes keltische Element eindrang, von dem ich heute gesprochen habe. Da haben wir es also mit einem inneren Umbilden der Sprache zu tun. Dann erst kommt der geistige Einfluß. Bei dem Griechisch-Lateinischen aber haben wir es mit keiner derartigen Umbildung der Sprache zu tun, sondern mit einem Hineingießen des Geistigen in die erste Stufe.

[ 21 ] So muß man im Konkreten aufsuchen, wodurch eigentlich der Charakter der einzelnen Völker bestimmt wird. Durch solche Dinge findet man so etwas wie die Umbildung der Sprachen und das Verhältnis zum geistigen Leben. Nun haben wir im Neuhochdeutschen erstens eine Sprache, die dadurch, daß sie zur dritten Metamorphosenstufe aufgestiegen ist, sich weit vom Leben entfernt hat. Dann aber sind in dieser Sprache eben durchaus viele solche Wörter drinnen, die auf all den Wegen hereingekommen sind, wie durch das Christentum vom Süden, wie durch die Scholastik vom Süden, wie aus dem französischen, spanischen Wesen vom Westen her. Diese Sprachelemente sind alle später hereingekommen; die sind nun im Hochdeutschen drinnen. Das alles zeigt, wie dieses Hochdeutsche aus seinen Elementen zusammengeflossen ist.

[ 21 ] So muß man im Konkreten aufsuchen, wodurch eigentlich der Charakter der einzelnen Völker bestimmt wird. Durch solche Dinge findet man so etwas wie die Umbildung der Sprachen und das Verhältnis zum geistigen Leben. Nun haben wir im Neuhochdeutschen erstens eine Sprache, die dadurch, daß sie zur dritten Metamorphosenstufe aufgestiegen ist, sich weit vom Leben entfernt hat. Dann aber sind in dieser Sprache eben durchaus viele solche Wörter drinnen, die auf all den Wegen hereingekommen sind, wie durch das Christentum vom Süden, wie durch die Scholastik vom Süden, wie aus dem französischen, spanischen Wesen vom Westen her. Diese Sprachelemente sind alle später hereingekommen; die sind nun im Hochdeutschen drinnen. Das alles zeigt, wie dieses Hochdeutsche aus seinen Elementen zusammengeflossen ist.

[ 22 ] Für etwas, was nun als ein fremdes Element aus einer anderen Sprache aufgenommen wird, hat man ja kein solches Gefühl wie für ein Wort, für einen Lautzusammenhang, den man innerhalb eines Volkes selber bildet im Verhältnis zu der Natur. Empfinden wir etwa das Wort Quelle. Es ist ein Wort, das so, wie wir es empfinden können, so angepaßt ist dem Wesen, zu dem es gehört, daß man sich eigentlich kaum denken kann, daß man aus unserem empfindenden Wesen heraus es anders nennen könnte. Es drückt das Wort alles aus, was man mit der Quelle erlebt. So war überhaupt das ursprüngliche Bilden der Sprachlaute, der Sprachworte und so weiter, daß sie konsonantisch und vokalisch ganz angepaßt waren der Umgebung. Aber wenn Sie zum Beispiel das Wort Essenz oder das Wort Kategorie oder das Wort Rhetorik hören, können Sie da in derselben Weise den Zusammenhang mit dem fühlen, was das Wort ursprünglich bedeutet? Nein, man bekommt als Volk den Wortklang und muß sich bemühen, auf den Flügeln des Wortklanges den Begriff zu bekommen. Man kann dieses innere Erlebnis gar nicht durchmachen, das den Einklang darstellt zwischen dem Wortklang und dem Begriff, der Empfindung. Es liegt eine tiefe Weisheit darin, daß in jenem charakterisierten auf- und abwärts gehenden Entwickeln ein Volk von anderen Völkern solche Wörter aufnimmt, die es nicht selbst unmittelbar gebildet hat, bei denen es den Wortklang hört, aber nicht den Zusammenklang erlebt mit dem, was bezeichnet wird. Denn je mehr solche Wörter aufgenommen werden, desto mehr hat das Volk, das sie aufnimmt, die Notwendigkeit, etwas ganz Besonderes im Seelenleben zu Hilfe zu nehmen, um überhaupt mit so etwas zurechtzukommen. Man braucht sich ja nur zu erinnern. Sehen Sie, an den Empfindungslauten können wir heute noch diese Anpassung der sprachbildenden Kraft an die Umgebung ein bißchen studieren, wie die in konkreter Weise zum menschlichen Erleben sprechen: Pfui! Tratsch! Tralle walle! - Wie passen wir uns darin demjenigen an, was wir ausdrücken wollen! Wie anders ist es, wenn Sie nun in der Schule, ich will nicht einmal sagen Logik lernen oder Philosophie, sondern überhaupt eine heutige Wissenschaft. Da bekommen Sie wahrhaftig Wörter, wo Sie unter den Seelenkräften anderes zu Hilfe nehmen müssen als das, was sich im Muh zum Beispiel als eine Nachbildung von dem, was Sie von der Kuh hören, empfinden läßt. Wenn Sie das Muh aussprechen, dann empfinden Sie nach, was Ihnen da als Erlebnis auftritt.

[ 22 ] Für etwas, was nun als ein fremdes Element aus einer anderen Sprache aufgenommen wird, hat man ja kein solches Gefühl wie für ein Wort, für einen Lautzusammenhang, den man innerhalb eines Volkes selber bildet im Verhältnis zu der Natur. Empfinden wir etwa das Wort Quelle. Es ist ein Wort, das so, wie wir es empfinden können, so angepaßt ist dem Wesen, zu dem es gehört, daß man sich eigentlich kaum denken kann, daß man aus unserem empfindenden Wesen heraus es anders nennen könnte. Es drückt das Wort alles aus, was man mit der Quelle erlebt. So war überhaupt das ursprüngliche Bilden der Sprachlaute, der Sprachworte und so weiter, daß sie konsonantisch und vokalisch ganz angepaßt waren der Umgebung. Aber wenn Sie zum Beispiel das Wort Essenz oder das Wort Kategorie oder das Wort Rhetorik hören, können Sie da in derselben Weise den Zusammenhang mit dem fühlen, was das Wort ursprünglich bedeutet? Nein, man bekommt als Volk den Wortklang und muß sich bemühen, auf den Flügeln des Wortklanges den Begriff zu bekommen. Man kann dieses innere Erlebnis gar nicht durchmachen, das den Einklang darstellt zwischen dem Wortklang und dem Begriff, der Empfindung. Es liegt eine tiefe Weisheit darin, daß in jenem charakterisierten auf- und abwärts gehenden Entwickeln ein Volk von anderen Völkern solche Wörter aufnimmt, die es nicht selbst unmittelbar gebildet hat, bei denen es den Wortklang hört, aber nicht den Zusammenklang erlebt mit dem, was bezeichnet wird. Denn je mehr solche Wörter aufgenommen werden, desto mehr hat das Volk, das sie aufnimmt, die Notwendigkeit, etwas ganz Besonderes im Seelenleben zu Hilfe zu nehmen, um überhaupt mit so etwas zurechtzukommen. Man braucht sich ja nur zu erinnern. Sehen Sie, an den Empfindungslauten können wir heute noch diese Anpassung der sprachbildenden Kraft an die Umgebung ein bißchen studieren, wie die in konkreter Weise zum menschlichen Erleben sprechen: Pfui! Tratsch! Tralle walle! - Wie passen wir uns darin demjenigen an, was wir ausdrücken wollen! Wie anders ist es, wenn Sie nun in der Schule, ich will nicht einmal sagen Logik lernen oder Philosophie, sondern überhaupt eine heutige Wissenschaft. Da bekommen Sie wahrhaftig Wörter, wo Sie unter den Seelenkräften anderes zu Hilfe nehmen müssen als das, was sich im Muh zum Beispiel als eine Nachbildung von dem, was Sie von der Kuh hören, empfinden läßt. Wenn Sie das Muh aussprechen, dann empfinden Sie nach, was Ihnen da als Erlebnis auftritt.

[ 23 ] Wenn Sie ein Wort aus einem fremden Sprachidiom hören, dann müssen Sie wahrhaftig etwas anderes tun, als aus dem Wortklang heraus das hören, was Sie hören sollen. Sie müssen die abstrahierende Kraft gebrauchen, Sie müssen die reine Begriffskraft gebrauchen; Sie müssen lernen, ideell vorzustellen. Daher hat sich ein Volk, das wie die mitteleuropäischen Völker ganz besonders fremde Elemente aufgenommen hat, durch diese Aufnahme fremder Elemente erzogen zur Kraft des ideellen Denkens. Und zwei Dinge kommen in diesem Mitteleuropa zusammen, wenn wir auf das Hochdeutsche Rücksicht nehmen: auf der einen Seite jene eigentümliche Innerlichkeit, die schon eine innerliche Lebensfremdheit ist, die durch das Ersteigen der dritten Stufe da ist, und auf der anderen Seite dasjenige, was mit dem fortwährenden Aufnehmen von fremden Elementen gegeben ist. Dadurch, daß diese zwei Dinge zusammenkommen, ist innerhalb des hochdeutschen Elementes jene stärkste ideelle Kraft entwickelt worden, die einmal in diesem hochdeutschen Elemente drinnen ist, jene Möglichkeit, zu den ganz reinen Begriffen hinaufzukommen und in den reinen Begriffen sich zu bewegen. Das ist einmal eine gewaltige Erziehung gewesen, die durch diese zwei Strömungen der Sprachentwickelung für das mitteleuropäische Sprachwesen zustande gekommen ist. Die Erziehung zum innerlichen wortlosen Denken - wo wir wirklich fortschreiten zu einem wortlosen Denken -, die ist in besonderem Maße in Mitteleuropa durch die eben charakterisierten Tatsachen erzeugt worden.

[ 23 ] Wenn Sie ein Wort aus einem fremden Sprachidiom hören, dann müssen Sie wahrhaftig etwas anderes tun, als aus dem Wortklang heraus das hören, was Sie hören sollen. Sie müssen die abstrahierende Kraft gebrauchen, Sie müssen die reine Begriffskraft gebrauchen; Sie müssen lernen, ideell vorzustellen. Daher hat sich ein Volk, das wie die mitteleuropäischen Völker ganz besonders fremde Elemente aufgenommen hat, durch diese Aufnahme fremder Elemente erzogen zur Kraft des ideellen Denkens. Und zwei Dinge kommen in diesem Mitteleuropa zusammen, wenn wir auf das Hochdeutsche Rücksicht nehmen: auf der einen Seite jene eigentümliche Innerlichkeit, die schon eine innerliche Lebensfremdheit ist, die durch das Ersteigen der dritten Stufe da ist, und auf der anderen Seite dasjenige, was mit dem fortwährenden Aufnehmen von fremden Elementen gegeben ist. Dadurch, daß diese zwei Dinge zusammenkommen, ist innerhalb des hochdeutschen Elementes jene stärkste ideelle Kraft entwickelt worden, die einmal in diesem hochdeutschen Elemente drinnen ist, jene Möglichkeit, zu den ganz reinen Begriffen hinaufzukommen und in den reinen Begriffen sich zu bewegen. Das ist einmal eine gewaltige Erziehung gewesen, die durch diese zwei Strömungen der Sprachentwickelung für das mitteleuropäische Sprachwesen zustande gekommen ist. Die Erziehung zum innerlichen wortlosen Denken - wo wir wirklich fortschreiten zu einem wortlosen Denken -, die ist in besonderem Maße in Mitteleuropa durch die eben charakterisierten Tatsachen erzeugt worden.

[ 24 ] Das sind Dinge, die sich unmittelbar aus den Tatsachen ergeben, und wir verstehen gar nicht das hochdeutsche Sprachwesen, wenn wir es nicht in diesem Sinne betrachten, wenn wir es nicht durch die Lautmetamorphose hindurch und durch die Wortmetamorphose, durch die Aneignung fremder Wörter auf den verschiedenen Stufen, betrachten. Das wollte ich Ihnen heute darlegen zur Charakteristik der mitteleuropäischen Sprachen.

[ 24 ] Das sind Dinge, die sich unmittelbar aus den Tatsachen ergeben, und wir verstehen gar nicht das hochdeutsche Sprachwesen, wenn wir es nicht in diesem Sinne betrachten, wenn wir es nicht durch die Lautmetamorphose hindurch und durch die Wortmetamorphose, durch die Aneignung fremder Wörter auf den verschiedenen Stufen, betrachten. Das wollte ich Ihnen heute darlegen zur Charakteristik der mitteleuropäischen Sprachen.