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The Rudolf Steiner Archive

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Spiritual-Scientific Linguistic Considerations
A Suggestion for Educators
GA 299

29 December 1919, Stuttgart

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Die Tatsachen des Lebens führen oftmals, äußerlich betrachtet, zu Widersprüchen; aber gerade wenn man solche Widersprüche dann richtig der Untersuchung unterwirft, kommt man auf die tieferen, wesenhaften Zusammenhänge. Einen solchen Widerspruch können Sie bei einigermaßen gründlichem Nachdenken konstatieren zwischen demjenigen, was ich Ihnen im ersten Vortrag hier auseinandergelegt und im zweiten rekapituliert habe, und demjenigen, was ich dann gestern an einzelnen Beispielen als einen inneren Zusammenhang europäischer Sprachen auseinandergesetzt habe. Stellen wir uns doch einmal die dadurch charakterisierten zwei Tatsachenreihen vor das Auge: Wir haben auf der einen Seite darauf aufmerksam gemacht, daß wir im gegenwärtigen Bestand unserer Sprache viele Eindringlinge finden; daß wir fühlen, wie von Süden her mit dem Christentum in unsere Gegenden zu dem ursprünglichen deutsch-germanischen Sprachreichtum anderes hinzugekommen ist, was gewissermaßen mit den christlichen Vorstellungen und christlichen Empfindungen zugleich die christlichen Wörter gebracht hat; so daß jetzt diese christlichen Wörter in der charakterisierten Art innerhalb unseres Sprachwesens bestehen. Dann habe ich noch von anderen Eindringlingen gesprochen, die immerhin auch eine Bedeutung haben, weil sie schon einmal zu dem Umfang unseres Sprachwesens gehören; von jenen Invasionen, die etwa im 12. Jahrhundert beginnen, die von westlichen romanischen Ländern ausgehen, und die auch noch in eine Zeit hineinfallen, in welcher der deutsche Sprachgenius umbildende Kraft hat. Da bildet er, was er vom Westen empfängt, in seiner Art noch um, bildet es dem Laut nach, bildet es auch der Bedeutung nach noch um. Ich sagte damals: Wenige ahnen heute, daß zum Beispiel das im Deutschen gebrauchte Wort fein eigentlich französischen Ursprungs ist: fin und daß es erst nach dem 12, Jahrhundert in unser Sprachwesen hereingekommen ist, vorher nicht da war. — Ich machte dann darauf aufmerksam, wie auch Spanisches schon in einer Zeit, in der nicht mehr die umbildende Kraft des deutschen Sprachwesens vorhanden war, eindrang; und wie ganz und gar nicht mehr diese umbildende Kraft da war, als im letzten Teil des 18. Jahrhunderts, insbesondere aber im 19. Jahrhundert Elemente des Englischen eindrangen in das deutsche Sprachwesen. Da sehen wir fortwährend, daß vom Lateinischen oder auch vom Griechischen, auf dem Umwege durch das Lateinische, oder wiederum von den westlichen romanischen Sprachen her Wörter aufgenommen wurden nach Mitteleuropa hinein. Das ist eine Tatsache, die uns dazu führen muß, zu sagen: Unser gegenwärtiger Sprachschatz besteht nur zum Teil aus Ursprünglichem und trägt dann eben später Aufgenommenes in sich. Nun aber habe ich Sie wiederum aufmerksam gemacht, wie zwischen einer ganzen Reihe von Sprachen engere Verwandtschaft besteht. Ich habe Sie hingewiesen auf manche gotische Formen und gezeigt, wie dann diese in die Formen unserer Sprache übergegangen sind; und wir haben hinweisen können an manchen Stellen, wie das betreffende Wort auch im Lateinischen oder Griechischen zu finden ist. Während wir also sagen müssen: Unsere Sprache hat Fremdes in sich aufgenommen -, müssen wir auf der anderen Seite sagen: Unsere Sprache ist urverwandt mit denjenigen Sprachen, aus denen sie in späterer Zeit wiederum etwas wie fremde Bestandteile aufgenommen hat.

[ 1 ] The facts of life often lead, when viewed from the outside, to contradictions; but it is precisely when one subjects such contradictions to proper examination that one arrives at the deeper, essential connections. If you reflect on it thoroughly enough, you can identify such a contradiction between what I explained to you in the first lecture here and summarized in the second, and what I then discussed yesterday using specific examples as an internal connection among European languages. Let us now visualize the two sets of facts characterized by this: On the one hand, we have pointed out that we find many intruders in the current state of our language; that we sense how, coming from the south with Christianity into our regions, something else has been added to the original Germanic linguistic richness—something that, in a sense, brought Christian words along with Christian ideas and Christian sentiments; so that these Christian words now exist within our linguistic system in the manner described. Then I spoke of other intruders that are nonetheless significant because they are already part of the scope of our linguistic system; of those invasions that began around the 12th century, originating from Western Romance-speaking countries, and which also occurred during a period in which the German linguistic genius possessed a transformative power. At that time, the German language still reshaped what it received from the West in its own way—reshaping it phonetically and also semantically. I said at the time: Few people today realize, for example, that the word fein used in German is actually of French origin—fin—and that it did not enter our linguistic system until after the 12th century; it was not there before. — I then pointed out how Spanish, too, made its way into the language at a time when the transformative power of the German language system was no longer present; and how this transformative power had completely vanished by the time, in the latter part of the 18th century—but especially in the 19th century—elements of English began to enter the German language system. We see time and again that words were adopted into Central Europe from Latin, or from Greek—via the detour through Latin—or, in turn, from the Western Romance languages. This is a fact that must lead us to say: Our current vocabulary consists only in part of native elements and also incorporates later adoptions. But now I have once again drawn your attention to the close kinship that exists among a whole series of languages. I have pointed out to you certain Gothic forms and shown how these were subsequently incorporated into the forms of our language; and in some instances we have been able to point out how the word in question can also be found in Latin or Greek. So while we must say, “Our language has incorporated foreign elements,” we must also say, “Our language is fundamentally related to those languages from which it later incorporated elements that were, in a sense, foreign.”

[ 2 ] Nun kann man sehr leicht nachweisen, wenn auch nicht in sehr umfassendem Sinn, aber an charakteristischen Beispielen, daß über weitere Erdenterritorien hin eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. Sie brauchen nur so etwas zu nehmen wie naus, das Sanskritwort für Schiff. Wenn Sie dieses Wort im Griechischen aufsuchen, dann haben Sie ebenfalls raus, wenn Sie dieses Wort im Lateinischen aufsuchen, so haben Sie navis. Suchen Sie dasselbe Wort auf im mehr keltisch gefärbten Gebiete, so haben Sie das Wort nau, suchen Sie das Wort auf im Altnordischen, in den altskandinavischen Sprachen, so haben Sie nor. Daß solche Worte dann für das Deutsche abgeworfen sind, hat ja geringere Bedeutung. Aber wir sehen, daß im weitesten Umfang eine Verwandtschaft besteht, eine Verwandtschaft, die wir für vieles nachweisen können, eben auf einem außerordentlich großen Gebiet über Europa und Asien hinüber. Nehmen Sie das altindische Wort aritras, so finden wir das Wort wieder als eretmón im Griechischen; wir finden dasselbe Wort wiederum mit gewissen Abwerfungen als remus im Lateinischen; wir finden in keltischen Gebieten rame, und wir finden im Althochdeutschen ruodar. Wir haben dieses Wort noch; es ist unser Ruder. Und so könnte man eine große Anzahl von Wörtern zusammenstellen, die in Umbildungen, in Metamorphosierungen über weite Gebiete der Sprachen vorhanden sind: etwa im Gotischen, den nordisch-skandinavischen Sprachen, den friesischen Sprachen, niederdeutschen Sprachen, in der hochdeutschen Sprache, auch in baltischen Idiomen, im Litauischen, Lettischen, Preußischen. Auch kann man solche Verwandtschaften nachweisen in slawischen Sprachen; im Armenischen, im Iranischen, im Indischen, im Griechischen, im Lateinischen, im Keltischen. Über die Gebiete dieser Sprachen hin sehen wir, wie eine Urverwandtschaft des Sprachlichen besteht. So daß wir uns sehr leicht vorstellen können, daß gewissermaßen die Ursachen des Sprachbildens über all diese Territorien hinüber in einer sehr alten Zeit ähnliche waren, daß sie sich nur dann später differenziert haben.

[ 2 ] Now it is very easy to demonstrate—albeit not in a very comprehensive sense, but using characteristic examples—that there is a primordial linguistic kinship extending across other regions of the world. You need only take something like naus, the Sanskrit word for ship. If you look up this word in Greek, you’ll find the same thing; if you look it up in Latin, you’ll find navis. If you look up the same word in regions with a stronger Celtic influence, you’ll find the word nau; if you look it up in Old Norse or the Old Scandinavian languages, you’ll find nor. The fact that such words have been discarded in German is of little consequence. But we see that there is a kinship on a vast scale—a kinship that we can demonstrate in many cases, indeed across an extraordinarily large area spanning Europe and Asia. Take the Old Indian word aritras; we find the word again as eretmón in Greek; we find the same word, with certain alterations, as remus in Latin; we find rame in Celtic regions, and we find ruodar in Old High German. We still have this word; it is our Ruder. And so one could compile a large number of words that exist in transformed forms across vast areas of language: for example, in Gothic, the Nordic-Scandinavian languages, the Frisian languages, the Low German languages, High German, as well as in Baltic languages, Lithuanian, Latvian, and Prussian. Such affinities can also be demonstrated in Slavic languages; in Armenian, Iranian, Indian, Greek, Latin, and Celtic. Across the regions of these languages, we see how a primordial linguistic kinship exists. Thus, we can very easily form a mental image of how, in a sense, the causes of language formation across all these territories were similar in very ancient times, and that they only later became differentiated.

[ 3 ] Ich sagte: Diese beiden Tatsachenreihen widersprechen einander; aber gerade durch die Beobachtung solcher Widersprüche kann man in manche Dinge des Lebens wesenhaft tiefer eindringen. Denn wir werden gerade durch eine solche Erscheinungsreihe dazu geführt, uns zu sagen: Die Entwickelung, welche die Menschheit im Laufe der Geschichte durchmacht, vollzieht sich ganz und gar nicht, wie man sich oftmals vorstellt, recht kontinuierlich, sondern in einer Art von Wellenbewegung. Denn wie sollen Sie sich denn eigentlich diesen ganzen Vorgang, der durch diese zwei einander scheinbar widersprechenden Tatsachen ausgedrückt wird, anders vorstellen, als daß eine gewisse Verwandtschaft der Bevölkerungen über diese weiten Territorien besteht; daß diese Völker sich eine gewisse Zeit hindurch so abgeschlossen halten, daß sie ihre differenzierten Sprachidiome ausbilden; daß es also eine Periode des Abschlusses der Völker gibt, und daß diese wechselt mit einer Periode, wo Einfluß eines Volkes auf das andere stattfindet. Das ist zwar die Sache etwas roh charakterisiert; aber nur dadurch, daß man auf eine solche auf- und absteigende Bewegung hinblickt, können gewisse Tatsachen wirklich erklärt werden. Nun kann man, wenn man nach den beiden Richtungen hin, wie ich Ihnen jetzt angegeben habe, die Entwickelung der Sprache betrachtet, tiefere Blicke hineintun in das Wesen der Volksentwickelung überhaupt. Man muß nur Rücksicht nehmen auf der einen Seite - und wir werden das nun anwenden auf die Entwickelung der deutschen Sprache — auf die Art, wie gewissermaßen unter Abschluß nach außen sich gewisse Elemente des Sprachlichen entwickeln, und wie wiederum Fremdbestandteile aufgenommen werden und auch beitragen zu all dem Geistig-Seelischen, das durch die Sprache zum Ausdruck kommen kann. Wir können ja schon ahnen, daß diese beiden Elemente in ganz verschiedener Weise sich zum Geistes- und Seelenleben des betreffenden Volkes verhalten müssen.

[ 3 ] I said: These two sets of facts contradict each other; but it is precisely by observing such contradictions that one can gain a fundamentally deeper insight into certain aspects of life. For it is precisely through such a series of phenomena that we are led to say to ourselves: The development that humanity undergoes in the course of history does not take place, as is often imagined, in a truly continuous manner, but rather in a kind of wave-like motion. For how else are you to form a mental image of this entire process—expressed by these two seemingly contradictory facts—other than by assuming that a certain kinship exists among the populations across these vast territories; that these peoples remain isolated for a certain period of time, during which they develop their distinct linguistic varieties; that there is, in other words, a period of isolation among the peoples, and that this alternates with a period in which one people exerts influence on another. Admittedly, this is a somewhat crude characterization of the matter; but only by considering such an ebb and flow can certain facts truly be explained. Now, if one considers the development of language in both directions, as I have just indicated to you, one can gain deeper insights into the nature of cultural development in general. One need only consider, on the one hand—and we will now apply this to the development of the German language—the way in which certain linguistic elements develop, as it were, in isolation from the outside world, and how, in turn, foreign elements are absorbed and also contribute to the entire spiritual and psychological life that can be expressed through language. We can already surmise that these two elements must relate in very different ways to the spiritual and psychological life of the people in question.

[ 4 ] Wir können auf der einen Seite auf die außerordentlich bedeutungsvolle Tatsache hinsehen, daß eine Urverwandtschaft da ist, die uns ganz besonders entgegentritt, wenn wir sehen, daß außerordentlich wichtige Wörter verwandt sind, sagen wir für das Lateinische und für die älteren Formen der mitteleuropäischen Sprachen. Lateinisch verus: wahr; althochdeutsch: wâr. Wenn Sie solche auffallenden Dinge nehmen wie: velle = wollen, oder das lateinische taceo = ich schweige, für das im Gotischen auftretende thahan, so müssen Sie sich sagen: ähnlich Klingendes, also sprachlich Verwandtes hat in alter Zeit über weite Gebiete Europas — und man könnte es auch für Asien nachweisen — geherrscht.

[ 4 ] On the one hand, we can point to the extraordinarily significant fact that there is a primordial kinship, which becomes particularly evident when we see that extremely important words are related—for example, in Latin and in the older forms of the Central European languages. Latin verus: true; Old High German: wâr. If you take such striking examples as: velle = to want, or the Latin taceo = I am silent, corresponding to the Gothic thahan, then you must conclude that similar-sounding words—that is, linguistically related ones—were prevalent in ancient times across vast regions of Europe—and one could also demonstrate this for Asia.

[ 5 ] Auf der anderen Seite ist es außerordentlich merkwürdig, daß die Bewohner Mitteleuropas, aus denen dann die heutigen Deutschen hervorgegangen sind, doch auch verhältnismäßig früh Fremdsprachliches aufgenommen haben. Sogar noch früher, als ich es Ihnen bisher charakterisiert habe. Es hat eine Zeit gegeben, wo Europa viel mehr vom keltischen Element erfüllt war als in den historischen Zeiten, von denen man gewöhnlich spricht. Die Kelten sind aber dann in westliche Gegenden Europas gedrängt worden, und es zogen in Mitteleuropa germanische Völkerschaften ein, ganz gewiß von nördlichen Gegenden aus. Nun haben auch schon von den Kelten, die nun ihre westlichen Nachbarn waren, die Germanen ebenso fremde Wortbestandteile aufgenommen, wie sie sie später vom Süden aufgenommen haben, vom Lateinischen. Das heißt, die Bewohner Mitteleuropas haben, nachdem sie mehr abgeschlossen sich entwickelt haben und die anderen sich für sich entwickelt haben, von den Randgebieten, die aber ursprünglich mit ihnen sprachlich verwandt waren, später fortwährend Fremdsprachliches aufgenommen.

[ 5 ] On the other hand, it is extremely curious that the inhabitants of Central Europe—from whom today’s Germans eventually emerged—also adopted foreign linguistic elements relatively early on. Even earlier than I have described to you so far. There was a time when Europe was much more permeated by the Celtic element than in the historical periods of which we usually speak. The Celts, however, were subsequently pushed into the western regions of Europe, and Germanic peoples migrated into Central Europe, most certainly from northern regions. Now, even from the Celts—who were their western neighbors at the time—the Germanic peoples adopted foreign lexical elements just as they later adopted them from the south, from Latin. This means that the inhabitants of Central Europe, after having developed in relative isolation while others developed independently, later continuously adopted foreign linguistic elements from the peripheral regions, which were, however, originally linguistically related to them.

[ 6 ] Wir haben gar manches Wort, das nicht mehr ganz der Eleganz angehört, sagen wir das Wort Schindmähre: das ist ein verschundenes Pferd. Dieses Schindmähre weist hin überhaupt auf ein altes Wort: Mähre, für Pferd; wovon wir etwa noch das Wort Marstall haben. Dieses Wort ist aber keltischen Ursprungs, findet sich unter den Kelten, nachdem diese bereits nach Westeuropa gedrängt worden sind. Und es ist wohl nicht eine Metamorphose vorhanden, die auf der einen Seite in Mitteleuropa wäre und dann im Westen, sondern dieses Wort müssen die Germanen einfach von den Kelten später übernommen haben. Und eine ganze Reihe von solchen Wörtern ist übernommen worden, allerdings auch solche, für die man die umbildende Kraft hat. Sie haben zum Beispiel in dem Namen, der eigentlich nur teilweise ein Name ist, Vercingetorix, das Wort rix darinnen. Rix ist eine ursprünglich keltische Bildung, ist aufgenommen worden bei den Kelten, bedeutete bei ihnen den Herrscher, den Mächtigen, und ist zu unserem Worte reich geworden, mächtig sein durch Reichtum. Also auch da Umbildung nicht nur vom Lateinischen, sondern auch vom Keltischen in der Zeit, als der mitteleuropäische Sprachgenius noch innere umbildende Kraft hatte.

[ 6 ] We have quite a few words that are no longer considered particularly elegant; take, for example, the word Schindmähre: it refers to a worn-out horse. This Schindmähre points to an even older word: Mähre, meaning “horse”; from which we still have, for example, the word Marstall. This word, however, is of Celtic origin and is found among the Celts after they had already been pushed into Western Europe. And there is likely no metamorphosis that would have occurred first in Central Europe and then in the West; rather, the Germanic peoples must simply have adopted this word from the Celts at a later date. And a whole series of such words was adopted, though this also includes those for which there is a transformative force. For example, in the name—which is actually only partially a name—Vercingetorix, the word rix is contained within it. Rix is an originally Celtic formation; it was adopted by the Celts, where it meant “ruler” or “the powerful,” and has evolved into our word “reich” (“rich”), meaning “to be powerful through wealth.” So here, too, there was transformation not only from Latin but also from Celtic during the time when the Central European linguistic genius still possessed an inner transformative power.

[ 7 ] Würde man nun äußerlich die Entwickelung der Sprache genügend weit zurückverfolgen können — man kann es ja nicht -, so würde man zuletzt ankommen bei jener primitiven sprachbildenden Gewalt alter Zeiten, in denen aus einem solchen Verhältnis zum Konsonantischen und Vokalischen, wie ich es gestern charakterisiert habe, die Sprachen entstehen. Die Sprachen entstehen in einer primitiven Form. Was dann als Differenzierung in den Sprachen auftritt, rührt davon her, daß das, was ursprünglich eigentlich in der gleichen Weise aus der menschlichen Natur sich bilden will, in der verschiedensten Art, je nachdem zum Beispiel ein Stamm eine Gebirgsgegend oder eine ebene Gegend bewohnt, zum Ausdruck kommt. Der Kehlkopf und seine benachbarten Organe wollen sich anders äußern in einer Gebirgsgegend, anders in einer flachen Gegend und so weiter.

[ 7 ] If one could trace the development of language far enough back in time—which, of course, is impossible—one would ultimately arrive at that primitive language-forming Power of ancient times, in which languages arise from a relationship between consonants and vowels such as I characterized yesterday. Languages arise in a primitive form. What then appears as differentiation within languages stems from the fact that what originally seeks to form in the same way out of human nature is expressed in the most diverse ways, depending, for example, on whether a tribe inhabits a mountainous region or a flat region. The larynx and its neighboring organs seek to express themselves differently in a mountainous region than in a flat region, and so on.

[ 8 ] Nun tritt in der Fortbildung der Sprache eine eigentümliche Erscheinung auf, die wir am Beispiel der indogermanischen Sprachen betrachten wollen. Nehmen wir das Wort zwei, so haben wir im Lateinischen duo. Wenn das in ältere Formen der Sprachen in Mitteleuropa geht, haben wir dafür das Wort two, und wenn wir zu uns selber heutigen Tages gehen, haben wir dafür das Wort zwei. Sie sehen in diesem Worte auf seinem Metamorphosengang das Folgende: Dieses duo weist uns hin auf eine älteste Stufe, die sich im Lateinischen erhalten hat; two ist eine spätere Stufe, und die neueste Stufe, die sich gebildet hat, ist zwei. Sehr kompliziert wäre es, auf die Vokale Rücksicht zu nehmen. Wir nehmen auf den Konsonanten hier Rücksicht und müssen uns sagen: Auf dem Metamorphosenwege, den dieses Wort gemacht hat, sehen wir, das d wird zum t und das t wird zum z, und zwar in dieser Reihenfolge d-t-z. Wir sehen also, daß auf der Wanderung des Wortes eine Umbildung des Lautes sich vollzieht. Dem deutschen z entspricht in anderen Sprachen die th-Stufe.

[ 8 ] Now, a peculiar phenomenon occurs in the development of language, which we will examine using the example of the Indo-European languages. Take the word “two,” for example: in Latin, we have duo. If we look at older forms of the languages of Central Europe, we find the word “two” corresponding to it, and if we consider our own language today, we have the word “zwei.” You can observe the following in the metamorphosis of this word: “duo” points to the earliest stage, which has been preserved in Latin; “two” represents a later stage, and the most recent stage that has emerged is “zwei.” It would be very complicated to take the vowels into account. We’ll focus on the consonants here and must note: Along the path of metamorphosis this word has taken, we see that d becomes t and t becomes z, specifically in this sequence: d-t-z. We can thus see that a sound transformation takes place as the word evolves. The German z corresponds to the th stage in other languages.

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[ 9 ] Das ist durchaus nicht etwas, was in künstlicher Weise ausspekuliert ist. Wollte man es in Einzelheiten beschreiben, so müßte man es natürlich ausführen, aber dieses Schema ist etwas, das einem gesetzmäßigen Gange in der Metamorphose der Sprache entspricht. Nehmen Sie zum Beispiel das griechische Wort thyra. Wenn Sie es ansehen als eine alte Stufe, die auf früherem Stadium stehengeblieben ist, so müßte die nächste Stufe eine solche sein, die das d hat. Diese Stufe finden Sie bei dem englischen door. Und die letzte umgewandelte Stufe müßte von dem d auf t kommen, dem Zeiger der Uhr nach. Wir haben das hochdeutsche Wort Tür. Und so können wir sagen: Wir können gewissermaßen eine älteste sprachgeologische Schicht konstatieren, in der die Wortmetamorphosen immer auf irgendeiner dieser Stufen stehen. Die nächste Metamorphose steht auf der nächsten Stufe. Und dann können wir eine dritte Stufe im Hochdeutschen konstatieren, die steht wiederum auf der nächsten Stufe.

[ 9 ] This is by no means something that has been artificially contrived. If one were to describe it in detail, one would of course have to elaborate, but this pattern corresponds to a natural process in the metamorphosis of language. Take, for example, the Greek word thyra. If you view it as an ancient stage that has remained at an earlier stage, then the next stage would have to be one featuring d. You find this stage in the English word “door.” And the final transformed stage would have to progress from d to t, following the direction of the clock’s hands. We have the High German word Tür. And so we can say: We can, in a sense, identify an oldest “linguistic-geological” layer in which word metamorphoses always occur at one of these stages. The next metamorphosis occurs at the next stage. And then we can identify a third stage in High German, which in turn occurs at the next stage.

[ 10 ] Würde die Stufe, die ihren Ausdruck im Griechischen hat, ein t haben, so würde das Englische, das zurückgeblieben ist, ein th haben; das Hochdeutsche, das fortgeschritten wäre gegenüber dem Englischen, würde ein d haben.

[ 10 ] If the stage that finds its expression in Greek were to have a t, then English, which has lagged behind, would have a th; High German, which has advanced beyond English, would have a d.

[ 11 ] Da, wo das Hochdeutsche ein dem englischen th entsprechendes z hat, würde die vorhergehende Stufe ein t haben müssen, die vorhergehende griechisch-lateinische Stufe ein d. Das können wir als etwas, was existiert, nachweisen.

[ 11 ] Where High German has a z corresponding to the English th, the preceding stage would have had to have a t, and the preceding Greek-Latin stage a d. We can prove that this is indeed the case.

[ 12 ] Also ein Wort, das zum Beispiel auf der zweiten Stufe, im Gotischen, ein t hätte, das müßte in der nächsten Stufe ein z haben. Nehmen wir ein Wort, das hier gebraucht werden kann für das Verhältnis des Neuhochdeutschen zu der nächst tieferen Stufe im Gotischen, so haben wir Zimmer; im Gotischen, beziehungsweise in dem auf gleicher Stufe stehenden Altsächsischen, ist das Zimmer timbar. Vom z müssen wir auf das £ zurückgehen; ich will Ihnen nur das Prinzip angeben, Sie können sich selber, wenn Sie ein Lexikon nehmen, diese Dinge zusammensuchen.

[ 12 ] So a word that, for example, would have a “t” at the second stage—in Gothic—would have to have a “z” at the next stage. If we take a word that can be used here to illustrate the relationship between New High German and the next lower stage in Gothic, we have “Zimmer”; in Gothic—or rather, in Old Saxon, which is at the same stage—the word for “room” is timbar. From z, we must go back to the £; I just want to explain the principle to you; you can look up these details yourself in a dictionary.

[ 13 ] Geradeso nun wie diese Reihenfolge richtig ist, so können Sie noch außer manchem anderen wesenhaft Metamorphosischen in der Sprache dieses verfolgen: wenn Sie Worte vergleichen, die ein b haben, so wird dies in der nächsten Stufe zu einem p, dieses in der nächsten Stufe zu einem pf, ph oder f und dieses wiederum zu einem b.

[ 13 ] Just as this sequence is correct, you can trace this—along with many other essential metamorphic features—in the language: if you compare words that contain a “b,” it becomes a “p” in the next stage, which in turn becomes a pf, ph, or f in the next stage, and this, in turn, becomes a b.

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[ 14 ] Ebenso wie dieses gibt es noch den Zusammenhang g-k-ch (h) und wiederum zurück zu g. Auch dafür gibt es entsprechende Beispiele. So daß wir folgendes sagen können: Das Griechisch-Lateinische hat das Sprachelement auf einer früheren Metamorphosenstufe erhalten. Dasjenige, was da gotisch geworden ist, ist aufgerückt zu einer späteren Stufe. Vieles von dem, was bis zu dieser Stufe aufgerückt ist, ist heute noch erhalten, zum Beispiel im Holländischen. Ein letzter Ruck, der erst eigentlich im 6. nachchristlichen Jahrhundert zustande gekommen ist, rückt noch um eine Stufehinauf: es ist die hochdeutsche Stufe. So daß wir sagen können: Wir müßten einmal finden die erste Stufe, vielleicht sehr weit in Europa ausgedehnt, vielleicht nur bis 1500 vor Christi gehend. Dann finden wir alles das, was weite Gegenden beherrscht mit Ausnahme der südlichen Gegenden, in denen die älteste Stufe geblieben ist -, die zweite Stufe. Und dann kristallisiert sich heraus im 6. nachchristlichen Jahrhundert die hochdeutsche Stufe. Das Englische, Holländische bleibt zurück auf der früheren Stufe, das Hochdeutsche kristallisiert sich heraus.

[ 14 ] Just as with this, there is also the sequence g-k-ch (h) and then back to g. There are corresponding examples for this as well. Thus, we can say the following: The Greek-Latin language preserved this linguistic element at an earlier stage of metamorphosis. That which became Gothic has advanced to a later stage. Much of what has advanced to this stage is still preserved today, for example in Dutch. A final shift, which did not actually take place until the 6th century CE, moves things up another stage: this is the High German stage. So we can say: We would first have to identify the first stage, perhaps extending very far across Europe, perhaps dating only as far back as 1500 BCE. Then we find everything that dominated vast regions—with the exception of the southern regions, where the oldest stage remained—the second stage. And then, in the 6th century CE, the High German stage crystallized. English and Dutch remained at the earlier stage, while High German crystallized.

[ 15 ] Nun bitte ich Sie, das Folgende zu beachten. Nur einmal gewissermaßen kann das Verhältnis, das der Mensch eingeht zur Umwelt, indem er aus dem Konsonantischen heraus sich den Wortlaut bildet — also noch jetzt vollständig aus dem Sprachgefühl den Wortlaut bildet -, nur einmal kann das in vollständiger Anpassung an die Umgebung geschehen. Wenn einmal die weit zurückliegenden Vorfahren der mitteleuropäischen Sprachen nach der ersten Stufe, sagen wir, auf der Stufe des z ihren Wortlaut für gewisse Worte gebildet haben, da haben sie empfunden: das Konsonantische muß angepaßt werden den äußeren Erscheinungen; da haben sie das z nach der Außenwelt gebildet. Die nächsten Stufen des Fortschrittes können nicht mehr nach der Außenwelt gebildet sein. Ist das Wort einmal da, werden die nächsten Stufen innerlich umgebildet, werden nicht mehr in Anpassung an die äußere Welt gebildet. Die Umbildung ist gewissermaßen eine selbständige Leistung des volksseelischen Elementes. Erst wird auf irgendeiner Stufe der Wortlaut ausgebildet im Einklang mit der Außenwelt, dann müssen die folgenden Stufen nur innerlich erlebt sein; da paßt man sich nicht wiederum an das Äußerliche an.

[ 15 ] Now I ask you to consider the following. Only once, so to speak, can the relationship that a person enters into with the environment—by forming the wording from the consonantal—that is, by still forming the wording entirely from a sense of language—only once can this occur in complete harmony with the environment. Once the distant ancestors of the Central European languages had formed the sound of certain words according to the first stage—let us say, at the stage of the “z”—they realized: the consonantal structure must be adapted to external phenomena; thus, they formed the “z” in accordance with the external world. The subsequent stages of development can no longer be shaped by the external world. Once the word exists, the subsequent stages are transformed internally and are no longer shaped in adaptation to the external world. This transformation is, in a sense, an independent achievement of the Folk-souls. First, at some stage, the sound of the word is formed in harmony with the external world; then the subsequent stages need only be experienced internally; there is no further adaptation to the external world.

[ 16 ] So kann man sagen: Die Stufe, die in dem Griechisch-Lateinischen stehengeblieben ist, hat in vieler Beziehung zum Ausdruck gebracht, was gefühlte Anpassung des Sprachbildungs-Elementes an die Umgebung ist. Die nächste Stufe, die sich im Gotischen, Altgermanischen und so weiter ausgebildet hat, die ist über dieses unmittelbare Anpassen hinausgeschritten, hat eine seelische Umbildung durchgemacht. Das gibt dieser Sprache eine weit seelischere Nuance. Mit dem Beschreiten der ersten Stufe der Umwandlung erhält das Sprachelement also eine seelische Nuance. So daß alles dasjenige, was in unser Sprachgefühl dadurch hineingekommen ist, daß wir diese zweite Stufe durchgemacht haben, unserer Sprache die Innerlichkeit gibt.

[ 16 ] Thus, one might say: The stage that remained stuck in the Greek-Latin tradition expressed, in many respects, what it means for the language-forming element to adapt intuitively to its environment. The next stage, which developed in Gothic, Old Germanic, and so on, went beyond this immediate adaptation and underwent a spiritual transformation. This gives the language a far more spiritual nuance. Thus, upon entering the first stage of transformation, the linguistic element acquires a spiritual nuance. Consequently, everything that has entered our sense of language through our having undergone this second stage imparts inner depth to our language.

[ 17 ] Dies hat sich langsam und allmählich herausgebildet seit dem Jahr 1500 vor Christi Geburt. Diese Art von Innerlichkeit, sie eignete gewissen alten Zeiten. Indem sie sich aber für spätere Zeiten erhielt, ging sie mehr in das Primitive über. So daß da, wo sie heute noch vorhanden ist, im Holländischen und Englischen, sie mehr in ein primitives Erfühlen des Wortlautes übergegangen ist.

[ 17 ] This has developed slowly and gradually since the year 1500 B.C. This kind of inwardness was characteristic of certain ancient times. However, as it persisted into later times, it became increasingly primitive. Thus, where it still exists today—in Dutch and English—it has evolved into a more primitive sense of the sound of the words.

[ 18 ] Nun hat das Hochdeutsche etwa im 6. nachchristlichen Jahrhundert die dritte Stufe erstiegen. Das ist aber ein noch weitergehendes Entfernen von der ursprünglichen Anpassung, das ist ein starker innerlicher Prozeß, durch den das Hochdeutsche aus der früheren Stufe sich herausgebildet hat. Während das Ersteigen der zweiten Stufe ein Seelisches bewirkt, entfernt man sich mit der dritten Stufe gar sehr vom Leben. Daher das eigentümliche, oftmals lebensfremde, abstrakte Element der hochdeutschen Sprache, dieses, was die hochdeutsche Sprache von sich aus der deutschen Seele aufdrückt als etwas, was viele andere Menschen in Europa überhaupt nicht verstehen. Wo zum Beispiel das hochdeutsche Element in besonderem Maße verwendet worden ist, wie bei Goethe und Hegel, da kann man es nicht in das Englische oder in die romanischen Sprachen übersetzen. Das sind bloße Pseudoübersetzungen. Man muß solche machen, weil es besser ist, wenn die Dinge nachgebildet werden, als wenn sie nicht nachgebildet werden. Was in solchen Worten, die im eminentesten Sinne erst dem Organismus des Hochdeutschen angehören, an sehr stark Durchgeistigtem, nicht bloß Durchseeltem liegt, das kann man nicht einfach in die anderen Sprachen hinübernehmen. Denn die haben keinen Ausdruck dafür.

[ 18 ] High German reached its third stage around the 6th century A.D. However, this represents an even greater departure from its original form; it is a profound internal process through which High German evolved from its earlier stage. While reaching the second stage brings about a spiritual transformation, the third stage takes one very far away from life. Hence the peculiar, often unworldly, abstract element of the High German language—that which High German imposes of its own accord upon the German soul as something that many other people in Europe do not understand at all. Where, for example, the High German element has been used to a particular degree—as in the works of Goethe and Hegel—it cannot be translated into English or the Romance languages. These are mere pseudo-translations. One must produce such translations because it is better for things to be rendered than not to be rendered at all. What lies in such words—which, in the most eminent sense, belong exclusively to the organism of High German—in terms of what is deeply spiritual, not merely imbued with spirit, cannot simply be transferred into other languages. For they have no expression for it.

[ 19 ] Es ist also das Ersteigen der zweiten Stufe ein Durchseelen der Sprache auf der einen Seite, aber auch ein Durchseelen der betreffenden Volksinnerlichkeit durch die Sprache. Das Ersteigen der dritten Stufe, das man gerade am Hochdeutschen studieren kann, das ist mehr ein Sich-Entfernen vom Leben, so daß man durch seine Worte solche abstrakte Höhen ergreifen kann, wie sie zum Beispiel Hegel oder auch in gewissen Fällen Goethe und Schiller ergriffen haben. Das hängt gar sehr mit diesem Ersteigen der dritten Stufe durch das Hochdeutsche zusammen. So sehen Sie an dem Beispiele der hochdeutschen Sprache, wie dadurch, daß gewissermaßen die Sprachbildung, die Sprachentwickelung, sich losreißt von der Anpassung an die Außenwelt, wie dadurch, daß sie ein innerlicher, selbständiger Prozeß wird, dasjenige menschlich-individuelle Seelische fortschreitet, das sich in einer gewissen Weise unabhängig von der Natur entwickelt.

[ 19 ] Thus, ascending the second level is, on the one hand, an imbuing of language with spirit, but also an imbuing of the inner life of the people in question through language. Reaching the third stage—which can be studied specifically in Standard German—is more a matter of distancing oneself from life, so that one can, through one’s words, attain such abstract heights as, for example, Hegel or, in certain cases, Goethe and Schiller attained. This is very much connected to this ascent to the third stage through Standard German. Thus, you can see from the example of the High German language how—by the fact that, in a sense, the formation and development of language break away from adaptation to the external world, and by the fact that it becomes an inner, independent process—that human-individual spiritual aspect progresses, which develops in a certain way independently of nature.

[ 20 ] So hat das mitteleuropäische Sprachelement Stadien durchgemacht, durch die es erst seelisch, dann geistig geworden ist, während es eine Art instinktmäßigen animalischen Sich-Anpassens an die Außenwelt auf der ersten Stufe war. Durch andere Dinge haben sich dann solche Sprachen, wie das Griechische und Lateinische, entwickelt. Wenn man diese Sprachen den bloßen Wortformen nach nimmt, so muß man sagen: die Wortformen, die Lautformen, sind sehr stark angepaßt an die Umgebung. Aber die entsprechenden Völker, die diese Sprache gesprochen haben, die sind nicht dabei geblieben, diese primitive Anpassung an die Umgebung beizubehalten. Ihre Sprachen sind durch allerlei fremde Einflüsse, die nun anders gewirkt haben als in Europa aus Ägypten, aus Asien —, zum bloßen äußeren Kleid für eine ihnen überbrachte Kultur, zum großen Teil für eine Mysterienkultur geworden. Den Griechen und bis zu einem gewissen Grade den Römern sind die Mysterien Afrikas und Asiens überbracht worden, und man hat die Gewalt gehabt, in die Sprache der Griechen und Römer die Mysterien Asiens und Ägyptens zu kleiden. So sind diese Sprachen äußere Kleider geworden für einen ihnen gleichsam eingeträufelten geistigen Inhalt. Das war ein Prozeß, den die Sprachen Mitteleuropas und die nordischen europäischen Sprachen nicht durchgemacht haben, sondern die haben den anderen eben beschriebenen Prozeß durchgemacht. Sie haben nicht einfach auf der ersten Stufe das Geistige aufgenommen, sondern haben sich erst wenigstens zur zweiten Stufe herangebildet und waren eben im Erreichen der dritten Stufe drinnen: da erst drang zum Beispiel das Christentum als ein fremdes geistiges Element mit neuen Wörtern in sie ein. Und die zweite Stufe war offenbar auch schon erreicht, als jenes keltische Element eindrang, von dem ich heute gesprochen habe. Da haben wir es also mit einem inneren Umbilden der Sprache zu tun. Dann erst kommt der geistige Einfluß. Bei dem Griechisch-Lateinischen aber haben wir es mit keiner derartigen Umbildung der Sprache zu tun, sondern mit einem Hineingießen des Geistigen in die erste Stufe.

[ 20 ] Thus, the Central European linguistic element went through stages in which it first became emotional and then intellectual, whereas at the first stage it was a kind of instinctive, animal-like adaptation to the external world. Languages such as Greek and Latin then developed through other influences. If one considers these languages solely in terms of their word forms, one must say: the word forms, the sound forms, are very strongly adapted to their environment. But the peoples who spoke these languages did not remain content to maintain this primitive adaptation to their environment. Through all manner of foreign influences—which had a different effect than those in Europe, coming from Egypt and Asia—their languages became merely the outer garment for a culture that had been transmitted to them, largely a culture of mysteries. The mysteries of Africa and Asia were transmitted to the Greeks and, to a certain extent, to the Romans, and they had the power to clothe the mysteries of Asia and Egypt in the language of the Greeks and Romans. Thus, these languages became outer garments for a spiritual content that was, as it were, infused into them. This was a process that the languages of Central Europe and the Nordic European languages did not undergo; rather, they underwent the other process just described. They did not simply absorb the spiritual at the first stage, but first developed at least to the second stage and were in the process of reaching the third stage: only then, for example, did Christianity penetrate them as a foreign spiritual element with new words. And the second stage had evidently already been reached when that Celtic element I spoke of today made its way in. So we are dealing here with an internal transformation of the language. Only then does the spiritual influence come into play. In the case of Greek and Latin, however, we are not dealing with such a transformation of the language, but rather with the infusion of the spiritual into the first stage.

[ 21 ] So muß man im Konkreten aufsuchen, wodurch eigentlich der Charakter der einzelnen Völker bestimmt wird. Durch solche Dinge findet man so etwas wie die Umbildung der Sprachen und das Verhältnis zum geistigen Leben. Nun haben wir im Neuhochdeutschen erstens eine Sprache, die dadurch, daß sie zur dritten Metamorphosenstufe aufgestiegen ist, sich weit vom Leben entfernt hat. Dann aber sind in dieser Sprache eben durchaus viele solche Wörter drinnen, die auf all den Wegen hereingekommen sind, wie durch das Christentum vom Süden, wie durch die Scholastik vom Süden, wie aus dem französischen, spanischen Wesen vom Westen her. Diese Sprachelemente sind alle später hereingekommen; die sind nun im Hochdeutschen drinnen. Das alles zeigt, wie dieses Hochdeutsche aus seinen Elementen zusammengeflossen ist.

[ 21 ] One must therefore seek out, in concrete terms, what actually determines the character of individual peoples. Through such things, one discovers phenomena such as the transformation of languages and their relationship to intellectual life. Now, in Modern High German, we have, first of all, a language that—having risen to the third stage of metamorphosis—has become far removed from life. But this language also contains quite a number of words that have entered it through various channels—such as through Christianity from the south, through Scholasticism from the south, and from the French and Spanish cultural spheres from the west. These linguistic elements all entered the language later; they are now part of High German. All of this shows how High German has coalesced from its various elements.

[ 22 ] Für etwas, was nun als ein fremdes Element aus einer anderen Sprache aufgenommen wird, hat man ja kein solches Gefühl wie für ein Wort, für einen Lautzusammenhang, den man innerhalb eines Volkes selber bildet im Verhältnis zu der Natur. Empfinden wir etwa das Wort Quelle. Es ist ein Wort, das so, wie wir es empfinden können, so angepaßt ist dem Wesen, zu dem es gehört, daß man sich eigentlich kaum denken kann, daß man aus unserem empfindenden Wesen heraus es anders nennen könnte. Es drückt das Wort alles aus, was man mit der Quelle erlebt. So war überhaupt das ursprüngliche Bilden der Sprachlaute, der Sprachworte und so weiter, daß sie konsonantisch und vokalisch ganz angepaßt waren der Umgebung. Aber wenn Sie zum Beispiel das Wort Essenz oder das Wort Kategorie oder das Wort Rhetorik hören, können Sie da in derselben Weise den Zusammenhang mit dem fühlen, was das Wort ursprünglich bedeutet? Nein, man bekommt als Volk den Wortklang und muß sich bemühen, auf den Flügeln des Wortklanges den Begriff zu bekommen. Man kann dieses innere Erlebnis gar nicht durchmachen, das den Einklang darstellt zwischen dem Wortklang und dem Begriff, der Empfindung. Es liegt eine tiefe Weisheit darin, daß in jenem charakterisierten auf- und abwärts gehenden Entwickeln ein Volk von anderen Völkern solche Wörter aufnimmt, die es nicht selbst unmittelbar gebildet hat, bei denen es den Wortklang hört, aber nicht den Zusammenklang erlebt mit dem, was bezeichnet wird. Denn je mehr solche Wörter aufgenommen werden, desto mehr hat das Volk, das sie aufnimmt, die Notwendigkeit, etwas ganz Besonderes im Seelenleben zu Hilfe zu nehmen, um überhaupt mit so etwas zurechtzukommen. Man braucht sich ja nur zu erinnern. Sehen Sie, an den Empfindungslauten können wir heute noch diese Anpassung der sprachbildenden Kraft an die Umgebung ein bißchen studieren, wie die in konkreter Weise zum menschlichen Erleben sprechen: Pfui! Tratsch! Tralle walle! - Wie passen wir uns darin demjenigen an, was wir ausdrücken wollen! Wie anders ist es, wenn Sie nun in der Schule, ich will nicht einmal sagen Logik lernen oder Philosophie, sondern überhaupt eine heutige Wissenschaft. Da bekommen Sie wahrhaftig Wörter, wo Sie unter den Seelenkräften anderes zu Hilfe nehmen müssen als das, was sich im Muh zum Beispiel als eine Nachbildung von dem, was Sie von der Kuh hören, empfinden läßt. Wenn Sie das Muh aussprechen, dann empfinden Sie nach, was Ihnen da als Erlebnis auftritt.

[ 22 ] For something that is now adopted as a foreign element from another language, one does not have the same feeling as one does for a word—for a sound combination that one forms oneself within a people in relation to nature. Consider, for example, the word “Quelle.” It is a word that, as we perceive it, is so perfectly attuned to the essence to which it belongs that one can hardly imagine calling it anything else from within our own sensibility. The word expresses everything one experiences in connection with a spring. In general, the original formation of speech sounds, words, and so on was such that their consonants and vowels were fully adapted to the environment. But when you hear, for example, the word “essence” or the word “category” or the word “rhetoric,” can you feel the connection to what the word originally meant in the same way? No; as a people, we receive the sound of the word and must strive to grasp the concept on the wings of that sound. One cannot at all undergo that inner experience which represents the harmony between the sound of the word and the concept, the feeling. There is a profound wisdom in the fact that, in that characteristic upward and downward development, a people adopts from other peoples such words that it has not formed itself directly—words in which it hears the sound but does not experience the harmony with what is being designated. For the more such words are adopted, the more the people who adopt them feel the need to draw upon something quite special in their inner life in order to cope with such things at all. One need only recall. You see, even today we can study this adaptation of the language-forming power to the environment to some extent through onomatopoeic sounds, which speak concretely to human experience: “Pfui!” “Tratsch!” “Tralle walle!”—how we adapt ourselves in these sounds to what we wish to express! How different it is when you’re in school—I don’t even mean studying logic or philosophy, but any modern science at all. There you truly encounter words where you must draw upon other inner forces than what, for example, the “Moo” conveys as an imitation of what you hear from a cow. When you say “moo,” you re-experience what comes to you as an experience.

[ 23 ] Wenn Sie ein Wort aus einem fremden Sprachidiom hören, dann müssen Sie wahrhaftig etwas anderes tun, als aus dem Wortklang heraus das hören, was Sie hören sollen. Sie müssen die abstrahierende Kraft gebrauchen, Sie müssen die reine Begriffskraft gebrauchen; Sie müssen lernen, ideell vorzustellen. Daher hat sich ein Volk, das wie die mitteleuropäischen Völker ganz besonders fremde Elemente aufgenommen hat, durch diese Aufnahme fremder Elemente erzogen zur Kraft des ideellen Denkens. Und zwei Dinge kommen in diesem Mitteleuropa zusammen, wenn wir auf das Hochdeutsche Rücksicht nehmen: auf der einen Seite jene eigentümliche Innerlichkeit, die schon eine innerliche Lebensfremdheit ist, die durch das Ersteigen der dritten Stufe da ist, und auf der anderen Seite dasjenige, was mit dem fortwährenden Aufnehmen von fremden Elementen gegeben ist. Dadurch, daß diese zwei Dinge zusammenkommen, ist innerhalb des hochdeutschen Elementes jene stärkste ideelle Kraft entwickelt worden, die einmal in diesem hochdeutschen Elemente drinnen ist, jene Möglichkeit, zu den ganz reinen Begriffen hinaufzukommen und in den reinen Begriffen sich zu bewegen. Das ist einmal eine gewaltige Erziehung gewesen, die durch diese zwei Strömungen der Sprachentwickelung für das mitteleuropäische Sprachwesen zustande gekommen ist. Die Erziehung zum innerlichen wortlosen Denken - wo wir wirklich fortschreiten zu einem wortlosen Denken -, die ist in besonderem Maße in Mitteleuropa durch die eben charakterisierten Tatsachen erzeugt worden.

[ 23 ] When you hear a word from a foreign language, you must truly do something other than simply hearing what you are supposed to hear based on the sound of the word. You must use your power of abstraction; you must use your pure conceptual power; you must learn to create mental images. That is why a people—such as the Central European peoples, who have particularly embraced foreign elements—has, through this embrace of foreign elements, cultivated the power of conceptual thinking. And two things come together in this Central Europe, if we consider High German: on the one hand, that peculiar inwardness—which is in itself an inner alienation from life—that arises from ascending the third stage; and on the other hand, that which is inherent in the continuous assimilation of foreign elements. Through the convergence of these two elements, the strongest ideal force has been developed within the High German element—once it is established there—namely, the ability to ascend to entirely pure concepts and to move within those pure concepts. This has been a tremendous educational process brought about by these two currents of linguistic development for the Central European linguistic tradition. The training in inner, wordless thinking—where we truly progress toward wordless thinking—has been brought about to a particular degree in Central Europe by the facts just described.

[ 24 ] Das sind Dinge, die sich unmittelbar aus den Tatsachen ergeben, und wir verstehen gar nicht das hochdeutsche Sprachwesen, wenn wir es nicht in diesem Sinne betrachten, wenn wir es nicht durch die Lautmetamorphose hindurch und durch die Wortmetamorphose, durch die Aneignung fremder Wörter auf den verschiedenen Stufen, betrachten. Das wollte ich Ihnen heute darlegen zur Charakteristik der mitteleuropäischen Sprachen.

[ 24 ] These are things that follow directly from the facts, and we cannot truly understand the nature of High German unless we view it in this light—that is, unless we examine it through the lens of phonetic and lexical metamorphosis, as well as the adoption of foreign words at various stages. That is what I wanted to explain to you today regarding the characteristics of the Central European languages.