Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Education and Instruction
Based on an Understanding of Human Nature
GA 302a

22 September 1920, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

4. Meditativ erarbeitete Menschenkunde IV

The Art of Education Consists of Bringing Into Balance the Physical and Spiritual Nature of the Developing Human Being

[ 1 ] Wenn wir den Menschen in seiner Konstitution betrachten und dann diese Erkenntnis auf den werdenden Menschen, auf das Kind anwenden, so ergibt sich das Folgende: Aus den geistigen Welten herein kommt, ich möchte sagen, auf einer Art astralischen Flügeln, die Ichheit des Menschen. Wenn wir das Kind zunächst in den ersten Lebensjahren betrachten, wie es sich entwickelt, wie es Grad für Grad aus seinem tiefen Inneren die Physiognomie an die Oberfläche des Leibes bringt, wie es immer mehr und mehr die Gewalt über seinen Organismus bekommt, so ist das, was wir da sehen, im wesentlichen die Einverleibung des Ich. Wenn wir uns diese Einverleibung des Ich betrachten, so können wir das, was eigentlich vorgeht, in verschiedener Weise charakterisieren, und Sie kennen ja hauptsächlich schon zwei Arten, wie dies zu charakterisieren ist.

[ 1 ] If we look at man's constitution and then apply the knowledge thus gained to the growing human being, to the child, the following (picture) emerges: out of the spiritual worlds comes into this one, I should like to say on wings of astrality, the ego being of man; and turning our attention to the first years of a child's life, observing how the child develops, how by degrees he brings his physiognomy from the depth of his inner being to the surface of his body, how he gains greater and greater mastery over his organism, then that which we see is essentially the incorporation of the ego. Considering this incorporation of the ego we can characterise what is happening in different ways, and you have so far met mainly two ways in which this can be done.

[ 2 ] In den letzten Zeiten ist von mir mehr davon gesprochen worden, wie mit dem Zahnwechsel dasjenige, was organisierend im physischen Leibe ist, sich emanzipiert, während des Zahnwechsels herauskommt und im wesentlichen die Intelligenz bildet. So kann man den Vorgang von einer gewissen Seite her schildern. Man kann ihn auch so schildern, wie es in früheren Zeiten geschehen ist, wo von einem anderen Gesichtspunkte aus das Material zum Verständnis des Menschen herbeigetragen worden ist und wo gesagt wurde: Mit dem Zahnwechsel wird der Ätherleib des Menschen geboren; der physische Leib des Menschen wird mit der Geburt geboren, der Ätherleib mit dem 7. Jahre ungefähr. Was so auf der einen Seite Geburt des Ätherleibes genannt werden kann, ist dasselbe, was auf der anderen Seite genannt werden kann das Emanzipieren der Intelligenz vom physischen Leibe. Es ist nur die zweiseitige Schilderung derselben Tatsache. Sie wird im Grunde genommen erst richtig erfaßt, wenn wir in dieser Weise zwei solcher Anschauungen synthetisch zusammenfassen. In der Geisteswissenschaft läßt sich nicht anders charakterisieren, als daß man von verschiedenen Seiten her sich einer Sache nähert und die sich ergebenden verschiedenen Anschauungen dann zusammenschaut. Geradesowenig wie in einem einzigen Ton eine Melodie gegeben werden kann, so wenig können Sie das, was geisteswissenschaftlicher Inhalt ist, mit einer einzigen Charakteristik umfassen; Sie müssen die Charakteristik von verschiedenen Seiten nehmen. Das ist das, was in früheren Zeiten Menschen, welche etwas davon wirklich wußten, genannt haben: Zusammenhören, die verschiedenen Erklärungen zusammenhören.

[ 2 ] Latterly more stress has been laid on the fact that that which has hitherto worked in the body, organised the body, emancipates itself from the body with the change of teeth, frees itself from the body to work on as intelligence. Thus we can describe this process from one aspect. However, one can also do it the way it was done in earlier days when the whole subject was brought to man's understanding from a different point of view and it was said: with the change of teeth man's etheric body is being born; the physical body is born at birth, the etheric body round about the seventh year. So what seen from one side we can call the birth of the etheric body, seen from another side is the emancipation of intelligence from the physical body. It is only a two-sided description of one and the same fact. Indeed, we gain a true understanding only if we bring two such aspects to a synthesis. In spiritual science nothing can be characterised without approaching a fact from different sides and then combining the different aspects to one comprehensive view. To have any spiritual content fully contained in one single characterisation is just as impossible as it is to give a whole melody in a single tone. You must characterise it from different sides. This is what people who understood something of these matters in bygone times called harmonious listening (zusammenhoren), that is to hear the various explanations in harmony with one another.

[ 3 ] Nun, was geschieht weiter? In das, was da eigentlich frei wird ob wir es nun Ätherleib oder ob wir es Intelligenz nennen —, in das strömt gewissermaßen das schon mit der Geburt heruntergestiegene Ich ein und durchorganisiert es nach und nach; so daß also in dieser Zeit stattfindet ein Durcheinanderströmen des ewigen Ich mit dem, was sich da bildet: die freiwerdende Intelligenz, der geborenwerdende Ätherleib.

[ 3 ] Well , what happens further., In that which is set free—whether we call it the ether body or intelligence does not matter—the ego, which in a way descended at birth, streams, gradually organising it through and through; which means that there takes place a mutual permeation of the eternal I and that which is being formed: the slowly liberating intelligence, or the ether body which is in the process of being born.

[ 4 ] Und wenn wir dann die nächste Zeit betrachten, die Zeit vom 7. bis zum 14. Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, so können wir wieder von der einen Seite sagen, ein willensartiges Element, ein musikalisches Element wird gewissermaßen aufgenommen. Der Vorgang wird schon so am besten geschildert seiner einen Seite nach, wenn wir sagen: aufgenommen; denn es ist das musikalische Element, das eigentlich in der Außenwelt liegt. Durchvibriert wird allerdings das, was da an Musikalischem, an Tonlichem aufgenommen wird, durch den astralischen Leib. Der wird dadurch von dem Zusammenhange, den er früher gehabt hat mit der ganzen Organisation, emanzipiert. Wir können deshalb von der anderen Seite auch in bezug auf das Kind sagen: Mit der Geschlechtsreife erfolgt die Geburt des astralischen Leibes. — Aber wieder ist es das Ich, das sich jetzt als Ewiges mit dem, was sich da emanzipiert, verbindet; so daß wir von der Geburt bis zur Geschlechtsreife, also bis zum Ende der Volksschulzeit und auch noch darüber hinaus, ein fortwährendes Sichbefestigen des Ich in der ganzen menschlichen Organisation haben. Vom 7. Jahre an befestigt sich das Ich nur noch im Ätherleibe; vorher aber, wenn der Mensch ein Nachahmer ist, befestigt sich gerade durch diese nachahmende Tätigkeit das Ich im physischen Leibe; und dann später, noch nach der Geschlechtsreife, befestigt das Ich sich im astralischen Leibe. Also es ist ein fortwährendes Durchdringen der menschlichen Organisation mit dem Ich, die sich konkret so ausnimmt, wie ich es gesagt habe.

[ 4 ] And then, looking at the ensuing age, the time from the seventh to the fourteenth year, that is up to the time of puberty, we can say from a certain point of view that an element of will, a musical element is being absorbed; yes, this process is from one of its aspects indeed best described when we say: is being absorbed: for what lies in the outer world is really the musical element and all that which is being absorbed as music, as sound is vibrating through the astral body. Through this activity the astral body is emancipated from the connection which it had up to this time with the whole organism. From another point of view we can therefore say with regard to the child: in puberty the birth of the astral body takes place. But once again it is the ego which then as an eternal being unites itself with that which is being liberated, so that from birth to puberty, that is up to the age of about fourteen or more, we are concerned with a progressive anchoring of the ego in the entire human organism. From the seventh year on the ego fastens itself only to the etheric body, while before then, when the human being is still an imitator, the ego anchors itself precisely through this imitative activity in the physical body, and then later, even after puberty, the ego penetrates the astral body. So what takes place is a continuous penetration of the human organism by the ego, which can be seen really and concretely as I have described it.

[ 5 ] Diese ganze Tatsachenwelt hat eine ungeheure Bedeutung für den Erzieher. Denn im Grunde genommen sollte alles Erziehen und Unterrichten gewissermaßen künstlerisch — wie ich das angedeutet habe in dem Aufsatze über das künstlerische Element in der Erziehung im letzten Heft der «Sozialen Zukunft» — so vor sich gehen, daß es diesen Prozeß des Eingliederns des Ich in die andere menschliche Organisation, wie ich es jetzt beschrieben habe, immer im Auge hat; es sollte durch eine künstlerische Erziehung der Prozeß des Eingliederns des Ich in die menschliche Organisation geleitet werden. Was ist damit gemeint?

[ 5 ] This sphere has an immense significance for the educator. For—as I have indicated in my article on the artistic element in education in the last copy of Social Future—all education and teaching should always be carried out in the light of this gradual incorporation of the ego into the human organism as I have just described it; this process of the ego's incorporation in the human organism should be guided through an artistic education. What does this mean?

[ 6 ] Damit ist gemeint, daß zum Beispiel das Ich nicht gewissermaßen zu gründlich hineingehen darf in den physischen Leib, Ätherleib und astralischen Leib, daß es aber auch wieder nicht zu stark draußen gehalten werden darf. — Wenn es sich zu gründlich hineinsetzt in die menschliche Organisation, zu intensiv sich mit ihr verbindet, so wird der Mensch ein zu materielles Wesen; er denkt dann nur mit dem Gehirn, ist ganz abhängig von seiner Organisation, kurz, er wird zuviel Körper; das Ich wird zu stark aufgenommen von der Organisation. Das müssen wir vermeiden. Wir müssen durch die Erziehung zu vermeiden suchen alles dasjenige, was das Ich zu stark aufsaugen läßt von der Organisation, zu stark abhängig werden läßt. Sie werden den ganzen Ernst dieser Sache begreifen, wenn ich sage, daß das Wesen mancher Verbrecher, mancher brutaler Menschen darin besteht, daß man das Ich zu stark hat aufsaugen lassen in den Jahren des Wachstums. Das, was dann der Anthropologe bei einem solchen Menschen als die Ihnen ja bekannten Degenerationsmerkmale konstatiert, die beim Verbrecher gefunden werden, stellt sich sehr häufig heraus — es kommt erst richtig ausgebildet heraus in diesen späteren Jahren — als ein zu starkes Aufsaugen des Ich von seiten der übrigen Organisation. Und wenn auch der Mensch [mit einem zu kurzen Hinterhauptslappen des Gehirns] geboren wird, so ist es um so notwendiger, daß wir dann erst recht darauf sehen, daß das Ich nicht zu tief hineinsinkt in die übrige Organisation. Wir können nämlich durch eine richtige künstlerische Behandlung in der Erziehung vermeiden, daß bei einem Menschen mit Degenerationszeichen das Ich zu tief hineinsinkt in die Organisation; dann bewahren wir ihn davor, ein Verbrecher zu werden.

[ 6 ] It means, for example, that the ego must not enter the physical body, etheric body and astral body too deeply, but that on the other hand it must neither be kept too much outside. If it settles down too firmly in the human organism, if the ego unites with them too intensively, man becomes too much an exclusively corporeal being; he will then think only with his brain, will be entirely dependent on his organism, in short he will become too earthly, the ego will have been too strongly absorbed by the bodily organisation. That we must avoid. Through our education we must try to avoid everything that would lead to the ego becoming too strongly absorbed by the bodily organisation, becoming too dependent on it. You will understand the utter seriousness of this matter when I tell you that the cause of the criminality and brutality of some men lies in the fact that their ego was allowed to be absorbed too strongly during their years of growing up. The characteristics of degeneracy, found by anthropologists and known to you, which manifest fully only in later years, reveal themselves often as an ego which has been too strongly absorbed by the rest of the bodily organisation. And if there is such a man born with the earlobe of a criminal, it is all the more important that we see to it, that his ego will not sink too deeply into the rest of his organisation. Because through a true artistic treatment in education we can avoid that even in a man with degenerate physical characteristics the ego sinks too deeply into his organism, we can thus save him from becoming a criminal.

[ 7 ] Auf der anderen Seite können wir aber auch in den entgegengesetzten Fehler verfallen. Es ist da eine Schwierigkeit. So wie man bei einer Waage ein zu kleines oder ein zu großes Gewicht auf die Waagschale legen kann — bei einem zu kleinen Gewicht geht die andere Waagschale nicht hoch, bei einem zu großen geht sie zu hoch, und wir müssen erst wieder ausgleichen —, so steht man bei den Tatsachen des Lebens ebenfalls einer solchen Wirklichkeit gegenüber. Das Gebiet der Wirklichkeit ist niemals in stramme Begriffe zu fassen; man kann immer, wenn man einen Fehler gutmachen will, in den anderen Fehler verfallen. Daher ist es gegenüber dem Kinde durchaus so, daß es auf die Intimitäten des Lebens ankommt, daß wir niemals einseitig zu stark das eine oder das andere heranziehen, sondern ein Gefühl dafür haben müssen, daß man bei der Erziehung künstlerisch ausbalancieren muß. Wenn man nämlich nicht dafür sorgt, daß das Ich sich in richtiger Weise mit der Organisation verbindet, dann kann es auch so sein, daß es zu stark draußen bleibt, und die Folge ist, daß der Mensch ein Träumer oder Schwärmer wird, oder überhaupt für das Leben unbrauchbar wird, indem er sich wieder phantastische Vorstellungen macht. Das ist der andere Fehler, daß man das Ich zuwenig in die Organisation untersinken läßt. Und selbst die Menschen, die als Kinder eine Anlage zur Schwärmerei, zur falschen Romantik, zur Theosophie im falschen Sinne zeigen, können für das weitere Leben davor bewahrt werden durch den Erzieher, wenn man darauf achtgibt, daß das Ich nicht zu sehr draußen bleibt aus der übrigen Organisation, sondern sich in der richtigen Weise mit ihr durchdringt. Wenn man bei Kindern das bekannte Theosophenmerkmal findet, ein kleiner Berg, der von der Stirne aus etwas rückwärts gelegen, ein bißchen ansteigt — das bekannte Theosophenmerkmal, das alle die, die Theosophenanlage haben, mit in die Welt bringen —, so handelt es sich darum, daß wir bei solchen Kindern dann darauf bedacht sind, die Neigung zur Schwärmerei und zur falschen Romantik durch ein stärkeres Hineindrücken des Ich in die Organisation zu vermeiden. Wie aber tun wir das eine und wie das andere?

[ 7 ] We can, on the other hand, fall a prey to making the opposite mistake. There is a difficulty here. As we may place too small or too large a weight on one side of the scales—if the weight is too small, the other side will not rise; if it is too large, it will rise too high and we have to set the balance right—so, we have to face a similar fact in the realities of life. Living reality cannot be contained in rigid concepts; and in trying to rectify one error we may always fall into the opposite. With regard to a child it is therefore the intimate factors of life which are all important so that we never bring out one side or another too strongly but rather develop a feeling for the fact that in education one has to create an artistic balance. Because if one does not see to it that the ego unites with the organism in a right way, then it can happen that it remains too much outside, and the consequence will be that the person becomes a dreamer or follows fancies, or becomes altogether useless in life because he only lives in fantasies. This would be the other mistake, that one does not let the ego sink deeply enough into the organism. Even those, who in their childhood showed a tendency to fancifulness, to false romanticism, to theosophy in the wrong way, can be protected from this by their teacher when he or she sees to it that the ego does not stay outside the rest of the organism, but penetrates it in the right way. When one notices the well- known Theosophists mark, which all children who are inclined to theosophy bring with them at birth—a small bump rising a little way behind the forehead—then one must strive to prevent this tendency to fancifulness and false romanticism through pressing the ego more strongly into the organism. But how do we bring about the one thing and how the other?

[ 8 ] Wir können etwas nach diesen Seiten hin tun, indem wir uns bekanntmachen mit den Mitteln, mit denen wir so etwas bewältigen können, und das sind die folgenden: Alles, was Geometrie und Arithmetik ist, was notwendig macht, daß der Mensch sich zahlenmäßige und raumesmäßige Vorstellungen macht, das trägt dazu bei, wenn es vom Kinde aufgenommen und verarbeitet wird, unterrichtlich und erzieherisch, daß das Ich sich hineinsetzt in den Organismus. Auch alles dasjenige, was im Sprachlichen hinneigt zum Musikalischen, also das Rhythmisch-Rezitative und so weiter, trägt dazu bei, daß das Ich sich in den Organismus in der richtigen Weise hineinsetzt. Die Musik, namentlich in der Weise angewandt, daß wir bei einem etwas zur Schwärmerei neigenden Kinde das Tongedächtnis ausbilden, also vorzugsweise das Erinnern des Musikalischen, wird in außerordentlich wohltätiger Weise bei einem solchen Kind wirken. Das sind die Mittel, mit denen wir arbeiten müssen bei einem Kinde, bei dem wir bemerken, daß das Ich nicht recht hinein will in den Organismus, das leicht schwärmerisch bleiben könnte. Und in dem Augenblicke nun, wo wir merken, daß das Kind zu materiell wird, daß das Ich zu stark abhängig wird von seinem Körper, brauchen wir nur in der Geometrie etwas mehr die sonst mit den Gedanken erfaßten Gebilde äußerlich zeichnen zu lassen. In dem Augenblick, wo wir das Kind die geometrischen Formen zeichnen lassen, schaffen wir wieder ein Gegengewicht gegen das Einsaugen des Ich. Sie sehen, man kann durchaus, wenn man die Unterrichtsgegenstände in der richtigen Weise benutzt, richtig erziehen.

[ 8 ] We can work in one direction or another, when we acquaint ourselves with the means which can achieve this. They are the following: everything in teaching and education which is geometry and. arithmetic, everything which necessitates the forming of mental images of number and space helps the ego to settle itself well into the organism, provided the child takes it in and works it through. Equally, everything in language which is of a musical nature, for example rhythm in recitation, etc, helps the ego to settle properly into the organism. Music will be specially beneficial for a somewhat fanciful child when we use it in such a way that we develop the child's ability to recollect music, his musical, memory. These are the means we must use when we notice that the ego of a child does not want to enter into the organism properly, when the child might easily remain fanciful. In the moment, however, when we notice that a child is becoming too earthly, that the ego is too strongly dependent on the body, we let the child draw the forms which are otherwise grasped more through thought. The moment we let the child draw geometrical forms we create a force which works counter to the situation which draws the ego into the organism. You will see from this that we can indeed educate rightly, when we use the various subjects in the right way.

[ 9 ] Bemerkt man bei einem Kinde, das durch seine Anlage oder durch sonstige Verhältnisse vorzugsweise im Musikalischen unterwiesen werden sollte, daß es vom Organismus zu stark abhängig wird, daß es ein schweres Element in seinen Gesang hineinmischt, dann müssen wir versuchen, es auf das augenblickliche Hören hinzuleiten und weniger stark auf das Tongedächtnis. Wir können also den Versuch machen, überall zu regulieren: auf der einen Seite durch die Dinge, die ich charakterisiert habe, dem Kinde zum Einsaugen des Ich zu verhelfen, auf der anderen Seite aber auch das Ich davor bewahren, zu stark eingesaugt zu werden, wenn wir zwischen den Extremen nicht die richtige Balance gehalten haben. — Beim Sprachunterricht ist es besonders gut, wenn wir versuchen, regulierend zu wirken. Alles Musikalische an der Sprache trägt dazu bei, das Ich einsaugen zu lassen. Merke ich bei einem Kinde, daß dies zu stark geschieht, so versuche ich, mit ihm irgend etwas zu tun, was mehr auf den Sinn, auf den Inhalt der Sprache geht. Ich beschäftige mich dann so mit dem Kinde, daß ich es zu Dingen aufrufe, die mehr auf den Sinn gehen. Bemerke ich dagegen, daß das Kind zu schwärmerisch wird, so versuche ich, es dazu aufzurufen, daß es mehr das Rezitatorische, das Rhythmische, das Taktmäßige der Sprache aufnehmen muß. Das muß man sich als Erzieher künstlerisch aneignen, und darin kann man es schon zu einer gewissen Force bringen.

[ 9 ] When in a child, who by virtue of his gift or through other circumstances may be receiving a special musical training, we notice that he becomes too dependent on his organism, that a certain heaviness becomes apparent in his singing, then we must try to guide him to practise more spontaneous listening and less his musical memory. We can always work for a balance: either help the child to suck in his ego more deeply through the measures I have characterized, or protect the ego from remaining outside too much if we haven't brought about the right balance. It is specially good when we try to regulate things through the way we teach a language. All the musical elements in a language contribute to the ego being sucked in. When I notice that this happens too strongly in a child, I will try to involve him in something which is more concerned with the meaning and the content of what is said. I will work with the child in such a way that I call upon him for the meaning of things. On the other hand, should I notice that the child is becoming fanciful, then I will rather make him take up recitation, rhythm and metre in the language. As a teacher one must acquire this as an art and develop a certain force in it.

[ 10 ] Nun aber gibt es Lehrgegenstände, durch die man ganz besonders das zu starke Aufgesogenwerden des Ich von der übrigen Organisation vermeiden kann. Das sind vor allen Dingen Geograpie, Geschichte und alles, was sich auf das Bildnerische, auf das Zeichnerische bezieht. In hervorragender Weise ist das namentlich dadurch möglich, wenn man zum Beispiel das Geschichtliche erzählerisch so entwickelt — das ist das Wichtige dabei —, daß das Kind einen starken Gemütsanteil an der Erzählung nimmt, daß man ihm an Persönlichkeiten starken Gemütsanteil, Verehrung oder meinetwillen auch Haß entwickelt, wenn diese Persönlichkeit, die man schildert, eine hassenswerte ist. Damit trägt man im Geschichtsunterricht ganz besonders dazu bei, daß das Kind nicht zu materiell wird. Und hat man nun wieder durch den Einblick in die Entwickelung des Kindes, den man sich auch verschaffen muß, den Eindruck gewonnen, daß man nun das Kind durch ein Zuviel an solchem Geschichtsunterricht ein bißchen nach dem Schwärmerischen hinüber balanciert hat, merkt man: das Kind beginnt ein bißchen zu schwärmen — dann muß man etwas anderes versuchen. Und das alles muß jetzt mit dem Lehrplan vereinigt werden. Man muß damit in den richtigen Jahren anfangen, und daher ist es gut, wenn man ein solches Kind durch die Jahre hindurch im Auge behält. Wenn man sieht, ein Kind wird durch die Geschichtserzählung zu schwärmerisch, dann muß man, wenn die Zeit dafür da ist, die Geschichte durchsetzen mit Ideen, mit den großen Zusammenhängen. Also: Das individuelle Behandeln dieser oder jener Ereignisse oder Persönlichkeiten in der Geschichte bewahrt das Kind vor einem zu starken Aufsaugen des Ich in der Körperlichkeit; das Durchsetzen der Geschichte mit Ideen, die über ganze Zeiträume gehen, befördert das Hineingehen des Ich.

[ 10 ] There are whole subjects which help us when we want to protect the ego from being sucked into the organism too strongly. These are above all geography, history and all those where the emphasis is on the picture element and on drawing. In history, for example, it can be done excellently when you develop your story in such a way—this is of importance—that the child's inner life, his feeling participates in it deeply, so that you call up in him reverence, or if you like hatred, for a character if the personality you describe is deserving hatred. Such a treatment of history makes a special contribution towards the child's not becoming too earthly. But if through insight into the child's development, which we must acquire, we have gained the impression that through an overdose of this kind of history lesson we have made the child a little inclined towards fanciful dreaminess, if we notice that the child begins to bubble over a little in this way, then we must try something different. And all this must be integrated within the curriculum. One must start at the right age and for that reason it is good to keep our eye on such a child over years. If one sees that a child becomes too fanciful, gets a bit out of himself through the stories of history, then, if the time is right, one must permeate history with ideas, must show the great connections. Thus, the individual treatment of events or personalities of history protects the child from his ego being sucked into the body too strongly; the permeation of history with ideas which pervade periods of time further the ego's union with the body.

[ 11 ] Und wiederum: durch vieles Zeichnen und vieles Bildnerische kann sehr leicht das Ich herausgehoben werden aus dem Organismus, und das kann auch das Kind schwärmerisch machen. Da ist sogleich das Gegenmittel da, indem man bei solchem Kinde, das an dem Zeichnen oder Malen oder sogar auch im Schreiben schwärmerisch wird, versucht, daß es sinnvoll das Gezeichnete auffaßt: wenn ich das Kind eine Rosette zeichnen lasse, es dabei etwas denken lasse, oder bei einem Buchstaben es die Buchstabenform bewundern lasse, sie ihm ins Bewußtsein rufe und so weiter. Während das Kind durch das bloße Schreiben und Zeichnen außer sich kommt, kommt es durch das Betrachten des Gezeichneten und Geschriebenen in sich.

[ 11 ] Too much drawing and too many images can also easily lift the ego out of the body and thus make it fanciful , but the antidote is at once at hand: one makes such a child that has become fanciful through too much drawing or painting understand the meaning of what he draws: when I let the child draw a Rosetta I make him think about it, or when he writes I lead him to admire the letters, the forms of the letters, to which I have drawn his attention. So while the child goes out of himself through the mere activity of writing and drawing, by observing what he has drawn or written he comes into himself.

[ 12 ] Das sind solche Dinge, die uns zeigen, wie wir erziehend und unterrichtend diese Einzelheiten des Unterrichts, wenn wir sie wirklich aus dem Künstlerischen heraus treiben, in der richtigen Weise benutzen können. Es ist ganz besonders notwendig, daß wir uns mit solchen Dingen wirklich abgeben. Nehmen Sie zum Beispiel den Geographieunterricht. Im allgemeinen trägt er dazu bei, daß das Ich nicht zu stark aufgesogen wird vom Organismus, so daß wir ihn gut benützen können bei einem Kinde, welches droht, zu materiell zu werden, indem wir ein solches Kind mehr hinweisen auf die Beschäftigung mit geographischen Dingen. Aber auf der anderen Seite wieder können wir auch, indem wir in der Geographie zum Beispiel darauf Wert legen, daß das Kind Niveauunterschiede erfaßt, oder indem wir überhaupt in die Geographie etwas hineinmischen, wozu ein mehr geometrisches Denken gehört, dann können wir, wenn das Kind droht, durch den Geographieunterricht schwärmerisch zu werden, auch wieder das Ich in der entsprechenden Weise hineinbringen.

[ 12 ] Such examples show us how in teaching and education we can use every detail rightly when we develop it truly out of art. It is essential that we really take such things seriously into consideration. Take for instance the teaching of Geography. On the whole it protects the ego from being drawn too deeply into the organism, which means that we can make good use of it with a child who is in danger of becoming too earthbound; we will lead such a child to an active interest in Geography. On the other hand, however, should a child be in danger of becoming fanciful through lessons in Geography, then, by making him for instance grasp the differences of altitudes on earth, or by introducing anything into our teaching of Geography which requires a more geometrical kind of thinking, we will be able to bring the child's ego back into his organism.

[ 13 ] Das sind Dinge, deren ganzen Wert man erst ermessen kann, wenn man auf diesen Wunderbau des menschlichen Organismus und sein Zusammenstimmen mit dem ganzen Weltall eingehen kann. Denken Sie nur, nach dem, was wir betrachtet haben, ist die Entwickelung des Kindes von der Geburt bis zur Geschlechtsreife ein Ineinanderspielen der kosmisch-plastischen Kraft mit der kosmisch-musikalischen Kraft. Dieses Ineinanderspielen geschieht natürlich in den allermannigfaltigsten Variationen. Und wenn Sie die menschliche Konstitution betrachten — ich glaube, ich habe auf diese wichtige Sache schon in anderem Zusammenhang hingedeutet, möchte sie aber hier erwähnen, weil sie sehr nützlich sein kann —, so finden Sie auf der einen Seite den physischen Leib und den Ätherleib; beide trennen sich nicht voneinander in der Zeit zwischen Geburt und Tod, sie gehören in einer gewissen Beziehung zwischen Geburt und Tod fortwährend zusammen. Dagegen trennen sich der physische Leib und der Ätherleib von dem astralischen Leib — also zunächst der Ätherleib vom astralischen Leib — beim Einschlafen, und beim Aufwachen gehen sie wieder zusammen. Es sind also Ätherleib und astralischer Leib weniger eng aneinandergebunden als zum Beispiel physischer Leib und Ätherleib; ebenso wieder sind eng verbunden Ich und astralischer Leib, denn diese trennen sich nicht, während der Mensch schläft. Ja, was ist nun der Mensch durch seinen physischen Leib auf der Erde? Er ist ein Wesen, das in inniger Wechselwirkung lebt mit der umgebenden Luft. Ein gewisses Quantum Luft ist in bezug auf unseren physischen Leib bald drinnen, bald draußen; wir atmen ein, wir atmen aus. Dieses Aus- und Einatmen weist ja einen feinen Unterschied auf zwischen dem wachenden Zustande und dem schlafenden Zustande des Menschen. Es gibt da einen feinen Unterschied, und für die großen Ereignisse sind die feinen Unterschiede oft bedeutsamer als die anderen. Was sich nun im wachenden Zustande abspielt in dieser Beziehung durch Wechselwirkung zwischen dem astralischen Leib und dem Ätherleib, das spielt sich auch beim schlafenden Menschen ab. Was da zusammenspielt zwischen dem musikalischen Element und dem plastischen Element in der menschlichen Entwickelungszeit, das ist zugleich ein fortwährendes Ineinandervibrieren des astralischen Leibes, indem das Ich mitvibriert, und des Ätherleibes, indem der physische Leib mitvibriert. Der Mensch atmet ja im Grunde genommen auch sein Ich und seinen astralischen Leib des Morgens ein, und er atmet sie abends beim Einschlafen wieder aus. Dies ist eine Art großer Atmungsprozeß, den wir dem kleinen Atmungsprozeß gegenüberstellen können. Wir gehen also eigentlich mit jedem Einschlafen aus unserem physischen Leib und ätherischen Leib heraus und treten dann in innigere Beziehung zur umgebenden Luft, weil wir dann unmittelbar mit unserem Ich und astralischen Leib drinnen sind in der Luft. Wir dirigieren wachend das Atmen von innen und wir dirigieren schlafend das Atmen von außen, von der Seele aus. Sie sehen einerseits aus dem Umstande, daß die Luft oder ein gewisses Quantum davon bald draußen und bald drinnen ist im menschlichen Organismus, und daß auf der anderen Seite die ganze menschliche Konstitution vom physischen Leibe bis zum Ich am Atmungsprozeß beteiligt ist, daraus sehen Sie, daß für das Wesen des Menschen scharf ins Auge gefaßt werden muß, was da eigentlich vorliegt an Wechselbeziehung zwischen der menschlichen Konstitution und der Luft.

[ 13 ] The value of these things will only be fully appreciated when one can perceive the wonderful structure of the human organism and its harmony with the universe, the cosmos. It is wonderful to think that what we have observed in a child's development between birth and puberty is an interplay between cosmic-formative (plastiche) and cosmic-musical forces. This interplay unfolds of course in the most diverse variations. And—I think, I have pointed to this important fact in various connections before, but I should like to mention it once more, because it can be very helpful here—if you look at the human constitution you will find on the one hand the physical body and the etheric body: these two never separate from each other between birth and death: in a certain way they are constantly united between birth and death. On the other hand, the physical body and the ether body separate from the astral body—first of all the ether body from the astral body—when one falls asleep and they join again when one wakes up. Thus we can see that the ether body and the astral body are less firmly bound to each other than, for instance, the physical body and the etheric body are; equally strongly connected, on the other hand, are the ego and the astral body which do not separate from each other while one is asleep. Well, what is man through his physical body here on earth? He is a being who lives in intimate interaction with the surrounding air. A certain quantity of air is at one moment in our body, at another outside it; we breathe in, we breathe out. This in and out breathing reveals in a delicate way the difference between man, waking and his sleeping condition. There is a subtle difference and in matters of great importance the subtle differences are often more significant than others. What happens here takes place through interaction between the astral body and the etheric body. It takes place in waking man, and also when man is asleep. This interplay between the musical element and the formative element during man's formative years (Entwicklungszeit) is the continual and mutual permeation of the vibrations of the astral body in which the ego participates and the vibrations of the ether body which are shared by the physical body. Fundamentally, in the morning man breathes in his ego and his astral body and on falling asleep he breathes them out again. This is in a way a large breathing process which we can compare with the small breathing process. In truth, with every falling asleep we leave our physical body and our etheric body and enter then into a more intimate connection with the surrounding air, because our ego and our astral body are then directly in the air. When we are awake we direct our breathing from inside, when we are asleep we do it from outside, we direct it from out of our soul. From the fact that on the one hand the air, a certain amount of it, is now out of and then again in the human organism, and on the other hand that the entire human constitution from the physical body to the ego is involved in this breathing process, you can see that we shall have to investigate closely the significance of this interaction between the human constitution and the air.

[ 14 ] Nun, Sie haben ja alle etwas Physik gelernt und werden sich erinnern, welche große Mühe sich die Lehrer gewöhnlich geben, wenn sie irgendwie gewissenhaft sind, den Kindern oder den jungen Leuten klarzumachen, daß die Luft, die aus Sauerstoff und Stickstoff besteht, nicht eine eigentliche chemische Verbindung ist, sondern eine Art Mischung. Wenn wir also die Luft betrachten, so sind in ihr Sauerstoff und Stickstoff in einem solchen Zusammensein, das es nicht zu einer chemischen Verbindung bringt, sondern in einem loseren Zusammensein als einer chemischen Verbindung. Wie hängt das mit dem Menschen zusammen? Es hängt mit dem Menschen dadurch zusammen, daß es das kosmische Abbild dafür ist, daß der astralische Leib und der Ätherleib im Menschen in einer loseren Verbindung sind. Wären Sauerstoff und Stickstoff in der Luft in einer chemischen Verbindung, hielten sie chemisch aneinander, dann wären auch der Ätherleib und astralische Leib so scharf verbunden, daß sie sich nicht lösen könnten, so daß wir niemals einschlafen könnten. Es spiegelt sich das, was wir innerlich als Beziehung zwischen astralischem Leib und Ätherleib haben, in der äußeren Konstitution der Luft; und umgekehrt, die äußere Konstitution der Luft in der Mischung von Sauerstoff und Stickstoff spiegelt sich innerlich in der Beziehung zwischen dem Ätherleib und dem astralischen Leib in der menschlichen Organisation. So ist der Mensch auf den Kosmos hin organisiert. So ist er innerlich ein Mikrokosmos, nur daß gewisse Dinge, die draußen mehr nach der physischen Seite hin geordnet sind, bei ihm mehr nach der seelischen Seite geordnet sind: Außen haben wir es mit einer physischen Gesetzmäßigkeit zwischen Sauerstoff und Stickstoff zu tun, innen mit einer seelischen Gesetzmäßigkeit zwischen Ätherleib und astralischem Leib. Und wenn so der Mensch angeschaut wird, wie er atmet, wie darin in den wunderbaren Vibrationen, die wir als Lichtvibrationen charakterisieren — wir können es betrachten, wenn wir Geisteswissenschafter sind —, wir ein Durcheinanderschießen zwischen astralischen und ätherischen Vibrationen haben, so können wir dies auf der einen Seite so betrachten, wie es vor sich geht im menschlichen Organismus, auf der anderen Seite so, wie es um eine Stufe tiefer vor sich geht in dem physischen Aus- und Einatmungsprozeß. Da sehen wir förmlich, wenn wir so etwas betrachten, wie der Mensch sich als geistig-seelisches Wesen aus seiner physischen Umgebung fortwährend herauslöst, so etwa wie bei einer Mischung, wenn die schwereren Teile nach abwärts fallen, sich herauslösen aus der Mischung, und die leichteren Teile oben bleiben. Solche Vorgänge spielen sich noch in der mannigfaltigsten Weise im Menschen selber ab. Aber wir müssen sie haben unter dem, was wir gewissermaßen vernehmen, aufnehmen, wahrnehmen, damit wir es dann verstehen und im meditativen Erinnern in künstlerische Pädagogik eben umsetzen, wie ich es gestern charakterisiert habe.

[ 14 ] Well, you have all learnt some physics and you will remember how hard teachers usually tried, tried as conscientious teachers will , to explain to the children or the young people that air, which consists of oxygen and nitrogen, is not a chemical compound but a kind of mixture. Looking at air in this way, we accept that the connection between oxygen and nitrogen does not develop into a chemical compound but remains a looser one than it would be in a chemical compound. What has this fact to do with man? This, that it is a cosmic picture of the other fact, namely that in man the astral body and the etheric body are but loosely connected with each other. If oxygen and nitrogen formed a chemical compound in the air, if they were chemically united, then man's etheric body and his astral body would also be so tightly linked that they could not be separated and we would never be able to go to sleep. The connection which exists in us between etheric body and astral body is mirrored in the external constituency of the air; and, vice versa, the constitution of the air outside as a mixture of oxygen and nitrogen mirrors the inner relationship between etheric body and astral body in the human organism. Thus is man organised in accordance with the cosmos. Thus he is inwardly a microcosm, with the only difference that in the outer world certain things are ordered in a physical way while in man they are of the order of the soul. Outside, in nature, we have to deal with the physical laws prevailing between oxygen and nitrogen; inside, in man, we have the laws of soul active in the relationship of etheric body and astral body. And, when, on the one hand, we look at man and what happens in the human organism—a scientist of the spirit can observe this—we realise that when he breathes we have in the wonderful vibrations, which we describe as vibrations of light, a swift intermingling of astral and etheric vibrations. Then, on the other hand, we see how the same thing one step lower down happens in the physical process of out and in breathing. Looking at this we can positively see how man as a spirit and soul being frees himself constantly from his physical environment just as when in a mixture the heavier parts fall to the bottom, separating themselves out from the mixture, while the lighter parts remain above. Such processes take place in infinitely manifold ways in man himself. And they must be part of all that we relate to by becoming aware of it, taking it in, perceiving it, and so understand it and, as I described yesterday, can transform it in meditative recollection into artistic, creative pedagogy.

[ 15 ] Nun müssen wir noch etwas anderes dazu betrachten. Was trägt denn eigentlich unser Ich beim Herabstieg aus der geistigen Welt durch die Geburt in die physische Welt herein? Es ist der Kopf, der es hereinträgt. Der Kopf ist sozusagen der Wagen, auf dem das Ich hereinfährt in die physische Welt. Und wenn es hereingefahren ist, dann verwandelt es auch seinen ganzen Lebenszustand beim Übergang aus der geistigen in die physische Welt. So paradox es zunächst dem Menschen, der die Dinge äußerlich betrachtet, erscheinen mag: in der geistigen Welt, bevor wir uns anschicken, hier geboren zu werden, sind wir eigentlich in einer fortwährenden Bewegung, und Bewegung ist dort unser eigentliches Element. Würden wir diese Bewegung fortsetzen wollen, so würden wir niemals in die physische Welt hineinkommen können. Und wir werden davor behütet, sie fortzusetzen, indem sich unsere Kopforganisation anpaßt dem übrigen Organismus, so daß also gewissermaßen unsere Kopforganisation zum Wagen wird, auf dem wir hereinfahren in die physische Welt, der aber dann stille wird, wenn er hereingefahren ist, und dann bequem auf dem übrigen Organismus ruht. Und wenn der übrige Organismus auch geht, der Kopf macht dies nicht mit. So wie ein Mensch, der in einer Kutsche oder in der Eisenbahn fährt, selbst in Ruhe ist, so ist auch das Ich, das vorgeburtlich in Bewegung ist, zur Ruhe gekommen, wenn es in die physische Welt heruntergestiegen ist, und macht dann nicht mehr die Bewegungen, die es früher gemacht hat. Das deutet auf außerordentlich Wichtiges.

[ 15 ] Then there is yet something else which we shall have to consider. What is it that carries our ego on its descent from spirit worlds through birth into this physical world? It is the head which carries it. The head is, so to say, the carriage in which the ego journeys into the physical world. And when it has arrived (hereingefahren ist) at this transition from the spiritual to the physical world, it completely changes its whole state of life. No matter how paradoxical this may appear to someone who looks at things only from outside, before we get ready to be born here on earth we are in constant movement in the spirit world: yes, there movement is our native element. Should we want to continue this movement we would never be able to enter into the physical world. We are safeguarded from continuing this movement through the head organisation which adjusts itself to the rest of the organism so that, in a manner of speaking, our head organisation becomes a carriage in which we ride into the physical world, but which comes to a halt when it has arrived and remains comfortably supported on the rest of the organism. And though the rest of the body walks, the head does not participate in this movement. Just as a man who travels in a carriage or a train is himself at rest, so the ego which was prenatally in constant movement, has come to rest once it has arrived in the physical world; it has ceased making the movements which it previously made. This points to something of extraordinary significance.

[ 16 ] Wenn der heutige Embryologe das Werden des Menschenkeimes im Mutterleibe studiert, so bemerkt er, wie der Kopf im Verhältnis zu den übrigen Gliedern zuerst groß und konfiguriert ist, gegenüber den übrigen ungelenken und unkonfigurierten Gliedern, die sich erst später richtig herausbilden. Aber er betrachtet es so, als ob alles gleichwertig wäre. Die ganze embryologische Betrachtung ist eigentlich ziemlich unsinnig, so unsinnig, daß man sich eigentlich schwer mit einem heutigen Physiologen verständigen kann, denn er denkt auf einem ganz anderen Felde. Worauf es ankommt, das ist, daß durch die Befruchtung überhaupt nur auf die Gliedmaßennatur im wesentlichen, auf das «Außerkopfliche» beim Menschen eine Wirkung ausgeübt wird; denn der Kopf des Menschen wird im wesentlichen nicht vom Manne aus, sondern vom ganzen Kosmos aus konfiguriert. Der Kopf des Menschen wird eigentlich nicht vom Manne empfangen, sondern wird vom Kosmos empfangen. Die Anlage zum menschlichen Kopf ist auch schon im unbefruchteten Menschenkeim; und die Wirkung auf den Kopf, die eigentlich in dem unbefruchteten Menschenkeim noch eine kosmische ist, kommt dadurch zustande, daß die Befruchtung zunächst auf den übrigen Organismus wirkt, und erst, indem sich der Organismus entwickelt, wirken in der embryonalen Entwickelung die Wirkungen des übrigen Organismus auf den Kopf zurück. So daß — auch wenn wir ganz äußerlich embryologisch die Entwickelung des menschlichen Embryos studieren — wir darauf kommen können, wenn wir die Dinge nur richtig studieren, wie der Kopf sich aus dem Leibe der Mutter heraus bereitet, noch nicht unter der Einwirkung der Befruchtungskräfte, sondern indirekt; es ist gerade so, wie wenn in einer Werkstatt eine Kutsche bereitet wird, die einen Menschen aufnehmen soll: sie kommen einander entgegen — so wird der Kopf bereitet, damit er den heruntersteigenden Menschen seinem Ich nach in sich aufnimmt. Und noch lange nach der Geburt, ja, im Grunde genommen während der ganzen Entwickelungszeit, trägt der Mensch die Spur dieses Zusammenschießens der menschlichen Organisation und der kosmischen Organisation an sich.

[ 16 ] The present day embryologist, studying the evolution of the human fÅ“tus (Keim) notices that to begin with the head is much larger and more configurated compared with the rest of the angular and unconfigurated members of the human being, which develop properly only later. But he looks at this process as if every part of it were of the same nature. It must be admitted that embryological science is rather meaningless, so meaningless that it is difficult to find common ground with a modern physiologist because his thinking works on a different plane altogether. What matters is that fertilization affects essentially only the limb nature of man, only that which is not of 'head nature'; because the head of the human being receives its configuration basically not from the male parent but from the entire cosmos. In fact the human head is conceived not from the seed of the male but from the whole cosmos. The germ (Aulagezum) of the human head is present already in the unfertilized human cell and the head, which in the unfertilized human cell is still under a cosmic influence, is affected by this fertilization in the following manner. First of all this fertilization works on the rest of the organism and only as this organism develops do the effects of the embryonic development work back on the head. So that—even by studying the embryonic development of the human embryo from quite an external point of view, but by really studying it—we can observe how the head forms itself out of the mother's womb, not yet under the direct but only the indirect influence of the forces of fertilization; it is just like building a carriage in a workshop, a carriage which is then to carry a passenger: they come towards each other—in the same way the head is being prepared so that it can receive the descending human being in accordance with his ego. And for a long time after birth, actually through all his formative years, man bears the traces of the growing union between his human and his cosmic organisation.

[ 17 ] Wenn einmal der Geist einer solchen Pädagogik, wie wir ihn hier eigentlich pflegen, so recht, ich möchte sagen, in die Seelengewohnheiten der Erzieher hineingegangen sein wird, dann wird eines auftreten: Diejenigen, die vor einer Klasse stehen, sie werden ungeheuer gefesselt sein von dem, was mit den einzelnen Kindern dadurch geschieht, daß auch noch vom 7. bis zum 14. Jahre streng auseinanderzuhalten sind — allerdings nur für eine intime Beobachtung — etwas von dem Zurückgehen am Kopfe, etwas von dem Abfluten einer übermenschlichen Organisation, und etwas von dem Durchflutetwerden des Kopfes mit dem, was aus dem übrigen Organismus heraufströmt, herauf sich ergießt. Sie müssen das mit dem, was in der ersten und zweiten Stunde gesagt worden ist, wieder in einer gewissen Weise zusammendenken, weil das eine mit dem anderen wieder in einer gewissen Beziehung ausbalanciert werden muß. Aber interessant muß es immer sein, den Unterschied in der Kopfplastik im Kinde zu beobachten von der Gestaltung des übrigen Organismus. Nur muß man die beiden verschieden anschauen. Wenn man die Veränderungen betrachten will, die beim Kopfe vorgehen, so muß man sich als Plastiker fühlen; wenn man dagegen jene Veränderungen betrachten will, die mit dem übrigen Organismus vorgehen, dann muß man sich als eurythmischer Musiker fühlen. Denn in bezug auf den übrigen Organismus hat es keinen Wert, zu beobachten, wie etwa die Finger wachsen und so weiter, sondern darauf zu achten, wie die Art der Bewegungen, die das Kind ausführt, sich ändert. Das wirkt allerdings auf die Gestaltung des Organismus zurück, allerdings wieder nicht durch die Formgebilde, sondern durch das Dynamische. Wenn einer riesig lange Beine oder Arme hat, so sind die schwerer als bei normalen Verhältnissen. Nicht die Form wirkt direkt, sondern das Gewicht, mit dem sie wirken, und das Gewicht mischt sich dann in die musikalische Bewegungsgestaltung hinein. Und wenn man einen solchen Menschen, bei dem die Arme und Beine zu lang gewachsen sind, so daß er nichts Rechtes mit ihnen anzufangen weiß, in der richtigen Weise beurteilen will, so muß man mit einer lebensmusikalischen Beurteilung herangehen und muß empfinden: wie dem Kinde die Beine, da sie zu lang geworden sind, immer übereinanderschlagen, wie die Bewegung eine abnorme wird, oder wie die Arme fortwährend nicht wissen, was sie eigentlich machen sollen, weil die Schwere darin zu stark wirkt. Denken Sie nur, wie intim man da, wenn man solche Dinge anwendet, aus der Geisteswissenschaft heraus den Menschen kennenlernt! Man wird dann manches nicht mehr unter dem Gesichtspunkt des Emotionellen betrachten, was man vorher vielleicht so angesehen hat. Man wird sich sagen, wenn einer kleine Hände und kleine Arme hat: Da ist weitaus weniger ein innerlicher Drang vorhanden, gleich dem anderen eine herunterzuhauen. Aber dagegen, wo einer zu lange Arme und Hände hat, die zu schwer sind, da muß man eben den inneren Drang, dem anderen gleich eine herunterzuhauen, auf das karmische Konto zurechnen, und es nicht betrachten vom äußeren emotionellen Gesichtspunkte aus.

[ 17 ] When the spirit of the pedagogy which we want to nurture here has entered the teacher, I should like to say as a real soul habit, then the following will happen. Those who are standing in front of a class will be enormously fascinated by that which takes place in individual children, because even between their seventh and their fourteenth year a distinct differentiation can be made—certainly only by intimate observation—between a separating, a receding of a superhuman organisation from the head and a penetration of the head with forces that stream up and pour in from the rest of the organism. In your thinking you will have to set this side by side with what was said in the first and the second lesson, because in a certain way the one has to be balanced by the other. But it must always be interesting to us to study in a child the difference between the sculptural form of the head and the formation of the rest of the organism. For this it is necessary, however, to look at both of them in a different way. If you want to consider the changes which take place within the head, you must approach them with the feelings of a sculptor; if, on the other hand, you wish to consider those changes which the rest of the organism undergoes, you must feel yourself a musician doing Eurythmy. For as far as the rest of the organism is concerned it is of little use to observe how, for example, the fingers grow, etc; instead you must take note of the change in the child's manner of moving. These movements work back on the formation of the organism, not, however, through their form content (die FormgebiIde), but through their dynamics. If someone has got enormously long legs and arms, then they will be heavier than under normal circumstances. It is not their form which has a distinct effect but the force of weight with which they work; and it is this weight which influences the musical forming of the movements. And if one wants to assess rightly a human being whose arms and legs have grown so long that he does not know what to do with them, then one will have to approach life with a sense of music (lebens musikalische Beurteilung) and one must feel that the child's legs, because they are too long, have the tendency of being in each other's way and that therefore the movements become abnormal, or that the arms never know what they are meant to do because their weight has too great an effect. It is wonderful to think that through spiritual science one can get to know the human being so intimately, if one proceeds in such a way! One may then cease to judge matters emotionally, as one might have been prone to do. If someone has small hands and small arms one will say to oneself: they will be far less inclined to box somebody's ear than if someone's arms and hands are too long, too heavy. In the latter case, instead of seeing it from an emotional point of view we will have to charge it to his Karma that he feels a ready urge to box people's ears.

[ 18 ] Das ist etwas, was uns den Menschen, namentlich den werdenden Menschen, viel näher bringt, wenn wir so etwas ins Auge fassen. Denn da gibt es ein Geheimnis, das sehr merkwürdig ist. Sie können, wenn Sie die menschliche Gestalt so betrachten, sich sagen: Ich enträtsele mir das Werden eines Menschen, den ganzen Aufbau des Seelischen aus dieser körperlichen Organisation heraus; ich enträtsele mir die Bedeutung einer gewissen Kopfform, einer gewissen Schwere der Arme und der Beine und so weiter, eine gewisse Art des Auftretens, ob der Betreffende mehr geneigt ist, mit den Zehen aufzutreten, oder mehr — wie es bei Fichte der Fall war, dessen ganze Figur ein Abdruck davon ist — mit den Fersen aufzutreten. Das alles verrät uns ungeheuer viel, was uns das Gefühl geben kann: Du lernst da den Menschen besser kennen. Natürlich handelt es sich da nicht um besondere Intimitäten, sondern um etwas, was wir uns entgegenbringen im menschlich-sozialen Verkehr, der nur intimer ist beim Unterricht im Verkehr zwischen dem Erzieher und dem Kinde. Wir bekommen dann, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen, so recht das Gefühl: Das eine lernst du an ihm kennen, wenn du dir diesen Menschen von vorne ansiehst, da prägt sich musikalisch das aus, was man sehen kann; ein anderes lernst du kennen, wenn du ihn richtig von hinten ansehen kannst. Man sollte aus dem Wesen des Lebens heraus auch sich seine Lebensmaximen prägen. Würde zum Beispiel ein Student mit richtigen Lebensmaximen bei Fichte im Vortrag gesessen haben, er würde Fichte von vorne angehört haben, um das aufzunehmen, was er sagt. Um aber Fichtes Charakter kennenzulernen, würde er ihn von hinten angeschaut haben, um die ganze Art des Auftretens kennenzulernen. Die hintere Bildung des Kopfes, die Struktur des Rückens, des Buckels, die Art und Weise die Hände zu bewegen, die ganze Art der Kopfhaltung war bei Fichte dasjenige, was bei ihm unbedingt dazu aufforderte, in diesem Menschen dasjenige zu sehen, als was er sich eigentlich in die Welt hineingestellt hat, wenn man auf das Persönliche bei ihm ging.

[ 18 ] Such considerations bring the human being, especially the growing one, much nearer to us. For there is a secret which is truly remarkable. You can, if you consider the form of the human body in this way, say to yourself; I am unravelling a human being's development, his soul make-up, from his bodily organisation; I am discovering the significance of a certain shape of head, of a certain weight of arms and legs, etc, of a certain way of setting your foot on the ground, for example if someone is more inclined to step with his toes or if he—like Fichte, whose whole figure bore witness to the fact—strides with his heels. All these things tell us an immense amount and can give us the feeling: this way you get to know man better. Of course these are not specially personal things, they are the way in which we express ourselves in our human-social encounters—encounters which are, however, more intimate between teacher and pupil when we educate. When we meet a man the feeling can arise in us: there is one thing you learn about him when you face him, in this way you can see what expresses itself musically; you learn another thing when you see him clearly from behind. One should derive one's rules for life out of the nature of life. For example, if a student with the right rules of life had sat in Fichte's lectures he would have listened to his lecture facing him, in order to take in what he said. However, in order to get to know Fichte's character, his whole manner of presenting himself (seines Auftretens), he would have had to look at him from behind. The form of the back of the head, the structure of his back, his hunched shoulders, the way in which he moved his hands, the manner of holding his head, were the features that called on us to see Fichte as the personality which he was in the world.

[ 19 ] Das kann uns Merkwürdiges verraten, wenn man auf diese Weise Kinder kennenlernt; wenn der Lehrer ein Mensch ist, der in dieser Art dazu neigt, mehr nach dem karmischen Verstehen hinzutendieren und weniger nach der Richtung desjenigen Lehrers, der so unterrichtet hat, daß er sich über ein emotionelles Kind furchtbar geärgert hat, es immer wieder ermahnt hat, ruhig zu bleiben, gelassen zu bleiben, ihm immer wieder vorgehalten hat Ruhe, Ruhe, Ruhe, endlich aber, weil es ihn zu sehr ärgerte, nach dem Titenfaß gegriffen hat, es dem Kinde an den Kopf geworfen und gesagt hat: Ich will dir zeigen, wie man gelassen wird! — Ich charakterisiere das etwas radikal; aber auch etwas weniger radikal ist es schon etwas, was wir als Lehrer und Erzieher als unrichtig überschauen müssen.

[ 19 ] We can learn remarkable things, if we get to know children in this manner, if we are teachers who are inclined towards an understanding of Karma and less in the direction of a teacher who has taught in such a way that, being terribly annoyed about an emotional child, he admonished him again and again to sit still, to be quiet; told him: calm, calm, calm, please, and eventually, because he was driven to distraction, reached out for the inkpot and threw it at the child's head, saying: I'll teach you how to be quiet!—I am characterizing this in a somewhat radical fashion, but even in a less radical form we as teachers and educators must recognise such a thing as wrong.

[ 20 ] Wenn wir von diesem loskommen und unsere anthroposophische Menschenkunde mehr auf das richten, was ich charakterisiert habe, auf die Bildung des Kindes, so daß uns der Organismus etwas von seiner Seelenverfassung verrät, so beschäftigen wir uns mit dem Kinde in einer anderen Weise als sonst. Und kurioserweise ist es so, daß wir durch diese Art, uns zum Kinde zu stellen, in uns die Liebe zum Kinde entwickeln, daß wir es dahin bringen, es mit immer größerer Liebe zu erfassen. Und wir erwerben uns gerade dadurch eine mächtige Hilfskraft, das Kind liebend zu unterrichten und zu erziehen. Das sind die Wege, durch die wir uns besonders die richtigen Gefühle und Empfindungen als Erzieher und Unterrichter aneignen, wie ich es jetzt zu schildern versuchte. Denn es wäre eine ganz falsche Methode, wenn zum Beispiel jemand, der Komponist werden wollte, ein theoretisches Lehrbuch über das Musikalische in die Hand nehmen und glauben würde, er könnte dadurch komponieren lernen oder, wenn jemand irgendein Ästhetikbuch in die Hand nähme, sich das aneignete, was darin über Malerei und so weiter gesagt ist und glauben würde, er könnte dadurch Maler werden. Er wird dadurch kein Maler, sondern er wird Maler, wenn er lernt, die Farben zu behandeln, wenn er die Handgriffe bei der Behandlung der Farben lernt und so weiter. Und es wird einer ein Plastiker dadurch, daß er lernt, den Organismus in seinen Formen zu erfassen. Es ist ja ungeheuer interessant, den Organismus in seinen Formen zu erfassen, auch zum Beispiel bei der plastischen Kunst. Es ist ein ganz anderes Gefühl, das Sie haben, wenn Sie als Plastiker einen Kopf gestalten, oder wenn Sie den übrigen Organismus gestalten. Beim Kopf haben Sie fortwährend das Gefühl: der Kopf wirkt von innen heraus auf Sie, Sie müßten zurückweichen vor der Kopfbildung; es drückt Sie etwas von ihm heraus. Wenn Sie dagegen den übrigen Organismus formen in der Plastik, so haben Sie das Gefühl: Sie drücken hinein, indem sich vor Ihnen dieser übrige Organismus zurückzieht. Genau das entgegengesetzte Gefühl also hat man beim plastischen Formen in bezug auf den Kopf und den übrigen Organismus. Das zeigt uns, wie man überall die Behandlungsweise kennenlernen muß. — So ist es aber auch beim Erziehen. Wenn Sie sich durch ein Handbuch der Pädagogik unterrichten wollten über das, was Sie in der Schule tun wollen, so wäre das ebenso, wie wenn Sie sich durch ein Handbuch der Ästhetik zum Maler machen wollten. Es kommt nichts dabei heraus. Wenn Sie aber anthroposophische Menschenkunde treiben, wie die Leitlinien dazu geliefert werden, wie wir es jetzt hier zu betrachten pflegen, dann fährt in Sie selbst das pädagogische Talent; denn dazu haben viel mehr Menschen Anlage, als Sie denken. Und dann eignen Sie sich auch gewisse Dinge an, die gerade dem Lehrer eigen sein müssen, wenn er ein richtiger Lehrer sein will.

[ 20 ] If we are able to free ourselves from such behaviour and to direct our anthroposophical study of man more, as I have indicated, to the bodily form of the child, so that his organism can tell us something of the character of his soul, then we are occupying ourselves with a child in a different way from the usual one. And, strangely enough, through such an attitude towards the child we shall develop love towards him, we shall gradually understand him with greater and greater love. And precisely through that we shall gain a powerful feeling of support for teaching and educating the child lovingly. These ways, which I have tried here to describe to you, are the ways in which we as teachers and educators shall acquire the right attitudes and feelings. For it would be quite the wrong method if, for instance, someone wanting to become a composer thought he could learn to compose by merely using a book on music theory, or if someone else took a book on aesthetics, read everything that was said there about painting and hoped thereby to become a painter. He will not turn into a painter, he will only become a painter if he learns to use colours, the actual handling of colour right into every movement of his hand, and so on. And you will become a sculptor only through grasping the forms of an organism. It is immensely interesting to grasp the forms of an organism, also as it is done for example in the art of sculpture. You will have quite a different feeling as a sculptor when you form a head or when you form the rest of the organism. In forming the head you will feel the head is working on you from within itself, you would have to retreat and make room for the head formation; a pressure issues from within it. When, on the other hand, you sculpture the rest of the organism you will feel: you are exerting pressure and at the same time this section of the organism is withdrawing from you. So your feelings are just the opposite when sculpturing the head or all the rest of the organism. This shows us that in every case we have to learn the appropriate treatment. In education it is the same. If you wished to teach in a school by following a manual on pedagogy it would be just like wanting to become a painter through using a manual on aesthetics. Nothing will come of this. If, on the other hand, you will practise anthroposophical study of man as outlined, as we are doing here, then the pedagogical talent will spring up in you, because many more people have the right disposition for it than you would think. And then you will develop certain faculties which a teacher needs quite specially if he wants to be a good teacher.

[ 21 ] Auf keinem Gebiete wird heute mehr wesenloses Zeug geredet, trotzdem sich so viele Menschen außerordentlich dafür interessieren, als auf dem Gebiete der Pädagogik. Wenn heute über pädagogische Dinge gesprochen wird, empfindet man es deshalb als so schlimm, weil diese Dinge auf die nächste Generation gehen. Aber wie auf so vielen Gebieten, ist es hier ganz besonders der Fall, daß man über die Tiraden, die laienhaft gesprochen werden, hinwegkommt durch ein tieferes Erfassen der Menschenwesenheit. Sogar Lehrer haben die Tirade angenommen: der Unterricht müsse für die Kinder zur Freude werden. Wir nehmen es nicht übel, wenn dieses von Laien gesagt wird; es ist gut gemeint. Aber es ist streng zu verpönen, wenn von den fachlichen Unterrichtern und Erziehern diese Tirade tradiert wird! Denn, besinnen Sie sich einmal auf die Praxis und fragen Sie sich, wie Sie es in bezug auf gewisse Dinge, die schwer zu überwinden sind, machen sollen als Lehrer, damit es die reine, helle Freude für die Kinder ist? Oder bedenken Sie manche kindliche Anlage und fragen Sie sich, wie Sie es machen sollen, daß das Kind, wenn man es vom Morgen bis zum Abend in der Schule hat, sich immer nur freuen, immer nur freuen soll? Es ist eben nicht durchzuführen. Es ist eine von den Redensarten, die Menschen machen, die außerhalb der Wirklichkeit stehen; wie es auch auf anderen Gebieten heute überall Redensarten gibt, die von Menschen stammen, die selbst außerhalb der Wirklichkeit stehen. Die Tatsache ist einfach diese, daß gewisse Dinge eben den Kindern keine Freude machen, daß diese Dinge aber trotzdem gemacht werden müssen. Würde der Unterrichter den Kindern lauter Freude machen wollen, so könnte sich zum Beispiel beim Kind das Pflichtgefühl nicht entwickeln, das nur durch Überwinden entwickelt werden kann. Das wäre kein Vorteil. Also um lauter Freude kann es sich nicht handeln, sondern um etwas ganz anderes handelt es sich: daß wir uns wirklich durch unsere pädagogische Kunst die Liebe der Kinder erwerben, so daß sie unter unserer Leitung sogar auch das machen, was ihnen nicht Freude bereitet, sondern was ihnen sogar Unlust und einen leichten Schmerz macht. Daher müssen Sie sich sagen: Wird die rechte Liebe hineingetragen, bringen wir es fertig, dem Kinde die richtige Liebe beizubringen, dann entwickelt sich in dem Kinde etwas anderes als Freude, dann entwickelt sich die Anhänglichkeit an den Lehrer, dann hat das Kind ein anderes Empfinden. Dann hat das Kind die Empfindung: Manches ist schwer, aber bei dem Lehrer oder bei der Lehrerin da mache ich auch das, was schwer ist.

[ 21 ] There is no field where talk is more devoid of content than in the field of pedagogy, and this despite the great interest taken by many people. The reason why one feels so badly about the current ways of discussing educational matters is that they are affecting the next generation. But, as in so many other fields, and especially in this one, one can overcome the dilettante tirades through a deeper understanding of the human being. Even teachers have accepted the slogan: learning must be pleasure for the children. We do not take it amiss when such a thing is said by laymen; they mean well; but it is to be strictly rejected when passed on by professionals! For it is well to remember pedagogical reality and then consider certain things which are difficult for the children to overcome and ask yourself what you as a teacher can possibly do to make everything pure joy for the children. Or think of certain tendencies in children and put it to yourself, if one has such a child in school from morning till night what possibility is there for him to experience nothing but joy, joy, joy? It cannot be done: it is one of those slogans produced by people who stand outside the reality of things. The fact is that certain things will not be pleasurable for children but that they will have to experience them nevertheless. Were, for instance, the teacher to give to the child nothing but pleasure, the child would be unable to develop a feeling for duty, which can be acquired only if we learn to overcome ourselves. There would be no advantage in this. So, this is not the point; the point is quite a different one, namely: to gain through our pedagogical art the children's love so strongly that, under our guidance, they will do things that do not necessarily give pleasure, things which may even be unpleasant and even cause pain to a slight degree. We must say therefore: if the right kind of love is carried into teaching, if we succeed in awakening the right kind of love in children, then more than joy and pleasure will be developed in them—they will develop devotion (Anhanglichkeit) towards the teacher and then they will feel quite differently. They will feel then: there are many difficult things, but, for this or that teacher I will do even the difficult things.

[ 22 ] Das sind Dinge, die uns zeigen können, wie wir auch manches Schwere im Unterricht dadurch überwinden können, daß wir verstehen, das richtige Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler herzustellen. Es ist eben eine andere Art, die Dinge zu betrachten, als was gewöhnlich vom Laienstandpunkt aus über Unterricht und Erziehung gesagt wird.

[ 22 ] These are matters which show us how we can overcome some difficulties in teaching when we are able to create the right relationship between teacher and pupil. Such a way of looking at matters differs from the views on teaching and educating as they are generally held by the laity.

[ 23 ] Meine lieben Freunde, diesmal wird es nicht mehr dazu kommen, daß wir zu einer Betrachtung zusammenkommen. Unendliche Sitzungen stehen uns bevor. Wir werden uns nur noch zusammenfinden zu einer Lehrerkonferenz.

[ 23 ] My dear friends, on this occasion another meeting for further considerations will not be possible. There are endless other meetings to be gone through. We will only be able to gather once more for a teachers' meeting.