Education and Instruction
Based on an Understanding of Human Nature
GA 302a
16 October 1923 p.m., Stuttgart
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Education and Instruction Based on an Understanding of Human Nature, tr. SOL
9. Anregungen zur innerlichen Durchdringung des Lehr- und Erzieherberufs III
9. Reflections on the Inner Nature of the Teaching and Educating Professions III
[ 1 ] Was ich Ihnen in diesen Tagen geben will, soll im wesentlichen eine Anregung zur innerlichen Durchdringung des Lehr- und Erzieherberufes sein, und da möchte ich — anknüpfend an das heute nachmittag Gesagte — das Folgende vor Sie hinstellen. Sehen Sie, wir müssen die Menschenerkenntnis so weit treiben, daß wir wirklich im einzelnen wissen können, was mit dem Menschen geschieht, wenn er sich in der Welt umtut. Ich habe Ihnen gesagt, die erste Tätigkeit, die wir am Menschen wahrnehmen, ist die, wenn er seine Gliedmaßen bewegt. Nun müssen wir die Frage aufwerfen: Was bewegt denn eigentlich die Gliedmaßen? Was ist das Tätige, wenn zum Beispiel der Mensch geht, oder wenn der Mensch mit seinen Armen irgend etwas verrichtet? Was ist das Tätige dabei? Nicht wahr, die materialistische Anschauung wird einfach sagen: Der Mensch selbst ist das — und wird dabei denken an das im Menschen, woran eben die materialistische Anschauung denken kann. Dieses Stück Kosmos aus Blut, Knochen und so weiter, das man als den Menschen beschreibt, das bewegt die Glieder! Das ist der eigentliche Akteur! Aber das hat im Grunde genommen gar keinen Sinn; denn das ist das Objekt der Bewegung, das ist dasjenige, was bewegt wird. Und wenn wir fragen: Wer ist das eigentliche Subjekt dabei, wer bewegt das Bein, den Arm? —, dann kommen wir nicht auf Materielles, dann kommen wir gerade auf Geistiges. Dann kommen wir dazu, uns zu sagen: Es muß das Geistige selbst physische Kräfte, Kräfte, die wir sonst als physische Kräfte bezeichnen, in Aktion bringen. Es muß unser Bein geradeso durch ein Geistiges bewegt werden können, wie durch uns, sagen wir ein Stück Holz, das wir von einem Ort zum anderen legen, bewegt wird.
[ 1 ] What I wish to offer you over the next few days is essentially meant to be an inspiration for a deep inner understanding of the teaching and educational professions, and in that regard—building on what was said this afternoon—I would like to present the following to you. You see, we must advance our understanding of human beings to the point where we can truly know, in detail, what happens to a person as they go about their daily life in the world. I have told you that the first activity we observe in a person is when they move their limbs. Now we must ask the question: What actually moves the limbs? What is the active force when, for example, a person walks, or when a person uses their arms to perform some task? What is the active force at work here? The materialistic view, of course, will simply say: It is the person themselves—and in doing so will think of that part of the person which the materialistic view is capable of conceiving. This fragment of the cosmos made of blood, bones, and so on, which is described as the human being—that is what moves the limbs! That is the actual agent! But that makes no sense at all, fundamentally speaking; for that is the object of the movement—it is that which is being moved. And when we ask: Who is the actual subject here—who moves the leg, the arm?—then we do not arrive at the material, but rather at the spiritual. Then we come to say to ourselves: The spiritual itself must set physical forces—forces that we otherwise call physical forces—in motion. Our leg must be able to be moved by a spiritual force just as, say, a piece of wood that we move from one place to another is moved by us.
[ 2 ] Aber da kommen wir auf etwas ganz Merkwürdiges, das eigentlich gewöhnlich nicht bedacht wird, weil darüber eine große Illusion herrscht. Unsere menschliche Bewegung ist eigentlich eine magische Wirkung, die darin besteht, daß durch den Geist etwas in Bewegung gesetzt wird. Tatsächlich ist unsere Bewegung als Mensch eine magische Wirkung, und wir sehen den Menschen ganz und gar nicht richtig an, wenn wir ihn als bewegten Menschen nicht auf magische Art bewegt denken. Es muß der Wille, ein rein Geistiges, eingreifen in die physische Aktivität. Das sind magische Wirkungen. Wenn Sie gehen, wirkt der innere Magier, der ist etwas ganz Wesentliches. Wie kommt das zustande? Dadurch, daß wir physische Menschen sind aus Knochen, Blut und so weiter, sind wir noch kein bewegter Mensch, dadurch könnten wir höchstens ein ruhender, ein ewig im Bette liegender Mensch sein; aber wir könnten kein bewegter Mensch sein. Denn da muß der Wille unmittelbar tätig sein. Die materialistische Wissenschaft macht es sich leicht, wenn sie die Theorie aufstellt: das sind die motorischen Nerven und so weiter. Das ist Unsinn. In Wirklichkeit liegt hier in der menschlichen Bewegung eine magische Wirkung vor, ein unmittelbares Eingreifen des Geistes in die körperlichen Bewegungen. Wie ist das möglich? Das wird auf folgende Weise herbeigeführt.
[ 2 ] But this brings us to something quite remarkable that is not usually considered, because there is a great illusion surrounding it. Our human movement is actually a magical effect, consisting of the mind setting something in motion. In fact, our movement as human beings is a magical effect, and we do not view human beings correctly at all if we do not conceive of them—as moving beings—as being moved in a magical way. The will, which is purely spiritual, must intervene in physical activity. These are magical effects. When you walk, the inner magician is at work—this is something quite essential. How does this come about? The fact that we are physical human beings made of bones, blood, and so on does not in itself make us a moving human being; at most, it would make us a stationary human being, one who lies in bed forever—but we could not be a moving human being. For the will must be directly active here. Materialistic science takes the easy way out when it puts forward the theory: “It’s the motor nerves and so on.” That is nonsense. In reality, there is a magical effect at work here in human movement—a direct intervention of the spirit in physical movements. How is that possible? It is brought about in the following way.
[ 3 ] Ich habe schon heute Nachmittag angedeutet: Wenn der Mensch lebt vom rhythmischen System hin zum Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, dann erweist dasjenige, was aus dem Kohlenstoff wird, seine Verwandtschaft mit dem, was aus dem Stickstoff wird, und es entsteht fortwährend die Tendenz, in der menschlichen Wesenheit nach unten hin Verbindungen zu schaffen von Kohlenstoff und Stickstoff. Diese Tendenz besteht. Man wird früher auch den Verdauungsprozeß selbst und namentlich den Ausscheidungsprozeß nicht durchsichtig bekommen, wenn man nicht die Tendenz der Verbindung des Kohlenstoffes mit dem Stickstoff ins Auge faßt. Diese Tendenz zur Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff führt zuletzt zur Bildung von Zyansäure, und tatsächlich besteht im Menschen nach unten fortwährend die Tendenz, Zyansäure zu erzeugen oder zyansaure Salze zu erzeugen. Wir haben nicht einmal einen ordentlichen Ausdruck für das, was da entsteht. — Was da entsteht, wird nur so weit getrieben, daß es gerade bis zu dem Punkt kommt, anzufangen zu entstehen, dann wird es, durch die Absonderungen der Galle namentlich, sofort aufgehoben. So daß wir nach unten gehend im Menschen eine Tendenz haben, Zyanverbindungen zu schaffen, die im Status nascendi aufgehoben werden durch die Gallenabsonderungen. Nun bedeutet aber Zyanverbindungen im Menschen schaffen, den Menschen zerstören. Es ist die schnellste Methode, wodurch man die Menschengestalt zerstören kann, wenn man sie mit Zyan durchdringt. Diese Tendenz besteht namentlich nach dem Gliedmaßen-Stoffwechselsystem hin. Fortwährend will der menschliche Organismus Zyanverbindungen schaffen, die gleich wieder zerstört werden. Aber in diesem Moment zwischen dem Entstehen und dem sogleich Aufgelöstwerden der Zyansäureverbindungen ergreift der Wille das Muskelsystem. — Im Paralysieren dieses Prozesses liegt die Möglichkeit für den Willen, einzugreifen, so daß der Mensch sich bewegen kann. Es liegt fortwährend im Menschen nach unten gehend die Tendenz, die organische Substanz zu zerstören durch eine Vergiftung. Sie ist fortwährend im Anfang und wir könnten uns nicht bewegen, wir könnten nicht zum Freiwerden des Willens gelangen, wenn wir nicht fortwährend die Tendenz hätten, uns zu zerstören. So daß wir, wenn wir es grotesk ausdrücken wollen, nach unten hin fortwährend die Tendenz haben, uns zum Gespenst zu machen und uns dadurch auf magische Weise bewegen. Wir dürfen nicht auf den physischen Körper schauen beim Herumgehen des Menschen, sondern auf seinen Willen, auf das Hervorrufen von räumlichen Bewegungen auf rein magische Weise.
[ 3 ] As I already hinted at this afternoon: When the human being lives from the rhythmic system toward the limb-metabolic system, what becomes of the carbon reveals its kinship with what becomes of the nitrogen, and there is a constant tendency within the human being to form downward-directed compounds of carbon and nitrogen. This tendency exists. One will not be able to fully understand the digestive process itself—and especially the excretory process—unless one takes into account the tendency for carbon to combine with nitrogen. This tendency for carbon and nitrogen to combine ultimately leads to the formation of hydrocyanic acid, and in fact, there is a constant downward tendency within the human being to produce hydrocyanic acid or hydrocyanic acid salts. We do not even have a proper term for what is produced there. — What is produced there is driven only so far that it reaches the very point of just beginning to form; then it is immediately neutralized, specifically through the secretion of bile. Thus, moving downward in the human body, we have a tendency to create cyanide compounds, which are neutralized in their nascent state by bile secretions. But creating cyanide compounds in the human body means destroying the human being. It is the quickest way to destroy the human form—by saturating it with cyanide. This tendency is particularly evident in the metabolic system of the limbs. The human organism constantly seeks to create cyanide compounds, which are immediately destroyed again. But in this moment between the formation and the immediate dissolution of the cyanide compounds, the will takes hold of the muscular system. — It is in the paralysis of this process that the possibility for the will to intervene lies, so that the human being can move. There is a constant downward-moving tendency within the human being to destroy the organic substance through poisoning. It is constantly in its infancy, and we could not move; we could not attain the liberation of the will if we did not constantly have the tendency to destroy ourselves. So that, to put it grotesquely, we have a constant downward tendency to turn ourselves into ghosts and thereby move in a magical way. When a person walks, we must not look at the physical body, but at their will, at the evocation of spatial movements in a purely magical way.
[ 4 ] So sehen Sie, daß wir eigentlich jedesmal, wenn wir den Menschen in Bewegung bringen, vor der Verantwortung stehen, in die Prozesse einzugreifen, die eigentlich Todes-, Erkrankungsprozesse sind. Wir haben daher die Aufgabe, auf der anderen Seite auch wieder zu wissen, daß diesem Erkrankungsprozeß gegenübersteht der Gesundungsprozeß, und der liegt in dem, was ich schon heute nachmittag erwähnt habe: Es muß jederzeit einem Vorgang im unteren Menschen ein entsprechender Prozeß im oberen gegenüberstehen. Hat der Kohlenstoff die Tendenz, nach unten Stickstoffverbindungen zu bilden, so hat er nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu bilden. Die früheren Alchimisten nannten ihn den «Stein der Weisen», das ist nichts anderes als der voll verstandene Kohlenstoff. Er hat nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu erzeugen, Sauerstoffsäuren oder sauerstoffsaure Salze. Die aber regen den Gedanken an, und jedesmal wenn wir bildhaft lebendig das Kind beschäftigen, regen wir die Kohlensäurebildung und damit das Denken an. Jedesmal, wenn wir das Kind anleiten, gleichzeitig während des Denkens etwas zu tun, rufen wir einen Gleichgewichtszustand herbei zwischen der Kohlensäurebildung und der Zyanerzeugung; und darauf kommt im menschlichen Leben eigentlich alles an, daß diese zwei Dinge im Gleichmaß erzeugt werden.
[ 4 ] So you see that every time we set people in motion, we are faced with the responsibility of intervening in processes that are, in fact, processes of death and illness. We therefore have the task, on the other hand, of recognizing that this process of illness is counterbalanced by the process of healing, which lies in what I already mentioned this afternoon: At all times, a process in the lower part of the human being must be counterbalanced by a corresponding process in the upper part. Just as carbon tends to form nitrogen compounds downward, so does it tend to form oxygen compounds upward. The alchemists of old called it the “Philosopher’s Stone”; this is nothing other than carbon fully understood. It has a tendency upward to produce oxygen compounds—oxygen acids or oxygen-acid salts. These, however, stimulate thought, and every time we engage the child in vivid, imaginative activities, we stimulate the production of carbon dioxide and, with it, thinking. Every time we guide the child to do something while thinking, we bring about a state of equilibrium between the formation of carbon dioxide and the production of cyanide; and this is actually what everything in human life depends on—that these two things are produced in equal measure.
[ 5 ] Wenn zum Beispiel der Mensch nur intellektuell beschäftigt wird, so wird eigentlich sein Kohlensäurebildungsprozeß zu stark angetrieben. Es entsteht eine Übersättigung des oberen Organismus mit Kohlensäure. Nun wirkt eine richtige, taktvoll geleitete musikalische Erziehung gegen das übermäßige Erzeugen dieses Kohlensäureprozesses, macht den Menschen wieder geeignet, Tätigkeit, wenigstens innere Tätigkeit einzufügen in den Kohlensäureprozeß. Wir greifen in der Tat, wenn wir einen Lehrplan machen und zum Beispiel Musikunterricht und anderen Unterricht verteilen, wir greifen in Erkrankungs- und Gesundungsprozesse des menschlichen Organismus unmittelbar ein. Ich sage Ihnen diese Dinge heute nicht bloß um der Materie willen, die ich Ihnen auseinandersetze, obwohl ich glaube, daß diese Dinge zu den allerinteressantesten gehören, zu denen man in der Physiologie kommen kann, denn dadurch sieht man erst hinein in das lebendige Leben und Treiben dessen, was die Stoffe und Kräfte im menschlichen Inneren sind. Im menschlichen Organismus findet fortwährend Kränkung und Heilung statt, und alles, was er tut, wozu er angeleitet wird, greift ein in diesen Prozeß der Kränkung und Heilung. So muß man aus diesem Wissen heraus das Verantwortungsgefühl und das rechte Bewußtsein dessen, was man ist als Lehrer und Erzieher, schöpfen, muß sich in aller Bescheidenheit im Lehrerberuf wichtig zu nehmen wissen, muß wissen, daß man sich hineinstellt in die Orientierung eines im eminentesten Sinne kosmischen Prozesses, daß man Mitschöpfer an der eigentlichen Weltregierung wird, indem man Erzieher wird. Auf den Gemütswert, den so etwas für das Bewußtsein hat, möchte ich heute besonderen Wert legen.
[ 5 ] For example, if a person is engaged solely in intellectual activity, the process of carbon dioxide production is actually stimulated too strongly. This results in an oversaturation of the upper organism with carbon dioxide. Now, a proper, tactfully guided musical education counteracts the excessive production of this carbon dioxide process, making the person capable once again of incorporating activity—at least inner activity—into the carbon dioxide process. In fact, when we design a curriculum and, for example, allocate music lessons and other subjects, we are directly intervening in the processes of illness and healing within the human organism. I am not telling you these things today merely for the sake of the subject matter I am explaining to you, although I believe that these matters are among the most fascinating one can encounter in physiology, for it is only through them that one gains insight into the living activity and dynamics of the substances and forces within the human being. In the human organism, illness and healing are constantly taking place, and everything a person does—everything they are guided to do—intervenes in this process of illness and healing. Thus, drawing on this knowledge, one must cultivate a sense of responsibility and a true awareness of what one is as a teacher and educator; one must know how to take oneself seriously in the teaching profession with all humility; one must know that one is aligning oneself with a process that is cosmic in the most eminent sense, that one becomes a co-creator in the very governance of the world by becoming an educator. Today I would like to place special emphasis on the emotional value that such an understanding holds for our consciousness.
[ 6 ] Dann, wenn man dies durchschaut, wird einem jede einzelne Handhabung außerordentlich wichtig sein. Denken Sie, wie oft ich gesagt habe, derjenige verkennt die ganze menschliche Entwickelung, der nur immer trivialen Anschauungsunterricht treiben will und dem Kinde nichts weiter beibringen will, als was es schon versteht; denn er sieht nicht ein, daß manches, was man einem Kinde im 8., 9. Lebensjahr beibringt, nur angenommen wird von dem Kind, wenn sich das Kind einem geliebten Lehrer gegenübersieht, auf eine selbstverständliche Autorität hin, weil der Lehrer dem Kind repräsentieren soll die ganze Welt von Wahrheit, Schönheit und Güte. Was der Lehrer für schön hält, soll dem Schüler schön sein, was der Lehrer für gut hält, soll den Schülern gut sein, was der Lehrer für wahr hält, soll dem Schüler wahr sein. Auf diese selbstverständliche Autorität zwischen dem Lebensalter vom Zahnwechsel und der Geschlechtsreife muß alles aufgebaut sein. Was man unter dem Impuls der selbstverständlichen Autorität aufnimmt, hat man nicht immer verstanden, sondern hat es aufgenommen, weil man den Lehrer liebt. Im späteren Alter, zum Beispiel im 35. Lebensjahr, kommt es dann herauf und bedeutet eine wesentliche Belebung des ganzen inneren Seins des Menschen. Derjenige, der sagt, man muß einem Kinde bloß triviale Anschauungsbilder beibringen, der sieht nicht hinein in die menschliche Natur, der weiß nicht, was es für eine vitale Kraft enthält, wenn der Mensch so etwas im 35. Jahr heraufholen kann, was er einst auf die Liebe zum Lehrer hin aufgenommen hat. Jetzt können Sie einsehen, was das für eine innere Bedeutung hat. Der Prozeß im Menschen, welcher der Ausgleich zwischen dem Kohlensäureund Zyanprozeß ist, wird wesentlich unterstützt, wesentlich belebt dadurch, daß so etwas in dem Zustand tief unten bleibt in der menschlichen Natur wie etwas, was man in Liebe aufgenommen hat im 8., 9. Jahr, das dann im Verborgenen sich hält und später, nach Jahrzehnten, verstanden wird. Was sich abspielt zwischen dem Aufnehmen und Verstandenwerden, was in der Seele unmittelbar in dem Gleichgewichtsprozeß zwischen unterem und oberem Menschen mit dem entsprechenden Verhalten des Kohlenstoffes steht, hat den allergrößten Einfluß.
[ 6 ] Once you see through this, every single teaching method will become extraordinarily important to you. Think of how often I have said that anyone who insists on teaching only trivial, concrete examples and who wants to teach a child nothing more than what it already understands fails to grasp the whole of human development; for they fail to realize that much of what is taught to a child in the 8th or 9th year of life is accepted by the child only when the child is faced with a beloved teacher, out of a natural sense of authority, because the teacher is meant to represent to the child the entire world of truth, beauty, and goodness. What the teacher considers beautiful should be beautiful to the student; what the teacher considers good should be good to the students; what the teacher considers true should be true to the student. Everything must be built upon this natural authority during the period between the loss of baby teeth and puberty. What one absorbs under the impulse of this natural authority is not always fully understood; rather, it is absorbed because one loves the teacher. Later in life—for example, at the age of 35—it then resurfaces and brings about a profound revitalization of the person’s entire inner being. Anyone who says that one need only teach a child trivial visual images fails to see into human nature; they do not know what a vital force is contained within a person when, at the age of 35, they can bring to the surface what they once absorbed out of love for their teacher. Now you can see what inner significance this has. The process within the human being—which is the balance between the carbonic acid and cyanide processes—is substantially supported and substantially enlivened by the fact that such a thing remains deep within human nature as something that was absorbed out of love in the 8th or 9th year, which then remains hidden and is understood later, after decades. What takes place between the act of taking in and the act of understanding—which in the soul corresponds directly to the balancing process between the lower and upper human beings and the corresponding behavior of carbon—has the greatest influence of all.
[ 7 ] Natürlich können Sie im einzelnen in den Methoden diese Dinge nicht anwenden; aber Sie selbst können, getragen von dieser Menschenerkenntnis, das Schulzimmer betreten und in dem einen oder anderen Gebiete des Unterrichtes das eine oder das andere wiederum benützen, und es kann dann benützt werden; denn wer ein solches Wissen hat, bei dem tritt schon eine bestimmte Folge ein. Man kann unterscheiden, ob einer ein innerlich bewegliches Wissen hat oder ein innerlich unbewegliches Wissen. Wer nur ein Wissen davon hat, daß es Diamanten, Graphit und Heizkohle gibt und dabei stehenbleibt, wie diese Dinge draußen in der außermenschlichen Natur sind, bei dem wird die Geschichte nicht sehr lebendig werden. Aber wer ein Wissen davon hat, daß der Kohlenstoff, der in der Kohle, im Graphit und so weiter ist, eigentlich da drinnen im Menschen lebt als ein so weit sich metamorphosierender Stoff, daß er nach der einen Seite hin nur in tötende Verbindungen, auf der anderen Seite nur in Auferstehungsverbindungen eingeht; wer also nicht nur davon redet, daß die Metamorphosen des Kohlenstoffes da sind, die durch die verschiedenen Lebensalter der Erde bedingt sind als Diamant, Kohle, Graphit, wer einen Sinn dafür hat, daß da noch ganz andere Metamorphosen da sind für den Kohlenstoff im Menschen, daß er innerlich lebendig wird, ja sich vergeistigt, daß er zwischen Tod und Leben vermitteln kann — wer das verstehen kann, der hat in diesem Verständnis einen unmittelbaren Quell der Inspiration. Wenn Sie das verstehen können, fällt Ihnen in der Schule die richtige Methode ein, und darauf kommt es an, daß einem die richtige Methode einfällt, nicht daß man durchsäuert im Schulzimmer drinnensteht, daß man es den Augen des Lehrers ansieht, daß er durchsäuert ist, daß er griesgrämig vor den Kindern steht. Das ist nicht möglich, wenn man ein innerlich bewegliches Wissen, schaffendes Wissen hat. Dann entsteht in aller Bescheidenheit das Wichtignehmen, das man nötig hat gerade zu dem Unterricht. Das wirkt bis in die Gesichtszüge des Unterrichtenden hinein. Natürlich sind die Gesichtszüge dann vom Ätherischen und Astralischen überstrahlt und verbinden sich mit dem, was äußere Form ist, zu einem Ganzen.
[ 7 ] Of course, you cannot apply these things in detail within the individual methods; but you yourself, guided by this understanding of human nature, can enter the classroom and, in one area or another of instruction, make use of one thing or another—and it can then be put to use; for when one possesses such knowledge, a certain effect already takes place. One can distinguish between whether someone possesses knowledge that is inwardly dynamic or knowledge that is inwardly static. For those who merely know that diamonds, graphite, and coal exist—and stop there, focusing only on how these things appear in the external, non-human world—history will not come alive for them. But whoever has knowledge that the carbon found in coal, graphite, and so on actually lives within the human being as a substance undergoing such extensive metamorphosis that, on the one hand, it enters only into life-destroying compounds, and on the other hand, only into life-giving compounds; who, therefore, does not merely speak of the metamorphoses of carbon—which are determined by the Earth’s various geological eras and manifest as diamond, coal, graphite—but who also has a sense that there are entirely different metamorphoses for carbon within the human being, that it becomes alive inwardly, indeed spiritualizes itself, that it can mediate between death and life—whoever can understand this has, in this understanding, a direct source of inspiration. If you can understand this, the right method will come to you in school, and that is what matters—that the right method comes to mind—not that you stand there in the classroom feeling drained, that you can see in the teacher’s eyes that he is drained, that he stands before the children in a bad mood. That is not possible if you possess a knowledge that is inwardly dynamic, a creative knowledge. Then, in all humility, the sense of importance arises that is necessary precisely for teaching. This extends even into the teacher’s facial features. Of course, the facial features are then illuminated by the etheric and astral and merge with the outer form to become a whole.
[ 8 ] Das Gesicht des Menschen, wenn er ein Lehrer ist, hat drei Nuancen und alle Zwischenzustände dazu. Dasjenige Gesicht, mit dem er einem sonst im Leben begegnet, wenn er vergißt, daß er ein Lehrer ist und einfach mit einem sich unterhält, das Gesicht, das er hat, wenn er vom Unterricht los ist und aus dem Klassenzimmer tritt, und das Gesicht, das er hat, wenn er drinnensteht. Man schämt sich für die menschliche Natur manchmal, wenn man den großen Unterschied sieht im Antlitz des Lehrers, wenn er hineingeht in die Klasse, und dann, wenn er herausgeht. Das sind Dinge, die mit dem ganzen Bewußtsein des Lehrers zusammenhängen. Vielleicht tröstet Sie das ein bißchen, daß ich Ihnen sage: Jedes Gesicht wird unter dem Einfluß eines tätigen, eines vitalen Wissens doppelt so schön, als es sonst ist. Jedes Gesicht wird doppelt so schön, es ist so; aber es muß das Wissen wirken, es muß das Wissen leben, und Lehrergesichter sollten namentlich während des Unterrichtes immer leben, sollten von innen heraus viel sagen. Es kommt mir bei alledem, was ich Ihnen jetzt sage, nicht darauf an, daß Sie alle diese Dinge wissen, die ich Ihnen sage, sondern daß dies auf Ihr Gemüt wirkt und Sie stärkt und kräftigt in der Durchgeistigung Ihres Berufes, den Sie haben.
[ 8 ] A teacher’s face has three distinct expressions and all the nuances in between. The expression with which he otherwise encounters you in life—when he forgets that he is a teacher and is simply chatting with you—the expression he has when he’s done teaching and steps out of the classroom, and the expression he has when he’s standing inside it. One is sometimes ashamed of human nature when one sees the great difference in the teacher’s expression as he enters the classroom and then as he leaves it. These are things connected to the teacher’s entire state of mind. Perhaps it will comfort you a little when I tell you: Every face becomes twice as beautiful as it otherwise is under the influence of active, vital knowledge. Every face becomes twice as beautiful—that is true; but the knowledge must be at work, it must be alive, and teachers’ faces, especially during class, should always be alive, should speak volumes from within. In all that I am telling you now, my aim is not that you know all these things I am saying, but rather that this should have an effect on your spirit and strengthen and invigorate you in the spiritualization of your profession.
[ 9 ] Der Lehrer sollte besonders heute sich seiner großen sozialen Aufgabe bewußt werden, sollte eigentlich über diese soziale Aufgabe viel meditieren. Denn wer anders als der Lehrer sollte es denn sein, der sich ganz durchdringt mit dem, was der heutigen Zivilisation notwendig ist?
[ 9 ] Teachers, especially today, should be aware of their great social responsibility; in fact, they should reflect deeply on this social responsibility. For who else but teachers should be fully attuned to what today’s civilization needs?
[ 10 ] Ich will Ihnen heute ein naheliegendes Beispiel sagen von dem, was man braucht, um sich in der richtigen Weise in die Gegenwartszivilisation hineinzustellen. Sie haben gehört von dem Mahatma Gandhi, der in den letzten Jahren seit dem Krieg, eigentlich schon seit 1914, in Indien eine Bewegung ins Leben gerufen hat, die man die indische Befreiungsbewegung von der englischen Herrschaft nennen kann. Dieser Mann hat zuerst in Südafrika seine Tätigkeit entfaltet zugunsten der dort lebendenden Inder, die eigentlich in einer furchtbaren Lage waren und für deren Befreiung er viel getan hat bis 1914. Dann ist er nach Indien selbst gegangen und hat dort die Freiheitsbewegung ins Leben gerufen. Ich will heute nur reden über die Szenen der letzten Verurteilung des Mahatma Gandhi, und auch da nicht über die vorhergehende Gerichtsverhandlung, sondern nur über das, was sich als letzter Akt abgespielt hat zwischen ihm und seinem Richter. Mahatma Gandhi war angeklagt, das indische Volk aufzuwiegeln gegen die englische Weltherrschaft, Indien unabhängig zu machen. Da er Advokat ist, hat er seine eigene Verteidigung übernommen, und es war ja gar kein Zweifel für ihn, daß er verurteilt werden mußte. Er hielt zunächst seine Verteidigungsrede — ich kann sie nicht wörtlich zitieren —, sie lautete etwa so: Meine Herren Richter, ich bitte, mich nach der ganzen Strenge des Gesetzes zu verurteilen. Ich bin mir vollständig bewußt dessen, daß ich vor der englischen Gesetzgebung in Indien ein Verbrecher bin, daß ich also unbedingt verurteilt werden muß, und daß im Sinne der englischen Gesetzgebung mein Verbrechen das denkbar größte ist. Ich bitte nicht um mildernde Umstände, ich bitte, mich ohne mildernde Umstände nach der ganzen Strenge des Gesetzes zu verurteilen. Ich bemerke außerdem noch, daß nicht nur die Gründe der äußeren Justiz dafür sprechen, daß ich verurteilt werde, sondern es spricht auch der Nützlichkeitsstandpunkt der englischen Regierung dafür. Denn wenn ich freigelassen würde, würde ich mich veranlaßt sehen, die Bewegung fortzusetzen und Millionen Inder würden sich anschließen. Das würde zu einem Resultat führen, das ich als im Sinne meiner Pflicht gelegen ansehe.
[ 10 ] Today I want to give you an obvious example of what is needed to position oneself correctly within modern civilization. You have heard of Mahatma Gandhi, who in the years since the war—in fact, as early as 1914—launched a movement in India that can be called the Indian liberation movement from British rule. This man first began his work in South Africa on behalf of the Indians living there, who were actually in a terrible situation, and for whose liberation he did a great deal up until 1914. Then he went to India itself and launched the freedom movement there. Today I want to speak only about the scenes surrounding Mahatma Gandhi’s final conviction—and even then, not about the preceding trial, but only about what took place as the final act between him and his judge. Mahatma Gandhi was accused of inciting the Indian people to rise up against British global domination and to make India independent. Since he was a lawyer, he took on his own defense, and there was, of course, no doubt in his mind that he would have to be convicted. He first delivered his defense speech—I cannot quote it word for word—but it went something like this: “Your Honors, I ask that you sentence me to the full extent of the law. I am fully aware that, under British law in India, I am a criminal, that I must therefore be convicted without exception, and that, under British law, my crime is the gravest conceivable. I do not ask for mitigating circumstances; I ask that you convict me without mitigating circumstances, to the full extent of the law.” I would also like to note that it is not only the principles of external justice that call for my conviction, but also the utilitarian standpoint of the British government. For if I were set free, I would feel compelled to continue the movement, and millions of Indians would join me. That would lead to a result that I consider to be in accordance with my duty.
[ 11 ] Nehmen Sie den Inhalt dieser Rede, so haben Sie damit schon etwas, was sehr bezeichnend ist für das, was in unserer Zeit lebt und webt. Der Mann bezeichnet es also als eine Notwendigkeit, verurteilt zu werden, erklärt es als seine Pflicht, seine Tätigkeit wieder fortzusetzen, für die er verurteilt werden wird. Der Richter erwidert darauf: Mahatma Gandhi, Sie haben mir die Fällung des Urteilsspruches außerordentlich erleichtert; denn dadurch geht hervor, daß ich in die Notwendigkeit versetzt werde, Sie zu verurteilen. Es ist selbstverständlich, daß Sie sich vergangen haben gegen das englische Gesetz, aber Sie und alle Anwesenden werden einsehen, wie schwer es mir wird, Sie zu verurteilen; denn es ist klar, daß ein großer Teil des indischen Volkes Sie ansieht als einen Heiligen, als einen Menschen, der seine Aufgabe gegenüber den höchsten Pflichten der Menschheit ergriffen hat, und daß der Urteilsspruch, den ich fällen werde, von einem großen Teil der Inder angesehen werden wird wie die Verurteilung eines Menschen, der sich in den höchsten Dienst der Menschheit gestellt hat. Aber es muß die ganze Schärfe des englischen Gesetzes selbstverständlich angewendet werden. Sie müßten es als Ihre Pflicht ansehen, wenn Sie freigelassen würden, morgen das fortzusetzen, was Sie gestern getan haben. Wir müssen es als unsere ernste Pflicht ansehen, das unmöglich zu machen. Ich verurteile Sie selbstverständlich in dem Bewußtsein, daß mein Urteilsspruch von Millionen von Menschen verurteilt wird. Ich verurteile Sie in Bewunderung Ihrer Taten, aber ich muß Sie verurteilen. — Sechs Jahre schweren Kerkers war der Urteilsspruch.
[ 11 ] If you consider the content of this speech, you already have something that is very indicative of what is alive and at work in our time. The man thus describes being convicted as a necessity and declares it his duty to resume the activity for which he will be convicted. The judge replies: “Mahatma Gandhi, you have made it exceedingly easy for me to deliver the verdict; for this shows that I am compelled to convict you. It goes without saying that you have violated English law, but you and everyone present will understand how difficult it is for me to convict you; for it is clear that a large portion of the Indian people regard you as a saint, as a man who has taken upon himself the task of fulfilling the highest duties of humanity, and that the verdict I am about to deliver will be viewed by a large portion of the Indian people as the condemnation of a man who has placed himself in the highest service of humanity. But the full severity of English law must, of course, be applied. You would consider it your duty, were you released, to continue tomorrow what you did yesterday. We must consider it our solemn duty to make that impossible. I am, of course, sentencing you in the full knowledge that my verdict will be condemned by millions of people. I am sentencing you while admiring your deeds, but I must sentence you. — The sentence was six years in a hard labor prison.
[ 12 ] Man kann das, was in der Gegenwart lebt und webt, nicht eklatanter charakterisieren. Zwei Niveaus des Seins hat man vor sich, unten das Niveau der Wahrheit, das Niveau, wo der Angeklagte erklärt, es ist seine heilige Pflicht, wenn er freigelassen wird, das fortzusetzen, was er gegenüber dem äußerlichen Gesetz als Verbrechen definieren muß. Wir haben unten das Niveau der Wahrheit in der Aussage des Richters, daß er den bewundere, den er aus der Pflicht gegen seine Regierung zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt. Sie haben oben auf dem Niveau dessen, was geschieht, dasjenige, was der Angeklagte in diesem Falle, weil er eine große Seele ist, als Verbrechen bezeichnet. Das Verbrechen, das seine Pflicht ist, das er auch sofort fortsetzen würde, wenn er freigelassen würde. Während Sie unten die Bewunderung des Richters für einen großen Menschen haben, haben Sie oben die Fällung des Urteilsspruches und dessen äußere Rechtfertigung. Sie haben unten Wahrheiten und oben Tatsachen, die nichts miteinander zu tun haben. Sie berühren sich in keinem Punkt, nur in dem Punkt, daß man sie in Rede und Gegenrede einander gegenüberstellt.
[ 12 ] One cannot describe what lives and weaves in the present more strikingly. There are two levels of being before us: below, the level of truth—the level where the defendant declares that it is his sacred duty, if he is released, to continue what he must define as a crime in the eyes of external law. We have the level of truth below, in the judge’s statement that he admires the man whom he is sentencing to six years of harsh imprisonment out of a sense of duty toward his government. Above, on the level of what is happening, we have what the defendant, in this case—because he is a great soul—describes as a crime. The crime that is his duty, which he would also continue immediately if he were released. While below you have the judge’s admiration for a great man, above you have the passing of the sentence and its outward justification. Below you have truths, and above you have facts that have nothing to do with one another. They do not intersect at any point, except in the sense that they are set against one another in speech and counter-speech.
[ 13 ] Ja, meine lieben Freunde, da tritt an einem eklatanten Punkt das zutage, daß wir heute das Niveau der Wahrheit haben und das Niveau der Unwahrheit. Aber das Niveau der Unwahrheit im öffentlichen Geschehen. Und beide berühren sich in keinem Punkte. Das müssen wir uns vor Augen stellen; denn das hängt innig zusammen mit dem, was das ganze Geistesleben unserer Zeit bedeutet. An einem solchen eklatanten Punkte zeigt sich, was sonst überall weniger eklatant, weniger auffallend da ist. Aber wir müssen erst ein richtiges Bewußtsein von dem erzielen, was zu geschehen hat in der Gegenwart, um die Wahrheit an die Stelle desjenigen zu setzen, was gegenwärtig geschieht. Nur muß man den richtigen Weg finden, um natürlich nicht alles umzuwerfen, um nicht in irgendeinem falschen Radikalismus, der zu nichts führt als zur Zerstörung, dasjenige zu sehen, was man tun kann. Man muß die Möglichkeit finden, eine klare Einsicht zu haben, und dann an demjenigen Punkt wirken, wo in fruchtbarer Weise gewirkt werden kann.
[ 13 ] Yes, my dear friends, this is a striking example that reveals how today we have the level of truth and the level of untruth. But the level of untruth is found in public affairs. And the two do not intersect at any point. We must keep this in mind, for it is intimately connected with the meaning of the entire spiritual life of our time. At such a striking point, what is otherwise present everywhere in a less striking, less conspicuous way becomes apparent. But we must first attain a true awareness of what must happen in the present in order to replace what is currently happening with the truth. However, we must find the right path—so as not to overturn everything, of course, and so as not to view what can be done through the lens of some false radicalism that leads to nothing but destruction. We must find a way to gain clear insight and then act at the point where we can have a fruitful impact.
[ 14 ] Und am fruchtbarsten kann gewirkt werden gerade auf dem Gebiete des Unterrichts und der Erziehung. Da kann selbst, wenn wir in einem ganz tyrannisch geführten Unterricht stehen, der Lehrer einfließen lassen das, was ihm aus einem richtigen Erzieher- und Unterrichterberuf kommt; aber er muß Begeisterung haben aus einer Menschenerkenntnis, die totes Wissen belebt, und auf der anderen Seite Enthusiasmus, der hervorgeht aus einer wirklich unbefangenen Auffassung desjenigen, was heute im Leben eigentlich da ist. Man muß sich klar sein: äußerlich im Leben steht man auf dem Niveau oben; aber als Lehrer dem Kinde gegenüber ist es möglich, das Niveau unten einzuhalten. Aber nicht dadurch, daß man phrasenhafte Pädagogik treibt, sondern dadurch, daß man enthusiasmiert werden kann in bezug auf seinen Beruf, in bezug auf das Bewußtsein seines Berufes, daß man emanzipiert werden kann von demjenigen, was Zwangsmäßiges ist in der Erziehertätigkeit und enthusiasmiert durch dasjenige, was einem als Grandioses in der Menschenerkenntnis entgegentritt. Wirklich, es ist manchmal etwas ungeheuer Schmerzliches, wenn man heute zum Beispiel zu Anthroposophen redet und eigentlich gezwungen ist, den Leuten lauter Dinge zu sagen, die, ich meine das nicht im schlimmen Sinne, doch die Welt auf den Kopf stellen in bezug auf das, was die Menschen gelernt haben, und es wird gar nicht aufgepaßt. Wenn man das ganze Schwergewicht dessen erfaßt, was es heißt, über so etwas wie, sagen wir zum Beispiel, das meteorische Eisen so zu reden, wie das gestern geschehen ist, so ist man erstaunt, mit welcher Gleichgültigkeit so etwas hingenommen wird. Von denjenigen, die nichts gelernt haben, begreife ich es; von denjenigen, die die wissenschaftlichen Begriffe über das Eisen aufgenommen haben, begreift man es nicht. Aber so ist die Welt einmal heute.
[ 14 ] And it is precisely in the field of teaching and education that the most fruitful work can be done. Even when we find ourselves in a classroom run in a completely tyrannical manner, the teacher can infuse it with what comes from a true vocation as an educator and instructor; but they must possess a passion rooted in an understanding of human nature that breathes life into dead knowledge, and, on the other hand, an enthusiasm that springs from a truly unbiased view of what actually exists in life today. One must be clear about this: outwardly in life, one stands at the higher level; but as a teacher facing a child, it is possible to remain at the lower level. But not by engaging in clichéd pedagogy, but rather by allowing oneself to be inspired by one’s profession, by the awareness of one’s profession—by being liberated from what is coercive in the work of education and inspired by what appears to one as magnificent in the understanding of human nature. Truly, it is sometimes incredibly painful when, for example, one speaks to anthroposophists today and is actually forced to tell people things that—and I don’t mean this in a bad way—turn the world upside down in relation to what people have learned, and yet no one is paying any attention at all. When one grasps the full weight of what it means to speak about something like—let’s say, for example—meteoric iron in the way that was done yesterday, one is astonished at the indifference with which such a thing is accepted. I understand it from those who have learned nothing; but from those who have taken on board the scientific concepts regarding iron, one cannot understand it. But that’s just the way the world is today.
[ 15 ] Aber so darf die Welt nicht sein im Kopf und namentlich im Herzen des Erziehers und Unterrichters. Der muß impulsiert sein von dem Bewußtsein: alles Wissen, in das wir hineingekommen sind durch das neuere Wissen, ist totes Wissen; und wir müssen aus dem Tod heraus ein Lebendiges schaffen, und nur dieses können wir in der Schule brauchen, was aus diesem Enthusiasmus heraus kommt. Wenn Sie durchdrungen sind auf der einen Seite von dem, was Ihnen aufgehen kann durch eine solche Menschenerkenntnis, auf der anderen Seite von dem Bewußtsein der Notwendigkeit, daß Wahrheit gesetzt werden muß anstelle der Lüge, was anerkannt ist — denn man kann es nicht in grandioserer Weise anerkennen, wie in der Gerichtsverhandlung, die ich Ihnen geschildert habe —, wenn man durchdrungen ist von dieser Notwendigkeit und weiß, daß es vor allem Aufgabe des Lehrers ist, sich die Richtung zu geben aus einer Erkenntnis dieser Notwendigkeit heraus, aus einer Erkenntnis des Krassen, das darin liegt, wie heute im öffentlichen Leben Wahrheit aussieht, dann geht etwas im Menschen vor, was auf alle Gebiete abfärbt. Sie werden ein anderer Eurythmielehrer, anderer Kunsthistoriker, ein anderer Mathematiklehrer, auf jedem Gebiet werden Sie anders, wenn $ie in realem Sinn durchzogen sind von diesem Bewußtsein. Auf diesen Enthusiasmus kommt alles an. Es ist nicht die Zeit, wo man sich knifflig über Finessen dieser oder jener Methode zu unterhalten hat; wir müssen Leben in die Welt bringen, die vor der Gefahr steht, sich durch ihr Totes, Intellektualistisches weiter zu töten.
[ 15 ] But the world must not be like this in the mind—and especially in the heart—of the educator and teacher. They must be driven by the awareness that all the knowledge we have acquired through modern scholarship is dead knowledge; and we must create something alive out of this death, and only what springs from this enthusiasm can be of use to us in school. If you are imbued, on the one hand, with what can dawn on you through such an understanding of human nature, and on the other hand, with the awareness of the necessity that truth must be set in place of the lie—which is acknowledged, for there is no more magnificent way to acknowledge it than in the court proceedings I have described to you— if one is imbued with this necessity and knows that it is above all the teacher’s task to set one’s course based on an understanding of this necessity—on an understanding of the stark reality of what truth looks like in public life today—then something takes place within a person that rubs off on every area of life. You will become a different eurythmy teacher, a different art historian, a different math teacher; in every field you will be different if you are, in the truest sense, permeated by this awareness. Everything depends on this enthusiasm. This is not the time to engage in pedantic discussions about the subtleties of this or that method; we must bring life into a world that faces the danger of killing itself further through its dead, intellectualistic ways.
[ 16 ] Man hat sich im Grunde genommen abgewöhnt, innerlich entsetzt zu sein über die Dinge, die da sind. Aber mit dem bloß ein gelangweiltes Gesicht machen gegenüber den Dingen, die abgewiesen werden müssen in unserer Zeit der Zivilisation, mit dem kann man ganz gewiß nicht erziehen. Das ist es, was so notwendig macht, eben von Zeit zu Zeit auch einmal Dinge zu besprechen, die aus einer solchen Ecke herauskommen, daß sie unser Gemüt ergreifen können. Wenn Sie nur von diesen Betrachtungen mit dem Gefühl weggehen heute: Es muß das, was geistig heute die Welt regiert, anders werden —, dann haben Sie das, was ich eigentlich mit diesen Vorträgen meine.
[ 16 ] Basically, we have lost the habit of being inwardly horrified by the things that exist. But simply putting on a bored face in the face of the things that must be rejected in our age of civilization—that is certainly no way to educate. That is precisely why it is so necessary, from time to time, to discuss matters that come from such a perspective that they can stir our hearts. If you walk away from these reflections today with the feeling that what currently governs the world spiritually must change—then you have grasped what I actually mean by these lectures.
[ 17 ] Der Drache hat die verschiedenste Gestalt; der Drache hat alle möglichen Gestalten. Die von menschlichen Emotionen kommenden sind schädlich genug, aber die sind nicht so schädlich wie diejenige Gestalt, die der Drache von dem toten, von dem ertötenden Wissen der Gegenwart bekommt. Da wird der Drache ganz besonders scheußlich, und eigentlich möchte man sagen, das eigentliche Symbolum der heutigen höheren Lehranstalten müßte sein: ein dickes schwarzes Tuch, und das müßte im Grunde genommen in jedem Hörsaal irgendwo an der Wand hängen. Man wüßte, dahinter ist etwas, aber das darf keinem Menschen gezeigt werden, weil damit ein merkwürdiges Licht geworfen würde auf das, was da getrieben wird. Und hinter dem schwarzen Tuch müßte das Bild des Kampfes des Michael mit dem Drachen sein. Der Kampf mit der ertötenden Intellektualität. Das, was heute gesagt ist, ist die Form, wie heute der Streit Michaels mit dem Drachen unter Lehrern und Erziehern leben soll. Das ist, was ich Ihnen darstellen wollte; wir müssen dahin kommen, diesen Michaels-Streit wieder als eine Realität vor uns hinzustellen, um das Michaels-Fest in der richtigen Weise begehen zu können. Und niemand ist eigentlich mehr berufen, in dieses Herbeiführen des Michaels-Festes in der rechten Weise einzugreifen als gerade der Lehrer und Erzieher. Er muß sich ganz besonders verbinden mit dem Michael; denn zeitgemäß heute leben, heißt, in den Drachen hineinkriechen und den alten intellektuellen Betrieb fortsetzen. In der Wahrheit leben, heißt, sich mit dem Michael verbinden. Dem Michael müssen wir uns verbinden, wenn wir in das Schulzimmer eintreten; den nur dadurch können wir die nötige Stärke hineinbringen. Und Michael ist stark. Verstehen wir den Streit Michaels mit dem Drachen auf einem besonderen Gebiete, dann wirken wir zum Heile der Menschheit in der Zukunft. So daß ich, wenn ich diesen Betrachtungen hätte einen Titel geben sollen, hätte sagen müssen: Der Streit des Michael mit dem Drachen, dargestellt für die Waldorfschul-Lehrerschaft. — Man sollte gar nicht sprechen von der Möglichkeit, jetzt schon irgendwelche Michaels-Feste zu begehen, sondern nur daran denken: wie führt man auf den verschiedensten Gebieten des Lebens ein solches Bewußtsein herbei, daß ein Michaels-Fest angeknüpft werden kann. Wenn man in der Tat in der Lage ist, dasjenige, was in dieser Weise innerlich herzlich uns durchdringt, uns seelenvoll machen kann, wenn man das wieder in voller Ruhe in das Schulzimmer hineinträgt und drinnen hält in voller Ruhe, nicht in zappelnder Agitation, nicht in renommierenden, phrasenhaften Reden, aber im einzelnen an anspruchslosem Tun sich begeistern läßt von dem, was im Bewußtsein entfacht werden kann durch die Hingabe an diese Notwendigkeit, dann schließt man das Bündnis mit dem Michael, wie es notwendig ist für den Lehrer und Erzieher. Ich möchte es in einer Formel, in die es sich selber schließt, bringen zu Ihrer Meditation, kann es Ihnen aber erst morgen in die Schule hinaufbringen.
[ 17 ] The dragon takes on the most diverse forms; the dragon takes on all manner of forms. Those arising from human emotions are harmful enough, but they are not as harmful as the form the dragon assumes from the dead, the deadly knowledge of the present. That is when the dragon becomes particularly hideous, and one might actually say that the true symbol of today’s institutions of higher learning should be a thick black cloth, which, in essence, should hang somewhere on the wall in every lecture hall. People would know there is something behind it, but it must not be shown to anyone, because that would cast a strange light on what is going on there. And behind the black cloth there should be the image of Michael’s battle with the dragon—the battle against deadly intellectualism. What has been said today is the form in which Michael’s battle with the dragon should live on among teachers and educators today. That is what I wanted to present to you; we must come to the point where we can once again present this battle of Michael as a reality before us, in order to be able to celebrate the Feast of Michael in the proper way. And no one is actually more called upon to intervene in bringing about the Feast of Michael in the right way than the teacher and educator. He must connect himself very particularly with Michael; for to live in keeping with the times today means to crawl into the dragon and continue the old intellectual routine. To live in truth means to connect with Michael. We must connect with Michael when we enter the classroom; for only in this way can we bring the necessary strength into it. And Michael is strong. If we understand Michael’s struggle with the dragon in a specific context, then we will work for the healing of humanity in the future. So that if I were to give these reflections a title, I would have to say: Michael’s Battle with the Dragon, Presented for the Waldorf School Teaching Staff. — We should not even speak of the possibility of celebrating any Michaelmas festivals at this time, but should only consider: how can we cultivate such an awareness in the most diverse areas of life that a Michaelmas festival can be established? If we are indeed able to allow that which permeates us so deeply and warmly in this way to fill our souls, if we can carry that back into the classroom in complete calm and maintain it there in complete calm—not in restless agitation, not in boastful, clichéd speeches— but rather allow oneself to be inspired, in the details of unassuming action, by what can be kindled in consciousness through devotion to this necessity—then one enters into the covenant with Michael, as is necessary for the teacher and educator. I would like to express this in a formula that encapsulates it for your meditation, but I can only bring it up to the school tomorrow.
