Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Contemporary Intellectual Life and Education
GA 307

12 August 1923, Ilkley

Translate the original German text into any language:

Versions Available:

Contemporary Intellectual Life and Education, tr. SOL
  1. Gegenwärtiges Geistesleben und Erziehung

Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Die Tage der Woche sind während dieses Kurses einer fachlichen Betrachtung des pädagogischen Wesens gewidmet. Lassen Sie uns heute den Sonntagsvortrag, der herausfallen soll in seinem Wesen und Inhalte aus der Reihe der pädagogischen Vorträge, dazu benützen, um aufzublicken von der irdischen Menschenerziehung, die wir uns als eine Kunst aneignen sollen, zu den großen göttlichen Erziehern der gesamten Menschheit, zu den Weltenerziehern, welche die Menschheit im Laufe der geschichtlichen Entwickelung von Epoche zu Epoche geführt haben, so daß in jeder Epoche Verschiedenes gerade in religiös-sittlicher Beziehung im Zusammenhange mit der Welterkenntnis von der Menschheit angestrebt werden sollte.

[ 1 ] During this course, each day of the week is devoted to a specialized examination of the nature of education. Let us use today’s Sunday lecture—which, in its nature and content, stands apart from the series of educational lectures—to lift our gaze from earthly human education, which we are to master as an art, to the great divine educators of all humanity, to the world educators who have guided humanity from epoch to epoch throughout the course of historical development, so that in each epoch humanity should strive for different things—particularly in religious and moral terms—in connection with its understanding of the world.

[ 2 ] Überblickt man die Geschichte als Ganzes, so erscheint sie doch trotz mannigfaltiger Wellentäler, Niederungen, die sich den Wellenbergen der aufsteigenden Entwickelung der Menschheit entgegenstellen, als eine fortlaufende Erziehung des Menschengeschlechtes, als ein immer erneutes Durchdringen mit dem, was man das religiös-sittliche Bewußtsein der Menschheit nennen kann.

[ 2 ] When one surveys history as a whole, it appears—despite the manifold troughs and lowlands that stand in opposition to the peaks of humanity’s ascending development—as a continuous education of the human race, as an ever-renewed permeation with what might be called humanity’s religious and moral consciousness.

[ 3 ] Derjenigen Initiationswissenschaft, welche ich in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» zu beschreiben versuchte und welche die heutige Initiationswissenschaft ist, die uns heute von dem bloßen Naturerkennen zu dem Geist-Erkennen führt, entsprach zu allen Zeiten, in allen Epochen der Menschheitsentwickelung eine irgendwie geartete Initiationswissenschaft. Und für diese Initiationswissenschaft erscheint der Gang der Menschheit ein dreigliedriger.

[ 3 ] The science of initiation that I attempted to describe in my book *How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?* and which is today’s science of initiation—leading us from the mere knowledge of nature to the knowledge of the spirit—has always had a corresponding science of initiation of one kind or another throughout all ages and epochs of human development. And for this science of initiation, the course of human history appears to be threefold.

[ 4 ] Man kann zurückblicken in eine sehr alte Entwickelungsepoche der Menschheit, die etwa ihren Abschluß gefunden hat im 8. vorchristlichen Jahrhundert. Man kann dann in eine Epoche der Menschheitsentwickelung blicken, welche ihren Glanz und ihre Sonne erhält durch das Mysterium von Golgatha, durch dasjenige, was durch den Christus Jesus als ein ewiger, immer dauernder Impuls in diese Menschheitsentwickelung hereingekommen ist. Und man kann dann eine dritte Epoche ins Auge fassen, eine Epoche, an deren Aufgang wir eigentlich jetzt stehen, und die wir gerade durch eine neuere Initiationswissenschaft zu vertiefen haben werden.

[ 4 ] One can look back to a very ancient epoch in human development that came to an end around the 8th century B.C. One can then look upon an epoch of human development that derives its splendor and light from the Mystery of Golgotha—from that which entered into this human development through Christ Jesus as an eternal, ever-lasting impulse. And one can then consider a third epoch—an epoch at the dawn of which we actually stand now, and which we will have to deepen precisely through a newer science of initiation.

[ 5 ] Jede dieser Epochen hat über dasjenige hinaus, was dem Menschen durch seine naturgemäße Entwickelung, durch Sinn und Verstand, Wollen und Fühlen wie von selbst und durch die gewöhnliche irdische Erziehung zukommt, noch nach etwas anderem gestrebt. Jede dieser Epochen hat ein großes, in das Menschenschicksal tief eingreifendes Weltenrätsel empfunden. Und in jeder Epoche hatte dieses Weltenrätsel in einer gewissen Beziehung eine andere Gestalt, weil die Menschheit verschiedene Seelenzustände in den verschiedenen Epochen durchgemacht hat. Nur einer heutigen abstrakten Zeit erscheinen die Menschenseelen, seit sie sich, wie man heute durch eine allerdings ungültige Hypothese annimmt, aus der Tierwelt heraus entwickelt haben, gleichgeartet.

[ 5 ] Each of these epochs has strived for something beyond what comes to human beings naturally through their inherent development—through reason and intellect, will and feeling—as if of their own accord, and through ordinary earthly education. Each of these epochs has sensed a great cosmic mystery that profoundly affects human destiny. And in each epoch, this cosmic mystery took on a different form in a certain respect, because humanity has undergone different states of soul in the various epochs. Only in today’s abstract age do human souls appear to be of the same nature, ever since they evolved from the animal kingdom—as is assumed today through a hypothesis that is, admittedly, invalid.

[ 6 ] Demjenigen, der durch eine vertieftere Wissenschaft unbefangener in die Wirklichkeit des Menschenlebens hineinschaut, dem erscheint die Menschenseele in der ersten genannten Epoche in einer ganz anderen Weise geartet als in jener Epoche, die sich erfreuen durfte des Eintrittes des Mysteriums von Golgatha, und wiederum anders, als in unserer Epoche, in der wir das Mysterium von Golgatha wiederum suchen müssen, damit wir nicht der Gefahr unterliegen, es für die Erkenntnis zu verlieren.

[ 6 ] To those who, through a deeper understanding of science, gaze more impartially into the reality of human life, the human soul appears, in the first epoch mentioned, to be of a completely different nature than in that epoch which was able to rejoice in the advent of the Mystery of Golgotha, and yet different still from our own era, in which we must once again seek the Mystery of Golgotha so that we do not run the risk of losing it to intellectual understanding.

[ 7 ] Wenn wir auf die Art und Weise hinblicken, wie die Menschenseelen im alten Orient geartet waren, aus dem uns herüberleuchtet die Vedenweisheit, die Vedantaphilosophie, und die wir heute wiederum - allerdings durch manches Mißverständnis — in der mannigfaltigsten Weise aufsuchen, wenn wir auf diese Seelen hinsehen, ja selbst wenn wir noch hinsehen auf die alten chaldäisch-assyrisch-babylonischen Seelen, auf die ägyptischen Seelen und selbst noch auf das griechische Wesen in seiner älteren Zeit, wie diese Vorträge über Pädagogik in diesen Tagen gezeigt haben, dann müssen wir die Menschenseelen in jenen Zeiten in einer ganz anderen Art sehen, als sie heute beschaffen sind.

[ 7 ] When we look at the nature of human souls in the ancient Orient—from which the wisdom of the Vedas and the philosophy of the Vedanta shine upon us, and which we today once again seek out in the most diverse ways—albeit through many misunderstandings—when we look at these souls, indeed, even when we look at the ancient Chaldean-Assyrian-Babylonian souls, the Egyptian souls, and even the Greek spirit in its earlier days—as these lectures on pedagogy have shown in recent days—then we must view human souls in those times as being of a completely different nature than they are today.

[ 8 ] Diese Menschenseelen empfanden viel mehr ein träumerisches, geistiges Leben als die heutige Seele, die in ihrem Wachleben ganz und gar angewiesen ist auf die Sinneseindrücke, auf dasjenige, was der Verstand aus diesen Sinneseindrücken machen kann und was in der Erinnerung von diesen Eindrücken als Seeleninhalt erhalten blieb.

[ 8 ] These human souls experienced a much more dreamlike, spiritual life than the soul of today, which in its waking life is entirely dependent on sensory impressions, on what the intellect can make of these sensory impressions, and on what has been preserved in memory from these impressions as the soul’s content.

[ 9 ] Alles, was so Eigentum der heutigen Seele ist, war nicht in derselben Weise bei den Seelen einer älteren Menschheitsepoche vorhanden. Es war bei diesen Seelen vielmehr eine instinktive Urweisheit vorhanden von dem inneren seelisch-geistigen Menschenleben. Nicht das war vorhanden, was wir heute aus der Gewohnheit unserer Sinneserkenntnis heraus als eine klarbewußte Einsicht ansehen, aber ein innerliches Weben und Leben, wie wir es abgeschwächt und abgeschattet im Traumleben haben, ein innerliches Leben, in dem sich für den Menschen nicht nur die Gewißheit ergab: du hast eine Seele, die den Körper durchwellt und durchwebt, die dein eigentliches Menschtum ausmacht, sondern du hast eine Seele, die hervorgegangen ist, bevor du dich in dem irdischen Dasein mit einem Leibe umkleidet hast, aus göttlich-geistigem Dasein.

[ 9 ] Everything that is now part of the modern soul was not present in the same way in the souls of an earlier epoch of humanity. Rather, these souls possessed an instinctive, primal wisdom regarding the inner, soul-spiritual life of the human being. What was present was not what we today, out of habit based on our sensory perception, regard as a clearly conscious insight, but rather an inner weaving and living, as we experience it in a weakened and shadowed form in our dream life—an inner life in which the human being was not merely certain that: “You have a soul that ripples through and weaves through the body, constituting your very humanity,” but also “You have a soul that emerged from a divine-spiritual existence before you clothed yourself in a body in earthly life.”

[ 10 ] Man möchte sagen: wie im wachen Träumen, so erlebte sich der Mensch in diesen älteren Epochen. Und er erlebte sich als Seele. Er erlebte sich als Seele so, daß für diese in elementarer Lebendigkeit innerlich empfundene und erlebte Seele der Körper etwas wie eine Art Umkleidung war, wie nur ein Werkzeug, um das Erdendasein zu vollbringen.

[ 10 ] One might say: just as in waking dreams, so did human beings experience themselves in those earlier epochs. And they experienced themselves as souls. They experienced themselves as souls in such a way that, for this soul—which was inwardly felt and experienced with elemental vitality—the body was something like a garment, merely a tool for carrying out earthly existence.

[ 11 ] Das Seelenbewußtsein, wenn auch traumhaft, war dasjenige, in dem der Mensch auch während des Wachens lebte. Und aus diesem Seelenerleben ging ihm mit voller Klarheit hervor, daß er, bevor er in einen physischen Leib auf Erden eingekleidet wurde, als Seele in einer geistigen Sphäre, in einer geistigen Welt, in einem göttlichen Reiche gelebt habe.

[ 11 ] The soul’s consciousness, though dreamlike, was the very state in which the human being lived even while awake. And from this soul experience it became perfectly clear to him that, before he was clothed in a physical body on Earth, he had lived as a soul in a spiritual sphere, in a spiritual world, in a divine realm.

[ 12 ] Und so kannte dieser ältere Mensch das seelisch-geistige Leben durch unmittelbare innere Anschauung. Und er hatte dadurch, daß er dieses seelisch-geistige Leben durch eine unmittelbare Anschauung kannte, ein ganz anderes Bewußtsein von dem Tode, als es die heutige Menschheit hat. Die heutige Menschheit fühlt sich mit dem Körper verwandt. Es löst sich nicht in derselben Weise, wie bei einer älteren Menschheit, das seelische Bewußtsein los vom körperlichen Bewußtsein. Und so sieht der heutige Mensch auf die Geburt wie auf einen Anfang, auf den Tod wie auf ein Ende hin.

[ 12 ] And so this person from an earlier time knew the soul-spiritual life through direct inner perception. And because he knew this soul-spiritual life through direct perception, he had a completely different awareness of death than humanity has today. People today feel connected to their bodies. Unlike in earlier times, their soul consciousness does not detach itself from their physical consciousness in the same way. And so people today view birth as a beginning and death as an end.

[ 13 ] Der ältere Mensch hatte ein so lebendiges innerliches Erleben von dem Dauernden, Ewigen der Seele, daß er sich, indem er auf dieses seelische Leben hinblickte, immer als über Geburt und Tod erhaben fühlte. Sie waren ihm Wachstumszustände, Metamorphosen des Lebens. Er war sich klar darüber, daß er war, bevor er auf Erden war. Er konnte dadurch sicher sein, daß er auch dann ist, wenn er durch die Pforte des Todes durchgegangen sein wird. Geburt und Tod erschienen als vorübergehende Ereignisse im Leben.

[ 13 ] The elder had such a vivid inner experience of the enduring, eternal nature of the soul that, as he contemplated this spiritual life, he always felt himself to be above birth and death. To him, they were stages of growth, metamorphoses of life. He was fully aware that he existed before he came to earth. This gave him the certainty that he would continue to exist even after passing through the gate of death. Birth and death appeared to him as temporary events in life.

[ 14 ] Aber immer hat der Mensch nötig, daß er durch eine ins Geistige hineinschauende Wissenschaft eine Ergänzung dieses seines unmittelbaren Erlebens erhält, daß ihm durch eine geistige Initiationswissenschaft noch etwas anderes gesagt werde, als ihm durch sein eigenes Innere und durch das, was ihm im gewöhnlichen Leben die Erdenerziehung geben kann, aufgeht.

[ 14 ] But human beings always need a science that looks into the spiritual realm to supplement their immediate experience, so that a spiritual science of initiation may reveal to them something beyond what they can grasp through their own inner life and through what earthly education can offer them in ordinary life.

[ 15 ] Die alten Initiierten, die Weisheitslehrer jener älteren Menschheit, die etwas hatten wie ein instinktives Hellsehen, die mußten den Menschen auf eine ganz bestimmte Frage eine Antwort geben. Im GeistigSeelischen wußte sozusagen die ältere Menschheit Bescheid. Man wußte, wie es sich mit dem Geistig-Seelischen verhält; denn das erlebte man, wie ich es eben angedeutet habe. Was aber ein Rätsel war, das war dies: Du ziehst, indem du die Erde betrittst, durch Empfängnis und Geburt in das physische Leben ein; du wirst mit deinem physischen Körper umkleidet, der dieselben Kräfte, ja dieselben Stoffe in sich trägt wie die äußere tote Natur. Du wirst mit etwas Fremdem umkleidet. Du steckst zwischen der Geburt und dem Tode in einem Körper, der ein Naturkörper ist. Du wirst geboren auf physische Weise. Diese Geburt auf physische Weise ist deinem innerlich erlebten Dasein fremd.

[ 15 ] The ancient initiates—the teachers of wisdom of that earlier humanity, who possessed something akin to instinctive clairvoyance—had to provide humanity with an answer to a very specific question. In spiritual and soul matters, so to speak, the earlier humanity was well-informed. People knew how things stood in the spiritual-soul realm; for they experienced it, as I have just indicated. But what remained a mystery was this: When you enter the physical life through conception and birth, you are clothed in your physical body, which contains the same forces—indeed, the same substances—as the outer, lifeless natural world. You are clothed in something foreign. Between birth and death, you are contained within a body that is a natural body. You are born in a physical sense. This physical birth is foreign to your inner, experienced existence.

[ 16 ] Die große Frage, welche dem sein Inneres erblickenden Menschen der alten Zeit vor der Seele stand, war nicht eine Seelenfrage, war nicht eine Geistesfrage, war gerade die Naturfrage, jene Frage, welche den Menschen überkam, wenn er sich mit seinem vollen geistig-seelischen Werte fühlte, und wenn er dann einsehen wollte, warum er mit einem ihm fremden physischen Körper umkleidet ist.

[ 16 ] The great question that stood before the soul of the ancient person who gazed into his inner being was not a question of the soul, nor was it a question of the spirit; it was precisely the question of nature—that question which overwhelmed a person when he felt himself filled with his full spiritual and soul values, and when he then sought to understand why he was clothed in a physical body that was foreign to him.

[ 17 ] Und da handelte es sich dann für die Initiationswissenschaft darum, dem Menschen zu lehren, daß man dieselben Kräfte, durch die man das geistig-seelische Leben innerlich erblickt, auch auf die äußere Natur richten kann, die sonst stumm nur die äußeren Erscheinungen zeigt. Und wenn man, so lehrte jene Initiationswissenschaft, mit entsprechender Schulung die Kräfte, die sonst nur zur Innenerkenntnis, zur Seelenerkenntnis führen, auf die Steine, Pflanzen, Tiere, auf die Wolken, auf die Sterne, auf den Gang von Sonne und Mond richtet, dann kann man auch das Äußere erkennen. Und dann schaut man geistige Wesen, nicht nur im eigenen Menscheninneren, sondern schaut geistige Wesen in der sprudelnden Quelle, in dem fließenden Strom, in dem sich auftürmenden Berg, in der ziehenden Wolke, in Blitz und Donner, in Stein, Pflanze und Tier.

[ 17 ] And so, for the science of initiation, the task was to teach people that the very same forces through which one perceives inner spiritual and soul life can also be directed toward external nature, which otherwise merely presents external phenomena in silence. And if, as that initiatory science taught, one directs—through appropriate training—the powers that otherwise lead only to inner knowledge, to knowledge of the soul, toward stones, plants, animals, the clouds, the stars, and the course of the sun and moon, then one can also perceive the outer world. And then one sees spiritual beings, not only within one’s own inner being, but also in the bubbling spring, in the flowing stream, in the towering mountain, in the drifting cloud, in lightning and thunder, in stone, plant, and animal.

[ 18 ] Und so sagte eine alte Initiationswissenschaft dem Menschen: Du bist gewöhnt, indem du in dich schaust und lebendig dein GeistigSeelisches empfindest, das Göttliche in dir zu finden. Die Initiationswissenschaft aber schult die Kräfte, die sonst nur das Göttliche im Menschen erblicken, auch für das Göttliche in allem Naturdasein. Dadurch kannst du beruhigt sein darüber, daß, indem du mit einem äußeren physischen Körper umkleidet wirst, der auch aus einem Göttlichen ist, daß deine physische Geburt dich nicht aus einem Äußergöttlichen, sondern aus einem Göttlichen in das Erdendasein hereinträgt.

[ 18 ] And so an ancient initiatory science told humankind: You are accustomed to finding the divine within yourself by looking within and vividly sensing your spiritual and soul life. Initiation science, however, trains the powers that otherwise perceive only the Divine in human beings to perceive the Divine in all of nature as well. Through this, you can be assured that, as you are clothed in an outer physical body—which is itself of a Divine nature—your physical birth carries you into earthly existence not from something outside the Divine, but from the Divine itself.

[ 19 ] Und so war es für eine ältere Initiationswissenschaft die Aufgabe, den Menschen die große Wahrheit zu lehren: Du bist nicht nur, indem du in dein Inneres blickst, ein Gottgeborener, du bist auch, indem du in deinem Körper bist, der durch physische Geburt in der Welt erscheint, ein Gottgeborener.

[ 19 ] And so, for an ancient initiatory science, the task was to teach people the great truth: You are not only a child of God by looking within yourself; you are also a child of God by being in your body, which appears in the world through physical birth.

[ 20 ] Dasjenige, was dann eine spätere Zeit zusammengefaßt hat in drei aufklärende, eindringliche Worte, das war es, was die alte Vaterinitiation dem Menschen vor die Seele hingestellt hat: Aus dem Gotte sind wir geboren.

[ 20 ] What a later era summarized in three enlightening, powerful words was precisely what the ancient father initiation presented to the human soul: We are born of God.

[ 21 ] Ex deo nascimur.

[ 21 ] Ex deo nascimur.

[ 22 ] Das war die erste Stufe, wie Initiationsweisheit auf die Menschen gewirkt hat, wie Initiationsweisheit religiöses Bewußtsein in dem Menschen erzeugt hat.

[ 22 ] This was the first stage in which initiatory wisdom influenced human beings and gave rise to religious consciousness within them.

[ 23 ] Die alten heidnischen Religionen sind Naturreligionen geworden aus dem Grunde, weil der Mensch seine physische Geburt innerhalb der Natur religiös gerechtfertigt haben wollte. Das Naturrätsel stand vor seiner Seele. Und in dem «Ex deo nascimur» wurde ihm das Naturrätsel gelöst, so daß er beruhigt sein Erdendasein führen durfte in einem religiösen Element, trotzdem er sich vom Aufwachen bis zum Einschlafen als ein über das Physische erhabenes Geistig-Seelisches fühlte.

[ 23 ] The ancient pagan religions became nature religions because human beings sought to find religious justification for their physical birth within nature. The mystery of nature stood before his soul. And in the “Ex deo nascimur,” the mystery of nature was solved for him, so that he could lead his earthly existence with peace of mind within a religious context, even though from the moment he awoke until he fell asleep, he felt himself to be a spiritual and soul-being transcending the physical.



[ 24 ] Der Fortgang in der Menschheitsentwickelung bestand dann darin, daß jenes alte traumhafte Erleben des Seelisch-Geistigen, das der Mensch gewissermaßen als die ihm eingeborene Erkenntnis des eigenen Wesens in sich trug, immer mehr und mehr in den Hintergrund trat, und der Mensch sich immer mehr und mehr der Werkzeuge seines physischen Leibes zu bedienen lernte. Ich möchte sagen: die Träume von Seelisch-Geistigem, die einem Urinstinkte des Menschengeschlechtes eigen waren, dämmerten hinunter in unbestimmtes Dunkel, und die Menschheit lernte, und zwar erst im letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha, sich der äußeren Sinne zu bedienen und desjenigen Verstandes, der an die äußeren Sinne gebunden ist. Und das, was wir heute Natur nennen, trat immer mehr und mehr den Menschen als unmittelbares Erlebnis vor Augen. Hatten noch die alten Initiierten durch Weisheit das Geistige in der Natur vor die menschliche Seele hinrücken müssen, so stand jetzt das rein Physische der äußeren Natur fragend vor der Menschenseele, und zu dem alten Rätsel von der Erdennatur des Menschen kam das zweite große Rätsel in der historischen Menschheitsentwickelung: das Rätsel vom Erdentode des Menschen.

[ 24 ] The next stage in human development consisted in the fact that the ancient, dreamlike experience of the soul-spiritual—which human beings carried within themselves, as it were, as an innate awareness of their own being—gradually receded into the background, and human beings learned more and more to make use of the faculties of their physical body. I would say: the dreams of the soul-spiritual, which were inherent in a primal instinct of the human race, faded into an indefinite darkness, and humanity learned—only in the last millennium before the Mystery of Golgotha—to make use of the external senses and of the intellect bound to those external senses. And what we today call nature increasingly presented itself to human beings as a direct experience. Whereas the ancient initiates had to bring the spiritual in nature to the forefront of the human soul through wisdom, now the purely physical aspect of external nature stood before the human soul as a question; and to the ancient mystery of man’s earthly nature was added the second great mystery in the historical development of humanity: the mystery of man’s earthly death.

[ 25 ] Der Mensch lernte eigentlich erst im letzten Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha den Tod im Erdendasein in intensiver Weise fühlen. Hatte er früher wenig Empfindung von seinem Körper, um so mehr Empfindung von seinem Geistig-Seelischen, so fühlte und erlebte er sich jetzt in seinem physischen Körper. Und er erlebte dasjenige Ereignis, das mit dem physischen Körper rätselhaft verbunden ist, als das große Daseinsrätsel in dieser zweiten Epoche der Menschheitsentwickelung: er erlebte dieses Todesrätsel. Wir sehen dieses Todesrätsel in intensiver Gestalt auftreten, zum Beispiel bei den alten Ägyptern, die die Leichname einbalsamierten, weil sie gewissermaßen wie historisch die Todesfurcht des Menschen erlebten, die Verwandtschaft desjenigen, in dem der Mensch jetzt sich als in seinem physischen Leibe fühlte, mit dem Tode. Und während das erste Rätsel für den Menschen dieses war: Wie lebe ich in meinem physisch-irdischen Körper? — entstand jetzt das zweite große Rätsel: Wie durchlebe ich den Erdentod?

[ 25 ] It was not until the last millennium before the Mystery of Golgotha that human beings truly began to feel death in an intense way during their earthly existence. Whereas they had previously had little sense of their physical body—and all the more sense of their spiritual and soul life—they now felt and experienced themselves within their physical body. And they experienced the event that is mysteriously connected to the physical body as the great mystery of existence in this second epoch of human development: they experienced this mystery of death. We see this mystery of death emerge in an intense form, for example, among the ancient Egyptians, who embalmed corpses because they experienced, in a sense, the historical fear of death—the connection between that in which human beings now felt themselves to be, namely their physical bodies, and death. And while the first mystery for human beings was this: How do I live in my physical, earthly body? — the second great mystery now arose: How do I experience earthly death?

[ 26 ] In jener Zeit, in welcher der Mensch hinaufgeschaut hat zu dem Geistig-Seelischen dadurch, daß er dieses Geistig-Seelische unmittelbar wie durch ein instinktives Hellsehen erlebte, da wußte er: Wenn ich nicht mehr mit diesem Erdendasein verbunden sein werde, dann gehöre ich auch der Erde nicht mehr an, dann geht mein Erdendasein durch eine Metamorphose hindurch, und ich bin wieder mit dem Außerirdischen, mit den Sternen verbunden. Denn von den Sternen wußte die Seele, als sie sich instinktiv lebendig fühlte im alten Dasein, auf geistige Art. Aus den Sternen las der Mensch sein Schicksal. Mit der Sonne und mit dem Monde fühlte er sich verbunden, von den Sternen wußte er. Aber von dem Geist in den Sternen kam er aus einem vorirdischen Dasein; zu den Sternen, aber zu’ dem Geiste in den Sternen kehrt er zurück, wenn er durch die Pforte des Todes geht.

[ 26 ] In that time when human beings looked up toward the spiritual-soul realm by experiencing it directly, as through an instinctive clairvoyance, they knew: When I am no longer connected to this earthly existence, then I no longer belong to the earth; my earthly existence undergoes a metamorphosis, and I am once again connected to the non-earthly realm, to the stars. For the soul knew of the stars in a spiritual way when it instinctively felt alive in its former existence. From the stars, humankind read its destiny. It felt connected to the sun and the moon, and it knew of the stars. But from the spirit in the stars it came from a pre-earthly existence; to the stars—but to the spirit in the stars—it returns when it passes through the gate of death.

[ 27 ] Jetzt wurde ihm dies alles rätselhaft. Er sah hin auf den Tod; er sah im Tode das Ende des Menschenkörpers. Er fühlte die Seele innig verbunden mit diesem Menschenkörper. Er fragte sich, indem er dieses Rätsel tief empfand: Wie wird es mit mir nach dem Tode? Wie gehe ich durch die Pforte des Todes hindurch? — Aus diesem Rätsel heraus hätte den Menschen zunächst nichts auf der Erde führen können.

[ 27 ] Now all of this became a mystery to him. He looked upon death; he saw in death the end of the human body. He felt the soul intimately connected to this human body. As he deeply pondered this mystery, he asked himself: What will become of me after death? How do I pass through the gate of death? — At first, nothing on earth could have guided humanity out of this mystery.

[ 28 ] Die alten Initiierten wußten dem Menschen Bescheid zu geben in bezug auf das Naturrätsel. Da antworteten sie ihm, wenn wir es in eine spätere Sprache übersetzen: Ex deo nascimur.

[ 28 ] The ancient initiates knew how to instruct people regarding the mysteries of nature. They replied to them—if we were to translate it into a later language—as follows: Ex deo nascimur.

[ 29 ] Dasjenige aber, woraus der Mensch wußte, von woher er im vorirdischen Dasein gekommen ist, wohin er gehen sollte, wenn er durch die Pforte des Todes geschritten ist, das, was den alten Menschen klar vor der Seele stand, es war jetzt aus der Seele der Menschen erloschen. Das Wissen, das der Mensch instinktiv empfand, indem er sein eigenes seelisch-geistiges Erleben auf die Sternenwelt ausdehnte, das war nicht mehr da. Da ereignete sich das Große, daß die Sternenwelt, der Geist der Sternenwelt, den eine spätere Zeit den Christus genannt hat, den eine frühere griechische Zeit den Logos nannte, selber herunterkam substantiell als Wesenheit auf die Erde und sich verkörperte in dem Menschenleib des Jesus von Nazareth. Und so konnte die Menschheit das Große im Erdendasein erleben, daß dasjenige, was vorher eine alte Menschheit ahnte, indem sie hinaufsah zu den Sternen, das Göttliche, zu dem auch das Göttliche der Erde gehörte, selber durch ein Erdendasein, durch den Tod hindurchschritt. Denn der Tod Christi, die Auferstehung Christi, war zunächst für die Christen, die das Christentum verstanden, die Hauptsache.

[ 29 ] But that which had enabled human beings to know where they had come from in their pre-earthly existence, and where they were to go once they had passed through the gate of death—that which had stood clearly before the souls of the ancients—had now been extinguished from the souls of human beings. The knowledge that human beings instinctively sensed by extending their own soul-spiritual experience to the world of the stars—that was no longer there. Then the great event took place: the world of the stars—the Spirit of the world of the stars, whom a later age called Christ and whom an earlier Greek age called the Logos—descended in substance as a being onto the Earth and incarnated in the human body of Jesus of Nazareth. And so humanity was able to experience the great event in earthly existence: that which an ancient humanity had previously sensed as it looked up to the stars—the Divine, which also included the Divine of the Earth—itself passed through an earthly existence and through death. For the death of Christ, the resurrection of Christ, was initially the central event for Christians who understood Christianity.

[ 30 ] Und dieses Durchgehen des Gottes, der früher nur aus den Sternen sich offenbarte, durch einen Menschenleib, durch den Tod eines Menschenleibes, das gab nun, indem es von den Initiierten zur Zeit des Mysteriums von Golgatha in der sogenannten Gnosis den Menschen erörtert wurde, den Menschen die Lösung des zweiten Lebensrätsels, des Todesrätsels.

[ 30 ] And this passage of God—who had previously revealed Himself only through the stars—through a human body, through the death of a human body, provided humanity with the solution to the second riddle of life, the riddle of death, as it was discussed by the initiates at the time of the Mystery of Golgotha in what is known as Gnosis.

[ 31 ] Jetzt konnten die Initiierten den Menschen darauf hinweisen, wie das, was in der alten Weise die Ewigkeit verbürgte, was in den Sternen wohnt, in einen Menschenleib eingezogen ist und in einem Menschenleib den Tod überwunden hat. Jetzt wurde der Christus wieder Extrakt des ganzen Geistes, des Logos, der Welt. Hatten früher die alten Initiierten auf die Natur hingewiesen und die Menschen gelehrt: aus dem Gotte ist deine Natur geboren -, so konnten jetzt die Initiierten den Menschen darauf hinweisen, wie er verbunden sein kann mit dem göttlichen Wesen, das durch den Menschen Jesus von Nazareth gegangen ist, das im Menschen Jesus von Nazareth mit der übrigen Menschheit gemeinsam durch den Tod gegangen ist, aber den Tod besiegt hat. Und wiederum konnte man aus jener Initiationswissenschaft, jetzt aus der durchchristeten Initiationswissenschaft, so wie früher das Naturrätsel, jetzt das Todesrätsel lösen.

[ 31 ] Now the Initiates could point out to humanity how that which, in the ancient way, guaranteed eternity—that which dwells in the stars—had entered a human body and, within that body, had overcome death. Now Christ once again became the essence of the entire Spirit, the Logos, and the world. Whereas the ancient initiates had previously pointed to nature and taught people, “Your nature is born of God,” the initiates could now point out to people how they could be connected to the divine being who passed through the human being Jesus of Nazareth—who, in the human being Jesus of Nazareth, passed through death together with the rest of humanity, yet conquered death. And once again, through that science of initiation—now the Christ-imbued science of initiation—one could solve, just as the mystery of nature had been solved in the past, the mystery of death.

[ 32 ] Und während es noch im Buddhismus so war, daß uns erzählt werden kann, wie der Buddha die vier großen Wahrheiten entdeckt und eine von diesen Wahrheiten ihm aufgeht beim Anblick eines Leichnams, wo er von der Trostlosigkeit des toten menschlichen Körpers so ergriffen wird, daß uns angedeutet wird, wie der Buddha, etwa sechs Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha, in dem Anblick des Toten sozusagen zu dem letzten Ausläufer der alten Weltanschauung hinkommt, so sehen wir, wie sich — etwa wiederum sechs Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha — die Anschauung ausbildet, die hinaufschaut zu dem Toten am Kreuze, zu der toten Menschengestalt. Und so wie der Buddha in der toten Menschengestalt das Leiden des Lebens als letzten Ausläufer der alten Weltanschauung entdeckt zu haben glaubte, so sah jetzt die durchchristete Menschheit zu der toten Menschengestalt am Kreuze, zu dem Kruzifixus hin und empfand an der toten Menschengestalt die völlige himmlische Garantie für das Leben durch den Tod, den der Christus im Jesus besiegt hat.

[ 32 ] And while in Buddhism we are still told how the Buddha discovered the Four Noble Truths—and how one of these truths dawned on him at the sight of a corpse, where he was so moved by the desolation of the dead human body that we are given a glimpse of how the Buddha, some six centuries before the Mystery of Golgotha, upon seeing the dead man, so to speak, reached the final outgrowth of the old worldview—we see how, some six centuries after the Mystery of Golgotha, the perspective develops that looks up to the dead man on the cross, to the dead human form. And just as the Buddha believed he had discovered in the dead human form the suffering of life as the last remnant of the old worldview, so now humanity, permeated by Christ, looked upon the dead human form on the cross, upon the Crucifix, and perceived in that dead human form the complete heavenly guarantee of life through death—the death that Christ, in Jesus, had conquered.

[ 33 ] Und so wie aus der historischen Todesfurcht heraus die Ägypter ihre Leichname einbalsamiert hatten, um gewissermaßen noch das Naturhafte im Menschen vor dem Tode zu bewahren in der Zeit, als man noch sagte: Ex deo nascimur —, so sehen wir die ersten Christen, die noch den Impuls des initiierten Christentums hatten, ihre Toten begraben, aber über den Toten - in der Gewißheit, daß die mit Christus vereinigte Seele den Tod besiegt — den Gottesdienst halten. Und das Grab wird zum Altar. Aus dem Mysterium von Golgatha zieht der Mensch die Gewißheit: wenn er verbunden ist mit dem Christus, der als der Sterneninhalt heruntergestiegen ist auf die Erde, in einer Menschengestalt Leben und Tod und Auferstehung durchgemacht hat, so wird er durch diese Verbindung mit dem Christus selber als Mensch den Tod besiegen.

[ 33 ] And just as the Egyptians, driven by a historical fear of death, had embalmed their corpses—in a sense to preserve what was natural in human beings before death—in the time when people still said: Ex deo nascimur — so we see the first Christians, who still possessed the impulse of initiated Christianity, burying their dead, but holding a worship service over the dead—in the certainty that the soul united with Christ has conquered death. And the grave becomes an altar. From the Mystery of Golgotha, the human being draws the certainty: if he is united with Christ, who descended to Earth as the essence of the stars and, in human form, underwent life, death, and resurrection, then through this union with Christ he himself, as a human being, will conquer death.

[ 34 ] So antwortete der Inhalt des Vatergottes auf das Naturrätsel des Lebens. So antwortete der Inhalt des Christus auf das Todesrätsel des Lebens. Und dem Tode wurde sein Stachel genommen. Der Tod wurde fortan durch ein stärkeres Argument, als früher nötig war, zu einer Metamorphose des Lebens gemacht. In dem Hinschauen auf das Mysterium von Golgatha, in der Gewißheit: der Christus ist zur Erde heruntergestiegen und hat dasjenige, was todbringend in der Erde ist, zu neuem Leben erweckt, durchdrangen jetzt — das beweist die später ausgerottete, nur in wenigen Resten erhaltene Gnosis — die Initiierten des Christentums die Menschheit mit jener Wahrheit, welche die Menschenwahrheit enthält von der Verbindung des sterblichen Menschen auf Erden mit dem Christus, durch den der Mensch sein Todgeweihtes in sich erlöst, sein Todgeweihtes zum Leben erweckt. Es durchdrangen jetzt die Initiierten die Menschheit mit einem neuen Unsterblichkeitsbewußtsein.

[ 34 ] This was how the essence of God the Father responded to the mystery of life’s nature. This was how the essence of Christ responded to the mystery of life’s death. And death’s sting was taken away. From then on, death was transformed into a metamorphosis of life through a stronger argument than had previously been necessary. In contemplating the mystery of Golgotha, in the certainty that Christ descended to earth and awakened to new life that which is death-bringing in the earth—this now permeated, as evidenced by the Gnosticism that was later eradicated and preserved only in a few remnants — the initiates of Christianity now imbued humanity with that truth, which contains the human truth of the connection between the mortal human being on earth and the Christ, through whom the human being redeems that which is doomed to death within himself and awakens it to life. The initiates now imbued humanity with a new consciousness of immortality.

[ 35 ] Die Initiierten konnten den Menschen sagen: Eure Seele kann verbunden sein mit Ihm, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist; eure Seele kann leben mit Leben, Tod und Auferstehung des Christus. Indem ihr das Erdenleben nicht nur naturhaft durchlebt, indem ihr das Erdenleben so durchlebt, daß euch in allen Erdenleben, besonders in eurem Umgange mit allen Menschen, das Christus-Reich auferweckt wird, so lebt ihr in Gemeinschaft mit dem Christus selber, so machet ihr das göttliche Wesen Christus zu eurem Bruder. Sterbet ihr im Tode, so sterbet ihr im Leben, indem ihr in dem Christus sterbet.

[ 35 ] The Initiates were able to tell people: Your soul can be united with Him who passed through the Mystery of Golgotha; your soul can live through the life, death, and resurrection of Christ. By not merely living your earthly life in a natural way, but by living it in such a way that the Kingdom of Christ is awakened within you in all your earthly lives—especially in your interactions with all people—you live in communion with Christ Himself; thus you make the divine Being, Christ, your brother. If you die in death, you die in life, for you die in Christ.

[ 36 ] Und hinzugefügt werden konnte zu der Urwahrheit des Geborenseins aus dem Vatergotte das Leben mit dem Sohnesgotte, mit Christus, was später in einem weiteren dreiwortigen Spruche als Ergänzung zu dem «Ex deo nascimur» hinzugekommen ist als:

[ 36 ] And to the primordial truth of being born of God the Father could be added life with God the Son, with Christ, which was later incorporated into another three-word saying as a supplement to the “Ex deo nascimur” as:

[ 37 ] In Christo morimur,

[ 37 ] In Christo morimur,

[ 38 ] in dem Christus sterben wir, das heißt, als Seele leben wir.

[ 38 ] In Christ we die; that is to say, as souls we live.

[ 39 ] Und so war hinzugefügt für die Menschheit in jener Epoche, die ein Jahrtausend vor dem Mysterium von Golgatha begonnen hat, und die geschlossen hat etwa im 15. nachchristlichen Jahrhundert — wir stehen in einer dritten Epoche drinnen, die wir erst richtig verstehen müssen —, so war hinzugefügt in der großen, durch die göttlichen Weltenlenker selbst geleiteten Erziehung des Menschengeschlechts zu dem «Aus dem Vatergotte sind wir geboren»: «In dem Christus-Gotte sterben wir, auf daß wir leben.»

[ 39 ] And so it was added for humanity in that epoch, which began a millennium before the Mystery of Golgotha and came to a close around the 15th century A.D. — we are now in a third epoch, which we must first truly understand —, so it was added in the great education of the human race—guided by the divine rulers of the worlds themselves—toward the realization that “We are born of the Father God”: “In the Christ-God we die, that we may live.”



[ 40 ] Die großen Rätsel der ersten und der zweiten Epoche stehen den Menschen im geschichtlichen Rückblick deutlich vor Augen. Das Rätsel der dritten Epoche, in der die Menschheit seit einigen Jahrhunderten drinnen lebt, wird heute sogar noch wenig genannt, wenig empfunden, trotzdem gefühlsmäßig unterbewußt in der Gegenwart dieses Rätsel schon ebenso lösungsbedürftig in der Menschenseele lebt wie einstmals das Rätsel von der Erdennatur des Menschen, dann das Rätsel vom Erdentode des Menschen.

[ 40 ] Looking back at history, the great mysteries of the first and second epochs are clearly evident to people. The mystery of the third epoch, in which humanity has been living for several centuries, is scarcely mentioned or felt today; yet, on an emotional and subconscious level, this mystery lives in the human soul in the present, just as much in need of a solution as the mystery of man’s earthly nature once did, and then the mystery of man’s earthly death.

[ 41 ] Die Menschheit hat seit dem 14., 15. Jahrhundert der nachchristlichen Zeit sich ein in die physische Natur tief eindringendes Wissen erworben. Wir brauchen nur daran zu denken, wie jener Sternenhimmel gewonnen worden ist, der einstmals mit Erkenntnisträumen geschaut worden ist von einer alten Menschheit, aus dem heraus in ihren Erkenntnisträumen eine alte Menschheit ihr Schicksal gelesen hat, wie dieser Sternenhimmel durch äußeres Rechnen, durch Geometrie, Mechanik immer mehr und mehr sich bis in unsere Gegenwart herein geoffenbart hat. Wir brauchen nur daran zu denken, wie die Wissenschaft von den Steinen, den Tieren, den Pflanzen sich ausgebreitet hat als eine rein natürliche Wissenschaft.

[ 41 ] Since the 14th and 15th centuries of the Christian era, humanity has acquired knowledge that penetrates deeply into physical nature. We need only think of how that starry sky—which was once beheld in visions of insight by an ancient humanity, and from which that ancient humanity read its destiny in those visions—has been revealed more and more, through external calculation, geometry, and mechanics, right up to the present day. We need only think of how the science of stones, animals, and plants has spread as a purely natural science.

[ 42 ] So war es nicht in der ersten Epoche der Menschheitsentwickelung; so war es auch noch nicht in der zweiten Epoche der Menschheitsentwickelung, in jener zweiten Epoche, wo vor allen Dingen die Menschheit im tiefsten Inneren ihrer Seele geahnt hat: Was einstmals ein instinktives Hellsehen der Menschenseele von den Sternen abgelesen hat, das ist in Substanz selber eingezogen in den Jesus von Nazareth als Christus, das lebt als Christus bei uns. Diese Menschheit der zweiten Epoche sah auf den Christus hin, fühlte den Christus im Herzen, und in diesem herzlichen Zusammensein mit dem Christus fühlte sie dasselbe, was einstmals aus dem Geiste des Kosmos heraus in einem traumhaft alten Hellseherbewußtsein die Menschheit zur Rechtfertigung des Erdendaseins gewußt hat. Sozusagen in den kosmischen Weiten lebte die Menschheit der zweiten Epoche, indem sie mit dem, der aus den kosmischen Weiten zur Erde heruntergestiegen ist, mit dem Christus zusammenlebte.

[ 42 ] It was not so in the first epoch of human development; nor was it yet so in the second epoch of human development—that second epoch in which, above all else, humanity sensed deep within its soul: What the human soul once read from the stars through instinctive clairvoyance has, in its very essence, entered into Jesus of Nazareth as the Christ; this lives among us as the Christ. The people of the second epoch looked to Christ, felt Christ in their hearts, and in this heartfelt communion with Christ, they felt the very same thing that humanity had once known—out of the spirit of the cosmos, within a dreamlike, ancient clairvoyant consciousness—as the justification for earthly existence. Humanity of the second epoch lived, so to speak, in the cosmic expanses by living together with the one who descended from the cosmic expanses to Earth—with the Christ.

[ 43 ] Da kam die dritte Epoche der Menschheit, jene Epoche, die nur noch mit der Rechnung, mit der Mechanik, mit dem Teleskop, mit dem Spektroskop in die Sternenwelten hinaufschauend dasselbe, was sie als ein Totes, höchstens ätherisch Belebtes auf Erden findet, auch in den Sternen findet; jene Epoche, in der die Menschheit nicht mehr den Christus sehen kann als den von den Sternen Heruntergekommenen, weil sie in den Sternen nicht mehr das den Kosmos durchsetzende Geistige erblickt. Und so ist der Kosmos gottesfremd und damit auch christusfremd für die Menschheit geworden.

[ 43 ] Then came the third epoch of humanity, that epoch in which, looking up into the starry worlds only through calculation, mechanics, the telescope, and the spectroscope, humanity finds in the stars the very same things it finds on Earth—things that are dead or, at best, animated by an ethereal force; that epoch in which humanity can no longer see Christ as the One who came down from the stars, because it no longer perceives in the stars the spiritual that pervades the cosmos. And so the cosmos has become alien to God—and thus also alien to Christ—for humanity.

[ 44 ] Die Menschheit der Gegenwart steht daher in bezug auf ihr inneres Bewußtsein in der großen Gefahr, den Christus zu verlieren. Und wir sehen schon die ersten Schritte in dem Verlieren des Christus. Die Gottesweisheit, die Theologie, die durch Jahrhunderte hindurch in voller Harmonie lebte in ihren Ideen mit Bezug auf die ChristusOffenbarung, weiß heute vielfach nicht mehr den Christus zu finden, den Gott in dem Jesusmenschen von Nazareth. Und viele wissen, indem sie in die Zeit des Mysteriums von Golgatha blicken, nicht mehr den Christus, den geistigen Extrakt, die geistige Wesenheit des Kosmos zu finden, sondern viele finden nur noch den Menschen Jesus von Nazareth. Weil sie in dem Sternenhimmel nur noch die entgötterte Natur schauen, können sie nicht mehr in dem, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, das Wesen finden, dessen physisches Reich der ganze Kosmos ist, das aber in dem Menschen Jesus von Nazareth während des Mysteriums von Golgatha Wohnung genommen hat.

[ 44 ] Humanity today therefore faces a great danger, in terms of its inner consciousness, of losing Christ. And we are already seeing the first steps toward losing Christ. Divine wisdom—theology, which for centuries lived in complete harmony with the ideas concerning the Christ-revelation—is today, in many cases, no longer able to find the Christ whom God placed in the human being Jesus of Nazareth. And many, when they look back to the time of the Mystery of Golgotha, can no longer find the Christ—the spiritual essence, the spiritual being of the cosmos—but instead find only the human being Jesus of Nazareth. Because they now see only a deified nature in the starry sky, they can no longer find in the One who passed through the Mystery of Golgotha the Being whose physical realm is the entire cosmos, but who took up residence in the human being Jesus of Nazareth during the Mystery of Golgotha.

[ 45 ] Indem das alles tief durchlebt werden kann, unterscheidet sich heute derjenige, der durch die Initiationsweisheit geht, von dem, der nur durch die äußere uninitiierte Naturwissenschaft geht. Diese äußere uninitiierte Naturwissenschaft hat den Geist des Kosmos verloren, steht vor der Gefahr, daß die Menschheit auch den Christus in dem Jesus von Nazareth verliert.

[ 45 ] Because all of this can be deeply experienced, those who follow the wisdom of initiation today differ from those who follow only the external, uninitiated natural science. This external, uninitiated natural science has lost the spirit of the cosmos and faces the danger that humanity will also lose the Christ in Jesus of Nazareth.

[ 46 ] Deshalb fühlen diejenigen, die gerade in unserer Gegenwart tiefer hineindringen in unser Naturwissen, wie heraufgeblüht ist in der Entwickelungsgeschichte der Menschheit während der dritten Epoche, seit dem 14. oder 15. Jahrhundert, etwas wie das dritte große Rätsel der Erdenentwickelung der Menschheit. Sie schauen hin historisch auf das erste große Rätsel, auf das Rätsel von der Erdennatur; auf das zweite große Rätsel, auf das Rätsel von dem Erdentode des Menschen; und ihnen geht auf das dritte große Rätsel, indem sie sich etwas sagen, was die Menschheit sich heute noch nicht gerne sagt, was aber des Menschen Herz dennoch schon unterbewußt mit einer gewissen Deutlichkeit fühlt. Die Initiierten der gegenwärtigen Zeit sagen sich: Wir leben in der Welt, die einstmals als Geist vom Kosmos aus zu den Menschen gesprochen hat, so daß der Mensch in dieser Welt wie ein im Kosmos Wachender war. So leben wir, daß der Mensch begann, dieses Wachen des Kosmos in sich erlöschen zu fühlen, dieses Verbundensein mit dem Christus, der als das Wesen dieses den Menschen wachhaltenden Geistkosmos auf die Erde heruntergestiegen ist, wir nur mehr in einem Kosmos leben, der uns seine Außennatur zeigt. Wir leben den Ideentraum des Kosmos, wir leben einen errechneten, einen mit der Waage gewogenen, einen durch das Spektroskop geschauten Kosmos. Das ist unser Traum. Dadurch trennen wir uns mehr von dem wirklichen Geiste des Kosmos, als daß wir als Menschen mit ihm verbunden sind.

[ 46 ] That is why those who, especially in our time, are delving deeper into our knowledge of nature sense how, in the history of human development during the third epoch—since the 14th or 15th century—something like the third great mystery of humanity’s earthly evolution has come to the fore. They look back historically at the first great mystery—the mystery of the nature of the Earth—and at the second great mystery—the mystery of humanity’s death on Earth; and the third great mystery dawns upon them as they acknowledge something that humanity is still reluctant to admit today, yet which the human heart already feels subconsciously with a certain clarity. The initiates of the present age say to themselves: We live in the world that once spoke to humanity as a spirit from the cosmos, so that in this world, humanity was like one who was awake within the cosmos. We live in such a way that humanity began to feel this wakefulness of the cosmos dying out within itself—this connection with Christ, who descended to Earth as the essence of this spiritual cosmos that kept humanity awake—and now we live only in a cosmos that reveals its external nature to us. We live the idealized dream of the cosmos; we live a cosmos that has been calculated, weighed on a scale, and viewed through a spectroscope. That is our dream. Through this, we separate ourselves more from the true Spirit of the cosmos than we remain connected to it as human beings.

[ 47 ] Daher steht derjenige, der teilhaftig ist in der neueren, in der dritten Epoche der Menschheitsentwickelung nicht nur der uninitiierten Wissenschaft, sondern der Initiationswissenschaft, vor dem dritten großen Rätsel: vor dem Rätsel des Erkenntnisschlafes, des großen Lebensschlafes der Menschheit.

[ 47 ] Therefore, those who are part of the newer, third epoch of human development—not only of uninitiated science but also of initiatory science—face the third great mystery: the mystery of the slumber of knowledge, the great slumber of human life.

[ 48 ] Gefühlt haben es die tieferen Geister. Cartesius fühlte es, indem er dann an der Wahrheit alles dessen zu zweifeln begann, was die äußere Naturerkenntnis sagen kann. Aber es war erst anfänglich gefühlt. Es muß immer tiefer und tiefer zur Bewußtheit der Menschheit kommen, daß die ganze Erkenntnis, auf welche die neuere Menschheit seit drei, vier, fünf Jahrhunderten so stolz ist, einen Lebensschlaf darstellt, daß das dritte große Rätsel immer mehr und mehr über die Menschen kommen muß. Die Menschen mußten sich einmal fragen: Warum wohnen wir in einem physischen Erdenkörper? -, mußten sich dann fragen: Warum gehen wir durch den physischen Erdentod hindurch? — Und als drittes muß vor das Menschenherz die Frage treten: Warum schlafen wir den Erdenschlaf trotz einer bloß auf die Natur gerichteten Erkenntnis? Wie können wir uns dem Traume des errechneten Kosmos, des durch Astrophysik und Astrochemie bloß äußerlich geschauten, des äußerlich geträumten Kosmos, hintreten vor denjenigen Kosmos, der uns wiederum im tiefsten Inneren verbindet mit dem tiefsten Inneren seines Selbst? Wie können wir aus unserem Erkenntnistraum der neuesten Zeit aufwachen?

[ 48 ] The deeper minds have sensed it. Descartes sensed it when he began to doubt the truth of everything that external knowledge of nature can tell us. But this was only an initial sense of it. Humanity must become increasingly aware that all the knowledge of which modern humanity has been so proud for the past three, four, or five centuries represents a slumber of life, and that the third great mystery must increasingly come upon humanity. People had to ask themselves at some point: Why do we dwell in a physical earthly body? — They then had to ask themselves: Why do we pass through physical earthly death? — And thirdly, the question must arise in the human heart: Why do we sleep the earthly sleep despite a knowledge directed solely toward nature? How can we step back from the dream of the calculated cosmos—the cosmos viewed merely from the outside through astrophysics and astrochemistry, the externally dreamed cosmos—and turn toward the cosmos that, in turn, connects us in our deepest inner being with the deepest inner being of itself? How can we awaken from our modern dream of knowledge?

[ 49 ] Und haben die alten ersten Initiierten dem Menschen die Frage: Warum lebe ich in einem Erdenleibe, in einem physischen Erdenleibe? — zu beantworten gehabt mit der Explikation des «Ex deo nascimur»; haben die Initiierten in dem Zeitalter des Mysteriums von Golgatha das Todesrätsel zu lösen versucht durch die Verbindung des Menschen mit dem Christus Jesus, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist, in dem, was dann eine spätere Menschheit das «In Christo morimur» genannt hat, so hat eine neuere Initiationswissenschaft den Menschen durch die Gegenwart und namentlich in den nächsten Jahrhunderten allmählich hinzuführen zum Gottesbewußtsein, zum religiösen Leben, zu der Art, wie er sein Inneres für eine Geist-Erkenntnis des Kosmos auferweckt. Diejenige Initiationswissenschaft, die durch die Anthroposophie kommen soll, die auch der hier vorgetragenen Pädagogik zugrunde liegt, will nicht bloß das heutige schlafende äußere Wissen vermehren, auf das trotzdem die Menschheit so stolz ist, und trotzdem dieses äußere Wissen in bezug auf äußere Erfolge so glorios ist: sie will als anchroposophische Initiationswissenschaft dieses schlafende Wissen zum Erwachen bringen, sie will den in Verstandes-, in intellektualistischen Träumen befangenen Menschen auferwecken.

[ 49 ] And the ancient first initiates had to answer the question posed to humanity: “Why do I live in an earthly body, in a physical earthly body?” — with the explanation of “Ex deo nascimur”; in the age of the Mystery of Golgotha, the Initiates sought to solve the riddle of death through humanity’s connection with Christ Jesus, who passed through the Mystery of Golgotha, in what later generations would call “In Christo morimur,” so a newer science of initiation is to gradually lead humanity—through the present and especially in the coming centuries—toward God-consciousness, toward religious life, and toward the way in which one awakens one’s inner being to a spiritual understanding of the cosmos. The science of initiation that is to come through anthroposophy—which also underlies the pedagogy presented here—does not merely seek to increase today’s dormant external knowledge, of which humanity is nevertheless so proud, and which is nonetheless so glorious in terms of external achievements: as an anthroposophical science of initiation, it seeks to awaken this dormant knowledge; it seeks to rouse human beings who are ensnared in intellectual, rationalistic dreams.

[ 50 ] Daher ist diese Initiationswissenschaft, die durch Anthroposophie getragen werden will, nicht bloß eine Vermehrung von Kenntnissen und Erkenntnissen, sondern ein Impuls des Aufwachens, ein Versuch, die Frage zu beantworten: Wie erwachen wir aus dem Lebensschlafe?

[ 50 ] Therefore, this science of initiation, which seeks to be sustained by anthroposophy, is not merely an accumulation of knowledge and insights, but an impulse toward awakening—an attempt to answer the question: How do we awaken from the slumber of life?

[ 51 ] Und so wie die ältesten Initiierten der Menschheit expliziert haben das Wort «Ex deo nascimur», so wie die späteren Initiierten expliziert haben das Wort «In Christo morimur», so wird diejenige Initiationsweisheit, welche trägt ein wirklich im Geiste erwachendes Erkenntnisleben der Zukunft, welche trägt ein wiederum zur religiösen Vertiefung führendes Leben, welche trägt ein wirkliches Gottesbewußtsein, nun dazu führen, daß man den Christus, den man erlebt im Hinblick auf das Mysterium von Golgatha, wiederum fühlt als den Logos, der durch den Kosmos weht und webt. Und indem der Mensch sich in seinem kosmischen Dasein wiederum fühlen wird, wird diese neue Initiationswissenschaft, die eine wirkliche spirituelle Christologie bringen soll, wie sie im Kleinen wirkend zum Beispiel eine Pädagogik bringen soll — es wird diese Initiationswissenschaft im Großen und im Kleinen in religiöser Hingebung in dem Dienste des Lebens, den sie der Praxis leisten will, sich immerdar bemühen, hinzuzufügen zu dem «Aus dem Gotte sind wir als physische Menschen geboren», zu dem «In dem Christus sterben wir, das heißt leben wir als Seele», das dritte: Indem wir zum Geiste vordringen durch die neuere Initiation, werden wir schon in diesem Erdenleben im Geiste lebendig, wachen wir auf, erleben wir die Erkenntniserweckung, die all unser Leben wiederum durchzieht mit dem Lichte der Religiosität, mit dem Lichte einer aus wirklich innerlicher Religiosität ergriffenen Moralität und Sittlichkeit. Kurz, diese neuere Initiationswissenschaft wird sich bestreben, zu dem alten Initiationsrätsel des «Ex deo nascimur» und dem mittleren Initiationsrätsel des «In Christo morimur», indem sie diese beiden Rätsel der Menschenseele wiederum voll lösend zurückgibt, sie wird sich bemühen, das andere in Lichtesklarheit in das Menschenherz hineinzutragen, das zur Auferweckung des Geistes in Menschenherz und Menschenseele führen soll, zur Religiosität der Erkenntnis: In der Erfassung des wahren, lebendigen Geistes werden wir selber als Leib, Seele und Geist auferweckt:

[ 51 ] And just as the earliest initiates of humanity explained the phrase “Ex deo nascimur,” and just as later initiates explained the phrase “In Christo morimur,” so the wisdom of initiation—which bears within it a life of knowledge for the future that truly awakens in the spirit, which bears within it a life leading once again to religious deepening, which bears within it a true consciousness of God—will now lead to the point where one once again feels Christ, whom one experiences in light of the Mystery of Golgotha, as the Logos that blows through and weaves the cosmos. And as human beings come to feel themselves once more within their cosmic existence, this new science of initiation—which is intended to bring about a true spiritual Christology, just as it is intended to bring about, for example, a pedagogy that works on a small scale—this science of initiation will, in both the large and the small, through religious devotion in the service of life that it seeks to render in practice, always strive to to add to the statement “We are born as physical human beings from God” and to “In Christ we die—that is, we live as souls”—a third element: As we advance toward the Spirit through the newer initiation, we come alive in the Spirit even in this earthly life; we awaken; we experience the awakening of knowledge, which in turn permeates our entire life with the light of religiosity, with the light of a morality and ethical character born of truly inner religiosity. In short, this newer science of initiation will strive, with regard to the ancient initiatory riddle of “Ex deo nascimur” and the middle initiatory riddle of “In Christo morimur,” by fully resolving these two riddles of the human soul and restoring them, it will endeavor to carry the other into the human heart with the clarity of light, which is to lead to the awakening of the spirit in the human heart and soul, to the religiosity of knowledge: In the grasping of the true, living spirit, we ourselves are raised as body, soul, and spirit:

[ 52 ] Per spiritum sanctum reviviscimus.

[ 52 ] Per spiritum sanctum reviviscimus.