The Educational Value
of Understanding Human Nature
GA 313
18 April 1921, Dornach
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Anthroposophical Spiritual Science and Medical, tr. Karnow
Neunter Vortrag
Lecture Nine: Curative Eurythmy (for physicians)
[ 1 ] Dasjenige, was ich Ihnen heute mit Bezug auf die Eurythmie zu sagen habe, das ist so, daß es durchaus wird im einzelnen immer durchschaut werden müssen mit den Kenntnissen, die Sie in physiologischer Beziehung und sonst haben. Wie das zu geschehen hat, das wird sich Ihnen schon, möchte ich sagen, wie von selbst ergeben. Aber gerade wenn wir in einen solchen geistig-leiblichen Prozeß hineinschauen wie den, der beim Eurythmisieren stattfindet, so können wir gar nicht anders als auf tiefere geistig-physische Zusammenhänge auch hinweisen. Und da möchte ich Sie nun auf das Folgende aufmerksam machen.
[ 1 ] What I have to say to you today about eurythmy will require the aid of the findings of physiology and the like. How this should happen will no doubt become clear to you as a matter of fact in the course of your work. Precisely when investigating a bodily and spiritual process such as the one which occurs in doing eurythmy, we cannot do otherwise than point to deeper physical and spiritual connections.

[ 2 ] Wir müssen zunächst schauen auf jenen außermenschlichen Weltprozeß, den man gewöhnlich nur verfolgt in bezug auf seine Details und den man nicht verfolgt in bezug auf dasjenige, was eigentlich innerlich tätig ist. Bedenken Sie doch nur, daß Erdenbildung in Wirklichkeit heißt: Es wirkt eine Bildungstendenz von der Planetensphäre aus herein, und außerdem geschieht von demjenigen, was noch außerhalb der Planetensphäre liegt, eine Bildung in die Erde herein, fortwährende strahlende, sich in den einzelnen Kraftentitäten ausdrückende, gegen die Erde her strahlende kosmische Kräfte.
[ 2 ] To begin with, we will look at that extra-human cosmic process usually considered only with respect to its external details and not explored with respect to what is inwardly active. Just consider that “earth formation” means that a formative tendency is working in from the collective planetary sphere and that in addition a formative impulse into the earth emanates from what lies even beyond the planetary sphere, through continually in-streaming cosmic forces which manifest themselves in individual force entities on the earth.

[ 3 ] Diese kosmischen Kräfte können wir jetzt in diesem Zusammenhange so auffassen - obwohl sie alles dasjenige, was ich früher über die Strahlen gesagt habe, wiederum in sich schließen können -, so ins Auge fassen, daß wir sagen, sie wirken gegen das Zentrum zu und bilden eigentlich dasjenige, was auf der Erde und in der Erde ist, von außen her. Es ist schon einmal so, daß zum Beispiel wirklich die gesamte Metallität der Erde, die gesamten Metalle nicht aus irgendwelchen Kräften aus dem Erdinneren heraus im wesentlichen gebildet werden, sondern daß sie wirklich von dem Kosmos herein in die Erde eingesetzt werden. Wir können nun diese Kräfte, die da durch den Äther wirken — nicht etwa von den Planeten aus, da würden sie wiederum zentral wirken, die Planeten sind gerade dazu da, um sie zu modifizieren, die Planetensphäre ist es -, diese Kräfte können wir die Bildungskräfte nennen, die von außen her wirkenden Bildungskräfte. Gerade in diesem Zusammenhange bitte ich Sie, diese Sache zu fassen: Bildungskräfte. Ihnen stehen diejenigen Kräfte entgegen, welche beim Menschen und in der Erde diese Bildungskräfte aufnehmen und befestigen, sie gewissermaßen um einen Mittelpunkt herum versammeln, so daß eben die Erde entstehen kann. Also diese Kräfte, die da befestigen, können wir nennen die Kräfte des Befestigens (siehe Zeichnung sowie Schema S. 159). Im Menschen sind sie als solche Kräfte vorhanden, die plastisch die Organe bilden, während die anderen Kräfte, die Bildungskräfte, diejenigen sind, die mehr die Organe aus der geistig-ätherischen Welt in die physische Welt hereinschieben. Das ist ein Prozeß, der ja in dem Gegensatz zwischen den Schiebekräften des Magnesiums und den Fluorkräften, die abrunden, ich möchte sagen eben mit Händen zu greifen ist. Aber wiederum ist es so ein Prozeß, der sich überall darlebt: Bei den Zähnen tritt er auf von unten nach oben und sich oben rundend, aber er tritt auch auf von vorn nach rückwärts, von rückwärts nach vorn, von oben nach unten, sich nach unten hin rundend. Und Sie können diesen Prozeß zum Beispiel, ich möchte sagen wiederum mit Händen greifen, wenn Sie sich vorstellen, daß mit der Tendenz, ein Kugeliges nach vorn zu schieben, von außen nach innen, da etwas sich bildet, und daß dem sich entgegenstellt ein Kugelbildungsprozeß (siehe Zeichnung, rot), von unten nach oben. Und zwischen diesen beiden Prozessen drinnen liegt nun dasjenige, was das Vermittelnde ist, also Absonderungsprozesse, wiederum das Aufnehmen des Abgesonderten von anderen und so weiter, dasjenige, was man im weitesten Sinne Absonderungsprozesse nennen kann; denn schließlich ist auch das Aufnehmen beruhend auf einer Absonderung nach innen, die wiederum resorbiert wird. Also dazwischen liegt wiederum dasjenige, was man Aussonderungsprozesse am besten nennen kann.
[ 3 ] We can come to understand these cosmic forces (this can also include everything which I previously said about radiations) by considering them as working towards the center and forming from outside what is on the earth and in the earth. It is, for example, a fact that the metals of the earth, in their entirety, are not primarily formed by forces inside the earth but are placed into the earth from out of the cosmos. These forces, which work through the ether (from the planetary sphere, not from the planets, for then they would be working centrally again—the planets are there to modify them) we can call formative forces, the formative forces working from outside. They encounter forces which in man and in the earth receive the formative forces, consolidate them and gather them around a center so that the earth can come into being. Thus we can call these forces the consolidating forces (see diagram). They are present in man as forces which plastically shape the organs, whereas the other forces, the formative forces, push the organs, as it were, from the spiritual-etheric world into the physical world. This is a process which, if I could say it this way, is almost palpable in the contrast between the pushing forces of magnesium and the forces of fluorine which round off. It is a process which can be found everywhere; in the teeth it occurs from below upwards, rounding itself above, and it also occurs from front to back and from back to front, and from above to below, rounding itself below. Again you can get an almost palpable comprehension of this process if you imagine that with the tendency to push something spherical towards the back, from outside towards the inside, something is formed there, and this is opposed by a sphere-forming process from below to above (see figure 2, red). Between these processes there is mediation by the secretory processes, including also the assimilation of what is secreted by other processes; in short, everything one can call secretory processes in the widest sense because, after all, assimilation depends on the reabsorption of something which is secreted towards the inside. Thus what is active in between can best be called secretory processes.

[ 4 ] Solch einen Aussonderungsprozeß können Sie wiederum mit Händen greifen, wenn Sie sich hier denken, daß auf der einen Seite dasjenige liegt, was den Kohlenstoff fortwährend aussondern will (siehe Zeichnung, orange), und dasjenige, was ihn wiederum aufnimmt in der Kohlensäurebildung (weiß) durch die Atmung von vorne. Dann setzt sich da hinunter ein solcher Aussonderungsprozeß fort. Und wenn Sie noch weiter herunterkommen in den Stoffwechsel-Gliedmaßenprozeß, dann haben Sie richtig einen Befestigungsprozeß. Aber dieser Befestigungsprozeß ist auch vorhanden nach der anderen Richtung. Sie können das verfolgen da, wo Sie wiederum, ich möchte sagen es mit Händen greifen können, wenn Sie daran gehen das Auge zu betrachten, es wird von außen herein gebildet, das zeigt Ihnen schon die Embryologie, aber es wird von innen her befestigt. Es wird die Bildung verinnerlicht. Darauf beruht ja die Entstehung des Auges. Es wird verinnerlicht (siehe Zeichnung, orange), so daß wir diesen Befestigungsprozeß, indem wir zu dem Geistig-Seelischen vorschreiten im Menschen, also zu den Organen des Geistig-Seelischen, zu den Sinnesorganen, sich vergeistigend haben, sich wirklich verseelend, vergeistigend haben in der Wahrnehmung. Das ist gewissermaßen der heruntersteigende Prozeß, der bis zur Organbildung führt (siehe Zeichnung S$. 156 und Schema S. 159). Dann finden wir am untersten Ende den Wahrnehmungsprozeß, das gegenständliche Wahrnehmen (siehe ebenda). Bildet sich das weiter aus, entwickelt es sich so weiter, dann wird das Wahrnehmen gegen das Befestigen zu, wenn es bewußt wird am Befestigen, zur Imagination. Wenn die Imagination sich weiter entwickelt und bewußt wird gegen den Aussonderungsprozeß zu, wird sie zum Inspirieren. Und wenn das Inspirieren sich weiter entwickelt gegen den Bildungsprozeß zu und da bewußt an den Bildungsprozeß heranstößt, also die Bildung durchschaut, dann wird sie zum Intuitieren (sieh ebenda). Man kann entwickeln diese Stufenfolge des seelischen Lebens von dem gegenständlichen Wahrnehmen zum Imaginieren, zum Inspirieren, zum Intuitieren.
[ 4 ] Again you can have a palpable comprehension of such a secretory process if you think that, on the one hand, something is present here which wants to continuously excrete carbon (see figure 3, orange) and that there is something else which assimilates it again in the formation of carbonic acid (white) through breathing from the front. Then such a secretory process continues behind it. If you go still further down into the metabolic-limb process, you have a real consolidation process. However, this consolidation process is also present in the other direction. You can see it everywhere, and you can have a palpable experience, as it were, if you look at the eye. As embryology shows us, it is formed from outside towards the inside, and is consolidated from within; the formation is internalized. The development of the eye depends on this (see figure 4, orange). Then as we go on to the soul and spirit in man, and therefore to the organs of the soul and spirit, to the sense organs, we see this consolidation process spiritualizing itself—really ensouling and spiritualizing itself in perception. This, in a way, is the descending process which leads to the formation of organs (see figure 1). We find the perceptual process, or objective perception, at the lower end. If this develops further, then perception goes back towards what is consolidating; if what is consolidating becomes conscious it becomes Imagination. If Imagination develops further and becomes conscious through the secretory process, it becomes Inspiration. And if Inspiration develops further towards the formative process and consciously encounters the formative process and thus understands formations, then it becomes Intuition. One can thus develop these stages of soul life from objective perception to Imagination, Inspiration and Intuition.
Bildungskräfte: Intuitieren
Aussonderungsprozesse: Inspirieren
Befestigen: Imagination Wahrnehmungen

[ 5 ] Aber diesem Prozeß, den man da entwickelt im Seelischen, liegt ja der Werdeprozeß zugrunde. Er ist nur, wie Sie hier auch sehen, die Umkehrung des Werdeprozesses. Man tritt dem Gewordenen entgegen und steigt wiederum hinauf ins Werden in umgekehrter Richtung. Das Bilden geht in absteigender Richtung. Man steigt in umgekehrter Richtung hinauf, man schreitet dem Werden entgegen, so daß das, was man als Wahrnehmen und Erkenntniskräfte in Imagination, Inspiration, Intuition ausbildet, immer seine Gegenwirkung hat in den schöpferischen Kräften, die sich in den Bildekräften, in den Aussonderungsprozessen, in den Befestigungsprozessen ausdrücken.
[ 5 ] This process, developed in the soul, is based on the process of becoming, but as you can see (in figure 1), it is the reversal of the process of becoming. One goes towards what has become, and ascends into becoming again in the reverse direction. Forming goes in a descending direction. One climbs up in the reverse direction and goes towards becoming. So, what one develops as perception and cognitional forces in Imagination, Inspiration and Intuition always has a counter-effect in the creative forces which express themselves in the formative forces, the secretory and consolidation processes.
[ 6 ] Sie werden daraus ersehen, daß im menschlichen Organismus dasjenige in umgekehrter Richtung tätig ist beim Schaffen, beim Entstehen, in das man hineinsteigt, wenn man sich im Erkennen aufschwingt. Sie werden daraus sehen, daß es wirklich so ist, daß dasjenige, was wir in der Imagination erreichen, dieselben Kräfte sind, die ohne unser Bewußtsein in den Wachstumserscheinungen, in den plastischen Wachstumserscheinungen sich geltend machen. Wenn wir aufsteigen zur Inspiration, so kommen wir an die Kräfte heran, die von außen herein bei der Atmung den Menschen inspirieren, beim Atmen den Menschen durchbilden, die sich da in die plastischen Kräfte, als sie gewissermaßen durcharbeitend, hineingestalten. Und wenn wir zum Intuitieren aufsteigen, so steigen wir eigentlich zu dem Agens auf, das sich in unseren plastischen Formen als die substantielle Wesenheit von der Außenwelt herein begibt.
[ 6 ] From this you will see that something is active in the human organism in a reverse direction in creating and becoming from what one gets into if one ascends in cognition. This will show you that it is true that in Imagination we come to the same forces which assert themselves—without our consciousness—in growth phenomena, in formative growth phenomena. If we ascend to Inspiration, we come to forces which inspire man from without and thoroughly shape him in breathing, and which weave themselves into the plastic-formative forces and elaborate them. And if we ascend to Intuition, we ascend to the active entity (Agens) which enters our plastic forms as substantial beingness from the outer world.
[ 7 ] Sie sehen also, wir fassen da den Menschen, aus dem Kosmos heraus sich gestaltend, und wenn wir jetzt unsere Kenntnisse anwenden, die wir uns erworben haben in irgendeiner Weise durch Anatomie oder Physiologie, und sie durchleuchten mit dem, was uns da gegeben ist, dann fangen wir an, die Organe und ihre Funktionen zu verstehen. Es ist das also ein Hinweis auf das Verstehen der Organe und ihrer Funktionen, so daß in demjenigen, was plastisch immer wirkt am Menschen, was den Menschen normal, ich möchte sagen durchplastiziert, auf der anderen Seite - nehmen Sie Jetzt den gestrigen Vortrag zu Hilfe -, auf der anderen Seite lebt in den konsonantierenden Bewegungen, die ja gerade unbewußte Imaginationskräfte, wie ich gestern sagte, nämlich eine Art Durchströmen des Organismus hervorrufen. Sie durchschauen da also, wie das konsonantierende Eurythmisieren mangelnde Bildekräfte im Menschen, mangelnde plastische Kräfte ergreift und sie in die richtige Plastik überführt.
[ 7 ] Thus you see that we are taking hold of man as he shapes himself out of the cosmos here, and if we use the findings which we have acquired in anatomy or physiology and illumine them with what is given us here, then we will begin to understand the organs and their functions. So this is an indication for the understanding of organs and their functions. Those forces which continually work plastically on man, which normally shape him through, live, on the other hand, in the consonantal movements. These, as I said yesterday, call forth the unconscious forces of Imagination, namely a kind of streaming-through of the organism. Here you can see how consonantal eurythmy takes hold of deficient formative-plastic forces in man and leads them over into the correct formation.
[ 8 ] Nehmen wir also ein Kind und sehen wir, daß eine mangelhafte Plastik vorliegt, daß die Plastik zu stark wuchert. Was heißt das: die Plastik wuchert zu stark? Das heißt, die Plastik wirkt zentrifugal, macht den Kopf groß, indem sie zentrifugal wirkt, und läßt ihn, weil er zu groß wird, nicht dazu kommen, sich in der richtigen Weise mit imaginierenden Kräften zu durchdringen. Die muß man zuführen. Also lasse man das Kind eurythmisieren in konsonantischer Weise.
[ 8 ] One could observe a child and notice that the body form is either deficient or is proliferating too strongly. What does it mean that the form is proliferating too strongly? It means that the form is working centrifugally and making the head big, and because it is getting too big, it does not get around to permeating itself with forces of Imagination in the right way. So these forces need to be supplied; one lets the child do consonantal eurythmy.
[ 9 ] Es liegt da eine Frage vor über «einen zwei Jahre alten, sonst scheinbar gesunden Knaben mit großem Kopf, der jedoch kein Wasserkopf ist».
[ 9 ] There is a question here about “a two-year old boy with a large head who is apparently healthy otherwise, not hydrocephalic.”
[ 10 ] Sie haben tatsächlich im konsonantierenden Eurythmisieren, das richtig angewendet wird, das Gegenmittel, um dem beizukommen. Hier kommen wir eben auf die Stelle, wo eine gründliche Beobachtung des Morphologischen, des tieferen Morphologischen gerade hinweist auf die eurythmisierende Behandlung.
[ 10 ] In properly used consonantal eurythmy, you have an antidote to overcome this. This is where a thorough observation of deeper morphological aspects points precisely to a treatment with eurythmy.
[ 11 ] Oder: «Ein zwölfdreiviertel Jahre alter Knabe, dessen Längenwuchs auffallend zurückgeblieben ist, organisch ohne Befund, jedoch Würmerbesitzer, intelligent, aber geistig schnell ermüdbar.» — Ein außerordentlich interessanter Symptomenkomplex, alles darauf hinweisend, daß nicht genügend imaginative Kräfte da sind, daß die plastischen Organkräfte wuchern, weil nicht genügend innere plastische Kräfte, seelisch plastische Kräfte da sind. Die seelisch plastischen Kräfte sind es ja nun auch, die die Parasiten zerstören. Es ist also kein Wunder, daß, wenn sie zu wenig da sind, das ein Würmerbesitzer ist. Also lasse man ihn konsonantierend eurythmisieren, und man hat das Gegenmittel gegeben.
[ 11 ] Then there is “a 12-3/4-year old boy whose longitudinal growth is clearly retarded, with no organic findings, he has worms, is intelligent but easily becomes mentally fatigued.”—This is an extraordinarily interesting complex of symptoms which all point to insufficient unconscious forces of Imagination, and which indicate that the plastic organ forces are rampant because there are not enough inner, or soul-, plastic forces. The plastic forces of the soul are also the ones which destroy parasites; if they are insufficient, it is no wonder that he has worms. So the antidote is to let him do consonants in eurythmy.
[ 12 ] Diese Zusammenhänge, die weisen Sie ja direkt darauf hin, wo Sie mit der Eurythmie einzugreifen haben. Denn wenn diese Erscheinungen etwas, ich möchte sagen kaschiert auftreten, dann kann selbst noch bei solchen kaschierten Fällen die Eurythmie außerordentlich günstig wirken, insbesondere wenn man dann noch in einer materiell therapeutischen Weise der Sache entgegenkommt.
[ 12 ] These connections show you exactly where you have to intervene with eurythmy. Even when these symptoms occur in a somewhat concealed way, eurythmy can still have an extraordinarily favorable effect if, in addition, one deals with the matter in a material, therapeutic way.
[ 13 ] So zum Beispiel ist mir eine interessante Frage vorgelegt worden. Es ist natürlich, daß ich diese Frage im Prinzip zu beantworten habe. Wenn irgendwelche Komplikationen eintreten, so könnten dann bei der speziellen Sache diese Komplikationen besonders berücksichtigt werden; aber wenn auch irgend etwas anderes kombiniert werden muß mit der Sache, so ist dennoch die Sache von der einen Seite her mit dem, was da charakterisiert werden kann, durchaus getroffen:
[ 13 ] Here is an interesting question which of course I will have to answer only in principle. If complications occur, they would have to be specifically considered, but, even if something else has to be added, what I have to say here is to the point.
[ 14 ] «Ich habe ein fünfjähriges Kind als Patient, das bei den Unruhen durch Schußverletzung viel Blut verloren hat; vor zwei Jahren stellte sich eine Deformierung der Gelenke ein. Dinge, die später zu Bleichsucht und dergleichen bei Erwachsenen führen. Wie wäre dem therapeutisch beizukommen’’»
[ 14 ] “I have a 5-year old child as a patient who lost a lot of blood from a bullet wound; two years ago his joints started to get deformed. He also has signs and symptoms which later lead to chlorosis (iron deficiency anemia) and the like in adults. How could one deal with this therapeutically?”
[ 15 ] Da haben Sie Gelenkdeformation. Das ist ein Schon-nach-außenWirken der plastischen Kräfte, die nicht mehr im Innern bleiben können, die also schon nach außen strahlen, so daß sie den Menschen verlassen, statt daß sie im Innern wirken würden. Die werden im eminentesten Sinne zurückgestrahlt gerade durch die Anwendung des konsonantischen Eurythmisierens. Denn Sie rufen ja im konsonantischen Eurythmisieren eben die wirksamen, die objektiv wirksamen Imaginationen hervor, die Deformierungen ausgleichen. In der Zukunft - darauf ist schon bei der Fragestellung ganz richtig hingewiesen worden - werden die Menschen überhaupt in der mannigfaltigsten Weise zu Deformierungen neigen, weil sie nicht mehr mit den unwillkürlich wirksamen Kräften die normalisierende Gestalt werden bilden können. Der Mensch wird frei; er wird sogar frei werden nach und nach in bezug auf die Bildung seiner eigenen Gestalt, aber er muß dann mit der Freiheit etwas anfangen können. Er muß also übergehen zu dem Erzeugen von Imaginationen, die dem Deformieren immer entgegenwirken.
[ 15 ] Here you have joint deformation. This is a working outwards of plastic forces which cannot stay inside anymore, and which radiate outwards so that they leave man instead of working inside him. They are radiated back most effectively precisely through the use of consonantal eurythmy, for with it you summon the objectively effective Imaginations which offset deformities. In the future (the question already quite correctly points to this), people in general will increasingly tend to deformities in manifold ways because they will not be able to form a normal shape with the unconsciously active forces anymore. Man is becoming free, and eventually he will be free even with respect to shaping his own form; but then he will have to be able to do something with this freedom. Therefore, he has to go over to the creation of Imaginations, which always counteract deforming tendencies.
[ 16 ] Nun das andere, sehen Sie, hier haben wir es zu tun mit mangelhafter objektiver Imagination; wir können es auch zu tun haben mit mangelhafter objektiver Inspiration, was sich dann äußert durch - wenn ich so sagen darf - Deformierung des rhythmischen Systems. Diese Deformierung des rhythmischen Systems, die drückt sich ja ganz besonders dadurch aus, daß die objektive Inspiration, die nach innen geht, nicht in der richtigen Weise entgegenkommt dem Zirkulationsrhythmus. Und da wirkt man normalisierend, wenn man das vokalisierende Eurythmisieren anwendet. Dieses vokalisierende Eurythmisieren wirkt ebenso auf Unregelmäßigkeiten im Innern, die eben nicht von morphologischen Veränderungen begleitet sind, wie das konsonantierende Eurythmisieren eben auf Deformierungen oder auf Neigungen zu Deformierungen wirkt.
[ 16 ] Here we have deficient objective Imagination, but one might also have to deal with deficient objective Inspiration, which manifests itself through (if I might be permitted to express it in this way) a ‘deforming’ of the rhythmic system. This deforming of the rhythmic system expresses itself especially where the objective Inspiration, which goes inwards, does not meet the circulation rhythm in the right way. And here one works in a normalizing way if one uses vowel eurythmy. This vowel eurythmy also works on inner irregularities but now not accompanied by morphological changes, just as consonantal eurythmy works on morphological deformities, or on tendencies to develop morphological deformities.
[ 17 ] Ich sagte früher, daß es ja allerdings notwendig sein kann, so etwas zu unterstützen, wenn es in besonders radikaler Weise auftritt, wie bei der Deformierung der Gelenke, die wir gerade jetzt besprochen haben. Da ist es dann notwendig, daß man therapeutisch zu Hilfe kommt dem Prozeß des konsonantierenden Eurythmisierens, der also so wirkt, daß er durch diese Imagination namentlich anregt die innere Atmung der von außen nach innen gehenden, jenseits der Darmwände nach innen zu gelegenen Organe: Lunge, Nieren, Leber und so weiter. Es ist ja schon einmal so, wenn man konsonantierend eurythmisiert, dann beginnen besonders der Hinterkopf, die Lunge, die Leber, die Nieren ein Funkeln und Funkensprühen, das tatsächlich etwas ist, was zeigt, wie die Reaktion, die geistig-seelische Reaktion ist auf dasjenige, was im Konsonantieren außen gemacht wird. Der ganze Mensch wird in diesen Organen ein leuchtendes Wesen, und den Bewegungen, die ausgeführt werden, setzen sich immer Leuchtebewegungen im Innern entgegen, und insbesondere bei gewissen konsonantierenden Bewegungen entsteht, ich möchte sagen eine ganze Leuchtenachbildung des Absonderungsprozesses der Niere. Man bekommt gewissermaßen ein Bild des ganzen Absonderungsprozesses der Niere in diesem Leuchteprozeß, der da auftritt durch das konsonantierende Eurythmisieren. Und das wirkt dann hinüber in die unbewußten Imaginationen, und der ganze Prozeß, wo diese Partie so zu leuchten beginnt, das ist ja derselbe Prozeß, den ich speziell als den unter dem Einflusse des Cuprum geschildert habe; es ist derselbe Prozeß. Und hier ist auch der Ort, wo man gerade den Arzt darauf hinweisen kann, daß es ja auch Menschen gibt, die gewisse Krankheitsformen haben. Gestern wurden sie mir erst wiederum, ich möchte sagen entgegengetragen, diese Krankheitsformen, indem mir jedenfalls von einer gewissen Seite her außerordentlich bewunderte Zeichnungen gebracht wurden, bemalte Zeichnungen, von denen gefragt worden ist, ob sie nun ganz besonders okkultistisch sind. Sie sind natürlich okkultistisch in einer gewissen Weise, aber es ist außerordentlich schwer, zu den Leuten über diese Dinge zu reden, denn solche Dinge, die sind objektiv fixiertes Nierenleuchten, sie sind objektiv fixierter Ausharnungsprozeß. Bei diesem Ausharnungsprozeß, wenn er in abnormer Weise bei gewissen krankhaft angelegten Menschen zum Leuchteprozeß wird, wenn also eine gewisse Stockung der Harnabsonderung eintritt - also eine reine Stoffwechselkrankheit —, beginnen dann die Nieren zu leuchten, und wenn dieses besondere, nach innen gewendete Hellsehen eintritt, dann fangen die Leute an, wild zu zeichnen. Das wird immer schön, äußerlich im formalen Sinne immer schön. Die aufgetragenen Farben werden immer schön. Natürlich sind die Leute nicht zufrieden, wenn man ihnen sagt: Ja, da hast du etwas sehr Schönes gemalt, das ist nämlich deine abgestaute Harnabsonderung. — Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß abgestaute Harnabsonderung und verhaltene Geschlechtssehnsuchten, die ja auch in einer gewissen Weise in Unregelmäßigkeiten des Stoffwechsels münden, einem entgegengehalten werden von besonders mystischen Naturen als tief mystische Zeichnungen und Malereien, und daß man in vielem, was in dieser Art in der Welt auftritt, Symptome sehen soll für gerade noch erträgliche Krankheitsabnormitäten der Menschen.
[ 17 ] Earlier I said that it might be necessary to support something like this if it occurs in a particularly radical fashion, as in the deforming of joints which we just discussed. Then it is necessary to therapeutically assist this process of consonantal eurythmy which, through this Imagination, stimulates the inner breathing of the organs which go from outside to inside, and which are situated beyond the intestinal walls: the lungs, kidneys and liver. It is a fact that if one does consonantal eurythmy, then especially the back part of the head, lungs, liver and kidneys begin to sparkle and scintillate, which shows the soul and spirit reaction to what is done outwardly in the moving of consonants. The whole man becomes a shining being in these organs, and the movements made outwardly are always met by shining movements within. Especially with certain consonant movements a whole shining reproduction of the kidneys' secretion processes occurs; one gets a picture of the whole secreting process of the kidneys. This then works over into unconscious Imaginations, and the entire process is the same one I have described as being under the influence of cuprum; it is the same process. Here is an occasion to draw the physicians' attention to the fact that there are people who have certain forms of illness. Yesterday, these forms of illness were brought towards me again in the form of extraordinarily admired colored drawings, and people asked whether they were particularly occult. Of course they are occult in a certain way, but it is extraordinarily difficult to talk to people about these matters because such wonderful drawings are actually objectively-fixed kidney-luminescence (Nierenleuchten), they are an objectively-fixed urine formation process. If this urinary process becomes a luminescent process in an abnormal way in certain pathologically disposed people—if a certain congestion of urinary secretion occurs (a purely metabolic disease) and if the kidneys then begin to shine, and if a particular introverted clairvoyance sets in—then they begin to draw furiously. This always turns out to be beautiful, at least in an external, formal sense. The applied colors are always beautiful. Of course, people are not satisfied if one tells them: you have really painted something very beautiful there—that is your congested urinary secretion.—I can assure you that obstructed urinary secretion and suppressed sexual desires, which may also bring about irregularities of the metabolism, may well be presented to you by mystically inclined personalities as deeply mystical drawings and paintings, but much that appears in the world in this way needs to be recognized as symptoms of just barely tolerable pathological human conditions.
[ 18 ] Sie sehen, anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ist nicht in dem Sinne Mystik, wie viele Menschen das verstehen, denn sie gibt sich keinen Illusionen hin über solche Dinge, wie sie eben charakterisiert worden sind. Sie erforscht im Gegenteil gerade solche Dinge. Aber die Leute nehmen einem das übel. Sie nehmen mir schon übel, daß ich in den öffentlichen Vorträgen so weit gegangen bin anzudeuten, daß zum Beispiel - wenn auch die Sachen nicht gezeichnet wurden, sondern poetisch sich auslebten -, die schöne Poesie der Mechthild von Magdeburg oder der heiligen Therese die Abbilder sind, also die Inspirationsreflexe sind von demjenigen, was Prozesse sind, die durch zurückgehaltene Sexualität entstehen. Natürlich ist es den Leuten dann nicht angenehm, wenn man ihnen eine Mechthild von Magdeburg oder eine heilige Therese schildert: ja, das sind eben Persönlichkeiten mit einer starken Sexualität, die sie aber gerade deshalb, weil sie ihnen zu stark wurde, zurückgehalten haben; dadurch entstehen gewisse Stoffwechsel-Zirkulationsprozesse, auf diese hin finden Reaktionen statt, die so auftreten, daß sie dann fixiert werden in sehr schönen Dichtungen. Ja, das Phänomen in einem höheren Sinne betrachtet, führt außerordentlich tief hinein in die Geheimnisse des Daseins. Aber man muß sich eben hinaufschwingen können zu einer solchen Auffassung. Und deshalb muß man schon auch etwas wenigstens ahnen von diesen eigentümlichen Prozessen, die als innere Prozesse aufleuchten, wenn äußerlich eurythmisiert wird. Und namentlich dann, wenn dasjenige, was nun innerlich in die Dichtung hineingeheimnißt ist, eurythmisiert wird, so wie ich Ihnen das gestern gezeigt habe, wenn vorgelesen wird ein schönes Gedicht, danach eurythmisiert wird in entsprechender Weise, so wie wir es gestern gesehen haben, konsonantierend oder vokalisierend, dann kreuzt sich das eben noch mit dem anderen, dann tritt hinzu zu dem, was da äußerlich in Bewegungen ausgeführt wird, auch beim Eurythmisierenden ein innerliches stummes Sprechen. Und wenn der Prozeß nun nicht ausgeschwült wird in schwülen Dichtungen, sondern wenn der Prozeß einfach so verläuft, daß er der Begleiter, der eurythmische Begleitprozeß ist von schönen Dichtungen, dann ist dasjenige, was im Menschen vorgeht, eben nicht ein solches Aufzeichnen von Mystischem, sondern es ist ein durchaus den Menschen gesundmachender Prozeß, so daß man sagen kann: Wenn man eurythmisieren läßt geradeso, daß man immer den Patienten aufmerksam macht, höre gut zu, bringe dir stark zum Bewußtsein den gehörten Laut, den gehörten Satzzusammenhang, nach dem du die Eurythmie machst — dann wird man ihn aufsteigen lassen gerade zu den äußeren Bildungskräften, zu den objektiv intuitierenden Kräften. Und man wird gut tun, wenn man auf alles dasjenige wirken will, was sich im Menschen findet als Rest von dem, was nicht mehr sich abgespielt hat zwischen Geburt und Tod, sondern was der Materialismus Vererbung nennt, wovon aber ein großer Teil eben aus dem präexistenten geistig-seelischen Leben mitgebracht ist, wenn man also wirken will auf dasjenige, was man angeborene Fehler, Defekte und so weiter nennen kann, dann wird man gut tun, insbesondere im jugendlichen Alter immer wieder und wiederum so durch die Eurythmie zu wirken, daß man den Eurythmisierenden immer wieder auffordert, mache dir ganz klar dasjenige, was du im Äußeren hörst. Dadurch werden ja auch vertrieben alle diejenigen Tendenzen, die das innerlich fixieren wollen, was etwa da entstehen will in so etwas wie das mystische Zeichnen oder mystische Dichten. Es wird ja gerade das angeschlossen an das äußere schöne Gedicht. Es ist der umgekehrte Prozeß. Ein richtiger Mystiker weiß, daß dasjenige, was der Mensch als gerade Abnormes an Schönem reflektiert, daß das immer eine bedenkliche Seite hat. Dagegen, wenn dasjenige, was in der Außenwelt schön ist, innerlich erlebt wird, dann kann man nicht sagen, daß es sich einem als besonders großartig schönes Gebilde darstellt; im Gegenteil, es schematisiert sich, es wird abstrakt dadurch, aber abstrakt als Zeichnung, so wie eine Zeichnung abstrakt ist. Aber das ist gerade das Gesunde, das ist das Erwünschte. Und nicht wahr, es wäre ja dieser schöne historische Prozeß nicht hervorgetreten - aber wenn zum Beispiel die Mechthild von Magdeburg veranlaßt worden wäre, nach guten Gedichten zu eurythmisieren, dann wäre sie bewahrt geblieben vor ihrem ganzen mystischen Schicksal. Man kann natürlich, wenn man an diesen Punkt kommt, sagen: Da kommt man an einen Punkt, wo gewissermaßen das Gute und das Böse in einer gewissen Weise aufhört. Da kommt man in die amoralische Nietzsche-Sphäre, in das Jenseits von Gut und Böse, und man kann ja natürlich nicht so philiströs sein, daß man sagt, es sollen alle Mechthilds von Magdeburg mit Stumpf und Stiel ausgetilgt werden. Aber auf der anderen Seite können Sie schon sicher sein, daß wiederum von den übersinnlichen Welten aus gut gesorgt wird, daß, wenn der Mensch das auch nicht gerade wuchern läßt, dann eben trotzdem die entsprechenden Zusammenhänge mit der übersinnlichen Welt bleiben.
[ 18 ] You see, anthroposophically oriented spiritual science is not mysticism in the way many people understand this, because it does not delude itself about matters such as the ones just characterized. Rather, it investigates them and then people are offended. For example, they were already offended when I went so far in public lectures as to indicate (even though the artistic productions were poems and not drawings) that the beautiful poetry of Mechthild von Magdeburg or of St. Theresa are copies, or the inspirational reflexes, of processes which arise through restrained sexuality. Of course, people find it disagreeable if one describes a Mechthild on Magdeburg or a St. Theresa as personalities with a strong sexuality which they suppressed because it became too strong for them, and that their beautiful poetic creations were then the reaction to certain metabolic and circulatory processes arising from such a suppression. Seen from a higher point of view, this phenomenon leads deeply into the secrets of existence, but one must be able to elevate oneself to such a view. One should have at least an inkling of these peculiar processes which light up as inner processes when one does eurythmy. If what is hidden in a poem is eurythmized, as I showed you yesterday, if a beautiful poem is read and eurythmy is done to it in an appropriate way with consonants or vowels, then this also is accompanied by something else—then an inner, silent speaking joins what is done there externally in the eurythmy movements. And, if the process is not sweltered out in sultry poems, but if the process simply accompanies beautiful poems eurythmically, then what takes place in people is not a representing of something mystical but is a process which definitely makes a person healthy. If one lets the patient do eurythmy by always telling him to pay attention to what he is hearing and to be strongly aware of the sound heard, and of the heard context of the sentence he is eurythmizing, one will then let him arise to the external formative forces, to the objective intuiting forces. If one wants to work on what are called inborn errors, defects, etc. (which materialism calls heredity, but a large part of this was brought along from the pre-existent life of soul and spirit) then one will do well to work with eurythmy especially at a young age, by repeatedly challenging the person doing eurythmy to make very clear to himself what he is hearing outwardly. In this way one drives away all those tendencies which want to inwardly fix what may possibly want to arise into something like mystical drawings or poems. This focused listening while doing eurythmy is then attached to the outer, beautiful poem. It is a reverse process. A true mystic knows that there is always something questionable about a beautiful object which is a reflection of an abnormality. On the other hand, if what is beautiful in the outer world is inwardly experienced, one cannot say that it presents itself as a particularly great and beautiful figure; on the contrary, it becomes schematic and abstract in the way that a drawing is abstract. But precisely this is a healthy thing, this is what is desired. It is true that this beautiful, historical process would not have come about—but if, for example, Mechthild von Magdeburg had been induced to do eurythmy to some good poems, she would have been protected from her whole mystical destiny. Of course, when one gets to this point, one arrives where good and evil cease to be. One comes to the amoral Nietzsche sphere beyond good and evil, and of course one should not be narrow-minded and say that all Mechthild von Magdeburgs should be destroyed, bones and all. On the other hand, you can be sure that it is well taken care of from the spiritual worlds, that, even though man does not let these things proliferate, the appropriate connections with the super-sensible world nevertheless remain.
[ 19 ] Nun möchte ich noch auf ein paar Dinge eingehen, die vielleicht doch noch einiges aufklären können, trotzdem ja unsere Zeit schon sehr vorgeschritten ist. Ich möchte da zunächst namentlich auf die Frage eingehen:
[ 19 ] Even though the hour is late, I would like to go into a few things which might clarify the following question:
[ 20 ] «Könnten die therapeutischen Eurythmie-Übungen nicht durch rationelle Atem-Übungen unterstützt werden? Es braucht ja nicht gleich Hatha-Joga zu sein.»
[ 20 ] “Could therapeutic eurythmy exercises be supported by rational breathing exercises? It does not have to be Hatha Yoga right away.”
[ 21 ] Nun, dazu habe ich das Folgende zu bemerken: Rationelle Atemübungen zur Unterstützung der Eurythmie-Übungen, die sind für unsere Zeit bei der gegenwärtigen, in der nun einmal eingeschlagenen Richtung immer weitergehenden Menschennatur nur in der folgenden Weise zu behandeln. Man wird nämlich bemerken, daß unter dem Einflusse namentlich des vokalisierenden Eurythmisierens von selbst eine Tendenz zur Änderung des Atmungs-Rhythmus entsteht. Das wird man bemerken. Und nun steht man eben vor der Unbequemlichkeit, daß man hier nicht schablonisieren soll, nicht irgend etwas im allgemeinen sagen soll, sondern daß man dasjenige, was man tun soll, erst beobachten soll. Man soll sich im einzelnen individuellen Fall damit befassen, die Atmung eines Menschen, dem man nach sonstigem Befunde mit vokalisierendem Eurythmisieren heilend helfen will, diese Atmungs-Änderung zu beobachten, und dann soll man ihn darauf aufmerksam machen, daß er bewußt diese Tendenz nun fortsetzt. Denn wir sind nicht mehr Menschen, wie es die alten Orientalen waren, die den umgekehrten Weg gehen können, durch vorgeschriebenes Atmen den ganzen Menschen wiederum zu beeinflussen. Das ist etwas, was unter allen Umständen, wenn es so oder so vorgeschrieben wird, zu inneren Schocks führt, und was eigentlich vermieden werden sollte. Wir müssen eben lernen, dasjenige zu beobachten, was uns die Eurythmie, namentlich die vokalisierende Eurythmie lehrt über ihren eigenen Einfluß auf den Atmungsprozeß. Und dann können wir bewußt fortsetzen dasjenige, was im einzelnen Falle eurythmisch auftritt. Sie werden da nämlich durchaus sehen, daß dieser Prozeß, dieser Atmungsprozeß in einer gewissen Weise individuell, das heißt verschieden für die verschiedenen Menschen, eben fortgesetzt wird.
[ 21 ] Rational breathing exercises to supplement eurythmy exercises for present human nature, which is developing as it is today, can only be treated in the following way; one will notice that, under the influence of vowel eurythmy, a tendency to change the breathing rhythm occurs by itself. This one will notice. Then one is faced with the difficulty of not forming mental stereotypes or saying anything in general, but of first observing to come to insight about what should be done. In a single individual case where one wants to help to heal with vowel eurythmy in accordance with other findings one should observe the breathing, the change in breathing, and then draw the patient's attention to it so that he consciously continues this tendency. For, unlike the old orientals, we can no longer take the reverse path and influence the whole man through prescribed breathing. This is something which under all circumstances leads to inner shocks, whether it is prescribed in this or that way, and it should be avoided. We must learn to observe what vowel eurythmy teaches us about its influence on the breathing process. Then we can consciously continue what appears eurythmically in the individual case. From this you will see that the breathing process is continued in a specifically individual way—that is, differently in different people.
[ 22 ] Nun, das, meine verehrten Freunde, sind ungefähr diejenigen Dinge, die sich noch beantworten lassen. Es ist keine rechte Möglichkeit vorhanden, auf einiges, was ja allerdings noch stecken geblieben ist, einzugehen wegen der Kürze der Zeit. Am Schlusse möchte ich Ihnen nur mit ein paar Worten sagen, meine lieben Freunde, daß Sie sich darauf gefaßt machen müssen, daß von Ihren medizinischen Kollegen in der Welt nicht minder der Kampf ausgehen wird, sobald sie in einer starken Weise gewahr werden, daß sich da irgend etwas von unserer Art geltend macht, und daß Sie schon brauchen die ÜberzeugungsDurchschlagskraft, welche dasjenige, was Ihnen entgegentreten wird, wird ablähmen können. Es darf einen natürlich niemals das, was sich da entgegensetzt, dazu veranlassen, die Dinge zu unterlassen, aber wir dürfen uns auch über all diejenigen Kräfte, die wir als antagonistische aufrufen, eben durchaus keinen Illusionen hingeben.
[ 22 ] So this, my esteemed friends, is about all that could still be answered. There are a few things we cannot get to because of a lack of time. In conclusion, my dear friends, I would briefly like to tell you that you will have to be prepared for the battle which will proceed just as much from your medical colleagues in the world, once they become strongly aware that some of our kind of thinking is asserting itself, and you will certainly need a strong power of conviction to paralyze what will come to meet you. Of course, opposition should never make one stop doing things, but we should also have no illusions about all the antagonistic forces which will be stirred up.
[ 23 ] Auch am Ende dieses Kursus wiederum möchte ich sagen, daß es durchaus von mir überall eingehalten wird, daß ich, um die Bewegung so, wie sie Jetzt inauguriert werden soll auf dem medizinischen Felde, möglich zu machen, selber mich Patienten gegenüber nicht unmittelbar in Heilungsprozesse einmischen werde, sondern nur besprechend, diskutierend, ratend mit Ärzten selber, so daß Sie ja immer in der Lage sein können, zurückzuweisen dasjenige, was etwa darauf hinginge, daß ich selber in irgendeiner Weise in das Kurieren eingreifen wollte in unberechtigter Art. Das ist dasjenige, was ich schon am Schlusse des letzten Kursus gesagt habe. Es wird einem ja auch das namentlich — das kann schon nicht verschwiegen werden — von anthroposophischer Seite außerordentlich schwer gemacht, weil die Menschen natürlich mit allen möglichen Zumutungen nach dieser Richtung kommen. Es ist ja durchaus auch das der Fall, daß in Anthroposophen auch die Tendenz liegt, nicht etwa über den Egoismus hinaus zu kommen, sondern manchmal noch egoistischer zu werden, als die normalen Menschen sind, und dann wird es einem gegebenenfalls wirklich ganz gleichgültig, höchst gleichgültig, was das Heil der Bewegung ist, daß das Heil der Bewegung darauf beruht, daß nicht im einzelnen Fall dasjenige ausgeführt werden soll, was die Außenwelt eben als «Kurpfuscherei» bezeichnet, sondern daß der Gesundungsprozeß der ganzen Medizin vor sich gehen soll, und daß der nicht gestört werden soll durch dasjenige, was der Einzelne vielleicht manchmal aus seinen persönlichen Aspirationen heraus eben für Anforderungen stellt. Es wird einem das sehr schwer, aber es muß in dieser Richtung durchgeführt werden, denn wir werden nur dann gerade auf diesem Gebiete durchkommen können, wenn wir der Außenwelt entgegenhalten können, was auch sonst in unserer anthroposophischen Bewegung der Fall ist, insofern sie mit Verständnis getrieben wird, nicht verballhornt wird von den Unverständigen -, wir müssen in der Lage sein, einfach dadurch, daß wir wissen, was in der anthroposophischen Bewegung vorgeht, zu sagen: Das, was da gesagt wird, ist ganz gewiß eine Lüge, ist ganz gewiß erfunden. - Das müssen wir in gewissen Fällen eben einfach immer sagen können. Das können wir aber sagen, wenn wir innerlich in all dasjenige, ich möchte sagen eingeweiht sind, was in solchen Dingen besteht, auf die ich hier aufmerksam gemacht habe, daß ich nicht in Heilungsprozesse direkt eingreife, sondern daß zum Heilen gegenüber den Patienten eben diejenigen da sind, die als Ärzte innerhalb unserer anthroposophischen Bewegung funktionieren.
[ 23 ] At the end of this course I would again like to say that to make the movement which is now to be inaugurated in the medical field possible, I will everywhere strictly adhere to the principle of not directly intervening in the healing processes of patients and will only advise the physicians themselves, so that you will always be in a position to reject suggestions that I myself have entered into the doctor-patient relationship in perhaps an unjustified manner. I already said this at the end of the last course. One should not remain silent about the fact that this is made extraordinarily difficult from anthroposophical quarters because, of course, people come with all kinds of unreasonable demands in this respect. It is also definitely the case that there is a tendency among anthroposophists not to get beyond their egotism but to sometimes get even more egotistical than normal people, and in some cases, they become highly indifferent to the well-being of the movement and to the fact that the well-being of the movement depends on not practicing what the outer world calls quackery. For a healing process of all of medicine should occur, and it should not be disturbed by the demands which individuals sometimes make because of their personal aspirations. This becomes very difficult, but it has to be done along these lines. We will succeed in this area only if in reply to false accusations from the outer world we can say: what is said there is definitely a lie, it is definitely made up. We will be able to say this simply because we know what is going on in the anthroposophical movement. In certain cases we will simply always have to be able to say this. However, we can only say this if we are inwardly initiated into everything which consists of such things as the ones to which I have drawn your attention here, namely that I will not directly intervene in therapy, but that the people who function as physicians within our anthroposophical movement are there to heal the patients.
[ 24 ] Indem ich das noch sagen mußte, möchte ich nichts anderes mehr hinzufügen als das, daß gerade in Ihnen diese Anregungen, die ja gerade bei diesem Kurse oftmals nur in Andeutungen stecken bleiben mußten wegen der Kürze der Zeit, daß diese Anregungen in Ihnen sich weiter verarbeiten mögen, und daß sie wirksam werden in der entsprechenden Weise zum Heile der Menschheit. Wir werden hoffentlich Gelegenheit haben, dasjenige, was wir jetzt zweimal begonnen haben, auf irgendeine Art weiter zu führen, und wollen uns wenigstens bemühen, es in irgendeiner Art weiter zu führen. Mit diesem Wunsche schließe ich diese Betrachtungen ab, meine lieben Freunde, und ich hoffe, daß nach all diesen Richtungen hin unsere Taten unseren Wünschen entsprechen mögen. Es war ein sehr befriedigendes Gefühl, Sie hier zu sehen. Es wird ein befriedigendes Gefühl sein, zurückzudenken an die Tage, die Sie hier gerade zur Bereicherung der medizinischen Wissenschaft haben verbringen wollen, und die Gedanken, die uns zusammenhalten sollen, werden Sie auf den Wegen begleiten, meine lieben Freunde, auf denen Sie wandeln werden, um dasjenige in die Tat umzusetzen, was wir hier versuchten, in Gedanken zunächst anzuregen.
[ 24 ] In conclusion I would like to express to you my hope that these beginning impulses, although still mere indications, may be developed further by you, and that they become effective for the well-being of mankind. Hopefully we will have an opportunity to continue what we have now begun twice, and will at least make an effort to continue this in some way. With this wish I close these contemplations, my dear friends, and I hope that our deeds will correspond to our wishes in all these directions. It was very satisfying to see you here. It will be satisfying to think back to the days which you wanted to stay here, precisely for the enrichment of medical science, and the thoughts which shall hold us together will accompany you on the paths, my dear friends, on which you will walk to transform into deed what to begin with we tried to stimulate here in thoughts.
