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Physiological Therapeutics
based on Spiritual Science
GA 314

7 April 1920, Dornach

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Die Hygiene als Soziale Frage

Hygiene as a Social Issue

[ 1 ] Daß die soziale Frage zu den die Gegenwart am meisten beschäftigenden Angelegenheiten gehören soll, das wird in weitesten Kreisen nicht bezweifelt, und überall, wo man nur ein wenig Herz hat für dasjenige, was sich in der Gegenwart aus der Entwickelung der Menschheitsgeschichte heraus ergibt, was da liegt an drohenden oder zu bearbeitenden Impulsen für die Zukunft, das faßt sich zusammen unter dem Namen der sozialen Frage. Man muß sich aber sagen, daß die Betrachtung, die Behandlung dieser sozialen Frage in der Gegenwart an dem Grundübel leidet, mit dem so vieles in unserem Erkenntnisleben, in unserem moralischen Leben, ja in unserem ganzen Zivilisationsleben, behaftet ist, nämlich an dem Intellektualismus unserer Zeit, daran leidet, daß ihre Probleme so häufig bloß in den Gesichtswinkel einer intellektualistischen Betrachtung gestellt werden. Es wird von diesem oder jenem mehr nach rechts oder links gelegenen Standpunkte über die soziale Frage verhandelt. Das Intellektualistische dieser Verhandlungen zeigt sich darinnen, daß man von gewissen Theorien ausgeht, davon ausgeht, das oder jenes müsse so oder so sein, das oder jenes müsse abgeschafft werden. Dabei nimmt man überall wenig Rücksicht auf den Menschen selbst. Man behandelt den Menschen so, wie wenn es etwas Allgemeines «der Mensch» gäbe, als ob es etwas gäbe, was nicht in einer gewissen Beziehung individuell bei jedem Menschen besonders ausgebildet wäre. Man wendet die Betrachtung nicht hin auf die Eigenart und Eigentümlichkeit des einzelnen Menschen. Daher gewinnt auch unsere ganze Betrachtung der sozialen Frage etwas Abstraktes, etwas, was heute so wenig übergeht in die sozialen Empfindungen, in die Gesinnungen, die spielen zwischen Mensch und Mensch. Man merkt dasjenige, was hier als ein Mangel der sozialen Betrachtung vorliegt, wohl am deutlichsten, wenn man auf ein bestimmtes Gebiet, auf ein solches, das vielleicht mehr als manche andere geeignet ist, einer sozialen Betrachtung unterworfen zu werden, wenn man zum Beispiel auf das Gebiet der Hygiene, insofern Hygiene eine öffentliche Angelegenheit ist, die nicht den einzelnen Menschen, sondern die Menschengemeinschaft angeht, seine Aufmerksamkeit wirft.

[ 1 ] There is no doubt in the broadest circles that the social question is among the matters most preoccupying the present; and wherever there is even a little concern for what is currently emerging from the development of human history—for the impulses that lie there, whether threatening or to be addressed, for the future—this is summed up under the name of the social question. One must realize, however, that the consideration and treatment of this social question today suffers from the fundamental flaw that afflicts so much in our intellectual life, our moral life, indeed our entire civilized life—namely, the intellectualism of our time; it suffers from the fact that its problems are so often viewed solely from the perspective of an intellectualist approach. The social question is discussed from this or that standpoint, situated more to the right or to the left. The intellectualistic nature of these discussions is evident in the fact that they proceed from certain theories—assuming that this or that must be one way or another, or that this or that must be abolished. In doing so, little consideration is given to the human being himself. People are treated as if there were some general concept of “humanity,” as if there were something that were not uniquely developed in each individual in a certain way. Attention is not directed toward the individuality and uniqueness of each person. Consequently, our entire approach to the social question takes on an abstract quality—one that today finds little resonance in the social sentiments and attitudes that interact between people. One notices this deficiency in social analysis most clearly when one turns one’s attention to a specific field—one that is perhaps more suited than many others to social analysis—such as the field of hygiene, insofar as hygiene is a public matter that concerns not the individual but the human community.

[ 2 ] Zwar fehlt es uns auch heute durchaus nicht an hygienischen Anweisungen, an Abhandlungen und Schriften über Gesundheitspflege auch als öffentliche Angelegenheit. Allein, man muß fragen: Diese Anweisungen, diese Betrachtungen des Hygienischen, wie stellen sie sich in das soziale Leben hinein? Da muß man eben sagen: Sie stellen sich so hinein, daß einzelne Reden über eine richtige Gesundheitspflege veröffentlicht werden als das Ergebnis ärztlicher, physiologischer, medizinischer Wissenschaft, gewissermaßen auch das Vertrauen, das man zu einem Fach hat, zu einem Fach, dessen innere Wesenheit man nicht zu prüfen in der Lage ist, die Grundlage bilden soll für die Annahme solcher Regeln. Rein auf Autorität hin können weiteste Kreise, die es doch angeht — denn es geht alle Menschen an —, das annehmen, was gewissermaßen aus den Studierkammern und Untersuchungszimmern, Untersuchungslaboratorien des Mediziners über Hygiene an die Offentlichkeit tritt. Wenn man aber davon überzeugt ist, daß im Laufe der neueren Geschichte, im Laufe der letzten vier Jahrhunderte in der Menschheit die Sehnsucht heraufgezogen ist nach demokratischer Ordnung aller Angelegenheiten, so tritt einem, wenn das auch heute vielen als grotesk erscheint, doch entgegen dieses ganz Undemokratische des reinen Autoritätsglaubens, der auf hygienischem Gebiet gefordert wird. Das Undemokratische dieses Autoritätsglaubens tritt der Sehnsucht nach Demokratie gegenüber, wie sie, man möchte sagen, in der Gegenwart, wenn auch oftmals in sehr paradoxer Weise, bis zu einem Kulminationspunkt heraufgeschritten ist.

[ 2 ] It is true that even today we certainly do not lack hygiene guidelines, treatises, and writings on health care—including as a public matter. However, one must ask: How do these guidelines and these considerations of hygiene fit into social life? One must simply say: They are integrated in such a way that individual statements about proper health care are published as the result of medical, physiological, and scientific research; in a sense, the trust placed in a specialized field—a field whose inner nature one is unable to examine—is supposed to form the basis for the acceptance of such rules. Solely on the basis of authority, the broadest circles—which are, after all, concerned by this, for it concerns all people—can accept what, in a sense, emerges from the physicians’ study rooms, examination rooms, and laboratories regarding hygiene and is presented to the public. But if one is convinced that, in the course of recent history—over the last four centuries—a yearning has arisen among humanity for a democratic order in all matters, then one is confronted—even if this seems grotesque to many today—with the profoundly undemocratic nature of this blind faith in authority that is demanded in the field of hygiene. The undemocratic nature of this belief in authority stands in contrast to the yearning for democracy, which—one might say—has, in the present, albeit often in very paradoxical ways, reached a culmination point.

[ 3 ] Ich weiß sehr gut, daß der Satz, den ich eben ausgesprochen habe, von vielen als paradox empfunden wird, denn man stellt einfach nicht zusammen die Art und Weise, wie jemand das entgegennimmt, was auf Gesundheitspflege bezüglich ist, mit der demokratischen Forderung, daß über öffentliche Angelegenheiten, die jeden mündig gewordenen Menschen angehen, auch die Gemeinschaft dieser mündig gewordenen Menschen, sei es direkt oder sei es durch ihre Vertreter, zu urteilen habe. Gewiß muß ja gesagt werden: Es kann vielleicht nicht in vollständig demokratischer Weise sich so etwas ausleben wie hygienische Anschauung, hygienische Pflege des öffentlichen Lebens, weil es abhängig ist von dem Urteil desjenigen, der auf einem gewissen Gebiete nach Erkenntnis sucht. Aber auf der anderen Seite muß doch die Frage auftauchen: Sollte nicht ein stärkeres Demokratisieren, als es heute unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist, auf einem solchen Gebiete angestrebt werden können, das so nahe, so unendlich nahe jeden einzelnen Menschen und damit die Menschengemeinschaft angeht, wie die öffentliche Gesundheitspflege?

[ 3 ] I am well aware that the statement I just made is perceived by many as paradoxical, because people simply do not associate the way someone accepts matters pertaining to health care with the democratic demand that the community of all adults—whether directly or through their representatives—should also have a say in public affairs that concern every adult. Certainly, it must be said: It may not be possible to fully realize something like a hygienic perspective or the hygienic management of public life in a completely democratic manner, because it depends on the judgment of those who seek knowledge in a particular field. But on the other hand, the question must surely arise: Shouldn’t we strive for a greater degree of democratization—beyond what is currently possible under present conditions—in a field that concerns every single person, and thus the human community, so closely, so infinitely closely, as public health care does?

[ 4 ] Es wird uns heute gewiß viel gesagt über die Art und Weise, wie der Mensch drinnenstehen soll im Leben in bezug auf Luft und Licht, in bezug auf Nahrung, in bezug auf die Ableitung der entweder durch den Menschen selbst oder durch seine Umgebung hervorgebrachten Abfallprodukte und so weiter und so weiter. Aber dasjenige, was da als Regeln über diese Dinge in die Menschheit geworfen wird, das ist meistens unprüfbar für diejenigen Menschen, auf die es angewendet werden soll.

[ 4 ] We certainly hear a great deal today about how human beings should approach life in terms of air and light, in terms of food, in terms of the elimination of waste products produced either by the human being themselves or by their environment, and so on and so forth. But what is presented to humanity as rules regarding these matters is, for the most part, unverifiable for the very people to whom it is supposed to apply.

[ 5 ] Nun möchte ich nicht mißverstanden werden; ich möchte dahin nicht mißverstanden werden, daß ich in diesem Vortrage, der ja gewidmet sein soll dem Thema «Die Hygiene als soziale Frage», für irgend etwas besonders Stellung nehme. Ich möchte gewissermafßen dasjenige, was heute vom Parteistandpunkte aus oder vom Standpunkte einer gewissen wissenschaftlichen Überzeugung aus einseitig behandelt zu werden pflegt, das möchte ich nicht einseitig behandeln. Ich möchte — vielleicht gestatten Sie dieses scheinbare Herausfallen aus der Rolle in der Einleitung —, ich möchte weder irgendwelche Partei nehmen für den alten Aberglauben, daß Teufel und Dämonen herumgehen als Krankheiten und in die Menschen aus- und einziehen, noch möchte ich Partei nehmen für den modernen Aberglauben, daß die Bazillen und Bakterien in den Menschen einziehen und ausziehen und die Krankheiten bewirken. Ob man es zu tun hat mit einem spiritistischen, spirituellen Aberglauben von alther, ob mit einem materialistischen Aberglauben, das mag uns heute weniger beschäftigen. Aber berühren möchte ich etwas, was unsere ganze Zeitbildung durchdringt, namentlich insofern diese Zeitbildung abhängig ist von den wissenschaftlichen Grundüberzeugungen unserer Zeit. Wenn auch heute von vielen Seiten versichert wird, daß wissenschaftlich der Materialismus, wie er sich in der Mitte und noch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts geltend gemacht hat, überwunden sei, so kann doch diese Behauptung nicht gelten für denjenigen, der nun wirklich das Wesen von Materialismus und seinem Gegenteil durchschaut; denn es ist dieser Materialismus höchstens für einige Menschen überwunden, die sehen, daß die heutigen wissenschaftlichen Tatsachen nicht mehr zulassen, daß man in Bausch und Bogen erklärt: Alles, was es gibt, ist nur irgendein mechanischer, physischer oder chemischer Prozeß, der sich im Materiellen abspielt. — Damit ist es nicht getan, daß, gezwungen durch die Macht der Tatsachen, einige Menschen zu dieser Überzeugung gekommen sind. Denn gegenüber dieser Überzeugung steht die andere Tatsache da, daß nun trotz dieser Überzeugung auch diejenigen, die sie haben, und die anderen erst recht, wenn es darauf ankommt, irgend etwas konkret zu erklären, sich eine Anschauung über irgend etwas Konkretes zu bilden, dann doch in die Denkweise die materialistische Richtung aufnehmen. Man sagt ja auch, Atome, Moleküle sind unschädliche Rechnungsmünzen, von denen man nichts anderes behaupten wolle, als daß sie Gedankendinge seien. Aber die Betrachtung ist deshalb doch eine atomistische, eine molekularistische geblieben. Wir erklären die Welterscheinungen aus dem Verhalten und aus der gegenseitigen Beziehung der Atome oder der Molekularprozesse heraus, und es kommt da nicht darauf an, ob wir uns nun die Vorstellung machen: irgendein Gedanke, ein Gefühl oder irgendein anderer Prozeß hänge nur mit materiellen Vorgängen der Atome und Moleküle zusammen, sondern es kommt darauf an, welche Richtung unsere ganze Seelenverfassung, welche Richtung unser Geist annimmt, wenn er zu seinen Erklärungen nur das als Grundlage annimmt, was atomistisch gedacht ist, was aus dem Kleinsten, dem erfundenen Kleinsten hervorgeht. Nicht ob man wortwörtlich oder gedanklich die Überzeugung hat: es gibt noch etwas anderes als atomistische Wirkungen, materielle Atomwirkungen, nicht darauf kommt es an, sondern darauf, ob man die Möglichkeit hat, andere Weltenerklärungen zur Richtschnur seines Geistes zu machen als das Herleiten der Erscheinungen aus dem Atomistischen, Nicht was wir glauben, sondern wie wir erklären, wie wir uns in der Seele verhalten, darauf kommt es an. Und hier an diesem Orte muß die Überzeugung vertreten werden, daß über das Übel, das man in dieser Weise charakterisieren kann, wie ich es eben jetzt getan habe, nur wirkliche, echte Geisteswissenschaft, anthroposophisch orientierte, hinweghelfen kann.

[ 5 ] Now, I do not wish to be misunderstood; I do not wish to be misunderstood as taking a particular stance on anything in this lecture, which is, after all, intended to be devoted to the topic “Hygiene as a Social Issue.” I would like, so to speak, to avoid treating in a one-sided manner that which today tends to be addressed one-sidedly from a partisan standpoint or from the standpoint of a certain scientific conviction. I would like—perhaps you will allow this apparent deviation from the script in the introduction—I would like neither to take sides with the old superstition that devils and demons roam about as diseases, entering and leaving people, nor would I like to take sides with the modern superstition that germs and bacteria enter and leave people and cause diseases. Whether we are dealing with a spiritualist, spiritual superstition of old or with a materialistic superstition is of less concern to us today. But I would like to touch on something that permeates our entire conception of time, particularly insofar as this conception depends on the fundamental scientific convictions of our time. Even though many today assert that, scientifically speaking, materialism—as it prevailed in the middle and even in the last third of the 19th century—has been overcome, this claim cannot hold true for anyone who truly understands the nature of materialism and its opposite; for this materialism has been overcome, at most, only by a few people who see that today’s scientific facts no longer permit one to declare across the board: Everything that exists is merely some mechanical, physical, or chemical process taking place in the material realm. — It is not enough that, compelled by the force of the facts, some people have come to this conviction. For standing in contrast to this conviction is the other fact that, despite this conviction, even those who hold it—and others even more so—when it comes down to explaining something concrete or forming a view about something concrete, still adopt the materialist line of thought. People also say that atoms and molecules are harmless counting tokens, about which one would claim nothing more than that they are mental constructs. But the perspective has nevertheless remained an atomistic, a molecular one. We explain the phenomena of the world based on the behavior and mutual relationships of atoms or molecular processes, and it does not matter what mental image we form of that any thought, feeling, or other process is connected solely to the material processes of atoms and molecules; rather, what matters is the direction our entire mental disposition takes, the direction our mind takes, when it bases its explanations solely on what is conceived atomistically—that which arises from the smallest, the fictitiously smallest. It does not matter whether one holds the conviction—literally or conceptually—that there is something other than atomistic effects, material atomic effects; what matters is whether one has the possibility of making explanations of the world other than the derivation of phenomena from atomism the guiding principle of one’s mind. It is not what we believe, but how we explain, how we conduct ourselves in our souls—that is what matters. And here, in this place, we must uphold the conviction that only true, genuine Spiritual Science—anthroposophically oriented—can provide a remedy for the evil that can be characterized in the way I have just done.

[ 6 ] Daß dies nun der Fall sein kann: ich möchte es auch im Konkreten belegen. Es gibt wohl kaum etwas, was uns verwirrender entgegentritt, als die heute vielfach geltend gemachten Unterschiede zwischen der menschlichen Leiblichkeit und dem menschlichen Seelischen oder dem menschlichen Geistigen, zwischen demjenigen, was physische Erkrankungen sind, und dem, was sogenannte Seelen- oder Geisteskrankheiten sind. Gerade die sachgemäße Unterscheidung und die sachgemäße Aufeinanderbeziehung solcher Tatsachen des menschlichen Lebens wie die des kranken Leibes oder der scheinbar kranken Seele, die leiden in bezug auf die Einsicht unter der materialistischatomistischen Vorstellungsart. Denn was ist denn eigentlich das Wesen desjenigen Materialismus, der sich als neuere Weltanschauung vieler Menschen allmählich herausgebildet hat, und der durchaus nicht überwunden, sondern heute geradezu in seiner Blüte ist? Was ist das Wesen? Das Wesen ist nicht, daß man auf die materiellen Vorgänge hinsieht, daß man hinsieht auf dasjenige, was sich auch an materiellen Vorgängen in der menschlichen Leiblichkeit abspielt, und daß man hingebungsvoll den Wunderbau und die Wundertätigkeit des menschlichen Nervensystems und der anderen menschlichen Organe oder des Nervensystems der Tiere oder der Organe anderer Lebewesen studiert. Nicht das macht einen zum Materialisten, daß man diese Dinge studiert, sondern das macht einen zum Materialisten, daß man bei dem Studium der materiellen Vorgänge vom Geiste verlassen ist, daß man in die Welt der Materie hineinschaut und nur Materie und materielle Vorgänge sieht.

[ 6 ] That this may indeed be the case: I would like to demonstrate it with specific examples. There is hardly anything that confuses us more than the distinctions frequently asserted today between the human physical body and the human soul or spirit, between what constitutes physical illness and what constitutes so-called mental or spiritual illness. It is precisely the proper distinction and the proper interrelation of such facts of human life—such as the sick body or the seemingly sick soul—that suffer in terms of understanding under the materialistic-atomistic mode of thought. For what, in fact, is the essence of that materialism which has gradually emerged as the modern worldview of many people—and which has by no means been overcome, but is in fact flourishing today? What is its essence? Its essence does not lie in observing material processes, in observing what takes place in the human body in terms of material processes, or in devotedly studying the marvelous structure and functioning of the human nervous system and other human organs—or the nervous systems of animals or the organs of other living beings. It is not the study of these things that makes one a materialist; rather, it is the fact that, in studying material processes, one is devoid of the spirit—that one looks into the world of matter and sees only matter and material processes.

[ 7 ] Das ist dasjenige aber, was Geisteswissenschaft geltend machen muß — ich kann heute über diesen Punkt nur zusammenfassend sprechen —, daß überall, wo uns äußerlich für die Sinne materielle Vorgänge erscheinen, jene Vorgänge, welche die heutige Wissenschaft allein als beobachtbar und exakt gelten lassen will, daß überall da diese materiellen Vorgänge nur die äußere Erscheinung, die äußere Offenbarung von hinter ihnen und in ihnen wirksamen geistigen Kräften und Mächten sind. Es ist nicht Kennzeichen der Geisteswissenschaft, daß man auf den Menschen hinschaut und sagt: Ach, da hat er seinen Leib; dieser Leib ist eine Summe von materiellen Vorgängen, aber darinnen kann der Mensch nicht allein bestehen, er hat unabhängig davon seine unsterbliche Seele —, und daß man jetzt anfängt, in recht mystischer Weise über diese von dem Leib unabhängige, unsterbliche Seele allerlei abstrakte Theorien, allerlei abstrakte Anschauungen auszubilden. Darin charakterisiert sich gar nicht eine geistige Weltanschauung. Man kann durchaus sagen: Der Mensch hat außer seinem Leib, der in materiellen Prozessen besteht, auch eine unsterbliche Seele, die nach dem Tode in irgendein Geisterreich entführt wird. Man ist deshalb im Sinne anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft nicht ein Geisteswissenschafter. Man ist erst dann ein Geisteswissenschafter, wenn man sich klar darüber wird, daß dieser materielle Leib mit seinen materiellen Prozessen ein Geschöpf des Seelischen ist. Wenn man im einzelnen versteht einzugehen darauf, wie das Seelische, das vor der Geburt oder sagen wir vor der Empfängnis des Menschen da war, wirkt, wie dieses Seelische gestaltet, wie es plastiziert an dem Aufbau, ja an der Substantiierung des menschlichen Leibes, wenn man überall die unmittelbare Einheit dieses Leibes und des Seelischen wirklich durchschauen kann, und wenn man durchschauen kann, wie durch die Wirksamkeit des Geistig-Seelischen im Leibe dieser Leib als solcher abgebraucht wird, dieser Leib in jeder Minute partiell stirbt, und wie dann im Momente des Todes nur, ich möchte sagen, die radikale Ausgestaltung desjenigen geschieht, was durch die Einwirkung des Seelisch-Geistigen auf den Leib in jedem Augenblick vor sich geht, wenn man dieses lebendige Wechselspiel, dieses fortwährende Wirken der Seele im Leibe durchschaut, wenn man das im einzelnen Konkreten durchschaut, wenn man bestrebt ist, zu sagen: Das Seelische gliedert sich auseinander in ganz konkrete Prozesse, so geht es über in die Prozesse des Leberwirkens, so geht es über in die Prozesse der Atemwirkung, so in die der Herzwirkung, so in die der Gehirnwirkung, kurz, wenn man bei der Schilderung des Materiellen im Menschen das Leibliche des Menschen als das Ergebnis eines Geistigen darzustellen versteht, dann ist man Geisteswissenschafter. Geisteswissenschaft kommt gerade dadurch zur wirklichen Schätzung des Materiellen, daß sie in dem einzelnen konkreten materiellen Vorgang nicht bloß dasjenige sieht, was die heutige Wissenschaft sieht, was das Auge konstatiert oder was dann als Ergebnis in abstrakten Begriffen durch die äußere Beobachtung festgehalten wird, sondern Geisteswissenschaft ist dadurch allein Geisteswissenschaft, daß sie überall zeigt, wie der Geist im Materiellen wirkt, daß sie gerade hingebungsvoll auf die materiellen Wirkungen des Geistes hinschaut. Das ist dasjenige, worauf es auf der einen Seite ankommt. Auf der anderen Seite kommt es darauf an, daß man gerade dadurch bewahrt wird von all dem abstrakten, geschwätzigen Herumreden über eine vom Menschen unabhängige Seele, über die man, insofern sich abspielt das Leben zwischen Geburt und Tod, doch nur phantasieren kann. Denn zwischen Geburt und Tod ist, mit Ausnahme des Schlafes, das Geistig-Seelische so an die leiblichen Wirkungen hingegeben, daß es in ihnen lebt, durch sie lebt, in ihnen sich darstellt. Man muß dazu kommen, das Geistig-Seelische außerhalb des menschlichen Lebenslaufes studieren zu können und den menschlichen Lebenslauf zwischen Geburt und Tod als ein Ergebnis des Geistig-Seelischen hinzunehmen. Dann schaut man hin auf die wirkliche konkrete Einheit des Geistig-Seelischen mit dem Physisch-Leiblichen. Dann treibt man anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, denn dann hat man in Aussicht, daß dieser Mensch mit allen seinen einzelnen Gliederungen dasteht vor einem als ein Ergebnis des GeistigSeelischen auch für die Erkenntnis. Die mystische theosophische Anschauung, die von allerlei leibfreien Geistigkeiten schöne Theorien aufstellt, die kann nicht dienen den konkreten Wissenschaften des Lebens, die kann überhaupt nicht dienen dem Leben, die kann nur dienen der intellektualistischen oder seelischen Wollust, die das Leben, das äußere Leben so schnell wie möglich abmachen will und dann, um eine innerliche Befriedigung zu haben, um einer innerlichen Wollust sich hingeben zu können, sich allerlei Phantasien über das Geistig-Seelische webt.

[ 7 ] But this is precisely what Spiritual Science must assert—I can only speak briefly about this point today—namely, that wherever processes appear to us externally as material to the senses, those processes that modern science alone wishes to regard as observable and exact—that wherever these material processes occur, they are merely the outward appearance, the outward manifestation of spiritual forces and powers at work behind and within them. It is not a hallmark of Spiritual Science to look at a human being and say: “Ah, there is his body; this body is a sum of material processes, but the human being cannot consist solely of it; he has, independent of it, his immortal soul—and that one then begins, in a rather mystical way, to formulate all sorts of abstract theories and conceptions about this immortal soul, which is independent of the body. This does not at all characterize a spiritual worldview. One can certainly say: In addition to his body, which consists of material processes, a human being also has an immortal soul that is carried off to some spiritual realm after death. One is therefore not a spiritual scientist in the sense of anthroposophically oriented Spiritual Science. One is only a spiritual scientist when one becomes clearly aware that this material body, with its material processes, is a creation of the soul. If one is able to delve into the details of how the soul—which existed before a person’s birth, or let us say before conception—works, how this soul shapes and molds the structure, indeed the very substance, of the human body; if one can truly perceive the immediate unity of this body and the soul in every aspect, and if one can perceive how, through the activity of the spiritual-soul in the body, this body as such is worn down, how this body dies in part every minute, and how then, only at the moment of death, I would say, the radical manifestation of that which takes place at every moment through the influence of the spiritual-soul aspect on the body occurs—when one perceives this living interplay, this continuous activity of the soul within the body, when one perceives this in its concrete details, when one strives to say: The soul breaks down into very concrete processes; thus it passes into the processes of liver function, into the processes of respiration, into those of heart function, and into those of brain function—in short, when, in describing the material aspects of the human being, one understands how to portray the human body as the result of a spiritual force, then one is a practitioner of Spiritual Science. Spiritual Science arrives at a true appreciation of the material precisely because it sees in each individual concrete material process not merely what modern science sees, what the eye observes, or what is then recorded as a result in abstract terms through external observation; rather, Spiritual Science is Spiritual Science only insofar as it demonstrates everywhere how the spirit works within the material world; it is precisely because it devotedly examines the material effects of the spirit. That is what matters on the one hand. On the other hand, what matters is that one is thereby protected from all the abstract, verbose rambling about a soul independent of the human being—about which, insofar as life unfolds between birth and death, one can only fantasize. For between birth and death—with the exception of sleep—the spiritual-soul aspect is so devoted to physical effects that it lives within them, lives through them, and manifests itself in them. One must come to be able to study the spiritual-soul aspect outside the course of human life and accept the course of human life between birth and death as a result of the spiritual-soul aspect. Then one looks upon the real, concrete unity of the spiritual-soul aspect with the physical-bodily aspect. Then one pursues anthroposophically oriented Spiritual Science, for then one has the prospect that this human being, with all his individual components, stands before one as a result of the spiritual-soul aspect—even for the sake of knowledge. The mystical theosophical view, which constructs beautiful theories about all manner of bodiless spiritual beings, cannot serve the concrete sciences of life; it cannot serve life at all; it can only serve intellectual or soulful indulgence, which seeks to wants to do away with external life as quickly as possible and then, in order to attain inner satisfaction and to be able to indulge in inner pleasure, weaves all sorts of fantasies about the spiritual and soul-related realms.

[ 8 ] Hier in dieser anthroposophisch orientierten Geistesbewegung handelt es sich darum, durchaus ernst zu arbeiten, eine Geisteswissenschaft zu pflegen, welche in der Lage ist, Physik, Mathematik, Chemie, Physiologie, Biologie, Anthropologie durchaus zu beleben. So daß es sich hier nicht darum handelt, religiös oder philosophisch auf der einen Seite zu konstatieren: Der Mensch trägt in sich eine unsterbliche Seele — und dann Anthropologie, Biologie, Physik und Chemie zu treiben, so, als ob man nur materielle Prozesse vor sich hätte, sondern es handelt sich hier darum, dasjenige, was man an Erkenntnis über das Seelisch-Geistige gewinnen kann, auf die Einzelheiten des Lebens anzuwenden, hineinzuschauen in den Wunderbau des Leibes selber. Man kann durchaus sagen, wenn es auch für manchen paradox klingt: Da wollen manche gute Mystiker oder gute Theosophen sein und wollen alles mögliche schwätzen darüber, wie der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich und so weiter, aber sie haben nicht einmal eine Ahnung davon, welche Seelenäußerung das ist, wenn man sich schneuzt. Es kommt darauf an, eben die Materie nicht als Materie, sondern die Materie als die Offenbarung des Geistes zu sehen. Dann bekommt man auch gesunde, inhaltserfüllte Anschauungen über den Geist. Dann aber bekommt man auch eine Geisteswissenschaft, welche fruchtbar sein kann für die Wissenschaften des Lebens.

[ 8 ] Here, in this anthroposophically oriented spiritual movement, the aim is to work with the utmost seriousness to cultivate a Spiritual Science that is capable of truly enlivening physics, mathematics, chemistry, physiology, biology, and anthropology. So it is not a matter here of simply stating, from a religious or philosophical standpoint: “Human beings possess an immortal soul”—and then to pursue anthropology, biology, physics, and chemistry as if one were dealing solely with material processes; rather, the aim here is to apply the insights gained into the soul and spirit to the details of life, to look into the marvelous structure of the body itself. One can certainly say—even if it sounds paradoxical to some—that while certain people claim to be good mystics or good theosophists and go on and on about how the human being consists of a physical body, an etheric body, an astral body, the “I,” and so on, they do not even have the slightest idea of what kind of expression of the soul it is when one blows one’s nose. What matters is to see matter not merely as matter, but as the manifestation of the spirit. Then one also gains healthy, meaningful insights into the spirit. And then one also gains a Spiritual Science that can be fruitful for the life sciences.

[ 9 ] Damit aber wird auch noch etwas anderes erreicht. Damit wird erreicht, daß man überwinden kann wiederum das, was in der neueren Zeit, gerade wegen des Materialistischwerdens der wissenschaftlichen Erkenntnisse, ins Spezialistentum hineingetrieben hat. Ich will wahrhaftig nicht irgendeine Philippika gegen das Spezialistentum halten, denn ich kenne sehr gut seine Berechtigung. Ich weiß, daß gewisse Dinge heute einfach deshalb, weil man zu ihnen eine spezialisierte Technik braucht, auch aus dem Spezialistentum heraus getrieben werden müssen. Aber es handelt sich darum, daß niemals derjenige, der an dem Materiellen haftet, wenn er zum Spezialisten wird, eine im Leben anwendbare Weltanschauung gewinnen kann. Denn die materiellen Vorgänge sind ein unendliches Feld. Sie sind ein unendliches Feld draußen in der Natur, sie sind ein unendliches Feld im Menschen. Wenn man nur das menschliche Nervensystem studiert nach alledem, was bis heute vorliegt, so kann man lange Zeit damit zubringen, jedenfalls so viel Zeit, als Fachleute gewöhnlich zubringen wollen für ihr Fachstudium. Aber wenn man in dem, was im Nervensystem geschieht, eben nur das vor sich hat, was die materiellen Prozesse sind, was ausgesprochen wird in den abstrakten Begriffen, die heute Gegenstand der Wissenschaft sind, dann leitet einen nichts hin zu irgend etwas Universellem, das Grundlage einer Weltanschauung werden kann. In dem Augenblicke, wo Sie anfangen, geisteswissenschaftlich zu betrachten, sagen wir, das menschliche Nervensystem, da können Sie dieses Nervensystem gar nicht betrachten, ohne daß dasjenige, was Sie in ihm wirksam finden als Geist, daß dieses Sie sogleich hinführt zu dem, was nun dem Muskelsystem, zu dem, was dem Knochensystem, zu dem, was dem Sinnessystem als Geistig-Seelisches zugrunde liegt, denn das Geistige ist nicht etwas, was sich in einzelne Teile auseinanderlegt wie das Materielle, sondern das Geistige ist etwas — im geringsten ist es damit nur charakterisiert —, was wie eine Gliedgestalt, wie ein Organismus sich ausbreitet. Und wie ich einen Menschen nicht betrachten kann, indem ich bloß seine fünf Finger betrachte und ihn sonst zudecke, so kann ich auch geisteswissenschaftlich nicht eine Einzelheit betrachten, ohne daß dasjenige, was ich in dieser Einzelheit als Geistig-Seelisches wahrnehme, mich zu einer Ganzheit führt. Werde ich dann zu einer solchen Ganzheit geführt, allerdings kann es vielleicht nur ein Spezialist für die Gehirn- oder Nervenforschung sein, aber so werde ich doch an der Betrachtung dieses einzelnen Gliedes des menschlichen Organismus ein Gesamtbild vom Menschen zu bekommen vermögen. Dann werde ich in die Lage geführt, nun wirklich etwas Universelles für eine Weltanschauung zu bekommen, und dann liegt das Eigentümliche vor, daß ich dann beginnen kann, auch von etwas vom Menschen zu sprechen, was allen Menschen, die überhaupt gesunden Sinn und gesunden Verstand haben, begreiflich sein kann. Das ist der große Unterschied zwischen dem, wie Geisteswissenschaft über den Menschen sprechen kann, und wie spezialisierte materialistische Wissenschaft über den Menschen sprechen muß. Sehen Sie, nehmen wir den einfachen Fall, wie spezialisierte, materialistische Wissenschaft Ihnen vorliegt in irgendeinem der heute gebräuchlichen Handbücher. Wenn Sie als gewöhnlicher Mensch, der nicht viel gelernt hat über das Nervensystem, ein Handbuch über das Nervensystem in die Hand nehmen: Nun, Sie werden wahrscheinlich bald wieder zu lesen aufhören, oder Sie werden jedenfalls nicht viel gewinnen, was Ihnen eine Grundlage abgeben kann dafür, daß Sie den Menschen als wirkliches Menschenwesen in seinem Wert, in seiner Würde anschauen können. Hören Sie aber dasjenige, was aus dem Fond der Geisteswissenschaft über das menschliche Nervensystem gesprochen werden kann, so schließt sich überall an eine solche Besprechung dasjenige an, was dann zum ganzen Menschen führt, was so Aufklärung gibt über den ganzen Menschen, daß einem in der Idee, die einem aufgeht, etwas vorliegt von Wert, Wesen und Würde des Menschen, mit dem man es zu tun hat. Und bei nichts mehr macht sich das geltend, als wenn wir nun nicht bloß den gesunden Menschen betrachten in bezug auf irgendeines seiner Glieder, sondern es macht sich insbesondere dann geltend, wenn wir den kranken Menschen betrachten, diesen kranken Menschen mit seinen so vielen Abweichungen von dem sogenannten Normalen, namentlich wenn wir in der Lage sind, den ganzen Menschen zu betrachten, wenn er unter dem Einflusse dieser oder jener Erkrankungen steht. Dasjenige, was uns da die Natur vor die Seele stellt in dem kranken Menschen, das ist geeignet, uns tief in die Weltenzusammenhänge hineinzuführen, uns hinzuführen darauf, wie dieser Mensch organisiert ist, und wie wegen seiner Organisation die atmosphärischen, ja die außerirdischen Einflüsse auf diesen Menschen wirken können, wie diese menschliche Organisation zusammenhängt mit diesen oder jenen Stoffen der Natur, die sich dann als Heilmittel herausstellen und so weiter. Wir werden da in weite Zusammenhänge hineingeführt, und man darf sagen: Wenn man dasjenige ergänzt, was in dieser Art über den gesunden Menschen erkannt werden kann, durch das, was man erkennen kann durch den kranken Menschen, dann geht einem dadurch eine tiefe Einsicht auf in den ganzen Zusammenhang und die tiefere Bedeutung des Lebens. Aber alles dasjenige, was einem so aufgeht, ist Grundlage für eine Menschenkenntnis, ist Grundlage für etwas, was dann in Ausdrucksformen gebracht werden kann, die zu allen Menschen gesprochen werden können. Wir sind heute natürlich nicht so weit, weil Geisteswissenschaft in dem Sinne, wie sie hier gemeint ist, erst kurze Zeit arbeiten kann. Deshalb können die Vorträge, die hier gehalten werden, wie eben vorhin in den einleitenden Worten des Dr. Boos gesagt worden ist, vielfach nur als ein Anfang dastehen. Aber es ist die Tendenz dieser Geisteswissenschaft, dasjenige, was in den einzelnen Wissenschaften vorliegt, zu einer solchen Gestalt herauszuarbeiten, daß dasjenige, was jeder Mensch über den Menschen wissen sollte, auch wirklich an jeden Menschen herangebracht werden kann.

[ 9 ] But this also achieves something else. It makes it possible to overcome what, in recent times—precisely because of the increasing materialism of scientific knowledge—has driven us into specialization. I truly do not wish to deliver some kind of tirade against specialization, for I am well aware of its justification. I know that certain things today, simply because they require specialized techniques, must be addressed through specialization. But the point is that anyone who clings to the material world, when they become a specialist, can never gain a worldview that is applicable to life. For material processes constitute an infinite field. They are an infinite field out in nature; they are an infinite field within the human being. If one were to study only the human nervous system based on everything that is currently known, one could spend a long time doing so—at least as much time as specialists usually wish to devote to their field of study. But if, in what happens in the nervous system, one has before one only the material processes—expressed in the abstract concepts that are the subject of science today—then nothing leads one toward anything universal that can become the foundation of a worldview. The moment you begin to view, say, the human nervous system from the perspective of the Spiritual Science, you cannot look at this nervous system without what you find active within it as spirit immediately leading you to what underlies the muscular system, the skeletal system, and the sensory system as spiritual-soul elements, for the spiritual is not something that breaks down into individual parts like the material; rather, the spiritual is something—and this is only the bare minimum of its characterization—that spreads out like a limb, like an organism. And just as I cannot observe a human being by merely looking at his five fingers and covering up the rest of him, so too, from the perspective of Spiritual Science, I cannot observe a single detail without what I perceive in that detail as spiritual and soul-related leading me to a whole. If I am then led to such a wholeness—though perhaps only a specialist in brain or nervous system research can do so—I will nevertheless be able, through the observation of this single limb of the human organism, to gain an overall picture of the human being. Then I am led into a position where I can truly gain something universal for a worldview, and then the distinctive feature is that I can begin to speak of something about the human being that can be understood by all people who possess sound judgment and sound reason. This is the great difference between how Spiritual Science can speak about the human being and how specialized materialistic science must speak about the human being. You see, let’s take the simple case of how specialized, materialistic science is presented to you in any of the textbooks in common use today. If you, as an ordinary person who hasn’t learned much about the nervous system, pick up a textbook on the nervous system: well, you’ll probably stop reading it pretty soon, or at any rate you won’t gain much that can provide you with a foundation for viewing the human being as a true human being in terms of their value and dignity. But if you listen to what can be said about the human nervous system from the depths of Spiritual Science, such a discussion is always followed by insights that lead to an understanding of the whole human being—insights that shed such light on the whole human being that, in the idea that dawns upon you, you find something of the value, essence, and dignity of the human being with whom you are dealing. And nowhere is this more evident than when we consider not merely the healthy person in relation to any one of their limbs, but it becomes particularly evident when we consider the sick person—this sick person with their many deviations from what is called “normal”—namely, when we are able to view the whole person as they are under the influence of this or that illness. What nature presents to our soul in the sick person is capable of leading us deep into the interconnections of the worlds, of revealing to us how this person is organized, and how, because of their constitution, atmospheric—and even extraterrestrial—influences can affect them, how this human constitution relates to certain substances in nature that then prove to be remedies, and so on. We are led into broad contexts here, and one may say: When one supplements what can be recognized in this way about the healthy human being with what can be recognized through the sick human being, a deep insight into the entire context and the deeper meaning of life dawns upon one. But everything that becomes clear to us in this way forms the foundation for an understanding of human nature, the foundation for something that can then be expressed in ways that speak to all people. Of course, we are not yet that far along today, because Spiritual Science, in the sense intended here, has only been in practice for a short time. Therefore, as Dr. Boos just mentioned in his introductory remarks, the lectures given here can in many cases be regarded only as a beginning. But the aim of the Spiritual Science is to develop what exists in the individual sciences into a form such that what every person should know about humanity can truly be conveyed to every person.

[ 10 ] Und nun denke man sich, wenn erst Geisteswissenschaft so umgestaltend auf die Wissenschaft wirkt, und wenn es dann dieser Geisteswissenschaft gelingt, Erkenntnisformen für das gesunde und kranke Menschenwesen auszugestalten, die man dem allgemeinen menschlichen Bewußtsein zugänglich machen kann, wenn das gelingt, wie anders Mensch zu Mensch steht im sozialen Leben, wie anders verständnisvoll der einzelne Mensch dem anderen Menschen entgegengestellt ist als heute, wo jeder an dem anderen vorbeigeht und kein Verständnis für die besondere Individualität dieses anderen hat! Die soziale Frage wird erst dann aus ihrem Intellektualismus heraus geholt, wenn sie auf den verschiedensten Gebieten des Lebens aus der Sachkenntnis heraus geholt wird, wenn ihr zugrunde liegen die konkreten Erfahrungen des Lebens. Das zeigt sich insbesondere auf dem Gebiete der Gesundheitspflege. Denn man denke sich die soziale Wirkung davon, daß an den Menschen ein Verständnis für dasjenige, was am anderen Menschen gesund, was am anderen Menschen krank ist, herangebracht wird; man denke sich, was es heißt: durch die ganze Menschheit wird die Gesundheitspflege mit Verständnis in die Hand genommen. Gewiß, hier soll nicht etwa ein wissenschaftlicher oder ärztlicher Dilettantismus gepflegt werden — das muß schon gelten —, aber denken Sie sich, es wird einfach für das Gesunde und Kranke in unseren Mitmenschen teilnahmsvolles, nicht bloß Gefühl, sondern Verständnis erweckt, Verständnis aus einer Anschauung über den Menschen. Denken Sie sich die soziale Wirkung einer solchen Sache, und Sie werden sich sagen müssen: Da sieht man, daß aus der Sachkenntnis auf den einzelnen Gebieten die soziale Reform, der soziale Neuaufbau hervorgehen muß, nicht aus allgemeinen, seien sie marxistische, seien sie Oppenheimersche, seien sie so oder so geartete Theorien, die hinwegschauen über den Menschen, die aus abstrakten Begriffen heraus eine Weltgestaltung machen wollen. Nicht daraus kann das Heil hervorgehen, sondern aus dem hingebungsvollen Erkennen. der einzelnen Gebiete. Und die Gesundheitspflege, die Hygiene, ist ein solches ganz besonderes Gebiet, denn sie führt uns, ich möchte sagen, am nächsten an alles dasjenige heran, was unser Mitmensch an Freude hat durch seine gesunde, normale Lebensart, oder an Schmerzen und Leiden, an Einschränkungen durch dasjenige, was als mehr oder weniger Krankes in ihm ruht.

[ 10 ] And now imagine: once Spiritual Science has such a transformative effect on science, and if the Spiritual Science then succeeds in developing forms of knowledge for both healthy and ailing human beings that can be made accessible to general human consciousness—if that succeeds, how differently people will relate to one another in social life, how much more understanding each individual will show toward others than today, when everyone passes each other by without any understanding of the other’s unique individuality! The social question will only be freed from its intellectualism when it is grounded in practical expertise across the most diverse areas of life, when it is based on concrete life experiences. This is particularly evident in the field of health care. For just imagine the social impact of instilling in people an understanding of what is healthy and what is unhealthy in another human being; just imagine what it means for all of humanity to take charge of healthcare with understanding. Certainly, this is not to encourage scientific or medical dilettantism—that much must be clear—but imagine: it simply awakens in us a sympathetic response to what is healthy and what is sick in our fellow human beings—not merely emotion, but understanding, an understanding rooted in a vision of the human being. Imagine the social impact of such an endeavor, and you will have to admit: Here we see that social reform and social reconstruction must arise from expert knowledge in the individual fields, not from general theories—be they Marxist, Oppenheimian, or of any other kind—that overlook the human being and seek to shape the world based on abstract concepts. Salvation cannot come from that, but rather from a devoted understanding of the individual fields. And health care—hygiene—is one such very special field, for it brings us, I would say, closest to everything that our fellow human beings experience as joy through their healthy, normal way of life, or as pain and suffering, and limitations caused by whatever lies within them that is more or less diseased.

[ 11 ] Das ist so etwas, was uns gleich hinweist auf die besondere soziale Art, wie Geisteswissenschaft sie auf dem hygienischen Gebiete schaffen kann. Denn wenn in einer solchen Art der Pfleger der Menschheitskunde, der Kunde von dem gesunden und kranken Menschen, auch derjenige, der sich nun zum Arzt spezialisiert, mit einer solchen Erkenntnis in die menschliche Sozietät hineingestellt ist, dann wird er in der Lage sein, innerhalb dieser menschlichen Gesellschaft Aufklärung zu schaffen, denn er wird Verständnis finden. Und es wird sich nicht nur das Verhältnis des Arztes zur Sozietät herausstellen, daß man, wenn man nicht gerade sein Freund oder sein Verwandter ist, an seinem Hause vorbeigeht und ihn holen läßt, wenn einem etwas weh tut oder wenn man sich das Bein gebrochen hat, sondern es wird sich ein Verhältnis zum Arzte so herausstellen, daß der Arzt der fortwährende Lehrer und Anweiser der prophylaktischen Gesundheitspflege ist, daß in der Tat ein fortwährendes Eingreifen des Arztes dasteht, nicht nur um den Menschen, bei dem das Erkranktsein so weit geht, daß er es bemerkt, zu heilen, sondern um die Menschen, so weit das angängig ist, gesund zu erhalten. Ein lebendiges soziales Wirken wird stattfinden zwischen dem Arzte und der ganzen übrigen Menschheit. Dann aber wird auf die Medizin selber ausstrahlen die Gesundheit einer solchen Erkenntnis. Denn wir sind ja gerade dadurch, daß der Materialismus sich auch über die medizinische Betrachtung des Lebens ausgedehnt hat, wahrhaftig in merkwürdige Anschauungen hineingerannt.

[ 11 ] This is precisely the kind of thing that immediately points to the unique social role that Spiritual Science can play in the field of health. For when, in this way, the practitioner of the science of humanity—the expert on healthy and sick people, including those who specialize as physicians—is placed within human society with such insight, then he will be able to bring enlightenment to that society, for he will find understanding. And the relationship between the physician and society will not merely be one in which—unless one is his friend or relative—one walks past his house and has him summoned when one is in pain or has broken a leg; rather, a relationship with the physician will emerge such that in which the doctor is the constant teacher and guide in preventive health care—that, in fact, the doctor’s ongoing intervention is directed not only toward healing people whose illness has progressed to the point where they notice it, but also toward keeping people healthy as far as possible. A vibrant social interaction will take place between the physician and the rest of humanity. Then, however, the health derived from such insight will radiate back onto medicine itself. For it is precisely because materialism has extended even to the medical view of life that we have truly run aground in strange conceptions.

[ 12 ] Da haben wir auf der einen Seite die physischen Erkrankungen. Sie werden studiert, indem man die Organentartungen oder dasjenige, was sonst an physisch wahrnehmbaren oder an physisch gedachten Vorgängen, die innerhalb der menschlichen Leibeshaut sein sollen, findet, und es wird das Augenmerk darauf gelenkt, daß man Schädigungen, die man da findet, ausbessern kann. In dieser Richtung wird nun ganz materialistisch über das Leibliche des Menschen in seinem normalen und in seinem abnormen Zustande gedacht. Daneben treten die sogenannten Seelen- oder Geisteskrankheiten auf. Diese Seelen- oder Geisteskrankheiten nun hat man auf der einen Seite, weil man materialistisch dachte, zu bloßen Gehirnkrankheiten gemacht, oder zu Erkrankungen des Nervensystems sonst, hat wohl auch Grundlagen dafür in dem sonstigen Organsystem des Menschen gesucht. Aber weil man überhaupt keine Anschauung ausbildete über die Art, wie schon in der menschlichen Leiblichkeit der Geist und die Seele wirken, konnte man keine Anschauung gewinnen über das Verhältnis der Geisteskrankheit, der sogenannten Geisteskrankheit zu dem, was der Mensch sonst ist. Und so stehen, ich möchte sagen, die Geisteskrankheiten auf der einen Seite da, sind sogar heute erfaßt von einer merkwürdigen Zwitterwissenschaft, von der Psychoanalyse, die materialistisch denkt, aber das Materialistische ganz und gar nicht versteht, sie stehen da, diese Geistes- und Seelenkrankheiten, ohne daß man irgendwie in vernünftiger Weise sie zusammenbringen kann mit dem, was im menschlichen Organismus eigentlich vor sich geht. Geisteswissenschaft kann nun zeigen — und ich habe darauf aufmerksam gemacht —, daß dasjenige, was ich hier ausspreche, nicht bloß Programm ist, sondern daß es in Einzelheiten verfolgt wird, gerade bei den Gelegenheiten, die sich jetzt dargeboten haben bei der Abhaltung eines Kursus für Ärzte, der in diesen Wochen hier stattgefunden hat. Geisteswissenschaft kann ja durchaus im einzelnen zeigen, wie alles dasjenige, was sogenannte Geistes- und Seelenkrankheit ist, durchaus auf Organstörungen beruht, auf Organentartungen, Organvergrößerungen, Organverkleinerungen im menschlichen Organismus. Irgendwo im Herzen, in der Leber, in der Lunge, irgendwo ist etwas nicht in Ordnung, wenn zur selben Zeit oder später dasjenige auftritt, was eine sogenannte Geisteskrankheit ist. Eine Geisteswissenschaft, welche dazu durchdringt, den Geist im normalen Herzen in seiner Wirksamkeit zu erkennen, eine solche Geisteswissenschaft ist auch imstande — und braucht sich dessen nicht zu schämen —, in der Entartung des Herzens, in den Fehlern des Herzens eine Ursache für den sogenannten kranken Geist oder die kranke Seele zu suchen.

[ 12 ] On the one hand, we have physical illnesses. These are studied by examining organ degeneration or whatever else is found in terms of physically perceptible or physically conceived processes said to occur within the human body, and attention is focused on the possibility of repairing the damage found there. In this vein, the human body—in both its normal and abnormal states—is viewed in a thoroughly materialistic manner. Alongside this are the so-called mental or psychological illnesses. These mental or psychological illnesses have, on the one hand, been reduced—due to materialistic thinking—to mere brain diseases or other disorders of the nervous system; one has also sought foundations for them in the rest of the human organ system. But because no conception was developed at all regarding the way in which the spirit and the soul already act within the human physical body, it was impossible to gain any insight into the relationship between mental illness—so-called mental illness—and what a human being otherwise is. And so, I would say, mental illnesses stand there on the one hand—even today they are studied by a peculiar hybrid science, psychoanalysis, which thinks materialistically but does not understand materialism at all—these mental and psychological illnesses stand there without any reasonable way of reconciling them with what is actually taking place within the human organism. Spiritual Science can now demonstrate—and I have drawn attention to this—that what I am stating here is not merely a program, but that it is being pursued in detail, particularly on the occasions that have now presented themselves during a course for physicians that took place here in recent weeks. Spiritual Science can indeed demonstrate in detail how everything that is termed mental or psychological illness is entirely based on organ disorders, on organ degeneration, organ enlargement, and organ atrophy within the human organism. Somewhere in the heart, in the liver, in the lungs—somewhere something is not right—when, at the same time or later, what is termed a mental illness occurs. A Spiritual Science that penetrates to the point of recognizing the spirit’s activity in the normal heart is also capable—and need not be ashamed of this—of seeking a cause for the so-called diseased spirit or diseased soul in the degeneration of the heart and in the heart’s defects.

[ 13 ] Der hauptsächlichste Fehler nämlich des Materialismus besteht nicht darinnen, daß er den Geist ableugnet. Da könnte ja die Religion dann dafür sorgen, daß der Geist noch anerkannt wird. Der Hauptfehler des Materialismus besteht darinnen, daß er die Materie nicht erkennt, weil er nur ihre Außenseite beobachtet. Gerade das ist der Mangel des Materialismus, daß er keinen Einblick in die Materie gewinnt, zum Beispiel bei der bloß psychoanalytischen Behandlung, bei der bloßen Beobachtung von irgend etwas, was in der Seele vorgegangen ist, und das er als Seeleninsel bezeichnet, also ein Abstraktum, während man verfolgen muß, wie gewisse Seeleneindrücke, die der Mensch zu dieser oder jener Zeit seines Lebens erhält, und die in normaler Weise gebunden sind an den normalen Organismus, auf fehlerhafte Organe auftreffen, statt zum Beispiel auf eine gesunde Leber auf eine kranke, welches Auftreffen sich vielleicht in einer ganz anderen Zeit zeigen kann als die, wo der Defekt organisch bemerkbar ist.

[ 13 ] The most fundamental error of materialism, in fact, does not lie in its denial of the spirit. In that case, religion could ensure that the spirit is still recognized. The main flaw of materialism lies in the fact that it fails to recognize matter because it observes only its outward appearance. This is precisely the shortcoming of materialism: that it fails to gain insight into matter—for example, in purely psychoanalytic treatment, in the mere observation of something that has taken place in the soul, which it refers to as a “island of the soul,” that is, an abstraction, whereas one must trace how certain psychological impressions—which a person receives at this or that time in their life and which are normally bound to the normal organism—encounter defective organs, such as a diseased liver instead of a healthy one; this encounter may manifest itself at a time entirely different from when the organic defect is noticeable.

[ 14 ] Geisteswissenschaft braucht nicht davor zurückzuschrecken, dies zu zeigen, wie die sogenannte Geistes- oder Seelenkrankheit immer zusammenhängt mit irgend etwas im menschlichen Leibe. Die Geisteswissenschaft muß geradezu streng darauf hinweisen, daß man da nichts hat als höchstens eine einseitige Diagnose, wenn man bloß das Seelische, den seelischen Komplex studiert, die Abweichungen des Seelischen von dem sogenannten normalen seelischen Leben. Daher kann Psychoanalyse niemals etwas anderes sein als höchstens etwas Diagnostisches, kann niemals zur wirklichen Therapie auf diesem Gebiete führen. Aus diesem Grunde, weil die Therapie gerade einsetzen muß bei Geisteskrankheiten mit der leiblichen Kur, muß man bis in die einzelnen Teile hinein die Verzweigungen des Geistigen kennen, wenn man wissen will, wo man einzusetzen hat im materiellen Leib, der aber durchgeistigt ist, wo man einzusetzen hat, um dasjenige zu kurieren, was sich in abnorm seelischen Verhältnissen eben nur symptomatisch zeigt. Gerade das muß Geisteswissenschaft am entschiedensten betonen, daß die sogenannten Geistes- und Seelenkrankheiten bis hinein verfolgt werden müssen in die Organologie des Menschen. In die abnorme Organologie des Menschen kann man aber nur hineinsehen, wenn man den Geist bis in die kleinsten Teile der Materie hinein verfolgen kann.

[ 14 ] Spiritual Science need not shy away from demonstrating how so-called mental or psychological illness is always connected to something within the human body. Spiritual Science must emphatically point out that studying only the psychological—the psychological complex—and the deviations of the psyche from so-called normal psychological life yields nothing more than a one-sided diagnosis, at best. Therefore, psychoanalysis can never be anything more than a diagnostic tool at best; it can never lead to true therapy in this field. For this reason—because therapy for mental illnesses must begin with physical treatment—one must understand the ramifications of the spiritual down to the individual parts if one wishes to know where to intervene in the physical body, which is, however, spiritualized; where to intervene in order to cure that which manifests itself only symptomatically in abnormal psychological conditions. This is precisely what Spiritual Science must emphasize most strongly: that so-called mental and psychological illnesses must be traced all the way into the organology of the human being. However, one can only gain insight into the abnormal organology of the human being if one can trace the spirit down into the smallest parts of matter.

[ 15 ] Und umgekehrt dasjenige, was scheinbar bloß auf das Seelische oder im Seelischen wirkende Lebenserscheinungen sind, sagen wir dasjenige, was in den Temperamenten und in der Betätigung der Temperamente des Menschen hervortritt, was hervortritt in der ganzen Art und Weise, wie der Mensch als kleines Kind spielt, wie er geht, was er tut, das alles, was heutzutage nur geistig-seelisch verstanden wird, hat auch seine leibliche Seite. Und ein Verfehltes in bezug auf manches in der Erziehung des Kindes kann in späterer Zeit in einer ganz gewöhnlichen physischen Erkrankungsform zum Vorschein kommen. Ja man wird geradezu in gewissen Fällen dazu geführt, wenn man Geisteskrankheiten vor sich hat, auf das Leibliche zu sehen, um da zu erforschen dasjenige, worauf es ankommt, und bei physischen Erkrankungen auf das Geistige zu sehen und da zu erforschen, worauf es ankommt. Denn das ist das Wesentliche der Geisteswissenschaft, daß sie nicht in Abstraktionen von einem nebulosen Geistigen spricht, wie die Mystiker, wie die einseitigen Theosophen tun, sondern daß sie den Geist verfolgt in seine materiellen Wirkungen hinein, daß sie nirgends das Materielle so begreift, wie es die heutige äußere Wissenschaft begreift, sondern überall bei der Betrachtung des Materiellen zum Geiste vordringt und so auch dasjenige beobachten kann, wo sich ein abnormes Seelenleben dadurch äußern muß, daß ein, wenn auch vielleicht äußerlich verborgenes, abnorm körperliches Leben vorliegt. Man macht sich in weitesten Kreisen heute über die ernsthaft gemeinte anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft ganz falsche Vorstellungen, vielleicht manchmal mit Recht, wenn man diejenigen reden hört, die nicht wahrhaftig eingehen wollen auf dasjenige, um was es sich eigentlich handelt, die nur reden von abstrakten Theorien: Der Mensch besteht aus dem und dem, und es gibt wiederholte Erdenleben und so weiter. Diese Dinge sind ja selbstverständlich allerwichtigst und sehr schön. Aber wenn es sich darum handelt, besonders ernsthaft zu arbeiten in dieser geisteswissenschaftlichen Bewegung, dann handelt es sich darum, daß eingegangen werde auf die einzelnen Kapitel, auf die einzelnen Gebiete dieses Lebens. Und im allerweitesten Sinne führt das wiederum zu einem sozial gesinnten Zusammensein der Menschen. Denn wenn man so sieht, wie die krank erscheinende Seele ihre Impulse hineinstrahlt in den Organismus, wenn man diesen Zusammenhang zwischen dem Organismus und der krank erscheinenden Seele fühlen kann — fühlen mit Verständnis —, wenn man auf der anderen Seite weiß, wie die Lebenseinrichtungen auch auf die physische Gesundheit des Menschen wirken, wie das Geistige, das in sozialen Einrichtungen scheinbar nur äußerlich besteht, hineinwirkt in die physische Gesundheitspflege des Menschen, wenn man das überschaut, dann ist man in einer ganz anderen Weise drinnenstehend in der menschlichen Sozietät. Man beginnt dadurch ein richtiges Menschenverständnis zu gewinnen, und man behandelt den anderen Menschen ganz anders. Man verfolgt seinen Charakter ganz anders. Man weiß, gewisse Eigenschaften hängen mit diesem oder jenem zusammen, man weiß sich diesen Eigenschaften gegenüber zu benehmen, man weiß, besonders wenn man Aufgaben damit verbunden hat, in der richtigen Weise die Temperamente der Menschen in die menschliche Sozietät hineinzustellen und namentlich in der richtigen Weise zu entwickeln. Ein soziales Gebiet wird insbesondere intensiv beeinflußt werden müssen in hygienischer Beziehung von einer errungenen Menschenkenntnis, das ist das Gebiet der Erziehung, das Gebiet des Unterrichts. Man kann gar nicht eigentlich, ohne wirklich umfassend den Menschen zu kennen, ermessen, was es heißt: die Kinder sitzen in der Schule mit gebückten Rücken, so daß fortwährend ihre Atmung in Unordnung ist, oder Kinder werden nicht angehalten, laut und deutlich, deutlich vokalisierend, deutlich konsonantisierend zu sprechen. Das ganze spätere Leben hängt im wesentlichen davon ab, ob das Kind in der Schule in der richtigen Weise atmet und ob es angehalten wird, laut und deutlich und artikuliert zu sprechen.

[ 15 ] And conversely, what are seemingly merely psychological phenomena or phenomena that affect the psyche, that is to say, what manifests itself in a person’s temperaments and in the expression of those temperaments—what comes to the fore in the entire way a person plays as a small child, how they walk, what they do—all of this, which today is understood solely in spiritual and psychological terms, also has a physical aspect. And a mistake made in certain aspects of a child’s upbringing can later manifest itself in a quite ordinary form of physical illness. Indeed, in certain cases—particularly when dealing with mental illnesses—one is led to look to the physical aspect in order to investigate what is truly at stake, and in the case of physical illnesses, to look to the spiritual aspect and investigate what is truly at stake there. For this is the essence of Spiritual Science: that it does not speak in abstractions of a nebulous spiritual realm, as the mystics and the one-sided theosophists do, but rather that it traces the spirit into its material effects, that it never understands the material in the way that today’s external science does, but rather, in its consideration of the material, always penetrates to the spiritual and is thus able to observe where an abnormal soul life must manifest itself through the presence of an abnormal physical life—even if this may be outwardly concealed. Today, in the broadest circles, people have completely false mental images of the seriously intended, anthroposophically oriented Spiritual Science—perhaps sometimes with good reason—when one hears those who do not truly wish to engage with what is actually at stake, but who speak only of abstract theories: “Human beings consist of this and that,” and “there are repeated earthly lives,” and so on. These things are, of course, of the utmost importance and very beautiful. But when it comes to working with particular seriousness within this Spiritual Science movement, the point is to delve into the individual chapters, into the individual realms of this life. And in the broadest sense, this in turn leads to a socially minded community of people. For when one sees how the seemingly sick soul radiates its impulses into the organism, when one can feel this connection between the organism and the seemingly sick soul—feel it with understanding— if, on the other hand, one knows how the structures of life also affect a person’s physical health, how the spiritual—which in social institutions seems to exist only externally—influences the care of a person’s physical health, if one grasps this, then one is engaged in human society in an entirely different way. As a result, one begins to gain a true understanding of human beings, and one treats others quite differently. One perceives their character in a completely different way. One knows that certain traits are connected to this or that; one knows how to relate to these traits; and one knows—especially when tasked with such responsibilities—how to properly integrate people’s temperaments into human society and, in particular, how to develop them in the right way. One social sphere in particular will need to be intensively influenced, from a hygienic standpoint, by a deepened understanding of human nature: the sphere of education, the sphere of instruction. Without a truly comprehensive understanding of human nature, it is impossible to fully grasp what it means when children sit in school with hunched backs, so that their breathing is constantly disrupted, or when children are not encouraged to speak loudly and clearly, with distinct vowel and consonant pronunciation. A child’s entire future life essentially depends on whether the child breathes correctly in school and whether the child is encouraged to speak loudly, clearly, and with proper articulation.

[ 16 ] In solchen Dingen — ich reiße nur Beispiele heraus, denn auf andere Gebiete ließe sich ein Ähnliches anwenden — zeigt sich die Spezialisierung der Gesamthygiene auf das Schulwesen, und gerade darinnen zeigt sich die ganze soziale Bedeutung der Hygiene, zeigt sich aber auch, wie das Leben fordert, daß wir nicht weiter spezialisieren, sondern daß wir zusammenbringen das Spezialisierte zu einer Gesamtanschauung. Wir brauchen nicht nur dasjenige, was den Lehrer befähigt, zu wissen, nach gewissen pädagogischen Normen soll man ein Kind so oder so erziehen, sondern wir brauchen dasjenige, was den Lehrer befähigt, ein Urteil darüber zu haben, was es heißt, wenn er diesen oder jenen Satz von dem Kind artikuliert klar aussprechen läßt, oder wenn er das Kind, nachdem es einen halben Satz gesagt hat, schon wieder Luft schnappen läßt und so weiter und nicht dafür sorgt, daß die Luft verbraucht wird, während der Satz ausgesprochen wird. Gewiß, es gibt auch darüber viele Anhaltspunkte und Regeln. Aber die richtige Anerkennung und Anwendung dieser Dinge zieht erst in unser Herz herein, wenn wir die ganze Bedeutung für das Menschenleben und die soziale Gesundheit ermessen. Denn dann erst wird die Sache ein sozialer Impuls.

[ 16 ] In such matters—I am merely citing examples, for similar principles could be applied to other areas—the specialization of general hygiene within the school system becomes evident, and it is precisely here that the full social significance of hygiene is revealed; yet it also shows how life demands that we not specialize further, but rather that we bring together these specialized elements into a holistic perspective. We need not only what enables the teacher to know that, according to certain pedagogical standards, a child should be educated in this or that way, but we also need what enables the teacher to form a judgment about what it means when he has the child clearly articulate this or that sentence, or when he allows the child, after the child has spoken half a sentence, to let the child take a breath again, and so on—rather than ensuring that the child’s breath is fully used up while the sentence is being spoken. Certainly, there are also many guidelines and rules regarding this. But the proper recognition and application of these things only take root in our hearts when we grasp their full significance for human life and social well-being. For only then does the matter become a social impulse.

[ 17 ] Diese Erwägungen waren es, die zugrunde lagen, als ich beim Ausgangspunkte der Gründung der Waldorfschule in Stuttgart vorher den Lehrern dort den pädagogisch-didaktischen Kurs gehalten habe, diese Erwägung, daß man Lehrer braucht, die aus der ganzen Tiefe einer menschenverstehenden Weltanschauung arbeiten können für die Erziehung und für den Unterricht der Kinder. Dasjenige, was da in die Sätze, die als pädagogisch-didaktische Kunst ausgesprochen worden sind, hineingelegt worden ist, das strebt alles darauf hin, aus den Kindern, die erzogen und unterrichtet werden, Menschen zu machen, bei denen später dadurch, daß sie angehalten werden, als Kind die Funktionen des Lebens in der richtigen Weise zu vollziehen, daß Lunge und Leber und Herz und Magen in Ordnung seien, weil die Seele in der richtigen Weise gearbeitet hat daran. Niemals wird diese Weltanschauung in materialistischer Weise das alte Wort deuten: In einem gesunden Körper lebt eine gesunde Seele. — Materialistisch gedeutet hieße das, wenn man den Körper gesund hat, wenn man ihn mit allen möglichen physischen Mitteln gesund gemacht hat, dann wird er von selber der Träger einer gesunden Seele. Unsinn ist das. Sinn hat das: In einem gesunden Körper lebt eine gesunde Seele — nut, wenn man in der folgenden Weise vorgeht, ich meine, wenn man sich sagt: Da habe ich einen: gesunden Körper vor mir, der zeigt mir dann, daß ihn aufgebaut hat, plastisch ausgestaltet hat, gesund gemacht hat die Kraft einer gesunden Seele. Ich erkenne aus diesem Körper, daß eine autonome gesunde Seele in ihm gearbeitet hat. T is ist der Sinn des Ausspruchs. Aber nur so kann dieser Ausspruch auc! einer gesunden Hygiene zugrunde liegen.

[ 17 ] These considerations were the basis for the pedagogical-didactic course I gave to the teachers there at the very beginning of the founding of the Waldorf School in Stuttgart—the consideration that we need teachers who can work from the full depth of a worldview that understands human beings for the education and instruction of children. Everything that was embedded in the statements expressed as the art of pedagogy and didactics is aimed at shaping the children who are being educated and taught into human beings who, later on—because they were encouraged as children to perform the functions of life in the right way—will have lungs, liver, heart, and stomach in good order, since the soul has worked on them in the right way. This worldview will never interpret the old saying in a materialistic way: “A healthy soul lives in a healthy body.” — Interpreted materialistically, this would mean that if one has a healthy body—if one has made it healthy by all possible physical means—then it will automatically become the vessel of a healthy soul. That is nonsense. It makes sense to say, “A healthy soul dwells in a healthy body”—but only if one proceeds in the following way; that is, if one says to oneself: Here I have a healthy body before me, which shows me that the power of a healthy soul has built it up, shaped it, and made it healthy. I recognize from this body that an autonomous, healthy soul has been at work within it. That is the meaning of the saying. But only in this way can this saying also form the basis of sound hygiene.

[ 18 ] Mit anderen Worten: Wir brauchen nicht etwa neben den Lehrern, die nur aus einer pädagogisch abstrakten Wissenschaft heraus arbeiten, noch einen Schularzt, der alle vierzehn Tage einmal, wenn es hoch kommt, durch die Schule geht und auch nichts Gescheites anzufangen weiß, nein, wir brauchen eine lebendige Verbindung der medizinischen Wissenschaft mit der pädagogischen Kunst. Wir brauchen eine pädagogische Kunst, die in allen ihren Maßnahmen in hygienisch richtiger Weise die Kinder erzieht und unterrichtet. Das ist dasjenige, was die Hygiene zu einer sozialen Frage macht, denn die soziale Frage ist im wesentlichen eine Erziehungsfrage, und die Erziehungsfrage ist im wesentlichen eine medizinische Frage, aber eine Frage nur derjenigen Medizin, die geisteswissenschaftlich befruchtet ist, einer Hygiene, die geisteswissenschaftlich befruchtet ist.

[ 18 ] In other words: We do not need, in addition to teachers who work solely on the basis of an abstract pedagogical science, a school doctor who, at most, makes the rounds of the school once every fourteen days and does not know what to do with himself; no, we need a vibrant connection between medical science and the art of education. We need an art of education that, in all its practices, raises and instructs children in a hygienically sound manner. This is what makes hygiene a social issue, for the social issue is essentially an educational issue, and the educational issue is essentially a medical issue—but only a matter of that medicine which is enriched by Spiritual Science, a hygiene enriched by Spiritual Science.

[ 19 ] Diese Dinge, die weisen dann noch auf etwas hin, was außerordentlich bedeutungsvoll ist gerade mit Bezug auf das Thema «Hygiene als soziale Frage». Denn wenn Geisteswissenschaft gepflegt wird, und wenn Geisteswissenschaft etwas Konkretes für den Menschen ist, dann weiß er, daß in dem, was er in der Geisteswissenschaft erhält, etwas ruht, was sich unterscheidet von dem, was er im bloßen Intellektualismus — und auch die Naturwissenschaft der Gegenwart ist bloßer Intellektualismus —, was er in dem bloßen Intellektualismus oder in der bloß intellektualistisch ausgebildeten Naturwissenschaft oder in der bloß intellektualistisch ausgebildeten Historie von heute oder der Rechtswissenschaft erhält. Alle Wissenschaften sind heute intellektualistisch; wenn sie behaupten, Erfahrungswissenschaften zu sein, so beruht das nur darauf, daß sie die sinnlich beobachteten Erfahrungsergebnisse intellektualistisch ausdeuten. Von diesen intellektualistisch ausgedeuteten naturwissenschaftlichen oder sonstigen Resultaten unterscheidet sich dasjenige, was in der Geisteswissenschaft gegeben ist, ganz wesentlich. Denn es wäre sogar recht traurig, wenn dasjenige, was in unserer intellektualistischen Kultur lebt, nicht bloß Bild wäre, sondern eine reale Macht, die auf den Menschen tiefer wirkt. Alles Intellektualistische bleibt nämlich nur an der Oberfläche des Menschen. Dieser Satz ist ganz umfassend gemeint. Derjenige, der Geisteswissenschaft nur intellektualistisch betreibt, das heißt, der sich nur Notizen macht: es gibt einen physischen Leib, Ätherleib, Astralleib, Ich, ein wiederholtes Erdenleben, ein Karma und so weiter — und das so notiert, wie man in der Naturwissenschaft oder in der heutigen Sozialwissenschaft notiert —, der treibt nicht im Ernste Geisteswissenschaft, denn er verpflanzt die Denkweise, die er sonst hat, nur auf dasjenige, was ihm in der Geisteswissenschaft entgegentritt. Das Wesentliche bei der Geisteswissenschaft ist, daß sie in anderer Weise gedacht, in anderer Weise empfunden, in ganz anderer Weise als der intellektualistischen seelisch erlebt werden muß. Deshalb ist Geisteswissenschaft etwas, was durch sich selbst einen lebendigen Bezug zum gesunden und kranken Menschen erhält, allerdings in etwas anderer Weise, als man es sich oftmals träumen läßt. Es werden sich doch wohl die Menschen genügend überzeugt haben, wie machtlos man mit dem ist, was man, sei es als Ermahnung, sei es als Zureden, mit der rein intellektualistischen Kultur anfängt gegenüber dem sogenannten Geisteskranken. Der Geisteskranke behauptet, zu ihm sprechen Stimmen; Sie sagen ihm alles mögliche, was Sie aus Ihrer intellektuellen Vernunft heraus finden: vergeblich, denn er weiß Ihnen alle möglichen Einwände und so weiter. Schon das könnte darauf hinweisen, wie man es nicht mit einer Erkrankung des bewußten Seelenlebens oder auch des unterbewußten Seelenlebens, sondern mit einer Erkrankung des Organismus zu tun hat.

[ 19 ] These things also point to something that is extraordinarily significant, particularly in relation to the topic of “hygiene as a social issue.” For when Spiritual Science is cultivated, and when Spiritual Science means something concrete to a person, then that person knows that what they receive through Spiritual Science contains something that differs from what they find in mere intellectualism —and even contemporary natural science is mere intellectualism—what they receive in mere intellectualism, or in natural science taught in a purely intellectualistic manner, or in today’s history or jurisprudence taught in a purely intellectualistic manner. All sciences today are intellectualistic; if they claim to be empirical sciences, this is based solely on the fact that they interpret the results of sensory observation in an intellectualistic manner. What is offered by the Spiritual Science differs quite fundamentally from these intellectualistically interpreted scientific or other results. For it would indeed be quite sad if what lives in our intellectualistic culture were not merely an image, but a real power that affects human beings more deeply. For everything intellectualistic remains only on the surface of the human being. This statement is meant in a very comprehensive sense. Anyone who practices Spiritual Science merely in an intellectualistic way—that is, who merely takes notes: there is a physical body, an etheric body, an astral body, an “I,” repeated earthly lives, karma, and so on—and who records these in the same way one takes notes in the natural sciences or in today’s social sciences—is not seriously engaged in Spiritual Science, for they are merely transposing the way of thinking they otherwise have onto what they encounter in Spiritual Science. The essential point about Spiritual Science is that it must be thought in a different way, felt in a different way, and experienced psychologically in a completely different way than intellectualism. That is why Spiritual Science is something that, by its very nature, maintains a living connection to both healthy and sick people—albeit in a somewhat different way than one often imagines. Surely people have by now become sufficiently convinced of how powerless one is with what one attempts—be it as admonition or as persuasion—using a purely intellectualistic approach toward the so-called mentally ill. The mentally ill person claims that voices speak to him; you tell him all sorts of things that you can come up with based on your intellectual reasoning—but to no avail, for he has all sorts of counterarguments and so on. This alone could indicate that we are dealing not with a disorder of the conscious or even the subconscious life of the soul, but with a disorder of the organism.

[ 20 ] Geisteswissenschaft lehrt erkennen, daß man allerdings auch nicht auf solchem Wege, der ein sogenannter spiritueller sein soll, auf dem man zum Beispiel zu Hypnose und Suggestion greift und den sogenannten Geistes- oder Seelenkrankheiten beikommen kann, sondern daß man ihnen auf sogenanntem physischem Wege beikommen muß, das heißt durch Organheilungen, zu denen man aber auch eine Geist-Erkenntnis des Menschen erst recht braucht. Geist-Erkenntnis weiß, daß sie gar nicht eigentlich eingreifen sollte gerade in das Gebiet der sogenannten Geisteskrankheiten mit bloßen geistigen oder seelischen Prozeduren, weil die Geisteskrankheit ja gerade darinnen besteht, daß das geistige Glied des Menschen herausgedrängt ist, wie es sonst nur im Schlafe ist, und schwach ist in diesem Ausgedrängtsein, sondern daß man das Organ kurieren muß, damit es die Seele und den Geist wiederum in gesunder Art zurücknimmt. Dagegen greift dasjenige, was nicht aus dem Intellekt, aus dem Kopfe, sondern aus dem ganzen Menschen als geisteswissenschaftliches Ergebnis hervorgeht, wenn es auftritt als Imagination, Inspiration, Intuition, und wenn es vom Menschen aufgenommen wird, in seinen ganzen Organismus ein. Es greift wirklich in die physische Organisation des Menschen gesundend ein, was Geisteswissenschaft wirklich ist.

[ 20 ] Spiritual Science teaches us to recognize that one cannot, however, treat so-called mental or psychological illnesses through what is purported to be a “spiritual” approach—one that, for example, relies on hypnosis and suggestion—but rather that one must treat them through so-called physical means, that is, through the healing of organs; yet this, too, requires, more than ever, a spiritual understanding of the human being. Spiritual insight knows that it should not actually intervene in the realm of so-called mental illnesses with mere spiritual or psychological procedures, because mental illness consists precisely in the fact that the human spirit has been forced out—as it otherwise is only during sleep— and is weak in this state of being pushed aside; rather, the organ must be cured so that it can once again receive the soul and the spirit in a healthy manner. In contrast, that which arises not from the intellect, from the head, but from the whole human being as a result of Spiritual Science—when it manifests as imagination, inspiration, or intuition, and when it is absorbed by the human being—penetrates the entire organism. What Spiritual Science truly is has a genuinely healing effect on the physical organization of the human being.

[ 21 ] Dagegen ist kein Beweis, daß manche Träumer sich krank fühlen innerhalb der Geisteswissenschaft oder eben das Gegenteil von dem zeigen, was ich eben ausgesprochen habe. Es gibt eben so unendlich viele, die nicht Geisteswissenschafter sind, sondern die intellektualistische Notizensammler der geisteswissenschaftlichen Ergebnisse sind. Aber Geisteswissenschaft wirklich in ihrer Substanz verbreiten, ist selber eine soziale Hygiene, denn sie wirkt auf den ganzen Menschen, sie normalisiert wiederum seine Organologie, wenn sie droht, nach Träumen oder nach der anderen Seite diese oder jene Tendenz zu einer Abweichung ins Abnorme zu entwickeln. Das ist der gewaltige Unterschied desjenigen, was im Geisteswissenschaftlichen gegeben wird, von dem, was in der bloßen intellektualistischen Wissenschaft auftritt, daß die auf dem Gebiete des Intellektualismus hervortretenden Begriffe viel zu schwach, weil bloß bildhaft, sind, um einzugreifen in den Menschen, um gesundend auf ihn wirken zu können. Die geisteswissenschaftlichen Begriffe dagegen sind so, daß sie herausgeholt sind aus dem ganzen Menschen. Bei der Formung der geisteswissenschaftlichen Begriffe hat wahrhaftig nicht bloß das Gehirn mitgewirkt, sondern Lunge und Leber und Herz und der ganze Mensch, und es klebt ihnen an, durchdringt sie, wenn ich sagen darf, in einer plastischen Ausgestaltung, was sie aus der Kraft des ganzen Menschen haben. Und durchdringt man sich mit ihnen, nimmt man sie erkennend durch den gesunden Menschenverstand auf, so wirken sie wiederum zurück in hygienischer Weise auf den ganzen Menschen. Das ist es, was von der Geisteswissenschaft ausgehend in das Hygienische als eine soziale Angelegenheit richtunggebend eingreifen kann.

[ 21 ] On the other hand, there is no evidence that some dreamers feel unwell within Spiritual Science or that they demonstrate the exact opposite of what I have just stated. There are just as many—indeed, an infinite number—who are not practitioners of Spiritual Science, but rather intellectualistic collectors of notes on the findings of Spiritual Science. But truly disseminating Spiritual Science in its essence is in itself a form of social hygiene, for it affects the whole person; it restores balance to their physical constitution when it is in danger of developing—due to dreams or influences from the other side—this or that tendency toward a deviation into the abnormal. This is the enormous difference between what is offered in Spiritual Science and what appears in mere intellectualistic science: the concepts that emerge in the realm of intellectualism are far too weak—because they are merely figurative—to intervene in the human being or to have a healing effect on him. The concepts of Spiritual Science, on the other hand, are such that they are drawn from the whole human being. In the formation of Spiritual Science concepts, it is truly not merely the brain that has been involved, but the lungs, the liver, the heart, and the whole human being; and what they derive from the power of the whole human being clings to them and, if I may say so, permeates them in a plastic form. And when one immerses oneself in them, absorbing them with understanding through sound common sense, they in turn exert a hygienic influence on the whole human being. This is what, originating from Spiritual Science, can play a guiding role in the field of hygiene as a social matter.

[ 22 ] Aber noch in vieler anderer Weise — ich kann nur Beispiele herausziehen — wird Geisteswissenschaft orientierend eingreifen in das ganze Gesundheitsleben der Menschheit, wenn diese Geisteswissenschaft wirklich einmal in ihrem vollen Ernste unter der Menschheit Fuß faßt.

[ 22 ] But in many other ways as well—I can only cite a few examples—Spiritual Science will play a guiding role in all aspects of humanity’s health when this Spiritual Science truly takes root among humanity in all its seriousness.

[ 23 ] Ich will nur auf eines hinweisen. Zu denjenigen Kapiteln, die immer wieder und wiederum durch Geisteswissenschaft studiert werden müssen, gehört die Beziehung des wachen Menschen zum schlafenden Menschen, gehört der gewaltige Unterschied, der zwischen der menschlichen Organisation im Wachen und im Schlafen besteht. Wie Geist und Seele sich verhalten im Wachen, wenn sie einander durchdringen in der Leiblichkeit und Geistigkeit und in dem Seelischen des Menschen, wie sie sich verhalten, wenn sie temporär voneinander getrennt sind wie im Schlafen, das wird sorgfältig gerade durch Geisteswissenschaft studiert.

[ 23 ] I would like to point out just one thing. Among the topics that must be studied again and again through Spiritual Science is the relationship between the waking human being and the sleeping human being, and the immense difference that exists between the human constitution in wakefulness and in sleep. How the spirit and the soul interact during wakefulness, when they interpenetrate one another in the physical, spiritual, and soul aspects of the human being, and how they interact when they are temporarily separated from one another, as in sleep—this is precisely what is carefully studied by Spiritual Science.

[ 24 ] Nun kann ich nur, ich möchte sagen, referierend einen gewissen Satz angeben, der aber ein ganz gesichertes Ergebnis der Geisteswissenschaft ist. Wir sehen im Leben sogenannte epidemische Krankheiten auftreten, Krankheiten, die ganze Menschenmassen ergreifen, die also durchaus eine soziale Angelegenheit zu gleicher Zeit sind. Die gewöhnliche materialistische Wissenschaft studiert sie am menschlichen physischen Organismus. Sie weiß nichts davon, welche ungeheure Bedeutung gerade für Epidemien und für die Dispositionen für epidemische Krankheiten in dem anormalen Verhalten des Menschen zu Wachen und Schlafen liegt. Dasjenige, was im menschlichen Organismus während des Schlafens geschieht, ist etwas, was, wenn es zum Beispiel im Überflusse geschieht, im hohen Grade für sogenannte epidemische Krankheiten prädisponiert. Menschen, die sich durch einen zu langen Schlaf Prozesse im menschlichen Organismus bereiten, die nicht da sein sollten, weil der Schlaf nicht so lange das Wachleben unterbrechen sollte, die sind in ganz anderer Weise für epidemische Krankheiten prädisponiert, und die stellen sich auch in Epidemien in einer ganz anderen Weise hinein.

[ 24 ] Now I can only—I would say—cite a certain statement, which is, however, a well-established finding of Spiritual Science. We see so-called epidemic diseases occur in life—diseases that affect entire masses of people and are therefore, at the same time, a social phenomenon. Conventional materialistic science studies them in relation to the human physical organism. It is unaware of the immense significance—particularly for epidemics and for the predisposition to epidemic diseases—of abnormal human behavior regarding waking and sleeping. What occurs in the human organism during sleep is something that, when it occurs in excess, for example, predisposes a person to so-called epidemic diseases to a high degree. People who, by sleeping too long, induce processes in the human organism that should not be there—because sleep should not interrupt waking life for so long—are predisposed to epidemic diseases in a completely different way, and they also respond to epidemics in a completely different manner.

[ 25 ] Nun können Sie von selbst ermessen, was es bedeutet, die Menschen aufzuklären über die richtige Verteilung von Schlafen und Wachen. Das können Sie nicht durch Vorschriften. Sie können allenfalls den Leuten vorschreiben, daß sie ihre Kinder nicht zur Schule schicken, wenn sie Scharlach haben, Sie können nicht Vorträge abhalten, wenn die Grippe herrscht: da parieren die Leute, weil ja heute der Mensch zur «Freiheit» neigt, ich meine, das «Autoritätsgefühl» nicht so groß ist wie in früheren Zeiten; da parieren also die Menschen. Ich sage nicht, daß sie nicht mit Recht parieren, ich sage nichts gegen das, was auf diesem Wege geschieht, aber Sie können unmöglich in derselben Weise den Menschen vorschreiben: Ihr müßt sieben Stunden schlafen. — Dennoch ist das wichtiger als die anderen Vorschriften, daß die Menschen, die es nötig haben, sieben Stunden schlafen, die anderen, die es nicht nötig haben, viel kürzer schlafen dürfen und so weiter. Solche Dinge aber, die so intim mit dem Persönlichsten des Menschenlebens zusammenhängen, die haben in großartiger Weise eine soziale Wirkung. Da hängt es tatsächlich von dem Intimsten im Menschen ab, wie die sozialen Auswirkungen geschehen, ob eine größere oder geringere Anzahl diesem oder jenem Beruf entzogen werden, wodurch unter Umständen auf einen ganz anderen Ort eine Wirkung ausgeübt wird, oder nicht. Da greift in der Tat die Hygiene in ungeheurer Weise in das soziale Leben hinein. Ganz abgesehen davon, was man über Ansteckung oder Nichtansteckung denkt, es greift bei Epidemien dieses Element in das soziale Leben ein. Da können Sie nicht durch äußere Vorschriften wirken, da können Sie nur wirken, wenn Sie in die menschliche Sozietät hineinbringen ein Laienpublikum, das mit Menschenverständnis dem aufklärend für Prophylaxe wirkenden Arzte gegenübersteht, wo immer ein lebendiges Zusammenwirken zur Erhaltung der Gesundheit zwischen dem Sachverständigen und dem menschenverständigen Laien eintreten kann.

[ 25 ] Now you can judge for yourself what it means to educate people about the proper balance between sleep and wakefulness. You can’t do that through regulations. At most, you can order people not to send their children to school if they have scarlet fever; you cannot hold lectures when the flu is going around: people will resist that, because people today tend toward “freedom”—I mean, the “sense of authority” isn’t as strong as it was in earlier times—so people will resist. I’m not saying they’re wrong to resist; I have no objection to what happens as a result, but you simply cannot dictate to people in the same way: “You must sleep seven hours.”—Nevertheless, it’s more important than other rules that people who need it sleep seven hours, while others who don’t need it may sleep much less, and so on. But such matters, which are so intimately connected with the most personal aspects of human life, have a tremendous social impact. It actually depends on the most intimate aspects of a person’s being how these social effects play out—whether a larger or smaller number of people are drawn away from this or that profession, which may or may not have an impact on an entirely different sphere. Here, indeed, hygiene intervenes in social life in a tremendous way. Quite apart from what one may think about contagion or non-contagion, this factor intervenes in social life during epidemics. You cannot achieve results through external regulations; you can only be effective if you bring into human society a lay audience that, with an understanding of human nature, stands alongside the physician who educates the public about prevention—wherever a lively collaboration for the preservation of health can take place between the expert and the layperson who understands human nature.

[ 26 ] Wenn wir alle diese Dinge überblicken, dann werden wir uns sagen: Hier haben wir geschildert eine Seite der Hygiene als soziale Frage, die im eminentesten Sinne davon abhängig ist, daß wir ein freies Geistesleben haben, daß wir tatsächlich ein Geistesleben haben, wo innerhalb des Geistgebietes diejenigen, die in der Pflege des Geisteslebens, auch insofern es sich in seine einzelnen praktischen Gebiete hineinerstreckt, wie zum Beispiel in die Hygiene, völlig unabhängig sind von allem anderen, was nicht die reine Erkenntnis, was nicht die Pflege des Geisteslebens selber gibt. Dasjenige, was der Einzelne leisten kann zum Besten seiner Mitmenschen, das muß ganz allein aus seinen Fähigkeiten hervorgehen, darüber darf es keine staatlichen Normen geben, darüber darf auch nicht von wirtschaftlichen Mächten eine Abhängigkeit bestehen, das muß in die persönliche Abhängigkeitssphäre des einzelnen Menschen gestellt sein und muß weiter gestellt sein in das verständnisvolle Vertrauen, das dem fähigen Menschen die anderen, die die Anwendung seiner Fähigkeiten brauchen, entgegenbringen können. Da braucht man das von allem Obrigkeitlichen, vom Staatlichen und vom Wirtschaftlichen aus unabhängige Geistesleben, das rein aus den geistigen Kräften heraus selber sachverständig wirkt. Gerade wenn Sie durchdenken dasjenige, was die Hygiene wirklich zu etwas machen kann, was innig verbunden ist mit einsichtsvoller Menschenerkenntnis und mit einsichtsvollem sozialem Menschenverhalten, dann werden Sie darauf kommen, wenn — was auch abstrakte Theorien sagen gegen die selbständige Stellung des Geisteslebens — man sachverständig auf den einzelnen Zweig, wie die Hygiene, eingeht, daß gerade das einzelne konkrete Sachgebiet fordert — und wie für die Hygiene könnte es auch für andere Gebiete aufgezeigt werden —, daß der Geist in Verwaltung genommen werden muß von denjenigen, die an seiner Pflege beteiligt sind, daß nicht bloß Sachverständige, die als Experten bei den Ministerien sind, sondern daß diejenigen, die im geistigen Leben wirksam sind, auch die Verwalter dieses geistigen Lebens und die alleinigen Verwalter dieses geistigen Lebens sein müssen. Dann, wenn so auf soziale Einsicht aus dem freien Geistesleben heraus eine wirklich als soziale Institution bestehende Hygiene da ist, dann wird für diese Hygiene in ganz anderer Weise wirtschaftlich gearbeitet werden können, und gerade in einem unabhängigen Wirtschaftsleben, in einem Wirtschaftsleben, das so aufgebaut ist, wie ich es geschildert habe in meinen «Kernpunkten der sozialen Frage», wie es wiederholt geschildert worden ist in den Zeitschriften, die dieser Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus dienen, zum Beispiel in der schweizerischen «Sozialen Zukunft», die von Dr. Boos herausgegeben wird.

[ 26 ] When we take stock of all these things, we will say to ourselves: Here we have described one aspect of hygiene as a social issue that, in the most profound sense, depends on our having a free spiritual life—on our actually having a spiritual life—in which, within the realm of the spirit, those who are engaged in the cultivation of spiritual life, even as it extends into its individual practical domains, such as hygiene, are completely independent of everything else that does not constitute pure knowledge or the cultivation of spiritual life itself. What the individual can accomplish for the benefit of his fellow human beings must arise solely from his own abilities; there must be no state regulations governing it, nor may there be any dependence on economic powers; it must be placed within the personal sphere of autonomy of the individual and must further be grounded in the understanding trust that others—who need the application of his abilities—can place in the capable individual. This requires a spiritual life that is independent of all forms of authority—whether governmental or economic—and that acts competently on its own, drawing purely from spiritual forces. Precisely when you reflect on what hygiene can truly achieve—something intimately connected with insightful knowledge of human nature and with insightful social behavior—you will come to realize that, regardless of what abstract theories may say against the independent standing of spiritual life, when one approaches a specific field such as hygiene with expertise, it is precisely this concrete field that demands — and just as this can be demonstrated for hygiene, so it could be shown for other fields — that the spirit must be administered by those involved in its cultivation; that it is not merely the experts employed by the ministries, but rather those who are active in spiritual life who must also be the administrators of this spiritual life—and the sole administrators of this spiritual life. Then, when hygiene—arising from social insight derived from free spiritual life and truly existing as a social institution—is in place, it will be possible to organize the economic aspects of this hygiene in an entirely different way, and precisely within an independent economic life—an economic life structured as I have described in my *Key Points of the Social Question*, as has been repeatedly described in the journals dedicated to this idea of the threefold social order—for example, in the Swiss journal *Soziale Zukunft*, edited by Dr. Boos.

[ 27 ] Wenn tatsächlich dasjenige, was latent ist, was ruhend ist im Schoße der menschlichen Sozietät an Kräften für die Pflege des Hygienischen, wenn das mit Menschenverständnis entgegengenommen wird von der Sozietät, wenn dieses allgemeine Ordnung wird, dann wird in das Wirtschaftsleben, in das unabhängige Wirtschaftsleben hineingetragen werden können alles dasjenige, was aus diesem unabhängigen Wirtschaftsleben heraus ohne alle Rücksicht auf irgendwelche Abhängigkeit von Erwerbsimpulsen oder von staatlichen Impulsen, was rein aus diesem unabhängigen Wirtschaftsleben heraus arbeiten kann, dasjenige, was im Dienste einer echten, wahren Hygiene aus dem Wirtschaftsleben heraus gepflegt werden muß. Dann wird aber auch — und nur dann - in das Wirtschaftsleben eintreten können jener Hochsinn, der notwendig ist, damit im Menschenleben Hygiene gepflegt werden kann. Wenn der bloße Erwerbssinn unseres Wirtschaftslebens, das immer mehr die Tendenz hat, dem Einheitsstaat eingegliedert zu werden, herrschend ist, und die allgemeine Meinung die ist, man müsse dasjenige produzieren, wodurch man am meisten erwerbe, dann können sich nicht geltend machen die auf sich selbst gestellten Impulse auch eines auf diesem Gebiete der Hygiene gepflegten freien Geisteslebens. Dann wird dieses Geistesleben abhängig von außergeistigem Staatlichem oder Wirtschaftlichem, dann wird das Wirtschaftliche zum Herrn über das Geistige. Das Wirtschaftliche darf nicht zum Herrn über das Geistige werden. Das zeigt sich am allerbesten, wenn man hervorbringen soll dasjenige, was vom Geiste gefordert wird im Wirtschaftsleben, wenn man dienen soll einer echten, wahren Hygiene. Die Kräfte des Wirtschaftslebens, des freien Wirtschaftslebens, werden hinzukommen in dem dreigliedrigen sozialen Organismus zu der Einsicht, die eine Öffentliche Angelegenheit wird, zu dem Menschenverständnis, das eine öffentliche Angelegenheit wird im dreigliedrigen sozialen Organismus. Und wenn auf der einen Seite die Menschen drinnenstehen werden in einem freien Geistesleben, in dem eine wirklich auf sachlichem Boden stehende Hygiene gepflegt werden kann, und wenn auf der anderen Seite die Menschen jenen Hochsinn entwickeln werden, durch den im Wirtschaftsleben, wo wiederum jeder mit Verständnis den Produktionen dann entgegenkommen wird, aber mit Verständnis, das nicht bloß aus dem Erwerbssinn, sondern aus den Einsichten kommt, die im freien geistigen Betrieb der Hygiene entstehen, dann, wenn einmal dieses einsichtsvolle soziale Menschenverständnis da sein wird, also dieser Menschenhochsinn, der wirtschaftlich arbeiten will, weil einfach im sozialen Sinne der Menschheit hygienisch gedient werden soll, dann werden sich die Menschen demokratisch in Parlamenten oder sonst zusammenfinden können. Denn dann wird geprägt werden aus dem freien Geistesleben die Einsicht in die Notwendigkeit einer Hygiene als soziale Erscheinung, geprägt werden für dasjenige, für die Pflege desjenigen, was notwendig ist für die Hygiene als soziale Frage, von Sachlichem und Fachlichem getragenes Wirtschaftsleben, durch den Hochsinn, der darinnen entwickelt werden wird; dann werden die mündig gewordenen Menschen auf dem Boden des Wirtschaftslebens verhandeln können auf der einen Seite aus ihrer Einsicht und ihrem Menschenverständnis, auf der anderen Seite aus ihren Beziehungen zum Wirtschaftsleben, das der Hygiene dient. Dann werden die Menschen verhandeln können als Gleiche auf dem Boden des Staats- oder Rechts- oder Wirtschaftslebens über die Maßnahmen, die in bezug auf Hygiene und auf öffentliche Gesundheitspflege werden getroffen werden können. Dann werden allerdings nicht die Laien, die Dilettanten gesund machen, aber mit Verständnis wird der mündig gewordene Mensch dem als einem Gleichen gegenüberstehen, der ihm das oder jenes sagt: dem sachverständigen Mediziner. Dem Laien aber macht sein Menschenverständnis, das zusammen mit dem Mediziner im sozialen Leben gepflegt wird, möglich, mit Verständnis dem Fachwissen so entgegenzukommen, daß er im demokratisch gedachten Parlamente nicht bloß auf Autorität hin, sondern auf ein gewisses Verständnis hin «ja» sagen kann.

[ 27 ] If, in fact, those forces for the promotion of hygiene—which lie latent and dormant within the bosom of human society—are received by society with human understanding, and if this becomes the general order, then everything that can emerge from this independent economic life—without any regard for dependence on profit motives or government directives, everything that can function purely out of this independent economic life—that which must be fostered from within economic life in the service of genuine, true hygiene—will be able to be carried into economic life, into independent economic life. But then—and only then—will that higher sense of purpose, which is necessary for maintaining hygiene in human life, be able to enter economic life. If the mere profit motive of our economic life—which increasingly tends to be incorporated into the unitary state—prevails, and the general opinion is that one must produce whatever yields the greatest profit, then the self-sustaining impulses of a free spiritual life cultivated in the realm of hygiene cannot assert themselves. Then this spiritual life becomes dependent on non-spiritual state or economic forces; then the economic becomes the master of the spiritual. The economic must not become the master of the spiritual. This is most clearly evident when one is called upon to bring forth what the spirit demands in economic life, when one is called upon to serve genuine, true hygiene. The forces of economic life—of free economic life—will contribute, within the threefold social organism, to the insight that becomes a matter of public concern, and to the understanding of humanity that becomes a matter of public concern within the threefold social organism. And when, on the one hand, people are immersed in a free spiritual life in which a hygiene grounded in objective reality can be cultivated, and when, on the other hand, people develop that higher sense through which, in economic life—where everyone will then approach production with understanding— but with an understanding that stems not merely from the drive for profit, but from the insights arising from the free spiritual practice of hygiene—then, once this insightful social understanding of humanity is in place—that is, this elevated human spirit that seeks to work economically simply because hygiene must be served in the social sense of humanity—then people will be able to come together democratically in parliaments or elsewhere. For then, the insight into the necessity of hygiene as a social phenomenon will be shaped by the free spiritual life; an economic life grounded in practicality and expertise—one dedicated to fostering what is necessary for hygiene as a social issue—will be shaped by the higher sense that will develop within it; then people who have attained maturity will be able to negotiate on the basis of economic life—on the one hand, drawing on their insight and understanding of human nature, and on the other hand, drawing on their connections to the economic life that serves hygiene. Then people will be able to negotiate as equals on the basis of political, legal, or economic life regarding the measures that can be taken with respect to hygiene and public health care. Then, of course, it will not be the laypeople or the amateurs who will restore people to health, but with understanding, the person who has attained maturity will face, as an equal, the one who tells him this or that: the expert physician. For the layperson, however, their understanding of human nature—cultivated together with the physician in social life—enables them to engage with specialized knowledge in such a way that, in a democratically conceived parliament, they can say “yes” not merely on the basis of authority, but on the basis of a certain understanding.

[ 28 ] Gerade wenn wir sachlich auf einem solchen speziellen Gebiete verfolgen, wie zusammenwirken die drei Glieder im dreigliedrigen sozialen Organismus, dann finden wir die ganze Berechtigung dieser Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus. Man kann diese Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus bekämpfen, wenn man sie vorerst noch bloß abstrakt erfaßt hat.

[ 28 ] Precisely when we objectively examine, in a specific field such as this, how the three parts of the threefold social organism interact, we find full justification for this idea of the threefold social organism. One can oppose this idea of the threefold social organism if one has, for the time being, grasped it only in the abstract.

[ 29 ] Nun, ich konnte Ihnen auch heute nicht mehr geben als eine skizzenhafte Andeutung desjenigen, was auf einem bestimmten konkreten Gebiete, wie der Hygiene, wenn man richtig über sie denkt, für die Notwendigkeit der Dreigliederung des sozialen Organismus folgt. Aber wenn die Wege, die ich heute nur, ich möchte sagen, in ihrem Anfang habe andeuten können, weiter verfolgt werden, wird man sehen, daß zwar derjenige, der mit einigen abstrakten Begriffen so herantritt an das, was als Impuls des dreigliedrigen sozialen Organismus da ist, daß er das in einer gewissen Weise bekämpfen kann. Er bringt in der Regel Gründe vor, die man sich selbst längst als Einwände gemacht hat. Wer aber mit vollem inneren Verständnis auf die einzelnen Gebiete des Lebens eingeht und auf das Ausleben dieser einzelnen Gebiete mit all dem Individuellen, das sie in das Menschenleben hineinbringen — um die handelt es sich im sozialen Zusammenleben —, wer wirklich etwas versteht auf einem konkreten Lebensgebiete, wer sich Mühe gibt, etwas von wahrer Lebenspraxis auf irgendeinem Gebiete zu verstehen, der wird immer mehr und mehr hineingeführt werden in diejenige Richtung, die angedeutet wird durch die Idee von der Dreigliederung des sozialen Organismus.

[ 29 ] Well, even today I could offer you nothing more than a rough outline of what follows—in a specific, concrete field such as hygiene, when one thinks about it properly—from the necessity of the threefold social order. But if the paths that I have been able to hint at today—only, I would say, in their initial stages—are pursued further, it will become clear that, while someone who approaches what is present as the impulse of the threefold social organism with a few abstract concepts may, in a certain sense, oppose it, they generally put forward reasons that one has long since raised as objections oneself. But whoever engages with the individual spheres of life with full inner understanding—and with the lived reality of these individual spheres, with all the individuality they bring into human life—for this is what social coexistence is all about— whoever truly understands something in a concrete sphere of life, whoever makes an effort to understand something of true practical living in any sphere, will be led more and more in the direction indicated by the idea of the threefold social organism.

[ 30 ] Wahrhaftig nicht aus einer Träumerei, nicht aus einem abstrakten Idealismus ist diese Idee entsprungen; sie ist entsprungen als eine soziale Forderung der Gegenwart und der nächsten Zukunft, gerade aus der konkreten, sachgemäßen Betrachtung der einzelnen Gebiete des Lebens. Und wiederum, wenn man dann diese einzelnen Gebiete des Lebens durchdringt mit dem, was in einem wirkt aus dem Impuls für die Dreigliederung des sozialen Organismus, dann findet man für alle diese Gebiete dasjenige, was ihnen, wie mir scheint, doch gerade heute nottut. Und nur einige Andeutungen wollte ich Ihnen am heutigen Abend darüber geben, wie durch dasjenige, was für das soziale Leben folgt aus Geisteswissenschaft, als die Dreigliederung des sozialen Organismus, befruchtet werden kann dasjenige, was heute nur auf Autoritätsglauben durch eine ganz blinde Unterwerfung hingenommen werden kann, daß das aus einem wirklich sozial gepflegten Menschenverständnis als eine soziale Angelegenheit in die menschliche Gesellschaft sich einlebt. Aus diesem Grunde darf gesagt werden hier: Durch diejenige Befruchtung, welche das Gebiet der Hygiene aus einer geisteswissenschaftlich befruchteten Medizin heraus erhalten kann, kann gerade die Hygiene eine soziale, eine wahrhaft soziale Angelegenheit werden. Sie kann werden im echtesten Sinne auch bis in hohe Grade hinein eine demokratisch gepflegte, allgemeine Volksangelegenheit.

[ 30 ] This idea certainly did not arise from a daydream or from abstract idealism; it arose as a social demand of the present and the near future, precisely from a concrete, objective examination of the individual spheres of life. And again, when one then permeates these individual spheres of life with what works within one from the impulse for the threefold structure of the social organism, one finds for all these spheres precisely what, it seems to me, they need today. And this evening I wanted to offer you just a few hints as to how, through what follows for social life from Spiritual Science—namely, the threefold structure of the social organism— can enrich that which today can only be accepted out of blind faith in authority through a completely unquestioning submission—so that it takes root in human society as a social matter arising from a truly socially cultivated understanding of the human being. For this reason, it may be said here: Through the enrichment that the field of hygiene can receive from a medicine informed by Spiritual Science, hygiene in particular can become a social—a truly social—matter. It can become, in the truest sense, even to a high degree, a democratically cultivated, general public concern.

[ 31 ] In der nachfolgenden Diskussion äußerte sich Rudolf Steiner folgendermaßen:

[ 31 ] In the discussion that followed, Rudolf Steiner made the following remarks:

[ 32 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Bei solchen Dingen, wie diejenigen, die heute besprochen worden sind, handelt es sich darum, daß man zunächst auf den ganzen Geist des Ausgesprochenen eingehen kann. Es ist daher manchmal schwierig, wenn Fragen schon so formuliert werden, daß sie aus der gegenwärtigen Denkweise und Gesinnung heraus geformt sind, sie dann ohne eine Umformung oder wenigstens ohne eine gegebene Erklärung sachgemäß zu beantworten. So gleich die Frage, die Ihnen oder vielen von Ihnen wahrscheinlich furchtbar einfach erscheint, so daß man sie mit ein paar Sätzen oder mit einem Satze beantworten könnte: «Wie gewöhnt man sich das zu lange Schlafen ab?»

[ 32 ] Ladies and gentlemen! With matters such as those discussed today, the point is to first grasp the overall spirit of what has been said. It is therefore sometimes difficult to answer questions appropriately—especially when they are phrased in a way that reflects current ways of thinking and attitudes—without reformulating them or at least providing an explanation. Take, for example, the question that probably seems terribly simple to you—or to many of you—so much so that it could be answered in a few sentences or even a single sentence: “How does one break the habit of sleeping too long?”

[ 33 ] Nun, um diese Frage zu beantworten, wäre es nötig, daß ich, ich möchte sagen, einen fast noch längeren Vortrag hielte als den, den ich schon gehalten habe; denn ich müßte erst die verschiedenen Elemente zusammentragen, um diese Frage ganz sachgemäß zu beantworten. Es darf aber vielleicht folgendes gesagt werden: Es ist heute in der Menschheit eine fast alle Menschen ergreifende intellektualistische Seelenverfassung vorhanden. Diejenigen, die glauben, aus dem Gefühl heraus zu urteilen oder zu leben, oder glauben, eben aus irgendeiner anderen Ecke heraus nicht intellektualistisch zu sein, die sind es gerade erst recht. Nun ist der Grundcharakter des intellektualistischen Seelen- und Organlebens der, daß durch dasselbe unsere Instinkte ruiniert werden. Die richtigen Instinkte des Menschen werden ruiniert. Es ist tatsächlich so, daß, wenn man heute auf nicht ganz ruinierte Instinkte hinweisen will, man entweder auf die Urmenschheit hinweisen muß oder, nun sagen wir, sogar auf das Tierreich. Denn sehen Sie, bei einer anderen Gelegenheit konnte ich in diesen Tagen auf ein Beispiel hinweisen, das sehr viel sagt. Es gibt Vögel, die fressen aus ihrer Gier heraus Insekten, zum Beispiel Kreuzspinnen. Sie verfallen aber durch diese Kreuzspinnen, die für sie ein Gift sind, in Konvulsionen, Zuckungen, müssen elendiglich versterben, sehr bald, nachdem sie die Kreuzspinne verschluckt haben. Ist aber Bilsenkraut in der Nähe, dann fliegt der Vogel dahin, saugt den Heilsaft heraus und rettet sich das Leben. Nun denken Sie, wie da das entwickelt ist, was bei uns Menschen zusammengeschrumpft ist auf die wenigen Reflexinstinkte, die wir haben, wie die, wenn sich uns eine Fliege auf die Nase setzt, machen wir, ohne erst eine tiefe Erwägung anzustellen, daß sie wegfliege. Ein Abwehrinstinkt macht sich auf den Insultreiz geltend. Bei dem Vogel, der die Kreuzspinne frißt, folgt auf die Wirkung, welche die Kreuzspinne in seinem Organismus hat, folgt auf diesen Insult ein solcher Abwehrinstinkt, daß er ihn zu etwas ganz Vernünftigem treibt. Noch können wir solche Instinkte bei solchen Menschen finden, die in grauer Vorzeit gelebt haben, wenn wir ihre Geschichte richtig zu deuten verstehen. Aber in unserer Zeit macht man andere Erfahrungen. Ich habe es immer als ungeheuer schmerzlich erlebt, wenn ich zu irgend jemandem kam, der sich an den Mittagstisch gesetzt hat und der — ich war sonst gewöhnt, daß Messer und Gabel und ähnliche Geräte neben dem Teller liegen — eine Waage neben dem Teller hatte, ausgesprochen eine Waage — so etwas erlebt man wirklich —, eine Waage, und da wog er sich das Stückchen Fleisch zu, denn dann wußte er erst, wieviel Fleisch er essen soll nach seinem Organismus, wenn er es gewogen hatte! Denken Sie sich einmal, wie bar eine Menschheit, der man so etwas vorschreiben muß, aller wirklichen ursprünglichen Instinkte nun schon geworden ist! Da handelt es sich dann darum, daß man nicht beim Intellektualismus stehenbleibt, sondern aufsteigt zum geisteswissenschaftlichen Erkennen. Sie werden jetzt glauben, daß ich pro domo spreche, wenn auch pro domo dieses großen Hauses, aber ich spreche nicht pro domo, sondern ich spreche tatsächlich dasjenige aus, was ich glaube als Wahrheit erkannt zu haben, ganz abgesehen davon, daß ich selbst diese Wahrheit vertrete. Man kann schon sehen, daß, wenn man nicht nur in das Intellektualistische bloß dringt, sondern in dasjenige, was geisteswissenschaftlich erfaßt werden soll, was daher mehr in bildlichem Sinne vor die Menschheit hintritt, man da merkt: Durch das Erfassen solcher eben nicht für den bloßen Intellekt zugänglicher Erkenntnisse wird man wiederum zurückgeführt zu gesunden Instinkten, wenn auch nicht im einzelnen Leben, so dann mehr in den Dingen, die mehr in den Untergründen des Lebens liegen. Derjenige, der sich mindestens einige Zeit — wenn es auch noch so wenig Zeit ist — damit befaßt, die ganz andere Seelenverfassung zu entwickeln, die man entwickeln muß, wenn man Geisteswissenschaftliches wirklich verstehen will, der wird wiederum in solchen Dingen, wie zum Beispiel in dem Schlafbedürfnis, zu gesunden Instinkten zurückgeführt. Das Tier schläft ja nicht zu viel in normalen Lebensverhältnissen. Der Urmensch hat auch nicht zu viel geschlafen. Man braucht sich nur zu erziehen wiederum zu gesunden Instinkten, die einem abgewöhnt werden in der heutigen so intellektualistischen Kultur, so daß man sagen kann: Wirkliches wirksames Mittel, sich das zu lange Schlafen abzugewöhnen, ist es, wenn man geisteswissenschaftliche Wahrheiten aufnehmen kann, ohne dabei einzuschlafen. Wenn man also gleich einschläft bei geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, dann wird man sich tatsächlich einen zu langen Schlaf nicht abgewöhnen. Wenn es einem aber gelingt, bei geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, die man durchnimmt, nun wirklich mit innerem menschlichem Anteil dabei sein zu können, dann wird dieses innere Menschliche so aktiviert, daß man tatsächlich seine für den Organismus gerade brauchbare Schlafenszeit herauskriegt.

[ 33 ] Well, to answer this question, I would need to give—I would say—a lecture even longer than the one I have already given; for I would first have to bring together the various elements in order to answer this question properly. But perhaps the following can be said: Today, there is an intellectualistic state of mind prevalent among almost all people. Those who believe they judge or live based on feeling, or who believe—for whatever other reason—that they are not intellectualistic, are in fact precisely the ones who are. Now, the fundamental characteristic of this intellectualistic state of the soul and organ life is that it ruins our instincts. Humanity’s true instincts are ruined. In fact, if one wishes to point to instincts that are not entirely ruined today, one must either point to prehistoric humanity or—let us say—even to the animal kingdom. For you see, on another occasion recently I was able to point out an example that speaks volumes. There are birds that, out of greed, eat insects—for example, cross spiders. But because these cross spiders are poisonous to them, the birds fall into convulsions and twitches and must die a miserable death very soon after swallowing the cross spider. But if henbane is nearby, the bird flies over to it, sucks out the healing sap, and saves its life. Now consider how this has developed—something that in us humans has shrunk down to the few reflexive instincts we possess, such as when a fly lands on our nose; without first engaging in deep deliberation, we cause it to fly away. A defensive instinct responds to the offensive stimulus. In the case of the bird that eats the cross spider, the effect that the cross spider has on its organism—this insult—is followed by such a defensive instinct that it drives the bird to act in a perfectly reasonable way. We can still find such instincts in people who lived in ancient times, if we know how to interpret their history correctly. But in our time, we have different experiences. I have always found it immensely painful when I visited someone who had sat down to lunch and who—I was otherwise accustomed to seeing a knife, fork, and similar utensils lying next to the plate—had a scale next to the plate, literally a scale—you really do see such things—a scale, and there he would weigh out his piece of meat, because only then—after weighing it—would he know how much meat his body needed! Just imagine how devoid of all true, original instincts a humanity has already become when such things must be prescribed to it! The point, then, is not to remain stuck in intellectualism, but to ascend to knowledge of Spiritual Science. You will now think that I am speaking pro domo—even if pro domo of this great institution—but I am not speaking pro domo; rather, I am actually expressing what I believe I have recognized as truth, quite apart from the fact that I myself uphold this truth. One can already see that when one delves not merely into intellectualism, but into that which is to be grasped through Spiritual Science—which therefore presents itself to humanity more in a pictorial sense—one realizes: By grasping such insights—which are not accessible to the mere intellect—one is led back to sound instincts, if not in one’s individual life, then at least in the things that lie deeper within the foundations of life. Anyone who devotes at least some time—no matter how little—to developing the entirely different state of mind that is necessary if one truly wishes to understand Spiritual Science will, in turn, be led back to healthy instincts in matters such as, for example, the need for sleep. After all, animals do not sleep too much under normal living conditions. Primitive man did not sleep too much either. One need only train oneself to return to healthy instincts—which are weaned away from us in today’s overly intellectualized culture—so that one can say: The truly effective way to break the habit of sleeping too long is to be able to absorb truths from Spiritual Science without falling asleep in the process. So if you fall asleep immediately when encountering truths from Spiritual Science, you will indeed not be able to break the habit of sleeping too long. But if you succeed in truly engaging with truths from Spiritual Science as you work through them—with your inner human essence—then this inner humanity is activated in such a way that you actually determine the amount of sleep that is just right for your organism.

[ 34 ] Es ist ungeheuer schwer wiederum, intellektualistische Regeln anzugeben, zum Beispiel zu sagen, ein einzelner Mensch, der das oder jenes an der Leber oder an der Niere hat, was ihn ja nicht gerade im gewöhnlichen Sinne krank macht, aber was doch da ist, der muß so oder so lange schlafen. Das führt in der Regel doch zu nichts Besonderem. Und auf künstliche Weise den Schlaf erzeugen, das ist wiederum nicht dasselbe, als wenn der Körper aus seinem Schlafbedürfnisse heraus nur so lange dem Geiste den Eintritt verweigert, als er es eben braucht. So daß man also sagen kann: Eine gerade aus der Geisteswissenschaft heraus folgende richtige Hygiene, die ist es auch, die den Menschen schon dazu bringen wird, seinen Schlaf in der richtigen Weise zu bemessen.

[ 34 ] It is, in turn, incredibly difficult to lay down intellectualistic rules—for example, to say that a person who has this or that problem with their liver or kidneys—which doesn’t exactly make them sick in the usual sense, but which is nevertheless there—must sleep for a certain amount of time. As a rule, that doesn’t really lead to anything in particular. And artificially inducing sleep is, in turn, not the same as when the body, driven by its need for sleep, denies the mind entry only for as long as it actually needs to. So one can say: Proper hygiene based directly on Spiritual Science is also what will lead people to measure their sleep in the right way.

[ 35 ] Deshalb kann auch nicht die andere Frage, die hier gestellt worden ist, so einfach beantwortet werden: «Wie kann man wissen, wieviel Schlaf man nötig hat?» — Ich möchte sagen, das braucht man nicht im diskursiven Denken zu wissen, das ist gar nicht nötig, aber man hat wohl nötig, sich solche Instinkte anzueignen, die man sich aneignet nicht durch das Empfangen von Notizensammlungen aus der Geisteswissenschaft, sondern durch die Art, wie man Geisteswissenschaftliches versteht, wenn man es mit vollem Anteil versteht. Diesen Instinkt erlangt man, und dann bemißt man sich den Schlaf in individueller Weise in der richtigen Art zu. Das ist also das, was in der Regel darauf zu sagen ist. Wie gesagt, ich kann mehr eine Wegleitung nur geben zur Beantwortung dieser Frage, nicht dasjenige, was vielleicht gerade erwartet wird. Aber das, was erwartet wird, ist nicht immer das Richtige.

[ 35 ] That is why the other question raised here cannot be answered so simply: “How can one know how much sleep one needs?” — I would say that one does not need to know this through discursive thinking; that is not necessary at all. But one does need to acquire certain instincts—instincts that are not acquired by receiving collections of notes from Spiritual Science, but rather through the way one understands Spiritual Science when one comprehends it with full engagement. One acquires this instinct, and then one determines one’s need for sleep in an individual way and in the proper manner. So that is generally what can be said about it. As I said, I can only offer guidance on how to answer this question, not necessarily what might be expected. But what is expected is not always correct.

[ 36 ] Ist das Schlafen bei offenem Fenster gesund?

[ 36 ] Is it healthy to sleep with the window open?

[ 37 ] Auch solche Dinge können eigentlich nicht immer ganz im allgemeinen beantwortet werden. Es ist durchaus denkbar, daß für den einen Menschen das Schlafen bei offenem Fenster sehr gesund ist, je nachdem die besonderen Einrichtungen seiner Atmungsorgane sind, daß aber für einen anderen Menschen zum Beispiel ein sonst vor dem Schlafen gut gelüftetes Zimmer, das dann aber die Fenster verschlossen hat, während er schläft, das Bessere ist. Es handelt sich da tatsächlich darum, Verständnis zu gewinnen für die Beziehung des Menschen zur außermenschlichen Umgebung, um dann im einzelnen Falle nach diesem Verständnis urteilen zu können.

[ 37 ] Even questions like these cannot always be answered in general terms. It is entirely conceivable that for one person, sleeping with the window open is very healthy, depending on the specific characteristics of their respiratory system, while for another person, for example, a room that is otherwise well-ventilated before sleep but has the windows closed while they sleep might be the better option. It is, in fact, a matter of gaining an understanding of the relationship between humans and their external environment, so that one can then make judgments based on this understanding in each individual case.

[ 38 ] Wie erklären Sie geisteswissenschaftlich das Zustandekommen geistiger Störun gen durch begangenes Verbrechen, das heißt, worin ist hierbei die körperliche Krankheit zu erkennen, die den geistigen Störungen zugrunde liegt?

[ 38 ] From a Spiritual Science perspective, how do you explain the development of mental disorders resulting from a crime that has been committed—that is, how can we identify the physical illness underlying these mental disorders?

[ 39 ] Nun, hier würde es ja auch notwendig sein, auf die ganze Verbrecher- und im Grunde genommen auch psychiatrische Anthropologie einzugehen, wenn die Frage erschöpfend behandelt werden soll. Ich möchte nur das Folgende sagen: Erstens handelt es sich bei der Betrachtung solcher Dinge darum, daß man schon vorauszusetzen hat, daß unter den Organdispositionen eines Menschen, der zum Verbrecher wird, von vorneherein Abnormes sich findet. Sie brauchen ja nur die in dieser Richtung wirklich ganz sachlich getriebenen Studien Moritz Benedikts, des ersten bedeutenderen Kriminalanthropologen, zu verfolgen, und Sie werden sehen, wie man in der Tat die pathologische Untersuchung der Formen einzelner menschlicher Organe in Zusammenhang bringen kann mit der Disposition zu Verbrechen. Da hat man also schon eine Abnormität drinnenliegend, obwohl natürlich materialistische Denker wie Moritz Benedikt daraus falsche Schlüsse ziehen, denn es ist durchaus nicht jemand, der in dieser Richtung diejenigen Zeichen zeigt, von vorneherein ein geborener Verbrecher. Es handelt sich darum, daß man durchaus auf dasjenige, was an Defekten vorliegt im Organismus — ich sagte gerade, Organdefekte, nicht die schon vorhandene Geisteskrankheit, sondern Organdefekte —, gerade durch die Erziehung und später durch entsprechendes Geistiges, also auf geistig-seelische Weise wirken kann, wenn nur der Tatbestand geisteswissenschaftlich untersucht wird. Also die Schlußfolgerungen, die Benedikt daraus zieht, sind nicht richtig. Aber auf solche Organdefekte kann man schon hindeuten. Und dann muß man sich klar sein darüber, daß ja wiederum zurückwirken namentlich diejenigen Dinge, die nun nicht intellektualistisch im gewöhnlichen Menschenleben sind, sondern die gefühlsmäßig oder die emotionell sind. Die wirken allerdings zunächst auf die Drüsentätigkeit oder dergleichen, auf die Absonderungstätigkeit zurück, aber dabei wiederum auch auf die Organe. In dieser Beziehung rate ich Ihnen, zum Beispiel ein interessantes Büchelchen zu lesen, das von einem dänischen Mediziner verfaßt ist, über die Mechanik der Gemütsbewegungen. Da steht mancherlei in dieser Richtung gut Verwertbares darinnen. Und nun stelle man sich vor, die leibliche Disposition, die man bei jedem wird verfolgen können, der wirklich als Verbrecher in Betracht kommt, nehme dazu alles dasjenige, was nun als Folgen für den ertappten Verbrecher liegt an Gemütserschütterndem, und was in der Fortsetzung dieser Gemütserschütterungen wiederum in die Organe hineinwirkt, dann hat man später den Weg, die defekten Organe zu suchen für dasjenige, was als Folgeerscheinung, die eine Geisteskrankheit hervorbrachte, bei begangenem Verbrechen auftritt. Man muß in dieser Weise eine Aufklärung über solche Zusammenhänge sich verschaffen.

[ 39 ] Well, in order to address this question exhaustively, it would be necessary here to delve into the entire field of criminal—and, essentially, psychiatric—anthropology. I would just like to say the following: First, when considering such matters, one must assume from the outset that there are abnormalities among the physiological dispositions of a person who becomes a criminal. You need only examine the studies conducted in this field—which are truly objective—by Moritz Benedikt, the first major criminal anthropologist, and you will see how the pathological examination of the forms of individual human organs can indeed be linked to a predisposition toward crime. So there is already an abnormality present there, although, of course, materialist thinkers like Moritz Benedikt draw the wrong conclusions from this, for it is by no means the case that someone who exhibits these signs is, from the outset, a born criminal. The point is that one can certainly address the defects present in the organism—I just said organ defects, not pre-existing mental illness, but organ defects—precisely through upbringing and later through appropriate spiritual influences, that is, in a spiritual-psychic way, provided that the facts are investigated from a Spiritual Science perspective. So the conclusions that Benedikt draws from this are not correct. But one can certainly point to such organ defects. And then one must be clear that, in turn, those things that are not intellectual in the ordinary course of human life—but rather those that are emotional or affective—have a reciprocal effect. These do, of course, initially affect glandular activity or similar processes—such as secretory functions—but in doing so, they also affect the organs. In this regard, I recommend that you read, for example, an interesting little book written by a Danish physician on the mechanics of emotional responses. It contains a great deal of useful information along these lines. And now imagine the physical constitution—which can be observed in anyone who is truly considered a criminal—and add to that all the emotional upheavals that result for the caught criminal, and what, in turn, affects the organs as a result of these emotional upheavals—then one will later have a way to identify the defective organs responsible for the symptoms that, as a consequence, led to mental illness following the commission of a crime. One must gain insight into such connections in this manner.

[ 40 ] Wie verhält sich die Theosophie zur Anthroposophie? Wird die früher hier vertretene Theosophie nicht mehr in vollem Umfang anerkannt erhalten?

[ 40 ] What is the relationship between Theosophy and Anthroposophy? Is the Theosophy previously advocated here no longer fully recognized?

[ 41 ] Nun möchte ich nur sagen: Hier ist niemals etwas anderes als die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft vertreten worden, und dasjenige, was heute hier vertreten wird, wurde immer hier vertreten, und wenn das identifiziert worden ist mit dem, was auf vielen Seiten als sogenannte Theosophie vertreten wird, so beruht das eben auf einem Mißverständnisse. Dieses Mißverständnis wird dadurch auch noch ein Mißverständnis bleiben, daß innerhalb gewisser Grenzen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft im Rahmen der «Theosophical Society» sich eine Zeitlang bewegt hat, denn auch in dem Rahmen dieser Gesellschaft wurde von den Vertretern der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft nichts anderes damals vertreten als dasjenige, was heute hier vertreten wird. Nur sah man eben in der «’Theosophical Society» solange zu, als einem die Sache nicht gar zu ketzerisch ausschaute. Aber als man bemerkte, daß Anthroposophie etwas ganz anderes ist als die abstrakte Mystik, die sich vielfach als Theosophie geltend macht, da schmiß man die Anthroposophen heraus. Es ist durchaus von der anderen Seite diese Prozedur vorgenommen worden, währenddem dasjenige, was hier vertreten ist, nie eine andere Gestalt gehabt hat als die, die es heute hat. Natürlich diejenigen, die sich oberflächlich mit den Dingen befassen und die nur solche hören, die sich dieses oberflächliche Befassen als Mitglieder der Gesellschaft geholt haben — denn man muß ja nicht immer draußen stehen, um Anthroposophie oberflächlich aufzufassen oder Anthroposophie mit Theosophie zu verwechseln, man kann auch in der Gesellschaft drinnen stehen -—, diejenigen, die sich also nur Kenntnis verschaffen auf die Weise solch oberflächlich erfaßten Betriebes, die kommen zu solchen Verwechslungen. Aber hier wird dasjenige vertreten, was ich für ein bestimmtes Gebiet heute wiederum charakterisiert habe, und niemals ist etwas anderes hier vertreten worden, wenn auch selbstverständlich fortwährend gearbeitet wird und gewisse Dinge heute präziser, voller, intensiver charakterisiert werden können, als sie selbstverständlich vor fünfzehn, zehn, fünf Jahren noch eben haben präzisiert werden können. Das eben ist gerade der Charakter des Arbeitens, daß man weiterkommt, daß man namentlich auch in der Formulierung beim Sich-verständlich-Machen von etwas so Schwierigem, wie es Geisteswissenschaft ist, weiterkommt. Auf diejenigen Menschen, die aus bösem Willen heraus daraus Stricke gedreht haben, daß dasjenige, was früher unvollkommener gesagt wird, später vollkommener gesagt wird, die daraus allerlei Wandlungen von Weltanschauungen ableiten, auf solche böswilligen Menschen und ihre Aussagen braucht man sich ja in Wirklichkeit nicht einzulassen. Denn Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, ist etwas Lebendiges und nicht etwas Totes. Und derjenige, der glaubt, daß sie nicht vorwärtsschreiten kann, der sie festnageln will da, wo sie einmal gestanden hat, in einer Weise, wie es öfters geschieht, der glaubt nicht an das Lebendige, sondern der möchte sie zu etwas Totem machen.

[ 41 ] Now I would just like to say: Nothing other than anthroposophically oriented Spiritual Science has ever been represented here, and what is represented here today has always been represented here; and if this has been identified with what is presented in many quarters as so-called theosophy, that is simply due to a misunderstanding. This misunderstanding will remain a misunderstanding precisely because, within certain limits, the anthroposophically oriented Spiritual Science operated for a time within the framework of the “Theosophical Society”; for even within the framework of that society, the representatives of the anthroposophically oriented Spiritual Science advocated nothing other at that time than what is advocated here today. It was simply that the “Theosophical Society” turned a blind eye as long as the matter did not appear too heretical. But when it became apparent that anthroposophy is something entirely different from the abstract mysticism that often presents itself as theosophy, the anthroposophists were expelled. This procedure was carried out entirely by the other side, whereas what is advocated here has never taken any form other than the one it has today. Of course, those who deal with these matters superficially—and who hear only from those who have adopted this superficial approach as members of the Society—for one does not always have to stand on the outside to grasp anthroposophy superficially or to confuse anthroposophy with theosophy; one can also be a member of the Society—those who thus acquire their knowledge only through such a superficially grasped approach are the ones who fall into such misunderstandings. But what is presented here is precisely what I have once again characterized today for a specific field, and nothing else has ever been presented here, even though, of course, work is ongoing and certain things can be characterized today more precisely, more fully, and more intensely than they could, of course, have been specified fifteen, ten, or five years ago. That is precisely the nature of this work: that one makes progress, particularly in the formulation and in making something as difficult as Spiritual Science understandable. As for those people who, out of malice, have twisted the fact that what was once expressed more imperfectly is later expressed more perfectly—and who derive all sorts of shifts in worldviews from this—there is really no need to engage with such malicious people and their statements. For Spiritual Science, as it is understood here, is something living and not something dead. And anyone who believes that it cannot move forward, who wants to pin it down where it once stood—as often happens—does not believe in what is alive, but rather wants to turn it into something dead.

[ 42 ] Wollen Sie sich bitte äußern, wie denn das Entstehen einer Epidemie, wie der Grippe oder des Scharlachs, zustandegekommen ist, wenn nicht durch Übertragung von Bazillen. Bei vielen Krankheiten ist der Krankheitserreger wissenschaftlich festgestellt worden. Wie stellen Sie sich dazu?

[ 42 ] Please explain how an epidemic—such as the flu or scarlet fever—could have arisen if not through the transmission of germs. For many diseases, the pathogen has been scientifically identified. What is your view on this?

[ 43 ] Nun, wenn ich auch gerade diese Frage, für die ich angedeutet habe, daß ich nicht Partei ergreifen will, erörtern sollte, dann müßte ich einen ganzen Vortrag halten. Allein, ich möchte auf folgendes aufmerksam machen. Derjenige, welcher genötigt ist durch seine Erkenntnisse, darauf aufmerksam zu machen, daß für Krankheiten, in deren Begleitung Bazillen oder Bakterien auftreten, tiefere Ursachen als primäre Ursachen vorhanden sind, als eben das Auftreten der Bazillen, der behauptet ja noch nicht, daß die Bazillen nicht da seien. Es ist durchaus etwas anderes, zu behaupten, die Bazillen sind da und sie treten im Gefolge der Krankheit auf, als die primäre Ursache bei den Bazillen zu suchen. Dasjenige, was nach dieser Richtung zu sagen ist, habe ich gerade bei diesem Kursus, der jetzt gehalten wird, in ausführlicher Weise entwickelt. Aber das nimmt eben durchaus Zeit in Anspruch. Das gilt auch in bezug auf gewisse Elemente, die vorher behandelt werden müssen. Das läßt sich in einer Fragenbeantwortung nicht rasch abmachen. Dennoch will ich auf das Folgende hinweisen. Es ist diese menschliche Konstitution nicht eine so einfache Sache, wie man sich oftmals vorstellt. Der Mensch ist einmal ein vielgliedriges Wesen. Das habe ich in meinem Buche «Von Seelenrätseln» im Anfange dargestellt, daß ein Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, ein Wesen, das man nennen kann den Sinnes-Nervenmenschen, zweitens den rhythmischen Menschen, drittens den Stoffwechselmenschen. Das ist einmal der Mensch. Und diese drei Glieder der menschlichen Natur wirken ineinander, und sie dürfen nicht, wenn der Mensch gesund sein soll, anders ineinander wirken, als daß in einer gewissen Weise Trennung der Gebiete zugleich da ist. So zum Beispiel darf der Nerven-Sinnesmensch, der mehr ist als dasjenige, was sich die heutige Physiologie vorstellt, nicht ohne weiteres seine Wirkungen auf den Stoffwechselmenschen anders übertragen, als daß diese Wirkungen vermittelt werden durch die rhythmischen Bewegungen der Zirkulations- und Atmungsvorgänge, die ja bis in die äußerste Peripherie des Organismus sich hineinerstrecken. Dieses Zusammenwirken, das kann aber in einer gewissen Weise unterbrochen werden. Nun ist durch dieses Zusammenwirken etwas ganz Bestimmtes bewirkt. Wenn solche Fragen gestellt werden so, verzeihen Sie, daß man dann auch sachgemäß antworten muß; nun will ich ja schon so dezent wie möglich sein, aber es ist dann doch notwendig, manches Wort auszusprechen, das eben auch sachgemäß angehört werden muß. Es ist zum Beispiel durchaus so, daß im menschlichen Unterleib Prozesse ablaufen, welche eingegliedert sind in den ganzen Organismus. Sind sie in den ganzen Organismus eingegliedert, dann wirken sie in der richtigen Weise. Werden sie durch irgendwelche Vorgänge, entweder direkt im Unterleib erhöht, so daß sie dort reger werden, oder werden die einmal entsprechenden Vorgänge — denn solche entsprechende Vorgänge sind immer da — im menschlichen Haupte oder in der menschlichen Lunge in ihrer Intensität kleiner gemacht, dann tritt etwas sehr Eigentümliches ein. Dann zeigt sich, daß der menschliche Organismus zu seinem normalen Leben in sich Prozesse entwickeln muß, die gerade bis zu einem gewissen Maße hin sich nur entwickeln dürfen, damit sie den ganzen Menschen in Anspruch nehmen. Wird der Prozeß erhöht, dann lokalisiert er sich, und dann tritt zum Beispiel im Unterleib des Menschen ein Prozeß auf, wodurch nicht in der richtigen Weise getrennt ist dasjenige, was im Menschenhaupte oder in der Lunge vor sich geht, und was gewissen Prozessen im Unterleib entspricht. Es entsprechen sich immer die Prozesse so, daß sie einander parallel gehen. Dadurch aber wird gewissermaßen das, was nur bis zu einem gewissen Maße im Menschen vorhanden sein darf, damit es seine Vitalität, die geist- und seelengetragene Vitalität, unterhält, über ein gewisses Niveau hinaufgebracht. Dann wird es die Atmosphäre, möchte ich sagen, für allerlei Niederorganismen, für allerlei kleine Organismen, dann können sich diese kleinen Organismen da entfalten. Dasjenige, was das Schaffenselement der kleinen Organismen ist, das ist immer im Menschen drinnen, ist nur über den ganzen Organismus ausgedehnt. Wird es konzentriert, dann ist es Lebensboden für Kleinorganismen, Mikroben; da finden sie einen Boden drin. Aber die Ursache, warum sie da gedeihen können, die ist in überaus feinen Vorgängen im Organismus, die sich dann als das Primäre herausstellen, zu suchen. Ich spreche wirklich nicht aus einer Antipathie gegen die BazillenTheorie. Ich verstehe durchaus die Gründe, die die Leute haben, die dem Bazillen-Glauben huldigen. Das können Sie mir glauben, daß ich, wenn ich nicht aus sachlichen Gründen so sprechen müßte, wie ich jetzt spreche, ich diese Gründe schon anerkennen würde, aber es ist eben hier die Erkenntnis, die notwendig zur Anerkennung von etwas anderem führt, und die einen dann zwingt, zu sagen: Ich sehe eine gewisse Landschaft, da sind sehr viele außerordentlich schöne Rinder, wohl gepflegt. Ich frage nun: Warum sind denn da gewisse Lebensverhältnisse in der Gegend? Sie kommen von den schönen Rindern. Ich erkläre die Lebensverhältnisse dieser Gegend, indem ich erkläre, es sind schöne Rinder eingezogen von irgendwoher, die haben sich da ausgebreitet. — Das werde ich nicht tun, nicht wahr, sondern ich werde untersuchen die primären Ursachen, den Fleiß und das Verständnis der Leute, und das wird mir erklären, warum auf diesem Boden diese schönen Rinder sich entwickeln. Aber ich würde eine oberflächliche Erklärung abgeben, wenn ich bloß sagen würde: Hier ist es schön, hier lebt es sich gut, weil da schöne Rinder eingezogen sind. Die gleiche Logik ist es im Grunde, wenn ich den Typhusbazillus finde und dann finde, man habe den Typhus aus dem Grunde, weil die Typhusbazillen eingezogen sind. Zur Erklärung des Typhus sind noch ganz andere Dinge notwendig als bloß das Sich-auf-dieTyphusbazillen-Berufen. Aber man wird noch auf eine ganz andere Weise irregeführt, wenn man sich einer solchen falschen Logik hingibt. Gewiß, die primären Prozesse, die den Typhusbazillen die Grundlage für ihr Dasein abgeben, die sind dann Grundlage für den Typhusbazillus, bewirken wiederum alles mögliche andere, was nicht primär ist. Und man kann sehr leicht dasjenige, was sekundär ist, mit dem eigentlichen ursprünglichen Krankheitsbilde entweder ganz verwechseln oder damit konfundieren. Das sind diese Dinge, die hier auf diesem Punkte zu dem Richtigen führen, oder die zeigen, wie dasjenige, was in einem gewissen Sinne berechtigt ist, in seine Grenzen zu weisen ist.

[ 43 ] Well, if I were to discuss this very question—on which I have indicated that I do not wish to take sides—I would have to give an entire lecture. However, I would like to draw attention to the following. Someone who, based on their findings, is compelled to point out that diseases accompanied by germs or bacteria have deeper causes than the mere presence of the germs—that is, causes that go beyond the germs themselves—is not, in doing so, claiming that the germs are not present. It is quite a different matter to assert that the germs are present and appear in the wake of the disease than to seek the primary cause in the germs themselves. I have elaborated in detail on what needs to be said in this regard precisely in this course that is currently being held. But that certainly takes time. This also applies to certain elements that must be addressed first. It cannot be quickly resolved in a Q&A session. Nevertheless, I would like to point out the following: The human constitution is not as simple a matter as is often the case in people's mental images. To begin with, the human being is a complex, multi-faceted being. I described this at the beginning of my book *The Mysteries of the Soul*: that a human being is a threefold being—a being that can be called, first, the sensory-nervous human; second, the rhythmic human; and third, the metabolic human. That is the human being. And these three aspects of human nature interact with one another; and if a person is to be healthy, they must not interact in any other way than such that, at the same time, there is a certain separation of these spheres. For example, the sensory-nervous human being—who is more than what modern physiology has in its mental image—cannot simply transfer his effects to the metabolic human being in any other way than through the rhythmic movements of the circulatory and respiratory processes, which, after all, extend all the way to the outermost periphery of the organism. This interaction, however, can be interrupted in a certain way. Now, this interaction brings about something quite specific. When such questions are asked—and please forgive me—one must then answer appropriately; I do want to be as discreet as possible, but it is nevertheless necessary to say certain things that must also be heard in the proper context. For example, it is certainly the case that processes take place in the human abdomen that are integrated into the entire organism. If they are integrated into the entire organism, then they function properly. If, however, they are intensified by certain processes—either directly in the lower abdomen, so that they become more active there, or if the corresponding processes—for such processes are always present—in the human head or lungs are reduced in intensity, then something very peculiar occurs. It then becomes apparent that, in order to maintain its normal life, the human organism must develop processes within itself that are permitted to develop only to a certain extent, so that they engage the whole person. If the process is intensified, it becomes localized, and then, for example, a process occurs in the human abdomen whereby there is no proper separation between what is taking place in the human head or lungs and what corresponds to certain processes in the abdomen. These processes always correspond in such a way that they run parallel to one another. As a result, however, what is permitted to exist in the human being only to a certain extent—so that it may sustain its vitality, the vitality sustained by spirit and soul—is, so to speak, raised above a certain level. Then it becomes, I might say, the atmosphere for all manner of lower organisms, for all manner of tiny organisms; these tiny organisms can then flourish there. That which constitutes the creative element of these tiny organisms is always present within the human being; it is simply spread throughout the entire organism. When it becomes concentrated, it serves as a breeding ground for tiny organisms, microbes; there they find a habitat. But the reason why they can thrive there is to be found in exceedingly subtle processes within the organism, which then prove to be the primary factor. I am truly not speaking out of any antipathy toward the germ theory. I fully understand the reasons held by those who subscribe to the germ theory. You can take my word for it that if I were not compelled by objective reasons to speak as I am now, I would certainly acknowledge those reasons; but here, it is precisely this insight that leads to the recognition of something else, and that then compels one to say: I see a certain landscape, where there are a great many exceptionally beautiful cattle, well cared for. Now I ask: Why, then, are there certain living conditions in the area? They stem from the beautiful cattle. I explain the living conditions of this area by saying that beautiful cattle were brought in from somewhere and have spread out there. — I won’t do that, will I? Instead, I will examine the primary causes—the diligence and understanding of the people—and that will explain to me why these beautiful cattle thrive in this region. But I would be offering a superficial explanation if I were to simply say: “It’s beautiful here; life is good here because beautiful cattle have moved in.” It’s essentially the same logic as if I were to find the typhus bacillus and then conclude that people have typhus simply because the typhus bacilli have arrived. Explaining typhus requires factors quite different from merely invoking the typhus bacilli. But one is misled in yet another way when one succumbs to such flawed logic. Certainly, the primary processes that provide the basis for the existence of the typhus bacilli—which are, in turn, the basis for the typhus bacilli themselves—give rise to all sorts of other phenomena that are not primary. And it is very easy to either completely confuse what is secondary with the actual original clinical picture or to conflate the two. These are the factors that lead to the correct understanding on this point, or that show how something that is, in a certain sense, justified must be kept within its proper limits.

[ 44 ] Vielleicht sehen Sie doch aus der Art und Weise, wie ich diese Antwort gegeben habe — obwohl ich ja nur skizzieren kann, daher leicht mißverstanden werden kann —, daß es sich hier wirklich nicht handelt um das allbeliebte Schimpfen auf die Bazillen-Theorie, sondern daß es sich hier wirklich darum handelt, die Dinge ganz ernsthaftig zu untersuchen.

[ 44 ] Perhaps you can see from the way I’ve phrased this answer—even though I can only sketch it out, and it can therefore easily be misunderstood—that this is really not the usual rant against the germ theory, but rather a genuine effort to examine the matter very seriously.

[ 45 ] Bitte um einige Beispiele, wie leibliche organische Störungen geistig-seelische Leiden hervorrufen können.

[ 45 ] Please provide some examples of how physical, organic disorders can cause mental and emotional distress.

[ 46 ] Nun, auch das würde natürlich, wenn es ausführlich beantwortet werden sollte, viel zu weit führen. Aber ich möchte da nur auf eines hinweisen. Sehen Sie, es ist in der Entwickelung des medizinischen Denkens der Menschen nicht so, wie es auch heute in der Geschichte der Medizin dargestellt wird, daß mit Hippokrates die Heilkunde gewissermaßen begonnen habe und sich dann der Hippokratismus weiter entwickelt habe. Soweit man das verfolgen kann, weiß man, daß bei Hippokrates ganz merkwürdige Dinge hervortreten, und daß bei Hippokrates viel mehr vorliegen die letzten Ausläufer einer alten Instinkt-Medizin als der bloße Anfang der heutigen intellektualistischen Medizin. Aber wir finden noch etwas anderes. Sehen Sie, aus dieser alten Instinkt-Medizin heraus, solange diese noch geltend war, hat man nicht von seelischen Depressionen einer gewissen Art gesprochen, was eine sehr abstrakte Ausdrucksweise ist, sondern man hat von Hypochondrie, Unterleibsknorpeligkeit gesprochen. Man hat also gewußt, daß es sich da um Störungen im Unterleib handelt, um Verhärtungen im Unterleib, wenn Hypochondrie auftritt. Man kann nicht sagen, daß die Alten materialistischer waren als wir.

[ 46 ] Well, of course, if this were to be answered in detail, it would go far too far afield. But I would just like to point out one thing here. You see, the development of human medical thought is not, as it is often portrayed even today in the history of medicine, such that medicine began, so to speak, with Hippocrates and Hippocratic medicine then developed further. As far as we can trace it, we know that quite remarkable things emerge in Hippocrates’ work, and that what we find in him are much more the final vestiges of an ancient instinct-based medicine than the mere beginning of today’s intellectualistic medicine. But we find something else as well. You see, within this ancient instinct-based medicine—as long as it was still in practice—people did not speak of “mental depressions” of a certain kind, which is a very abstract way of expressing it, but rather of “hypochondria” and “abdominal hardening.” So it was understood that when hypochondria occurred, it involved disturbances in the lower abdomen—specifically, hardening in that region. One cannot say that the ancients were more materialistic than we are.

[ 47 ] Ebenso kann man sehr leicht zeigen, wie gewisse chronische Lungendefekte durchaus zusammenhängen mit dem, was man einen falsch mystischen Sinn der Menschen nennen könnte. Und so könnte man auf alles mögliche hinweisen, ganz abgesehen davon, daß — wie es wiederum einem richtigen Instinkt entspricht — die Alten bei den Temperamenten durchaus auf Organisches hingewiesen haben. Sie ließen entstehen das cholerische Temperament aus der Galle heraus, aus der weißen Galle, das melancholische aus der schwarzen Galle und all dem, was die schwarze Galle im Unterleib bewirkt. Sie ließen entstehen dann das sanguinische Temperament aus dem Blute, das phlegmatische Temperament aus dem Schleim, was sie Schleim nannten. Dann aber, wenn sie Entartungen der Temperamente sahen, waren ihnen das durchaus Dinge, die hinweisen auf die Entartungen des betreffenden Organischen. Wie das in der Instinkt-Medizin getrieben worden ist und in der Instinkt-Hygiene, das läßt sich durchaus in streng wissenschaftlicher Weise wiederum in die Seelenverfassung hereinnehmen und vom Standpunkt unserer heutigen Erkenntnis aus pflegen.

[ 47 ] Similarly, it is very easy to show how certain chronic lung disorders are indeed related to what one might call a false mystical sensibility in people. And so one could point to all sorts of things, quite apart from the fact that—as is again in keeping with a sound instinct—the ancients certainly attributed the temperaments to organic factors. They derived the choleric temperament from bile—specifically, white bile—the melancholic temperament from black bile and all that black bile causes in the abdomen. They then derived the sanguine temperament from blood and the phlegmatic temperament from phlegm, which they called phlegm. But when they observed deviations in the temperaments, they saw these as clear indications of deviations in the corresponding organic functions. The way this has been pursued in instinct-based medicine and instinct-based hygiene can certainly be incorporated into the study of the psychological constitution in a strictly scientific manner and cultivated from the standpoint of our current understanding.

[ 48 ] Hier ist die Frage, bei der man noch mehr mißverstanden werden kann:

[ 48 ] Here is the question where one is even more likely to be misunderstood:

[ 49 ] Haben Sie Kenntnis von der Augendiagnose? Anerkennen Sie dieselbe als Wissenschaft?

[ 49 ] Are you familiar with eye diagnosis? Do you recognize it as a science?

[ 50 ] Nun, es ist ja im allgemeinen richtig, daß man bei einem Organismus, und insbesondere bei dem komplizierten menschlichen Organismus, aus allem möglichen Einzelnen, wenn man es in der richtigen Weise durchschaut, auf das Ganze schließen kann. Und wiederum, wie dieses Einzelne im menschlichen Organismus liegt, das hat eine große Bedeutung. In einer gewissen Weise ist dasjenige, was der Augendiagnostiker in der Iris untersucht, einerseits so sehr isoliert von dem übrigen menschlichen Organismus, andererseits ist das in einer so eigentümlichen Weise eingeschaltet in den übrigen Organismus, daß in der Tat da ein ausdrucksvolles Organ gegeben ist. Aber gerade bei solchen Dingen darf nicht schematisiert werden, Und der Fehler solcher Dinge besteht darinnen, daß eben schematisiert wird. Es ist durchaus zum Beispiel so, daß Menschen einer andersgearteten Seelen- und Körperverfassung andere Merkmale in ihrer Iris zeigen als wiederum andere Menschen. Da handelt es sich, wenn man so etwas anwenden will, um eine so intime Kenntnis desjenigen, was im menschlichen Organismus geschieht, daß man dann, wenn man diese intime Kenntnis hat, eigentlich nicht mehr nötig hat, aus einem einzelnen Organ heraus zu suchen. Und wenn man angewiesen ist, intellektualistisch an irgendwelche Regeln sich zu halten und schematisch solche Dinge zu machen, dann wird nicht viel Gescheites dabei herausschauen.

[ 50 ] Well, it is generally true that, in the case of an organism—and especially the complex human organism—one can infer the whole from all manner of details, provided one understands them correctly. And, in turn, the way these details are situated within the human organism is of great significance. In a certain sense, what the iridologist examines in the iris is, on the one hand, so very isolated from the rest of the human organism, yet on the other hand, it is integrated into the rest of the organism in such a unique way that it is, in fact, a highly expressive organ. But it is precisely with such matters that one must not resort to schematization, and the error in such matters lies precisely in this schematization. It is certainly the case, for example, that people with different constitutional dispositions of soul and body exhibit different characteristics in their irises than other people do. If one wishes to apply such methods, it requires such an intimate understanding of what is happening within the human organism that, once one possesses this intimate understanding, it is actually no longer necessary to seek answers from a single organ. And if one is compelled to adhere to certain rules in an intellectualistic manner and to approach such matters schematically, then not much of value will come of it.

[ 51 ] Welche Beziehung haben Krankheiten für den Fortgang der Weltgeschichte, insbesondere die jetzt neu auftretenden?

[ 51 ] What role do diseases play in the course of world history, particularly those that are emerging now?

[ 52 ] Ein Kapitel einer ganzen Kulturgeschichte! Nun, ich will nur das Folgende bemerken. Man muß, wenn man Geschichte studiert, einen Sinn dafür haben, Symptomatologie zu treiben, das heißt, vieles von dem, was heute als Geschichte genommen wird, nur als Symptom aufzufassen für manches, was viel tiefer dahinterliegt, was wirklich dann die geistige Strömung ist, die diese Symptome nur trägt. Und so kommt dasjenige, was in den Tiefen der Menschheitsentwickelung ist, tatsächlich auch symptomatisch in diesen oder jenen Zeitkrankheiten zum Vorschein. Und es ist interessant, die Beziehungen zu studieren zwischen dem, was in den Tiefen der Menschheitsentwickelung waltet, und dem, was sich abspielt in den Symptomen dieser oder jener Krankheit. Man kann auch schließen aus dem Vorhandensein gewisser Krankheiten auf Impulse im geschichtlichen Werden, die einer nicht so gearteten Symptomatologie entgehen. Dann aber könnte die Frage auch noch auf etwas anderes hinweisen, was auch nicht unwesentlich ist beim Verfolgen des geschichtlichen Werdens der Menschheit. Das ist dieses: Krankheiten, gleichgültig, ob sie beim einzelnen Menschen auftreten oder in der menschlichen Gesellschaft epidemisch, sind vielfach auch Reaktionen auf andere Ausartungen, die ja vom gesundheitlichen Standpunkte aus vielleicht als weniger schlimm angesehen werden, die aber vom moralischen oder von einem geistigen Standpunkte aus dennoch als sehr schlimm angesehen werden. Man darf dasjenige, was da gesagt wird, nur nicht etwa auf die Heilkunde oder auf die Hygiene anwenden, Das wäre ganz falsch. Krankheiten muß man heilen. In der Hygiene muß man menschenfördernd tätig sein. Da darf man nicht etwa sagen: Ich will erst prüfen, ob es vielleicht dein Karma ist, daß du diese Krankheit hast, dann muß ich sie dir lassen, wenn nicht, kann ich sie dir kurieren, — diese Anschauungen gelten nicht, wenn es sich darum handelt, zu heilen. Aber dasjenige, was für uns Menschen in unserem Eingreifen in die Natur nicht gilt, das gilt deshalb doch objektiv in der Welt draußen. Und da muß man sagen, daß zum Beispiel auch manches, was als Anlage entsteht zu moralischen Exzessen, sich so tief in die Organisation des Menschen eingräbt, daß Reaktionen, die dann in bestimmten Krankheiten erscheinen, kommen, und daß die Krankheit die Unterdrückung eines moralischen Exzesses ist. Bei dem einzelnen Menschen ist es nicht einmal von einer großen Bedeutung, diese Dinge zu verfolgen, denn die soll man seinem individuellen Schicksal überlassen, und in die soll man sich im Grunde ebensowenig hineinmischen, wie man sich nicht in die Briefgeheimnisse anderer Menschen hineinmischt — wenn nicht gerade vom Standpunkte, der einem jetzt so nahetritt: «Durch Kriegsgesetze behördlich geöffnet» —, geradesowenig, wie man sich in die Briefgeheimnisse eines Menschen hineinmischen sollte, so sollte man sich ebensowenig hineinmischen in sein individuelles Karma. Aber in der Weltgeschichte ist das wiederum etwas anderes. Da handelt es sich schon darum, weil da doch der einzelne Mensch in der Weltgeschichte bei ihren Gesetzen, ich möchte sagen, nur eine statistische Rolle spielt. Man muß immer darauf hinweisen, daß die Statistik den Lebensversicherungen eine gute Unterlage bietet, zu beurteilen, wie groß die Sterblichkeit ist, danach lassen sie sich ja ihre Quoten einzahlen. Die Sache stimmt ganz gut, und die Rechnung ist ganz richtig, es ist ganz wissenschaftlich alles — aber nun, man braucht nicht Just zu sterben in dem Augenblicke, der einem ausgerechnet ist von der Lebensversicherungsstatistik, braucht auch nicht so lange zu leben, so lange, als da ausgerechnet ist. Da treten andere Dinge ein, wenn der einzelne Mensch in Betracht kommt. Aber wenn Menschengruppen oder gar die ganze Menschheitsentwickelung in Betracht kommt, dann kann es sehr gut sein, daß man nicht ein abergläubischer, sondern ein sehr gut wissenschaftlicher Mensch ist, wenn man untersucht, inwiefern Krankheitssymptome, Krankheiten, die auftreten, korrigierend sind für andere Exzesse. So daß man in der Tat da schon aufsuchen kann eine gewisse Rückwirkung auch der Krankheit oder wenigstens ein Hervorgerufensein der Krankheit für dasjenige, was, wenn die Krankheit nicht gekommen wäre, sich in ganz anderer Form entwickelt hätte.

[ 52 ] A chapter in the entire history of culture! Well, I just want to make the following observation. When studying history, one must have a knack for symptomatology—that is, to view much of what is taken as history today merely as a symptom of something much deeper lying behind it, which is in fact the spiritual current that merely carries these symptoms. And so what lies in the depths of human development does indeed manifest symptomatically in this or that ailment of the times. And it is interesting to study the relationships between what prevails in the depths of human development and what plays out in the symptoms of this or that ailment. One can also infer, from the existence of certain diseases, impulses in the course of history that elude a symptomatology of a different nature. But then the question might also point to something else, which is by no means insignificant when tracing the historical development of humanity. This is it: diseases, regardless of whether they occur in individual human beings or epidemically in human society, are often also reactions to other degenerations that, from a health perspective, may be regarded as less serious, but which, from a moral or spiritual perspective, are nevertheless regarded as very serious. One must not, however, apply what is being said here to medicine or hygiene, that would be entirely wrong. Diseases must be cured. In hygiene, one must act in a way that promotes human well-being. One must not say, for example: “I will first examine whether it is perhaps your karma that you have this disease; if so, I must let you have it; if not, I can cure you”—such views do not apply when it comes to healing. But what does not apply to us humans in our intervention in nature does, nevertheless, apply objectively in the outside world. And here one must say that, for example, many predispositions to moral excesses become so deeply ingrained in the human constitution that reactions manifest as specific illnesses, and that the illness is the suppression of a moral excess. For the individual, it is not even of great importance to pursue these matters, for they should be left to one’s individual destiny, and one should, in essence, interfere in them just as little as one interferes in the privacy of other people’s correspondence—unless, that is, from the standpoint that is now so close to us: “Officially opened under martial law”—just as one should not interfere with a person’s privacy of correspondence, so too should one not interfere with their individual karma. But in world history, this is again a different matter. There, it does become relevant, because in world history, with its laws, the individual human being plays, I would say, only a statistical role. One must always point out that statistics provide life insurance companies with a sound basis for assessing mortality rates; after all, that is how they calculate their premiums. The concept holds up quite well, and the calculation is entirely correct; it’s all quite scientific—but then again, one doesn’t have to die precisely at the moment calculated by life insurance statistics, nor does one have to live as long as the calculations predict. Other factors come into play when the individual human being is taken into account. But when groups of people—or even the entire course of human development—are taken into account, it may very well be that one is not a superstitious person, but rather a highly scientific one, if one examines the extent to which symptoms of illness and diseases that arise serve to correct other excesses. So that one can indeed already discern a certain counter-effect of the illness—or at least that the illness was brought about—for that which, had the illness not occurred, would have developed in an entirely different form.

[ 53 ] Das sind nur so ein paar Punkte, wie das betrachtet werden kann, was durch diese Frage etwa berührt wird.

[ 53 ] These are just a few ways to look at what this question touches on.

[ 54 ] Damit ist aber unsere Zeit doch wohl so weit vorgeschritten, daß auch wir jetzt den anderen, die sich schon so zahlreich entfernt haben, folgen werden.

[ 54 ] But surely our time has now progressed so far that we, too, will follow the others who have already departed in such great numbers.