Therapeutic Eurythmy
GA 315
17 April 1921, Dornach
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Curative Eurythmy, tr. Krohn
Sechster Vortrag
Lecture VI
[ 1 ] Meine lieben Freunde, wir wollen heute einmal - nicht wahr, es wäre ja so unendlich vieles anzuführen über die Beziehungen des Hygienisch-Therapeutischen zur Eurythmie - wir wollen heute einmal in Erwägung ziehen, ich möchte sagen das zunächst nach dem Geistigen hin gelegene Physiologische, das sich uns ergibt, wenn wir die eurythmische Übung ins Auge fassen. Natürlich dasjenige, was sich beobachten läßt an der Kunsteurythmie in dieser Beziehung, das wird alles in verstärktem Maße einem entgegentreten, wenn man von der Kunsteurythmie übergeht zu dem, was wir als eine gewisse verstärkte Eurythmie in diesen Tagen kennengelernt haben. Aber das Wesentliche, um was es sich handelt, kann schon an der Ausführung eines Eurythmischen rein künstlerisch auch beobachtet werden, und dann kann gewissermaßen die Physiologie dafür gesucht werden. Nun wollen wir, um dieses zu tun, einmal folgendes ausführen.
[ ] There is so unendlessly much one could relate about the connection between the hygienic-therapeutic and eurythmy. Today we want to take into consideration that part of the physiological which we discover in the proximity of the spiritual when we contemplate a eurythmic exercise. Of course, all that which can he observed in this connection in artistic eurythmy will be encountered in an intensified form when one makes the transition from artistic eurythmy to the fortified eurythmy we have become acquainted with in these days. Nevertheless, the essence of that which concerns us can already be discovered purely artistically in a performance of eurythmy and the physiology corresponding to it then sought out. Let us try this by carrying out the following.
[ 2 ] Vielleicht ist Frau Baumann so gut und führt abwechselnd vokalisch und konsonantisch aus das Gedicht, das Sie (Frau Dr. Steiner) vielleicht rezitieren: «Über allen Gipfeln ist Ruh.»
[ ] Perhaps Mrs. Baumann will be so good and perform the poem “Über allen Gipfeln ist Ruh” alternately in vowels and in consonants, while you (Frau Dr. Steiner) recite it.
[ 3 ] Nun machen wir uns klar, was da eigentlich vorgeht; aber gehen wir ganz exakt vor dabei. Was geht vor? Es wird eine Dichtung rezitiert. Also derjenige, der eurythmisiert - der kommt ja physiologisch für uns jetzt in Betracht -, derjenige, der eurythmisiert, hört an, er hört zu. Das ist das erste, was wesentlich zu beachten ist: er hört zu. Also er spricht nicht selbst, er hört zu. Das ist das Wesentliche. Und er hört etwas an, was im wesentlichen das sinnerfüllte Wort, der sinnerfüllte Wortzusammenhang ist. Also er hört sich an etwas, worinnen Denktätigkeit, Vorstellungstätigkeit lebt. Also dasjenige, was er äußerlich wahrnimmt, ist Vorstellungstätigkeit, gekleidet in den Lautzusammenhang. Nicht wahr, das ist etwas, was der Mensch in seinem wachen Tagesleben oftmals tut. Was geschieht denn da eigentlich, wenn der Mensch in seinem wachen Tagesleben dieses tut? Sie werden leicht bemerken, wenn Sie psychologisch-physiologisch sich den Vorgang überlegen, daß beim Zuhören stattfindet ein leises partielles Einschlafen. Ich und astralischer Leib gleiten hinüber in dasjenige, was sie aufnehmen, sie leben sich hinein in dasjenige, was sie aufnehmen. Der Mensch tritt also gewissermaßen leise aus sich heraus, indem er zuhört. Er verfällt, indem er zuhört, in einen Zustand, der schlafähnlich und wieder nicht schlafähnlich ist. Schlafähnlich ist er dadurch, daß sein Ich und sein astralischer Leib leise heraustreten. Nicht schlafähnlich ist er dadurch, daß dieses Ich und der astralische Leib doch empfänglich bleiben, wahrnehmend bleiben und sich bewußt bleiben. Es ist also dasjenige, was da sich abspielt, außerordentlich ähnlich dem Imaginieren. Es ist ein leises bewußstes Imaginieren, ein bewußtes Imaginieren, das noch sehr stark in das Unterbewußte hinuntergedrängt ist. Das ist der Vorgang.
[ ] Now let us make clear to ourselves what is taking place here, proceeding however very exactly. What is happening? A poem is recited. The person who does the eurythmy listens—he is the one who comes for us into consideration physiologically. That is the first matter of importance. He doesn't speak himself, he listens. That is essential. He listens to something which is in essence the meaningful word, a meaningful association of words. He listens to something in which the activity of thought and of mental representation are alive. What he perceives outwardly is the activity of mental representation clothed in an association of sounds. That is something which man in his waking, daytime existence often does, is it not? But what actually takes place when he does it? If you consider the process from a psychologic-physiologic point of view you will easily discover that a light, partial sleep overtakes the listener. The “I” and the astral body glide over what they are taking in, they live into it. In listening man steps out of himself slightly. He is overcome by a condition which is similar and then again dissimilar to sleep. It is similar to sleep in that the “I” and astral body are slightly disengaged, dissimilar in that they remain receptive, perceptive and self-aware. Thus the process is extraordinarily similar to imagination. It is a subtle, conscious imagining that is still strongly suppressed in the subconscious. Such is the process at hand.
[ 4 ] Nun, gegen jeden solchen Vorgang gibt es eine Reaktion des Menschen selbst; diese Reaktion des Menschen selbst beachten wir auch. Also jetzt schauen wir auf dasjenige, was sich bei einem Menschen vollzieht, der eben nicht rezitiert. Was tut denn der, wenn er zuhört? Er bringt seinen Ätherleib in Bewegung. Der Ätherleib reagiert. Der Ätherleib nimmt tatsächlich diejenigen Bewegungen an, die er ausführt, aber viel schwächer, wenn der Mensch schläft und seinen Ätherleib im physischen Leib zurückläßt. Wenn der Mensch schläft und seinen Ätherleib und physischen Leib zurückläßt, so ist ja dieser Ätherleib wesentlich tätiger, als wenn der Mensch wacht. Nun werden in einem verstärkten Maße bei diesem abgelähmten Schlafe, der im Zuhören stattfindet, die Bewegungen des Ätherleibes wachgerufen. Man kann beobachten diese Bewegungen des Ätherleibes. Man hat also im zuhörenden Menschen einen Menschen, der gesteigert diejenigen Bewegungen zeigt, die sonst abgeschwächt der Mensch im Schlafe zeigt. Man kann also auch beim zuhörenden Menschen, und zwar, indem es einem geradezu vordemonstriert wird, die Ätherbewegungen des Menschen beim Schlafe studieren. Man braucht den Menschen gar nicht im Schlafe zu studieren, man kann die Ätherbewegungen des Menschen studieren, wenn er zuhört, und auch da gerade die verstärkten Schlafbewegungen des Ätherleibes. Diese Bewegungen, die studiert man, und man läßt sie nun vom physischen Leibe ausführen, das heißt, man läßt den physischen Leib in alle die Ätherbewegungen hineingleiten, die man auf die eben angegebene Weise studiert hat. So daß man also in der Eurythmie dasjenige ausführt, was der Mensch beim Zuhören mit seinem Ätherleibe fortwährend ausführt. Sie sehen, was da eigentlich geschieht.
[ ] To every such process is a reaction within the human being himself; we take this into account as well. Let us look at what takes place in the person who is not reciting. What does he do when he listens? He brings his etheric body into motion. The etheric body reacts. in fact the etheric body takes up those movements which it carries out—only much more weakly—when the person is asleep and has left his etheric body behind in the physical body. When the human being is asleep the etheric body is considerably more active than when he is awake. During this dampened sleep taking place in the listener the movements of the etheric body are awakened to a greater degree. These movements of the etheric body can be observed. Thus in the listener one has a person demonstrating in a heightened manner the movements which the human being carries out otherwise in a a weakened form in sleep. Thus you can study in the listener, who promptly performs them for you, ether movements of the human being in sleep. It isn't at all necessary to study the person while asleep; one can study the etheric movements of the human being when listening and has in fact here the heightened movements of the etheric body in sleep. One studies these movements and has them carried out by the physical body. That is to say one allows the physical body to glide into all those etheric movements which one has studied in the manner just described. Thus in eurythmy one does what the human being carries out with his etheric body constantly while listening. You can see what is actually taking place.
[ 5 ] Nun, nachdem man so beobachtet hat dasjenige, was da eigentlich geschieht, so wird sich einem auch ergeben, was die Wirkung ist. Die Wirkung ist diese, daß man ins Bewußtsein hereinführt, eben auf dem Umwege durch die physische Bewegung ins Bewußtsein einführt, was sonst unbewußt geschieht. Man regt also damit wiederum auf dem Umwege durch den physischen Leib astralischen Leib und Ich an, man macht sie so, daß sie verstärkt sind. Was geschieht aber dadurch? Wenn astralischer Leib und Ich auf diese Weise verstärkt sind, dann wird ihre Tätigkeit ähnlich derjenigen, die im Naturzusammenhang beim Kind und beim noch heranwachsenden Menschen wirkt. Man appelliert also an die Wachstumskräfte des Menschen. Man arbeitet direkt in den Wachstumskräften des Menschen. Ist der Mensch noch ein Kind und droht er im Wachstum zurückzubleiben, so regt man dadurch sein Wachstum an. Ist der Mensch kein Kind mehr, haben die Wachstumskräfte schon abgenommen, oder ist der Mensch gar in der zweiten Hälfte seines Lebens, so wendet man sich an die Jugendkräfte, wendet man sich an verjüngende Kräfte in ihm, die aber, weil ja der menschliche Organismus schon ausgewachsen ist, nicht zu seinem Wachstum beitragen können. Wir können ein Kind in seinem Wachstum fördern, wenn wir es eurythmisieren lassen, [oder] in seinem abnormen Wachstum bekämpfen.1Im Stenogramm auch möglich als «dämpfen» zu lesen. Bei einem erwachsenen Menschen setzt der innere Organismus zu großen Widerstand entgegen, als daß wir ihn noch wachsen machen könnten. Aber dennoch führen wir diese Wachstumskräfte in ihn ein. Die Folge davon ist, daß sie an dem Widerstand des Organismus anprallen und sich dadurch metamorphosieren, das heißt, sie regen in diesem metamorphosierten Zustand die plastische Kraft der inneren Organe an. Sie wirken anregend auf die plastische Kraft der inneren Organe, und diese inneren Organe lernen dadurch besser atmen, sie lernen dadurch besser verdauen. Sie werden also in bezug auf die ganze notwendige Tätigkeit des menschlichen Organismus angeregt. Wenn Kunsteurythmie ausgeführt wird, so darf sie natürlich nicht zugleich als Heileurythmie gedacht werden, obwohl sie in dem Augenblicke, wo der Mensch anfängt, überhaupt irgendwie abnorm zu sein, auch heilend wirken wird. Aber wir haben ja auch schon die Beispiele betrachtet, wo wir durch Verstärkung der gewöhnlichen Eurythmie gesehen haben, wie auch natürlich dasjenige verstärkt werden muß, was als Reaktion auftritt, und wir können uns jetzt eine Vorstellung machen, wie in die Plastik der Organisation hinein diese Eurythmie wirkt.
[ ] Now that we have observed what actually occurs, its effect will become apparent as well. The result is that by means of the physical movement one carries over into consciousness what otherwise occurs unconsciously. One stimulates the astral body and the ego by means of this detour through the physical body and strengthens them. But what happens as a result of this? When the astral body and the ego are strengthened in this manner their activity becomes similar to the activity in the child and still growing person as it occurs naturally. You are calling upon the forces of growth in the human being. You are working directly into the person's forces of growth. If the person is still a child and shows signs of being retarded in his growth, you can stimulate his growth in this way. If the person is no longer a child, and the forces of growth have already diminished, or if the person is actually in the second half of his life, one calls upon the youthful forces, the rejuvenating forces in him which, however, cannot contribute to his growth since the human organism is, of course, fully developed. We can expedite a child in his growth or combat his abnormal growth by having him do eurythmy. In the case of the fully-grown person the inner organism presents too great a resistance to the outer organism for us to be able to make him grow. Nevertheless, we can still introduce these forces of growth. The result is that they crash against the resistance of organism and metamorphose; that means that they activate in their metamorphosed state the plastic force of the inner organs. They stimulate the plastic force of the inner organs and these inner organs learn to breathe better and to better digest. They are encouraged to fulfil the necessary activity of the human organism in its entirety. When artistic eurythmy is performed one should not think of it in the first instance as curative eurythmy; nevertheless, in the moment a person begins to be abnormal in any way it will have a curative effect. We have already seen the examples where when the usual eurythmy is reinforced, the reaction which follows is naturally also strengthened and we can form a mental picture of how this eurythmy affects the plastic qualities of the organization.
[ 6 ] Sie können verstehen, daß die habituelle Ausübung der Eurythmie für den Menschen zunächst die Plastik der Organe, die plastische Kraft der Organe anregt, daß der Mensch in seinem Inneren ein besserer Atmer wird, daß er in bezug auf die nach innen gelegene Verdauung ein - wenn ich mich so ausdrücken darf - besserer Mensch wird. Er wird ein Mensch, der mehr seinen ganzen Organismus in seine Willkür hereinbekommt. Er wird ein innerlich geschickterer Mensch. Und eigentlich besteht alles Künstlertum darinnen, daß man den inneren Menschen beweglich, plastisch, geschickt macht. Man kann das schon sehen, wenn man zum Beispiel plastisch arbeitet. Man kann eigentlich nicht richtig plastisch arbeiten, wenn man nicht in seinem inneren Erleben übergehen kann, sagen wir zum Beispiel in die Figur, die man plastisch ausarbeitet, wenn man nicht diese Kräfte lebendig machen kann in sich selber, die diese Figur bilden, die in dieser Figur sich ausdrücken wollen. Aber wenn man dann noch den menschlichen Organismus selber als ein Werkzeug betrachtet und das Entsprechende im Inneren tut, dann ist dasjenige, was bei dem äußeren Künstlertum der Fall ist, in einem noch erhöhten Maße der Fall, denn dann kann man gar nicht anders, als daß man im Inneren das Entsprechende hervorruft für die äußere Bewegung.
[ ] You can understand that the habitual practise of eurythmy activates the plasticity of the organs, their plastic force, and that as a result the human being becomes internally a better breather, a better person, if I may express myself so, in respect to his inwardly oriented digestion. He becomes a person who has his whole organism more within his own discretion. He becomes an inwardly more agile person. And to become a true artist is nothing other than to make the inner man more flexible, plastic, agile. That can be seen when one sculpts, for example. One cannot sculpt properly if in experience one cannot transpose oneself for example into the figure that one is developing plastically, if one cannot bring to life in oneself the forces that are building the figure, that express themselves in the figure. If, however, one sees the human organism itself as an implement and carries out what corresponds within, then what is the case in outward artistry is in a higher degree the case here as well for at this point one can do nothing other than to call forth internally what corresponds to the outward movement.
[ 7 ] Wir wollen nun, wenn Sie so gut sind, das Gedicht noch einmal machen, und zwar so, daß Sie rein vokalisch, also nur mit Betonung der Vokale die Eurythmie ausführen. (Frau Dr. Steiner rezitiert, Fräulein Wolfram eurythmisiert.)
[ ] If you would be so good we will do the poem again now, this time with only the vowels. So that the emphasis is on the vowels alone. (Miss Wolfram and Frau. Dr. Steiner)
[ 8 ] Hier ist dasjenige, was ich über die Physiologie des Eurythmischen eben gesagt habe, spezialisiert. Wenn also rein vokalisch eurythmisiert wird, haben wir nicht im vollen Sinne dasjenige zum Ausdruck gebracht, was ich eben charakterisiert habe. Was ich eben charakterisiert habe, das ist richtig für den Fall, daß gesprochen wird und dabei abwechselnd konsonantierende und vokalisierende Bewegungen gemacht werden. Für dasjenige, was wir eben ausgeführt haben, ist das, was ich gesagt habe, nicht ganz richtig, sondern wir müssen es selbst spezialisieren. Denn hier werden ganz bestimmte differenzierte Bewegungen ausgeführt, die sich also herausstellen als solche Bewegungen im Ätherleib, die vorzugsweise sich beziehen auf alles dasjenige, was im rhythmischen System selber liegt. Also dasjenige System fassen wir als ätherisches System ins Auge, das sich insbesondere beim Sprechen beteiligt. Fassen wir dieses ins Auge. Wenn der Mensch dem Vokalischen zuhört - natürlich, die Sache ist so spezialisiert nur in der Eurythmie vorhanden, aber gerade deshalb muß sie hervorgehoben werden, weil sie da für das Therapeutische besonders wichtig ist wenn der Mensch dem Vokalischen zuhört, also wenn man ihm nur eine Aufeinanderfolge von Vokalen rezitieren würde, oder wenn man ihn eben nur solche Bewegungen machen läßt — da hört er ja gewissermaßen eurythmisierend solchen Bewegungen zu, die Ausdrucksformen für das Vokaliisieren sind —, dann kommen gewöhnlich beim Menschen nun, der dem Vokalisieren zuhört, diejenigen Bewegungen des Ätherleibes in der früher beschriebenen Weise zur Betätigung, die dem rhythmischen System entsprechen. Und man läßt nun diejenigen Bewegungen wiederum ausführen von dem Eurythmisierenden, durch die er mit seinem physischen Leib in diese Bewegungen hineingleitet, die sonst durch den Ätherleib beim Zuhören des Vokalischen sich abspielen. Das ist also die Spezialisierung der Sache. Dadurch aber werden insbesondere zur Atmungs- und inneren Verdauungstätigkeit diejenigen Organe angeregt, die Organe für das rhythmische System sind. Die werden gestärkt, in denen wird der Appell an die Wachstumskräfte gerichtet beim noch heranwachsenden Kinde, oder an die plastischen Kräfte, die an der Organisation eben ihren Widerstand haben, bei dem erwachsenen Menschen.
[ ] What I have just said about the physiology of eurythmy is specialized here. When only the vowels are carried out then that which I have characterized does not come to expression in its entirety. What I characterized is correct when someone speaks and the movements for consonants and vowels are made alternately. For what we have just done is that which I said not entirely correct: it will have to be specialized. Here very specific, differentiated movements have been performed all of which prove to be movements within the etheric body having primarily to do with what lies in the rhythmic system. Thus we must fasten our attention on that system which—as an etheric system—participates especially when vowels are spoken. When a person listens to vowels—which occurs of course in so specialized a manner only in eurythmy and to which for this reason attention must be drawn as it is here especially important therapeutically—when one recites a simple sequence of vowels for this person, or when one has him carry out such movements, in which case he would be listening to the movements which are the forms of expression for the vowel element while doing eurythmy—then, in the normal person listening to vowels those movements of the the etheric body corresponding to the rhythmic system become active in the way described earlier. And now you have the person doing eurythmy carry out in turn those movements through which he glides with his physical body into the movements which are otherwise manifest in the etheric body when vowels are heard. That is how the matter is specialized. In this way in particular those organs which belong to the rhythmic system are stimulated to respiration and inward digestion. These organs are strengthened; in them the appeal goes out to the forces of growth in the growing child or to the plastic forces which have their resistance within the organization of the fully grown adult.
[ 9 ] Das führt Sie in die Physiologie gerade des vokalischen Eurythmisierens hinein. Wenn Sie also dasjenige zu therapeutischen Zwecken anwenden, was dem Vokalisieren entstammt in der Eurythmie, dann werden Sie auf die rhythmischen Organe ganz besonders wirken.
[ ] This will serve as an introduction to the physiology of the vowels in eurythmy. Thus in applying to therapeutic ends everything derived from the vowel-element in eurythmy you will be able to affect the rhythmic organs in particular.
[ 10 ] Nun darf ich Sie vielleicht bitten, Frau Baumann, konsonantierend dasselbe Gedicht noch einmal auszuführen. Sie werden beim bloßen Anblick den radikalen Unterschied beim Konsonantieren gegenüber dem Vokalisieren ja unmittelbar merken. Dieser Unterschied ist auch ein durchaus radikaler. Und wenn wir dasjenige, was wir jetzt eben gesehen haben, studieren wollen, dann müssen wir uns klar sein darüber, wie sich die Sache verhält beim gewöhnlichen Anhören, wenn wir also nur Konsonantisches anhören würden. Es ist ja das beim Kulturmenschen wenig der Fall, aber bei weniger zivilisierten Volksstämmen kommt es allerdings vor, daß sie viel Konsonantisches anhören müssen. Denn bei weniger kultivierten Volksstämmen hat die Sprache [eine] wesentlich reichere Konsonantenwelt und da ist ein starker Übergang von einem Konsonanten zum andern, unbehelligt durch das dazwischenliegende Vokalische, vorhanden. Sie können das sogar noch bis [nach] Europa herein beobachten. Schauen Sie sich einmal tschechisch geschriebene Worte an, so werden Sie sehen, wie Sie da Konsonantenzusammenstellungen haben. Nun, selbstverständlich, wenn sie ausgesprochen werden, so klingt das Vokalische in diesen Konsonantenzusammenstellungen schon mit, aber es durchsetzt sie nur so wie eine fortlaufende, kaum nuanciierte Strömung. Und wenn Sie dem Tschechischen zuhören, so werden Sie sich einfach sagen müssen: Dieses Anhören des Konsonantischen ist ein ganz anderes als das Anhören eines in einer Sprache Gegebenen, die außerordentlich gut vokalisierend ist.
[ ] Now perhaps Mrs. Baumann will do the same poem once again consonantally. A mere glance will testify to the radical difference between the consonants and the vowels as they are carried out eurythmically. The difference is indeed thoroughly radical. If we wish to study what we have just seen we will have to make clear to ourselves how the matter would lie if in ordinary listening we were to hear only the consonants. For civilized man that is seldom so, but among less civilized peoples it is sometimes the case that they must listen to much of a consonantal nature. The consonantal world in speech is appreciably richer among less civilized peoples, and the transition from one consonant to another is stronger and unilluminated by a vowel lying between. You will find it possible to observe this up to and even within Europe. just look at words written in the Czech language and you will see just what combinations of consonants are present. To be sure when the words are spoken the vowel element sounds within these combinations of consonants, but it permeates them only as a continuous, hardly differentiated undercurrent. And if you listen to Czech you will say to yourself: to listen to this consonantal element is entirely different from listening to a language that is thoroughly permeated by vowels. Thus one has to do with quite another process here which can be characterized best in the following manner.
[ 11 ] Man hat es also da mit einem ganz andern Prozeß zu tun, und diesen Prozeß kann man in der folgenden Weise am besten charakterisieren: Dieser Prozeß, er ist also als gewöhnlicher Anhörungsprozeß, er ist ein starkes Hervorrufen derjenigen Bewegungen des Ätherleibes, die bei den physischen Bewegungen sonst eigentlich ausgeführt werden. Sie werden zurückgehalten. So daß also der Mensch beim Anhören des Konsonantischen in einer gewissen Spannung lebt. Er möchte eigentlich unbewußt, beim Anhören des Konsonantischen, äußerlich physisch imitieren, nachahmen, und hält es zurück. Diese Spannung lebt da. Es ist im wesentlichen ein Beruhigungszustand, aber ein künstlich hervorgerufener, durch eigene Ich-Kraft hervorgerufener Beruhigungszustand gegenüber den Bewegungen, die eigentlich ausgeführt werden wollen. Es ist also ein in sich gestaltetes Wollen,2Von Helene Finckh so übertragen, bei späteren Kontrollen eher als «gestähltes» gelesen. In früheren Ausgaben «gestautes». das beim Anhören des Konsonantischen zutage tritt. Sie werden daher auch finden, daß das Anhören des Konsonantischen außerordentlich innerlich kräftigt, stark macht. Und man kann schon studieren, wenn man dafür ein Auge hat, man kann schon studieren wie solche Völker, wie zum Beispiel das tschechische Volk sich in seinem Inneren ausnimmt, wie sich da der Mensch in seinem Inneren ausnimmt, mit diesen Spannungskräften, mit.diesen aggressiven Kräften, wenn man weiß, daß das an dem Konsonantieren der Sprache herangebildet ist, dieses fortwährende Zurückhalten desjenigen, was eigentlich physische Bewegung werden will.
[ ] As an ordinary listening process this process calls forth strongly those movements of the etheric body which are otherwise actually carried out in the case of physical movements. They are retained and so, while listening to consonants, the human being lives in a certain tension. Unconsciously he would like to be imitating outwardly, physically, when he listens to consonants, but he holds back. The situation is alive with tension: a state of pacification prevails, but an artificially induced pacification, called forth by the power of one's own ego in opposition to those movements which demand to be carried out. Volition dammed up within itself is manifest when consonants are heard. Therefore you will find that listening to consonants is inwardly exceptionally invigorating. If one has an eye for it one can study how peoples such as the Czechs comport themselves inwardly—how, the human being deports himself in his interior in relation to these tensions, these aggressive forces once one knows that they are built up out of the consonantal element of the language. It is a continual curbing of what unceasingly strives to become physical movement.
[ 12 ] Nun ist es ja wiederum ein Herausgehen des Menschen, ein Übergehen in den Schlafzustand, und dieses Herausgehen des Menschen, dieses Übergehen in den Schlafzustand, es ist außerordentlich interessant. Sehen Sie, beobachten Sie einmal schematisch den Menschen: Kopf, rhythmisches System, Gliedmaßen-Stoffwechselsystem.
[ ] Once again it is for the human being a stepping-out, a going over into the condition of sleep, and this going out, this transition into sleep is extraordinarily interesting. Consider the human being schematically: head, rhythmic system, limb-metabolic system.


[ 13 ] Engagiert beim Konsonanten-Zuhören ist ja vorzugsweise das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem. Der Mensch will seine Glieder bewegen, will in Bewegung übergehen, nur ist die Bewegung in Spannung versetzt. Er geht gewissermaßen in einen Schlaf über, der eigentlich sonst nicht ausgeführt wird, denn es bleiben eigentlich Ich und astralischer Leib wie im 3Nicht eindeutig zu entziffern, möglicherweise «beim» an Stelle von «wie im». gewöhnlichen Schlafe, bleiben im Organismus drinnen.4Zu dieser Aussage siehe Hinweis S. 151. Jetzt sucht man sogar eine Art künstlichen Schlafs herbeizuführen für das GliedmaßenStoffwechselsystem in diesem Falle. Aber da macht sich dann die starke Reaktion bemerkbar, diese starke Reaktion, wenn man gewissermaßen einschläft mit seinem Gliedmaßen-Stoffwechselmenschen. Diese Reaktion besteht darin, daß man träumt. Aber nun ist wiederum das Bewußtsein nicht dazu hergerichtet, daß man träumt. Es entstehen gewissermaßen Träume am Menschen, die ihn umspielen (orange).
[ ] In listening to consonants it is primarily the limb-metabolic system that is engaged. The person wants to move his limbs, wants to break into movement, but the movement is converted into tension. He passes as it were into a state of sleep which actually does not take place in other respects, for the ego and the astral body—which go out in ordinary sleep—remain within the organism. One even tries to bring about a sort of artificial sleep for the limb-metabolic system in this case. But when one falls asleep in the limb-metabolic system to a degree, a strong reaction makes itself evident. This reaction consists of dreaming. However, at the moment one's consciousness is not so organized that one can dream. Dreams come into being that play about the human being. (orange).


[ 14 ] Er beeinflußt die äußere Astralität und den äußeren Äther. Solche Menschen, die Konsonantischem zuhören, machen in ihrer Umgebung eine Verstärkung der Aura, und diese Verstärkung der Aura, die spricht sich wiederum polarisch dadurch aus, daß nun dasjenige, was da im Unterbewußtsein bleibt, als polarischer Inhalt, als Willensgefühlsfaktor den Kopforganismus umspielt (violett) und in den Kopforganismus sich
[ ] They affect the outer astrality and the outer ether. People who listen to consonants reinforce the aura in their proximity. This expresses itself in turn in its polarity: what remains here in the subconscious as polar content plays about the head as a volition-feeling factor and penetrates into the organism of the head. (violet).


[ 15 ] Sie können daher bemerken bei solchen Menschen, die ans Konsonantieren gewöhnt sind, eine Verstärkung ihres Eigensinnes, eine Verstärkung des Eigenwillens. Es sind in Wille umgewandelte Träume, die da durch den Kopforganismus spielen, in Wille umgewandelte Träume.
[ ] Therefore you may notice an intensification of wilfulness and caprice in people who are accustomed to living in the consonantal element. Dreams transformed into will play through the organism of the head.
[ 16 ] Was ist denn das eigentlich physiologisch richtig angesehen «in Wille umgewandelte Träume»? Wenn man dafür das ätherisch-physische Korrelat betrachtet - das ist im wesentlichen dasjenige, was nun plastisch wirkt in der Kopforganisation. Man hat also vorzugsweise das plastische Wirken auf die Kopforganisation, und man wird solche Kopforganisation, welche gewissermaßen hinter sich selber zurückgeblieben ist, die wird man auf diese Weise anregen können. Hat man es also zu tun mit einem Schwachsinnigen, hat man es zu tun mit jemandem, bei dem man sonst konstatieren kann, physisch konstatieren kann, daß seine Kopforganisation nicht in Ordnung ist, so lasse man ihn konsonantierend eurythmisieren, und man greift ein in diejenige Kraft, die sonst als traumhafter Wille in der ganzen übrigen, in der Gliedmaßen-Stoffwechselorganisation wirkt und da die Organisation anregt, in Regsamkeit erhält. Man macht dem Schwachsinnigen und dem sonst in der Kopforganisation Zurückgebliebenen seinen Kopf regsamer. So daß man also brauchen kann diese Art von Eurythmie, um Heilkräfte in bezug auf die Kopforganisation hervorzurufen. Insbesondere wenn man das verstärkt ausführen wird, was wir ja als Verstärkung, als verstärkte Metamorphose der Konsonanten in der Eurythmie, was wir da in den letzten Tagen gehört haben.
[ ] What are dreams transformed into will from a physiological point of view? If one examines the etheric-physical correlative, it is essentially what is plastically at work in the organization of the head. The plastic effect on the organization of the head is pre-eminent and in this manner it will be possible to activate to a degree the organization of a head which is retarded. If one has to do with a feeble-minded person, or with someone where it can be demonstrated physically that his head organism is not in order, one should let him do consonants in eurythmy. Then one engages oneself with those forces which otherwise work as dream-like will in the entire remaining limb-metabolic system, which stimulate there the organization and preserve its activity. One makes the heads of imbeciles and those who are otherwise retarded in their head-organization more active. Thus one can employ this sort of eurythmy to arouse curative forces for the organization of the head, particularly when one carries it out in the intensified form, with the strengthened form of the consonants of which we have heard in the last few days.
[ 17 ] Es ist ja natürlich, wenn man die Physiologie des Eurythmisierens ins Auge fassen will, daß man den bewegten, regsamen Menschen ins Auge fassen muß, daß man also gewissermaßen wirklich Physiologie treiben muß. Denn mit der gewöhnlichen Physiologie treibt man eigentlich keine Physiologie, sondern man geht im Grunde genommen doch, selbst wenn man seine Versuche am Lebendigen macht, vom Maschinellen aus, oder man geht ganz von der Leiche aus und schließt dann auf das eigentlich Physiologische. Man hat also etwas, was man erschlossen hat. Das, was man sonst erschlossen hat, das muß man der Regsamkeit des Menschen ablesen, wenn man es zur Physiologie dieser Prozesse bringen will, und man wird sehen können, daß von einem solchen Studium eine Belebung der gesamten Physiologie wiederum ausgehen kann. Denn bedenken Sie nur das Folgende: Was ist eigentlich, jetzt am lebendigen Menschen betrachtet, die Verdauungstätigkeit? Sie ist Stoffwechseltätigkeit, die nach dem Rhythmischen hin stößt, nach dem Rhythmischen hin sich entfaltet. Verdauungstätigkeit ist Stoffwechsel, der gewissermaßen aufgefangen wird von dem Rhythmus der Zirkulationsorgane. Es spielt sich ja fortwährend ein Prozeß ab, der eine Zusammensetzung ist aus der Stoffwechseltätigkeit in der Gewebeflüssigkeit. Und dasjenige, was sich abspielt als Stoffwechseltätigkeitin der Gewebeflüssigkeit, das wird, indem der Rhythmus heranschlägt,5Möglicherweise «heraufschlägt» laut Stenogramm. selber von diesem Rhythmus der Zirkulationsorgane mitgenommen, mitgerissen, und es geht die mehr chaotische Tätigkeit, das Chaos, das stattfindet in den Regungen der Gewebeflüssigkeit, das geht über in den Rhythmus des Zirkulationssystems. Und in so etwas, wo das Chaos der Gewebeflüssigkeit übergeht in die regelmäßige rhythmische Betätigung des Zirkulationssystems, in dem lebt sich ja physisch aus dasjenige, was menschliche Willenstätigkeit ist. Willenstätigkeit -— die man wiederum jetzt genau unterscheiden muß vom äußeren Tun, obwohl sie sich in dieses äußere Tun ergießt-, die besteht darinnen, daß ein fortwährender Übergang stattfindet zwischen chaotischer Regsamkeit in der Gewebeflüssigkeit und rhythmisch-regelmäßiger Tätigkeit, auch harmonisierender Tätigkeit in dem Zirkulationswesen. Dadurch aber, daß dieses stattfindet, harmonisiert sich die Innenwelt des Menschen, das innerhalb der Haut Gelegene, mit dem äußeren Wesen des Menschen. Der Mensch gliedert sich gewissermaßen, indem er sein Eigenwesen herabsetzt,6«Eigenwesen» laut Stenogramm, vorher «Innenwesen». in das Wesen der Außenwelt ein. Indem man daher eurythmisch auf diese Tätigkeit wirkt, wie wir es jabeim Konsonantieren gesehen haben, ist das so, daß wir in der Tat entgegenwirken dem Eigensinnig-Werden des Menschen, dem Egoistisch-Werden des Menschen, aber auch im organischen Sinne dem Egoistisch-Werden des Menschen. Denn was heißt denn egoistisch werden des Menschen eigentlich? - Sehen Sie, egoistisch werden des Menschen heißt, organisch ausgedrückt: die Organe verlieren ihre plastische Kraft und nehmen zu in bezug auf ihre starre Kristallisationskraft. Sie wollen gewissermaßen nicht mehr Plastiker sein, sie wollen sich nähern dem Kristallisierungszustande. Dem arbeitet man entgegen durch das konsonantierende Eurythmisieren.
[ ] It is natural that when one wishes to consider the physiology of eurythmy one should keep the active moving human being in view. In ordinary physiology one actually does not pursue physiology at all: even when an experiment is conducted on the living one proceeds from the mechanical; or one starts with the corpse and draws conclusions about physiology in actuality. One then arrives at something which one has inferred. If one wishes to attain to a physiology of these processes, what one otherwise infers must be read from inner activity of man. And it will be seen how this sort of study will quicken the whole of physiology. Consider alone the following: what is the process of digestion as observed in the living human being? It is metabolic activity which thrusts itself into the rhythmic activity, which unfolds in the direction of the rhythmic. Digestive activity is metabolic activity which is caught up to a degree by the rhythm of the circulatory organs. A continuing process, which is a combination of the metabolic activity and rhythmic activity (completed by the German editor) is taking place here. When the rhythm pulses up against it, what is metabolic activity in the lymph is caught up into the rhythm of the organs of circulation and pulled along with it. The more chaotic activity—the chaos astir in the movement of the lymph—is taken over into the rhythm of the circulatory system. Physically human volition lives there where the chaos of the lymph goes over into the regular rhythmic functioning of the circulatory system. One must distinguish this activity of will, which consists in the continual transition taking place between the chaotic vigour in the lymph and the rhythmically regular, harmonising activity present in the circulatory being, from the outer activity into which it however pours. It is, nevertheless, in this way that the inner world of man lying within the skin brings itself into harmony with the outer being of man. Through the subordination of his personal being man encorporates himself into the being of the outer world. Therefore, when one influences this activity through eurythmy—as we have seen with the consonants—one counters in fact the human being's tendency to become self-willed, to become egoistic, and his tendency to become organically egoistic as well. What does it actually mean when man becomes egoistic? Organically expressed it means that the force of plasticity in the organs is diminished and the rigidifying, crystallizing tendency takes the upper hand. The organs no longer want to be modellers, they want to become more crystalline. By means of consonantal eurythmy this tendency can be counteracted.
[ 18 ] So sehen Sie eigentlich ganz in die menschliche Organisation hinein. Egoisten sind eigentlich immer Menschen, deren Magen und Leber und Lungenflügel drohen, anzunehmen richtige Keilform. Sie wollen Keile werden, sie wollen ins Kristallinische übergehen, währenddem Menschen, die krankhaft selbstlos sind, bei denen fließen diese Organe aus. Sie haben keine Kristallisationskraft, sie haben plastische Kraft, sie runden sich. Das ist ja auch ein krankhafter Zustand. Immer ist es ja das Ausschlagen des Pendels nach der einen und nach der andern Seite, was man zu beachten hat.
[ ] Here you have an insight deep into the human organism. Egoists are always people whose organs threaten to take on a proper wedge form. They want to become wedges, to become crystalline, where as in the case of people who are pathologically self-less, these organs expand. They have no crystallizing agency; they have plastic forces and become round. That is also a pathological condition. It is always the swing of the pendulum from one extreme to the other to which one must pay heed.
[ 19 ] Nun beachten Sie einmal die eigentliche auch geistige Tätigkeit so: Wenn der Mensch denkt und vom Denken aus fühlt all dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben die Tätigkeit nennt, welche man [als] geistige bezeichnet - sie wird ja ausgeführt von der physischsten Kopforganisation, also gerade dadurch ist sie die sublimierend geistige Tätigkeit, das Individualisierende auf der einen Seite, das abstrakt Gefühlte auf der andern Seite - wenn der Mensch diese geistige Tätigkeit ausführt, was geschieht denn dann? Sehen Sie, dann zieht er aus seinem Organismus heraus diejenige Kraft, welche ihn befähigt, sich als Glied in die Außenwelt hineinzuversetzen. Er zieht auch aus seinem Organismus heraus diejenige Kraft, die ihn krankhaft dazu verführt, auszufließen. Er macht sich geradezu zum Kristallisator, wenn er geistig tätig ist. Gewisse, insbesondere — wie ich glaube - mehr nach Norden gelegene Völker, die haben ein starkes instinktives Bewußtsein sich angeeignet für diese Dinge. Und sie haben zwar heute noch keine Neigung, das Eurythmische nach diesem instinktiven Bewußtsein einzurichten, sie verwenden dann dasjenige, was mehr äußerlich physiologisch ist, das schwedische Turnen und so weiter, aber sie benutzen doch die eigentümliche Wechselwirkung, die da besteht zwischen derjenigen Tätigkeit, die die Kinder ausführen müssen, wenn sie in der Schule szientifisch wirken sollen, nicht wahr, denken sollen und so weiter, diese Tätigkeit lassen sie abwechseln mit demjenigen, was dann zur Bewegung anregt. Sie fordern auch schon, daß jeder Lehrer eigentlich ein Turnlehrer sei, sie fordern wiederum von dem Turnlehrer, daß er auf der geistigen Höhe des Kindes steht. Solche Dinge sind ja in einer fortgeschrittenen Zivilisation durchaus zu berücksichtigen, und wenn ich eine bissig erscheinende, aber durchaus nicht bissig gemeinte Bemerkung, die nur aufklärend sein soll, machen will, so könnte ich sagen: Um diese Dinge instinktiv zu berücksichtigen, dazu gehört Zeit. - Das muß also bei Völkern ausgeführt werden, welche sonst weniger am Zivilisationsprozeß teilnehmen, die mehr für sich leben, ein abgeschlossenes Leben für sich leben, und die also instinktiv nach und nach ausbilden können dasjenige, was sich auf solchen Rhythmus von geistiger Tätigkeit und physischer Tätigkeit bezieht wie zum Beispiel die Schweden und Norweger, die so eine Art isoliertes Dasein führen, die können ja solche Anschauungen ganz besonders gut instinktiv ausführen. Andere Völker, die mehr angewiesen sind darauf, solche Dinge bewußt auszuführen, weil sie sonst mehr sich betätigen an dem allgemeinen Weltprozesse, diese Völker, die also sich zum Beispiel beschäftigen müssen, was ja in der letzten Zeit sehr der Fall war, mit Kriegsführung und so weiter, die müssen dann um so mehr bewußt auf diese Dinge sehen. Und diejenigen, die durchaus eigentlich, weil sie mitten drinnenstehen in der Bewegung der Welt und ganz eigentlich sich in diese Dinge versetzen müssen, weil sich gewissermaßen um sie die Welt dreht, die werden schon sehen, was sie hinterlassen, wenn sie sich nicht bewußt diesen Dingen zuwenden, wie sie allmählich dekadent werden. Das ist etwas, was sich insbesondere die Schweiz sagen müßte.
[ ] Consider what spiritual activity is: when man thinks and from out of his thinking feels—that is designated spiritual activity in normal life. It is carried out by the most physical part of the head organism and is for precisely this reason the sublimating spiritual activity, the individualizing on the one side, the abstractly felt on the other. When the human being carries out this activity, what happens then? He draws out of his organism the force that enables him to encorporate him-self into the outer world. He draws out of himself the force that, pathologically, entices him to expand. He makes a crystallizer of himself when he is spiritually active. Certain peoples, the more northern peoples in particular, have developed a strong instinctive consciousness of these matters. Today they have as yet no inclination to introduce eurythmy in accordance with this instinctive consciousness. They employ instead what is more outwardly physiologic, Swedish gymnastics and so on. Nevertheless they make decided use of the characteristic alternating effect, by alternating the activity which the children must carry out in scientific study in school—when they must think and so on—with what diverts them to movement. They expect every teacher to be a gymnastic teacher as well and require on the other hand that the gymnastic instructor stands at the spiritual level of the child. Such things should be taken into consideration in an advanced civilization. However if I may make a statement that may appear to be a bit nasty, but is really meant only to enlighten, one must have time if one wishes to take these matters into account instinctively. Such things must be carried out by those peoples who take less part in the process of civilization, who live a life apart, more for themselves, and who are thus able to gradually develop instinctively that which has to do with the rhythm of spiritual and physical activity. The Swedes and the Norwegians who lead a more isolated existence, for example, can put such ideas into practice instinctively particularly well. For others the practice of such matters must be more conscious since these peoples are more engaged in the world processes in general—people, for example, who must concern themselves—as was of late very much the case—with making war and so on. These peoples must see these matters much more consciously. And those nations that stand in the centre of the world's movement, who must take part in its affairs while the world turns around them so to speak, they will soon see what they will get themselves into if they do not turn to these things consciously, how they will gradually degenerate. That is something which Switzerland in particular should take to heart.
[ 20 ] Diese Dinge laufen also ein durchaus auch in das Betrachten der allgemeinen Weltverhältnisse, denn schließlich, nicht wahr, meine lieben Freunde, die allgemeinen Weltverhältnisse gehen ja aus dem Wirken der Menschen hervor, und sie gehen sogar heute noch viel mehr aus dem unbewußten Wirken der Menschen hervor als aus dem bewußten. Aber man hat die Aufgabe, das unbewußte Wirken der Menschen in das bewußte allmählich überzuführen.
[ ] These things can be observed to play a part in the state of the world as a whole. The general conditions prevailing in the world are, of course, the result of human activity and even today they proceed more from unconscious human activity than from conscious activity. We are given the task, however, to gradually transmute the unconscious activity of man into conscious activity.
[ 21 ] Nun, diese geistige Tätigkeit, wie wirkt sie im Menschen? Sie wirkt, indem sie die Kristallisationskräfte wachruft. Sie wirkt daher bei ich-schwachen Menschen auf die Verstärkung des Ego, sie macht sie egoistischer. Aber wir haben ja nötig die Egoismuskräfte bei solchen Menschen, die organisch ausfließen, weil sie zu wenig egoistisch sind, diese Egoismuskräfte, nicht für die Seele, aber für den Organismus dann anzuregen. Wir können sie anregen ja auch durch äußere Mittel, und es wird ja natürlich sein, daß wir solchen Menschen, die organisch ausfließen, raten, zuckerhaltige Substanzen zu sich zu nehmen. Aber sie haben dafür manchmal gerade eine gewisse Antipathie, worin sich gerade die Tatsache erst recht ausdrückt.
[ ] How does this spiritual activity work in man? It awakens the crystallizing forces. In people with weak egos it strengthens the “I”, it makes the ego more egoistic. In people who effuse organically because they are not sufficiently egoistic we will find it necessary to activate the forces of egoism not for the benefit of the soul, but for the body. We could stimulate them by outward means as well; it would be natural to advise people who effuse organically to consume substances containing sugar. However, they sometimes have an antipathy towards them—a fact which gives expression to the true state of affairs.
[ 22 ] Nun aber, das ist ja dasjenige, was uns jetzt in diesem Augenblick viel weniger interessiert. Was uns jetzt in diesem Augenblick interessiert, ist das, daf® man ja durch die vokalisierende Eurythmie dazu kommt, nach dieser Richtung hin ganz besonders zu wirken, und daß man da gewissermaßen durch das vokalisierende Eurythmisieren den Menschen zu sich selbst bringen kann, organisch. Man kann diejenigen Kräfte wachrufen, die ihn organisch zu sich selbst bringen. Und das kann ja für gewisse Menschen außerordentlich notwendig sein, auch zum Beispiel für diejenigen Menschen, die verschlafen sind. Man wird aber auch sehen, daß die Abwechslung der beiden, des Vokalisierenden und des Konsonantierenden dadurch günstig wirkt, daß da ein lebendiger Rhythmus entsteht im Menschen, wie er auch sein soll zwischen der Hingabe an die Welt und der Zurücknahme in sich selbst. Das ist dann dasjenige, was durch das abwechselnde konsonantierende und vokalisierende Eurythmisieren hervorgerufen wird. Es ist natürlich dann ganz besonders notwendig, wenn man die Eurythmie zu Heilzwecken anwenden will, daß man dieses, ich möchte sagen physiologisch-psychologische Durchschauen dessen, was eigentlich vorgeht, sich aneignet, daß man also richtig weiß: Es neigt ein Mensch, der konsonantisch eurythmisiert, dazu, eine Art von Aura um sich hervorzurufen, welche dann wiederum auf ihn zurückwirkt und ihn herausbringt aus dem wesenlosen Zusammenfließen mit der Welt. Es wirkt bei dem Menschen, den man vokalisierend eurythmisieren läßt, die Sache so, daß gewissermaßen seine eigene Aura zusammengezogen wird, was ja immer auch bei der geistigen Tätigkeit der Fall ist, daß seine eigene Aura zusammengezogen wird, in sich verdichtet wird und daß dadurch die inneren Organe angeregt werden, den Menschen zu sich zu bringen.
[ ] However, that is something of much less interest to us at the moment. What interests us just now is that through the vowel element in eurythmy one has the possibility of working most effectively in this direction; one can bring the human being organically to himself through the vowels. One can awaken the forces which bring him to himself organically. For certain people that will be most necessary, among them the sleepy headed people. One will find that the alternation between the two, between the vowels and the consonants in eurythmy, will work favourably as well as it enduces a living rhythm in the human being such as should exist between opening oneself to the world and retracting into oneself. That will be called forth by alternating consonantal and vowel elements in eurythmy. It is, of course, particularly important, when one intends to apply eurythmy for therapeutic purposes, to make one's own what I would like to call this physiologic-psychologic perception of what actually takes place. One should understand that the person who does consonantal eurythmy tends to call forth around himself a sort of aura which works back on him and brings him out of an egoless mingling with the world; in the case of the person who does vowels in eurythmy, his aura is drawn together, densified in itself, which is, of course, always the case with spiritual activity as well, and that the inner organs are thus stimulated to bring the person to himself.
[ 23 ] In pädagogisch-didaktischer Beziehung ist es ja nun wirklich so, daß man wiederum durch die Abwechslung zwischen den Stunden, die man etwa an den Vormittag verlegt, in denen mehr geistig gearbeitet werden muß, und denjenigen Stunden, in denen mehr in Bewegung gearbeitet wird, also wo auch viel eurythmisiert wird, daß man dadurch eine rhythmische Tätigkeit in dem heranwachsenden Kinde hervorruft, die außerordentlich günstig wirkt, indem all die Schäden, die entstehen müssen bei zu starker geistiger Anstrengung, indem diese Schäden wiederum durch das Eurythmisieren ausgeglichen werden. Und deshalb stellt sich auch in den Gesamtunterricht das Eurythmisieren in einer außerordentlich wohltätigen Weise hinein.
[ ] Pedagogically considered, alternating between the lessons one would place more in the morning hours where more mental work would be done and the lessons in which there would be more movement and where a great deal of eurythmy would be done calls forth rhythmic activity in the growing child that has an extraordinarily beneficial effect; all the detriments that are of necessity incurred through an improportionate mental exertion are balanced out again by doing eurythmy. For this reason eurythmy has an especially beneficial function within the curriculum as a whole.
[ 24 ] Dasjenige, was ich nun über das Eurythmisieren den Ärzten speziell zu sagen habe, das werde ich dann in die Mitteilungen gegenüber den Ärzten noch hineinfließen lassen. Die eigentlichen eurythmischen Betrachtungen wollen wir damit abgeschlossen sein lassen und morgen zwei aufeinanderfolgende eigentliche Ärztestunden haben, wo die Eurythmisten dann nicht dabei sind, nämlich um halb neun und nach einer Pause um Viertel vor zehn.
[ ] That which I have to say about eurythmy particularly to the physicians I will convey in the course of my lectures to them. Thus we conclude our consideration of eurythmy as such here. Tomorrow there will be two consecutive medical lectures where the eurythmists are not present.
[ 25 ] Dankesworte von Dr. med. Friedrich Husemann
[ ] Not translated
[ 26 ] Wir stehen ja heute am Abschluß dieses Kurses, und es ist gewiß unser aller Bedürfnis, darauf noch einmal zurückzublicken. Wir haben, glaube ich, empfunden, daß gerade mit diesem Kursus noch ein gewisser Höhepunkt dessen gegeben ist, was wir bisher von Herrn Dr. Steiner als Anregungen für die Medizin bekommen durften. Daß es möglich war, einen Kursus hier zu halten für Ärzte und Künstlerinnen scheint mir doch ein Symbol gewissermaßen dessen, was wir eigentlich mit unseren anthroposophischen Bestrebungen in der Medizin wollen. Daß diese Synthese zustande kommen konnte ist vielleicht doch auch eine Erfüllung dessen, was Goethe in bildhafter Weise in seinem «Wilhelm Meister» einmal sagte, daß man die Medizinstudenten eigentlich nicht so sehr anatomisieren lassen sollte als vielmehr synthetisieren. Man sollte sie unterrichten, den menschlichen Körper wiederum zusammenzusetzen aus den einzelnen Muskeln, Knochen und Organen, und aus diesem Gefühl des Zusammensetzens heraus würde sich auch das gesunde Gefühl des Heilens ergeben.
[ ] Not translated
[ 27 ] Das, glaube ich, ist gerade mit diesem Kurs doch vor uns hingestellt, wie diese Möglichkeit des synthetischen Denkens und Fühlens wieder in uns angeregt werden kann, und daß gerade ein solcher Kursus, der zeigt, wie das Wort, wie das Geistige übergeht in die Bewegung, auf den Körper, daß er uns geradezu zum Tun anregen sollte und nicht zum Reden. Das liegt ja eigentlich in der ganzen Tendenz dessen, was uns hier gegeben ist.
[ ] Not translated
[ 28 ] Und darin liegt nun anderseits wieder eine kleine Schwierigkeit. Denn gerade wenn man sich zum Tun angeregt fühlt, kann man ja dazu kommen, zu viel zu tun, und es liegt so außerordentlich nahe, daß nun alle die Anregungen, die hier gegeben sind, eben recht viel und überall angewendet werden. Und da hat nun unsere Vereinigung gerade gebeten, noch einmal doch das recht ernst zu nehmen, was Herr Dr. Steiner wiederholt betont hat, daß man diese therapeutischen Anregungen eben doch als Therapeutische betrachten möchte, das heißt als solche, die unter der Kontrolle oder unter der Mitwirkung eines Arztes eben angewendet werden sollen, daß man nicht blind drauflos sie anwenden soll, denn das kann ja selbstverständlich zu schweren Mißerfolgen führen, wenn das geschieht, und wir müssen andererseits ja auch bedenken, daß alles, was als Dilettantisches dann herauskommt an die Öffentlichkeit, das dann doch schwer schädigend auf uns, auf unsere Bewegung zurückwirken kann.
[ ] Not translated
[ 29 ] Deshalb wollten wir Sie bitten, diese Ermahnungen, die Herr Dr. Steiner in dieser Beziehung gerade an uns gerichtet hat, doch recht ernst zu nehmen. Das, was hier gegeben ist, muß eben von uns verarbeitet werden. Aber das kann nur in ersprießlicher Weise geschehen, wenn wir eben zusammenarbeiten so, wie wir jetzt hier zusammengewesen sind. Deshalb möchte ich damit schließen, daß wir unseren Dank gegenüber Herrn Dr. Steiner eben gerade dadurch zum Ausdrucke bringen, daß wir wirklich das weiter verarbeiten, aber daß wir uns auch nicht nur tätig hineinstellen in unsere Bewegung, sondern gerade mit Verständnis.
[ ] Not translated
