Remedial Education Course
GA 317
3 July 1924, Dornach
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Remedial Education Course, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Meine lieben Freunde! Ich werde zunächst nur die Zeichnungen von diesem Jungen zeigen. Er macht sehr schöne Sachen; er hat Sinn, die Details der Dinge so stark aufzufassen; gerade hier sehen Sie, wie er sich alles genau anschaut. Da ist ein Blatt, woran Sie sehen, wie er einteilt; er hat wohl gerade eine Neigung, diejenigen Dinge zu machen, die er in der Schule lernt. Er macht das in der Schule drüben, wo das so eingeteilt ist, daß jeder seine eigenen Sachen macht. — Bei uns wird ökonomisch vorgegangen. Es werden alle zwei Seiten benutzt.
[ 1 ] My dear friends! For now, I’ll just show you this boy’s drawings. He creates very beautiful things; he has a knack for capturing the details of objects so vividly; right here, you can see how closely he observes everything. Here is a sheet where you can see how he organizes his work; he seems to have a particular inclination toward drawing the things he learns in school. He does this at the school over there, where the setup allows everyone to work on their own projects. — Here, we take a frugal approach. We use both sides of the paper.
Zu dem Jungen gewandt:
Turning to the boy:
[ 2 ] Du wirst gestatten, daß ich dich auf die Tafel zeichne. So, das habe ich von dir gebraucht.
[ 2 ] You'll let me draw you on the blackboard. There, that's all I needed from you.
Von dem Jungen wird später gesprochen. Es wird ein neues Kind hereingebracht.
The boy will be mentioned later. A new child is brought in.
[ 3 ] Wir werden das so machen, daß wir das Kind hierher bringen. — Nun sehen Sie sich die ungeheure Vergrößerung eines kindlichen Kopfes als Hydrozephalus einmal an. Wir werden das nachher besprechen. Er hat jetzt einen Umfang von 64 Zentimeter, als wir ihn bekommen haben, hatte er 44 Zentimeter. Am 25.Februar hatte er 54 1/2 Zentimeter, bis zum 7. April war er auf 56 Zentimeter gewachsen, vom 7. auf den 11. April ist er wieder gewachsen, am 19. April hatte er 58 Zentimeter, am 28. Mai hatte er 61 Zentimeter, am 1. Juli hatte er 64 Zentimeter. Das Kind hat im übrigen den Körper nicht unnormal entwickelt, es ist durchaus so, wie ein anderes Kind. Es greift die Dinge an, hat sehr guten Appetit und ist eigentlich — mit Ausnahme einer Krisis — absolut munter. Sie sehen die ungeheure Größe, wenn Sie sich die Öhrchen anschauen, die er natürlich in der entsprechenden Größe hat, so daß Sie sehen, wo die Vergrößerung des Kopfes einsetzt. Sie setzt hier an und geht hier weiter. Das Gesicht nimmt daran nicht teil, es ist etwas aufgetrieben, es nimmt nicht teil. Das Kind ist durchaus so, daß Sie, wenn Sie es jetzt ansehen, wohl vielleicht empfinden können, daß es mit den Augen wahrnimmt; es ist aber eben nur ein ganz allgemeiner Lichteindruck, kein präziser Lichteindruck.
[ 3 ] We’ll go ahead and bring the child here. — Now take a look at this enormous enlargement of a child’s head due to hydrocephalus. We’ll discuss this later. Its circumference is now 64 centimeters; when we first received him, it was 44 centimeters. On February 25, it was 54 1/2 centimeters; by April 7, it had grown to 56 centimeters; from April 7 to April 11, it grew again; on April 19, it was 58 centimeters; on May 28, it was 61 centimeters; and on July 1, it was 64 centimeters. Incidentally, the child’s physical development is not abnormal; he is just like any other child. He reaches for things, has a very good appetite, and is actually—with the exception of one crisis—absolutely lively. You can see the immense size when you look at his little ears, which are naturally proportionate to his size, so that you can see where the enlargement of the head begins. It starts here and continues here. The face is not affected by this; it is somewhat swollen, but it is not affected. The child is such that, when you look at him now, you might perhaps sense that he perceives things with his eyes; but it is merely a very general impression of light, not a precise one.
[ 4 ] Nun liegt das Tragische vor, daß ich, bevor ich hinaufgekommen bin, ein Telegramm bekommen habe, daß sein Vater an Herzkrampf gestorben ist.
[ 4 ] The tragic thing is that, before I got there, I received a telegram saying that his father had died of a heart attack.
[ 5 ] Wenn Sie sich das ganze Kind anschauen und vergleichen es mit einer Embryonalbildung, dann werden Sie gar nichts anderes haben als ein Riesenembryo, so daß Sie unmittelbar daran sehen: das Kind ist im Embryonalstadium geblieben und hat die Wachstumsgesetze des Embryonalstadiums beibehalten und setzt sie im Postembryonalzustand fort. Daß wir bis jetzt noch keine Verkleinerung haben erreichen können, das ist darauf zurückzuführen, daß die Dinge außerordentlich stark von innen her sind. Ich hoffe noch durchaus, daß wir in der Lage sein werden, wenn ein bestimmter Punkt überschritten ist, die Harmonisierung des Kopfes bis zu einem bestimmten Grad durchzuführen. - Er ist sonst ein fideler Junge.
[ 5 ] If you look at the child as a whole and compare it to an embryonic formation, you will see nothing other than a giant embryo, so that you can immediately observe: the child has remained in the embryonic stage and has retained the laws of growth of the embryonic stage, continuing them into the post-embryonic state. The fact that we have not yet been able to achieve any reduction is due to the fact that these processes are driven extremely strongly from within. I still very much hope that, once a certain point has been passed, we will be able to harmonize the head to a certain degree. — Otherwise, he is a cheerful boy.
[ 6 ] Es ist so mit den Menschenrätseln: die Dinge, die in solchen Abnormitäten auftreten, sind tief hineinleuchtend ins Leben, nicht nur des Menschen, sondern der ganzen Welt.
[ 6 ] That is the nature of human enigmas: the things that arise in such anomalies shed deep light on life—not only human life, but the life of the entire world.
Es wird nun aus der Krankengeschichte vorgelesen.
The medical history will now be read aloud.
[ 7 ] Das Kind ist mit sechs Monaten bei uns angekommen, das Kind ist geboren im August des vorigen Jahres und hat dazumal von mir seinen Namen bekommen, gerade zur Zeit, als ich in England abwesend war. Das Kind wurde normal geboren. Die Mutter war während der Schwangerschaft immer gesund — die Dinge bitte ich Sie so zu betrachten, daß sie nachher ihre Interpretation finden müssen —, fühlte sich besonders wohl, auf diese Bemerkung bitte ich Sie, besonders Wert zu legen, sie schrieb in dieser Zeit sehr viel Schreibmaschine. Das Kind zeigte bei der Geburt nichts Absonderliches. Also halten Sie fest, daß das Kind bei der Geburt, unmittelbar nachdem es aus dem Embryonalzustand entlassen war, nichts Sonderliches zeigte, weil der Embryonalzustand dauernd normal war. Es fing an abnormal zu werden, nachdem es durch die Lunge atmete. Die Nabelschnur war um den Hals gewickelt, im Fruchtwasser war Kindspech. Das Kind wog fünfeinviertel Pfund, vierzehn Tage nach der Geburt hatte es einmal Krämpfe, bitte, das zu beachten. Also es begann sich deutlich die Unmöglichkeit zu zeigen, daß die Ich-Organisation und der astralische Leib in den physischen und Ätherleib hineinfahren. Es schlug mit den Armen um sich und wurde blau. Das Blausein bedeutet immer das Nicht-Untertauchenkönnen in den physischen Leib. Es ist dann, wenn es sehr stark ausgebildet ist, in besonderer Eigenart vorhanden. Es braucht nichts anderes zu sein, als daß der astralische Leib bei der Geburt stark konfiguriert ist. Er kann bei der Geburt stark konfiguriert sein, wie es bei Goethe der Fall war, der ganz blau geboren worden ist, der erst später dazu gebracht worden ist, daß er den astralischen Leib und die IchOrganisation aufnahm. Der Krampf trat später auf. Dann fand im ersten halben Jahr eine ganz normale Entwickelung statt. Natürlich, es war nicht ganz normal, es wurde das spätere Mißverhältnis zwischen Kopf und Gliedmaßen nicht bemerkt. Es wurde mit Muttermilch ernährt. Der Kopf war bei der Geburt auffallend klein, was bezeugt, daß die Dinge nicht so sehr gesucht werden dürfen in einer Schwäche der Nerven-Sinnesorganisation. Vom September ab begann langsam eine Zunahme des Kopfumfanges. Natürlich begann sie schon früher, die Mutter hielt es nicht für abnorm; damals, als es beträchtlich sein mußte, hielt die Mutter es noch nicht für abnorm, bis das Kind einmal in einer Woche 380 Gramm Körpergewicht zunahm. Mitte Dezember war der Kopfumfang 49 Zentimeter. Das Kind war still und weinte nicht viel; es war apathisch. Die Fontanellen waren sehr gespannt. Der Appetit war gut. An der Kopfhaut bildeten sich Eiterbläschen. Appetit und Stuhlgang waren gut. Jetzt wurde das Kind zu uns gebracht.
[ 7 ] The child came to us at six months old; the child was born in August of last year, and I gave him his name at that time, just when I was away in England. The child was born normally. The mother was always healthy during the pregnancy—I ask you to view these facts in such a way that they will find their own interpretation later on—and felt particularly well; I ask you to attach particular importance to this remark; she typed a great deal during this time. The child showed nothing unusual at birth. So please note that the child showed nothing unusual at birth, immediately after emerging from the embryonic state, because the embryonic state had been normal throughout. It began to show abnormalities after it started breathing through its lungs. The umbilical cord was wrapped around its neck, and there was meconium in the amniotic fluid. The child weighed five and a quarter pounds; fourteen days after birth, it had a seizure—please take note of this. Thus, it became clearly evident that the ego-organization and the astral body were unable to enter the physical and etheric bodies. The child flailed its arms and turned blue. Turning blue always signifies an inability to submerge into the physical body. When this condition is very strongly developed, it manifests in a distinctive manner. It need be nothing more than the astral body being strongly configured at birth. It can be strongly configured at birth, as was the case with Goethe, who was born completely blue and was only later able to incorporate the astral body and the ego organization. The convulsion occurred later. Then, during the first half-year, a completely normal development took place. Of course, it was not entirely normal; the later disproportion between the head and the limbs went unnoticed. The child was breastfed. The head was strikingly small at birth, which indicates that the cause should not be sought so much in a weakness of the nervous-sensory system. Beginning in September, the head circumference slowly began to increase. Of course, it had already begun earlier; the mother did not consider it abnormal. Even at that time, when it must have been considerable, the mother still did not consider it abnormal—until the child gained 380 grams in body weight in a single week. By mid-December, the head circumference was 49 centimeters. The child was quiet and did not cry much; he was apathetic. The fontanelles were very tense. The child had a good appetite. Pus-filled blisters formed on the scalp. Appetite and bowel movements were normal. The child was then brought to us.
[ 8 ] Nun handelte es sich darum, über einen solchen Fall aus dem Vorliegenden, wo natürlich das Allerwichtigste die unmittelbare Anschauung, auch die Anschauung des Geistigen ist, eben eine Anschauung des Geistigen zu gewinnen. Nun ergibt sich bei diesem Kinde, daß es einen astralischen Leib an sich trägt — die Mutter war dazumal auch da -, der ganz deutlich mit einer ungeheuren Klarheit die Züge des astralischen Leibes der Mutter trägt. So auffällig, wie das da ist, ist das etwas sehr Seltenes. Man kann nicht sagen, daß die Ich-Organisation auch diese Züge trägt, das ist nicht der Fall. Das Ich ist einfach noch verkümmert, es weist Sie hin auf eine Ich-Organisation, die sonst Kinder haben im sechsten, siebenten Monat der Schwangerschaft; da ist er stehengeblieben. Die letzten Monate der Schwangerschaft scheint die Ich-Organisation nicht mitgemacht zu haben wegen des außerordentlich stark entwickelten astralischen Leibes. Nun behielt das Kind nach der Geburt alle die Kräfte in sich durch diesen astralischen Leib, die es während der Embryonalzeit gehabt hat. Nun müssen Sie nur denken, daß namentlich in den ersten Monaten der post-embryonalen Entwickelung die Orientierung der Embryonalzeit im wesentlichen fortdauert, daß man in der Tat in den ersten Monaten beim Kinde auch außerhalb des Mutterleibes noch eine starke Ähnlichkeit dieser Entwickelung mit der Entwickelung im Embryonalzustand hat. Das kommt davon her, daß ja die radikale Umänderung, die das Leibeswesen des Kindes erfährt, im Atmungssystem zunächst liegt. Das Kind kommt mit der äußeren Luft in Verbindung, aber diese Verbindung mit der äußeren Luft, die muß sich erst langsam einleben und ergreift erst nach einiger Zeit den ganzen Organismus. Wir wissen, sie beeinflußt ihn ja schon von Anfang an, ergreift aber doch erst nach und nach den ganzen Organismus. Es ist dadurch in der ersten Zeit wegen des Fortwirkens der Embryonalkräfte immer noch nicht zu bemerken, was dann später für Verheerungen im menschlichen Organismus eintreten, wenn der Infantilismus so weit geht, wie wir es hier mit einem radikalen Fall von Infantilismus zu tun haben, wo er eben so weit geht, daß die Embryonalorganisation beibehalten ist.
[ 8 ] The task now was to gain an insight into the spiritual—specifically, through a case like the one at hand, where, of course, the most important thing is direct perception, including perception of the spiritual. Now, in this child’s case, it turns out that he bears an astral body within himself—the mother was also present at the time—which quite clearly, with tremendous clarity, bears the features of the mother’s astral body. As striking as this is, it is something very rare. One cannot say that the ego-organization also bears these features; that is not the case. The ego is simply still underdeveloped; it points to an ego organization that children usually have by the sixth or seventh month of pregnancy; it has remained at that stage. The ego organization does not seem to have undergone the final months of pregnancy due to the extraordinarily well-developed astral body. Now, after birth, the child retained within itself, through this astral body, all the powers it had possessed during the embryonic period. Now you need only consider that, particularly in the first months of post-embryonic development, the orientation of the embryonic period essentially continues; in fact, in the first months, even outside the mother’s womb, the child’s development still bears a strong resemblance to that of the embryonic state. This is because the radical transformation that the child’s physical being undergoes is initially centered in the respiratory system. The child comes into contact with the outside air, but this connection with the outside air must first gradually take hold and only after some time does it affect the entire organism. We know that it influences the child from the very beginning, but it only gradually comes to affect the entire organism. Consequently, in the early stages—due to the continuing influence of embryonic forces—it is still not apparent what devastation will later occur in the human organism when infantilism goes as far as we are dealing with here in a radical case of infantilism, where it goes so far that the embryonic organization is retained.
[ 9 ] Nun wissen Sie ja, sie ist dadurch charakterisiert, daß wir es zu tun haben mit einer mächtigen Kopforganisation und mit einem kleinen Körper. Diese mächtige Kopforganisation, die ist durchaus das Ergebnis des Zusammenwirkens kosmischer Kräfte. Dasjenige, was zunächst im Embryonalzustand mit der Kopforganisation vor sich geht, ist in seinem ganzen Umfang fast ein Werk kosmischer Kräfte. Der mütterliche Uterus gibt die Stätte ab, wo gegen die irdischen Kräfte geschützt ist dasjenige, was geschieht. Sie müssen sich den mütterlichen Uterus als ein Organ vorstellen, welches den Raum abschließt, der die Wirkung der irdischen Einflüsse nicht einläßt, so daß der Raum ausgespart wird für kosmische Wirkungen. Wir haben einen Raum, der unmittelbar mit dem Kosmos in Verbindung steht, in dem sich kosmische Wirkungen abspielen. Nun, da geht die Entwickelung der Kopforganiisation vor sich. Wenn die menschlichen Kräfte des Mutterleibes, insofern die menschlichen Kräfte des Mutterleibes das Kind in Empfang nehmen, auf es wirken, dann beginnt die Stoffwechsel-Gliedmaßenorganisation in diese Kräfte sich orientieren zu lassen, so daß Sie sehen: bei dem Kinde sind einfach für den post-embryonalen Zustand die kosmischen Kräfte geblieben. Sie behalten die Überhand über dasjenige, was an Stärke hätte mitgegeben werden sollen, an Kräften, die sonst das Kind bekommt für die irdische Entwickelung, für die Entwickelung des Gliedmaßen-Stoffwechselsystems. Nun, die Folge davon ist ganz klar. Würde das Kind länger im Mutterleibe sein — das ist eine absurde Hypothese —-, würde es länger da sein als zehn Monate, so würde der Kopf fortwährend wachsen und die Gliedmaßen würden nicht zur Entwickelung kommen können. Da ist nur Gelegenheit gegeben, Außerirdisches, Kosmisches wachsen zu lassen.
[ 9 ] Now, as you know, it is characterized by the fact that we are dealing with a powerful head organization and a small body. This powerful head organization is entirely the result of the interplay of cosmic forces. What initially takes place in the embryonic state with the head structure is, in its entirety, almost entirely the work of cosmic forces. The mother’s womb provides the place where what is happening is protected from earthly forces. You must have in your mental image the mother’s womb as an organ that encloses a space impervious to earthly influences, so that this space is reserved for cosmic influences. We have a space that is directly connected to the cosmos, within which cosmic influences take place. It is here that the development of the head organization takes place. When the human forces of the womb—insofar as they receive the child—act upon it, the metabolic-limb organization begins to orient itself toward these forces, so that you see: in the child, the cosmic forces have simply remained for the post-embryonic stage. They retain the upper hand over what should have been imparted as strength—the forces that the child would otherwise receive for earthly development, for the development of the limb-metabolic system. Well, the consequence of this is quite clear. If the child were to remain in the womb longer—which is an absurd hypothesis—if it were to remain there longer than ten months, the head would continue to grow, and the limbs would be unable to develop. There is only opportunity for the extraterrestrial, the cosmic, to grow.
[ 10 ] Nun mußte man sich fragen: Woher ist das alles gekommen? - Und da muß ich schon sagen, es ist ganz merkwürdig, eigentlich erschütternd, daß in dem Momente, wo jetzt gesprochen werden soll über diese ganze Erscheinung, das Telegramm eintrifft, daß der Vater an Herzkrampf verschieden ist. Man kam auf folgendes, was dann durch Anamnese sichergestellt worden ist, man kam darauf, daß zum Beispiel die Mutter gefragt werden mußte: Ja, haben Sie nichts besonderes Seelisches während der Schwangerschaft gehabt? - Und ich drückte das so aus, daß ich sagte: Ist Ihnen nicht leid gewesen, daß das Kind nicht in Ihnen geblieben ist, sondern zur Welt gekommen ist? — Die Mutter bejahte das. Die Mutter hatte ihre ganze Verbindung auf jene Gemeinschaft gegründet, es war in ihrem Gefühlsleben, es läßt sich so ausdrücken, daß es ihr leid war, daß sie es nicht hat bei sich im Mutterleib behalten können, daß ihr das Kind durch die Geburt entrissen worden ist. Dieses Gefühl, das deutet auf der einen Seite auf einen ganz außerordentlich starken Zusammenhang im karmischen Sinne, und aber auf der andern Seite darauf, daß geradezu damit die Bedingungen gegeben waren, daß im Kinde blieben jene Kräfte, die während der Embryonalzeit wirksam sind. Sie sehen, hier beginnt das abnorme Seelenleben bei der Mutter, und — natürlich mit einem tiefen karmischen Zusammenhang — überträgt es sich auf das Kind.
[ 10 ] Now one had to ask: Where did all this come from? — And I must say, it is quite strange, actually shocking, that just as we were about to discuss this whole phenomenon, a telegram arrived stating that the father had died of a heart attack. We arrived at the following conclusion, which was then confirmed by the medical history: we realized, for example, that the mother had to be asked, “Did you experience anything emotionally significant during your pregnancy?”—And I phrased it this way: “Weren’t you sad that the child didn’t remain inside you, but was born?” — The mother affirmed this. The mother had based her entire connection on that bond; it was part of her emotional life—one could put it this way—that she was sorry she had not been able to keep the child within her womb, that the child had been torn from her through birth. This feeling points, on the one hand, to an extraordinarily strong connection in the karmic sense, and on the other hand, to the fact that this very circumstance created the conditions for those forces active during the embryonic period to remain within the child. You see, this is where the mother’s abnormal inner life begins, and—naturally, with a deep karmic connection—it is transferred to the child.
[ 11 ] Nun, die Lebensverhältnisse sind sehr kompliziert, meine lieben Freunde, so daß es schwer ist, immer alles zu überschauen, aber in einem solchen Falle schauen manchmal die Tatsachen die Dinge zusammen. Sehen Sie, noch nicht ein Jahr ist vergangen, seit das Kind geboren worden ist und der Vater stirbt an Herzkrampf. Solche Zustände sind ja immer zusammenhängend, sie sind ja so, daß sie sich nicht von heute auf morgen ereignen. Es lag bei dem Vater eine Herzerkrankung seit längerer Zeit vor. Sie brauchen nur daran zu denken, wie stark Herzerkrankungen mit der Beeinflussung der menschlichen Gliedmaßen zusammenhängen, und nur daran zu denken, wie die Organisation der Beine sofort schwach wird unter dem Einflusse gewisser Herzerkrankungen, wie dasjenige, was bei den Gliedmaßen das Wichtigste ist, die Gelenkgewebe und Gelenksäfte, unter dem Einfluß einer Herzerkrankung leiden. Nun dürfen wir nicht vergessen, daß in den Vererbungsverhältnissen das begründet ist, daß gerade die Gliedmaßenorganisation vom Vater am stärksten, während die Kopforganisation von der Mutter am stärksten beeinflußt wird. Nun denken Sie sich die Konzeption so, daß unter Umständen ein Unvermögen, die Kräfte der väterlichen Organisation in die Gliedmaßen hineinzubringen, schon ins Kind übergeht, daher die Kopfesorganisation von der Mutter ins Ungeheure getrieben wird. Jetzt haben Sie die Rückerklärung, warum die Mutter das Kind im Mutterleibe liebt, weil das Kind wenig väterliche Erbkräfte mitbekommen hat, weil die Mutter die Hauptsache dazu geben konnte.
[ 11 ] Well, life’s circumstances are very complicated, my dear friends, so it’s hard to keep track of everything all the time, but in such cases, the facts sometimes bring things into focus. You see, not even a year has passed since the child was born, and the father dies of a heart attack. Such conditions are always interconnected; they don’t just happen overnight. The father had been suffering from heart disease for quite some time. You need only consider how closely heart disease is connected to the functioning of the human limbs, and how the structure of the legs immediately weakens under the influence of certain heart conditions—how the most important aspects of the limbs—the joint tissues and synovial fluids—suffer under the influence of heart disease. Now we must not forget that hereditary patterns are such that the structure of the limbs is most strongly influenced by the father, while the structure of the head is most strongly influenced by the mother. Now imagine the concept in such a way that, under certain circumstances, an inability to channel the forces of the paternal organization into the limbs is already passed on to the child, causing the head’s organization to be driven to extremes by the mother. Now you have the explanation for why the mother loves the child in the womb: because the child has inherited few paternal genetic forces, and because the mother was able to provide the main contribution.
[ 12 ] Nun sehen Sie, damit haben wir einen Fall vor uns hingestellt. Sie müssen nur wissen, daß gerade ein solcher Fall das Urphänomen für eine ganze Reihe von Kindern mit Abnormitäten liefert. Dasjenige, was Sie an diesem Kinde gesehen haben, das ist nur der radikalste Fall von Infantilismus, der bis in den Embryonalzustand zurückgeht. Dasselbe haben Sie in allen möglichen Formen während der kindlichen Entwickelung. Wie hier der Embryonalzustand überwuchert alles dasjenige, was später hinzukommt, so kann nach dem Zahnwechsel die erste Lebensepoche beim Kinde überwuchern. Wie das Nicht-Hineingewachsensein in den Postembryonalzustand vorkommt, kann es auch vorkommen, daß das Kind nicht in die dritte Lebensepoche hineinwächst; die Kinder werden äußerlich geschlechtsreif, wachsen aber nicht mit ihrer ganzen menschlichen Konstitution in diese Lebensepoche zwischen Geschlechtsreife und Anfang der Zwanzigerjahre hinein, behalten die Orientierung der Kräfte, die zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre wirken. Wir haben es zu tun mit einer ganzen Reihe von Infantilismen. Das ist nun der radikalste Fall, und es ist vom medizinisch-pädagogischen Standpunkt aus günstig, daß Sie sehen konnten an diesem radikalen Fall, was Sie in entsprechenden Abschwächungen haben können bei zahlreichen minderwertigen Kindern.
[ 12 ] Now you see, we have presented a case before you. You need only know that precisely such a case provides the primordial phenomenon for a whole series of children with abnormalities. What you have observed in this child is merely the most extreme case of infantilism, which dates back to the embryonic stage. You find the same thing in all sorts of forms throughout childhood development. Just as the embryonic state here overwhelms everything that comes later, so too can the first stage of life overwhelm the child after the change of teeth. Just as failure to grow into the post-embryonic state occurs, it can also happen that the child does not grow into the third stage of life; the children become physically sexually mature, but do not grow into this life stage—between sexual maturity and the early twenties—with their entire human constitution; instead, they retain the orientation of the forces active between the ages of seven and fourteen. We are dealing with a whole range of forms of infantilism. This is the most extreme case, and from a medical and educational standpoint, it is helpful that you were able to observe in this extreme case what you may encounter in milder forms among numerous children with developmental delays.
[ 13 ] Damit wir heute zurechtkommen und das Therapeutische und Pathologische morgen anführen, möchte ich heute die einzelnen Fälle vornehmen und sie morgen pädagogisch zu Ende besprechen.
[ 13 ] So that we can cover today’s material and address the therapeutic and pathological aspects tomorrow, I would like to go through the individual cases today and conclude our discussion of them from an educational perspective tomorrow.
Dr. Steiner bespricht jetzt das anfangs der Stunde kurz gezeigte Kind:
Dr. Steiner is now discussing the child who was briefly shown at the beginning of the class:
[ 14 ] Sie haben vorher den Jungen gesehen, der eigentlich bei den Menschen die Vorstellung hervorruft: Warum zeigen wir ihn eigentlich? — Denn das ist so; und Sie werden kaum, wenn Sie ihn oberflächlich kennenlernen, ihn anders kennenlernen, als einen freundlich entgegenkommenden, gutmütigen Jungen, der so malen lernt, wie die andern Kinder eben malen lernen, der die gutmütigsten, schönsten Antworten gibt, mit dem Sie sich stundenlang unterhalten können. Ist es nicht so? Die ihn behandeln, werden es wissen. Sie können nichts Abnormes am Kinde bemerken und würden vielleicht sagen: diese Anthroposophen sind doch merkwürdige Leute, die geben ihre Kinder, die als Muster hingestellt werden können für andere Kinder, in ein klinisch-therapeutisches Institut zur Behandlung.
[ 14 ] You saw the boy earlier—the one who actually creates a mental image in people's minds: Why are we showing him, anyway? — Because that’s how it is; and if you get to know him only superficially, you’ll hardly see him as anything other than a friendly, approachable, good-natured boy who’s learning to draw just as other children do, who gives the kindest, most beautiful answers, and with whom you can talk for hours. Isn’t that so? Those who interact with him will know. You can’t detect anything unusual about the child and might perhaps say: “These anthroposophists are strange people after all—they send their children, who could serve as role models for other children, to a clinical-therapeutic institute for treatment.”
[ 15 ] Der Junge ist nun in unglaublicher Weise kleptoman. Fast wie ausgeschaltet vom übrigen Seelenleben ist die einseitige Art der Kleptomanie. Dabei hat dieser Junge gerade die Eigentümlichkeit, daß das Bewußtsein, das, ich möchte sagen, strahlen soll auf alle Lebenserscheinungen, die im Menschen zutage treten, geradezu ausgeschaltet ist für seine kleptomanischen Handlungen. Man hat deutlich das Gefühl: der weiß nicht viel über dasjenige, was er da tut, trotzdem er es - und das bitte ich Sie zu berücksichtigen - in der allerraffiniertesten Weise ausführt. Er mußte überführt werden, als er in Bern die Schule besuchte, und an einem andern Ort die Schule besuchte, da mußte man sehr viel tun, um ihn überführen zu können. Er stellt die Dinge ungemein schlau an, und er ist nicht egoistisch dabei. Er ist imstande, die Dinge, die er sich auf die raffinierteste Weise erstiehlt, einfach an Freunde zu verschenken oder mit ihnen zu verprassen, nur um ihnen eine Freude zu machen; dazu ist er imstande. Dabei entwickelt sich selbstverständlich eine besondere Form des nicht ganz bewußsten Lügens; denn da er nicht genau weiß — das Bewußtsein überstrahlt die einzelnen Erscheinungen nicht —, was da vorgeht, erzählt er die unglaublichsten Märchen, wie er zu einer Sache gekommen ist, die er einfach gestohlen hat. Da zeigt er auch in einer recht schlauen Weise, wie er die Dinge gefunden hat, wie sie da waren an diesen Orten, eine ganz lange Geschichte erzählt er, wie er zu einer Sache gekommen ist. Die Dinge geschehen wirklich koboldartig. Wenn ich richtig verstanden habe, wie mir Frau Dr. Wegman erzählt hat, so konnte man eine Zeitlang meinen, daß er ein ganz ordentlicher Junge geworden wäre, bis man eines Tages merkte - man wußte nicht, daß er etwas an sich genommen hatte -, daß aus dieser Tasche etwas verschwunden war, aus einer andern Tasche etwas verschwunden war, so daß auf eine merkwürdige Weise die Leute die Erfahrung machten: sie haben eines Tages ihre Sachen nicht mehr. Diese zwei Tatsachen hatte man nebeneinander stehen. Man hatte auf der einen Seite die merkwürdige Geschichte der Dematerialisation von Dingen im Klinisch-Therapeutischen Institut, dann wußte man von früher: der Junge ist von allen Schulen herausgeworfen worden; das wußte man von früher. Die Dinge waren bloß verschwunden. Das waren zwei Tatsachen, die nebeneinander standen. Es ist schon eine unangenehme Geschichte, wenn man plötzlich in die Nötigung versetzt wäre, zu denken, es könnte bei Erwachsenen auch da sein; ein solches Institut hat in sich gegenwärtig zweiundfünfzig Leute und, nicht wahr, es können diese und andere Leute da sein, man weiß gar nichts. Man weiß nur, daß da hier ein Spiritist die Gelegenheit hat, zu erklären in reichlichstem Maß, daß sich Dinge dematerialtisieren. Man kann eine ganze Theorie aufbauen über die Dematerialisation der Gegenstände.
[ 15 ] The boy is now a kleptomaniac in an unbelievable way. The one-sided nature of his kleptomania is almost as if it were disconnected from the rest of his inner life. Yet this boy has the peculiar trait that the consciousness—which, I would say, is meant to radiate across all aspects of life that manifest in a human being—is virtually shut off during his kleptomaniacal acts. One clearly gets the feeling that he doesn’t know much about what he’s doing, even though—and I ask you to take this into account—he carries it out in the most sophisticated manner. He had to be caught red-handed when he attended school in Bern, and when he attended school elsewhere, it took a great deal of effort to catch him. He goes about things with extraordinary cunning, and he isn’t selfish in doing so. He is capable of simply giving away the things he steals in the most sophisticated way—or squandering them with friends—just to make them happy; he is capable of that. In the process, of course, a special form of not entirely conscious lying develops; for since he doesn’t know exactly—his consciousness doesn’t fully illuminate the individual events—what’s going on, he tells the most incredible tall tales about how he came by something he simply stole. He also demonstrates, in a rather clever way, how he “found” the things—how they were just lying there in those places—and tells a very long story about how he came to possess an item. Things really do happen in a mischievous, goblin-like way. If I understood correctly what Dr. Wegman told me, for a while one might have thought he had become a perfectly decent young man, until one day people noticed—they didn’t know he had taken anything—that something had disappeared from this pocket, something had disappeared from another pocket, so that, in a strange way, people found themselves in the situation where: one day their belongings were simply gone. These two facts stood side by side. On the one hand, there was the strange story of the dematerialization of objects at the Clinical-Therapeutic Institute; on the other hand, people knew from earlier: the boy had been expelled from every school; that was known from before. The objects had simply vanished. These were two facts that stood side by side. It is certainly an unpleasant thought to be suddenly compelled to consider that this might also happen to adults; such an institute currently has fifty-two people, and, after all, these and other people might be there—one knows absolutely nothing. All we know is that here a spiritualist has the opportunity to explain at great length that objects dematerialize. One could construct an entire theory about the dematerialization of objects.
[ 16 ] Wir haben den Jungen jetzt hier, an dem Sie bitte beachten sollen, wie stark zusammengedrückt hier (an den Schläfen) die Kopforganisation ist und hier (nach rückwärts) auseinandergeht. Und der geistige Befund ist der, daß außerordentlich stark entwickelt sind die Organpartien des astralischen Leibes, insbesondere hier links auf dieser Seite, sonst werden Sie äußerlich nicht viel an ihm bemerken.
[ 16 ] We now have the boy here, and I would like you to note how strongly compressed the structure of his head is here (at the temples) and how it spreads out here (toward the back). And the spiritual finding is that the organ regions of the astral body are exceptionally well developed, especially here on the left side; otherwise, you won’t notice much about him outwardly.
[ 17 ] Jetzt werden Sie so gut sein und das andere Kind noch vorführen. Die Behandlungsweise werden wir morgen besprechen.
[ 17 ] Now, please be so kind as to bring in the other child. We'll discuss the treatment plan tomorrow.
Es wird das nächste Kind, ein Mädchen, hereingeführt.
The next child, a girl, is led in.
[ 18 ] Sehen Sie einmal, wie nett Lore ist, wie prachtvoll sie ist. Sehen Sie, wie schöne blonde Haare Lore hat. Das ist doch die, bei der es so interessant war, daß die Kinder einmal allein zusammen waren für eine kurze Zeit. Sandroe und Lore hatten sich tief befreundet, und Sandroe (der hier vorgestern vorgestellt wurde) hat die Notwendigkeit verspürt, eine Schere zu holen. Sie hat ihn dazu veranlaßt, die Schere zu holen - Sandroe ist ein guter, gehorsamer Gentleman -, er hat die Schere gebracht, und sie hat sich die Haare glatt abgeschnitten mit dieser Schere. Sie ist kein Philister. Beachten Sie, das möchte ich besonders empfehlen, ihre schönen blauen Augen, beachten Sie ihre blonden Haare, die eine sehr schöne Glanznuance haben, und Sie werden da unmittelbar den Eindruck bekommen, daß das Kind sehr sulfurig ist, in seinem Benehmen auch außerordentlich sulfurig. Sie ist ein liebes Kind, aber sie hat in sich ein Sulfuriges, sie ist in sich beweglich und auch stramm.
[ 18 ] Just look how sweet Lore is, how gorgeous she is. Look at Lore’s beautiful blonde hair. She’s the one with whom it was so interesting that the children were alone together for a short time. Sandroe and Lore had become close friends, and Sandroe (who was introduced here the day before yesterday) felt the need to fetch a pair of scissors. She prompted him to fetch the scissors—Sandroe is a good, obedient gentleman—he brought the scissors, and she cut her hair straight across with them. She is no philistine. Take note—and I’d like to emphasize this in particular—of her beautiful blue eyes; take note of her blonde hair, which has a very lovely lustrous sheen, and you’ll immediately get the impression that this child is very spirited, and exceptionally spirited in her behavior as well. She’s a sweet child, but she has a spirited side to her; she’s lively and also firm.
Das Mädchen beißt in den Arm.
The girl bites her arm.
[ 19 ] Sie beißt bloß ins Gewand.
[ 19 ] She's just biting her robe.
[ 20 ] Das Kind hat bei der Geburt nicht ganz vier Pfund gewogen, war aber ausgetragen, hat ihre regelmäßige Embryonalzeit durchgemacht. Es wurde sieben Monate lang mit Muttermilch ernährt. Mit einem Jahr hat es gehen gelernt. Das ist ein verhältnismäßig frühes, aber nicht unnormales Gehenlernen. Auch das Sprechen lernte sie zur richtigen Zeit. Die Entwickelung hat einen normalen Anblick gewährt, mit anderthalb Jahren hat sie das Bett nicht mehr naß gemacht, jedoch macht sie sich jetzt noch bei Tage naß, dagegen nie in der Nacht. Sie sehen, diese Abnormität liegt vor, daß das Kind eine schwache Organisation nach dieser Richtung hin schon hat, daß aber diese schwache Organisation sich dann geltend macht, wenn der astralische Leib eingeschaltet ist, und nicht ausgeschaltet ist. Vor anderthalb Jahren, als sie dreieinhalb Jahre alt war - bitte das zu beachten, dieser Zeitpunkt ist genau die Hälfte der Siebenjahrepoche und von großer Bedeutung, geradeso wie der entsprechende Zeitpunkt in der zweiten Epoche zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre -, hatte das Kind Kopfschmerzen mit hohem Fieber und gleich darauf Masern; es war disponiert für Erkrankungen. Seither ist das Kind besonders aufgeregt, auch die Mutter war zur selben Zeit krank an Grippe und ist seither aufgeregt. Sie sehen den Parallelismus zwischen Mutter und Kind. Der Appetit des Kindes ist immer schlecht, trotzdem es so stramm in sich ist und eigentlich gerade die Gliedmaßenorganisation stark hat. Wie Sie wissen, wird die Gliedmaßenorganisation in ihrer Substanz nicht aufgebaut aus den Nahrungsmitteln, sondern vom Kosmos her auf dem Umwege durch die Atmung und Sinnesbetätigung. Dieser schlechte Appetit, der beeinträchtigt die Ernährung, muß sich ausleben in der Betätigung des Kopfes. Sie ist lebhaft, phantasievoll, sie ist nicht nur zappelig, auch mit den Gedanken ist sie es; ad oculos bezeugt sie es, daß die Phantasie nicht vom Kopf her kommt, sondern von den Gliedmaßen her kommt. Die Kopforganisation ist sehr schwach. Die Gliedmaßenorganisation ist besonders stark. Das Phantasievolle kommt von den Gliedmaßen.
[ 20 ] The child weighed just under four pounds at birth but was full-term and had completed its normal gestational period. It was breastfed for seven months. It learned to walk at one year of age. This is a relatively early, but not unusual, age for learning to walk. She also learned to speak at the right time. Her development appeared normal; by the age of one and a half, she had stopped wetting the bed, though she still wets herself during the day, but never at night. As you can see, the abnormality lies in the fact that the child already has a weak constitution in this regard, but that this weak constitution manifests itself only when the astral body is active and not when it is inactive. A year and a half ago, when she was three and a half years old—please note this: this point in time is exactly halfway through the seven-year epoch and is of great significance, just like the corresponding point in the second epoch between the ages of seven and fourteen—the child had headaches accompanied by a high fever, followed immediately by measles; she was predisposed to illness. Since then, the child has been particularly agitated; the mother, too, was ill with the flu at the same time and has been agitated ever since. You can see the parallel between mother and child. The child’s appetite is always poor, even though she is so robust and actually has a strong limb structure. As you know, the limb structure is not built up in its substance from food, but comes from the cosmos indirectly through breathing and sensory activity. This poor appetite, which impairs nutrition, must find an outlet in mental activity. She is lively and imaginative; she is not only restless physically but also in her thoughts; she demonstrates with her eyes that her imagination does not originate in the head but comes from the limbs. The head organization is very weak. The limb organization is particularly strong. Her imagination comes from the limbs.
[ 21 ] Sie träumt manchmal unruhig. Was hier nicht steht, aber was noch beachtet werden muß, das ist das, daß man nun sich deutlich vor Augen halten muß, wie das Kind träumt, ob es vor dem Aufwachen oder nach dem Einschlafen träumt. Wie es hier ist, so hat man die Träume nach dem Einschlafen beachtet. Aber das Kind wird auch sehr Interessantes darbieten, wenn man es dahin bringt, ‚seine Träume nach und nach zu erzählen. Da sind es die Aufwacheträume, die bei diesem Kind außerordentlich interessant sein werden bei dem Aufrufen in die Erinnerung, und die muß man sich erzählen lassen.
[ 21 ] She sometimes has restless dreams. What is not mentioned here, but must still be taken into account, is that one must now clearly keep in mind how the child dreams—whether she dreams before waking up or after falling asleep. As is the case here, the dreams that occur after falling asleep have been taken into account. But the child will also reveal very interesting things if one encourages her to “tell her dreams little by little.” It is the waking dreams that will be exceptionally interesting in this child when recalled, and one must have her recount them.
[ 22 ] Das sind die Fälle, die ich Ihnen vorführen wollte. Wir werden morgen um halb neun einen Vortrag haben, und wir werden dann die Behandlungsweise besprechen.
[ 22 ] These are the cases I wanted to present to you. We will have a lecture tomorrow at 8:30, and we will discuss the treatment approach then.
