Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Erster Naturwissenschaftlicher Kurs
Licht, Farbe, Ton Masse, Elektrizität, Magnetismus
GA 320

2 Januar 1920, Stuttgart

Neunter Vortrag

[ 1 ] Meine lieben Freunde!

[ 2 ] Es ist mir ja außerordentlich leid, dass diese Auseinandersetzungen gar so sehr improvisiert sind und aphoristisch bleiben müssen, allein es geht eben nicht anders, als Ihnen in diesen Tagen eine Anzahl von Gesichtspunkten zu geben und dann, wenn ich in einiger Zeit wiederum hier sein werde, die Sache fortzusetzen, sodass Sie dann irgendetwas Abgerundetes mit der Zeit aus diesen Auseinandersetzungen werden bekommen können. Ich muss aber, um Ihnen die paar Gesichtspunkte, die ich Ihnen abschließend morgen entwickeln werde und die wiederum möglich machen, dass wir einige Lichter hinwerfen auf die pädagogische Verwertung der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, ich muss heute Ihren Blick lenken auf die Entwicklung der elektrischen Erscheinungen, der Erscheinungen der Elektrizität, und ich werde anknüpfen an Dinge, die Ihnen eigentlich von der Schulbank her geläufig sind, weil wir eben von da ausgehend dann morgen das Gesamtgebiet der Physik überschauend charakterisieren wollen.

[ 3 ] Nicht wahr, die elementaren Dinge der Elektrizitätslehre kennen Sie. Sie wissen, dass es das gibt, was man die Reibungselektrizität nennt, dass man zum Entfalten einer Kraft bringt eine Glasstange, indem man sie mit irgendeinem Reibzeug, wie man es nennt, reibt, oder auch eine Harzstange, dass dadurch die Glasstange oder Harzstange, wie man sagt, elektrisch wird, das heißt kleine Körper, Papierschnitzelchen, anzieht. Sie wissen auch, dass die Beobachtung der Erscheinungen allmählich ergeben hat, dass in ihrer Entfaltung verschieden sind die beiden Kräfte, die ausgehen im einen Fall von der geriebenen Glasstange, im anderen Fall von der geriebenen Harzstange oder der Siegellackstange: Wenn die Stange veranlasst worden ist, Papierschnitzelchen anzuziehen, so wird dasjenige, was von der Glasstange in einer bestimmten Weise, wie man sagt, elektrisch durchtränkt wird, in der entgegengesetzten Weise von der Harzstangen-Elektrizität elektrisch durchtränkt, und man unterscheidet daher, indem man sich mehr an das Qualitative anschließt, Glaselektrizität und Harzelektrizität, oder, indem man das bloß mehr allgemein ausdrückt, positive Elektrizität und negative Elektrizität. Die Glaselektrizität würde die positive, die Harzelektrizität die negative sein.

[ 4 ] Nun ist das Eigentümliche, dass positive Elektrizität negative Elektrizität immer in gewisser Weise herbeizieht. Sie können diese Erscheinung aus der sogenannten Leidener Flasche ersehen, also in jenem Gefäß, das außen mit einem elektrisierbaren Belag versehen ist, das hier [innerhalb dieses Belags] dann isoliert ist, das dann [ganz] im Innern mit einem anderen [elektrisierbaren] Belag versehen ist, der sich fortsetzt in eine Metallstange mit einem Metallkopf. Wenn man nun eine [Glasstange] elektrisch gemacht hat und diese Elektrizität mitteilt — was man kann — dem äußeren Belag, so wird der äußere Belag positiv elektrisch, erzeugt die Erscheinungen der positiven Elektrizität. Dadurch aber wird der innere Belag negativ elektrisch. Und wir können, wie Sie wissen, dann, indem wir verbinden den Belag, der mit positiver Elektrizität angefüllt ist, und den Belag, der mit negativer Elektrizität angefüllt ist, wir können es zu einer Verbindung der positiv elektrischen und negativ elektrischen Kraft bringen, wenn wir sie in eine solche Lage versetzen, dass die eine Elektrizität sich bis hierher fortsetzen kann und sich gegenübersteht der anderen. Sie stehen sich mit einer gewissen Spannung gegenüber und fordern ihren Ausgleich. Es springt der Funke von dem einen auf das andere über. Wir sehen also, dass Elektrizitätskräfte, die sich so gegenüberstehen, eine gewisse Spannung haben und zum Ausgleich streben. Der Versuch wird vor Ihnen oftmals gemacht worden sein.

[ 5 ] Sie sehen hier die Leidener Flasche. Aber wir brauchen noch eine [Entladungs-]Gabel. Ich will einmal hier laden. Es ist noch zu schwach. Ein bisschen stoßen sich die Plättchen [des Elektroskops] ab. Es würde also, wenn wir hier genügend laden würden, die positive Elektrizität die negative hervorrufen, und wir würden, wenn wir beide einander gegenüberstehend hätten, durch eine Entladungsgabel den Funken zum Überspringen bringen. Sie wissen aber auch, dass diese Art, elektrisch zu werden, eben mit dem Ausdruck Reibungselektrizität bezeichnet wird, weil man es zu tun hat eben mit der durch Reibung hervorgegangenen, irgendwie gearteten Kraft — so möchte ich vorläufig sagen.

[ 6 ] Nun wurde, wie ich Ihnen auch nur zu wiederholen brauche, eigentlich erst um die Wende des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts zu dieser Reibungselektrizität hinzugefunden, entdeckt dasjenige, was man Berührungselektrizität nennt. Und damit wurde für die moderne Physik ein Gebiet eröffnet, das sich gerade außerordentlich fruchtbar erwiesen hat für die materialistische Ausgestaltung der Physik. Ich brauche Sie auch da nur an das Prinzip zu erinnern. Galvani beobachtete einen Froschschenkel, der in Verbindung war mit Metallplatten und der in Zuckungen geriet, und hatte damit eigentlich, man möchte sagen, etwas außerordentlich Bedeutsames gefunden, — zwei Dinge zugleich gefunden, die nur voneinander abgetrennt werden mussten und die heute noch nicht ganz sachgemäß voneinander abgetrennt sind zum Unheil der naturwissenschaftlichen Betrachtungen. Galvani hatte dasjenige gefunden, was wenig später Volta'® eben als die eigentliche Berührungselektrizität'' bezeichnen konnte. Er hatte die Tatsache gefunden, dass, wenn zwei verschiedene Metalle sich berühren, so, dass ihre Berührung vermittelt wird durch entsprechende Flüssigkeiten, so entsteht eine Wechselwirkung, die in Form einer elektrischen Strömung von dem einen Metall zu dem andern sich äußern kann.

[ 7 ] Damit haben wir die elektrische Strömung, die verläuft rein auf dem Gebiete des unorganischen Lebens scheinbar, wir haben aber, indem wir hinblicken auf dasjenige, was Galvani eigentlich bloßlegte, auch noch das, was man gewissermaßen als physiologische Elektrizität bezeichnen kann, einen Kraftspannungszustand, der eigentlich immer besteht zwischen Muskel und Nerv und der geweckt werden kann, wenn elektrische Ströme durch Muskel und Nerv hindurchgeführt werden. Sodass in der Tat dasjenige, was Galvani damals gesehen hat, zweierlei enthielt: Dasjenige, das man einfach auf unorganischem Gebiet nachbilden kann, indem man Metalle durch Vermittlung von Flüssigkeiten zur Ausbildung der elektrischen Ströme bringt. Dann auch hat er beobachtet dasjenige, was in jedem Organismus ist, bei gewissen elektrischen Fischen und anderen Tieren besonders hervortritt als Spannungszustand zwischen Muskel und Nerv, der sich auf den äußeren Anblick ähnlich ausnimmt in seinem Ausgleich wie strömende Elektrizität und ihre Wirkungen. Damit war aber alles dasjenige gefunden, was dann zu gewaltigen wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritten auf materialistischem Gebiet einerseits geführt hat, was auf der anderen Seite so gewaltige, epochemachende Grundlagen für die Technik ergeben hat.

[ 8 ] Nun handelt es sich darum, dass ja das neunzehnte Jahrhundert hauptsächlich angefüllt war von der Anschauung, man müsse etwas herausfinden, was als ein abstrakt Einheitliches allen Naturkräften — wie man sie nennt — zugrunde liegt. In dieser Richtung hatte man ja auch dasjenige, wovon ich Ihnen schon gesprochen habe, ausgedeutet, was in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Julius Robert Mayer, der bekannte geniale Heilbronner Arzt, zutage gefördert hat. Wir haben vorgeführt, was von ihm zutage gefördert worden ist: Wir haben mechanische Kraft entwickelt, indem wir ein Schwungrad in Drehung gebracht haben, das Wasser in innere mechanische Tätigkeit versetzt haben. Dadurch aber ist das Wasser wärmer geworden. Die Erwärmung konnten wir nachweisen, und man kann sagen, dass diese Entwicklung der Wärme eine Wirkung ist der mechanischen Leistung, der mechanischen Arbeit, die da war.

[ 9 ] Diese Dinge hat man so ausgedeutet, dass man sie auf die verschiedensten Naturerscheinungen angewendet hat, was man ja auch in gewissen Grenzen leicht konnte. Man konnte die Entfaltung von chemischen Kräften bewirken, konnte sehen, wie auch aus der Entfaltung von chemischen Kräften Wärme sich bildet, man konnte umgekehrt Wärme gebrauchen, wie es ja in der Dampfmaschine geschieht im umfassendsten Sinne, um mechanische Arbeit hervorzurufen. Man hat den Blick insbesondere gerichtet auf diese sogenannte Umwandlung der Naturkräfte, und man war dazu veranlasst durch dasjenige, was man immer weiter ausgebildet hat, was bei Julius Robert Mayer seinen Anfang genommen hat, dass man zahlenmäßig berechnen kann, wie viel Wärme notwendig ist, um eine bestimmte, messbare Arbeit hervorzubringen, und umgekehrt, wie viel mechanische Arbeit notwendig ist, um ein bestimmtes, messbares Wärmequantum hervorzubringen. Man stellte sich vor, obwohl nicht Veranlassung dazu vorhanden ist, dass sich einfach verwandle Arbeit, die man verrichtet hat, indem man die Schaufelscheiben im Wasser in Drehung versetzt hat, dass sich diese mechanische Arbeit in Wärme umgewandelt habe. Man nahm an, dass sich, wenn wir Wärme anwenden in der Dampfmaschine, diese Wärme umwandelt in dasjenige, was dann als mechanische Leistung auftritt. Diese Richtung des Denkens nahm das physikalische Nachsinnen im neunzehnten Jahrhundert an, und daher war es bestrebt, Verwandtschaft zu finden zwischen den verschiedenen sogenannten Naturkräften, Verwandtschaften, die zeigen sollten, dass wirklich irgendetwas abstrakt Gleiches in all diesen verschiedenen Naturkräften eigentlich steckt.

[ 10 ] Eine gewisse Krönung hat dieses Bestreben gefunden, als am Ende des neunzehnten oder gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts mit einer gewissen Genialität der Physiker Hertz'% die sogenannten elektrischen Wellen gefunden hat — also auch hier Wellen! —, welche eine gewisse Berechtigung gaben, dasjenige, was als Elektrizität sich ausbreitet, in Verwandtschaft zu denken mit demjenigen, was als Licht sich ausbreitet, das man ja auch als eine wellenförmige Bewegung des Äthers sich dachte. Dass dasjenige, was man als Elektrizität anzusprechen hatte, namentlich in der Form der strömenden Elektrizität [in Drähten], nicht so einfach mit den primitiven mechanischen Grundbegriffen zu erfassen ist, sondern eigentlich notwendig macht, ein wenig schon den Ausblick der Physik auf das Qualitative zu erweitern: Das hätte schon zeigen können das Vorhandensein dessen, was man Induktionsströme nennt, wo dadurch, dass — ich will das hier nur roh andeuten — ein elektrischer Strom im Draht sich bewegt, ein in der Nähe befindlicher Strom entsteht einfach dadurch, dass der eine Draht in der Nachbarschaft des anderen ist. Es geschehen also Wirkungen der Elektrizität durch den Raum — so könnte man etwa sagen.

[ 11 ] Nun war es Hertz gelungen, auf das ganz Interessante zu kommen, dass in der Tat die Ausbreitung der elektrischen Agenzien etwas Verwandtes hat mit allem, was sich wellenförmig ausbreitet oder so gedacht werden kann. So hatte Hertz gefunden, dass, wenn man etwa einen elektrischen Funken erzeugt auf dieselbe Weise, wie er hier [mit der Leidener Flasche] erzeugt wird, wenn man hier also den elektrischen Funken erzeugt, das heißt die Spannung zur Entwicklung bringt, so würde man können das Folgende erreichen: Nehmen Sie an, hier hätten wir diesen überspringenden Funken. Wir würden immer die Möglichkeit haben, an einem entsprechenden Ort, irgendwo anders, zwei solche — man könnte sie kleine Induktoren nennen — einander gegenüberzustellen. Sie müssen nur [an] einem bestimmten [anderen] Orte sich gegenübergestellt werden. Und es würde in einiger entsprechender Entfernung entstehen können ein Überspringen auch hier, was ja keine andere Erscheinung wäre als eine solche, die ähnlich ist derjenigen, wo meinetwillen hier eine Lichtquelle ist, hier ein Spiegel ist, der [Lichtkegel] reflektiert wird, durch einen anderen Spiegel hier gesammelt wird und hier das Bild dann erscheint. Man kann sprechen von einer Ausbreitung des Lichtes und von einer Wirkung, die in der Entfernung sich vollzieht. So konnte auch Hertz sprechen von einer Ausbreitung der Elektrizität, deren Wirkung in entsprechender Entfernung wahrnehmbar ist, und hatte damit nach seiner und anderer Auffassung das zustande gebracht, was ein Beweis wäre dafür, dass wirklich durch die Elektrizität sich etwas verbreitet, was einer wellenförmigen Bewegung entspricht, so, wie man sich überhaupt wellenförmige Bewegungen in ihrer Ausbreitung denkt.

[ 12 ] Wie also das Licht durch den Raum sich verbreitet und zur Wirkung gelangt in Entfernungen, wenn es auf andere Körper auftrifft und gewissermaßen da entfaltet werden kann, so können auch die elektrischen Wellen sich ausbreiten und in der Entfernung wieder entfalten. Das liegt dann zugrunde der sogenannten [drahtlosen] Telegrafie, wie Sie wissen, und man hat es also mit einer gewissen Erfüllung der Lieblingsidee der Physiker des neunzehnten Jahrhunderts zu tun, dass man, was man beim Schall sich vorstellt als Wellenzüge und beim Licht sich vorstellt als Wellenzüge, was man begonnen hat, weil die Wärmeerscheinungen ähnliche Erscheinungen aufweisen, bei der sich verbreitenden Wärme als Wellenbewegung sich vorzustellen, das konnte man auch bei der Elektrizität, bei der man sich nur recht lange Wellen vorzustellen hat. Das konnte man sich auch bei der Elektrizität vorstellen. Es war gewissermaßen damit etwas geliefert, was wie unwiderleglich bewies, dass die Denkweise der Physik im neunzehnten Jahrhundert voll begründet ist.

[ 13 ] Und dennoch, es ist mit den Hertz’schen Versuchen etwas gegeben, was darauf hinweist, dass mit ihnen eigentlich ein Abschluss des Alten sich vollzogen hat. sehen Sie, alles dasjenige, was sich in gewissen Gebieten vollzieht, das kann ja doch eigentlich nur innerhalb dieser gewissen Gebiete auch entsprechend beurteilt werden. Wenn wir jetzt Revolutionen erlebt haben, so erscheinen uns diese als gewaltige Erschütterungen des sozialen Lebens, weil wir eben auf ihre Gebiete besonders hinschauen. Derjenige, der auf das hinschaut, was mit den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts und mit den anderthalb Jahrzehnten dieses Jahrhunderts geschehen ist auf dem Gebiet der Physik, der muss sagen, dass sich da eigentlich eine Revolution vollzogen hat, die in ihrem Gebiete viel stärker ist als auf ihrem die äußere Revolution. Denn man braucht nicht mehr und nicht weniger zu sagen, als dass man auf physikalischem Gebiet in einer vollständigen Auflösung der alten physikalischen Begriffe im Grunde genommen darinnen steckt und dass sich die Physiker nur noch wehren, diese Auflösung wirklich zuzugeben.

[ 14 ] Während dasjenige, was Hertz zutage gefördert hat, durchaus die Abendröte des Alten noch ist, weil es eigentlich dazu geführt hat, die alte Wellentheorie zu erhärten, ist dasjenige, was später gekommen ist, was auch schon zu Hertzens Zeit vorhanden war, gewissermaßen schon vorbereitend da war, das ist von revolutionierender Bedeutung für die Physik geworden." Und das besteht darinnen, dass man den elektrischen Strom, der erzeugt und weitergeleitet werden kann, nun leitet durch Röhren, in denen die Luft ausgepumpt ist bis zu einem gewissen Grade, sodass man also den elektrischen Strom leitet durch eine Luft, die außerordentlich stark verdünnt ist. Sie sehen hier [in der Gasentladungsröhre] den Spannungszustand einfach dadurch hervorgerufen, dass die Enden, an denen sich die Elektrizität entladen kann, so weit auseinandergeschoben sind, wie hier die Röhrenlänge ist, sodass dasjenige, was man eine Spitze nennen kann, durch die sich die positive Elektrizität entlädt, der positive Pol, auf der einen Seite ist und der negative Pol auf der anderen Seite ist. Zwischen diesen beiden Spitzen entlädt sich die Elektrizität, und die farbige Linie, die Sie hier sehen, ist der Weg, den die Elektrizität nimmt. Sodass man sagen kann: Dasjenige, was sonst durch die Drähte geht, das nimmt, indem es sich durch die verdünnte Luft fortpflanzt, diese Form an, die Sie hier sehen. Das ist also bei stärker verdünnter Luft noch stärker. Sie sehen schon hier, dass gewissermaRen eine Art Bewegung stattfindet von der einen und anderen Seite her, wie sich die Erscheinung wesentlich modifiziert.

[ 15 ] So haben wir also die Möglichkeit, dasjenige, was durch den Draht als Elektrizität strömt, auf einem Teil seines Weges gewissermaßen so zu behandeln, dass es zeigt in Wechselwirkung mit anderem etwas von seiner inneren Wesenheit. Es zeigt sich, wie es ist, indem es sich nicht durch den Draht verbergen kann. Beobachten Sie das grüne Licht an dem Glas! Das ist fluoreszierendes Licht.

[ 16 ] Es tut mir leid, dass ich die Sachen nicht genauer besprechen kann, aber ich würde nicht erreichen, was ich erreichen möchte, wenn ich nicht so skizzenhaft spräche.

[ 17 ] Sie sehen, was da durchgeht, in einem sehr zerstobenen Zustand, in der stark verdünnten Luft der Röhre. Nun, die Erscheinungen, die sich so in luft- oder gasverdünnten Röhren zeigten, die brauchen nur studiert zu werden — die mannigfachsten Persönlichkeiten haben sich an diesem Studium beteiligt, unter anderen hat sich daran beteiligt Crookes. Und es handelt sich darum, zu verfolgen, wie sich die Erscheinungen in der Röhre eigentlich verhalten, und dass man versucht, mit den Erscheinungen, die sich in der Röhre ergeben, Versuche zu machen. Nun, gewisse Versuche, die zum Beispiel auch Crookes gemacht hat, die bezeugten, dass dasjenige, was da, ich möchte sagen, als innerer Charakter der Elektrizität sich zeigt, wo wir sie bloßgelegt haben, das wies darauf hin, dass man es nicht zu tun haben kann mit irgendetwas, was sich so fortpflanzt, wie man sich’s vorstellen wollte, dass sich das Licht durch Wellenbewegungen des Äthers fortpflanzt. Denn dasjenige, was da hinschießt durch die Röhre, das hat merkwürdige Eigenschaften, Eigenschaften, die stark erinnern an die Eigenschaften desjenigen, was einfach Materielles ist. Wenn Sie einen [Permanent-]Magneten haben oder einen Elektro-Magneten — ich muss da appellieren an dasjenige, was Sie schon wissen, es kann heute nicht alles besprochen werden —, so können Sie Materielles anziehen durch den Magneten. Dieselbe Eigenschaft, angezogen werden zu können durch den Magneten, die hat auch dieser Lichtkörper, der da durchgeht, diese modifizierte Elektrizität. Sie verhält sich ganz so zu einem Magneten, wie sich Materie zum Magneten verhält. Das magnetische Feld modifiziert dasjenige, was da durchschießt.

[ 18 ] Solche und ähnliche Versuche haben Crookes und andere Personen dazu geführt, sich vorzustellen, dass da drinnen nicht das ist, was man im alten Sinne eine fortschreitende Wellenbewegung nennen kann, sondern dass da drinnen materielle Teilchen sind, die durch den Raum schießen und die als materielle Teilchen angezogen werden von der magnetischen Kraft. Crookes nannte daher dasjenige, was da hinüberschießt, was da wenigstens irgendwie in Betracht kommen müsse, strahlende Materie, und er stellte sich vor, dass durch die Verdünnung nach und nach die Materie, die da drinnen ist in der Röhre, in einen solchen Zustand gekommen ist, dass sie nicht nur ein Gas ist, sondern etwas ist, was schon über den Gaszustand hinausgeht, was eben strahlende Materie ist, Materie, deren einzelne Teile durch den Raum strahlen, die also gewissermaßen fein zerteilter Staub ist, dessen Körnchen durch die elektrische Ladung selbst die Eigenschaft haben, durch den Raum zu schießen. Diese Teilchen selbst, die würden nun angezogen von der elektromagnetischen Kraft. Dass sie angezogen würden, das beweise eben, dass wir es zu tun haben mit den letzten Resten von wirklichem Materiellem, nicht bloß mit einer Bewegung nach der Art der im alten Sinn gedachten Ätherbewegung.

[ 19 ] Diese Versuche konnte man insbesondere machen mit demjenigen, was ausstrahlt, was sich als Ausstrahlendes ergab von dem negativ elektrischen Pol, von der sogenannten Kathode, und man studierte da diese Ausstrahlungen von der Kathode und nannte sie Kathodenstrahlen. Damit also war, ich möchte sagen, die erste Bresche in die alte physikalische Auffassung geschlagen. Man hatte in den Hittorf’schen Röhren — Hittrorf war der Erste, der, dann kam Geißler, solche Röhren konstruiert hat — einen Vorgang, der bewies, dass man es eigentlich mit einem durch den Raum gehenden Materiellen, durch den Raum schießenden Materiellen, wenn auch in sehr fein verteiltem Zustande, zu tun hat. Was in dem steckt, was man die Materie nannte, war ja damit nicht ausgemacht, aber es war jedenfalls auf etwas hingedeutet, was man mit dem Materiellen identifizieren musste.

[ 20 ] Crookes war es also klar, dass er es da mit durch den Raum hindurchstäubendem Materiellem zu tun hatte. Diese Anschauung erschütterte die alte Wellenlehre. Auf der anderen Seite aber kamen dann wiederum andere Versuche, welche nun die Crookes’sche Anschauung nicht rechtfertigten. So gelang es Lenard 1893"%, diese sogenannten [Kathoden- oder Elektronen-]Strahlen, die von diesem [negativen] Pol ausgehen, von ihrem Weg abzubringen — man kann sie ja abbringen —, und er konnte sie nach außen leiten, er konnte eine Aluminiumwand einschalten und durch sie die Strahlen leiten.'"? Da entstand zunächst die Frage: Kann das so einfach sein, dass materielle Teilchen da so ohne Weiteres durch eine materielle Wand durchgehen? — Man musste also wieder die Frage aufwerfen: Sind das also materielle Teilchen, die da durch den Raum stieben? Ist es doch nicht etwas anderes, was durch den Raum stiebt?

[ 21 ] Nun, sehen Sie, das führte allmählich dazu, einzusehen, dass man weder mit dem alten Schwingungsbegriff noch mit dem alten Materiebegriff auf diesem Gebiet weiterkommt. Man war gewissermaßen in der Lage, durch die Hittorf’schen Röhren, der Elektrizität auf ihren Schleichwegen nachzugehen. Man hatte Hoffnungen, Wellenbewegungen zu finden; man konnte sie nicht finden. Man hatte sich nun damit getröstet: Also ist es durch den Raum schießende Materie. Auch das ging wiederum nicht recht, und so sagte man sich zum Schlusse, was nun tatsächlich durch die verschiedensten Versuche, von denen ich nur einzelne charakteristische Ihnen hier anführen konnte, man sagte sich: Es sind nicht Schwingungen vorhanden, es ist auch nicht eine solche zerstäubte Materie vorhanden, sondern es ist bewegte, strömende Elektrizität vorhanden. Die Elektrizität selbst strömt, aber sie zeigt, indem sie strömt, gewisse Eigenschaften, durch die sie sich verhält zu anderem, sagen wir zum Magneten, wie Materie. Natürlich, wenn Sie eine [Metall-]Kugel durch den Raum schießen lassen und Sie lassen sie am Magneten vorbeigehen, so wird sie von ihrem Wege abgelenkt. So macht es auch die Elektrizität. Das spricht dafür, dass sie etwas Materielles ist. Aber da sie ohne Weiteres durch eine Aluminiumplatte durchgeht wiederum, erweist sie sich doch wiederum nicht als Materie. Materie macht ja zum Beispiel ein Loch, wenn sie durch andere Materie durchgeht. Also sagte man: strömende Elektriz.

[ 22 ] Diese strömende Elektrizität, sie zeigte nun die allermerkwürdigsten Dinge, und ich möchte sagen: An der Richtung, die sich ergab für die Betrachtung, konnte man die merkwürdigsten Entdeckungen machen. So konnte man nach und nach verfolgen, wie ebenso Ströme ausgehen von dem anderen Pol, die sich begegnen mit den Kathodenstrahlen. Man nennt das [andere] Ende die Anode und bekam die Strahlen, die Kanalstrahlen genannt wurden. Sodass man in einer solchen Röhre zwei sich begegnende Strahlen zu haben glaubte.

[ 23 ] Etwas besonders Interessantes ergab sich in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als Röntgen die Kathodenstrahlen leitete — auffing, könnte man sagen — auf eine Art Schirm, den er in den Weg der Kathodenstrahlen stellte. Als Röntgen auffing diese Strahlen durch den Schirm, der aus der Materie besteht, die aus gewissen chemischen theoretischen Untergründen heraus Bariumplatinzyanür genannt wird, also, wenn man die Kathodenstrahlen auffangen lässt durch einen Schirm von Bariumplatinzyanür, so bekommt man eine Modifikation durch diese Strahlen. Die Strahlen gehen modifiziert weiter, und man bekommt Strahlen, die auf gewisse Körper elektrisierend wirken, die sich auch zeigen in Wechselwirkung mit gewissen magnetischen und elektrischen Kräften. Man bekommt dasjenige, was man gewohnt worden ist, die Röntgenstrahlen oder X-Strahlen zu nennen. Daran haben sich wieder andere Entdeckungen geschlossen. Sie wissen, dass diese Röntgenstrahlen die Eigenschaft haben, dass sie durch die Körper gehen können, ohne dass sie wahrnehmbare Störungen hervorrufen, dass sie durch das Fleisch, durch die Knochen gehen in verschiedener Art, sodass sie große Bedeutung gewonnen haben für die Physiologie und Anatomie.

[ 24 ] Nun trat eine Erscheinung auf, die nötig macht, sich weitere Gedanken zu machen. Es trat die Erscheinung [auf], dass, wenn diese Kathodenstrahlen oder ihre Modifikationen Glaskörper oder andere Körper treffen, eine gewisse Art von Fluoreszenz hervorgerufen wird, das heißt, dass diese Materien leuchtend werden dadurch. Da sagte man sich, da müssen diese Strahlen wiederum weiter modifiziert worden sein. Man hat es da also mit einer ganzen Menge von Strahlenarten zu tun. Die Strahlen, die da direkt kamen von dem negativen Pol, die erwiesen sich als modifizierbar durch allerlei anderes. Man hat versucht nun, Körper zu finden, von denen man geglaubt hat, dass sie diese Modifikation sehr stark hervorrufen können, dass sie also sehr stark diese hingeworfenen Strahlen in etwas anderes verwandeln, zum Beispiel in Fluoreszenzstrahlen. Und auf diese Weise ist man darauf gekommen, dass man Körper haben kann wie zum Beispiel Uransalze, die gar nicht nötig haben, erst bestrahlt zu werden unter allen Umständen, sondern die unter gewissen Verhältnissen selbst diese Strahlen wiederum aussenden, die also die innere Eigenschaft haben, solche Strahlen auszusenden. Und unter diesen Körpern waren ja insbesondere die Körper, die man die radiumhaltigen nennt. Da haben gewisse Körper höchst merkwürdige Eigenschaften. Sie strahlen, sagen wir, zunächst gewisse Kraftlinien aus, die in merkwürdiger Weise behandelt werden können.

[ 25 ] Wenn wir solch eine Ausstrahlung haben von einem radiumhaltigen Körper — [der Körper ist] hier in einem Bleitröglein drinnen und wir haben hier [bei der Öffnung] die Ausstrahlung —, so können wir untersuchen diese Ausstrahlung mit dem Magneten. Dann finden wir, dass sich etwas absondert von dieser Ausstrahlung, die wir durch den Magneten stark hier [nach rechts] herüberleiten können, das dann diese Form annimmt. Etwas anderes bleibt starr und pflanzt sich in dieser Richtung [geradlinig nach oben] fort; etwas anderes wird in entgegengesetztem Sinn [nach links] abgelenkt, das heißt, es steckt hier ein Dreifaches darinnen. Zuletzt hatte man schon gar nicht mehr genug Namen, um das zu bezeichnen. Deshalb nannte man dasjenige, was nach rechts abgelenkt werden kann, \(γ\)-Strahlen, die in gerader Linie folgenden die y-Strahlen und die nach entgegengesetzter Richtung abgelenkt werden, nannte man die \(γ\)-Strahlen. Wenn man gewisse Rechnungen anstellt, dann kann man dadurch, dass man einen Magneten demjenigen, was da strahlt, seitlich herankommen lässt, dadurch kann man die Ablenkung studieren und damit die Geschwindigkeit. Und da stellte sich das Interessante heraus, dass die \(γ\)-Strahlen etwa sich bewegen mit \(\frac{9}{10}\) Lichtgeschwindigkeit, die a-Strahlen mit etwa \(\frac{1}{10}\) Lichtgeschwindigkeit. Wir haben also da gewissermaßen Kraft-Explosionen, die wir getrennt haben, analysiert haben, und die uns zeigen, wie sie auffallende Verschiedenheiten in der Geschwindigkeit haben.

[ 26 ] Ich erinnere Sie an dieser Stelle, dass wir rein geistig im Beginne dieser Betrachtungen die Formel zu erfassen versuchten: \(v=\frac{s}{t}\) und haben gesagt, dass das Reale im Raum die Geschwindigkeit ist, dass auf die Geschwindigkeit das ankommt, was einen berechtigt, hier von Wirklichem zu sprechen. Hier sehen Sie, wie dasjenige, was da, ich möchte sagen, herausexplodiert, sich hauptsächlich dadurch charakterisiert, dass man es zu tun hat mit verschieden stark aufeinander wirkenden Geschwindigkeiten. Denken Sie sich nur einmal, was das bedeutet, dass in demselben Kraftzylinder, der hier herausstrahlt, etwas drinnen ist, was sich neunmal so schnell bewegen will als das andere, dass also eine schießende Kraft, die zurückbleiben will gegen die andere, die neunmal so schnell gehen will, sich geltend macht.

[ 27 ] Nun bitte ich, ein wenig auf dasjenige zu sehen, wovon nur Anthroposophen das Recht haben, es heute noch nicht als Verrücktheit anzusehen. Ich bitte, sich daran zu erinnern, wie oft und oft wir sprechen mussten, dass in den größten uns überschaubaren Aktionen der Welt Geschwindigkeitsunterschiede das Wesentliche sind. Wodurch spielen denn in unsere Gegenwart wichtigste Erscheinungen herein? Dadurch, dass mit verschiedener Geschwindigkeit die normalen, die luziferischen, die ahrimanischen Wirkungen ineinander spielen, dass Geschwindigkeitsdifferenzen in den geistigen Strömungen, denen das Weltgefüge unterworfen ist, vorhanden sind. Der Weg, der sich der Physik eröffnet hat in der letzten Zeit, zwingt sie, auf Geschwindigkeitsdifferenzen in einem ganz ähnlichen Sinn, vorläufig ganz unbewusst, einzugehen, wie sie die Geisteswissenschaft geltend machen muss für die umfassendsten Agenzien der Welt.

[ 28 ] Es ist aber damit noch nicht erschöpft alles dasjenige, was da aus diesem Radiumkörper herausstrahlt, sondern es strahlt noch etwas anderes heraus, was wiederum in seinen Wirkungen nachgewiesen werden kann und was sich in diesen Wirkungen zeigt als etwas, das ausstrahlt wie eine Ausstrahlung der Radiummaterie, was sich aber nach und nach nicht mehr als Radium zeigt, sondern zum Beispiel als Helium, was ein ganz anderer Körper ist. Dieses Radium sendet also nicht nur dasjenige, was da in ihm ist, als Agenzien aus, sondern dieses Radium gibt sich selber hin und wird dabei etwas anderes. Mit der Konstanz der Materie hat das nicht mehr viel zu tun, sondern mit einer Metamorphose der Materie.

[ 29 ] Nun habe ich Ihnen heute Erscheinungen vorgeführt, welche alle verlaufen in einem Gebiet, das man nennen könnte das elektrische Gebiet. Diese Erscheinungen, sie haben alle ein Gemeinsames, nämlich das Gemeinsame, dass sie sich zu uns selber ganz anders verhalten wie zum Beispiel die Schall-, die Licht- und selbst die Wärmeerscheinungen. In Licht, Schall und Wärme schwimmen wir gewissermaßen so darinnen, wie wir das in den vorhergehenden Betrachtungen beschrieben haben. Das können wir von den elektrischen Erscheinungen nicht so ohne Weiteres sagen. Denn Elektrizität nehmen wir nicht als so etwas Spezifisches wahr wie das Licht. Wir nehmen selbst dann, wenn die Elektrizität gezwungen wird, sich uns zu enthüllen, sie durch eine Lichterscheinung wahr. Das hat ja längst dazu geführt, dass man immer sagt: Elektrizität hat keinen Sinn im Menschen. Das Licht hat im Menschen das Auge als Sinn, der Schall das Ohr, für die Wärme ist eine Art von Wärmesinn konstruiert; für die Elektrizität ist so etwas Ähnliches, sagt man, nicht vorhanden. Man nimmt sie mittelbar wahr. Aber über diese Charakteristik des mittelbaren Wahrnehmens kann man eben nicht hinausgehen, wenn man nicht vorrückt zu einer solchen naturwissenschaftlichen Betrachtung, wie wir sie hier wenigstens inauguriert haben. Wenn wir uns dem Lichte exponieren, so tun wir es so, dass wir in dem Lichtelemente darinnen schwimmen und wir selber an ihm teilnehmen, [wenigstens] teilweise, mit unserem Bewusstsein teilnehmen; ebenso bei der Wärme, ebenso beim Schall, beim Ton. Das können wir nicht sagen bei der Elektrizität.

[ 30 ] Aber nun bitte ich Sie, sich zu erinnern daran, wie ich Ihnen immer vorgeführt habe, wie wir Menschen eigentlich sind — wir Menschen sind ja, grob gesprochen, Doppelwesen, eigentlich in Wirklichkeit dreigliedrige Wesen: Denkwesen, Fühlwesen, Willenswesen —, und ich konnte Ihnen immer zeigen, dass wir eigentlich nur in unserem Denken wachen, dass wir in unseren Gefühlen träumen, in unseren Willensvorgängen, auch wenn wir wachend sind, schlafen. Die Willensvorgänge erleben wir nicht unmittelbar, wir verschlafen dasjenige, was im wesentlichen Wille ist, und in diesen Betrachtungen habe ich Sie darauf hingewiesen, wie, wenn wir in den physikalischen Formeln, wo wir das m gleich Masse hinschreiben, wie wir, da wir da hinausgehen von dem bloßen Zählbaren, von der Bewegung und von der Zeit, vom Raum, zu etwas übergehen, was nicht bloß phoronomisch ist, so müssen wir uns klar sein, dass dem entspricht ein Übergehen unseres Bewusstseins in einen Schlafzustand. Wenn Sie unbefangen betrachten diese Gliederung der menschlichen Wesenheit, so können Sie sich sagen: Das Erleben von Licht, Schall, Wärme fällt bis zu einem gewissen Grade, bis zu einem gewissen hohen Grade in das Feld, das wir mit unserem Sinnesvorstellungsleben umfassen, besonders stark die Lichterscheinungen — sodass das sich zeigt einfach dadurch, dass wir unbefangen den Menschen studieren, sodass das alles sich zeigt als verwandt mit unseren bewussten Seelenkräften. Indem wir zum eigentlich Massenhaften, zum Materiellen vorschreiten, nähern wir uns demjenigen, was verwandt ist mit den Kräften, die sich in uns entwickeln, wenn wir schlafen.

[ 31 ] Genau denselben Weg machen wir, meine lieben Freunde, wenn wir aus dem Gebiet des Lichtes, des Schalles, der Wärme hinuntersteigen in das Gebiet der elektrischen Erscheinungen. Wir erleben unsere Willenserscheinungen nicht direkt, sondern dasjenige, was wir von ihnen vorstellen können; wir erleben die elektrischen Erscheinungen der Natur nicht direkt, sondern dasjenige, was sie heraufliefern in das Gebiet des Lichtes, des Schalles, der Wärme und so weiter. Wir betreten nämlich für die Außenwelt, ich möchte sagen, denselben Orkus, indem wir schlafen, den wir betreten in uns selbst, wenn wir aus unserem vorstellenden, bewussten Leben hinuntersteigen in unser Willensleben. Während verwandt ist alles dasjenige, was Licht, Schall, Wärme ist, mit unserem bewussten Leben, ist innig verwandt alles dasjenige, was auf dem Gebiet der Elektrizität und des Magnetismus sich abspielt, mit unserem unbewussten Willensleben. Und das Auftreten der physiologischen Elektrizität bei gewissen niederen Tieren, das ist nur ein Symptom, ein sich an einer bestimmten Stelle der Natur äußerndes Symptom für eine sonst nicht bemerkbare, aber allgemeine Erscheinung: Überall, wo Wille durch den Stoffwechsel wirkt, wirkt ein den äußeren elektrischen und magnetischen Erscheinungen Ähnliches. Und man steigt eigentlich, indem man auf den komplizierten Wegen, die wir heute nur roh skizzieren konnten, in dem man hinuntersteigt auf diesen Wegen in das Gebiet der elektrischen Erscheinungen, steigt man in dasselbe Gebiet hinunter, in das man hinuntersteigen muss, wenn man überhaupt nur zur Masse kommt.

[ 32 ] Was tut man, wenn man Elektrizität und Magnetismus studiert? Man studiert die Materie konkret. Steigen Sie zur Materie hinunter, indem Sie Elektrizität und Magnetismus studieren! Und es ist wahr, recht wahr, was ein englischer Philosoph gesagt hat: Früher hat man in verschiedenster Weise geglaubt, dass der Elektrizität Materie zugrunde liegt. Jetzt muss man annehmen, dass dasjenige, was man als Materie glaubt, eigentlich nichts anderes ist als flüssige Elektrizität. Früher hat man die Materie atomisiert. Jetzt denkt man: Die Elektronen, die bewegen sich durch den Raum und haben ähnliche Eigenschaften wie früher die Materie. Man hat den ersten Schritt gemacht — nur gibt man ihn noch nicht zu — zur Überwindung der Materie und den ersten Schritt dazu, anzuerkennen, dass man hinuntersteigt im Reich der Natur, indem man von den Licht-, Schall-, Wärmeerscheinungen zu den elektrischen Erscheinungen [übergeht], dass man hinuntersteigt zu demjenigen, was sich zu diesen [Licht-, Schall- und Wärme-]Erscheinungen verhält wie unser Wille zu unserem Vorstellungsleben. Das möchte ich Ihnen auf die Seele legen als ein Fazit der heutigen Betrachtung. Ich will Ihnen ja hauptsächlich das sagen, was Sie in den Büchern nicht vorfinden. Was davon doch vorgeführt wird, möchte ich nur sagen als etwas, was das andere begründet.