Second Scientific Course
The warmth at the boundary between positive and negative materiality
Insights from Spiritual Science on the Development of Physics
GA 321
4 March 1920, Stuttgart
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Zweiter Naturwissenschaftlicher Kurs
Vierter Vortrag
Vierter Vortrag
[ 1 ] Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß es bei diesen Betrachtungen im wesentlichen auf eine gewisse Zielsetzung ankommt. Wir wollen eine Reihe von Erscheinungen aus dem Gebiete des Wärmewesens so zusammenstellen, daß wir zuletzt herausfinden können, worin dieses Wärmewesen eigentlich besteht. Wir haben uns im wesentlichen bisher bekanntgemacht mit gewissen Zusammenhängen, die uns durch Erscheinungen innerhalb des Gebietes des Wärmewesens entgegentreten können, und wir haben namentlich beobachtet, in welchem Zusammenhange das Wärmewesen mit der Ausdehnungsfähigkeit der Körper steht. Wir haben dann versucht, zunächst einige Bildvorstellungen festzusetzen über die Gestalt eines festen Körpers, eines flüssigen Körpers und eines luft- oder gasförmigen Körpers. Und ich habe auch gesprochen über die Zusammenhänge des Wärmewesens mit diesen ja an den Körpern hervorzurufenden Verwandlungen: dem Übergang vom festen in den flüssigen, in den gas- oder dampfförmigen Zustand. Nun möchte ich Ihnen jetzt vorführen diejenige Erscheinung, die uns wird zeigen können, welche Verhältnisse auftreten, wenn wir es zu tun haben mit Gasen, mit Dämpfen, von denen wir ja schon wissen, daß sie einen gewissen Zusammenhang haben mit dem Wärmewesen dadurch, daß wir durch das Wärmewesen den gasförmigen Zustand hervorrufen können, daß wir wiederum durch eine gewisse Veränderung des Wärmegrades aus einem dampf- und gasförmigen Körper einen flüssigen herstellen können. Sie wissen, daß, wenn wir einen festen Körper haben, wir unmöglich diesen festen Körper mit einem anderen festen Körper durchdringen können. Die Beobachtung solcher einfacher elementarer Verhältnisse ist außerordentlich wichtig, wenn wir eindringen wollen in das eigentliche Wärmewesen. Dasjenige, was hier jetzt vorgeführt werden soll, das soll zeigen, wie Wasserdampf, den wir hier erzeugen, zunächst hier herübergeht in diesen Kolben und dann eben in diesem Kolben drinnen sein wird. Wir werden also diesen Kolben mit Wasserdampf allmählich anfüllen und werden nun von der anderen Seite zuleiten einen anderen Dampf, dessen Bildung Sie verfolgen können dadurch, daß er hier in einem gefärbten Zustand ist. (Das Experiment wird vorgeführt.) Sie sehen also, trotzdem wir den Kolben gefüllt hatten mit Wasserdampf, ging der andere Dampf von der anderen Seite in den mit Wasserdampf gefüllten Raum hinein, das heißt: Ein Gas hindert nicht, daß ein anderes Gas in denselben Raum eindringt, in dem schon eines drinnen ist. Wir wollen auch diese Erscheinung zunächst als eine solche festhalten, wollen uns also klar darüber sein, daß gas- oder dampfförmige Körper in einem bestimmten Maße füreinander durchdringlich sind.
[ 1 ] Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß es bei diesen Betrachtungen im wesentlichen auf eine gewisse Zielsetzung ankommt. Wir wollen eine Reihe von Erscheinungen aus dem Gebiete des Wärmewesens so zusammenstellen, daß wir zuletzt herausfinden können, worin dieses Wärmewesen eigentlich besteht. Wir haben uns im wesentlichen bisher bekanntgemacht mit gewissen Zusammenhängen, die uns durch Erscheinungen innerhalb des Gebietes des Wärmewesens entgegentreten können, und wir haben namentlich beobachtet, in welchem Zusammenhange das Wärmewesen mit der Ausdehnungsfähigkeit der Körper steht. Wir haben dann versucht, zunächst einige Bildvorstellungen festzusetzen über die Gestalt eines festen Körpers, eines flüssigen Körpers und eines luft- oder gasförmigen Körpers. Und ich habe auch gesprochen über die Zusammenhänge des Wärmewesens mit diesen ja an den Körpern hervorzurufenden Verwandlungen: dem Übergang vom festen in den flüssigen, in den gas- oder dampfförmigen Zustand. Nun möchte ich Ihnen jetzt vorführen diejenige Erscheinung, die uns wird zeigen können, welche Verhältnisse auftreten, wenn wir es zu tun haben mit Gasen, mit Dämpfen, von denen wir ja schon wissen, daß sie einen gewissen Zusammenhang haben mit dem Wärmewesen dadurch, daß wir durch das Wärmewesen den gasförmigen Zustand hervorrufen können, daß wir wiederum durch eine gewisse Veränderung des Wärmegrades aus einem dampf- und gasförmigen Körper einen flüssigen herstellen können. Sie wissen, daß, wenn wir einen festen Körper haben, wir unmöglich diesen festen Körper mit einem anderen festen Körper durchdringen können. Die Beobachtung solcher einfacher elementarer Verhältnisse ist außerordentlich wichtig, wenn wir eindringen wollen in das eigentliche Wärmewesen. Dasjenige, was hier jetzt vorgeführt werden soll, das soll zeigen, wie Wasserdampf, den wir hier erzeugen, zunächst hier herübergeht in diesen Kolben und dann eben in diesem Kolben drinnen sein wird. Wir werden also diesen Kolben mit Wasserdampf allmählich anfüllen und werden nun von der anderen Seite zuleiten einen anderen Dampf, dessen Bildung Sie verfolgen können dadurch, daß er hier in einem gefärbten Zustand ist. (Das Experiment wird vorgeführt.) Sie sehen also, trotzdem wir den Kolben gefüllt hatten mit Wasserdampf, ging der andere Dampf von der anderen Seite in den mit Wasserdampf gefüllten Raum hinein, das heißt: Ein Gas hindert nicht, daß ein anderes Gas in denselben Raum eindringt, in dem schon eines drinnen ist. Wir wollen auch diese Erscheinung zunächst als eine solche festhalten, wollen uns also klar darüber sein, daß gas- oder dampfförmige Körper in einem bestimmten Maße füreinander durchdringlich sind.


[ 2 ] Ich will Ihnen nun eine andere Erscheinung vorführen, welche Ihnen zeigen soll noch einen anderen Zusammenhang des Wärmewesens mit anderen Tatsachen. Wir haben hier in der linken Röhre Luft, die einfach in demselben Zustand ist wie die äußere Luft, von der wir fortwährend umgeben sind. Ich muß erwähnen, daß diese äußere Luft, von der wir fortwährend umgeben sind, unter einem gewissen Druck, unserem gewöhnlichen Atmosphärendruck steht, der ja fortwährend auch auf uns selbst drückt. So daß wir sagen können: Die Luft, die wir hier drinnen haben, links, ist unter genau demselben Druck wie die äußere Luft selbst, was sich dadurch zeigt, daß die Quecksilbersäule links und rechts auf demselben Niveau stehen bleibt — daraus, daß links und rechts die Quecksilbersäule gleich hoch steht, ersehen Sie, daß hier (rechts) die äußere Luft, die ja noch von oben freien Zugang hat, unter genau demselben Druck steht wie die Luft hier in dem allseitig geschlossenen Glasrohr (links). Wir wollen nun eine Veränderung dadurch hervorrufen, daß wir den Druck, der auf die Luft in dem linken Glasrohr ausgeübt wird, vergrößern. Das können wir dadurch erreichen, daß wir die rechte Röhre hier heben (Zeichnung rechts). Indem wir diese gehoben haben, haben wir links hinzugefügt zu dem gewöhnlichen Atmosphärendruck noch jenen Druck, der von der erhöhten Quecksilbersäule herrührt. Also einfach das Gewicht der Quecksilbersäule von hier \((a)\) bis hierher \((b)\) habe ich hinzugefügt. Dadurch aber, daß wir auf diese Weise den Druck, der auf diese Luft hier ausgeübt wird, vermehrt haben um jenen Druck, der entspricht dem Gewicht dieser Quecksilbersäule, ist, wie wir sehen, der Rauminhalt, das Volumen, wie man es nennt, in der anderen Glasröhre ein kleinerer geworden, so daß wir sagen können: Wenn wir auf ein Gas einen erhöhten Druck ausüben, so nimmt sein Volumen, sein Rauminhalt ab. Dieses müssen wir als eine weitere Erscheinung festhalten, müssen festhalten, daß Rauminhalt und auf das Gas ausgeübter Druck sich in einem umgekehrten Verhältnis zueinander verhalten. Je größer der Druck, desto geringer der Rauminhalt; je größer der Rauminhalt wird, desto geringer muß der Druck sein, der auf das Gas ausgeübt wird. Wir können aus dieser Erscheinung die Gleichung ableiten, daß sich der Rauminhalt \(V_1\), zu dem Rauminhalt \(V_2\), verhält wie umgekehrt der Druck \(P_2\), zum Druck \(P_1\)
[ 2 ] Ich will Ihnen nun eine andere Erscheinung vorführen, welche Ihnen zeigen soll noch einen anderen Zusammenhang des Wärmewesens mit anderen Tatsachen. Wir haben hier in der linken Röhre Luft, die einfach in demselben Zustand ist wie die äußere Luft, von der wir fortwährend umgeben sind. Ich muß erwähnen, daß diese äußere Luft, von der wir fortwährend umgeben sind, unter einem gewissen Druck, unserem gewöhnlichen Atmosphärendruck steht, der ja fortwährend auch auf uns selbst drückt. So daß wir sagen können: Die Luft, die wir hier drinnen haben, links, ist unter genau demselben Druck wie die äußere Luft selbst, was sich dadurch zeigt, daß die Quecksilbersäule links und rechts auf demselben Niveau stehen bleibt — daraus, daß links und rechts die Quecksilbersäule gleich hoch steht, ersehen Sie, daß hier (rechts) die äußere Luft, die ja noch von oben freien Zugang hat, unter genau demselben Druck steht wie die Luft hier in dem allseitig geschlossenen Glasrohr (links). Wir wollen nun eine Veränderung dadurch hervorrufen, daß wir den Druck, der auf die Luft in dem linken Glasrohr ausgeübt wird, vergrößern. Das können wir dadurch erreichen, daß wir die rechte Röhre hier heben (Zeichnung rechts). Indem wir diese gehoben haben, haben wir links hinzugefügt zu dem gewöhnlichen Atmosphärendruck noch jenen Druck, der von der erhöhten Quecksilbersäule herrührt. Also einfach das Gewicht der Quecksilbersäule von hier \((a)\) bis hierher \((b)\) habe ich hinzugefügt. Dadurch aber, daß wir auf diese Weise den Druck, der auf diese Luft hier ausgeübt wird, vermehrt haben um jenen Druck, der entspricht dem Gewicht dieser Quecksilbersäule, ist, wie wir sehen, der Rauminhalt, das Volumen, wie man es nennt, in der anderen Glasröhre ein kleinerer geworden, so daß wir sagen können: Wenn wir auf ein Gas einen erhöhten Druck ausüben, so nimmt sein Volumen, sein Rauminhalt ab. Dieses müssen wir als eine weitere Erscheinung festhalten, müssen festhalten, daß Rauminhalt und auf das Gas ausgeübter Druck sich in einem umgekehrten Verhältnis zueinander verhalten. Je größer der Druck, desto geringer der Rauminhalt; je größer der Rauminhalt wird, desto geringer muß der Druck sein, der auf das Gas ausgeübt wird. Wir können aus dieser Erscheinung die Gleichung ableiten, daß sich der Rauminhalt \(V_1\), zu dem Rauminhalt \(V_2\), verhält wie umgekehrt der Druck \(P_2\), zum Druck \(P_1\)
$$V_1:V_2 = P_2:P_1$$
$$V_1:V_2 = P_2:P_1$$
woraus folgt:
woraus folgt:
$$V_1 \cdot P_1 = V_2 \cdot P_2$$
$$V_1 \cdot P_1 = V_2 \cdot P_2$$
[ 3 ] Daraus ergibt sich also als ein relativ allgemeines Gesetz — wir können ja immer nur von relativen Gesetzen sprechen, bei späteren Betrachtungen werden wir dann sehen warum -, daraus ergibt sich für den Zusammenhang zwischen Volumen und Druck bei Gasen, daß das Produkt aus dem Volumen und aus dem Druck für Gase konstant bleibt, ‘wenn wir die Wärme dieselbe sein lassen. Solche Erscheinungen müssen, wie gesagt, zusammengestellt werden, um uns dem Wesen der Wärme zu nähern. Weil wir ja durch unsere Betrachtungen zugleich auch eine Grundlage für die pädagogische Behandlung in der Schule schaffen wollen, andererseits uns Erkenntnisse verschaffen wollen, handelt es sich darum, daß wir auf der einen Seite kennen die Denkweise der gegenwärtigen Physik und auf der anderen Seite uns bekanntmachen mit dem, was zu geschehen hat, damit man aus verschiedenen, ich könnte sagen, Hindernissen herauskommt, die in der gegenwärtigen Physik für eine wirkliche Erkenntnis des Wärmewesens waltend sind.
[ 3 ] Daraus ergibt sich also als ein relativ allgemeines Gesetz — wir können ja immer nur von relativen Gesetzen sprechen, bei späteren Betrachtungen werden wir dann sehen warum -, daraus ergibt sich für den Zusammenhang zwischen Volumen und Druck bei Gasen, daß das Produkt aus dem Volumen und aus dem Druck für Gase konstant bleibt, ‘wenn wir die Wärme dieselbe sein lassen. Solche Erscheinungen müssen, wie gesagt, zusammengestellt werden, um uns dem Wesen der Wärme zu nähern. Weil wir ja durch unsere Betrachtungen zugleich auch eine Grundlage für die pädagogische Behandlung in der Schule schaffen wollen, andererseits uns Erkenntnisse verschaffen wollen, handelt es sich darum, daß wir auf der einen Seite kennen die Denkweise der gegenwärtigen Physik und auf der anderen Seite uns bekanntmachen mit dem, was zu geschehen hat, damit man aus verschiedenen, ich könnte sagen, Hindernissen herauskommt, die in der gegenwärtigen Physik für eine wirkliche Erkenntnis des Wärmewesens waltend sind.
[ 4 ] Wenn Sie sich vergegenwärtigen, daß wir es zu tun gehabt haben im wesentlichen neben dem Wärmewesen mit Volumenausdehnung, mit Veränderung also des Raumes und mit Veränderung des Druckes, so müssen Sie sich sagen, es sind uns aufgetreten — ich muß nämlich, um unser Ziel zu erreichen, möglichst genau sprechen, was sonst gewöhnlich nicht geschieht auf diesem Gebiete - im Verlauf unserer Betrachtung über das Wärmewesen mechanische Tatsachen: Raumänderungen, Druckänderungen. Mechanische Tatsachen sind uns entgegengetreten. Nun stand für die moderne Physikentwickelung diese Tatsache da, daß auftrat, wenn man das Wärmewesen betrachtete, mechanisches Geschehen. Dieses mechanische Geschehen wurde gewissermaßen überhaupt dasjenige, an dem man die Wärmeerscheinungen beobachtete. Das Wärmewesen läßt man gewissermaßen in der Sphäre des Unbekannten stehen, und man betrachtet im wesentlichen die mechanischen Vorgänge, die unter dem Einfluß des Wärmewesens sich abspielen. Man betrachtet, indem man von der Wärmeempfindung als von etwas angeblich Subjektivem absieht, bei der Veränderung des Wärmezustandes — des Wärmeempfindens — die Ausdehnung, sagen wir des Quecksilbers, also etwas, das in das Gebiet der mechanischen Erscheinungen gehört. Man betrachtet dann die Abhängigkeit des Wärmezustandes, sagen wir eines Gases, von den Druckverhältnissen, was wir noch weiter verfolgen werden, und haben es da wieder zu tun damit, daß man eigentlich etwas Mechanisches betrachtet und das Wärmewesen gewissermaßen links liegen läßt. Wir haben gestern gesehen, daß es eigentlich einen guten Grund hat, warum dieses Wärmewesen links liegen gelassen worden ist. Denn wir haben gesehen, wie dieses Wärmewesen in dem Augenblick, wo wir es in die Rechnung einführen, den gewöhnlichen Rechnungen Schwierigkeiten macht, wie wir zum Beispiel eine dritte Potenz der Temperatur gar nicht in derselben Weise behandeln können wie eine gewöhnliche dritte Raumpotenz. Und da die landläufige Wärmelehre mit den Potenzen der Temperatur nichts hat anfangen können, hat sie in der Ausdehnungsformel, wie ich Ihnen ja auch in den früheren Betrachtungen gesagt habe, die zweite und dritte Potenz der Temperatur einfach gestrichen.
[ 4 ] Wenn Sie sich vergegenwärtigen, daß wir es zu tun gehabt haben im wesentlichen neben dem Wärmewesen mit Volumenausdehnung, mit Veränderung also des Raumes und mit Veränderung des Druckes, so müssen Sie sich sagen, es sind uns aufgetreten — ich muß nämlich, um unser Ziel zu erreichen, möglichst genau sprechen, was sonst gewöhnlich nicht geschieht auf diesem Gebiete - im Verlauf unserer Betrachtung über das Wärmewesen mechanische Tatsachen: Raumänderungen, Druckänderungen. Mechanische Tatsachen sind uns entgegengetreten. Nun stand für die moderne Physikentwickelung diese Tatsache da, daß auftrat, wenn man das Wärmewesen betrachtete, mechanisches Geschehen. Dieses mechanische Geschehen wurde gewissermaßen überhaupt dasjenige, an dem man die Wärmeerscheinungen beobachtete. Das Wärmewesen läßt man gewissermaßen in der Sphäre des Unbekannten stehen, und man betrachtet im wesentlichen die mechanischen Vorgänge, die unter dem Einfluß des Wärmewesens sich abspielen. Man betrachtet, indem man von der Wärmeempfindung als von etwas angeblich Subjektivem absieht, bei der Veränderung des Wärmezustandes — des Wärmeempfindens — die Ausdehnung, sagen wir des Quecksilbers, also etwas, das in das Gebiet der mechanischen Erscheinungen gehört. Man betrachtet dann die Abhängigkeit des Wärmezustandes, sagen wir eines Gases, von den Druckverhältnissen, was wir noch weiter verfolgen werden, und haben es da wieder zu tun damit, daß man eigentlich etwas Mechanisches betrachtet und das Wärmewesen gewissermaßen links liegen läßt. Wir haben gestern gesehen, daß es eigentlich einen guten Grund hat, warum dieses Wärmewesen links liegen gelassen worden ist. Denn wir haben gesehen, wie dieses Wärmewesen in dem Augenblick, wo wir es in die Rechnung einführen, den gewöhnlichen Rechnungen Schwierigkeiten macht, wie wir zum Beispiel eine dritte Potenz der Temperatur gar nicht in derselben Weise behandeln können wie eine gewöhnliche dritte Raumpotenz. Und da die landläufige Wärmelehre mit den Potenzen der Temperatur nichts hat anfangen können, hat sie in der Ausdehnungsformel, wie ich Ihnen ja auch in den früheren Betrachtungen gesagt habe, die zweite und dritte Potenz der Temperatur einfach gestrichen.


[ 5 ] Nun brauchen Sie sich aber nur zu überlegen, daß uns ja in der Sphäre der äußeren Natur der Wärmezustand immer entgegentritt an äußeren mechanischen Vorgängen, vor allen Dingen an Raumvorgängen. Die Raumvorgänge sind schon da. An den Raumvorgängen erscheint dann die Wärme. Das bedingt, daß wir, durch diese einfache Überlegung gezwungen, die Wärme so behandeln müssen, wie wir behandeln jene Raumlinie, die uns aus der ersten Potenz einer Ausdehnung in die zweite Potenz der Ausdehnung führt. Wenn wir die erste Potenz der Ausdehnung, die Linie, betrachten, und wir wollen zur zweiten Potenz in der Betrachtung übergehen, so müssen wir aus der Linie hinausgehen. Wir müssen also zu der einen Dimension die andere hinzufügen, wir müssen irgendwie aus der ersten Potenz in die zweite übergehen. Wir müssen uns die Richtlinie der zweiten Potenz ganz anders denken, als wir uns die der ersten Potenz denken. Genau dasselbe aber müssen wir machen, wenn wir einen Temperaturzustand betrachten. Gewissermaßen ist die erste Potenz da in der Ausdehnung. Die Veränderung der Temperatur ist etwas, was im Verhältnis zur Ausdehnung so erscheint, wie hier die zweite Richtlinie zur ersten Richtlinie erscheint. Ich kann auch gar nicht anders, als die Zeichnung so machen, daß ich, indem ich zur Ausdehnung die Temperaturänderung hinzufüge, zu der Abszissenlinie die Ordinatenlinie hinzufüge. Das aber bedingt, daß wir genötigt sind, alles dasjenige, was aus dem Wärmewesen heraus auftritt, also die Temperaturänderung, nicht als erste Potenz zu behandeln, sondern schon von vornherein als zweite Potenz, und die zweite als eine dritte. Und wenn wir die dritte Potenz der Temperatur haben, so können wir nicht mehr in unserem gewöhnlichen Raum drinnen bleiben. Eine einfache Überlegung, die allerdings durch etwas subtile Begriffe angestellt werden muß, zeigt Ihnen, daß es unmöglich ist, wenn wir die im Raum, also in der dritten Dimension, waltende Wärme betrachten, zu bleiben bei der dritten Dimension des Raumes. Sie zeigt Ihnen, daß in dem Augenblick, wo wir es mit den drei Dimensionen des Raumes zu tun haben, wir genötigt sind, wenn wir die Wärmewirkung betrachten, aus dem Raume selber hinauszugehen.
[ 5 ] Nun brauchen Sie sich aber nur zu überlegen, daß uns ja in der Sphäre der äußeren Natur der Wärmezustand immer entgegentritt an äußeren mechanischen Vorgängen, vor allen Dingen an Raumvorgängen. Die Raumvorgänge sind schon da. An den Raumvorgängen erscheint dann die Wärme. Das bedingt, daß wir, durch diese einfache Überlegung gezwungen, die Wärme so behandeln müssen, wie wir behandeln jene Raumlinie, die uns aus der ersten Potenz einer Ausdehnung in die zweite Potenz der Ausdehnung führt. Wenn wir die erste Potenz der Ausdehnung, die Linie, betrachten, und wir wollen zur zweiten Potenz in der Betrachtung übergehen, so müssen wir aus der Linie hinausgehen. Wir müssen also zu der einen Dimension die andere hinzufügen, wir müssen irgendwie aus der ersten Potenz in die zweite übergehen. Wir müssen uns die Richtlinie der zweiten Potenz ganz anders denken, als wir uns die der ersten Potenz denken. Genau dasselbe aber müssen wir machen, wenn wir einen Temperaturzustand betrachten. Gewissermaßen ist die erste Potenz da in der Ausdehnung. Die Veränderung der Temperatur ist etwas, was im Verhältnis zur Ausdehnung so erscheint, wie hier die zweite Richtlinie zur ersten Richtlinie erscheint. Ich kann auch gar nicht anders, als die Zeichnung so machen, daß ich, indem ich zur Ausdehnung die Temperaturänderung hinzufüge, zu der Abszissenlinie die Ordinatenlinie hinzufüge. Das aber bedingt, daß wir genötigt sind, alles dasjenige, was aus dem Wärmewesen heraus auftritt, also die Temperaturänderung, nicht als erste Potenz zu behandeln, sondern schon von vornherein als zweite Potenz, und die zweite als eine dritte. Und wenn wir die dritte Potenz der Temperatur haben, so können wir nicht mehr in unserem gewöhnlichen Raum drinnen bleiben. Eine einfache Überlegung, die allerdings durch etwas subtile Begriffe angestellt werden muß, zeigt Ihnen, daß es unmöglich ist, wenn wir die im Raum, also in der dritten Dimension, waltende Wärme betrachten, zu bleiben bei der dritten Dimension des Raumes. Sie zeigt Ihnen, daß in dem Augenblick, wo wir es mit den drei Dimensionen des Raumes zu tun haben, wir genötigt sind, wenn wir die Wärmewirkung betrachten, aus dem Raume selber hinauszugehen.
[ 6 ] Nun macht sich ja die moderne Physik zur Aufgabe, behufs Erklärung der Erscheinungen innerhalb des dreidimensionalen Raumes zu bleiben. Und indem sie sich diese Aufgabe setzt, muß sie, da man innerhalb des dreidimensionalen Raumes das Wesen der Wärme nicht finden kann, an dem Wärmewesen vorübergehen. Sie kann das Wärmewesen nur durch seine Äußerungen im dreidimensionalen Raum erfassen.
[ 6 ] Nun macht sich ja die moderne Physik zur Aufgabe, behufs Erklärung der Erscheinungen innerhalb des dreidimensionalen Raumes zu bleiben. Und indem sie sich diese Aufgabe setzt, muß sie, da man innerhalb des dreidimensionalen Raumes das Wesen der Wärme nicht finden kann, an dem Wärmewesen vorübergehen. Sie kann das Wärmewesen nur durch seine Äußerungen im dreidimensionalen Raum erfassen.
[ 7 ] Sehen Sie, hier liegt ein sehr wichtiger Punkt, wo gewissermaßen schon innerhalb der unorganischen Naturerscheinungen, der physikalischen Erscheinungen, eine Art Rubikon zu einer höheren Weltanschauung überschritten werden muß. Und man muß schon sagen: Weil so wenig der Versuch gemacht wird, hier an diesen Punkten zu einer Klarheit zu kommen, deshalb herrscht auch diese Klarheit so wenig auf dem Gebiete unserer höheren Weltanschauung. Denken Sie sich nur einmal, wenn die Physiker ihren Studenten beibringen würden, daß man einfach aus den gewöhnlichen Raumverhältnissen, in denen sich die mechanischen Vorgänge abspielen, herauskommen muß, indem man die Wärmeerscheinungen beobachtet, dann würden diese Lehrer der Physik hervorrufen bei denjenigen Menschen, die als erkennende Menschen gelten, weil sie so etwas wie Physik sich angeeignet haben, sie würden die Vorstellung bei ihnen hervorrufen, daß man schon nicht in Wirklichkeit Physik kennenlernen kann, ohne aus dem dreidimensionalen Raum hinauszukommen. Und dann würde es viel leichter sein, eine höhere Weltanschauung zu begründen vor den Menschen der Welt. Denn diese Menschen der Welt würden sagen, selbst wenn sie nicht Physik gelernt haben: Wir können das zwar nicht beurteilen, aber diejenigen, die Physik gelernt haben, die wissen, daß man zunächst durch die Physik von dem Raum zu anderen Verhältnissen aufsteigen muß als denjenigen, die sich im Raum selber abspielen können. Daher hängt auch so sehr viel daran, daß wir in der Physik solche Verhältnisse bekommen, wie sie hier in diesen Betrachtungen werden versucht werden. Es würde sich sonst immer das herausstellen, daß auf der einen Seite versucht würde, in der populären Welt eine auf geistigen Grundlagen fußende Weltanschauung zu verbreiten, daß dann aber die Physiker geltend machen würden: Wir erklären alle Erscheinungen durch rein mechanische Vorgänge. — Das führt dazu, daß die Menschen dann sagen: Ja, im Raume sind überhaupt nur mechanische Vorgänge; Leben muß auch mechanischer Vorgang sein, Seelenvorgänge müssen auch nur mechanische Vorgänge sein, Geistesvorgänge auch. — Die «strenge Wissenschaft» will nichts wissen von irgendwelchen geistigen Grundlagen der Welt. Und die «strenge Wissenschaft» wirkt als eine besonders intensive Autorität aus dem Grunde, weil die Leute sie nicht kennen. Denn dasjenige, was man kennt, das beurteilt man gewöhnlich und läßt sich von ihm nicht eine autoritative Gewalt aufzwingen. Dasjenige, was man nicht kennt, dem verfällt man gewöhnlich als der Autorität. Würde mehr getan werden zur Popularisierung der sogenannten «strengen exakten Wissenschaft», dann würde die autoritative Gewalt gewisser Leute, die hinter Mauern im Besitz dieser «exakten Wissenschaft» sind, wesentlich schwinden.
[ 7 ] Sehen Sie, hier liegt ein sehr wichtiger Punkt, wo gewissermaßen schon innerhalb der unorganischen Naturerscheinungen, der physikalischen Erscheinungen, eine Art Rubikon zu einer höheren Weltanschauung überschritten werden muß. Und man muß schon sagen: Weil so wenig der Versuch gemacht wird, hier an diesen Punkten zu einer Klarheit zu kommen, deshalb herrscht auch diese Klarheit so wenig auf dem Gebiete unserer höheren Weltanschauung. Denken Sie sich nur einmal, wenn die Physiker ihren Studenten beibringen würden, daß man einfach aus den gewöhnlichen Raumverhältnissen, in denen sich die mechanischen Vorgänge abspielen, herauskommen muß, indem man die Wärmeerscheinungen beobachtet, dann würden diese Lehrer der Physik hervorrufen bei denjenigen Menschen, die als erkennende Menschen gelten, weil sie so etwas wie Physik sich angeeignet haben, sie würden die Vorstellung bei ihnen hervorrufen, daß man schon nicht in Wirklichkeit Physik kennenlernen kann, ohne aus dem dreidimensionalen Raum hinauszukommen. Und dann würde es viel leichter sein, eine höhere Weltanschauung zu begründen vor den Menschen der Welt. Denn diese Menschen der Welt würden sagen, selbst wenn sie nicht Physik gelernt haben: Wir können das zwar nicht beurteilen, aber diejenigen, die Physik gelernt haben, die wissen, daß man zunächst durch die Physik von dem Raum zu anderen Verhältnissen aufsteigen muß als denjenigen, die sich im Raum selber abspielen können. Daher hängt auch so sehr viel daran, daß wir in der Physik solche Verhältnisse bekommen, wie sie hier in diesen Betrachtungen werden versucht werden. Es würde sich sonst immer das herausstellen, daß auf der einen Seite versucht würde, in der populären Welt eine auf geistigen Grundlagen fußende Weltanschauung zu verbreiten, daß dann aber die Physiker geltend machen würden: Wir erklären alle Erscheinungen durch rein mechanische Vorgänge. — Das führt dazu, daß die Menschen dann sagen: Ja, im Raume sind überhaupt nur mechanische Vorgänge; Leben muß auch mechanischer Vorgang sein, Seelenvorgänge müssen auch nur mechanische Vorgänge sein, Geistesvorgänge auch. — Die «strenge Wissenschaft» will nichts wissen von irgendwelchen geistigen Grundlagen der Welt. Und die «strenge Wissenschaft» wirkt als eine besonders intensive Autorität aus dem Grunde, weil die Leute sie nicht kennen. Denn dasjenige, was man kennt, das beurteilt man gewöhnlich und läßt sich von ihm nicht eine autoritative Gewalt aufzwingen. Dasjenige, was man nicht kennt, dem verfällt man gewöhnlich als der Autorität. Würde mehr getan werden zur Popularisierung der sogenannten «strengen exakten Wissenschaft», dann würde die autoritative Gewalt gewisser Leute, die hinter Mauern im Besitz dieser «exakten Wissenschaft» sind, wesentlich schwinden.
[ 8 ] Es hat sich nun im Laufe des 19. Jahrhunderts hinzugefügt zu den Tatsachen, die wir. schon beobachtet haben, eben noch die andere, die ich auch schon angedeutet habe, die darin besteht, daß man nicht nur mechanische Vorgänge auftreten sieht im Verlauf der Vorgänge mit dem Wärmewesen, sondern daß man auch zunächst Wärme überführen kann in mechanische Vorgänge, was Sie ja sehen bei der gewöhnlichen Dampfmaschine, wo erhitzt wird und der mechanische Vorgang der Fortbewegung eintritt; daß man umgekehrt mechanische Vorgänge, Reibung und dergleichen wiederum überführen kann in Wärme, indem dasjenige, was der mechanische Vorgang ist, bewirkt, wie man sagt, das Auftreten von Wärme. So daß man also Wärmevorgänge und mechanische Vorgänge ineinander umwandeln kann. Wir wollen heute die Sache zunächst einmal vorläufig, präliminarisch betrachten und dann auf einzelne Erscheinungen eingehen, die in dieses Gebiet gehören.
[ 8 ] Es hat sich nun im Laufe des 19. Jahrhunderts hinzugefügt zu den Tatsachen, die wir. schon beobachtet haben, eben noch die andere, die ich auch schon angedeutet habe, die darin besteht, daß man nicht nur mechanische Vorgänge auftreten sieht im Verlauf der Vorgänge mit dem Wärmewesen, sondern daß man auch zunächst Wärme überführen kann in mechanische Vorgänge, was Sie ja sehen bei der gewöhnlichen Dampfmaschine, wo erhitzt wird und der mechanische Vorgang der Fortbewegung eintritt; daß man umgekehrt mechanische Vorgänge, Reibung und dergleichen wiederum überführen kann in Wärme, indem dasjenige, was der mechanische Vorgang ist, bewirkt, wie man sagt, das Auftreten von Wärme. So daß man also Wärmevorgänge und mechanische Vorgänge ineinander umwandeln kann. Wir wollen heute die Sache zunächst einmal vorläufig, präliminarisch betrachten und dann auf einzelne Erscheinungen eingehen, die in dieses Gebiet gehören.
[ 9 ] Man hat dann auch des weiteren gefunden, daß nicht nur Wärmevorgänge, sondern auch elektrische Vorgänge, Vorgänge, die in das Gebiet der Chemie gehören, sich umwandeln lassen in mechanische Vorgänge. Und daraus hat sich dasjenige entwickelt, was man gewohnt worden istim Laufe des 19. Jahrhunderts eben die mechanische Wärmetheorie zu nennen. Diese mechanische Wärmetheorie hat also zunächst als ihre erste Grundlage: Wärme und mechanische Leistung, sagen wir, können ineinander umgewandelt werden. Nun müssen wir zunächst einmal uns dieses Urteil etwas näher ansehen. Ich kann Sie wirklich nicht davon befreien, Sie auf die elementaren Bestandteile der Urteile zu führen, welche in das Gebiet der Physik gehören. Würden wir gerade bei diesen entscheidenden Betrachtungen uns nicht darauf einlassen, die elementaren Urteilsbestände aufzusuchen, so würden wir überhaupt verzichten müssen, gerade im Gebiet des Wärmewesens, das ein entscheidendes ist, irgendeine Klarheit hervorzurufen. Wir müssen daher schon die Frage aufwerfen: Was heißt es denn überhaupt, wenn ich irgendwo aufzeige, daß Wärme, die ich hervorrufe wie in der Dampfmaschine, äußere Bewegung, also äußere mechanische Arbeit erzeugt? Was heißt das, wenn ich es umwandle in das Urteil: Durch Wärme ist äußere mechanische Arbeit geleistet worden? Unterscheiden wir einmal klar dasjenige, was wir als Tatsachen konstatierbar haben, und dasjenige, was wir dann als ein Urteil an diese Tatsachen angefügt haben. Wir haben konstatiert, daß sich ein Vorgang, der sich als ein Wärmevorgang zeigt, hinterher offenbart durch einen Arbeitsvorgang, durch einen mechanischen Vorgang. Nun wurde daran das Urteil gefügt, der Wärmevorgang, die Wärme als solche, habe sich umgewandelt in den mechanischen Vorgang, in die mechanische Arbeitsleistung.
[ 9 ] Man hat dann auch des weiteren gefunden, daß nicht nur Wärmevorgänge, sondern auch elektrische Vorgänge, Vorgänge, die in das Gebiet der Chemie gehören, sich umwandeln lassen in mechanische Vorgänge. Und daraus hat sich dasjenige entwickelt, was man gewohnt worden istim Laufe des 19. Jahrhunderts eben die mechanische Wärmetheorie zu nennen. Diese mechanische Wärmetheorie hat also zunächst als ihre erste Grundlage: Wärme und mechanische Leistung, sagen wir, können ineinander umgewandelt werden. Nun müssen wir zunächst einmal uns dieses Urteil etwas näher ansehen. Ich kann Sie wirklich nicht davon befreien, Sie auf die elementaren Bestandteile der Urteile zu führen, welche in das Gebiet der Physik gehören. Würden wir gerade bei diesen entscheidenden Betrachtungen uns nicht darauf einlassen, die elementaren Urteilsbestände aufzusuchen, so würden wir überhaupt verzichten müssen, gerade im Gebiet des Wärmewesens, das ein entscheidendes ist, irgendeine Klarheit hervorzurufen. Wir müssen daher schon die Frage aufwerfen: Was heißt es denn überhaupt, wenn ich irgendwo aufzeige, daß Wärme, die ich hervorrufe wie in der Dampfmaschine, äußere Bewegung, also äußere mechanische Arbeit erzeugt? Was heißt das, wenn ich es umwandle in das Urteil: Durch Wärme ist äußere mechanische Arbeit geleistet worden? Unterscheiden wir einmal klar dasjenige, was wir als Tatsachen konstatierbar haben, und dasjenige, was wir dann als ein Urteil an diese Tatsachen angefügt haben. Wir haben konstatiert, daß sich ein Vorgang, der sich als ein Wärmevorgang zeigt, hinterher offenbart durch einen Arbeitsvorgang, durch einen mechanischen Vorgang. Nun wurde daran das Urteil gefügt, der Wärmevorgang, die Wärme als solche, habe sich umgewandelt in den mechanischen Vorgang, in die mechanische Arbeitsleistung.
[ 10 ] Ja, wenn ich in dieses Zimmer hereintrete und in diesem Zimmer irgendeine Temperatur finde, die mir behaglich ist, so trete ich herein und sage mir innerlich, vielleicht ganz unbewußt, ohne daß ich mir das selbst ausspreche: In diesem Zimmer ist es mir behaglich. Ich setze mich hin an den Schreibtisch und schreibe irgend etwas. Das ist entstanden im Gefolge desjenigen, was vorher geschehen ist — ich bin in das Zimmer getreten, der Wärmezustand hat auf mich gewirkt. Hinterher ist das entstanden, was ich niedergeschrieben habe. Ich könnte Ihnen in einer gewissen Weise ja sagen: Nun, wenn ich hier Kellerwärme gefunden hätte, so hätte ich mich aus dem Staube gemacht und hätte nicht diese Arbeit vollzogen, die Arbeit des Niederschreibens dessen, was dann herausgekommen ist. Wenn ich nun an diese Tatsache das Urteil anfüge: Die Wärme, die mir zugeführt worden ist, hat sich in die Arbeit, die hinterher sichtbar geworden ist, verwandelt -—, dann habe ich offenbar in meinem Urteilsbestand etwas ausgelassen. Alles dasjenige, was ich nur durch mich vollziehen konnte, habe ich ausgelassen. Ich muß aber alles das, was ich ausgelassen habe, wenn ich eine totale Wirklichkeit ins Urteil hereinbekommen will, aufnehmen. Die Frage entsteht nun: Wenn in der ganzen äquivalenten Tatsachenfolge Wärme vorhanden ist, die ich hervorgerufen habe wie in der Dampfkesselheizung, und nachher Arbeit entsteht, die Fortbewegung der Lokomotive, und ich einfach sage, es habe sich die Wärme in Arbeit verwandelt, habe ich nicht vielleicht da denselben Fehler gemacht wie den, den ich mache, wenn ich in dem vorhergehenden Urteil einfach spreche von der Verwandlung des Wärmezustandes in die Wirkung, die aber nur dadurch eingetreten ist, daß ich selbst mich eingeschaltet habe? Es ist scheinbar vielleicht sogar trivial, auf eine solche Sache aufmerksam zu machen, aber diese Trivialität wird gerade in der ganzen mechanischen Wärmetheorie übersehen, vergessen. Und darauf kommt außerordentlich viel an. Darauf kommt es an, daß man zwei Dinge miteinander verbindet, das erste, daß in dem Augenblick, wo man aus der Sphäre der mechanischen Vorgänge übertritt in die Sphäre, wo Wärme wirkt, man überhaupt den dreidimensionalen Raum verlassen muß. Und zweitens, daß man also einfach, indem man die äußeren Naturerscheinungen beobachtet, dasjenige vielleicht nicht hat, was man in dem Fall als Einschiebsel hat, wenn sich Wärme in mein Schreibprodukt verwandelt. Wenn sich Wärme in mein Schreibprodukt verwandelt, dann kann ich an meiner äußeren leiblichen Offenbarung beobachten, daß sich etwas eingeschaltet hat. Wenn ich aber einfach der Tatsache gegenüberstehe, daß ich den dreidimensionalen Raum verlassen muß, sofern sich mir Wärme in äußere Leistung verwandelt, so kann ich doch sagen: Vielleicht das Wichtigste, was zu dieser Umwandlung führt, vollzieht sich außerhalb des dreidimensionalen Raumes. Dasjenige, was dem entsprechen würde, daß ich mich einschalte, vollzieht sich außerhalb des dreidimensionalen Raumes. Und ich begehe dieselbe Oberflächlichkeit, wenn ich einfach von der Umwandlung der Wärme in mechanische Arbeit rede, wie ich sie begehe, wenn ich von der Umwandlung der Wärme in mein Schreibprodukt rede und dabei vergesse, daß ich selber eingeschaltet bin.
[ 10 ] Ja, wenn ich in dieses Zimmer hereintrete und in diesem Zimmer irgendeine Temperatur finde, die mir behaglich ist, so trete ich herein und sage mir innerlich, vielleicht ganz unbewußt, ohne daß ich mir das selbst ausspreche: In diesem Zimmer ist es mir behaglich. Ich setze mich hin an den Schreibtisch und schreibe irgend etwas. Das ist entstanden im Gefolge desjenigen, was vorher geschehen ist — ich bin in das Zimmer getreten, der Wärmezustand hat auf mich gewirkt. Hinterher ist das entstanden, was ich niedergeschrieben habe. Ich könnte Ihnen in einer gewissen Weise ja sagen: Nun, wenn ich hier Kellerwärme gefunden hätte, so hätte ich mich aus dem Staube gemacht und hätte nicht diese Arbeit vollzogen, die Arbeit des Niederschreibens dessen, was dann herausgekommen ist. Wenn ich nun an diese Tatsache das Urteil anfüge: Die Wärme, die mir zugeführt worden ist, hat sich in die Arbeit, die hinterher sichtbar geworden ist, verwandelt -—, dann habe ich offenbar in meinem Urteilsbestand etwas ausgelassen. Alles dasjenige, was ich nur durch mich vollziehen konnte, habe ich ausgelassen. Ich muß aber alles das, was ich ausgelassen habe, wenn ich eine totale Wirklichkeit ins Urteil hereinbekommen will, aufnehmen. Die Frage entsteht nun: Wenn in der ganzen äquivalenten Tatsachenfolge Wärme vorhanden ist, die ich hervorgerufen habe wie in der Dampfkesselheizung, und nachher Arbeit entsteht, die Fortbewegung der Lokomotive, und ich einfach sage, es habe sich die Wärme in Arbeit verwandelt, habe ich nicht vielleicht da denselben Fehler gemacht wie den, den ich mache, wenn ich in dem vorhergehenden Urteil einfach spreche von der Verwandlung des Wärmezustandes in die Wirkung, die aber nur dadurch eingetreten ist, daß ich selbst mich eingeschaltet habe? Es ist scheinbar vielleicht sogar trivial, auf eine solche Sache aufmerksam zu machen, aber diese Trivialität wird gerade in der ganzen mechanischen Wärmetheorie übersehen, vergessen. Und darauf kommt außerordentlich viel an. Darauf kommt es an, daß man zwei Dinge miteinander verbindet, das erste, daß in dem Augenblick, wo man aus der Sphäre der mechanischen Vorgänge übertritt in die Sphäre, wo Wärme wirkt, man überhaupt den dreidimensionalen Raum verlassen muß. Und zweitens, daß man also einfach, indem man die äußeren Naturerscheinungen beobachtet, dasjenige vielleicht nicht hat, was man in dem Fall als Einschiebsel hat, wenn sich Wärme in mein Schreibprodukt verwandelt. Wenn sich Wärme in mein Schreibprodukt verwandelt, dann kann ich an meiner äußeren leiblichen Offenbarung beobachten, daß sich etwas eingeschaltet hat. Wenn ich aber einfach der Tatsache gegenüberstehe, daß ich den dreidimensionalen Raum verlassen muß, sofern sich mir Wärme in äußere Leistung verwandelt, so kann ich doch sagen: Vielleicht das Wichtigste, was zu dieser Umwandlung führt, vollzieht sich außerhalb des dreidimensionalen Raumes. Dasjenige, was dem entsprechen würde, daß ich mich einschalte, vollzieht sich außerhalb des dreidimensionalen Raumes. Und ich begehe dieselbe Oberflächlichkeit, wenn ich einfach von der Umwandlung der Wärme in mechanische Arbeit rede, wie ich sie begehe, wenn ich von der Umwandlung der Wärme in mein Schreibprodukt rede und dabei vergesse, daß ich selber eingeschaltet bin.
[ 11 ] Das hat aber eine sehr bedeutende, universelle Konsequenz, denn es nötigt mich dazu, daß ich mich bei der äußeren Natur auch in ihren leblosen, in ihren unorganischen Erscheinungen geführt denke in ein Wesen, das sich selbst nicht innerhalb des dreidimensionalen Raumes ausdrückt, das gewissermaßen waltet hinter dem dreidimensionalen Raum. Und dieses ist ein Entscheidendes in bezug auf die Beobachtung des Wärmewesens selber.
[ 11 ] Das hat aber eine sehr bedeutende, universelle Konsequenz, denn es nötigt mich dazu, daß ich mich bei der äußeren Natur auch in ihren leblosen, in ihren unorganischen Erscheinungen geführt denke in ein Wesen, das sich selbst nicht innerhalb des dreidimensionalen Raumes ausdrückt, das gewissermaßen waltet hinter dem dreidimensionalen Raum. Und dieses ist ein Entscheidendes in bezug auf die Beobachtung des Wärmewesens selber.
[ 12 ] Wir können jetzt, indem wir dieses als Elementarbestandteil des Urteils im Wärmegebiet aufgewiesen haben, ein wenig wiederum zurückblicken auf das, was wir schon angedeutet haben: auf des Menschen eigenes Verhältnis zum Wärmewesen. Wir können vergleichen andere Wahrnehmungssphären mit der Wahrnehmungssphäre des Wärmewesens. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß, indem wir zum Beispiel Licht wahrnehmen, wir diese Wahrnehmung des Lichtes und der Farbe gebunden sehen an abgesonderte Organe, die einfach in unseren Organismus hineingelegt sind, so daß wir nicht davon sprechen können, daß wir mit unserem ganzen Organismus gegenüberstehen dem Farben- beziehungsweise Lichtwesen, sondern daß wir nur mit einem Teil unseres Organismus dem Licht- oder Farbenwesen gegenüberstehen. Ebenso ist es bei den akustischen, bei den Tonerscheinungen. Wir stehen mit einem Teil, mit den Gehörorganen, dem Tonwesen gegenüber. Dem Wärmewesen stehen wir gegenüber mit unserem ganzen Organismus. Dadurch ist aber unser Verhältnis zum Wärmewesen bedingt. Und wenn wir genauer zusehen, wenn wir versuchen, diese Tatsache, ich möchte sagen, in Menschenerkenntnis umzuwandeln, so müssen wir sagen: Wir sind eigentlich dieses Wärmewesen ja selbst. Insofern wir hier im Raume als Mensch wandeln, sind wir dieses Wärmewesen ja selbst. In dem Augenblick, wo Sie sich die Temperatur um ein paar hundert Grade erhöht denken würden, würden Sie nicht identisch sein können mit dem Temperaturzustand, ebensowenig wenn Sie sich die Temperatur um hundert Grade vertieft denken. So gehört das Wärmewesen zu dem, in dem wir stets drinnenstehen, das wir als selbstverständliches Wesen erleben, das wir aber nicht ins Bewußtsein hereinnehmen. Nur wenn Abweichungen vom normalen Zustand eintreten, werden sie uns in irgendeiner Form bewußt.
[ 12 ] Wir können jetzt, indem wir dieses als Elementarbestandteil des Urteils im Wärmegebiet aufgewiesen haben, ein wenig wiederum zurückblicken auf das, was wir schon angedeutet haben: auf des Menschen eigenes Verhältnis zum Wärmewesen. Wir können vergleichen andere Wahrnehmungssphären mit der Wahrnehmungssphäre des Wärmewesens. Ich habe schon darauf hingewiesen, daß, indem wir zum Beispiel Licht wahrnehmen, wir diese Wahrnehmung des Lichtes und der Farbe gebunden sehen an abgesonderte Organe, die einfach in unseren Organismus hineingelegt sind, so daß wir nicht davon sprechen können, daß wir mit unserem ganzen Organismus gegenüberstehen dem Farben- beziehungsweise Lichtwesen, sondern daß wir nur mit einem Teil unseres Organismus dem Licht- oder Farbenwesen gegenüberstehen. Ebenso ist es bei den akustischen, bei den Tonerscheinungen. Wir stehen mit einem Teil, mit den Gehörorganen, dem Tonwesen gegenüber. Dem Wärmewesen stehen wir gegenüber mit unserem ganzen Organismus. Dadurch ist aber unser Verhältnis zum Wärmewesen bedingt. Und wenn wir genauer zusehen, wenn wir versuchen, diese Tatsache, ich möchte sagen, in Menschenerkenntnis umzuwandeln, so müssen wir sagen: Wir sind eigentlich dieses Wärmewesen ja selbst. Insofern wir hier im Raume als Mensch wandeln, sind wir dieses Wärmewesen ja selbst. In dem Augenblick, wo Sie sich die Temperatur um ein paar hundert Grade erhöht denken würden, würden Sie nicht identisch sein können mit dem Temperaturzustand, ebensowenig wenn Sie sich die Temperatur um hundert Grade vertieft denken. So gehört das Wärmewesen zu dem, in dem wir stets drinnenstehen, das wir als selbstverständliches Wesen erleben, das wir aber nicht ins Bewußtsein hereinnehmen. Nur wenn Abweichungen vom normalen Zustand eintreten, werden sie uns in irgendeiner Form bewußt.
[ 13 ] Nun kann, angeknüpft an diese Tatsache, eine zweite beobachtet werden. Das ist diese: Wenn Sie irgendwie an einen erwärmten Gegenstand herantreten und den Wärmezustand mit Ihrem Organismus beobachten - Sie können es tun mit der Fingerspitze, auch mit der Zehenspitze, Sie können es tun an einem anderen Ort Ihres Organismus, meinetwillen mit dem Ohrläppchen; gewissermaßen mit dem ganzen Organismus können Sie den Wärmezustand wahrnehmen. Aber Sie können noch etwas anderes mit Ihrem ganzen Organismus wahrnehmen. Sie können das wahrnehmen, was auf Ihren Organismus drückt. Und da sind Sie wiederum nicht gebunden im strengen Sinne, so wie zum Beispiel bei der Farbenwahrnehmung an das Auge, an ein bestimmtes Glied Ihres Organismus. Es wäre ja sehr angenehm, wenn wenigstens zum Beispiel der Kopf ausgenommen wäre von dieser Druckwahrnehmung. Wir könnten ihn dann nicht in unbehaglicher Weise anschlagen und die Folgen davon tragen müssen. Wir können sagen: Es besteht eine innige Verwandtschaft in der Art unseres Verhältnisses zur Außenwelt zwischen den Wärmeempfindungen und den Druckempfindungen. Wir haben heute gesprochen von Druckverhältnissen im Verhältnis zur Volumenänderung. Wir kommen jetzt zurück auf unseren eigenen Organismus und finden die Wärmeverhältnisse in einer innigen Verwandtschaft mit den Druck verhältnissen. Solch eine Tatsache müssen wir auch zur Begründung des Folgenden durchaus ins Auge fassen.
[ 13 ] Nun kann, angeknüpft an diese Tatsache, eine zweite beobachtet werden. Das ist diese: Wenn Sie irgendwie an einen erwärmten Gegenstand herantreten und den Wärmezustand mit Ihrem Organismus beobachten - Sie können es tun mit der Fingerspitze, auch mit der Zehenspitze, Sie können es tun an einem anderen Ort Ihres Organismus, meinetwillen mit dem Ohrläppchen; gewissermaßen mit dem ganzen Organismus können Sie den Wärmezustand wahrnehmen. Aber Sie können noch etwas anderes mit Ihrem ganzen Organismus wahrnehmen. Sie können das wahrnehmen, was auf Ihren Organismus drückt. Und da sind Sie wiederum nicht gebunden im strengen Sinne, so wie zum Beispiel bei der Farbenwahrnehmung an das Auge, an ein bestimmtes Glied Ihres Organismus. Es wäre ja sehr angenehm, wenn wenigstens zum Beispiel der Kopf ausgenommen wäre von dieser Druckwahrnehmung. Wir könnten ihn dann nicht in unbehaglicher Weise anschlagen und die Folgen davon tragen müssen. Wir können sagen: Es besteht eine innige Verwandtschaft in der Art unseres Verhältnisses zur Außenwelt zwischen den Wärmeempfindungen und den Druckempfindungen. Wir haben heute gesprochen von Druckverhältnissen im Verhältnis zur Volumenänderung. Wir kommen jetzt zurück auf unseren eigenen Organismus und finden die Wärmeverhältnisse in einer innigen Verwandtschaft mit den Druck verhältnissen. Solch eine Tatsache müssen wir auch zur Begründung des Folgenden durchaus ins Auge fassen.
[ 14 ] Aber es gibt noch etwas anderes, was wir unseren folgenden Betrachtungen vorausschicken müssen. Sie wissen, gerade in den gebräuchlichen Handbüchern über physikalische, physiologische Vorgänge wird eigentlich recht viel Wesens davon gemacht, daß wir bestimmte Organe haben, oder uns selbst haben zur Wahrnehmung der gewöhnlichen Sinnesqualitäten. Wir haben das Auge für die Farbe, das Ohr für den Ton, das Geschmacksorgan für gewisse chemische Vorgänge und so weiter; wir haben verteilt über unseren ganzen Organismus gewissermaßen das einheitliche Wärmeorgan, aber auch das einheitliche Druckorgan. Nun wird gewöhnlich darauf aufmerksam gemacht, daß aber auch noch anderes wahrgenommen wird, wofür wir, wie man nun sagt, keine Organe haben: Magnetismus, Elektrizität, die wir nur in ihren Wirkungen wahrnehmen, die gewissermaßen draußen stehenbleiben, die wir nicht unmittelbar wahrnehmen. Man sagt dann wohl auch: Wenn unser Auge nicht lichtempfindlich, sondern elektrizitätsempfindlich wäre, so würde es, wenn es hinschaut auf einen Telegraphendraht, die strömende Elektrizität drinnen wahrnehmen. Es würde die Elektrizität nicht bloß in Wirkungen, sondern so wie die Farben- und Lichtvorgänge unmittelbar wahrnehmen. Das können wir nicht. Wir können also nur sagen: Elektrizität zum Beispiel ist etwas, wofür wir zur unmittelbaren Wahrnehmung keine Organe haben. Es gibt also Naturqualitäten, zu deren Wahrnehmung wir Organe haben, und Naturqualitäten, zu deren Wahrnehmung wir keine Organe haben. — So sagt man.
[ 14 ] Aber es gibt noch etwas anderes, was wir unseren folgenden Betrachtungen vorausschicken müssen. Sie wissen, gerade in den gebräuchlichen Handbüchern über physikalische, physiologische Vorgänge wird eigentlich recht viel Wesens davon gemacht, daß wir bestimmte Organe haben, oder uns selbst haben zur Wahrnehmung der gewöhnlichen Sinnesqualitäten. Wir haben das Auge für die Farbe, das Ohr für den Ton, das Geschmacksorgan für gewisse chemische Vorgänge und so weiter; wir haben verteilt über unseren ganzen Organismus gewissermaßen das einheitliche Wärmeorgan, aber auch das einheitliche Druckorgan. Nun wird gewöhnlich darauf aufmerksam gemacht, daß aber auch noch anderes wahrgenommen wird, wofür wir, wie man nun sagt, keine Organe haben: Magnetismus, Elektrizität, die wir nur in ihren Wirkungen wahrnehmen, die gewissermaßen draußen stehenbleiben, die wir nicht unmittelbar wahrnehmen. Man sagt dann wohl auch: Wenn unser Auge nicht lichtempfindlich, sondern elektrizitätsempfindlich wäre, so würde es, wenn es hinschaut auf einen Telegraphendraht, die strömende Elektrizität drinnen wahrnehmen. Es würde die Elektrizität nicht bloß in Wirkungen, sondern so wie die Farben- und Lichtvorgänge unmittelbar wahrnehmen. Das können wir nicht. Wir können also nur sagen: Elektrizität zum Beispiel ist etwas, wofür wir zur unmittelbaren Wahrnehmung keine Organe haben. Es gibt also Naturqualitäten, zu deren Wahrnehmung wir Organe haben, und Naturqualitäten, zu deren Wahrnehmung wir keine Organe haben. — So sagt man.
[ 15 ] Nun handelt es sich darum, ob sich nicht vielleicht für den, der etwas unbefangener die Erscheinungen betrachtet als diejenigen, die zu diesem Urteil kommen, doch noch etwas anderes ergibt. Sie wissen ja alle, wie innig zusammenhängt dasjenige, was wir unsere gewöhnlichen passiven Vorstellungen nennen, durch die wir die Welt wahrnehmen, mit den Eindrücken des Auges, des Ohres, weniger schon zusammenhängt mit dem, was wir durch Geschmack und Geruch wahrnehmen. Versuchen Sie nur einmal, rein aus dem Sprachbestand heraus, sich die Summe Ihres höheren Vorstellungslebens einmal zu ziehen, so werden Sie sehen, daß man noch in den Worten, die wir zur Repräsentierung unserer Begriffe brauchen, überall die Reste der höheren Sinnesqualitäten wahrnehmen kann. Sogar wenn wir das sehr abstrakte Wort «Sein» aussprechen, so hängt seine Bildung zusammen mit «Ich habe gesehen». Ich nenne dasjenige das Seiende, was ist, was ich gesehen habe. Im «Sein» steckt noch das «Gesehenhaben» drinnen. Und ohne daß man dabei in den Materialismus verfällt - wir werden sehen, aus welchem Grunde man ihm nicht zu verfallen braucht -, kann man sagen, daß unsere Vorstellungswelt eigentlich eine Art Filtrieren des Sehens und Hörens, schon weniger des Riechens und Schmeckens ist, denn weniger solche Sinneswahrnehmungen stecken in unserer Vorstellungswelt drinnen. Dadurch, daß unser Bewußtsein innig zusammen ist mit diesen unseren höheren Sinnesqualitäten, nimmt auch unser Bewußtsein dieses passive höhere Vorstellungswesen auf.
[ 15 ] Nun handelt es sich darum, ob sich nicht vielleicht für den, der etwas unbefangener die Erscheinungen betrachtet als diejenigen, die zu diesem Urteil kommen, doch noch etwas anderes ergibt. Sie wissen ja alle, wie innig zusammenhängt dasjenige, was wir unsere gewöhnlichen passiven Vorstellungen nennen, durch die wir die Welt wahrnehmen, mit den Eindrücken des Auges, des Ohres, weniger schon zusammenhängt mit dem, was wir durch Geschmack und Geruch wahrnehmen. Versuchen Sie nur einmal, rein aus dem Sprachbestand heraus, sich die Summe Ihres höheren Vorstellungslebens einmal zu ziehen, so werden Sie sehen, daß man noch in den Worten, die wir zur Repräsentierung unserer Begriffe brauchen, überall die Reste der höheren Sinnesqualitäten wahrnehmen kann. Sogar wenn wir das sehr abstrakte Wort «Sein» aussprechen, so hängt seine Bildung zusammen mit «Ich habe gesehen». Ich nenne dasjenige das Seiende, was ist, was ich gesehen habe. Im «Sein» steckt noch das «Gesehenhaben» drinnen. Und ohne daß man dabei in den Materialismus verfällt - wir werden sehen, aus welchem Grunde man ihm nicht zu verfallen braucht -, kann man sagen, daß unsere Vorstellungswelt eigentlich eine Art Filtrieren des Sehens und Hörens, schon weniger des Riechens und Schmeckens ist, denn weniger solche Sinneswahrnehmungen stecken in unserer Vorstellungswelt drinnen. Dadurch, daß unser Bewußtsein innig zusammen ist mit diesen unseren höheren Sinnesqualitäten, nimmt auch unser Bewußtsein dieses passive höhere Vorstellungswesen auf.
[ 16 ] Allein, wir haben innerhalb unseres Seelenwesens von der anderen Seite her auch unseren Willen, und Sie werden sich erinnern, wie oft ich gerade in den anthroposophischen Vorträgen betont habe, daß dem Willen gegenüber der Mensch eigentlich schläft. Er wacht im Grunde genommen nur im Gebiete seiner höheren passiven Vorstellungen. Was Sie wollen, nehmen Sie ja auch nur durch diese Vorstellungen wahr. Sie haben die Vorstellung: Ich hebe dieses Glas auf. Ja, was darin Vorstellungsbestandteile sind, das ist durchaus etwas, worin die Reste der Außenwahrnehmungen sind. Sie stellen sich etwas vor, was durchaus in das Gebiet der Sichtbarkeit gehört. Auch wenn Sie es denken, haben Sie das Nachbild des Sichtbaren. Solch ein Nachbild in unmittelbarer Art können Sie sich nicht verschaffen von dem eigentlichen Willensvorgang, von dem, was nun geschieht, indem Sie den Arm ausstrecken, mit der Hand das Glas umfassen, es heben. Das ist ein vollständig im Unbewußten bleibender Vorgang, was sich da abspielt zwischen Bewußtsein und feineren Vorgängen in dem Arm. Das bleibt so unbewußt, wie uns die Schlafzustände, in die wir verfallen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, unbewußt bleiben. Aber kann man denn leugnen, daß diese Vorgänge, wenn wir sie auch nicht wahrnehmen, doch da sind? Diese Vorgänge müssen doch innig verbunden sein mit unserem Menschenwesen, denn wir sind es doch, die das Glas heben. Wir werden also im Gebiet unseres Menschenwesens geführt von dem, was unmittelbar im Bewußtsein lebt, zu den Willensvorgängen, die gewissermaßen aus dem gewöhnlichen Gebiet des Bewußtseins herausragen. Nehmen wir an, alles das, was über dieser Linie liegt, sei im Gebiete des Bewußtseins. Was unterhalb liegt, also in die Willensvorgänge sich einsenkt, sei außerhalb des Bewußtseins. Gehen wir nun von da ab zum Gebiet der äußeren Naturerscheinungen: Wir finden unser Auge innig verbunden mit den Farbenerscheinungen, etwas, was wir im Bewußtsein überschauen; wir finden unser Ohr verbunden mit den Tonerscheinungen, etwas, was wir mit dem Bewußtsein überschauen. Dunkel, aber immerhin noch für das Bewußtsein traumhaft überschaubar, ist Schmecken und Riechen. Wir haben wieder etwas, was durchaus in das Gebiet des Bewußten hereingehört, aber mit der Außenwelt sich innig berührt.
[ 16 ] Allein, wir haben innerhalb unseres Seelenwesens von der anderen Seite her auch unseren Willen, und Sie werden sich erinnern, wie oft ich gerade in den anthroposophischen Vorträgen betont habe, daß dem Willen gegenüber der Mensch eigentlich schläft. Er wacht im Grunde genommen nur im Gebiete seiner höheren passiven Vorstellungen. Was Sie wollen, nehmen Sie ja auch nur durch diese Vorstellungen wahr. Sie haben die Vorstellung: Ich hebe dieses Glas auf. Ja, was darin Vorstellungsbestandteile sind, das ist durchaus etwas, worin die Reste der Außenwahrnehmungen sind. Sie stellen sich etwas vor, was durchaus in das Gebiet der Sichtbarkeit gehört. Auch wenn Sie es denken, haben Sie das Nachbild des Sichtbaren. Solch ein Nachbild in unmittelbarer Art können Sie sich nicht verschaffen von dem eigentlichen Willensvorgang, von dem, was nun geschieht, indem Sie den Arm ausstrecken, mit der Hand das Glas umfassen, es heben. Das ist ein vollständig im Unbewußten bleibender Vorgang, was sich da abspielt zwischen Bewußtsein und feineren Vorgängen in dem Arm. Das bleibt so unbewußt, wie uns die Schlafzustände, in die wir verfallen vom Einschlafen bis zum Aufwachen, unbewußt bleiben. Aber kann man denn leugnen, daß diese Vorgänge, wenn wir sie auch nicht wahrnehmen, doch da sind? Diese Vorgänge müssen doch innig verbunden sein mit unserem Menschenwesen, denn wir sind es doch, die das Glas heben. Wir werden also im Gebiet unseres Menschenwesens geführt von dem, was unmittelbar im Bewußtsein lebt, zu den Willensvorgängen, die gewissermaßen aus dem gewöhnlichen Gebiet des Bewußtseins herausragen. Nehmen wir an, alles das, was über dieser Linie liegt, sei im Gebiete des Bewußtseins. Was unterhalb liegt, also in die Willensvorgänge sich einsenkt, sei außerhalb des Bewußtseins. Gehen wir nun von da ab zum Gebiet der äußeren Naturerscheinungen: Wir finden unser Auge innig verbunden mit den Farbenerscheinungen, etwas, was wir im Bewußtsein überschauen; wir finden unser Ohr verbunden mit den Tonerscheinungen, etwas, was wir mit dem Bewußtsein überschauen. Dunkel, aber immerhin noch für das Bewußtsein traumhaft überschaubar, ist Schmecken und Riechen. Wir haben wieder etwas, was durchaus in das Gebiet des Bewußten hereingehört, aber mit der Außenwelt sich innig berührt.


[ 17 ] Indem wir aber übergehen zu magnetischen und elektrischen Erscheinungen, entzieht sich uns dasjenige, was in Elektrizität und Magnetismus und so weiter lebt, demjenigen, was wir überschauen in unmittelbarem Zusammenhang unserer Organe mit der Natur. Es entzieht sich uns. Da sagen eben die Physiker, die Physiologen: Wir haben dafür keine Organe, das kann nur äußerlich wahrgenommen werden, es sondert sich von uns ab, es ist da draußen (siehe Zeichnung, oben). — Wir haben also ein Gebiet, dem wir uns nähern, wenn wir nach der Außenwelt hingehen. Da haben wir Lichterscheinungen, Wärmeerscheinungen. Die Elektrizitätserscheinungen, wo entschlüpfen sie uns denn? Wir spüren nicht mehr den Zusammenhang mit den Organen. Wir haben in uns, indem wir Licht- und Tonerscheinungen verarbeiten, filtrierte Abdrücke in unserem Vorstellen. Wenn wir aber da hinuntergehen (unten, rot), entschlüpft unser eigenes Wesen uns in den: Willen hinein.
[ 17 ] Indem wir aber übergehen zu magnetischen und elektrischen Erscheinungen, entzieht sich uns dasjenige, was in Elektrizität und Magnetismus und so weiter lebt, demjenigen, was wir überschauen in unmittelbarem Zusammenhang unserer Organe mit der Natur. Es entzieht sich uns. Da sagen eben die Physiker, die Physiologen: Wir haben dafür keine Organe, das kann nur äußerlich wahrgenommen werden, es sondert sich von uns ab, es ist da draußen (siehe Zeichnung, oben). — Wir haben also ein Gebiet, dem wir uns nähern, wenn wir nach der Außenwelt hingehen. Da haben wir Lichterscheinungen, Wärmeerscheinungen. Die Elektrizitätserscheinungen, wo entschlüpfen sie uns denn? Wir spüren nicht mehr den Zusammenhang mit den Organen. Wir haben in uns, indem wir Licht- und Tonerscheinungen verarbeiten, filtrierte Abdrücke in unserem Vorstellen. Wenn wir aber da hinuntergehen (unten, rot), entschlüpft unser eigenes Wesen uns in den: Willen hinein.
[ 18 ] Ich werde jetzt etwas Paradoxes sagen, aber denken Sie es durch bis morgen. Denken Sie, wir wären nicht lebendige Menschen, sondern lebendige Regenbögen, und wir würden mit unserem Bewußtsein gerade sitzen im grünen Teil des Regenbogens, des Spektrums. Wir würden mit unserem Unbewußten angrenzen auf der einen Seite an das Blauviolett des Regenbogens, das würde uns entschwinden nach der einen Seite hin wie die Elektrizität; nach der anderen Seite würden wir angrenzen an Gelb und Rot, das würde uns entschwinden, wie nach innen unser Wille. Wenn wir Regenbögen wären, würden wir Grün nicht wahrnehmen, so wie wir das, was wir unmittelbar sind, nicht wahrnehmen unmittelbar; wir erleben es. Wir würden aber angrenzen, indem wir hier gewissermaßen aus dem Grün herausgehend ins Gelb übergehen, an das eigene Innere. Wir würden sagen: Ich, Regenbogen, nähere mich meiner Röte, die ich aber als Inneres nicht mehr wahrnehme; ich, Regenbogen, nähere mich meinem Blauviolett, was sich mir aber entzieht. Ich bin da mitten drinnen. - Wären wir also denkende, lebendige Regenbögen, so würden wir so im Grün drinnensitzen und auf der einen Seite den blauvioletten Pol haben, auf der anderen Seite den rotgelben Pol, wie wir jetzt als Menschen mit unserem Bewußtsein irgendwo sitzen, auf der einen Seite die Naturqualitäten haben, die sich uns so entziehen wie Magnetismus und Elektrizität, auf der anderen Seite die inneren Qualitäten, die sich uns so entziehen wie die Willenserscheinungen.
[ 18 ] Ich werde jetzt etwas Paradoxes sagen, aber denken Sie es durch bis morgen. Denken Sie, wir wären nicht lebendige Menschen, sondern lebendige Regenbögen, und wir würden mit unserem Bewußtsein gerade sitzen im grünen Teil des Regenbogens, des Spektrums. Wir würden mit unserem Unbewußten angrenzen auf der einen Seite an das Blauviolett des Regenbogens, das würde uns entschwinden nach der einen Seite hin wie die Elektrizität; nach der anderen Seite würden wir angrenzen an Gelb und Rot, das würde uns entschwinden, wie nach innen unser Wille. Wenn wir Regenbögen wären, würden wir Grün nicht wahrnehmen, so wie wir das, was wir unmittelbar sind, nicht wahrnehmen unmittelbar; wir erleben es. Wir würden aber angrenzen, indem wir hier gewissermaßen aus dem Grün herausgehend ins Gelb übergehen, an das eigene Innere. Wir würden sagen: Ich, Regenbogen, nähere mich meiner Röte, die ich aber als Inneres nicht mehr wahrnehme; ich, Regenbogen, nähere mich meinem Blauviolett, was sich mir aber entzieht. Ich bin da mitten drinnen. - Wären wir also denkende, lebendige Regenbögen, so würden wir so im Grün drinnensitzen und auf der einen Seite den blauvioletten Pol haben, auf der anderen Seite den rotgelben Pol, wie wir jetzt als Menschen mit unserem Bewußtsein irgendwo sitzen, auf der einen Seite die Naturqualitäten haben, die sich uns so entziehen wie Magnetismus und Elektrizität, auf der anderen Seite die inneren Qualitäten, die sich uns so entziehen wie die Willenserscheinungen.
