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The Boundaries of Natural Science
GA 322

2 October 1920, Dornach

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Sechster Vortrag

Sixth Lecture

[ 1 ] Wir schlossen gestern damit, daß wir hinstellten dasjenige, was sich an der einen Grenze des menschlichen Naturerkennens für ein wirkliches, wahrhaftes Erkennen ergibt, wir schlossen damit, daß die Inspiration charakterisiert wurde. Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, wie der Mensch durch die Inspiration hineinwächst in eine geistige Welt, in der er sich dann selber darinnen weiß, in der er sich zugleich außerhalb seines Leibes weiß, und ich habe Ihnen gezeigt, wie dieses Hineinwachsen aus einem gewissermaßen tonlosen musikalischen Elemente herauf bis zum Hineinwachsen in ein individualisiertes wesenhaftes Element geschieht. Es ist wohl auch aus den gestern gemachten Bemerkungen über den Hyperkritizismus und den Hyperskeptizismus hervorgegangen, daß pathologische Zustände beim Menschen entstehen können, wenn dieses Herausgehen des Menschen aus seinem Leibe gewissermaßen geschieht ohne die Mitnahme des Ich, wenn der Mensch nicht sein volles Bewußtsein, sein Ich-Bewußtsein in diejenigen Zustände mit hineinverwebt, die er während der Inspiration eben durchlebt. Wenn der Mensch dieses sein Ich in diese Inspiration hineinbringt, dann ist dieses ein gesunder, ja ein notwendiger Fortschritt im menschlichen Erkennen. Wenn der Mensch aber in einer Kulturepoche, wie die gegenwärtige es ist, wo einfach die menschliche Wesenheit nach diesem Freiwerden vom Organismus strebt, wenn er instinktiv, unbewußt, krankhaft die Sache über sich kommen läßt, dann kommen eben jene krankhaften Zustände heraus, von denen gestern gesprochen worden ist. Wir haben gewissermaßen in unserer menschlichen Natur die zwei Pole. Entweder können wir auf der einen Seite hinsehen zu dem, was uns einen freien geistigen Ausblick in höchste Wirklichkeiten bietet, oder wir können, indem wir es vermeiden, indem wir nicht den Mut dazu aufbringen, vollbewußt in diese Region hineinzudringen, sondern uns treiben lassen von den unbewußten Kräften der Menschennatur, wir können in eine Erkrankung des menschlichen Organismus hinein verfallen. Und schlimm wäre es, zu glauben, daß man geschützt wäre vor dieser Erkrankung, wenn man vermiede das Hineinstreben in die wirkliche geistige Welt. Der Krankheit verfällt man sowieso, wenn die Instinkte den astralischen Leib, wie wir dann sagen, heraustreiben aus der menschlichen Organisation. Und dasjenige, was erlebt wird dadurch, daß wir - wenn wir auch nicht selbst forscherisch hineinkommen in diese geistige Welt, die charakterisiert worden ist — bloß durch das vernünftige Begreifen die Ideen der Geisteswissenschaft aufnehmen, das schützt uns voll, insbesondere in der gegenwärtigen Zeit, vor dem ungesunden Verfallen in jene pathologischen Zustände, wenn sie auch nur seelisch auftreten, die gestern charakterisiert werden mußten nach der einen Seite.

[ 1 ] We concluded yesterday by setting forth what, at one limit of human knowledge of nature, constitutes genuine, true knowledge; we concluded by characterizing inspiration. I drew your attention to how, through inspiration, a person grows into a spiritual world in which they then know themselves to be present, and in which they simultaneously know themselves to be outside their body; and I showed you how this process of growing into that world unfolds, rising from a musical element that is, so to speak, without tone, up to the point of growing into an individualized, essential element. It has probably also become clear from yesterday’s remarks on hypercriticism and hyperskepticism that pathological conditions can arise in human beings when this stepping out of the body occurs, so to speak, without the “I” being brought along—when the human being does not weave his full consciousness, his “I”-consciousness, into the very states he is experiencing during inspiration. When a person brings this “I” into this inspiration, it constitutes a healthy—indeed, a necessary—advance in human cognition. But when, in a cultural epoch such as the present one—where the human being simply strives to free itself from the organism—a person instinctively, unconsciously, and pathologically allows this process to overwhelm them, then precisely those pathological states emerge that were discussed yesterday. We have, so to speak, these two poles within our human nature. Either we can turn our gaze toward that which offers us a free spiritual outlook into the highest realities, or—by avoiding it, by failing to muster the courage to penetrate this realm with full consciousness, and instead allowing ourselves to be driven by the unconscious forces of human nature—we can fall into a state of illness within the human organism. And it would be a mistake to believe that one is protected from this illness by avoiding the pursuit of the true spiritual world. One succumbs to this illness in any case when the instincts drive the astral body—as we then say—out of the human organism. And what is experienced by the fact that we—even if we do not ourselves enter this spiritual world, which has been characterized, in an exploratory manner—simply take in the ideas of Spiritual Science through rational understanding, that fully protects us, especially in the present time, from the unhealthy descent into those pathological states—even if they occur only on the soul level—that had to be characterized yesterday from one perspective.

[ 2 ] Was aber tragen wir eigentlich hinein in die höhere Welt, wenn wir das volle Bewußtsein hineintragen? Sie brauchen ja nur ein wenig die Entwickelung des Menschen von seiner Geburt an zu verfolgen bis zum Zahnwechsel hin und über den Zahnwechsel hinaus, so werden Sie finden, daß neben der Entwickelung von Sprache, Denken und so weiter ein besonders bedeutsames Element in dieser menschlichen Entwickelung die allmähliche Entstehung und Umbildung des Gedächtnisses ist. Und wenn Sie dann hinschauen auf das menschliche Leben in seinem Verlaufe, so werden Sie die ganze Wichtigkeit des Gedächtnisses für ein volles Menschendasein begreifen. Wenn durch irgendwelche krankhaften Zustände das Gedächtnis unterbrochen ist, so daß wir uns an gewisse Erlebnisse, die wir gehabt haben, nicht erinnern, daß gewissermaßen eine Diskontinuität des Gedächtnisses eintritt, dann verfallen wir einer schweren Seelenkrankheit, denn wir fühlen gewissermaßen den Ich-Faden, der sonst durch unser Leben geht, abreißen. Dieses Gedächtnis — Sie können das auch in meiner «Theosophie» nachlesen — hängt eng an dem Ich. Daher dürfen wir auch nicht verlieren dasjenige, was sich im Gedächtnis äußert, wenn wir diesen Weg, den ich gestern charakterisiert habe, zurücklegen. Wir müssen gewissermaßen die Kraft in unserer Seele, die uns mit dem Gedächtnis ausstattet, mit hinausnehmen in die Welt der Inspiration.

[ 2 ] But what, exactly, do we bring into the higher world when we bring our full consciousness into it? You need only follow human development a little, from birth through the change of teeth and beyond, and you will find that, alongside the development of language, thinking, and so on, a particularly significant element in this human development is the gradual emergence and transformation of memory. And when you then look at the course of human life, you will understand the full importance of memory for a full human existence. If, due to any pathological conditions, memory is interrupted—so that we cannot recall certain experiences we have had, resulting, as it were, in a discontinuity of memory—then we fall prey to a serious mental illness, for we feel, as it were, the thread of the “I” that otherwise runs through our lives being severed. This memory—you can also read about this in my Theosophy—is closely connected to the “I.” Therefore, we must not lose what is expressed in memory as we travel this path, which I described yesterday. We must, so to speak, take the power within our soul that endows us with memory with us into the world of inspiration.

[ 3 ] Aber, wie sich in der Natur alles verändert, wie die Pflanze ihr grünes Blatt, indem sie emporwächst, in die roten Blumenblätter verwandelt, wie in der Natur alles auf Metamorphose beruht, so ist es auch in dem, was das Menschenleben durchläuft. Wenn wir unter dem Einfluß des vollen Ich-Bewußtseins die Kraft des Gedächtnisses wirklich heraustragen in die Welt der Inspiration, so verwandelt es sich, so metamorphosiert es sich. Daher macht man auf der einen Seite die Erfahrung, daß man in demjenigen Momente seines Lebens, wo man als Geistesforscher in Inspiration ist, daß man in diesem Momente seines Lebens das gewöhnliche Gedächtnis nicht zu seiner Verfügung hat. Dieses gewöhnliche Gedächtnis hat man nur zu seiner Verfügung im gesunden Leben im Leibe; in dem Leben außerhalb des Leibes hat man dieses Gedächtnis nicht zur Verfügung.

[ 3 ] But just as everything in nature changes—just as a plant transforms its green leaves into red petals as it grows upward, and just as everything in nature is based on metamorphosis—so it is with the stages of human life. When, under the influence of full self-consciousness, we truly carry the power of memory out into the world of inspiration, it transforms; it undergoes a metamorphosis. Hence, on the one hand, one experiences that at those moments in life when, as a spiritual researcher, one is in a state of inspiration, one does not have ordinary memory at one’s disposal. This ordinary memory is available only in healthy life within the body; in life outside the body, this memory is not available.

[ 4 ] Daraus geht eine eigentümliche Tatsache hervor, die Ihnen vielleicht, indem ich sie Ihnen zum ersten Mal vor das Seelenauge führe, paradox erscheinen wird, die aber doch durchaus auf einer Realität beruht. Derjenige, der wirklich zum Geistesforscher geworden ist, der daher durch Inspiration konkret in wahre geistige Wirklichkeit, wie sie in meinen Büchern geschildert wird, eindringt, der muß sie jedesmal, wenn er sie im Bewußtsein haben will, neu erleben. Wenn daher jemand aus seiner Inspiration heraus spricht über die geistige Welt, nicht aus bloßen Notizen oder aus dem bloßen Gedächtnis, sondern wenn er unmittelbar dasjenige ausspricht, was sich ihm offenbart in der geistigen Welt, dann muß er jedesmal die Arbeit der geistigen Wahrnehmung neu vollziehen. Die Kraft des Gedächtnisses hat sich da verwandelt. Man hat nur die Kraft behalten, dasselbe immer wieder hervorzubringen. Daher hat es der Geistesforscher selbst nicht so leicht als der bloße Gedächtnismensch. Er kann nicht einfach irgendeine Mitteilung aus dem Gedächtnis wieder mitteilen, sondern er muß jedesmal neu produzieren, was sich ihm innerhalb der Inspiration darbietet. Und es ist ja damit im Grunde genommen nicht anders, als wie es ist gegenüber der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Wahrnehmung. Sie können, wenn Sie wirklich wahrnehmen wollen in der physisch-sinnlichen Welt, nicht von den wahrgenommenen Dingen weggehen und an einer andern Stelle dieselbe Wahrnehmung haben. Sie müssen wiederum zu den Dingen zurückkehren. So muß der Geistesforscher im Geistigen wiederum zu demselben geistigen Bewußtseinsinhalte zurückkehren. Und wie man bei der physischen Wahrnehmung lernen muß, im Raume sich zu bewegen, damit man abwechselnd das eine oder das andere wahrnehmen kann, so muß der Geistesforscher, der zur Inspiration kommt, dahin gelangen, frei sich zu bewegen im Elemente der Zeit. Er muß gewissermaßen, wenn ich mich des paradoxen Ausdruckes bedienen darf, im Elemente der Zeit schwimmen können. Er muß mit der Zeit selber mitgehen lernen. Und wenn er dann dieses lernt, dann findet er, daß die Kraft des Gedächtnisses sich in ein anderes verwandelt hat, daß eine Metamorphose eingetreten ist mit der Kraft des Gedächtnisses. Das, was das Gedächtnis in der gewöhnlichen physisch-sinnlichen Welt geleistet hat, das muß er jetzt durch geistige Wahrnehmung ersetzen. Dasjenige aber, in das sich das Gedächtnis verwandelt hat, das gibt ihm die Wahrnehmung eines umfassenderen Ich. Jetzt wird zu einer Erkenntnistatsache diejenige der wiederholten Erdenleben. Jetzt wird das Ich in seiner Erweiterung erkannt. Jetzt, wo man das Gedächtnis, das zusammenhält die Ich-Gewalt zwischen Geburt und Tod, jetzt, wo man dieses Gedächtnis verwandelt hat, jetzt sprengt der Inhalt des Ich die Hülle, die nur ein Leben umfaßt, jetzt tritt die Erkenntnis von den wiederholten Erdenleben, zwischen denen ein rein geistiges Dasein zwischen dem Tode und einer neuen Geburt absolviert wird, jetzt tritt sie als etwas auf, wastatsächlich erkannt wird.

[ 4 ] This gives rise to a peculiar fact that may seem paradoxical to you—since I am presenting it to your inner eye for the first time—but which is nonetheless based entirely on reality. Anyone who has truly become a spiritual researcher—and who, through inspiration, thus penetrates concretely into true spiritual reality as described in my books—must experience it anew every time he wishes to keep it in his consciousness. Therefore, when someone speaks about the spiritual world out of inspiration—not from mere notes or mere memory, but when they directly express what is revealed to them in the spiritual world—they must perform the work of spiritual perception anew each time. The power of memory has been transformed in this process. One has retained only the power to bring the same thing forth again and again. Therefore, the spiritual researcher himself does not have it as easy as the person who relies solely on memory. He cannot simply recount some information from memory; rather, he must produce anew each time what presents itself to him within the inspiration. And in essence, this is no different from how it is with ordinary physical-sensory perception. If you truly wish to perceive in the physical-sensory world, you cannot walk away from the perceived objects and have the same perception in another place. You must return to the objects. In the same way, the spiritual researcher must return in the spiritual realm to the same content of spiritual consciousness. And just as one must learn, in physical perception, to move through space in order to perceive one thing or another in turn, so must the spiritual researcher who attains inspiration learn to move freely within the element of time. He must, so to speak—if I may use this paradoxical expression—be able to swim in the element of time. He must learn to move in step with time itself. And when he has learned this, he will find that the power of memory has been transformed into something else, that a metamorphosis has taken place within the power of memory. What memory has accomplished in the ordinary physical-sensory world, he must now replace with spiritual perception. But that into which memory has been transformed gives him the perception of a more comprehensive “I.” Now the fact of repeated earthly lives becomes a matter of knowledge. Now the “I” is recognized in its expansion. Now that memory—which holds together the Powers of the “I” between birth and death— now that this memory has been transformed, the content of the “I” bursts through the shell that encompasses only a single life; now the realization of repeated earthly lives—between which a purely spiritual existence is lived out between death and a new birth—now this realization emerges as something that is actually recognized.

[ 5 ] Nach der andern Seite, nach der Bewußtseinsseite, ergibt sich nun ein anderes, wenn man versucht, dasjenige zu vermeiden, was eine alte Anschauung des Geistigen, die ich Ihnen ja auch schon charakterisiert habe als diejenige der Vedantaphilosophien etwa, noch nicht kannte. Wir im Abendlande fühlen auf der einen Seite die Höhe der geistigen Anschauung, wenn wir uns in die alte orientalische Weisheit vertiefen. Wir fühlen, wie da die Seele hinaufgetragen wurde in der Vedantaphilosophie in geistige Regionen, in denen sie sich bewegen konnte, wie sich der Abendländer mit dem gewöhnlichen Bewußtsein nur bewegen kann innerhalb des mathematischen, des geometrischen, des analytisch-mechanischen Denkens. Aber wenn wir hinuntergehen in die breiten Regionen, die im Oriente dem gewöhnlichen Bewußtsein zugänglich waren, dann finden wir etwas, was wir Abendländer vermöge unserer vorgerückteren menschlichen Entwickelungsstufe nicht mehr vertragen können, wir finden einen weitgehenden Symbolismus, ein Allegorisieren gegenüber der äußeren Natur. Dieses Symbolisieren, dieses Allegorisieren, dieses Denken der äußeren Natur in Bildern, das ist dasjenige, wovon wir das deutliche Bewußtsein haben, es führt uns von der wahren Wirklichkeit, von dem wahren Hineinschauen in die Natur weg. Es ist übergegangen in gewisse Religionsbekenntnisse. Gewisse Religionsbekenntnisse wissen mit dieser in die Dekadenz gekommenen Symbolisierungskunst, mit dieser Mythisierungskunst nichts Rechtes mehr anzufangen. Für uns im Abendlande ist dasjenige, was der Morgenländer so in einer illusionären Welt unmittelbar angewendet hat auf die äußere Natur, womit er glaubte, in der äußeren Natur etwas erkennen zu können, für uns ist es so geworden, daß es nur einen Wert haben darf, indem wir es als innerliche Übung zum weiteren Geistesforschen gebrauchen. Wir müssen uns aneignen diejenige Seelenkraft, die der Morgenländer verwendet hat zum Symbolisieren, zum Anthropomorphisieren. Wir müssen diese Kraft innerlich ausüben und uns dabei voll bewußt bleiben, wir verfallen in Aberglauben, wir verfallen in Naturschwärmerei, wenn wir mit dieser Kraft etwas anderes tun als unsere Seele selber bilden. Ich werde über das Genauere, das Sie übrigens auch in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» finden, bei einer andern Gelegenheit noch vor Ihnen hier zu sprechen haben.

[ 5 ] On the other hand—the side of consciousness—a different perspective emerges when one attempts to avoid what an ancient view of the spiritual, which I have already characterized for you as that of the Vedanta philosophies, for example, did not yet recognize. We in the West, on the one hand, sense the loftiness of the spiritual perspective when we immerse ourselves in ancient Eastern wisdom. We sense how, in Vedanta philosophy, the soul was carried up into spiritual realms where it could move freely—just as a Westerner, with ordinary consciousness, can move only within mathematical, geometric, and analytical-mechanical thinking. But when we descend into the vast realms that were accessible to ordinary consciousness in the East, we find something that we Westerners, by virtue of our more advanced stage of human development, can no longer tolerate; we find extensive symbolism and allegorization of external nature. This symbolization, this allegorization, this thinking about external nature in images—this is precisely what we are clearly aware of; it leads us away from true reality, from a true insight into nature. It has given way to certain religious creeds. Certain religious creeds no longer know what to make of this art of symbolism, which has fallen into decadence, nor of this art of mythologization. For us in the West, what the Easterners applied so directly to external nature in an illusory world—through which they believed they could recognize something in external nature—has come to have value for us only insofar as we use it as an inner exercise for further spiritual exploration. We must cultivate the very spiritual power that the people of the East used for symbolization and anthropomorphism. We must exercise this power inwardly while remaining fully aware that we fall into superstition and nature worship if we use this power for anything other than shaping our own souls. I will speak to you here on another occasion about the details—which, incidentally, you can also find in my book How Does One Attain Knowledge of the Higher Worlds?

[ 6 ] Aber indem man diese Kraft, die der Morgenländer nach außen wendet, innerlich als Kraft des Übens anwendet, indem man das bildliche Vorstellen zunächst in einer solchen Weise in sich ausbildet, gelangt man wirklich dazu, nach der andern Seite hin, nach der Bewußstseinsseite, Erkenntnisse zu entwickeln. Man gelangt allmählich dazu, das abstrakte, das bloß ideenhafte Denken umzuwandeln in bildhaftes Denken. Und dann tritt etwas ein, was ich nur nennen kann ein erlebendes Denken. Man erlebt das bildhafte Denken. Warum erlebt man es? Ja, man erlebt ja nichts anderes als dasjenige, was im Leibe selber wirkt in den ersten Kinderjahren, wie ich es Ihnen beschrieben habe. Man erlebt nicht den im Raume ruhig geformten und seine Form nicht ändernden menschlichen Organismus, sondern erlebt dasjenige, was im Menschen innerlich lebt und webt. Man erlebt es in Bildern. Man ringt sich allmählich hindurch zu einer Anschauung des wirklichen Seelenlebens. Da entwickelt sich auf der andern Seite zur Erkenntnis dasjenige, was im Bewußtsein drinnen ist, das imaginative Vorstellen, das Leben in Imaginationen. Und ohne das Vorrücken in dieses Leben der Imaginationen kommt die moderne Psychologie nicht weiter. Einzig und allein dadurch, daß zu Imaginationen vorgerückt werden wird, wird eine Psychologie, die über eine bloße Wortklauberei hinwegkommt, wiederum entstehen können, eine Psychologie, die wirklich hineinschaut in den Menschen.

[ 6 ] But by applying this power—which the Eastern person directs outward—inwardly as a power of practice, and by first cultivating mental images within oneself in this way, one truly comes to develop insights on the other side, the side of consciousness. One gradually comes to transform abstract, purely conceptual thinking into pictorial thinking. And then something occurs that I can only call experiential thinking. One experiences pictorial thinking. Why does one experience it? Indeed, one experiences nothing other than what is at work within the body itself during the early years of childhood, as I have described to you. One does not experience the human organism as it is quietly formed in space and does not change its form, but rather experiences that which lives and weaves within the human being. One experiences it in images. One gradually works one’s way toward a vision of the real life of the soul. On the other hand, what develops into insight is that which lies within consciousness: imaginative mental images, life in imaginations. And without advancing into this life of imaginations, modern psychology cannot move forward. Only by advancing toward imaginations will it be possible for a psychology to emerge once again that transcends mere quibbling over words—a psychology that truly looks into the human being.

[ 7 ] Und ebenso wie jetzt die Zeit da ist, daß der Mensch sich herauslebt durch die allgemeinen Kulturverhältnisse aus seinem physischen Leibe, daß er entgegenstrebt der Inspiration, wie wir das an dem Beispiel Nietzsche gesehen haben, ebenso ist jetzt die Zeit da, daß der Mensch, wenn er sich selber erkennen will, zur Imagination sich hingeleitet fühlen muß. Der Mensch muß tiefer in sich hinein, als er es brauchte gegenüber den bisherigen Kulturverläufen. Der Mensch muß, wenn die Entwickelung nicht in die Barbarei hineinkommen soll, zu einer wahren Selbstschau kommen. Und das kann er nur durch das Entgegennehmen der Erkenntnis durch Imagination. Daß der Mensch in dieser Weise in sein Inneres hineinstrebt, daß er tiefer da untertauchen will in dem Inneren, als das im bisherigen Kulturverlauf der Fall ist, das zeigt sich uns wiederum an demjenigen, was als entstehende pathologische Krankheitsbilder in der besonderen modernen Form erst in jüngster Zeit beschrieben wird von denjenigen, die solches vom Gesichtspunkte der Psychiatrie oder der Medizin überhaupt studieren können. Das zeigt uns vor allen Dingen das Erscheinen der Agoraphobie, das Erscheinen der Astraphobie, der Klaustrophobie, Krankheitsformen, die in unserer Zeit besonders häufig auftreten. Und wenn sie in der Regel auch erst in ihrem psychiatrisch zu nehmenden Zustande beobachtet werden, dem feineren Beobachter aber ergibt sich noch etwas ganz anderes. Er sieht Agoraphobie, Astraphobie und so weiter im reinen Seelischen schon herauftauchen in der Menschheitsentwickelung, wie er die Inspiration herauftauchen sah in krankhafter Weise bei Friedrich Nietzsche, er sieht herauftauchen vor allen Dingen in den äußerlich oftmals noch als normal angesehenen Seelenzuständen dasjenige, was in Agoraphobie, in der Platzfurcht, in der Raumesfurcht auftritt. Er sieht herauftauchen dasjenige, was herauftaucht in der Astraphobie, wenn die Leute etwas innerlich verspüren und nicht recht wissen, wie sie damit zurechtkommen, wenn dieses Innerlich-Verspüren so weit geht, daß zum Beispiel ihre Verdauungsorgane ergriffen werden und ihre Verdauung dadurch gestört wird. Er lernt erkennen dasjenige, was man nennen könnte Einsamkeitsfurcht, Klaustrophobie, wenn die Menschen nicht allein sein können, wenn sie in krankhafter Weise immer und überall nur sein können, wenn sie dabei Gesellschaft um sich haben und dergleichen. Diese Dinge kommen herauf. Diese Dinge zeigen, wie die Menschheit gegenwärtig nach der Imagination hin strebt, und wie ein Übel, das sonst ein Kulturübel werden müßte, nur durch die Imagination bekämpft werden kann. Platzfurcht - sie ist ja ein Übel, das sich bei manchen Menschen in einer erschreckenden Weise zeigt. Diese Menschen wachsen heran. Von einem gewissen Zeitpunkte ihres Lebens zeigen sich bei ihnen merkwürdige Zustände. Wenn sie aus einer Haustüre heraustreten auf einen Platz, der vielleicht menschenarm ist, so befällt sie eine für sie unergründliche Angst. Sie fürchten sich vor etwas, sie getrauen sich nicht einen Schritt weiter zu machen auf dem leeren Platze, und wenn sie einen Schritt weiter machen, dann kann es ihnen passieren, daß sie in die Knie sinken oder vielleicht sogar umfallen, daß sie von einer Ohnmacht befallen werden. In dem Augenblicke, wo nur ein Kind kommt, ergreift der Betreffende den Arm des Kindes, oder er hält nur seine Hand an den Körper des Kindes hin, und in diesem Augenblick fühlt er sich wiederum innerlich durchkraftet, die Agoraphobie geht zurück. Ein Fall, der in der medizinischen Literatur beschrieben ist, ist besonders interessant. Ein junger Mann, der sich sogar stark genug fühlte, Offizier zu werden, wird gerade bei einem Manöver, als er hinausgeschickt wird, irgendwo eine Gegend aufzuzeichnen, von Platzfurcht befallen. Seine Finger zittern, er kann nicht zeichnen; da, wo er eine Leere um sich hat oder wenigstens etwas, was er als Leere empfindet, da wird er von einer Angst befallen, die er sogleich als etwas Krankhaftes empfindet. Es ist in der Nähe einer Mühle. Er muß sich immer, damit er überhaupt seine Pflicht erfüllen kann, ein kleines Kind neben sich hinstellen, und nur daß es dasteht, das macht es, daß er nun wieder zeichnen kann. Wir fragen uns: Woher solche Erscheinungen? Woher zum Beispiel die andern Erscheinungen, daß es Menschen gibt, die, wenn sie des Nachts irgendwie vergessen haben, was vielleicht schon einer längeren Gewohnheit bei ihnen entspricht, die Türe zu öffnen zu ihrem Schlafzimmer, aus dem Schlafe schweißtriefend erwachen und nicht anders können, als aufspringen, die Türe aufzumachen; denn sie können nicht in einem Raume, der abgeschlossen ist, sein. Es gibt solche Menschen, die dazu kommen, daß sie alle Fenster und alle Türen offen haben müssen, daß sie sogar, wenn das Haus in einem Hof ist, das Hoftor offen lassen müssen, damit sie das Bewußtsein haben, daß sie Freiheit haben, jederzeit in den Raum hinauszukommen. Diese Klaustrophobie, das ist etwas, was man auch schon heraufkommen sieht, wenn es auch nicht in dieser radikalen Form häufig auftritt, etwas, was man heraufkommen sieht, wenn man die Seelenzustände der Menschen genauer zu beobachten vermag.

[ 7 ] And just as the time has now come for human beings to transcend their physical bodies through general cultural conditions—to strive toward inspiration, as we have seen in the example of Nietzsche—so, too, has the time now come for human beings, if they wish to know themselves, to feel drawn toward imagination. Human beings must delve deeper into themselves than was necessary in the cultural developments up to now. If development is not to descend into barbarism, human beings must arrive at true self-knowledge. And they can do this only by receiving knowledge through imagination. That human beings are striving inward in this way—that they wish to delve deeper into their inner selves than has been the case in the course of culture to date—is evident to us once again in what has only recently been described as emerging pathological conditions in their specific modern forms by those who are able to study such phenomena from the perspective of psychiatry or medicine in general. This is shown to us above all by the emergence of agoraphobia, astraphobia, and claustrophobia—forms of illness that occur particularly frequently in our time. And while they are generally observed only in their psychiatric manifestations, the more discerning observer perceives something quite different. He sees agoraphobia, astraphobia, and so on, already emerging in the purely psychological realm within human development—just as he saw inspiration emerge in a pathological form in Friedrich Nietzsche—he sees, above all, in those states of mind that are often still regarded as normal on the surface, precisely what appears in agoraphobia, in the fear of open spaces, and in the fear of enclosed spaces. He sees emerging that which emerges in astraphobia—when people sense something internally and do not quite know how to cope with it, when this inner sensing goes so far that, for example, their digestive organs are affected and their digestion is thereby disrupted. He learns to recognize what one might call the fear of loneliness, claustrophobia—when people cannot be alone, when, in a pathological way, they can only be present—always and everywhere—if they have company around them and the like. These things come to the surface. These things show how humanity is currently striving toward imagination, and how an affliction that would otherwise become a cultural affliction can be combated only through imagination. Fear of open spaces—it is, after all, an affliction that manifests itself in a frightening way in some people. These people are growing up. From a certain point in their lives, strange conditions begin to appear in them. When they step out of a front door onto a square that is perhaps sparsely populated, they are seized by a fear that is unfathomable to them. They are afraid of something; they do not dare to take another step on the empty square, and if they do take another step, they may sink to their knees or perhaps even fall over, overcome by a sense of powerlessness. The moment even a child approaches, the person in question grasps the child’s arm, or simply holds out his hand toward the child’s body, and at that very moment he feels his inner strength return, and the agoraphobia subsides. One case described in the medical literature is particularly interesting. A young man who felt strong enough to become an officer was suddenly overcome by agoraphobia during a military exercise, just as he was sent out to map a certain area. His fingers trembled; he could not draw; wherever he is surrounded by emptiness—or at least what he perceives as emptiness—he is overcome by a fear that he immediately recognizes as pathological. It happens near a mill. In order to fulfill his duty at all, he must always have a small child standing next to him, and simply having the child there is what enables him to draw again. We ask ourselves: Where do such phenomena come from? Where, for example, do the other phenomena come from—such as the fact that there are people who, if at night they have somehow forgotten to open the door to their bedroom—which may already be a long-standing habit of theirs—awaken from sleep drenched in sweat and cannot help but jump up and open the door; for they cannot bear to be in a locked room. There are people who reach the point where they must have all windows and doors open, and even—if the house is in a courtyard—must leave the courtyard gate open, so that they have the awareness that they are free to step out into the open at any time. This claustrophobia is something one can already see emerging—even if it does not often occur in this radical form—something one can see emerging when one is able to observe people’s mental states more closely.

[ 8 ] Und dann gibt es Menschen, sie fühlen bis zu physischen Zuständen etwas Unerklärliches in ihrem Leibe. Was ist es? Es ist ein herannahendes Gewitter, oder es sind andere atmosphärische Zustände. Es gibt heute sonst sehr gescheite Menschen — sie müssen die Vorhänge herunterlassen, wenn es blitzt oder donnert, sie müssen dann in einem dunklen Raum sein, denn dadurch allein können sie sich schützen gegen dasjenige, was sie erleben von den atmosphärischen Kräften her. Das ist die Astraphobie. Woher kommen diese Zustände, die wir im Seelenleben von heute schon sehr deutlich bemerken, insbesondere bei denjenigen Menschen, die sich lange hingeben einem gewissen Dogmatismus, gläubig hingeben; bei denen bemerkt man, wenn es auch noch nicht ins Physische übergeht, seelisch ganz genau diese Zustände. Sie sind ja im Anfange. Sie treten da störend auf gegenüber einer ruhigen, gelassenen Erfassung des Lebens, sie treten auch so auf, daß sie allerlei krankhafte Zustände hervorrufen, die, weil sich das physische Bild der Klaustrophobie oder der Agoraphobie oder der Astraphobie nicht gleich zeigt, allem möglichen zugeschrieben werden, während sie in Wahrheit zuzuschreiben sind der besonderen Konfiguration des Seelenlebens, das hereinbricht in den Menschen.

[ 8 ] And then there are people who feel something inexplicable in their bodies, even to the point of physical sensations. What is it? It is an approaching thunderstorm, or other atmospheric conditions. There are people today—otherwise very intelligent people—who must draw the curtains when there is lightning or thunder; they must then be in a dark room, for only in this way can they protect themselves against what they experience from the atmospheric forces. This is astralophobia. Where do these conditions come from, which we already notice very clearly in today’s spiritual life, especially among those people who have long devoted themselves to a certain dogmatism, devoting themselves to it with faith; in them, even if it has not yet manifested physically, one observes precisely these conditions in their souls. They are, after all, in their early stages. They interfere with a calm, serene grasp of life; they also manifest in such a way that they give rise to all manner of pathological conditions which—because the physical symptoms of claustrophobia, agoraphobia, or astraphobia do not immediately appear—are attributed to all sorts of causes, whereas in truth they are attributable to the particular configuration of the inner life that is taking hold within the person.

[ 9 ] Woher kommen denn solche Zustände? Sie kommen davon her, daß wir nicht nur müssen unser Seelenleben leibfrei empfinden lernen, sondern wir müssen es wiederum zurücktragen, dieses leibfrei empfundene Seelenleben, in den physischen Organismus, wir müssen es mit Bewußtsein untertauchen lassen. Geradeso wie sich zwischen der Geburt und dem Zahnwechsel aus dem Leibe herausschält dasjenige, was ich Ihnen im Laufe dieser Vorträge schon charakterisiert habe, so taucht dasjenige, was außen erlebt wird, was wir astralisches Erlebnis nennen können, wiederum unter in den menschlichen physischen Organismus zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife. Und dasjenige, was sich im Geschlechtsreifwerden abspielt, das ist nichts anderes als dieses Untertauchen zwischen dem etwa siebenten und etwa vierzehnten Lebensjahre. Es muß dasjenige, was der Mensch unabhängig als Seelisch-Geistiges hat, wiederum untertauchen in den Organismus. Und dasjenige, was dann als physische Liebe auftritt, was als Geschlechtstrieb auftritt, das ist nichts anderes als das Ergebnis dieses Untertauchens, das ich Ihnen beschrieben habe. Dieses Untertauchen, das muß man genau kennenlernen. Durch solche Anleitungen, wie die sind, von denen ich noch bei anderer Gelegenheit vor Ihnen hier sprechen werde, muß dieses im vollbewußten, gesunden Zustande derjenige bewirken können, der nach der Bewußtseinsseite hin eine wahre Erkenntnis erringen will, das heißt, er muß untertauchen lernen in den Leib. Dann wird man dasjenige, was sich da darbietet, zunächst als imaginative Vorstellung des Innerlichen erleben. Und das genügt nicht, daß man ein äußeres, plastisch-räumliches Formvorstellen hat, es genügt zu diesem Üben erst, wenn man ein bewegtes Formvorstellen hat, wenn man allmählich überhaupt alles Räumliche überwinden kann in dieser Imagination und man untertauchen kann in die Vorstellung eines Intensiven, eines Aus-sich-heraus-Wirkenden. Kurz, man muß untertauchen, so daß man dann im Untertauchen noch genau sich unterscheiden kann von seinem Leibe. Denn nur dasjenige kann man erkennen, was einem Objekt wird. Was mit einem Subjektiven verbunden bleibt, kann man nicht erkennen. Kann man frei halten von einem unbewußten Untertauchen in den Leib dasjenige, was man außerhalb des Leibes erlebt, dann kommt man hinunter in diesen Leib, und man erlebt in dem Leib dasjenige, was das Wesen dieses Leibes bis zum Bewußtsein herauf ist, in Imagination, in Bildern. Derjenige aber, der diese Bilder gewissermaßen hineinschlüpfen läßt in den Leib, der sie nicht frei behält, dem nicht der Leib Objekt wird, sondern dem der Leib Subjekt bleibt, der nimmt das Raumesgefühl mit hinein in den Leib. Dadurch verwächst in einer Stärke, in der es nicht sein darf, das Astralische mit dem Leibe. Dadurch verwächst das Erleben der Außenwelt mit dem Inneren des Menschen, und der Mensch kann dann, weil er so dasjenige, was objektiv hätte werden sollen, zu einem Subjektiven macht, das Räumliche nicht mehr in normaler Weise erleben. Die Furcht vor dem leeren Raum, die Furcht vor den einsamen Orten, die Furcht vor dem im Raume ausgebreiteten Astralischen, vor dem Gewitterhaften, vielleicht sogar vor dem Mond- und Sternenhaften, tritt in einem auf. Er lebt zu stark in sich. Es ist daher notwendig, daß alle die Übungen, die zu dem imaginativen Leben führen, bewahren vor einem solchen zu starken Untertauchen in den Leib, daß man jetzt in den Leib hinuntertaucht in der Weise, daß man nicht das Ich hineintaucht. Wie man das Ich hinaus mitnehmen muß in die Welt der Inspiration, so darf man es nicht mit hineinnehmen in die Welt der Imagination. Da hören auf, trotzdem man sich gerade durch das Symbolisierende, durch das bildhafte Vorstellen vorbereitet hat, da hören jetzt auch auf alle Phantasiebilder. Aber es treten auf die objektiven Bilder. Nur dasjenige, was eigentlich in der menschlichen Gestalt lebt, das hört auf, sich als ein Objekt vor den Menschen hinzustellen. Man verliert die äußere menschliche Gestalt und es tritt auf die Mannigfaltigkeit, die sich gewissermaßen herauslebt aus dem Ätherischen des Menschen. Der Mensch sieht jetzt nicht seine einheitliche menschliche Gestalt, sondern die Mannigfaltigkeit all jener Tierformen, deren synthetisches Durcheinander-und Zusammenformen die menschliche Gestalt ist. Er lernt erkennen auf eine innerliche Weise dasjenige, was im Pflanzenreich, was im Mineralreich lebt. Er lernt jetzt erkennen dasjenige, was er durch Atomismus und Molekularismus niemals erkennen kann, was im Tier-, Pflanzen- und Mineralreich wirklich drinnenlebt. Durch innere Selbstschau lernt er das erkennen. Und was macht es, daß wir unser Ich nicht hineintragen in diesen physischen Leib, wenn wir zur Imagination streben? Das allein macht es, daß wir in uns ausbilden in einer höheren Weise, als das im gewöhnlichen Leben ist, wo es durch die Leibkräfte des Sinnlichen geführt wird, die Kraft der Liebe; daß wir uns aneignen die selbstlose Kraft der Liebe, das Egoismusfreisein auch gegenüber dem Reiche der Natur, nicht bloß gegenüber dem Reiche der Menschheit; daß wir es über uns bringen, getragen sein zu lassen alles dasjenige, was uns zur Imagination hinführt, durch die Kraft der Liebe; daß die Kraft der Liebe niemals draußen ist aus einem Erkenntnisobjekte, das wir auf diese Weise suchen.

[ 9 ] Where do such states come from? They arise from the fact that we must not only learn to experience our inner life independently of the body, but we must also carry this inner life—experienced independently of the body—back into the physical organism; we must consciously immerse it there. Just as that which I have already described to you in the course of these lectures peels away from the body between birth and the change of teeth, so too does that which is experienced externally—what we might call astral experience—submerge once more into the human physical organism between the change of teeth and sexual maturity. And what takes place during the onset of puberty is nothing other than this immersion between approximately the seventh and fourteenth years of life. That which the human being possesses independently as soul-spiritual must once again submerge into the organism. And what then manifests as physical love, what manifests as the sex drive, is nothing other than the result of this submergence that I have described to you. This submergence—one must come to know it precisely. Through such exercises as those I will describe to you here on another occasion, the person who wishes to attain true insight on the level of consciousness must be able to bring this about in a fully conscious, healthy state; that is, they must learn to submerge themselves into the body. Then one will initially experience what presents itself there as an imaginative mental image of the inner world. And it is not enough to have an external, plastic-spatial mental image of form; for this practice, it is sufficient only when one has a dynamic mental image of form, when one can gradually overcome all spatiality in this imagination and immerse oneself in the mental image of something intense, something that acts from within itself. In short, one must immerse oneself so that, even in the act of immersion, one can still clearly distinguish oneself from one’s body. For one can recognize only that which becomes an object. What remains connected to the subjective cannot be recognized. If one can keep what one experiences outside the body free from an unconscious immersion into the body, then one descends into this body and experiences within it, in imagination and in images, that which constitutes the essence of this body as it rises up to consciousness. But the person who, as it were, allows these images to slip into the body—who does not keep them free, for whom the body does not become an object but remains a subject—takes the sense of space with them into the body. As a result, the astral body fuses with the physical body to an extent that should not be allowed. As a result, the experience of the external world fuses with the inner life of the human being, and the human being can then no longer experience space in the normal way—because by turning what should have become an object into a subjective experience, they have transformed it. A fear of empty space, a fear of lonely places, a fear of the astral realm spreading out in space, of stormy phenomena, perhaps even of the moon and stars—all these arise within a person. They live too intensely within themselves. It is therefore necessary that all the exercises leading to the imaginative life protect one from such an excessive immersion in the body—that one now immerses oneself in the body in such a way that one does not immerse the “I” within it. Just as one must take the “I” out into the world of inspiration, so one must not take it into the world of imagination. There, even though one has just prepared oneself through symbolization and mental images, all images of the imagination now cease. But objective images emerge. Only that which actually lives within the human form ceases to present itself as an object before human beings. One loses the outer human form, and what emerges is the diversity that, in a sense, manifests itself from the human’s etheric body. The human being now sees not his or her unified human form, but the diversity of all those animal forms whose synthetic intermingling and fusion constitute the human form. They learn to recognize, in an inner way, what lives in the plant kingdom and in the mineral kingdom. They now learn to recognize what they can never recognize through atomism and molecularism—what truly lives within the animal, plant, and mineral kingdoms. Through inner self-observation, they learn to recognize this. And what does it matter that we do not bring our “I” into this physical body when we strive toward imagination? It is precisely this that enables us to develop within ourselves, in a higher way than in ordinary life—where it is guided by the physical forces of the sensory realm—the power of love; that we acquire the selfless power of love, freedom from selfishness even toward the natural world, not merely toward the human realm; that we bring ourselves to allow everything that leads us toward imagination to be carried by the power of love; that the power of love is never absent from an object of knowledge that we seek in this way.

[ 10 ] Wiederum haben wir die zwei auseinanderstrebenden Richtungen: die gesunde Art, die Kraft der Liebe in die Imagination hinein zu erstrecken, oder aber in krankhafter Weise die Furcht uns aufzuladen vor demjenigen, was draußen ist, weil wir das, was draußen ist, in unserem Ich erleben und es dann, ohne unser Ich zurückzuhalten, in den Leib hineintragen, wodurch entsteht Agoraphobie, Klaustrophobie, Astraphobie. Aber ein höchstes Erkennen steht uns wiederum in Aussicht, wenn wir dasjenige in gesunder Weise entwickeln, was in krankhafter Weise der menschlichen Zivilisation droht und sie hineinführen würde in die Barbarei.

[ 10 ] Once again, we have two diverging paths: the healthy way of extending the power of love into the imagination, or, in a pathological manner, burdening ourselves with fear of what lies outside, because we experience what lies outside within our ego and then, without holding back our ego, carry it into the body, thereby giving rise to agoraphobia, claustrophobia, and astraphobia. But the prospect of the highest knowledge opens up to us once more if we develop in a healthy way that which, in a pathological way, threatens human civilization and would lead it into barbarism.

[ 11 ] Und nun erlangt man auf diese Weise eine wirkliche Erkenntnis des Menschen. Man gelangt hinaus über all dasjenige, was die Anatomie, Physiologie, Biologie wissen kann, und man gelangt hinein in eine wirkliche Erkenntnis des Menschen, indem man seine Organisation nun wirklich durchschaut. © diese menschliche Selbsterkenntnis, sie nimmt sich anders aus, als viele nebulosierende Mystiker glauben, die meinen, wenn sie da untertauchen, dann offenbare sich ihnen irgendein abstraktes Göttliches. O nein, ein reiches Konkretes offenbart sich, das aber Aufschluß gibt über die menschliche Organisation, über Lunge, Leber und so weiter, und das erst die Grundlage sein kann für eine wirkliche Anatomie, für eine wirkliche Physiologie, das erst die Grundlage sein kann für eine wirkliche Erkenntnis des Menschen und auch für eine wirkliche Medizin. Man hat zwei Kräfte in der Menschennatur entwickelt, die eine, die Kraft der Inspiration nach der materiellen Seite hin, indem man im Materiellen allmählich die geistige Welt entdeckt, was sich erweitert zu jenem Tableau, das Ihnen hier Herr Arenson geschildert hat; die andere Kraft, indem man entdeckt nach innen hinein diejenigen Welten, die zugrunde gelegt werden mußten, als ich schon im Frühjahr hier vor fast vierzig Ärzten, Fachleuten der Medizin, vorgetragen habe, wie man den Menschen wirklich erkennen muß, wenn man eine wahre medizinische Wissenschaft begründen will.

[ 11 ] And in this way, one attains a true understanding of the human being. One goes beyond everything that anatomy, physiology, and biology can know, and one enters into a true understanding of the human being by truly seeing through its organization. © This human self-knowledge takes a different form than many vague mystics believe; they think that when they delve into it, some abstract divine reality will reveal itself to them. Oh no, what is revealed is a rich concreteness that, however, sheds light on the human constitution—on the lungs, the liver, and so on—and that alone can serve as the foundation for a true anatomy, for a true physiology; that alone can serve as the foundation for a true understanding of the human being and also for true medicine. Two forces have been developed in human nature: one is the force of inspiration toward the material realm, in which one gradually discovers the spiritual world within the material, expanding into that tableau that Mr. Arenson has described to you here; the other force consists in discovering, inwardly, those worlds that had to be laid as a foundation, as I already explained here in the spring before nearly forty physicians and medical specialists, regarding how one must truly understand the human being if one wishes to establish a true medical science.

[ 12 ] Aber diese zwei Kräfte, die der Inspiration und die der Imagination, sie können sich vereinigen. Das eine kann sich in das andere einleben. Aber es muß in Vollbewußtheit und in einem Ergreifen des Kosmos in Liebe geschehen. Dann entsteht ein Drittes, ein Zusammenfluß von Imagination und Inspiration in der wahren, in der geistigen Intuition. Da erheben wir uns dann zu demjenigen, was einheitlich erkennen läßt die äußere materielle Welt als eine geistige, die innere geistig-seelische Welt mit ihren materiellen Grundlagen, was erkennen lehrt die Erweiterung des menschlichen Lebens über das Erdenleben hinaus, wie es Ihnen auch hier in andern Vorträgen dargestellt worden ist. Man lernt so auf der einen Seite erkennen das Pflanzenreich, Tierreich, Mineralreich nach ihren inneren Essenzen, nach ihren geistigen Gehalten durch die Inspiration, und man begründet dadurch, daß man durch die Imagination die menschlichen Organe kennenlernt, eine wirkliche Organologie, und indem man dann in der Intuition zusammenfaßt dasjenige, was man über Pflanze, Tier und Mineral kennengelernt hat, mit demjenigen, was sich durch die Imagination ergibt über die menschlichen Organe, dadurch erhält man erst eine wahre Therapie, eine Heilmittellehre, die das Äußere in einem wirklichen Sinne anzuwenden vermag auf das Innere. Der wirkliche Arzt, er muß erkennen kosmologisch die Heilmittel, er muß erkennen anthropologisch oder eigentlich anthroposophisch die innere menschliche Organologie. Er muß erkennend die äußere Welt durch Inspiration begreifen, die innere Welt durch Imagination begreifen, und er muß sich erheben zur Therapie durch eine wirkliche Intuition.

[ 12 ] But these two forces—that of inspiration and that of imagination—can unite. One can become one with the other. But this must take place in full consciousness and through a loving embrace of the cosmos. Then a third force arises—a convergence of imagination and inspiration in true, spiritual intuition. There we then rise to that which enables us to perceive the outer material world as a spiritual one, and the inner spiritual-soul world with its material foundations—a perception that teaches us the expansion of human life beyond earthly existence, as has also been presented to you here in other lectures. In this way, on the one hand, one learns to recognize the plant kingdom, the animal kingdom, and the mineral kingdom according to their inner essences, according to their spiritual contents through inspiration; and by coming to know the human organs through imagination, one establishes a true organology, and by then synthesizing through intuition what one has learned about plants, animals, and minerals with what emerges through imagination regarding the human organs, one thereby attains true therapy—a science of remedies—that is capable of applying the external to the internal in a genuine sense. The true physician must recognize remedies from a cosmological perspective; he must recognize the inner human organology from an anthropological—or, more precisely, anthroposophical—perspective. He must comprehend the outer world through inspiration and the inner world through imagination, and he must rise to the level of therapy through true intuition.

[ 13 ] Sie sehen, welche Perspektive sich vor uns aufschließt, wenn wir Geisteswissenschaft in ihrer wirklichen Gestalt zu erfassen vermögen. Allerdings hat dann diese Geisteswissenschaft noch manche von ihren äußeren Hüllen abzustreifen, manches von demjenigen, was ihr heute noch anhaftet bei vielen, die glauben, sie auch pflegen zu können an allerlei Phantastereien und an allerlei Dilettantismen. Geisteswissenschaft muß eine solche Methode des Forschens ausbilden, die sich rechtfertigen läßt vor dem strengen Mathematiker oder analytischen Mechaniker. Geisteswissenschaft muß auf der andern Seite völlig frei werden von allem Aberglauben. Geisteswissenschaft muß wirklich in lichter Klarheit Liebe noch entwickeln können, die sonst nur den Menschen befällt, wenn er sie aus den Instinkten heraus entwickeln kann. Dann aber ist Geisteswissenschaft ein Keim, der sich entwickeln wird und seine Kräfte aussenden wird in alle Wissenschaften und damit auch in das menschliche Leben.

[ 13 ] You can see what prospects open up before us when we are able to grasp the Spiritual Science in its true form. However, Spiritual Science still has to shed many of its outer layers—much of what still clings to it today among many who believe they can practice it, along with all sorts of fanciful notions and dilettantism. Spiritual Science must develop a method of research that can stand up to scrutiny by the rigorous mathematician or analytical engineer. On the other hand, Spiritual Science must become completely free of all superstition. Spiritual Science must truly be able to develop, in luminous clarity, the kind of love that otherwise befalls a person only when he or she can develop it from instinct. Then, however, Spiritual Science will be a seed that will develop and radiate its powers into all sciences and thus also into human life.

[ 14 ] Lassen Sie mich deshalb zum Ausklingen bringen dasjenige, was ich Ihnen in diesen Vorträgen zu sagen hatte, mit noch einer ganz kurzen Betrachtung. Vorher möchte ich sagen, daß ja selbstverständlich zwischen den Zeilen desjenigen, was ich ausgeführt habe, noch vieles zu lesen ist. Einiges von dem werde ich zum Lesen bringen, indem ich heute abend und morgen noch zwei Vorträge halten werde als eine Ergänzung desjenigen, was selbstverständlich in den kurzen Zeiten, die diesem Kurse zur Verfügung standen, nur angedeutet werden konnte. Dasjenige aber, was sich der Mensch erwirbt, indem er sich auf der einen Seite zur Inspiration, auf der andern Seite zur Imagination bringt, indem er dann Inspiration und Imagination in der Intuition vereinigt, das gibt ihm erst jene innerliche Freiheit und jene innerliche Kraft, die einen nun Begriffe fassen läßt, die man hineinstellen kann ins soziale Menschenleben. Und nur derjenige, der mit schlafender Seele die Gegenwart durchlebt, der kann vorübergehen an alldem, was in furchtbarer Weise herausbrodelt, schreckendrohend vor der Zukunft.

[ 14 ] Let me therefore conclude what I had to say to you in these lectures with one more very brief reflection. Before that, I would like to say that, of course, there is still much to be read between the lines of what I have presented. I will bring some of that to light by giving two more lectures this evening and tomorrow as a supplement to what, of course, could only be hinted at in the limited time available for this course. But what a person acquires by cultivating inspiration on the one hand and imagination on the other—and then uniting inspiration and imagination in intuition—is what first gives them that inner freedom and inner strength that enable one to grasp concepts that can be applied to social human life. And only those who live through the present with a dormant soul can pass by all that is bubbling up in a terrifying way, looming menacingly over the future.

[ 15 ] Was liegt geistig dem zugrunde? Geistig liegt dem zugrunde das, was man durch ein aufmerksames Studium der neuesten Entwickelung des Menschen bei ganz hervorragenden Persönlichkeiten wohl wahrnehmen kann. Wie hat man gestrebt im 19. Jahrhundert und in das 20. Jahrhundert herein, deutliche Begriffe zu bekommen, richtige innerliche, klare Impulse zu bekommen für drei Begriffe, die im sozialen Leben von allerhöchster Bedeutung sind, für den Begriff des Kapitals, für den Begriff der Arbeit, für den Begriff der Ware. Man sehe sich nur einmal um in der einschlägigen Literatur des 19. Jahrhunderts und des Beginnes des 20. Jahrhunderts, wie die Menschen gestrebt haben zu erkennen, was eigentlich Kapital im sozialen Prozeß bedeutet; wie dasjenige, was dann die Menschen in Begriffen erstrebten, in furchtbare Kämpfe der äußeren Welt übergegangen ist. Man sehe hinein, wie innig zusammenhängt mit dem in der neueren Zeit heraufkommenden besonderen Fühlen der Menschen dasjenige, was die Menschen eben fühlen und denken können über die Funktion, über die Bedeutung der Arbeit im sozialen Organismus, und man sehe dann die, ich möchte sagen, bodenlose Definition des Warebegriffes einmal an. Die Menschen strebten danach, drei praktische Begriffe zur Klarheit zu bringen. Heute sehen wir das Leben in der zivilisierten Welt sich so abspielen, daß in ihm überall lebt die Unklarheit gerade über die Dreiheit: Kapital, Arbeit, Ware. Und man kann nicht aufsteigen zur Beantwortung der Frage, was das Kapital für eine Funktion habe im sozialen Organismus. Man wird es erst, wenn man aus einer wahren Geisteswissenschaft heraus durch die vereinigte Imagination und Inspiration in der Intuition erkennen wird, daß überhaupt erst ein richtiger Impuls für die Kapitalwirksamkeit herausgeleitet werden kann aus dem Geistesleben als aus einem selbständig bestehenden Gliede des sozialen Organismus. Dieses Glied des sozialen Organismus richtig zu erfassen, dahin führt allein eine wirkliche Imagination. Und man wird etwas anderes erkennen. Man wird erkennen, daß man auch die Arbeit in ihrer Wirksamkeit für den sozialen Organismus nur erkennen wird, wenn man dasjenige, was ja als Arbeit sich vom Menschen absondert, was wegweist vom Menschen, nicht erst im Produkte erfaßt, so daß man das Warenprodukt in marxistischer Weise schildert als geronnene Arbeit oder gar geronnene Zeit, sondern dadurch, daß man erkennt, wie das sich vom Menschen Absondernde nur zu begreifen ist, wenn man überhaupt in ein Vorstellen, in ein freies Erleben desjenigen hineinkommt, was sich vom Menschen absondern kann. Der Arbeitsbegriff wird erst eine Klarheit gewinnen durch diejenigen, die wissen, was dem Menschen sich offenbart durch Inspiration.

[ 15 ] What is the spiritual basis for this? Spiritually, the basis lies in what one can clearly perceive through a careful study of the latest developments in human beings, particularly among truly outstanding personalities. How did people strive in the 19th century and into the 20th century to arrive at clear concepts, to gain true inner, clear impulses for three concepts of the utmost importance in social life: the concept of capital, the concept of labor, and the concept of the commodity? One need only look at the relevant literature of the 19th century and the early 20th century to see how people strove to understand what capital actually means in the social process; how what people sought to grasp in conceptual terms then spilled over into terrible struggles in the external world. Look at how intimately connected is what people can feel and think about the function and significance of labor in the social organism with the particular sensibility that has emerged in recent times, and then take a look at what I would call the bottomless definition of the concept of a commodity. People strove to clarify three practical concepts. Today we see life in the civilized world unfolding in such a way that, everywhere within it, there prevails a lack of clarity precisely regarding the triad: capital, labor, and commodity. And one cannot rise to the level of answering the question of what function capital has in the social organism. One will only be able to do so when, through a true Spiritual Science—by means of the combined forces of imagination and inspiration—one recognizes intuitively that a proper impulse for the effectiveness of capital can be derived only from spiritual life as an independently existing member of the social organism. Only true imagination leads to a correct understanding of this member of the social organism. And one will recognize something else. One will realize that one can only understand labor in its effectiveness for the social organism if one grasps that which, as labor, separates itself from the human being—that which points away from the human being—not first in the product, so that one describes the commodity in a Marxist manner as “crystallized labor” or even “crystallized time,” but rather by recognizing that what separates itself from the human being can only be understood if one enters into a mental image, into a free experience of that which can separate itself from the human being. The concept of labor will only gain clarity through those who know what is revealed to human beings through inspiration.

[ 16 ] Und dasjenige, was lebt in der Ware, ist der komplizierteste Begriff, der zunächst gefaßt werden kann. Denn kein einzelner Mensch reicht hin, um die Ware in ihrer Wirklichkeit im Leben zu erfassen. Will man Ware überhaupt definieren, dann weiß man nicht, was Erkenntnis ist. Ware kann man nicht definieren, denn definieren oder in Begriffe fassen kann man in diesem Zusammenhang nur dasjenige, was einen Menschen allein angeht, was ein Mensch allein mit seiner Seele umfassen kann. Ware aber lebt immer in dem Wechselverkehr zwischen mehreren Menschen und mehreren Menschentypen. Ware lebt im Wechselverkehr zwischen Produzenten, Konsumenten und demjenigen, der zwischen beiden vermittelt. Mit den armseligen Begriffen von Tausch und Kauf, die man ausgebildet hat unter einer Wissenschaft, die die Grenzen des Naturerkennens nicht richtig sieht, mit diesen armseligen Begriffen wird man niemals die Ware erfassen. Die Ware, das Arbeitsprodukt, es lebt zwischen mehreren Menschen. und wenn der einzelne Mensch sich unterfängt, die Ware zu erkennen als solche, dann ist das falsch. Die Ware muß in ihrer sozialen Funktion von der zusammenorganisierten Mehrheit von Menschen, von der Assoziation erfaßt werden. Sie muß von der Assoziation ergriffen werden, sie muß in der Assoziation leben. Erst wenn sich Assoziationen bilden, welche in sich verarbeiten dasjenige, was von den Produzenten, den Handelnden, den Konsumierenden ausgeht, erst dann wird, jetzt nicht vom einzelnen Menschen aus, sondern durch die Assoziation, durch die Arbeiterassoziationen, derjenige soziale Begriff entstehen, der als der Begriff der Ware in der Menschengruppe leben muß für ein gesundes Wirtschaftsleben.

[ 16 ] And that which lives in the commodity is the most complex concept that can initially be grasped. For no single human being is sufficient to grasp the commodity in its reality in life. If one wishes to define a commodity at all, then one does not know what knowledge is. A commodity cannot be defined, for in this context one can define or conceptualize only that which concerns a single human being—that which a single human being can grasp with his or her soul. A commodity, however, always exists in the interaction between multiple people and multiple types of people. A commodity exists in the interaction between producers, consumers, and those who mediate between the two. With the meager concepts of exchange and purchase—which have been developed within a science that fails to properly recognize the limits of understanding nature—with these meager concepts, one will never grasp the commodity. The commodity, the product of labor, exists among multiple people; and if an individual attempts to recognize the commodity as such, that is wrong. The commodity must be grasped in its social function by the collectively organized majority of people—by the association. It must be grasped by the association; it must exist within the association. Only when associations are formed that process within themselves that which emanates from the producers, the agents, and the consumers—only then will the social concept emerge, not from the individual human being, but through the association, through the workers’ associations—the concept that must live within the human group as the concept of the commodity for a healthy economic life.

[ 17 ] Wird man sich dazu bequemen, aufzusteigen zu dem, was der Geistesforscher bringen kann aus der Welt der höheren Erkenntnis, dann wird man Begriffe bekommen über dasjenige, was im sozialen Leben entstehen muß, wenn wir weiterkommen wollen, wenn wir den Niedergang wiederum in einen Aufstieg verwandeln wollen. Daher ist es nicht bloß ein theoretisches Interesse, nicht bloß ein wissenschaftliches Bedürfnis, was da lebt in alldem, was hier in diesem Raume getrieben werden soll, sondern es ist im weitesten Umfange das Bedürfnis, daß dasjenige, was hier erarbeitet, was hier erforscht wird, Menschen reif mache, daß sie hinweggehen aus diesem Raume nach allen. Seiten der Welt mit solchen Ideen, mit solchen sozialen Impulsen, die nun wirklich unserer niedergehenden Zeit aufhelfen können, die aufwärtsbringen können unsere so deutlich nach abwärts gehende Welt.

[ 17 ] If we are willing to rise to what the spiritual researcher can bring from the world of higher knowledge, then we will gain an understanding of what must emerge in social life if we are to make progress, if we are to transform decline into ascent once again. Therefore, what lives in all that is to be pursued here in this room is not merely a theoretical interest, not merely a scientific need, but rather, in the broadest sense, the need for what is worked out here, what is researched here, to mature people so that they may go forth from this room to all To all corners of the world with such ideas, with such social impulses that can truly help our declining age, that can lift up our world, which is so clearly heading downward.