Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics
and the Stages of Knowledge in Spiritual Science
GA 324
23 March 1921, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics, tr. SOL
Achter Vortrag
Eighth Lecture
[ 1 ] Wir sind am Ende unserer Hochschulkurse. Wir haben hinter uns eine Anzahl von Vorträgen, die von Persönlichkeiten gehalten worden sind, welche innerhalb unserer anthroposophischen Geisteswissenschaft seit längerer Zeit arbeiten. Wir haben hinter uns auch eine Anzahl von Seminarabhaltungen, welche dazu bestimmt waren, dasjenige auszubauen, was durch die verschiedenen Vorträge in einer mehr oder weniger skizzenhaften Weise ausgeführt wurde. Trotzdem wir ja sagen müssen, daß hinter den verehrten Teilnehmern eine arbeitsreiche Zeit liegt, so muß auf der anderen Seite aber wiederum berücksichtigt werden die Art, wie durch die Natur dieser Veranstaltung diese Zeit ausgefüllt werden mußte. Wir konnten ja doch nichts anderes machen, als gewissermaßen wie durch einzelne Fenster in ein Gebäude hineinfallen lassen das Licht, von dem wir glauben, daß es in unserer anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft vorhanden ist. Und wenn Sie bedenken, daß dasjenige, was innerhalb des Raumes liegt, der sich durch solche symbolisch gemeinten Fenster nach der Bewegung der Geisteswissenschaft öffnet, daß innerhalb dieses Raumes reichliche und in sich zusammenhängende Arbeit der verschiedensten Art liegt, die allerdings voraussetzt, daß, weil sie ja erst ein Anfang ist, sich eine weit reichere Arbeit noch an sie anschließe, wenn Sie das alles bedenken, so werden Sie einsehen, daß selbstverständlich nur außerordentlich weniges zutage treten konnte im Laufe dieser Veranstaltungen von dem, was, ich möchte sagen, mehr den Absichten nach hinter diesen und anderen ähnlichen unserer Veranstaltungen liegt.
[ 1 ] We have reached the end of our college courses. We have now completed a series of lectures given by individuals who have been working within our anthroposophical Spiritual Science for quite some time. We have also completed a number of seminars designed to expand upon what was presented in a more or less sketchy manner during the various lectures. Although we must acknowledge that the esteemed participants have had a busy period, we must also take into account the nature of this event and how it necessitated such a schedule. After all, we could do nothing other than, so to speak, let the light—which we believe exists within our anthroposophically oriented Spiritual Science—stream in through individual windows into a building. And when you consider that what lies within the space that opens up through such symbolically intended windows to the movement of Spiritual Science—that within this space there is abundant and coherent work of the most varied kinds, which, of course, presupposes that, since it is only a beginning, far more extensive work will yet follow—when you consider all of this, then you will realize that, naturally, only an extremely small portion could come to light during the course of these events of what, I might say, lies more in terms of intention behind these and other similar events of ours.
[ 2 ] Dasjenige, was in solchen Veranstaltungen, wie diese eine ist, von uns besonders beabsichtigt wird, ist dieses, daß wir nach allen Richtungen hin darauf Bedacht haben, daß ja zu diesen Veranstaltungen von uns die Studentenschaft gerufen werde und zu unserer Freude auch nun schon öfter zahlreich erschienen ist. Und wenn Sie auf unseren Willen schauen, werden Sie wenigstens sehen, daß wir uns dieser für unsere Bewegung so außerordentlich erfreulichen und bedeutungsvollen Tatsache bewußt sein wollen. Denn das erste, was wir zeigen möchten, wenn auch in einer noch so skizzenhaften Weise, das ist, daß in dieser anthroposophischen Bewegung waltet wirkliche Wissenschaftlichkeit. Mag auch noch manches andere an geistigen Absichten hinter ihr walten, das wird sie zu zeigen haben auf manche andere Art. Daß hinter ihr wissenschaftliches, ernstes wissenschaftliches Streben wenigstens dem Willen nach waltet, das vor allen Dingen soll gezeigt werden durch diese Veranstaltungen. Aber so wie die heutigen Zeitverhältnisse sind, muß derjenige, der diese Zeitverhältnisse versteht, sagen: Solche Wissenschaftlichkeit, solcher Wissenschaftsgeist, der unmittelbar Anteil hat an den Lebensbedingungen des Menschen und der Menschheit, der muß sich heute doch auch auf einem ganz bestimmten Felde in einer gewissen Weise bewähren, und es muß gezeigt werden können, daß er sich auf einem bestimmten Felde bewährt. Das ist das soziale Feld.
[ 2 ] What we particularly aim to achieve at events such as this one is to ensure, in every way possible, that the student body is invited to attend these events—and, to our delight, has already turned out in large numbers on several occasions. And if you look at our intentions, you will at least see that we wish to be conscious of this fact, which is so extraordinarily gratifying and significant for our movement. For the first thing we would like to demonstrate—even if only in a very sketchy way—is that genuine scientific rigor prevails in this anthroposophical movement. Even if other spiritual intentions may also be at work behind it, that will have to be demonstrated in other ways. That serious scientific endeavor—at least in terms of intention—is at work behind it is what these events are intended to demonstrate above all else. But given the circumstances of our time, anyone who understands these circumstances must say: Such scientific rigor, such a scientific spirit—which is directly connected to the living conditions of the individual and of humanity—must today also prove itself in a certain way within a very specific field, and it must be possible to demonstrate that it proves itself within that specific field. That field is the social sphere.
[ 3 ] Es ist notwendig, daß aus dem Wissenschaftsgeiste der heutigen Zeit hervorgehen Ideen, die fähig und mächtig sind, um in das soziale Leben die soziale Gesundung zu tragen. Es genügt heute nicht, daß wir einen Wissenschaftsgeist haben, der den Menschen hineinruft in ein weltfremdes Dasein, sondern wir brauchen einen Wissenschaftsgeist, der dasjenige in der Menschheit heranentwickelt, was dieser Menschheit Impulse geben kann für die Gesundung unseres sozialen Daseins. Die soziale Frage steht da, rätselhaft in vieler Beziehung, dringend fordernd, aber auch in vieler Beziehung sogar drohend, und derjenige, der nur ein wenig seine Zeit versteht, muß sich sagen: Fragen fordern heute Lösung, die nur dann gelöst werden können, wenn diejenigen, die wissenschaftlichen Geist in sich aufnehmen, Einsicht haben in die Bedingungen des sozialen Lebens. Das glauben wir zu erkennen aus den bedeutungsvollsten Zeichen der Zeit heraus. Aus dieser Erkenntnis ist die anthroposophische Bewegung geworden, ist künstlerisch, wissenschaftlich und sonst kulturell gedacht das Zentrum unseres Wirkens, der Dornacher Bau, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft, das Goetheanum in Dornach. Wir wollen uns bewußt sein, daß wir aus echter Wissenschaftlichkeit heraus solche Impulse in uns beleben können, die nun wirklich auch sozial wirksam werden können.
[ 3 ] It is essential that the scientific spirit of our time give rise to ideas that are capable and powerful enough to bring about social healing in social life. It is not enough today for us to have a scientific spirit that draws people into an otherworldly existence; rather, we need a scientific spirit that develops within humanity that which can provide the impetus for the healing of our social existence. The social question stands before us, enigmatic in many respects, urgently demanding, but in many ways even threatening, and anyone who understands even a little about our times must say to themselves: Questions demand solutions today that can only be resolved if those who embrace the scientific spirit have insight into the conditions of social life. We believe we recognize this from the most significant signs of the times. From this insight, the anthroposophical movement has emerged; conceived artistically, scientifically, and in other cultural terms, it has become the center of our work: the Dornach complex, the School of Spiritual Science, and the Goetheanum in Dornach. We want to be aware that, out of genuine scientific rigor, we can awaken within ourselves impulses that can now truly have a social impact.
[ 4 ] Nun, wir versuchten unsere Vorträge so zu gestalten, wir versuchten die Seminararbeiten so einzuleiten, daß vielleicht doch hat erkannt werden können, wie wir wirklichen wissenschaftlichen Geist für die anthroposophische Bewegung erstreben, wie wir ferne sind aller Sektiererei oder Religionsgründerei und dergleichen Dingen, die man uns von dieser oder jener Seite, auf der man uns gar nicht oder sehr schlecht kennt oder böswillig verleumden will, zuschreibt. Wissenschaftlicher Geist aber kann sich nicht zeigen in dem erfahrungsgemäßen Inhalte desjenigen, was wissenschaftlich dargeboten wird, und derjenige, der irgendeinen Erfahrungsinhalt, sei er physisch-sinnlicher oder übersinnlicher Art, von vornherein ausschließen würde von der Wissenschaftlichkeit, der wäre selber nicht von wissenschaftlichem Geiste durchdrungen. Wissenschaftlicher Geist kann sich nur zeigen in der Behandlungsweise. Wissenschaftlicher Geist kann sich nur zeigen in der angestrebten Methodik, und nur daran wird man prüfen können, ob wir dasjenige, was wir aus sinnlichen oder übersinnlichen Erfahrungen an die Welt heranbringen, in wissenschaftlichem Geiste vorbringen, daß man beurteilt, ob wir in der Behandlungsweise, in unserer Methodik erstreben den Geist der Wissenschaftlichkeit, der in den anerkannten Wissenschaften waltet. Ob wir in der Behandlungsweise, in der Denkweise, in der wissenschaftlichen Gewissenhaftigkeit solches erstreben, das allein behandeln wir als eine berechtigte Diskussionsfrage, das betrachten wir als eine Diskussionsfrage insofern auch, als dieser wissenschaftliche Geist etwa, wie er in unserer Mitte getrieben wird, einer Verbesserung bedarf. Und überzeugt kann man sein davon, daß auf diesem Felde der Behandlungsweise, der Methodik, dasjenige wird ausgemacht werden müssen, was über die Wissenschaftlichkeit unserer Bewegung zu entscheiden hat, nicht aber auf dem inhaltlichen Gebiete irgendeiner Erfahrung. Kann man uns nachweisen, daß wir auf irgendeinem Feld da oder dort unlogisch, dilettantisch oder sonst irgendwie unwissenschaftlich vorgehen, so tue man das, und wir werden, da es uns im Ernste um den entsprechenden Fortgang unserer geisteswissenschaftlichen Bestrebungen zu tun ist, dann, wenn der Beweis gelingt, daß wir unlogisch, daß wir dilettantisch zu Werke gegangen sind, ohne irgendwie uns dagegen zu sträuben, die entsprechenden Verbesserungen in unserer Arbeit eintreten lassen. Wir werden auch in dieser Beziehung das Prinzip des Fortschritts in keinerlei Weise verleugnen. — Soviel über dasjenige, was der Diskussion über Wissenschaftlichkeit oder Unwissenschaftlichkeit unserer Bestrebungen zugrunde liegen muß.
[ 4 ] Well, we tried to structure our lectures in such a way we tried to introduce the seminar papers in such a way that it might have become apparent how we strive for a true scientific spirit within the anthroposophical movement, and how far removed we are from all sectarianism, the founding of new religions, and similar things that are attributed to us by this or that group—groups that either do not know us at all, know us very poorly, or wish to slander us maliciously. But the scientific spirit cannot manifest itself in the empirical content of what is presented scientifically; and anyone who would exclude any empirical content—be it of a physical-sensory or supersensory nature—from scientific validity from the outset would not themselves be imbued with the scientific spirit. The scientific spirit can manifest itself only in the method of approach. A scientific spirit can manifest itself only in the methodology pursued, and it is only by this that one can determine whether we present to the world—based on sensory or supersensory experiences—in a scientific spirit; that is, one assesses whether, in our approach and methodology, we strive for the spirit of scientific rigor that prevails in the recognized sciences. Whether we strive for this in our approach, in our way of thinking, and in our scientific rigor—that alone we treat as a legitimate matter for discussion; we regard it as a matter for discussion also insofar as this scientific spirit, as it is practiced among us, may require improvement. And one can be certain that it is in this realm of approach and methodology that what will determine the scientific nature of our movement must be established—not in the realm of the content of any particular experience. If it can be demonstrated that we proceed illogically, amateurishly, or in any other way unscientifically in any given field here or there, then let it be done, and since we are seriously committed to the proper advancement of our Spiritual Science endeavors, if it is proven that we have acted illogically or amateurishly, we will, without any resistance, implement the necessary improvements in our work. In this regard, too, we will in no way deny the principle of progress. — So much for what must underlie the discussion of the scientific or unscientific nature of our endeavors.
[ 5 ] Auf sozialem Gebiete haben wir erstrebt, dasjenige im Leben zu bewähren, was uns aus unserer Welterkenntnis hervorzugehen scheint. Wir haben gewissermaßen in die Realdiskussion hineingestellt dasjenige, was wir glauben als die Wahrheit in bezug auf Menschen- und Welterkenntnis anstreben zu müssen. Wir haben in den Seminarübungen gezeigt, wie die aus der anthroposophischen Bewegung hervorgegangene Waldorfschulbewegung in der lebendigen Handhabung der unterrichtlichen und erzieherischen Menschenbehandlung gewissermaßen zur realen Diskussion stellt, ob dasjenige, was durch unsere Geisteswissenschaft gefunden wird, auch sich bewähren kann in der Heranbildung des werdenden Menschen, und wir möchten, daß man einsehe, wie wir durchaus nicht bloß in fruchtlosen theoretischen Diskussionen uns erschöpfen möchten, sondern wie wir wollen die Wirklichkeit selbst erproben lassen dasjenige, was wir glauben als Wahrheit anstreben zu müssen. «Was fruchtbar ist, allein ist wahr», sagt Goethe. Und an ihrer Fruchtbarkeit muß die Wahrheit auch von demjenigen bewährt werden, der weit entfernt ist von der Philosophie des modernen Pragmatismus oder des Als-Ob. In dem Goetheschen Sinne können wir durchaus uns einverstanden erklären damit, daß, was fruchtbar ist, allein auch vor der Wirklichkeit seinen Wahrheitsbeweis liefert, insbesondere wenn es sich um soziale Wahrheiten handelt. Wenn dasjenige, was lebendig herausfließt aus der Geisteswissenschaft, wiederum lebendig einfließen kann ins Leben, und wenn das Leben zeigen kann, daß dasjenige, was unter dem Einflusse der erkannten oder der vermeintlichen Wahrheit erfolgt, etwas ist, was den Menschen tüchtig, lebenskräftig, mit innerer Sicherheit, mit Lust und Kraft zur Arbeit in das Dasein hineinstellt, dann ist das in einer gewissen Beziehung doch ein realer Beweis für die angestrebte Wahrheit. Auf der anderen Seite haben wir etwas versucht, was ja allerdings noch sehr im Anfang ist, ich möchte sagen: durch den Realbeweis wirken zu können. Wir haben ökonomische Dinge versucht im «Kommenden Tag», im «Futurum», durch die gezeigt werden soll, daß dasjenige, was auf geistige Art aus der Wirklichkeit stammt, daß das auch die Möglichkeit gibt, die Dinge des praktischen Lebens in dem richtigen Lichte zu sehen. Es ist gewiß heute noch nicht an der Zeit, davon zu sprechen, daß diese Dinge etwa schon irgendwie zeigen würden, daß sie die Voraussetzungen erfüllen. Aber mindestens das eine darf man uns zugestehen auch auf diesem Gebiete, daß wir es nicht gescheut haben, ein doch eigentlich auf rein geistigem Gebiet, aber mit Wirklichkeitssinn Gewonnenes, in die praktischen Gebiete des Lebens hineinzutragen, und daß wir dadurch doch immerhin bekunden, daß wir nicht zurückscheuen vor Realbeweisen. Wie die Dinge auf diesem Gebiete sich auch entwickeln mögen, das wird vielleicht im vollen Umfange nicht für das Wollen entscheiden können, weil man in solchen Dingen ja noch viel mehr als in der Erziehungs- und Unterrichtskunde abhängig ist von den Wirkungen des äußeren Lebens und von dem Verständnis, das man bei seiner Mit- und Umwelt findet.
[ 5 ] In the social sphere, we have sought to put into practice in our lives what seems to emerge from our understanding of the world. We have, so to speak, brought into the real discussion what we believe we must strive for as the truth regarding our understanding of humanity and the world. In the seminar exercises, we have shown how the Waldorf school movement, which emerged from the anthroposophical movement, through its living practice of teaching and educational approaches to human beings, in a sense puts to the test whether what is discovered through our Spiritual Science can also prove itself in the development of the growing human being, and we would like people to see that we by no means wish to exhaust ourselves in fruitless theoretical discussions, but rather that we want reality itself to test what we believe we must strive for as truth. “Only what is fruitful is true,” says Goethe. And truth must also be validated by its fruitfulness, even by those who are far removed from the philosophy of modern pragmatism or the “as-if” approach. In the Goethean sense, we can certainly agree that what is fruitful alone also provides proof of its truth before reality, especially when it comes to social truths. If that which flows vividly out of Spiritual Science can in turn flow vividly back into life, and if life can show that what arises under the influence of recognized or supposed truth is something that places people in existence as capable, full of vitality, with inner security, and with a zest and strength for work, then this is, in a certain sense, indeed real proof of the truth we seek. On the other hand, we have attempted something—which is, admittedly, still very much in its infancy—I would say: to be able to bring about change through real proof. We have experimented with economic matters in The Coming Day and Futurum, through which we aim to demonstrate that what arises spiritually from reality also provides the possibility of seeing the matters of practical life in the right light. It is certainly not yet time to speak of these matters as already somehow demonstrating that they fulfill the necessary conditions. But at least one thing should be acknowledged about us in this field as well: that we have not shied away from bringing into the practical realms of life what was actually gained in a purely spiritual realm, yet with a sense of reality, and that in doing so we demonstrate, at any rate, that we do not shy away from empirical evidence. However things may develop in this field, this may not be enough to fully determine our course of action, because in such matters—much more so than in the science of education and instruction—we are dependent on the influences of external life and on the understanding we find among our fellow human beings and in our environment.
[ 6 ] Wenn wir so versuchen, Rechnung zu tragen den Zeichen der Zeit, die unmittelbar, ich möchte sagen, die geisteswissenschaftliche Forderung, wie aus verschiedenem, das hier ausgeführt worden ist, hervorgeht, vor uns hinstellen, die auf der anderen Seite die großen sozialen Fragen vor uns hinstellen, so versuchen wir aber auf der anderen Seite vor allen Dingen mit unseren Bestrebungen Rechnung zu tragen den inneren seelischen Bedürfnissen des Menschen. Es ist im Grunde genommen für denjenigen, der in diese Dinge hineinschaut, ein leichtes, auf einem Spezialgebiet, sagen wir auf dem Gebiet der Naturwissenschaften oder wiederum auf irgendeinem anderen Spezialgebiet, den Glauben zu hegen, daß man in einer unfehlbaren Methode, in einer unfehlbaren wissenschaftlichen Behandlungsart darinnen stehe. Aber ist dasjenige, was als Wissenschaft auftritt, nicht doch zuletzt nur dann wirklich fruchtbar für die ganze Menschheitsentwickelung, wenn es sich so einfügt in diese Menschheitsentwickelung, daß es das Leben des Menschen trägt? Und von dieser Voraussetzung aus frage ich Sie: Gibt es nicht irgend etwas, was in der heutigen Universität oder in ähnlichen Veranstaltungen doch gar sehr beirrend an die Menschenseele herantreten kann? Gewiß, man kann eintreten in das physikalische Laboratorium, man kann arbeiten im Seziersaal und kann meinen, mit einer unbedingt richtigen Methode zu arbeiten, und alle Dinge, die in Betracht kommen, wirklich zu überschauen und sie restlos — natürlich relativ restlos, den Zeitverhältnissen und der Stufe der Menschheitsentwickelung angemessen — zu erfassen. Aber für die Menschheitsentwickelung ist noch ein anderes notwendig. Es ist notwendig etwas, was vielleicht doch nicht in größerem Umfange geschieht, in seiner Bedeutung auch nicht richtig gewürdigt wird. Es ist notwendig, daß derjenige, der mit gutem wissenschaftlichem Geist, mit ernster wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit gearbeitet hat im chemischen Laboratorium, auf der Sternwarte, in der Klinik, nun eventuell auch betreten könne den historischen, den literarhistorischen, den kunstwissenschaftlichen Lehrsaal und dort etwas hören kann, was in einer inneren Gemeinschaft lebt mit demjenigen, was er sich in seinen Instituten erarbeitet hat. Es ist notwendig ja deshalb, daß eine solche Einheit bestehe, weil dasjenige, was auf den einzelnen Spezialgebieten erarbeitet wird, im Gesamtprozeß der Menschheitsentwickelung auch dann, wenn sich die einzelnen Menschen noch so sehr spezialisieren, doch schließlich zusammenwirken muß, deshalb auch aus einheitlichen Quellen hervorgehen muß.
[ 6 ] When we try in this way to take into account the signs of the times—which, I would say, directly present us with the demands of Spiritual Science, as evidenced by various points made here—and which, on the other hand, present us with the great social questions, we are nevertheless striving above all to take into account the inner spiritual needs of human beings. Fundamentally, for anyone who looks into these matters, it is easy—in a specialized field, let’s say in the natural sciences or in some other specialized field—to harbor the belief that one is operating within an infallible method, within an infallible scientific approach. But isn’t that which presents itself as science ultimately only truly fruitful for the development of all humanity if it fits into this human development in such a way that it sustains human life? And based on this premise, I ask you: Isn’t there something in today’s universities or similar institutions that can have a very misleading effect on the human soul? Certainly, one can enter a physics laboratory, one can work in the dissection room, and one can believe that one is working with an absolutely correct method, and that one can truly survey all the relevant factors and grasp them completely—relatively completely, of course, in accordance with the constraints of time and the stage of human development. But something else is necessary for human development. What is necessary is something that perhaps does not occur on a large enough scale and whose significance is not properly appreciated. It is necessary that those who have worked with a sound scientific spirit and with serious scientific diligence in the chemistry laboratory, at the observatory, or in the clinic, may now also enter the lecture hall for history, literary history, or art history and hear something there that lives in an inner communion with what they have worked out in their respective institutions. It is necessary, in fact, for such unity to exist because what is developed in the individual specialized fields must ultimately interact within the overall process of human development—even if individual people specialize to the greatest extent—and must therefore also spring from unified sources.
[ 7 ] Weil wir glauben, daß es heute nicht möglich ist, daß man diese Einheit unmittelbar erlebt zwischen, sagen wir, der historischen Lehrkanzel und der naturwissenschaftlichen Lehrkanzel, deshalb erstreben wir etwas, was hinter der Gesamtheit des wissenschaftlichen Betriebes steht und was aus dem, was allen gemeinsam ist, der geistigen Realität, heraus gewonnen werden kann. Auf das Erkennen dieser geistigen Realität stellen wir unsere Bestrebungen, diesem Erkennen der geistigen Realität suchen wir mit unseren schwachen Kräften seine Geltung und sein Recht zu verschaffen, und wir haben gewissermaßen angestrebt bei dieser und ähnlichen Veranstaltungen, daß Sie, meine verehrten Kommilitonen, zuschauen können, wie wir das treiben, wie wir das machen, und wir sind befriedigt darüber, daß Sie gekommen sind. Und wenn ich, ich möchte sagen, auf Spezielles nur streifend hinweisen darf, so sei es dieses. Ein langjähriger Mitarbeiter unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung hatte vor kurzem einmal mit mir ein Gespräch. Er wies darauf hin, daß ich ja aus geisteswissenschaftlichen Untergründen heraussprechen müsse über zwei Jesusknaben. Er hat mir niemals früher von seiner Absicht gesprochen, dieser Sache auf rein äußerlichem Felde gewissenhaft nachzugehen. Er hat mir erst vor ganz kurzer Zeit davon gesprochen, als er mit seinen Untersuchungen zu Ende war. Er sagte mir, er habe die Evangelien restlos miteinander verglichen und durch einfachen Evangelienvergleich gefunden, daß diese Evangelien nur einen Sinn bekommen mit Bezug auf gewisse Tatsachenerzählungen, wenn man sie betrachtet unter dem Gesichtspunkt, der erst geisteswissenschaftlich gefunden worden ist.
[ 7 ] Because we believe that it is not possible today to directly experience this unity between, let us say, the chair of history and the chair of natural sciences, we therefore strive for something that lies behind the entirety of scientific endeavor and that can be derived from what is common to all: spiritual reality. We direct our efforts toward the recognition of this spiritual reality; with our meager strength, we seek to establish its validity and legitimacy, and in this and similar events, we have, so to speak, strived to enable you, my esteemed fellow students, to observe how we go about this, how we do it—and we are pleased that you have come. And if I may, so to speak, briefly touch upon a specific point, let it be this. A long-time collaborator in our Spiritual Science movement recently had a conversation with me. He pointed out that I must, after all, speak from a spiritual-scientific foundation about the two boys named Jesus. He had never before spoken to me of his intention to conscientiously investigate this matter in a purely external context. He spoke to me about it only very recently, after he had completed his research. He told me that he had thoroughly compared the Gospels with one another and, through a simple comparison of the Gospels, had found that these Gospels only make sense with regard to certain factual accounts when viewed from a perspective that has only recently been established through Spiritual Science.
[ 8 ] Möge man so vorgehen auf allen Gebieten. Wenn man das tut, dann haben wir nicht die geringste Sorge darüber, daß unsere Geisteswissenschaft wird bestehen können. Denn wir fürchten uns nicht vor der Prüfung, wenn sie noch so sehr ins einzelne hineingeht. Wir fürchten uns nicht vor dem Verifizieren. Wir haben nur einige Sorge vor demjenigen, was sich an unsere Anschauung heranmacht, ohne daß es prüft, ohne daß es sich einläßt gerade auf die Prüfung der Einzelheiten. Je sorgfältiger man prüfen wird, desto beruhigter können wir mit unserer Geistesforschung sein. Das ist dasjenige, was wir als Bewußtsein in unserem Innersten tragen, und nur mit einem solchen Bewußtsein können wir ja schließlich die Verantwortung dafür übernehmen, daß wir Sie herrufen, die Sie stehen in den Bestrebungen, aus der Wissenschaft und dem wissenschaftlichen Geist heraus sich Ihr Leben zu zimmern. Wir haben, meine verehrten Kommilitonen, heute noch nicht die Möglichkeit, in derselben Weise Ihnen Dinge des äußeren Lebens zu bieten, wie sie Ihnen geboten werden können da, wo man unsere Bestrebungen manchmal in so merkwürdiger Weise ablehnt. Aber wir haben vielleicht die Berechtigung, aus Ihrem Erscheinen den Schluß ziehen zu dürfen, daß es unter der gegenwärtigen Jugend doch noch Seelen gibt, denen es vor allen Dingen zu tun ist um die Wahrheit und das Wahrheitsstreben. Deshalb gestehen wir — das darf wohl aus vollem Herzen heraus gesagt werden, und ich weiß, daß ich damit dasselbe sage, was auch die anderen Mitarbeiter an diesen Kursen von sich aus sagen würden -, wir gestehen von Herzen heraus, daß wir außerordentlich gerne und freudig hier mit Ihnen zusammengearbeitet haben, und das gereicht uns ja in gewisser Beziehung schon deshalb zu besonderer Befriedigung, weil auf der anderen Seite aus einem wirklich unsachlichen Wollen heraus heute die verleumderischen Angriffe nur so regnen und man merkwürdigerweise immer wieder und wiederum verlangt, wir sollten die Angriffe widerlegen. Wir tun in der Widerlegung so viel wir nur können und so viel wir nur Zeit haben. Aber man sollte doch berücksichtigen, daß derjenige, der eine Behauptung aufstellt, seinerseits den Wahrheitsbeweis zu führen hat. Sonst könnte man jedem jede beliebige Behauptung an den Kopf werfen und könnte von ihm verlangen, daß er all diese Anwürfe widerlege. Anwürfe gehen ja manchmal aus ganz besonderen Ecken hervor. Einem dieser Angriffe, auf den die anderen zumeist zurückgehen, liegt zugrunde, daß der betreffende Herr, der diesen Angriff führt, einmal eines der aufdringlichsten Mitglieder der anthroposophischen Bewegung war - ich sage das, indem ich mir bewußt bin des ganzen Gewichtes meines formulierten Wortes -, eines der aufdringlichsten Mitglieder der anthroposophischen Bewegung. Und herangetreten an unseren PhilosophischAnthroposophischen Verlag ist der betreffende Herr mit einer Schrift, die zur Hälfte ein Plagiat von meinen noch unveröffentlichten Schriften, zur anderen Hälfte ein spiritistischer Unsinn war. Seine Schrift konnte nicht angenommen werden in unserem Verlag, und er verwandelte sich in wenigen Wochen aus einem aufdringlichen Anhänger in einen uns mit Schmutz bewerfenden Gegner, der es zuwege bringt, Dinge zu behaupten von dem Kaliber, daß er zum Beispiel mir die Schuld an dem unglückseligen Krankheitszustand einer Persönlichkeit zuschreibt, mit der ich überhaupt wenige Male im Leben nur ganz kurz gesprochen habe. Von dieser Art von Wahrheit sind die Dinge und bei manchen dieser Dinge glaubt die Welt gegenwärtig nur deshalb nicht, daß sie erlogen sind, weil man eigentlich gewöhnlich gar nicht voraussetzt, daß in dieser Intensität gelogen werden kann. Ich will Sie mit diesen Dingen nicht weiter behelligen. Aber ich möchte damit nur hingewiesen haben auf diejenigen Ecken, wo die Gegnerschaft sich entlädt in persönlichen Verleumdungen, statt daß der Versuch gemacht würde, ernsthaft diskutierend auf unsere Betrachtungen einzugehen.
[ 8 ] May we proceed in this way in all fields. If we do so, then we have not the slightest concern that our Spiritual Science will be able to endure. For we do not fear scrutiny, no matter how deeply it delves into the details. We are not afraid of verification. We are only somewhat concerned about those who approach our views without examining them, without engaging specifically in the examination of the details. The more carefully people examine our work, the more at ease we can be with our spiritual research. This is the awareness we carry deep within us, and only with such an awareness can we ultimately take responsibility for calling upon you—those of you who are striving to shape your lives out of science and the scientific spirit. My dear fellow students, we do not yet have the opportunity today to offer you aspects of external life in the same way as they might be offered to you in places where our endeavors are sometimes rejected in such a peculiar manner. But we may perhaps be justified in concluding from your presence that there are still souls among today’s youth for whom the pursuit of truth and the quest for truth are of paramount importance. Therefore, we confess—and this may well be said from the bottom of our hearts, and I know that in saying this I am expressing what the other instructors in these courses would also say of their own accord— we confess from the bottom of our hearts that we have been exceptionally pleased and delighted to work together with you here, and this gives us, in a certain sense, particular satisfaction precisely because, on the other hand, out of a truly biased desire, slanderous attacks are pouring down on us today, and, strangely enough, we are repeatedly and persistently being asked to refute these attacks. We do as much as we can to refute them, and as much as our time allows. But one should bear in mind that whoever makes an assertion must, for their part, provide proof of its truth. Otherwise, one could hurl any arbitrary assertion at anyone and demand that they refute all these accusations. Accusations sometimes arise from very unusual quarters. One of these attacks—to which the others mostly trace back—is based on the fact that the gentleman in question, who is leading this attack, was once one of the most intrusive members of the anthroposophical movement—I say this fully aware of the full weight of my words—one of the most intrusive members of the anthroposophical movement. And this gentleman approached our Philosophisch-Anthroposophischer Verlag with a manuscript that was half plagiarism from my as-yet-unpublished writings and half spiritualist nonsense. Our publishing house could not accept his work, and within a few weeks he transformed from an intrusive follower into an opponent who hurls mud at us, going so far as to make claims of such a caliber that, for example, he blames me for the unfortunate state of health of a person with whom I have spoken only a few times in my life—and then only very briefly. Such is the nature of these “truths,” and in some cases the world currently does not believe them to be lies simply because one does not usually assume that lies can be told with such intensity. I do not wish to trouble you further with these matters. But I merely wanted to point out those areas where our opponents resort to personal slander instead of attempting to engage seriously with our arguments through discussion.
[ 9 ] Nun, was man uns so sehr übel nimmt, ist das, daß wir allerdings in einem wichtigen Punkt uns stellen müssen gegen wohlgemeinte Zeitbestrebungen. Wir können nicht in die allgemeine Bestrebung so ohne weiteres einstimmen, daß man dasjenige, was traditionelle Wissenschaft auf den verschiedensten Gebieten ist, einfach hinaustrage durch Popularisatoren in die weiteste Welt, sondern wir müssen einmal nach unserer Erkenntnis glauben, daß es schon auch noch nötig ist, in die Stätten, die sich heute so vielfach für unfehlbar halten, denen man so große Autorität entgegenbringt, von denen man glaubt, unverändert nehmen zu können dasjenige, was man hinauspopularisieren will, daß man in diese Stätten einiges Wissenschaftliche hineintrage, was noch nicht in ihnen ist, zur Befruchtung ihrer Wissenschaftlichkeit. Weil wir nicht bloß heraustragen wollen aus gewissen Stätten in die weite Welt den Geist der Wissenschaft, sondern weil wir auch einen anderen Geist der Wissenschaft hineintragen wollen, deshalb ist man uns in vieler Beziehung so furchtbar feind. Diese Dinge sollten ja in aller Ruhe und aller Objektivität von einer weiteren Welt durchschaut werden. Denn wir müssen es unverhohlen gestehen, wir brauchen ganz ernsthaft, wenn auch jeder von uns überzeugt ist von der inneren Wissenschaftlichkeit unserer Bestrebungen, das Mitwirken weiterer Kreise, und dasjenige, was uns am meisten drückt, was uns am meisten Sorge macht, das ist, daß wir so wenige Mitarbeiter haben, die wirklich ganz auf ihrem Posten stehen können. Deshalb ist es uns so wertvoll, daß jetzt seit einiger Zeit die studierende Jugend zu uns kommt. Wir vertrauen auf diese studierende Jugend. Wir glauben, daß ihrer Jugendkraft entsprießen kann gerade dasjenige, was wir brauchen. Deshalb möchten wir insbesondere mit Ihnen, verehrte Kommilitonen, auf unserem Felde zusammenwirken, soweit es die Zeitverhältnisse gestatten. Von diesem Geiste haben wir versucht durchdrungen sein zu lassen dasjenige, was wir arbeiten wollten auch innerhalb dieser Kurse. Vielleicht werden Sie doch die Überzeugung mit sich nehmen, daß es wenigstens unser Bestreben ist, in dieser Richtung zu arbeiten.
[ 9 ] Well, what people hold against us so strongly is that, on one important point, we must indeed oppose well-meaning contemporary trends. We cannot simply go along with the general trend of having popularizers spread traditional scholarship in a wide variety of fields to the widest possible audience; rather, based on our understanding, we must believe that it is still necessary to enter those institutions that today so often consider themselves infallible—institutions to which such great authority is accorded, and which are believed to to be able to accept unaltered what they wish to popularize—that we must bring into these institutions certain scientific elements that are not yet present there, to enrich their scientific character. Because we do not merely wish to carry the spirit of science out from certain institutions into the wider world, but because we also wish to bring a different spirit of science into them, that is why we are met with such fierce hostility in so many respects. These matters should, of course, be examined by a broader world with complete calm and objectivity. For we must openly admit that, even though each of us is convinced of the intrinsic scientific nature of our endeavors, we very seriously need the cooperation of broader circles; and what weighs most heavily on us, what causes us the greatest concern, is that we have so few collaborators who can truly stand their ground. That is why it is so valuable to us that, for some time now, young students have been coming to us. We place our trust in these young students. We believe that their youthful energy can give rise to precisely what we need. That is why we would like to collaborate with you in particular, dear fellow students, in our field, as time permits. We have tried to let this spirit permeate the work we intended to do within these courses as well. Perhaps you will take away the conviction that it is, at the very least, our aspiration to work in this direction.
[ 10 ] Ich ging davon aus, daß ich sagte: Dasjenige, was wir Ihnen bieten konnten, ich möchte es vergleichen mit einem abgeschlossenen Raum, der sich durch Fenster in die Außenwelt der Geisteswissenschaft öffnet, und wir wollten durch diese Fenster hereinleuchten lassen Fragmente von dem, was wir uns geisteswissenschaftlich als eine Welt der Erkenntnis zu erarbeiten suchen. — Indem ich wiederum zurückkomme auf diesen Vergleich, von dem ich ausgegangen bin, möchte ich, indem ich Sie herzlich auch am Schlusse dieses Kurses begrüße und Ihnen herzlichst ein «Auf Wiedersehen bei ähnlichen Gelegenheiten» zurufe, noch dieses sagen: Es ist im allgemeinen nicht meine Gewohnheit, mit Phrasen zu rechnen, auch dann, wenn die Phrasen altgeheiligt sind, sondern ich möchte überall auf dasjenige zurückgehen, was der schlichte Ausdruck der Wahrheit ist. Es steht als eine prunkvolle Phrase vielfach in unseren Literatur- und Geistesgeschichten als letztes Wort des sterbenden Goethe: Licht, mehr Licht! - Nun, Goethe lag in einem kleinen Kämmerchen in einer finsteren Ecke, als er am Sterben war, und das gegenüberliegende Fenster hatte zugemachte Fensterläden. Ich habe aus meiner Goethe-Kenntnis heraus alle Ursache zu glauben, daß das Wort in schlichter Wahrheit geheißen hat: Machet die Fensterläden auf! — Aber indem ich damit ketzerisch verfahre mit einer prunkvollen Phrase meinem geliebten und verehrten Goethe gegenüber, möchte ich doch auch das schlichtere Wort am Schlusse unserer Kursarbeit Ihnen zurufen, indem ich sage: Ihnen, meine verehrten Kommilitonen, Ihnen rufe ich zu, indem wir uns mit Ihnen fühlen in dem Raum, der die Fenster öffnet nach geistiger Erkenntnis, durch die wir versucht haben, fragmentarisch das herein zu lassen, von dem wir meinen, daß es Licht ist, Ihnen rufe ich zu aus dem Geist heraus, der uns angeleitet hat dazu, Sie hierher zu rufen, Ihnen rufe ich zu: Machet die Fensterläden auf!
[ 10 ] I assumed that I had said: What we were able to offer you, I would like to compare to a closed room that opens through windows onto the outer world of Spiritual Science, and we wanted to let fragments of what we are striving to develop as a world of knowledge through Spiritual Science shine in through these windows. — Returning once more to this comparison with which I began, I would like—as I warmly greet you at the conclusion of this course and cordially bid you “Goodbye until we meet again on similar occasions”—to add this: It is generally not my habit to rely on clichés, even when they are time-honored, but I would like to return everywhere to what is the simple expression of truth. It often appears as a grand phrase in our literary and intellectual histories as Goethe’s last words as he lay dying: “Light, more light!”—Well, Goethe was lying in a small room in a dark corner as he was dying, and the window opposite had its shutters closed. Based on my knowledge of Goethe, I have every reason to believe that the words, in plain truth, were: “Open the shutters!”—But even as I act heretically toward my beloved and revered Goethe by treating this grand phrase in such a manner, I would still like to call out these simpler words to you at the conclusion of our course, saying: To you, my esteemed fellow students, to you I call out—as we stand with you in this space that opens its windows to spiritual insight, through which we have attempted, fragmentarily, to let in what we believe to be light—to you I call out from the spirit that has guided us to summon you here; to you I call out: Open the shutters!
