Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics
and the Stages of Knowledge in Spiritual Science
GA 324
23 March 1921, Stuttgart
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Naturalistic Observation, Experimentation, Mathematics, tr. SOL
Siebenter Vortrag
Seventh Lecture
[ 1 ] Es liegt natürlich an der Kürze der Zeit, wenn ich manches von demjenigen, was ich mit Bezug auf das so umfassende Thema dieser Vorträge hier vorgebracht habe, nur ganz flüchtig skizzenhaft habe vorbringen können und namentlich, wenn ich gewisse Konsequenzen ja nur habe andeuten können. Es sollen eben einfach einige Anregungen gegeben werden über Vorstellungen, die, ich möchte sagen, am Eingange in die anthroposophische Geisteswissenschaft liegen und Sie werden ja aus dem Vorgetragenen das deutliche Gefühl bekommen haben, daß alles, was hier angeschlagen worden ist, durchaus einer weiteren Ausführung bedarf.
[ 1 ] It is, of course, due to time constraints that I have been able to present only a very brief, sketchy overview of some of the points I have raised here regarding the very broad topic of these lectures—and, in particular, that I have been able to merely hint at certain implications. The aim is simply to offer a few suggestions regarding mental images that, I would say, lie at the threshold of anthroposophical Spiritual Science, and you will surely have gained a clear sense from what has been presented that everything touched upon here certainly requires further elaboration.
[ 2 ] Ich habe von dem gesprochen, was sich als besondere Erkenntnisarten durch eine gewisse innere menschliche Seelenarbeit an das alltägliche menschliche Erkennen und auch an das gewöhnliche wissenschaftliche Erkennen anschließt, und ich habe die beiden Erkenntnisarten, von denen ich zunächst gesprochen habe, genannt die imaginative Erkenntnis und die inspirierte Erkenntnis. Ich habe gestern zu zeigen versucht, wie durch dieses Zusammenwirken der imaginativen und der inspirierten Erkenntnis bei Berücksichtigung eines gewissen Erlebnisses, das ich gestern als eine Art innerliches Bewußtseinskreuzungsverhältnis geschildert habe, ein Erkennen des Menschen im Zusammenhang mit dem Erkennen der Umwelt eintreten kann. Wenn nun dasjenige, was man erlebt mit Bezug auf diese inspirierte imaginative Erkenntnis, durch die Fortsetzung gewisser Übungen, die Sie in meinen Büchern beschrieben finden, weiter ausgebildet wird, so entsteht dann etwas, wofür man in einer gewissen Beziehung auch schon im gewöhnlichen Leben einen Namen hat — und das ist durchaus bezeichnend -, es entsteht für den, der in höherer Erkenntnisübung drinnensteht, dasjenige, was er in ganz demselben Sinne, wie er von Imaginationen und Inspiration spricht, Intuition nennen kann. Intuition ist ja ein Wort, welches auch für eine allerdings nicht scharf konturierte, sondern mehr gefühlsmäßige Erkenntnis schon im gewöhnlichen Leben angewendet wird. Allerdings diese Intuition, von der man sehr häufig spricht, die eine dunkle Art von Erkenntnis ist, meint der Geistesforscher nicht, wenn er seinerseits von Intuition spricht, obwohl durchaus eine Berechtigung vorliegt, das unentwickelte Dunkle des gewöhnlichen intuitiven Vorstellens sich zu denken als eine Art von Vorstufe desjenigen, was in der wirklichen Intuition erreicht wird. Die wirkliche Intuition ist aber dann eine ebenso von innerlicher Bewußtseinsklarheit durchdrungene Vorstellungsart und Seelenverfassung — wiederum muß ich das mathematische Denken heranziehen - wie das mathematische Denken. Es wird ja namentlich diese Intuition erreicht durch eine Fortsetzung desjenigen, was ich die Übungen zur Erlangung des Vergessens nannte. Diese Übungen müssen so fortgesetzt werden, daß das Vergessen zu einer Art von unegoistischem Selbstvergessen wird. Wenn diese Übungen dann systematisch exakt fortgesetzt werden, so entsteht eben dasjenige, was Intuition in diesem höheren Sinn von dem Geistesforscher genannt wird. Es ist dasjenige Erkennen, in das die inspirierte Imagination zuletzt einläuft.
[ 2 ] I have spoken of what, through a certain inner work of the human soul, connects to everyday human cognition and also to ordinary scientific cognition as special kinds of knowledge, and I have called the two kinds of knowledge I spoke of initially “imaginative knowledge” and “inspired knowledge.” Yesterday I attempted to show how, through this interplay of imaginative and inspired cognition—while taking into account a certain experience that I described yesterday as a kind of inner intersection of consciousness—an understanding of the human being can arise in connection with the understanding of the environment. Now, if what one experiences in relation to this inspired, imaginative cognition is further developed through the continuation of certain exercises—which you will find described in my books—then something arises for which, in a certain sense, there is already a name in ordinary life—and this is quite significant— for the person engaged in higher spiritual practice, there arises that which he can call “intuition” in exactly the same sense as he speaks of imaginations and inspiration. “Intuition” is, after all, a word that is already used in everyday life to describe a kind of insight that is admittedly not sharply defined but rather more intuitive. However, this intuition—which is very often spoken of and which is a vague kind of insight—is not what the researcher of the spiritual world means when he, for his part, speaks of intuition, although there is certainly good reason to conceive of the undeveloped, vague nature of ordinary mental images as a kind of preliminary stage to what is attained in true intuition. True intuition, however, is a mode of imagination and a state of mind—and here again I must draw on mathematical thinking—that is just as thoroughly permeated by inner clarity of consciousness as mathematical thinking itself. This intuition, in particular, is attained through a continuation of what I have called the exercises for attaining forgetfulness. These exercises must be continued in such a way that forgetting becomes a kind of selfless self-forgetfulness. When these exercises are then continued systematically and precisely, what arises is precisely what the researcher of the spirit calls intuition in this higher sense. It is the very kind of cognition into which inspired imagination ultimately flows.
[ 3 ] Ich muß, bevor ich mit meinen Auseinandersetzungen weitergehe, noch, um nicht Mißverständnisse hervorzurufen, das Folgende betonen. Ich kann mir nämlich leicht vorstellen, daß irgend jemand gegen dasjenige, was ich zuletzt gestern vorgebracht habe, einen gewissen Einwand erhebt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, mögliche Einwände werden von demjenigen, der gerade gewissenhaft als Geistesforscher vorgeht, immer selbst gemacht. Das ist gerade etwas, was der hier gemeinten Geistesforschung eigen sein muß, daß man, ich möchte sagen, bei jedem Schritte, den man vorrückt, immer außerordentlich sorgfältig darauf achtgibt, aus welcher Ecke die Einwände herkommen können und wie sich diesen Einwänden begegnen läßt. Ich kann mir leicht den Einwand denken, daß jemand sagt: Nun ja, was da gestern gesagt worden ist von diesem Kreuzungserlebnis beim Nach-innen-Schauen, von diesem Umfassen der inneren Organisation des Menschen, kann ja durchaus auf einer Täuschung beruhen. Denn gerade der Geistesforscher, wie er hier gemeint ist, der ja, wie Sie deutlich gesehen haben, in äußerer Wissenschaftlichkeit kein Dilettant sein darf, wird ja selbstverständlich einiges wissen von der inneren Organisation des Menschen aus der gewöhnlichen Anatomie und Physiologie, und man könnte dann leicht glauben, daß er sich gewissen Selbsttäuschungen hingibt, indem er dasjenige, was er schon durch die äußere Wissenschaft weiß, seinem Schauen einfügt. — Nun, alle Selbsttäuschungen sind etwas, was der Geistesforscher durchaus in das Gehen seines Weges einbezieht, und der Einwand, der hier etwa aufgeworfen werden kann, erledigt sich ja dadurch, daß dasjenige, was man da bei dieser Innenschau in dem menschlichen Organismus wahrnimmt, durchaus verschieden ist von dem, was man irgend wissen kann durch äußere Anatomie oder äußere Physiologie. Dasjenige, was man als innere Organisation wahrnimmt, ist ja durchaus etwas, was man nennen könnte das Anschauen des vergeistigten menschlichen Inneren. Das einzige, worin einem die gewöhnliche Physiologie und Anatomie helfen kann, ist, ich möchte sagen, eine Art mathematischer Punkt. Höchstens daß man irgendwie einen Anhaltspunkt hat, wodurch man dasjenige, was man nun wirklich als eine ganz selbständige, durch Schauen errungene geistige Wahrnehmung in der Seele hat, was also durchaus einen in sich selbst bestimmten Inhalt hat, den man auf dieser Stufe des Erkennens erst eben wahrnehmen kann — wodurch man das, wenn es zum Beispiel das der Lunge entsprechende Innere ist, leichter auf die Lunge wird beziehen können, wenn man schon etwas von der Lunge durch äußere Physiologie und Anatomie weiß, als wenn man nichts davon weiß. Dagegen sind die beiden Dinge, der Inhalt der inneren Anschauung des Lungenwesens und dasjenige, was man aus äußerer Physiologie und Anatomie weiß, zwei durchaus verschiedene Inhalte, die man erst nachträglich zusammenzufügen hat, die gerade zeigen, wie sich auch auf dieser Stufe des Erkennens wiederholt das Verhältnis, in das man eingeht, zwischen dem innerlich mathematisch Erfaßten und dem in der äußeren Anschauung, im physikalisch-mineralischen Felde Gegebenen.
[ 3 ] Before I continue with my arguments, I must emphasize the following to avoid any misunderstandings. I can easily imagine that someone might raise a certain objection to what I presented yesterday. I can assure you that anyone who proceeds conscientiously as a researcher of the spiritual realm will always raise such potential objections themselves. This is precisely what must be characteristic of the spiritual research referred to here: that, I would say, with every step one takes forward, one always pays extraordinary attention to where objections might arise from and how these objections can be addressed. I can easily imagine the objection that someone might say: Well, what was said yesterday about this experience of a crossroads when looking inward, about this grasping of the inner organization of the human being, could very well be based on an illusion. For the researcher of the spiritual realm, as understood here—who, as you have clearly seen, must not be a dilettante in terms of external scientific rigor—will of course know something about the inner organization of the human being from ordinary anatomy and physiology, and one might then easily believe that he is succumbing to certain forms of self-deception by incorporating into his inner vision what he already knows from external science. — Well, all forms of self-deception are something that the spiritual researcher fully incorporates into the course of his path, and the objection that might be raised here is resolved by the fact that what one perceives in this inner contemplation of the human organism is entirely different from what one can know through external anatomy or external physiology. What one perceives as inner organization is, after all, something one could call the contemplation of the spiritualized human inner being. The only thing in which ordinary physiology and anatomy can help one is, I would say, a kind of mathematical point. At most, it provides a point of reference through which one can more easily relate what one actually has in the soul—a completely independent spiritual perception gained through observation, which thus has a content determined in and of itself—to the corresponding organ, if, for example, it pertains to the lungs, when one already knows something about the lungs through external physiology and anatomy, rather than when one knows nothing about them — through which, if it is, for example, the inner structure corresponding to the lung, one will be able to relate it more easily to the lung if one already knows something about the lung through external physiology and anatomy than if one knows nothing about it. In contrast, the two things—the content of the inner intuition of the nature of the lung and what one knows from external physiology and anatomy—are two entirely different types of content that must be brought together only retrospectively; they demonstrate precisely how, even at this stage of cognition, the relationship between what is grasped internally through mathematics and what is given in external observation—in the physical-mineral realm—is repeatedly established.
[ 4 ] Derselbe Unterschied, der vorliegt zwischen dem innerlich mathematisch Ergriffenen und dem in äußerer Anschauung Gegebenen, liegt vor zwischen dem, was man sich erringt auf dem Felde des inspirierten Imaginierens und demjenigen, was man von anderer Seite her durch äußere Forschung kennt. Es muß natürlich überall vorausgesetzt werden, daß absolute innere Bewußtseinsklarheit vorliegt. Steigt man nun weiter auf von dem inspirierten Imaginieren zu der Intuition, dann stellt sich etwas Ähnliches heraus, wie sich herausgestellt hat am Beginne unserer Betrachtung. Da haben wir uns gesagt: Durch die Sinne ragt wie durch Golfe die äußere Welt mit ihren Geschehnissen hinein, so daß wir in die Sinne hineinkonstruieren, wie wir etwa äußerlich die Welt mit unseren mathematischen Linien und Gebilden konstruieren. — Es ist also vorhanden ein Hineinragen, ein wirklich wesenhaftes Hineinragen der äußeren Welt in unsere räumliche innere Organisation auf dieser einen Seite unseres menschlichen Leibes. Wenn nun alles dasjenige, was ich beschrieben habe, gewissermaßen auf der anderen Seite zur Intuition kommt, dann hat man ein ähnliches Erlebnis. Man hat das Erlebnis, daß man vor allen Dingen jetzt weiß, alles das, was man da im Inneren des menschlichen Wesens erlebt, das ist etwas, was durchaus ein in sich selbst Unerklärliches, vielleicht besser gesagt, im Grunde Unfertiges ist. Wenn man durch Intuition sich selber kennenlernt, so ist man, solange man bei dieser Selbsterkenntnis bleibt, im Grunde genommen recht unbefriedigt. Beim inspirierten Imaginieren, wenn es sich auf die Selbsterkenntnis erstreckt, tritt ja eine gewisse Befriedigung ein. Man lernt erkennen, was rhythmische Systeme im Menschen sind. Es ist das ein schwieriges Erkennen. Es ist ein Erkennen, mit dem man eigentlich niemals fertig werden kann, weil es im Grunde genommen in unendliche Entwickelungen hineinführt. Aber man hat bei diesem Erkennen immerhin das innere Bewußstsein: Du lernst dich in deinem Zusammenhange mit der Welt kennen, du kannst ausbilden ganz bestimmte konkrete Erkenntnisse, wie ich gestern angeführt habe, zum Beispiel über den Zusammenhang des gesunden Organismus mit der kosmischen Umgebung, aber auch über den Zusammenhang des kranken Organismus mit der kosmischen Umgebung, und du kannst dadurch in einer gewissen Weise vordringen in das menschliche Innere selbst.
[ 4 ] The same distinction that exists between what is grasped internally through mathematics and what is given in external perception also exists between what one attains in the realm of inspired imagination and what one comes to know from another source through external research. Of course, it must be assumed throughout that there is absolute inner clarity of consciousness. If we now ascend further from inspired imagination to intuition, something similar emerges to what became apparent at the beginning of our consideration. There we said to ourselves: Through the senses, the external world with its events reaches in like waves, so that we construct within the senses just as we construct the external world with our mathematical lines and figures. — There is thus a penetration, a truly essential penetration of the external world into our inner spatial organization on this one side of our human body. When now everything I have described comes, so to speak, to intuition on the other side, one has a similar experience. One has the experience that, above all, one now knows that everything one experiences within the human being is something that is, in and of itself, inexplicable—or perhaps, to put it better, fundamentally unfinished. When one comes to know oneself through intuition, one remains, as long as one stays with this self-knowledge, fundamentally quite unsatisfied. In inspired imagination, when it extends to self-knowledge, a certain satisfaction does arise. One learns to recognize what rhythmic systems are within the human being. This is a difficult process of recognition. It is a process of recognition that one can never truly complete, because it essentially leads into infinite developments. But in this process of recognition, one at least has the inner awareness: You come to know yourself in your connection with the world; you can develop very specific, concrete insights—as I mentioned yesterday—for example, regarding the relationship of the healthy organism to the cosmic environment, but also regarding the relationship of the diseased organism to the cosmic environment; and through this, you can, in a certain way, penetrate into the human inner being itself.


[ 5 ] Ich möchte auch hier etwas anführen, was ich schon beim vorigen Kursus hier angeführt habe. Man kann zum Beispiel durchschauen durch dieses inspirierte Imaginieren, wie eigentlich die menschliche Organisation sich verhalten muß, damit sie aufnehmen kann so etwas wie ein Sinnesorgan. Nun ist die menschliche Organisation nach diesem Sinnesorgan hin, gewissermaßen nach außen hin, prädisponiert. Sie äußert sich so, diese menschliche Organisation, daß sie ein gewisses, wenn ich mich des Ausdruckes bedienen darf, Kräftesystem hinsendet nach jedem einzelnen Sinn. Man kann aber die Entdeckung machen, daß auf der anderen Seite, jenseits des Kreuzungsverhältnisses, das bei diesem Kräftesystem für irgendeinen Sinn vorhanden ist, in abnormen Fällen ähnliche Tendenzen auftreten, so daß dasjenige, was ganz normal richtig durchorganisiert für das Sinneswerden sich herausstellt, gewissermaßen an einer falschen Stelle auftritt, so daß solch ein Kräftesystem eingegliedert ist irgendeinem menschlichen Organ, das nicht Sinnesorgan sein soll, das irgendeine andere Organisation haben soll. Dieses Eingegliedertsein eines Kräftesystems an einer anderen Stelle, also gewissermaßen das metamorphosische Auftreten eines Kräftesystems, das an einer bestimmten Stelle des menschlichen Organismus begründet ist, an einer anderen Stelle, bewirkt Abnormität im menschlichen Organismus. Und diese besondere Abnormität, von der ich hier gesprochen habe, hat zur Folge, daß an der Stelle, wo ein solches deplaciertes Kräftesystem auftritt, sich ergibt eine Geschwulst. Man kommt auf diese Weise darauf, dasjenige, was Goethe immer in seiner Metamorphosenlehre gesucht hat für einfachere Verhältnisse, in komplizierteren Verhältnissen innerhalb der Organisation wirklich zu entdecken. Man kommt darauf, zu erkennen, wie dasjenige, was als Kräftewachstumsverhältnis nach der einen Seite hin, also in einer gewissen metamorphosischen Form berechtigt ist, nach der anderen Seite hin die Veranlassung zu einer Krankheit wird. Versteht man nun aufzufinden, welche äußeren Kräfte in der Umgebung des Menschen, in den Reichen der Natur etwas zu tun haben mit denjenigen Kräften, die zum Beispiel der Sinnesorganisation zugrunde liegen — ich habe gesagt: Wenn man die Sinnesorganisation durch imaginatives Erkennen überschaut, und es kommt dann noch die Inspiration dazu, so überschaut man die Sache noch innerlich, und wenn man die Sinnesorganisation überschaut, kann man auch die vegetabilische Organisation überschauen, man bekommt eine Anschauung von dem Verhältnis der inneren Organisation zur äußeren Organisation —, findet man das, was in der äußeren Welt zugeordnet ist dieser Sinnesorganisation, findet man dafür das richtige Verhältnis, dann bekommt man eine Anschauung über das Heilmittel bei krankhaft metamorphosierter Kräftegestalt.
[ 5 ] I would also like to mention here something I already brought up during the previous course here. Through this inspired imagination, for example, one can gain insight into how the human organism must actually function in order to accommodate something like a sense organ. Now, the human organism is, in a sense, predisposed outwardly toward this sense organ. This human organism manifests itself by sending a certain—if I may use the term—system of forces to each individual sense. One can, however, discover that on the other side—beyond the intersection that exists for this system of forces in relation to any given sense—similar tendencies arise in abnormal cases, so that what normally turns out to be properly organized for sensory perception appears, so to speak, in the wrong place, such that such a system of forces is incorporated into some human organ that is not meant to be a sensory organ, that is meant to have some other organization. This incorporation of a force system into a different location—that is, in a sense, the metamorphic appearance of a force system that is rooted in a specific part of the human organism but manifests in another—causes abnormality in the human organism. And this particular abnormality, of which I have spoken here, results in the formation of a tumor at the site where such a displaced force system occurs. In this way, one comes to truly discover within the organism, in more complex conditions, that which Goethe always sought in his theory of metamorphosis for simpler conditions. One comes to recognize how that which, as a ratio of force growth, is justified on the one hand—that is, in a certain metamorphic form—becomes, on the other hand, the cause of a disease. If one is now able to identify which external forces in the human environment, in the realms of nature, are related to those forces that underlie, for example, the sensory organization—I have said: When one surveys the sensory organization through imaginative cognition, and inspiration is added to this, one then surveys the matter from within as well; and when one surveys the sensory organization, one can also survey the vegetative organization, one gains an insight into the relationship between the inner organization and the outer organization—if one finds what in the outer world corresponds to this sensory organization, and if one finds the correct relationship for it, then one gains an insight into the remedy for a pathologically metamorphosed configuration of forces.
[ 6 ] Sie sehen hier, wie sich erweitert dasjenige, was ich Ihnen geschildert habe, nicht phantasierend ins Blaßblaue hinein, um, sagen wir, eine nebulose Mystik zu gewinnen, welche dem Menschen eine gewisse seelische Wollust geben kann. Das ist eigentlich der hier gemeinten anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft fremd. Diese Geisteswissenschaft will ernsthaft, exakt in die wirklichen Verhältnisse der Welt eindringen. Mag man hier vieles heute — das muß ohne weiteres als berechtigt zugegeben werden - noch als sehr anfänglich bezeichnen, was auf diesem Wege geleistet werden kann, allein es hat doch manches, was ich zum Beispiel vorgetragen habe für Ärzte und Medizin-Studierende über Pathologisches, Therapeutisches im vorigen Frühjahrskursus, den ich nächstens fortsetzen werde, einen, wie ich glaube, auf die Zuhörer plausiblen Eindruck gemacht. Es hat auch den Eindruck gemacht, daß hier etwas vorliegt, was die äußere Beobachtung und das äußere Experimentieren durch das Anschauen der inneren Verhältnisse, des Naturwesens und des Wesens der Welt überhaupt, ergänzen und befruchten kann, und was durchaus so angesehen werden sollte von den Zeitgenossen, daß hier eine Bemühung vorliegt, dasjenige zu finden, wofür uns aus der äußeren Wissenschaft vielfach nur die Fragen vorgelegt werden, ohne daß sich irgendeine Möglichkeit zeigt auf dem Felde der äußeren Wissenschaft, wenigstens durchschaubare Antworten für diese Fragen zu finden.
[ 6 ] Here you can see how what I have described to you does not expand into the blue of the imagination—without any fantasy—in order to, let’s say, attain a nebulous mysticism that can give a person a certain spiritual pleasure. That is actually foreign to the anthroposophically oriented Spiritual Science referred to here. This Spiritual Science seeks to penetrate seriously and precisely into the real conditions of the world. While one might still describe much of what can be achieved in this way today—and this must certainly be acknowledged as justified—as being in a very early stage, some of what I presented, for example, to doctors and medical students on pathological and therapeutic topics in last spring’s course—which I will be continuing shortly—made an impression that I believe was plausible to the audience. It also gave the impression that there is something here that can complement and enrich external observation and experimentation by examining inner conditions, the nature of the natural world, and the essence of the world in general, and which should certainly be regarded by our contemporaries as an effort to find that for which external science often presents us only with questions, without offering any possibility within the field of external science to find at least transparent answers to these questions.


[ 7 ] Rückt man nun weiter in diesem Erkennen, das sich eben überall halten muß nicht abstrakt, sondern im konkreten Ergreifen des GeistigWirklichen, so kommt man zunächst eben darauf, sich zu sagen: Auf der anderen Seite der menschlichen Organisation liegt etwas ähnliches, wie es das Hereinragen der Außenwelt in die Sinnesorganisation ist. — Ich sagte: Wenn man mit der Intuition zur Selbsterkenntnis kommt, so erweist sich unbedingt dasjenige, was mit der Intuition als Selbsterkenntnis gegeben ist, als etwas Unfertiges, und man begreift es erst dann, wenn man einsieht, hier auf der anderen Seite ist in ähnlicher Weise das umgekehrte Verhältnis vorhanden wie auf der einen Seite bei der Sinnesorganisation. Die Sinne sind gewissermaßen Golfe, in welche die Außenwelt mit ihrer Gesetzmäßigkeit hereinragt. Auf der anderen Seite liegt die Sache so, daß der ganze Mensch, der ja in der Intuition zum Sinnesorgan wird, jetzt hereinragt in die geistige Welt. Dort ragt die Außenwelt in den Menschen hinein, hier ragt der Mensch in die Außenwelt hinein, allerdings in die geistige Außenwelt. Deshalb ist es hier auch so, daß, während der Mensch da oben - ich habe das für die Augenorganisation ausgeführt — ein gewisses tätiges Verhältnis zu der Tiefendimension hat, er für die Intuition, zunächst, soweit er mit dieser Intuition in der Selbsterkenntnis bleibt, ein gewisses Verhältnis zur Höhendimension bekommt.
[ 7 ] If one now proceeds further in this process of recognition—which must be maintained everywhere, not abstractly, but through a concrete grasp of the spiritual-real—one first comes to say to oneself: On the other side of human organization lies something similar to the way the external world penetrates the sensory organization. — I said: When one arrives at self-knowledge through intuition, what is given through intuition as self-knowledge inevitably proves to be something incomplete, and one understands it only when one realizes that here, on the other side, the inverse relationship exists in a similar way as it does on the one side with the sensory organization. The senses are, so to speak, gulfs into which the external world, with its laws, extends. On the other hand, the situation is such that the whole human being—who, after all, becomes a sensory organ in intuition—now extends into the spiritual world. There, the external world extends into the human being; here, the human being extends into the external world—albeit into the spiritual external world. That is why it is also the case here that, while the human being up there—I have explained this in relation to the organization of the eyes—has a certain active relationship to the depth dimension, in intuition, at first, insofar as he remains within this intuition in self-knowledge, he acquires a certain relationship to the height dimension.


[ 8 ] So ergibt sich etwas dem Sinneswahrnehmen ganz Analoges, nur eben umgekehrt. Es ergibt sich, daß der Mensch durch die Intuition sich in die geistige Welt als Ganzes hineinstellt. So wie durch die Sinne die äußerliche Sinneswelt hineinragt, so stellt er sich durch die Intuition in die geistige Welt bewußt hinein, und dieses bewußte Hineinstellen wird ebenso gefühlt von dem Menschen, wie der Mensch sich empfindungsgemäß der Außenwelt in der Wahrnehmung gegenüber fühlt. Und das Sich-Fühlen in der geistigen Welt, das dunkle Erlebnis des Darinnenstehens in der geistigen Außenwelt, das nennt man im gewöhnlichen Leben Intuition. Diese Intuition wird eben von heller Klarheit durchdrungen, wenn eine solche Erkenntnis angestrebt wird, wie ich sie geschildert habe. Dadurch können Sie aber ermessen, daß wir gewissermaßen an der einen Seite des menschlichen Verhältnisses zur Außenwelt die Wahrnehmung haben. An der anderen Seite haben wir für die Wahrnehmung auch etwas Unbestimmtes, was erst verarbeitet werden muß. So wie die Wahrnehmung durch den Verstand, durch die Vernunft verarbeitet wird und man dann in der Wahrnehmung Gesetze findet, so ist auf der anderen Seite etwas vorhanden, was zunächst zum Menschen in einem ebensolchen unbestimmten Verhältnis steht wie die Wahrnehmung, was dann aber erst behandelt werden muß, durchdrungen werden muß eben mit der inneren, jetzt errungenen Erkenntnis, wie früher die äußere Wahrnehmung durchdrungen werden mußte mit dem Mathematisieren, kurz, mit der durch das gewöhnliche Erleben zu erringenden inneren Erkenntnis.
[ 8 ] The result is something quite analogous to sensory perception, only in reverse. It follows that through intuition, the human being places himself within the spiritual world as a whole. Just as the external sensory world penetrates through the senses, so does the human being consciously place himself within the spiritual world through intuition, and this conscious placement is felt by the human being in the same way that he feels himself, through sensation, in relation to the external world in perception. And this feeling of being within the spiritual world—the obscure experience of standing within the external spiritual world—is what we call intuition in everyday life. This intuition is imbued with bright clarity when one strives for the kind of insight I have described. From this, however, you can surmise that, in a sense, perception lies on one side of the human relationship to the external world. On the other side, we also have something indefinite for perception that must first be processed. Just as perception is processed by the intellect, by reason, and one then finds laws within perception, so too is there something on the other side that initially stands in just as indefinite a relationship to the human being as perception does, but which must then be dealt with, must be permeated by the inner, insight now attained—just as external perception formerly had to be penetrated by mathematization; in short, by the inner insight to be attained through ordinary experience.
[ 9 ] Dasjenige, was man da hat zunächst im gewöhnlichen Erleben in der noch unbestimmten Intuition, das ist das Glaubenserlebnis. Geradeso wie der eine Pol des menschlichen Wesens, der sich zuwendet der äußeren Sinneswelt, das Wahrnehmungserlebnis hat, so hat der ganze Mensch durch sein dunkles Drinnenstehen in der geistigen Welt das Glaubenserlebnis, und so wie die Wahrnehmung durchstrahlt werden kann von Verstand und Vernunft, so kann dasjenige, was im unbestimmten, dumpfen Glaubenserleben liegt, durchhellt werden von der immer fortschreitenden Erkenntnis, und es wird dann dasjenige, was da Glaubenserlebnis ist, wissenschaftliches Ergebnis so, wie die Wahrnehmung wissenschaftliches Ergebnis durch die Bearbeitung am anderen Pole ist. So verhalten sich die Dinge. Dasjenige, was ich Ihnen hier schildere, ist eben durchaus ein Aufsteigen dazu, das gewöhnliche Glaubenserlebnis umzuwandeln durch innere geistige Arbeit in ein Wissens-, in ein Erkenntniserlebnis. Es ist zunächst für denjenigen, der da aufsteigt in diese Regionen, durchaus etwas Ähnliches, wenn er das Glaubenserlebnis umwandelt in das Erkenntniserlebnis, wie wenn er der Wahrnehmung gegenübersteht und diese bearbeitet mit dem mathematisch oder sonst irgendwie logisch Errungenen. Sie sehen, die Dinge gliedern sich innerlich ineinander, und es ist durchaus nicht irgend etwas Konstruiertes, was ich Ihnen hier vortrage, sondern es ist die Beschreibung desjenigen, was ebenso erlebt werden kann vom Menschen, wie er erlebt dasjenige, was sich entwickelt von der Kindheitszeit, wo man noch nicht den Verstand und die Vernunft gebraucht, bis zu derjenigen Lebensepoche, wo man eben Verstand und Vernunft gebraucht.
[ 9 ] What one initially experiences in ordinary life, in an intuition that is still undefined, is the experience of faith. Just as one pole of the human being, which turns toward the external sensory world, has the experience of perception, so the whole human being, through its dark immersion in the spiritual world, has the experience of faith; and just as perception can be illuminated by intellect and reason, so too can that which lies in the vague, dim experience of faith be illuminated by ever-advancing knowledge, and what was an experience of faith then becomes a scientific result, just as perception becomes a scientific result through the work carried out at the other pole. This is how things stand. What I am describing to you here is indeed an ascent toward transforming the ordinary experience of faith, through inner spiritual work, into an experience of knowledge and insight. For the one who ascends into these realms, transforming the experience of faith into an experience of insight is, at first, quite similar to facing a perception and processing it with what has been achieved through mathematics or some other form of logic. You see, these things are intrinsically interconnected, and what I am presenting to you here is by no means something contrived; rather, it is a description of what can be experienced by human beings just as they experience the development from childhood—when one does not yet use intellect and reason—to that stage of life when one does indeed use intellect and reason.
[ 10 ] Nun sind aber mit all diesen Erlebnissen andere verbunden. Verbunden damit ist zum Beispiel das Folgende. In dem Augenblick, wo man zu dem inspirierten Erkennen vorrückt, hat man ja schon, wie ich Ihnen geschildert habe, dieses Lebenspanorama, welches zurückgeht bis in sehr frühe Kindheitszeiten, zuweilen bis zur Geburt. Man hat also ein innerliches Anschauen gewonnen. Aber erst, wenn das inspirierte Erkennen eintritt, dann tritt mit diesem inspirierten Erkennen, das ja gewissermaßen ein fortentwickeltes Vergessen ist, dasjenige ein, was ich charakterisieren muß als ein völliges Auslöschen derjenigen Umgebung, die früher durch die Sinne wahrgenommen worden ist. Also tritt ein Zustand ein, wo das eigene Innere, und zwar das zeitliche Innere bis zur Geburt hin, Objekt wird, und wo man sich subjektiv, aber subjektiv wie innerlich leer zunächst, erfühlt nun eigentlich in der Außenwelt, nicht innerhalb seines Leibes, sondern in der Außenwelt. Erst wenn man es dazu gebracht hat, ich möchte sagen, dieses verstärkte Vergessen zu erreichen, wodurch wirklich die durch die Sinne gewonnene Außenwelt für die Augenblicke des Erkennens ausgelöscht wird, dann tritt durch die Verbindung dieses Erlebnisses mit dem intuitiv Errungenen dasjenige ein, was ich in der folgenden Weise charakterisieren muß.
[ 10 ] Now, however, all these experiences are connected to others. For example, the following is connected to them. At the very moment one advances to inspired insight, one already has—as I have described to you—this panorama of one’s life, which extends back to very early childhood, sometimes even to birth. One has thus gained an inner vision. But only when inspired insight sets in does this inspired insight—which is, in a sense, a further development of forgetting—bring about what I must characterize as a complete erasure of the environment that was previously perceived through the senses. Thus a state arises in which one’s own inner self—specifically, the temporal inner self extending back to birth—becomes the object, and in which one, feeling oneself subjectively—though initially as if inwardly empty—actually perceives oneself in the external world, not within one’s own body, but in the external world. Only when one has managed—I would say—to achieve this intensified forgetting, whereby the external world perceived through the senses is truly erased for the moments of cognition, does what I must characterize in the following way come about through the connection of this experience with what has been intuitively attained.
[ 11 ] Man hat da durchgemacht die Imagination. Man weiß, daß sich diese auf etwas bezieht. Aber man muß sich durchaus klar sein, daß sie zuerst auftritt mit Bildcharakter, daß sie sich zwar auf Realität bezieht, daß wir aber zunächst im Bewußtsein nur präsent haben das Bildhafte. Rückt man durch die Inspiration vor, so rückt man von dem Bildhaften zu dem dazugehörigen Geistig-Realen vor. Hat man den Moment erreicht, wo durch die Inspiration das äußere Sinneswahrnehmen völlig ausgelöscht wird, dann tritt ein Inhalt auf, der sich eigentlich jetzt erst zeigen kann. Es tritt der Inhalt auf, der sich deckt mit unserem Dasein vor der Geburt, oder besser gesagt vor der Konzeption. Wir lernen jetzt hineinschauen in unsere menschliche, seelisch-geistige Wesenheit, wie sie war, bevor sie sich bemächtigt hat aus der Vererbungsströmung heraus einer physischen Organisation. Also es füllt sich die Imagination aus mit einem real-geistigen Inhalt, der unser vorgeburtliches Leben darstellt. So charakterisiert, scheint das gewiß für viele Menschen der heutigen Zeit noch etwas Paradoxes zu sein. Allein man kann ja nicht mehr tun, als genau die Stelle angeben, wo im Erkenntnisprozeß eine solche Anschauung des geistig-seelischen Selbstes des Menschen auftritt, wo also dasjenige, was man sonst die Unsterblichkeitsfrage nennt, eigentlich erst einen wirklich realen Gehalt gewinnt. Es tritt dann allerdings auch ein genaueres Durchschauen des anderen Poles der menschlichen Organisation auf. Durchdringt man auf die Art, wie ich es geschildert habe, dasjenige, was zuerst intuitiver Glaube war, erhebt man das zur Erkenntnis, so tritt die Möglichkeit ein, die Imaginationen zu beziehen, obwohl in anderer Art wie das beim eben Geschilderten der Fall war, auf die Verhältnisse nach dem Tode. Kurz, es wird Anschauung dasjenige, was ich nennen möchte das Ewige im Menschen. Und entwickelt sich die Intuition zu dem Punkt, zu dem sie durchaus kommen kann, dann entwickelt man gewissermaßen innerlich erst das wahre Ich, und innerhalb dieses wahren Ich wird dann — das kann ich hier nur noch andeuten — anschaulich dasjenige, was ich immer nenne innerhalb anthroposophischer Geisteswissenschaft die Erkenntnis von den wiederholten Erdenleben. Die Erkenntnis, daß man ein geistig-seelisches Wesen war vor der Konzeption, daß man ein geistig-seelisches Wesen sein wird nach dem Tode, diese Erkenntnis ergibt sich dem inspirierten Imaginieren. Die Erkenntnis von den wiederholten Erdenleben ergibt sich erst der hinzugefügten Intuition.
[ 11 ] One has gone through the process of imagination. One knows that it refers to something. But one must be absolutely clear that it first appears as an image, that although it refers to reality, what we initially have present in our consciousness is only the image. As one progresses through inspiration, one moves from the pictorial to the corresponding spiritual-real. Once one has reached the moment when external sensory perception is completely extinguished through inspiration, a content emerges that can truly reveal itself only now. The content that emerges corresponds to our existence before birth—or, better said, before conception. We now learn to look into our human, soul-spiritual being as it was before it took possession of a physical organization out of the stream of heredity. Thus, the imagination fills with a real-spiritual content that represents our prenatal life. Characterized in this way, it certainly still seems somewhat paradoxical to many people today. Yet one can do no more than point out precisely the point in the process of knowledge where such a view of the human being’s spiritual-soul self arises—where, in other words, what is otherwise called the question of immortality actually acquires a truly real substance for the first time. At that point, however, a more precise insight into the other pole of the human organism also emerges. If one penetrates, in the manner I have described, what was at first intuitive belief—and elevates it to knowledge—then the possibility arises of relating the imaginations, albeit in a different way than was the case with what I have just described, to the conditions after death. In short, what I would like to call the eternal in the human being becomes a vision. And if intuition develops to the point to which it is fully capable of reaching, then, in a sense, one first develops the true “I” inwardly; and within this true “I,” what I always refer to in anthroposophical Spiritual Science as the knowledge of repeated earthly lives then becomes vividly clear—though I can only hint at this here. The realization that one was a spiritual-soul being before conception, that one will be a spiritual-soul being after death—this realization arises from inspired imagination. The realization of repeated earthly lives arises only from the added intuition.
[ 12 ] Ebenso entdeckt man eigentlich erst, wenn man zu diesem Gebiete vorgedrungen ist, die volle Bedeutung von Aufwachen, Einschlafen und vom Schlafzustand überhaupt. Man entdeckt gewissermaßen durch jene Vertiefung, welche das Erkennen an dem Wahrnehmungspol erfährt, dasjenige, was als Erlebnis des Einschlafens sonst unbewußt ist. Und dann an dem anderen Pol, an dem Intuitionspol entdeckt man das Erlebnis des Aufwachens. Zwischen beiden das Schlaferlebnis. Ich möchte das nur noch in der folgenden Weise charakterisieren. Ich möchte sagen: Wenn der Mensch einschläft mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein, so tritt ja der Zustand ein, wo das Bewußtsein völlig herabgedämmert, herabgedämpft ist. Dieses leere Bewußtsein, in dem der Mensch lebt zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, ergibt für ihn die Anschauung eines Zustandes, von dem er ja von seinem eigenen subjektiven Gesichtspunkt aus nichts wissen kann. Der Zustand, in dem man beim inspirierten Imaginieren ist, ist durchaus ein ähnlicher. Genauso wie beim Schlaf schweigen die Sinne, schweigen die Willensimpulse. Es schweigt wie beim Schlaf dasjenige, was Anteil an der menschlichen subjektiven Betätigung hat, auch bei diesem inspirierten Imaginieren. Der Unterschied gegenüber dem Schlaf ist der, daß beim Schlaf das Bewußtsein leer ist, in diesem Zustand des inspirierten Imaginierens das Bewußtsein erfüllt ist, man tatsächlich in Unabhängigkeit von Sinneswahrnehmung und Willensimpuls innerliche Erlebnisse hat, also gewissermaßen ein waches Schlafen vollführt und dadurch in die Möglichkeit versetzt wird, das Schlafleben eben zu studieren.
[ 12 ] Likewise, it is only when one has ventured into this realm that one truly discovers the full significance of waking up, falling asleep, and the state of sleep in general. Through the deepening that cognition undergoes at the pole of perception, one discovers, so to speak, that which is otherwise unconscious as the experience of falling asleep. And then, at the other pole—the pole of intuition—one discovers the experience of waking up. Between the two lies the experience of sleep. I would like to characterize this in the following way. I would like to say: When a person falls asleep with their ordinary consciousness, a state sets in in which consciousness is completely subdued and dampened. This empty consciousness, in which a person lives between falling asleep and waking up, gives them a perception of a state about which they can know nothing from their own subjective point of view. The state one is in during inspired imagination is quite similar. Just as in sleep, the senses are silent, and the impulses of the will are silent. Just as in sleep, that which participates in human subjective activity is silent; this is also the case in this inspired imagination. The difference from sleep is that during sleep consciousness is empty, whereas in this state of inspired imagination consciousness is filled; one actually has inner experiences independent of sensory perception and volitional impulses, thus, in a sense, engaging in a kind of waking sleep and thereby being enabled to study the life of sleep.
[ 13 ] Verbunden mit diesen Erlebnissen ist noch etwas anderes, auf das ich nur aphoristisch eingehe — darauf habe ich hier heute morgen hinweisen können im historischen Seminar -, verbunden ist gerade mit denjenigen Erlebnissen, die ich jetzt hier geschildert habe, daß eben alle historischen Probleme eigentlich neu werden. Sie werden ja vielleicht schon einmal nachgedacht haben, oder es ist leicht darüber nachzudenken, was dasjenige, was wir heute in wissenschaftlichem Sinn Geschichte nennen, in solchen Geschichtsschreibern wie Herodot und so weiter doch nur Vorläufer hat, wie unsere Geschichtsschreibung eigentlich erst entstanden ist, als die besondere Verstandeskultur aufgekommen ist, die auch im Experiment ihre besondere Befriedigung hat, so daß man sagen kann: Was auf der einen Seite wissenschaftlich sich besonders befriedigt im Experiment, das befriedigt sich auf der anderen Seite in dem, was wir heute äußerliche Geschichtsschreibung, Geschichtswissenschaft nennen. — Diese Geschichtswissenschaft verfährt, von ihrem Gesichtspunkt aus ja mit Recht, historisch-empirisch, sammelt die Daten, versucht sich ein Bild des geschichtlichen Verlaufs aus diesen empirischen Daten zusammenzustellen. Allein man kann immer gegen eine solche Interpretation geschichtlicher Art der empirischen Tatsachen der Menschheitsentwickelung einwenden, die Dinge hätten ja auch anders sich abwickeln können, und ich habe heute morgen geradezu den Ausdruck gebraucht, es hätte zum Beispiel Dante als Knabe irgendwie sterben können, und wir würden dann durchaus vor der Möglichkeit stehen, daß wir das, was wir äußerlich empirisch in der Geschichtsbetrachtung an Dante erleben, innerhalb unserer Betrachtung doch mindestens, wie sie uns durch Dante entgegentritt, nicht darinnen haben können. Es entstehen tatsächlich für denjenigen, der sich nicht etwa mit innerlich gefaßten Tiraden des Erkennens begnügt, sondern der wahrhaft ringt nach Erkenntnis, bei der Anschauung des geschichtlichen Werdens außerordentliche Schwierigkeiten.
[ 13 ] There is something else connected to these experiences that I will address only briefly—I was able to point this out this morning in the history seminar—namely, that it is precisely those experiences I have just described here that cause all historical problems to become, in a sense, new. You may have already given this some thought, or it is easy to reflect on the fact that what we today call “history” in the scientific sense has its precursors only in historians such as Herodotus and others; that our historiography actually only came into being when a particular culture of reason emerged—one that also finds its special fulfillment in experimentation—so that one can say: What, on the one hand, finds particular satisfaction in experimentation from a scientific perspective finds satisfaction, on the other hand, in what we today call external historiography, the science of history. — This historical science proceeds—rightly so, from its own standpoint—in a historical-empirical manner, collecting data and attempting to piece together a picture of the course of history from these empirical data. Yet one can always object to such a historical interpretation of the empirical facts of human development by pointing out that things could just as easily have unfolded differently; and this morning I actually used the expression for example, Dante could somehow have died as a boy, and we would then certainly face the possibility that what we experience externally and empirically in our historical view of Dante—at least as it presents itself to us through Dante—could not actually be contained within our perspective. Indeed, extraordinary difficulties arise for those who do not content themselves with internally formulated tirades of knowledge, but who truly strive for insight, when contemplating historical development.
[ 14 ] Es studieren zum Beispiel die Leute anhand der äußeren historisch-empirischen Tatsachen, sagen wir, die Reformation. Aber - ich kann nicht alle die einzelnen Dinge hier anführen, dazu reicht die Zeit nicht aus — Sie können sich recht leicht die Tatsachen zusammensuchen in philosophischer oder anderer Beziehung - es ist durchaus eben nicht von der Hand zu weisen: Wenn zum Beispiel der Mönch Luther früh gestorben wäre, ich möchte wissen, was dann eine Geschichtsschreibung von der Art, wie man sie eben als rein äußerliche empirische Geschichtsschreibung hat, verzeichnen würde! Doch etwas ganz anderes als man heute zu verzeichnen hat. Da entstehen ganz ernsthafte Schwierigkeiten für eine Charakteristik des geschichtlichen Erkennens. Und es handelt sich durchaus darum, einzusehen, daß es voll berechtigt ist, wenn man sagt: Derjenige, der nun anfängt Geschichtsphilosophie zu betreiben und uns entweder aus einer mehr oder weniger abstraktideellen Notwendigkeit den Ablauf der geschichtlichen Ereignisse, so wie er sie empirisch verfolgen kann, erklären will, oder der nach dem Muster der Strindbergiade eine Art von Absichtlichkeit entdecken will, dem muß man selbstverständlich einwenden, daß er eine solche Absichtlichkeit oder eine innere ideelle Notwendigkeit auch in dem finden würde, was sich abspielen würde anstelle desjenigen, was wir heute als Reformation anschauen, wenn der Mönch Luther als kleiner Knabe gestorben wäre und meinetwegen die anderen Reformatoren auch nicht dagewesen wären.
[ 14 ] For example, people study the Reformation based on external, historical-empirical facts. But—I cannot list all the individual examples here; there isn’t enough time—you can quite easily gather the facts in a philosophical or other context—it certainly cannot be dismissed out of hand: If, for example, the monk Luther had died young, I would like to know what a historiography of the kind we have today—as purely external, empirical historiography—would record! Something quite different from what is recorded today. This gives rise to very serious difficulties for a characterization of historical understanding. And it is certainly a matter of recognizing that it is entirely justified to say: Anyone who now sets out to engage in the philosophy of history—whether seeking to explain the course of historical events, as he can empirically trace them, or who, following the pattern of the “Strindbergiade,” seeks to discover a kind of intentionality—one must, of course, object that he would find such intentionality or an inner, ideal necessity even in what would have unfolded in place of what we regard today as the Reformation, had the monk Luther died as a young boy and, for all I care, the other reformers not existed either.
[ 15 ] Diese Sachen müssen schon ganz sorgfältig ins Auge gefaßt werden, und eine Möglichkeit, mit diesen Dingen fertigzuwerden, ergibt sich eben gar nicht auf dem Felde der äußeren empirisch-historischen Beobachtung. Aber eine Beobachtung des menschlichen Werdens auf der Stufe eines solchen Erkennens, wie ich es Ihnen hier geschildert habe, ergibt doch etwas anderes. Die ergibt zum Beispiel — ich will ein konkretes Beispiel nennen -, daß etwa in der Mitte des 4. nachchristlichen Jahrhunderts Kräfte gewaltet haben in der europäischen Zivilisation, welche offenbar ganz anders sich darstellen würden für die äußere Geschichtsforschung, wenn in der Zeit, die etwa verflossen ist zwischen Konstantin und Julian dem Abtrünnigen, zu verzeichnen wäre irgendeine für die Kontemplation so mächtige Persönlichkeit wie Dante. Es liegt hier ein Problem vor - ich gestehe hier ganz offen, daß ich mit diesem Problem noch nicht fertig bin, aber dieses Problem kann weiter verfolgt werden -, es liegt hier ein Problem vor ganz konkreter Art. Ich bin insofern nicht fertig, als ich heute zu Ihnen nicht sagen kann, ob wichtige Urkunden, wichtige Dinge gerade in der Zeit, sagen wir um 340 oder 350, durch irgendeinen Vorgang verschwunden sind, so daß man von den wichtigsten Persönlichkeiten in der äußeren Geschichte nichts weiß, oder ob eben das eingetreten ist, daß eine solche wichtige Persönlichkeit in der Jugend gestorben ist oder viele solche wichtige Pesönlichkeiten in der sehr aufgeregten, sehr kriegerischen Zeit zugrunde gegangen sind. Das aber liegt vor, daß man sieht, da spielen Kräfte in dieser Zeit, die mit der äußeren Geschichte heute nicht verfolgt werden können, deren Verfolgung durch äußere Geschichte auch eben nur von dem glücklichen Umstand abhängen könnte, daß in diesem oder jenem Kloster noch irgendwelche Urkunden entdeckt würden. Für den Geistesforscher ist es aber ganz zweifellos, daß diese Kräfte spielen, daß sie da sind, und es bewährt sich da der Geistesforscher in einer Region historischer Betrachtungen, wo er eben gar nicht mehr angewiesen ist auf das Abstrahieren historischer Kräfte von äußeren Verhältnissen.
[ 15 ] These matters must be considered very carefully, and the field of external, empirical-historical observation simply does not offer any way to deal with them. But an observation of human development at the level of such understanding as I have described to you here does reveal something else. It reveals, for example—and I will give a concrete example—that around the middle of the 4th century A.D., forces were at work in European civilization that would evidently present themselves quite differently to external historical research if, in the period that elapsed between Constantine and Julian the Apostate, there had been a figure as powerful for contemplation as Dante. There is a problem here—I admit quite openly that I have not yet resolved this problem, but it can be explored further—there is a problem of a very concrete nature. I have not yet resolved it insofar as I cannot tell you today whether important documents, important documents—particularly from the period around, say, 340 or 350—have vanished as a result of some event, so that we know nothing about the most important figures in external history, or whether it is simply the case that such an important figure died in his youth or that many such important figures perished during that very turbulent, very war-torn period. What is clear, however, is that forces were at work during this period that cannot be traced through external history today; indeed, tracing them through external history could depend solely on the fortunate circumstance that some documents might still be discovered in this or that monastery. For the spiritual researcher, however, there is no doubt whatsoever that these forces are at work, that they exist, and here the spiritual researcher proves his worth in a realm of historical observation where he is no longer at all dependent on abstracting historical forces from external circumstances.
[ 16 ] Wenn man auf Dante hinschaut - man macht sich mit ihm bekannt, man lernt ihn innerlich kennen, man sucht ihn in seiner Seele wieder lebendig zu machen, man macht sich auch mit den waltenden und werdenden Kräften der Dante-Zeit bekannt, das ist ein äußerliches Erkennen. Dasjenige, was der Geistesforscher anstrebt auch für die DanteZeit, das wird sich zwar noch etwas anders ausnehmen als dasjenige, was nur aus den äußeren Dokumenten, aus der «Commedia» und so weiter gebildet werden kann. Aber man kann ihm natürlich durchaus einwenden, daß er ja selbst konfundieren könnte dasjenige, was er durch äußere Wahrnehmung sich erringt, und dasjenige, was er durch innere Anschauung hat. Wo aber die innere Anschauung so wirkt, daß man ganz genau weiß, in irgendeinem Zeitalter, wie in dem bezeichneten, decken sich die äußeren Ereignisse gar nicht mit dem inneren Geschehen, da wirken wirklich Geisteskräfte, dann entwickelt sich die Sache so, daß man Geschichte schildert - ich habe gerade diesen Teil der Geschichte auch schon für einen gewissen Kreis von Zuhörern einmal geschildert —, indem man nur auf innerlich angeschaute Kräfte hinsieht. Man kommt ja dann darauf, wenn man diese Kräfte innerlich angeschaut hat, daß sie innerlich leben können oder einen durchdringen. Und hier für diese Zeit liegt die Sache so, daß es schon ein innerliches Erkenntniswunder sein müßte, wenn man ausphantasieren könnte, welche Kräfte eigentlich zum Beispiel in Julian dem Apostaten sich geltend machten, also etwas, was für dazumal nur geistig verfolgt werden kann.
[ 16 ] When one looks at Dante—when one becomes acquainted with him, gets to know him intimately, seeks to bring him back to life within one’s own soul, and also familiarizes oneself with the prevailing and emerging forces of Dante’s time—that is an external understanding. What the spiritual researcher strives for regarding Dante’s era will, admittedly, take on a somewhat different form than what can be derived solely from external documents, from the Commedia, and so on. But one can, of course, quite rightly object that he himself might confuse what he gains through external perception with what he possesses through inner intuition. But where inner intuition works in such a way that one knows quite precisely—in any given era, such as the one described—that external events do not at all correspond to inner processes, there spiritual forces are truly at work; then the matter unfolds in such a way that one describes history —I have already described this very part of history once for a certain circle of listeners—by focusing solely on the forces perceived inwardly. Once one has contemplated these forces inwardly, one comes to realize that they can live within one or permeate one. And here, for this era, the situation is such that it would have to be a miracle of inner insight if one could imagine which forces were actually at work, for example, in Julian the Apostate—that is, something that, for that time, can only be pursued spiritually.
[ 17 ] Man erreicht da eine Stufe der historischen Betrachtungsweise, von der man sagen kann, man schaut unmittelbar die urgeistigen Kräfte des geschichtlichen Werdens, und man fühlt eine Erklärung des Werdens der Menschheit gerade in solchen Partien, wo Äußerliches, sei es im Schrifttum, sei es durch Menschen, die eben nicht voll sich ausgelebt haben, verlorengegangen ist, wo man mit dem innerlich Angeschauten auch der äußeren Geschichte nachhelfen muß. Gerade in diesem Erkenntnisergebnis kündigt sich zuerst an dasjenige, was dann mit Berechtigung dazu führt, von dem Geistig-Wesenhaften zu sprechen hinter denjenigen Erscheinungen, die im geschichtlichen Werden sind. Da istder Punkt, von dem man aufsteigt, um dann von solchen Wesenheiten zu sprechen, wie ich sie darstellte in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit». Solch einem Darstellen, wie es gepflegt ist in meinem Büchelchen «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», muß durchaus vorangehen diese Anschauung von etwas Geschichtlichem, das eigentlich auf äußerem geschichtlichem Wege nicht da ist. Erst dann fühlt man sich, wenn man überhaupt ein für seine Erkenntnis innerlich verantwortlicher Mensch sein will, berechtigt, eben aus der Anschauung heraus zu sagen: Es ist möglich, aufzusteigen aus dem gesunden Menschenverstand jetzt auf die Art, wie ich es wiederholt charakterisiert habe, zu demjenigen, was nun solche wirksamen Kräfte sind.
[ 17 ] One reaches a level of historical perspective from which one can say that one directly perceives the primordial spiritual forces of historical development, and one senses an explanation for the development of humanity precisely in those areas where the external—whether in written sources or through people who have not fully lived out their potential—has been lost, where one must supplement external history with what has been perceived inwardly. It is precisely in this result of insight that what first announces itself—and what then justifiably leads one to speak of the spiritual-essential behind those phenomena that are part of historical development—begins to emerge. This is the point from which one ascends to speak of such entities as I described in my little book The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity. Such a presentation, as cultivated in my little book The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity, must absolutely be preceded by this conception of something historical that does not actually exist along the external historical path. Only then does one feel justified—if one wishes to be a person who is inwardly responsible for one’s own knowledge—in saying, precisely on the basis of this insight: It is possible to ascend from sound common sense—in the manner I have repeatedly characterized—to that which constitutes such active forces.
[ 18 ] Nun werden Sie ja natürlich einwenden, dann könnte aber doch nur derjenige von solchen Wesenheiten sprechen, wie ich sie darstelle in «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», der zu einer solchen Anschauung vorgedrungen ist. Mit der Betonung, daß er aus der Anschauung spricht, kann er allerdings erst auf dieser Stufe der Erkenntnis sprechen, aber es liegt ja das andere vor, was wichtig ist zu berücksichtigen: Wenn wir nur ehrlich überhaupt gerade in dem Geschichtlichen zu Werke gehen mit der Anschauung der Tatsachen, wenn wir vernünftig genug sind und philosophisch genügend geschult sind, um uns klarzumachen, welche Zweifel und Rätsel einem aufgegeben werden aus dem äußeren geschichtlichen Werden, wenn man sich dies ehrlich vorlegt, dann kommt man der äußerlichen Geschichte gegegenüber an allen möglichen Punkten zu einem solchen inneren Erlebnis, wie es etwa der Astronom gehabt hat, der aus den Gravitationskräften heraus den Neptun vorausgesagt hat. Das Entdecken der betreffenden Wesenheiten ist im Grunde genommen auf geistigem Gebiet ein ganz ähnliches Ereignis wie beim Astronomen Leverrier, der den Neptun vorausberechnet hat. Er hat nicht irgendwie aus dem äußeren historisch-empirischen Tatbestand das wissenschaftliche Ergebnis zuzusammenkonstruiert — sei es positivistisch oder sei es skeptisch, indem er einfache Zusammenhänge ablehnte -, sondern hat die Daten, die gegeben sind, nach ihren wahren Qualitäten verfolgt und sich gesagt: Da muß irgend etwas wirken. — Ebenso wie sich der Astronom sagte, als er den Uranus beobachtete: Der läuft nicht so, wie er nach den Kräften laufen sollte, die ich schon kenne, da muß irgend etwas anderes da sein, was in das System dieser Kräfte einwirkt —, so kommt an allen möglichen Stellen der geschichtlichen Betrachtung der wirklich gewissenhafte Forscher dazu, zu erkennen, wie da Kräfte eingreifen. Er sieht das Eingreifen dieser Kräfte etwa so wie derjenige, der, sagen wir, irgendwo im Gestein eine Kalk- oder Kieselschale findet und einfach aus dem, wie diese Kieselschale aussieht, sich auch nicht sagt: Diese Kieselschale ist auskristallisiert aus der mineralischen Umgebung -, sondern er sagt sich: Die war einmal ausgefüllt, die ist in ihrer Form bedingt von irgendeinem Tier, das Tier ist nicht mehr da, aber man kann sich eine Vorstellung bilden von diesem Tiere. - Und wenn irgendein Wesen kommen würde, das in der Zeit gelebt hätte, wo das Tier lebte und in der Schale drinnen war, und erzählen würde, wie das Tier war, so würde sich ein solcher Anschauer des Tieres mit seiner Erzählung dem gegenüber, der die Schale hat, die ein deutlicher Abdruck davon ist, so verhalten wie der Geistesforscher, der aus innerer Anschauung zu demjenigen spricht, der die äußeren Tatsachen einfach seinem gesunden Menschenverstand vorlegt und aus ihrer Konfiguration sich sagt: Da muß ja etwas darin sein. - Was darin ist, das kann ihm nur der Geistesforscher sagen. Aber kontrollieren kann der Mensch, der sich aus dem Anschauen darauf einläßt, mit der gesunden Logik, mit der Tatsachenlogik, mit dem gesunden Menschenverstand aus der Form, die ihm vorliegt, durchaus dasjenige, was ihm der Geistesforscher sagt.
[ 18 ] Now, of course, you will object that only someone who has arrived at such a perspective could speak of such entities as I describe them in The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity. By emphasizing that he speaks from this perspective, he can indeed speak only at this stage of understanding; but there is another factor that is important to consider: If we approach history honestly at all, with an insight into the facts; if we are reasonable enough and sufficiently trained in philosophy to realize what doubts and mysteries are presented to us by external historical development—when we honestly confront this— then, in relation to external history, one arrives at all sorts of points at an inner experience similar to that of the astronomer who predicted Neptune based on gravitational forces. The discovery of the entities in question is, in essence, a very similar event in the spiritual realm to that of the astronomer Leverrier, who calculated Neptune’s orbit in advance. He did not simply piece together the scientific result from the external, historical-empirical facts—whether in a positivist manner or a skeptical one, by rejecting simple correlations—but rather traced the given data according to their true qualities and said to himself: Something must be at work here. — Just as the astronomer said to himself when observing Uranus: “It does not move as it should according to the forces I already know; there must be something else at work that influences the system of these forces”—so, at all manner of points in historical analysis, the truly conscientious researcher comes to recognize how forces intervene there. He perceives the intervention of these forces much like someone who, say, finds a shell of limestone or flint somewhere in the rock and, simply based on the appearance of this flint shell, does not say to himself: “This flint shell has crystallized from the mineral environment”—but rather he says to himself: “It was once filled; its shape is determined by some animal; the animal is no longer there, but one can form a mental image of this animal.” —And if some being were to come along who had lived at the time when the animal lived and was inside the shell, and were to describe what the animal was like, then such a witness to the animal—with his account—would relate to the person holding the shell, which is a clear imprint of it, in the same way as the spiritual researcher who speaks from inner insight to the person who simply presents the external facts to his common sense and, based on their configuration, concludes: “There must be something in there.” - Only the spiritual researcher can tell him what is in it. But the person who engages with it through observation can certainly verify, using sound logic, factual logic, and common sense based on the form before him, exactly what the spiritual researcher tells him.
[ 19 ] Es ist nicht nötig, daß man dem Geistesforscher blind glaubt. Gewiß, zum Entdecken solcher Dinge, wie ich sie dargestellt habe in «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», gehört Geistesforschung. Wird das aber dargestellt, dann muß der Geistesforscher ganz offen zugestehen demjenigen, der dann die Tatsachen prüft, die der Geistesforscher aus dem, was er die höheren Wesenheiten nennt, erklären will, der die äußeren Tatsachen sieht, der alles sammeln kann, was ihm nur irgend zugänglich ist, er muß ihm zugestehen: Du kannst und darfst mir ordentlich auf die Finger klopfen, wenn du irgend etwas findest, was den äußeren Tatsachenfolgen widerspricht, die eintreten müssen, wenn meine Anschauung richtig wäre. —
[ 19 ] It is not necessary to blindly believe the spiritual researcher. Certainly, spiritual research is required to discover such things as I have described in The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity. But once this is presented, the spiritual researcher must openly concede to anyone who then examines the facts—the facts that the spiritual researcher seeks to explain based on what he calls the higher beings—to anyone who observes the external facts and can gather everything that is in any way accessible to him; he must concede to that person: “You can and may certainly call me out if you find anything that contradicts the external consequences that must occur if my view were correct.” —
[ 20 ] Solche Dinge sind ja innerhalb unseres Freundeskreises wiederholt, sagen wir, mit Evangeliendeutungen, die rein aus der Geistesforschung gewonnen worden sind, aufgetreten. Sie sind aufgetreten auch in solchen Fällen, wie einer heute morgen angeführt worden ist. Ich habe mich ja mit mancherlei Literatur beschäftigt. Allein das Literaturwerk, das heute morgen Dr. Stein angeführt hat für das Todesdatum Christi, war mir bis zum heutigen Tag dem Verfasser nach unbekannt. Das habe ich niemals gesehen. Aber das ist natürlich nicht etwas, was man in der äußeren, objektiven Beweisführung anführen kann, ich sage das hier nur in Parenthese. Solche Dinge sind aber durchaus schon innerhalb unseres Kreises vorgekommen, daß Verifizierungen eingetreten sind, die auch durchaus objektiv zu nehmen sind. Und davon rührt es ja her, daß dieser rein subjektive Grad der Überzeugung, den viele unserer Freunde haben durch das lebendige Drinnenstehen im geisteswissenschaftlichen Betrieb, nicht auf blindem Glauben beruht, sondern auf dem Miterleben eben dieses Betriebes der Geisteswissenschaft, und daß daher aus einem anderen Tone heraus diejenigen reden, die diesen Betrieb der Geisteswissenschaft seit vielen Jahren mitgemacht haben, als diejenigen, die bloß aus der Theorie heraus reden.
[ 20 ] Such things have, in fact, occurred repeatedly within our circle of friends—let’s say, with interpretations of the Gospels derived purely from spiritual research. They have also occurred in cases such as the one cited this morning. I have, of course, studied a wide range of literature. However, the work cited this morning by Dr. Stein regarding the date of Christ’s death was, until today, unknown to me by its author. I have never seen it. But this is, of course, not something that can be cited in external, objective reasoning; I am only mentioning it here in passing. Such things have, however, certainly occurred within our circle—verifications that can indeed be regarded as objective. And this is precisely why this purely subjective degree of conviction, which many of our friends possess through their active involvement in Spiritual Science, is not based on blind faith, but on their firsthand experience of this very work of Spiritual Science, and that is why those who have been actively involved in Spiritual Science for many years speak in a different tone than those who speak merely from a theoretical standpoint.
[ 21 ] Das sind Dinge, welche, wie ich glaube, durchaus zeigen, wie zusammenhängt in der Menschheitsentwickelung dasjenige, was ich nennen möchte die heutige wissenschaftliche und die Erkenntnissituation. Gewiß, alles hat Vorstufen. So hat auch das Experimentieren Vorstufen. Aber alles dasjenige, was Experimentieren vor der neuesten Epoche der Menschheit war, ist doch etwas Primitives gegen das ausgebildete Experimentieren, in dem wir heute drinnenstehen. Dieses ausgebildete Experimentieren hat, wenn man es, ich möchte sagen, im inneren Erlebnis in sich aufnimmt, durchaus etwas, was auf der anderen Seite fordert wiederum, daß das im Experiment Gewonnene, in diesem Experiment, das vom Verstand zusammengefügt wird — schon in der Versuchsanordnung ist es so: dasjenige, was man erlebt, erlebt man nicht im Experiment, sondern im Experimentieren, in dem Herstellen des Experiments —, daß das in der Seele etwas auslöst, was auf der anderen Seite Geisteserkennen notwendig macht. Wir haben das Erkennen abgerückt von der bloßen Beobachtung in das Experimentieren hinein. Erlebt man das, wie sich unterscheidet, was man erfährt durch ein Experiment, von dem, was man erfährt durch eine bloße Beobachtung, dann bekommt man einen Drang, auf der anderen Seite auch wiederum von der gewöhnlichen Selbstanschauung zu der erhöhten Selbstanschauung zu kommen, welche gegeben ist in dem Erkenntniswege, wie ich ihn geschildert habe. Es hängen diese Dinge zusammen. Ich möchte sagen, der Drang, der, wie ich glaube, heute dem wahrhaft erkennenden Menschen unentbehrlich sein sollte, der Drang nach der anderen Seite des Experimentierens, der liegt durchaus historisch vor aus einem elementarischen Verhältnis zum Experimentieren selber. Und das wissenschaftliche Ergebnis, das wir gewinnen an der äußeren Natur, stellt uns ja in vieler Beziehung eigentlich erst die Fragen. Und von einer richtigen Fragestellung hängt ja sehr viel ab, ob man eine richtige Antwort bekommt.
[ 21 ] These are things which, I believe, clearly demonstrate how closely connected to the development of humanity is what I would like to call the current state of science and knowledge. Certainly, everything has its precursors. Experimentation, too, has its precursors. But everything that constituted experimentation prior to the most recent epoch of human history is, after all, something primitive compared to the sophisticated experimentation we are engaged in today. This sophisticated form of experimentation, when one takes it in—I would say—as an inner experience, certainly has something that, in turn, demands that what is gained in the experiment—in this experiment, which is constructed by the intellect—is already evident in the experimental setup: what one experiences is not experienced in the experiment itself, but in the act of experimenting, in the process of setting up the experiment—that this triggers something in the soul which, in turn, makes spiritual knowledge necessary. We have shifted our understanding away from mere observation and into the realm of experimentation. If one experiences how what one learns through an experiment differs from what one learns through mere observation, then one feels an urge, on the other hand, to move from ordinary self-perception to the elevated self-perception that is found in the path of knowledge as I have described it. These things are interconnected. I would like to say that the urge—which, I believe, should be indispensable today to the truly knowing person—the urge toward the other side of experimentation, is historically rooted in a fundamental relationship to experimentation itself. And the scientific results we gain from external nature actually pose the questions to us in many respects. And whether one obtains the correct answer depends to a great extent on asking the right questions.
[ 22 ] Dasjenige, was uns vielfach gegeben ist gerade durch die neuere Naturwissenschaft, ist für den Geistesforscher nur im Grunde genommen Fragestellung. Ob man dasjenige nimmt, was vorliegt, sagen wir in der neueren Astronomie, ob man dasjenige nimmt, was vorliegt in den modernen chemischen Anschauungen, wenn man diese Erkenntnisse in sich aufnimmt, dann entsteht notwendig die Frage: Ja, wie stehen diese Vorgänge zu dem, was im Menschen selber vorgeht? Gerade aus den wissenschaftlichen Ergebnissen, die entstanden sind durch das Hinausstellen der Beobachtung ins Experiment hinein, entstehen auf der anderen Seite Fragestellungen, die sich auf das Verhältnis des Menschen zur Welt beziehen. Und so wird man vielfach empfinden, daß die moderne Wissenschaftlichkeit demjenigen, der diese Wissenschaftlichkeit erlebt und nicht bloß über sie theoretisiert, die geisteswissenschaftlichen Probleme aufgibt, so daß er gar nicht anders kann, als von den Fragestellungen, die sich ihm ergeben, zu den geisteswissenschaftlichen Problemen vorzurücken. Im Jahre 1859 mag Darwin stehengeblieben sein bei demjenigen, was er in einer so außerordentlich ausdauernden und bis zu einem gewissen Grade sogar minuziösen Darstellung gegeben hat. Für denjenigen, der diese Dinge hinterher studiert, wird jedoch das, was er glaubt, daß es wissenschaftliches Ergebnis ist, zu einer Fragestellung.
[ 22 ] What is often presented to us by modern natural science is, for the spiritual researcher, essentially nothing more than a question. Whether one takes what is presented, say, in modern astronomy, or what is presented in modern chemical theories—when one takes these insights to heart—the question inevitably arises: How do these processes relate to what is happening within human beings themselves? It is precisely from the scientific findings that have arisen through the extension of observation into experimentation that questions arise, on the other hand, concerning the relationship of the human being to the world. And so one will often find that modern scientific thinking presents the problems of the Spiritual Science to those who experience this scientific approach—rather than merely theorizing about it—so that they have no choice but to move from the questions that arise to the problems of the Spiritual Science. In 1859, Darwin may have stopped at what he presented in such an extraordinarily thorough and, to a certain extent, even meticulous account. For those who study these matters in retrospect, however, what he believes to be a scientific result becomes a question.
[ 23 ] Und dann hilft einem das Erlebnis, das man im Experiment hat. Aber man kommt auf der anderen Seite zur Erkenntnis des in sich selbständigen Wesens der Mathematik. Untersucht man, auf was eigentlich diese Mathematik so anwendbar ist, daß eine innerlich befriedigende Erkenntnis aus dieser Anwendung sich ergibt, so schließt sich das alles zusammen, was Wesen der Beobachtung, was Wesen des Mathematisierens ist, Wesen des durch Mathematik Gewonnenen, Wesen des Naturerkennens. Was aber ist dasjenige, was man im Experiment erlebt? Was entsteht dadurch, daß man sich in die Notwendigkeit versetzt fühlt, nun auch an alldem eine solche Erkenntnis zu gewinnen, die sich durchaus hineinwagen darf auch in das geschichtliche Erkennen? Man wird geneigt sein, überall solche Zusammenhänge zu suchen, deren Fäden eben nicht gegeben sind innerhalb des Materials der heutigen Wissenschaft. Erfaßt man aber dasjenige, was in diesem Zusammenhang Ordnung hineinbringt, so fühlt man, wie ich Ihnen heute angedeutet habe, von dem Naturerkennen des Menschen herauf zum geschichtlichen Erkennen in sich höhere Wesenheiten, rein geistig-seelische Wesenheiten sich enthüllen. Kommt man aber dazu, dann eröffnet sich auch die Pforte zur Betrachtung der in sich selbständigen geistigen Welt selber.
[ 23 ] And then the experience one has in the experiment helps. But on the other hand, one comes to recognize the intrinsic nature of mathematics. If one investigates what mathematics is actually applicable to in such a way that an intrinsically satisfying insight arises from this application, then everything comes together: the essence of observation, the essence of mathematizing, the essence of what is gained through mathematics, and the essence of understanding nature. But what is it that one experiences in the experiment? What arises from the fact that one feels compelled to gain such an understanding of all this—an understanding that may well venture into historical understanding as well? One will be inclined to seek everywhere such connections whose threads are not, in fact, present within the material of contemporary science. But if one grasps what brings order to this context, one senses—as I have indicated to you today—that higher entities, purely spiritual-soul entities, reveal themselves within oneself, rising from human knowledge of nature up to historical understanding. And when one reaches this point, the gateway to the contemplation of the spiritual world—which is independent in itself—also opens.
[ 24 ] Meine sehr verehrten Anwesenden! Ich weiß sehr genau, wie vieles Unbefriedigende gerade diese skizzenhaften, aphoristischen Vorträge haben müssen. Aber ich habe vorgezogen dem Vortrag über ein eng begrenztes Kapitel das Vortragen von einem größeren Überblick, der allerdings in vielen Einzelheiten unausgefüllt bleiben mußte, damit Sie ein wenig unterrichtet werden dadurch, worin das Vorgehen der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis, wie sie hier gemeint ist, eigentlich besteht, worauf sie zielt, und damit Sie auch ein Gefühl davon bekommen, daß schon angestrebt wird etwas, was nicht willkürlich, dilettantisch, phantastisch sein will, sondern was insbesondere in bezug auf seine Methode nachstrebt dem Exaktesten, was wir in dem Wissenschaftlichen nur haben. Denn daß die Mathematik so exakt ist, wie sie ist, rührt eben doch einzig und allein davon her, daß wir gewissermaßen dieses Mathematische innerlich erleben. Und so wie man wußte in der platonischen Zeit, warum man den Ausdruck «Gott geometrisiert» als Überschrift an der Schule brauchte, wußte, daß diejenigen, die hineingingen, in einer gewissen Weise geometrisch-mathematisch vorgebildet waren, so weiß die neuere Geisteswissenschaft, warum sie das von innerlicher heller Klarheit beleuchtete Mathematisieren zur Charakteristik desjenigen verwendet, was sie eigentlich will. Wenn Sie den Eindruck bekommen haben, daß namentlich der Methode nach das Vorgehen dieser anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft etwas ist, mit dem man sich irgendwie beschäftigen kann und worüber man so nachdenken kann, daß man sich die Frage aufwirft: Kann von da aus irgendeine Befruchtung ausgehen auf unsere übrigen Wissenschaften? — die damit nicht herabgesetzt werden sollen, sondern die gerade dadurch zu ihrem wahren Werte gebracht werden sollen, wenn wir das durch diese aphoristischen und, wie ich weiß, in gewisser Beziehung sehr ungenügenden Vorträge erreicht haben, dann sind die Absichten doch erfüllt, die ich diesen aphoristischen Betrachtungen zugrunde legen wollte.
[ 24 ] Ladies and gentlemen! I am well aware of just how many shortcomings these sketchy, aphoristic lectures must have. But I have chosen to present a broader overview—rather than a lecture on a narrowly defined topic—even though many details had to remain unfilled, so that you might gain some insight into what the process of Spiritual Science knowledge, as understood here, actually consists of and what it aims at, and so that you might also gain a sense that what is being sought here is not something arbitrary, amateurish, or fanciful, but rather—especially with regard to its method—something that strives for the utmost precision that we possess in the realm of science. For the fact that mathematics is as precise as it is stems solely from the fact that we, in a sense, experience this mathematical reality inwardly. And just as people in the Platonic era knew why the phrase “God geometrizes” was needed as a motto for the school—knowing that those who entered it had, in a certain sense, been prepared in geometry and mathematics—so too does modern Spiritual Science know why it employs this “mathematizing,” illuminated by inner, bright clarity, as the defining characteristic of what it actually seeks. If you have gained the impression that, particularly in terms of method, the approach of this anthroposophically oriented Spiritual Science is something one can engage with in some way and reflect upon—to the point of asking: Can any enrichment flow from this to our other sciences? —not to belittle them, but rather to bring them to their true value precisely through this—if we have achieved this through these aphoristic and, as I know, in some respects very inadequate lectures, then the intentions I sought to underpin these aphoristic reflections have indeed been fulfilled.
